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Rafael Hintersteiner Ein kleines Angebot Die Franziskuskapelle von Arbing


Welches Bild haben Sie vor Augen, wenn Sie an eine Kapelle denken? Ein kleines Häuschen in ländlicher Umgebung, am Eingang manchmal ein Gitter durch das man ins Innere späht, an der Rückwand eine Heiligenfigur oder ein Votivbild, davor der übliche Blumenschmuck. Die meisten davon älter als 50 Jahre, die jüngeren sehen nicht jünger aus. Kapellen und Bildstöcke gehören unserorts gewissermaßen zum Landschaftsbild, erfreuen das Auge, wecken Kindheitserinnerungen und sind trotz Navigationscomputer und GPS gern genutzte Orientierungs- und Wegbeschreibungspunkte. Gestalterisch hat der Bautypus der Kapelle lange Zeit in einer Art Dornröschenschlaf verbracht. Doch seit einigen Jahren erlebt die Kapelle als sakrales Bauwerk eines privaten Bauherrn eine neue Blüte. Prominente Beispiele zeigen, dass immer mehr gläubige Menschen Ihrer Überzeugung im öffentlichen Raum Gestalt geben. Die Ergebnisse dieses Gestaltens zeugen nicht nur von großem Engagement sondern sind, nahezu frei von funktionalen und liturgischen Zwängen, Experimentierfeld für das sakrale Bauen. In Arbing, Nahe Perg, entstand so ein Bauwerk. Am Schlossberg, gleich neben Kirche und Friedhof steht ein kleiner kubischer Raum, der Angebot zum Innehalten und Gedenken ist. Bauherr ist ein 23 jähriger Student, der dieses Projekt neben seinem Architekturstudium zu Papier und schließlich auch zur Umsetzung brachte. Auf einem Grundstück der Familie, finanziert durch Sponsoren, Förderungen des Landes OÖ und dem Geld aus zwei Stipendien, die Raphaël Hintersteiner für dieses Projekt gewonnen hat: dem Leistungsstipendium und dem Förderstipendium der Kunstuniversität Linz. Und nicht zuletzt getragen durch Benefizveranstaltungen. So hat der Bauherr den Künstler Erich Fröschl dazu gewonnen einige Druckgrafiken zu stiften und den jungen Chor „E medio cantus“ dazu bewegt ein Benefizkonzert in Arbing zugunsten des Kapellenbaus zu gegeben. Gewidmet ist die Kapelle Franz von Assisi. Doch nicht die diesem Heiligen eigene Naturverbundenheit ist hier das Thema, sondern Einfachheit und Offenheit; die Reduktion auf das Elementare ebenso, wie die Zurückhaltung in der Symbolik. „Mein Gedanke war es einen Meditationsraum zu schaffen, der vieles zulässt, weil für mich auch Franz von Assisi ein Heiliger ist, der viel zulässt“, erzählt Raphaël Hintersteiner. Daher ist die Kapelle ein Angebot an alle, sie steht jederzeit und jedermann offen. Ein Ort des „In sich Gehens“ auf der Suche nach innerem Frieden, wie das in die Außenwand eingelassene Zitat „pax et bonum“ schon andeutet. Weshalb sich die Kapelle andererseits auch sehr abgeschlossen gibt. Schwarze Betonwände umgeben einen nur sechs Quadratmeter großen Raum, dessen fehlende Decke den Blick vom Alltäglichen weg lenken soll. Lediglich kleine Nischen für Kerzen oder Gedenkbilder knüpfen an traditionelle, gewohnte Bilder an und bringen Lebendigkeit und Mystik in diesen fast kargen Raum. Ebenso wie die kleine Glocke über dem Eingang, die den (mutigen) BesucherInnen die Gelegenheit gibt die Besinnung „geläutert“ abzuschließen. Eingeweiht wurde die Kapelle am 07. Oktober 2011 durch Bischof em. Maximilian Aichern, Monsignore Dechant Johann Zauner, Dechant Konrad Hörmannseder, Dechant Karl Wögerer und Diakon Fritz Pichler aus Hallstatt. Text: Veronika Müller


The Saint Francis Chapel does not meet the conventional principles of the design of a chapel. It is a small cubic room inviting to pause for a moment of remembrance. The relationship with nature associated with Saint Francis is not what the design of the chapel shall convey, but it is the simplicity and openness, the reduction to elementariness and the restraint of symbolism. A room of meditation was created: a room of possibilities which is open for everyone. It is a place of reflection, as suggests the inscription “pax et bonum� on the exterior wall. Looking at the chapel from the exterior, you will get the impression of a complete building. The small room of six square meters is surrounded by black concrete walls. The open ceiling shall guide the view beyond the everyday. Small candle niches link to the traditional mysticism in this sparse room. At the entrance, there is a small bell offering visitors the opportunity of concluding their reflection.


Gazing from afar, behold I have seen approach the power of god ... Amalarius of Metz


Einweihung der Kapelle am 07. Oktober 2011


„... Wenn ich in der Kapelle bin, sehe ich den Heiligen Franziskus vor mir stehen ...“ Bischof em. Aichern während dem Festgottesdienst


Pl채ne Grundriss, Ansichten, Schnitte


Grundriss


Ansicht


pax et bonum


Schema


Nachwort Franz von Assisi Höchster, allmächtiger, guter Herr, dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen. Dir allein, Höchster, gebühren sie, und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen. Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, zumal dem Herrn Bruder Sonne; er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn. Und schön ist er und strahlend in großem Glanz, dein Sinnbild, o Höchster. Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne; am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön. Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst. Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser, gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch. Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer, durch das du die Nacht erleuchtest; und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark. Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns ernährt und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter. Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen und Krankheit ertragen und Drangsal. Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden. Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod; ihm kann kein Mensch lebend entrinnen. Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben. Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden, denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun. Lobt und preist meinen Herrn und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.


Diese Arbeit enstand im Zeitraum von 2009 bis 2011 und wurde durch das Land OÖ, der Kunstuniversität Linz und Sponsoren gefördert. Ein großer Dank geht an Bischof em. Maximilian Aichern und LH Stv. Franz Hiesel, durch deren Wohlwollen das Gelingen des Projektes maßgeblich abhing. Weiters möchte ich mich bei Fritz Pichler, meinem ehemaligen Lehrer und Diakon von Hallstatt bedanken; durch ihn kam überhaupt die Idee zum Projekt. Des Weiteren geht mein Dank an: Meine Eltern, Univ.-Prof. Dr. Sabine Pollak, E medio cantus, Chor, Philipp & Elisabeth Hintersteiner, Hildegard Nefischer, Gemeinde Arbing, Hans & Agnes Starzer, Hilda Kastner, Edith Ernecker, Hilda Öllermayr, Veronika Steinkellner, Romana Gugerbauer, Markus Brandstetter, Johann Wieden, Georg Holzer, Otto Paireder, Johann Bauernfeind Rafael Hintersteiner, BArch. Aubergstraße 6/1/5 A-4040 Linz 0043 660 77 25 467 office@rafaelhintersteiner.at

(* 1988 in Linz) studiert seit 2008 an der Kunstuniversität Linz Architektur bei Roland Gnaiger, seit 2009 Klavier am Diözesankonservatorium Linz bei Heinz Reknagel und von 2011-2012 Operngesang bei Boris Ilie Bakow an der Universität Mozarteum Salzburg. 2012 wechselte zur Bruckneruniversität Linz, wo er sein Gesangsstudium bei Prof. Azesberger fortsetzt.


Franziskuskapelle Arbing