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32 Seiten EXTRA GPS-NAVIGATION: GERÄTE, KARTEN, LADER 2| 17

März April

D: 4,90 Euro A: 5,60 Euro, CH: CHF 9,60 BeNeLux: 5,60 Euro

radtouren-magazin.com

1m.5To0ur6 en k k

m Heft in diese

Berliner Berge

Auf Gipfeltour in der Hauptstadt S. 64

Hell und heller

GPS-Daten zu den Touren

Günstig aber gut? Test: 10 Trekkingräder um 700 Euro

Scheinwerfer-Tuning am Pedelec S. 56

age t d a R e s Endlo

ch Reisen dur

er S. 18 m m o S s n ie Skandinav Aller-Radweg

Geheimtipp zwischen Elbe und Weser S. 48

Ostseeküste

Vater-Kinder-Tour von Lübeck nach Usedom  S. 12 Groß? Schick? Dicht! 10 Seiten Kaufberatung zu Fahrradtaschen

S. 74


Inhalt

Spezial Mit Meerblick unterwegs auf Schwedens Sonneninsel Öland – und auf anderen nördlichen Radreiserouten. Alles im Skandinavien-Spezial.

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Im Test: Trekkingräder

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Produkte in dieser Ausgabe Trekkingräder um 700 Euro: Carver Tour 120, Gudereit SX30, Green‘s Kensington, Hercules Tourer 24 HS, Kalkhoff Voyager Pro, Kreidler Raise RT5, Pegasus Solero SL, Stevens Jazz Lite, Velo de Ville A60, Victoria 4.7. Trekking; Fahrradtaschen: Arkel Orca 45, Arkel GT18 BP, Basil Noir Business Bag, Brooks Norfolk, B‘Twin 500, Contec Transit Waterproof, Norco Arkansas, Norco finsbury, Ortlieb Back Roller, Ortlieb Back Roller Pro Plus, Ortlieb Vario, Ortlieb Bikepacking-Set, Racktime Heda, Restrap Bikepacking-Set, Thule Large Adventure Touring Pannier, Vaude Aqua Back, Vaude Cyclist Pack, Vaude Karakorum; Pedelec-Scheinwerfer: b+m IQ-X E, Herrmans H-Black pro, Lupine SL, Supernova M99 Pro; Ausprobiert: Additive Bag V1, Endura Flipjak Jacket, Rose Bike Koffer & mehr

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Alpine Dörfer, steile Pässe: Basislager dieser Gebirgstour ist das Wohnmobil.

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Inhalt

RADtouren Spezial

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Service

18 Fahrradies Skandinavien: Die besten

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Radrouten durch Dänemark, Schwe-

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Reise-Tipps: Termine und Touren Service: Nachhaltigkeit

den, Norwegen und Finnland vereinen eindrucksvolle Naturerlebnisse und

Hat Berlin Berge? Ja, und sie lassen sich sogar zu einer Radtour verbinden.

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Fotos: Supernova, Goll, Jakobs, Bast, Patrick Pilz

Genussmomente. 30 Öland: Schwedische Inselidylle

Reisen 12

Radreise: Ostseeküstenradweg

48 Radreise: Aller-Radweg

Teile, Test und Technik

64 Radtour: Berliner Höhepunkte 88 Radreise: Alpintour mit Wohnmobil

36 Im Test: Trekkingräder um 700 Euro 62 Ausprobiert 56

Kaufberatung: Pedelec-Scheinwerfer

Rubriken

74 Zubehörtest: Fahrradtaschen

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82 Werkstour: Hartje Manufaktur

6 News: Nachrichten aus

Editorial der Fahrradwelt

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Marktplatz

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Weiterlesen

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Vorschau/Impressum

Nie waren Fahrradscheinwerfer heller als am Pedelec. Lichtblicke!

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NEWS

ssion Sicherheitsdisku

isch T m e d f u a r e d ie Helmpflicht w stag Der UdV nennt als mögliche Gegen-

rkehrsgericht r Stelle die um Deutschen Ve na hmen an erste aß m s de e nd r Vorsitze In fra str uk tu r in Goslar hat sich de Verbesseru ng der tin ar M tag es nd Bu im s d Fu ßgänger Verkehrsausschusse fü r Radfah rer un Er fü t ich pfl elm eine H elle vermehrtes Burkert (MdB) für und an zweiter St tte ha h lic nt d weht dem Vorsetzt. Eige tragen. Gegenw in Bike-Fahrer einge elm H len na tio ren Seiten entgegierung im Na Burker ts von ande ß sich die Bundesre sto e ein n er Helmpfl icht g bereits gege i Ei nf üh ru ng ein Be Radverkehrsplanun n. ge s ht sic r würde esprochen. Ange er gar Fa hrradfahre od ke Bi EHelmpflicht ausg r fü und zuhlen mit Pedelecs unmittelbar stark steigender Unfallza e Fa hrradnutzung di n sio des us g sk un Di e Steiger hat sich die gehen. Aber nur ein älteren Radfahrern ck rü rVe e da s Radfaheizt. Jeder fünft hrsa ntei ls mache ke er dv nun wieder aufgeh Ra ah äerkehr sei ein Radf nu r eine höhere Pr letzte im Straßenv ren sicherer, denn llt hr ste , ke 65 er nv als ße er St ra von ält von Radfahrern im rer, jeder zweite da rsicherer senz Ve r de tofa hrern beng Au n hu vo rsc e e, dass dies rk dazu die Unfallfo wi be e di ist somit Unfä lle n 1991 und 2015 hrgenommen und wa t ss (UdV) fest. Zwische wu ten eirad hrigen verunglück , teilt et wa der Zw Zahl der über 65-jä vermieden würden , en eg FC sti ge AD 5 it. .68 m (Z IV) 85 auf 13 Radfahrer von 6.5 du str ie Verband In e di FC ork, St AD rd rer-Verband hrer Bu rk ha beziffert der Radfah Bu ndesgeschä ftsfü tstik. Senorien-Unfallstati

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Jan Gathmann

Klappt doch Ein böser Blick hier, ein absichtlich nicht beiseite gestellter Koffer da, die leise geraunte Beschwerde „muss das sein“ woanders. Wer mit dem Rad manchmal den Zug nimmt, hat das so oder so ähnlich wahrscheinlich schon erlebt. Radreisende können ein Lied von mangelnder Rücksichtnahme singen. Sobald sie die sicheren gebuchten Stellplätze im Fernverkehr verlassen haben und auf den regionalen Srecken zum Startoder Heimatort fahren, befinden sie sich gefühlt in Feindesland: Erst entscheidet das Zugpersonal, ob überhaupt genug Platz im Zug ist – ein Mitnahmeanspruch für Fahrräder besteht meist nicht. Hat der oder die Uniformierte das Fahrrad durchgewunken, erlischt schon das Interesse am Wohl des Zweiradfahrers. Ist doch Sache des Passagiers, die Mitreisenden ohne Rad zu überzeugen, ein kleines Stück zu rücken oder gar einen der begehrten Klappsitze frei zu machen (wo genießt man schließlich sonst soviel Beinfreiheit wie im Radabteil!). Wohl denen, die das mit Gemütsruhe und gewinnendem Lächeln angehen können. Wehe denen, die am liebsten sofort zur Luftpumpe greifen würden, um die Unverständigen zu erziehen. Sie dürfen auf wenig Anteilnahme hoffen. Das Ärgernis ist das Fahrrad im Mittelgang, dessen Dreck und Schmier Mantel und Hose bedroht. Niemand stichelt über die Mitreisenden, die nicht aufstehen und damit erst bewirken, dass das Velo zum Gefahrgut für die Garderobe wird. Doch, halt! Manche haben verstanden. In Privatbahnen – hier ein Lob auf die Eurobahn – erlebte der Verfasser es bereits, dass Zugbegleiter Passagiere zum Räumen der Radplätze aufforderte und sogar erklärten, dass dies zum Wohle aller sei. Richtig Klick gemacht hat es beim Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB). Der stellte steigende Radmitnahmen fest – allein 6 Prozent mehr Fahrrad-Tageskarten im Gesamtnetz von 2015 auf 2016 – und reagierte mit dem Pilotprojekt „Rad im Regio“. Man kennzeichnete unter anderem die Stellplätze deutlich mit Markierungen, blockierte die Klappsitze oder entfernte sie sogar und hängte in der Saison auf den RadausflugsBahnrouten zusätzliche Wagen an. Außerdem klärte man die Kunden umfassend auf. Ergebnis: Alle waren am Ende zufriedener. Auch die Fußgänger. Klappt doch!

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Unfallzahlen

Modernere Autos könnten schützen

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icherheitsexperten des Verein Deutscher Ingenieure haben das Unfallgeschehen im Straßenverkehr in Deutschland nach dem Verursacherprinzip untersucht. Die beiden größten Hebel zur Vermeidung von Verkehrstoten seien die Erneuerung des PkwBestands und die damit einhergehende Verbesserung der Sicherheitstechnik sowie eine Minderung der Ablenkung der Verkehrsteilnehmer durch z.B. Mobiltelefone mit einem Potenzial von jeweils 200 bis 300 Opfern, so teilte der Verband mit. Alle vorgschlagenen Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit hat der VDI in seiner „Berliner Erklärung“ zusammengefasst – darunter übrigens auch eine Helmpflicht „mindestens für Pedelecs“. Fotos: Shutterstock, VBB, BULLS

Meinung: Rad & Bahn

rbeitsk reis des der im Radfahr-A gs referier t, geht Verkehrsgerichtsta dlückenha fte Fa hrra noch weiter: „Die Auste der ungebrem Infrastr uk tu r und für n schland sind scho toverkehr in Deut Fü r r eine Zu mut ung. topfitte Radfah re hnell tere werden sie sc Ungeübte und Äl z für at Pl auchen mehr zur Gefa hr. Wir br des und zwar zu lasten den Radverkehr – giit endlich durchgän Autoverkehrs, dam etze fortable Radwegen ge, breite und kom nnen.“ angeleg t werden kö


News

ZEG Pedelec-Service

Kopenhagen

Vier Jahre AkkuGarantie

Erstmals mehr Radfahrer als Autofahrer

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ier Jahre Garantie gewährt die ZEG in Partnerschaft mit BMZ auf ihre Pedelecs mit Akkus des großen deutschen Herstellers. BMZBatterien sind bei der ZEG in E-Bikes mit BroseAntrieb oder SR Suntour-Heckantrieb verbaut. Das trifft auf viele Modelle der eigenen Marken Bulls oder Pegasus zu. Laut ZEG handelt es sich bei dem neuen kundenfreundlichen Angebot um einen exklusiven Service. Er gelte für alle Modelle ab dem Modelljahr 2017. Insbesondere profitierten davon Kunden der Marken Bulls und Pegasus. Der Brose-Antrieb ist beispielsweise in der Bulls Evo-Serie eingebaut.

n Kopenhagen haben die Radfahrer im Winter die Autofahrer überholt. Zumindest nach Zahlen. Denn bereits mit Stichtag im November fuhren im Schnitt 265.700 Radfahrer in der Innenstadt. Damit lag die Zahl der Radfahrten erstmals über der Anzahl der Autofahrten, von denen rund 13.000 weniger registriert wurden. Das berichtet unter anderem die dänische Tageszeitung „Politiken“. Kopenhagen gehört seit Jahren zu den Top drei der Fahrradstädten der Welt.

Korrektur: falscher Preis bei Brooks In RADtouren 1/17 berichteten wir über aktuelle Ledersättel, darunter auch zwei Klassiker des britischen Herstellers Brooks. Bei beiden Sätteln sind die Preisangaben falsch, da sie sich auf schwankende – und in dem Fall deutlich niedrigere – Onlinepreise beziehen. Die richtigen unverbindlichen Preisempfehlungen des Herstellers belaufen sich wie folgt auf: Brooks B17 N: 110,00 Euro und Brooks B 15 Swallow Chrome: 170,00 Euro

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Radreise

Ostseeküstenradweg mit Kindern

Sattel statt Strandkorb

Weiße Strände und Sandkörbe so weit das Auge reicht: So kennt man die Ostsee.

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Ostseeküstenradweg

In den Sommerferien 2016 forderte ich meine Kinder zu einer Challenge heraus – nicht im virtuellen Raum sozialer Netzwerke, wo heutzutage User zu „Challenges“ einladen, sondern in der vierdimensionalen Rea­lität der baltischen Seeluft, mit Sinneswahrnehmungen in Ultra-HD und der maximalen Bandbreite radfahrerischer Erfahrungen. Meine neunjährige Tochter Antonia, mein zwölfjähriger Sohn Finn-Jonathan und ich wollten innerhalb von zwei Wochen die komplette deutsche Ostseeküste abradeln, mit Selbstversorgerausrüstung und kompromisslosem Sports- und Teamgeist. Text & Fotos: Dr. Andreas Gaile

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ie Idee zu unserem OstseeküstenRadabenteuer erwuchs aus einem Gespräch mit einer Familie aus dem Nachbarort, die im Rahmen eines Sabbaticals mit Kleinkind durch Neuseeland geradelt war. Aus Erinnerungen an eine Radtour über die Alpen vor 25 Jahren und Träumen von Zweirad-Abenteuern auf den Antipoden kristallisierte sich die Ostseeküste als geeignetes Terrain heraus, um das Format einer Radreise mit Kindern auszutesten. Eine solche Tour würde auf die Sommerferien und ein überschaubares Budget konfektionierbar sein.

Foto: Shutterstock

Herausforderungen meistern Um 4:30 Uhr am Abreisetag raus aus den Federn, um 5:30 Uhr mit den vollbepackten Rädern und unendlich aufgeregten Kindern zum 10 km entfernten nächsten Bahnhof radeln, um 6:30 Uhr die Räder in den ersten von vier Zügen, die wir auf der zehnstündigen Bahnfahrt vom Rhein-Main-Gebiet nach Flensburg besteigen mussten, hineinzirkeln, nach der Ankunft in Flensburg am frühen Abend noch 15 km bis nach Dänemark radeln, um dort auf dem ersten Campingplatz hinter der deutschen Grenze unser Nachtlager aufzuschlagen. Mit diesem Kraftakt startete die Reise – und zurückblickend waren wir uns einig, dass die An- und Abreise mit der Deutschen Bahn die mit Abstand anstrengendsten Teile unseres Radabenteuers waren. Die Räder nebst der vielen einzelnen Packtaschen und Isomatten durch die schmalen Türen der Fernzüge zu bugsieren und sie überhaupt RADtouren 2 | 17

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Spezial

Dänemark – Schweden – Norwegen – Finnland

Der norwegische Rallarvegen ist einer der beliebtesten Radwege Nordeuropas.

Nördliches  Es ist einfach die Länder im Norden als Skandinavien zu abstrahieren. Die Vielfalt, die sich hinter dem Begriff verbirgt, wird aber nur deutlich, wenn man in die einzelnen Länder guckt: das Radfahrerland Dänemark, das Sehnsuchtsziel Schweden mit seinen dichten Wäldern, das niemals flache, aber umso spannendere Norwegen und das Land der Mitternachtssonne, Finnland.

Foto: Visit Norway / Sverre Hjørnevik

Text: Lisa Partzsch

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Fahrradies

Skandinavien

SKandinavien

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Fotos: Lisa Partzsch

Test

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Trekkingräder

Test: 10 Trekkingräder um 700 Euro

Tourstarter Wenn es ein Rad für gelegentliche Wochenendtouren oder den Weg zur Arbeit im Sommer sein soll, landen viele beim günstigen Trekkingrad. Für 700 Euro wird dabei schon solide Radtechnik erwartet. Ein machbarer Wunsch?

Text: Jan Gathmann

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ie gute Nachricht zuerst: Vieles im Fahrradbereich wird teurer, nur die günstigen Trekkingräder nicht. Anders gesagt: In höheren Preisbereichen beobachteten wir im letzten Jahr eine Tendenz, Räder schlechter auszustatten (siehe Trekkingradtest in RADtouren 2/16). Nur so gelang es den Herstellern, kaufkräftige, sogenannte „Eckpreislagen“ wie 999 Euro zu halten. Denn die Produzenten müssen aufgrund des schwachen Euros und anderer Entwicklungen Fahrradteile teurer einkaufen. Im hart umkämpften Einstiegsbereich zwischen 600 und 700 Euro hat sich die Aussttattungsqualität der Papierform nach dagegen nicht verschlechtert. Vor vier Jahren

beispielsweise waren ähnlich teure Trekkingräder auch ähnlich ausgestattet. Wenn man von einer Veränderung sprechen kann, dann zum Guten. Das beste Beispiel dafür sind die Bremsen. So setzen gleich 4 von insgesamt 10 Testrädern auf hydraulische Scheibenbremsen zum Verzögern – darunter auch die beiden preiswertesten Kandidaten für 599 Euro. Die Scheibenbremsen machen den Besitzern in der Regel das Stoppen bei Nässe einfacher und verringern den Wartungsaufwand. Dass es sich dabei durchweg um günstige Gruppenteile von Shimano handelt, kann man durchaus als Vorteil werten. Sie gelten in Händlerkreisen als problemlose Systeme. Und sie überfordern wenig RADtouren 2 | 17

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Radreise

Stadtansicht von Magdeburg mit Dom und Kloster Unser Lieben Frauen.

Aller-Radweg

Kulturnah durch den Norden Der Aller-Radweg gilt als die schönste Radverbindung zwischen Elbe und Weser. Warum das so ist, hat Hans Kothe auf seiner Tour über 366 flache Kilometer erfahren. Text & Fotos: Hans Kothe

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Aller-Radweg

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schma­les Rinnsal aus einer mit Bruchsteinen gemauerten Einfassung, darüber eine Infotafel. Eine zweite Quelle finden wir nach drei Kilometern in Gehringsdorf.

Grenzerfahrungen Ohne größere Anstrengungen bewältigen wir die welligen Landschaftsformen über wenig befahrene Nebenstraßen nach Ummendorf, einem typischen Börde-Dorf mit Drei- und Vierseitenhöfen, geschmückt mit eindrucksvollen Torbögen aus gelben Sandsteinquadern, die aus den bekannten Steinbrüchen des nahen Wefensleben stammen. Hier wurde Sandstein für bedeutende Kirchen und andere Gebäude in Mitteldeutschland abgebaut. Marienborn ist nicht mehr weit. Noch ein kurzer Anstieg mit Ausblick zum Osterberg, dann sind wir schon in einem der ältesten Wallfahrtsorte Deutschlands mit einer über 1.000-jährigen Geschichte, ganz nahe der einstigen innerdeutschen Grenze. Nach der Wiedervereinigung entstand am Grenzübergang Helmstedt-Marienborn die Gedenkstätte „Deutsche Teilung Marienborn“. Dorthin zweigen wir ab und besuchen die hochinteressante, aber auch beklemmende Ausstellung im Dokumentations- und Informationszentrum, die die damalige Abfertigungspraxis für den Grenzübergang von

Westdeutschland nach Berlin sehr gut veranschaulicht. Am ehemaligen Atommülllager Morsleben verlassen wir den Aller-Radweg für einen lohnenden Abstecher nach Helmstedt, einer früheren Universitäts- und Hansestadt mit sehenswertem Ortskern, reich an Renaissancebauten und Fachwerkhäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Besonders gut gefällt uns das „Juleum“, ein Gebäudeensemble der einstigen Universität, die von Herzog Julius im Jahre 1576 als „Academia Julia“ gestiftet und erst unter Napoleons Herrschaft 1810 geschlossen wurde. Nach einer kleinen Ortserkundung satteln wir ab. Für heute ist genug.

Auf holprigem Waldweg Morgens setzen wir unsere Radreise durch den Lappwald fort. Wir radeln wieder in Sachsen-Anhalt. Unser Weg verläuft ziemlich parallel zur ehemaligen innerdeutschen Grenze zum früheren Eisenbahnknotenpunkt Oebisfelde, wo einst Züge aus sieben verschiedenen Richtungen ankamen. Den östlichen Teil des „Zonengrenzgebietes“ lassen wir jetzt hinter uns und holpern mit unseren Velos über einen längeren Waldweg

Foto: Shutterstock

om Quellgebiet in der Magdeburger Börde schlängelt sich der längste Nebenfluss der Weser gemächlich durch Wiesen, Weiden und Kiefernwälder quer durch Norddeutschland. Der Radweg, gut ausgeschildert und familientauglich, begleitet den Fluss, der im Wechsel mit einer einzigartigen Natur an wunderschönen historischen Städten, Schlössern, Klöstern und Mühlen vorbeiführt. Ausgangspunkt unserer sechstägigen Radreise ist Magdeburg. Bei herrlichem Sonnenschein haben wir von der Sternbrücke einen wunderbaren Blick über die Elbe auf die Altstadt mit dem romanischen Dom. Fußgänger flanieren über die autofreie Brücke. Radfahrer wechseln vom Elberadweg herüber zur Innenstadt und genießen das wohl schönste Panorama auf die Hauptstadt Sachsen-Anhalts. Wir machen noch ein paar nette Fotos und los geht’s. Zunächst steuern wir unsere Räder durch den südlichen Teil der Stadt, entdecken noch einige sehr hübsch restaurierte Häuser aus der Gründerzeit und machen uns dann auf den Weg zu den Quellen der Aller in Richtung Eggenstedt. Über sanft geschwungene Hügel mit kleinen Weilern in dörflicher Idylle erreichen wir nach gut zwei Stunden die erste von vier Quellen der Aller. Mitten in Eggenstedt fließt ein

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Kaufberatung

Besseres Licht am Pedelec

Hell und heller Pedelecs sind im Schnitt schneller. Helleres Licht für schnelleres Radfahren hat das Durchschnittspedelec aber eher nicht an Bord. Dabei ermöglicht der legale Strom aus dem Akku sogar Scheinwerferlicht auf Autoniveau. RADtouren beleuchtet die neuen Nachrüstmöglichkeiten für Pedelecs bis 25 km/h und kennzeichenpflichtige S-Pedelecs.

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ür welchen Einsatz auch immer das E-Bike verwendet wird: Wer häufig bei Dunkelheit unterwegs ist, wird schnell die Vorzüge leistungsstarker E-Bike-Scheinwerfer zu schätzen wissen. Die vergleichsweise hohen Geschwindigkeiten, die dank der Motorunterstützung mit dem Pedelec und insbesondere mit dem S-Pedelec erreicht werden, verlangen vom Fahrer eine besonders vorrausschauende Fahrweise. Das gelingt im Dunkeln aber nur, wenn der Weg auch weit im Voraus sichtbar ist. Sprich: Die Strecke muss bei schlechten Lichtverhältnissen besser ausgeleuchtet sein. Aber nicht immer sind die ab Werk verbauten Scheinwerfer dafür ausreichend stark. Häufig sind es Adaptionen herkömmlicher Fahrradschein-

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werfer mit gleicher Leistung. Schlechte Sicht bremst nicht nur den Fahrspaß, sondern kann auch zur Gefahr werden, denn eine unzureichend ausgeleuchtete Strecke bedeutet weniger Zeit, auf Hindernisse oder den Streckenverlauf zu reagieren. Abseits befestigter Wege, auf verwinkelten Pfaden, ist sehr gute Beleuchtung nachts deshalb ein Muss. Im Straßenverkehr kann das richtige Licht außerdem die passive Sicherheit entscheidend erhöhen. Insbesondere helle LED-Tagfahrlichter, die ihr Licht breit streuen, machen andere Verkehrsteilnehmer aufmerksamer. Auto-Techniker sprechen sogar von LEDLichtsignaturen, einer unverkennbaren Lichtlinie, wie sie etwa der neue Supernova M99-Scheinwerfer besitzt.

Einen leistungsstarken E-Bike-Scheinwerfer nachzurüsten, kann sich also lohnen. 2017 bietet der Markt zugleich erstmals eine größere Auswahl an Pedelec-Scheinwerfern, die zumindest der Papierform nach heller strahlen als die hellsten Fahrradscheinwerfer bisher. Was möglich ist, wenn man die Möglichkeiten der Elektronik-Steuerung und des Energiespeichers konsequent ausnutzt, zeigt beispielhaft der Supernova M99 Pro (ausführlicher Test auf radtouren-magazin.com).

Nachrüsten – aber wie? Was gilt es bei der Nachrüstung von Scheinwerfern am Pedelec zu beachten? Im Unterschied zum normalen Fahrrad wird der Scheinwerfer am E-Bike in der Regel

Fotos: Busch und Müller

Text: Ingo Effing


Pedelec Scheinwerfer

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Fahrbericht

Qeridoo Kidgoo 1 2017

Leicht besser

Technische Daten 469 Euro: Kinderfahrradanhänger für 1 Kind; erfüllte Normen: DIN EN 15918; Abmessung: HxBxL 92x74x105 cm; Faltmaß: 40x65x100 Gewicht: 14,8 kg (mit Deichsel, ohne Buggyrad); zul. Gesamtgewicht: 50 kg; Spurbreite: 70 cm; Federung: Blattfederung (stufenlos einstellbar); Räder: 20“ Alu-Laufräder (47-406) mit Steckachsen (auf Knopfdruck zu entnehmen), Luftbuggyrad mit Joggerfunktion; Bremsen: Feststellbremse am Schiebegriff; Schiebegriff: schnellverstellbar, ca. 75-112 cm hoch, 47 cm breit; Garantie: 2 Jahre; Besonderheiten: 5-Punkt-Sicherheitsgurt, ab­ nehmbares Rücken- und Kopfpolster, Wetterverdeck mit Insektenschutz, verstellbarer Sonnenschutz, getönte Fenster, Sicherheitswimpel, 2 Außentaschen und Belüftungsfenster an der Rückseite, Innentasche im Stauraum, Belüftungsfenster und kleine Netztasche im Innenraum, Anhänger kann mit Adapter (Maxi-Cosi kompatibel) für Babyschale/Autositzschale um­gerüstet werden; Innenmaße: 53 cm Schulterbreite, 42 cm Sitzpolsterbreite, 67 cm Rückenlehne bis Dachkante, 54 cm Beinlänge bis Stoßkante; Stauraum: 40x55x30 cm (ca. 66 Liter). qeridoo.de

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Kinderanhänger-Spezialist Qeridoo hat seine Modellpalette für 2017 überarbeitet. Wir haben den neuen Kidgoo 1 in der günstigeren und leichteren Variante ohne Scheibenbremsen ausprobiert – und fanden ihn genau an den Stellen optimiert, wo es sich auszahlt. Text: Jan Gathmann, Fotos: Bleicher / Efing

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anchmal ist eine Modellerneuerung eher ein Facelift. Neue Farben und ein neues Design mit einem Anstrich von Dynamik hat Qeridoo seinen 2017er Kidgoo-Modellen auch mit auf den Weg gegeben. Aber die wesentlichen Neuerungen sind zum Glück am Bedarf der Mütter und Väter orientiert, die mit Kindern mobil sein wollen. Eine wesentlicher Vorteil der Kidgoo-Modelle ist grundsätzlich, dass sie über einen Adapter eine AutoBabyschale aufnehmen können. So sitzen ganz Kleine sicher (und können nebenbei gesagt auch einfacher in den Kinderanhänger gesetzt werden, oder rausgenommen, wenn sie schlafen). Größere Kinder werden auf der gut ausgeformten und üppig gepolsterten Sitzbank mit einem einfach bedienbaren Fünf-Punkt-Gurt angeschnallt. Der andere Vorteil ist die sehr gute Blattfederung, die es hier zu einem vergleichsweise niedrigen Preis gibt. Sie federt Stöße wirkungsvoll. Hinterherfahrende erkennen das

mit bloßem Auge. Und sie lässt sich sehr einfach auf das Gewicht in der Kabine einstellen: über einen Schieberegler, der mit einer Schraube fixiert werden kann. Die leichte Einstellung ist wichtig, denn unterlässt man die Anpassung, kann man beinahe genauso gut ohne Federung fahren. Beide Eigenschaften hatte bereits das 2016er Modell, das damit schon bei unserer letzten Testfahrt (RADtouren 5/16) überzeugte. Und auch sonst ist das Gute gleich geblieben, wie die sinnvoll ausgesteifte Fahrgastzelle, der recht große Kofferraum oder die hohe Gewichtszulassung. Deutlich überarbeitet hat Qeridoo aber die Kupplung, die jetzt mit einem Elastomer den Anhänger am Rad andockt. Effekt: Schon nach wenigen Metern und einem ersten Zwischenspurt fällt sehr angenehm auf, dass ein anhängertypisches Problem nahezu verschwunden ist. Durch den wechselseitigen Pedalantritt kommt es bei beladenen Fahrradanhängern zu einer Art Schub-


Fahrbericht

Viel Platz und sicherer Halt für einen Passagier in der gut belüfteten Kabine.

Bewertung Radreise City / Alltag Fitness Gelände

rbericht ah

Tipp

ren RADt2o|1u7 To p-Produ

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Impuls, der Unruhe in die Fahrt bringt. Dieser Impuls ist dank der verbesserten Kupplung nur noch sehr moderat im Sattel zu spüren. Auch auf dem Rest der Teststrecke ist der Kidgoo 1 kaum aus der Ruhe zu bringen. Optimiert wurde auch der Umbau zum Buggy. Die Deichsel kann jetzt einfach herausgezogen und wieder verstaut werden, statt wie früher geklappt. So kann der Passagier beim Umbau sitzen bleiben. Das einklickbare Buggyrad läuft jetzt außerdem dem Hänger hinterher. Der bleibt damit besser in der Spur als der Vorgänger, was uns besonders freute. Unser Testmodell hat als günstigerer von zwei Kidgoo 1 „nur“ eine Feststellbremse statt einer Scheibenbremse. Sie ist aber am Schiebebügel leicht zu bedienen, damit besser als jede Fußbremse. Und spart knapp ein Kilo gegenüber der Diskbremse. Die brauchen ohnehin nur Hardcore-Jogger. 

Bewährte Blattfederung: Hier gab es nichts zu verbessern. Einfach und effektiv!

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Kupplung: einfacher zu montie- Buggyrad: läuft jetzt unter dem Wagen und ren, besserers Fahrverhalten. hält ihn gut in der Spur.

Fahrleistungen Komfort Ausstattung Preis / Leistung

Testurteil: hervorragend

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Radtour

e h ö Berliner H Eine Tour über 5 Berliner Berge

Bei Sport im Winter denkt man nicht unbedingt an Radfahren, bei Bergen sicher nicht an Berlin. Stefan Jacobs hat dennoch beides getan und eine Tour zu den Top 5 der Hauptstadtgipfel gescoutet – auch zu dem Berg, den sich Radprofi Jens Voigt etwa zur gleichen Zeit über 80 Mal hintereinander hochkämpfte. Text & Fotos: Stefan Jacobs

Sonnenuntergang hinter dem Teufelsberg mit der ehemaligen Abhöranlage der Amerikaner.

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pun kte Fotos: Patrick Pilz

Berliner Berge

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n Berlin sind die Berge weit weg. Aber eigentlich auch ganz nahe. Man könnte sogar sagen, dass die Hauptstadt umzingelt ist von Toplagen. Und damit ist nicht das im Sommer traumhafte und im Winter triste Brandenburg gemeint, sondern das Sammelsurium der Berge an den Berliner Stadträndern. Es sind Hochstapler dabei, die erst dank vieler Lkw-Ladungen von allem Möglichen gewachsen sind. Aber auch Naturprodukte aus der Eiszeit. Keiner wie der andere. Man kommt nicht auf alle gleich gut drauf und man kann nicht von allen viel sehen – aber von manchen umso mehr, zumal im Winterhalbjahr, wenn die Bäume kahl sind. Und man kann Berlin aus sehr besonderen Perspektiven erleben bei diesen Bergtouren: wenig bekannte Kieze, überraschend viel Grün zwischen Plattenbausiedlungen; Seen und Wälder, die man der Großstadt kaum zutraut. Gerade im Spätwinter hat man manches Idyll am Rande der Dreieinhalb-Millionen-Stadt fast allein. Da der höchste Gipfel gerade 122 Meter misst und

Der ehemalige Radprofi Jens Voigt fuhr den Teufelsberg Anfang Januar so lange hoch und runter, bis 8.848 Meter beisammen waren – und mehr als 25.000 Euro für einen guten Zweck.

Berlin – namentlich das Urstromtal entlang der Spree – schon gut 30 Meter über dem Meeresspiegel liegt, sind die Steigungen auch ohne Bergziegen-Gen zu schaffen. Und wer will, kann den Mount Everest sogar in Berlin simulieren wie kürzlich Ex-Profi Jens Voigt. Berge sind eben, was man draus macht. Größer als die realen Höhen ist oft der Aha-Effekt, wenn man oben ist und über Häuserschluchten hinweg dem Fernsehturm auf Augenhöhe in die Kuppel guckt. Und bemerkenswert sind auch die Abfahrten, die rasant sein können, wenn man selber kann. Die beschriebene Tour führt entlang der fünf höchsten Gipfel Berlins – mit dem Sechstplatzierten als „Bonus“, weil er ohnehin am Weg liegt, obendrein die amtliche Liste der Hunderter komplettiert und in diesem Jahr als Aussichtspunkt auf der Gartenausstellung IGA (ab 13. April) groß rauskommen wird. Man kann diese Berge auf einer knapp 200 Kilometer langen Runde erleben – oder als leichte Tagesausflüge von der City aus. 

ETAPPEN (entsprechend GPS-Tracks) 1. Hauptbahnhof – Teufelsberg 2. Teufelsberg – Schäferberg 3. S chäferberg – Müggelberg 4. Müggelberg – Ahrensfelde 5. A hrensfelde – Arkenberge 6. A rkenberge – Hauptbahnhof Gesamt:

15 km 27 km 60 km 30 km 33 km 20 km ca. 185 km

QUARTIER, KARTEN, INFOS Wer statt der Runde lieber Tagestouren von der City aus macht, findet gute Hotels zu guten Preisen z.B. bei visitberlin.de. Fahrradfreundliche Quartiere stehen unter bettundbike.de. Als einziger Stadtplan deckt der ADFCFahrradplan Berlin aus dem PietruskaVerlag (1:30.000) die gesamte Tour ab. Für die Abschnitte auf dem Mauerweg empfiehlt sich der entsprechende BikelineSpiralo aus dem Esterbauer-Verlag. Unterhaltsame und fachkundige Lektüre ist der „Bergführer Berlin“ (Be.Bra-Verlag) RADtouren 2 | 17

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Test

Test: Fahrradtaschen

Alles zum Mitnehmen! Egal wie weit: Ohne sie geht auf der Tour oder in der City gar nichts. Die Vielfalt an Taschen für das Fahrrad ist mittlerweile enorm. Wir haben 18 Modelle – von XXL bis klein und schick, von Office bis Bikepacking – herausgesucht und sie am Rad getestet. Text & Fotos: Georg Bleicher

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Fahrradtaschen

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eisen mit dem Rad ist enorm vielfältig geworden. Die Taschenhersteller sind den Weg mitgegangen. Wer heute darüber nachdenkt, sich für die nächste Tour oder allgemein die Radsaison neu einzudecken, hat nicht nur in Sachen Modelle, sondern auch bei Taschenarten eine große Auswahl. Wir haben für Sie die unterschiedlichsten Produkttypen ans Rad gehängt – oder geschnallt. Zunächst haben wir da die klassische Gepäcktasche, die in den letzten drei Jahrzehnten Radreise-Trend beständig optimiert wurde – unsere Auswahl ist fast ausschließlich wasserdicht. Eine neue „Untergattung“ könnte man die XXLTaschen nennen: Die beiden Kandidaten bringen ein Packvolumen von mindestens 60 Litern pro Tasche ans Bike. Wer bereit ist, so viel Gepäck mitzuschleppen, kann sich darüber freuen. Allerdings sollte man bedenken, dass dieses Stauvolumen natürlich auch auf die Waage drückt und das Mehrgewicht bewegt werden will. Wer’s flexibel braucht: Bei Ortlieb, Arkel und Vaude haben wir Gepäcktaschen gefunden, die auch als Rucksack eine gute Figur machen. Und apropos Figur: Auch in Sachen Stil kann so manche Packtasche heute glänzen – wie unsere Beispiele für Modebewusste beweisen. Relativ neu ist der Bereich Bikepacking. Hier gibt es Taschen für Räder ohne Gepäckträger oder Lowrider. Einsatzgebiet: schlechte Wege oder unwegsames Gelände. Sie sehen also: Mit unterschiedlichen Ansprüchen der Radtourer wuchs auch die Vielfalt in der Produktherstellung.

Wasserdicht - oder nicht Fast unabhängig von der Taschengröße und dem Einsatzbereich kann man die Option „wasserdicht“ sehen. Klar will jeder, dass sein Hab und Gut trocken bleibt. Doch dazu gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: Taschen aus klassischem Cordura oder ähnlichen robusten textilem Nylonmaterial sind meist wasserabweisend. Sie können einen kurzen Schauer ab, ohne den ganzen Inhalt dem Regengott zu opfern. Sie sind aber schon aufgrund ihrer textilen Struktur nicht wirklich wasserdicht. Deshalb gehört zu Taschen

ohne aufwendige Beschichtung immer eine Regenhaube, die bei einsetzendem Schauer über die Tasche gestülpt werden kann. Der Nachteil: Wenn das Nass bei lang andauernder Berieselung am Taschenrücken herunterrinnt, kann es auch in die Tasche einziehen.

Regenhaube reicht vielen Wasserdichtes Material ist allerdings heute bei vielen Gepäcktaschen schon fast Standard – auch wenn das wegen oben genannter Hauben für die meisten Radler gar nicht nötig ist: Wenn es wirklich mal länger regnet, zieht es den klassischen Genuss-Tourenradler ins Café. Bei tagelangem Regen werden diese „Haubentaschen“ tatsächlich sehr selten eingesetzt. Wasserdichtigkeit wird aber auch erkauft: Wirklich stand hält eine Tasche nur, wenn alle Nähte dicht sind. Sie müssen also geschweißt oder getapet, also verklebt sein. Das ist aufwendig. Deshalb spart man sich oft bei wasserdichten Taschen zusätzliche Aufsatztaschen ein und setzt gelegentlich offene, nicht wasserdichte Fächer an die Taschenfront oder -seite. Wasserdicht heißt also manchmal weniger praktische Aufteilung und Ordnung als bei einfachen textilen Taschen. Achtung: Manche Hersteller nennen ihr Material wasserdicht, weisen aber nicht darauf hin, dass die Nähte nicht geschützt sind. Und noch etwas ist für manchen wichtig: Ist der Regenguss vorbei, nimmt der Radler mit Regenhaube diese ab und freut sich, wie sauber seine Tasche geblieben ist. Das kann der Reisende mit der Waterproof-Tasche nicht für sich behaupten. Wie wohl und vor allem sicher man sich auf dem mit Gepäcktaschen beladenen Rad fühlt, ist nicht nur vom Gewicht in den Taschen abhängig, sondern auch davon, wie stabil ihre Befestigung am Rad und wie kompakt die Tasche in sich selbst ist. Wichtig ist, dass Taschen nicht schwingen können – den sonst auftretenden gefährlichen Aufschaukel-Effekt kennen Sie sicher von der Einkaufstasche am Lenker. Deshalb sorgt etwa bei den klassischen Gepäcktaschen

eine Schwingsicherung an der Rückseite dafür, dass sie dicht am Rad bleiben und bei Erschütterung oder Kurven kein Impuls entstehen kann. Die Passform für das jeweilige Rad und die Befestigung der Tasche bedingen also viel von ihrer Funktion. Damit eng zusammen hängt die Frage: Wie einfach lässt sich die Tasche am Rad festmachen? Bei den Bikepacking-Modellen ist dafür naturgemäß etwas mehr Zeit und gelegentlich Fingerfertigkeit nötig. Sie wollen mit vielen Schlaufen und Klettverschlüssen an den Rahmenrohren festgezurrt werden. Währenddessen darf man bei guten Gepäcktaschen erwarten, dass sie mit einem Handgriff – am besten mit einer Hand – an den Fahrradgepäckträger gesteckt werden können. Testen Sie also unbedingt, ob das jeweilige Taschenmodell für sie praktikabel ist, und zwar am besten gefüllt! Die Hakensysteme von Vaude, Ortlieb und Rixen und Kaul (Klickfix) können an die Gepäckträgerholme angepasst werden. Die Haken lassen sich dazu auf einer Schiene verschieben. Die Größe der Haken selbst ist außerdem per austauschbaren Inlets auf die Stärke der Gepäckträger-Rohre anpassbar.

Geduldsprobe beim Anpassen? Das verhindert, dass die Aufhängung allzu sehr Spiel hat und sich die Tasche beim Fahren bewegt. Wer solche Taschen beim Händler kauft, sollte sie gleich dort anpassen lassen – oft braucht der Austausch der Inlets viel Fingerfertigkeit und artet bisweilen in eine echte Geduldsprobe aus. Besonders einfach zu handhaben sind Taschen mit integrierten Adaptersystemen, bei denen zwei Module – Taschenadap-

So haben wir getestet Jede Tasche wurde von uns gewogen, auf Robustheit der Nähte und Schweißnähte untersucht, an unterschiedlich ausgestatteten Rädern befestigt und befüllt. Das Aus- und Einpacken wurde, wo möglich, auch am Rad ausprobiert. Vom Hersteller gelieferte Angaben zum Material haben wir übernommen, ebenso die Volumenangaben. RADtouren 2 | 17

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Radtouren-Magazin 2/17  

Test: Trekkingräder um 700 Euro – Kaufberatung: extrem helle Pedelec-Scheinwerfer – Radreisen: Spezial Skandinavien – auf dem Aller-Radweg –...

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