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Rubrikname versorgerin Nr 95A | nov 2012 | Österreichische Post AG | Sponsoring Post | GZZ 022033621 S | Retouren: Radio FRO, Kirchengasse 4, 4040 Linz

Programmheft november 2012 – februar 2013

Radio FRO  n° 10 Das Freie Linzer Radio begrüSSt den herbst ON AIR 105.0 MHZ · www.fro.at

Schwerpunkt Freies Wissen // Nach wie vor geht es um freie MeinungsäuSSerung Zur Notwendigkeit frei zugänglicher Online-Archive // Die Archivia 12 Verstärker // Fro Termine // Publikumsbeschimpfung // Liebe GRüSSe von Frau LEisch

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Editorial

Herzlich willkommen! Erneut legen wir euch eine Ausgabe unseres Programmheftes zu Füßen. Diesmal mit dem Schwerpunktthema „Freies Wissen“. Im Rahmen des diesjährigen Ars Electronica Festivals haben wir gemeinsam mit dem Verband Freier Radios Österreich (VFRÖ) und dem Linzer Wissensturm eine Konferenz zum Thema Offene Archive durchgeführt. ARCHIVIA nannten wir diese Konferenz – wenig originell, aber passend. Die Fragen, die wir uns stellten, waren: Wie kann der freie Zugang zu Wissen für möglichst alle gewährleistet werden? Und welche Hindernisse gibt es dabei? Viele Hindernisse ergeben sich leider aus der rechtlichen Situation und hier vor allem aus dem Urheberrecht. Einen kleinen Einblick, mit welchen Schwierigkeiten man zu tun bekommt, wenn man ein frei zugängliches Archiv betreibt, bietet euch das Interview mit Ingo Leindecker, einem der BetreiberInnen des CBA (Cultural Broadcasting Archive). Dann führt Johannes Wilms mit einem historischen Bogenschlag in die Gedankenwelt des Urheberrechts ein. Johannes haben wir auch gebeten, einen Bericht über die ARCHIVIA zu verfassen. Und wer noch mehr wissen möchte, die/der kann alles auf der Website www.archivia.at nachsehen und nachhören. Herzlichen Dank an dieser Stelle auch an die Menschen von dorf tv, die alle Vorträge und Diskussionen auf Video festgehalten haben und frei zur Verfügung stellen. Weiteres Material – etwa unsere Radiosendungen – findet ihr wie gewohnt auf cba.fro.at. Eine besondere Freude ist es mir, euch auf die „Publikumsbeschimpfung“ hinzuweisen. Oliver Jagosch beschäftigt sich darin eingehend mit dem Linzer „Verein für politische Grundlagenforschung“. So locker dieser offene Brief auch geschrieben scheint – es steckt mehr als ein Jahr Recherchearbeit drinnen. Wobei Kollege Jagosch bei weitem nicht sein ganzes Wissen preisgibt. Vieles in dieser Causa weist nämlich auf verdeckte Parteienfinanzierung in Millionenhöhe hin. Es steht also zu befürchten, dass wir darüber noch öfter berichten müssen. Wir bleiben dran! Und wenn wir schon beim Berichten sind: Unser Infomagazin FROzine (jeden Werktag von 18 bis 19 Uhr) zeigt sich seit der Sommerpause nicht nur in neuem Gewand, sondern auch mit ganz neuem inhaltlichen Konzept. Wie dieses aussieht, erfährt man im Text von Veronika Moser. Auf vielseitigen Wunsch hin ist auch das Programm wieder bunt geworden. Außerdem gibt es alle Artikel dieses Heftes wieder online als Audiomagazin zu hören, mit Klick auf www.fro.at/ programmheft. Amüsante und erhellende Momente beim Lesen wünscht Andi Wahl

°10 Inhalt

Schwerpunkt Freies Wissen

Nach wie vor geht es um freie Meinungsäußerung Zur Notwendigkeit frei zugänglicher Online-Archive Wissensturm und server rack: Die Archivia 12

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Verstärker

Neue Sendungen Programm Sendungsfeature: Ich schau zwar benebelt aus, aber mir haben sie nicht ins Hirn geschissen FROzine: Das sind die Infos, die ich brauche Staffelholzübergabe FRO Termine, FRO live Publikumsbeschimpfung Liebe Grüße von Frau Leisch

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°10 Cover

Eine herzliche Einladung an euch alle! Radio FRO feiert am 31.10. in der Stadtwerkstatt den 14. Geburtstag. Um 20 Uhr gehts los. Darum findet sich diesmal kein/e RadiomacherIn auf dem Cover, sondern die Fest-Illustration von Silke Müller. Und versprochen: Ausgabe 11 wird wieder mehr personality haben. Freies Rundfunk Orchester ft. Stephan Roiss   Erneut bilden Programmmachende von Radio FRO einen skurrilen Chor, um Geräuschkunst zu zelebrieren. Die Horde der Herzen unterstützt eine SpokenWord-Performance von Stephan Roiss (Fang den Berg). petra und der wolf   Imposante Melancholie. Petra Schrenzer, Aurora Hackl und Martina Stranger bewegen sich zwischen Antifolk, Singer/Songwriter und Grunge. Mit Mut zum Experiment, flexibler Instrumentierung, klugen Texten und viel Energie. Andreas Nutz   Eine Stimme, eine Gitarre: der Sendungsgestalter der „Spinning Hour“ präsentiert sein kürzlich erschienenes Singer/Songwriter-Album „Die Zeit ist reif“. Perkussive Unterstützung gibt’s von Wolfgang Zinganell. Prädikat: besonders ehrlich und berührend. Nice 13 und BB Supreme   Guter Vibe wird von Nice 13 und BB Supreme für den 14. Geburtstag von Radio FRO produziert. Das Hip Hop-Projekt aus dem Umfeld der „One Luv Programme Show“ verspricht dicke Beats und freshe Rhymes. DJ Fadeless, Rhythm is a dancer und Disco J.   Kurioses und Tanzbares kommt von DJ Fadeless, Rhythm is a dancer & Disco J. auf die Plattenteller. Put your dancing-shoes on! Good Time Sepp und Miss Be Groovy   Im Cafe Strom werden Groove-House-Electro-Beats von den beiden LokalmatadorInnen Good Time Sepp und Miss Be Groovy bis zum Morgengrauen serviert. Frühstück exklusive.

Andi Wahl ist Geschäftsführer von Radio FRO.

Volxküche vom Autonomen Zentrum Linz Saalmoderation: Walter Wallmüller und Veronika Moser Liveübertragung im Radio: Geräuschkulisse-Team


Schwerpunkt Freies Wissen

Nach wie vor geht es um freie Meinungsäußerung Hörversion

Ingo Leindecker bildet zusammen mit einer Hand voll Leuten Pulsschlag, Hirn und Herz des Cultural Broadcasting Archives (cba.fro.at). Das CBA ist ein physisch in Linz beheimatetes Audioarchiv, das derzeit von 24 freien Radiostationen bestückt wird. Das bisher versammelte Audiomaterial, das auch zum regen Austausch verwendet wird, reicht aus, um ca. zweieinhalb Jahre durchspielen zu können. Andi Wahl sprach mit Ingo Leindecker über den Wandel der Freien Radios und die Schwierigkeiten, auf die man stößt, wenn man Wissen allgemein zugänglich macht und kostenfrei zur Verfügung stellt. FRO: Du bist seit über 10 Jahren Aktivist der Freien Radios und als solcher beschäftigst du dich auch mit den Auswirkungen der technologischen Entwicklung auf die Radios. Eine Frage an den Aktivisten: Hat sich durch die Etablierung des Internets die Utopie der Freien Radios – dass jedeR frei ihre/seine Meinung veröffentlichen kann – nicht schon eingelöst? Heute posten Millionen Menschen im Netz und sind damit von reinen KonsumentInnen auch zu ProduzentInnen geworden. Ingo: Hier muss man zwei Dinge auseinanderhalten. Das eine ist der offene Zugang im Radio und Fernsehen und das andere ist die Demokratisierung des Zugangs durch das Internet. Die Freien Radios haben sich in den 1990er Jahren bemüht, einen offenen Zugang zum Medium Radio zu etablieren. Damals existierte noch das ORF-Monopol. 1998 gelang es dann, einen freien Zugang zu diesem Medium zu schaffen. Damals war die Autorität der alten Leitmedien – Print, Radio und TV – noch sehr hoch. Wir haben uns eine Stimme in einem sehr regulierten und reglementierten Bereich verschafft. Neue Einschränkungen der Meinungsfreiheit Eine andere Sphäre ist das Internet. Hier kam es zu einer starken Demokratisierung des Zugangs zu einem Massenmedium. Zudem ist eine immer stärkere Verschiebung aus den Bereichen der alten Leitmedien hin zum Netz zu beobachten. In dieser eigenen Sphäre des Netzes, in der die Menschen auch die Möglichkeit nutzen, sich zu äußern, kommt es aber zunehmend zu neuen Einschränkungen der Meinungsfreiheit. Das Netz ist zwar weitgehend unreguliert, aber auch sehr marktdominiert. Gerade in letzter Zeit ist eine starke Monopolisierung von Öffentlichkeiten zu erkennen. Es hat zwar für viele nach wie vor den Anschein, als ob alles offen und frei sei, in Wahrheit gibt es aber Monopole wie Google, Facebook usw., die die großen medialen Öffentlichkeiten an sich reißen. Hier wird intensiv an einer Erweiterung und Absicherung der entstehenden Monopolstellungen gearbeitet. Etwa dadurch, dass Menschen, die etwa keinen Facebook-Account haben, zunehmend von wichtigen Informationen abgeschnitten sind. Wir haben es derzeit mit einer sich laufend verstärkenden Dominanz von wenigen Plattformanbietern zu tun. In jeder dieser beiden Sphären gelten eigene „Gesetze“. Der Rundfunk wird stark durch Behörden reguliert, während man das Netz dem Freien Markt überlässt, der zu Monopolstellungen einiger weniger führt.

FRO: Hat das auch Rückwirkungen auf die Radios? Ingo: Natürlich! Was man sehr genau beobachten kann, ist eine sich verändernde Mediennutzung. Für ältere Semester, die mit den alten Medien aufgewachsen sind, stellen die Freien Radios immer noch ein starkes Informations- und Kommunikationsangebot dar. Jüngere Menschen haben – so möchte ich einmal behaupten – ein anderes Verständnis von Medien und interessieren sich für alte Medienmodelle wie den terrestrischen Rundfunk kaum noch. Hier stellt sich natürlich über kurz oder lang die Frage, wie lange der offene Zugang, wie er heute praktiziert wird, noch attraktiv sein kann. Ganz einfach, weil die Leute den offenen Zugang im Netz eher nutzen werden. Wichtig ist sich anzusehen, wo in der Netzsphäre Schranken errichtet werden oder bereits bestehen, die die freie Meinungsäußerung sowie die Meinungsvielfalt behindern. Hier bleibt der Auftrag der Freien Radios, sich um Demokratisierung von Meinungsäußerungen zu kümmern, weiter relevant. Nur eben in einer erweiterten Mediensphäre. Kein Freies Radio beschränkt sich heute auf das reine Radiomachen. Eine ganz wesentliche Frage dabei ist nach wie vor, wer über die Produktionsmittel verfügt. Sind das nach Gewinnmaximierung strebende Großkonzerne oder kleine, dem Gemeinwohl verpflichtete Einheiten, die unabhängige Infrastrukturen schaffen? Kampf gegen diese rechtlichen Einschränkungen Weitere Schwierigkeiten, mit denen wir derzeit zu kämpfen haben, sind die rechtlichen Einschränkungen, produzierte Inhalte auch im Netz zur Verfügung zu stellen. Das ist ein Beispiel, wie freie Meinungsäußerung im Netz behindert wird. Der Kampf gegen diese rechtlichen Einschränkungen ist derzeit ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit. Hier gilt es, sich auch gegen das immer dreistere Auftreten jener zu wehren, die aus allen Inhalten und künstlerischen Leistungen möglichst viel Geld herausschlagen wollen. Als Freie Radios – mit dem oben erwähnten Demokratisierungswillen – müssen wir uns gegen diese Entwicklungen stemmen. Ganz klar und entschieden. FRO: Die BetreiberInnen-Gruppe des CBA macht gemeinsam mit dem VFRÖ (Verband Freier Radios Österreich) eine Kampagne zur Durchsetzung der freien Wissensverteilung im Netz. Was sind die nächsten Schritte? Ingo: Immer noch muss Bewusstsein in den eigenen Reihen geschaffen werden. Viele Freie Radios sind noch in alten Denkweisen verhaftet. Es geht darum, dass man die Netzsphäre als medienpolitisches Feld begreift, in dem man sich engagieren muss. Als ersten Schritt werden wir an der Beseitigung rechtlicher Einschränkungen arbeiten. Da geht es um das Zurverfügungstellungsrecht, die Verkürzung von Schutzfristen sowie das generelle Anliegen der Öffentlichkeit, auf Inhalte, die mit öffentlichen Geldern produziert wurden, auch wieder zugreifen zu dürfen. Es muss klar werden, dass gemeinnützige Interessen auf Wissen höher zu bewerten sind als monetäre Verwertungsinteressen Einzelner.

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Schwerpunkt Freies Wissen

Sich mitzuteilen ist Natur [...]. Johann Wolfgang von Goethe

Ja? Alexander Kluge

Rescue - Reproduce - Replay

Zur Notwendigkeit frei zugänglicher OnlineArchive von Johannes Wilms Hörversion

Als „Gedächtnisorganisationen“ der jüngeren Menschheitsgeschichte geben Archive ein reichlich universales Thema ab. Daher erlaube ich mir, mich der Frage nach zeitgemäßen Archiven in einem weiten Bogen anzunähern. Was wir – „wir“ im Sinne einer technisch und medial organisierten Menschheit – gerade erleben, erscheint – wie die gesamte neuere Geschichte – im Zeitraffer. Wie im Fast-Forward-Modus einer Bandmaschine rasen die letzten 500 Jahre des Kapitalismus, die Hauptkonflikte und Widersprüche von 500 Jahren Kapitalakkumulation und -zirkulation vorbei. Sei es in Bezug auf das Thema Geistiges Eigentum oder in Bezug auf das Thema Banken, sei es im Hinblick auf Lizenzierung und Nutzung von Monopolen, auf Schürfrechte und Inselstreitigkeiten, im Hinblick auf Zentralisierung und Macht oder auf Zensur: Es ist eine Wiederholung „auf Speed“, gegeben als ein in Medien gekleidetes Kostümfest des Weltgeists. Sie wissen schon: Geschichte wiederholt sich nicht. Und wenn, dann nur als Farce – wie Hegel vergessen hatte irgendwo zu bemerken. Nun, Marx‘ „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“ bleibt ein erstaunlich aktueller Text. In den Industriestaaten tauchen dabei zur Zeit zwei Konfliktfelder auf, die in den Tigerstaaten nicht oder nur wenig relevant sind: zum einen die wahlweise als Staatsverschuldung oder als Schuldenkrise drapierte Umverteilung gesellschaftlichen Reichtums und zum anderen die in Urheberrechtsdebatten verdampften Verwertungsinteressen der Inhaber von intellectual property, von Geistigem Eigentum. Wer jetzt den guten Proudhon aus dem Keller seiner/ihrer versandeten Bibliothek hervorholt und akzentarm aber gut vernehmlich „la propriété intellectuelle c‘est le vol intellectuel“ (das geistige Eigentum ist der geistige Diebstahl) sagt, bekommt bis zum Ende des Artikels lesefrei.

Ansonsten ist die Erfindung eines Geistigen Eigentums im 19. und 20. Jahrhundert wahrscheinlich so originell gewesen wie im 15. und 16. die Erfindung von Monopolbriefen und im 17. und 18. Jahrhundert jene des Papiergelds. Über letzteres schreibt Marx im Kapital: „Um dieselbe Zeit, wo man in England aufhörte, Hexen zu verbrennen, fing man dort an, Banknotenfälscher zu hängen.” (MEW 23, 783) Nun gibt es heute einige, die sogenannte Raubkopierer vielleicht nicht gleich hängen würden, in sogenannten Urheberrechtsverletzungen aber ähnliche Verbrechen sehen, wie ihre Ahnen im 17. und 18. Jahrhundert im Nachahmen des physikalischen Trägers von virtuellem Reichtum, sprich: von Papiergeld. Heute: Raubkopie - 18 Jh.: Ausdruck der Buchdruckblüte Das alles zu einer Zeit, wohlgemerkt, da kopieren und drucken „in” war: Allein zwischen 1760 und 1780 entstanden im deutschsprachigen Raum ca. 300 Logen und zusätzlich ca. 300 Lesegesellschaften. In dieser Zeit kamen massenhaft Bücher auf die Märkte, die in Mantel- und sogar Jackentaschen passten. Und obwohl oder gerade weil die meisten Bücher, die damals zirkulierten, nach heutigen Maßstäben Raubkopien waren, waren sie Ausdruck einer Blüte des Buchdrucks und des Buchhandels, der seinerseits maßgeblich zur Literarisierung beträchtlicher Teile der Bevölkerung beitrug. Vor der Einführung der Titulargewalt Geistiges Eigentum (siehe hierzu: das Interview mit Eckhard Höffner unter www.heise.de/tp/artikel/33/33092/1.html) konnte man mit Bücherwaren (Aufklärung und Unterhaltung) gutes Geld machen. Und wahrscheinlich hätte es ohne die Raubdrucke des 18. Jahrhunderts weder die LeserInnen noch die Autoren der Weimarer Klassik gegeben. Die Autoren des Pirate Cinema Berlin sahen 2004 im Filesharing eine nachgerade zivilisatorische Volte: „[…] was die Filmindustrie derzeit so sehr in Panik versetzt, ist weniger die Befürchtung, die Zahlungsmoral ihrer Kundschaft nehme durch das massenhafte Rauf- und Runterladen digitaler Filmkopien Schaden, als vielmehr die Aussicht auf einen gesellschaftlichen Zustand, in dem Millionen von Menschen über Bilder verfügen und diese selbst zu Filmen zusammensetzen, in denen etwas sichtbar würde, das sich weder absehen noch kontrollieren ließe […]” (http://berlin.piratecinema.org/screenings/20041010).


Schwerpunkt Freies Wissen

Wo piracy drauf steht, ist also oft e-literacy drin. Wahrscheinlich gibt es in Österreich und im Rest von Europa mehr Computer als Automobile. Und die Zahl derer, die auch nur rudimentär mit einem Computer, einer Playstation oder wenigstens mit einem Mobiltelefon umgehen können, dürfte inzwischen so groß sein wie die Zahl derer, die überhaupt lesen und schreiben können. Dennoch gibt es allerorten, in allen Schichten, Klassen und Altersgruppen einen Grad von Beschränktheit, der die Nutzung der Universalmaschinen „Computer“ begleitet und sich bestenfalls im Begriff „User” widerspiegelt. Daher kann die Forderung nach einer emanzipierten Medienaneignung nicht hoch genug gestellt werden. E-literacy wäre also ein Gebot der Stunde – und zwar rund um die Uhr. Reihe von Behauptungen Zur e-literacy gehört, über Produktionsmittel (z.B. Laptop, Software,...) verfügen zu können sowie über Material, über Content. Das Internet erscheint hier zunächst als eine ungeheure Content-Sammlung – der auch Online-Archive angehören. In einer „Reihe von Behauptungen“ schrieben die Autoren des Pirate Cinema Berlin 2005 u.a.: - dass Archive keine Privatangelegenheit sind, sondern öffentlich und damit produktiv gemacht – sowie massenhaft verteilt und gespiegelt – werden müssen - dass es ein selbstverständliches Recht zu kopieren und kopiert zu werden gibt, das jedes Urheberrecht außer Kraft setzt und auf das sich jeder berufen kann - dass es Formen von Produktion gibt, die nicht erst beim Gewerbeaufsichtsamt, bei der GEMA oder bei der Kulturstiftung des Bundes beantragt werden müssen - dass die Filesharing-Netzwerke in den letzten Jahren zum größten, besten und am einfachsten zugänglichen Filmarchiv der Menschheitsgeschichte geworden sind - dass Filesharing eine der am wenigsten aussichtslosen, regressiven oder in ihrem eigenen Bild restlos aufgehenden sozialen Bewegungen der Gegenwart ist - dass der Krieg gegen Piraterie wie der gegen Drogen und der gegen Terror nicht geführt wird, um gewonnen zu werden, sondern allein, um geführt zu werden - dass Copyrights keine Frage der Gesetzgebung, sondern der Rechtsprechung sind, und es daher nicht um Prinzipien, sondern um das Herstellen von Fällen geht. Seinerzeit beließ es das Pirate Cinema Berlin nicht bei diesen Behauptungen, sondern lieferte in mehr als hundert Vorführungen mit begleitenden theoretischen Exkursen und schließlich dem fabelhaften Internet-Archiv 0xdb.org den ”proof of concept” einer substanziell anderen kulturellen Produktion – jenseits des „Öl des 21. Jahrhunderts“, des Geistigen Eigentums. Auch wenn Filesharing gegenüber zentralisierten Diensten wie Youtube an Terrain verloren haben dürfte und wiewohl diese

Behauptungen vor gut sieben Jahren geschrieben worden sind, zeigen sie doch eine verblüffende Aktualität. Vielleicht gilt hier, was Horaz allgemein über gute Texte schrieb: Dass sie sieben Jahre liegen bleiben müssten, bevor ihre Verfasser wüssten, ob und wie gut sie seien. Apropos Horaz und Weltkulturerbe: Das Internet bietet die technologischen Voraussetzungen, das Weltkulturerbe in so mannigfacher Weise abzubilden, dass wir noch nicht einmal einen Begriff davon haben, wie das auch in nur 10 Jahren aussehen könnte. Erhalt unabhängiger Infrastrukturen Die negative Utopie ist jedenfalls ein Internet, das keines mehr wäre, weil ein ähnlicher Grad von Zentralisation erreicht wäre wie bei anderen elektronischen „one to many“-Medien auch; wenn das Internet ein raffiniertes Fernsehen On-Demand, wenn ein Web 3.0 mit einem TV 2.0 identisch geworden wäre. Angesichts dieser schlechten Vergesellschaftung erhellt sich, warum der Erhalt und der Ausbau dezentraler, unabhängiger Infrastrukturen so ungeheuer wichtig geworden ist. Zwar hat das sogenannte Web 2.0 zu einer Vermassung kontributiver Formen der kulturellen Produktion geführt, aber eben auch zu einer ungeheuren Zentralisierung der Dienste und Marken (in alphabetischer Reihenfolge: Amazon, Facebook, Google, Twitter, Ustream, Yahoo, Youtube). Wobei zur jüngeren Geschichte der politischen Ökonomie des Internets auch die Zentralisierung der technischen Infrastrukturen selbst gehört, d.h. die Konzentration, wo nicht Oligopolisierung, der Internetdienstanbieter; ganz zu schweigen vom sogenannten Mobilfunkmarkt, der nie nennenswert diversifiziert war. Wenn in der herrschenden Tendenz die dezentrale Anlage von Online-Archiven schon nicht technisch geboten scheint, so doch wenigstens die Redundanz der Datenspeicher. Redundanz ist das Mantra der Ausfallsicherheit. Quelloffene Formate (z.B. ogg-vorbis oder ietf) sind eine unbedingte Voraussetzung der – für Archive unbedingt gebotenen – Nachhaltigkeit. Dezentralisierung, Redundanz und Quelloffenheit sind sozusagen die Troika einer demokratischen und ökologischen Nutzung von Archiven im Internet. Vor diesem Hintergrund wird es spannend zu fragen, wie es mit dem Wissen und den Künsten ausgehen wird – in Zeiten, in denen (in einem bis vor kurzem unvorstellbarem Maße) digitale Produktionsmittel in die Hände der Massenkultur geraten sind und ihrer emanzipatorischen Aneignung harren. Der „Kampf ums Urheberrecht“ (wetterfrosch, in Datenschleuder 20, ccc.de) fällt hier als ein Kampf „avant la lettre“ (als eine Vorleitung auf Zukünftiges) aus, denn es geht – wie Thomas Diesenreiter vom CBA anlässlich der Konferenz ARCHIVIA bloggte – um nicht weniger als die Frage, „nach welchen Regeln wir unser Wissen erzeugen, archivieren und wieder weitergeben.“ (diesenreiter.at/archivia2012)

Johannes Wilms ist Mitglied von bootlab.org sowie Mitinitiator verschiedener Radioprojekte, u.a. mikro.fm und colaboradio. Er lebt in Berlin.

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Schwerpunkt Freies Wissen // Die Archivia 12 · Ein BEricht

Prof. Manfred Faßlers Beitrag „Archivieren ist nicht gleich Wissen. Oder: Wissen ist kein Geschenk eines Automaten” behandelt den Wandel der Wissenskulturen und Wissensinfrastrukturen im Zuge der digitalen Revolution(en). // Vorträge und Panel sind zum Nachhören und -sehen auf archivia.at und doftv.at // Foto: Stefan Tenner

Wissensturm & server rack von Johannes Wilms Hörversion

Von 30. August bis 3. September 2012 fand, ”big picture as usual“, das Ars Electronica Festival in Linz statt. Im Rahmen dessen veranstaltete Radio FRO in Kooperation mit dem Verband Freier Radios Österreich (VFRÖ) die ARCHIVIA 12 - eine Konferenz über die Probleme der Archivierung und Veröffentlichung von Medienund Rundfunkinhalten im Internet. Ein trockenes Thema, zugegeben - aber mit den Archiven scheint es wie mit Sekt zu sein: Trocken kommt an. Tagungsort der ARCHIVIA 12 (die nicht zum zwölften, sondern erstmals in Linz, im 12. Jahr dieses Jahrhunderts, stattfand) war der Wissensturm, nahe dem Linzer Hauptbahnhof. Gerüchte ließen vernehmen, der Ort sei den OrganisatorInnen des AEC Festivals zu weit abgelegen gewesen – tatsächlich war der Leiter des AEC nicht zur Eröffnung der Konferenz erschienen – aber für die externen BesucherInnen, wie den Schreiber dieses kleinen Berichts, war mit dem Wissensturm eine überaus schlüssige Metapher gefunden: ein Ort der Öffentlichkeit und der Bildung, des Zugangs und der Vermittlung von Wissen, ein Ort für die öffentliche Auseinandersetzung um das Existenzrecht von Archiven. Dabei lag der Ansatzpunkt der ARCHIVIA, je nach Betrachtung, im Nahbereich oder weit zurück. Im Nahbereich lag er insofern, als die BetreiberInnen des Cultural Broadcasting Archive (CBA) endlich Rechtssicherheit für ihre Tätigkeit fordern. Im Vorfeld der Tagung hatten sie einen relaunch der Website vollzogen, in Gestalt eines um seinen Musikanteil beraubten Archivs. Sämtliche Audiobeiträge waren mit einer eigens entwickelten Software gekürzt worden, die Musik von Sprache unterscheiden und Beiträge automatisch schneiden kann. Das Resultat ist eine unfreiwillige Zensur – eine Absurdität, die sich einer zur Zeit schwer angesagten juristischen Farce verdankt. Geistiges Eigentum – da, wo diese Errungenschaft der Napoleonischen Zeit auf die digitale Welt stößt, produziert sie wahlweise Bürokratie oder Nonsens. In jedem Fall und ganz konkret aber: beschränkte Operabilität.

Die ARCHIVIA näherte sich diesen Komplexen auf eine klar strukturierte Weise. Am ersten Tag beleuchteten drei Keynotes – aus mediensoziologischer, ökonomischer und juristischer Sicht – das Konfliktfeld Online-Archive versus Urheber- und Verwertungsrechte. Ein Panel mit VertreterInnen aus Radio, Technik und Politik beschloss den ungemein dicht geladenen ersten Tag. Der zweite Tag der ARCHIVIA 12 war Projektpräsentationen und Arbeitsgruppen vorbehalten. Unter „Best Practices“ präsentierten sich am Vormittag neben dem CBA auch die Österreichische Mediathek und das SRA (Archiv Österreichischer Popularmusik; SR steht, nebenbei bemerkt, für „Skug Research“, www.sra.at). Vertreten waren des Weiteren dorf tv sowie Literadio (www.literadio.at) aus Wien. Aus Deutschland stellte ein Vertreter des Bundesverbands Freier Radios (BFR) das Audioportal freie-radios.net (FRN) vor – die inzwischen zum Archiv mutierte Austauschplattform deutschsprachiger Freier Radios. Der Nachmittag brachte schließlich eine weitere Zuspitzung der Konferenz: Workshops. So bereitete eine Arbeitsgruppe aus VertreterInnen österreichischer Archive, Mediatheken und Freier Radios sowie von TeilnehmerInnen aus dem BFR eine Abschlusserklärung der Konferenz vor. Eine zweite Arbeitsgruppe mit internationalen TeilnehmerInnen diskutierte das Thema ”future archives”, von A wie Apps über O wie Offene Archive bis Z wie Zugangsoffenheit. Roter Faden war hier der inzwischen selbstverständliche Gebrauch Freier Software. Unter archivia.at ist in Form eines Pirate Pads eine Mitschrift der Diskussion verlinkt. Die Abschlusserklärung, die u.a. einen freien und zeitgemäßen Zugang zum kulturellen Erbe, verkürzte Schutzfristen im Verwertungsrecht und öffentlich geförderte Finanzierungsmodelle fordert, ist ebenfalls auf der Archivia-Website nachlesbar. Weiter geht die thematische Stafette im Oktober in Halle (Saale), wo das Freie Radio Corax wieder eine Zukunftswerkstatt veranstaltet. Sie hat sich diesmal ebenfalls dem Ausbau einer unabhängigen Wissensinfrastruktur verschrieben.


Verstärker // programm

Hello

Darling!

Neue

Sendungen Hörversion

Ad Acta - Kunst, Recht und Internet  Mittwochs, 10 - 11 Uhr Durch die Initiative „Kunst hat Recht” wurde der Themenkreis Rechteverwertung im Internet neu aufgerollt. Anders als bei früheren Anläufen interessiert sich nun eine breitere Öffentlichkeit für diese eher sperrig gehaltene Materie. Die Standpunkte in dieser Diskussion sind zahlreich und kontroversiell, die Atmosphäre emotionsgeladen. In „Ad Acta” bittet Herbert Gnauer involvierte VertreterInnen aller Lager um detaillierte Darstellungen ihrer Positionen. Angesichts der Vielzahl und Vielschichtigkeit der berührten, meistenteils höchst sensiblen Themen, fürwahr ein strenges Unterfangen. Übernahme von Radio Orange, Wien.

Anukis  Mittwochs, 11 - 12 Uhr In der Sendung von Sonja Hochleitner wirst du aufgerufen, über dich und dein Leben nachzudenken. Trau dich, habe Mut, zeige deine Größe. Trau dich, dich in dein wahres Ich zu verwandeln, erkenne deine innigsten Wünsche und Träume in dir und verändere dein Leben so, dass du deinen Traum lebst und ihn zu deiner Wirklichkeit machst.

Kanal Banal  2. Donnerstag im Monat, 20 - 21 Uhr Mat „The Voice“ und Mandro „La Melodia“ versorgen dich mit Humor, satirisch aufbereiteten, aktuellen Nachrichten, Poesie und Musik, die noch gelebt wird – nicht produziert.

Radio Pirat  1. Montag im Monat, 22 - 23 Uhr Information und Unterhaltung aus der Welt der Piraterie. Egales, Legales und Illegales unter dem Deckmantel der falschen Flaggen verbrochen, wird hier schonungslos von Paul Fischnaller auf Sendung gebracht. Einiges, was der URL-Shortener pir.at so eingefangen hat, kommt aus dem Netz in den Äther. Und wieder retour. Jede und jeder kann mitmachen, vorausgesetzt, sie oder er ist irgendwie pirat. Das Unternehmen ist unkonfessionell und überparteilich, basisdemokratisch und schwer diktatorisch. Denn es gilt: Bei Gefechten und in schwerer See hat der Kapitän alleine das Sagen. Allerdings gibt es seit Sir Henry Morgan für die Besatzung das Recht, den Kapitän abzusetzen, wenn dieser es nicht schafft, genug Beute zu machen.

Radio FROheim Samstags, 14 - 16 Uhr Radio FROheim trägt als weiteres Freies Radio seinen Teil zur medialen Vielfalt in der regionalen Medienlandschaft bei. Mit diesem Ziel ist Radio FROheim, mit Sitz im Alten Amtshaus Ottensheim, an Radio FRO angedockt und berichtet live aus dem Studio am Ottensheimer Marktplatz über das kulturelle und politische Geschehen in der wohl kreativsten Marktgemeinde Oberösterreichs.

Neues aus der Welt der Medizin  4. Do., 10 - 10:30 Uhr Welche sind WIRKLICH die wichtigsten medizinischen Nachrichten des Jahres? Die Massachusetts Medical Society (Universität Harvard) sucht jeden Jänner die wichtigsten medizinischen Nachrichten des Jahres aus. Der Moderator, Dara Koper, ist selbst Arzt und stellt diese Nachrichten allgemeinverständlich vor. Dabei gilt: das ist eine allgemeine wissenschaftlich orientierte Radiosendung, ohne Gewähr. Fragen zu einzelnen PatientInnen können nicht beantwortet/kommentiert werden. Übernahme von der Radiofabrik, Salzburg.

Willys Würschtlbude  1. Montag im Monat, 11 - 12 Uhr In Willys Würschtlbude sind Menschen zu Gast, die was zu sagen haben. Ob sie dabei mit vollem Mund sprechen oder – wie die meisten gelernt – vorher das Würschtl runterschlucken, bleibt abzuwarten. Vorgaben hierzu gibt´s keine. Die einzigen Vorgaben sind, die Welt zu verbessern. Es handelt sich daher um WeltverbesserInnen. Da mensch aber die Revolution (auch) im Kleinen beginnen und fertigmachen muss, haben wir die Würschtlbude dem Gourmettempel vorgezogen. Außerdem sind Würschtlbuden leichter zu finanzieren als Gourmettempel, und bei den Problemen des Finanzkapitals derzeit...

Veränderte Sendezeiten

One Luv Programme Show Sonntags, 15 - 17 Uhr Die Musiksendung von Hoffman Agyei ist voll von Hip-Hop, RnB und Hiplife. Ab sofort kann man seine Musik noch ausführlicher, nämlich zwei Stunden lang, genießen.

Momente  1. Samstag im Monat, 9 - 10 Uhr Ewald Schallauer bietet Musik zum Entspannen und Träumen. Ab sofort allerdings nur mehr monatlich.

Falsche Tatsachen

Wie du bestimmt schon gesehen hast, ist ein Programmschema eine ganz schön ausgefuchste Sache. Bei den vielen Sendungen, die auf FRO laufen, kann sich da schon mal die eine oder andere Ente einschleichen. Doch der geht‘s im Folgenden an den Kragen: Seit 1999 machen Gerhard Fluch und Harald Heiss eine wöchentliche Radiosendung. In den vergangenen 13 Jahren haben sie sich in ihrer Sendung Groovin‘ noch nie der Trance-Szene gewidmet. Trotzdem haben wir ihnen die Beschäftigung mit dieser untergejubelt. In Wirklichkeit hörst du montags um 16 Uhr nämlich Blues, Soul & Funk. Kollege Franz Schramböck hat sich im letzten Jahr vom Live-Studio in seine eigenen vier Wände zurückgezogen und versorgt uns von dort aus mit seinen Beiträgen. Warum, das kannst du in seiner Sendereihe „Keine Angst vor der neuen Hüfte“ am CBA nachhören. Dass wir ihm deswegen gleich seinen Wiederholungstermin am Samstagmorgen streichen, finden auch wir nicht fair. Radio 50+ gibt es natürlich auch weiterhin wie gewohnt am Mittwoch von 7 - 7:30 Uhr UND am Samstag von 8:30 - 9 Uhr zu hören. Auch die Medienwerkstatt Linz hat wöchentlich zwei Sendetermine. Ihr haben wir zwar nicht versehentlich die Zeit genommen, dafür haben wir ihr die Zugehörigkeit zur Volkshochschule Linz angedichtet. Nicht, dass die VHS schlecht wäre, aber die Medienwerkstatt schafft das Radiomachen auch alleine. Nur weil beide von der AK OÖ getragen werden, heißt das nicht, dass sie eins sind.

Sabina Köfler jongliert bei Radio FRO das Programm. Da kann es schon auch einmal vorkommen, dass eine Sendung runterfällt.

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Mon tag

Di e n s tag

M i t t wo ch

D on n e r s tag

FROzine WH

FROzine WH

FROzine WH

FROzine WH

FROmat am Morgen Musik zum Kaffeetrinken und Zähneputzen

FROmat am Morgen Musik zum Kaffeetrinken und Zähneputzen

Radio 50+ Beiträge aus Politik, Wirtschaft, Kunst, Kultur und Technik

FROmat am Morgen Musik zum Kaffeetrinken

Kultur und Bildung spezial WH

1 Arbeiterkammer on Air WH

1 afo-architekturforum o

Kultur und Bildung spezial WH

Theater Phönix on Air WH Aktuelle Produktionen des Theater Phönix music@posthof WH (2-wöchentlich)

Radio KUPF WH

1 Anstifter WH

Musik für Junggebliebene Schlager und Oldies

Radio Wienerlied Die Wienerlied-Rundfunkreportage

Musik für Junggebliebene Unterhaltungsmusik und Operette

Musik für Junggebliebe Ouvertüren, Chorwerke

Radio für SeniorInnen Schlager und Interessantes, auch Klatsch und Tratsch über „Promis“, am 1. Montag im Montag die Wunschsendung von Hilde und Sylvia ab 8:30 Uhr

Radio für SeniorInnen Volksmusik, Mundartgedichte, Texte und der Radiodoktor

Radio für SeniorInnen Plauderstunde, aber auch Literatur, klassische Musik und Humor

Radio für SeniorInnen Kultur, Tourismus, Vorsc des Linzer Landestheate interessante Persönlichk religiöse Themen

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Polnisches Radio OÖ WH

FROmat Der Sender mit den härtesten Übergängen

Ad Acta Kunst, Recht und Internet Detaillierte Darstellungen der Positionen unterschiedlichster VertreterInnen in der Debatte um die Rechteverwertung im Internet NEU

1 kulturportal88 Kultur 2 dérive Radio für Stadt 3 Erzähl mir Märchen hu 4 Neues aus der Welt de

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1 Willys Würschtlbude Revolution im Kleinen NEU Radio Polonia WH 2 Russischer Kanal Neuigkeiten auf Russisch 3 Silvias Kochwelle vegetarische Kochrezepte 4 Eigenklang Volksmusikforschung on Air

Anukis ein Weg ins Bewusst Sein - eine Inspiration NEU

Hungaro Studio WH

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5min FRONTEX  WATCH

FRONTEX WATCH über die EU-Außengrenze

FRONTEX WATCH über die EU-Außengrenze

FRONTEX WATCH über

Open Space Freier Sendeplatz für alle und alles

Open Space Für Experimente, Aktion oder Playlist

Open Space Für deine ersten Radioerfahrungen

Open Space Hilfestellung holen unte

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FROzine WH Das Infomagazin von Radio FRO

FROzine WH Das Infomagazin von Radio FRO

FROzine WH Das Infomagazin von Radio FRO

FROzine WH Das Infomagazin von Ra

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1,3,4,5 SPACEfemFM WH 2 Pentagrama Latina WH

1 Telex Servus FM WH 2 Amnesty informiert WH 3 Werkstattradio WH 4 52radiominuten WH

1 Liebe, Sex und Zärtlichkeit WH 2 no handicap WH 3,5 Wegstrecken WH 4 Radiabled WH

1 Philosophische Brock 2 Summerau, 96 WH 3 Music meets Lyric WH 4 Kupfermuckn WH

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Rocking Fifties Hillbilly, Rockabilly, Rock‘n‘Roll, Rhythm & Blues, Jive, Western Swing und Country von Erik van der Meerakker

1,3,4,5 Neues aus Freistadt aktuelle Themen des Freien Radios Freistadt auch in Linz zu hören 2 FROmat

1 Gedankengänge Klein 2 Peace Now für ein frie 3 Tiefseeradio Musik un 4 Vokalspuren durch die

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Groovin‘ Blues , Soul & Funk sind die Schwerpunkte Jazziges & Rockiges lassen manchmal grüßen...

Biancinas Musikprogramm Musik für Kinder

1,3,5 Poison FM einziges Linzer Hauptschulradio 2 Kevins und Niklas' Musiksalon Schüler präsentieren ihre Musik und Themen 4 Radijojo - Das Kinderradio Bringt alles, was Kinder interessiert Radio Frech SchülerInnen des MRG Fadingerstraße machen Radio 1 afo-architekturforum oö Architektur als Lebensqualität

1 Landestheater on Air

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Theater Phönix on Air Aktuelle Produktionen des Theater Phönix

Biancina Geschichten für Kinder: mal lustig, mal traurig, mal ganz abenteuerlich 1 Arbeiterkammer on Air Kulturveranstaltungen der AK OÖ

Unisounds Informationen, Berichte, Rezensionen und natürli der Anton Bruckner Priv

music@posthof (2-wöchentlich)

Radio KUPF Kulturplattform OÖ informiert

1 Anstifter Das Stifterhaus Linz on Air

1 Wissensturm aktuell, L Lentos/Nordico aktuel

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FROzine Das Infomagazin von Radio FRO Montags mit dem Politikschwerpunkt

FROzine Das Infomagazin von Radio FRO Dienstags mit dem Kommentar der Woche

FROzine Das Infomagazin von Radio FRO

FROzine Das Infomagazin von Ra Donnerstags Gegenentw

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1 Telex Servus FM Digitale Selbstverteidigung 2 Amnesty informiert über Menschenrechte 3 Werkstattradio über Politik, Krieg & Frieden 4 52radiominuten Mit feministischen Grüßen

1 Liebe, Sex und Zärtlichkeit Senia enthindert Sex 2 no handicap Barrierefreiheit und Interviews 3,5 Wegstrecken Verkehrsmagazin 4 Radiabled Barrierefreiheit und Kultur

1 Philosophische Brocken Debatten und Vorträge 2 Summerau, 96 Literatur, oft unveröffentlicht 3 Music meets Lyric Lesungen und Interviews 4 Kupfermuckn Die ARGE Obdachlose on Air

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1 updateFM Social Media, Internet und Apps 2 Kapu 9000 präsentiert „Wer ist hier der Boss“ 3,5 sound.check Über die lokale Musikszene 4 Frau Nowaks Transoriental. Musikexpress Beats und Melodien fernab aller Orientklischees Rumble Musik aus dem nicht kommerziellen Bereich: Surf, Instro, Garage, Sixties, Punk, Rock‘n‘Roll, Hardcore

1 Fadimat 105 elektronische Experimentalmusik 2 Final Transmission Experimentelles v.Jazz bis Noise 3,4 FROmat 5 kawumm kabumm Radioexperimente

1 Veranstaltungsdezernat Termine der STWST 2 FRO krebst auf! FRO am DJ Pult des Krebsen 3 FROmat 4 Newcomer FM MusikerInnennachwuchsszene

1 Fadimat 105 elektronische Experimentalmusik 2 Final Transmission Experimentelles v.Jazz bis Noise 3 radioWORM 4 FROmat

1,3,5 FROmat 2,4 Kapu Radio Show Alles rund um die KAPU mit Konzertankündigungen, Infos, Berichten, Stories und guter Musik

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1 Radio Pirat Egales, Legales, Illegales NEU 2,3 FROmat 4 Eat Flowers selten Gespieltes aus Blues/ Bluesrock, Hardrock, Progressive, Psychedelic Sounds und Pebbles/Nuggets Klängen 1,3 Standby.Radio alternative Jugendkultur, regionale Nachwuchsbands 2,4 FROmat

1 Radio Thailand Nachrich 2 Stallgeflüster Sendun 3 Die Sendung mit beso satirisch, informativ, par 4 FROmat 1 FROmat 1 Ü Musik, Kunst, Leben und Liebe 1 FROmat 2,4 lAUd Sprachrohr für noch unbekannte Bands 2 FRO Probesendung für deine erste Sendung 2 Kanal Banal Humor, Sa 3 BlauCrowd FM Blau-Weiß ohne Rassismus 3 ann and pat radioshow Musik für junge Leute 4 Kopfhörer ohne stilist 3 Potluck der Rock/Pop 5 Nachspann eine persönliche Stunde oder 4 FROmat in englischer und deutsc die Verlängerung der Wegstrecken 1 Cellardoor Radioshow sonic listening comprehension 1 Spinning Hour Musik in der Spinnerei Traun 1 Unusual4 ist dort, wo e konkret passiert 2,3 FROmat 2 FRO krebst auf! FRO am DJ Pult des Krebsen 4 Jazzchronik Jazzgeschichte von einst bis heute 3 ann and pat radioshow Musik für junge Leute 2,3,4,5 E-Verteiler Tech 5 Nachspann 4 Newcomer FM MusikerInnennachwuchsszene Live DJ-Sets, Interviews

FROmat in der Nacht Ausgewählte Musik zum Punken und Rocken

FROmat in der Nacht Ausgewählte Musik zur Reinigung der Gehirnwindungen

1. 2. 3. 4. 5. Wochentag im Monat WH Wiederholung

U / G un-/ gerade Kalenderwoche L letzter im Monat

Another Nice Mess 0-2 DJ Marcelle surft von Am Dubstep, Worldmusik, D Electronica, Cumbia, Te und vieles mehr.

 Informantin - Infokanal  Kultur- & Bildungskanal


F r e i tag

S ams tag

S on n tag

FROzine WH

FROmat ausgewählte Musik, zusammengestellt von der Musikredaktion mit Schwerpunkt auf alternative Genres. Bevorzugt Musik von Frauen und österreichische Produktionen, mit Fokus auf Linz und Oberösterreich.

2 Transmission Trance, Dance, Hardstyle und Techno, Ausflüge zu Chill-Out, Hardtechno, Hardcore und House - mit News und Infos aus der Szene

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Musikprogramm - Letscho Ungarischer Musikmix, zusammengestellt von der ungarischen Redaktion Hungaro Studio

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n und Zähneputzen

FROmat am Morgen Musik zum Kaffeetrinken und Zähneputzen

oö WH

Kultur- und Bildungskanal WH

1 Wissensturm aktuell WH 3 Landesgalerie on Air WH, L Lentos/Nordico WH ene Aus der Musikszene Radio 50+ WH und Konzertstücke zeit- und grenzenlose Musik: Biographien, Interviews und Hörenswertes 1 Momente aus der Unterhaltungsmusik diverser Musikchau auf Veranstaltungen richtungen sowie Oldies Musik zum Entspannen und Träumen ers, Diskussionen, FROmat keiten, soziale und

8 Hungaro Studio Aktuelle Berichte aus Kultur und Gesellschaft auf Ungarisch und Deutsch

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Radio Netwatcher Magazin über Netzthemen, Wissenschaft, IT, Presse- und Meinungsfreiheit, Privatsphäre, Netzkultur und Technikfolgenabschätzung

1 Radio Bulgaria Aktivitäten der bulgarischen Gemeinschaft in Oberösterreich 2,3,4 Radio Stimme politisches Journal zu Minderheiten, Mehrheiten, Machtverhältnissen

1 Libretto über Oper und Operette 2 Jazzchronik WH 3 Atelier für Neue Musik Musik und Kunst 4 Radioreisen Reisen, Musik und Texte

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1 Ketani Kultur und Sprache der Roma und Sinti 2 Radio Bulgaria WH 3 Bioneers Revolution from the Heart of Nature 4 FROmat

1,3,4,5 SPACEfemFM WH 2 Listen To The Female Hits Das Schaffen von Frauen im Musikbereich steht hier im Mittelpunkt

Medienwerkstatt Radiococktail Die Radiosendung der Medienwerkstatt Linz

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r die EU-Außengrenze

FRONTEX WATCH über die EU-Außengrenze

Polnisches Radio OÖ Sendungen in polnischer Sprache mit (außer)gewöhnlichen Persönlichkeiten, aktuellen Problemen und Veranstaltungen

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er programm@fro.at

Artarium livedialogisches Experimentierlabor zwischen Genres und Generationen

adio FRO

FROzine WH Das Infomagazin von Radio FRO

1 Kopfstoß FM Fußballmagazin ohne Rassismus und nationale Fangemeinschaft 2 viva la eñe spanischsprachige Kultursendung 3,4,5 Radio Hamraz Migration, Identität uvm. für Farsi-sprachige MigrantInnen 1,4 Herzblut Menschen und was sie gerne tun 2 radio% attac für soziale Gerechtigkeit 3 Gegenargumente Kritik der herrschenden Politik

PoloNews Die Sendung soll die Brücke zwischen den Nationen bauen - auf Polnisch und Deutsch

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1 Radio Thailand WH 2 Stallgeflüster WH 3 Die Sendung mit besonderen Bedürfnissen WH 4 FROmat

Radio FROheim Die Redaktion im Außenstudio in Ottensheim berichtet über aktuelle Entwicklungen, Kunst und Kultur in Ottensheim und Umgebung.

Radio Polonia Infos aus dem Vereinsleben, Interviews, Musik, Beiträge über polnische Kultur und Literatur in polnischer Sprache

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Medienwerkstatt Radiococktail Die Radiosendung der Medienwerkstatt Linz

Komm vorbei im Radiostudio im Alten One Love Program Show Amtshaus und werde Teil des Redaktionsteams Eine Musiksendung voll Hip-Hop, RnB Radio FROheim und Hiplife.

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Smart Art Kulturzentrum HOF und MRG Fadingerstraße. Das Magazin richtet sich vorrangig an die Interessen und Belange Jugendlicher.

FRO Workshop

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und Kritik tforschung umorvolle Gespräche er Medizin (-10:30) NEU

ken WH

H

nkunst und Philosophie edliches Miteinander nd „Life Design“ e Welt der Chormusik

, Interviews, Essays, ich viel Musik von vatuniversität

3 Landesgalerie on Air lle Ausstellungen

adio FRO würfe & Alternativen

chten v. d. Thai-Community ng über Landwirtschaft onderen Bedürfnissen radigmenwechselnd

atire, Poesie NEU tische Scheuklappen Überraschungstopf cher Sprache elektronische Musik

hno, House and Breaks s und Studiogespräche

Kultur und Bildung spezial Lesungen oder Diskussionsrunden, Veranstaltungsberichte oder Vorträge - das aktuelle Linzer Kultur- & Bildungsgeschehen

Mak Dizdar Berichte und Gespräche mit Menschen aus Bosnien, Kroatien und Serbien.

Zwischen stadthistorischen Narrativen und zeithistorischer Aufgabe (Sendetermine 7.10., 25.11., 16.12., 20.1.) Über die Erforschung der "Hitlerbauten" in Linz.

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FROzine Das Infomagazin von Radio FRO

FROmat Der Sender mit den härtesten Übergängen

U FROmat G Jadran-Cro

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1,3,4,5 SPACEfemFM vielfältige Themen der Radiofrauen, u.a. Politik & Kultur 2 Pentagrama Latina spanischsprachiges Programm für die gesamte Latino-Gemeinschaft

Islam im Gespräch Themen aus dem Alltag, der Politik und aktuelle Ereignisse in Bezug zum Islam

FROmat Der Sender mit den härtesten Übergängen

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1 FROmat 2 Radio WOAST Der KV WOAST on Air 3 Elektronisch-akustischer Hörgenuss 4 Multisound FM mit schwungvollen Songs und Hits ins Wochenende 1 FROmat 2,4 Sorry it's not you, it's HOUSE hochwertige House Beats von Nick und Chris 3 Elektronisch-akustischer Hörgenuss

Voice of Africa Kultur, Musik, Politik und Bildung in englischer und französischer Sprache für die afrikanische Community und Jugend in Linz

1 Sin Fronteras 2 Literadio Lesungen und Interviews 3 Vivement Dimanche französischsprachige Musiksendung 4 FROmat 1,3 Hörbildner Sprach- und Geräuschexperiment 2 FROmat 4 Cellardoor Radioshow WH

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FRO Live Liveübertragungen von Konzerten, Lesungen und Diskussionsveranstaltungen und aktuelle Konzertinfos

1 MMass!ve V!bes elekronische Musik aus OÖ 2 Another Nice Mess DJ Marcelle 3 Pozdrav Jajč anima für Menschen aus Jajce 4 FROmat

U Pura Vida Sounds Beleuchtet essentielle Perioden der Independent Musikgeschichte G The Crime Jazz Unit provides a soundtrack for the wrong doings against society

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1,3 Jazz von A-Z 2,4 India meets Classic Zur indischen Musikkultur mit indischer Klassik aus Nord- und Südindien

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1,2 FROmat 3 Pozdrav Jajč anima 4 FROmat

FROmat in der Nacht mit Jazz, Soul & Funk in den Montag

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2 Club Ibiza 1-3 Uhr Transmission 3-7 Uhr

 Kinder & Jugendliche  Musik & Talk

Uhr msterdam aus, durch Drum ‚n‘ Bass, echno, HipHop, Punk

 Kunst, Kultur & Literatur  Politik & Gesellschaft

U FROmat G Geräuschkulisse - Ton mit Phrasen Magazin für Jugendverständnis, Folklore und Selbstironie

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Verstärker // Sendungsfeature // DSMBB

Ich schau zwar benebelt aus, aber mir haben sie nicht ins Hirn geschissen! von Oliver Jagosch Hörversion

Arschibald Sack

Vergessen Sie GZSZ, SNF oder DSDS! Auf Radio FRO 105.0 gibt es seit mittlerweile einem Jahr das Format DSBB – die Sendung mit besonderen Bedürfnissen. Alexander Pagl und Prof. Arschibald Sack präsentieren dort im Rahmen der Sendeschiene Informantin allmonatlich (jeden 3. Donnerstag von 19 bis 20 Uhr) ein Programm, das sich zwischen Genialität und Wahnsinn oder aber auch zwischen Information und Skurrilität bewegt. Eine besondere Sendung für Menschen mit besonderen Bedürfnissen und solche, die es noch werden wollen. Das Themenspektrum dieser Sendung ist ein durchweg breites: es reicht von Empowerment und der Entwicklung des Sozialbereichs über das gesellschaftliche Bild von Menschen mit Beeinträchtigung bis hin zu Barrierefreiheit und Berichten von Fachmessen. Die eingeladenen Studiogäste sind zumeist VertreterInnen von Organisationen und Vereinen aus dem Sozialbereich, aber auch Betroffenen selbst wird Zeit und Platz eingeräumt. Ihren Selbstanspruch definieren die beiden Programmmacher (unter Gelächter) so: „Wir wollen Frauen kennenlernen!“ Ernsthaft hört sich das aber dann schon etwas anders an: „So, wie Menschen mit Beeinträchtigung in den meisten Medien dargestellt werden, sind sie nicht. Es gibt dort quasi zwei Gruppen von Behinderten – einerseits die ‚armen Hascherl‘ à la Licht ins Dunkel, andererseits jene, die mit eisernem Willen Höchstleistungen

Alexander Pagl

vollbringen, wir nennen sie ‚die Superkrüppel‘, wie zum Beispiel Thomas Geierspichler. Dieses Bild wollen wir in der Gesellschaft zurechtrücken.“ Die beiden Protagonisten sind auch im Leben abseits des Radios mit der Thematik bestens vertraut. Alexander Pagl, selbst Rollstuhlfahrer, ist Vorsitzender der Interessensvertretung bei assista. Arschibald Sack ist im Zivilberuf diplomierter Sozialbetreuer für Behindertenarbeit, die Idee und das Konzept zur Sendung entstanden während seiner Diplomausbildung. Neben aller Information und dem Spaß, den die beiden in ihrer Sendung verbreiten, sehen sie ihr Programm aber vor allem auch als politisches Statement gegen Diskriminierung und Homophobie. „Schön wäre es natürlich, wenn auch nur ein/e Beeinträchtigte/r unsere Sendung hört und sagt: ‚Das, was die beiden machen, kann ich besser‘ und dann sein/ihr eigenes Ding durchzieht. Ob im Radio oder in anderen Lebensbereichen ist dann egal.“ Frei nach dem Motto: „Geht raus und führt ein selbstbestimmtes, inkludiertes und humorvolles Leben!“

Oliver Jagosch war bis vor Kurzem Ausbildungsleiter bei FRO und gestaltet jetzt den Politischen Montag im FROzine.

Foto vom Arschibald: Jürgen Hammang · Foto von Alexander: Arschibald


Verstärker // FROZINE

Das sind die Infos, die ich brauche von Veronika Moser Hörversion

Gibt‘s eigentlich auch Nachrichten auf Radio FRO? werde ich oft gefragt. Ja! Gibt‘s. Jeden Montag bis Freitag produziert ein offenes Redaktionsteam bei Radio FRO ein einstündiges Infomagazin. Mit Lokalbezug und Fernblick. Dabei erfährt man zwar nicht, wenn ein zwölfjähriger Bub von einem unbekannten Autolenker auf dem Zebrastreifen bei der Unionkreuzung angefahren wird und sich den Fuß bricht. Auch misst Radio FRO nicht den Wasserstand, wenn der Tropensturm „Washi“ über den Süden der Philippinen hinwegfegt. Vielmehr bekommt man im Infomagazin FROzine Informationen, die man braucht. Die‘s in anderen Medien so nicht gibt. Die man sich als unabhängige Linzerin oder als kritischgeistiger Linzer wünscht. Wie sich das konkret anhört, ist hier kurz zusammengefasst. Informationen in, aus, rund um Linz. Endlich! Fundierte Berichterstattung mit Lokalbezug. FROzine lädt regelmäßig VertreterInnen gesellschaftspolitisch aktiver, kultureller und sozialer Initiativen und Institutionen ins Studio und nimmt sich in den Interviews Zeit für seine StudiogästInnen – ob‘s nun um Verkehrs- oder Frauenpolitik, Musik- oder Literaturfestivals, Verkaufs- oder Kaufverhalten, Linzer Torte oder LD-Stahl, Integrationsfallen oder Antifaschismus in OÖ geht. Weltempfänger. Nachdem es vor der eigenen Türe gekehrt hat, blickt FROzine im zweiten Teil der Sendung über den Linzer Tellerrand hinaus. Globale Themen werden beleuchtet, oder lokale in einen weiteren Kontext gesetzt. Lokal- und Landespolitik. Das ist der Schwerpunkt jeder Montagsausgabe des FROzine. Es wird kritisch nach dem Status Quo der politischen Verhältnisse gefragt. Gegenentwürfe und Utopien. Donnerstags werden in der Sendung kulturelle und gesellschaftspolitische Alternativen ausgelotet. Dabei wird dem Status Quo ein Quo Vadis? an die Seite gestellt. Veranstaltungstipps. Jeden Tag aktuell gibt‘s Veranstaltungstipps für Linz und Oberösterreich. Unbedingt empfehlenswert für die Abendprogrammplanung. Keine Sorge, wir lesen nicht aus den Tips vor. Schwerpunkt liegt auf Veranstaltungen der Freien Szene in Linz. Kommentar der Woche. Jeden Dienstag im Infomagazin. Über blaue Kornblumen. Taschenaschenbecher, die der Ordnungsdienst der Stadt Linz verteilt. Die Nutztierhaltung, die abgeschafft gehört. Und vieles mehr. Creative Commons Musik. Die Musik, die im Infomagazin abgespielt wird, steht unter Creative Commons Lizenz. Damit Radio FRO das FROzine auch online zum Nachhören zur Verfügung stellen kann, ohne rechtlich ins Gewürgs zu kommen. Das Infomagazin FROzine geht werktags von 18 – 19 Uhr live on air und wird am folgenden Werktag um 6 Uhr und um 13 Uhr wiederholt.

Veronika Moser kümmert sich bei Radio FRO um den Kultur- und Bildungskanal, Projekte und Öffentlichkeitsarbeit.

Staffelholzübergabe Hörversion

Vor drei Jahren übernahm Oliver Jagosch den Ausbildungsbereich bei Radio FRO. Sehr bald entwickelte er sich zu einer der zentralen Personen von FRO. Vor allem, wenn es darum ging, Radiomachenden auch nach ihrer Ausbildung zur Seite zu stehen. Oliver übernahm so etwas wie eine unbegrenzte Garantieleistung für alle Menschen, die durch seine Ausbildungshände gingen. Wer beispielsweise das Audioschnittprogramm beim ersten und zweiten Mal nicht verstanden hatte und auch bei der dritten Erklärung nur eine blasse Ahnung entwickelte, wie damit umzugehen sei, die/der bekam es eben so lange erklärt, wie es notwendig war. Und je ungeschickter man sich anstellte, desto geduldiger und fürsorglicher wurde Oliver. Ganz nebenbei war er durch all die Zeit eine wesentliche Stütze der journalistischen Arbeit von Radio FRO. Und das nicht nur als Redakteur, sondern auch als Mit-Entwickler unseres Infomagazins FROzine. Als Journalist bleibt uns Oliver erhalten. Er übernimmt den regionalpolitischen Montag des FROzine. Sein breites Wissen, seine Liebe zur Recherche, sherlock-holmsche Kombinationsgabe und moralische Integrität – alles Eigenschaften, die Oliver im Übermaß besitzt – wird er nun in diese Aufgabe investieren. Oder, wie es Oliver formulieren würde: Journalismus muss man mit Feuer und Eier_Stöcken machen! Das Staffelholz der Ausbildungsleitung übernimmt nun Philippa Plochberger. Wir haben Philippa gebeten, sich selbst vorzustellen: Hallo liebe Leserinnen und Leser! Ich bin seit 1. Oktober 2012 Teil des Radio FRO-Teams als Koordinatorin des Aus- und Weiterbildungsbereichs. In meinen Aufgabenbereich fallen unter anderem die Koordination, Abhaltung und Weiterentwicklung von Workshops, Schulungen, der Lehrredaktion und auch die Koordination der TrainerInnen im Team. Radiomachen war für mich bisher eine geliebte Freizeitbeschäftigung, der ich seit 2002 als Redakteurin der Medienwerkstatt Linz (MWL) nachging. Hauptberuflich war ich bis vor kurzem in einem Linzer Großunternehmen beschäftigt und konnte dort sehr viel Erfahrung in der Koordination und Organisation verschiedenster Aufgabenstellungen und im Umgang mit Menschen sammeln. Seit 2010 war ich in der MWL auch als Trainerin im Radiobereich tätig und hielt Seminare mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Dieser Leidenschaft nun hauptberuflich bei Radio FRO nachgehen zu können, ist für mich eine wunderbare Möglichkeit und willkommene Herausforderung, die ich mit großer Motivation annehme. Ich habe immer ein offenes Ohr für Wünsche und Anregungen und der freundliche und respektvolle Umgang miteinander ist mir sehr wichtig. Zuverlässigkeit und Offenheit gegenüber Neuem und Anderem schätze ich sehr. Von meiner neuen Position bei Radio FRO erwarte ich mir einen abwechslungsreichen und kreativen Aufgabenbereich, der bewährte Konzepte weiterentwickelt, offen für Anregungen jeglicher Art ist und Innovationen zulässt. Ich freue mich schon sehr, viele „alte“ und neue RadiomacherInnen kennenzulernen, gemeinsam an neuen Projekten zu arbeiten und miteinander eine gute Zeit bei Radio FRO zu verbringen.

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Verstärker // FRO TErmine

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Jeden Freitag ab 22 Uhr geht Radio FRO 105.0 auf Konzerte, Lesungen oder Festivals in Linz und Umgebung. Aktuelle Termine findest du auf www.fro.at/frolive.

Selvhenter nennt sich die Band aus Dänemark, die nicht nur durch ihren Frauenanteil (100%) besticht, sondern auch durch ein kompromissloses, nach vorne gespieltes, lautes Soundgebräu. // Foto: Unlimited

Oktober 31.10. FRO FEST · petra und der wolf, Andreas Nutz live aus der Stadtwerkstatt November 2.11. Indie Native Mitschnitte vom Posthof 16.11. Soundscapes Mitschnitt KAPU 30.11. Fettkakao Labelnight Mitschnitt KAPU Dezember 14.12. ED SCHRADERS MUSIC BEAT Mitschnitt STWST 21.12. Madhou5se-Celebration live aus der Stadtwerkstatt 28.12. Unlimited #26 Mitschnitte Schl8hof Wels

FRO krebst auf!

105.0 Mhz

Jeden zweiten Mittwoch im Monat wird das Studio von Radio FRO 105.0 von der Stadtwerkstatt ins Grand Café zum Rothen Krebsen verlegt. Unsere ehrenamtlichen Programm-MacherInnen legen auf und präsentieren euch LIVE ihre Lieblingsmusik.

2. Mittwoch im Monat, 21 bis 23 Uhr

Live im Rothen Krebsen, Obere Donaulände 11, oder auf 105.0 MHz. Das Lokal ist barrierefrei zugänglich. Ihr möchtet dort auch mal auflegen und einen Abend on Air sein? Dann meldet euch per Mail bei Sabina unter programm@fro.at. Ja klar, anrufen könnt ihr sie auch.

F REUN D E S KREI S - A B EN D E

Jeden ersten Mittwoch im Monat trifft sich der Radio FRO Freundeskreis im Foyer von FRO (Kirchengasse 4, 4040 Linz). In gemütlichem Beisammensein tauschen wir uns aus – sei es literarisch, musikalisch oder kulinarisch. Es gibt Kleinkunstabende, Vorleseabende, Grillabende, Musikabende, Hörspielhörabende, Tanzabende, Filmabende, Diskussionsabende, Trinkabende. Und was uns sonst noch so einfällt. 1. Mittwoch im Monat, 19 Uhr 7. November 2012: StR. Mayr erklärt den SWAP 5. Dezember 2012: entflieh dem Weihnachtswahnsinn 6. Februar 2013 6. März 2013 Willkommen sind alle, die sich für das Freie Radio in Linz interessieren. www.fro.at/freundeskreis

Wenn es so kalt herbstelt gehen wir auch im Schutze des Freundeskreises nicht mehr an Deck, aber im nächsten Sommer sicher wieder. // Foto: Petra Moser


Verstärker // Publikumsbeschimpfung

Liebe FreundInnen vom „Verein für politische Grundlagenforschung“! von Oliver Jagosch Hörversion

Wie geht es euch eigentlich mit eurer Grundlagenforschung? Ist sicher viel Arbeit, so eine Grundlagenforscherei. Und billig ist sie ja auch nicht gerade! Aber Geld habt ihr ja. Immerhin lässt das Land Oberösterreich jedes Jahr fette Kohle rüberwachsen. 532.000 Euro waren es 2010, 2011 immerhin noch 468.000 Euro. Das ist doch schön, wenn man bedenkt, dass es in den Jahren davor nur etwas mehr als die Hälfte war (2009: 275.000, 2008: 271.000, 2007: 270.000, 2006: 310.000 – das macht in 6 Jahren 2.126.000 gute alte Europäer; in Worten: zwei Millionen einhundertsechsundzwanzigtausend). Ja – Grundlagenforschung, das ist schon eine Aufgabe. Vor allem weiß man da nie recht, ob und was dabei rauskommt. Aber es stellt sich dann doch auch eine Frage – um ein mittlerweile viel zitiertes Sprichwort zum wiederholten Male auszugraben: „Wos woa eia Leistung?“ Diese Nachfrage sollte aufgrund der Zuwendungen aus meinem und dem Brieftascherl der anderen OberösterreicherInnen in Form von Steuergeld gestattet sein. Ihr erforscht also schon seit 21. Mai 2001 (Datum eurer Vereinsgründung), also seit mehr als 11 Jahren, die Grundlagen der (oberösterreichischen) Politik. Und herausgekommen sind dann vor etwa einem Jahr zwei sehr dünne Umfrageergebnisse. Eine darüber, ob sich die OberösterreicherInnen mehr Spitäler wünschen (719 Befragte) und eine zum Spar- und Reformwillen der OberösterreicherInnen (970 Befragte). Sonst ist da nix. Zumindest nicht auf eurer Website (www.vpgf.at). Aber immerhin, als ihr diese Umfrageergebnisse letztes Jahr ins Netz gestellt habt, war das das erste Update eurer Seite seit 2004! Böse Gutmenschen (darunter auch der Verfasser) vermuten, dass die Veröffentlichung dieser Umfrageergebnisse auf eurer Homepage nur damit zusammenhängt, dass im Mai letzten Jahres mal eine Anfrage der FROzine-Redaktion von Radio FRO an euch gegangen ist, was ihr denn so macht. Und schwuppdiwupp fand man auf einmal diese zwei OGM- Umfragen (Meinungsforschungsinstitut, Anm. d. Red.). Seither ist es leider der einzige Inhalt geblieben. Was sagt eigentlich der Domain-Inhaber Hubert Schreiner dazu, dass er euch seine Domain zur Verfügung stellt und ihr nur alle heiligen Zeiten da was draufstellt? Schimpft der nicht? Ja und nicht nur das! Der gute Hubert Schreiner macht euch auch noch Platz in seinem Büro in der Blütenstraße 21/1 (4040 Linz). Immerhin ist das die Landesgeschäftsstelle der FPÖ Oberösterreich. Die haben da wohl auch nicht Platz ohne Ende – wo doch jetzt bald wieder Wahlen kommen! Der Hubert bemüht sich so und ihr liegt immer nur auf der faulen Haut rum? Gehört sich das? Dabei habt ihr euch doch so einen interessanten Auftrag gegeben. In euren Vereinsstatuten (§2) heißt es: „Der Verein bezweckt, solche Einzelpersonen oder Organisationen, deren Wirken auf die Gestaltung des politischen Willens im Staate gerichtet ist, hierin (...) zu unterstützen, und zwar im Interesse der von ihnen repräsentierten Gruppen im Besonderen und der Gesellschaft im Allgemeinen.“ Mal abgesehen davon, dass ihr da aufpassen müsst, nicht gegen den

„Mafia-Paragraphen“ (278 StGB) zu verstoßen (da sitzt man plötzlich mit militanten und terroristischen TierschützerInnen in einer Zelle), ist das ja ein spannendes Vorhaben. Weiter heißt es dann: „In der Auswahl der von seinen Tätigkeiten Begünstigten ist er (Anm.: der Verein für politische Grundlagenforschung, VPGF) frei. Dasselbe gilt auch für die Festlegung der Nähe zu einer politischen Gesinnungsgemeinschaft.“ Auf Normaldeutsch heißt das dann also: „Gebt uns das Geld und wir machen damit, was wir wollen.“ Nur machen müsstet ihr eben auch einmal was. Zumindest alibimäßig sollte doch hin und wieder mal ein Ergebnis eurer Arbeit nach außen dringen! Wo ihr doch auf eurer Website den Grundsatz vertretet: „Klare Gedanken – klare Sprache“. Muss ich eure fehlende Außenkommunikation dann etwa so interpretieren: „Keine Gedanken – keine Sprache“? Man kann doch nicht so hohe Erwartungen schüren und Wissbegierige wie mich dann intellektuell verhungern lassen. Oder tue ich euch am Ende gar Unrecht? Vielleicht arbeitet ihr ja ohnehin wie die Pferde, produziert aber Geheimwissen. Möglicherweise hat deshalb euer Präsident, der brave Dr. Helmut Grünling, eine Interviewanfrage von Radio FRO fast nicht einmal ignoriert. Aber wenn ihr Geheimwissen produziert, weshalb unterstützt Landesrätin Mag.a. Doris Hummer eure Tätigkeit mit derart hohen Finanzmitteln aus dem Bildungsbudget des Landes, und zwar aus dem Topf für Erwachsenenbildung? Und ihr befindet euch in diesem Fördertopf ja auch in illustrer Gesellschaft, zum Beispiel mit dem Katholischen Bildungswerk, der Grünen Bildungswerkstatt, dem Erwachsenenbildungsforum OÖ und dem OÖ Volksbildungswerk. Nur, dass bei denen öffentlich und nachvollziehbar ein Output ersichtlich ist, und bei euch eben nicht. Wenn da öffentliche Gelder verwendet werden, dann hat die Öffentlichkeit auch ein Recht auf die Ergebnisse. Da ist nix mit Geheimhaltung oder Mauscheln. Im Normalfall fordert die in euren Statuten wohl gemeinte Gesinnungsgemeinschaft ja auch Transparenz und so. Nehmt euch mal ein Beispiel an Radio FRO 105.0! Radio FRO macht mit einem Bruchteil des Geldes, das euch zur Verfügung steht, 24 Stunden Radioprogramm, an 365 Tagen im Jahr, Sommer wie Winter. Da fließt wirklich etwas zurück in die Gesellschaft. Wenn ihr also nicht – wie böse Zungen behaupten – eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme für die Freiheitlichen Oberösterreich seid, dann solltet ihr schleunigst mal etwas auf den Tisch legen, woraus die Gesellschaft auch Nutzen ziehen kann. Oder, um dazu ein Zitat von eurer Homepage (ich glaube, das heißt in euren Kreisen ja eher Heimseite – Verzeihung, aber das konnte ich mir jetzt einfach nicht verkneifen) zu verwenden: „Erst in Kenntnis der Tatsachen kann man eine fundierte Meinung in eine Diskussion einbringen.“ Deshalb bitte ich mal recht gnädig um Erläuterung der Tatsachen, damit aus der unfundierten Meinung des Verfassers eine fundierte werden kann.

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Verstärker // Liebe grüSSe von Frau Leisch

Sehr geehrte Damen, Herren und Transgender! von Tina Leisch Hörversion

Erinnern Sie sich noch daran, als unser Leben ein Fest war, wo alle Herzen sich öffneten und alle Weine flossen? Wenn man uns nach unserer Nationalität fragte, antworteten wir: „Wir sind InternationalistInnen.“ Und wenn man wissen wollte, wo wir daheim seien, sagten wir: „Wir sind KosmopolitInnen.“ Oder: „Irgendwo zwischen Nazim Hikmet und Roque Dalton, zwischen Kafka und dem Popol Vuh.“ Menschen nach ihrer Herkunft voneinander zu unterscheiden, hätte man als Ausdruck reaktionärster Gesinnung weit von sich gewiesen. Man unterschied die Menschen danach, wo sie hinwollten: in Ausbeuter, die weiter ausbeuten, in Ausgebeutete, die weiter ausgebeutet werden und in Ausgebeutete, die der Ausbeutung ein Ende setzen wollten. Dann erfanden die Rechten den „Ausländer“. Die Linken nannten ihn „MigrantIn“ und die Party war vorbei. Die Entdeckung der Migration als politisches Feld brachte Erkenntnisse über die Funktionen des staatlichen Rassismus, der die Leute ungleich macht vor dem Gesetz, und des Alltagsrassismus, der dafür sorgt, dass ein slawischer Akzent oder ein türkischer Nachname Wohnungen und Jobs versperrt. Wir sahen ein, dass wir die Solidarität tatsächlich nicht „international“ also „zwischen Nationen“ üben, sondern zwischen Einzelnen, Vereinen, Initiativen, Bewegungen, die aus ganz verschiedenen Erfahrungswelten zusammenkommen. Wir lernten, dass die Mechanismen, mit denen Ausgebeutete dazu gebracht werden, ihrer Ausbeutung zuzustimmen, in anderen Kulturen manchmal an anderen Seelenhebeln ansetzen, und dass es viele Einfühlungen, Übersetzungen, Empathien braucht, wenn aus der Deklaration von Solidarität tatsächlich gemeinsame Kämpfe werden sollen. Wir sahen, dass die nationalistische und die religiöse Überlegenheitsillusion offensichtlich ein universelles Instrument ist, mit dem Ausgebeutete dazu gebracht werden, sich für die Kränkung durch die Ausbeuter an Schwächeren, noch Ausgebeuteteren zu rächen, und dass es gefinkelte Strategien braucht um Menschen dazu zu bringen, gemeinsam über ethnische, kulturelle, religiöse Unterschiede hinweg für Rechte und Gerechtigkeit zu streiten. Initiativen wie der Verein „maiz“ machten Unsichtbarkeiten sichtbar: Wir bemerkten auf einmal das Fehlen der Bilder und Geschichten der Neuzugewanderten in den Medien. Erst Goran Rebics „Jugofilm“, Kenan Kilics „Gurbet“ oder Nina Kusturicas „Little Alien“ brachten Flüchtlinge und Gastarbajteri ins Kino. Die freien Radios waren die ersten Medien, bei denen die Vielfalt der Bevölkerung sich im Sendeschema und in den Redaktionen spiegelte, während der ORF bis heute nur „Heimat, fremde

Heimat” und den Wiener Wetterfrosch diversifizierte. Nun fordern HistorikerInnen und MigrationsforscherInnen ein „Archiv der Migration“. Dokumente von und über MigrantInnen sollen zusammengeführt und aufgearbeitet werden. Ein weiterer Schritt, um die Rede von der Migration zu enthysterisieren und Wanderungen als etwas Selbstverständliches zu begreifen. Vielleicht kann im Archiv der Migration dann auch der Begriff des/der „MigrantIn“ erfasst und abgelegt werden. Er hat seinen Dienst getan und richtet inzwischen mehr Unheil an, als er noch an Erkenntnis produziert. Da es offensichtlich am bequemsten ist, binär zu denken, also die Erde in nur zwei Hälften zu teilen, auch wenn auf ihr sieben Kontinente schwimmen, gibt es oft nur noch „MigrantInnen“ und „MehrheitsbürgerInnen“. Ja, man entblödet sich nicht, eine moderne Form des Ariernachweises zu betreiben, in dem Menschen als „MigrantInnen der Zweiten oder Dritten Generation“ identifiziert und nur noch vor ihrem „Migrationshintergrund“ abgelichtet werden. Vielen wurde die „MigrantIn“ zum Lieblingsobjekt ihres wohlmeinenden Engagements und der Rassismus zum Hauptwiderspruch. Einerseits ethnisiert man so soziale Konflikte. Probleme, die seit Jahrhunderten die Probleme der Entrechteten sind – ein Arbeiterkinder diskriminierendes Schulsystem z.B., oder die Kriminalisierung von Armut – werden zum „Integrationsproblem“. Andererseits toleriert man die reaktionärsten Haltungen, wenn sie von MigrantInnen geäußert werden, als schützenswerten Ausdruck ihrer kulturellen Differenz. Da demonstrieren z.B. lesbische Freidenkerinnen, die ihr Leben lang die katholische Kirche bekämpft haben, schon einmal für die Errichtung einer Moschee. In beiden Fällen ist man den Rechten auf den Leim gegangen, hat im Endeffekt zwischen Inländer und Ausländer und nicht zwischen Einzahler und Ausbeuter unterschieden. Daher mein Vorschlag: Klassifizieren wir niemanden mehr als „MigrantIn“. Fragen wir statt: „Woher kommen Sie?“ lieber: „Wem nützt Ihre Arbeit?“ Oder „Wer verdient wie viel an Ihren Grundbedürfnissen?“ Oder überhaupt: „Biozweigelt, koscheren Cabernet oder Traubensaft halal?“ Vielleicht öffnen sich ja die Herzen und die Weine fließen wieder...

Tina Leisch, Film-, Text- und Theaterarbeiterin, arbeitet derzeit an einem Dokumentarfilm über den salvadorianischen Dichter Roque Dalton, „Roque Dalton, erschießen wir die Nacht!”, der 2013 im Kino zu sehen sein wird. // Foto: CHINOLOPE


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Radio FRO (Freier Rundfunk Oberösterreich) ist das Freie Radio im Großraum Linz. Es ist nicht-kommerziell und werbefrei, gesellschaftspolitisch engagiert und offen, informativ und abwechslungsreich. Auf Radio FRO senden mehr als 300 ehrenamtliche RadiomacherInnen Programm in über 10 Sprachen. Auf diese Weise ist ein Programm möglich, in dem MigrantInnen, MusikliebhaberInnen, Menschen mit Behinderungen, Jugendliche und SeniorInnen, Feministinnen, Literaturinteressierte und viele mehr gleichermaßen Platz haben. Die Vielfalt im Programm erklärt die härtesten Übergänge. Es ist für jede und jeden was dabei. Auch musikalisch gibt‘s einiges zu entdecken, wir spielen Musik abseits des Mainstream, alternativ und lokal. Radio FRO machen Das Besondere am Freien Radio ist der offene Zugang: bei Radio FRO stehen die Studio- und Redaktionsräume jeder und jedem offen. Egal, welche Vorstellung du von Radio hast, welche Sprache du sprichst, welche Musik du magst – hier findest du deinen Sendeplatz, hier kannst du deine eigene Radiosendung gestalten. Wenn du in einem bestehenden Redaktionsteam mitarbeiten möchtest, geht das auch – in den Redaktionen des Infomagazins FROzine und des Kultur- und Bildungskanals.

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Schmankerl. Den FRO Newsletter kannst du unter Angabe deiner E-Mail-Adresse auf www.fro.at ganz einfach abonnieren oder ein Mail an presse@fro.at schicken. Radio FRO FreundIn werden Gerne nehmen wir dich in unseren Freundeskreis auf. Wir treffen uns jeden ersten Mittwoch im Monat zu einem gemeinsamen Abend unter FreundInnen, der im Zeichen der Diskussion und des Austauschs steht. Mit deiner Mitgliedschaft im Radio FRO Freundeskreis unterstützt du zudem ein nicht-kommerzielles Radio, das unabhängig von Quotendruck und den Zwängen der Werbewirtschaft Programm senden kann. www.fro.at/freundeskreis


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AK-Präsident Kalliauer:

Den Reichtum umverteilen Immer wieder wird uns eingeredet, es gäbe angesichts hoher Budgetdefizite keine Alternativen zu Sparpaketen und Sozialabbau. Dabei wären durch gerechte Steuern auf hohe Vermögen Milliardeneinnahmen möglich. Das gesamte private Vermögen in Österreich beträgt mehr als 1300 Milliarden Euro und ist noch ungleicher verteilt als die Einkommen. Die reichsten zehn Prozent der Österreicher/-innen besitzen mehr als zwei Drittel davon. Allein das oberste Prozent besitzt knapp 34 Prozent. Das ist mehr als 90 Prozent der Bevölkerung haben, die zusammen nur über 31,7 Prozent verfügen. 300 Superreiche Bezogen auf die Bevölkerung hat Österreich sogar die meisten Superreichen in der EU. Jeder von ihnen hat mehr als 80 Millionen Euro Geldvermögen. Zusammengezählt übersteigt der Reichtum dieser knapp 300 Haushalte die gesamte österreichische Wirtschaftsleistung eines Jahres. Dank niedriger Besteuerung leben sie in Österreich in einer Steueroase. Steuern auf Vermögen tragen in Österreich nur 1,3 Prozent zum gesamten Steueraufkommen bei. Damit zählen wir zu den Schlusslichtern unter allen Industrieländern. Deren Durchschnitt liegt bei 5,5 Prozent. Vermögensteuer brächte drei Milliarden Die AK fordert daher die rasche Einführung einer Vermögenssteuer auf große Privatvermögen von mehr als einer Million Euro netto - nach Abzug eventueller Schulden - mit gestaffelten Steuersätzen zwischen 0,7 und 1,5 Prozent. Weder das Sparbüchl der Oma noch das privat genutzte Eigenheim wären davon betroffen. Steuereinnahmen von drei Milliarden Euro könnten so erzielt werden. Diese werden dringend zur Finanzierung öffentlicher Investitionen und zur Absenkung des viel zu hohen Mindeststeuersatzes bei der Lohnsteuer gebraucht. Das wäre nicht nur gerecht, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Denn es käme Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen zugute. Und die würden dieses Geld in ihren Konsum stecken und so die Wirtschaft ankurbeln, während die Reichen ihre Vermögenszuwächse meist spekulativ an den Finanzmärkten anlegen und so die nächste Krise vorbereiten.

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Radio FRO hörst du auf der Frequenz 105.0 im Großraum Linz sowie weltweit auf www.fro.at/livestream. Impressum Programmheft Radio FRO 105.0 MHz · Ausgabe N° 10 · Versorgerin Nr. 95A Herausgeberin Freier Rundfunk Oberösterreich GmbH · Kirchengasse 4 · 4040 Linz Tel [43] 732 71 72 77-100 Fax [43] 732 71 72 77-155 · www.fro.at · E-Mail fro@fro.at Auflage 3.000 · Redaktion Andi Wahl, Veronika Moser Autoren und Autorinnen Johannes Wilms, Sabina Köfler · Oliver Jagosch, Petra Moser, Tina Leisch Druck direkta · Gestaltung www.silkemüller.de · Der Umwelt zuliebe auf Recyclingpapier gedruckt.


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Die neue Ausgabe widmet sich dem Freiem Wissen. Im Programmheft könnt ihr mehr über unser Programm und die laufenden Projekte lesen. Eingeh...

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