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VERSORGERIN NR 97B | JUNI 2013 | ÖSTERREICHISCHE POST AG | SPONSORING POST | GZZ 022033621 S | RETOUREN: RADIO FRO, KIRCHENGASSE 4, 4040 LINZ

PROGRAMMHEFT JUNI – SEPTEMBER 2013

Radio FRO  N° 12 DAS FREIE RADIO IN LINZ GRILLT KLANGKUNST. ON AIR 105.0 MHZ · WWW.FRO.AT

SCHWERPUNKT KUNST UND GESELLSCHAFT // KUNST, GESELLSCHAFT UND POLITIK HUT AUF STATT HUT AB // UNTERGESCHOBENE WORTSPENDEN // VERSTÄRKER SENDUNGSFEATURE // PUBLIKUMSBESCHIMPFUNG // LIEBE GRÜSSE VON FRAU LEISCH


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EDITORIAL

Herzlich willkommen! Kunst und Gesellschaft Zeitungmachen ist etwas Wunderbares!! Meist beginnt es damit, dass man sich hinsetzt und in die Luft starrt. Wozu hat man etwas zu sagen? Wozu muss man etwas sagen? (Die Informationsgesellschaft, in der wir angeblich leben, ist ja ein Mythos. Zu so vielen wichtigen Informationen haben große Teile der Gesellschaft keinen Zugang.) Ist erst einmal ein Thema gefunden, so stolpert man in den nächsten Tagen dauernd darüber. Ein Phänomen, das erklärbar, aber immer wieder erstaunlich ist. So findet man meistens auch schnell Autorinnen und Autoren, die man einlädt zu schreiben und mit denen man das gewählte Thema noch diskutiert und schärft. In besonders günstigen Fällen gehen solche Diskussionen auch weit über das hinaus, was man in die Zeitung bringen möchte. So erging es mir bei der Arbeit an dieser Nummer mit Michael G. Kraft. Er schrieb mir in einem Mail vom 1. Mai, den er in Zürich verbrachte: „Ich hatte gestern noch eine sehr nette Begegnung. Boots Riley und seine Band the Coup spielten ein Konzert und er hielt am Abend noch einen Vortrag zu seinen Erfahrungen in der Occupy Oakland Bewegung in den USA (eine sehr spannende Episode, denn sie vernetzten sich mit den HafenarbeiterInnen und riefen einen Generalstreik aus). Abgesehen davon, dass es einer der reflektiertesten Vorträge von AktivistInnen war, den ich je gehört hatte, kam er auch aufgrund einer Frage zum Verhältnis von Kunst und Politik zu sprechen (er ist ja politischer Aktivist und Musiker). Und das Beispiel, das er nannte, war sehr schön. Er erzählte von

der alltäglichen Polizeigewalt (gegen Schwarze) und dass es bei Übergriffen immer wieder zu Todesfällen kommt (einmal chauffierte die Polizei vermeintliche Drogendealer so lange herum und brachte sie nicht ins Krankenhaus, bis sie verstarben). Nicht so bei einem Ereignis von 1989. Als eine Mutter ihre beiden jungen Söhne gegenüber der Polizei verteidigen wollte, schlugen sie sie nieder. Eine Masse von Menschen versuchte zu helfen, doch sie wurden von der Polizei vertrieben. Plötzlich stimmte jemand das Lied „Fight the power“ von Public Enemy an, das damals in den Charts war. Die Menschen ermächtigten sich, liefen zurück und schlugen die Polizei in die Flucht und konnten so die Familie retten. Auch das kann Kunst bewirken ;-)“ Ich möchte diese Erzählung an den Anfang dieses Heftes stellen. Einmal, weil sie Mut macht und zweitens, weil sie einen Aspekt repräsentiert, den wir nicht berücksichtigt haben. Sozusagen die direkte Anwendung von Kunst in politischen Auseinandersetzungen. Den Entschluss, dieses Heft dem Verhältnis von Kunst und Gesellschaft zu widmen, fassten wir angesichts der MusiktheaterEröffnung. Erschreckt hat uns dabei nicht so sehr, dass hier mit Pomp und Gloria ein Repräsentationsbau aus der Taufe gehoben wurde, dass hier die Mächtigen ihre Macht feiern, ja noch nicht mal, dass das Verhältnis zwischen kritischer, nachfragender und in Zweifel ziehender Kunst und affirmativer, die Verhältnisse

C O V E R

°12 INHALT

Editorial

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Der Bösendorfer Flügel im Festsaal der Linzer Landesgalerie wird vom Saxophon bedroht, dicke XLR-Ton-Kabel verschwinden im Griller, hier clashed was aufeinander und brutzelt. Harte Übergänge eben. Die kennt Walter Wallmüller aus nächster Nähe: er ist Jurist und betreibt bei Radio FRO die Sendung „Jazzchronik“.

SCHWERPUNKT KUNST UND GESELLSCHAFT

Kunst, Gesellschaft, Politik
 Hut auf statt Hut ab
 Untergeschobene Wortspenden

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VERSTÄRKER

Sendungsfeature: Schönen Gruß an die Jajˇcani Publikumsbeschimpfung: Parzival, Wagner und ich FRO Termine Eichhörnchen hört Nirvana Über Menschen als Belastung für den Staat... Liebe Grüße von Frau Leisch Umhören

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Walters Sendung bringt Jazzgeschichte in kleinen Portionen von den Anfängen des Jazz, etwa um die Jahrhundertwende zum vorigen Jahrhundert, bis herauf in die Gegenwart. Dazu gibt es Jazzmusik vom Allerfeinsten. Diese kommt aus der wohl sortierten und reich bestückten privaten Platten- und CD-Sammlung von Helmut Söllner, der auch die Informationen liefert. Die Leitung und Präsentation der Sendung liegt in den Händen von Walter Wallmüller. Übrigens: Die Idee zu dieser Sendung stammt aus den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, als Walter und Helmut, schon genauso jazzbegeistert wie auch heute noch, in Wiener Studentenheimen und -klubs vor Publikum Jazzplatten auflegten und Wissenswertes aus der Geschichte des Jazz erzählten. Die Sendung hörst du jeden 4. Dienstag im Monat von 21 bis 22 Uhr und als Zweitausstrahlung jeweils am nächsten 2. Sonntag im Folgemonat von 10 bis 11 Uhr auf Radio FRO.


EDITORIAL

bestätigender und der Macht huldigender Kunst wesentlich zu Gunsten letzterer verschoben wird. Erschreckt hat uns der Umstand, wie leicht und widerstandslos das ging. Auch wie billig die Phrasen waren, die Offizielle zur Theatereröffnung absonderten, hat uns erstaunt. Eigentlich sollte Jürgen Lüpke die Zahlen rund um das Musiktheater darstellen. In seinem Beitrag „Untergeschobene Wortspenden“ verpackt er aber dieses (wahre) Zahlenmaterial in erfundene Zitate, die er tatsächlich agierenden Personen unterjubelt. Ein sehr amüsant zu lesender Beitrag, der eine/r/m wie nebenbei die Augen öffnet. Alleine die Kulturplattform Oberösterreich (KUPF) hat sich in einer Sondernummer ihrer Zeitung bemüht auch kritische Stimmen zur Theatereröffnung zu Wort kommen zu lassen. Aber der Tenor dieser Extraausgabe schwankte auch nur zwischen „Schau‘n ma mal“ und „Auch haben wollen!“. Natürlich wäre es verlockend, unter den gleichen Bedingungen arbeiten zu können wie das Musiktheater. Mit automatischen Subventionserhöhungen und bereits vorgesehenen Sonderfinanzierungen. Aber einmal angenommen man könnte das erreichen, wäre dann alles in Ordnung? Nein! Denn hier schielen nur die BewohnerInnen eines Elfenbeinturmes neidvoll auf die BewohnerInnen eines noch besser ausgestatteten, noch komfortableren Elfenbeinturmes. Natürlich lässt es einen erschaudern, wie in Oberösterreich die Kulturmittel verteilt werden. Wie viel in Spektakel und Repräsentation investiert wird und wie wenig in das Kunstund Kulturschaffen von Otto und Emma NormalverbraucherIn. (Das Land sollte überzogen sein von einem Netz an Kulturstätten, die das Schaffen der Menschen unterstützen und nicht ihren Kunst- und Kulturkonsum.) Aber das wirklich Beklemmende an der Musiktheater-Eröffnung ist, dass sie in eine Zeit des massiven Sozialabbaus fällt. In der das Finanzkapital gerettet wird und Hauptschulabschlusskurse für MigrantInnen eingespart werden (wie bei maiz). In eine Zeit, in der eine Landesbauordnung beschlossen wird, die die bisher angestrebte Barrierefreiheit wieder zurücknimmt. Eine Zeit, in der das Land Oberösterreich massiven Preisdruck auf Kinderbetreuungseinrichtungen macht, sodass achtzehn Kinder zwischen null und drei Jahren von sieben Uhr morgens bis fünf Uhr nachmittags von nur zwei ungelernten Kräften betreut werden müssen. Das sind alles keine Altlasten, sondern neue Standards, die nun etabliert werden. Der Skandal der Musiktheater-Eröffnung ist, dass das Musiktheater diese Ungleichverteilung an Ressourcen und zugedachten Lebenschancen symbolisiert. Dafür kann das Musiktheater natürlich nichts, aber es sollte thematisiert werden. Das fordert auch Michael G. Kraft in seinem Beitrag „Kunst, Gesellschaft, Politik“. Aber natürlich ist das Linzer Musiktheater auch ein Lehrstück darüber, wie Politik funktioniert. Wie man es schafft, das Interesse einer kleinen Minderheit als Allgemeininteresse zu etablieren. Phrasen wie „Wohnzimmer von Linz“ oder „Es ist auch euer Theater“ sollten dabei mögliche Widerstände weichspülen. Und wer dann noch meint, meckern zu müssen, der/die wird ganz einfach niedergebügelt. Daher wurde bei der Eröffnung auch alles daran gesetzt, die Menschen zu überwältigen. Sie mit Pomp und Feuerwerk „schmähstad“ zu machen. Eine alte und bewährte Herrschaftsmethode – und eine Form der Gewalt. Wobei es natürlich zu einer Operneröffnung passt. Ist doch die Oper nicht, wie immer wieder behauptet wird, die höchste Kunstform, sondern lediglich

jene Kunstform, die sich am besten zur Überwältigung des Publikums eignet. Die Kunstform des Absolutismus eben. Wie man sich dieser versuchten Überwältigung entziehen kann, indem man ganz einfach seine sieben Zwetschken beisammen hält, zeigt Veronika Moser in ihrem Bericht „Parzival, Wagner und ich“. Für Theater, das nicht auf Überwältigung setzt sondern sich um zeitgemäße, engagierte und transparente Theaterarbeit bemüht, steht Rudi Müllehner. In seinem Beitrag „Hut auf statt Hut ab“ erfährt man wie die Leute in der Freien Szene „ticken“ und wie sie das Rumpelstilzchen-Kunststück, aus Stroh Gold zu spinnen, immer wieder hinbekommen. Müllehner wird gemeinsam mit Cornelia Metschitzer und Bernhard Mayr im Herbst eine neue Spielstätte der Freien Theaterszene in Linz eröffnen: Tribüne Linz – Theater am Südbahnhofmarkt. Dieses Theater, an der aufgelassenen Spielstätte „Eisenhand“ des Landestheaters, wird bis zu 140 Gästen Platz bieten. Mit einem Skandal der so ungeheuerlich ist, dass wir ihn noch gar nicht recht fassen können, beschäftigt sich Frau Leisch in ihrem Brief an die LeserInnenschaft. Außerdem gibt es wieder viele wichtige Informationen rund um Radio FRO (etwa was der FRO-Freundeskreis so treibt und wie man da mitmachen kann) und ein sehr bemerkenswertes Sendungsfeature: „Schönen Gruß an die Jajˇcani“ ist nicht einfach eine Sendungsvorstellung, sondern zeigt auch, mit wie viel Kreativität Problemen, die sich aus Migration ergeben, begegnet werden kann. Und es wird auch klar, warum sich Ernisa Beganoviˇc und Zijad Plivac unbedingt einbilden, mitten in der Nacht Radio machen zu müssen. Erleuchtende Momente und Amüsement beim Lesen wünscht Andi Wahl

Andi Wahl ist Geschäftsführer von Radio FRO.

Nein! Man muss nicht nur wollen, man muss auch können. Unterstütz dein freies Radio im Radio FRO Freundeskreis.

www.fro.at/freundeskreis

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SCHWERPUNKT KUNST UND GESELLSCHAFT

Kunst, Gesellschaft, Politik
 von Dr. Michael G. Kraft

Einige Überlegungen zu einem bewegten Verhältnis Als ich am frühen Abend des 11. April vom Linzer Hauptbahnhof durch den Volksgarten entlang ins Stadtzentrum spazierte, war ich gefasst, dass ich aufgrund der Eröffnung des Linzer Musiktheaters wohl eine größere Menschenansammlung antreffen würde. Und tatsächlich tummelte sich eine bunte Schar von LinzerInnen in und um das Musiktheater herum. Drinnen vermutete ich die geladenen RepräsentantInnen unserer Gesellschaft, und draußen wollte man auch dem Volk etwas (Hoch-)Kultur angedeihen lassen. Über Lautsprecher und Videowalls wurde das Theaterereignis mit Frankfurter Würstel und Bier um einen Euro schmackhaft gemacht. Dieses Angebot, so schien es, wurde auch dankend angenommen. Nun war ich ob dieser Gesellschaft des Spektakels wenig überrascht, richtig kalt über den Rücken lief es mir erst, als die österreichische Bundeshymne den Park erfüllte. Staatskunst im Dienste der Nation, das war mir eindeutig zu viel, aber eine Interpretation, wie die deutsche Zeitung Die Welt sie vorschlug („In Linz ist Hitlers Operntraum Realität geworden“), fand ich dann doch etwas überzogen. Nun möchte ich mich in diesem Artikel auch nicht mit dem konkreten Fall des Linzer Musiktheaters beschäftigen. Vielmehr soll die Eröffnung dieser „Spielstätte für (fast) alle Opern, Kinderopern, Operetten, Musicals und Ballett-Aufführungen“ (www.landestheater-linz.at) als Anlass für einige grundlegende Reflexionen zum Verhältnis von Kunst, Gesellschaft und Politik dienen. Dazu ist es hilfreich zunächst einen kurzen Blick in die Kunstgeschichte zu werfen, um unser Verständnis für die Rolle und den Stellenwert von Kunst in unserer gegenwärtigen Gesellschaftsordnung zu schärfen. Die Regime der Kunst Die vielzitierte Redewendung „Kunst kommt von Können“ ist etymologisch richtig und verweist auf eine bestimmte Art von (handwerklicher) Fertigkeit und Wissen. Auch der Duden schlägt in diese Kerbe und definiert Kunst als „Können, besonderes Geschick, (erworbene) Fertigkeit auf einem bestimmten Gebiet“. Was allerdings die Identifizierung dessen, was wir Kunst nennen, betrifft, so schlägt der französische Philosoph Jacques Rancière drei Regime vor: Ersteres ist das sogenannte ethische Regime, in dem Kunst als solche nicht definiert wird. Es geht hier vielmehr um den Ursprung und den Wahrheitsgehalt von Bildern bzw. der Frage der Darstellung der Gottheit. Das zweite ist das repräsentative Regime der Künste, welches die verschiedenen Kunstformen ausdifferenziert. Es gibt hier bestimmte Arten von Tätigkeiten, die als Kunst identifiziert werden. Und das dritte ist schließlich das ästhetische Regime, das ihr Autonomie und Freiheit zuschreibt und mit den Regeln des repräsentativen Regimes bricht (vgl. Rancière 2008: Die Aufteilung des Sinnlichen). Zeitlich setzt letzteres mit den gesellschaftlichen Umbrüchen am Ende des 18. Jahrhunderts ein. In der Folge verliert auch der handwerkliche Aspekt künstlerischen Schaffens an Bedeutung und der/die KünstlerIn ist

durch seine/ihre Autonomie nicht mehr einem/r AuftraggeberIn verpflichtet, sondern produziert unabhängig für einen neu entstehenden Kunstmarkt. Dies schließt allerdings auch, wie wir in der Folge noch sehen werden, die Freiheit mit ein, unter prekären Bedingungen zu schaffen und der Marktlogik ausgeliefert zu sein. Paradoxien der Freiheit Werfen wir einen Blick auf den Kunstbetrieb des 21. Jahrhunderts, so scheint es, als wäre hier nach den Grenzauslotungen und historischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts tatsächlich alles möglich und die Forderung nach der Autonomie der Kunst in jeder Hinsicht erfüllt. Es gibt kaum noch Tabubrüche, Grenzüberschreitungen und Provokationen, die noch nicht dagewesen wären. Aber gleichzeitig wird damit so wenig ausgelöst und bewirkt, wie noch nie. Warum findet das alles nur wenig Beachtung bzw. wird in einem abgesteckten Rahmen abgehandelt? Gerade vor dem Hintergrund der globalen kapitalistischen Krise und der verstärkten Artikulation sozialer Bewegungen und Protestbewegungen müsste die Frage nach dem Verhältnis von Kunst und Politik neue Relevanz und Dringlichkeit erfahren. Deshalb wurde wohl auch nicht zufällig in den letzten Jahren wieder verstärkt die Forderung an die Kunst herangetragen, explizit politisch zu sein. Institutionalisierte Kunstformate wie die 7. Berlin Biennale oder der Steirische Herbst griffen 2012 mit ihrer Programmatik diese Fragen auf. Erstere suchte in ihrem Ausschreibungstext nicht nach „KünstlerInnen, die Kunstprojekte machen, sondern die sich für einen politischen Wandel einsetzen.” Zweitere erprobte im 24/7-Marathon-Camp Truth is concrete „künstlerische Strategien in der Politik und politische Strategien in der Kunst“. Diese scheinbar logische Verknüpfung von künstlerischem Schaffen und politischem Aktivismus wirft allerdings eine Reihe von Fragen und Problemen auf, die nähere Betrachtung verdienen. Die Grenzen politischer Kunst Die Idee „mit Kunst Politik zu machen“ ist keineswegs neu. Gerade im 20. Jahrhundert gab es viele künstlerische Strömungen, die sich dieser Frage annahmen und sie unterschiedlich zu beantworten suchten. Die Avantgarde, der Konstruktivismus, der Futurismus etc. – auf deren Besonderheiten an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden kann – sie alle wollten Kunst relevant machen, sie ins Leben zurückholen und mit der indifferenten Autonomie der bürgerlichen Kunst brechen. Selbst in den 1980erJahren wurde beispielsweise in Österreich linke politische Arbeit kleinerer Initiativen zunehmend in das Feld der Kunst- und Kulturarbeit verlagert, wovon zahlreiche Kulturvereine bis heute zeugen. Wollte man verstärkt durch die Mittel der Kunst politische Inhalte im gesellschaftlichen Mainstream platzieren? Der gegenwärtigen Wiederkehr einer politischen Kunst liegen die Vorstellungen zugrunde, dass Kunst einen Raum eröffne, in dem Politik gemacht wird bzw. selbige zum Ort der Politik werde. Man verlangt von der Kunst, dass sie eine ganz konkrete und


SCHWERPUNKT KUNST UND GESELLSCHAFT

unmittelbare Wirkung entfalte und einen substantiellen Beitrag für einen politischen Wandel leiste. Eine Kunst also, die nicht nur repräsentativ oder dokumentarisch wirkt, sondern politisch wirkmächtig ist. Die Motivation Kunst (wieder) relevant zu machen und sie vom vegetativen (marktgetreuen) und selbstreferentiellen Dasein zu emanzipieren, wirft allerdings die Fragen auf, wovon sich die Kunst emanzipiert und ob sie dazu selbst im Stande ist? In den oben genannten Beispielen gilt es jedenfalls zu berücksichtigen, inwiefern der abgesteckte Rahmen einer Kunstinstitution überwunden werden kann und auf welcher Grundlage die Entscheidungen darüber getroffen werden. Lassen die oftmals hierarchisch strukturierten Organisationen des institutionalisierten Kunstbetriebs demokratisch-partizipatorische Entscheidungen überhaupt zu? Wer entscheidet darüber, wer teilnimmt und welche Inhalte bearbeitet werden? Und wer entscheidet letztendlich, welche Politik mit der Kunst gemacht wird? Kann in Zeiten der zunehmenden Entdemokratisierung der repräsentativen Demokratie die Kunst diese Funktion übernehmen bzw. soll sie das überhaupt? All diese Hinweise verdeutlichen die grundsätzliche Problematik eines wenig reflektierten Verhältnisses von Kunst und Politik und setzen die Suche nach einer „neuen Legitimation“ für die Kunst zahlreichen Attacken aus. Kunst und Subversion durch Überaffirmation Diesen Fragen versuchten die OrganisatorInnen der Subversivmesse, die 2009 im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt Linz09 stattfand, ein Stück weit mit ironischer Distanz, subtilem Humor und Überaffirmation zu entfliehen. Fernab etablierter Kunstinstitutionen und -festivals wollte man sich kommerzielle Ausstellungs- und Verkaufsformen, wie sie für eine Messe charakteristisch sind, aneignen und mit abweichendem, also subversivem Inhalt füllen. Die Grundidee dieser ersten Fachmesse für Gegenkultur und Widerstandstechnologien (übrigens ein Projekt der freien Szene, das vom Verein Social Impact organisiert wurde) war es, subversive Kunst- und Aktionsformen erleb- und erlernbar zu machen. Dazu bediente man sich der Strategien der Überaffirmation und Verfremdung. 50 Gruppen und Künstler/-innen aus 22 Nationen präsentierten ihre Projekte in messetypischen Kojen. Aber gelang es damit auch ein breiteres Publikum anzusprechen und wie erfolgreich sind derartige Strategien der Überaffirmation und Verfremdung? Konnten Formate und Mechanismen, welche einem bestimmten Herrschafts- und Wirtschaftssystem zugeordnet sind, bedingungslos und beliebig umgedeutet werden? Obgleich des humorvollen und spielerischen Umgangs mit den Routinen des etablierten Kulturbetriebs, wurden doch auch die Grenzen und Zwänge eines geförderten Kulturhauptstadtprojektes ersichtlich. Beispielsweise opponierte die Wirtschaftskammer erfolgreich gegen das Projekt Checkpoint Linz, das am Einkaufssamstag alle drei Donaubrücken blockieren wollte. Drohende Verluste des Einzelhandels waren Grund genug, Druck auf die OrganisatorInnen auszuüben und das Projekt zu Fall zu bringen. Auch das Short

Rebel Clown Training für die Einübung von Widerstandsformen im Rahmen von Demonstrationen erregte mediale Aufmerksamkeit: „Linz09 finanziert Krawall-Kurse“ titelte das Boulevardblatt heute. So bleibt zumindest die Frage offen, ob man mit diesen künstlerischen Strategien tatsächlich Störungen in den Sphären der Politik und Ökonomie hätte hervorrufen können. Chto delat? (russ. Was tun?) Ich habe mich in diesem Artikel mit einigen Fragen und gegenwärtigen Diskursen zu den Schnittstellen von Kunst und Politik beschäftigt, ohne darauf abschließende Antworten geben zu wollen. Zusammenfassend sei jedoch festgehalten, dass es wohl weniger darum gehen sollte „die Kunst in die Politik zu transformieren“, sondern dass vielmehr auf die Ausgrenzungen und prekären Produktionsbedingungen im künstlerischen Feld hingewiesen werden muss. Immer mehr Freiräume werden der Ziel-Mittel-Logik geopfert, alles soll Mehrwert produzieren und mit den knappen Kulturbudgets sollen strahlende Exzellenzinitiativen und hoffnungsvolle NachwuchskünstlerInnen für den Kunstmarkt herangezogen werden. Gibt es vielleicht gar keine progressiv-emanzipatorische Kunst im falschen (Leben)? Was es jedoch sehr wohl gibt sind soziale Kämpfe und Dispute. Die Empörung darüber, dass ein Musiktheater bedeutende finanzielle Kulturmittel einer mittelständischen Stadt bindet, die für andere Kulturinitiativen fehlen, ist somit richtig. Doch stellen sich derartige Fragen und Verteilungskämpfe nicht exklusiv im künstlerischen Feld und sollten auch nicht ausschließlich dort verhandelt werden. Vielmehr gewinnen sie politisches Potential und Sprengkraft, wenn sie zu den weitaus größeren, systematischen Ausgrenzungen, die das kapitalistische Wirtschaftssystem produziert, in Bezug gesetzt werden. Diese Kämpfe können auch mit den Mitteln der Kunst geführt werden, müssen es aber nicht. Letztlich ist es entscheidend, dass auch künstlerische Strategien und Bewegungen an eine kollektive, demokratische Gemeinschaft gebunden sind, um derart die Diskussionen und Kämpfe um Gleichheit, Gerechtigkeit und Alternativen zum globalen Neoliberalismus voranzutreiben. Lesetipp zum Verhältnis von Kunst, Politik und Gesellschaft: Nina Bandi, Michael G. Kraft und Sebastian Lasinger (Hg.) (2012): Kunst, Krise, Subversion – zur Politik der Ästhetik, transcript Verlag, Bielefeld. Mit Beiträgen von Jacques Rancière, Walter Mignolo, Jens Kastner, Johannes Grenzfurthner u.v.m.

Dr. Michael G. Kraft ist Sozialwissenschaftler und Philosoph und beschäftigt sich mit Fragen der Kunst vorzugsweise im größeren Rahmen der politischen Emanzipation. Jüngste Veröffentlichung: Soziale Kämpfe in Ex-Jugoslawien, 2013, Wien: Mandelbaum Verlag.

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SCHWERPUNKT KUNST UND GESELLSCHAFT

Hut auf statt Hut ab
 von Cornelia Metschitzer und Rudi Müllehner Wenn wir (die Steuerzahlenden) uns schon ein neues großes Musiktheater für Spitzenleistungen leisten, dann stellt sich natürlich auch die Frage, was sich an der Basis so tut. Wie geht es den „GraswurzelBühnen“? Wie sieht die Freie Theaterarbeit in Linz aus?

selbstständig, ohne Anstellung, oft ohne soziale Absicherung. Dem Gros der Bevölkerung sind wir suspekt, weil wir unser „Hobby“ als Beruf betreiben. Nur die Stars werden geliebt, vor allem solche, die auch im Fernsehen auftreten.

Das ist eine ernste Satire über die freie Theaterszene, deren Teil wir sind. Die freie Theaterszene existiert, ja, aber sie ist zurzeit nicht besonders stark vertreten. Warum? Warum und von wem werden die Freien zurückgedrängt? Oder drängen sie sich nur nicht auf? Es ist nicht unsere Sache, unsere Künste marktschreierisch anzupreisen, Mega-Events zu veranstalten und Besucherrekorde aufzustellen. Die wirklich Freien, so vielfältig, inhomogen und individuell sie auch sein mögen, arbeiten außerhalb der Unterhaltungs- und Kulturindustrie sowie der Hoch- und Prestigekultur und deren Institutionen. Sie arbeiten ohne öffentlichen Auftrag und bekommen dafür auch wenig öffentliche Förderung und Anerkennung. Sie arbeiten eigeninitiativ und unabhängig, im öffentlichen Raum, an Schulen, in alternativen Veranstaltungsstätten. Platz findet sich aber auch zwischen den Stühlen der Kulturpolitik, oder im eigenen Wohnzimmer, wenn der einzig erschwingliche Proberaum der Stadt belegt ist. Zuhause proben wir dann professionell und konzentriert, konzeptionell und intuitiv, handwerklich und kreativ. Mit kargen materiellen Mitteln, dafür aber mit Fantasie und Leidenschaft. Wir arbeiten auch für uns selbst, um als Mensch weiterzukommen, und auch, um dieser Welt beizukommen. Wir verdichten innere und äußere Zustände und bauen Gegenwelten, Sehnsuchtsräume und Utopien.

Schauplatzwechsel: Wir sind im Barock angekommen. Im Barock des 21. Jahrhunderts. Üppigkeit und Pomp beherrschen den großen Kunstbetrieb. Schließlich will man von der Provinz aus Musikgeschichte schreiben und auch was für die Schaulust tun. Also wird die neueste Technik angeworfen, um dem Publikum zu zeigen, was das neue Zeitalter alles kann. Eine gigantische Leistungsschau nimmt ihren Lauf. Im Minutentakt karrt die Drehbühne Heerscharen blutleerer Figuren heran, die sich mechanisch bewegen. Draußen fliegen sogar Menschen durch die Luft. Ein Ereignis der Superlative. Apropos Superlative. Monate zuvor schon wurden die Massen medial auf diesen Übertritt in eine andere Liga eingeschworen. Was heißt Liga, Sphäre, denn die göttliche Komödie ist spätestens bei der ersten Premiere im Theaterhimmel angekommen, wenn es nach den Sternen geht. Okay, man kann die Freien und die Repräsentationskultur nicht vergleichen, zu unterschiedlich sind ihre Dimensionen und Interessen. Und muss man nicht alles zulassen können, wenn man tolerant sein will? Ja schon, aber es ist sehr schade, dass es auch in der Kunst nicht anders zugeht wie in den meisten Bereichen. Wer am lautesten schreit, der wird beachtet: Wer viel Geld hat, der kriegt viel dazu und je teurer, umso besser. Da zahlt man doch gerne. Und nachher war alles ganz wunderbar, sonst müsste man ja seinen Euros nachweinen. Die Illusionsmaschine läuft also wie geschmiert und wie die Drehbühne im Kreis.

Wir betreiben Glücksproduktion. Paraphysisch folgen wir unserer Vorstellungskraft und analysieren Geschichte und Gegenwart. Archäologisch graben und wühlen wir in der Gesellschaft, in den Quellen, in uns selbst. Wir blicken nicht auf die Seite, sondern in die Abgründe der menschlichen Seele. Emotionen werden erweckt, auch Unerwünschtes, Verdrängtes wird freigelegt. Wir üben Kritik an den herrschenden Machtverhältnissen und manchmal auch an der ungerechten Verteilung des Kulturbudgets und der kulturellen Infrastruktur. Kürzlich wurden wir deswegen von der Macht abgestraft wie ungezogene Schulkinder. Da verstanden wir die Welt nicht mehr, die wir uns sowieso nicht erklären können. Fieberhaft suchen wir nach vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten für die komplexen Phänomene unserer Zeit. Wir setzen uns auseinander und können auch produktive Auseinandersetzung beim Publikum in Gang setzen. Kurz gesagt: Die Freien nehmen ihre Arbeit und ihr Publikum ernst.

Wir Freien aber machen uns keine Illusionen mehr. Illusionen gehören in die Werbung und nicht auf die Bühne. Unser größtes Gut ist, dass wir in keiner Maschinerie gefangen sind, sondern uns frei und unabhängig bewegen können. Wir sollten uns daher auch nicht so oft selbst zensieren, denn keiner kann uns in einer Demokratie den Kopf abschlagen. Wir sagen aber auch nicht euphorisch „Hut ab!“. Wir sagen höchstens „Hut auf!“ für das Wechselgeld aus der Westentasche der Kulturpolitik. Aber wir Freien können auch mit wenig viel anfangen. Unter Wertschöpfung verstehen wir mehr als Profit und dafür hätten wir gerne auch mehr Wertschätzung. Nicht nur von der Politik, auch seitens der Bevölkerung. Alles wird gefördert, die Wirtschaft, die Industrie, die Forschung, die Volkskultur, die Kirchen usw. Warum nicht auch wir Freien? Klar, dass wir beim Hinterfragen des Status Quo auch der affirmativen Repräsentationskultur kritisch gegenüberstehen. Das ist unser gutes Recht. Aber den Ärger, den wir uns damit einfangen, sollten wir nicht fürchten, sondern produktiv umlenken. Niemand kann uns unsere Leidenschaft, unsere Ambition, unsere Freude verdrießen. Und zum Glück gibt es sie ja dann doch, diejenigen, die auch uns Freie durchaus zu schätzen wissen.

Ernst ist aber auch unsere Lage. Freie KünstlerInnen arbeiten meist ohne regelmäßiges Einkommen, dafür haben sie Freude an ihrer Arbeit, wenn man sie arbeiten lässt. Doch darf das überhaupt sein, dass einem seine Arbeit Freude macht? In die Arbeit geht man doch nur um Geld zu verdienen? „Die Balance von Arbeit und Freizeit muss erhalten bleiben“, sagten unlängst schon die Jungen in einer Umfrage und streben erst gar nicht nach Höherem. Die Freien arbeiten in ihrer Freizeit, denn sie arbeiten

Cornelia Metschitzer und Rudi Müllehner leiteten bisher 8 Jahre die freie Theatergruppe bühne04 und übernehmen im Juli das ehemalige Eisenhand als Tribüne Linz – Theater am Südbahnhofmarkt.


SCHWERPUNKT KUNST UND GESELLSCHAFT

Der Diskurs zum Musiktheater war leider keiner. Gefinkelter Marketingsprech auf der einen Seite, primitives Kunstbashing auf der anderen Seite. Dazwischen die OÖN im blinden Propagandataumel. Es hätte aber auch anders laufen können. Viele Statements wurden aus Feigheit nicht abgegeben. Andere, weil sie nicht in die Jubelpropaganda passten. Hier ein Sammelsurium an Fakten, Bekenntnissen und Zitaten, über die wir uns wirklich gefreut hätten, die aber so nie passiert sind. Lediglich die genannten Zahlen sind real. Wortmonster Die jährlichen Betriebskostenzuschüsse für das Theater betragen derzeit 40 Millionen Euro. Diese Summe ist laut unserer Vereinbarung mit dem Theater der „Ausgangszuschussbetrag“, also die Basis für weitere Subventionen. Ich sage, liebe Oberösterreicher und Oberösterreicherinnen: Das gönnen wir uns!

…und ihre Opfer Die autobahnartige Straße, die sich um das Musiktheater windet, bringt es an der Kreuzung zur Wienerstraße auf 7 Fahrzeugspuren! Haben Sie schon einmal versucht, eine siebenspurige Fahrbahn zu Fuß mit einem Kleinkind zu überqueren? Oder gar mit einem Rollator? empörte Presseaussendung von Gerda Lenger, Grüne Linz, vom 4.5.2012

Kulturarbeit ist Arbeit Das Musiktheater bietet laut Medien bis zu 700 Menschen Arbeit. Radio FRO kann sich immerhin 9 MitarbeiterInnen leisten. Aber auch nur, weil es keine Gewerkschaft gibt und niemand die Stunden zählt. Markus Schennach, Obmann des Verbands Freier Radios Österreichs, in der „Linzer Torte“ im Radio OÖ vom 7.4.2013

Untergeschobene

OÖ Kulturreferent Josef Pühringer in seiner Budgetrede in der

Wortspenden

Landtagssitzung vom 5.12.2012

Zahlen und Relationen Die Errichtungskosten für das Musiktheater betrugen insgesamt 180 Millionen. Gewaltige 150 Millionen davon hat das Land OÖ übernommen. Dazu mindestens 40 Millionen für den jährlichen Betrieb! Das Gesamtbudget für zeitgenössische und initiative Kunst- und Kulturarbeit des Landes OÖ beträgt im Jahr 2013 hingegen nur lächerliche 2,6 Millionen Euro. Natürlich tut das weh!

Hochkultur Hochkultur gibt es eigentlich nur als Kampfbegriff. Angeblich die höchste Inszenierung der höchsten Künste – im Sinne von historischer, künstlerischer, ästhetischer, bildungsbezogener Kontextualität, Aufladung und Umsetzung. Aber, wie ich als Hobby-Soziologin anfügen möchte: Hochkultur ist auch nur eine Subkultur. Claudia Schmied, SPÖ-Kulturministerin, im Interview mit der KUPFzeitung #2/2011

Versorgt Der alte Vorwurf, den ich oft bei meiner Parteijugend höre, ist natürlich: Hochkultur ist nicht die „beste“ Kunst, sondern die Distinktionskunst der Upper Class. Der alte Einwand von Hofrat Josef Ecker von der OÖ Landeskulturdirektion, Institut für von Jürgen Lüpke links außen, den ich an dieser Stelle in Form Kunst und Volkskultur, im Interview mit dem KAPUzine #1/2013 erfunden und eines Zitats vorbringen möchte: „Klassenzusammengestellt kampf hieß einmal, [...] der Bourgeoisie neben Leider geil ihren materiellen auch ihre künstlerischen Jetzt könnte man natürlich neidig werden und schmollen. Das Schätze zu entreißen.“ Das steht schon in der Versorgerin, darümacht etwa die FPÖ: soviel Geld, unsere Leut‘, narrische Künstler, ber sollten die alle auch einmal nachdenken! blablabla. Man sollte besser folgendes sagen: Ka Schas – wir SPÖ-Kultursprecherin Julia Röper-Kelmayr in der Podiumsdiskussion zum „Kulturinfarkt“ erfreuen uns aufrichtig am Bekenntnis zu Kunst. Der Finanzie- in der OÖ Landesbibliothek am 13.6.2012 rungsvertrag des Musiktheaters ist ein best practice-Beispiel für langfristige Planungssicherheit für Kulturschaffende. Das kann Klitschko aber nur der Anfang sein – wir wollen solche Verträge für alle! Aus- 1,2 Millionen hat uns diese Kunst am Bau gekostet! Und wissen gangszuschussbeträge für KAPU, STWST und bb15! Dauerver- sie was: kein einziger Cent ging an Frauen! Angesichts dieser träge für FRO, servus.at und maiz! unzumutbaren Männerwirtschaft rund um das neue Musiktheater Intendant Rainer Mennicken in der FROzine vom 10.12.2012 – insbesondere auf der Führungsebene – und jetzt auch noch dieser komischen Kunst-am-Bau-Sache, sage ich, liebe VolksgenosBBB sinnen: Verarschen können wir uns selber! Aus basta! Schluss mit Biennales Bittstellen, Bürger! Planungssicherheit nur für die Gro- dieser grauslichen Männerbündelei! Wir stimmen dagegen! ßen! In Linz wurden soeben die 3-Jahres-Fördervereinbarungen für Ute Klitsch, Kultursprecherin der FPÖ Linz, bei der Parteiklausur der FPOÖ, Arbeitskreis Freie-Szene-Institutionen auf 2-Jahres-Zyklen eingedampft. Das Frau & Familie, 30.9.2012 Land OÖ hingegen zeigt, dass es auch umgekehrt geht: dort kann der Fördergeber aus seinem Deal mit dem Musiktheater nur mit Feudale Ausrutscher 3-jähriger Kündigungsfrist aussteigen. Die Bourgeoisie feierte am 12. April die Eröffnung mit mehrgängiKulturredakteur Peter Grubmüller im Leitartikel der OÖ Nachrichten vom 18.4.2013 gem Festbuffet und Sprudel. Der Mob konnte im Beserlpark vorm Musiktheater bei Leberkassemmerl und Becherbier à 1 Euro via Individualmotorisierung... Public-Viewing-Walls a dabei sein. 300 Parkplätze stehen in der Tiefgarage des Musiktheaters bereit. Heute vom 13.4.2012 Der einzige Radlständer, den sich die TheaterbesucherInnen noch dazu mit den Volksgarten-UserInnen teilen müssen, bietet nur Platz für lediglich 20 Fahrräder! So kann ich nicht arbeiten! Jürgen Lüpke ist multipler Kunst- & Kulturagent. Er ist nicht auf dem Bild, das ist natürlich aus der Rücktrittserklärung von DI Rainer Doppelmair, eh. Radfahrbeauftragter von Linz, 25.4.2013

der Landeshauptmann Pühringer, mit seinem Vorrat an Wortblasen.

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MON TAG

DI E N S TAG

M I T T WO C H

D ON N E R S TAG

FROzine WH

FROzine WH

FROzine WH

FROzine WH

FROmat am Morgen Musik zum Kaffeetrinken und Zähneputzen

FROmat am Morgen Musik zum Kaffeetrinken und Zähneputzen

Radio 50+ Beiträge aus Politik, Wirtschaft, Kunst, Kultur und Technik

FROmat am Morgen Musik zum Kaffeetrinken

Kultur und Bildung spezial WH

Kultur- und Bildungskanal

1 afo-architekturforum o

Kultur und Bildung spezial WH

1 Arbeiterkammer on Air WH Theater Phönix on Air WH (unregelmäßig) music@posthof WH (2-wöchentlich)

Radio KUPF WH

1 Anstifter WH

Musik für Junggebliebene Schlager und Oldies

Radio Wienerlied Die Wienerlied-Rundfunkreportage

Musik für Junggebliebene Unterhaltungsmusik und Operette

Musik für Junggebliebe Ouvertüren, Chorwerke

Radio für SeniorInnen Schlager und Interessantes, auch Klatsch und Tratsch über „Promis“, am 1. Montag im Montag die Wunschsendung von Hilde und Sylvia ab 8:30 Uhr

Radio für SeniorInnen Volksmusik, Mundartgedichte, Texte und der Radiodoktor

Radio für SeniorInnen Plauderstunde, aber auch Literatur, klassische Musik und Humor

Radio für SeniorInnen Kultur, Tourismus, Vorsc des Linzer Landestheate interessante Persönlichk religiöse Themen

Polnisches Radio OÖ WH

2,4 Literarische Matinée um 10 Ein Blick hinter die Kulissen des Schreibens

Ad Acta Kunst, Recht und Internet Detaillierte Darstellungen der Positionen unterschiedlichster VertreterInnen in der Debatte um die Rechteverwertung im Internet

1 kulturportal99 Kultur 2 dérive Radio für Stadt 3 Erzähl mir Märchen hu 4 Neues aus der Welt de

FROmat

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1 Willys Würschtlbude Revolution im Kleinen 2 Russischer Kanal Neuigkeiten auf Russisch 3 Silvias Kochwelle vegetarische Kochrezepte 4 Eigenklang Volksmusikforschung on Air

Radio Polonia WH

Anukis ein Weg ins Bewusst Sein - eine Inspiration

Hungaro Studio WH

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Open Space Freier Sendeplatz für alle und alles

Open Space Für Experimente, Aktion oder Playlist

Open Space Für deine ersten Radioerfahrungen

Open Space Hilfestellung holen unte

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FROzine WH Das Infomagazin von Radio FRO

FROzine WH Das Infomagazin von Radio FRO

FROzine WH Das Infomagazin von Radio FRO

FROzine WH Das Infomagazin von Ra

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1,3,4,5 SPACEfemFM WH 2 Pentagrama Latina WH

1 Telex Servus FM WH 2 Amnesty informiert WH 3 Werkstattradio WH 4 52radiominuten WH

1 Liebe, Sex und Zärtlichkeit WH 2,4 Radiabled WH 3,5 Wegstrecken WH

1 Philosophische Brock 2 Summerau, 96 WH 3 Music meets Lyric WH 4 Kupfermuckn WH

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Rocking Fifties Hillbilly, Rockabilly, Rock‘n‘Roll, Rhythm & Blues, Jive, Western Swing und Country von Erik van der Meerakker

Neues aus Freistadt aktuelle Themen des Freien Radios Freistadt auch in Linz zu hören

1,3,5 Poison FM einziges Linzer Hauptschulradio 2 FROmat 4 Radijojo - Das Kinderradio Bringt alles, was Kinder interessiert

1 Gedankengänge Klein 2 Peace Now für ein frie 3 Revolution Radio NEU 4 Vokalspuren durch die

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Groovin‘ Blues , Soul & Funk sind die Schwerpunkte Jazziges & Rockiges lassen manchmal grüßen...

Biancinas Musikprogramm Musik für Kinder

Radio Frech SchülerInnen des MRG Fadingerstraße machen Radio

Unisounds Informationen, Berichte, Rezensionen und natürli der Anton Bruckner Priv

1 afo-architekturforum oö Architektur als Lebensqualität

1 Landestheater on Air

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1 Arbeiterkammer on Air Theater Phönix on Air (unregelmäßig)

Biancina Geschichten für Kinder: mal lustig, mal traurig, mal ganz abenteuerlich Kultur- und Bildungskanal

music@posthof (2-wöchentlich)

Radio KUPF Kulturplattform OÖ informiert

1 Anstifter Das Stifterhaus Linz on Air

1 Wissensturm aktuell, L Lentos/Nordico aktuel

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FROzine Das Infomagazin von Radio FRO Montags mit dem Politikschwerpunkt

FROzine Das Infomagazin von Radio FRO Dienstags mit dem Kommentar der Woche

FROzine Das Infomagazin von Radio FRO

FROzine Das Infomagazin von Ra Donnerstags Gegenentw

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1 Telex Servus FM Digitale Selbstverteidigung 2 Amnesty informiert über Menschenrechte 3 Werkstattradio über Politik, Krieg & Frieden 4 52radiominuten Mit feministischen Grüßen

1 Liebe, Sex und Zärtlichkeit Senia enthindert Sex 1 Philosophische Brocken Debatten und Vorträge 2,4 Radiabled Barrierefreiheit und Kultur 2 Summerau, 96 Literatur, oft unveröffentlicht 3,5 Wegstrecken Verkehrsmagazin 3 Music meets Lyric Lesungen und Interviews 4 Kupfermuckn Die ARGE Obdachlose on Air

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1 updateFM Social Media, Internet und Apps 2 Kapu 9000 präsentiert „Wer ist hier der Boss“ 3,5 sound.check Über die lokale Musikszene 4 Frau Nowaks Transoriental. Musikexpress Beats und Melodien fernab aller Orientklischees Rumble Musik aus dem nicht kommerziellen Bereich: Surf, Instro, Garage, Sixties, Punk, Rock‘n‘Roll, Hardcore

1 FROmat 2,4 lAUd Sprachrohr für noch unbekannte Bands 3 BlauCrowd FM Blau-Weiß ohne Rassismus 5 Nachspann eine persönliche Stunde oder die Verlängerung der Wegstrecken 1 FROmat 2 Szenenwechsel Lokale Sounds aus d. Freien Radios 3 Exquisite Corpse Auditive Stille Post 4 Jazzchronik Jazzgeschichte von einst bis heute 5 Nachspann 1 Fadimat 105 elektronische Experimentalmusik 2 Final Transmission Experimentelles v.Jazz bis Noise 3,4 FROmat 5 kawumm kabumm Radioexperimente

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1 Radio Pirat Egales, Legales, Illegales 2,3 FROmat 4 Eat Flowers selten Gespieltes aus Blues/ Bluesrock, Hardrock, Progressive, Psychedelic Sounds und Pebbles/Nuggets Klängen 1,3 Standby.Radio alternative Jugendkultur, regionale Nachwuchsbands 2,4 FROmat

1 Fadimat 105 elektronische Experimentalmusik 2 Final Transmission Experimentelles v.Jazz bis Noise 3 radioWORM 4 FROmat

FROmat in der Nacht Ausgewählte Musik zum Punken und Rocken

FROmat in der Nacht Ausgewählte Musik zur Reinigung der Gehirnwindungen

1. 2. 3. 4. 5. Wochentag im Monat WH Wiederholung

U / G un-/ gerade Kalenderwoche L letzter im Monat

1 Ü Musik, Kunst, Leben und Liebe 2 FRO Probesendung für deine erste Sendung 3 ann and pat radioshow Musik für junge Leute 4 Radio Nowhere Arcade Fire bis ZZ-Top

1 no handicap Barrierefr 2 Stallgeflüster Sendun 3 Die Sendung mit beso satirisch, informativ, par 4 FROmat 1,2 FROmat 3 Potluck der Rock/Pop in englischer und deutsc 4 Kopfhörer ohne stilist

1 Spinning Hour Musik in der Spinnerei Traun 1 Unusual4 ist dort, wo e konkret passiert 2 FRO krebst auf! FRO am DJ Pult des Krebsen 3 ann and pat radioshow Musik für junge Leute 2,3,4,5 E-Verteiler Tech Live DJ-Sets, Interviews 4 FROmat 1 Veranstaltungsdezernat Termine der STWST 2 FRO krebst auf! FRO am DJ Pult des Krebsen 3,4 FROmat 1,3,5 FROmat 2,4 Kapu Radio Show Alles rund um die KAPU mit Konzertankündigungen, Infos, Berichten, Stories und guter Musik

Another Nice Mess 0-2 DJ Marcelle surft von Am Dubstep, Worldmusik, D Electronica, Cumbia, Te und vieles mehr.

 Informantin - Infokanal  Kultur- & Bildungskanal


F R E I TAG

S A M S TAG

S ON N TAG

FROzine WH

FROmat ausgewählte Musik, zusammengestellt von der Musikredaktion mit Schwerpunkt auf alternative Genres. Bevorzugt Musik von Frauen und österreichische Produktionen, mit Fokus auf Linz und Oberösterreich.

2 Transmission Trance, Dance, Hardstyle und Techno, Ausflüge zu Chill-Out, Hardtechno, Hardcore und House - mit News und Infos aus der Szene

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Musikprogramm - Letscho Ungarischer Musikmix, zusammengestellt von der ungarischen Redaktion Hungaro Studio

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n und Zähneputzen

FROmat am Morgen Musik zum Kaffeetrinken und Zähneputzen

oö WH

Kultur- und Bildungskanal WH

1 Wissensturm aktuell WH 3 Landesgalerie on Air WH, L Lentos/Nordico WH ene Aus der Musikszene Radio 50+ WH zeit- und grenzenlose Musik: und Konzertstücke Biographien, Interviews und Hörenswertes 1 Momente aus der Unterhaltungsmusik diverser Musikchau auf Veranstaltungen richtungen sowie Oldies Musik zum Entspannen und Träumen ers, Diskussionen, FROmat keiten, soziale und

und Kritik tforschung umorvolle Gespräche er Medizin (-10:30)

er programm@fro.at

adio FRO

ken WH

H

nkunst und Philosophie edliches Miteinander U e Welt der Chormusik

, Interviews, Essays, ich viel Musik von vatuniversität

3 Landesgalerie on Air lle Ausstellungen

adio FRO würfe & Alternativen

reiheit und Interviews ng über Landwirtschaft onderen Bedürfnissen radigmenwechselnd

Überraschungstopf cher Sprache tische Scheuklappen

elektronische Musik

hno, House and Breaks s und Studiogespräche

8 Hungaro Studio Aktuelle Berichte aus Kultur und Gesellschaft auf Ungarisch und Deutsch

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Radio Netwatcher Magazin über Netzthemen, Wissenschaft, IT, Presse- und Meinungsfreiheit, Privatsphäre, Netzkultur und Technikfolgenabschätzung

1 Radio Bulgaria Aktivitäten der bulgarischen Gemeinschaft in Oberösterreich 2,3,4 Radio Stimme politisches Journal zu Minderheiten, Mehrheiten, Machtverhältnissen

1 Libretto über Oper und Operette 2 Jazzchronik WH 3 Atelier für Neue Musik Musik und Kunst 4 Radioreisen Reisen, Musik und Texte

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1 Ketani Kultur und Sprache der Roma und Sinti 2 Radio Bulgaria WH 3 Bioneers Revolution from the Heart of Nature 4 FROmat

1,3,4,5 SPACEfemFM WH 2 Listen To The Female Hits Das Schaffen von Frauen im Musikbereich steht hier im Mittelpunkt

Medienwerkstatt Radiococktail Die Radiosendung der Medienwerkstatt Linz

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Artarium livedialogisches Experimentierlabor zwischen Genres und Generationen

1 Kopfstoß FM Fußballmagazin ohne Rassismus und nationale Fangemeinschaft 2 viva la eñe spanischsprachige Kultursendung 3,4,5 Radio Hamraz Migration, Identität uvm. für Farsi-sprachige MigrantInnen 1,4 Herzblut Menschen und was sie gerne tun 2 radio% attac für soziale Gerechtigkeit 3 Gegenargumente Kritik der herrschenden Politik

Polnisches Radio OÖ Sendungen in polnischer Sprache mit (außer)gewöhnlichen Persönlichkeiten, aktuellen Problemen und Veranstaltungen

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G PoloNews Die Sendung soll die Brücke zwischen den Nationen bauen - auf Polnisch und Deutsch U FROmat

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1 no handicap WH 2 Stallgeflüster WH 3 Die Sendung mit besonderen Bedürfnissen WH 4 FROmat

Radio FROheim Die Redaktion im Außenstudio in Ottensheim berichtet über aktuelle Entwicklungen, Kunst und Kultur in Ottensheim und Umgebung.

Radio Polonia Infos aus dem Vereinsleben, Interviews, Musik, Beiträge über polnische Kultur und Literatur in polnischer Sprache

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Medienwerkstatt Radiococktail Die Radiosendung der Medienwerkstatt Linz

Komm vorbei im Radiostudio im Alten One Love Program Show Amtshaus und werde Teil des Redaktionsteams Eine Musiksendung voll Hip-Hop, RnB Radio FROheim und Hiplife.

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Smart Art Kulturzentrum HOF und MRG Fadingerstraße. Das Magazin richtet sich vorrangig an die Interessen und Belange Jugendlicher.

FRO Workshop

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FROzine WH Das Infomagazin von Radio FRO

FROmat Der Sender mit den härtesten Übergängen.

Kultur und Bildung spezial Lesungen oder Diskussionsrunden, Veranstaltungsberichte oder Vorträge - das aktuelle Linzer Kultur- & Bildungsgeschehen

FROmat Der Sender mit den härtesten Übergängen

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FROzine Das Infomagazin von Radio FRO

FROmat Der Sender mit den härtesten Übergängen

Jadran-Cro

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1,3,4,5 SPACEfemFM vielfältige Themen der Radiofrauen, u.a. Politik & Kultur 2 Pentagrama Latina spanischsprachiges Programm für die gesamte Latino-Gemeinschaft

Islam im Gespräch Themen aus dem Alltag, der Politik und aktuelle Ereignisse in Bezug zum Islam

FROmat Der Sender mit den härtesten Übergängen

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1 Kanal Banal Humor, Satire, Poesie 3 FROmat 2 Radio WOAST Der KV WOAST on Air 4 Multisound FM mit schwungvollen Songs und Hits ins Wochenende 1,3 FROmat 2,4 Sorry it's not you, it's HOUSE hochwertige House Beats von Nick und Chris

Voice of Africa Kultur, Musik, Politik und Bildung in englischer und französischer Sprache für die afrikanische Community und Jugend in Linz

1 Sin Fronteras 2 Literadio Lesungen und Interviews 3 Vivement Dimanche französischsprachige Musiksendung 4 Newcomer FM MusikerInnennachwuchsszene 1,3 Hörbildner Sprach- und Geräuschexperiment 2 FROmat 4 Newcomer FM MusikerInnennachwuchsszene

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FRO Live Liveübertragungen von Konzerten, Lesungen und Diskussionsveranstaltungen und aktuelle Konzertinfos

1 MMass!ve V!bes elekronische Musik aus OÖ 2 Another Nice Mess DJ Marcelle 3 Pozdrav Jajč anima für Menschen aus Jajce 4 FROmat

U Pura Vida Sounds Beleuchtet essentielle Perioden der Independent Musikgeschichte G The Crime Jazz Unit provides a soundtrack for the wrong doings against society

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1,3 Jazz von A-Z 2,4 India meets Classic Zur indischen Musikkultur mit indischer Klassik aus Nord- und Südindien

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1,2 FROmat 3 Pozdrav Jajč anima 4 FROmat

FROmat in der Nacht mit Jazz, Soul & Funk in den Montag

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2 Club Ibiza 1-3 Uhr Transmission 3-7 Uhr

 Kinder & Jugendliche  Musik & Talk

Uhr msterdam aus, durch Drum ‚n‘ Bass, echno, HipHop, Punk

 Kunst, Kultur & Literatur  Politik & Gesellschaft

U FROmat G Geräuschkulisse - Ton mit Phrasen Magazin für Jugendverständnis, Folklore und Selbstironie

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SENDUNGSFEATURE

Schönen Gruß an die Jajčani von Veronika Moser Pozdrav Jajˇcanima! So heißt die Sendung, die jeden 3. Samstag im Monat für 3 Stunden, von 22–1 Uhr, auf Radio FRO zu hören ist. „Pozdrav“ kann man übersetzen mit „schöne Grüße“ und die Jajˇcani, das sind die Leute aus Jajce, einer Stadt in Zentralbosnien, die rund 28.000 EinwohnerInnen zählt. Dazu kommen noch über 15.000 Jajˇcani, die auf der ganzen Welt verstreut leben. „Unsere Sendung ist ein Treffpunkt für sie alle – deshalb ist sie auch Samstag nachts. Das passt für die Leute in Australien – die stehen um diese Zeit gerade auf – genauso wie für die in Amerika – bei denen ist Nachmittag. Und für die Jajˇcani in Bosnien beziehungsweise in Europa ist es auch gut, denn die können Samstag Nacht ja länger aufbleiben,“ meint Ernisa Beganoviˇc – Radiomacherin, Jajˇcanerin aus ganzem Herzen und Studentin der Rechtswissenschaften an der JKU Linz.

Wo andere noch mit Puppen spielen Ernisa Beganoviˇc kam 1992 im Alter von sechs Jahren mit ihrer Familie nach Linz. Mit zwölf wurde sie dann Sendungsmacherin bei FRO. Der Verein, in dem sie tätig war, wollte eine „ungewöhnliche Sektion“ beschreiten und beschloss, eine Radiosendung auf Bosnisch zu machen – Radio Bosna. Nach kurzer Zeit beschloss Ernisa, eine eigene Sendung zu gestalten, woraus „Bošnjaˇcki Radio Din“ wurde. „Mit dreizehn Jahren, wo andere noch mit Puppen spielen, habe ich meine eigene Sendung gemacht,“ schmunzelt sie. Das bosnische Wort „Din“ bedeutet übrigens „Seele“. Und Ernisa macht Radio mit Herz und Seele. Radiomachen sei für sie eine andere Art und Weise, sich zu entspannen, und gehöre zum Wochenende dazu. „Ich liebe das. Das ist meine Stunde der Entspannung.“

So ein Familiending Die Sendung „Pozdrav Jajˇcanima“ macht Ernisa seit ungefähr zwei Jahren mit ihrem Vater Zijad Plivac zusammen. Auch ihre Mutter Jasminka Plivac hat sich mittlerweile eingeklinkt. „Das ist so ein Familiending geworden, wo alle zusammenarbeiten. Mein Mann hilft auch mit und kommt mit Ideen. Meine Kinder bringen sich beim Jingle-Erstellen mit ein. Das macht Spaß und kommt bei den Leuten auch sehr gut an.“ Dass das Radio große familiäre Bedeutung hat, zeigt auch folgende Geschichte: „Mein Vater hatte in Bošnjaˇcki Radio Din einmal einen Studiogast und hat sich so gut mit ihm verstanden, dass er dessen ganze Familie kurzerhand zum Abendessen eingeladen hat. Mit dem Bruder dieses Studiogasts, er

kommt aus Mostar, bin ich mittlerweile verheiratet. Also habe ich meinen Mann eigentlich über Radio FRO kennengelernt.“ Nichtsdestotrotz ist Pozdrav Jajˇcanima keineswegs nur eine Familiensendung, es gibt noch viel mehr Menschen, die sich aktiv beteiligen – vor allem Menschen, die in Jajce leben. „Es wäre unfair, nur uns drei als SendungsmacherInnen anzuführen! Es gibt Leute in Jajce, die Flyer machen und verteilen. Eine Frau aus Jajce gestaltet die Poesie-Rubrik. Viele Leute schicken uns Texte und Nachrichten...“ Eine Sendung auf Online-Basis Pozdrav Jajˇcanima ist eine Sendung auf Online-Basis. Zunächst einmal, weil die meisten HörerInnen die Sendung nicht terrestrisch auf 105.0 im Großraum Linz empfangen können; Aus Jajce und der ganzen Welt wird die Sendung via Live-Stream gehört. „Manchmal passiert es, dass wir so viele Zugriffe haben, dass der Stream überlastet ist. Dann schreiben uns die Leute verzweifelt, hey, wir kommen nicht rein!“ Bei jeder Sendung besteht nämlich die Möglichkeit, live mit dem Radiostudio in Linz zu interagieren. Zijad und Jasminka Plivac arbeiten da perfekt zusammen: „Während mein Vater am Mikrofon sitzt, chattet meine Mutter mit den Leuten.“ Die HörerInnen posten Musikwünsche auf Facebook oder schicken Kommentare und Glückwünsche, und alle Nachrichten werden in den Sendungen vorgelesen, quasi in Echtzeit. Normalerweise sind die Nachrichten in bosnischer Sprache verfasst. Aber es gibt auch Ausnahmen: „Wir haben eine Hörerin in Wien, die mit einem Jajˇcan verheiratet ist. Wenn sie uns schreibt, wird das natürlich auf Deutsch vorgelesen.“

Wir meiden das Politische „Pozdrav Jajˇcanima“ ist ein Mix aus Musik und Talk. Musikalisch geht es bunt zu – das liegt wohl an den vielen Musikwünschen und daran, dass die Sendung generationenübergreifend gehört und gestaltet wird. Inhaltlich wird vor allem diskutiert, was in Jajce und Linz so passiert; außerdem werden humanitäre Spendenaktionen lanciert, etwa, um Geld für Menschen in Jajce zu sammeln, die teure Operationen brauchen. Politische Themen werden vermieden: „Wir meiden das Politische. Unsere Sendung ist für alle Jajˇcani, da ist es völlig egal, ob sie bosnische Kroaten oder Serben oder Bosnier sind.“ Die Sendung leiste einen wichtigen Beitrag zum Klima in der Stadt. „In den bosnischen Medien ist ständig die Rede von Gedenkfeiern und so weiter, aber man muss das den Leuten nicht jeden Tag reindrücken! Die Leute wollen zur Ruhe kommen. Sie haben das verdient. Zumindest drei Stunden im Monat solln‘s a Gaudi ham!“

Veronika ist Projektentwicklerin bei FRO und große Bosnienliebhaberin. Als solche möchte sie zusammen mit Ernisa im Sommer 2014 eine FRO-Radioreise nach Jajce organisieren, wer will mitkommen? // www.facebook.com/RadioEmisija · www.jajce-grad-muzej.com


PUBLIKUMSBESCHIMPFUNG

Parzival, Wagner und ich von Veronika Moser

Am Abend des 11. April wurde mit einer Interpretation von Wagners Parsifal das Linzer Musiktheater eröffnet. Veronika Moser war dabei und berichtet, wie es einer ergehen kann, die sich mit wachem Verstand einem solchen Event aussetzt. Von einer, die auszog … Nun haben wir es. „Unser“ Haus, das „Wohnzimmer von Linz“. Ein Musiktheater, errichtet an dem Ort, wo auch schon Hitler ein Opernhaus für seine Patenstadt geplant hatte. Aber gut. Im Berg sollte es ja nicht sein und in der Tat: es ist doch schön, wie sich das Gebäude zum Volksgarten hin öffnet. Die Stimmung im Park ist friedlich und die BesucherInnen scheinen sich wohl zu fühlen am elften April um viertel vor zehn, kurz vor der bevorstehenden Eröffnungsproduktion „Ein Parzival. Ein Spektakulum mit Musik von Richard Wagner.“ Wagner! Warum ausgerechnet Wagner? Warum wird dieses Musiktheater an diesem Ort ausgerechnet mit einem Open Air Wagner-Medley eröffnet? Wagner, bekannt für seinen antisemitischen Aufsatz „Das Judentum in der Musik“. Wagner, Vorbild und Lieblingskomponist Hitlers. Parsifal, Lieblingsoper Hitlers. Was hat sich die Intendanz dabei gedacht? Was für eine Intendanz? Was für eine Intention. Was für eine Symbolik! Heute ist Volksgartenparty Aber gut. An so einem Detail wollen wir uns heute nicht stören. Heute ist Volksgartenparty, Wagner und sein Stück und seine Musik sind da eh nur nebensächlich. Denn seien wir uns mal ehrlich: viereinhalb Stunden Wagner – so lange dauert der Parsifal im Original – viereinhalb Stunden Geheule mit unverständlichem Text, das würde sich doch niemand freiwillig antun! Da wären wir ja um zwei Uhr früh noch nicht zu Hause, und mensch muss ja am nächsten Tag arbeiten! Also lassen wir uns lieber die 55 minütige „Best of Parsifal“-Soundmontage gefallen, die Musik kommt aus der Dose, schöne große Boxen haben sie da montiert an der Musiktheater-Vorderfront und überall, starke Teile, wenn‘s die in klein gäbe, das wäre vielleicht sogar auch was fürs Heimkino zuhause. Musik wäre zwar schon schön gewesen zur Musiktheatereröffnung, so richtig, mit Instrumenten und Gesang und so, aber … Schauen wir uns das mal an Aber gut. An so einem Detail wollen wir uns heute nicht stören. Heute ist Volksgartenparty und es gibt richtig viel zu sehen. Schauen wir uns das mal an. Richtig viele Leute sind da beteiligt! Da! Da oben! Da hängen sie in der Luft, die DarstellerInnen der Spektakelgruppe „La Fura dels Baus“, hängen tapfer, während es rundherum schäumt und kracht und bumpert und explodiert, die haben schon Erfahrung mit Wagner und Großevents und so, das merkt man. Professionell schwindelfrei hängen sie da in den Klettergurten, ansonsten haben sie aber nicht viel zu tun, sie singen nicht, sie sagen nichts, und bewegen können sie sich eigentlich auch nicht, denn das machen die Kräne. Die Kräne sind von der Firma Felbermayr, das ist nicht zu übersehen, Felbermayr, Felbermayr, Felbermayr, in den verschiedensten Größen und Ausführungen. Also die Firma Felbermayr ist auch irgendwie beteiligt – „Wir sind ein europaweit kompetenter und leistungs-

starker Partner für die Lösung schwierigster Transportprobleme“ – zum Beispiel gibt es da diese zehn Meter hohe Parsifal-Figur, die während des Stückes von der einen Seite des neuen Prachtbaus zur anderen transportiert werden muss und wieder zurück, und das ist gar nicht so einfach. Deshalb gibt es neben kompetenten KranführerInnen auch noch Bodenpersonal in weißen Astronautenanzügen, reich an der Zahl, man kann sie gut sehen, sie schwirren auf den Musiktheater-Treppen umher und mühen sich mit den Parsifal-Beinen ab und haben Funkgeräte am Ohr und verwalten Klettergurte und zünden Feuerwerkskörper, bumm! Ja, richtig viel Personal haben sie da für den Parsifal, und geiles Equipment und Security-Personal und und … und es ist fast ein bisserl zum neidisch werden, ich meine, wir bei Radio FRO sind ja personell jetzt auch nicht so schlecht aufgestellt, aber im Vergleich … Kultur kostet, aber Unkultur kostet noch viel mehr Aber gut. Das kann man nicht vergleichen. Unsere Finanzministerin Maria Fekter hat das schon richtig gesagt in ihrer Rede zur Musiktheatereröffnung: „Kultur kostet, aber Unkultur kostet noch viel mehr.“ Und es ist ja auch nicht schlecht, wenn die Hochkultur Arbeitsplätze schafft, nicht wahr! Wobei man hier einräumen muss, dass es die Hochkultur (je höher, desto besser – daher das Hochseilgarten-Setting) auch nicht so dick hat mit dem Geld, wie man glauben möchte. Sie ist genauso wie Radio FRO auf ehrenamtliche Arbeit angewiesen. Das Parzival-Spektakel wäre nämlich ohne die engagierte Mitarbeit von rund 50 Freiwilligen gar nicht möglich gewesen! Aus ganz Oberösterreich wurden freiwillige EröffnungsperformerInnen herbeigecastet, und nun hängen sie da über uns, über dem Volksgarten, in schwindelerregenden Höhen, an einer Hängevorrichtung, die an ein Mobile erinnert, oder an einen überdimensionalen Traumfänger, und sie winken zu uns herunter, die fünfzig HeldInnen in weißen Anzügen – die Lisi von nebenan, mein Bürokollege Johannes, mein Cousin Sebastian... Das Musiktheater gehört auch ihnen. Das Musiktheater gehört auch uns. Tosender Applaus. Applaus für die Pyrotechnik und die Felbermayrs und die Lisis und Johannes und Sebastians, ja den haben sie sich verdient, aber … Worum geht‘s? Aber welche Rollen haben sie da gespielt, die Lisi und der Johannes und der Sebastian, was haben sie dargestellt in den weißen Gewändern im schwarzen Himmel, was haben sie mit Parsifal zu tun und wer ist Parsifal und wer war Wagner und wer bin ich und was machen wir alle hier? Ich habe nicht verstanden, worum‘s geht und mir ist zum Weinen, so blöd komme ich mir vor, als Teil des Pöbels im Volksgarten. Bin ich blöd? Bin ich für blöd verkauft worden? Sind wir für blöd verkauft worden? Aber nein, wir haben ja keinen Eintritt bezahlt.

Veronika Moser koordiniert den Kultur- und Bildungskanal auf Radio FRO 105.0, zu hören werktags von 17–18 Uhr.

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FRO-TERMINE

Eichhörnchen hört Nirvana Ein Film mit Radiomenschen bei FRO An die 350 Personen machen bei Radio FRO 105.0 das Programm – an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden am Tag und das zum Teil schon seit 14 Jahren. Ehrenamtlich, engagiert, kreativ und ziemlich cool. Die einen halten Vorlesungen auf Bulgarisch. Die anderen senden dreizehnstündige Reiseberichte von Venedig. Die nächsten versprechen garantiert keinen Spaß und keine Spannung mit dem sagenumwobenen Eichhörnchen. Andere nehmen sich in den Sendungen den Belangen der Sinti und Roma in Österreich an. Manche haben einen Basisworkshop bei Radio FRO besucht, doch aus verschiedenen Gründen nie eine eigene Sendung gestartet. Einige haben die Radiomacherei wieder an den Nagel gehängt. Nun legt Radio FRO einen Film vor, der sich für sie alle interessiert.

FILMSCREENING BEIM RADIO FRO SOMMERFEST

20. Juni 2013, 19 Uhr Eichhörnchen hört Nirvana Film im Foyer von Radio FRO, Kirchengasse 4, 4040 Linz Come as you are and bring your friends!

FREUNDESKREIS-ABENDE

Jeden 1. Mittwoch im Monat um 19 Uhr finden wir uns im kultig konspirativ proaktiven Freundeskreis zusammen. JedeR ist willkommen! Eine gute Möglichkeit, uns kennenzulernen. Wir stellen alle möglichen und die unmöglichsten Dinge an: 5. Juni 2013, 19 Uhr: Limoni-Stollen-Tour. Casimir Paltinger wird uns durch den Limonistollen führen. Dieser 1942 in den Sandstein getriebene Luftschutzbunker unter dem Bauernberg wurde kürzlich wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Casimir, der sich intensiv mit der (Widerstands-)Geschichte von Linz auseinandergesetzt hat, vermittelt auch Details und Zusammenhänge, die (noch) nicht Eingang in die offizielle Geschichtsschreibung gefunden haben. Bitte warm anziehen (Durchschnittstemperatur 4°).

Radiabled-Redakteur Andreas und Ketani-Redakteurin Gitta im Film-Interview.

Insgesamt 16 Personen, die bei Radio FRO aktiv sind oder waren oder wollten, sprechen im Film über ihr Radioleben und sagen, was Sache ist. Gefragt wurden sie, wie sie zum Radiomachen gekommen sind. Was Wsie dazu w antreibt und motiviert, ehrenamtliche Kulturarbeit im Radio zu leisten. Was sie daran hindert. Was super ist und was frustriert. Und welchen Stellenwert die Radioarbeit überhaupt in ihrem Leben einnimmt, zwischen Job und Kind und Kegel und Studium und Schule und Arbeitslosigkeit und Pension und Migration und... Eine Filmproduktion von Michaela Schoissengeier, Julian Pöschl und Veronika Moser.

3. Juli 2013, 19 Uhr: Wanderung und Picknick: Wir schnappen unseren Picknickkorb und wandern zum Radio-FRO-Sender auf den Pöstlingberg (ca. eine Stunde). Dort hören wir Interessantes zu Sendetechnik, Radiowellen und Reflexionen. Danach wird alles schnabuliert, was sich in Rucksäcken, Tragetaschen, Sackerln und sonstigen Behältnissen finden lässt. Und wie wir uns kennen, wird auch ausgiebig diskutiert, gesungen und die Welt (neu) geordnet. Erst wenn das alles erledigt ist, kehren wir wieder heim. Willkommen sind alle, die sich für das Freie Radio in Linz interessieren. www.fro.at/freundeskreis

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Gefördert durch das Land Oberösterreich im Rahmen des KUPF-Innovationstopfes 2012.

Jeden Freitag ab 22 Uhr geht Radio FRO 105.0 auf Konzerte, Lesungen oder Festivals in Linz und Umgebung. Aktuelle Termine finden sich auf www.fro.at/frolive. Zum Beispiel am 7. Juni: GoonJamsession, live aus den goon Studios am Pöstlingberg. BEZAHLTE ANZEIGE

Preisverleihung: Freitag, 21. Juni 2013, 19.00 Uhr, afo architekturforum oö, Linz Wir laden herzlich zur Verleihung des Gabriele-Heidecker-Preises 2013 im Rahmen eines Grünen Sommerfestes ein. Der Frauenkunstpreis der Grünen Linz ist mit 5.000 Euro dotiert und wird von Eva Schobesberger gestiftet.

www.gabriele-heidecker-preis.at

LINZ.grueNe

.at


VERSTÄRKER

Radiabled-Redakteur Harald Schatzl am Prototypen des openAIR Mischpults. Das Mischpult komprimiert die nicht-barrierefreie Technik im Radiostudio auf das Wesentliche: per Knopf und Joystick.

Über Menschen als Belastung für den Staat... von Sabina Köfler

Spätestens seit der Volksbefragung zur Beibehaltung oder Abschaffung der Wehrpflicht weiß man in Österreich auch, welchen unersetzbaren Beitrag die mehr als 13.000 Zivildiener im Sozialbereich leisten. Dass sich diese billigen Arbeitskräfte, die wohl kaum nur Hilfsdienste leisten, nicht durch ausgebildete und somit teure Fachkräfte ersetzen lassen, sahen dann auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Sozialminister Rudolf Hundstorfer und schieben nun eine kleine Zivildienstreform nach. Lange haben sie gebraucht, um sich diesen Coup auszudenken und werben nun durch neue Anreize, wie der Anrechenbarkeit bestimmter Ausbildungen, die im Rahmen der Zivildienstzeit absolviert werden können, um noch mehr junge Männer, die sich um all die pflegebedürftigen Menschen in diesem Land kümmern sollen. Noch mehr unvorbereitete, überforderte und ausgebeutete Arbeiter, die als letzte Hoffnung des maroden Sozialsystems herhalten müssen. Es scheint, der Zug, jungen und alten Menschen fachliche Hilfestellung zu gewähren, sei längst abgefahren. Was nach dieser Reform bleiben soll ist das gute Gewissen, dass die Pflegebedürftigen versorgt sind und die Jungen, wenn schon nicht genügend Geld, so zumindest eine tolle Ausbildung geschenkt bekommen. Ja, was will man mehr? Sie, die Alten, seien ja sowieso dement und sie, die Behinderten, stellten ja eh keine Ansprüche an das Leben. Beiden gemein sei jedenfalls, dass sie wirtschaftlich gesehen ein Verlustgeschäft bedeuten. ...oder Bereicherung für Radio FRO Setzen wir hier dem Sarkasmus ein Ende und zeichnen ein anderes Bild derer, die nicht gerne auf dem Abstellgleis geparkt werden, ein Bild derer, die trotz ihres Alters oder ihrer Beeinträchtigung ihr Recht darauf einfordern, gehört zu werden. Sie sind es nämlich, die sich ohne jede Aussicht auf Bezahlung oder der Anerkennung ihrer Ausbildung ehrenamtlich bei Radio FRO engagieren. Und weil es mehr im Leben gibt als rote und schwarze Zahlen, bewirken ihre Forderungen hier ein fruchtbares Umdenken in

vielen Bereichen der Arbeit. Dem Redaktionskollektiv „Radiabled“, einer Gruppe junger Erwachsener mit Beeinträchtigung, die bei uns seit vielen Jahren selbstbestimmt sendet, ist es geschuldet, dass Radio FRO 105.0 MHz sich zurecht als Freies Radio mit einem offenen Zugang bezeichnen kann, dass meine Kolleginnen und Kollegen und ich Barrieren erkennen können und wir gemeinsam daran arbeiten, diese nach und nach abzubauen, und dass ich im letzten Jahr ein Forschungsprojekt leiten durfte, das mir gezeigt hat, wie einfach es sein kann, große Veränderungen zu erreichen. openAIR ist ein Projekt, mit dem wir uns zum Ziel gesetzt haben, die umfangreiche Technik, die wir hier zum Senden unserer Inhalte benötigen, so zu vereinfachen, dass sie auch von Menschen genutzt werden kann, deren Gliedmaßen nicht immer das tun, was sie gerne hätten, oder jenen, denen Technik einfach zu kompliziert scheint. Was es dazu braucht ist eine Vision und eine Handvoll kluger und mutiger Köpfe, oder anders gesagt: zwei Arduino-Boards, ein paar Druckknöpfe, einen Midi-Controller, einen Joystick und wenige weitere handelsübliche Bauteile. Mit dieser Steuerungseinheit wird es nun hoffentlich noch mehr Menschen gelingen, ihre Forderungen nach einem selbstbestimmten Leben in die Öffentlichkeit zu bringen. openAIR wird gefördert durch impulse. Technisch umgesetzt wird es in Zusammenarbeit mit dem Ars Electronica Futurelab.

Sabina Köfler ist autodidaktische Expertin in Sachen Barrierefreiheit bei Radio FRO 105.0 und freut sich schon darauf, ihr Wissen aus dem Forschungsprojekt „openAIR“ bald auch anderen Radios zur Verfügung zu stellen.

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LIEBE GRÜSSE VON FRAU LEISCH

Sehr geehrte Damen, Herren und Transgender! von Tina Leisch

Die große Mehrheit der Menschen kann es sich in keinster Weise leisten, auf Werke von KünstlerInnen wie Marika Schmiedt zu verzichten.

Können Sie es sich leisten, ohne politische, engagierte Kunst und Kultur zu leben? Brauchen Sie keine Hip-Hop und Street-Art-Workshops, weil es Ihnen egal ist, ob die Kids im Gemeindebau gemeinsam Saltos lernen oder sich in - oft noch nach ethnischen Kriterien gegeneinander abgegrenzten - Banden und Gangs in die Goschn hauen, weil Ihre Kinder jenseits der Gefahrenzone leben, da Sie sie ja eh von zuhause im Auto in die Musikschule und zum Ballettunterricht führen? Glauben Sie, es sich leisten zu können, auf transkulturelle Theaterprojekte zu verzichten, in denen die tatsächlich vorhandenen religiösen, ökonomischen und weltanschaulichen Minenfelder zwischen Menschen verschiedener Backgrounds thematisiert, analysiert, vielleicht auch persifliert werden? Vielleicht, weil Sie dieses Konfliktpotential gar nicht wahrnehmen – in ihrem Bekanntenkreis gibt es, wenn überhaupt, nur immigrierte Menschen mit Hochschulabschluss, die zumindest so tun, als dächten sie so wie Sie, da können Sie behaupten, dass interkulturelle Konflikte eine Erfindung von RassistInnen seien? Oder weil Sie – im Gegenteil – sich klammheimlich über jeglichen solchen Konflikt freuen, dient er doch ganz wunderbar dazu, die Ressentiments gegen Immigration und immigrierende Menschen anzuheizen? Können Sie es sich leisten, auf Experimente ad hoc realisierter Utopien, wie sie z.B. die Stadtwerkstatt immer wieder ausbrütet, zu verzichten? Brauchen Sie keinen Gibling, weil Sie en masse Nehmlinge besitzen, die für Sie arbeiten? Brauchen Sie keine künstlerischen Interventionen, die im öffentlichen Raum Klippen errichten, an denen sich die Durchkapitalisierung aller Lebensbereiche zu Sturzwellen bricht, weil Sie sich eh alles kaufen können und einer Konfrontation mit der Tatsache, dass das nicht für alle Menschen so ist, sowieso lieber aus dem Weg gehen?

Sie wollen Kunst und Kultur wie Mozartkugeln: Man gibt ein Geld her und kriegt dafür einen Genuss, und zwar genau den Genuss, den weiße, christliche, der Mittel- bis Oberschicht angehörende, gut gebildete Menschen mit Bundesländerhintergrund gelernt haben, als solchen zu begreifen? Denken Sie: „Genau das soll der Staat bezahlen. Für die Proleten gibt’s schließlich Fußball!“? Die aus Linz stammende und in Wien lebende Künstlerin Marika Schmiedt kann es sich nicht leisten, auf politische Kunst zu verzichten. Sie arbeitet nicht an Bildern, die im Wartezimmer der Zahnarztpraxis Schmerzen lindern können. Im Gegenteil: Sie macht Collagen, Bilder, Filme, die weh tun. Sie muss. Als Romni kann sie nicht anders, als die überall wahrgenommene Diskriminierung von Roma und Sinti zum Thema zu machen. Empörung, Wut, Verzweiflung spricht aus ihrer Arbeit. Als Marika Schmiedt im April im Rahmen einer von der Stadtwerkstatt und der Galerie Hofkabinett veranstalteten Ausstellung ihre politischen Collagen in der Tradition von John Heartfield oder Klaus Staeck an einen Bauzaun anschlug, wurde sie von einer Fremdenführerin attackiert, die auch einige von Schmiedts Werken herunterriss. Die Anprangerung der Diskriminierung von Roma durch die rechte Regierung Victor Orbans schien der aus Ungarn stammenden und offensichtlich mit äußerst rechten Kreisen verkehrenden Fremdenführerin eine Beleidigung ihrer Heimat. Doch dabei blieb es nicht: Nach der Eröffnung der Ausstellung „Die Gedanken sind frei“ durch den Linzer Kulturdirektor Dr. Stieber und in Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Dobusch und Stadträtin Mag.a Schobesberger, kümmerte sich der Verfassungsschutz um Schmiedts Kunstwerke – und ließ alle 31 Collagen polizeilich entfernen. Ein Fall unfassbarer staatlicher Zensur eines von offizieller Stelle geförderten Kunstprojektes, auf dessen Fortgang – die Stadtwerkstatt erstatte Anzeige gegen die Entfernung, die


VERSTÄRKER

Fremdenführerin erstattete Anzeige gegen Marika Schmiedt – man in höchstem Maße gespannt sein darf. Werden die Gerichte urteilen, dass der Verfassungsschutz Recht hatte und Roma in Österreich höchstens als Objekte des Mitleids oder der Fürsorge öffentlich auftreten dürfen, niemals aber in der Gestalt einer selbstbewussten, kämpferischen, mit den friedlichen und bescheidenen Mitteln der Kunst auch einmal zurückschlagenden Frau? Wird das Begehren derer, die den öffentlichen Raum auf eine Sphäre möglichst reibungsloser Abwicklung von Geschäften zu reduzieren suchen, Oberhand gewinnen über diejenigen, die demokratische Öffentlichkeit als den Raum der Aushandlung von Konflikten und Kunst als die spielerische Form ihrer Thematisierung begreifen? Darf eine Orbananhängerin selbst in Österreich Kritik an ihrem rechten Führer und Idol unterdrücken? All diese Fragen hat Marika Schmiedt nicht nur aufgeworfen, sondern als Konfliktprozess in Gang gesetzt. Sie hat ein Werk geschaffen, das Institutionen zwingt, brennende gesellschaftliche Fragen zu verhandeln. Und doch verdient sie als Künstlerin vermutlich weniger als die Garderobiere, die auf Ihren Mantel aufpasst, wenn Sie sich im neuen Linzer Mozartkugelmusiktheater den Zigeunerbaron geben. Ich wage zu behaupten: Die große Mehrheit der Menschen kann es sich in keinster Weise leisten, auf die Werke von KünstlerInnen wie Marika Schmiedt zu verzichten. Wer will, dass die Verhältnisse gerechter und die Welt, vor allem die Welt der Ärmeren Leute, schöner wird, braucht solche Kunst. Leider wissen viele derer, die sie dringend bräuchten, das noch nicht. Das kann unter anderem durch mehr Subventionen für engagierte, politische Kunst geändert werden. Herzliche Grüße Ihre Frau Leisch

Tina Leisch, Film-, Text- und Theaterarbeiterin. Hat gerade ihren neuesten Dokumentarfilm "Roque Dalton, erschießen wir die Nacht!"

Umhören Radio FRO am Festival der Regionen in Eferding Radio aus dem Container gibt es von 7.-16. Juni, wenn das Festival der Regionen 2013 in Eferding über die Bühne geht. „Umgraben“ ist das Motto des zeitgenössischen Kulturfestivals dieses Jahr – und wo umgegraben wird, hören wir uns gründlich um. Täglich von 17-18 Uhr bringt Radio FRO im Kultur- und Bildungskanal Hintergrundberichte mit Stimmen aus Eferding. Am Eferdinger Stadtplatz wird ein Container aufgestellt, in dem gewerkt, produziert, geschnitten, gesprochen, geflucht und interviewt wird. Und geplaudert und getroffen und geschaut und gesungen und gehört. Alle sind eingeladen, vorbeizuschauen und das offene, freie Radiostudio zu besuchen! Man kann: uns kennenlernen, interviewt werden, Fragen stellen, eine Pause machen, sich in den Containerschatten setzen, Knöpfe am Mischpult drehen, den Wilden Mann von Eferding als Hörspiel inszenieren, öffentlich Radio hören, den RedakteurInnen was zu essen vorbeibringen (Eferdinger Gemüse! Gurkerl oder so. Fleisch eher nicht, es reicht, dass sich das Projekt „Running Schweinsbratl“ in unmittelbarer Nachbarschaft des Containers befindet), Senf dazugeben, selber RedakteurIn werden. Ja, genau: wer sich beteiligen möchte oder mehr Infos will, meldet sich bei Veronika (eine echte Eferdingerin, die kennt sich aus: veronika.moser@fro.at.) Doch auch unangemeldete Gäste sind willkommen. Radio FRO 105.0 kann man im Moment in Eferding noch nicht empfangen, aber hoffentlich bald. Wir sind dran! Zum Glück haben viele EferdingerInnen einen LIWEST-Anschluss (in diesem Fall lautet die Frequenz 95,6 MHz) oder sogar einen InternetAnschluss (da kann man Radio FRO via Live-Stream unter www. fro.at hören). Alle Sendungen werden auch – quasi als Festivaldokumentation – online archiviert und zum Nachhören bereitgestellt unter www.fro.at/umhoeren. Wir sehen und hören uns! Ach ja, und spannende Projekte wird's geben: ein Vorgeschmack unter www.fdr.at.

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