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Was ist „Rhizom“? Ein Rhizom ist der unterirdische Teil von Pflanzen, der die Zeiten überdauert und räumlich unberechenbar und regelmäßig in dem Maße nach vorne wächst, indem er hinten abstirbt. Dieser Wurzelstock ist keine Organisationsform, sondern löst als subversives Element verhärtete Strukturen auf. Er gibt kein Programm vor und legt keine Linie fest. Dadurch kann er auch nicht zur Fessel werden. Das bedeutet permanente Verjüngung und Bewegung. Das alles ist Teil der Lehre. Das alles ist ein Magazin. Selbstgeschrieben, selbst gestaltet und produziert. Warum ein „Projekt Zeitschrift“ ? Design als akademische Disziplin ist eine Denkmethode, die sich am Machen orientiert. Das Denken ohne das Machen ist Theorie. Das Machen ohne das Denken ist orientierungslos. Kommunikation ist ein Prozess von innen nach außen. Daher beginnt hier die Leistung mit dem aktiven Zuhören, setzt sich im Mitdenken fort und mündet im visionären Umsetzen. Das Magazin leistet, was der Entwurf allein nicht leisten kann. Rhizom ist ehrgeizig. Will sich entwickeln. Weil es sichtbar macht, was sein kann. Rhizom ist monothematisch. Das ist für ein Hochschulprojekt, an das wir glauben. Damit liefert uns Rhizom selbst unfreiwillig und willkürlich für die sechste Ausgabe unser Thema: Glauben.

RHIZOM 6 Zeitschriftenprojekt am Fachbreich Design ∙ FH Münster | WS 07/08

GLAUB DOCH WAS DU WILLST.


[Editorial] Zum Glauben verdammt

Als Glaube (auch Glauben) bezeichnet man jegliche Vorstellungen von Transzendenz, die jenseits wissenschaftlicher Erklärungsmuster liegen. Glauben umfasst eine Grundhaltung des Vertrauens und der vorbehaltlosen Bejahung gegenüber Wesen, Werten und Zielen. Dies schließt normalerweise die Bejahung bestimmter religiöser oder auch ideologischer Aussagen ein, erschöpft sich aber nicht darin. Das Wort „glauben“ ist die Übersetzung des griechischen „pisteuein“ mit der Grundbedeutung „vertrauen“. Ursprünglich gemeint war also nicht das unbestimmte „ich weiß nicht“, sondern im Gegenteil: „Ich verlasse mich auf …“ . Es geht also zentral nicht um einen Gegenpol zum Wissen – für Glaube in diesem, dem Wissen entgegengesetzten Sinn, steht im Griechischen das Wort „doxa“ –, sondern um Vertrauen, Gehorsam. Glaube ist keine verminderte Form der Naturwissenschaft, keine antike mittelalterliche Vorstufe, die entschwinden muss, wenn das Eigentliche kommt, sondern etwas vom Wesen anderes. Es ist auch kein vorläufiges Wissen oder ein bloßes Für – wahr – halten damit gemeint, etwa wenn wir im Deutschen sagen: „Ich glaube, es war so.” Dann bedeutet glauben so viel wie meinen. Wenn wir aber sagen, ich glaube dir, wie es der griechische Wortstamm enthält, dann gewinnt das Wort seinen eigentlichen Sinn. Dann heißt es so viel

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wie: Ich traue dir, ich vertraue dir, ich kann auf dich „bauen”. Ich habe eine Gewissheit, die weniger aus Berechnungen und Experimenten kommt. Dieser Glaube ist notwendiger Be­ standteil des Glaubens. Der Glaube ist eine feste Zuversicht und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Die fünf natürlichen Sinne des menschlichen Körpers (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen) sind für die Wahrnehmung der Umgebung geschaffen, während der Glaube nicht daran zweifelt, was man nicht sieht. „Glaube und Vernunft“ ist oftmals ein Obertitel für die Frage, ob oder wie man den Glauben vernünftig rechtfertigen kann. Nichts erscheint so nutzlos für das Überleben der Menschheit wie der Glaube. Die meisten Kulturen hängen dennoch einer Religion an, selbst Atheisten sind von der Macht der Astrologie, der Homöophatie oder der Gene überzeugt. Warum kann der Mensch nicht anders, als zu glauben? Mit dem Glauben an Hexen und Geister kennt Pascal Boyer sich aus. Doch das Paradox des Glaubens wurde dem Religionsfor­ scher erst bei einem Essen an der Universität von Cambridge so richtig klar. Während des Essens berichtete Boyer von seinem Besuch bei einem afrikanischen Volk, der Fang. Diese

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Ethnie aus Kamerun ist fest von der Existenz böser Dämonen überzeugt. Die Fang glauben zum Beispiel, dass nachts Hexen umher­flie­ gen, die das Blut der Men­schen vergiften oder ihre Ernte vernichten. Auch wissen die Fang von Hexentreffen zu berichten, auf denen die armen Opfer verzehrt werden. Und jeder versichert, er kenne jemanden, der jemanden kennt, der tatsächlich schon einmal nachts eine Hexe auf einem Bananenblatt über sein Dorf fliegen sah. Als Boyer seinen Bericht beendet hatte, drehte sich ein katholischer Theologe zu ihm um und sagte freundlich: „Genau das macht die Anthropologie so interessant und schwie­ rig: Sie müssen jetzt erklären, wie Leute an so einen Unsinn glauben können.“ Boyer war perplex. Dem Theologen kam gar nicht in den Sinn, dass seine eigene Religion ebenso unglaublich erscheint – zumindest, wenn man sie mit den Augen der Fang betrachtet. „Die Frage, wie können Menschen an so etwas glauben ist zwar passend,“ sagt Boyer, „doch sie trifft auf alle Glaubensschattierungen zu.“ Als der Anthropologe versuchte, den Fang das Christentum zu erklären, schlugen ihm ganz ähnliche Reaktionen wie in Cambridge entgegen. „Sie waren sehr überrascht, als sie erfuhren, dass alles Unglück in diesem Tal der Tränen angeblich von zwei früheren Vorfahren herrührt, die vor langer Zeit in einem schönen Garten eine exotische Frucht gegessen hatten.“

Auch das Prinzip der Dreifaltigkeit – drei Personen, in Wahrheit aber eine Person und doch drei – fanden die Afrikaner äußerst bizarr. Zwar machen wir heute nicht Göttervater Zeus für den Donner verantwortlich, doch es gibt noch immer genug Situationen, die sich unserem Zugriff entziehen. Und dieses Deutungsvakuum wird mit Glaubensvorstellungen gefüllt. Der eine sucht in schwierigen Situ­ ationen eher halt im Horoskop, beim Geisterheiler oder Glauben an alle möglichen Arten von Verschwörungstheorien. Auch die Wissenschaft bietet sich als Religionsersatz an. Anstelle des Gottvertrauens tritt hier die Hoffnung auf die nächste Studie und den wissenschaftlichen Fortschritt – ein Glaube, den zum Beispiel die Pharma­industrie kräftig nährt. Das Glauben indessen ist eine viel ältere Gewohnheit, eine Art mentales Energiesparprogramm, das sich über Generationen hinweg bewährt hat. Statt für jede lebenswichtige oder moralische Entscheidung das Für und Wider abzuwägen, ist es einfacher, sich an Ge- oder Verbote zu halten, die seit Jahrhunderten weitergegeben werden, die zudem noch mit dem Segen einer höheren Weisheit ausgestattet sind und die wir getrost GLAU­ BEN. So wie wir glauben, ein gutes Magazin gemacht zu haben.  [RQvD]

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[13.02] Neumond [15.02] [25.02] [06.03] [14.03]

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The (Great) American Dream (Vote) Ich glaube dir, mein Fernseher An was wir glauben (sollen) Ausdauer wird früher oder später belohnt – Meist aber später

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The Great American Dream Vote [commercial end]

2 Pico Iyer

[commercial break]

1 Edward Kennedy

3 Archibald MacLeish, 1960

unl ss [15.02] first we dream.“

On March 28th, 2007 a short-lived reality television series premiered on ABC with a preview on March 27th, 2007. The show featured contestants who wanted their dream to come true. The studio audience would pick the two finalists; those at home would select the winner via internet voting. Despite the premiere´s Dancing with the stars lead-in, it only drew a less than 2,0 rating among audiences 18-49. ABC cancelled the show on March 29th. The only known winner of the show was Stanley Nussbaumer, who´s dream was to have a full head of hair. One day after the surgery Stanley was interviewed by the operating doctor.

“Hi Stanley and thank you for joining me here today!” “Hi, and as you can see I am alive and well and ... very happy ...“ “Look, first tell me something about that experience winning all that money and all those prizes on the TV show.“ “Uhm, well being the first and only winner of the ABC TV gameshow ... I, I, I ... there are no words to describe it, it’s just an unreal feeling and as you could see on the show I didn’t really find any words on the show either, I was more or less speechless when it happened and it’s just been a surreal experience.“ “So where do you think you got this thing from, this, this hair loss?“ “Well I told you Doc he got this from his mother’s side. There’s not a male in the family who has a hair on the head.“ “Well this is an old story that you always blame the mother when there’s something wrong with the sons.“ “Well that might be true, but this time it’s a fact.“ “Yeah it is, it is a fact, it’s true.“ “Was the experience, the hair transplant experience as you expected it to be?“ “Prolly the best day I’ve ever had doing something like that, uhm, pretty, uhm, relatively painless, I mean ...“

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“How could it be a fun day I mean you must be lying for the camera?!“ “No I mean it was, I got to watch TV while it and ah I was served a pretty good lunch and you know we had some fun in the back and I mean I was awake during the whole time and you know I came in that morning I was out the same afternoon and you know here I am the day after as you can see alive and well and very happy!“ “Let’s talk about the pain you felt during the procedure and that you had from the surgery.“ “The pain, well like I said, there was a couple of shots around the head, those were a bit itchy, but after that, like I’ve said it was relatively painless and eh that night when I went home I uh got some pain medicine. I actually only took one pill, I didn’t really need it, I got a little you know pain in the back you know close to the incision but eh it was relatively painless, really.“ “What do you think about this dad?“ “Well you know I’m very excited about this, I know he always wanted this very much, even though we all think there’s a little bit of vanity in this, but you know doc we’re all happy for him!“ “Well actually I’ve had a transplantation too!“ “Oh really, well then I hope that one day he’ll also have a head full hair that he can be proud of!“ “Yeah, you can be very proud when you drive that convertible with the wind blowing through your hair ...“ “Sitting in the convertible, wearing my new Armani suit ...“

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“Nothing happens [16.02] unle s first w

The concept of the American Dream goes “Ladies and gentlemen, welcome to tonight’s back to the 16th century. As 16th and 17th episode of The Great American Dream Vote, I century English promoters were attempting am your host, Jake Conner. Tonight we are to persuade English to move to the colonies, going to listen to the story of four stunning their language and promises about what the contestants, each of them is going to tell us colonies were like were simultaneously layabout their biggest dream, their inner most ing the groundwork for three separate, but desires, their American Dream. Ladies and “The work goes on, the cause endures, interrelated persistent myths of America: gentlemen, please welcome our contestants: America as the land of plenty, America as the Miss Shawna Romero, Stanley Nussbaumer, the hope still lives and the dreams shall never die.” 1 land of opportunity America as the land of Mrs. Connie Snyder and last but not least destiny. “American dreams are strongest in the hearts of those who have seen America only in their dreams.”

“There are those, I know, who will reply

that the liberation of humanity,

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the freedom of man and mind, is nothing but a dream. They are right, it is. It is the American dream.” Ron Meyer!“, [while the contestants enter the stage the audience falls into resounding applause], “Dear contestants, I am sure all of you are convinced your dream is the one and only dream to come true tonight. But it‘s not you, who needs to be convinced, you have to convince our audience and the viewers at home. As you all know at the end of this show only one dream can come true, dear audience, dear viewers at home it is up to you to choose who‘s dream will come true, it is up to you to vote for your favorite candidate and make his or her dream come true!“, [audience applauds], “First runner up tonight will be Connie Snyder. Ladies and gentlemen please give a warm welcome for the charming Connie Snyder!“, [applause], “Connie you are one of four lucky contestants who have the chance to make their American Dream come true. How do you feel?“, “Jake I‘m absolutely speechless, I am truly grateful to have the chance to be here tonight and I want to thank all of you who made it possible for me to move one step closer to making my dream come true – thank you, thank you so much!“, [applause], “Connie we are very happy to have you here tonight! So tell me Connie, you are 32 years old, you were born in Oakland and now you live and work in Los Angeles. And as far as I was told your dream has to do with your work?“, “That’s absolutely correct Jake, I’ve started to work on the fulfillment of my dream when I opened layout-americandream3converted.indd 16

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my own shop. This shop is already a small dream come true, but Jake there’s more, I have a much bigger dream and I’m ready to do almost anything to make it come true.“. “Connie before you came here tonight we observed you for some days and made a small movie about who you are, what you do and most important it’s a short clip about your dream.“, [the lights in the studio dim out, on a huge screen a movie starts to run, a male voice comments the movie clip], “Meet Shawna Romero, Shawna is 100% Californian and thanks to her persistent commitment, her strong will and never-ending dedication she managed to make a small dream come true. In Los Angeles Shawna opened her own shop. It’s not any ordinary shop – its not a shop you can find in every city or town, Shawna opened a shop dedicated only to those who mean the most to her. Shawna’s customers walk on four legs, bark, growl and love to burry bones in backyards and most of all love Shawna’s products. In this unique and particular shop Shawna sells everything any dog’s heart could desire. Love is found in every single product Shawna sells, no matter if it’s the Swarovski-diamond embroidered dog collar, the miniature Burberry rain boots, the real-bunny-fur ear warmers or maybe one of the homemade dog biscuits – you can be sure your dog will be in heaven!“, [crowd awwws]. “But that’s not all Shawna is it?“,

“Jake every time a customer leaves my shop I can truly feel how happy they are to have found something they can pamper their beloved companion with. Often windowshoppers enter my shop, they take their time to look around and some of them are right away convinced that they also want to own a dog, they come up to me and ask if I also sell pup-pies and every time I have to disappoint them and every time it breaks my heart to let them go home empty handed, and you can be sure that a lot of these people are lonely, single, or spend too much time in their offices that they don’t have enough quality time to spend for themselves. [the crowd applauds loudly] Jake I have a dream, I have a great American dream, my dream is to expand my shop and to breed my favorite miniature dog breeds. I’ve talked to a lot of experts and psychologists and dog owners of course, they all agree on the same fact, a dog is so much more than a simple pet, a dog gives you so much warmth and love and pleasure – they are an enrichment for anyone’s life. My dream is to provide people with small lovable pets that they can take home and take care of and in return receive the love only a small dog as such can give to you.“ [resounding applause, the people start to whistle and stamp their feet] – [commercial break]

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7 James Truslow Adams 6 Florence King

4 Dan Castellaneta

5 James Truslow Adams

Noth g [17.02] happens unless first we dream.”

America as the land of the plenty figured [commercial end] – [in the studio the crowd is more prominently in 18th and 19th century still applauding for Shawna, Jake lifts his hand definitions of the American Dream than it to calm the audience down], “Ladies and gendoes today. Central to the dream was the tlemen thank you for tuning in on tonight’s presence of the still untamed American land, episode of The Great American Dream Vote, along with the question how to deal with for those of you who just joined us we just nature and how to live with other people on met our first candidate Shawna Romero who the land. The early immigrants to the United told us about her great American dream, but States landed on a very lightly settled and there are three more candidates burning to undeveloped continent. Until the end of the let you in on their personal dream. Ladies and 19th century, the sheer amount of free land gentlemen are you readyyyyy?“, [crowd goes available for settlement, the absence of landcrazy], “Meet our second runner up, meet Ron owning aristocracy, and federal policies to Meyer!“, [the studio lights fade out, on the encourage settlement, (exterminating or even screen a movie clip about Ron Meyer is shown, resettling the natives, and in some cases short football scenes are stringed together to offering free land to settlers) meant land a dramatic story about Ron, how he used to ownership was finally within reach for many play for the college team, his successes as the immigrants. Land speculation, as well as land team’s best quarterback, the games they won grants to railroad magnates, made some rich. together, the good times during team pracDuring the 19th century, the transcontinental tice, the tense atmosphere during the match-

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“Nothing happens unless [20.02] first we drea railroads that opened the West to trade and es in the stadium, the crowds cheering, cheersettlement, the actual development of mass leaders firing the players, pumping them with production through industrialization, and the self-confidence, lights flashing and loud mudiscovery that oil was abundant and could be sic playing, people going crazy in their stands used as the general main energy source for – the last scene shows Ron being attacked by manufacturing, greatly increased economic

“Kill my boss? Do I dare live out the American dream?”

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“If the things already listed were all we had to contribute,

“People are so busy dreaming the American dream, America would have made no distinctive and unique gift to mankind.

fantasizing about what they could be or have a right to be,

“What you have to do is enter the fiction of America, enter America as fiction. in which life should be better and richer and fuller for every man, opportunities for workers and businesspeople, 5 players of the defending team, the sound of that they’re all asleep at the switch. as well as raising the American standard of the gear crashing together, the sound of the But there has been also the American dream, that dream of a land 6 living. In the 19th century, “rags to riches” mens’ force when they all collide, the sound 5 stories of business tycoons just like Andrew Consequently we are living in the Age of Human Error.” 7 of their breath being forced out of the lungs with opportunity for each according to his ability or achievement.” Carnegie and John D. Rockefeller contributed when they hit together, the stadium is silent, helmet I always thought I was invincible, cident I graduated from college and for one to the belief that talent and hard work could fearless and I was sure I had found my self- year I worked on the details of my business people in the stands get up, their faces para- fulfillment. I remember hearing my coach tell- plan, I developed my own business, my own lead to riches. Spurred by the potato famines ing me everything will be o.k., that my leg Great American Dream. Ladies and gentlelysed with shock, other team members run would be fine and that soon I’d be playing men my American Dream is to work as aliin Ireland, the Highland clearances in Scotland football again. I fainted and the next thing I mentary-coach for football teams, I want to towards the pile of players who are trying to remember was waking up in the hospital, my help them to develope a special diet for footand the aftermath of the Napoleonic Wars, mamma sitting next to me crying and my pa ball players, to keep them fit, healthy and balget up, Ron is laying on his back at the bottom having this very concerned almost stern ex- anced, that way I can still be a member of the impoverished Western Europeans who had pression. They explained to me that my leg team, I can influence the game by providing of his offenders, he’s not moving, his leg is had to be removed, it was broken several of my team only with the best of nutritious, emigrated to the United States. Scandinavian times, bone splinters had cut their way into healthy foods which they need to train hard twisted in an unnatural acute angle. A single the flesh, the dirt of the field had entered the and to beat the other teams, I can be a part of and German immigrants of the 1800s mainly wound and the transportation to the hospital the team, this way I can support my team, I white spot is pointed at Ron standing in the had taken much too long, vessels had started want to be able to do something for my team, settled the Midwest as farmers. In the late to die off, they had done everything they I want to be able to take responsibility for my middle of the stage, he starts to comment the could have done to save my leg ... [the audi- team, I have a dream, I have a Great American 19th century, southern and eastern Europeans ence is gripped by shock, grief and despair, Dream, I have the American dream to play scene], “I was 23 years old when this accident viewers start to whisper “Oh my God, oh dear football again!“, [the spotlight pointed at Ron were recruited as laborers for the new and lord, how horrible“, women hold their hand in turns off, for a split second the studio is silent, happened, we were having a great season, front of their mouth, some have wet eyes], “I then the first people in the crowd stand up fast growing American industries. Jews fled know what some of you might think, but I’m from their seats and applaud standing ovawinning a lot of games, I had trained a lot to not here for your charity, or for you to have tions, they stamp their feet on the ground, religious persecution and mandatory military sympathy with me, I don’t want your pity. My people whistle, two women fall into each meet and even exceed the coach’s expecta- life turned upside down, all I had worked and other’s arms and cry, even Jake seems to have service in the late 19th and early 20th century trained for so hard was nullified. I had to start a tear in his eye – he clears his throat and antions, I was tough, full of power, ready to give over again, I needed new life spirit, I needed a nounces the short commercial break, touched Russian Empire. Asians began crossing the new reason to learn to walk again, I needed a by Ron’s speech he turns back towards Ron anything for my team to win – until that mo- new reason to even get out of bed every and claps] – [commercial break] Pacific Ocean in the 19th century to find work morning. I found something I’m willing to live ment I laid there and my coach removed my for again, to work for, to, to, to ... After my acin the American West.

It is, on this fictive basis that it dominates the world.”

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6 William S. Burroughs

8 Bill Clinton

7 Goethe

9 Adlai E. Stevenson Jr.

s unles we [21.02] dream.”

Regardless of the content of each individual [end of commercial break] – “Ladies and genversion of the American dream they all include tlemen we’re halfway through the show and the belief in the opportunity to achieve some so far we have had some amazing ... sad and form of quantitative or qualitative success. personal and touching moments throughout Therefore, in order to better understand the the show. Remember dear studio guests and existence of so many different versions of the dear viewers at home at the end of this show American dream it would first be helpful to it will be up to you to vote for your favorite define the different ways in which success candidate and make his or her dream come can be measured. In her book Facing Up to true. Ladies and gentlemen these are our the American Dream: Race, Class, and the last two contestants of tonight’s episode of Soul of the Nation, Jennifer Hochschild states The Great American Dream Vote, Mrs. Conthat the different definitions of success nie Snyder and candidate Stanley Nussbauinvolve measurement as well as content. She mer. And our third but not last candidate will classifies success into the following three be ... Ladies and gentlemen, dear viewers at categories which have important normative home please meet Stanleeyyyyyyyyyy Nussand behavioral consequences. baumeeeeeeeeeeer!“, [crowd claps], “Stanley Absolute success: In this case achieving the how have you experienced this evening so American dream implies reaching some far?, “WOW Jake, wow, really is all I can say, threshold of well being, higher than where some amazing stories weren’t they? Strong one began but not necessarily dazzling. Comdreams and so much personal engagement,

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petitive success: achieving victory over someit was really enthralling!“, “That’s true Stanley, one else. My success implies your failure. Combut we’re not done yet are we?!“, “Well I hope petitors are usually people, whether known not Jake!“, [both men laugh], “Go ahead Stanand concrete (opponents in a tennis match) or ley tell us about your dream! The audience is unknown and abstract (all other applicants for all yours!“. “Dear ladies and gentleman first of a job). Relative success: Here achieving the all thank you so much for your patience, thank American Dream consists in becoming better you for making this evening come true for all off than some comparison point, wether one’s of us and thank you for making one of us a childhood, people in the old country, one’s possible winner, this one is for you, [Stanley neighbors, a character from a book, another starts to clap, the audience follows his examrace or gender-anything or anyone that one ple]. measures oneself against. Relative success imLadies and gents, dear viewers at home, plies no threshold of well-being, and it may or just as Shawna and Ron have a dream, I also may not entail continually changing the comam trying to pursue my great American parison group as one achieves a given level of dream. Maybe it’s not as thoughtful as Shawaccomplishment. In spite of much evidence na’s dream, or as honorable as Ron’s might that indicates that America is an unequal socibe, my dream for some of you out there probety and that one’s race, sex, class and family ably never have and never will play a role in background have a great deal to do with one’s your entire life. Jake I’m 27 years old, I’m a stulife chances, Americans continue to hold on to dent, I’m in a stable relationship and actually

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“Nothing [22.02] hap pens un

“Thanks for the American dream, to vulgarize and falsify “Dream no small dreams for they have no power to move the hearts of men.”

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until the bare lies shine through. Thanks for a country where nobody’s allowed to mind their own business.” 6 their belief in the American dream. If we were we’ve even talked about moving one step fur- “We need a new spirit of community, a sense that we are all in this together, asked to explain the contradiction between “In America any boy may become President ther to make it official and get married, [audiour beliefs and reality many of us would be or the American dream will continue to wither. ence applauds], thanks, thank you so much. In and I suppose it’s just one of the risks he takes.” 9 hard pressed to do so without tracing back 8 Our destiny is bound up with the destiny of every other American.” all of the things I’ve listed so far my dream how we came to know and understand the plays a big role for me. I want to ask you to of your faces when I mentioned my age, you self-confidence and self-esteem and I’m fightthought I was older didn’t you ma’am? [Stan- ing to not loose the love of my life, the woman American dream to begin with. look at me, I saw the question marks on some ley moves from the stage in to the audience I want to marry and have a family with. I’ve and passes the microphone to a middle-aged tried all sorts of methods, pills, ointments, women, she seems to be a bit insecure], “Well massages, acupuncture, spiritual therapy, hypyes to be honest I did!“, “Don‘t worry ma‘am nosis... there is nothing that I have left untried. you‘re not the only one. Two weeks ago I went [Stanley’s voice sounds fragile, shaky, insecure, out for dinner with my siblings only to be he lifts his head towards the ceiling and blinks praised by the waitress for taking my children with his eyes several of times in a row, he out for dinner, [some giggles can be heard moves from one leg to the other, clears his from the audience]. After the first get-togeth- throat and swallows heavily]. All I ask of you er with my girlfriend’s parents they took her tonight is to give me my life back, with your aside to tell her that they don’t want their help I can make my one and only dream come daughter to date a man who could be her fa- true, I can have a hair-transplantation done ther, [the majority of the audience awwws, combined with a life-long membership in the again some viewers can’t help themselves Hairclub, I could go out like every other stubut to laugh], it’s ironic isn’t? I could probably dent in my age, I could win my self-confidence work as a stand-up comedian to earn some back and most important of all, I could finally bucks at the side, but it’s not a joke ladies and ask my girlfriend to marry me. Thank you for gentlemen it’s the irony I have to live with day- listening!“ [Stanley sinks the microphone, he in day-out since I’m 21 years old. After the con- seems to be close to tears, he sinks his head versation between my girlfriend and her par- awaiting the reaction from the audience, sevents, the conversation continued between us. eral seconds pass before the first people stand She admitted to be worried about how her up from their seats and start to clap, more and family could react incase of a marriage, she more follow until the very last within the audihad managed to convince her parents of my ence is standing; they are applauding not only true age and her true feelings for me but at for Stanley, but also for his courage, his honthe same time she ... Ladies and gentlemen to esty, his sincerity. They have grasped the deep make myself clear, we cannot get married be- despair Stanley has fallen into] – [commercause I’m 27 years old and bald. Since 6 years cial] I’m fighting with public humiliation, loss of

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Question: How does one pursue success? princesses Emma and April have attended Answer: Through actions and traits under beauty pageant training, Emma is following one’s own control. my footsteps and has already won the Little Flaws: Ignores the fact that if one may claim Miss Kentucky twice and now she’s going for responsibility for success one must accept Miss Teen Kentucky and April my darling has responsibility for failure. Therefore people also tried her best a couple of times in the who fail are presumed to lack talent or will.

be up to you to decide which contestant’s dream should be fulfilled. Remember its only up to you! Connie you are our last contestant, we‘ve listened to some very strong and convincing contestants so far and the more we‘ve heard the stronger the competition has grown and the harder it get’s for our audience to make up their mind. Dear Connie, this is your chance, make the best out of it, the stage is yours!“ ,[Connie moves to the middle of the stage, the lights in the studio dim, she is bathed in a soft innocent white spotlight, she is perfectly styled, well dressed and emanates a strong presence on the stage, her smile is dazzling – though one could think its almost rehearsed], “Hi, my name is Connie Snyder, I’m 37 years old, born in Bowling Green where I went to school and graduated from college in Ohio and today I live in Kentucky together with my husband and my beloved three girls Emma, April and Caitlin. Within my family history there has been a long tradition of participating in beauty pageants and to be honest we weren’t all too bad [Connie smiles self-satisfied], I was Little Miss Bowling Green three times in a row and a fourth time two years later, [Connie looks full of expectation into the crowd, no reaction, Connie tosses her blond hair from the right to the left shoulder, then clears her throat and excuses herself], following the deep family tradition my two

Little Miss Kentucky ... but she’s simply still too young and needs some more practice – baby incase you’re watching mom is very proud of you, keep on trying! The reason I am here tonight is my second daughter Caitlin. She just simply doesn’t want to attend the training and rejects all chances to participate in any kind of pageant. Ladies and gentlemen meet my daughter Caitlin! [the spot pointed at Connie fades, on the big screen at the back a movie begins to play, a baby girl is shown wearing an orange bathing suit with white polka dots, is running around on a green lawn, she seems to be happy and her lighthearted laughs are heard mixed into the movie sound track, the next scene shows the same girl some years older, it’s her birthday, she is shown wearing a beautiful dress sitting at a table covered with presents in front of her a gigantic with icing decorated cake, she is surrounded by all her friends singing happy birthday, the scene ends with her blowing out the candles and laughing the same lighthearted laugh, the third scene shows Caitlin when she was 16, the family is waiting in the living room waiting for Caitlin to present herself at the night of her sweet sixteen prom evening, like a princess Caitlin comes down the steps from the top floor; seeing her the family awwwwwws, a close-up shows Connie crying, the spotlight is pointed back at Connie

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11 Dr. Martin Luther King Jr.

10 Gloria Steinem

Question: What does one pursue? listening to the diverse contestants’ American Answer: The reasonable anticipation, though dreams, the emotions so far have been simply not the promise of success. indescribable. We have one more contestant Flaws: Fails to acknowledge the shortage of left Mrs. Connie Snyder, and after we have resources and opportunities which prevent listened to her great American dream ladies everyone from having a reasonable chance of and gentlemen, dear viewers at home, it will having their expectations met.

12 Douglas MacArthur

Question: Who may pursue success? [commercial end], “Ladies and gentlemen, Answer: Everyone regardless of personal dear viewers at home welcome back after traits, family background or personal history. this short commercial break, thank you for Flaws: Fails to account for aspects of inequality tuning in tonight, we’re almost through with such as race and sex discrimination.

13 Dom Helder

“No [23.02] thing happens unles we dream.“

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“Nothing happens unless first we dream.“ [24.02]

Question: Why is success worth pursuing? and while different pictures of Caitlin are Answer: True success is associated with virtue. shown on the screen Connie picks up her “I look forward confidently to the day when all who work for a living will be one with no Flaws: Failure implies sin. Also devaluing “When we are dreaming alone it is only a dream. speech] “Dear ladies and gentlemen, as you losers allows people to believe the world is thought to their separateness as Negroes, Jews, Italians or any other distinctions. could see yourselves Caitlin was given the gift just and even when it is not.

“Without leaps of imagination, or dreaming,

we lose the excitement of possibilities.

This will be the day when we bring into full realization the American dream – a dream yet unfulfilled.

When we are dreaming with others, it is the beginning of reality.”

Dreaming, after all, is a form of planning.”

13

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“Part of the American dream is to live long and die young.”

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A dream of equality of opportunity, of privilege and property a dream of a land where men will not take necessities from the many to give luxuries to the few; a dream of a land where men will not argue that the color of a man’s skin determines the content of his character; a dream of a nation where all our gifts and resources are held not for ourselves alone, but as instruments of service for the rest of humanity; the dream of a country where every man will respect the dignity and worth of the human personality.” of pure and natural beauty, it would be such a waste to simply let it pass without having shared it with the rest of the world. There are so many girls out there who would do anything to be as beautiful as Caitlin and she simply ignores all of her possible chances of following her mother’s and sisters’ footsteps to participate in beauty pageants, further I am sad because she knows how much this tradition means to me and how hard all the women within my family have worked to be able to fulfill this tradition, if she doesn’t start with the training soon it will be too late and she will be the first generation to break this tradition. I have a great dream, I have a great American dream and this dream is that our children learn to appreciate their God given gifts, learn to use them and be thankful to possess them, I have a dream that one day our children will realize that it’s up to them to one day represent their families and their ancestors by following deeply routed family traditions, my dream is to win tonight and to be able to send my daughter Caitlin to a beauty pageant camp close to New York during the summer break so she can learn what it means to be responsible, committed and aware. I want my daughter Caitlin to be an example for other teenagers and show them that tradition is not antiquated but one of the most important things a family can

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hold on to! Thank you very much ladies and gentlemen, thank you!“, [Connie steps out of the light, the audience applauds, Jake takes the word], “Ladies and gentlemen that was tonight’s final contestant now it’s up to you to vote for your favorite contestant and decide who’s dream should come true and who’s dream will stay nothing but... a dream, please make your choice – now! For you joining us at home use the hotlines to call and place your vote, dial the 1-800-GREAT-AMERICAN-DREAM with the ending -01 for our first candidate Miss Shawna Romero [a spotlight is pointed at Shawna, she waves shyly, the audience claps enthousiastically], the -02 for Ron Meyer [the spot moves over to Ron, he nods selfconfident and smiles, people start to stamp their feet and whistle, Jake has to raise his voice], the -03 for Stanley Nussbaumer, [the crowd stands up one more time and tributes standing ovations for Stanley who is close to tears again] and last but not least the -04 for the charming Mrs. Connie Snyder, [the crowd is still going crazy, though one cannot tell if they are still applauding for Stanley or Connie, Connie doesn’t mind and baths herself in the ovations and blows kisses to the audience, she smiles a big white shiny smile and waves mechanically, Jake looks at her for a split second and continues] please stay tuned to find out who has won tonight’s episode of,

11

[he holds the microphone in the direction of the audience, synchronously they shout THE GREAT AMERICAN DREAM VOTE, music fades in, the studio noise fades out] – [commercial]. [ACM]

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[06.03] Ich sehe

(Befriedigung)

Die Semiotik der Werbung

AN WAS WIR

GLAUBEN. (SOLLEN)

Wenn uns +/- 30 Sekunden bleiben, um zu entscheiden ob wir Lust haben, Herr der

Lage zu sein, oder ob wir merken,

weder Lust zu haben noch Herren sind über Lagen. Kuschelweiche, versteht sich. (Bauchgefühl)

„hottes girl“

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meine Sendung und bin einfach [07.03] zu

Zunächst einmal sei ja das Thema „Semiotik der Werbung“

(Sehnsucht)

(Gewohnheit)

(Intuition)

ein wirklich alter Schuh. Gibt es womöglich seit Umberto Eco und Co. keine durchschlagenden Neuerkenntnisse mehr, was die Bildsprache der Werbung betrifft? Da oben, ganz klar, da ist nämlich ein wirklich „hottes girl“ zu sehen, mit astreiner Haut, mit glänzenden Haaren und einer top-deluxe Figur. Ganz klar, wäre das Model nicht etwa drei Meter größer als man selbst und würde es nicht so schlecht zusammengeklebt an der Straßenkreuzung hängen, dann hätte man sich vermutlich schon längst mit ihm angefreundet und wäre zusammen durch die Straßen gezogen um mal ordentlich mit der neuen Freundin anzugeben. Und nett wäre sie ja bestimmt auch gewesen, zumindest scheint sie mich ja auch auf den ersten Blick so sympathisch zu finden, wie ich auch sie auf den ersten Blick sympathisch finde. Als gegenläufiges Pendant verstehen und dekodieren wir natürlich auch die andere Seite von Schönheiten, wie die der Dove-Kampagne, beispielsweise. Hier wird nicht mit scharfen Mäuschen geworben, sondern Wert auf Werte gelegt: die reife Frau ist schön, die vernarbte Frau ist schön, die mollige Frau ist natürlich auch schön und natürlich und schön dabei ist sie obendrein. Aber auch hier spielt man nur Tauziehen mit der Schönheit und ist, wie immer, auf der schwächeren Seite. Man soll ja nicht meinen, dass hinter der Dove-Kampagne etwa keine hochwertigen Produzenten, Regisseure und astreine Reinzeichner stehen. Doch was ist eigentlich gemeint mit „zunächst einmal ist das Thema Semiotik der Werbung ein wirklich alter Schuh“ und was ist eigentlich ein alter Schuh? Ein Bild? Oh ha! Und was ist eigentlich gerade in meinem Kopf los, wenn ich an ein „hot girl“ denke? Ohhh ja. Und warum zur Hölle ist die Staubsaugerwerbung von Dyson ähnlich einem Werbespot für einen Sportwagen? Diese und weitere Fragen, vermutlich auch alle spektakulären Skandale der Werbebranche, werden im Folgenden nicht aufgeklärt, denn ja: ein alter Schuh passt zwar immer besser, aber der neue Schuh, den ich da neulich auf einer Litfaßsäule gesehen hab, der turnt mich auch so was von tierisch an, dass ich gerade nicht drumherum komme und mir jetzt so einen gönne. Kaum zu glauben. Den Schuh zieh ich mir an.

(Erfahrungswert)

(Unterbewusstsein)

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faul, [08.03] in der Werbepause umzuschalten,

Eine german Kleinigkeit – hier in Hollywood +/- 30 sek.

+/- 30 sek.

Die Uhr schlägt Mittag und die beiden Geschwister, ein Junge und ein Mädchen, kommen gerade aufgedreht aus der Schule. Der Sohn einer glücklichen Mutter rennt zielstrebig zum Küchentisch und die blonde Schwester jagt spritzig hinterher. Es muss wohl Sommer sein, denn durch das Küchenfenster scheint dieses warme Licht herein und lässt die Küche besonders behaglich erscheinen. So, wie man es nur aus Kindertagen kennt. Die verhältnismäßig attraktive, junge, dynamische Mutter war sich natürlich auch heute nicht zu schade für ihre Pflichten: die Gläser glänzen besser als beim Nachbarn, die Frisur sitzt und die Einkäufe sind bereits erledigt. Für die Frau von Welt sei das schließlich alles kein Problem. Doch die beiden Sprösslinge werden langsam unruhig, vermutlich haben sie den kleinen Hunger zwischendurch. Zu vermuten ist aber auch, dass Ihnen jetzt gerade nach einer limonigen Erfrischung gelüstet. Drum wendet sich die Mama dem Kühlschrank zu, öffnet selbigen und zückt eine Flasche mit sprudelnder, gelber Substanz hervor. Die zwei Racker lachen und quietschen fidel vor lauter Glück und Freude. „Da, seht, was ich euch mitgebracht habe. Das ist ganz neu und schmeckt dieses mal besonders lecker!“ , lächelt die weichfilterübertünchte Mutter ihren Sprößlingen zu. Gekonnt wie geschickt dreht die liebe Frau Mama das Etikett der Flasche den Kindern zu, so dass sie genau sehen können, welch fantasievolle Gestalt die Flasche ziert: eine lachende Sonne mit Sonnenbrille und Spazierstock in der Linken. Freuen darf man sich da! Und just in dem Moment geschieht, was nie geschehen darf: die beseelte Sonne springt aus dem Bildchen hervor, die Mutter lacht, die Sonne tanzt und die Kinder brechen in Panik aus. „MAMA, DA KOMMT EINE SONNE AUS DER FLASCHE RAUS!!!“ Kreisch, kreisch. Bis wieder einer weint! Vorbei der Spaß, vorbei das inszenierte Glück, vorbei das wohlige Gemüt. Doch weh, oh weh! Lasst euch nicht die Herzen brechen. Mütter der Nation, was hier hilft ist erstmal eine ordentliche Portion „Rennie räumt den Magen auf“, und für die Kinder gibt’s ne Katze und „Katzen würden Whiskas kaufen.“ Man ist stets gut beraten, wenn man in solch misslichen Lagen in der Hausapotheke über einen kleinen Vorrat an automatisch +/- 30 sek.

+/- 30 sek.

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oder einfach nur viel [11.03]

+/- 30 sek.

+/- 30 sek.

regulierbaren Duftgelatinedöschen verfügt. Nur kurz tippen, und schon hält wieder die gewohnte Ruhe und Behaglichkeit Einzug ins Gemach. Als kleine Entschädigung bekommen die zwei gestressten Kinder noch zart eine kleine Wanne aus Karamell, Nuss und Nougat in die Hände gedrückt. Man weiß ja nie wie viele kommen. Doch was man weiß ist, dass viel Spaß drin steckt! Nur gut, dass Mutti vorher noch einkaufen war. Unangenehm wird’s ja immer, wenn man beim Einkauf von einem vermeindlich unseriösen Kamera-Team belästigt wird. Da bombardiert ein PhantomInterviewer einen mit Fragen, obwohl man ja selbst keine mehr stellt. Heute hat ja keiner mehr Zeit. Und außerdem, man wollte doch bloß ne Runde Lebensmittel lieben, da muss einem nicht ständig jemand mit dem Mikro hinterherrennen und ein privates Qualitätsurteil zu irgendeinem Produkt abverlangen. Generell werden persönliche Meinungen ja völlig überschätzt, da kann die Kamera noch so authentisch wackeln. Was nützt einem da jedoch der Frust. Man weiß ja auch, dass nicht nur die gemeine Hausfrau von solchen Plagen befallen wird, sondern auch diverse Zahnärzte und andere Brüder und Schwestern. Von Plagen befallen sind ja derzeit auch gerne mal die ganz großen Städte dieser Welt. Und hier handelt es sich nicht um gilbe Fleckenzwerge, die mit „Vertrau auf Pink“ wieder bereinigt werden könnten... es handelt sich hierbei eher um eine Art Massenphänomen bunter Elemente, die, wenn man es mal genau betrachtet, theoretisch eine mit an hoher Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit lebensbedrohende Wirkung haben müssten, wenn sie nicht verharmlosend mit schummriger Musik unterlegt wären. Tausende, ach was sagt man, abertausende hüpfender Bälle sprangen anfangs die Straßen von San Francisco hinab und begruben alles unter sich, was sich nicht mit Actimel schützen konnte.

+/- 30 sek.

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[12.03] zu hypnotisiert

+/- 30 sek.

Das war jedoch erst der Anfang allen Übels. Später klauten im selben Stile auf ominöse Art und Weise bunte Luftballons die Autos aus der Garage unschuldiger Bürger und inzwischen rocken bunte Knethasen Paris. Oder wo zur Hölle auch immer, denn wir sehen die Welt mit Ihren Augen. In Paris passiert ja auch oft und gerne das Verrückteste und Angesagteste aller Zeiten. Einmal, so munkelt man, hat eine junge Dame ihren heutigen Gatten in Paris kennen und lieben gelernt. Zunächst war sie mit einem jungen und extrem! gut aussehenden Mann gedatet und verabredete sich mit ihm in einem sehr schicken Pariser Restaurant zum dinieren. Jedenfalls, Madame kam wie üblich zu spät und trabte durch den Salon, den Verlobten fest im Visier. Und wie göttlich sie dabei aussah! Wie eine Diva! So elegant und selbstbewusst, wie man nur sein kann. Noch schnell vorbei am Kellner schlängeln, dachte sie, und schon mal mein verschmitztes Dentagard-Lächeln auflegen. Doch großer Irrtum, damals in Paris. Der Kellner nämlich, der da so obligatorisch in ihre Zielgerade gesetzt worden ist, der roch nämlich sowas von unverschämt erotisch, dass unsere Madame ganz rollig wurde. An den gut aussehenden Verlobten war das ja gar nicht mehr zu denken! Ob sah der Garcon noch nicht ein mal halb so gut aus, verführte er mit Charme und Geruch an seinem deobespraytem Hühnchenbody. Bow-chicka-wa-wa. [AV]

+/- 30 sek.

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[13.03] ?

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[22.03] Neulicht [24.03] Der elektrische Mönch [28.03] Fußball [05.04] RAINER MUß DRAN GLAUBEN

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is [26.03] not beauty¶  beauty is not love¶  love is not music¶  music is t h e b e s t …¶  frank zappa

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information is not knowledge¶  knowledge is not wisdom¶  wisdom is not truth¶  truth is [27.03] not

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Der [05.04] f端r ein lebewesen typischen und wesentlichen lebensfunktionen

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der tod ist [06.04] der

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er [07.04] lust

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58

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dauerhafte und endgül [10.04] tige

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58

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Schon länger hatte Rainer so ein Gefühl. »Wer bist du – und was schleichst du hinter mir her?« »Schön, dass du mich endlich bemerkst«, sagte der Tod »ich bin der Tod.« Rainer erschrak. Das konnte man ihm nicht übel nehmen. »Und jetzt kommst du mich holen?« »Ich bin schon in deiner Nähe, solange du lebst – nur für den Fall.« »Für den Fall?«, fragte Rainer. »Na falls dir etwas zustößt. Ein schlimmer Schnupfen, ein Unfall – man weiß nie.« »Und dafür sorgst du jetzt?« »Für den Unfall sorgt schon das Leben, wie auch für den Schnupfen und all die anderen Dinge, die euch Schafen so zustoßen. Ich sag nur: Wolf.« Daran mochte Rainer nicht einmal denken. Der Tod lächelte ihn freundlich an. Eigentlich war er nett, wenn man davon absah, wer er war – sogar ziemlich nett. »Wollen wir zur Wiese?« fragte Rainer. Das hatte der Tod befürchtet. Nach einiger Zeit musste sich der Tod eingestehen, dass seine Liebe zum Grasen Grenzen hatte. »Verzeih bitte«, sagte er, »ich muss diesen frisch grünen Ort verlassen.« »Ist dir kalt?«, fragte Rainer. »Soll ich dich wärmen?« Ein solches Angebot hatte ihm noch niemand gemacht. Sehr früh am nächsten Morgen wachte Rainer als Erstes auf. »Ich bin nicht gestorben!«, dachte er bei sich. Er stieß den Tod in die Seite. »Ich bin nicht gestorben!«, mähte er hoch zufrieden. Der Tod hob den Kopf: »Das freut mich für dich«, sagte er und reckte sich. »Wenn ich nun aber gestorben wäre …?« »Dann hätte ich nicht ausschlafen können«, gähnte der Tod. Das war nicht nett, fand Rainer. Obwohl er sich vorgenommen hatte, von nun an nichts mehr zu sagen, wurde er bald wieder gesprächig: »Manche Schafe sagen, dass man zum Engel wird und auf einer Wolke sitzt und runter auf die Erde gucken kann.« »Gut möglich«, sagte der Tod. »Was machen wir heute?«, fagte er gut gelaunt. »Heute gehen wir mal nicht zur Wiese«, sagte Rainer. »Lass uns etwas wirklich Aufregendes machen.« Der Tod war erleichter. »Auf einen Baum klettern?«, fragte er spöttisch. Tief unten war die Wiese zu sehen. Wie sie so da lag, so ruhig – und so einsam. »So ist es also, wenn ich tot bin«, dachte er. »Die Wiese – allein. Ganz ohne mich.« Der Tod konnte manchmal Gedanken lesen. »Wenn du tot bist, ist auch die Wiese weg – zumindest für dich.« »Weißt du das genau?« fragte Rainer erstaunt. »So genau, wie man etwas wissen kann«, sagte der Tod. »Das ist tröstlich, dann muss ich ihr nicht nachtrauern, wenn …« »… du gestorben bist«, sagte der Tod. Über das Sterben zu reden fiel ihm leicht. »Lass uns runterklettern«, bat ihn Rainer nach einer Weile, »auf Bäumen kommt man auf seltsame Gedanken.« In den nächsten Wochen waren sie immer seltener bei der Wiese. Die meiste Zeit saßen sie irgendwo im Stall und redeten wenig. Als ein kühler Wind ihm durch das Fell fuhr, fror Rainer zum ersten Mal. »Mir ist kalt,« sagte er Abends. »Willst du mich ein bisschen wärmen?« Zarter Schnee schwebte in der Luft. Etwas war geschehen. Der Tod betrachtete Rainer. Er atmete nicht mehr. Er lag ganz still. Er strich ihm durch das Fell und legte sich neben ihn. Sanft bedeckte der Schnee ihre Körper. Lange schaute er ihn an. Als Rainer unter dem Schnee nur noch zu erahnen war, schien der Tod fast ein wenig berührt. Aber so war das Leben.  [LR]

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[11.04] Vollmond [13.04] [23.04] [01.05] [11.05]

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Domenico di Bari, „Da nulla si scava nulla“ Der Aberglaubenguide Geistiger Juckreiz http://cgi.ebay.de/Ideales-Geschenk-Klaus-mein-imaginaerer-Freund

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Domen Danua si scav l m [13.04] ondoÂť.

il marito da musica

Mann der Musik

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nico D alla va Domenico di Bari: «la musica è [14.04] in g

Domenico di Bari, ein Ausnahmekünstler, der in Italien kürzlich für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde und zu den einflussreichsten Musikern des Landes zählt. In seiner Heimat als Megastar gefeiert, genießt

er es hierzulande noch unbekannt durch die Straßen seines Zweitwohnsitzes Berlin zu schlendern und sich auf einen Kaffee in seinem Lieblingsrestaurant niederzulassen. Eine Zusammenarbeit mit der deutschen

Schlagerband Hit Company soll jedoch Anfang 2008 den Grundstein für eine ähnlich erfolgreiche Karriere in der Bundesrepublik, Österreich und Schweiz legen. Dem selbsternannten «marito da musica», welcher

sich sympathisch medienscheu und zurückhaltend gibt, geht es hierbei nach eigenen Aussagen schon lange nicht mehr um Ruhm und Anerkennung, vielmehr möchte er den Menschen, die seine Musik mögen einige

schöne Momente in ihrem Leben schenken. So verwundert es nicht weiter, das der mittelständige Barianer

viele seiner Lieder, welche meist in Kollaborationen mit anderen hochkarätigen Musikern entstanden, kos– tenfrei über das Internet zum Download zur Verfügung stellt. Wir haben den Italiener auf dem Landsitz

seiner Mutter, ungefähr zwanzig Kilometer südöstlich von Bari besucht und ihn über seinen musikalischen

Werdegang und aktuelle Projekte befragt.

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«la [15.04] musica è in grado di collegare i

Bereits auf der Hinfahrt zum Anwesen der Familie di Bari ein friedvolles Bild. Angekommen weißt uns ein schmaler, kieseliger Pfad, gesäumt von lang gestreckten Olivenhainen und prächtig blühenden Zitronen– bäumen den Weg bis zum schmiedeeisernen Tor des Landsitzes. Domenico, scheint bereits auf uns gewartet zu haben und bittet uns gleich zu Italienischer Wurst, Antipasti und einem gutem Schluck Wein auf die weitläufige Terrasse. Mit Blick auf das überwältigende Anwesen erzählt uns di Bari von seinem einzigartigen Werdegang als Künstler und gibt bereitwillig Auskunft über aktuelle und geplante Projekte. Geduldig und mit einer Gelassenheit die den Italienern wohl angeboren sein muss, beantwortet er uns alle ihm gestellten Fragen der Redaktion.

Domenico di Bari wurde 1940 in einem kleinen Vorort von Bari als unehelicher Sohn eines griechischen Hafenarbeiters und einer italienischen Edeldame geboren. Schon in frühester Jugend suchte er den Kontakt zur Musik und fand ihn in seinem ersten Blockflötenkurs bei signore Pappardellé, bekannt durch die Oper «il flautista». Nach dem Abschluss der mittleren Reife arbeitete Domenico mehrere Jahre in verschiedenen Branchen außerhalb der Musik, wobei er seine Leidenschaft nie ganz aus den Augen verlor und weiterhin wöchentlich in einer Strip–Bar in seinem Heimatort Klarinette spielte. Gerade diese Jahre sind es, die den Mensch und Künstler Domenico di Bari stark geprägt haben. «Besonders erinnere ich mich da an ‹Baumstamm Rapha›, ein Mann, groß wie ein Bär, aber mit einer fragilen und verzaubernden Stimme wie eine Lerche an einem erwachenden Früh– lingsmorgen». Diese Ambivalenz des Lebens, das Leichte im

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Schweren und das Schöne im Schauderhaften findet sich in vielen Liedern des sympathischen Italieners wieder. Seine Lieder erzählen von dunklen, heruntergekommenen Hafenspelunken, in denen sich grobschlächtige Hafenarbeiter mit literweise billigem Rotwein betrinken, während im Nachbarraum ein kleiner Junge dem Klavier zarte und unberührte Melodien entlockt. Sie erzählen von weinenden Müttern am Grab ihrer im Krieg ge– fallenen Söhne, deren Trauer aber gleichzeitig Zuversicht und Lebensmut ausstrahlt. So lassen seine Werke auch immer einen Funken Hoffnung und Freude durchblicken. «Für mich gehören Licht und Schatten untrennbar zusammen», nuschelt er zwischen zwei Bissen einer vorzüglichen Mailänder Salami, «Wie man auch die Blüte nicht von der Knospe und das Lachen vom Weinen trennen kann, so kann man auch die Freude und das Leid in der Musik nicht trennen, so ist das halt».

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l mondo». Domenico di Bari: «la musica è in grado di collegare i [16.04] l m

DOMENICO DI BARI IL MARITO DA MUSICA il flautista der Flötist

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Do [17.04] menico di Bari: ÂŤ

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musica è in grado di collegare il mondo». Dom [20.04] eni

Sein erstes Album «per sfizio» produzierte er mit 16 Jahren von seinem eigenen Geld. Es floppte. Tatsächlich hat er, wenn man seinen eigenen, augenzwinkernden Erzählungen Glauben schenken darf, genau zehn Alben verkauft. Drei an seine Freunde und sieben an seine Großmutter, die ihm aus Mitleid die Tonträger abkaufte. Dennoch war es für ihn ein persönlicher Erfolg. «Die eigene Musik auf einer Platte – das ist doch großartig», lacht er laut und schiebt sich ein weiteres Stück Salami in den Mund. Obwohl die Musik alles im Leben von Domenico di Bari war, sah er sich nun gezwungen eine Arbeit zu finden, die ihm das tägliche Auskommen sichern konnte. Die Unterstützung seiner Eltern reichte schon lange nicht mehr, um eine eigene Musik– karriere zu starten. «Ich habe alles ausprobiert. Ich war in der Chemiebranche. Ich habe am Hafen Stahl verladen und bin mit alten kantigen Seemännern nachts zum fischen gefahren. Ich habe sogar kurzzeitig Blumen importiert». Warum er dann genau bei der Vogelpfeifenproduktion hängen geblieben ist, weiß er selbst heute gar nicht mehr. Doch gerade dieser Job sollte die nächsten Jahre seines Lebens bestimmen. Nachdem die Steuerbehörden 1972 jedoch Unregelmäßigkeiten im Verlauf seiner Jahresbilanz feststellten, wurde er zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Domenico saß die Strafe ab, da er ohnehin nicht viel Kapital besaß um sich freizukaufen. Doch gerade dieser Schicksalsschlag sollte für ihn die Befreiung aus seinem bisherigen Leben sein. Im Gefängnis fand er wieder zurück zur Musik und schrieb einige seiner größten Hits, die er nach dem Aufenthalt im Gefängnis erfolgreich veröffentlichte. Hits wie «la lentiggine», «il vezzo» oder das unver– gleichliche «ho perso il mio portafoglio» stehen heute in Italien als Sinnbild für den Typ von Mensch, der sich gegen alle Hemmnisse und Widerstände seiner wahren Leidenschaft hingibt. Der kommerzielle Erfolg blieb nicht länger aus und di Bari veröffentlichte seine Alben «per madre», «mi fa male qui», «giorno per giorno» auf denen unter anderem Weltstars wie der indische Songwriter Bunjab Netu, der norwegische Folkstar Krister Tronda und das spanische Quintett Amigos del Sol mitwirkten. Trotz Des großen Erfolges seiner Musik trifft man ihn auch heute nicht an der Bar italienischer Luxushotels, sondern meist in einer der urigen Tavernen im Hafen von Bari. Beim Verdauungsspaziergang im Garten des Landhauses erzählt Domenico warum er das heruntergekommene, einfache Umfeld immer noch schätzt und liebt. «Mein Vater war Hafenarbeiter», erzählt er stolz, während der feine weiße Kalkarakies unter unseren Füßen knirscht und Domenico muss lachen, «Vielleicht ist es genau das was mich immer in die Hafenspelunken zieht: Ein starker, schwarzer Kaffee, das Gewühl und Gebrabbel der

Menschen, das ferne Tönen der abreisenden Handelsschiffe und der süßliche Geruch fischgebackener Cantuccinis. Ja! Ich glaube das nennt man Heimat». Warum seine Lieder in Deutschland bislang noch nicht so erfolgreich wie in Italien sind, ist für viele seiner Anhänger un– verständlich. Er habe sich nie darum gekümmert und war immer zufrieden mit dem was er hatte, so Domenico, während er auf einer alten, wackligen Holzbank unter einem schattenspenden– den Pinienbaum Platz nimmt. Doch es sei ihm eine Ehre nun mit einer der erfolgreichsten Schlagerbands aus Deutschland auch jenseits der Alpen eine CD zu veröffentlichen. Auf das Geld, den Erfolg und den Ruhm komme es ihm schon lange nicht mehr an, doch für neue, spannende Projekte sei er immer zu haben. «Ich mache nur Sachen, die mir Spaß machen, Dinge die mich erfüllen. Gedichte schreiben, ein bisschen malen, gut essen und natürlich Musik». Vor zwei Jahren traf Domenico auf einer Benefizveranstaltung in Bad Neuenahr zum ersten mal auf die Hit Company. Er war mehr oder weniger zufällig eingeladen worden und sollte einen Vortrag zum Verhältnis von Klassik und Schlager halten. Als der Abend jedoch länger und länger wurde und man ins Gespräch kam enstand die Idee einer musikalischen Zusammenarbeit. Klar ist, dass Domenico mit seiner Mischung aus Weltmusik, Schlager und Rock sein Publikum auch hierzulande verzaubern wird. 2002 veröffentlichte der heute 68 Jahre alte di Bari seinen ersten Gedichtband «da nulla si scava nulla». Da er sehr wenige Interviews gibt und auch sonst sehr medienscheu ist, bieten die Gedichte eine der wenigen Möglichkeiten tiefer in das Innere von Domenico di Bari zu schauen. Durch seine Verse scheint im– mer der fragile Kern eines unehelichen Sohnes durch, der ständig auf der Suche nach Liebe und Anerkennung war und diese in der Musik fand. Bei all den Höhen und Tiefen, seines bisher aufreibenden Lebens, spiegeln seine Gedichte, genau wie seine Lieder, immer das Menschliche und Bodenständige wieder. Wie ein kleines Kind bewegt er sich hier durch weißblühende Apfelgärten, in denen die Wespen vor dem azurblauen Himmel der toskanischen Landschaft einen friedvollen Tanz aufführen. In einem Augenblick sieht man bucklige, in sich zusammengesunkene Frau– en bei der Mandelernte, während graubärtige, schwere Arbei– ter Schüttgut im Hafen verladen. Im anderen Moment riecht man den herben Duft wildwachsender Kräuter und sieht in der Ferne große Öltanker am Horizont verschwinden. Domenico di Bari ist wie seine Lieder und Gedichte. Alle Versuche ihn treffend zu beschreiben müssen zwangsläufig scheitern, denn er ist wie ein aufgeschlagenes Buch aus dem das ganze Leben pulsierend hervortritt.

per sfizio

la lentiggine

il vezzo

aus Lust und Laune

die Sommersprosse

die Angewohnheit

ho perso il mio portafoglio

per madre

mi fa male qui

da nulla si scava nulla

ich habe mein Portemonnaie verloren

für Mutter

mir tut es hier weh

von nichts kommt nichts

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ch la m am

ica [21.04] è in grado di collegare il mondo». Domenico di Bari: «la musica è in

Von dem unendlichen Erfahrungsschatz und dem unvergleich– lichen Charisma Domenicos profitierte die hierzulande erfolgreiche Band Hit Company während der Aufnahmen der gemeinsamen Single. Fragt man Bernd Thelen, Gründungsmitglied der Band, nach der Zusammenarbeit, so bekommt man nur ein träumerisches Schwärmen als Antwort. «Ein Tag mit Domenico im Tonstudio ist wie eine Reise duch zwei Welten. Während er die Mondfinsternis beschwört, zeigt er einem gleichsam den schön– sten Sonnenaufgang. Denkt man in einem Augenblick seiner

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Lieder noch, dass der Weltuntergang nah ist, so kommt man sich im nächsten Augenblick vor als wäre man im Paradies. Es ist uns eine Ehre mit einem der größten italienischen Musi– ker ein Lied veröffentlichen zu dürfen, er ist ein Genie». Fragt man Domenico über die Anerkennung die ihm zu Teil wird, so winkt er nur müde lachend ab und sagt mit einem Satz, den man schöner nicht als Schlusssatz hätte formulieren können: «chi ama la musica ama la vita, è tutto!». chi ama la musica ama la vita, è tutto

quanto durerà

wer die Musik liebt, liebt das Leben, das ist alles

wie lange wird es dauern?

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hi ama musica ama la mondo». [22.04] Do

Der Erfolg des Ausnahmemusikers scheint demnach auch hierzulande vorprogrammiert. Wer sich schon jetzt ein Bild über die Fähigkeiten des Multitalentes machen möchte, der ist angehalten sein Profil auf

www.myspace.com/domenicodibari zu besuchen. Leider werden seine Alben nicht auf dem deutschen CD-

Markt angeboten. Allerdings ist es über das deutsche Management möglich bereits jetzt eine kostenlose

Demoversion der Hit Single «quanto durerà» inklusive der Instrumentalversion zu erhalten. Anfragen für die CD sowie Autogrammwünsche sind an folgende Mailadresse zu richten: domenicodibari@gmx.de. [PL]

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h [11.05] | Ausdenken war besser.

http:// cgi.ebay.de/ Ideales Geschenk Klaus-mein imaginaerer Freund_ Bieten:

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Früher dachte ich | mir was aus. Jetzt denke ich [12.05] nac

Ein Mann versteigert seinen imaginären Freund in einer Ebay-Auktion Wieder eine dieser 1 Euro-EbayAuktionen, nur diesmal kommt nichts Gewöhnliches unter den Hammer. Ein Mann möchte anscheinend seinen abgelegten imaginären Freund loswerden. Folgenden Angaben hat er über seinen Ex-Imaginären Freund verfasst, um ihn möglicht gut zu bewerben: Klaus ist schon seit meiner Kindheit mein imaginärer Freund und ich habe in all den Jahren viel Spaß mit ihm gehabt. Wir haben Geheimnisse geteilt und so manchen Unsinn ausgeheckt. Später waren wir zusammen feiern, auf Konzerten (er liebt Rockmusik!) und bei Fußballspielen (er spielt auch selbst leidenschaftlich). Doch, wie das nunmal so ist, habe ich vor einigen Wochen meine absolute Traumfrau kennengelernt und nun ist es wohl Zeit für Klaus, auszuziehen. Er sieht das im Übrigen genauso wie ich, es hat also keinen Streit deswegen gegeben. Nun suchen wir für Klaus zusammen einen neuen besten Freund! Wir haben uns gedacht, dass dies hier bestimmt ein sehr effektiver Weg

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ist, und wir so auch schnell jemanden finden werden. Das Gute an Klaus ist auch, dass er sich den Wünschen und Ansichten seines neuen besten Freundes sehr gut anpassen kann, d.h. man hat selten Probleme miteinander und Streitigkeiten sind so gut wie ausgeschlossen! Ich werde Klaus sehr vermissen, aber vielleicht kann man ja gelegentliche Wiedersehenstreffen arrangieren, auch für den Ehrfahrungsaustausch usw. (kein Muss!) In diesem Sinne hoffe ich, dass Klaus schnell jemanden Neues finden wird! Vielleicht möchtest du ja einen neuen besten Freund...?

Artikelzustand: Gebraucht Zahlungshinweise des Verkäufers: Klaus kommt dann persönlich vorbei...Er ist schon groß und kann das auch alleine...Seine Koffer hat er gepackt und wartet dann nur darauf, dass ihn einer will. Quelle:http://cgi.ebay.de/Ideales-Geschenk-Klaus-mein-imaginaerer-Freund_W0QQcmdZView ItemQQcategoryZ40840QQitemZ 6229870885QQrdZ1

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Totem-Tier!

Kinder üben mit erfundenen Freunden gesundes Sozialverhalten

ren Zeiten, bei anderen Menschen mit einer anderen Weltanschauung. Aber das hilft uns heutigen Menschen vielleicht bei der Überlegung, daß nichts wirklich falsch oder richtig ist. Daß es Tausende und Abertausende von Möglichkeiten der Wahrnehmung gibt, des Empfindens von Realität und Sein. Was wir heute glauben, daß richtig und bewiesen ist oder sein muß — stellt sich vielleicht morgen schon als ganz verkehrt heraus.

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Erfundene Freunde sind für Kinder ganz normal; es handele sich um ein ganz normales Verhalten während der Entwicklung. Das haben britische und australische Wissenschaftler in einer Studie nachgewiesen: Unter den Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren hörten ein Drittel in manipulierten Tonbandaufnahmen einer menschlichen Stimme tatsächlich Wörter heraus. Die meisten

dieser Kinder erzählten anschließend, dass sie auch einen imaginären Freund hätten. Nach Ansicht der Forscher probieren die Kinder an ihm ihr Sozialverhalten aus: Sie bekommen und vergeben Lob und Tadel und merken so, was ihnen gut bekommt und was nicht. Ein imaginärer Freund ersetzt in diesem Alter oft das Gewissen, da Kinder mit diesem Abstraktum noch nicht umgehen können. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass solche Kinder später ein hohes soziales Einfühlungsvermögen haben. Wir Menschen der modernen westlichen Welt leben ja in einer ausgesprochen rationellen Welt. Das war aber nicht immer so, und ist auch bei anderen Völkern nicht so. Die Indianer Nordamerikas z.B. haben es für ganz normal gehalten, daß es Beschützer-Wesen in Tiergestalt gibt. Das waren alle möglichen Tiere, oft für eine ganze Familie oder einen ganzen Clan zuständig, über den sich der Familienverbund auch identifizierte. Aber auch für das Individuum gab es solch ein sogenanntes Totem-Tier. Junge Menschen, Männer wie Frauen, zogen zur Erwachsenwerdung zum Teil sogar aus, um sich eine Vision von ihrem ganz persönlichen TotemTier zu suchen. Das war nun natürlich zu ande-

¬ Artschibald ©

Dir Dein

„...Dass er so klein wie eine Bakterie wäre, hat mein Sohn von sich aus erzählt, auch dass er sich ab und zu versteckt. Ich denke, dass er ihn bewusst so klein gewählt hat. Eine Bakterie kann man mit bloßem Auge auch nicht sehen. Aber er kann es anscheinend schon...“ „...Der Kleine hatte zunächst ständig ein Reh in seiner Nähe. Man musste sehr aufpassen, dass man nicht die Tür nach ihm zu schnell zumachte und es einquetschte... „ „...Der „Hugobert“ wars! Meine Kinder benutzen ihn als Sündenbock, wenn keiner zugeben will, dass er/sie was angestellt hat...“

¬ Swan ©

Bewahre

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t [13.05] denke ich nach. Heute weiß ich | Ausdenken war besser.

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[17.05] Altlicht [21.05] 3 Doppelseiten Glück gebracht [27.05] Semana Santa – Die Heilige Osterwoche [12.06] HAB ICH MAL GEGLAUBT.

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e [21.05] in mensch oder ein tier dem abergl채ubische individuen gl체ckbringende kr채fte nachsagen

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gegenstand eine pflanze oder teile da [24.05] von 1,5 cm

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gla b [12.06] e bezeichnet man

1. EINLEITUNG

2. BADEWANNE UND DIE ÜBERFLUTUNG

3. UNHEIMLICHE MONSTER

4. HARALD UN

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an damals und ihm fällt ein: »Ja … ich wußte es nicht besser und hab' das seltsamerweise mal geglaubt.« Genau diese Erinnerungen interessieren mich. Also befrage ich diverse Menschen und dokumentiere deren kindliche Begläubnisse auf den zwei folgenden Doppelseiten. Die Namen, das Alter und das Geschlecht sind dabei frei erfunden.

Hmm … mit fünf Jahren glaubte ich, dass die Welt überflutet würde, wenn jemand, vor allem ich, die Badewanne zu lange laufen lassen würde … ich muss wohl im Fernsehen einen Bericht über eine Flutkatastrophe irgendwo auf der Welt gesehen haben. Als meine Mutter mich dann das nächste Mal baden wollte, war ich vollkommen hysterisch als sie das Wasser andrehte. Ich schrie, tobte, welzte mich auf dem Boden, flehte sie an das Wasser endlich abzustellen und mich bloß nicht alleine zu lassen … das ging so, bis ich sieben Jahre alt war. Keine Ahnung, warum ich heute keine Angst mehr habe. ich glaube, ich hab es igendwann einfach vergessen… Matthäus, 18

Wenn ich Abends noch im Bett lag und alleine meine Kinderbücher las, glaubte ich bei Seiten auf denen etwas für mich wirklich schrecklich Gruseliges stand, dass dieses Gruselige, sei es eine böse Hexe oder ein unheimliches Monster, aus der Seite hinauskäme, wenn ich diese berührte. Also entwickelte ich diverse Möglichkeiten berührungsfrei auf die nächste Seite zu kommen. Außerdem war es höchst wichtig, die gruselige Stelle unbedingt zu Ende zu lesen. Ansonsten hätte die Hexe Nachts die Möglichkeit aus dem Buch zu klettern. Lukas, 27

Früher habe Harald gespi und konnte s früher in die Heute wunde war ich der f gendwann, ic ten, Harald e würde … Bis heute wa immer noch e Samuel, 35

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die jenseits wissenschaftlicher erklärungsmuster lie [13.06] gen

4. HARALD UND DIE ZUKUNFT

5. MITTWOCHABEND

6. BEDINGUNGSLOSE LIEBE

Früher habe ich immer mit meinem Nachbarn Harald gespielt. Er war ein Jahr älter als ich und konnte schneller Fahrrad fahren, durfte früher in die Schule … Heute wundere ich mich darüber, aber früher war ich der festen Überzeugung, dass ich irgendwann, ich müsste nur lange genug warten, Harald endlich mit dem Alter überholen würde … Bis heute warte ich vergeblich und Harald ist immer noch ein Jahr älter als ich. Samuel, 35

Bei uns im Nachbardorf gibt es eine Hütte, um die so Pappeln wachsen. Früher dachte ich, dass von da die Tage kommen. Also, nicht die Menstruation, sondern die Wochentage. Die sind von da aus zu uns nach Hause geflogen. Besonders an die Donnerstage kann ich mich noch gut erinnern, so grün irgendwie und ein bisschen durchsichtig. Keine Ahnung, was ich mir dabei gedacht hab … Mose, 38

Ich glaube bis Heute, dass Stofftiere sehr traurig sind, wenn sie des Nachts unliebsam auf dem Boden zurückgelassen werden. Früher räumte ich also alle meine Stofftiere und auch die meiner Geschwister ordentlich und pflichtbewusst ins Bett, deckte sie mit meiner Bettdecke zu und erzählte ihnen,wenn ich es für angebracht hielt, eine Gutenacht∙Geschichte. Es ging soweit, dass ich machmal selbst nicht mehr ins Bett passte und auf dem Boden schlafen musste. Heute würde ich nicht mehr so weit gehen. Außerdem ist mein Stofftierbesitz enorm minimiert. Ich kann es allerdings immer noch nicht ertragen, wenn man mit hilflosen Stofftieren lieblos umgeht! Jeremia, 41

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g [14.06] liche vorstellungen von

7. DER JUNGE OHNE FLÜGEL

8. »DANKE«

Als ich vielleicht zehn Jahre alt war, empfand ich es als durchaus gerechtfertigt den Fliegen meiner Umgebung die Flügel zu entfernen. Ich war der Meinung, dass es nur fair wäre, wenn sie, so wie ich auch, nur laufen könnten. Vermutlich war mir schon klar, dass ich das Tier bös­­­­­­­­­artig quäle … allerdings habe ich diesen Gedanken geschickt verdrängt. Paulus, 42

In dem Garten meiner Tante befand sich eine kleine Hütte hinter einer hohen Hecke. Ein Schuppen voller Werzeuge: einem Rasenmäher, Sägen … eben lauter Dingen, die für kleine Kinder nicht zum spielen geeignet sind. Meine Tante teilte also meiner Cousine und mir mit, dass niemand, vorallem wir nicht, diese Hütte betreten sollten, weil es gefährlich sei. Wir waren frech, ungezogen, aber vorallem neugierig und kletterten heimlich durchs Fenster und spielte in der Hütte »Jäger und Schwein«. Uns fiel auf, dass Dinge ihren Ort wechselten und wir waren nach einigen Beobachtungen der festen Überzeugung, dass hier jemand oder irgendwas wohnen musste! Niemand durfte diese Hütte betreten … wir nicht, die Katze nicht, meine Tante und der

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9. AUSGEDAC Onkel nicht … niemand eben. Und wo war dieser jemand oder irgendwas tagsüber? Wir recherchierten intensivst mit großem Mut. Nennenswerte Ergebnisse liegen allerdings nicht vor … Davon abgesehen empfanden wir die Hütte als sehr unaufgeräumt und haben entschlossen etwas Ordung in das Gerümpel zu bringen. Später fanden wir dann einen Zettel auf dem »DANKE« stand. Da war uns klar, hier lebte jemand oder irgendetwas! Aus Respekt, aber vor allem aus Angst vor dem Unbekannten, betraten wir den Schuppen nie mehr … Jakobus, 49

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9. AUSGEDACHT UND ABGEPACKT

10. DER FUCHS MACHT KAFFEE

11. ELFENZAUBER

Vermutlich haben bereits viele Kinder zuvor, so denn es schon das Fernsehen gab, solch einen Unsinn geglaubt … trotzdem war es für mich ein unglaubliches Erlebnis, als ich erkannte, dass die Welt in Filmen, nicht wie ich dachte, frei erfunden war … sondern wirklich irgendwo in den USA oder auf den Phillipinen existierte. Ich war sehr verwundert. Wie konnte es wirklich so etwas wie Palmen auf dieser Welt geben? Markus, 55

Wenn ich im Auto saß und wir fuhren irgendwo hin und der Wald lag im aufsteigenden Nebel, dann glaubte ich die Füchse würden Kaffee kochen. Johannes, 58

Im Winter passiert‘s manchmal, dass sich in der Nacht Rauhreif an allem bildet: Bäume, Gras, Haus, Auto, Büsche, Felder und Sperrmüll … als Kind glaubte ich dann immer, dass jemand (vielleicht Gott oder irgendwelche Elfen) durch unser Dorf gelaufen sind. Dann habe ich also mir überlegt, aus welchem Grund er/sie dies getan haben könnten. Es gab dabei verschiedene Ansätze, die hier zu weit führen würden. Irgendwann erklärte mir mein Vater, ohne das ich gefragt hatte, dass es sich um ein Naturereigniss handle … Ich habe ihm nicht geglaubt. [LR], 62

ngst vor dem Schuppen nie

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