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news us em huus QDZ Künzle-Heim & Huus Emmersberg

Ausgabe Nr. 14 / Juni 2014

• Austausch zur ambulanten und stationären Betreuung • Bewohnerportrait • unvergessliche Ausflüge mit Eva Trahearn


EDITORIAL Heute sind es genau 150 Tage, seit ich im QDZ meine Tätigkeit als Leitung Hauswirtschaft begonnen habe. Obwohl ich von meiner Vorgängerin, Andrea Wetter, eine vorbildliche und gut funktionierende Hauswirtschaft übernommen habe, fing der tägliche Schwimmkurs an. Was ist wo, wer mit wem, was zu was, Name über Name… Uff! Und obwohl 150 Tage vergangen sind, lerne ich jeden Tag noch eine Menge dazu. Ob mir mein Job Freude macht? Ich glaube, das sehen Sie an meinem Strahlen, wenn ich durch die Korridore sause, ja, ich liebe meinen Job und das QDZ ist ein guter Ort, meine Leidenschaft zu leben.

Ich schüttelte den Kopf und klagte Maria meine Misere. Noch heute sehe ich das Schmunzeln, das ihr Gesicht überzog, als sie mir sagte: „Mach dir keine Sorgen und lass mich das regeln, geh du jetzt ins Büro und mach deine Arbeit.“ Etwas überrascht und gwundrig ging ich meiner Wege und fragte mich gleichzeitig, wie Maria dies bewerkstelligen wollte? Nur wenige Minuten später rauschten an meinem grossen Bürofenster vier Frauen meiner Truppe vorbei. Sie hatten einen wildentschlossenen Zug um ihre Mundwinkel und waren bewaffnet mit Reinigungsmitteln und Putzlappen. Aha, da war etwas im Busch! Zweieinhalb Stunden später standen genau diese vier Frauen in meinem Büro und verkündeten mit einem verschmitzten Freudenstrahlen: „Chefin, eine Wohnung ist fertig, du kannst sie kontrollieren kommen.“ Ich war platt und den Tränen nahe, denn ich wusste, das war der Beweis meiner Mitarbeitenden, dass wenn ich in Not war, sie alles unternehmen würden, um mir zu helfen; ich war tief gerührt!

In der Anfangsphase einer neuen Führungskraft gibt es immer einen Punkt, an dem es sich beweist, ob das Team hinter der Führungsperson steht oder eben nicht. Bei mir zeigte sich dieser Punkt so: Seit längerem fielen Mitarbeitende in der Hauswirtschaft aus und die Situation wurde immer prekärer. Gleichzeitig - nebst der täglichen Arbeit - mussten diverse Alterswohnungen und Bewohnerzimmer im Künzle-Heim gründlich gereinigt werden. Auf gut Deutsch, die Arbeit wuchs ins Unermessliche und die Mitarbeitenden schwanden nur so dahin. Die Zeit drängte, denn die vier Alterswohnungen mussten auf Ende Monat gereinigt sein, die neuen Mieter hatten die Zusage zum Einzug. Ich wusste weder ein noch aus und hatte eine schlaflose Nacht. Am folgenden Morgen kam ich ins Künzle-Heim und musste etwas verknittert ausgesehen haben, denn eine Mitarbeiterin, die mir über den Weg lief, fragte: „Nicola, geht es dir gut?“

Am Abend dieses Tages, als ich mich anschickte nach Hause zu gehen, traf ich Maria wieder, sie grinste als sie mich sah und sagte: „Wenn du Probleme hast, dann musst du nur uns alten Hasen fragen, wir wissen wie der Hase läuft.“ Ich lächelte zurück, legte ihr eine Hand auf die Schulter und sagte: „Danke, danke tausend Mal, ihr habt mich gerettet.“ Die vier Wohnungen sind alle termingerecht fertig geworden, dank dem Effort meiner Mitarbeitenden! Und wenn ich heute ein Problem habe, dann gehe ich die alten Hasen fragen, die wissen meist Vieles besser als die Chefin J! Mit einer grossen Dankbarkeit und Hochachtung an mein tolles Team!

Nicola Aschwanden, Leitung Hauswirtschaft 2


M I T A R B E I T E R I NNEN UN D M I T A R B E I T E R Herzlich willkommen!

Alles Gute für die gemeinsame Zukunft!

Mai 2014

Wir gratulieren Evelyn Iselin (Becher), Pflegeassistentin, herzlich zur Hochzeit!

Andrea Benz Mitarbeiterin Hauswirtschaft und Pflege Spitex-Team

Hurra, Nachwuchs! Wir freuen uns mit... ... Sonja Schibli, Assistentin Heimleitung, über die Geburt von Gwen am 5. April 2014 ... Rahel Müller, Fachfrau Pflege und Betreuung, über die Geburt der Zwillinge Elina und Laurin am 9. April 2014

Angela Friebe Gruppenleiterin Hauswirtschaft

Adieu und alles Gute! Urs Burri Koch (temporär) Liselotte Meile Mitarbeiterin Hauswirtschaft Spitex-Team Robel Tesfagiorgis Auszubildender Fachmann Betriebsunterhalt

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P O R T R A I T Ella s c h illi n g Grüezi mitenand!

Als unsere vier Kinder auf die Welt kamen wurde ich zur Hausfrau. Immer wieder fuhren wir mit dem Auto und der ganzen Familie in meine polnische Heimat in die Ferien. Das einfache Kleinbauernleben mit zwei Hektaren Land war für meine Eltern befriedigend. Südlich von Krakau und Zakopane ist die Gegend ähnlich wie hier - hügelig und umkreist durch die Karpaten. Die Fahrten über Österreich und die Slowakei waren lang und sehr bereichernd. Die vielen Wanderferien in den Alpen sowie das Zelten am Atlantik (Frankreich) bereicherten das Zusammenleben unserer Familie. Der Kontakt zu meinen polnischen Wurzeln besteht weiterhin, aber nicht mehr so intensiv wie früher.

Als ich im Herbst 1981 zu Besuch in die Schweiz kam wusste ich noch nicht, dass diese zu meiner zweiten Heimat wird.

Vor acht Jahren fing ich mit meinem künstlerischen Hobby an. Zuerst mit den Scherenschnitten und wenig später mit den Collagen. Ich durfte zwei Mal an der bekannten „Ernte“ Ausstellung im Museum zu Allerheiligen teilnehmen. In diesem Hobby finde ich einen Ausgleich zwischen der Familie und dem Berufsleben.

Wegen des Kriegsrechts in Polen, ausgerufen durch General Jaruzelski, konnte ich nicht wieder wie ursprünglich geplant an Weihnachten zurück fliegen. Bald darauf bekam ich hier eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung. Eine Arbeitsstelle in der Pflege fand ich schnell. Trotz Ausbildung als Krankenschwester schätzte ich die mir gegebene Chance, als Pflegeassistentin zu arbeiten, sehr. So kam ich beruflich erstmals in Kontakt mit der Alterspflege. Die ersten Eindrücke in der Schweiz waren: Sehr gute Arbeitsorganisation, Fleiss und eine sehr „komische“ Sprache – den Schweizer Dialekt. Ich lernte meinen Mann Walter kennen und wir heirateten. Im Kantonsspital Schaffhausen erreichte ich die Registration meines polnischen Diploms als Krankenschwester. Im Jahr 1984 arbeiteten am KSSH Schaffhausen (auch) viele ausländische Pflegekräfte, besonders aus Holland und Schweden. Damals war der Chefarzt der Medizin Dr. Uehlinger und der Chefarzt der Chirurgie Dr. Ganzoni. Die Arbeit im Kantonsspital bereitete mir Freude, nicht zuletzt wegen des guten Arbeitsklimas.

Scherenschnitt 2005

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Collage 2009 zu Besuch. Sie erwarten für ihre Angehörigen einen Ort der Geborgenheit. Das Familiäre ist eine wichtige seelische „Nahrung“ für uns alle.

Seit sieben Jahren arbeite ich wieder in der Alterspflege. Ja, ich arbeite gerne hier. Es ist eine Tatsache, dass wir Pflegende immer mehr mit den Demenzerkrankungen konfrontiert werden. Es ist hier wichtig, dass die Pflegekräfte professionell handeln können. Durch die permanente Weiterbildung in diese Richtung wird das gewährleistet. Die besten Werkzeuge in der täglichen Arbeit sind für mich: Gesunder Menschenverstand, Fantasie, Humor und Flexibilität.

Jetzt sind unsere Kinder in der beruflichen Ausbildung. Den Patriotismus habe ich inzwischen im Blut. Die Schweiz ist mein Heimatland. Oft ertappe ich mich bei einer Abstimmung, dass ich patriotischer handle als die ganze Familie! Ja wir leben in einem schönen Land!

Tagtäglich werde ich mit den Biographien unserer Bewohnerinnen und Bewohner konfrontiert. Jahrgang 1922 oder 1928 das sind doch die Jahrgänge meiner Eltern, so alt wären sie jetzt! Meine Biographie und die Biographie unserer Bewohnerinnen und Bewohner verschmelzen in der täglichen Arbeit, werden eins und menschlich. Tagtäglich kommen die Familienmitglieder, ob Ehefrau, Ehemann, Tochter oder Sohn,

Uf Wiederluege!

Ella Schilling, Fachfrau Pflege und Betreuung QDZ Künzle-Heim

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s c h n itt - od e r n a h t s t e ll e n z w i s c h e n d e r Rosmarie Schürmann, Fachfrau Pflege und Betreuung im QDZ Künzle-Heim, begleitete Heike Gauss, Fachfrau Pflege und Betreuung Spitex-Team, einen Morgen lang bei ihrer Arbeit bei verschiedenen Klienten zu hause. Heike Gauss revanchierte sich damit für ihren Einblicktag in die stationäre Pflege im QDZ Künzle-Heim.

der entsprechenden Spitex-Pflegeperson. Auch für uns auf der Station ist Vertrauen schaffen zum neuen Bewohner, zur neuen Bewohnerin und deren Angehörigen etwas vom Wichtigsten. Es soll eine von beiden Seiten geschätzte Beziehung entstehen.

Frau Schürmann und Frau Gauss haben sich dabei über die Unterschiede in der ambulaten und stationären Pflege ausgetauscht und dies gemeinsam für die „News us em Huus“ zu Papier gebracht.

H. Gauss: Je grösser die Einschränkungen der betreffenden Person, desto grösser die Gefahr. Im Entstehen des Demenzkonzeptes der Spitex entstanden aus diesem Grund Vereinbarungen mit den Spitälern, den städtischen und privaten Heimen Schaffhausen. Diese sehen für einen Heimeintritt vor, dass die Bezugspflegende der Spitex die Person den zukünftigen Pflegenden anhand ihrer Biografie und der individuellen Pflegeplanung vorstellt und sich für auftauchende Fragen nach dem Eintritt anbietet.

Lebendige Beziehungen sind Lebensqualität.

H. Gauss: Ich habe mich sehr gefreut, dass Rosmarie Schürmann mein Angebot, mich für die Möglichkeit - jene eines Einblicktages im Heimbereich des QDZ – mit einem in die Spitextätigkeit zu revanchieren, annahm.

Die Umsetzung gestaltet sich von Institution zu Institution verschieden, sinnhaft und wirksam wirkt sie zweifellos. In Rücksprache mit den Angehörigen dementer Menschen begleiten wir als vertraute Bezugspersonen diese Menschen mittels Besuchen nach dem Institutionseintritt bis zu ihrem „Ankommen“ nach Möglichkeit weiter.

Solch ein gegenseitiger Einblick ermöglicht Kennenlernen und Verstehen. Und dies nun kann die Veränderung von Schnitt- zu Nahtstellen unterstützen, den Übertritt an einen anderen Ort; z.B. von Zuhause in eine Institution. R. Schürmann: Ein sich Gewöhnen an Hilfe von Dritten ist ein Lernprozess. Beginnt er in den eigenen vier Wänden ist die Fremdbetreuung, falls später ein Heimeintritt unumgänglich wird, schon einmal etwas bekannt. Ein Eintritt ist anspruchsvoll genug. Nur schon die neuen optischen und für höreingeschränkte Menschen auch akustischen Eindrücke. Die vielen neuen Kontakte; Pflegepersonal, Hauswirtschaftspersonal und die Mitbewohner/innen. Da sind wohl die Meisten am Anfang überfordert. Ein Übertritt erfolgt nicht ohne die wertvolle Zusammenarbeit mit 6


a m b u la n t e n u n d s tatio n ä r e n b e tr e u u n g Nun möchte ich gerne Rosmarie Schürmanns „Nahtstellenerlebnisse“ während ihres Austauschtages bei der Spitex wiedergeben und sie nicht unkommentiert lassen:

rungen in Bewegung und muss sich immer wieder neu ausbalancieren. Der Rollenbelastung - dem Risiko der Überlastung der pflegenden Angehörigen - tragen wir Sorge. Wir vernetzen uns mit dem sozialen Netz telefonisch, per Mail und mit Standortgesprächen.

R. Schürmann: Jahreszeitabhängige Strassenverhältnisse erschweren teilweise in den Quartieren die Erreichbarkeit der Kunden.

R. Schürmann: Einblick ins intime Familienverhältnis.

H. Gauss: Frühling und Herbst sind die „idealen Spitzenzeiten“, der Winter stellt mit den immer im Freien stehenden Autos eine echte Herausforderung dar. Da gibt es Türen, die sich nicht schliessen lassen, Scheiben, welche nach wenigen Metern Fahrt von innen vereisen… Immer schön, wenn wir zum Scheibenkratzen dann noch jemanden dabei haben, danke Rosmarie.

H. Gauss: Das braucht Vertrauen, immer wieder schön, wenn es uns entgegengebracht wird. R. Schürmann: Diese Dienstleistung ermöglicht Menschen jeden Alters, die plötzlich oder schleichend auf Hilfe angewiesen sind, sei es für einige Tage nach einem Spitalaufenthalt oder über Jahre, in ihrer privaten Umgebung bleiben zu können. In der Familie, beim Lebenspartner oder auch alleine, wo man sich zurückziehen kann und über sein „Reich“ alleine verfügt. Ich denke, dass es schwer ist, das erste Mal der „fremden Hilfe“ die Türe zu öffnen. Die dann ins Privatleben eindringt, ihre Wäsche wäscht, das Geschirr spült, ihre Möbel pflegt. Oder es geht um die Körperpflege, die man plötzlich nicht mehr selbstständig bewältigen kann - also noch näher, intimer.

R. Schürmann: Neuer Kunde, neues Arbeitsumfeld. Teilweise sehr eng. So sind Mobilisationshilfsmittel bedingt einsetzbar. Improvisation ist das A und O. H. Gauss: Ja, Kinästhetik hat bei uns sehr früh Einzug gehalten, daneben fördern und erhalten wir die Beweglichkeit und Kraft unserer Klientinnen und Klienten sehr gezielt. Der Erhalt dieser Fähigkeiten stellt einen grossen Baustein dar, mit welchem wir den Wunsch, möglichst lange in der gewohnten Umgebung leben zu können, unterstützen.

Die Spitex muss alleine arbeiten können und wollen. Gutes Überdenken welches Material mitgenommen werden muss ist enorm wichtig.

R. Schürmann: Miteinbezug der oft anwesenden Angehörigen. Auch zusätzlichen Beistand leisten und Sicherheit geben (eigentlich teilweise eine zusätzliche Betreuung).

H. Gauss: Der Einstieg in die Spitexarbeit ist unmittelbar nach der Ausbildung nicht empfehlenswert. Nebst Fachwissen bedarf es Erfahrungswissens. Wenn der persönliche berufliche Schwerpunkt Beziehungspflege ist, so ist die Spitex ein spannendes Arbeitsfeld, welches viel Möglichkeit zu Tiefe und Kreativität bietet.

H. Gauss: Spitex arbeitet familienergänzend, wobei sich hier im Vergleich zu meiner Anfangszeit sehr viel Wandel vollzogen hat und fortdauert. Familie, Freunde, Nachbarn - das gesamte soziale Netzwerk stellt für unsere Klientinnen und Klienten ein wichtiges Potential dar. Und da gerade Familien ähnlich einem Mobile verbunden sind, gerät das ganze Gefüge bei Verände-

-> weiter auf Seite 8 7


R. Schürmann: Von diesem einen Morgen hatte ich den Eindruck, dass ihr etwas mehr Zeit habt als wir für die Pflege des einzelnen Kunden. Vielleicht täuscht dieser Eindruck, da du extrem ruhig und effizient die Menschen betreut hast.

Alltag. Die Spitexkraft muss fähig sein, die Kunden einzuschätzen. Wo liegen unausgesprochene Anliegen, Ängste und Hemmungen, um dann eine vertraute, offene Beziehung aufbauen zu können. H. Gauss: Ich erinnere mich im Zusammenhang mit diesem gemeinsamen Arbeitsmorgen an viele dieser Faktoren bei Rosmarie Schürmann, ich sah den Wert der Neugier, mit welchem sie in Beziehung trat zu den Klientinnen und Klienten. Die Erkenntnis der Kraft von Ressourcen indem sie Fragen an mich stellte und die Möglichkeit Neues zu erfahren aktiv wahrnahm. Da war Respekt vor den Wünschen der Klientinnen und Klienten, sie hörte jeweils genau zu, passte ihre Begleitung bei einer eher ablehnenden Begegnung an einer Haustüre so an, dass der Klient seine Überforderung schnell überwand. Sie erfasste das Wesentliche, es gab keine unnötige Verkompliziererei in den Kontakten und der Zusammenarbeit.

H. Gauss: Die Gesundheitskosten steigen, der Druck wächst, das Belegen unserer Leistungen gestaltet sich zunehmend zeitaufwändiger. Der Druck bewegt sich von oben nach unten, am Ende steht die Klientin, der Klient. Wir sind uns dessen sehr bewusst. Zu Beginn einer Pflegesituation wenden wir viel Zeit für die Abklärung von Bedarf, Bedürfnissen, Gewohnheiten, Möglichkeiten usw. der betreffenden Person und ihres Umfeldes auf. Wir versuchen, einen Boden in Form tragfähiger Beziehungen zu gestalten – Vertrauen benötigt Zeit – hieraus resultiert ein Pflegebedarf, welcher nicht selten die von den Kassen gesetzten 60 Stunden fürs Quartal überschreitet. Langfristig lohnt es sich jedoch oft, am Anfang „Zeit zu verlieren“, um diese später in Form einer stabilen Situation wieder zu gewinnen. Hier ergäbe sich sicher ein Feld für eine spannende Studie.

Ich habe das Einblick nehmen und Einblick geben sehr geschätzt und mich über die „Nahtstelle“, die es bedeutete, gefreut.

Heike Gauss und Rosmarie Schürmann

Und jetzt bin ich bei den „weichen Faktoren“ angelangt. Ergänzend zu den „harten Faktoren“, welche unter anderem die Infrastruktur mit Baulichkeit, Küche, Therapie- Freizeitangeboten und vielem mehr betreffen, sind es diese weichen Aspekte, die nicht offensichtlich sichtbar, nicht messbar und doch so wesentlich für den „guten Geist“ einer Institution sind. Sie sind zu erleben in Form von Beziehungsintelligenz, Intuition, innerer Beteiligung, einen lernend bleiben lassen und den besten Schutz vor beruflichem Ausbrennen bieten. R. Schürmann: Die erste Kontaktaufnahme ist wohl der wichtigste Moment für die spätere vertrauensvolle Beziehung zum Kunden. Jeder Kunde hat eine andere Biographie, Lebenseinstellung und anderen 8


B EW O HNE R I NNEN UN D B EW O HNE R Herzliche Gratulation zum runden Geburtstag! Wir nehmen Abschied April 2014 2. April 1929

Mezger Karl

9. April 1934

Steinmetz Anneliese

21. April 1939

Baudin Yvette

29. April 1924

Laich Ernst

Mai 2014 6. Mai 1919 10. Mai 1924

Oeschger Karl Manhart Susanne

Herzlich willkommen im QDZ K체nzle-Heim und Huus Emmersberg! Neueintritte H채usler Othmar 14.02.1922 - 29.04.2014

Bianchi Trudy, Alterswohnungen Hiltbrunner Verena, Alterswohnungen Keller Agnes, Alterswohnungen Knobel Werner, Alterswohnungen Oeschger Karl & Rita, Alterswohnungen Schudel Hedwig, Huus Emmersberg

Wildberger Dora 28.08.1927 - 11.05.2014

Widmer Verena 22.11.1923 - 15.05.2014

Ferieng채ste QDZ K체nzle-Heim Arbenz Alice Gianotti Arnoldo & Leonora Marbot Heidi Scheidegger Annemarie Theiler Erika

Stauber Colette 01.05.1930 - 16.05.2014

Matt Berta 30.12.1916 - 18.05.2014

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P O R T R A I T HE R R P A U L HE I N Z E R 1915 kam ich in Rheinau zur Welt. Meine Eltern arbeiteten beide als Pflegekraft in der Psychiatrischen Klinik. Leider, nach nur drei Jahren Ehe, liessen sich meine Eltern wieder scheiden. Da meine Mutter den ganzen Tag auswärts arbeiten musste, kam ich zu meiner Gotte nach Marthalen. Zum grossen Glück kam mein zwei Jahre jüngerer Bruder zu Verwandten, die nur einen Katzensprung weg von meinem neuen Zuhause wohnten. Meine Gotte war Schneiderin und arbeitete somit meist daheim. Ich hatte es gut bei ihr. Am Samstag war grosser Wochenputz angesagt und ich musste natürlich kräftig mithelfen. Die freie Zeit verbrachte ich meist bei meinem Bruder, dessen Pflegefamilie die Mühle mit der Sägerei besass. Da gab es viel zu sehen, zu erleben und zu tun.

In der Kriegszeit wurden diese Auslandeinsätze eingestellt. Ich suchte nach einer neuen Herausforderung. Wie viele damals, bewarb auch ich mich bei der SBB als Lokomotivführer-Anwärter. Diese „Lehrzeit“ dauerte damals ca. acht Jahre. Man zog von Station zu Station und lernte alles über die Lokomotive, Funktion und Wartung. Auch die Strecken in den Berggebieten benötigten einiges Wissen. Nach einem Jahr Wartezeit hatte ich Glück. Ich bekam 1941 die Anwärterstelle. Mein erster Einsatz war in Olten. Ein halbes Jahr verbrachte ich meist in den Wartungshallen der Loks. In engen dunklen Gängen kroch ich unter den Maschinen herum, reinigte das Getriebe und Fahrwerk. Auch Schrauben mussten kontrolliert und angezogen werden. Ab und zu durfte ich doch aus der Werkhalle und bei den Rangierloks Kohlen schippen. Am Arbeitsplatz waren wir eine tolle Männergruppe. Unser Zusammenhalt half uns, die erste „Durststrecke“ auszuhalten. Während der achtjährigen Anwärterzeit war ich in Sissach, Chiasso, Biasca und Erstfeld bei Altdorf stationiert. In der Freizeit unternahm ich immer etwas, meist mit Kollegen zusammen. Ich war kein Kind von Traurigkeit! Am liebsten ging ich Schwimmen. Wo immer es einen See, Fluss, Bach oder eine Badi in der Nähe hatte, war ich anzutreffen.

Unsere Mutter kam an jedem freien Tag nach Marthalen in ihre kleine gemietete Wohnung. Diese Zeit verbrachten wir mit ihr und genossen ihr feines Essen. Sie war eine wunderbare Köchin. Mmm, die feinen „Brösmeliblätzli“ (panierte Schnitzel)! Ich hatte eine unbekümmerte, schöne Jugendzeit, denn auch in der Schule lief es recht gut. Unseren Vater trafen wir ungefähr alle sechs Wochen. Er brachte uns immer feine Schoggi-Fünfliber. Die Schulzeit ging zu Ende und es wurde Zeit, sich um eine Lehrstelle zu kümmern. Ein guter Bekannter meiner Gotte konnte mich für eine Lehre in der Metallbranche begeistern. Da braucht es immer gute Fachleute, sagte er. Ich fand einen Lehrplatz als Maschinenschlosser in der „Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur. Damals schon dauerte die Lehre vier Jahre. Es hatte mir sehr gefallen in Winterthur, so blieb ich auch nach der Ausbildung im Betrieb. Um mich auch sprachlich weiter zu bilden, besuchte ich Abendkurse in Französisch, Italienisch und Englisch. Bald durfte ich vom Betrieb aus auf Montage nach Frankreich, da kam mir das gelernte Französisch zu Gute.

auf dem Rütli mit Erika, Juli 1945 10


So kam es 1942, dass ich meine Frau Erika in der Sissacher Badi kennenlernte. Ich habe viele Mädels gekannt, aber bei ihr war es anders, sie war die Richtige fürs Leben. Ich habe es nie bereut. In der Zeit meiner nächsten zwei Stationen im Tessin nutzte ich all die Jahre jeden freien Tag und fuhr zu ihr nach Sissach. Endlich 1945 heirateten wir in Sissach und zogen in eine Wohnung in Erstfeld, meine letzte Lehrstation und Prüfungsort. Die Prüfungen zogen sich über zwei Jahre hin. Mein Lohn betrug damals Fr. 400.00 und die Miete Fr. 100.00. Wir lebten bescheiden aber zufrieden. Ohne Telefon, ohne Kühlschrank, ohne Staubsauger oder Waschmaschine. So ging meiner Frau zu Hause die Arbeit nie aus.

schienen begrenzt. Ich fand eine neue Arbeitsstelle in Schaffhausen. So zügelten wir 1958 dorthin, wieder ins Flachland. Auch hier stürzte ich mich ins „Gesellschaftsleben“. Vereine, Politik und Gewerkschaften. Überall war ich dabei. Ausser Haus begleitete mich meine Frau meist nur in die Badi. Sie war lieber zu Hause und strickte Kinderkleider, die sie sackweise Bedürftigen verschenkte. Zu mir sagte sie, ich solle nur gehen! Sie kannte meine Rastlosigkeit. Mit der Wandergruppe war ich sehr oft unterwegs und kannte den Kanton bald wie meine Westentasche. In den verschiedenen Kegelklubs habe ich manchen Pokal geholt. Beim Schweizerischen Eisenbahner Sportkeglerverband schaffte ich sogar den Meistertitel.

Nach dem Abschluss meiner Ausbildung führte ich die Züge in diesem Berggebiet. Auch auf der Gotthardlinie. Ich liebte meine Arbeit. Es gab auch tragische Momente. Die starken Schneefälle im November 1951 mit der verheerenden Lawine in Airolo. Dreizehn Tote und zwanzig zerstörte Häuser. Auch die Bahnlinien waren verschüttet und Züge blieben im Schnee stecken.

Als die Kinder im Schulalter waren, fühlte sich meine Erika nicht mehr ausgelastet. Sie begann Pflegekinder aufzunehmen, die sie umsorgte und ihnen ein gemütliches Zuhause bot, bis ein Adoptivplätzli gefunden wurde. Die Kinder waren manchmal auch kleine Babys, deren Mütter je nach Lebenslage mit der Betreuung überfordert gewesen wären. Manche Kinder blieben einige Tage, andere bis zwei Jahre. Meine Frau fand Erfüllung in dieser Aufgabe. Rund 50 Kinder haben über all die Jahre unsere Stube kennen gelernt, so hatte auch die Kinderbetreuung für mich immer dazu gehört. Im Februar 2011 verstarb meine liebe Erika. Alleine zu Hause war ich hilflos. Meine Kinder halfen mir beim Suchen eines neuen Zuhauses. Dies fand ich im schönen QDZ Künzle-Heim. Ich lebte mich recht schnell ein und ich fühlte mich bald sehr wohl hier. Oft bekomme ich Besuch von alten Kollegen und am Freitag trifft sich meine Wandergruppe bei uns im Restaurant. Manchmal mache ich einen kleinen Spaziergang ins Lädeli an der Kamorstrasse. Dort kann ich mir Nötiges für den Alltag selber einkaufen und treffe andere Leute.

meine Lieblingslokomotive 1947 und 1948 kamen unsere Kinder Ruedi und Erika zur Welt. Wir waren jetzt eine Familie. Zusammen wurden wann immer möglich Ausflüge gemacht, meist gingen wir aber zum Baden nach Flüelen. Nach einigen Jahren war es meine Frau leid, in der engen Bergwelt zu leben. Auch die schulischen Möglichkeiten für unsere Kinder

Paul Heinzer, Bewohner QDZ Künzle-Heim 11


u n v e rg e s s li c h e a u s fl ü g e m it e v a tra h e ar n Wer eine Abwechslung im Alltag sucht, hat fast jeden Mittwoch Nachmittag Gelegenheit mit mir, Eva Trahearn, mit dem QDZBus wunderschöne Ausflüge zu unternehmen. Tolle Ausflugsziele werden von den Bewohnerinnen und Bewohnern vorgeschlagen und ich organisiere die Ausfahrten mit Zvieri-Halt. Wir konnten zum Beispiel das Hofgut Oberwald in Hemishofen begutachten. Die Familie zeigte uns mit Stolz ihren gezüchteten Stier, der schon viele Auszeichnungen gewann. Viele Dörfer wie Flurlingen, Oehningen, Marthalen, Ramsen und noch einige mehr, wurden als Ausflugsziel schon ausgesucht und angesteuert. Ich nehme selten den direkten Weg bis zum Ausflugsziel, damit alle Teilnehmenden die Gelegenheit haben, die Umgebung zu betrachten, die sie schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen haben.

Ich freue mich jedes Mal aufs Neue, auf diese unvergesslichen Ausfahrten und die fröhliche Gesellschaft. Interessierte Bewohnerinnen und Bewohner können sich im Sekretariat anmelden, denn immer eine Woche bevor der Ausflug stattfindet, wird eine Einladung mit den wichtigsten Informationen ausgehängt. Die Platzzahl im Bus ist beschränkt, es besteht aber die Möglichkeit, dass bei grosser Nachfrage einige Ausflüge doppelt durchgeführt werden. Ihre Chauffeuse, Eva Trahearn Fachfrau Pflege und Betreuung QDZ Künzle-Heim

Die Busfahrten führen uns über kleine Strassen, durch bezaubernde Landschaften und malerische Dörfer. Während der Fahrt werden Erinnerungen wach aus vergangenen Zeiten. Es entstehen interessante und spannende Gespräche, lustige Geschichten werden erzählt, worüber wir schmunzeln und viel lachen können. Die Teilnehmenden lernen sich auf eine unbeschwerte Art und Weise besser kennen. Am Ausflugsziel werden wir von den Wirtsleuten mit einem warmen, herzlichen Empfang begrüsst. Bei Kaffee, Kuchen und sonstigen Köstlichkeiten lassen wir es uns schmecken und geniessen das gesellige Beisammensein. Die Wirtsleute äussern, wir sollen doch wieder mal vorbeischauen, dabei entstehen Bekanntschaften oder sie werden wieder aufgelebt. Es gab erfreuliche Situationen, da wurden bekannte Gesichter im Restaurant entdeckt, die man schon lange nicht mehr gesehen hatte.

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r 체 c kbli c k v e ra n s talt u n g e n

Musig Tannzapfeland

Konzert Akkorde o

nduo

Carausflug auf den Ottenberg

Die n채chste Ausgabe erscheint Anfang September 2014 Redaktionsschluss: 15. August 2014 Redaktionsteam: Werner Gasser, Marlies Knobel, Marianne Lutz, Patrick Portmann, Annette Schaffner, Sonja Schibli, Rosmarie Sch체rmann Auflage: 620 Exemplare Druck: Copy + Print AG, Schaffhausen 14


ö ff e n tli c h e v e ra n s talt u n g e n Juni 2014

Kunstausstellung

• Klaviermusik mit Gesang Bruno Mersmann Mittwoch, 18. Juni 2014, 15.00 Uhr im Huus Emmersberg

öffentliche Kunstausstellung im QDZ Künzle-Heim • Yvonne Bürgin 4. Juli 2014 - 24. August 2014 Vernissage: Freitag, 4. Juli 2014, 18.30 Uhr

öffentliche Vortragsreihe QDZ Künzle-Heim • Vortrag «Das Leben hören» acustix Hörberatung Mittwoch, 3. September 2014, 19.00 Uhr

August 2014 • Multi Kulti Fest Samstag, 23. August 2014, 10.00 - 17.00 Uhr im QDZ Künzle-Heim

ko n takt QDZ Künzle-Heim & Huus Emmersberg Bürgerstrasse 36 8200 Schaffhausen www.qdz.ch

Zentrale Tel. 052 630 46 00 Fax 052 630 46 01

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Hauspostjuni2014  
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