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Weniger Gewicht. Mehr Dynamik. Der neue Audi R8 mit Audi ultra Leichtbautechnologie. Der neue Audi R8 ist noch agiler, leichter und dynamischer. Dass er gleichzeitig außergewöhnlich effizient ist, wird durch die Audi ultra Leichtbautechnologie des Audi Space Frames (ASF) ermöglicht. Eine Bauweise, die weit mehr ist als eine Technologie: Sie ist eine Einstellung, die uns immer weiterdenken lässt. Sie verkörpert Fahrdynamik und Sportlichkeit. Und sie ist die Essenz unserer Erfahrung im Motorsport, in dem wir immer wieder neue Grenzen überwunden haben. Der neue Audi R8. Weniger Gewicht. Mehr Dynamik. www.audi.de/r8

Kraftstoffverbrauch, innerorts: 22,2–19,3 l/100km, außerorts: 10,7–8,4 l/100km, kombiniert: 14,9–12,4 l/100km, CO2-Emissionen kombiniert: 349-289 g/km.


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©T&CO. ©T&CO. 2012 2012

THE THE TIFFANY TIFFANY DIAMOND DIAMOND

1877

Charles CharlesLewis LewisTiffany Tiffanyerwirbt erwirbteinen einender derspektakulärsten spektakulärstengelben gelbenDiamanten Diamantenvon von287,22 287,22Karat Karat

1878

Der DerEdelstein Edelsteinwird wirdauf auf128,54 128,54Karat Karatgeschliffen, geschliffen,wodurch wodurchseine seinefeurige feurigeBrillanz Brillanzund undleuchtende leuchtende Farbe Farbenoch nochmehr mehrzur zurGeltung Geltungkommen kommen

1893

Der DerDiamant Diamantbegeistert begeistertdie dieBesucher Besucherder derChicago ChicagoWorld’s World’sFair, Fair, wo woer erseinen seinenersten erstenAuftritt Auftrittvon vonvielen vieleninternationalen internationalenAusstellungen Ausstellungenhat hat

1940

In Inseiner seinerVitrine Vitrineim imTiffany TiffanyFlagship Flagshipauf aufder der5th 5thAvenue Avenuein inNew NewYork Yorkzieht ziehtder derunvergleichliche unvergleichliche Diamant DiamantHeerscharen Heerscharenvon vonBesuchern Besuchernan an

1961

Voller VollerAnmut Anmutund undUnschuld Unschuldträgt trägteine eineHollywood-Legende Hollywood-Legendeden denTiffany TiffanyDiamond Diamondund und wird wirdzu zueiner einerder derStilikonen Stilikonendes desJahrhunderts Jahrhundertsernannt ernannt

1995

Der DerEdelstein Edelsteinsteht stehtim imMittelpunkt Mittelpunkteiner einerAusstellung Ausstellungdes desMusée Muséedes desArts ArtsDécoratifs Décoratifsim imLouvre Louvre

2012

Anlässlich Anlässlichdes des175. 175.Jubiläums Jubiläumsvon vonTiffany Tiffanyerhält erhältder derschönste schönsteDiamant Diamantder derWelt Welteine eineneue neueFassung Fassung

FRANKFURT FRANKFURT GOETHESTRASSE GOETHESTRASSE20 20 069 06992 9200 00270 270 MÜNCHEN MÜNCHEN RESIDENZSTRASSE RESIDENZSTRASSE1111 EINGANG EINGANGPERUSASTRASSE PERUSASTRASSE 089 08929 2900 00430 430 HAMBURG HAMBURG NEUER NEUERWALL WALL19 19 040 04032 3208 08850 850 BERLIN BERLIN KADEWE KADEWETAUENTZIENSTRASSE TAUENTZIENSTRASSE21-24 21-24 030 03023 2363 63150 150 DÜSSELDORF DÜSSELDORF KÖNIGSALLEE KÖNIGSALLEE18 18 0211 021113 1306 0650 50 TIFFANY.COM TIFFANY.COM

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INHALT Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

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152

Second View 126 Design Tech Leg

88

102

152 Marrakech Die neue Welle

164 Artsi Reichtum von Innen

88 Kobi Levi Hackenporsche

118 Venus im Pelz

Lasting View

Kantige Schönheit

142 Elizaveta Porodina

178 Cremona

Poison Ivy

Adagio

58 Blue Moon

170 London

Gender Games

16 Skyfall 50 Jahre Bond

18 Issey Miyake Ausgefaltet

30 Stiaan Louw Atletiek

40 Delme in Frankreich Pimp my House 8

Royale Träume

Interview 102 Pet Shop Boys Söhne aus Elysium

136 Philipp Hübl Der Mann für den zweiten Blick

82 John Varvatos Who? What? Where?

108 Italien Eine Diva names Riva

66 Frankreich Auf Messers Schneide

186 Duftsünden Forbidden Paradise

26 Die Arabische Halbinsel Art al Arab


ZAUBER | SEELE

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Editorial Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Oft lohnt es sich einen zweiten Blick auf die Dinge zu werfen, denn es gibt viel Verborgenes zu entdecken, Vorurteile zu entschärfen oder auch Themen in ungeahnte Tiefen nachzuvollziehen. Insbesondere zum Herbst ist jeder von uns bereit noch einmal genauer hinzuschauen. Das haben wir getan und mit Quality „Second View“ nach unserer Meinung eine Ausgabe geschaffen, die Sie sicher mehr als einmal überraschen wird. So haben wir uns auseinandergesetzt mit der neuen Ästhetik von Beinprothesen und dem veränderten Selbstbewusstsein ihrer Träger. Vor allem durch die Darstellung von Hightech und Design wird Ihnen ein neugieriger vielleicht sogar begeisternder Blick auf eine Materie gewährt, die bisher wenig bekannt ist und normalerweise eher Schamgefühl verursacht. Und auch in dieser Ausgabe nehmen wir Sie mit in ferne Welten. Was ist aus Marrakesch, der zauberhaften Stadt am Fuße des Atlasgebirges geworden? Kann sie sich trotz Boom Town und Run mit Siebenmeilenstiefeln in die Moderne seinen Charme bewahren? Ich war selbst vor Ort - nach mehr als 20 Jahren - und meine Antwort lautet: ja Marrakesch hat sich verändert, es bewegt sich, aber es hat seine Magie nicht verloren. Im Gegenteil! Bei genauem Hinsehen haben die jungen Marrakeschi eigene Wege gefunden, die von Ihnen geliebte Stadt zu bereichern und auf ihre eigene Art zu schützen. Seid vielen Jahrzehnten ist Marrakesch ein inspirierender Ort für Künstler und Designer. Und das ist heute noch immer so. Es sind jedoch nicht nur die bekannten und etablierten Designer, die wir ausfindig gemacht haben, sondern auch zahlreiche junge Talente. Darunter viele starke Frauen. Marrakesch gehört ganz sicher zu den Städten, bei denen sich auch ein dritter und vierter Blick lohnt.

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Neben den ausgesprochen interessanten Interviews, wie mit den mega präsenten Pet Shop Boys , dem Designer Varvatos oder auch ein Gespräch mit Philipp Hübel, dem bekannten Philosophen, den wir nach Begrifflichkeiten wie Schönheit oder Schönheits - Operationen befragten, findet sich auch viel Amüsantes. Haben Sie schon einmal Frauenpumps gesehen, die aussehen wie Flamingos, oder deren Hacken sich zu einem Haifischmaul öffnen? Nein? Dann werden Sie bei Kobi Levi fündig und es wird Ihnen so manches Lächeln entlocken. Oder die Mode von Issey Miyake, die sich erst noch entfalten muss, um ihre wahre Schönheit und Motivvielfalt zu präsentieren. Ob als Lampe oder Kleid – wir zeigen Falten, die nicht altern. Jeder von Ihnen, aber auch jeder von uns aus der Redaktion hat bei dem Thema second view andere Assoziationsketten, andere Spielfelder bei denen er gern mal genauer hinsehen würde. Leider können wir nicht alle Themen zugleich abhandeln. Last but not least geht es vielleicht darum, generell den Blick in unserer schnellen und zuweilen oberflächlichen Welt erneut zu schärfen und daraus nicht nur Information sondern häufig auch Lustgewinn zu regenerieren. Es mach Spaß sich einzulassen, es macht Spaß mehr zu wissen als andere und wir sind ihnen dabei behilflich. Doch zunächst sind Sie es liebe Leser, die jetzt die Initiative ergreifen müssen, indem sie sich auf viele spannende Stories einlassen. Meine Empfehlung: Schauen Sie genau hin. Gern auch ein zweites Mal!


dEsign Quality Magazin No. 25 – September 2012

»Wir beide wissen: Wer ganz oben stehen will, muss doppelt so viel leisten.«

An der neuen GIGA 5 kommt auch ein Roger Federer nicht vorbei. Denn für höchste Ansprüche an Performance, Ästhetik und Perfektion im Segment der Vollautomaten gilt ab sofort ein neuer Maßstab: Professionelle Technologie hält Einzug in den anspruchsvollen Haushalt. Die Leistung von zwei Mahlwerken, zwei Heizsystemen und zwei Pumpen ermög licht gleich zwei Kaffeespezialitäten auf einmal, sorgt für noch nie dagewesene Vielfalt und ultimativen Kaffeegenuss. JURA – If you love coffee. www.jura-giga.com

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IMPRESSUM Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Director Online Eliza Karmasalo

Art Director Barbara Schork

stellv. Art Director Margret Hügemann

Art Director Online Johannes van Ponto

Text Chefin Dorothea Schöne

Grafik Andres Castoldi

Onlineredaktion Christian Wank

Fashion Editor Manuel Almeida Vergara

Textredaktion Karolin Korthase

Kulturredaktion Sarah Kirsten

Foto Editor Viviane Offenwanger

Schlussredaktion Ulrike Barzik

Real Estate Volker de Boer

Redaktions Organisation Sabine Bievor

Motion Redaktion Matthias Arens

Autoren Petra Dietz, Norman Kietzmann, Nadia Saadi

Kontributoren Petra Dietz, Laila Hida, Andreas Hosch, Norman Kietzmann, Konrad Limbeck, Andreas Ortner, Elizaveta Porodina, Nadia Saadi

Vertrieb Axel Springer Vertriebsservice GmbH Süderstraße 77 D-20097 Hamburg Telefon: + 49 40 34724012

Corporate Manager Matthias Arens Telefon: + 49 30 257607-340 Fax: + 49 30 257607-344 arens@quality-magazine.ch

Verlag / Herausgeber Koller Holding AG Zentralstr. 19 CH-8953 Dietikon

Quality Abo-Service Nithackstr. 7 – Kontorhaus, 10585 Berlin Telefon: + 49 30 257607-340 Fax: + 49 30 257607-344 abo@quality-magazine.ch

Marketing & Sales Germany Eberhard Kirchhoff Telefon: +49 69 59796900 Fax: +49 69 59799393 kirchhoff@quality-magazine.ch

Redaktion Deutschland Nithackstr. 7 – Kontorhaus, 10585 Berlin Telefon: + 49 30 257607-340 Fax: + 49 30 257607-344 info@quality-magazine.ch

Marketing & Sales International Mélanie Lindgens Telefon: +41 763231584 lindgens@quality-magazine.ch

Online Magazin www.quality-magazine.ch

Druck & Produktion X Media International GmbH, Berlin

Fotografen Laida Hida, Andreas Hosch, Julia Küchler, Konrad Limbeck, Sabri Noor, Andreas Ortner, Elizaveta Porodina, Filippo del Vita

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Chefredakteurin Susanne Filter

Cover-Credits Fotograf: Elizaveta Porodina / Assistent: Arton Sefa / Stylist: Josef Stockinger / Styling Assistent: Sigi Brettner / Hair: Heiko Palach Using Shu Uemura / Make-Up: Heiko Palach Using Chanel / Setbau: Beatrice Schüll / Model: Val (AM Management)

quality-magazine.ch Verantwortlich für den redaktionellen Inhalt im Sinne des Presserechts: Susanne Filter. Alle Rechte vorbehalten. Die Zeitschrift sowie alle darin enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Der Export von Quality und der Vertrieb im Ausland sind nur mit vorheriger Genehmigung statthaft. Für unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung übernommmen.

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Kontributoren Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

AndreAs HoscH Seit seinem 15ten Lebensjahr ist der gebürtige Stuttgarter leidenschaftlicher Fotograf. Als Inspirationsquelle dient ihm insbesondere die GraffitiSzene. Mittlerweile ist er international gefragt und hat Kampagnen für Aigner, Triumph International, BMW, Hugo Boss u.a. gestaltet. Für diese Ausgabe hat er Zwillinge auf einem Flugfeld kunstvoll in Szene gesetzt.

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KonrAd LimbecK

nAdjA sAAdi AndreAs ortner New York, Paris, Mailand – Andreas Ortner hat als Modefotograf in den führenden Metropolen der Branche gelebt und gearbeitet. Für diese Ausgabe hat der gebürtige Österreicher die Strecke „Venus im Pelz“ produziert. Topmodel Erika Palkovicova hat er dabei sehr modern, schnörkellos und stark inszeniert.

Nadja Saadi ist verliebt! In eine Stadt am Fuße des Atlas – Marrakech. In dieser Ausgabe lässt die studierte Journalistin Sie an ihrer Liebesaffäre teilhaben. Auch in diesem Artikel ist ihre unstillbare Neugier auf das Leben, ihr Interesse an anderen Kulturen und ihre Liebe zur Schönheit der Sprache spürbar.

Blutige Tierschädel mit Lippenstiften hat Konrad Limbeck bereits mit 15 Jahren im ländlichen Anwesen seiner Eltern fotografiert. Weniger blutrünstig ist seine Strecke „forbidden paradise“ ausgefallen, die wir Ihnen in dieser Ausgabe vorstellen. Die Passion für mystische Märchen und das fantastisch Surreale des Fotografen ist aber auch hier deutlich spürbar.


Kontributoren Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

eLizAvetA PorodinA

normAn KietzmAnn Eigentlich ist es vor allem die Architektur, der Norman Kietzmann sich verschrieben hat. Aber auch das Design gehört zu seinem Fachgebiet – in dieser Ausgabe eines der besonders schnellen Art. In dieser Ausgabe geht Kietzmann der Firmengeschichte von Riva auf den Grund – ein Unternehmen für luxuriöses Bootdesign.

LAiLA HidA Nach zehn Jahren Studium im modischen Paris, ist Laila Hida wieder nach Marokko zurückgekehrt. Der arabische Frühling hat sie als Frau animiert dabei zu sein und selbst Teil dieses histiorischen Moments zu werden. Sie lebt und fotografiert in Marrakesch, fand hier Liebe und Inspiration. In Quality zeigt Laila Hida auch Ihnen die Schönheit der „Perle des Südens“.

Verträumte Farbwelten, die Mode und Sex-Appeal perfekt in Szene setzen, sind das Erkennungsmerkmal der jungen Fotografin Elizaveta Porodina aus München. Gerade mal Mitte Zwanzig, wird sie in der Modewelt schon als hochtalentierte Künstlerin gefeiert. Bei den World Photography Awards hat sie in der Kategorie „Fashion“ mit ihren surrealen Bildwelten sogar den zweiten Platz gemacht.

PetrA dietz Schreiben und Reisen - das sind die Leidenschaften von Petra Dietz. Für diese Ausgabe ging die freie Journalistin beiden Passionen nach und reiste ins norditalienische Cremona, der Stadt der Geigenbauer. In „Adagio“ berichtet Dietz über Handwerk und Leidenschaft hinter den Streichinstrumenten.

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OktOber/NOvember

Licence to Impress

NEU

Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Zum 50-jährigen Jubiläum von James Bond ist erstmalig auch ein Duft auf den Markt gekommen. James Bond 007 ist ein Herrenduft, der frisch und maskulin zugleich ist. Auch beim Flakon-Design hat man sich an der Bond-Ästhetik orientiert – vom Drehverschluss über dem Sprühknopf bis hin zum Reliefschliff des Logos ist alles im Bond-Style gehalten. www.007fragrances.com/de

Quantum of Style

James Bond – das sind schnelle Autos, Bond-Girls, Martinis (geschüttelt, nicht gerührt!) und natürlich Doctor Qs skurrilinnovative Waffen- und Verteidigungssysteme. Und der Spion, der um den Globus jagt, reist stets mit Stil. Dass dazu auch das entsprechende Gepäck gehört, ist Teil des BondMythos. Für den 23igsten Film hat die Produktionsfirma den britischen Luxus-Hersteller Globe-Trotter an Bord geholt. Gefragt war ein stilvoller Gewehrkoffer. Inspiriert von der Zusammenarbeit, hat das Unternehmen aus Hertfordshire eine limitierte Kofferserie produziert, welche die subtile Eleganz von James Bond kolportiert. www.globe-trotter.com 16


OktOber/NOvember Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Licence to build In jedem Mann steckt ein Kind – und das darf sich nun vollends seinem Spieltrieb hingeben. Denn im kleinen, englischen Ort Herford wird das ultimative Männer-Toy produziert: Der James Bond KlassikerAuto, Aston Martin, kommt jetzt als Bausatz in Originalgröße. Mit Dunlop Rennreifen, Aston Martin Wire Weels und einem „Mota Lita“ holzgerahmten Lenkrad, Rennsitzen, etc ist das Modell dem Original LeMans Rennwagen nachempfunden. Schaffen Sie sich schon einmal Platz für dieses Spielzeug der besonderen Art – und Größe! www.evanta.co.uk

Crystals are Forever Seit 35 Jahren kooperiert Swarovski mit den Machern der legendären James-BondFilme. Auch zum aktuellen Film „Skyfall“ hat das Traditionshaus wieder eine eigene Schmuckkollektion herausgebracht. Gemeinsam mit Designer Stephen Webster sind dabei vier Themen bearbeitet worden. Unter anderem „Queen Cobra“, das den mysteriösen Charme der Schlange aufgreift – angriffslustig, stark und scheinbar unbezwingbar. In ihrer Verführungskunst schlängelt sie sich im Ringdesign um den verbotenen Apfel. www.swarovski.com

A view to kill Das Kosmetik-Label OPI feiert 50 Jahre James Bond. Und das in allen Schattierungen. Anlässlich des neuen James-Bond-Films „Skyfall“ hat das Label OPI eine limitierte Nagellack-Serie herausgebracht. Die zwölf Farbschattierungen tragen Namen der berühmtesten Bond-Filme wie „Casino Royale“ oder „The Spy Who Loved Me“. Das aktuelle Bond-Girl Bérénice Marlohe trägt im aktuellen Film die Farben „Golden Eye“ und „Skyfall“ – schimmerndes Gold und dunkles Kastanienbraun. Und präsentiert damit die prickelnde Erotik, die Bond-Girls zum Inbegriff von Sinnlichkeit und Begehren machen. www.opi-germany.de

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DESIGN Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Lichtund Schatten Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Und dieser hat zuweilen eine größere Anziehungskraft als das Licht, das ihn kreiert. Der japanische Designer Issey Miyake, der bereits in der Modewelt für seine visionären und technoiden Designs bekannt ist, entwickelt mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit neuartige Konzepte und verleiht so seinem unkonventionellen Blick auf das Verhältnis zwischen Körper und Textil Ausdruck. Zum Beispiel lancierte er 2010 seine Kollektion „132 5”, welche er mit dem Informatik-Wissenschaftler Jun Mitani realisierte. Hinter dem kryptischen Konzept steht die Idee, den Weg von der Zweidimensionalität zur Dreidimensionalität zu verdeutlichen. So steht die 1 für das eine, bloße Stück Stoff, die 2 für die Präsentation. Denn Miyake bietet gefaltete Stücke an, die erst beim Entfalten, 3, in eine neue, dreidimensionale Körperlichkeit übergehen. Da die Kollektion aus zehn Grundmo18

dellen bestand, konnte jedes in mindestens 5 Variationen am Körper getragen werden. Das Konzept der neuen Leuchtenserie „IN-EI” entstammt ebenfalls diesem Grundgedanken. Die kunstvoll gefalteten Origami-Schnecken und -Blüten lassen sich durch Anheben in funktionale und enigmatische Elemente wandeln. Dabei wirft jede Lampe einen ganz individuellen Schatten, was im Übrigen auch die wörtliche Bedeutung des Kollektionsnamens ist. Die mit LEDs ausgestatteten Leuchten bestehen aus einem innovativen Polyester, an dessen Entwicklung Issey Miyake ebenfalls mitgewirkt hat. Die Faser wird durch Verarbeitung von PET-Flaschen gewonnen und ist damit nicht nur nützlich, sondern zugleich umweltschonend. Visionär, um es mit nur einem Wort zu beschreiben. Die Stücke wurden anlässlich der „Light and Building” Messe 2012 präsentiert und sind als Hänge-, Tisch- und Stehleuchten zu haben.


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beauty Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Nur Mut – PiNk with a PurPose! Seit Anfang der 1990er Jahre unterstützt Estée Lauder Comanpies mit seinen Marken die Kampagne „Bewusstsein für Brustkrebs“. Aus den Produktserien der Marke Clinique kann man in diesem Jahr gleich verschiedene Pflegeprodukte erwerben, um diesen guten Zweck zu unterstützen. Der Bestseller der Beauty-Marke, der Chubby Stick Lippenstift, kommt für die Kampagne exklusiv in der Farbe Plumped Up Pink heraus. Für unterwegs kann man aus der Origins Serie auch die Rejuvenating Hand-Lotion in limitierter Auflage erwerben. Den Clip mit zwei Tuben einfach an den Schlüsselbund hängen und schon ist man gegen schädliche Umwelteinflüsse gewappnet. Ab Oktober 2012 sind Lippenstift und Handlotion direkt über den Hersteller sowie im KaDeWe Berlin, im Alsterhaus Hamburg, im Breuninger in Stuttgart und im Oberpollinger in München erhältlich. www.clinique.de

DiE ZUKUnFT SCHönER HAUT Unbestritten fordern Umwelteinflüsse und Lebensstil einen hohen Tribut von unserer Haut. Der Hautalterung hat die Marke Shiseido nun mit der Future Solution LX Linie den Kampf angesagt. Hauptwirkstoff ist Singenecell 1P, ein Derivat aus hautidentischen Aminosäuren, das zusammen mit Premium Uji Tee – dem hochwertigsten grünen Tee aus Japan – Einflüsse von Stress, Trockenheit und Umweltgiften auszugleichen vermag. Ergänzt durch eine Reihe weiterer natürlicher Pflegekomponenten, wie Extrakten aus Okra, Sternfrucht und Wildrose, hat man die perfekte Balance von natur und Spitzentechnologie gefunden. Der Hersteller Shiseido kann mittlerweile auf über 130 Jahre Firmengeschichte und Produktforschung zurückblicken. Von dieser jahrzehntelangen Erfahrung profitiert nun offensichtlich einmal mehr die Anwenderin. Future Solution LX lässt ihre Haut auch in Zukunft scheinen. www.shiseido.de 20


beauty Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

EnTSCHLüSSELTE GEHEiMniSSE Aus Japan kommt eine der luxuriösesten Kosmetikmarken der Welt – Clé de peau Beauté. 1982 wurde das Label als Luxussegment von Shiseido unter dem namen Clé de Peau vorgestellt und erfuhr 1996 unter dem neuen namen einen Re-Launch. in diesem Sommer landete das Unternehmen einen MarketingCoup, als es eine seiner edlen Cremes in einer limitierten Auflage von gerade einmal drei Stück auf den Markt brachte. Damit feierte das Unternehmen, das nur in 11 Ländern weltweit exklusiv zu erwerben ist, sein 30-jähriges Bestehen. Die Verpackung mit seinen 3 Kristallringen aus dem Haus Saint-Louis hat der französische Künstler Olivier Sévère entworfen. Sie umgeben die edle Lotion und symbolisieren die drei Jahrzehnte hochwertigster Kosmetikproduktion. Le Clé ist der Schlüssel – zur neuen Welt der Schönheitscremes. Mit seiner Kombination höchster Technologie und feinsten ingredienzien stehen dem Unternehmen fraglos weitere Jahrzehnte erfolgreicher Kosmetikforschung und -vermarktung bevor.

DufteNDe siNNlichkeit

www.cledepeau-beaute.com

Dita von Teese ist zweifellos die bekannteste Verkörperung von burlesquer Bühnenshow. Und ihr Künstlername ist Programm: „teese“ wird im Englischen ausgesprochen wie „tease“ und das bedeutet reizen oder necken. Sinne reizen und verbotene Gedanken provozieren – darin ist sie Meisterin. Mit blutroten Lippen, langem schwarzem Haar und blass-verletzlicher Haut ist sie das Sinnbild einer starken, weiblichen Frau – Kreuzung aus Vamp und Schneewittchen. ihr Bad im überdimensionalen Martini-Glas hat bereits heute Kultstatus. nun hat die Künstlerin ihr zweites Parfum Rouge auf den Markt gebracht. Und auch hier wird mit den Sinnen gespielt. Schon die Form des Flakons deuten Sinnlichkeit und Erotik an. Rouge – Rot ist die Farbe der Verführung und von Teese möchte mit dem Duft eine Femme Fatale verkörpern. Eine sanfte und doch glamouröse Verführung. Wer könnte besser dafür stehen als sie selber?

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SpirituoSen Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

, t i e k a h S Baby! in rio de Janeiro kürte der Getränkehersteller „Diageo“ den besten Bartender der Welt. Der Australier tim philips setzte sich mit eigenwilligen Mixturen und exzellenten Gastgeberqualitäten gegen 15.000 Bewerber durch.

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n Rio de Janeiro kürte der Getränkehersteller „Diageo“ den besten Bartender der Welt. Der Australier Tim Philips setzte sich mit eigenwilligen Mixturen und exzellenten Gastgeberqualitäten gegen 15.000 Bewerber durch. 5 cl Johnny Walker, 3 cl Wasser, 1,5 cl Honig, 1 Stange Zimt und 1 kleines Stück Ingwer – fertig ist eine außergewöhnliche Drink-Kreation namens „Hot Toddy Australia“. Zusammen-gemixt wurde sie von Tim Philips, der sich seit Juli „World Class Bartender of the Year 2012“ nennen darf. Der 28-Jährige überzeugte die Jury-Mitglieder nicht nur mit Hingabe, Kreativität und Eleganz, sondern auch mit viel Show-Talent hinterm Tresen. Eine Woche lang floss in Rio de Janeiro der Alkohol in Strömen – auf hohem Niveau wurde hier geshakt, gewitzelt und der Kunst des Bartending gefröhnt. Zuvor traten ein Jahr lang Teilnehmer aus den besten Bars der Welt in regionalen Challenges gegeneinander an. Von 15.000 Bartendern blieben dann am Ende noch 50 übrig, die sich in Brasilien vor Szenegrößen, wie Salvatore Calabrese, Dale de Groff und Peter Dorelli profilieren mussten. Aus Deutschland schaffte es Harry Glockler von der Berliner „rivabar“ ins Finale, schrammte allerdings an der Krönung zum


Bartender-König mit wenigen Punkten vorbei. Für den Erfolg bei diesem feuchtfröhlichen Event waren am Ende nicht nur die Technik und Kunstfertigkeit der Kontrahenten entscheidend, sondern auch ihr Erfindungsreichtum. In der „Retro Chic“- Challenge galt es zum Beispiel - in Reminiszenz an die Goldene Ära der 50er und 60er Jahre – Cocktail-Klassiker mit einem modernen Twist zu kreieren. In ebendieser Kategorie überzeugte dannauch Tim Philips mit seinem „Hot Toddy Australia“, den er stilecht mit Hosenträgern und schmalem schwarzen Schlips präsentierte. Bei dem jährlich stattfindenden Wettbewerb haben Bartender aus über 40 Ländern die Möglichkeit mit den Shakern zu wirbeln, öffentlichkeitswirksam die Kunst der Mixologie zu zelebrieren und Trends für kommende Luxus-Drinks zu setzen. Veranstaltet wird das Event vom Getränkehersteller „Diageo“, der Marken, wie Smirnoff, Johnnie Walker und Baileys im Programm hat und durch den Wettbewerb die Elite etablierter Bars mit engagierten Newcomern zusammen bringen will. Philips kann sich jetzt auf ereignisreiche Zeiten freuen. Der Brite Erik Lorincz, der 2010 die begehrte Auszeichnung ershakte, wurde nach seiner Krönung als Berater für die Casino-Szene des neuen James Bond Films „Skyfall“ engagiert und kreierte für den Cartier einen Signature-Cocktail.


spirituosEn Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Bologna Brandy Aus einer kleinen Distillerie in der Nähe von Bologna kommt ein hierzulande nahezu unbekannter Brandy – Villa Zarri. Zu seiner Herstellung werden ausschließlich lokale Reben wie Trebbiano Toscano oder Trebbiano Romagnolo genutzt. In limitierter Auflage hat die Distillerie nun einen neuen Brandy präsentiert – den Zarri 22. Zweiundzwanzig Jahre gereift und aus neun verschiedenen Brandysorten zusammengestellt, zeichnet er sich durch ein sanftes Aroma von Karamell, Nougat und Nuss aus. www.villazarri.com/eng/home.asp

Ein WurzElholz macht gEschichtE! 1955 wurde das Hölzchen von Abiturienten eines Gymnasium bei Bremen gefunden und auf den Namen „Pijökel“ getauft, was auf Plattdeutsch so viel heißt wie „kleines Ding“. Seit fast sechzig Jahren wird das „Ding“ nun geehrt und an einem geheimen Ort verwahrt. Jahrgangsmitglied und „Pijökel“-Freund Kuno Grote wird nach seiner Gymnasialzeit Apotheker und entwickelt einen Kräuterlikör. Als er für seine Kreation einen Namen suchte, lag es nahe in Erinnerung an seine Jahrgangsgeschichte „Pijökel 55“ zu nutzen. Der Likör ist seitdem immerhin Stammgetränk bei Jahrgangstreffen. Nach dem Tod Grotes wurde das Konzept 2010 neu aufgezogen. Grotes Sohn Gabriel eröffnete in Zusammenarbeit mit Henning Birkenhake die Grote Spirituosen Manufaktur – und das mitten im Berliner Trendbezirk Prenzlauer Berg. Mit höchstem Qualitätsanspruch wird der Likör hier von Hand angesetzt und abgefüllt. Gerade einmal 150 Flaschen verlassen pro Monat die kleine Manufaktur. Und die Liste der Bezieher – wie beispielsweise das Kempinski Berlin – wird immer länger. Denn immer mehr erkennen: Wer ein würzig-süffigen Genuss feinster Art haben möchte, ist hier an der richtigen Adresse. www.pijoekel.de

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spirituosEn Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

rumgEmacht wer sich nicht nur für hervorragenden Rum, sondern auch für skurrile Geschichten begeistern kann, der sollte sich Ron de Jeremy anschauen. Vor einigen Jahren hatten zwei Norweger in einer Schnapslaune die Idee einen neuen Rum auf den Markt zu bringen. Ron bedeutet Rum im Spanischen, und Ron Jeremy ist gleichzeitig einer der bekanntesten Porno-Stars unserer Zeit. 2010 kam dann die Spirituose auf den Markt, die den Darsteller mit Kultstatus ehrt. Neben der zugegebenermaßen recht „schrägen“ Entstehungsgeschichte besticht der Rum vor allem aber durch hervorragenden Geschmack. Und dafür ist kein Geringerer als Francisco „Don Pancho“ Fernandez verantwortlich. Der 74jährige Kubaner hat einige der besten Rumsorten der letzten 50 Jahre erschaffen. Ron de Jeremy wird in Panama gefertigt und reift dort sieben Jahre in Eichenfässern. Wer es nicht zum Bottle-Signing auf die Venus Erotik-Messe im Oktober geschafft hat, der kann den Rum für den Handel auch bei Selection Prestige beziehen. www.selection-prestige.de/

thE BittEr truth Ein süddeutsches Unternehmen belebt eine Cocktailtradition wieder: über Jahrzehnte waren Cocktail Bitters unverzichtbarer Bestandteil guter Getränke Kreationen. Im Zuge der Prohibition änderte sich das allgemeine Trinkverhalten und Cocktail Bitters gerieten in Vergessenheit. Nur wenige der einst zahlreichen Marken konnten sich über diese alkoholische „Dürreperiode“ hinweg retten. Anfangs nur für Liebhaber, gewinnen die Bitter wieder mehr und mehr Zuspruch. Neben einem umfangreichen Standardsortiment hat The Bitter Truth eine besonders ungewöhnliche Sonderedition herausgegeben: das Cocktail Bitters Traveler’s Set. Fünf Sorten kommen in einer kleinen Metallbox im Retro-Look. In kleiner Abfüllung kann man sie bequem ins Handgepäck stecken – um auch unterwegs stets für den perfekten Cocktail ausgerüstet zu sein. www.the-bitter-truth.com

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Kunst Quality Magazin No. 26 – Oktober 2012

Bei der Eröffnung der Art Dubai 2012

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Kunst Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Art al arab Alljährlich vergibt Abraaj Capital seinen renommierten Kunstpreis. Die Präsentation der Gewinner auf der Art Dubai ist Publikumsmagnet und trendsetter für die Kunst in der ganzen Region.

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n diesem Sommer hat die Jury des renommierten Abraaj Capital Art Prize (ACAP) die fünfte Auswahl der Preisträger bekannt gegeben. 2008 wurde der Preis ins Leben gerufen als einzige Auszeichnung der Region, die ausschließlich an Künstler aus dem Nahen Osten, Nordafrika und dem südasiatischen Raum vergeben wird. Damit holt man in der Region auch im Bereich der Künstlerförderung durch Auszeichnungen auf – Europa hat den Turner Preis der Londoner Tate Gallery oder die Auszeichnung der Nachwuchstalente durch die Berliner Nationalgalerie. Wie auch bei vergleichbaren europäischen Preisen, setzt ACAP nicht unbedingt auf neue, unbekannte Talente – alle Nominierten haben eine lange und eindrucksvolle Ausstellungshistorie vorzuweisen. Viel mehr geht es darum, den ausgezeichneten Künstlern mit dem Preisgeld die Umsetzung von Arbeiten in einem Umfang zu ermöglichen, die ohne entsprechende finanzielle Zuwendungen nicht machbar gewesen wäre. Dass die vergebenen Summen durchaus größere Vorhaben erlauben, zeigt allein die Preissumme – die fünf ausgezeichneten Künstler teilen sich 1 Million Dollar, um ihre Ideen umzusetzen. Denn eine Besonderheit des Kunstpreises ist die Tatsache, dass er für Konzepte und zukünftige Projekte und keine bereits existierenden Arbeiten oder Errungenschaften vergeben

wird. Um die jeweiligen Projekte und Arbeiten zu entwickeln, arbeiten die Künstler in jedem Jahr mit ausgewählten Kuratoren zusammen. Für die fünfte Preisvergabe wurde der im Emirat von Sharjah geborene und am Brooklyner Pratt Institute lehrende Kurator und Kunstkritiker Murtaza Vali auserkoren. Jedes Frühjahr werden die Preisträger auf der renommierten Kunstmesse Art Dubai präsentiert und gehen dann in die Sammlung von Abraaj Capital über. Dass es sich dabei um Arbeiten höchster Qualität handelt, belegen die zahlreichen Leihanfragen renommierter Museen und Biennalen weltweit, welche die Werke in ihren Ausstellungen sehen wollen. Mit der Bekanntgabe der Preisträger für 2013 hat sich deren Zahl nun auf 21 erhöht. Eine kleine Gruppe, wenn man auf die Vielzahl von Ausstellungen, Publikationen und Verkaufszahlen der großen Auktionshäuser für arabische und nordafrikanische Kunst in den letzten Jahren schaut. Für Abraaj reflektiert der Kunstpreis dabei auch ein Stück Firmenphilosophie: vielversprechende Talente und Geschäftsideen so zu fördern und zu positionieren, dass sie zu regionalen und globalen Champions werden. Gegründet wurde Abraaj Capital 2002 von dem Geschäftsmann Arif Naqvi. Mittlerweile hat das Unternehmen sieben Regionalvertretungen und verwaltet Kapital von über 7.5 Milliarden Dollar. http://www.abraajcapitalartprize.com/ 27


Mode Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Funktionssüchtig Schmuck der Persönlichkeit, Ausdruck der Individualität, Bedecken der Scham – die Mode hat viele Funktionen. Der Ursprung der Bekleidung aber ist der Schutz – sei es vor der Witterung oder etwaigen Verletzungen. Diese Grundlage der Nutzbarkeit von Kleidung ist auch die Basis der Arbeiten des britischen Designers Christopher Raeburn für die Schweizer Marke Victorinox. Unter dem Titel „Protect“ kooperiert Raeburn diese Saison bereits zum zweiten Mal mit dem Hersteller des originalen Schweizer Taschenmessers. Entworfen hat er multifunktionale Jacken, die von Schweizer Armeejacken aus den 1970er Jahren inspiriert sind. Auch das Taschenmesser der Firma hat er sich zum Vorbild genommen: „Die während des Schleifens der Messerklinge anfallenden Stahlreste werden eingeschmolzen und für die Produktion von Lesezeichen wiederverwendet. Es wird ganz einfach nichts verschwendet.“ So bestehen auch die Stoffe der Kollektion zum Teil aus recycelten Materialien. Die Insulated Parka Bag, auf den ersten Blick ein einfacher Rucksack, lässt sich zu einem Parka auseinanderfalten. www.victorinox.com

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itt

www.erdem.co.uk

itt und tr d auf Schr

Leuchten

Kooperationen sind seit Jahren ein verlässli­ ches Modell zur Erstellung interessanter Kollektionen. Oft fließen kreative Vor­ stellung und marktorientiertes Wissen beider Seiten in die Linien ein und lassen sie zu einem medienwirk­ samen Erfolg werden. Auch das Label Erdem hat die Kraft der Capsule Collection für sich ent­ deckt und verpflichtete Nicholas Kirkwood dauerhaft, die Schuhe zu den Designs des Hauses zu entwer­ fen. Der im westfälischen Münster­ land geborene Kirkwood, Sohn eines in Deutschland stationierten briti­ schen Soldaten, machte seinen Ab­ schluss an der Central Saint Martins, quasi der Mutter der Modeschulen. Kein Wunder, dass neben Erdem auch die Rodarte­Schwestern Kirk­ wood für sich verpflichteten. Für die­ se Saison entwarf er für Erdem sechs Heels, die das Trendthema Neonfarben aufgreifen. Besonderer Clou sind die schwarzen Blöcke, die in durchsichtiges Plexiglas mündend die ungewöhnlichen Absätze bilden.


design Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

echt künstlich Die Welt der Kunstpelze beruht auf Lügen. Alles wird versucht, um Fälschungen, die sich jetzt hinter dem hübschen Wort „Faux“ oder gar „Fantasy Fur“ verstecken, ein reelles Aussehen zu geben, ihnen wenigstens optisch das unvergleichlich luxuriöse Gefühl von Echtpelz zu verleihen. Neu ist allerdings die Umkehr diesen Phänomens. Echte Felle in Knallfarben mit avantgardistischen Schnitten sind in den letzten Jahren zum Trend avanciert, der oft Fragen nach Authentizität der teuren Häute aufwirft. Man denke nur an Miuccia Pradas bunt geringelte Pelzstolen für den Sommer (!) 2011. Und da neben Russland kaum ein Land so vernarrt in Pelz ist wie Italien, ziehen auch andere italienische Marken nach. Für Fendi hat Karl Lagerfeld diese Saison besonders spezielle Stücke entworfen, so wie diesen kanariengelben Langhaarpelz mit farbig gestreiften Nerzdetails im indianischen Look. www.fendi.com

LICHTSPIEL Hologramme sind uns eigentlich eher aus Kindertagen bekannt – modische Momente dieses spielerischen Licht­ phänomens sind eher rar gesät, höchstens in Form von spaßigen Accessoires der 90er. Giorgio Armani fügt der kurzen Geschichte der stofflichen Holografie diesen Winter ein weiteres Kapitel hinzu. Die vom Kontrast zwischen edlen grauen Stoffen und leuchtend neonfarbenen Stücken getragene Kollektion, erweitert der Italiener um Details, die mit Licht und Farbe spielen. Die changierenden Linien der Tasche veredeln die einfache, schwarze Cluch mit einem futuristisch anmutenden Look. www.armani.com

lupFers kaleidoskop

Die Handschrift eines Designer hat stets eine signifikante Charaktereigenschaft, die schnell als das Ultimativ seiner Entwürfe verstanden wird. Und was Frida Gianninis weibliche Schnittführung und Riccardo Tiscis Vorliebe für dunkle Farben sind, das ist für Markus Lupfer der humoristische Druck in Comic­ Ästhetik. Dass der in London ansässige Designer aber nicht nur Lippen und Fleder­ mäuse aus Pailletten auf feine Wollpullover bringen kann, das zeigt er einmal mehr mit seiner aktuellen Kollektion für die Black Line von Asos. Lupfer, der aus dem High­ End­Segment kommt, hat für den günstigen britischen Anbieter eine zehnteilige Kollek­ tion der mittleren Preisklasse entwickelt. Auf den simpel geschnittenen Lederteilen finden sich – ganz Lupfer – außergewöhn­ liche Prints. Diesmal hat sich der Desig­ ner vom Kaleidoskop inspirieren lassen. www.asos.com 29


MODE Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

It‘s a man‘s world Kapstadt ist eine Modestadt. Zwar gibt es keine großen Marken, die hier zuhause sind, auch Redaktionen internationaler Magazine findet man kaum, Produktionen zahlreicher Fotoshootings dafür um so mehr. Die südafrikanische Stadt ist eine Topadresse für Modeshootings - gerade wenn es in unseren Breitengraden noch bitterkalt ist und die Bildstrecken an Strand und Meer für den kommenden Sommer produziert werden müssen. Stiaan Louw jedoch fügt Kapstadt über die bloße Schönheit der Natur und das immer gute Wetter hinaus einen weiteren Aspekt hinzu, der die Stadt in das modische Bewusstsein der internationalen Szene rufen dürfte. Seit Februar 2008 konzentriert er sich hier, in seiner Geburtsstadt, mit seinem Label unter eigenem Namen auf lässige Menswear. Dabei ist das gestalterische Spiel mit

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sexuellen Identitäten ein Themenkomplex, der ihn in seinem Designprozess besonders zu inspirieren scheint. Immer wieder wirft Louw in seinen Stücken - und vor allem den Präsentationen derselben - Fragen nach Männlichkeit und Weiblichkeit auf, diskutiert in seinen Kollektionen standardisierte Vorstellungen vom starken Geschlecht. Im Kampagnenvideo zu seiner Linie „Atletiek“ spielt das kantige Model mit seinen Muskeln, bereitet sich auf den sportlichen Wettkampf vor, wirft dem Betrachter dabei aber sehr weiche, nahezu feminine Blicke zu. Die dazugehörige Bildstrecke alterniert ebenso zwischen kämpferischer Sportlichkeit und sanfter Erotik. Auch die Stücke der Kollektion selbst erinnern an beide körperliche Betätigungen: Lederne Panties mit freigelegtem Hinterteil zum Beispiel, sind offensichtlich von den Unterhosen amerikanischer Footballspieler, den Jocks, inspiriert, erinnern auf eine charmante Weise aber auch an sexuelle Spielarten und Pornografie. Gezeigt wird eine spezielle Sicht auf Ästhetik und Charakter des Mannes, welchen Stiaan Louw kontinuierlich in seiner Arbeit bespricht. Die Umsetzung von „Atletiek“ ist für den Südafrikaner eine neue Sichtweise - wird diese Linie von starken Konturen und festen Materialien getragen, so finden sich in den Archiven der Marke weichere, fließende Stoffe, die in voluminösen Schnitten den männlichen Körper hinab fallen. Damit zeigt Stiaan Louw eine weitere Facette seiner Arbeit und des Männerbildes, das er gestaltet: herausfordernd, kampfbereit und trotzdem sinnlich.


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Design Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Die „Blooming structures“ der israelischen Designerin sivan Royz verwandeln Taschen und schmuckstücke in changierende Organismen. Zusammengesetzt aus hunderten schichten seide, wird die Zweidimensionalität von Textil in packende, räumliche Körper transformiert.

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Design Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

ORganisches VeRsTecKspiel

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ine Tasche ist kein Beutel und erst recht kein Sack. Sie ist vielschichtiger, komplexer und mitunter auch geheimnisvoll. Auf den ersten Blick muten die „Blooming Structures“ von Sivan Royz wie sonderbare Pilze oder Schwämme an. Hunderte Lagen weißer Seide schichtete die israelische Textildesignerin übereinander, ohne eine einzelne Naht zu setzen. Lediglich von einem versteckten Gummiband werden ihre Taschen und Schmuckobjekte zusammengehalten, die in ihrem Inneren ein sicheres Versteck aufbewahren. Zwei kleine Kammern ließ Sivan Royz in die übereinander liegenden Stoffschichten einfügen. Eine davon ist gerade groß genug, um einen Lippenstift zu transportierten. Die andere entspricht genau den Dimensionen eines Handys. Um die Tasche zu öffnen, werden die Seidenlagen auseinander geschoben und schließen sich durch die Zugkraft des Gummibands wieder von selbst. „Was mich am meisten interessiert,

sind gewachsene Strukturen in der Natur. Sie sind auf beeindruckend einfache wie clevere Weise konstruiert“, erklärt die Absolventin des renommierten Shenkar College of Engineering and Design in Tel Aviv. Doch so organisch ihre „Blooming Structures“ wirken, wären sie ohne den Einsatz von Hightech gar nicht herstellbar gewesen. Um die Form der Taschen genau zu bestimmen, ließ Sivan Royz sämtliche Schichten per Laser auf ein präzise berechnetes Maß zuschneiden. Die Wahl des Werkzeugs sorgte dabei für einen besonderen Effekt. Denn je runder die Kurve, in der der Laser die Seide durchtrennte, desto stärker verfärbten sich die Ränder des Textils. Erhielt die Außenseite der Tasche auf diese Weise ihren changierenden orange-braunen Farbton, blieben die Innenseiten weiß. „Für Textildesigner liegt der Schwerpunkt normalerweise im Bedrucken von Stoffen. Was mich mehr interessiert hat, war, wie ich Drucke auf dreidimensionale Weise anwenden kann“, beschreibt Sivan Royz ihren Ansatz. Neben einer Serie von Taschen hat sie ebenso eine Schmuckkollektion nach demselben Verfahren entworfen. Die Halsketten, Armringe und Broschen sind ebenfalls aus hunderten Schichten Seide konzipiert und bringen zudem auch Farbe zum Einsatz. Der Stoff umhüllt den Körper nicht wie ein gewöhnliches Kleidungsstück. Er wird selbst zu einem Körper, der auf die Bewegungen seiner Trägerin reagiert. Die Taschen von Sivan Royz sind somit einer ständigen Transformation unterworfen und werden, in Symbiose zum Menschen, sogar lebendig. 33


BÜCHER Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Don‘t miss the Mississippi „Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen“, sagte der berühmte Autor Mark Twain einmal. Leichter gesagt als getan. Aber keiner beherrschte es so gut wie er, auch mit wenigen Worten markante Charaktere zu zeichnen und spannende Geschichten zu verfassen. Dabei war sein Weg anfangs wahrlich nicht vorgezeichnet. Zwar hatte er seit seiner Jugend kleine Lokalblätter mit Artikeln beliefert. Doch erst spät wird sein Talent für witzige und pointierte Darstellungen erkannt. Bis dahin verdingte er sich als Drucker, Lotse und diente in der konföderierten Armee. Thomas Fuchs hat Twain nun eine Biografie gewidmet, die auf charmante Art und Weise erzählt, wie aus dem unbekannten Südstaatler Samuel Langhorne Celemens der literarische Weltstar Mark Twain wurde. Die Biografie ist erschienen bei Zweitausendeins. Autor: Thomas Fuchs, Titel: Mark Twain. Ein Mann von Welt Verlag: Zweitausendeins, 2012, 224 Seiten

OHNE WORTE Mit dem aktuellen Band von Reporter ohne Grenzen werden nicht nur die besten Fotos aus der diesjährigen journalistischen Berichterstattung vorgestellt, sondern zugleich wird auch ein Plädoyer für Pressefreiheit gehalten. Eine besondere Rolle spielen in diesem Jahr wieder Bilder aus solchen Staaten, in denen Medienberichterstattung zunehmend problematisch ist. In Zusammenarbeit mit dem Berliner Designbüro onlab hat Reporter ohne Grenzen einen ästhetischen Rahmen für hochpolitische, oftmals schwierige Bildthemen gefunden. Reporter ohne Grenzen (Hrsg.): Fotos für die Pressefreiheit, 2012, 104 Seiten

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Das fünfte Element

STREET ART Der erste Blick trügt – bei „A New American Picture“ von Doug Rickard handelt es sich keinesfalls um konventionelle amerikanische Straßenfotografien. Denn das Vorgehen des Künstlers ist ungewöhnlich. Zwei Jahre lang durchforstete er das Bildarchiv von Google Street View nach Straßen, die sonst kaum Aufmerksamkeit erhalten: triste, vergessene, heruntergekommene Straßen Amerikas. Rickard entdeckt diese fotografischen Zeugnisse des urbanen und ländlichen Zerfalls und decodiert sie. Die maschinell generierten Google-Bilder fotografiert er vom Monitor seines Computers ab, bestimmt den Bildausschnitt und damit auch einen neuen Kontext ihres automatisierten Ursprungs. Der Verlag Walther König präsentiert nun Rickards Straßenansichten in einem bestechenden Bildband. Verlag der Buchhandlung Walther König, 2012 Doug Rickard, 144 Seiten

Traditionell werden vier Dinge mit der Hip-Hop-Szene in Verbindung gebracht: MCing, Breaking, Graffiti und DJing. Die Meister des Hip-Hop geben sich nun die Ehre und verraten eine fünfte Dimension: ihre Lieblingsrezepte. Statt Beats und Breaks sind es diesmal kulinarische Genüsse und Geschmackswelten, in die uns renommierte Musiker und DJs wie Kurtis Blow, Crazy Legs (Rock Steady Crew), Grand Mixer DXT, DJ Static, Blade, Can2, Lil’ Cesar (Air Force Crew), DJ Charlie Chase (Cold Crush Brothers), Emile XY, Master OC (Fearless Four), Shiro, Wane One, Zulu Gremlin, Luana, Loomit, Duro (CIA), Katmando, Cutmaster GB, Zebster, u. a. mitnehmen. Neben den Rezepten werden die Künstler mit kurzer Biografie, mit Geschichten aus ihrem Leben und Fotos vorgestellt. Zusammengestellt wurde das Buch vom Urgestein des deutschen HipHop, Gerry „Cutmaster BG“ Bachmann in Zusammenarbeit mit dem Berliner Verlag From Here To Fame. Verlag: From Here to Fame Autor: Gerry „Cutmaster GB“ Bachmann, 112 Seiten

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Schmuck Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Dior-Drama Emotionen kennen unzählige Wege, sich auszudrücken und die Empfindungen des Menschen nach außen zu zeigen. An Dramatik kaum übertroffen ist wohl das Weinen. Auch Schmuck ist eine hochemotionale Angelegenheit, versetzt er uns doch immer wieder in atemberaubendes Staunen und lässt unser Herz höher schlagen. Die schmuckgewordene Verbindung dieser beider Gefühlswelten, der tiefen Traurigkeit und jubelnden Verblüffung, gibt es in der aktuellen Kollektion Diors zu sehen. Das dunkle, grau nuancierte Collier fällt in Tropfenformen auf das Dekollté seiner Trägerin. Fast aufmunternd aber funkeln kleine Kristalle aus der Mitte der Tränen hervor – ein besonders gefühlsbetontes Stück Modeschmuck. www.dior.com

Farbexplosion

Mit Handtaschen fing alles an: 2005 grün­ dete Elena Hecker ihr Label in Düsseldorf. Mit der Einführung einer weiteren Linie drei Jahre später gab sie auch ihren geschmackli­ chen Blick auf Schmuck frei. Seitdem bietet sie Modeschmuck an, der vor allem von seiner mannig­ faltigen Farbigkeit lebt. Besonders abwechslungs­ reich ist diese Kette aus exquisiten, venezianischen Kristallen. Dem ersten Anschein nach in tiefdunklem Blau gehalten, verrät erst der zweite Blick die Vielfältigkeit der Farbwelt. Im Licht changierend funkeln die Kristalle in allen erdenklichen Farben. Ein Schauspiel!

www.elenahecker.de

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Schmuck Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

tieriSch elegant Animalprint ist kein einfaches Trendthema. Zwar verdeutlichten erstklassige Designer wie Roberto Cavalli in nicht nur einer Saison ihre Liebe zur gedruckten Tierhaut, trotzdem schwingt mit Leoparden­ und Zebra­ muster immer auch ein Gefühl von Verruchtheit und Kitsch mit. Bei Bucherer gibt es jetzt eine Variante, die ganz und gar nicht billig aussieht. Ob die Inspiration des goldenen Ringes mit gelben und schwarzen Steinen nun wirklich eine Tierhaut war oder nicht, der hochkarätige Ring erinnert jedenfalls verdächtig an Pythonhaut. Nichts schlängelt sich grandioser um den Finger als echte Diamanten! www.bucherer.com

NATURSCHöN Die Natur war schon immer eine große Inspirations­ quelle für Schmuckdesigner: Sei es das Collier, das wie ein Wasserfall den Hals hinabfällt, oder der Ring der in Blumenformen blüht. Auch die Mailänderin Daniela De Marchi bedient sich der Natur und setzt ihre Schönheit in Schmuckstücke um. Diese wechseln stets zwischen Minimalismus und Extravaganz. So zum Beispiel die Ohrhänger ihrer aktuellen Kollektion. Die metallenen Blätter in einfacher, geradezu kindlich ge­ zeichneter Form, geben erst beim näheren Hinsehen ihre besondere Ästhetik preis: Unzählige kleine, golde­ ne Blasen sprudeln aus dem zierlichen Gerippe hervor.

exotic momentS

www.danielademarchi.it

Oftmals speist sich die Mode aus Momentaufnahmen. Politische Geschehnisse, kulturelle Ereignisse, persönliche Geschichten: Kleidung spiegelt immer die Umstände ihrer Zeit wider. Diese Grund­ eigenschaft der Mode hat das Accessoirelabel „a cuckoo moment” bereits im Namen manifestiert. Die Marke versteht die kleinen Augenblicke des täglichen Lebens als Inspiration zu ihren Kollek­ tionen und stilisiert sich dabei selbst zur modischen Momentaufnahme. Der Zeitab­ schnitt, den cuckoo diese Saison beschreibt, ist ein exotischer. Auffällige, geradezu prächtige Sets an Armreifen bestehen aus feinsten Tier­ häuten, so wie dieses aus Python­ und Rochenleder in Nachtblau und Gold gehalten. www.a­cuckoo­moment.de

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© Paris, Musée d‘Orsay, Geschenk der Erben von Gustave Caillebotte, 1894 Gustave Caillebotte und Bergère auf der Place du Carrousel, Februar 1892, © Privatsammlung

Gustave Caillebotte

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In einer umfangreichen Ausstellung mit zahlreichen Gemälden und Zeichnungen präsentiert die Frankfurter Schirn Kunsthalle die Arbeit des französischen Impressionisten Gustave Caillebotte. Und erweist damit einem Maler die Ehre, der in Deutschland – anders als in Frankreich, England oder den Vereinigten Staaten – bislang nur wenig Beachtung fand. Dabei erschließen sich durch eine Betrachtung von Caillebots Werk neue Zugänge zur Malerei des Impressionismus. Seine Darstellungsweise nimmt dabei, sowohl durch Themenwahl, wie auch durch seine gestalterischen und perspektivischen Mittel, die Entwicklung der Fotografie vorweg. Um diesen visuellen Zusammenhang zu verdeutlichen, haben die Frankfurter Ausstellungsmacher die Schau durch herausragende Fotografien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ergänzt. „Gustave Caillebot. Ein Impressionist und die Fotografie“: 18. Oktober 2012 bis zum 20. Januar 2013 in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt.


ausstellunGen Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Chloé attitudes Zart, elegant und immer feminin - dafür stehen die Kreationen von Chloé. In diesem Jahr feiert das französische Modehaus mit einer ersten umfassenen Ausstellung, die im frisch renovierten Palais de Tokyo in Paris gezeigt wird, Jubliäum. Vor 60 Jahren gründete die Schneiderin Gaby Aghion zusammen mit dem Unternehmer Jacques Lenoir Chloé befreite die Frauen von den bis dahin vorherrschenden strengen Schnitten. Weltstars, wie Brigitte Bardot, Grace Kelly und Maria Callas hüllten sich schon in den Sechziger Jahren in die Roben der französischen Marke und unterstrichen damit ihre weibliche Ausdruckskraft. In den folgenden Jahrzehnten prägten und erweiterten Designergrößen, wie Karl Lagerfeld, Stella McCartney, und Phoebe Philo das Erscheinungsbild der Marke. In der Ausstellung „Chloé Attitudes“ wird die Geschichte des Unternehmens nun anschaulich dargestellt. Gezeigt werden neben den Kleidern, auch bisher unveröffentlichte Zeichnungen aus den Jahren 1958 bis 1985, sowie Modefotografien von Künstlern, wie Helmut Newton und David Bailey „Chloé Attitudes“: 28. September bis zum 18. November 2012 im Palais de Tokyo in Paris.

© Jens Rötzsch/ Berlinische Galerie

diGital Crystal Für die meisten Menschen ist das Haus Swarovski der Inbegriff luxuriöser Glas- und Kristallobjekte oder extravaganter Mode-Accessoires. Weitaus weniger bekannt ist hingegen das Engagement des österreichischen Unternehmens für Forschung und Designentwicklung. Dabei dienen die von dem Hause Swarovski in Auftrag gegebenen Design- und Architekturprojekte schon seit einigen Jahrzehnten als experimentelle Plattform und Möglichkeit radikalste Entwurfs - Ideen umzusetzen. Eine Ausstellung im Londoner Design Museum stellt diese Arbeit nun zur Schau und widmet sich dabei einem ganzen Themenkomplex: Die Zukunft von Erinnerung und haptischen Erfahrungsmomenten in einem immer rasanter werdenden digitalen Zeitalter. 14 Designern und Designkollektiven wurde der Auftrag erteilt, dazu Konzepte zu entwickeln. Darunter finden sich berühmte Namen wie Ron Arad, Maarten Baas, aber auch junge Talente wie Hilda Hellström und Anton Alvarez. Ihre Arbeiten werden in London Seite an Seite mit Stücken aus dem Swarovski Archiv präsentiert. Die Gegenüberstellung von Altem und Neuem, soll zur Diskussion um den Wert von Objekten und Zeit anregen. „Digital Crystal“: 5. September 2012 bis zum 13. Januar 2013 im Design Museum in London.

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ARCHITEKTUR Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

pimp my house Im Herzen Lothringens, keine Autostunde von Saarbrücken entfernt, liegt die französische Kleinstadt Delme. Jüngst wurde dort eine Architektur-Skulptur eingeweiht, die durch amorph-futuristische Formen ein zuvor nahezu in Vergessenheit geratenes Gebäude zu neuem Leben erweckt. Vor knapp drei Jahren vergab die Stadt Delme den Auftrag an das Künstler-Duo Christophe Berdaguer und Marie Péjus, ein zur Synagoge der Stadt gehörendes Gebäude als Besucherzentrum umzugestalten. Nachdem die Synagoge 1981 aufgrund schwindender Mitgliederzahlen der jüdischen Gemeinde geschlossen werden musste, hat sich die Kommune von Delme um eine Umnutzung für kulturelle Zwecke bemüht. Mittlerweile hat sich der Ort als Ausstellungsraum und Experimentier-Plattform für zeitgenössische Kunst weit über die Landesgrenzen hinweg etabliert. Mit Gue(ho)st House haben die Künstler eine Kombination von Architektur, Skulptur und Design geschaffen. Das neue Besucherzentrum ist dabei eine Überformung eines Gebäudes, das bereits als Gefängnis, als Schule und schließlich als Bestattungsinstitut diente. Den Titel der Arbeit haben Sie dabei einem Zitat von Marcel Duchamp entlehnt 1 Guest + 1 Host = 1 Ghost. Dabei sind die Geister, die sie rufen keine negativ besetzten Erinnerungen oder Gestalten, sondern vielmehr Repräsentanten der langen und abwechslungsreichen Geschichte des Ortes, an dem der Kunstliebhaber nun zum Besucher wird. Berdaguer und Péjus sind bekannt für ihre Auseinandersetzung mit Stadtraum-Konzepten, Naturwissenschaft und Soziologie. Diese Interessen und Fragestellungen haben die Künstler nun im Delme-Projekt zusammengeführt. Manch einer reibt sich an der ungewöhnlichen Form und Ästhetik, die vom Gebäude aus in den Park zerfließt. Den Künstlern geht es aber genau darum – zu reflektieren, zum Nachdenken anregen. 40


Wie „ßbergossen“ erscheint das neu gestaltete Besucherzentrum der ehemaligen Synagoge

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Design Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Die schönsten im ganzen lanD

Insider Chic

Marks and Spencer Joanna Wood

In der Regel besteht der Nutzen von Spiegeln darin, uns von unserer eigenen Attraktivität zu überzeugen, aber ihre eigene bisweilen außergewöhnliche Schönheit lenkt uns gelegentlich von unserem Selbstbild ab. Besondere Beliebtheit bei renommierten Interiordesignern hat stets die Sonnenform genossen. Die runden, nach außen in Strahlenformen ausufernden Designs sind gerade in den letzten Jahren zum gern gewählten Objekt urbaner Wohnkultur geworden. Ob im New Yorker Apartment oder der Pariser Studiowohnung, Sonnenspiegel sind ein Indiz modernen Lebensstils mit einem Hang zu romantischer Nostalgie. Vier besonders reizvolle Exemplare gibt es von Marks & Spencer, Insider Chic, Joanna Wood und An Angel At My Table. www.marksandspencer.com, www.insiderchic.net, www.joannawood.co.uk, www.anangelatmytable.com

An Angel at my Table

iDentifikationsmittel Kunst und Identität – das sind nicht nur die Wörter, aus denen sich der Name artdentity ergibt, auch das Konzept der Marke versteht diese beiden Schwerpunkte als Ansatz für ihr Design. Die Porzellan- und Glasarbeiten, Möbelstücke und Wohnaccessoires sollen dem Kunden die Möglichkeit geben, sich gestalterisch auszudrücken, seinen ganz persönlichen Gusto schon im kleinsten Wohndetail zu manifestieren. Mit der Würzburger Marke identifizieren können sich wohl vor allem Anhänger der schlichten Form und gedeckten Farbe – die Kombination für kultiviertes Understatement. Maike Sobek und Gunter Eschemann, die Macher hinter artdentity, wissen um die Kraft des guten Geschmacks, arbeiteten sie doch beide bereits in tragender Position für René Lezard. Designwissen, das sich auch in dieser mundgeblasenen Kristallvase ausdrückt. Die unaufdringliche Form wird mit einem feinen Rautenmuster veredelt. Ausgesprochen elegant dürfte in diesem Stück ein Strauß blass rosafarbener Magnolien aussehen. www.artdentity.de 42


accessoires Quality Magazin No. 26 – Oktober 2012

tisch’n’fish

Lifestyle beschränkt sich nicht nur auf Mode und Einrichtung – an alle Aspekte unseres Lebens stellen wir heute einen ästhetischen Anspruch. Längst schon avancieren auch Haustiere zu Statussymbolen, deren Optik einmal mehr unseren persönlichen Geschmack widerspiegeln. Der Koi ist eine besonders exquisite und hochpreisige Variante. Die fernöstliche Fischart ist nicht nur ein Symbol der japanischen Kultur, auch sein hohes Maß an kunstvoller Ästhetik trägt zu seiner großen Beliebtheit bei. Bei Brabbu steht der edle Karpfen jetzt Pate für ein neues Coffeetable-Design. Der amerikanische Anbieter erstklassigen Interiordesigns kombiniert wie gewohnt geschickt die Inspiration der Natur mit einer modernen, urbanen Attitüde. Dem Koi entsprechend, dessen Farbnuancen sich der Umgebung anpassen, kann auch der Tisch bei Brabbu dem eigenen Wohnstil entsprechend geordert werden: Koi ist in drei Größen erhältlich, die Tischplatte gibt es wahlweise aus Glas oder Mamor. So bietet sich die Möglichkeit zur individuellen Gestaltung des eigenen Lebensstils – im Wohnzimmer wie im Teich. www.brabbu.com

tafelkunst Ob die verschwenderische Medusa-Kollektion von Versace Home oder schlichtes Weiß von Fürstenberg – auch im Porzellandesign drücken wir unseren Stil aus, geben Hinweise auf unsere geschmackliche Individualität. Für die Minimalisten mit Affinität zum eleganten Detail gibt es jetzt eine passende Serie namens Urbino. Hergestellt von KPM, der königlichen Porzellanmanufaktur Berlin, drückt sich das Service durch klare Formen im Bauhausstil aus. Die Schnörkellosigkeit der Silhouetten wird mit starken Farben gebrochen, goldene Umrandungen sorgen für das Quäntchen Luxus. Die zerbrechlichste Art, Geschmack zu beweisen! www.kpm-store.com 43


ShopS Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Im WeSten WaS neueS Zwar ist das Kaufhaus des Westens mit seiner über einhundert Jahre alten Geschichte sicherlich eines der traditionsreichsten und alteingesessensten Kaufhäuser Deutschlands, trotzdem überrascht das Berliner Haus immer wieder mit innovativen Ideen und unerwarteten Neuerungen. Nach der Neupositionierung 2004 mit klarem Richtungwechsel gen High-End-Segment kommt nun der nächste entscheidende Schritt des KaDeWe. Neben den bereits ansässigen Luxusbrands wie Chanel, Fendi, Louis Vuitton, Miu Miu und Dior, die allesamt ihre Stores erneuert und vergrößert haben, ist der Boulevard im Erdgeschoss nun auch um Shops von Céline und Saint Laurent Paris reicher. Noch mehr Neuheiten gibt es in der dritten Etage zu erleben. Unter dem Titel „The Loft“ finden sich hier auf 6000 qm Taschen und Schuhe ausgewählter Marken wie Prada und Jimmy Choo. Auch in Deutschland eher schwierig erhältliche Label wie Agent Provocateur und Diane von Fürstenberg bieten hier ihre Kollektionen an. Dem Namen entsprechend ist „The Loft“ unter Verwendung von viel Holz und Metall sehr offen gestaltet. Vom neuen Angebot überzeugten sich bei der Eröffnung unter anderem Claudia Schiffer, Diane Kruger, Eva Herzigova und Elizabeth Hurley persönlich. www.kadewe.de

punk In toWn Vielleicht liegt es an der auf den ersten Blick gewagten Kombination aus der ordnungsliebenden Stadt und der Begründerin des Punk, dass es so lange gedauert hat, bis Vivienne Westwood ihren ersten Store in Wien eröffnete. Seit September aber gibt es ihn – der erste WestwoodFlagshipstore in der österreichischen Hauptstadt. Mittlerweile längst im modischen Establishment ankommen, passt die einstige Rebellin heute perfekt in die noble Tuchlauben. Hier in der Nummer 12 wurde der Flagshipstore in Abwesenheit der Designerin eröffnet. Ist sie dem Event auch ferngeblieben, so war Westwood um so mehr in die Konzeption des Stores involviert. Gemeinsam mit Partner Andreas Kronthaler und Geschäftsführer Gregor Pirouzi entwickelte sie das Geschäft auf 240 qm. Den Entwürfen Westwoods entsprechend, die auf ausladende Weise immer für sich selbst sprechen, gibt sich das Interieur mit Holzböden und weißen Wänden einfach, nur akzentuiert kommen barocke Möbel und verschwenderische Kronleuchter zum Einsatz. Neben dem europaweit einzigartigen Verkauf aller Unterlinien der Marke unter einem Dach, gibt es auf einer speziellen Couture-Etage sogar die Möglichkeit, sich die Entwürfe auf den Leib schneidern zu lassen. www.viviennewestwood.co.uk


ShopS Quality Magazin No. 26 – Oktober 2012

modern dIor

Kaum ein Name ist in der Welt des Shop-Interiors so groß wie Peter Marino. Und auch der neue – alte Dior-Store in Mailand visualisiert die unverwechselbar üppige Handschrift des Amerikaners. Nach Renovierungsarbeiten erstrahlt der Flagshipstore in der Via Montenapoleone Nummer 12 in neuem Glanz. In Zusammenarbeit mit Gegenwartskünstlern hat Marino ein Konzept entwickelt, das bei aller Modernität auch den Ansprüchen einer Traditionsmarke wie Christian Dior gerecht wird. In Perlgrau gehalten – eine der Lieblingsfarben des französischen Couturiers höchstpersönlich – beeindruckt das Geschäft seine Kunden mit Videoarbeiten des Künstlers Oyoram auf 124 (!) LCD-Bildschirmen. Möbelstücke von Hubert Legall und Willy Rizzo unterstreichen das unvergleichlich luxuriöse Gefühl Diors. Neben Margherita Missoni und Dior-CEO Sidney Todelano kam selbstverständlich auch Vogue Italia-Chefin Franca Sozzani zur Eröffnung. www.dior.com

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Accessoires Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

GetrAGene kunst Immer öfter versteht sich Mode auch als Kunst. Sie experimentiert in der Avantgarde mit unvorstellbaren Schnitten, stilisiert Kleidung bis zur untragbarkeit oder empfindet Momente der Malerei nach. Yves Saint Laurent zum Beispiel feierte 1965 großen Erfolg mit dem „Mondrian Dress”, dem von Piet Mondrian inspirierten Minikleid. Passend zum diesjährigen, hundertfünfzigsten Geburtstag Gustav Klimts, hat sich auch Codello zur Aufgabe gemacht, einfachen Halstüchern künstlerische Größe zu verleihen. Neun Motive des Wiener Malers schmücken die feinen Stoffe aus italienischem Material mit Kaschmiranteil. Hier Klimts „Dame mit Fächer” von 1917/18. www.codello.de

BEHüTE T u T G

Die Kreationen Diors unter John Gallianos Führung waren vor allem für eines berühmt: Extravaganz, immer am Rande zum Kitsch. Auch die Hüte des Hauses übertrafen sich gegenseitig in Farbenreichtum und Formenvielfalt. Bill Gaytten, der zwischen Galliano und Simons für nur zwei Saisons das Zepter in der Hand hielt, hatte eine andere Vision der Dior-Frau. Auch diese feinmaschige, magentafarbene Mütze trägt seine zurückgenommene Handschrift und ist mit ihrer klaren, runden Form eine Reminiszenz an die Eleganz der 1920er. www.dior.com

skirt Pony Das Schuhlabel Aperlai ist für die ausgefallenen Kreationen der Chefdesignerin Alessandra Lanvin bekannt. Die Kollektion der Pariser Marke für die Saison Herbst/Winter 2012 gibt Blicke auf abstrakte Kunst und Bondage-Elemente frei. Die Designs erstrecken sich von wellenförmig aneinandergesetzten Lederteilen in leuchtenden Farben, über gelackte Riemenkonstruktionen bis hin zu gold glitzerndem Schuhwerk mit massivem Blockabsatz. Wer es dezenter aber trotzdem kurios mag, der dürfte sich für das Modell „Skirt Pony” interessieren: ein schwarzer Ankleboot, rückseitig mit einem Teil aus Ponyfell ummantelt. www.aperlaiparis.com 46


Accessoires Quality Magazin No. 26 – Oktober 2012

AuGenblick mAl Ein flüchtiges Lächeln in der u-Bahn, der verheißungsvolle Blick in einem Restaurant – manchmal erhellen die kleinsten Momente der Zwischenmenschlichkeit unseren ganzen Tag, selbst wenn wir sie mit einem Fremden teilen. Den auffordernden Blick durch verdunkelte Gläser zu werfen, kann dabei besonders reizvoll sein. Ein paar der Besten bietet diese Saison Prada an. Kreisrund und in einem sandigen Farbton breit gerahmt, fördert die Brille Assoziationen zur Popkultur und erinnert an das London der 1960er. Will man den zweiten Blick unverdunkelt riskieren, so lässt sich diese Brille sicher extra lässig von der Nase ziehen. www.prada.com

MANCHES äNDERT SICH NIE Es gibt kaum etwas Hochwertigeres, das man sich über die Hände ziehen kann, als Leder von Roeckl. Gründer Jakob Roeckl hatte bereits 1839 das Vorhaben, die feinsten und schönsten Handschuhe anzubieten. An ausnahmsloser Qualität und feinster Optik hat sich auch über 170 Jahre später nichts verändert. Mit einem Sortiment, das mittlerweile über die Handbekleidung hinaus auch anderes Lederwerk, Seidentücher und Strick anbietet aber, gibt Roeckl heute nicht nur den zweiten, sondern wohl den hundertsten Blick auf die Vision Jakob Roeckls von Wertigkeit und ästhetik frei. Genau ins Bild passen da die beerenfarbenen Langhandschuhe aus exquisitem Wildleder. www.roeckl.com

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KONZERTE Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Mit ihrem akustik Cover von Lykke Li’s Hit „I follow Rivers“ ist das belgische Trio nun auch im deutschen Pop-Olymp angekommen. Die Band um den charmant vollbärtigen Ruben Block ist bekannt für ihre außergewöhnlichen Coverversionen, die zumeist sehr ausgefeilte neue Harmonien zeigen und angenehm zurückgenommen daherkommen. Aber die Band kann auch anders. Nicht umsonst hat sie den Beinamen „lauteste Band in Antwerpen“ inne. Mit ihrer Mischung aus sanften Akustik Songs und energetischrockigen Krachern haben sie sich eine große Fanbase geschaffen, die sie quer durch Europa ab Oktober besuchen können. Auch in Deutschland gibt es viele Möglichkeiten, die Rocker live zu sehen. 17.11.2012 Augsburg, Kantine 04.12.2012 Luxembourg City, DEN ATELIER 05.12.2012 Hamburg, Gruenspan 06.12.2012 Berlin, Postbahnhof 12.02.2012 München, 59to1

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TRIggERFINgER


BODO WARTKE Den charmanten Sprachjongleur mit den vielseitigen Qualitäten kennen wohl die Meisten nur aus der Comedy Szene. Aber der Sohn eines Ärztepaares macht auch vor am Flügel eine gute Figur. So ist sein Evergreen „Ja, Schatz“ kaum aus der eigenen Musik Playlist wegzudenken. Liebeslieder haben es Bodo Wartke besonders angetan, wie es scheint, denn auf seiner Website findet man sie in fast allen Sprachen und für die ganz Kreativen sogar auf Klingonisch. In seinem neuen Programm „Klaviersdelikte“ führt er nicht nur singend durch den Abend. Egal ob er rappt, gedichte rezitiert oder Samba tanzt; Sein facettenreiches Klavierkabarett zeigt das daily life mit einem Augenzwinkern. Ein echter gentleman-Entertainer also. 04.11.2012 Würzburg, Congresszentrum 08.11.2012 Göttingen, Stadthalle 25.11.2012 Ingoldtadt, Festsaal des Stadttheaters 29.11.2012 Winterthur, Casino Theater 08.12.2012 Berlin, Konzertsaal der UdK 49


KONZERTE Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

PETER HEPPNER

Foto: Jim Anderson

Da kommen Erinnerungen auf! Der zweifache Echo-Preisträger Peter Heppner meldet sich mit seinem zweiten Soloalbum „My Heart of Stone“ zurück. Der Hamburger mit der unverkennbar geheimnisvollen Stimme war bereits in den 80ern musikalisch sehr erfolgreich, damals noch als Frontmann der Dark-Wave gruppe Wolfsheim. Heppners erstes Soloalbum war für ihn im Nachhinein eher ein Übergangswerk, als ein Neuanfang. Erst jetzt, mit dem neuen Album, beginnt nun ein neues Kapitel seiner Karriere. Wir hören zwar noch immer die klare Verankerung im Elektro-Pop heraus, doch besticht das Album vor allem durch seine stilistische und emotionale Vielfalt. Die Palette reicht von melancholisch über rebellisch bis hin zu ausgelassen fröhlich und wird bereichert durch Elemente aus dem Rock, Dancefloor und Ambient Bereich. So klingt er also, Heppner als solo.

26.11.2012 Dortmund, FZW 28.11.2012 Bremen, Schlachthof 01.12.2012 Leipzig, Anker 02.12.2012 Berlin, C-Club 05.12.2012 München, Backstage 08.11.2012 Göttingen, Stadthalle 25.11.2012 Ingoldtadt, Festsaal des Stadttheaters 29.11.2012 Winterthur, Casino Theater 08.12.2012 Berlin, Konzertsaal der UdK


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Zehn erfolgreiche Coverhits Manchmal kann es nicht schaden, die Dinge nochmal ganz neu anzugehen. Denn am Ende könnte das Cover sogar erfolgreicher werden als der Originalsong. Wir haben die spannendsten und bekanntesten Cover zusammengestellt. SOFT CELL Tainted Love (Single) Tainted Love ist wohl ein Song, an dem sich scheinbar jede Band versucht hat. Doch immer klingt es wie ein Soft Cell Remake. Was Urheberin gloria Jones dazu sagen würde? Nur Positives, denn jedes Remake ist auch eine Neuerfindung.

SINÉAD O‘CONNOR Nothing Compares 2 U (All the Best) Nur den hardcore Prince Fans dürfte bewusst sein, dass auch dieser Song ein Cover ist. Er nahm den Song mit seiner Band The Family auf. Allerdings ist das Cover zu weit vom Ursprung entfernt, als das es jedem auffallen würde...

MICHAEL BUBLÉ Feeling good (It‘s time) Den Song, der aus einem Musical von Anthony Newley und Leslie Bricusse stammt, gibt es inzwischen in fast jeder Musikrichtung. Besonders ist die opulente Big Band Version von Michael Bublé.

NO DOUBT It‘s my life (The Singles 1992-2003) Ein Song, an dem man in den 80ern nicht vorbeikam, war sicher dieser. Ob nun aber das Original von Talk Talk oder das Cover besser ist, lässt sich in diesem Fall nicht sagen. Am besten hören Sie selbst rein.

PARAMORE My Hero (Sound of Superman OST) Die Alternative Rock Band aus Tennessee coverte für den Film Superman Returns einen alten Hit der Foo Fighters von 1998 und verlieh ihm ein neues gewand. Sängerin Hayley Williams präsentiert hier ihre volle Stimmfarbe.

gARY JULES Mad World (Donnie Darko OST) Der erste internationale Synthpop/New Wave Hit von Tears for Fears wurde 20 Jahre später von gary Jules für den Soundtrack zu Donnie Darko neu interpretiert. Die ruhigere Version kam sehr gut an und erzielte eine hohe Chartsplatzierung.

ARETHA FRANKLIN Respect (Aretha Franklin - the very best of) Wenn wir diesen Titel hören, denken wir an Aretha Franklin. Erstaunlich, stammt doch die Originalversion von Otis Redding. Wahrscheinlich war Arethas unglaubliche Stimmgewalt Schuld am Wandel.

MILOW Ayo Technology (Maybe Next Year - live) Coversongs bekannter Hits - gerade von größen wie Justin Timberlake - haben es oft nicht leicht sich auf dem Markt zu behaupten. Kommen sie aber so charmant daher, sollte man eine Ausnahme machen.

RUN DMC Walk this way (Raising Hell) Es kommt nicht oft vor, dass ein Song ein ganzes genre revolutioniert. Aber mit ihrer Kooperation mit Aerosmith taten Run DMC genau dies. Der Rap-Rock Mix wurde das Markenzeichen der Band.

LIMP BIZKIT Behind blue eyes (Results may vary) Einen eher ungewöhnlichen Ausflug in die sanfte Welt der Balladen stellt dieses Cover von The Who dar. Denn Limp Bizkit sind sonst eher für ihre lauten Nu Metal Kracher bekannt.

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Maison Moschino Das neoklassische Gebäude, einst ehemaliger Bahnhof Mailands, wirkt eher schlicht. Doch tritt man durch die Tür des Maison Moschino, so gelangt man in eine kreative Designwelt. Das set-Design lässt den Gast in die faszinierende Welt des Modehauses Moschino eintauchen. schon die weiß gestaltete Lobby erstrahlt mit dutzenden Lampen in Gestalt von haute-couture-Kleidern. sechzehn verschiedene Raumkonzepte stehen dem Gast des Mailänder Designhotels zur Wahl, von denen die namen wie „Life is a Bed of Roses“ oder „sleeping in a Ballgown“ wie auch von dem Zimmer „The Forest“ vielversprechend sind. Dem Gast werden im hause Moschinos kleine Fantasie-Welten eröffnet, in denen die Grenzen zwischen schein und sein verschwimmen. neben der faszinierenden optik begeistert das hotel zudem durch exklusiven service und hohen Komfort. neben dem Restaurant und der Loungebar gibt es auch ein spa. www.maisonmoschino.com 52


HOTELS Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Die Feine aRT Das Traditionshaus St. Regis Hotel in New York kann sich seit einiger Zeit doppelt freuen. Denn gleich zwei der renommiertesten Mode- und Schmucklabels, Dior und Tiffany, haben für neuen Besucherandrang gesorgt. Wir befinden uns in der zwölften etage hoch über den straßen von Manhatten in der ersten und somit einzigartigen Dior suite weltweit. 1700 qm hat das Pariser Label gestaltet. Von den interieurs Pariser ateliers inspiriert, greift die suite die für Dior typische Farbpalette auf – dezentes Grau und schlichtes Weiß, akzentuiert mit sanften Rosatönen. Kontrapunkte setzen die glamourösen Dekordetails und stoffe für Wandverkleidung, Vorhänge und Mobiliar. Deutlich erkennt man die Referenzen an den Pariser hauptsitz von Dior in der avenue Montaigne am prunkvollen Kristallkronleuchter, an der typischen schleife am spiegel oder an dem aquarell des Künstlers Bil Donavan. nur zwei stockwerke höher betreten wir die Welt von Tiffany. nur wenige Meter vom hotel entfernt, hat einst audrey hepburn mit großer sonnenbrille den sehnsüchten aller Frauen ein Gesicht gegeben. nun ist es Tiffanys unverkennbares Türkis, ein von Juwelen inspiriertes interieur und hochwertige accessoires, die träumen lassen. Perlenketten am Kronleuchter, diamantverzierte Rundspiegel, Porzellanrosen an der schlafzimmerwand und der Blick über den gesamten central Park versprechen ein einmaliges new-YorkFeeling. Das hotel, das 1904 im Beaux-art-stil von John Jacob astor erbaut wurde, ist ohnehin mit den Jahren zu einer der herausragenden sehenswürdigkeiten new Yorks geworden. Mit eleganz und Luxus begeistert das haus seine Gäste weltweit. Mit diesen First class suiten hat das st. Regis hotel nun zwei atemberaubende attraktionen hinzugewonnen und der strom der Besucher ist gewiss. www.stregissuites.com 53


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APPS Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

Für unterwegs, zwischendurch oder ab und an - unsere Top - Apps sind sowohl zweckdienlich, als auch unterhaltsam. Mit diesen mobilen Anwendungen erleichtern wir das Leben. Oder bieten gute Ideen, sich abzulenken.

FLIGHT+ Mit dieser App wird einem das Reisen leicht gemacht. Egal ob Terminalwechsel, Abflugzeiten oder Platzbuchungen - in Real-Time und unter ständiger Aktualisierung erfahren Sie hier sofort von etwaigen Änderungen. Und das für alle Flüge, alle Airlines und alle Flughäfen der Welt.

LIFT Probleme mit der Disziplin? Mit dieser App können Sie sich selbst Aufgaben stellen, die Sie erledigen möchten. In einem Report erfahren Sie, wie erfolgreich Sie Ihren Tag verbracht haben. Los gehts, denn es gibt viel zu tun!

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VAMOS Wohin heute Abend? Mit Vamos erfahren Sie, wo sich die meisten Ihrer Freunde heute Abend aufhalten werden. So lassen sich “spontane” Treffen herrlich einfach organisieren.

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Motion Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

BMW 6er Gran coupé

Mehrfach ist die BMW 6er Gran Coupé für sein herausragendes Design ausgezeichnet worden. Aktuell ist das Modell sogar für den „Designpreis der Bundesrepublik Deutschland“ nominiert. Und das zu Recht – das Interieur besticht durch Eleganz, edle Materialien und deren perfekte Verarbeitung, klassische Linienführung und Formgebung. Doch nicht allein aufs Äußere kommt es an. Zu allererst besticht der BMW durch ein perfektes Fahrgefühl: Agiles Kurvenverhalten, gepaart mit dem sportlich-komfortablen Fahrgefühl zeichnet den Gran Coupé aus. Ob auf langen Strecken oder bei engen Kurvenfahrten – die Integral-Aktivlenkung mit mitlenkender Hinterachse sorgt für Wendigkeit und Agilität in jeder Fahrsituation. Der Adaptive Drive und die Dynamische Dämpfer Control, der eine individuelle Stoßdämpfereinstellung ermöglicht, unterstützen die Fahrzeugkontrolle. Das 8-Gang Sport-Automatic Getriebe schaltet nahezu unbemerkt und hält den Motor immer im optimalen Drehzahlbereich. Höchste Technologie und klassische Eleganz sind beim BMW Gran Coupé perfekt zusammengeführt. MA http://www.bmw.de/de/de/newvehicles/6series/gran_coupe/2011/showroom/index.html

Ein Mildhybrid, der SpaSS Macht Auf weichen Ledersitzen gleitet man nahezu lautlos über den Asphalt. Sanft schaltet das automatische Achtganggetriebe hoch. In 4,9 Sekunden geht der Zwei-Tonner von null auf hundert. Das klingt nach Fahrspaß und höchstem Technologiestandard. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich die zweite Generation des BMW ActiveHybrid 7. Mit diesem Modell setzen die Bayerischen Motorenwerke neue Maßstäbe in Sachen Leistung und Effizienz. Denn Medien, Märkte und Verbraucher fordern immer stärker eine Kombination aus Fahrkomfort und Umweltbewusstsein. Bei aller Effizienz soll das Fahren aber weiter Spaß machen. Dafür sorgt schon die immense Kraft des V8 Motors und beeindruckende 354 PS Systemleistung. Diese technische Meisterleistung und beeindruckende Motorkraft ist dem Auto von außen nicht anzusehen – und das scheint gewollt zu sein. Denn erst im Inneren wird klar, wie viel Luxus der ActiveHybrid 7 bietet: Fernsehbildschirme in den Rückenlehnen, Massagefunktion in allen Sitzen, Einparkhilfe, etc. sind selbstverständlich. Wieder einmal setzt BMW erfolgreich auf klassisches Understatement. MA http://www.bmw.de/de/de/newvehicles/7series/sedan_active_hybrid/2012/showroom/ index.html


Motion Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

FirSt claSS unter allen BedinGunGen – der MercedeS Gl Die neue GL-Klasse ist das ultimative Auto für alle Lebenslagen und setzt bei Komfort, Sicherheit und Effizienz neue Maßstäbe in der SUV-Welt. Seine außerordentliche Leistungsfähigkeit demonstriert das Offroad-Flagschiff in dichtem Stadtverkehr ebenso wie auf kurvenreichen Landstraßen, auf gut ausgebauten Autobahnen oder abseits des Straßennetzes. Auch unter schwierigsten Bedingungen überzeugt der GL. Mit ihrem neuen Design der Leuchten und dem Schulterschwung am Heck wirkt der Mercedes GL weniger schwerfällig als seine Vorgänger-Modelle. An der Front erhielt die GL-Klasse das neue Marken Gesicht. Den Grill teilen zwei vertikale Streben. Ein AMG Package mit sportiven Spoilerstoßstangen und speziellen LM-Rädern wertet das Modell weiterhin auf. Auch beim Interieur zieht die GL-Klasse alle Register und wartet mit einem luxuriösen Ambiente auf. Die Mercedes GL-Klasse bietet mit 2 Modellen - als GL 350 mit 258 PS starken 3-Liter-V6-Diesel und als GL 500 mit 408 PS starken 4,7-Liter-V8-Benziner zur Auswahl an. Fahrspass in jeder Lebenslage ist damit garantiert! MA http://www5.mercedes-benz.com/de/fahrzeuge/personenwagen/gl-klasse/

BANDIT9’S NERO Schwarz, mysteriös und voller Abenteuergeist – danach sieht das Bandit Nero Motorrad aus. Hergestellt wird es von Bandit9, einem Biker-Design Laden in Peking. Hinter dem Label steht der Creative Director Daryl Villanueva, ein passionierter Biker und eingefleischter Fan ungewöhnlicher Motorräder. Mit seinen ersten beiden Designs – dem Loki und dem Magnus Bike – bekam er bereits internationale Anerkennung. Doch nichts bringt Design, Mode und Lifestyle so sehr auf einen gemeinsamen Nenner wie das neueste Modell – Nero. Bandit Nero steht für Lebensphilosophie. Für Kreativdirektor Daryl steht Bandit für Outlaws wie Piraten und Banditen und deren Freigeist und Individualismus. Und Nero kennt man aus Matrix und das Dunkle, Schwarze, Futuristische dieser Ästhetik. Das Aggressive und Schwere wirkt in der Form. Dabei ist das Bike äußerst agil in der Fahrweise. Nicht von ungefährt kommt viel Inspiration aus H.R. Gigers Entwürfe für Ridley Scotts Film „Alien“. Bandit Nero ist das bislang aufwendigste Bike des Herstellers – über 10 Motoren wurden verschlissen, bevor man die ideale Komponente fand. Der Aufwand hat sich gelohnt. MA http://www.banditnine.com/nero/

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BLUE MOON VON JULIA KÜCHLER

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Jewelry Vintage & stylist‘s own

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Cardigan closed, Tank Top marc stone, Pants aVelon, Shoes Frank wright 60


Pullover weekday, Jeans h&m Jewelry Vintage & stylist‘s own 61


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Jewelry Vintage & stylist‘s own

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model: Philip lukié ( m4 models) / styling: Patrick lief / hair & make-Up: Jamal musa

Jacket closed Shirt weekday Jeans h&m Jewelry Vintage & stylist‘s own


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Manufaktur Quality Magazin No. 26 – Oktober 2012

Ein Schnitt

durch die Geschichte von Dorothea SchĂśne

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Seit drei Jahrzehnten wird in der Auvergne wieder ein Traditionsprodukt gefertigt – das legendäre Laguiole Messer. Nicht zuletzt auch wegen der Kooperationen mit berühmten Designern, Modeschöpfern und Architekten hat sich die Manufaktur weltweit einen Namen gemacht.

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16 Meter ragt eine Klinge aus der Manufakturhalle in den Himmel empor. Ende der 1980er Jahre entwarf Star-Designer Philipp Starck das Geb채ude

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en Anfang nahm die Geschichte 1829 im beschaulichen Städtchen Laguiole im Aveyron im Süden der Auvergne. Hier lebte man vornehmlich von Viehzucht und Ackerbau, stellte den legendären „Laguiole“ Käse her und handelte mit Wein und Kohlen. Auf einem dieser Handelsreisen haben die Auvergnatten – so besagt die Geschichte – spanische Klingen entdeckt und ihren heimischen Schmieden mitgebracht. Einer von ihnen, Jean-Pierre Calmels, nutzte die Klinge, um den bislang gebräuchlichen Dolch „Capouchadou“ in ein Klappmesser zu verwandeln. Schön, einfach und stabil war diese Neuheit. So verwundert es wenig, dass es sich rasch großer Beliebtheit erfreute. Schon bald kam zur Klinge der kleine Dorn, den Fuhrleute zum Durchstechen der Zugriemen

nutzten. Und später auch ein Korkenzieher – denn was wäre ein Franzose ohne die Möglichkeit einen Wein zu entkorken? Auch das heute markenidentifizierende, kleine Kreuz und der Kranz von kleinen Nägeln um den mittleren „Clou“ geht laut der Legende auf die Anfänge der Messermanufaktur zurück. Den frommen Bauern der Region erlaubte es auch auf Reisen zu beten und Andacht zu halten. Denn der Nagelkranz gilt als Ersatz des Rosenkranzes und vor dem in den Boden gerammten Messer konnten die Bauern zur Andacht niederknien. Eine weitere Zierde sind Tierdarstellungen oder auch die Jakobsmuschel – denn immerhin liegt der Ort Laguiole auf dem bekanntesten Pilgerpfad Europas – dem Jakobsweg!

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it der Industrialisierung setzte in der Region eine gravierende Landflucht ein und viele Dörfer verarmten. Die Mehrheit der Bevölkerung zog auf der Suche nach Arbeit in die Städte – nahm aber das Messer als Andenken an die Heimat mit. Diese Entwicklung machte die Klingen weit über die Auvergne bekannt. Doch die zunehmende Verarmung und Verwaisung des Plateau des Aubrac führte zunächst zu einer Negativentwicklung. Zwar wurden im Laufe der Jahre die Klingen immer weiter ausgefeilt und für eine gehobene Klientel die Griffe bald mit edlen Materialien ausgestattet. Gleichzeitig wurden die Messer aber auch zu Massenwaren mit zunehmend schlechter Qualität. Um 1900 zog die Original-Manufaktur in die Industrieregion von Thiers. Doch diese Rechnung war ohne den Wirt gemacht worden! Mit solidem Lokalpatriotismus begann man sich in der Auvergne um eine Wiederansiedlung des traditionsreichen und regionaltypischen Messers. Vor allem aber wollte man endlich Qualitätsstandards durchsetzen und die Nutzung des berühmten Namens Laguiole durch Massenware wie Sonnenbrillen, Kugelschreiber, etc. untersagen. In den 1980er Jahren nahm sich eine junge Generation von Messermachern dem Laguioles an. Die Gemeinde selber gründete die Association „Le Couteay de Laguiole“, das ein Originalitätszertifikat vergibt. Und im Ort selber wurde „La Forge Laguiole“ gegründet. Die dafür von Philipp Starck entworfenen Ateliers sind heute eine eigene Touristenattraktion: aus der Fertigungsstätte ragt eine 16 Meter lange Messerklinge. Und der renommierte Designer entwarf auch gleich ein eigenes Messermodel. Dieses Design ist heute sogar im Museum of Modern Art in New York zu bewundern.

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amit war Laguiole nicht nur wiederauferstanden, sondern auch der Beginn einer Erfolgsgeschichte gesetzt. Heute ist die französische Manufaktur Inbegriff höchster Messerqualität und von edelstem Design. Leider ist der Markenname, trotz aller Bemühungen, nicht geschützt und viele Touristen sowie Liebhaber, die sich ein Laguiole Messer aus der Region mitnehmen wollen, geraten an Fälscher und schlechte Imitate. Einzig die 1987 gegründete Manufaktur „Forge de Laguiole“ ist ortsansässig und entspricht in der Qualität den Ansprüchen der Association. Denn die verlangt nicht nur, dass die Hersteller in der Gegend ansässig sind, sondern auch, dass die Manufakturen selber schmieden. Und diese hohe Kunst beherrscht nur „Forge de Laguiole“. 800 verschiedene Modelle hat die Firma mittlerweile im Programm. Und für die hochwertigen Stücke stehen Sammler und Liebhaber aus aller Welt Schlange. Auch wenn Lieferzeiten den ein oder anderen vergrätzen oder verärgern mag – der wahre Messerfreund wartet beharrlich. Denn der Lohn ist ein unverwechselbares Messer in Perfektion. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich auch die Sondereditionen wie Starcks Design von 1989 oder das 1995 entworfene Modell von der Modeschöpferin Sonia Rykiel, die als erste Frau für die Manufaktur ein Design kreierte. Die Geschichte des Messer ist anekdotenreich. So besitzt auch der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer ein Modell der Manufaktur. Als er gefragt wurde, wo er beim nächsten offiziellen Frankreichbesuch gerne einen Besuch abstatten wolle, erinnerte er sich an Studententage und damalige Auto-Fahrten durch das Zentralmassiv. 2001 bekam er das Messer dann bei einem Staatsbesuch geschenkt und gab im Gegenzug – und auch das ist Tradition – eine Münze, als Sinnbild unzertrennbarer Freundschaft. Und wer ein Mal einem Laguiole verfallen ist und „Freundschaft geschlossen“ hat, entkommt diesem Bann in der Tat nicht allzu leicht.

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MOSCOU, MON AMOUR VON FILIPPO DEL VITA

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Body L.A ROXX Skirt HERVE LEGER Shoes CHRISTIAN LOUBOUTIN

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Jacket YVES SAINT LAURENT Pants CHRISTIAN DIOR Shoes MANOLO BLAHNIK

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Dress LANVIN Necklace FANNIE SCHIAVONI 77


Black Body AMERICAN APPAREL Jacket LOUIS VUITTON Thigh-High Boots CHRISTIAN LOUBOUTIN Bracelet DANNIJO

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Dress LOUIS VUITTON Hat FURLA Necklace HENRI BENDEL 79


Black leather dress CHRISTIAN DIOR Earrings ERICKSON BEAMON Belt YVES SAINT LAURENT Shoes CHRISTIAN LOUBOUTIN Hat STYLIST‘S OWN

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Stylist: Elena Moussa / Producer: Irina Morozova / Hair and Make-Up: Ernest Muntaniol using Chanel / Model: Varvara Shutova (Avant Models) / Photographers Assistant: Vova Chernyakhovskiy / Stylists Assistant: Elizaveta Treiwas

Corset VIVIENNE WESTWOOD, Leather Black Turban JENNIFER BEHR Lace black veil STYLIST‘S OWN

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82 Fotos: DANNY CLINCH


? Foto: Jenny Risher

Interview von Norman Kietzmann

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„Als Jimmy Page, Alice Cooper oder Kings of Leon vor der Tür standen, dachte ich: Oh Gott, diese Leute mögen, was wir machen?“


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ohn Varvatos schneidert die heißesten Anzüge, die derzeit auf dem Markt sind. Bevor er 1999 sein Herren-Label in New York gegründete, arbeite er als Chefdesigner für Calvin Klein, Ralph Lauren und Nautica. Ein Kollektion beginnt für den 57-jährigen mit den Stoffen, die er von den Garnen bis hin zu den Webtechniken eigens entwickelt. Wir trafen den Lieblingsschneider der Rockszene in Mailand und sprachen mit ihm über Dramen auf der Bühne, metallische Pullover und die Rettung des Punk-Clubs CBGB.

Herr Varvatos, Sie sind bekannt für ihre Rock‘n‘Roll inspirierten HerrenKollektionen. Iggy Pop, Franz Ferdinand, Paul Weller und viele andere tragen Ihre Entwürfe und posieren sogar für Ihre Anzeigenkampagnen. Wie kam die Musik in Ihre Kleidung? Ich kann in keinem Raum sein, der vollkommen ruhig ist. Das hatte ich schon als Kind. Auch im Büro läuft ständig Musik. Dass sie zum Teil meines Labels wurde, hat sich aber eher beiläufig entwickelt. Ich habe nicht beschlossen: Ab heute mache ich Rock‘n‘Roll. Aber irgendwie wurde der Einfluss immer größer und plötzlich kamen die Musiker zu uns. Als Jimmy Page, Alice Cooper oder Kings of Leon vor der Tür standen, dachte ich: Oh Gott, diese Leute mögen, was wir machen? Dennoch haben Sie Musiker ganz bewusst für ihre Werbung ausgesucht. Warum? Wir hatten vor sechs Jahren eine recht romantische Kampagne fotografiert. Ich schlug die September-Ausgabe einer Zeitschrift auf und bemerkte all die anderen romantischen Anzeigen in diesem Heft. Da war mich klar, dass ich etwas eigenes besetzten muss. Und daraus ist dann diese verrückte Sache gewachsen. Seitdem fragen mich alle, welcher Musiker die nächste Kampagne machen wird. Es wurde einfach zum Selbstläufer. Musik und Mode sind ohnehin eng miteinander verflochten... Ja, das ging zurück auf die fünfziger Jahre. Die Musiker haben zum ersten Mal bemerkt, dass die Art und Weise, wie sie aussahen, einen großen Einfluss auf ihre Performance hatte. Und so haben sich beide Welten durchdrungen und gegenseitig beeinflusst. Wir arbeiten gerade auch an einem Buch, das Rock‘n‘Roll und Mode vereint. Denn Kleidung trägt enorm zum Drama und der Aufregung eines Konzerts bei. Das würde nicht passieren, wenn alle in Shorts und Flanellhemden auf der Bühne stehen würden. Es geht ja um einen Auftritt. Und der braucht einen Look. Wie gehen Sie an den Entwurf einer Kollektion heran? Wir schauen natürlich intensiv in Archive und auf Vintage-Märkte, allerdings nur um eine Idee zu bekommen. Wir übernehmen nichts eins zu eins. Es geht eher darum, eine bestimmte Stimmung einzufangen und sie in die Gegenwart zu übersetzen. Kleidung macht keinen Sinn, wenn die Silhouetten, Proportionen und Stoffe nicht modern sind. Bei vielen Vintage-Sachen sind die Stoffe unglaublich schwer, weil die Leute früher kaum eine Heizung hatten. Es ist wichtig, dass sich Mode heute leicht und angenehm auf der Haut liegt. Sie muss mit der Zeit verbunden sein, in der wir heute leben.

Fast alle Stoffe, die Sie verwenden, werden eigens für Sie angefertigt. Zum Einsatz bringen Sie dabei nicht nur Wolle, Baumwolle oder Leinen, sondern ebenso Stahl. Was hat es damit auf sich? Normalerweise ist Leinen recht knitterig. Aber wenn es zur Hälfte mit Metall mischt wird, wird es weicher, haltbarer und hinterlässt auch keine Falten. Ein anderer Vorteil ist, dass Stahl ein Erinnerungsvermögen besitzt. Wenn man sich bewegt, behält der Stoff ein Stück weit die Form, in die man ihn bewegt hat. Er lässt sich auf diese Weise modellieren und es entsteht, was wir „perfekte Imperfektion“ nennen. Will man den Stoff wieder perfekt haben, glättet man ihn durch einfaches Darüberstreichen und er sieht wieder normal aus. Wie lässt sich Stahl für Pullover und Jacken verarbeiten? Es sind sehr dünne Fäden, die dieselbe Größe haben wie Baumwoll- oder Leinenfäden. Am Webstuhl wird dann einfach eine ganze Metall-Rolle mit den anderen Fasern verwoben. Es ist ein schwieriger Prozess, weil das Metall reißen kann. Wenn das passiert, kann der Stoff kratzen oder einen sogar verletzten. Darum muss es extrem gut gemacht sein. Es gibt nur eine Handvoll Webereien auf der Welt, die dafür die richtigen Maschinen besitzen. Stahl lässt sich aber nicht nur weben, sondern auch stricken. Je dunkler die Farbe eines Pullovers, desto stärker ist das Metall sichtbar. Wie entwickeln Sie Ihre Stoffe? Wir arbeiten mit mehreren Spinnereien für die Garne zusammen. Unsere Webereien sitzen in Italien und Japan. Wir kommen mit Ideen zu ihnen oder sie zeigen uns neue Fasern und fragen, ob wir sie nutzen können. Bis auf wenige Basis-Stoffe werden fast alle Rollen extra für uns hergestellt. Wir fahren zwar auf Stoffmessen, um zu schauen, was passiert. Aber wir kaufen fast nichts. Denn ich möchte nicht, dass in Geschäften wie Barneys jemand dieselben Stoffe auf der Kleiderstange hat wie wir. Es ist extrem wichtig für eine Marke, diese Dinge nicht zu teilen, sondern selbst herzustellen. Also sind die Stoffe die DNA? Sie sind ein enorm wichtiger Teil. Denn 85


das Feld von Männermode ist weit enger als das von Frauen. In der Damenmode kann man machen, was man will. Wenn man ein Kleidungsstück kürzer macht, kann es jung und sexy wirken. Männer können plötzlich wie Kellner aussehen. Darum muss man stärker auf die Stoffe achten. Schließlich sind sie das Erste, was man von einem Kleidungsstück wahrnimmt, das im Geschäft auf einem Bügel hängt. Die Auswahl der Stoffe und Lederarten kommt immer an erster Stelle. Erst dann beginne ich, die Kollektion zu entwerfen. Erzählen Sie von der Arbeit in Ihrem Studio. Wie groß ist Ihr Team? Wir sind zusammen zwölf Leute, davon sieben Designer. Das sind nicht viele für ein ganzes Modeunternehmen. Aber so wirkt die Arbeit wie aus einem Guss. Als ich für Ralph Lauren gearbeitet habe, hatte allein das Studio für Männerkleidung 125 Designer. Das war einfach zu groß und hat die Arbeit ungemein zerstückelt, weil die einen nur an Hemden gearbeitet haben und die anderen nur an Stricksachen. Bei mir fließt nun alles zusammen, da wir den gesamten Look im Blick behalten.

Sie haben sowohl bei Ralph Lauren als auch Calvin Klein über mehrere Jahre die gesamte Designabteilung geleitet. Was haben Sie in dieser Zeit gelernt? Ich hatte bei beiden Unternehmen enorme Freiheiten, sodass ich alles ausprobieren konnte, egal ob Hemden, Jacken, Schuhe oder Accessoires. Als ich mein eigenes Label gegründet habe, haben wir sofort alle Produkte hergestellt. Das ist eigentlich unüblich, weil die sich die meisten Designer am Anfang noch nicht mit Schuhen oder anderen Dingen auskennen und diese erst später in die Kollektion nehmen. Auch wenn mein Look ein ganz anderer ist als der von Ralph Lauren oder Calvin Klein, hätte ich ohne diese Erfahrungen nie arbeiten können. Die Persönlichkeiten von Ralph Lauren und Calvin Klein hätten kaum unterschiedlicher sein können. Absolut. Ralph ist ein großartiger Vermarkter und Träumer. Er schafft diese starken Bilder, die sozialen Aufstieg versprechen. Und er war der erste, der Shop-in-Shops in Kaufhäusern eingerichtet hat. Das hat niemand zuvor gemacht. Er wollte nie schnittig oder modern sein, sondern hat sich diesen amerikanisch-englischen Preppy-Look angeeignet. Ralph sagte immer, er will mehr und mehr und mehr. Alles war mehr. Bei Calvin Klein ging es immer um weniger. Auch er war ein großer Image-Macher, aber bestimmt kein großer Träumer und Anführer. Er hat versucht, in die

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Zukunft zu blicken. Darum wollte er nichts besitzen. Das macht es auch so schwer, den Calvin-Klein-Look als Ganzes zu beschreiben. Man kann ihn eher an einzelnen Kleidungsstücken wie Jeans, Parfüms oder Unterwäsche festmachen, die auch sehr erfolgreich waren. Aber von seiner Kleidung hat er kaum etwas verkauft. Der Erfolg von Ralph Lauren besteht darin, dass ihm ein ganz spezieller Look gehört. Ich denke, das ist enorm wichtig in der Mode, um nicht verwechselbar zu sein. Im Jahr 2000 haben Sie Ihr eigenes Label in New York gegründet. Was war der Anstoß, das Designstudio von Ralph Lauren zu verlassen? Ich habe das Produkt geliebt, aber mich gefragt, ob ich das noch zwanzig Jahre weiter machen kann. In einer Saison sind die Streifen pink und weiß und in der nächsten sind die weiß und Pink. Ich brauchte mehr Freiheit. Es ist großartig, in der Vision von jemand anderem zu entwerfen. Aber an einem gewissen Punkt war es ist an der Zeit, etwas eigenes zu machen. Natürlich war das ein Risiko. Ich hatte einen tollen Job, ein tolles Einkommen. Aber es war richtig, dass ich den Schritt gemacht habe. Ihre bekannteste Boutique befindet sich in den Räumen des früheren PunkClubs „CBGB“ auf der Bowery in New York, wo Bands wie Blondie, The Ramones und Patti Smith ihren Durchbruch erlebten. Wie kamen Sie auf die Idee, den Club 2008 zu übernehmen? Der Club war schon einige Jahre geschlossen. Die Tür war kaputt und fast alles von der Einrichtung verschwunden. Nur an den Wänden hingen noch einige Dinge. Ich lief durch den leeren Raum und dachte, was sie daraus wohl machen werden. Wahrscheinlich reißen sie ihn ab oder richten einen Starbucks ein. In dieser Nacht habe ich beschlossen, dass ich ein Geschäft darin eröffnen werde. Es sollte aber auch ein kultureller Ort bleiben, wo Musik gespielt wird. Wir verkaufen neben Mode auch Vintage-Platten und jeden ersten Donnerstag im Monat gibt es Konzerte. Guns‘n‘Roses, ZZ Top, Alice Cooper, die New York Dolls und viele andere haben dort gespielt. Wir unterstützen auch junge Bands, dort aufzutreten. Die Tickets sind umsonst, aber schon nach wenigen Sekunden ausverkauft. Man muss sich online für sie registrieren. Es heißt, Sie spielen selbst auch Gitarre. Ja, aber viel zu selten! Ich habe früher mehr gespielt. Die letzten Male, als ich eine Gitarre in der Hand hatte, war bei Konzerten von Freunden. Sie haben mir das Instrument gegeben und wir haben gemeinsam gespielt. Welche Bands haben Sie am meisten beeinflusst? Ich bin in Detroit aufgewachsen. Iggy Pop and the Stooges waren enorm wichtig für mich. Auch MC5 kamen aus Detroit. Kings of Leon, Gomez und die Black Keys sind heute gute Freunde geworden, ebenso Franz Ferdinand. Die Band, die ich am meisten gehört habe, ist aber bestimmt The Who. Wenn ich das Riff aus „Baba O‘Riley“ höre, bekomme ich noch immer eine Gänsehaut. Vielen Dank für das Gespräch.


„Wenn ich das Riff aus „Baba O‘Riley“ höre, bekomme ich noch immer eine Gänsehaut “

Vom Kult-Club zur Kult-Boutique: In den ehemaligen Räumen des legendären „CBGB“ auf der Bowery gibt es nun Kleidung für Stars und andere Menschen.

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Spätestens seit Franco Moschino ist Humor aus der Mode nicht mehr wegzudenken. Vom Dadaismus und der Pop-Art inspiriert, ebnete der Italiener in den 1980ern den Weg für modischen Witz.

op-Art dürfte auch die große Inspirationsquelle für Kobi Levi sein, der seit 2011 die Geschichte der modischen Komik weiterschreibt. Und auch wenn humoristische Designs heute an der modischen Tagesordnung sind – man denke nur an Jean Charles de Castelbajac oder Jeremy Scott – so ist der optische Lacher für kaum eine Designarbeit derart essenziell wie für die eines Kobi Levi: „Ich finde es einfacher, einen Bezug zu lustigen Dingen zu finden, und ich glaube, so geht es den meisten Menschen. Witzige und aufregende Designs sind zugänglicher und geben den Menschen ein gutes Gefühl – das finde ich erstrebenswert!” Einkaufskörbe, Bananen, sich aus einer Kanne ergießender Kaffee – nichts ist zu absurd, banal oder alltäglich, um den Israeli zu seinen Schuhkreationen zu beflügeln. „Ich betrachte gern die Dinge des täglichen Lebens, finde neue Wege sie zu sehen und zu

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Hackenporsche

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verstehen. Der Großteil meiner Inspirationen kommt also aus den Beobachtungen meines Alltags”, sagt der Designer. Dass dabei geradezu aberwitzige Werke entstehen, ist ob der präzisen und genauen Übertragung von Form und Farbe des Vorbildes aufs Schuhwerk kaum verwunderlich. So gibt ein aufgerissenes Haimaul nicht nur die scharfen Zähne, sondern auch die Ferse der Trägerin frei, spitze, goldene Schuhe mit blonder Mähne erinnern an Madonnas weltberühmte Korsage von Jean-Paul Gaultier und ein Elefantenrüssel wird zum Schuhabsatz. Letzteres sind zwei Eckpfeiler der Designs von Kobi Levi: die Tierwelt und der Absatz. So inszeniert er die Heels oftmals als Tierfüße, charakterisiert sie in seinen Flamingoentwürfen sogar als ein gerades und ein angezogenes Bein. Fast unwirklich – in jedem Fall untragbar – sehen diese waghalsigen Stöckel aus, praktikabel sind seine Kollektionen aber alle. Bequemlichkeit und Nutzen des Schuhwerks sollen nicht hinter dem extraordinären Aussehen zurückstehen. Neben den rosafarbenen Wasservögeln steht auch anderes Federvieh Pate für die jüngste Kollektion: Durch farbliche Veränderungen erweitert Levi die Linie um ein schwarzes Straußenmodell und den weißen Storch. Die zierlichen Absätze kontrastieren mit den schweren, dicken Körpern der Schuhe – eben genau wie beim natürlichen Vorbild. Wie alle seine Designs hat Levi auch die Vogelserie aus bestem Leder und ausschließlich per Hand in seinem Studio in TelAviv gefertigt. Und so vielfältig seine Modellpalette ist, so unterschiedlich sind auch die Arbeitswege, die Kobi Levi bei den einzelnen Produktionen durchläuft. Jedes Design hat Besonderheiten, die eine Wiederbenutzung alter Prozesse kaum möglich machen, jeder Schuh fordert seine ganze Aufmerksamkeit, immer wieder muss er nach neuen Lösungen suchen. Dennoch stellt Kobi Levi sein kreatives Know-how auch einem weiteren Hersteller für Damenschuhe zur Verfügung. 90


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Oben: Daniel Heer in seinem Studio in Berlin. Links: Blick nach vorn – der Sattler gibt Workshops und präsentiert seine Produkte in den Metropolen der Welt. Unten:Optimal gelagert: Das Rosshaar wird fein säuberlich nach Qualität und Beschaffenheit in Zöpfen gelagert.

Studio Daniel Heer, Lobeckstr. 30-35, 10969 Berlin, Tel. +49 30 340 85 194, www.danielheer.com

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Dass es vor jeder anderen Bekleidungsform die für den Fuß ist, die Levi begeistert, das war schon während seines Studiums an der Bezalel Akademie für Kunst und Design in Jerusalem klar, an der er 2001 seinen Abschluss machte. „Schuhe sind meine Form der Kunst und sie zu entwerfen ist die Designsprache, in der ich spreche. Schuhe haben etwas Magisches, das mag ich. Sie sind eine Verlängerung des Körpers, die sein Arrangement und Silhouette komplett verändern kann”, sagt der Designer über seine Liebe zu Schuhen. Die große Öffentlichkeit hatte er mit seinen skurrilen Modellen nicht gesucht. Eigentlich eher für Freunde gedacht, denen er seine Arbeiten zeigen wollte, hatte Kobi Levi 2010 damit angefangen, seine neuesten Werke auf einem Blog zu veröffentlichen. Auf derartig absonderliche Designs wurde natürlich schnell auch ein großes Publikum aufmerksam und der Blog entwickelte eine Art Eigenleben. Nur zwei Jahre später kann Levi bereits Belgien, Hongkong und die Schweiz neben seinem Geburtsland zu den Orten zählen, in denen sich ganze Ausstellungen seiner Schuhmode widmeten. Damit reiht er sich in eine Tradition an Designern ein, für die der künstlerische Aspekt ihres Berufs und dessen Erzeugnissen eine übergeordnete Rolle spielt. Ähnlich anderen Avantgardisten wie Bernhard Willhelm oder Walter Van Beirendonck gibt Levi seinen Entwürfen ein Eigenleben, eine Funktion als Kunstobjekt, die auch ohne den eigentlichen Ausgangspunkt der Mode – den menschlichen Körper – funktionieren und ihre Daseinsberechtigung einfordern. So sind die skulpturalen Schuhdesigns von Kobi Levi wohl eher für museale Zwecke geeignet, als den täglichen Tragekomfort – ein Lächeln entlocken sie dem Betrachter aber in jedem Fall.

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Left: Pullover Schumacher Shirt etro Right: Pullover Weekday Shirt hien Le

ks

VON ANDREAS HOSCH 95


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Glasses mykita, Body aLLude

Left: Jacket Givenchy Pullover LouiS vuitton Pants G-Star Right: Pullover chLoĂŠ Blouse coS Pants mano JeanS

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Suit miu miu Shirt G-Star Belt LouiS vuitton

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Coat Prada Shirt acne Skirt monki Shoes miu miu 99


Right: Pullover Jonathan SaunderS Blouse and belt coS Skirt manGo Shoes dr. martenS

Jacket iSabeL marant

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Styling: christine bierhals / Stylists assistant: Gina Pieper / Photographers assistants: amelie-antoinette tegtmeyer, david Gruber / hair & make-up: Susanne krammer / models: dalia G端nther (model management), Patricija Zilinskaite (m4 models)

Left: Coat LuoiS vuitton Blouse karL by karL LaGerfeLd Pullover betty barcLay Skirt monki Shoes miu miu


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Ob jexts No.2 – Oktobe r 2 012

Foto: Perou

Design


Söhne auS elySium IntervIew mIt den Pet ShoP BoyS

Im September veröffentlichten die Gründungsväter des elektro-Pop, das britische duo Pet Shop Boys, ihr elftes Album mit dem titel „elysium“. dafür waren sie zu Beginn des Jahres einige monate nach Los Angeles gezogen, um dort mit dem Kayne west-Produzenten Andrew dawson zu arbeiten. von Dorothea Schöne

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Fotos: Pelle Crepin

Pet Shop Boys bei ihrem Auftritt in Berlin mit den virtuellen Background-vocals der waters Family

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uf einladung der musik-Plattform Jackson gearbeitet hat. es ist einfach eine sehr besondere electronic Beats der Deutschen art, wie in los angeles aufgenommen wird. Telekom fand der Record launch nT: Dazu kommt, dass man in amerika alben ganz nun im Berliner Theater hebbel am anders produziert als bei uns. es klingt einfach nicht nach ufer statt. Bewusst hatten die einem album, das in london aufgenommen wurde. beiden Briten sich für diesen Ort entschieden, der bekannt ist für sein junges, interna- Die Songs auf Eurem aktuellen Album sind eher langsam, tionales und vor allem auch experimentelles Programm. souliger gehalten. Ursprünglich hatten Sie ja auch andere, nach einem fulminanten auftritt bei der Schlussver- schnellere Lieder geschrieben. anstaltung der Olympischen Spiele in london im august nT: es gibt Songs auf dem album, die nicht unbedingt 2012 wurden in Berlin sechs neue Songs vorgetragen, die langsam sind. aber generell sollte es vor allem ein kohäin einem live-Screening zugleich rund um den Globus zu rentes album sein. sehen waren. Im Text der Lieder habt ihr immer wieder ironische Ihr neues Album Elysium, das in LA von Andrew Dawson Anspielungen auf materiellen Gewinn oder Verlust von Ruhm produziert wurde, ist auf dem Markt. Wie kam es zu der gemacht. Gibt es einen Grund für dieses Thema? Ist es auch ein Zusammenarbeit mit Dawson? Rückblick auf die eigene Geschichte? neil TennanT: Wir wollten mit ihm zusammen- nT: natürlich nimmt man wahr, was um einen herum arbeiten, weil er an Kayne Wests album 808s & geschieht. in dem lied your early Stuff auf dem album heartbreak gearbeitet hat. als wir unser album elysium geht es um mich und was ich auf dem Rücksitz eines schrieben, was wir im Übrigen zu großen Teilen hier in Taxis so höre. Die Fahrer machen mir gegenüber oft Berlin getan haben, kamen wir auf die idee, dass es wäre Kommentare zu den Pet Shop Boys. Der Song ist interessant wäre mit jemandem zu arbeiten, der an einem sozusagen eine Zusammenstellung dieser Kommentare. der Kayne West alben mitgearbeitet hatte. Die sind so Die leute äußern sich ja generell gern zu den frühen eine interessante mischung von hip-hop und elektro- Werken von Bands. „Oh i like that early stuff“ ist so eine musik. Wir haben uns die angeschaut, wer an dem Kayne typische aussage. mir hat mal ein Typ gesagt „oh diese West album mitgearbeitet hat und haben den namen alten Synthesizer“ nicht mal „diese alten maschinen“. andrew Dawson entdeckt. Wir haben ihn dann im ich mag einfach lustige lieder. ego music ist auch ein internet gesucht, und von unserem management wenig in diesem Thema. es gibt einfach diese seltsame kontaktieren lassen. Wir hatten uns also noch nie zuvor art und Weise, wie junge Popstars zu ihren Fans sprechen getroffen, als wir mit der arbeit in los angeles begannen. – sie twittern, posten auf Facebook. Jemand hat das mal „humble bragging“ (bescheidene angeberei) genannt. Hat das Album für Euch einen LA-Flair oder einen LAes ist so ein Phänomen, das ich einfach Style? Abgesehen von dem Namen Elysium (der nicht verstehe. im Grunde ist es diese Social media Titel wurde unter anderem inspiriert vom Elysian Sache, die ich ablehne. Park in Los Angeles) ChRiS lOWe: los angeles hat eine reiche musiktradition. Wir haben den orchestralen Teil in den Capitol Record Studios in hollywood aufgenommen, wo auch Frank Sinatra war. es wird auch anders arrangiert. Die backing vocals haben zum Beispiel eine andere Bedeutung. Wir haben für unser album mit der Waters Family aufgenommen, die schon mit michael

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Sie haben immer wieder mit berühmten und innovativen Künstlern kooperiert. 1999/2000 hat Zaha Hadid Euer Bühnenbild entworfen. Sie (Chris Lowe) haben ja auch Architektur studiert. Cl: Das ist lange her. nT: aber Du hast es studiert. Wenn Sie mit jemandem zusammenarbeiten bei solchen Entwürfen – wie viel davon ist ein Ideenaustausch? Oder geben Sie den Künstlern freie Hand? nT: Wenn wir etwas nicht mögen, dass lassen wir das schon wissen. aber ansonsten lassen wir viel Freiraum. Wenn man sich an jemanden wendet mit einem Projekt, dann ist es ja weil man deren arbeit mag. und im Zweifel hat man auch eine Vorstellung davon, was dabei herauskommen wird. Bei Zaha hadid war es so, dass ihr Bühnendesign den anfang der Tour bildete. Wir mussten uns dann an die Strukturen anpassen, die wir vorfanden. aber es war ein gutes Konstrukt mit dieser Rampe. Bei der Pandämonium-Tour mit dem Boxen-Design war das anders. hier waren die Boxen fester Teil der Show. Der Grund warum wir mit anderen Künstlern und architekten zusammenarbeiten ist, dass wir immer etwas neues, Frisches entwickeln wollen. Wie der Soundtrack zum Ballet (The Most Incredible Thing nach einem Märchen von Hans Christian Andersen, choreographiert von Javier de Frutos) im vergangenen Jahr, für die ihr auch ausgezeichnet wurdet (mit dem Beyond Theatre Award). nT: Genau. Mit Wolfgang Tillmans und Martin Parr haben Sie mit zwei Künstlern zusammengearbeitet, die bekannt sind für ihre sozialkritische MilieuFotografie. Wie bringen Sie diese Ästhetik mit der Ihrigen zusammen? nT: Das album, bei dem wir mit Tillmans und Parr zusammengearbeitet haben, war Release (2002), das auch einen eher realistischen, rauen Charakter hat. Wolfgang und martin Parr haben sich der musik auf eine ähnliche Weise genähert. Cl: Wolfgang hatte sogar die idee für den albumtitel. nT: Wir wollten es eigentlich home nennen. und er schlug dann Release vor und wir fanden, dass das eine sehr gute idee war. Sein Video zum Song ist ja berüchtigt und in der art wie es dann gezeigt wurde auch eher ein Kunstwerk als ein musikvideo.

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Foto: david morrell

Gewinnen politische oder sozialkritische Inhalte in Ihren Stücken mehr Bedeutung? Sie haben 2006 mit I’m with Stupid die Beziehung von Bush und Blair kritisch beschrieben. Mit Hold On auf Ihrem aktuellen Album machen Sie die Wirtschaftskrise zum Thema. nT: Das stimmt im Grunde. in hold On machen wir die Rezession zum Thema. nicht unbedingt die Rezession selber, sondern wie die leute damit umgehen. Politik ist im moment einfach sehr seltsam und ich weiß nicht so recht, was ich davon zu halten habe. ich unterstütze auch keine bestimmte Partei. in den 1920er oder 1930er Jahren hatte es in einer Situation, wie wir sie jetzt haben, einen Sturm auf die Banken gegeben. und das System kollabierte. aber im moment sind die leute interessanterweise ruhig, obwohl sie eigentlich in Panik ausbrechen sollten. und das ist vermutlich auch gut so.

Im August sind Sie bei der Schlussveranstaltung der Olympischen Spiele aufgetreten. Wie war das für Sie? nT: Der beste Teil war sicherlich, dass eine Reihe unterschiedlicher leute auftrat. einige acts waren sehr gut – madness, One Direction, Ray Davis. und wir haben West end Girls gespielt. es war schon ein großartiger moment vor so vielen menschen gleichzeitig durch das Fernsehen auftreten zu können. Das passiert nicht alle Tage. Sie werden bei Ihrem Auftritt zum Record Launch hier in Berlin vermutlich nicht die gleichen Zuschauerzahlen erreichen, wie bei den Olympischen Spielen. Aber erstmals werden weltweit Zuschauer durch ein Live-Screening online Ihren Auftritt verfolgen können. Sie sind aber auch bekannt für Ihre Zweifel am Internet – Pet Shop Boys ist auf Facebook, Sie sind es nicht. Es gibt also auch Skepsis bei diesem Medium, bzw. Social Media-Plattformen? nT: es ist einfach diese große Ähnlichkeit zwischen Überwachung und Social media, die ich verabscheue. es gibt einfach so unglaublich viel Überwachung in unserer Welt heutzutage. man muss sich nur umschauen – hier auf dem Berliner alexanderplatz. Davon hätte die Stasi nicht zu träumen gewagt.

Foto: Perou

Aber das Internet ist wohl die Zukunft der Musikvermarktung. nT: nicht die Zukunft, sondern bereits eine Tatsache. Was jeder tun sollte, ist sich genau zu überlegen, ob man das Richtige bekommt. eine CD hat immer noch eine höhere Qualität. ich denke, rein technisch ist das internet nicht zu umgehen, denn es ist bequem. aber leider bedeutet Bequemlichkeit immer auch einen Qualitätsverlust. aber wenn man nach Schönheit und Wert sucht, dann sollte man immer noch nach einer CD greifen. Oder noch besser nach Vinyl. Herzlichen Dank für dieses Interview.

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Eine Diva namens Riva 108


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E s gibt nur ein Motorboot, das überzeugte Segler ohne Zögern steuern würden: eine „Aquarama“ von Riva. Vor genau fünfzig Jahren wurde das Modell erstmals zu Wasser gelassen, das zum Lieblingsspielzeug des Jetsets der sechziger und siebziger Jahre avancierte. Ob Gunter Sachs, Brigitte Bardot oder Ingrid Bergmann:

Sie alle nannten eine Riva ihr Eigen und jagten mit dem zweimotorigen Holzboot über die Wellen vor St. Tropez und Portofino hinweg. Noch heute gilt die „Aquarama“ als Inbegriff des Dolce Vita. Mit ihrem schlank zulaufendem Heck, ihrer rotbraunen Mahagoni-Beplankung sowie einer gepolsterten Liegefläche zum Sonnenbaden war ihre 110

Riva ist mehr als eine Werft. Seit 170 Jahren definieren die Bootsbauer aus dem norditalienischen Sarnico, was Eleganz auf dem Wasser ist. Zum runden Geburtstag fuhren Riva-Enthusiasten ein Rennen von Monte Carlo nach St. Tropez und gratulierten Carlo Riva zum 90. Geburtstag. von Norman Kietzmann


Gestalt so ikonisch wie die eines Jaguar E-Types. Auch wenn die von Hand gefertigten Preziosen den Status ihrer Besitzer zweifelsohne zu erkennen gaben, wirkten sie weder protzig noch prätentiös. Ihre Stärke lag in einer für heutige Verhältnisse geradezu kompakten Bauweise, die die Wendigkeit eines Rennbootes mit dem entscheidenden Maß an Eleganz in Verbindung brachten. Konstruiert wurde die „Aquarama“ von Carlo Riva. Der Ur-Enkel des Firmengründers Pietro Riva hat das Unternehmen in den späten fünfziger Jahren zu dem gemacht, was sie heute ist. Denn nach der Gründung 1842 stellte Riva zunächst noch keine Boote her. Der Handwerker Pietro Riva zeigte Talent darin, die Holzboote der Fischer auf dem Iseosee im Nordosten von Mailand zu reparieren. Erst sein Sohn Ernesto begann mit der Konstruktion von Ruderbooten sowie für den Transport von Waren ausgelegten Segelbooten. In sportliche Dimensionen stoß sein Enkel Serafino vor, der die ersten Motorboote unter dem Namen Riva baute und mit ihnen in den zwanziger und dreißiger Jahren zahlreiche internationale Rennen gewann. War Riva in der Sportwelt ein Begriff, hat sein Sohn Carlo die Werft mit der Umstellung von Einzelanfertigungen zu Serienmodellen in eine Marke verwandelt. 111


Unverkennbar in Mahagoni: Die zweimotorige „Aquarama“ (links und rechts) ersetzt ab 1962 die „Tritone“ Serie (unten und S. 1110-111) aus den fünfziger Jahren und wird zum Lieblingsspielzeug des Jetsets an der Côte d‘Azur.

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en Anstoß dazu lieferte ein sportbegeisterter Monarch: Fürst Rainier III. von Monaco. Er kannte die Boote der „Tritone“-Serie, die Riva in den frühen fünfziger Jahren produzierte, und wandte sich 1958 an Carlo Riva. Schon damals waren Liegeplätze in Monte Carlo knapp gewesen und er bat um eine Lösung des Problems. Und so baute Riva die ersten Pontons im Hafenbecken, aus denen 1959 der „Monaco Boat Service“ hervorging. Der Fürst gab daraufhin die Erlaubnis, einen Tunnel durch den Felsen unterhalb des Grimaldi-Palasts zu sprengen. 100 Boote können dort während der Winterzeit gelagert werden. „Die Explosionen waren so stark, dass die Fensterscheiben des Palastes gezittert haben“, erinnert sich Carlo Riva an die zwei Jahre andauernden Bauarbeiten. Sein Debüt als Bootsgestalter gab er mit der zweimotorigen „Aquarama“. Deren schmale Windschutzscheibe wurde zugleich zum Namensgeber, da ihr Ausblick stark an das in den fünfziger Jahren eingeführte Breitband-Kinoformat „Cinerama“ erinnerte. Als der Prototyp im Sommer 1962 nach Monaco gebracht wurde, testete Carlo Riva ihn aus. Einer der Zuschauer, der ihn dabei beobachtete, war Fiat-Boss Giovanni Agnelli. Er fragte, ob er das Boot fahre dürfe und jagte es mit voller Geschwindigkeit um den Grimaldi-Felsen. Nicht nur er legte sich daraufhin eine „Aquarama“ zu, sondern viele seiner prominenten Freunde. Anlass zum Feiern hatte man 2012 gleich dreifach: Neben dem 170-jährigen Bestehen der Werft und dem 50. Geburtstag der „Aquarama“ wurde Carlo Riva im Februar 90 Jahre alt. Fürst Albert gratulierte ihm persönlich auf seiner „Aquarama LIPICAR IV.“, während im Juli eine Gruppe von Riva-Enthusiasten zu einem 112


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„ Der Charakter eines Bootes

muss in drei Strichen fassbar sein. “ Mauro Micheli, Riva-Chefdesigner

Rennen von Monte Carlo nach St. Tropez aufbrach. Nach einem Galadinner wurde am folgenden Abend eine „Beautiful Sixties Party“ im Monte Carlo Beach Hotel ausgerichtet und am dritten Tag bei einer Parade im Hafen von Monaco die schönste „Aquarama“ gekürt. Gefeiert wurde bei der Gelegenheit noch ein weiterer Anlass. Denn Riva ist längst mehr als eine Werft, die von Hand gefertigte Boote aus Mahagoni konstruiert, sondern ebenso stattliche Hochseeyachten im Programm führt. Pünktlich zum runden Jubiläum wurde die 63 Fuß (19,2 Meter) lange „Virtus“ vorgestellt. Die bis zu 40,5 Knoten schnelle Motoryacht ist das neue Mittelformat der Riva-Familie, deren Längen von 17 bis 120 Fuß reichen. Dass der Neuzugang an eine doppelt vergrößerte „Aquarama“ denken lässt, kommt nicht von ungefähr. Schließlich verfolgt Riva eine vergleichbare Strategie wie Porsche. Sämtliche Neuentwicklungen tragen stets die Züge der Ur-Ikone des Unternehmens in sich. Und was für Porsche der „911“ ist, ist für Riva die „Aquarama“. „Der Charakter eines Bootes muss in drei Strichen fassbar sein“, erklärt Mauro Micheli. Seit zwanzig Jahren verantwortet er mit seinem Büro „Officina Italiana Design“ die Linienführung der Riva-Modelle und hat auch die Entwicklung der „Virtus“ besteuert. Dass das Boot um elf Fuß länger ist, als das bisherige Mittelformat „Rivale“, folgt der Tendenz des Marktes. Seit Ende der neunziger Jahre werden von den Kunden immer größere Dimensionen und höhere Motorleistung verlangt. Selbst der „Aquarama“ ging es zwischenzeitlich an den Kragen. Weil eine reine Holz-Konstruktion mit den neuen Anforderungen nicht mehr standhalten konnte, verlor das Boot seine ursprüngliche Materialität. Auch wenn der Rumpf von einem Mahagoni-Furnier überzogen ist, verbirgt sich darunter eine Konstruktion aus leichtem wie hoch belastbaren Fieberglas. „Wir haben versucht, die Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden“, erklärt Mauro Micheli die Anpassung des Modells, dass auch in seiner Länge zugelegt hat. 114


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n der noch immer krisengeschüttelten Mit- Dass Riva das Portfolio kontinuierlich auftelmeerregion kennt der Markt derzeit nur fächert und 2010 zwei Sondereditionen der zwei Richtungen: Entweder kleinere Boote, „Aquarama“ lancierte – die eine in Kooperawobei die Grenze für „klein“ bei 70 Fuß tion mit Gucci, die andere mit dem australiliegt, oder Großformate jenseits von 120 schen Designer Marc Newson –, spiegelt die veränderten Besitzverhältnisse. Nicht nur in Fuß. „Die mittlere Größe verkauft sich nicht der Mode, sondern auch auf dem Wasser ist mehr“, macht Mauro Micheli deutlich und skizziert auf diese Weise die zukünftige Per- es schwer geworden, als Luxusmarke Unspektive für Riva. Bislang liegt das größte abhängigkeit zu bewahren. Seit 2000 gehört Modell „Athena“ mit 115 Fuß (35 Metern) Riva zur 1968 gegründeten Ferretti Group, noch unter der genannten Marke. Doch es ist die mit ihren Marken Ferretti Yachts, Persanzunehmen, dass diese schnell überschrit- hing, Bertram, CRN und anderen als Marktten wird. Gebaut werden die Großformate di- führer hochpreisiger Motoryachten in Europa rekt am Mittelmeer in La Spezia, während gilt. Doch schon schluckt ein Fisch den andie kleineren Boote am Stammsitz in Sarnico deren. Im Sommer 2012 wurde bekannt, dass am Iseosee gefertigt werden. ein chinesischen Investor die Mehrheit der Gruppe übernommen habe und sicher auch mit Riva große Pläne haben dürfte.


Nicht nur in der Mode, sondern auch auf dem Wasser ist es schwer geworden, als Luxusmarke Unabhängigkeit zu bewahren. Die 63 Fuß (19,2 Meter) lange „Virtus“ ist das neueste Modell der Riva-Familie und erzielt eine Geschwindigkeit von 40,5 Knoten (75 km/h).

Ans Aufhören denkt Carlo Riva auch mit 90 Jahren noch nicht. In Rapallo betreibt er mit seiner Tochter Maria Pia den „Porto Carlo Riva“. Der erste privat geführte Yachthafen Italiens wurde 1975 eingeweiht wurde und bietet 400 Anlegestellen für Boote von sechs bis 40 Metern. Und seine Tochter Lia betreibt weiterhin Bootsservices in Cannes, St. Tropez und Monaco, wo bis heute die meisten Riva-Modelle gemeldet sind. 80 der 4100 je gebauten Rivas verbringen den Winter in jenem Stollen, den Carlo Riva einst unter dem Fürstenpalast hindurch sprengen ließ. 117


Dress RaspbeRRy CheeseCake by MaRkus sChMidbaueR Necklace ThoMas Zauke Bracelet eMpoRio aRMani

Venus im Pelz

VON ANDREAS ORTNER

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Dress RaspbeRRy CheeseCake by MaRkus sChMidbaueR Necklace ThoMas Zauke Bracelet eMpoRio aRMani

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Body diMiTRi Chains ThoMas Zauke Necklace eMpoRio aRMani Tights TRès bonjouR Shoes aMava aRZuaga by LaRoki

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Dress eMpoRio aRMani Shoulder belt ThoMas Zauke Clutch gioRgio aRMani Bracelett eMpoRio aRMani Shoes ChRisTian dioR

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Underwear agenT pRovoCaTeuR Necklace ThoMas Zauke Bracelet ChaneL

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Fur gioRgio aRMani Skirt beLsTaf Necklace ChaneL Bracelet ChaneL

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Dress beLsTaf Necklace ThoMas Zauke


styling: susanne Marx (21 agency) / hair & Make-up: alexander hofmann using MaC and st. Tropez

Blazer ChRisTian dioR Trousers dawid ToMasZewski Ring house of eMManueLe made with swaRovski eLeMenTs

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126 Foto: Bespoke Innovations


Tech Leg Raffinierte High-Tech-Konstruktionen mit ästhetischem Anspruch: Das sind Prothesen heute. Unternehmen wie Ottobock haben die Entwicklung maĂ&#x;geblich vorangetrieben. Von Karolin Korthase


© Getty Images

Auf Prothesen ins Ziel: Der südafrikanische Sprinter Oscar Pistorius holt bei den Paralympischen Spielen 2012 in der Disziplin über 400 Meter Gold

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Technik schafft Bewegung: Prothesen werden individuell auf ihre Träger zugeschnitten und verbinden Innovation mit Ästhetik.

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r wird der „Fastest man on no leg“ genannt oder auch „Blade Runner“. Dem Sprinter Oscar Pistorius fehlen durch einen Gendefekt seit Geburt die Wadenbeine und auch die äußere Seite der Füße. Trotz dieser Behinderung trat er im Sommer dieses Jahres sowohl bei den Paralympischen, als auch bei den Olympischen Spielen in London an. Vor allem seine Teilnahme bei dem Wettkampf der nichtbehinderten Sportler sorgte im Vorfeld für Furore: Einige seiner Gegner hatten Bedenken, dass Pistorius aufgrund seiner High-Tech Carbonprothesen einen sportlichen Vorteil haben könnte. Die Berliner Fashion-Week im Jahre 2010: Bei der Show von Michael Michalsky läuft ein flachsblonder, gut gebauter Mann lässig über den Laufsteg. Eigentlich nichts Besonderes, wäre da nicht ein Handicap, das in der genormten und perfektionsorientierten Modewelt für Aufruhr sorgte: Das Model Mario Galla trägt kurze Hosen, die seine rechte Bein-Prothese sichtbar machen. Von der Gleichstellung behinderter und nicht-behinderter Menschen kann in unserer Gesellschaft noch immer keine Rede sein. Oscar Pistorius und Mario Galla machen aber deutlich, dass heutzutage eine Behinderung nicht zwangsläufig auch ein Hindernis sein

muss. Im Bereich fehlender Gliedmaßen ist das vor allem der hoch entwickelten Technik zu verdanken. Prothetik heißt die Wissenschaft, die sich mit der Entwicklung von künstlichem Ersatz für verlorene Körperteile beschäftigt. Prothesen sind dabei viel mehr als bloße Ersatzteile – sie sind raffinierte High-Tech-Konstruktionen, die individuell auf die Bedürfnisse ihres Trägers zugeschnitten werden. Und sie können auch hohe ästhetische Ansprüche erfüllen. So erinnern die Prothesen-Verkleidungen der amerikanischen Firma „Bespoke Innovations“ eher an Fashion-Objekte, als an Gehhilfen. Gegründet wurde die Firma von einem Orthopädie-Chirurgen und einem Industrial Designer – eine fruchtbare Mischung, wie die Entwürfe zeigen. Prothesenträger können sich ihre Verkleidung dabei selbst zusammenstellen: Lederüberzüge sind ebenso möglich, wie Verchromungen. Und auch Tattoos oder grafische Darstellungen können auf die Oberfläche appliziert werden.

Foto: Ottobock

Die Genium Prothese von Ottobock wird über einen Mikroprozessor gesteuert

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Foto: Ottobock

Die MichelangeloHand von Ottobock wurde mit dem German Design Award 2013 ausgezeichnet

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Die Möglichkeiten in der Prothetik sind heute, sowohl technisch, als auch ästhetisch, beeindruckend. Kaum vorstellbar, dass Menschen, die ein Körperteil verloren haben,jahrtausendelang auf einfachste Mittel, wie Holzstelzen oder Eisenhaken angewiesen waren. Erst ab dem Mittelalter begann man mit beweglichen Kniegelenken und gefederten Prothesenfüßen zu experimentieren. Innovationen, die eine wirkliche Linderung für die Betroffenen brachten, blieben aber auch danach lange aus. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Entwicklung maßgeblich vorangetrieben, weil die vielen Kriegsversehrten mit Amputationen dringend auf dem Arbeitsmarkt gebraucht wurden. pen your eyes: The Reparation“ – heißt eine Arbeit des algerischfranzösischen Künstlers Kader Attia, die sich mit dieser Zeit auseinandersetzt und auf der documenta 13 in Kassel vertreten war. Den notdürftig zusammengeflickten Gesichtern von verwundeten Soldaten des Ersten Weltkrieges werden hölzerne Ebenbilder aus Afrika gegenübergestellt. Die im Titel anklingende „Reparatur“ erscheint angesichts des Ausmaßes der körperlichen Verwüstung wie eine Beschönigung. Der Betrachter vergisst in keinem Moment die chirurgische Hand, die den Verletzungen beizukommen versuchte, damit die Verwundeten möglichst schnell wieder am gesellschaftlichen und vor allem auch am beruflichen Leben teilnehmen konnten.

ei verlorenen Körperteilen gestaltete sich dieser „Reparatur“-Vorgang ebenso schwierig. Der hohen Anzahl an verwundeten Soldaten, die Amputationen erlitten hatten, stand eine bis dato nicht entwickelte Prothetik-Industrie gegenüber. Der Unternehmer Otto Bock erkannte diesen Missstand und gründete kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges die „Orthopädische Industrie GmbH“, die tausende Kriegsversehrte mit Prothesen und orthopädischen Produkten versorgte. Da dem Bedarf mit traditionell handwerklichen Methoden bald nicht mehr nachzukommen war, begann Bock mit der Serienproproduktion von Passteilen und setzte einen ersten Meilenstein in Richtung Prothetik-Industrie. Schon in den Dreißiger Jahren ließ er zudem Aluminium in der Produktion einsetzen. In den Vierziger Jahren übernahm Otto Bock’s Schwiegersohn Max Näder das Unternehmen und hatte nach Ende des Zweiten Weltkrieges gleich mit einem finanziellen Kahlschlag zu kämpfen: Das Privatvermögen der Familie und die Fabrik in Königsee wurden von der sowjetischen Militärregierung entschädigungslos enteignet. Der Neubeginn fand in Duderstadt statt, wo die „Otto Bock Holding GmbH“ bis heute ansässig ist. Der Rest der Firmengeschichte liest sich wie eine Erfolgsstory: Entwicklung von innovativen Prothetik-Techniken, wie der Modular-Beinprothese und der myolelektrischen Armprothese; Weltmarktführer im Bereich Prothetik; rund 6000 Mitarbeiter in 46 Ländern und stetiges Wachstum seit 25 Jahren.

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Ornamentale Muster machen diese Prothesenverkleidung zu einem echten Hingucker. Bespoke Innovations entwickelt zusammen mit Prothesenträgern individuelle Designs

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Foto: Bespoke Innovations

Mit verchromter Technik ist nicht nur dieses Motorrad ausgestattet, sondern auch der Fahrer


Passend zur Abendrobe erstrahlt diese Beinprothese in Silberoptik

Foto: Bespoke Innovations

At vero eos et accusamus et iusto odio dignissimos ducimus qui blanditiis praesentium voluptatum deleniti atque corrupti quos


Foto: Ottobock

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uch bei den Paralympischen Spielen ist die Firma, die inzwischen in dritter Generation von Prof. Hans Georg Näder geleitet wird, vertreten. Die Präsenz von Ottobock fing 1988 in Seoul zuänchst klein ein: Vier Orthopädie-Techniker boten in einem Pavillon einen kostenlosen Reparaturservice an. In diesem Jahr war Otto Bock der mit Abstand wichtigste Sponsor der Paralympischen Spiele. 80 Techniker leisteten rund um die Uhr Notfallhilfe für Rollstühle und Prothesen. 13 Tonnen Ausrüstung und 15.000 Ersatzteile standen dafür zur Verfügung. Nicht alles, was im Bereich der Prothetik möglich ist, darf dabei im Spitzensport auch realisiert werden. Generell können Alltags- und Sportprothesen nicht miteinander verglichen werden, weil sie für unterschiedliche Zwecke gefertigt werden. Sprinter, wie Oscar Pistorius können zum Beispiel auf ihren SportProthesen, die eher an Skier als an Gehhilfen erinnern,

zwar sehr gut rennen, aber schlecht stehen. Zudem müssen bei den Spielen die strengen Reglements des Paralympischen Komitees eingehalten werden. Um einen fairen Wettkampf zu gewährleisten, dürfen beispielsweise keine Sonderanfertigungen kreiert werden. Auch die ausgeklügelte Elektronik mit zum Teil eigener Stromversorgung, die in Alltagsprothesen gängig ist, darf im Spitzensport nicht verwendet werden. Generell erinnern die Fortschritte, die speziell die Alltags-Prothetik in den letzten Jahren gemacht hat, zum Teil an Science-Fiction Träume. Inzwischen ist es sogar möglich, einen künstlichen Arm quasi mit den Gedanken zu steuern. Dazu muss sich der Patient allerdings erst einer Operation unterziehen, damit die Impulse der Nervenfasern, die für die motorische Steuerung des natürlichen Arms zuständige waren, als Steuersignale für die künstlichen Gelenke genutzt werden können.

Für Liebhaber von Tattoos und grafischen Darstellungen hat Bespoke Innovations dieses Modell entwickelt Foto: Bespoke Innovations

Der Triton Prothesenfuß ist mit Carbon-Federn ausgestattet, die beim Laufen für das Abfedern und Abrollen des Fußes sorgen

Die Fortschritte, die die Prothetik in den letzten Jahrzehnten erzielen konnte, erinnern an Science-Fiction Träume.

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Foto: Ottobock

Prof. Hans Georg Näder leitet das Unternehmen Ottobock in dritter Generation

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Foto: Ottobock

Ein Gebäude lässt die Muskeln spielen: Das Science Center Medizintechnik am Potsdamer Platz in Berlin

Die Prothetik-Innovationen werden auf der dritten Etage des Science Centers Medizintechnik in Berlin erklärt und können zum Teil auch ausprobiert werden. In zentraler Lage, am Potsdamer Platz, tauchen die Besucher auf drei Stockwerken in die komplexe Welt der Bewegung ein. Das äußere Erscheinungsbild des Science Centers ist nach dem Vorbild eines Muskels gestaltet. Geworben wird mit dem Slogan „Begreifen, was uns bewegt“ und tatsächlich bietet das Haus eine Vielfalt an interaktiven Installationen, mit denen die Komplexität des menschlichen Bewegungsapparats erforscht werden kann. it dem Science Center hat Prof. Hans Georg Näder 2009 einen ersten Schritt Richtung Hauptstadt gemacht. Ende 2010 erwarb der Multimillionär zudem ein riesiges Areal im Prenzlauer Berg. Die alte Bötzow-Brauerei umfasst ein Gelände von gut 20 000 Quadratmetern und soll in Zukunft vielfältig genutzt werden. Neben Luxuswohnungen, Restaurants, Geschäften und Clubs ist eine Rollstuhlmanufaktur geplant und auch die Kreativabteilung von Ottobock soll auf lange Sicht nicht mehr im ländlichen Duderstadt, sondern im hippen Großstadtbezirk Prenzlauer Berg residieren. Genau genommen kehrt Näder damit zu den Unternehmenswurzeln zurück, denn der Gründer Otto Bock begann sein Geschäft mit den Prothesen einst in der Hauptstadt. Im Jahre 2020 soll die Umgestaltung des Areals voraussichtlich fertig gestellt werden. Die Prothetik sollte damit nicht nur in der Hauptstadt, sondern im übertragenen Sinne auch endgültig in der Mitte der Gesellschaft ankommen. Auch bleibt zu hoffen, dass weiterhin weltweit innovative Ideen und Designs zu einer verbesserten gesellschaftlichen Akzeptanz von Menschen mit Prothesen führen.

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Š Michalsky

Das Hamburger Model Mario Galla lief bei der Show von Michael Michalsky auf der Berliner Fashion Week in kurzen Hosen Ăźber den Laufsteg

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PhiliPP huEbl Der Mann für den zweiten Blick

von Viviane Offenwanger und Karolin Korthase

Wer durch die philosophische Brille schaut, sieht Altbekanntes mit einem schärferen Blick“, schreibt Philipp Hübl in seiner vor Kurzem erschienenen Einführung „Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie“. Es sind die großen Themen der menschlichen Existenz, mit denen er sich auseinandersetzt: das Bewusstsein, der freie Wille, Gefühle, Leben und Tod. Mit seinem Buch will er Licht ins Dunkel des philosophischen Begriffsdschungels bringen und das auf eine unterhaltsame Art. Philipp Hübl gehört neben Richard David Precht zu einer neuen Garde der Philosophen, die für ihr Fach medienwirksam werben. Er studierte Philosophie und Sprachwissenschaft in Berlin, Berkeley, New York und Oxford und lehrt derzeit als Juniorprofessor in Stuttgart. Beim Interview in Berlin-Kreuzberg sprachen wir mit ihm über Schönheit, Sprache und über „9 to 5“-Philosophen. 136


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Van Orman Quine „Theorien und Dinge“. Daran haben mich vor allem die gestochenen scharfen Sätze fasziniert, denn vom Inhalt habe ich damals nicht viel verstanden. Auch mit Heidegger bin ich früh in Berührung gekommen und war hier eher von seiner dunklen Sprache fasziniert. Heute halte ich nicht mehr so viel davon. Heidegger hat ausgenutzt, dass die Morphologie des Deutschen so produktiv ist. So entstanden Sätze wie „Das Gestell west als die Gefahr“. In der Oberstufe hatte das eine Sogwirkung auf mich. Damals dachte ich: Je undurchsichtiger die Prosa, desto mehr Philosophie ist drin. Im Studium habe ich dann schnell ie ist die Idee gemerkt, dass das der falsche Weg ist: Das zu Ihrem Buch Einschüchterungs-Vokabular einiger Phientstanden? losophen lenkt eher von den interessanten Als Dozent habe ich viele Einführungen Fragen ab. in die Philosophie gelesen, auch deshalb, weil die populäre Wissensvermittlung mich Von der Ästhetik der Sprache kommen wir nun schon immer interessiert hat. Die meisten zur Schönheit im Allgemeinen. Sie scheint das Bücher waren allerdings staubtrocken oder omnipräsente Prinzip unserer Gesellschaft zu sie hatten einen historischen Schwerpunkt. sein. Wie würden Sie als Philosoph Schönheit Es fehlte eine Einführung in die spannen- definieren? de, moderne Forschung – eine, die deutlich In der philosophischen Ästhetik gab es lanmacht, dass Philosophie sehr viel mit dem ge Zeit den Trend, nach den Gemeinsameigenen Alltag und den eigenen Erlebnis- keiten aller schönen Dinge zu suchen. Meisen zu tun hat. Alle Menschen stellen sich ner Ansicht nach fehlt in diesem Ansatz die philosophische Fragen, allerdings oft, ohne andere Hälfte, denn Schönheit ist eine Rees zu merken. lation: Etwas ist nicht einfach für sich genommen schön, sondern immer schön für Der Titel „Folge dem weißen Kaninchen … in einen Betrachter. Ich vertrete eine kausale Theorie der Schönheit: Einfach gesagt die Welt der Philosophie“ ist sehr spielerisch ist schön das, was Genuss, also ein positiformuliert. Der Titel hat zwei Quellen. Zum einen ves Empfinden auslöst. Im Umkehrschluss „Alice im Wunderland“, die dem weißen ist Hässlichkeit dann die Spiegelung dazu: Kaninchen von der Realität in ihre Phan- etwas, das Unwohlsein, also einen negatitasiewelt folgt. Und zum anderen der Film ven Bewusstseinszustand hervorruft. In der „Matrix“, in dem die Hauptfigur Neo dem Kunst ist es dann noch viel komplexer, weil weißen Kaninchen in Form eines Tattoos es nicht mehr allein um Schönheit, sondern auf dem Rücken einer Frau folgt und aus um alle möglichen Gefühle, Erlebnisse und seine Phantasiewelt in die Wirklichkeit ge- Gedanken geht. Wir mögen beispielsweilangt. Ich fand diese Bewegung zwischen se gemischte Gefühle, auch die extremen: Realität und Illusion reizvoll. Beide Wer- Wenn wir im Kino einen Horrorfilm sehen, ke sind zudem voll von philosophischen haben wir diese eigenartige Freude an der Fragen: Ist alles Schicksal? Kann Humpty Angst oder am Ekel. Auch viele KunstwerDumpty die Bedeutung seiner Worte selbst ke spielen damit. Cindy Shermans Fotos festlegen? Das denkt man erst nicht, weil sind auf den ersten Blick schön und auf den das eine ein Kinderbuch und das andere ein zweiten eher verstörend. Actionfilm ist. Sind für Sie Schönheit und Hässlichkeit Was war das erste philosophische Werk, das Sie moralische Kategorien oder rein ästhetische? Platon hat so etwas vertreten, nämlich dass nachhaltig beeinflusst hat? Das erste philosophische Buch, das ich das Schöne, das Gute und das Wahre eins durch Zufall gelesen habe, war von Willard sind. Auch Kant hat da offenbar eine Ver138


Etwas ist nicht einfach für sich genommen schön, sondern immer schön für einen Betrachter. bindung gesehen. Mir scheint allerdings ein Unterschied zu bestehen: Schönheits- und Hässlichkeitsempfinden hängen von unserer Physiologie ab. Außerirdische könnten ganz andere Dinge als schön erleben. In der Ethik ist das aber nicht so. Als moralischer Realist glaube ich, dass ethische Prinzipien unabhängig von unserer Physiologie bestehen. Ein universelles Prinzip scheint zum Beispiel zu sein, dass man leidfähige Wesen nicht ohne Grund quälen darf – und zwar ganz egal, in welcher Position man selbst ist. Die Ästhetik ist nicht in dieser Weise universell. Wie stehen Sie zum Thema Schönheits-OPs? Fangen wir mal so an: Viele Kulturwissenschaftler betonen den kapitalistischen Zwang zur Selbstoptimierung, wenn sie über Schönheits-OPs sprechen. Dieses ständige Verbessern und Wertsteigern begann in allen Bereichen der Wirtschaft, bis irgendwann auch der eigene Körper zur Ware wurde. Seit etwa 20 Jahren optimieren so gut wie alle von uns ihre Körper: Wir gehen in Fitness- und Sonnenstudios, färben uns die Haare, benutzen Faltencremes. Manche lassen sich eben auch operieren, sicherlich zum Teil, weil die technischen Möglichkeiten besser sind. Und natürlich besteht immer die Gefahr der Übertreibung: Jemand kann nach einer Operation schlechter aussehen als vorher. Aber: Die Kritik am Zwang und der Übertreibung wird schnell verschwinden, wenn die plastische Chirurgie besser wird. Stellen wir uns vor, in 20 Jahren könnten wir Nasen oder Brüste perfekt züchten und gefahrlos ersetzen – dann würden wahrscheinlich nur noch wenige Menschen OPs kritisieren. Die Kulturwissenschaftler vergessen außerdem den Aspekt der Autonomie. Wir üben beispielsweise Klavier, statt uns zu sagen, es sei naDer Philosoph Philipp Hübl hat sich die Entschlüsselung der großen Fragen der Menschheit zum Beruf gemacht. Das entspricht auch seinem eher nachdenklichen Naturell.

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Warum soll man seine Körper als schicksalhaft hinnehmen, statt daran zu arbeiten? Handlungsfreiheit heißt auch, über die Form seines eigenen Körpers entscheiden zu dürfen.

tigt, ist Verursachung. Also ob es eine Theorie der Verursachung gibt, die sowohl den Geistes- und Sozialwissenschaften gerecht wird als auch der Physik und Chemie. Irgendwie muss das doch zusammenpassen. turgegeben, dass wir das Instrument nicht spielen können. Oder: Viele von uns hatten einmal eine Zahnklammer, um eine „Fehlstellung“ zu korrigieren. Warum soll man nun den Rest seines Körpers als schicksalhaft hinnehmen, statt daran zu arbeiten? Handlungsfreiheit heißt auch, über die Form seines eigenen Körpers entscheiden zu dürfen.

Kann man als Philosoph eigentlich auch mal gedanklich abschalten? Ich glaube, es gibt zwei Typen von Philosophen. Ich habe ein paar Kollegen, die sind „9 to 5 philosophers“. Auf Konferenzen sind sie Philosophen mit allem Drum und Dran: mit ihrem technischen Vokabular und einem ernsthaften und zielstrebigen Auftreten. In anderen Situationen frage ich mich dann manchmal, warum sie zum Teil komische und ungenaue Sachen sagen. Sie können sich jedenfalls zeitweise vom Zwang des philosophischen Denkens irgendwie frei machen. Ich gehöre leider nicht dazu. Bei mir läuft immer der kleine Kommentarfilm unten mit – so in der Art: „Argumentationsschema“, „indirekter Sprechakt“, „falsche Verallgemeinerung“. Das war schon immer so und ich kann das auch nicht mehr abschalten. Naja, Alkohol hilft manchmal und laute Musik. Am besten beides gleichzeitig.

Wie sind Sie eigentlich selbst zur Philosophie gekommen? Darauf weiß ich bis heute keine gute Antwort. In der autobiographischen Rückschau hat ja jeder Lebensschritt typischerweise auf genau dieses eine Ziel geführt. Aber wenn man ehrlich ist, weiß man, dass das selten stimmt. Ich hatte in der Oberstufe viel Philosophie im Unterricht. Das war spannend und darum habe ich es auch studiert, aber Berufsphilosoph wollte ich zuerst nicht werden. Irgendwann habe ich bemerkt, dass es doch auf eine akademische Karriere hinauslaufen könnte. Das schöne an meinem Fach ist, dass man nicht auf einen Bereich festgelegt ist und sich jedes Wir danken Ihnen für das Gespräch. Thema herausgreifen kann.

Was findet der Philosoph Philipp Hübl schön? Da gibt es so viel. Die Goldberg-Variationen von Bach zum Beispiel oder auch die Fotografien von Henri Cartier-Bresson. Edmund Burke meinte übrigens, schön sei, was klein, glatt und durchsichtig ist. Das waren seiner Ansicht nach Edelsteine, junge Frauen mit reiner Haut und glattem Haar und Tauben. So eine Liste sagt natürlich viel über ihn Welche Aufgaben haben Ihrer Ansicht nach und seine Vorlieben aus, aber nicht so viel Philosophen in der Gesellschaft? über Schönheit im Allgemeinen. Es ist immer schwer nach einer Aufgabe zu fragen, denn welche Aufgabe hat einChemiker oder Biologe? Forschen? PhiAn welchem Thema arbeiten Sie momentan? Mich interessiert seit langer Zeit die Frage losophen forschen auch. Von uns wird oft nach dem Unbewussten, die ich auch schon erwartet, dass wir Stellung zu den großen in meiner Doktorarbeit angeschnitten habe. gesellschaftlichen Fragen beziehen. Dabei Also alles, was in unserem Geist vorgeht, sind wir nicht von Haus aus die Gesellaber nicht ins Bewusstsein vordringt. Damit schaftsberater und nicht mehr verpflichtet will ich mich auch in Zukunft noch weiter als andere, uns zu aktuellen Themen zu äuauseinandersetzen. Ein neues, eher tech- ßern. Wer etwas zu sagen hat, soll es tun, nisches Thema, das mich gerade beschäf- egal, was er studiert hat.


POISON Ivy Fotos Elizaveta Porodina


Dress LEVER COUTURE


Dress VERLINGIERI Leather harnsich A.F. VANDERFORST Chain LORAND LAJOS


Dress KAVIAR GAUCHE Bow LORAND LAJOS

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Dress BODY ZAHIA Shoes MIU MIU Headpiece LORAND LAJOS

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Dress IRENE LUFT Headpiece LORAND LAJOS

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Dress LEVER COUTURE Latex Gloves STYLISTS OWN Star LORAND LAJOS

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Dress JANTAMINAU

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Photo Assistant: Arton Sefa / Styling: Josef Stockinger / Styling Assistant: Sigi Brettner / Hair: Heiko Palach using Shu Uemura / Make-Up: Heiko Palach using Chanel / Setbuilding: Beatrice Sch端ll / Model: Val (AM Modelmanagement) / Location: Special Thanks to www.stundenhotel-muenchen.de


FOTOS: SABRI NOOR

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Die

neue Welle 153


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FOTOS: SABRI NOOR

arim Laftimi sitzt entspannt in einer der überdachten Sitznischen seines neuen Restaurants Le Jardin. Der 39-jährige sieht gut zehn Jahre jünger aus. Mit seinem Lockenkopf und seinem leicht zerknitterten Jeanshemd versprüht er den Charme eines Jungen. „Ich bin ein Marakchi. Ich bin in der Medina bei Bab Ksour mit einer Schwester und vier Brüdern aufgewachsen“, erzählt Laftimi. „Nach der Schule bin ich mit dem Rucksack nach Asien aufgebrochen und habe einige Jahre in Japan gelebt.“ Laftimi lernte Japanisch und schlug sich als Türsteher, Kellner und Küchenhilfe durch, bis ihn 2004 das Heimweh zurück nach Marrakech zog. Dort eröffnete er in der Medina auf dem Gelände des alten Ge-würzmarktes das Café des Epices. „Ich wollte ein gemütliches Wohnzimmer schaffen“, sagt er. Es gelang. Vor allem Touristen lieben die schlichte marokkanische Einrichtung, die einfachen Gerichte und die gewürzten Tees des Cafés. Ermutigt vom Erfolg eröffnete Laftimi 2009, gemeinsam mit einem Geschäftspartner, die Terasses des Epices – eine loungige Gastrolandschaft ganz in der Nähe seiner ersten Location. Vergangenes Jahr verwirklichte er dann sein nächstes Projekt: Ein 600 Quadratmeter großes Riad aus dem 17. Jahrhundert wurde unter seiner Führung zum Restaurant umgestaltet, Le Jardin entstand. Der Gast speist im Garten des Lichthofs unter Palmen oder zieht sich unter die Arkaden in eine der gemütlichen Sitzecken zurück. Ein neues Marrakech braucht neue Orte des Austauschs. „Es geht darum, Ideen zu haben“, sagt Laftimi. „Es ist ein Aufbruch, kein Ausbruch.“ Ende Oktober bildet die grüne Kulisse des Le Jardin den stilvollen Rahmen einer Verkaufsmesse. „Sie heißt „Le Souk“, französisch der Markt und findet zum ersten Mal statt. Ich kenne sehr viele Designer und möchte ihnen die Möglichkeit geben, ihre Arbeiten vorzustellen“, erklärt die Veranstalterin Laila Hida. Die 29-Jährige arbeitet als Fotografin und gründete eine eigene Produktionsgesellschaft. Vor einem Jahr zog sie von Paris nach

Karim Laftimi

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Casablanca und schließlich nach Marrakech. „Ich bin in Casablanca aufgewachsen, in einer traditionellen marokkanischen Familie. Aber ich bin auf die französische Schule gegangen. Zu Hause war ich sozusagen in Marokko und in der Schule in Europa“, erzählt sie. „Danach bin ich nach Frankreich gegangen und habe an der Sorbonne Literatur und im Anschluss Business Communication studiert.“ Die Absolventin blieb in Paris und fand eine gute Stellung bei einem Magazin. Ihr Leben in Europa schien erfüllt – bis der arabische Frühling begann. „Ich konnte einfach nicht länger nur vor dem Fernseher sitzen“, erinnert sie sich. „Ich wollte ein Teil der Bewegung werden. Hier habe ich immer das Bedürfnis, kreativ zu sein“. Sie gestikuliert mit den Händen, um ihre Worte zu unterstreichen. „Die Stadt ist sehr sinnlich, du möchtest alles berühren und die Düfte aufnehmen. Ich glaube deshalb zieht es so viele Designer hierher“, sagt sie. „Die Leute, die hier leben, respektieren die Traditionen. In Europa sind die Menschen so sehr mit dem Fortschritt beschäftigt, dass sie dabei ihre Traditionen vergessen. Wir versuchen, sie zu erhalten.“ ine Stadt, in der viel Neues passiert, braucht auch neue Medien. „Als wir 2007 La Tribune de Marrakech herausgebracht haben, wollten wir was für die Stadt tun, die Leute, die hier leben, vorstellen. Das was entstand, musste ans Licht gebracht werden. Die vielen neuen Designer, Künstler und Kreative brauchten ein Medium, das über sie berichtet“, beschreibt Mouna Anajjar. Die Marokkanerin, die lange in Paris lebte, kam 2006 nach Marrakech und gründete in Gueliz, dem neuen Teil der Stadt gemeinsam mit einem Geschäftspartner einen Verlag. Neben dem Stadtmagazin La Tribune de Marrakech verantwortet sie das Marrakech Mag, ein designlastiges und innovatives Lifestylemagazin. „Das Ganze begann vielleicht vor acht Jahren. Plötzlich entstanden überall neue Restaurants, Hotels, Clubs. Neue Designer kamen auf“, erinnert sie sich. „Wir haben mit unseren Medien die Entwicklung und Evolution der Stadt begleitet.“ In Marokko selbst spricht man von der „nouvelle vague“ – der neuen Welle, die das Alte aber nicht überrollt, sondern – im Gegenteil – mit höchstem Respekt integriert. „Die Künstler brauchen gute Handwerker, die ihre Ideen übersetzen“, sagt Anajjar und zündet sich eine Zigarette an. „Die Handwerkskunst hier ist einzigartig. Die Handwerker schaffen alles in Handarbeit, sie beherrschen ihr Handwerk wirklich“, sagt sie und klopft auf den großen Eisen-Schreibtisch in ihrem Büro: „Den habe ich mir hier anfertigen lassen. alles Handarbeit“. „Die Evolution wurde stark von Leuten beeinflusst, die vorher in anderen Ländern gelebt hatten und eine neue Sicht auf die Dinge miteinbrachten“, erklärt die Chefredakteurin. „Aber vieles, was gerade entsteht, wäre gar nicht möglich ohne den speziellen Esprit der Stadt.“ 156

Magazin ‚MAG‘, Chefredakteurin Mouna Anajjar


Die 25-Jährige Habiba Machrouh arbeitet als Art Directorin bei La Tribune de Marrakech. Sie kommt aus Frankreich, hat aber algerisch-marokkanische Wurzeln. Wegen ihres Jobs zog die junge Frau von Nantes nach Marrakech, ganz auf sich gestellt. „Am Anfang war es schwierig“, erzählt sie. „Aber man hat hier viel weniger Stress als in Frankreich. Ich empfinde Marrakech ein wenig wie eine europäische Stadt, nur sehr viel traditionsbewusster. Die Marokkaner sind außerdem sehr kreativ.“ estimmt ist kein Zufall, dass die Frauen das neue Marrakech kräftig vorantreiben. Die Marokkanerinnen gelten von jeher als stark und selbstbewusst. König Mohammed VI. reformierte endlich auch die Gesetze des patriarchalisch geprägten Reiches. Die Frauen Marokkos haben nun das Recht auf Scheidung und auf einen Ehemann, der keine weiteren Frauen heiratet. Außerdem wurde das Alter der Heiratsfähigkeit von 15 auf 18 heraufgesetzt. „Hier passiert gerade ganz viel. Man sieht es ja schon, wenn man durch die Straßen geht. Die jungen modernen Frauen auf ihren Vespas stehen für ein neues Marokko“, beschreibt Andrea Kolb. Die Deutsche pendelt zwischen Berlin und Marrakech. Vergangenes Jahr gründete sie das Taschenlabel Abury, das handbestickte Taschen in Berbertradition herstellt. Die Geschäftsidee sollte gleich mehrere Aufgaben erfüllen: Die alte Kunst der Taschenstickerei am Leben erhalten, jungen Marokkanerinnen eine Ausbildung geben und ausgebildeten Näherinnen einen fairen Lohn sichern. „Es gibt gar nicht mehr so viele, die dieses Traditionshandwerk beherrschen. Die Jungen sehen darin keine Perspektive und lernen das nicht. Es ist halt Handarbeit und wird meist schlecht bezahlt.“ erklärt Kolb. Sie selbst gründete für Abury eigene Nähschulen und schuf im Atlasgebirge eine autonome Produktionsstätte, die eines Tages den Arbeitern gehören soll. „Ich möchte ein bisschen weg von diesem Entwicklungslandcharakter“, sagt sie. „Ich sehe es mehr als interkulturellen Austausch.“ Nun sind ihre Berberbags beides: stylische Taschen und Botschafter einer alten Kultur. Verkauft werden die Unikate über Boutiquen in Deutschland oder den Online-Shop. Tradition und Moderne müssen dabei keine Gegensätze sein, Abury fertigt auch Lederhüllen fürs iPad. „Das sind traditionell handgefertigte Taschen und damit packen wir dann unser modernes Spielzeug ein“, sagt Kolb.

„Die jungen modernen Frauen auf ihren Vespas stehen für ein neues Marokko.“ Andrea Kolb

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Tasche Abury, Frauen bei der Taschenmanufaktur

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radition und Moderne vereinbart auch der Produktdesigner Younes Duret, der für seine Arbeiten internationale Auszeichnungen erhielt. Der typische orientalischen Ornamentik fügt er etwas Neues hinzu. Mosaikmuster werden bei ihm zum praktischen Regalhalter, arabische Waffen zum Ständer von Lampenschirmen. Durets Vater ist Franzose, seine Mutter Marokkanerin. Er selbst kam in Casablanca zur Welt, verbrachte seine Kindheit in Südfrankreich, studierte in Paris und eröffnete seine Designagentur im elterlichen Haus in Marrakech. „Ich liebe Marrakech!“, sagt der 32-Jährige , während er mit seinem Wagen durch die Stadt fährt und dabei Eselskarren und Pferdekutschen ausweicht. „Ich liebe die Verrücktheit und Widersprüchlichkeit der Stadt.“ Begeistert fährt er fort: „Es ist unglaublich, wie sehr sich Marrakech in den letzten zehn Jahren verändert hat. Vor allem die Mittelklasse ist viel stärker geworden. Es gibt so viele tolle Künstler, Musiker und Designer in der Stadt, die sehr kreativ und innovativ sind. Sie versuchen zu zeigen, dass Dinge auch anders sein können. Darüber sollen die Leute reden, anstatt immer nur alles zu kritisieren.“

Designer Younes bei seinem Streifzug durch den Souk.

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er sich in Marrakech bewegt, wird schnell auf den Namen Vanessa Branson stoßen. Die Gründerin der Marrakech Biennale, die dieses Jahr zum dritten Mal stattfand. steht vor allem für den intellektuellen und künstlerischen Austausch in der Stadt. Branson pendelt zwischen London und Marrakech und wirbt im Westen für interkulturelle Verständigung. Ihr Bruder, Richard Branson, wurde als Chef des Medienunternehmens Virgin weltbekannt. In Marrakech aber kennt man sie, Vanessa. Vanessa Branson sitzt lässig auf der Couchlandschaft im Lichthof des Riads El Fenn, das sie gemeinsam mit einem Freund besitzt. Orangen und Olivenbäume spenden Schatten. Im Brunnen schwimmen frische Rosenköpfe. Branson trägt eine gestreifte Tunika, eine weiße Leggings und ist barfuß. Ihr offenes blondes Haar ist mit grauen Strähnen durchsetzt, trotzdem strahlt die 52-Jährige Jugendlichkeit und Tatendrang aus. „Ich liebe es hier“, sagt sie lachend „Die Leute hier sind in keiner Weise zynisch. Außerdem ist Marrakech unglaublich sinnlich. Das Essen, die Düfte, die Farben …“ Eine Tür, die zu den Suiten führt ist geöffnet: Wände im türkisfarbenen Tadelakt, das große Bett ist mit handbestickten Leinentüchern bezogen, darüber ein verzierter Silberspiegel. Über dem Schreibtisch hängt eine An-ordnung totenkopfartiger Fratzen – eine Installation des Künstlers Matt Bryans aus London. El Fenn bedeutet auf Arabisch so viel wie Kunst. In der Tat mischt sich im Riad zeitgenössische Kunst mit traditionellem Handwerk. „Die alte Kunst umarmt das Jetzt“, sagt Branson. El Fenn ist gleichzeitig Tagungsstätte, Ausstellungsfläche, Boutiquehotel und privates Gästehaus. Direkt hinter Bab Ksour gelegen, wohnten in dem Ursprungs-Riad einst die Erbauer der weltbekannten Koutubia-Moschee, die sich ganz in der Nähe befindet. „Ich glaube, dass wir es geschafft haben, uns harmonisch in die Stadt einzufügen“, erklärt Branson. „Wir haben sehr viele lokale Handwerker und Künstler in die Gestaltung mit einbezogen und das Traditionelle mit zeitgenössischer Kunst gemischt.“

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„Die alte Kunst umarmt das Jetzt.“


Vanessa Branson im Riad Al Fenn, das gleichzeitig Tagungst채tte, Austellungsfl채che, Boutiquehotel und privates G채stehaus ist.

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ir wollen das Cannes Afrikas werden“, soll König Mohammed anlässlich der Filmfestspiele in Marrakech gesagt haben. Vermutlich meinte er damit nicht nur die Qualität der gezeigten Filme. Glitzer und Glamour sind sehr willkommen in der Stadt am Atlas. Nun schießen Luxushotels und 5-SterneResorts wie Pilze aus dem Boden. Das legendäre La Mamounia, in dem schon Winston Churchill liebend gern übernachtete, bekommt von allen Seiten Konkurrenz. Der König persönlich war es, der durch ein milliardenschweres Programm den Bauboom anheizte und die Infrastruktur ausbaute, ohne das Treiben in der Altstadt zu stören. Ausländische Investoren bekommen günstig Grundstücke und müssen die ersten drei Jahre lang keine Steuern zahlen. Gebiete am Stadtrand wie die Palmeraie werden gezielt belebt. Golf- und Wellnessressorts schaffen neue Arbeitsplätze – und autarke Oasen der Ruhe. Stil mit Traditionsbewusstsein statt Billig-tourismus. Wer es sich von den Marrakchi leisten kann, hat sein Riad in der Medina und eine Villa oder ein Apartment weiter draußen. Nicht alle aber begrüßen das Überangebot an Luxus. „Wir werden einen besonderen Platz in den Rängen der 5 Sterne Hotels einnehmen, da unser Konzept sich stark von den anderen, etablierten 5-Sterne Hotels unterscheidet“, sagt der Abdeslam Bennani Smires, der junge Chef des Resort Selman, das im Spätsommer des Jahres eröffnete. Im Selman verbindet sich die Liebe zu den Araberhengsten mit außergewöhnlichem Luxus, von einem 80 Meter langen Pool und außergewöhnlichen Design. Gestaltet wurde das Selman von Stardesigner Jacques Garcia, der bereits das Mahmounia gestalten durfte.

Designer Artsi

Palais Sebban

Marrakech traditionell & modern Restaurants Le Tobsil Hausmannskost im romantischen Ambiente eines alten Riads. Gegessen wird im Lichthof, unterm Sternenhimmel. Musiker begleiten das Geschmackserlebnis auf Zupfinstrumenten. Der perfekte Ort für Liebespaare. 162 XX

Le Jardin Le Jardin (französisch der Garten) ist eine grüne Oase mitten in der Medina. Das 600 Quadratmeter große Riad aus dem 17. Jahrhundert wurde zum Restaurant umgestaltet, die marokkanische Küche neu interpretiert. Serviert wird unter Palmen. Wer mag, zieht sich in die LoungeEcken unter die Arkaden zurück.

Clubs Jad Mahal Tanztempel im Stil von 1001 Nacht. Jeden Abend große Show mit LiveMusik und Bauchtanz. Unter den hochkarätigen Gästen: Fußballprofis, Popstars und Designer. Ab 2 Uhr geht’s ins benachbarte Silver, um zu Oriental Beats und House-Musik abzutanzen.

Theatro House-Musik in High-Tech Kulisse. Der Club war mal ein Theater – jetzt setzen sich sexy Kellner, Performancekünstler und international bekannte DJs in Szene. Hotels & Hostels La Mamounia Baujahr 1923 und immer noch die Königin unter den Luxushotels.


Selman Marrakesh

Star-Architekt Jaques Garcia verpasste der Grande Dame ein Facelift. Wer in dieser Preisklasse nicht mitspielen kann, sollte trotzdem einen Rundgang wagen. Riad El Fenn Sehr eigenwilliges und sehenswertes Riad. El Fenn bedeutet auf Arabisch so viel wie Kunst. Zeitgenössische Fotografien, Installationen und Gemälde mischen sich auf

lässige Weise mit traditionellem Handwerk. Cafés Café des Epices Der Klassiker unter den Cafés der Medina. Vor allem die Szene liebt die schlichte marokkanische Einrichtung, die einfachen Gerichte und die gewürzten Tees des Cafés. Café Extrablatt Tatsächlich, die deutsche Kette

gibt es in auch in Marrakech. In Hivernage, dem nobelsten Teil der Neustadt, eröffnete eine Filiale mit großem Garten. Das Publikum ist jung, stylisch und international.

findet man Filialen des gebürtigen Marakchi. Artsi Ifrach Der israelische Designer hat seinen Showroom in Marrakech.Unter seinem Label Art/C verwandelt er Shopping Teppiche, Kaftans oder VintageKarim Bouriad Stoffe zu bezahlbaren FashionDer Designer gab dem traditionellen Unikaten. Stars wie Kelly Rowland Kaftan eine lässige Note. Auch in oder Beth Dito gehören zu Ifrachs New York, St. Barth oder St. Tropez Kunden. Termine nur nach Absprache! 163 XX


Paris nahm er im Sturm. Seine Inspirationsquelle aber ist Marrakech. Der Designer Artsi Ifrach bedient sich am reichen Fundus der Medina, um aus Altem etwas Neues zu kreieren. Von Nadia Saadi 164


„Reichtum kommt von innen“

illkommen in Ali Babas Reich“, sagt Artsi Ifrach. Einen Schritt über die Schwelle des Riads und der laute Trubel der Medina verebbt. Ein dunkler Gang führt hinaus in den Lichthof. Wände in Grün- und Grautönen. Wollkissen mit Berbermustern auf schlichten Sitzbänken. Alles wirkt aufgeräumt und ruhig. Ifrach trägt eine Haremshose aus der eigenen Kollektion und ein helles ärmelloses T-Shirt. Mit einer graziösen Handbewegung gießt er Mocca in die kleinen Tässchen. „Ich war viele Jahre lang Balletttänzer“, sagt er. Man glaubt es ihm sofort. Seine Stimme klingt tief und melodisch. Die großen braunen Augen mit den langen dunklen Wimpern blicken ausdrucksstark wie die eines Kindes – und irgendwie ein wenig melancholisch. Rechts vom Lichthof geht ein Zimmer ab. Auf einer langen Stange hängen Kleider, Mäntel und Anzüge. Darunter liegen handbestickte Taschen. ART/C, abgeleitet von seinem Vornamen, nannte Ifrach sein Label, jedes Kollektionsteil trägt ein Stoffschild mit dem Logo. „Das ist mein Showroom“, sagt er und holt anmutig einzelne Stücke vom Ständer: „Den Mantel hier habe ich aus alten Teppichen gefertigt. Und das Kleid hier war mal eine Hochzeitsdecke. Ich arbeite ausschließlich mit Vintage-Materialien, weil Vintage etwas in sich trägt, dass es heute nicht mehr gibt.“ Tiefe Ausschnitte oder hautenge Stoffe sucht man vergeblich in seinen Entwürfen. Er setzt lieber auf den richtigen Fall der Stoffe: „Für mich spielt die Silhouette eine große Rolle. Ich liebe die Art, wie Frauen sich bewegen.“ Vergangenen Winter entwarf er trotzdem erstmalig eine Männerkollektion.

(unter Künstlerportrait): Der Designer Artsi Ifrach entdeckte die Magie und Schönheit von Marrakech als Inspirations- und Materialquelle für sich und seine Kollektion. Fotos: Sabri Noor

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Foto: Laila Hida


Fotos: Sabri Noor

„Für mich bedeutet Erfolg nicht, dass berühmte Leute meine Sachen tragen, sondern dass es Menschen gibt, die meine Arbeit lieben.“

Der gebürtige Israeli zog im April 2011 von Paris nach Marrakech. Seitdem nutzt er den reichen Fundus der Stadt. Die legendären, schier endlosen Souks der Medina wurden beides für ihn – Inspirationsquelle und Materiallieferant. Teppiche, Kaftans, Kissen und Taschen wandern in sein Atelier, um bald darauf etwas Neues entstehen zu lassen. Zudem verfügt die historische Stadt über begnadete Manufakteure, die es auch heute noch verstehen, selbst ausgefallene Ideen in Handarbeit umzusetzen. „In meiner Kollektion findet sich der ganze Reichtum Marokkos“, sagt Ifrach. „Jedes meiner Stücke ist ein Unikat.“ Auch Celebritys mochten Ifrachs eigenwilligen, oft theatralischen Stil. Die französische Schauspielerin Isabelle Huppert trug im Film „La Petite Princesse“ Teile von ART/C. Die Sängerin Kelly Rowland bediente sich für einen Videodreh aus seiner Schatzkammer. Auch Beth Ditto, die schrille Frontfrau der Band Gossip, entdeckte den Designer für sich: „Die Stylistin von Beth Ditto kam zu mir und suchte sich was aus. Kurz darauf saß Beth bei der Galliano-Show mit einem Teil von mir in der ersten Reihe“, erzählt Ifrach, fügt dann aber gleich hinzu: „Für mich bedeutet Erfolg nicht, dass berühmte Leute meine Sachen tragen, sondern dass es Menschen gibt, die meine Arbeit lieben.“ Kürzlich setzte er für eine Fotostrecke die marokkanische Sängerin Hindi Zahra im Frida-Kahlo-Look in Szene. „Hindi ist eine wunderschöne marokkanische Frau und hat meine Arbeit stark inspiriert“, sagt er. „Ihr Mann Anir trägt Teile aus meiner Männerkollektion.“ Ganz bewusst zog der Designer mitten in die Altstadt, in ein typisches Riad. Vor der Tür spielen Kinder, das Leben tobt oft bis spät in die Nacht. Ifrach mag die unmittelbare Nähe zum Volk, von Allüren keine Spur. „Kennst du die Bedeutung der Kippa ? Bis hierher und nicht weiter“, sagt er und fasst sich auf den Kopf. „Wenn du das verstanden hast, bleibst du sehr demütig und entspannt.“ Seine Nachbarn sind in der Regel Moslems, für ihn, den gläubigen Juden, spielt das keine Rolle: „Sie lieben mich und ich liebe sie“, sagt er. „Ich glaube nicht, dass sich Moslems, Juden und Christen groß unterscheiden.“ Seine Einstellung spiegelt auch die Toleranz seiner Wahlheimat wieder. Seit Jahrhunderten leben in Marokko Anhänger unterschiedlicher Glaubensrichtungen friedlich Tür an Tür. „Gott ist immer bei mir“, sagt Ifrach. „Ich bete drei Mal am Tag und freitags gehe ich in die Synagoge. Religion hilft uns, uns nicht zu verlieren.“ „Hold“ „On“ steht auf seinen Handrücken, „Let“ „Go“ auf den Füßen. Die vier Tattoos beschreiben das Lebensmotto des 41-Jährigen. Beharrlich bleiben, nicht so schnell aufgeben. Aber auch loslassen können. Ifrachs Biografie ist mindestens genauso bunt und wirbelig wie das Treiben in den Gassen der Medina. „Next ,next, next“ beschreibt er die Etappen seiner Karriere und lacht. Fünf Sprachen spricht er – sie belegen die Stationen eines turbulenten Lebens: Ifrach kommt aus einer marokkanischen Familie jüdischen Glaubens. Aufgewachsen ist er mit sieben Geschwistern in Jerusalem, Israel. Zu Hause wurde Arabisch gesprochen, die Landesprache aber ist Hebräisch – und so wuchs er zweisprachig auf. Während eines Urlaubs in Amsterdam verliebte sich der damals 24-Jährige in einen unbekannten Schönen in einem Club. Zurück in Israel packte er kurzentschlossen seine Koffer 167


und flog zurück nach Holland, um der vermeintlichen großen Liebe zu folgen. Der Traummann aus der Disko aber tauchte nicht mehr auf. Ifrach blieb trotzdem, lernte Holländisch und brachte sich selbst das Schneidern bei. Zunächst aber musste er sich mit einfachen Jobs über Wasser halten. „Ich war Putzfrau – und zwar eine verdammt gute“, sagt Ifrach. Seinen ersten ModeAuftrag hatte er schließlich mit 28, im Rahmen des Eurovision Song Contest. Die Band, die die Niederlande vertrat, trug eine Kreation von Ifrach. Die Karriere nahm langsam Fahrt auf. Der Selfmade-Designer fand eine Sponsorin, die an sein Talent glaubte, und startete seinen eigenen Laden in Amsterdam. Zurück in Israel eröffnete er eine große Boutique im Zentrum von Tel Aviv. 2009 wurde er von der Tageszeitung Yediot Daily News als einer der einflussreichsten Leute der Stadt aufgeführt. Schließlich wurde auch PR-Frau Sylvie Grumbach, die bereits anderen Modegrößen zum Durchbruch verholfen hatte, auf ihn aufmerksam und holte den Designer nach Paris. 2009 präsentierte er dort in einer Galerie seine eigene Show. „Das ist aus meiner ersten Kollektion in Paris. Ich nannte sie „The French Revolution“ erklärt Ifrach und deutet auf ein Foto. Ein Model trägt ein schlichtes Baumwollkleid, darüber eine Jacke aus einer alten russischen Fahne. Die Schleife im Haar fertigte er aus dem Stoff einer französischen Flagge. Die Kritiker jubelten, die Moderedakteure widmeten Ifrach viele Seiten. Den Designer aber hielt es nicht lange in Paris. „Ich wollte nicht zum nächsten hochgehypten It-Boy der Fashion-Szene werden. Ich möchte das, was ich tue, nicht aus den falschen Gründen tun“, sagt er. „Ich mache Mode, nicht um reich zu werden, sondern ich bin reich, weil ich kreativ sein kann. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Reichtum und Vermögen. Reichtum kommt von innen, Vermögen durch Geld.“ Bei einem Urlaub mit seinen Eltern entdeckte er den Zauber Marrakechs und zog kurzerhand von der Modemetropole in die Wüstenstadt. Weit weg vom Couture-Trubel fand er hier ein inspirierendes Umfeld .„Um wirklich kreativ sein zu können, muss ich mich fernhalten von den angesagten Plätzen“, sagt Ifrach. „Ich möchte, dass meine Stücke ihre eigene Handschrift tragen.“ Der kulturelle Reichtum und die Spiritualität der Stadt faszinieren ihn noch immer. „Die Stadt hat eine ganz eigene Magie. Selbst die vielen Touristen konnten ihr nichts anhaben“, sagt Ifrach. „Marrakech schließt die Lücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft. Wir erleben hier viele Dinge, die es bei uns nicht mehr gibt.“

Der Designer ist ein leidenschaftlicher Sammler und Entdecker. Auch von Hüten aller Epochen und Stile Fotos: Sabri Noor


„Ich arbeite ausschließlich mit Vintage-Materialien, weil Vintage etwas in sich trägt, dass es heute nicht mehr gibt.“

Foto: Laila Hida


von Karolin Korthase

Royale Tr채ume


Das Café Royal ist kein Ort, es ist eine Legende. Virginia Woolf, Oscar Wilde, Winston Churchill, Mick Jagger und Prinzessin Diana – alle kehrten sie hier ein und kamen meist betrunken wieder raus. Im Dezember 2012 wird das sagenumwobene Haus nach dreijährigen Renovierungsarbeiten wiedereröffnet: als Fünf-Sterne Luxus-Hotel.


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icht mehr als fünf Pfund soll der Franzose Daniel Nicholas Thévenon in der Tasche gehabt haben, als er im Jahre 1863 in London ankam. Das Vereinigte Königreich war damals noch eine unangefochtene Weltmacht und London das Epizentrum, von dem die Kolonialträume der Herrscher vorangetrieben wurden. Wie viele französische Emigranten ließ sich auch Thévenon, der vor einer Haftstrafe wegen Bankrotts aus seinem Heimatland geflohen war, im Stadtteil Soho nieder. 1865 eröffnete der Weinhändler in der berüchtigten Regent Street, deren Straßenseiten nach den Nationalitäten

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1963 übten drei Hotelpagen schon mal das Erwachsensein.

der Prostituierten „Dover“ und „Calais“ genannt wurden, das Café Royal. Schon bald nach der Eröffnung avancierte das Establishement, das über drei Räume verfügte, zum Lieblingsort der Londoner Bohème. Die Crème de la Crème der Künstler und Poeten gab sich hier ein Stelldichein und fröhnte bei exquisiten Speisen und dem besten Weinsortiment Londons vor allem ihrer selbst. So hielt der Schriftsteller D.H. Lawrence hier sein Abschiedsdinner, bevor er nach New Mexiko auswanderte und soll sich der Überlieferung nach auf dem Tischtuch übergeben haben. Dem Alkohol zugewandt war auch Oscar Wilde, der zu den Stammgästen des Clubs gehörte: Nach einem Absinth-Rausch wand er sich angeblich in Halluzinationen. Sicher ist, dass der irische Skandalautor hier auf den Marquess von Queensberry traf, den Vater seines späteren Liebhabers Bosie


© Getty Images

Wo einst die Londoner Prominenz ihre Nächte durchfeierte, kann ab Dezember 2012 auch genächtigt werden. Ein Fünf-Sterne-Hotel öffnet dann seine Pforten.

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© Getty Images

Der Eingang des Cafés im Jahre 1965 auf der Regent Street

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Douglas. Die erste Begegnung der Männer verläuft noch ausgesprochen vielversprechenend: Sie unterhalten sich über das Christentum und der Marquess soll Wilde sogar auf eine Lesung eingeladen haben. Zwei Jahre später ist die Sympathie dahin. Nachdem die Gerüchte um eine Affäre seines Sohnes mit dem Schriftsteller nicht abreißen wollen, rast Quensberry in das Café und droht an, Wilde zu verprügeln, wenn er ihn noch einmal zusammen mit seinem Sohn sehen sollte. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Das Liebesverhältnis der beiden Männer provozierte im viktorianischen England einen gesellschaftlichen Skandal, der in Gerichtsprozessen und dem Niedergang Wildes mündete. Der Erfolg des Cafés blühte indes weiter - trotz eines Mordanschlags auf einen Nachtportier Ende des 19. Jahrunderts. Zwischenzeitlich sagte man dem Club sogar nach, den besten Weinkeller der Welt zu haben. Neben Künstlern und Schriftstellern wussten das auch Politiker und königliche Repräsentanten zu schätzen. Winston Churchill soll hier 1940 gespannt und angsterfüllt auf eine Entscheidung bezüglich seiner politischen Zukunft gewartet haben. Zu den Essgewohnheiten von einem Mitglied des britischen Königshauses heißt es in einer Anleitung für die Kellner des Clubs: „Prince of Wales, Duke of York essen öfter zu Mittag. Immer gutbürgerliches Essen, kein Gedöns“. Ob der Prince of Wales sich wohl auch für Boxsport begeiesterte? Denn auch in dieser Hinsicht schrieb das 174

Café Royal Geschichte. Hier wurden 1867 die ersten Regel des Kampfs mit zwei Fäusten niedergeschrieben. Federführend zeigte sich hier der schon erwähnte Marquess von Queensberry, weswegen die Regeln auch als „Queensberry Rules“ bezeichnet werden. Eine Tafel weist darauf hin. Ab 1951 war das Café zudem Schauplatz von Box-Kämpfen, die der „National Sporting Club“ nach ihren „black-tie dinners“ abhielt. Eigens für die Kämpfe wurde im Club ein Box-Ring aufgestellt. An dieser, wohl kuriosesten Ecke, des Café Royal steht inzwischen ein Swimming-Pool. Sowieso hat sich vieles verändert in der Regent Street, Ecke Piccadilly Park. Die goldenen swingin‘ Jahre der Boheme und Extravaganz gehören längst der Vergangenheit an und mit Ihnen auch das Café Royal als einer ihrer berühmtesten Schauplätze. Im Dezember 2008 schloss das Haus vorerst seine Pforten. Möbel und viele andere Einrichtungsgegenstände, wie Kronleuchter und auch der Boxring wurden bei einer Auktion versteigert und das Gebäude vom isrealisischen Bauunternehmen „Now Alrov“ aufgekauft. In den letzten Jahren fanden umfassende Umbaumaßnahmen zu einem Fünf-Sterne-Hotel statt. Verantwortet wurde die Umgestaltung von David Chipperfield-Architekten, die in ihren Designs sowohl der Moderne, als auch der langenTradition des Hauses Tribut zollen. Das Café Royal Hotel gehört zur Gruppe von „The Set“-Hotels, von denen bisher nur das „Conservatorium“ in Amsterdam eröffnet hat. In Planung ist noch das „Lutetia“ in Paris.


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D ie Londoner Dependence der Hotelgruppe sollte eigentlich schon zu den Olympischen Spielen seine Pforten öffnen. Nach mehreren Terminänderungen startet der Hotelbetrieb nun im Dezember 2012. Zwischen 159 Suiten und Räumen können sich die Besucher dann entscheiden. Passenderweise wurden im Konzept auch 6 historische Suiten vorgesehen, die mit Raummaßen von 80 bis zu 212 qm aufwarten und Namen, wie „Marquis“, „Tudor“ oder „Empire“ tragen. In Reminiszenz an alte Zeiten gibt es zudem einen großen öffentlich zugänglichen Bereich, der von Straßengästen genutzt werden kann: Neben dem Grill- und Domino Room, die aufwendig restauriert wurden, gehören dazu ein Restaurant, ein Café und eine Bar. Und auch am Wellnessbereich wurde nicht gespart: Eine Fläche von 1200 qm steht dafür zur Verfügung. In vier Segmenten, die mit den Naturelementen korresondieren, sollen Körper und Seele zur Ruhe kommen. Dem Element Wasser sind der Pool und ein Hammam-Bereich zugeordnet, ein Fitnesscenter steht für Feuer, Yoga für die Luft und eine „Organic“ Bar für Erde. Es ist eine bewegte Vergangenheit, auf die das Café Royal zurückblickt. Was die Zukunft als Hotelbetrieb bringt, wird sich zeigen. Neue Legenden können erst ab 2013 geschrieben werden.

Gäste genießen die erlesene Essen- und Weinauswahl im Café Royal im Jahr 1953

© Getty Images

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Adagio Foto: Patrick Landmann

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Die Taille schlank, das Becken breit. Lasziv und auch ein wenig mütterlich. Eine Saiten-Schönheiten ohnegleichen, erschaffen von Giovanni Battista Morassi. Die Violinen des legendären Geigenbauers sind begehrt. Die Warteliste ist lang. Wer eine Morassi Meistergeige sein Eigen nennen will, muss sich in Geduld üben. Der Maestro lässt sich nicht hetzen. Von Petra Dietz

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uf dem Boden Sägespäne, frisch lackierte Geigen hängen zum Trocknen von der Decke. In der Werkstatt von Giovanni Battista Morassi findet Geigenbaukunst ihre Vollendung. Morassi ist nicht der einzige Geigenbauer in Cremona. Mit Stradivari, dem Amati Clan und der Guarneri Familie brachte die malerische Stadt am Po-Ufer die berühmtesten Violinenbauer der Welt hervor. Cremona ist dieser handwerklichen Tradition bis heute treu geblieben. Aber selbst hier ist Morassi bereits eine lebende Legende. Er ist der „Maestro“. Mit 78 Jahren verbringt der gebürtige Udiner mit dem vollen silbernen Haar den Herbst seines Lebens nicht mit Müßiggang, den er durchaus verdient hätte, sondern macht das, was er schon fast 60 Jahre lang getan hat: Er zaubert aus Holz einzigartige Violinen, die weltweit begehrt sind. Für seine Arbeiten zahlen Liebhaber pro Geige 15 000 Euro. Mag sich nach viel anhören, ist aber ein Schnäppchen. Schließlich investiert der Meister in jedes Stück etwa 200 Handwerkerstunden, nicht zu vergessen, das ausgesuchte Material. Gio Batta, so sein Rufname, hat viel zu tun, und ein Ende ist nicht in Sicht. Wer ein Saiteninstrument bei dem Oberhaupt des italienischen Geigenbauerclans bestellt, muss sich drei Jahre in Geduld üben. Möge der Meister noch ein langes und gesundes Leben haben, um der Nachfrage gerecht zu werden. Fast schon kann man Mitleid mit dem betagten Herrn haben, des-

sen Dasein nur aus Arbeit zu bestehen scheint. Doch nur fast. Denn Gio Batta Morassi hat das seltene Glück, seiner Berufung zu folgen. Vielleicht ist es genau diese Leidenschaft, die ihn jung hält, für das Blitzen in seinen Augen sorgt. In seiner Werkstatt in der Via Lanaioli fertigte der Meister seit seinem Abschluss an der internationalen Geigenbauerschule in Cremona 1955 mehr als 1000 Geigen an. Jede mit Charakter und einzigartiger Klanggestaltung. Zahlreiche Auszeichnungen würdigen seine exzellente Arbeit. Ein guter Geigenbauer muss weit mehr sein als nur ein Handwerker. Er muss ein großes Gespür - und auch Gehör - für Musik haben. Morassi hat beides. Auch wenn Bewunderer seine Geigen als magisch bezeichnen, so hat seine Arbeit wenig mit Zauberei zu tun. Er benutzt das übliche Handwerkszeug, das dem eines Bildhauers nicht unähnlich ist. Zusätzlich benötigt er Spezialwerkzeug, das er selbst herstellt. Möglicherweise liegt das Geheimnis seiner Geigen in der Wahl des Materials. Vielleicht ist es das Holz, das seine Violinen veredelt. Hier ist der Maestro ausgesprochen wählerisch: erstklassige Fichte für den Violinendeckel, erlesenes Ahorn für den Boden. Frisches Holz ist tabu, es benötigt eine gewisse Lagerzeit, bis es reif für die Bearbeitung ist. Um Rissbildungen zu verhindern, muss das weiche Fichtenholz mindestens fünf Jahre lagern, das harte Ahornholz rund zehn Jahre. Die Geigendeckel werden aus gespaltenem Nadelholz gefertigt, das trägt den Ton besser und ist fester als gesägtes Material. Jeder Baum und jedes Holz ist einzigartig. Selbst Holz aus dem selben Baum kann unterschiedliche Eigenschaften haben, 179


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icht nur in Morassis Werkstatt hängen die Geigen von der Decke. Cremona ist der Geigenhimmel oder vielmehr der Himmel für alle, die Geigen lieben. In der lombardischen Stadt mit ihren 70.000 Einwohnern dreht sich alles um diese eleganten Klangkörper. Etwa 200 Geigenbauwerkstätten zählt der Ort, der mit seinen Gässchen, Bogengängen und dem imposanten Dom eine perfekte Opernkulisse abgibt. Doch nur rund 60 der hier ansässigen Violinenbauer gehören dem „Consorzio Antonio Stradivari“ an. Nur diese Elite hat das Recht, ihre Instrumente mit dem Cremoneser Echtheitszertifikat zu verkaufen. Wer nicht dazugehört, muss seine Geigen ohne Gütezeichen und für einen deutlich geringeren Preis anbieten. Aber auch die „gewöhnlichen“ Geigen haben ihre Kundschaft. Nicht jeder ist willens und in der Lage, eine fünfstellige Summe für ein Saiteninstrument zu zahlen, so gerechtfertigt der Betrag für eine meisterliche Violine auch sein mag. Viele Besucher möchten einfach nur eine Geige aus Cremona zuhause haben, wobei die Einzigartigkeit und die Klangqualität eine untergeordnete Rolle spielt. 180

Der Klang der alten Stradivaris hat Maßstäbe gesetzt. Warum, bleibt wohl das Geheimnis des Geigenbauers.

Foto: Getty Images

Patrick Landmann

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auch das muss beim Geigenbau berücksichtigt werden. Ein bisschen Mystik ist vielleicht doch im Spiel, denn Signore Morassi besteht darauf, dass sein Geigenholz bei abnehmendem Mond gefällt wird - und das auch ausschließlich im Winter. In der kalten Jahreszeit bewohnen nur wenige Schädlinge den Baum, und die Harzkanäle sind leer, das verbessert den Klang. Es hat die Menschheit schon immer gereizt, dem Klanggeheimnis einer Meistergeige auf die Spur zu kommen. Das Holz steht als des Rätsels Lösung absolut on top - genauso wie der Lack. Antonio Giacomo Stradivari (um 1648 - 1737), der weltweit wohl bekannteste Geigenbauer, soll für seine Violinen angeblich einen Wunderlack zusammengebraut haben. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass am Stradivari Lack nichts Mysteriöses ist. Der Geigenbaumeister nutzte die gängigen und leicht erhältlichen Materialien seiner Zeit. Bei der Einfärbung des Lacks hat jeder Violinenbauer seine ganz speziellen Vorlieben, da macht auch Gio Batta Morassi keine Ausnahme. Am Ende des handwerklichen Prozesses steht die künstlerische Schaffensphase: das Justieren. Der Stimmstock wird für das Auge kaum sichtbar Millimeter um Millimeter verschoben, verschiedene Stegdicken werden getestet, alles so lange, bis die Geige einen perfekten, unverwechselbaren Klang hervorbringt.


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Die Tradition lebt weiter: die Nachfahren des berühmten ,liutari‘ (Geigenbauer) treten in seine Fußstapfen.

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Experten bezeichnen die Stradivari gerne als Primadonna, die nur in den Händen eines Virtuosen ihre Klangschönheit entfaltet.

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ass Cremona zum Geigenparadies avancierte, verdankt es Andrea Amati (um 1505 – 1577), dem Urvater des Geigenbaus in Cremona. Er hat die Violine nicht erfunden, aber sie entscheidend „modifiziert“. Damals war er der einzige Geigenbauer in dem noch beschaulichen Örtchen. Er gab sein Wissen und Handwerk an seine Nachkommen weiter, die seinem Namen alle Ehre machten. Sein Enkel Nicolo Amati nahm einen begabten Geigenbauer unter seine Fittiche: Antonio Giacomo Stradivari. Mit ihm fing der wahre Hype um das Saiteninstrument an. Der ebenso begabte wie fleißige Geigenbauer fertigte in seinem langen Leben über 1000 Violinen an. Ein Perfektionist par excellence. Er widersetzte sich den Standards und baute größere Geigenkörper als üblich und mit flacherer Wölbung. Der Klang war dadurch immer noch exzellent, trug aber viel weiter und konnte auch in großen Konzertsälen in ausgezeichneter Qualität gehört werden. So machte er aus einem Kammer- ein Orchesterinstrument. Antonio 182

Der Blick ins Innere des Instruments verrät den Namen des Geigenbauers. Und der bestimmt den Preis.

Stradivari gelang es, noch zu Lebzeiten berühmt zu werden und war als cleverer Geschäftsmann auch in der Lage, gut vom Geigenbau zu leben. Heute sind seine Violinen Kult. Jeder Geigenspieler träumt von ihr. Bei den meisten wird es beim Träumen bleiben. Denn wer eine der schätzungsweise noch 600 existierenden Stradivari Violinen ergattern möchte, muss tief in die Tasche greifen. Die Verkaufspreise liegen im ein- bis zweistelligen Millionenbereich. Wer es sich leisten kann, sollte zuschlagen, historische Meistergeigen sind eine hervorragende Investition mit einer jährlichen Wertsteigerung von etwa sechs bis 15 Prozent. Der Rest muss sich mit dem Anschauen der Exponate im Museo Stradivari oder im Palazzo Communale in Cremona begnügen. Die hier ausgestellten Violinen sind kostbare Raritäten, fristen jedoch kein langweiliges Dasein hinter Panzerglas. Eine Geige muss regelmäßig gespielt werden, sonst verliert sie ihre Klangqualität und damit auch ihren Wert. Jede Meistergeige hat ihre eigene Persönlichkeit, das gilt besonders für eine Stradivari. Experten bezeichnen sie gerne als Primadonna, die nur


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Fotos: Patrick Landmann

Liuteria Artistica Cremonese (L.A.C.) liefert nicht nur Geigen: ein großes Sortiment an Zubehör geht in die ganze Welt.

Liuteria Artistica Cremonese (L.A.C.) liefert nicht nur Geigen: ein großes Sortiment an Zubehör geht in die ganze Welt.

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Foto: Patrick Landmann

in den Händen eines Virtuosen ihre Klangschönheit entfaltet, und auch nur dann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen wie beispielsweise die Raumtemperatur und die Luftfeuchtigkeit. Giovanni Battista Morassi und Antonio Stradivari haben neben ihrem handwerklichen Können noch etwas Anderes gemein: ihr Fleiß bis ins hohe Alter. In der Werkstatt des Maestros werden noch lange Meistergeigen von der Decke baumeln. Dafür sorgen Simeone und Giovanni Morassi. Wie die berühmten Amatis und Guarneris sind auch die Morassis eine Geigenbauer-Dynastie, die ihre Traditionen und ihre Geheimnisse an die Familie weitergibt. Der Clan geht mit der Zeit und verlässt sich nicht nur auf sein meisterliches Geschick. Bereits 1976 gründete die Familie eine eigene Marke: Liuteria Artistica Cremonese (L.A.C.). Heute vertreibt L.A.C. Klangholz, Spezialwerkzeuge, Einzelteile, Bücher und vieles mehr. Damit haben Menschen in aller Welt das passende Rüstzeug für den Bau einer Geige. Ob sie jedoch damit die gleiche Qualität erzeugen wie ein Gio Batta Morassi, ist fraglich. Die Arbeiten des Maestros sind einzigartig. Sie besitzen Charakter und vielleicht auch etwas Magie, so wie es sich für eine Meistergeige aus Cremona gehört.


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6 1. La Vie Est Belle by LANCÔME 2. Everose by JIL SANDER 3. Éclat D’Arpège by LANVIN 4. Catch me by CACHAREL 5. Loverdose by DIESEL 6. Especially Escada Delicate Notes by ESCADA

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1. Oud by MAISON FRANCIS KuRKDJIAN 2. Valentina Assoluto by VALENtINO 3. Nuit Pour Femme by HugO BOSS 4. Coco Noir by CHANEL 5. Parfum by CARItA PARIS 6. Dahlia Noir by gIVENCHy


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Hersteller und Adressen Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

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