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MÄRZ 2OI2

Das Magazin über Menschen und Marken

Der Big in Japan

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HERR VON EDEN.COM I PHOTO: DANIEL JOSEFSOHN.COM

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INHALT Quality Magazin No. 21 – Februar 2012

206 82

240

60 Fashion 24 Hotel Kleider der Nacht

52 Models on stage The White Room

74 Puppet Show Glasmeyer artifiziell

96 On Top gut behütet

118 London Newcomer Die Besten Drei

126 Tel Aviv Fashion Week

188 Extraterrestrial dekorative Kosmetik

206 Paris Ich bin so wild ...

232 Marc Jacobs Le carussel blanc

240 Verführerisch Boden-Schätzchen

246 Tokio Big in Japan

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Personality 60 Bruno Pieters Inspiration ist das Leben

66 Kerry Taylor Fashion Brokerin

82 Eric Raisina Haute Texture

90 Mando Diao

Action 28 Brooks

music & motion

Sattelfest

144 Doug Tompkins

34 Illustrativ

Der grüne Rebell

162 faded Der Blick zurück

168 Aldo Bakker Der sinnliche Purist

180 Valentino Ein Mann sieht Rot

184 Scott Campbell kunstvoller Rebell

198 Jim Thompson Der Seidenkönig

222 Akkad Walid Schmuckschloss

Business Punks

44 Drip Brewing back to the roots

104 London Tweed-Run

112 Spuntino Lucullus für Spontane

134 Blutsbrüder true in love

154 Cinderella Eine Prinzessin im Galopp

170 Barcelona place to be


LIEBE | KRAFT

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EDITORIAL Quality Magazin No. 22 – März 2012

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lirrend, luxuriös, schillernd. Der Seidenmagnat Jim Thompson war Pure Ästhetik, Schönheit ebenso ein Visionär und hat eine Vita, die und Inszenierung. All das man als Drehbuch nicht spannender hätbeschreibt eine Welt, die te erfinden können. Zu den großen alten wir lieben und manchmal Männern und gefeierten Designern gehört hassen: die Welt der Mode. Valentino, über den Karl Lagerfeld sagte: In diesen Sphären des Schönen und ak- „Gegenüber ihm machen wir alle nur Lumribisch Perfekten erwacht in mir grund- pen.“ Valentino gab uns die Gelegenheit sätzlich eine tiefe Sehnsucht nach starken zu einem Interview . Kontrapunkten. Gleichzeitig stellt sich mir Doch gibt es etwas Spannenderes, als die Frage, ob wir eine Welt abbilden, der all diesen etablierten, lebenserfahrenen man häufig mehr Schein als Sein nachsagt. Persönlichkeiten junge Designer gegenUnser diesjähriges Frühlings-Mode- überzustellen, die irgendwann vielleicht special ist definitiv mehr Sein als Schein selbst in den Reigen der „großen Alten“ und wird nicht nur jeden Modejunkie be- aufsteigen? Die jungen Rebellen trauen friedigen, sondern auch all diejenigen, die sich – wie die avantgardistische Londoner Lust auf Hintergründe und Tiefgang ha- Designelite oder Japans Nachfolgegeneraben. Es ist uns gelungen, außergewöhn- tion nach Issey Miyake und Yamamoto beliche Menschen zu finden, die uns tiefe weist. Insbesondere die japanischen JungEinblicke gewähren und nicht nur unse- designer überbieten sich an Kreativität, ren modischen Horizont erweitern. Letzt- wenn es um das Erfinden neuer Materiaendlich ist auch diese Ausgabe geprägt lien und Modekonzepte geht. Schön, dass von Persönlichkeiten, die uns in ihren die große Modetradition Japans durch dieBann ziehen aufgrund ihrer Genialität, ih- se Designer fortgeschrieben wird. Last but rem Esprit oder ihrer unendlichen Energie not least sollten wir nicht vergessen Bruund Willenskraft. Celebrities stehen nicht no Pieters zu erwähnen, der längst nicht in unserem Fokus. So ist es nicht leicht zu mehr zu den Newcomern gehört. Auch er entscheiden, welches der vielfältigen The- stand uns in einem interessanten Intermen mich am meisten inspiriert hat. view Rede und Antwort. Wenn Sie mögen, dann reisen Sie mit Ganz sicher ist Doug Tompkins ein uns um die ganze Welt ... Held und Rebell unserer Zeit, dem ich uneingeschränkte Bewunderung zolle. Denn er hat bewiesen, dass jeder von uns die Wahl hat, nicht nur über seine Überzeugungen zu sprechen, sondern diese auch zu leben und sei es mit der Konsequenz, sein vorheriges Leben komplett aufzugeben. Wohlstand und Erfolg haben Doug Tompkins nicht abgehalten, sich aus der Welt der Mode zu verabschieden, um sich ganz seinen „grünen Visionen“ zu widmen.

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IMPRESSUM Quality Magazin No. 22 – März 2012

Chefredakteurin Susanne Filter Director Online Vincent van den Eijkel

Art Director Dipl.-Des. Elke Rohleder

stellv. Art Director Barbara Schork

Art Director Online Johannes van Ponto Frank Fabel

Chef vom Dienst JĂśrg Jessen

Grafik Melanie Fischbach Michael Mayr

Onlineredaktion Christian Wank

Fashion Editor Odessa Legemah

Musikredaktion Theresa Stark

Textredaktion Kathleen WĂźnscher

Foto Editor Viviane Offenwanger

Schlussredaktion Heide Frey

Beauty Redaktion Kerstin Lohmer

Real Estate Volker de Boer

Motion Redaktion Matthias Arens

Autoren Petra Dietz, Harald Nicolas Stazol Karen Bofinger, Olga Zilinska Janine DudenhĂśffer, Martin Schmidt Norman Kiezmann, Karl GĂźnsche

Kontributoren Kristian Schuller, Tan Kadam Heiko Prigge, Karen Bofinger Karl GĂźnsche, Markus Lambert Onin Lorente, Frank Sorge

Fotografen Ragnar Schmuck, Heiko Prigge Max Hoell, Olff Appold, Joe McGorty, Kristian Schuller, Felix Glasmeyer, Alex Kahan

Vertrieb IPS Pressevertrieb GmbH Carl-Zeiss-Str. 5 53340 Meckenheim Telefon: + 49 2225 8881-0

Verlag Koller Holding AG Zentralstr. 19, CH-8953 Dietikon

Corporate Manager Matthias Arens Telefon: + 49 30 257607-340 Fax: + 49 30 257607-344 arens@quality-magazine.de

Quality Abo-Service Nithackstr. 7 – Kontorhaus, 10585 Berlin Telefon: + 49 30 257607-340 Fax: + 49 30 257607-344 abo@quality-magazine.de

Redaktion Deutschland Nithackstr. 7 – Kontorhaus, 10585 Berlin Telefon: + 49 30 257607-340 Fax: + 49 30 257607-344 info@quality-magazine.de

Director Marketing & Sales Eberhard Kirchhoff Telefon: +49 69 59796900 Fax: +49 69 59799393 kirchhoff@quality-magazine.de

Druck & Produktion X Media International GmbH, Berlin

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Doug Tompkins Der italienische Olymp Marc Jacobs Le Carrousel blanc

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Cover-Credits Fotograf: Kristian Schuller / Assistenten: Moritz Kerkmann, Philipp Paulus / Model: Luize Salmgrieze (Newmadison Models) Hair & Make-up: Gabriele Theurer for YSL / Styling: Peggy Schuller

quality-magazine.ch Verantwortlich fßr den redaktionellen Inhalt im Sinne des Presserechts: Susanne Filter. Alle Rechte vorbehalten. Die Zeitschrift sowie alle darin enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschßtzt. Der Export von Quality und der Vertrieb im Ausland sind nur mit vorheriger Genehmigung statthaft. Fßr unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung ßbernommmen.

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The Andre Fu Collection

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KONTRIBUTOREN Quality Magazin No. 22 – März 2012

KARL-LUDWIG GÜNSCHE Karl-Ludwig Günsche ist ein journalistischer Veteran. Er hat 37 Jahre lang aus Bonn und Berlin für Medien wie Reuters, den Stern, Die Welt und die Stuttgarter Zeitung berichtet, war mit Bundespräsidenten, Kanzlern und Ministern rund um den Globus auf Reisen. Während des Zusammenbruchs des Ostblocks war er von 1989 bis 1994 Korrespondent für den Springer-Konzern in Moskau. Nachdem er 2005 in den „Ruhestand“ gegangen ist, zog er mit seiner Familie nach Südafrika und schrieb für verschiedene deutsche Zeitungen und Spiegel-Online über das Land am Kap, seine Menschen und die Fußball-WM. Seit zwei Jahren lebt der 70-Jährige mit Frau, Sohn, Hund und Kater in Bangkok - und nimmt auch an seiner neuen Heimat in all ihren Schönheiten und Schwächen journalistisch engagiert Anteil.

MARKUS LAMBERT Markus Lambert ist Deutscher, lebte aber bereits acht Jahre in Paris und ist nun nach London gezogen. Der Hairstylist aus Paris hat vor zwei Jahren eine neue Karriere als Fotograf gestartet. Seine Erfahrungen im Magazinbereich haben ihm nicht nur einen sehr starken persönlichen Stil verliehen, sondern ihn auch auf seinem neuen Berufsweg beflügelt. Obwohl er eine besondere Vorliebe für die Mode besitzt, ist er derzeit eher im Portraitbereich tätig. In seinem Portfolio finden sich Größen des Showgeschäfts wie Jared Leto, Christina Perry und bald auch Lenny Kravitz. Seine Arbeiten wurden im letzten Jahr im „Bon Marché“ in Paris ausgestellt. Dieses Jahr wird es eine weitere Ausstellung in London geben.

TAN KADAM Tan Kadam wuchs in Istanbul auf. Nach dem Studium an der Folkwang-Schule in Essen folgte seine ästhetische Schulung über einen 15 jährigen Aufenthalt in Paris. Er arbeitet heute als Beauty-Fotograf zwischen Berlin und Paris und entwickelt parallel dazu eine eigenständige, künstlerische Arbeit. Tief mit der französischen Kultur und mit Freunden verbunden, führte seine Reise letztes Jahr zu Walid Akkad, einem exklusiven Schmuck-Designer aus der Normandie.

HEIKO PRIGGE Heiko Prigge ist in Hamburg geboren und das hört man auch. Der charmante Fotograf mit dem Blick für besondere Details ist seit 1997 in London ansässig und fotografiert die Stars des internationalen Weltgeschehens. Er portraitierte bereits Prominente wie John Malkowitch, Paul Smith, Sienna Miller, Natalie Imbruglia und Heidi Klum. Seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckte er auf einem Roadtrip durch die USA. Für die aktuelle Ausgabe jedoch war Heiko in seiner Wahlheimat für uns in Kerry Taylors Auktionshaus unterwegs, sowie im angesagten Spuntino Restaurant. 14


KONTRIBUTOREN Quality Magazin No. 22 – März 2012

FRANK SORGE Schon seit frühester Kindheit ist Frank Sorge eng mit dem Pferderennsport verbunden. Denn der Neuenhagener lebte in unmittelbarer Nähe der Galopprennbahn Hoppegarten, in Berlin. Da schien es nicht verwunderlich, dass seine ersten kommerziellen Fotos genau dort entstanden. Nach seiner Ausbildung zum Fotografen widmet er sich nun ganz der Pferdesport Fotografie. Zufällig schoss er eine Serie über die Geburt eines Fohlens namens Danedream, welches heute das berühmteste Rennpferd der Welt ist.

KAREN BOFINGER Die freie Journalistin und Autorin aus Berlin hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Zu ihrem Themenrepertoire gehören Design und Kunst, Reisen und Lifestyle. Sie schreibt unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und National Geographics Deutschland. Im aktuellen Heft berichtet sie für uns über die englische Wunderstute Danedream, sowie über das versteckte Schmuckschloss von Walid Akkad in der Normandie.

KRISTIAN SCHULLER Kristian Schuller ist ganz sicher einer der spannendsten Modefotografen der Gegenwart und er hat das Zeug zu einem Klassiker – sofern das Genre solche Begriffe für seine Protagonisten noch zulässt. In seinen Fotos entstehen faszinierende Räume, in denen Frauen wie Fabelwesen ihrem Umfeld eine andere Realität geben. Der gebürtige Rumäne, der inzwischen in Paris lebt und arbeitet, hat für diese Ausgabe Modefotografie in pure Poesie verwandelt.

ONIN LORENTE Onin Lorente ist ein internationaler Mode und Street Style Fotograf. Seine Website, Style Anywhere, erschien bereits in der französischen Vogue, der Glamour, der L’Officiel Singapore, sowie in der Fashionising Australia, um nur einige Beispiele zu nennen. Onin schöpft seine Inspiration aus Themen die Gefühl und Urteilsvermögen voraussetzen, so wie der Religion, der Sinnlichkeit oder der Dunkelheit. Seine fotografischen Vorbilder sind Paolo Roversi, Peter Lindbergh und Baldovino Barani. Onin ist in Südostasien ansässig.


MÄRZ Quality Magazin No. 22 – März 2012

GLAS-KULT Der finnische Innenarchitekt und Designer Tapio Wirkkala (1915 - 1985) entwarf in den 50er-Jahren das Service Century, welches als Beispiel für zeitgenössisches Design in die ständige Sammlung des Centre Georges Pompidou in Paris aufgenommen wurde. Von da an gehörte er zur Design-Elite Skandinaviens. Seine Flaschen-Serie Bolle, die er für die italienische Glasmanufaktur Venini entwickelte, erlangte ebenfalls Weltruhm. Ihr Merkmal: geschwungene Körper aus zwei unterschiedlich gefärbten Glasarten. Anlässlich ihres 90jährigen Bestehens präsentiert die Kunstschmiede Venini eine Wiederauflage der gläsernen Klassiker, die bis heute nichts an Modernität und ihrer zurückhaltenden Eleganz verloren haben. venini.it

HIPPIEHYPE Die Handtaschen des Boho-Labels Elliot Mann aus New York wirken, als könnten sie tausende Geschichten erzählen. Gar nicht mal so abwegig: Die Taschen werden größtenteils aus Vintage-Stoffen hergestellt, die aus Nepal, Marokko, Peru oder Frankreich stammen. Sie sind handgewebt, liebevoll bestickt und bunt bedruckt und nach alten Retro-Formen designt. Dabei gleicht kein Stück dem anderen – jedes ist ein Unikat mit Details wie Münzen, Perlen und Bänder. Als die aus Dänemark stammende Designerin Louise Paul, die ihr Label nach ihrem Großvater benannte, 2007 ihren ersten Shop in Manhattan eröffnete, galten ihre einzigartigen Stücke noch als Geheimtipp. Heute sind die farbenfrohen Hippie-Bags zu Must-Haves für Modebegeisterte aufgestiegen. elliotmann.com

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MÄRZ Quality Magazin No. 22 – März 2012

KLEIDERKUNST Die Künstler-Kollektion „Carte Blanche“ des italienischen Designerlabels Sportmax geht in die dritte Runde. In den letzten Jahren gaben sich der internationale Künstler-Star Christophe Brunnquell und Musiker Kim Gordon von Sonic Youth die Ehre – diesmal ist es Lola Montes Schnabel. Die Tochter von Julian Schnabel, einem der größten Maler unserer Zeit, und der Stylistin Jacqueline Beaurang, ist mittlerweile selbst eine Ikone der New Yorker Kreativ-Szene geworden. Für die „Carte Blanche“-Kollektion schuf sie eine Limited Edition mit 1000 nummerierten Stücken, bestehend aus drei unterschiedlich gestalteten Tüchern, einem Seiden-Top und einer Tasche. Die Artworks, die sie exklusiv für Sportmax entwickelte, haben Kultcharakter und muten romantisch, weiblich, klassich an. sportmax.com

KLANG-GENUSS Der Kopfhörer-Star der Clubszene kommt auf die Straße. Der neue Amperior des Audiospezialisten Sennheiser, basierend auf dem legendären DJ-Kopfhörer HD 25, präsentiert sich mit Aluminium-Ohrmuscheln, verspricht eine ausgewogene Klangwiedergabe und überzeugt mit kraftvollen Bässen. Zudem ist er ein echtes Leichtgewicht. Gerade mal 190 Gramm bringen die Kult-Kopfhörer auf die Waage. Vor allem Fans von AppleProdukten können sich freuen: Die Kopfhörer sind speziell für die Verwendung mit dem iPhone, iPad und iPod gedacht und sind zusätzlich mit einem Mikrofon ausgestattet, worüber auch Telefonate geführt werden können. sennheiser.com 17


SHOPS Quality Magazin No. 22 – März 2012

FUTURE IN BERLIN Technologie und Luxus, Leichtigkeit und Komfort – SLVR ist die hochwertige PremiumFashionlinie der Kernmarke Adidas. Sie steht für ein clean gehaltenes Design, welches auf moderne Sportswear und kontrastreiche Farbgebung trifft. In der Mulackstraße in Berlin hat jetzt neben so hübschen Nachbarn wie Lala Berlin, C’est Tout und A.P.C. der erste adidas SLVR Store weltweit eröffnet. Zwischen elegantem Interior findet man die aktuellsten Kollektionen der SLVR-Linie – futuristische Kreationen für Frauen und Männer – und feinste Bildbände, die zum Schmökern einladen. slvrstore.adidas.com

STIL-SYMBIOSE Der Onlineshop Farfetch.com vereint die Trendboutiquen europäischer Modemetropolen und Kreationen zahlreicher Designer unter einem Dach. Diese exklusive Kooperation macht es möglich, der internationalen Kundschaft eine außergewöhnliche Auswahl an Mode- und Lifestyle-Produkten der besten Boutiquen Europas anzubieten. Neuestes Mitglied der Farfetch-Community: der VOO Store aus Berlin-Kreuzberg. Betreiberin Ingrid Junker präsentiert auf riesigen 300 Quadratmetern minimalistisch arrangierte Kleiderstangen mit exklusiver Designermode, Kosmetik und Bücher in edlen Sonderausgaben auf einer wuchtig, langen Tafel. Die Zusammenarbeit entstand per Abstimmung: Auf der Suche nach einer neuen Boutique für Farfetch haben Brancheninsider eine Auswahl an Shops erstellt und die Öffentlichkeit abstimmen lassen. Gewonnen hat der VOO Store. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch! farfetch.com / vooberlin.com

Foto o.: Georg Roske / Foto re.: Darryl Natale

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SHOPS Quality Magazin No. 22 – März 2012

Fotos: Marcus Zumbausen

WERKSTATTCHARAKTER Schillernde Schmuckstücke mit extravagantem Design sind Christian Kobans Markenzeichen. Um sie in seinem neuen Shop in Berlin, unweit des Bikini House von Arne Quinze und dem Waldorf Astoria, würdig präsentieren zu können, hat sich der Schmuckdesigner Hilfe von Neels Kattentidt geholt. Der Shopdesigner hatte die Idee High-End-Produkte in industrieller Umgebung zu arrangieren. Das Ergebnis sind derbe Autoreifen in unterschiedlichen Größen, auf denen man Kobans luxuriösen Schmuck, Accessoires und Lederwaren findet. Von außen mag der Laden wie ein Reifenlager anmuten, schließlich stecken vier Tonnen Gummi in ihm. Unzählige Kronleuchter lassen jedoch schnell erkennen, dass hier exklusive Schmuckstücke zuhause sind. christiankoban.com

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AUSSTELLUNGEN Quality Magazin No. 22 – März 2012

REIFE FRÜCHTE Louis Vuitton (1821-1892) und Marc Jacobs, aktueller Kreativ-Direktor im Hause Louis Vuitton waren bzw. sind nicht nur Modeschöpfer in ihrer Zeit sondern gelten auch als Künstler. Dieser Aspekt wird zu einer Ausstellung in den LES ARTS DÈCORATIFS-MUSEEN in Paris zur Schau gestellt. Trotz zweier unterschiedlicher Epochen, lassen sich doch Gemeinsamkeiten der beiden Kreativen finden. Durch ständige Neuerfindung, Einbezug der französischen Handwerkskunst, des technischen Fortschritts und der künstlerischen Zusammenarbeit schafften es beide, die Modewelt zu revolutionieren und zu prägen. Die eindrucksvollsten ‚modischen Kunstwerke‘ werden auf zwei großen, von Gainsbury und Bennett eigens konzipierten, Austellungsflächen gezeigt. Eine einmalige Gelegenheit, zwei der größten Schöpfer der Modegeschichte aus zwei unterschiedlichen Jahrhunderten gleichzeitig wahrzunehmen, das ist vom 9. März bis zum 16. September in Paris möglich.

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BEST OF An den Wänden hängen additiv Fotos aus der Fashionwelt. Contributed, eine Plattform für Bilderwelten aus Magazinen, Büchern und Katalogen, zeigt zu seinem dreijährigen Geburtstag, ganz nach dem Motto „Best of Fashion,“ Kreativste und Exklusivste Modefotografie. Ausgewählt wurden die Werke der Fotografen: Miles Aldridge, Tony Duran, Simon Emmett, Mary McCartney, Vincent Peters und Ellen von Unwerth. Unter dem Blickwinkel der Kunst wird die Modefotografie neu konfiguriert. Die Ausstellung scheint die rasante Modewelt zu entschleunigen, sodass man die künstlerische Kraft der einzelnen Fotografien konzentriert genießen kann. Bis zum 17. März hat die Modefotografie bei Contributed am Straußberger Platz in Berlin ihre eigene Bühne gefunden.

YSL FOREVER Große Roben, Haute Couture, Stoffe mit Prints, die an Mondrians Bilder erinnern, große pinke Schleifen, immer den Zeitgeist prägend: Yves Saint Laurent. Mit all dem kann man sich ab dem 25. März bis zum 8. Juli im Denver Art umgeben. 200 Modestücke, Fotografien und Filme entführen in den siebten Modehimmel. YSL begann seine Karriere bei Dior und etablierte sich zu einer eigenen Modemarke. Catherine Deneuve, Grace Kelly und Paloma Picasso, sie alle waren treue Anhänger des Kults „Yves Saint Laurent“ und natürlich erhalten wir im Denver Art Museum auch einen Blick auf ihre getragenen Exemplare.

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BEAUTY Quality Magazin No. 22 – März 2012

NATÜRLICHE BRÄUNE Sonnengeküsste Haut, ohne in die Ferne zu reisen – dank Dior Bronze kein Problem. In diesem Jahr wird die Pflegelinie Auto-Bronzant um ein Mitglied reicher: dem „L’Huile Somptueuse Éclat Naturel“ für Gesicht und Körper. Das selbstbräunende Öl schafft einen natürlich strahlenden Teint und garantiert eine perfekte gleichmäßige Bräune. Es wird als feiner Nebel auf die Haut gesprüht und schenkt ihr sofortiges Wohlgefühl ohne öligen Effekt. Doch Dior lockt nicht nur mit zarter Bräune. Der Duft seines luxuriösen Newcomers verführt ebenso mit anregenden Zitrusnoten und weißen Blumen. Auf der Haut bleibt ein femininer, eleganter Duft. dior.com

Eine duftende Liaison – mit La Nuit de l’Homme begann die Duft-Story für den modernen Verführer. Frisch, sinnlich, orientalisch – ein einzigartiger Mix aus Kardamom-Aromen kombiniert mit Bergamotte, Lavendel, Zeder, Amber, Moschus und Leder. Mit dem neuen Eau de Toilette „La Nuit de l’Homme – Frozen Cologne“ schlägt Yves Saint Laurent ein weiteres Kapitel in der Erfolgsstory auf. Das Besondere diesmal: Die Symbiose aus eiskalten Noten und süßen Akkorden in Verbindung mit Zitrusfrüchten, Gewürzen und edlen Hölzern bringt einen angenehmen Kühleffekt mit sich. Kreiert für Männer, die sich im Sommer mit einer kühlen Brise des Duftes erfrischen möchten. Der Flakon bleibt nahezu unverändert und präsentiert sich im gleichen maskulinen Design wie sein erfolgreicher Vorgänger. ysl-lanuitdelhomme.com

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PRICKELNDE BEGEGNUNG


BEAUTY Quality Magazin No. 22 – März 2012

GLANZVOLLER ANSTRICH Kalte Winterluft und trockene Heizungsatmosphäre haben weichen Kussmündern raue Lippen beschert. Jetzt helfen reichhaltige Pflegeprodukte. Und da mit den ersten Sonnenstrahlen auch die Lust auf Farben immer stärker wird, hat MAC die „Sheen Supreme Lipglass und Lipstick Collection“ kreiert. Zum Farbrepertoire der sommerlichen Limited Edition gehören sowohl softe Sorbettöne als auch kräftige Rotnuancen. Für einen matten aber ebenso erfrischenden Effekt sorgen die klassischen Lippenstifte. Ein glänzendes Ergebnis lässt sich mit den Lipglasses erzielen. Verpackt in einem stiftähnlichen Applikator sind sie mit einer feinen Spitze ausgestattet, welche mit einem Pinselstrich die Lippen ausmalt und einen perlenreichen Schimmer verleiht. maccosmetics.de

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HOTEL Quality Magazin No. 22 – März 2012

Kleider der Nacht Modedesigner sind Visionäre – und beschränken sich längst nicht mehr auf schicke Stöffchen: Fast alle großen Couture-Häuser haben inzwischen eigene Hotels; aber auch der Nachwuchs zeigt, was er kann: Studenten des Amsterdam Fashion Institute haben jetzt dem „Hotel Exchange“ ein kesses Kleid verpasst.

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ber dem Bett türmt sich eine riesige Krinoline, Teller sind wie Knöpfe an die Wand genäht, und stoffbespannte Räume mit Stickereien verziert: Das „Hotel Exchange“ in Amsterdam hat sich herausgeputzt. Jedes der 61 Zimmer wurde von Studenten des Amsterdamer Fashion Institute (AMFI) gestaltet – oder, besser gesagt: Angezogen. Das Traurige an den sogenannten Designhotels ist ja, dass sie sich meist zum Verwechseln ähnlich sehen. Ein paar Eames-Stühle hier, Philippe-Starck-Armaturen dort und vielleicht noch ein Arne-Jacobsen-Sessel in der Lobby: Fertig ist das Patentrezept, funktioniert immer, weltweit. Dass es auch anders geht, zeigt uns jetzt die Modewelt. Unzählige etablierte CoutureMarken von Armani über Christian Lacroix bis Versace betreiben inzwischen eigene Hotels. Dort setzen sie um, was man von einem Designhotel erwarten würde: Individuelle, originelle Gestaltung. Auch in Amsterdam lieferten die acht Modedesignstudenten eine wahrhaft fulminante Kollektion ab. Die Damrak, die Straße in der das Hotel Exchange liegt, gilt als „roter Teppich“, der vom Hauptbahnhof zur Innenstadt führt. In den letzten Jahren etwas verkommen, mit illegalen Hostels, billigen Souvenirshops, Schnellimbissen und den Ausläufern des Rotlichtbezirks, soll sie nun durch ein Stadtentwicklungsprojekt ihrem glamourösen Spitznamen gerecht werden. Das kürzlich eröffnete Hotel Exchange ist Teil der Initiative. „Als wir sahen, wie die Menschen auf der Damrak flanierten, als wäre es ein Catwalk, wussten wir, wie unser neues Hotel sein sollte“, sagte die Initiatorin Suzanne Oxenaar der NYT, „wir wollten, dass sich Mode und Architektur auf einzigartige Weise verbinden.“ Zusammen mit Otto Nan hatte Oxenaar bereits mit dem „Lloyd Hotel & Cultural Embassy“ in Amsterdam und dem temporären „Llove Hotel“ in Tokio Aufsehen erregt – jeweils eingerichtet mit Entwürfen führender niederländischer Produktdesigner wie Pieke Bergmans oder dem Kollektiv Droog.

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Ihr neuestes Experiment erstreckt sich nun auf drei Gebäude in der Damrak Nr. 50, das älteste wurde bereits im 17. Jahrhundert gebaut. Gleich gegenüber der alten Amsterdamer Börse, ein architektonisches Juwel, gebaut um 1900 von H.P. Berlage – und Namensgeber des Hotels. Völlig frei von den Dogmen des Interiordesigns und mit typisch niederländischer Experimentierfreude hüllten die AMFI-Studenten ihre nackten Raummodels komplett mit Tisch und Bett in eigens designte Stoffe, tapezierten sie mit Magazinseiten, stickten die Amsterdamer Skyline mit dickem Garn an die Wände oder verwandelten Jeans in Dekoration. Man will diese Räume anfassen, in ihnen stöbern wie in einem begehbaren Kleiderschrank oder einer großen Verkleidungskiste, so detailverliebt und eigen ist jeder gestaltet. 61 Näch-

Die Zimmer des Exchange wirken ähnlich surreal wie die weiße Wunderkammer des kürzlich vom Maison Martin Margiela gestalteten Hotels „La Maison“ in Paris, das mit unzähligen Trompel‘Œil-Effekten verblüfft; oder das „Maison Moschino“ in Mailand, in dem übergroße Teetassen zu Tischen werden und man in einem riesigen roten Ballkleid schlafen kann. Die Nachwuchsdesigner müssen sich also vor den Profis keinesfalls verstecken. Auch nicht unter einer Krinoline.

te bräuchte man, mindestens! Shoppingrausch geht übrigens auch: Im hauseigenen Conceptstore Options! sind einige der exklusiv entworfenen Stoffe und Wohnaccessoires erhältlich. Klassifiziert sind die Zimmer mit einem bis fünf Sternen – die sich jedoch nicht auf opulentes oder karges Design beziehen, sondern auf die jeweilige Größe und Zusatzservices. Betreut wurden die Studenten von Matthijs van Cruijsen und Ina Meijer, bekannt als Studio Ina- www.exchangeamsterdam.com Matt. Die beiden entwarfen unter anderem das Leitsystem, mit Zimmernummern in rotem Kreuzstich auf schlichten Stickrahmen, und steckten den Aufzug in ein Kleid aus Nesselstoff.


SCHMUCK Quality Magazin No. 22 – März 2012

LIEBESBEWEIS Bekommt man im Leben die Frage „Willst du mich heiraten?“ gestellt, so ist das ein besonderer Augenblick, den man nie vergessen wird. So besonders, dass ihm ein eigenes Schmuckstück gewidmet wurde: der Verlobungsring. Das Savoir-Faire und die Erfahrung der Kunsthandwerker von Cartier verleihen jedem Ring seine eigene Persönlichkeit. Die Diamanten werden aufgrund ihrer Reinheit und ihres Strahlens ausgewählt und machen Cartiers luxuriöse Verlobungsringe zu außergewöhnlichen Schmuckstücken. Und lässt der Antrag zu lange auf sich warten, ist der französische Schmuck- und Uhrenhersteller Cartier auch für zeitlose Modelle ganz ohne Liebesbedeutung die richtige Anlaufstelle. cartier.de

STATEMENTSCHMUCK Indische Götter und Verzierungen im Art-décoStil dienten Givenchy-Designer Riccardo Tosci als Inspirationsquelle für seine Schmucklinie der Spring-Couture-Collection 2012. Atemberaubende Nasenringe, überwältigende OversizedOhrringe und wunderschöne Kristalle sind die Summe seiner Kreativität. Zugegeben, etwas überdimensional sind Toscis Entwürfe schon. Doch sie sind auch die schönste Anregung in diesem Sommer, puristisch gegen üppig einzutauschen. Um den dramatischen Designs nicht die Show zu stehlen, kommen sie zu minimalistisch aber trotzdem femininen Roben am schönsten zur Geltung. Statement-Kreationen wollen die Hauptrolle – Nebenbuhler sind unerwünscht. givenchy.com

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SCHMUCK Quality Magazin No. 22 – März 2012

KUNSTVOLLES GESCHMEIDE Vintage-Materialien aus Venedig, religiöse Figuren aus dem 19. Jahrhundert, Stoffe aus Japan und dekorative Kunst aus Europa – Federico de Vera reist um die ganze Welt um sich Inspirationen und Materialien für seine Arbeit zu holen. Mit der Kombination aus Alt und Neu sorgt er in der Designszene für Furore und lässt seine Kreationen zu wertvollen Lieblingsstücken avancieren. Doch die eigentlichen Stars seiner Kunst sind seine Schmuckstücke. Er entwirft edelstes Geschmeide, wofür er ebenfalls Altes und Neues miteinander mixt. Das Besondere: der Unterschied ist nicht mehr zu erkennen. Opulente Kreuze und changierende Steine im Einklang mit modernen Formen sind das Ergebnis. Wer de Veras kleine Boutique in New York besucht, wird schnell merken; Rosenförmige Diamanten sind seine Obsession. Ob als Ring, Ohrring oder Anhänger an einem Lederbändchen – die zarten Blüten ziehen sich wie eine rote Ranke durch seine Kollektion. deveraobjects.com

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DESIGN Quality Magazin No. 22 – März 2012

SATTELFEST

Eine englische Ikone des Radfahrens und Hersteller der wohl besten Ledersättel der Welt – seit fast eineinhalb Jahrhunderten steht der Name Brooks England für handgearbeitete Lederartikel der Spitzenklasse. Anfänglich ein kleiner Betrieb für Lederwaren aller Art, führte im Jahr 1878 der Tod eines Pferdes zur Erfindung des Kultsattels, der bis heute nach gleichem Vorbild gefertigt und montiert wird.

I

m Jahr 1866 gegründet, stellte John Boultbee Brooks in seiner Firma bei Birmingham zunächst Pferdegeschirr und andere Lederwaren her. Als ihm einige Jahre später sein Pferd verstarb, lieh er sich von einem Freund ein Fahrrad. Er fand den Sattel so schrecklich unbequem, dass er sich schwor, etwas dagegen zu tun. Vier Jahre später meldete er sein erstes Sattelpatent an. Die heutigen Brooks Sättel sind fast identisch mit denen aus der Zeit um 1890. Der schon in den Katalogen des späten 19. Jahrhunderts vorgestellte B17 Sattel ist das älteste Modell der aktuellen Angebotspalette. Insgesamt haben 20 Modelle bis heute überlebt und werden nach wie vor so gefertigt, wie in ihren Anfängen. Den ältesten Fabrikanten der Welt – bis 1950 war er auch der größte – machen in erster Linie hochwertigstes Leder, eigengs gefertigte Metallteile und die konkurrenzlose Erfahrung aus. Selber sagen sie über ihre Sättel: „Es ist nicht der Name Brooks, der den Sattel gut macht, aber der Sattel und seine Vortrefflichkeit, die den Namen Brooks an oberste Stelle rücken.“ Auch heute noch werden Brooks Sättel ausschließlich aus Leder und Metall hergestellt. Die vorwiegend aus Stahl- und

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Titan hergestellten Metallteile werden im Haus angefertigt. Die linken Sattelfedern werden mit Hilfe einer deutschen Maschine aus dem Jahr 1954 produziert, die rechten mit einer britischen Maschine von 1949. Ein Dutzend andere Maschinen formen, pressen, biegen, schneiden und stempeln die anderen Teile des Sattelrahmens. Um die Qualität zu gewährleisten, verwendet das Traditionshaus nur den mittleren Teil der Lederhäute. Mit einer Dicke von fünf Millimetern kommen diese ausschließlich von englischen Rindern. In ganz Europa gibt es nur zwei Gerbereien, die das von Brooks benötigte Oberflächenfinish herstellen können. Es dauert etwa drei Tage, einen Brooks-Sattel herzustellen. Jeder Sattel wird von Hand montiert und bekommt das Markenzeichen auf die Seite geprägt. Die Rückseite schmückt das metallene Brooks-Namensschild. „Seit wir angefangen haben Fahrradsättel herzustellen, war unsere Absicht immer nur das Beste von allem. Die besten Materialien, die besten Designs, die besten Konstruktionen die mit Erfahrung, Handfertigkeit und Geld herbeigeführt werden können –“, sagt Brooks. Handwerkskunst at it’s best!


Brooks verwendet nur den mittleren Teil der Lederhäute. Mit einer Dicke von fĂźnf Millimetern kommen diese ausschlieĂ&#x;lich von englischen Rindern. 29


BÜCHER Quality Magazin No. 22 – März 2012

ATEMBERAUBENDE ARRANGEMENTS Italiens traumhaft gestaltete Gärten sind würdig genug in einem opulenten Bildband verewigt zu werden. Üppiger Blütenprunk, seltene Pflanzen und teils grafisch angeordnete Rasenflächen, die wie ein paradiesisches Kunstwerk anmuten, dokumentieren die Leidenschaft ihrer Besitzer. Auf über 120 Hochglanzbildern kommen ihre Liebe zum Detail und ihr Schöngeist zur Geltung. Ob elegante RenaissanceGärten oder klassisch angehauchte Modelle –„Il Giardino Nobile“ lässt sowohl Liebhaber als auch Laien schwelgen und ist gleichzeitig eine außergewöhnliche Inspirationsquelle für die eigene kleine Grünanlage. Lucia Valerio, „Il Giardino Nobile“, Mondadori Electa, 160 Seiten

MUSIKMANIE „Fotografie ist Jazz für das Auge“, sagte einmal der amerikanische Fotograf William Claxton (1927 - 2008), der dem Jazz mit seinen Fotoportraits von Jazzmusikern zu mehr Popularität verhalf. Wie er, hat sich auch die Fotografin Susanne Schapowalow ans Werk gemacht und das Who is Who der Jazz-Szene abgelichtet. Meisterhaft ist es Schapowalow gelungen, nicht nur die Künstler und ihre Instrumente festzuhalten, sondern ebenso die Stimmung, Haltung und Atmosphäre, all das, was diesen Musikstil ausmacht. Auf einem Foto ist die Berliner Fotografin 1958 als Beifahrerin des Bassisten Oscar Pettiford zu sehen, im Autoscooter auf dem Hamburger Dom. Weitere Schätze und große Namen dieser Zeit, wie Duke Ellington, Miles Davis, Louis Armstrong oder Ella Fitzgerald, findet man in ihrem beeindruckenden Bildband „Sophotocated Lady“. Susanne Schapowalow, „Sophotocated Lady“, Jazzprezzo, 198 Seiten Verlag, 198 Seiten

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BESTSELLERBIKES

Jan Heine, „The Competition Bicycle“, Rizzoli, 168 Seiten

Photo: E. M. Middleton, Aberdeen, Scotland; Lorne Shields Collection from „The Competition Bicycle“ by Jan Heine, Rizzoli New York 2012

Man muss nicht unbedingt radsportverrückt sein, um diesen Fotoband zu lieben. Auf den fantastischen Fotografien von Jan Heine und Jean-Pierre Pradères werden nicht nur originelle Fahrräder aus zwölf Jahrzehnten in Szene gesetzt. In Wort und Bild zelebrieren Heine, passionierter Radsportler, und Pradères, freischaffender Fotograf, ebenso die legendären Rennmaschinen der ganz Großen des Radsports, wie Greg LeMond oder Fausto Coppi. Großaufnahmen der Champions, abgewetzte Ledersättel, seltene Radmodelle und futuristische Maschinen dokumentieren in „The Competition Bicycle“ die Entwicklung Geschichte Susanne hautnah Schapowalow, „Sophotocatedund Lady“, derVerlag, Fahrradtechnik. Jazzprezzo 198 Seiten 31


SCOTT CAMPBELL Quality Magazin No. 22 – März 2012

Scott Campbell Die renommierte Galerie Gmurzynska präsentiert zeitgenössische Werke des in New York lebenden vielseitigen Künstlers Scott Campbell, ein ungewöhnlicher junger Künstler aus New York, steht plötzlich vor mir, in der sehr bekannten Gallerie Gmurzynska in Zürich. Er begrüßt mich herzlich, als wären wir bereits alte Freunde. Was habe ich erwartet, bei so viel internationalem Erfolg – vielleicht mehr Arroganz, mehr Eigeninszenierung, mehr Personenkult? Scott Campbell ist anders. Freundlich und entspannt spricht er frei über sich, seine innere Triebfeder und über seine Kunst. Sehr schnell habe auch ich das Gefühl, dass wir bereits gute Freunde sind, zumal wir unsere gemeinsame Affinität zu Schwarzpulver entdecken. Ich bräuchte Stunden, um das komplette Persönlichkeitsspektrum eines Scott Campbell erschließen zu können. Da ist zum einen der einfache Junge aus einem kleinen Fischerdorf in Louisiana, der seine Mutter sehr verehrt und trotzdem schon als Jugendlicher seine Grenzen ausprobiert. Früh spricht der Rebell aus ihm, den es reizt etwas Verbotenes zu tun. „Das fing mit meinem Musikgeschmack an“ so Scott lachend „Heavy Metal war meine Musik, wohl aber in erster Linie als Instrument der Auflehnung gedacht.“ Schnell entdeckt er seine Liebe zu Tattoos und wird Star der Szene, die ihn heute noch prägt. Karriere ist 32

ihm eigentlich egal, spannender ist die Aktion. Seine bekanntesten Werke, Tiefenreliefs aus nicht zirkulierender US Währung, haben Vieles, was ihn ausmacht: einen radikalen Ansatz und einen Schaffensprozess der an ein Sakrileg grenzt. „Doch eigentlich ist das unverständlich. Niemand würde sich aufregen, wenn ich eine teure Leinwand benutze ...“ Scott liebt genau diese Momente des Hinterfragens. „Für mich ist der Schaffensprozess wichtiger als das Resultat. Jedoch ist das Kunstwerk notwendig, um die Energie des Moments zu dokumentieren. Der Moment der Grenzüberschreitung, that‘s it.“ Aber da ist auch die andere Facette des Künstlers, die absolute Perfektion und die enorme Kunstfertigkeit seiner Hände. Als Tattokünstler hat er sich bereits auf der Haut von Marc Jacobs, Penelope Cruz, Johnny Depp und vielen mehr verewigt. Mit Marc Jacobs verbindet ihn sogar mehr. Er ist sowohl Freund, Mentor, als auch Vorbild in seiner Arbeitsweise. „Von Marcs kreativer Sichtweise und seinen Arbeitsprozessen kann man viel lernen. Er verurteilt nie und dennoch bringt er sich stark ein.“ Mit ihm kreierte Scott Campbell im vergangenen Jahr einen Teil der Louis Vuitton Taschen Kollektion.

Seine wohl aufsehenerregendste Ausstellung hatte Scott vor nicht allzu langer Zeit in Mexiko. Nach einem elementaren Streit mit seinem Galleristen, entnahm er seine bereits verkauften Bilder aus der Gallerie, übergoss sie mit Benzin und verbrannte sie vor der Tür. Geniale PR könnte man denken, denn einige der Kunstwerke überlebten mit starken Brandspuren und hatten dadurch noch mehr zu erzählen. Aber Scott wirkt glaubwürdig. Beim Gang durch seine Ausstellung zeigt er mir seine Lieblingswerke. Als er dabei die Liebesgeschichte mit einem australischen Mädchen erzählt, für das er drei Tage und drei Nächte ein Straußenei von innen bemalte und sie unwissentlich diesen Schatz zerstörte, schmolzen alle Frauen dahin. Wir wollen von Scott Campbell noch viel sehen. Bis Ende März findet man seine Werke in der Galerie Gmurzynska, Zürich.


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MODE Quality Magazin No. 22 – März 2012

PUNKS IM HERRENANZUG „Wir lieben Künstler, die das was sie tun auch leben! Mit allen Höhen und Tiefen, nur dann ist die Kunst authentisch und echt.“ Auf der Suche nach geeigneten Talenten für ihr Label achten die Gründer auf Spirit und Professionalität. Das Ergebnis dieser inspirierenden Kooperationen: Kunst im Herrenanzug. Egal, ob im Graffiti-Stil, als Tattoo-Optik, abstrakt oder verwegen – die Anzüge beeindrucken immer mit einer Prise liebenswerter Eigentümlichkeit. Perfekt für jene, die Ramones hören, aber nicht mit ihrem Fan-T-Shirt im Büro sitzen können. Den Balanceakt zwischen klassischem Business und anerkannter Kunst schafft das in München ansässige Unternehmen im Schulterschluss mit dem belgischen Traditionshaus Scabal. Die knalligen Artworks von BusinessPunks in Kombination mit den edelsten und feinsten Stoffen von Scabal lassen traditionelles Handwerk mit ex-travaganter Kunst verschmelzen.

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ock’n’Roll! Die maßgefertigten Herrenanzüge von BusinessPunks sind alles andere als spießig und staubig. Das junge Label vereint mit seiner neuen Kollektion Kunst und Perfektion, Individualität und Qualität. Spiegelt das Sakko nach außen hin den erfolgreichen Geschäftsmann wider, lässt das Innenfutter, welches hier und da hervorblitzt, den inneren Punk im Mann erkennen. Das ist das Besondere an den außergewöhnlichen BusinessPunks-Designs: Handverlesene und anspruchsvolle Künstler kreieren raffinierte Meisterwerke für die Innenfutter. Für die neue Kollektion beispielsweise verwendete der Berliner Künstler Flexn malerische Fragmente, wohingegen Kim Okura aus Wien sich von Ritterrüstungen beflügelt fühlte. Der Gedanke dahinter: Ein Geschäftsmann in einem Business-Anzug ist der moderne Ritter des 21. Jahrhunderts. Die Künstlerin Saskia Porkay aus München arbeitete bei der Kreation ihres Futters mit Fotografien von Andy Warhol, viel Pink und plakativen Sätzen – ein Tribut an Andy Warhol und die Punk-Attitüde.

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Wer sucht, der findet. Um neue Künstler für die Gestaltung ihrer Futter aufzuspüren, hält das multikulturelle Duo Daniel und Yurdakul seine Augen nach besonderen Talenten immer offen, geht auf KunstUnis und -messen, bewegt sich eben in der Kunstszene und schaut, wer ihrem Spirit und Anspruch entspricht. „Was wir nicht wollen: Hobby- und Möchtegern-Künstler, die es nur cool finden, sich Künstler zu nennen. Fake in der Kunst ist das Schlimmste für uns. Authentizität das Wichtigste.“ businesspunks.com


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MODE Quality Magazin No. 22 – März 2012

SCHUHWERKE

FARBVIELFALT Keine Logos, keine Schriftzüge – der Britische Künstler Liam Gillick entwarf für die schottische Marke Pringle of Scotland eine Kollektion von Taschen, Accessoires und Strickmode – ganz ohne Markennamen. „Branding wollte ich auf jeden Fall vermeiden. Ich will, dass die Produkte von Leuten benutzt werden, die sich nicht sonderlich um die Kunstwelt oder mich als Künstler kümmern“, so Gillick. Entstanden sind bei dieser Kollaboration dezent geschnittene Strickjacken, Clutch-Bags und Portemonnaies, mit für Liam Gillick typischem Artwork, die auch ohne Logo schnell ihren Schöpfer erahnen lassen. pringlescotland.com

Falls die Schuhe von Joachim de Callatay eher wie ein kleines Bauwerk oder einer Miniaturversion eines Möbelstückes anmuten, dann mag das daran liegen, dass der 31-jährige Belgier Industrie-Design statt Mode studierte. Seine erste Kollektion, welche man bei Jeffrey in New York und Patron of the New kaufen kann, sorgt mit schwindelerregend hohen Wedges die an die Konstruktion traditioneller japanischer Häuser erinnern und farbigen Akzenten auf den Absätzen für Furore. Fragt man den in Paris ansässigen Designer, wo er seine Ideen hernimmt, so antwortet er: „Meine größte Inspirationsquelle ist die Architektur. Ich finde es spannend, wie unterschiedliche Materialien, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht zusammenpassen, miteinander harmonieren.“ ets-callatay.com


VERJÜNGUNGSKUR Als nach dem Weggang von Antonio Marras das kalifornische Designer-Duo Humberto Leon und Carol Lim, das 2002 das US-Label Opening Ceremony gründete, zu den neuen Kreativdirektoren von Kenzo ernannt wurden, ging ein Staunen durch die Fashionszene. Ihre erste Kollektion wurde im Oktober bei der Paris Fashion Week präsentiert und darf nun in den Kenzo- und Concept-Stores dieser Welt gekauft werden. Leons und Lims Aufgabe, dem Label mit ihrem „frischen und kreativen Talent neue Impulse zu verleihen“, so erklärte es Pierre-Yves Roussel, Chef der Modesparte bei LVMH, haben sie par excellence umgesetzt. Mit strahlenden Farben, Color-Blocking, vielen Prints, Baseballkappen und funktionalen Elementen aus dem Sport- und Workerwear-Bereich bringen sie Schwung in die Kollektion. kenzo.com

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NEWCOMER Quality Magazin No. 22 – März 2012

CHAU HAR LEE Um zu wissen, wann und wo ich designerische Grenzen überschreiten kann, ist es wichtig, das Handwerk zu verstehen.

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ormvollendete Meisterwerke aus Holz, perfekt geschwungene Leder-Skulpturen, wunderschön arrangierte Silhouetten – die Kreationen von Schuhdesignerin Chau Har Lee zu beschreiben, gleicht einer Ansammlung wohl klingender Superlative. Und es wäre auch nicht übertrieben zu sagen, dass diese Wörter des Lobes noch untertrieben sind. Zahlreiche Auszeichnungen, wie der Manolo Blahnik Award, welchen sie ebenso wie den ITS 8 Accessories Award (ein Förderpreis für junge Künstler), 2009 gewann, beweisen ihr Ausnahmetalent. Chau Har Lee entwirft Schuhe, die ihre Leidenschaft für Mode, Architektur mit ihrem Bewusstsein für Stil und Qualität vereinen. Dabei ist es ihr wichtig, dass „die Modelle trotz des Designs genauso tragbar wie klassische 13 cm hohe Stilettos sind.“ Für die Entstehung dieser wunderbaren Werke, bei denen immer die Form im Mittelpunkt steht, zeichnet und analysiert Har Lee zunächst das zu bekleidende Objekt, den Fuß, und spielt mit verschiedenen Materialien. Mit Hilfe konventioneller Schuhmachertechniken und moderner 3D-Programme am Computer designt sie später ihre beeindruckenden Schuhe, die dann in traditioneller Handarbeit gefertigt werden. Doch die Londoner Designerin entwirft nicht nur für ihr eigenes Label. Seit ihrem Abschluss am Royal College of Art sind etablierte Modeunternehmen wie Thierry Mugler, Camper, Capulet und die Schweizer Luxusmarke Bally verrückt nach Har Lees außergewöhnlichen Ideen und zählen zu ihren Auftraggebern. Nebenbei ist sie Tutorin am London College of Fashion und unterrichtet angehende Schuhspezialisten in Footwear Design. Sie selbst kam durch ihre Mutter zu ihrer Berufung. „Sie ist unglaublich kreativ und hat mich immer dazu inspiriert, etwas mit Kunst zu machen. Wäre sie nicht gewesen, hätte ich wahrscheinlich auch keine

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Karriere als Designerin gewählt“, erzählt Chau Har Lee. Man kann ihrer Mutter nur dankbar dafür sein, denn sonst wären uns diese phänomenalen Schuhkreationen wohl verborgen geblieben. Noch kann man sie nur als Einzelanfertigung auf Nachfrage bei Selfridges in London kaufen, doch die Chancen, sie bald auch international erstehen zu können, sind gut.


MOTION Quality Magazin No. 22 – März 2012

Mercedes-Benz SL 190

Mercedes-Benz SL-Klasse, SL 350 Edition 1

Stars und Sterne Seit 60 Jahren gilt der Mercedes-Benz SL als Sportwagenlegende. Zu seinem Kultstatus und seiner weltweiten Bekanntheit hat insbesondere Hollywood beigetragen. Kaum rollten in den 50er–Jahren die ersten SL-Modelle in den USA über die Straßen, bekamen sie schon Filmangebote. Der SL wurde zum Traumwagen für die Traumfabrik. Ob als rasanter Fluchtwagen, stilvoller Begleiter, begehrenswerte Diebesbeute oder verführerisches Geschenk – bis heute spielen alle Generationen des Sportwagens in weit über 150 US-amerikanischen Filmen und KultFernsehserien mit. Dabei sind sie oft mehr als realistisches Beiwerk, sie werden schnell zum Helden der Handlung. Der neue SL Roadster, der im Januar auf der Auto Show in Detroit seine Weltpremiere feierte, wird diese Tradition fortsetzen. Er ist noch nicht auf der Straße, aber bei Hollywoods Filmproduzenten bereits ins Gespräch gebracht. 39


APPS Quality Magazin No. 22– März 2012

Um sich über die neuen Tendenzen in der Welt der Mode zu informieren, wird das Smartphone zum wichtigen Tool. Mit den neusten Mode Apps kann man sich schließlich nicht nur über die aktuellen Trends informieren, sondern ist auch nur einen Klick von einem virtuellen Shopping-Trip entfernt. Von dem smarten digitalen Kleiderschrank bis hin zu der Fashion Week App, Quality Magazine präsentiert die spannendsten Applikationen. Alle vorgestellten Apps sind im App Store für iPhone, iPad touch und iPad verfügbar.

CLOTH APP Die Cloth App ist quasi ein digitaler Kleiderschrank, in dem nach belieben selbstfotografierte Looks kategorisiert, gespeichert und archiviert werden können. Und wenn die Frage nach dem passenden Outfit zu schwer erscheint, kann man via Twitter oder Facebook Rat bei Freunden finden.

LUSTER APP In Berlin von modeaffinen Entrepreneurs entwickelt, kann man mit dieser App lokale Mode entdecken: Luster hilft Usern Trends vor Ort zu erkunden uns schlägt somit eine Brücke zwischen lokalen Boutiquen und der mobilen Generation. Für das fortgeschrittene Shopping Erlebnis...

MADE FASHION WEEK APP Die Fashion Weeks in New York ist für fashion professionals ein wichtiges Ereignis. Die Made App lädt zeitgleich zu den laufenden Shows die fotografierten Looks hoch und versieht diese mit den wichtigsten Informationen zum Designer. Eine hilfreiche App für den nächsten New York Fashion Week Besuch...

MOSCHINO „PIC ME“ Das Modehaus Moschino hat kürzlich eine neue Facebook Applikation relaunched. Mit der „Pic me“ App können User Fotos hochladen und mit einem der diversen gepunkteten, gestreiften oder gemusterten Polaroid Rahmen personalisieren.

SNAPETTE APP Wer häufig in den großen Städten unterwegs ist, sollte diese App unbedingt ins Visier nehmen. Urban Daddy ist eine App, die das Leben in Großstädten deutlich erleichtert. Über verschiedene Einstellungen ermittelt die App via GPS einen passenden Tipp. Der „Surprise me“-Button liefert spannende Empfehlungen. Das Programm ist kinderleicht zu bedienen, das minimalistische Design ist äußerst gelungen.

TOKYO FASHION APP Innerhalb von Sekunden kann man sich mit dieser App die aktuellen Looks in den Strassen Tokyos ansehen. Die kostenlose „Tokyo Fashion App“ zeigt Straßenfotos aus Harajuku, Shibuya und diversen anderen Orten aus der Metropole.

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DESIGN Quality Magazin No. 22 – März 2012

HIGHLIGHT Sie kann als Bodenleuchte, Hänge- oder Wandleuchte positioniert werden – die „Drumbox Leuchte“, entstanden aus der Zusammenarbeit des Modelabels Diesel und dem italienischen Lampen-Spezialisten Foscarini, ist vielseitig einsetzbar und vereint ein höchstes Maß an Design und Flexibilität. Foscarini, Meister der Kooperation, und die langjährige „stoffliche“ Erfahrung der Marke Diesel machen es möglich: Gemeinsam entwickelten sie eine Lampe, die sowohl für Funktionalität als auch für Stil steht. Die Form der „Drumbox Leuchte“ erinnert an das Licht in einem Fotostudio. Der vordere Teil des Lampenschirms besteht aus beschichtetem Leinen, welches das Licht warm erstrahlen lässt. Die Form selbst entsteht durch Nylon Ripstop – ein technischer Nylonstoff, der widerstandsfähig und unfassbar leicht ist. Die Nahtstellen sind wie bei Taucheranzügen verschweißt. Spot an! diesel.foscarini.com

MONDÄNE MESSUNG Der Gang auf die Waage wird zum Glamour-Ereignis. Mit 333 SwarovskiElementen ausgestattet, glänzt die neue Premiumwaage „Axxence Crystal“ von Bosch wie ein kleines Schmuckstück im Badezimmer. Zusätzlich werden die Kristalle von blauen LEDs illuminiert, welche gleichzeitig das aktuelle Gewicht als fünf Zentimeter hohe Zahlen gut lesbar anzeigen. Die schwarz glänzende Trittfläche bildet dabei den perfekten Kontrast. Um Luxus und Funktionalität zu vereinen, wurde die avantgardistisch anmutende Waage mit der Easy StepOn-Funktion ausgestattet. Sie aktiviert sich sofort beim Betreten der 30 mal 30 Zentimeter großen Glastrittfläche und schaltet sich ebenso selbsttätig nach Benutzung wieder ab. Eleganter wiegen geht nicht. bosch-home.com

VELO D’AMOUR „Urbikes“ sind eine affaire d’amour ans Fahrradfahren. Hochwertig, designorientiert und trotzdem auf die wesentlichen Komponenten reduziert. Die Fahrräder sind individuell gestaltbar, über den Konfigurator auf ihrer Website sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Die Farben für Rahmen, Felgen, Lenker oder Sattel können selbst ausgewählt werden. Und für alle, die nicht nur im Stadtverkehr cruisen, haben die Urbike-Gründer Mike Glaser und Robin Homolac die klassische Rücktritt-Schaltung wiederbelebt. Diese wurde in den 60er Jahren während des Klapprad-Booms entwickelt und erlebt jetzt ihre Renaissance. Durch einen impulsartigen Rücktritt schaltet man in den zweiten Gang und kann Steigungen locker entgegen fahren. urbike.de

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CAMPINGBEGLEITER Die ersten Festival-Tickets für die Saison 2012 sind schon über die Ladentische gegangen. Und Fans wissen wie schwer es ist, zwischen all den anderen trostlosen Zelten, sein eigenes wieder zu finden. Mit den bunten Zelten von FieldCandy sollte das jedoch kein Problem sein. Ob in Form eines halbaufgeschlagenen Buches oder eine Zirkuszeltes, mit Comic-Motiven oder Erdbeeren bedruckt – die stylischen Modelle strotzen vor Individualität und kreativem Design. Daneben brillieren die portablen Schlafgemächer mit technischen Vorzügen wie einer wasserdichten Bodenplane, extra gestärkten Heringen, einem atmungsfähigen Innenzelt und verschließbaren Innenfächern. fieldcandy.com

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DRINKS Quality Magazin No. 22 – Februar 2012

BACK TO THE ROOTS von Yvonne Schippke

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er irische Schriftsteller Jonathan Swift (1667-1745) sagte einmal: „Die beste Methode, das Leben angenehm zu verbringen, ist,

ausgiebiger als das Dekantieren von Wein. Aber auch in San Francisco, Australien und Skandinavien trinkt man immer mehr gefilterten Kaffee. Vor einem Jahr eröffnete in Berlin das erste Café, das „brewed coffee“, also handgefilterten Kaffee, verkauft. Und es hat sich gelohnt: Interna-

guten Kaffee zu trinken. Und wenn man keinen haben kann, so soll man tionales Szenepublikum ist von der simplen und versuchen, so heiter und gelassen zu sein, als hät- ebenso leidenschaftlichen Methode des Kaffeete man guten Kaffee getrunken.“ Vielleicht ge- kochens begeistert. Filter statt Hochtechnologie. hört Kaffee deshalb zu einem der beliebtesten Die Alternative zur Drip-Bar ist so einfach wie Getränke der Welt. Im 16. Jahrhundert konnte schön, dass sie sogar in der Design-Abteilung des eine türkische Frau sogar die Scheidung einrei- Museum of Modern Art in New York bewundert chen, wenn der Mann sich als nicht in der Lage werden kann. Es ist die legendäre Chemex-Karaferwies, die Kaffeetasse der Familie voll zu erhal- fe, die in immer mehr heimischen Küchen ihren ten. Soweit würden Platz findet. Die sandwir heute nicht mehr uhrförmige Glaskarafgehen. Doch heilig ist fe wurde bereits 1941 uns der morgendliche von dem deutschen Kaffee noch immer. Chemiker und ErEin perfekter Start in finder Peter Schlumden Tag eben. bohm entwickelt. SeiDer neueste Trend in ne Idee war es, eine der Welt des SchwarVorrichtung zum Kafzen Goldes heißt „drip feekochen zu erfincoffee“. Zu deutsch: den, die so simpel Filterkaffee – wer dawie die Glastrichter bei allerdings an die in seinem Labor sind. gute alte KaffeemaDas ist ihm gelungen. schine mit ihrem tyDie Chemex-Karaffe pischen Gurgeln und ist sowohl zeitlos als Röcheln denkt, liegt falsch. Heute bereiten Cof- auch modern. Die Botschaft hinter dem Trend fee-Shops Filterkaffee mittels sogenannter Drip ist eindeutig: weg von riesigen Vollautomaten, Bars zu. Das sind Haltevorrichtungen, in die zurück zum Handmade-Charakter. Dem Gemehrere Kaffeehandfilter nebeneinander pas- schmack schadet es nicht. Im Gegenteil, dank sen, und man während des Brühens den Füll- des Handbrühens lösen sich weniger Bitterstoffe stand der Tasse beobachten kann. Tröpfchen als bei anderen Zubereitungsarten. Geschmacksfür Tröpfchen. Da die klassischen Papierfiltertü- noten lassen sich besser herausschmecken und ten neben heißem Wasser und geröstetem Kaf- Aromen können sich feiner entfalten. fee das wichtigste Utensil für einen Drip-Coffee Laut Jonathan Swift versüßt der tägliche Kafsind, erleben auch diese gerade ein fulminan- fee unser Leben. Trinkt man ihn handgefiltert, tes Comeback. In New York zelebriert man das genießt man gleichzeitig das traditionelle Ritual Kochen und Servieren des Drip-Coffees bereits der Zubereitung.

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Um den vollkommenen Kaffee zuzubereiten, gibt es viele Methoden: Kapselmaschinen, Espressokocher, French Press – die Liste ist lang. Beim „Drip brewing“ wird auf vollautomatische Technik verzichtet. Handmade lautet die Devise, bei der schon die Zubereitung Genuss pur ist und das Kaffeetrinken zu einem wahren Geschmackserlebnis avanciert.


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DESIGN Quality Magazin No. 22 – März 2012

Der sinnliche Purist Aldo Bakker verleiht den Dingen des Alltags besonders weiche, fließende und dennoch präzise Formen. Der niederländische Designer tritt dabei in große Fußstapfen: die seiner berühmt-berüchtigten Avantgarde-Eltern. von Norman Kietzmann

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ie Form ist durchaus von komplexer Natur. Sie kann längst nicht nur mit den Augen betrachtet, sondern ebenso mit den Fingern gefühlt, ertastet und verstanden werden. Die Arbeit von Aldo Bakker ist von jener Sensibilität, die über das rein Sichtbare hinausgeht. Weiche, fließende Formen schmeicheln der Hand und wollen von ihr erkundet werden. Organisch geschwungene Hocker aus Holz erwecken den Anschein, als wären sie über Jahre vom Wasser geformt, während Salzstreuer und Saucieren mit haptischen Griffen an feingliedrige Werkzeuge erinnern. Das Gespür für die Form wurde Aldo Bakker früh in die Wiege gelegt. Sein Vater Gijs Bakker gründete 1993 mit der Kunsthistorikerin Renny Ramakersdem das Avantgarde-Label „droog“ (zu deutsch „trocken“), das mit seinen konzeptionellen wie narrativen Produkten dem holländischen Design zum internationalen Durchbruch verhalf und den Grundsatz von „form follows function“ endgültig ins Museum verabschiedete. Dass Handwerk und Avantgarde nicht im Widerspruch stehen, machte Gijs Bakker zusammen mit seiner früh verstorbenen Frau Emmy Van Leersum (1930 bis 1984) deutlich. Mit ihren puristischen Entwürfen aus Aluminium revolutionierten die beiden Silberschmiede die Schmuckgestaltung der sechziger Jahre und ließen die Grenzen zwischen Kunst, Design und Handwerk hinter sich. Ihr Sohn Aldo, der 1971 in Amersfoort nahe Utrecht geborenen wurde, folgte dem Weg seiner Eltern und erlernte als Autodidakt die Gestaltung von Schmuck. Anschließend widmete er vor allem der Verarbeitung von Glas große Aufmerksamkeit, bis er für die Einrichtung des Restaurants „Zuid-Zeeland“ in Amsterdam außer Gläsern ebenso Stühle, Tische und weitere Dinge der Tischkultur entwarf. Obwohl auch einige seiner Arbeiten von droog vertrieben werden, 46


sieht er seine Basis weniger in der Theorie als vielmehr in der konkreten physischen Umsetzung. „Jeder Designer, der sich allein hinter einem Konzept versteckt und verneint, seinem Produkt eine Form zu geben, bleibt inkompetent“, macht Aldo Bakker seinen Standpunkt klar.

Seine Entwürfe sind dagegen ein Manifest der Sinnlichkeit und werden aus natürlichen Materialien wie Holz, Kupfer, Silber oder Stein angefertigt. Deren körperliche Wahrnehmung erfolgt unmittelbar und ermutigt, die Rituale des Alltags bewusster auszuführen. Das Eingießen einer Sauce oder die Dosierung von Essig, Öl

oder Salz werden auf diese Weise nicht nur entschleunigt. Sie werden wie die Requisiten auf einer Bühne wirkungsvoll in Szene gesetzt.


KONZERTE Quality Magazin No. 22 – März 2012

CLUESO Lange schienen deutsche Künstler in Vergessenheit geraten zu sein. Doch ein junger Erfurter konnte dieses besondere Genre wieder neu beleben. Clueso, der Sänger mit der weichen Stimme und den sensiblen, fast schon philosophisch anmutenden Texten hat sich letztes Jahr mit seinem fünften Studioalbum „An und für sich“ zurückgemeldet. Und wieder beeindruckt der Künstler, dessen Inspiration der eigentlich sehr unsicher auftretende Inspektor Jacques Clouseau aus „Der rosarote Panther“ ist, mit nachdenklichen Songtexten, deren Tiefgang legendär ist. Sein uneitler und bodenständiger Charme eilt ihm voraus. So stört es uns auch nicht, dass sein neuestes Album statt eines Romans eher eine Sammlung von Kurzgeschichten geworden ist. Fans können sich dieses Jahr vor allem auf Festivals an Cluesos Musik erfreuen. 24.06.2012 Rock a Field Open Air, Luxemburg 29.06.2012 Open Air am Zollhafen, Mainz 30.06.2012 100 Jahre Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig 13.07.2012 Park des Bayerischen Rundfunks, Nürnberg 18.07.2012 Stimmen-Festival, Lörrach 20.07.2012 Hohentwiel Festival, Singen 25.08.2012 Filmnächte am Elbufer, Dresden 29.08.2012 Open Schloss Ludwigsburg 2012, Ludwigsburg 15.09.2012 Open Air Westfalenpark, Dortmund

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JAN DELAY (Der deutsche) Funk hat wieder einen Namen: Jan Delay. Jan Philip Eißfeldt, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, ist ein Mann vieler Synonyme, oft klangvolle Anlehnungen an bekannte Musikgrößen. So finden sich in seinem Repertoire beispielsweise Künstlernamen wie Spliff Richard, Curtis Icefield, Funk Zander oder auch Delay Lama. Das Hamburger Ausnahmetalent hat sich inzwischen musikalisch von seinen früheren Bandkollegen, dem Hip Hop Act Absolute Beginner, abgespalten und zelebriert nun den Funk wie kaum ein anderer in Deutschland. Unterstützt wird der Sänger mit der unverkennbaren Stimme dabei durch seine um Bläser und Backgroundsängerinnen erweiterte Band, die er Disko No 1 taufte. Er beehrt uns im Juni wieder mit zwei neuen Konzertterminen. 29.06.2012 Musikarena Olympiapark, München 30.06.2012 KunstRasen, Bonn


KONZERTE Quality Magazin No. 22 – März 2012

BIG BANG

Foto: YG Entertainment

In Deutschland hat man bisher wenig von koreanischen Bands gehört. Die fünfköpfige Gruppe Big Bang sollte man sich jedoch merken. Ihr experimenteller und wilder Stil hat ihnen letztes Jahr bereits als erste koreanische Band den MTW Europe Music Award als Best Worldwide Act eingebracht. Nun sind sie auf großer Welttournee, um ihre Fans persönlich kennenzulernen. Ihre Musik ist stets eine Mischung verschiedenster Genres. Wurden sie bei ihrem Debüt noch als R ‘n‘ B und Hip Hop Act vorgestellt, so sind ihre Songs aktuell eher von DanceEinflüssen geprägt. Denn das Line-up mit den klangvollen Namen G-Dragon, Taeyang, T.O.P., Dae Sung und Seung Ri besteht nicht nur aus reinen Sängern. Die Jungs sind auch sehr begabt im Beatboxing, Songwriting und natürlich im Tanzen. Bisher wurden nur ihre Auftaktauftritte in Japan veröffentlicht, sie werden aber auch durch Europa, Nord- und Südamerika touren.

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17.+18.05.2012 NipponGaishi Hall, Aichi 26.+27.05.2012 Yokohama Arena, Yokohama 01.+02.06.2012 Osaka-jo Hall, Osaka 16.+17.06.2012 Saitama Arena, Saitama 23.+24.06.2012 Marine Messe, Fukuoka


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10 Metropolen – 10 Lieder …

1. KRAFTWERK Das Model (Single von 1978) Die „Beatles der elektronischen Tanzmusik“ üben Charakter-Kritik: Morgens prostituiert sich das Model für das „Konsumprodukt“. Abends lässt es im Nachtclub mit eiskalter Miene und Champagnerglas zwischen Zeigefinger und Daumen reihenweise Männer abblitzen.

2. MADONNA Dress you up (Single von 1985) Edle Designerstoffe hin oder her – auf nackter Haut fühlen sich seidenzarte Liebkosungen und samtige Küsse immer noch am besten an. Behauptet zumindest die Queen of Pop in feinstem 80er-Jahre-Sound.

3. LADY GAGA Fashion (2009 im Soundtrack zu P. J. Hogans Filmkomödie Confessions of a Shopaholic) In ihrer Dance-Pop-Nummer lästert die Verwandlungskünstlerin unwiderstehlich über den fast schon sektenartigen Fashion- und Designer-Hype. Fazit: Lieber selbst Klamotten kreieren – zum Beispiel aus Schweinekoteletts.

4. ELVIS PRESLEY Blue Suede Shoes (Cover-Single von 1956; Original von Carl Perkins) Gemeingefährlicher Schuh-Tick? Was der King of Rock ‘n‘ Roll mit seinem „Honey“ gemacht hätte, wenn es aus Versehen auf seine blauen Wildlederschuhe getreten wäre, kann man ihn leider nicht mehr fragen.

5. PAOLO NUTINI New Shoes (Single von 2006) Gab‘s eine Emanzipation im Schuhregal? Paolo Nutini tut‘s dem King gleich und schwört mit grandioser Soulstimme auf die Heilkraft brandneuer Schuhe!

6. MARILYN MONROE Diamonds are a girl´s best friend (1953 erstmals in Howard Hawks US-amerikanischer Filmkomödie Blondinen bevorzugt) Männer aufgepasst! Hier der swingende Beweis: Alle Frauen sind materialistisch orientierte Biester. Was sind schon echte Gefühle gegen ein paar funkelnde Klunker?

7. THE FRANK POPP ENSEMBLE Hip teens don‘t wear blue jeans (Single von 2001) Unter der Disco-Kugel gewinnt, wer die langweilige Blue-Jeans gegen einen stylischen 70er-Jahre-Fummel eintauscht. Extrem tanzbarer Mode-Appell im Retro-Sound!

8. DIE FANTASTISCHEN VIER Dicker Pulli (1992 auf dem Album 4 gewinnt) Smudo und Co. stellen fest: Mit einem dicken Pulli gewinnt man zwar keine Modenschau, aber er schützt vor (zwischenmenschlicher) Kälte.

9. MADNESS Baggy trousers (Single von 1980) Die Baggy-Hose als Mittel zur Rebellion: Um in der Schulzeit die spießigen Lehrer zu ärgern, trugen die durchgeknallten Jungs der britischen Ska-Band MADNESS ihre Baggys kilometerweit unterm Schritt.

10. ZZ TOP Cheap sunglasses (Single von 1980) Kein Wunder, dass die bärtigen RockOpis von ZZ TOP auf billige Sonnenbrillen stehen. Schließlich werfen sie ihre Markenzeichen regelmäßig als Konzert-Souvenirs ins Publikum.

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Ohrringe FRANKENBERG COLLECTION Kleid SIBILLA PAVENSTEDT Strickjacke SIBILLA PAVENSTEDT

the

white room BY OLFF APPOLD / IDEE & STYLING MATTHIAS EITNER

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Hut BIRKE BRECKWOLDT Ohrringe TIFFANY & CO. Kette TIFFANY & CO. Kleid HELLO

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Hosenanzug FKK Ohrringe TIFFANY & CO. Schuhe GUCCI Kleid FKK M端tze KAUFRAUSCH Ring TIFFANY & CO. Tuch SIBILLA PAVENSTEDT Schuhe ZARA 54


Kleider SIBILLA PAVENSTEDT Schuhe GUCCI


Hosenanzug FKK Tuch SIBILLA PAVENSTEDT Handschuhe KAUFRAUSCH Schuhe GUCCI

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Hut BIRKE BRECKWOLDT Kleid/ Tuch SIBILLA PAVENSTEDT Ohrringe BULGARI Schuhe ZARA

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Models: Aga Szajenka / Okaymodels, Lina D. / place models, Celia / md management | Haare & Make-up: Yvette Redmond / BIGOUDI using bareMinerals, Mariana Martins / OPTIX using Carlton & Chanel Fotoassistenten: Nadine Wolf, Dominic Packulat | Postproduction: Elena Stepanova | Möbel: AXIS MUNDI

Hut KAUFRAUSCH / Kleid HELLO / Strümpfe FALKE Schuhe ZARA / Armband BUCHERER


Kleid ROSENBAUM Schuhe GUCCI 59


INSPIRATION LIEGT IM LEBEN „

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Foto: Leo Laempel


Interview mit

Bruno Pieters

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runo Pieters, gefeierter Newcomer in Antwerpen, hat für sich einen ganz anderen Weg gewählt als der Rest der Modewelt. Er gewann früh Preise, seine allererste Kollektion entwarf er vor zehn Jahren. Suzy Menkes, die Doyenne der Mode, hielt ihn von Anfang an für faszinierend – wir auch! Er hat für Martin Margiela Jesophus Timistier aber auch für Christian Lacroix gearbeitet. Seine letzte Station war die des Creative Director für Hugo Boss. Danach zog er sich für zwei Jahre zurück – nach indien, wo er spirituelle Einsichten suchte. Und dort hatte er eine Idee: Kleidung, die politisch korrekt ist – der Käufer kann vom Materialeinkauf bis zur fairen Produktionsstätte ganz genau nachverfolgen, was er eigentlich erwirbt. Das ist neu. Wir haben ihn zwischen einem Shooting und seiner neuen Kollektion erreicht, gerade noch vor Redaktionsschluss. Zehn Fragen an einen Revoluzzer.

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„Herr Pieters, Sie haben mit ihrem neuen Label „Honest by“ einen ganz neuen Ansatz zur Mode geschaffen. Warum?“ „Honest by“ ist etwas, was ich mir als Kunde wünschte. Ich liebe die Mode aber auch das Leben, das ich respektiere – ich will sichergehen, dass alles was ich tue möglichst „lebensfreundlich“ ist. Dafür aber ist eine gewisse Transparenz nötig. Natürlich sind Look und Design das Allerwichtigste und das was mir am meisten Spass macht, aber das die Kollektion auch so etwas wie lebensbejahend ist, sollte offensichtlich sein. „Honest by“ ist für mich die Antwort auf das, was in der Welt geschieht. Ich weiss, dass die Leute wenig über die Umwelt nachdenken wollen, weil es sie deprimiert – es ist ein schwieriges Thema, eines, das einen fordert. Wer „Honest by“ kauft, muss nicht darüber nachdenken, wir haben es für ihn, sie, getan. Ich wollte, dass es einfach ist und Freude macht für alle, die Mode lieben. Für mich ist Transparenz der beste Service, den man jemandem bieten kann. Einige Journalisten nannten diese Transparenz als neuen Luxus, für mich ist es nur eine neue Normalität. „Sie nahmen sich ein Sabbatical, eine Auszeit in Indien. Würden Sie diese Erfahrung jedem Modeschaffenden empfehlen?“ „Ich denke, jeder sollte seiner eigenen Intuition folgen. Für mich war es eine schöne Erfahrung. Aber ich glaube nicht, dass man nach Indien muss, um sich selbst zu finden. Selbsterfahrung ist eine individuelle Reise, die wir alle auf unsere Weise machen können.“


FREIHEIT IST DIE EINZIGE REGEL!

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„Ich weiß nicht mal, ob ich in der nächsten Minute noch da bin ...“

„Sie nennen sich die erste Firma der Welt, die 100 Prozent Transparenz bietet – können Sie das wirklich garantieren?“ „Naja, wir nennen uns nicht genau so. Es gibt keine Company auf der Welt, die totale Preistransparenz bietet. Und gäbe es eine, wäre das für mich die beste Nachricht aller Zeiten! Der Grund dafür, dass wir uns auf unserer Homepage so nennen – nun, wir wollen die Menschen dazu inspirieren, sich zu öffnen. Ich würde gerne die Kontroversen unserer Branche aufbrechen, mit Tabus brechen in der ganzen Industrie und sie menschlicher gestalten.“

„Man hat ihre Kleidung in der Essenz als androgyn bezeichnet – es gibt ihn aber noch, den Unterschied der Geschlechter?“ „Natürlich gibt es eine rein physische Differenz. Verschiedene Körperformen etwa. Ich designe gerne für beide Geschlechter. Natürlich unterscheiden sich die Entwürfe für Männer und Frauen, aber es ist auch toll, wenn man Dinge teilen kann, wenn beide sie anziehen können. Wir sind doch auf der menschlichen Ebene alle gleich am Ende, wir wollen lieben und geliebt werden. Dazu muss man sich zuerst selbst.“

„Wie würden Sie ihren modernen Kunden, Mann oder Frau, und ihren Bezug zum Leben sehen?“ „Der modernste Mann oder die modernste Frau sehen sich gar nicht als modern an. Sondern als Teil eines Geheimnisses. Wenn man das erkannt hat, macht plötzlich alles Sinn. Wir müssen uns gar nicht verändern, wir müssen nur das sehen, was schon da ist.“ 64


„Wie reüssieren Sie in der Modewelt, ohne sich den wechselnden Saisons zu unterwerfen?“ „Gibt es überhaupt Regeln? Alles ist freie Wahl. Freiheit ist die einzige Regel, die ich kenne. Und sie funktioniert immer.“ „Sie sagten einmal, das Internet hätte eben keine Saison. Glauben Sie, das wird die Art verändern, wie wir konsumieren?“ „Das geschieht bereits.“ „Sie haben Ihre ersten zehn Jahre im Business als sehr hart bezeichnet. Haben Sie je an sich gezweifelt, an Ihrem Talent, Ihrer Energie?“ „Natürlich, ich bin ja ein Mensch wie jeder andere. Aber ich denke, meine Unsicherheiten haben mich für Veränderungen offen gehalten, mir erlaubt, weiter zu sehen, als ich es vorher konnte. Ich bereue nichts.“ „Was lesen Sie gerade? Woher kommt Ihre Inspiration?“ „Ausser Ihren Fragen lese ich gerade gar nichts. Meine Inspiration liegt im Leben, in der Liebe.“ „Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?“ „Gar nicht. Ich weiss nicht mal, ob ich in der nächsten Minute noch da bin...“ Das Interview führte Harald Nicolas Stazol 65


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Mit Kleid und Seele Seit Julia Roberts 2001 in einem 10 Jahre alten Valentino-Kleid erschien ist klar: Trendsetter tragen Vintage. Inzwischen gibt es in jeder Stadt Läden, die Mode von vorgestern verkaufen, doch die weltweit größte Auswahl bietet der Mailänder Franco Jacassi. von Harald Nicolas Stazol / Fotos Heiko Prigge

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„Haute Couture für den Preis eines HighStreet-Produkts? 600 Pfund für ein Givenchy?“ - Kerry Taylor kann ihre Stimme kaum höher steigen lassen. Sie flötet geradezu. Ich habe ihr gerade gesagt, dass sie wahrscheinlich die leidenschaftlichste Frau der britischen Inseln ist, was Mode angeht. Nein, widerspricht sie lachend, nein – nur alte Mode. „Die Verarbeitung, die Stickereien, die Qualitäten sind einfach besser, faszinierender.“ Nun, man kann sagen was man will, zu dieser Frau, die vor Energie nur so strotzt – aber sie liebt Kleider. Wie kaum eine andere. Als sie mir das Kleid Audrey Hepburns zeigen will, sage ich schnell, dass ein gestresster deutscher Modeschreiber angesichts dessen wohl in Ohnmacht fiele. Ohne Auslandsversicherung. Kerry Taylor lacht, und sie lacht gern: „Ich hatte das Kleid aus einer Kollektion erkannt aus den 50ern, von einer Photographie, die Label waren nicht mehr eingenäht, aber ich dachte, kein Zweifel, das ist Givenchy!“ Wie macht man aus 30 englischen Pfund innerhalb einer Stunde 78.000 Pfund? Nun, man nehme etwas durchsichtigen Stoff, schneidere ihn zu einem Kleidchen und gebe es einer guten, jungen Freundin zum Tragen. Für eine Modenschau an der Uni. Und dann geht


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78.000.- Pfund für das „WOW-Kleid“ von Kate − vor zehn Jahren angeblich der Auslöser für die royale Romanze.

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man zehn Jahre später damit zu Kerry Taylor, die sich mit Kleidern auskennt. Gut auskennt. Es hilft natürlich ungemein, wenn die junge Frau, die das Kleidchen trug, die zukünftige Königin von England ist. Und Kerry Taylor dies erfährt. Denn die weiß Bescheid. Wie wohl kein anderer auf der Welt. Und sie hat den entschiedenen Vorteil, ein Auktionshaus zu haben, das für derartige Fälle wie geschaffen ist. Der kleinen Modeschülerin Charlotte Todd, die den Hauch von Stoff Kate Middleton auf den Leib schneiderte, blieb jedenfalls fast der Atem stehen, als die Preise am 31. März 2011 immer höher stiegen: Zwei Telefonbieter überschlugen sich bei etwa 50.000 Pfund für den Hauch von Kleid, der Preis steig immer weiter bis ein gewisser „Nick aus New Jersey“ den Zuschlag bekam: „Ich wollte einfach nur noch an die frische Luft und tief durchatmen“ stammelte Charlotte mit großen Augen, „So etwas hatte ich wirklich nicht erwartet“. Nun, Kerry Taylor, die Auktionatorin, schon. Die Frau mit den dunklen Haaren, der verführerischen Stimme und dem entschlossenen Blick fing nämlich 1979 bei Sotheby´s in London an und wurde mit sagenhaften 21 Jahren die jüngste Frau, die dort

je den Hammer schlagen durfte. Sie baute die Abteilung „Costumes and Textiles“ derart gut aus, dass sie 2003 ihr eigenes Auktionshaus unter eigenem Namen eröffnen konnte. Wer zu ihr will, nimmt am besten die U-Bahn und steigt in Westminster Station aus. Um sich in einem sehr fremden London wiederzufinden. Reihen von Vorstadthäuschen, rote, weisse Fassaden, Bäume an der Strasse, ein Starbucks, weiter weg grüne Hügel. Am besten zählt man die Hausnummern genau, weil sich vor dem großen Lagerhaus gerade eine abgesperrte Baustelle befindet. Wenn man Glück hat, findet man einen Bauarbeiter: „Can I help you“, fragt der mit jamaicanischem Akzent, „Ja, zu Kerry Taylor Auctions, please.“ Er nickt und führt erstmal in entgegengesetzter Richtung um das Gebäude. „Es ist vorne geschlossen, wegen der Construction Work.“ Eine Betontreppe geht’s hinauf, dann drückt er die Klingel, „Kerry, you've got visitors!“. Kate Osborn, Kerrys langjährige Assistentin, führt an Reihen und Reihen von Kleiderstangen vorbei. Und plötzlich ist sie selbst da, die beste Kennerin der alten Mode, lebhaft, durchdrungen von ihrer Passion – Kleider, und Kunden: „Meine Auktionen haben im-


mer eine schöne, freundliche Atmosphäre“, sprudelt sie. Die Kunden seien so etwas wie Familie, „manchmal bringen sie ihre Hunde mit“, und ja, man darf die alten Stücke an den Stangen gerne anprobieren. Manche kaufen, um sich anzuziehen, manche nur um zu sammeln, jugendliche Debutantinnen gibt es, auf der Suche nach einem Prachtstück wie dem 55er Dior New-Look Kleid etwa, mit der einzigartigen Silhouette, die Christian Dior berühmt machte. Mancher Designer kommt nur, um die Stoffe und Schnitte zu studieren, 50-60 Prozent der Teile werden ins Ausland exportiert: „Man kann die Hand mancher Meister der Haute Couture förmlich sehen“, erklärt sie. Taylor war für den Verkauf der Kleider des Herzogs und der Herzogin von Windsor genauso verantwortlich wie für den Sale der abundanten Haute-Couture-Sammlung von Prinzessin Lilian von Belgien – wo die 50er Jahre Dior-Ensembles samt Accessoires noch so aussahen, als hätte Mâitre Christian sie eben noch in der Hand, pardon, unter der Nadel gehabt. Aber es geht auch noch historischer: Dem Victoria & Albert Museum verkaufte sie die Hochzeitskleidung von James VII aus dem Jahre 1673. Nun in London allerdings hat sich Kerry Taylor auf Stars und große Namen spezialisiert. Es ist ein merkwürdiges Faktum der Auktionswelt, dass die Namen, die die Kleidung tragen, fast noch wichtiger sind, als die Kreationen selbst: Das Supermodel Jerry Hall gehört zu Taylors Kunden und Marie Helvin, sie bediente die Schauspielerin Leslie Caron mit ihren 50er Givenchy- und 60er Yves Saint Laurent-Kreationen. Und dann eben Audrey Hepburn – die größte Sammlung von Haute Couture, die je auf den Markt kam, was natürlich auch daran liegt, dass die reizende Audrey mit Hubert de Givenchy so eng befreundet war, wie kaum jemand sonst: 268.320,- Pfund spülte das in die Kassen, allein das Chantilly-Spitzen-Cocktailkleid, das die Schauspielerin in „How to steal a million“ trug, erzielte 60.000 Pfund. Schließlich das schwarze Verlobungskleid von Lady Diana, indem sie 1981 ihr gesellschaftliches Debut gab und sich vom scheuen Reh zur Prinzessin wandelte, brachte den Rekordpreis von 192.000 Pfund – soll keiner sagen, Kerry verstehe ihr Handwerk nicht: Damals war der Käufer ein Modemuseum in Chile. Kerry erzählt davon, wie das Korsett von Audrey Hepburn gerettet werden musste, in dem jene zum berühmten Roman Holiday Oscar hineinraschelte, „aus einer verstaubten Box“ - der Zustand war deplorabel bevor sie und ihr Team es restaurieren konnten. Und

dass sie das Internet liebe, „ein wundervolles Instrument“. Bald ziehe man um, nach Bimensy and Long Lane in ein „2000 square foot“ Lagerhaus, das kühler und leichter erreichbar sei. Wie aufgeregt vor jeder Auktion sie sei, „es ist eine Suche, eine Jagd, eine Entdeckung“ - es ist offensichtlich, dass hier ein Mensch seine Bestimmung gefunden hat. Für Dinge, die Trends, Moden und Zeiten überdauern, eigentlich ein schönes, zutiefst in britischer Tradition wurzelndes Konzept: „Ich habe gerade eine alte Dame besucht, die hatte Edwardianische Kleider, die Nähte, die Verarbeitung! Ein Kleid war für ein kleines Mädchen, hundert Jahre alt, wundervoll, simply marvellous!“ Die letzten Schlagzeilen machte das bedruckte Chiffonkleid der thailändischen Designerin Disaya, das Amy Winehouse auf dem 71


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Selbst wenn die Label herausgetrennt wurden - Kelly Taylor erkennt ein Designerkleid. Ein Givenchy Modell von Audrey Hepburn aus den 50iger Jahren konnte sie an Hand einer Fotografie identifizieren. Heute wie damals ein unverkennbares Merkmal guter Qualität: der Louis Vuitton-Koffer ist sich treu geblieben.

In den Kleidern steckt gelebtes Leben. Noch ist sie zu spüren, die Seele, der Hauch von Glanz und Abenteuer. Cover ihres Albums „Back to Black“ anhatte: Disaya hatte es 2006 der noch relativ unbekannten Winehouse geliehen und es dann in ihr Archiv gehängt. „Für die Auktion musste der rote Gürtel rekonstruiert werden“, erklärt Taylor. Natürlich hat ihr Team auch das gemeistert. Das Album selbst verkaufte sich weltweit inzwischen über 3,2 Millionen Mal. Als die Sängerin am 23. Juli 2011 starb, entschied sich die Designerin, das Kleid zugunsten der Amy Winehouse Stiftung für gefährdete Jugendliche auf den Markt zu geben, punktgenau am 28. Geburtstag der Verstorbenen, es wurde für bis zu 20000 Pfund aufgerufen – manchmal dienen solche Phantasiesummen dankenswerter Weise einem guten Zweck. Taylor dazu: „Ich habe zwar schon viele wertvolle Kreationen von Berühmtheiten und Stilikonen verkauft, aber dieses Kleid ist eine Ausnahme. Es erinnert an die magische Stimme und das sublime Talent Amy Winhouses, ein Klang der eine ganze Generation begleitete. Ich bin froh, dass der Erlös für Charity-Zwecke bestimmt ist.“ Und was kommt für Kerry Taylor in Frage?

„Wir verkaufen alles aus dem 20. Jahrhundert, von Street Fashion bis zur Haute Couture – Accessoires, Gepäckstücke, Modeschmuck, Modezeichnungen, Literatur, Photographien, Quilts, Stickereien bis hin zu Spitzen.“ Die Hauptauktionen finden zweimal im Jahr in Kooperation mit Sotheby´s statt, die Reihe heisst „Passion for Fashion“, „zusätzlich zu den sechs Auktionen, die wir im eigenen Haus in West Dulwich veranstalten.“ Wer also noch glaubt, dass sein Paco-Rabanne-Facetten-Kleid aus Polyester, das Mama in den Siebzigern aus Paris mitbrachte, vielleicht noch etwas Geld bringt, muss es spätestens acht Wochen vor der Auktion von den Spezialisten schätzen lassen (kerrytaylorauctions. com). Das kostet nichts, man muss das gute Stück allerdings vorbeibringen und am besten Fotos sowie Label, Zustand und das Kaufdatum vorausschicken. Die „buyer´s premium“, der Anteil des Hauses, beträgt die branchenüblichen 20 Prozent. „Nick aus Jersey“ jedenfalls hat sein Geld gut angelegt – wenn Kate erst Königin ist, kann ihre durchsichtige Jugendsünde schon mal im sechsstelligen Bereich landen. Nick heißt übrigens in Wirklichkeit Nick Roberts und ist der Neffe von David Gainsborough Roberts. Und der muss es wissen. Er hat die wohl grösste Sammlung von Marylin Monroe Memorabilien der Welt. Ich erwache aus meiner Ohnmacht, Kerry fächelt mir Luft zu. Kerry hat mir das Givenchy-Etuikleid gezeigt. Es ist, als ob Audrey es eben abgestreift hat. Bevor sie gerade ging. 73


Lederjacke HAUSACH-COUTURE Kleid BOTTEGA VENETA

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the BY FELIX GLASMEYER

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Kleid LANVIN 76


Jumper/G端rtel PRADA Jacke BOTTEGA VENETA High Heels PRADA 77


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Top MAX MARA

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Kleid VERSACE High Heels VERSACE Manschette UNCOMMON MATTERS

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Top & Pants TALBOT RUNHOF High Heels CHRISTIAN LOUBOUTIN

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Hair: Isabel Peters @ Bigoudi using AVEDA Products / Make-up: Gudrun M端ller @ Bigoudi / Styling: Sascha Gaugel @ Ballsaal / Styling-Assistent: Timo Zickuhr / Model: Esther Heesch @ Modelwerk / Foto-Assistenz: D. Junge


haute texture eric raisina


Der Stoff, aus dem High-Fashion-Träume sind. Exzellent bis ins kleinste Detail. Eric Raisina begeistert mit kunstvoller Haute Texture die Modewelt – intensiv, innovativ und außergewöhnlich authentisch. von Petra Dietz Mit Fotos von: Onin Lorente

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on seinem jungenhaften Auftreten und spitzbübischen Lächeln sollte man sich nicht täuschen lassen. Stoffkünstler und Designer Eric Raisina weiß was er will und vor allem, wie er es will. In seinem Atelier kreiert er akribisch gefertigte Haute Couture, die mit innovativen Ideen überrascht und mit extravaganten Strukturen begeistert. Seine Kollektionen zeugen von einer meisterlichen Handwerkskunst, erscheinen aber bei aller Perfektion niemals seelenlos. Mit außergewöhnlicher Kreativität und sicherem Gespür für Farben und Materialien entwirft Raisina Mode, die Spaß macht, ob man sie nun selbst trägt oder einfach nur auf dem Catwalk bewundert. Seine ersten Stücke entwarf Eric Raisina nicht in Paris, London oder Mailand, sondern in Madagaskar. Die Inselrepublik im Indischen Ozean ist sicher keine klassische Fashion-Destination, doch ihre exotische Schönheit und die Vielfalt der hier produzierten Stoffe inspirierten den talentierten Modemacher. Raisinas Vorliebe für natürliche Materialien wie Seide, Sisal, Leinen, Baumwolle und Bast wurde schnell zu seinem Markenzeichen. Als Eric Raisina den Preis als „New Young Talent“ der Mode- und Textildesigner (MANJA) gewann, wurde ihm damit auch der Weg in die Modezentren geebnet. Er studierte in Paris an der Duperré-Schule Modedesign und machte 1999 seinen Master am Institut Français de la Mode. Schnell wurde man in der High-Fashion-Society auf den begabten Stoffkünstler aufmerksam. Raisina schuf für weltberühmte Modehäuser wie Yves Saint-Laurent und Christian Lacroix einzigartige Roben aus Organza und Seide. 84



Der StoffkĂźnstler Eric Raisina weiĂ&#x; was er will und vor allem, wie er es will.

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Fotos vorherige Doppelseite, links und oben: Onin Lorente Styling: Nataly Lee Hair and make-up: Dollhouse Cambodia Model: Danich Perkins of Sapors Cambodia Assisted by Haniz Yasin

Foto: Roger Spooner

eute entwirft Eric Raisina nicht nur Haute Texture, sondern auch Haute Couture. Auf der Suche nach ausgefallenen Stoffen und extravaganten Webmustern bereist Eric Raisina Afrika und Asien, lässt sich von fremden Kulturen inspirieren. Er liebt es, mit neuen Textilverarbeitungsverfahren zu experimentieren. Eine Leidenschaft, der wir völlig neue Gewebestrukturen zu verdanken haben, wie das glamouröse „Silk Fur“ oder exklusive Spitze aus Bast. Eric Raisinas Kollektionen sind absolut authentisch. Stets stehen seine außergewöhnlichen Stoffkreationen mit ihren starken Strukturen im Fokus. Die ausdrucksstarken Farben, von hell bis dunkel, von bunt bis nude, spiegeln für ihn die Höhen und Tiefen des Lebens wider. Dem Designer aus Madagaskar gelingt Erstaunliches – er eröffnet uns mit Haut Texture eine neue Dimension der Mode.


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mando caligola diao Seit ihrer Gründung 1999 ist viel Zeit vergangen. Spätestens seit ihrem Hit „Dance with Somebody“ aus dem Jahr 2009 sind Sie weit über die schwedischen Grenzen in ganz Europa bekannt geworden. Mando Diao hat das geschafft wovon viele andere Bands träumen. Sie machen das was sie lieben und bleiben sich dabei selbst treu. von Martin Schmidt und Olga Zilinska

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Mando Diao hat seine Anhänger bereits mit fünf Alben beglückt. 2012 startete sie mit Ihrem ersten „Best of“-Album und schließt damit den ersten Abschnitt von Mando Diao ab. Das neue Projekt „Caligola“, dem die maßgeblichen Bandmitglieder Björn Dixgård und Gustaf Norén angehören, findet abseits von Mando Diao statt. Das bedeutet aber nicht das Ende der Band. Es handelt sich um eine Kreativpause, die sich Björn und Gustaf von Mando Diao gönnen. Caligola ist dabei keine eigene Band, sondern vielmehr ein Zusammenschluss verschiedener Künstler mit einem eigenen Album und einer eigenen Tour.

„And I‘m dreaming ’bout times, times that are gone Times when I lived alone in my s geht Euch gut, wie man own land called ochrasy. sieht, – von wo kommt Ihr gerade? hat place was everything to me Wir sind gerade dabei unser neues Projekt „Caligola” The world I made it up you see und das Album „Back to It‘s all there in my fantasy Earth“ zu veröffentlichen. And I believe it.“ Es ist sehr spannend etwas Neues zu beginnen und zu sehen wie es sich entwickelt. Wir haben gerade mehrere Pressetermine in der Schweiz, Deutschland und Skandinavien. Es ist extrem viel zu tun!

2012 hat gerade erst begonnen. Was steht bei Euch alles auf der Agenda in diesem Jahr? Die höchste Priorität hat momentan „Caligola” und dann haben wir noch das „Mando Diao Greatest Hits Album“ im 92


Der Bandname stammt aus einem Traum den Björn Dixgard hatte. In diesem Traum schreit ihm ein Mann die beiden Worte „MandoDiao“ entgegen.Was bedeuten diese beiden Worte für Euch nach so langer Zeit? MandoDiao bedeutet vieles für verschiedene Leute. Ich hoffe man verbindet mit dem Namen gute Musik. Für mich steht der Name für Spaß, großartige Erfahrungen, spannende Auftritte und eine gute Zeit mit den Jungs.

Januar rausgebracht. Des Weiteren arbeiten wir an einem Album in Schwedisch. Wir hoffen auch dieses Jahr am neuen Mando Diao Album arbeiten zu können. Wir werNeben den Musikfestivals seid Ihr aber auch den uns also nicht langweilen. als Soloband auf Tour in diesem Jahr. Bevorzugt Ihr vor euren eigenen Fans aufIhr spielt auf einigen Musikfestivals dieses zutreten anstatt vor Fans anderer Bands? Jahr. Auf welches freut Ihr euch am meisten und wieso? Wir sind kurz mit Caligola auf Tour und Da kommen so einige. Mit Caligola wer- machen ein paar Shows in verschiede- Verliert eine Band mit der Auswechselung den wir in der Schweiz sein. Das wird ein nen Ländern. Wir hatten z.B. gerade von Bandmitgliedern (Daniel Haglund, Spaß. Rock am Ring ist auch eines unse- einen Auftritt in Instanbul. Deine eige- Keyboard und Samuel Giers, Schlagzeug) rer Favoriten. In Berlin treten wir ebenfalls nen Konzerte und Festivals sind eine sehr seine Identität? gerne auf. Es ist eine großartige Stadt. Ei- unterschiedliche Erfahrung. Ein Festival Bei Mando Diao kamen und gingen Bandgentlich ist jedes Konzert und jede Stadt ist wie ein erstes Date, spannend und lei- mitglieder über die letzten Jahre. Es ist eine auf seine Art und Weise speziell. Es macht denschaftlich. Die eigenen Shows sind wie große Familie. Unser Keyboarder Daniimmer viel Spaß! eine Beziehung. Da kann man es langsamer el hatte uns verlassen und tritt nun wieder angehen, kann offener sein und zeigen wer mit uns zusammen auf. Ich denke Mando Du wirklich bist. Es ist ein bisschen wie Diao entwickelt sich immer weiter. Das „Nimm dir die Zeit die du brauchst und lass gehört mit zu unserer Identität. es einfach passieren.“


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m Januar dieses Jahres kam ein Best of Album von Euch heraus. Die meisten Künstler bringen dieses erst kurz vor Ende Ihrer Karriere raus. Blickt Ihr mit einem Auge schon auf das Karriereende und Euer Rentnerdasein? NEIN! Eigentlich wollte es das Plattenlabel so. Es war nicht wirklich spannend für uns, weshalb wir es auch „Vol 1.“ genannt haben. Wir sind noch lange nicht fertig und es wird noch viel gute Musik kommen.Wir sind immer noch jung und kreativ! Es gibt noch viel gute Musik, die wir machen müssen.

Als Ihr eurer Album „Bring ‚Em In“ 2002 released habt, behauptetet Ihr es sei in gewisser Hinsicht runder als vieles von den Beatles und Rolling Stones. Wie habt Ihr damals damit gemeint und was sind Eure musikalischen Vorbilder? Zu Beginn unserer Karriere haben wir viel Zeug gesagt und glaubten es auch. Jeder Künstler sollte denken, dass sein Werk das Beste ist oder warum sollte man es erst machen? Ernsthaft, es gibt so viele gute Künstler von denen man viel lernen kann! Wir können gar nicht sagen wer uns beeinflusst hat. Es sind so viele verschiedene Leute und wahrscheinlich wurden wir auch unbewusst beeinflusst … Das ist das Gute an Musik. Es hat Einfluss auf dein Leben und deine Gefühle. Manchmal eben unbewusst. Was haltet Ihr von der professionellen Vermarktung einzelner Stars und deren Ausstattung mit verschiedensten Produkten durch Unternehmen? Macht sich der Künstler nicht zum Sklaven der Industrie? Naja … ich denke manche lassen sich hinreißen und verkaufen sich selbst. Jeder benutzt Produkte und so ist es unausweichlich, dass Künstler mit einem Logo auf Ihrem Hut, ihrem Auto oder Schuhen gesehen werden. Die Künstler müssen ihre Integrität und Solidarität bewahren. Wenn sie sich entscheiden mit einem Unternehmen zu arbeiten, gut, aber es sollte nach ihren Bedingungen geschehen. Lass nicht das Unternehmen den Künstler steuern! 94


Mit welchen Produkten würdet Ihr euch ausstatten lassen und mit welchen nicht? Es gibt einige die wir nicht mögen oder supporten würden. Im Grunde hängt alles von dem Unternehmen und den Leuten ab, mit denen man arbeitet. Ihr seid alle verheiratet.Wie viel Zeit habt Ihr neben dem Hype um Mando Diao noch für eure Frauen? Wie passt das Image von einem coolen Rock’n’Roll-Leben und verheirateten Männern zusammen? Wir sind wer wir sind. Es gibt kein Vortäuschen und kein Ausleben von einem Image. Das sind wir! Take itorleaveit! Können wir dieses Jahr mit neuen Songs oder einem neuen Album rechnen? Vielleicht, wir arbeiten dran. Zuerst das schwedische Album und dann werden wir sehen. Danke für das Interview und genießt eure Tour! Keine Ursache. Das werden wir.

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Tourdaten CALIGOLA 27.3. Köln / 28.3. Berlin / 29.3. Hamburg / 1. – 3.6. Rock am Ring / Rock am Park / 28.6. Peace and Love Festival Sweden / 29.6. St. Gallen Open Air / 10.7. Burg Clam, Österreich MANDODIAO 30.6. Zagreb / 9.8. Schaffhausen, Schweiz / 12.8. Budapest


GUT BEHÜTET FOTOS: ALEX KAHAN REALISATION: MARCO HÜLSEBUS, YILMAZ AKTEPE

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Hut RIKE FEUERSTEIN Kleid BOTTEGA VENETA

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Styling: Yilmaz Aktepe / Hair&Make-up: Marco H端lsebus, marcohuelsebus.de mit Produkten von Chanel, Bumble&Bumble / H&M-Assistent: Yasmin Farman / Model: Lili Sumner, Storm Models / Post Production: Piquee / Danke an phaseone / Location: Studio28 by Katja Memminger

Hut RIKE FEURSTEIN Kleid JIL SANDER Schuhe GIORGIO ARMANI


Hut JIL SANDER Jacke/Hose COS


Hut VINTAGE Top ACNE

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Hut RIKE FEURSTEIN Kleid JIL SANDER

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Photographer: Straulino / 1st Assistant: Johannes Spengler / 2nd Assistant: Yubi Hoffmann / Stylist: Jesper Gudbergson / Makeup: Tracy Alfajora, Joe Management / Hair: Teddi Cranford / Models: Heide Lindgren, Anna Lundgaard, Ana Mihajlovic, Sharan Bala, Nana Keita, Palloma Dreher, Ediely Scapinello, Sian Abbott, Dinara Chetyrova, Anastasia Kodkina; all prepresented by MUSE MANAGEMENT / Production: Julie Sinios, MUSE MANAGEMENT / Post Production: Cathrin Bauendahl, elektronischeschoenheit.de / Thank you for making this story happen: Anna L., George Best, Jane Son, Lindsay Carr, Patricia Black, Sassie Baré, Zenia Jæger, Charlie Lena Hürzeler, Agency V, Albright Fashion Library, Bradbury Lewis, Krupp Group.

Hut VINTAGE Kleid CALVIN KLEIN COLLECTION


Hut FIONA BENNETT Kleid DRIES VAN NOTEN

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Foto: Joe McGorty


tweed run Den Stil zurück ins Fahrradfahren bringen. Zurück in die Zeit, als die Welt, zumindest von der modischen Seite her betrachtet, noch in Ordnung war. Weg von multifunktionalen Stretch-Radlerhosen, die viel zu oft Dinge enthüllen, die Mann oder Frau lieber nicht zeigen würden. Im Jahr 2009 wurde in London die Veranstaltung Tweed Run ins Leben gerufen. Die hauptstädtische Fahrradtour, ein Gruppenevent mit einzigartigem Stil, findet seither jährlich statt und tut auch noch Gutes dabei – nicht nur fürs Auge! von Anna Weber Mit Fotos von Joe McGorty und Oleg Skrinda

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Reine Stilsache: zum „Tweed-Run“ treffen sich Traditionsliebhaber, um den Geist eines vergangenen Zeitalters wiederzubeleben – in Tweed, versteht sich!

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E Foto: Joe McGorty

Foto: Oleg Skrinda

inmal im Jahr treffen sich Traditionsliebhaber, um gemeinsam eine Ausfahrt durch das Zentrum von London zu machen. Der Geist eines vergangenen Zeitalters soll so wiederbelebt werden. Die Teilnehmer sind dazu aufgefordert, in klassisch britischer Fahrradkleidung zu erscheinen. Das sind vor allem Knickerbocker-Anzüge aus Tweed, was den Namen des Spektakels erklärt. Bezüglich des Fortbewegungsmittels gibt es eigentlich keine Einschränkungen – solange es ein Fahrrad ist, aber die Teilnehmer werden selbstverständlich ermutigt, mit zweirädrigen Oldtimern anzutreten, um das Bild noch ein wenig kompletter zu machen. Der weltweit erste Tweed Run fand im Januar 2009 in London statt, organisiert von London Fixed Gear und Single Speed, einem Online Fahrrad Forum. Beim zweiten Tweed Run im April 2010 zählte die Veranstaltung bereits

400 registrierte Teilnehmer. Seitdem hat sich die Idee fast viral verbreitet. Tweed-Ausfahrten gibt es mittlerweile in mehreren amerikanischen Bundesstaaten – ganz nach dem Vorbild des britischen kleinen Bruders. Auch in Athen, Helsinki, Paris, Pescara oder Florenz, Riga, Sydney, Tokio und Berlin gab es bereits ähnliche Veranstaltungen. Die erste Ausfahrt in London vor drei Jahren hatte eine Länge von etwa 36 Kilometern und startete am Hanover Square mit einer Fahrt durch die berühmte Schneiderstraße Savile Row, führte von da einmal um den Regent’s Park herum, durch den Hyde Park und am Green Park vorbei, an der Themse entlang über Shoreditch, South Hackney, einmal um den Victoria Park und endete am Working Men’s Club in Bethnal Green. Gestoppt wurde unter anderem bei dem traditionellen Gentlemen’s Barber Geo F. Trumper in der Jermyn Street, wo der Preis für den besten Oberlippenbart vergeben wurde. Die eleganteste Dame – die ‚Most Dashing Dame‘ – und der schneidigste Bursche – der ‚Most Dapper Chap‘ – wurden bei der Bank of England gekürt. Selbstverständlich gab es auch einen Preis für das beneidenswerteste Vintage Fahrrad und zum Abschluss einen ‚oh so british‘ Gin and Tonic – oder zwei. Die Startgebühren wurden für einen wohltätigen Zweck gespendet. Die Organisation bikes4africa restauriert Fahrräder und verschifft sie nach Afrika, wo sie an Sekundarschulkinder mit langen Schulwegen verteilt werden. Der Antrieb der Tweed-Runner ist wohl Nostalgie. Und vermutlich der Wunsch, die Welt ein bisschen schöner zu machen. Ende letzten Jahres ist Rugby Ralph Lauren als Partner und Sponsor eingestiegen.

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ie amerikanische Mode-Ikone, die schon immer ein Faible für ‚Britisch Heritage‘ hatte, promotete damit den im August 2011 eröffneten ersten europäischen Store seiner Rugby Linie. Treffpunkt der TweedRunTeilnehmer war der Londoner Flagship-Store in Covent Garden. Um das Erlebnis Tweed-Run mehr als nur ein stylisch gekleidetes ‚In-die-Pedale-Treten‘ werden zu lassen, wurden spezielle Aktivitäten und Stopps auf der Route angeboten. Es gab eine klassische Teepause in den Anlagen der Royal Avenue in Chelsea und auf einer exklusive Soiree am Ende der Tour hatten die Teilnehmer die Chance, sich unter Gleichgesinnten noch ein Gläschen zu gönnen. Ganz im Sinne der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen – ‚Don’t drink and drive‘! Und da das Thema Wettstreit für die Engländer auch kein Fremdwort ist, wurden selbstverständlich auch diesmal Preise für herausstechende Outfits verliehen. Die auf 250 Registrierungen beschränkte Onlineanmeldung war zwei Stunden nach Freischaltung erschöpft. 50 weitere Plätze konnten mit Hilfe eines Gewinnspiels im Rugby Ralph Lauren Store ergattert werden. Bei so viel Zustimmung und Spaß an dem Event darf selbstverständlich auch der ursprüngliche Gedanke, die Welt ein bisschen schöner zu machen, nicht vergessen werden. Der London Rugby Tweed Run 2011 sammelte Gelder, um die Organisation World Bicycle Relief zu unterstützen, die im Jahr 2005 als Reaktion auf den Tsunami im Indischen Ozean gegründet wurde. Zusammen mit Hilfsorganisationen in Sri Lanka verteilte World Bicycle Relief 24.000 Fahrräder und half damit einigen Betroffenen, zurück ins Leben zu finden. Durch die Möglichkeit Entfernungen zu überbrücken, konnte nicht nur Zugang zu Bildung und me-

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dizinischer Versorgung geschaffen werden, auch die Existenzgrundlage vieler Arbeiter konnte damit erhalten bleiben. Nach dem immensen Erfolg in Sri Lanka, wurde World Bicycle Relief von diversen Hilfsorganisationen, die in Sambia tätig sind, angesprochen. Dort leiden etwa 40 Prozent der Bevölkerung unter den Folgen einer HIV-Erkrankung. Es wurden 23.000 Fahrräder für medizinisches Fachpersonal zur Verfügung gestellt, damit es unabhängiger agieren und einfacher zu den Patienten kommen kann. Auch wurden Menschen vor Ort ausgebildet, die Fahrräder in Schuss zu halten und selber bauen zu können. Mittlerweile gibt es diverse Bildungsprogramme, bei denen sich World Bicycle Relief engagiert. Das Ziel der Organisation ist, mit der einfachen und nachhaltigen Natur eines Fahrrads den Menschen vor Ort mehr Kraft zu geben. Foto: Stuck in Customs

Foto: Oleg Skrinda

Foto: Brooks

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Der Antrieb der TweedRunner ist wohl Nostalgie, und der Wunsch, die Welt ein bisschen schรถner zu machen.

Fotos: Joe McGorty

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ine ehrenvolle Aufgabe und kein ganz alltäglicher wohltätiger Ansatz, aber einer der die Umstände dauerhaft verbessern kann und ein für uns gewöhnliches Fortbewegungsmittel in einen ganz anderen, viel mächtigeren Fokus rückt. Der Fokus beim Tweed Run liegt vor allem auf Style und dem nostalgisch angehauchten Kontakt mit der Zeit vor Massenproduktion und ständig wechselndem Fashion-Diktat. Eine Zeit, in der Qualität auch für die breite Masse noch etwas zählte und zählen konnte. Eine langsamlebige Zeit, in der andere Werte galten, oder besser, es überhaupt noch Werte gab. Auf dieses warme Gefühl der Beständigkeit und den immer stärker werdenden Wunsch nach einem geordneten, adretten Leben, in dem es nicht so viel Kampf und Überraschungen gibt, auf die Idee von einer vergangenen Zeit in der ein gepflegtes Aussehen noch viel mehr dazu gehörte und sich ganz bestimmten Regeln unterwarf, springen Traditionshäuser mit langer Historie als Sponsoren gerne auf. Neben dem Haus Ralph Lauren mit seiner Rugby-Linie zählen Johnny Walker mit seinem Blue Label, der Barbier und Männerpflegespezialist Murdoch London, die Teefirma Jeeves and Jericho, Pashley Cycles, Englands am längsten etablierter Fahrradhersteller und Brooks England, Kultsattelhersteller und älteste Manufaktur der Welt, zu den Sponsoren. Die Tweedanzüge abzustauben und die zuverlässigen Drahtesel vorzubereiten, hierzu fordern die Veranstalter die Teilnehmer auf. Aber auch die zuverlässigsten Gefährte müssen sich manchmal höheren Umständen beugen. Der für den Oktober letzten Jahres angesetzte Rugby Tweed Run New York musste, so wie er geplant war, abgesagt werden. Das Datum fiel in die aktive Zeit der Bewegung Occupy Wall Street und die über die ganze Stadt

Foto: Joe McGorty

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verteilten Zusammenkünfte ließen die Veranstalter entscheiden, das ohnehin unvermeidbaren Verkehrschaos nicht noch zu steigern. Und auch der für den gleichen Zeitraum geplante Tweed Run in Tokio wurde aus gegebenem Anlass verschoben. Anlässlich der Vorkommnisse sahen die Veranstalter den Zeitpunkt als unpassend für so ein positives, fröhliches Event an und entschieden, zusammen mit einem ihrer Partner in Tokyo, ein Charity-T-Shirt zu produzieren, um Gelder für den Erdbeben-Relief-Fund zu sammeln. Mittlerweile gibt es diverse Merchandise Produkte, die sich alle um das Thema, Stilvolles Fahrradfahren, drehen und den Tweed-Run-Teilnehmern die Suche nach einem passenden Outfit erleichtern. Ob Schlägermützen, Kultsättel, Flachmänner oder Tweed Plus Two’s – entsprechend den Plus Four Knickerbocker-Hosen enden diese bereits zwei Inches unter dem Knie und erzeugen so einen noch schnittigeren Look – alles lässt sich auf der Webseite bestellen. Es kann also nichts mehr schiefgehen. Tally Ho! Auf geht’s zum nächsten Tweed Run – eine gelungene Idee, die stilsicher Spaß, Nostalgie und das gute Gefühl, die Community der Fahrradfahrer um einige wertvolle Mitglieder reicher zu machen, vereint.

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Wie findet man ein Restaurant, das kein Telefon hat, noch Reservierungen entgegennimmt? Man folge dem Gossip, den Empfehlungen der Locals und der Schlange bis zum Eingang. Die Bescheidenheit des Londoner SzeneGastronoms Russell Norman, macht ihn und seine Locations so begehrt. Spuntino heißt „Snack Bar”, ist aber eigentlich ein Platz zum Verweilen. von Janine Dudenhöffer Fotos von HEIKO PRIGGE

Spuntino für

Spontane 112


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Kein Prunk, kein Protz. Aber Kommunikation und vor allem gutes Essen und Trinken.

Mr. Norman, Spuntino ist eines von fünf Restaurants, das Sie innerhalb der letzten zwei Jahre eröffnet haben. Was ist denn das Besondere und Faszinierende an Londons Gastro-Szene? Nun, London ist momentan noch aufregender, fesselnder und spannender als sonst. Es gibt viele kleine Betreiber, die außergewöhnliche Konzepte auf die Beine stellen. Die Auswahl an Top-Qualität zu erschwinglichen Preisen ist größer denn je, da die Rezession Restaurants dazu gezwungen hat, das Besondere auch in coolen, weniger exponierten Gegenden anzubieten. Echte Werte zählen wieder. Die da wären? Zurückgenommenheit im Auftritt, kleine Räume, Vintage-Möbel. Kein Prunk, kein Protz. Kommunikation und vor allem das Essen im Focus. Klingt simple und gut. Wie kamen Sie auf die Idee? Wenn ich verreise, dann nach New York oder Venedig. Ich habe mich bereits als Student in Venedigs Kunst und Archi-

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tektur verliebt. Aber erst, als ich meine Frau zum ersten Mal mitnahm, wurde mir bewusst, was mir die ganze Zeit vor der Nase lag. Venedig ist so eine wahnsinnig aufregende Food-Destination, all diese winzigen Bars, Bacari genannt, wo die Einheimischen Wein süffeln und Snacks zu sich nehmen. Ich beobachtete sie eine Weile und dachte: Genau das will ich auch. Nur eben in London. Und ihr Lieblingsrestaurant in New York? Meine Vorliebe für gemütliche Lokalitäten, die etwas Überraschendes bieten, führt mich regelmäßig zu Shopsin’s im Essex Street Market. Es ist eine winzige Marktbude, ein American Diner, und der Eigentümer und Koch, Kenny Shopsin, ist ein eigenwilliger Local Hero. Das heißt nicht, dass ich mir ihn zum Vorbild genommen habe, Kenny ist schon ziemlich verrückt, ich will nur sagen, dass New York der Londoner Gastro-Szene um ca. 10 Jahre voraus ist.

Die drei von der „Tankstelle“: die ausgezeichneten Köche des Spuntino


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Was haben Sie studiert? Nicht etwa Marketing? (Schmunzelt) Nein, nein, ich arbeite seit über 20 Jahren in Restaurants – als Bedienung, Barkeeper, Manager. Bitte erklären Sie uns das Konzept von Spuntino in einem Satz. Spuntino ist eine Mischung aus Diner und Cocktail Bar inmitten der schäbigsten und Furcht einflößendsten Gegenden von Soho, wo Drogen und Sex noch auf der Straße liegen. Ich kann keine Tische erkennen. Genau, das ist das Konzept. Spuntino hat nur eine riesige Bar in U-Form. Gegessen wird auf Barhockern, umringt von Fremden, mit denen man letztendlich immer ins Gespräch kommt. Was ist das Besondere an den Räumlichkeiten? Diese Räume sind die nackten Knochen des Gebäudes. Als die Umbauten für das Restaurant letztes Jahr hier begonnen haben, fanden wir wundervolle Kacheln und Ziegel. Wir haben Sie einfach drin gelassen.

Neben dem Trüffel-Ei-Toast gehören die verschiedenen Miniburger zu Spuntinos Highlights

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Diner- und Cocktail-Bar inmitten der schäbigsten und Furcht einflößendsten Gegend von Soho.

Wie würden Sie Ihre Kunden beschreiben? Es sind Soho People, die Komfort in einer abgefuckten Umgebung mit lauter Musik und großartigen klassischen Cocktails bevorzugen. Und was bestellen diese Leute? Die Miniburger sind sehr beliebt, vor allem der „Mac & Cheese“ ist berühmt für seine unverschämte Verarbeitung drei verschiedener Käsesorten. Am meisten gesprochen wird allerdings über unseren Trüffel-EiToast. Den sollten Sie probieren! Und welchen Drink dazu? Einen Negroni! Eine brilliante Mischung aus Gin, Campari und süßem Wermut. Ihre Köche sind ausgezeichnet und bekannt für ihre Kreationen auf Top-Niveau. Warum arbeiten sie lieber bei Ihnen als in einem Sternerestaurant? Ganz einfach. Weil unsere Köche nicht an Michelinsternen und schickem Tralala in-

teressiert sind. Wir servieren gut gemachten Komfort, die Tischdecken und das Silberbesteck überlassen wir den anderen. Und Sie. Sind Sie ein guter Koch? Meine Kinder essen immer, was ich ihnen koche. Also ja, ich hoffe sehr. Wie viel lassen die Gäste an einem Abend im Schnitt da? Eine übliche Rechnung? So ca. 26 Euro pro Kopf. Und wie lange bleiben die Kunden? Zwischen 60 und 90 Minuten. Warum gibt es kein Telefon oder die Möglichkeit, online zu reservieren? Weil es ein winziger Laden mit nur 26 Barhockern ist. Es wäre wirkich albern, dafür Reservierungen entgegenzunehmen. Einfach reinkommen, hinsetzen, essen und trinken.

Und was ist mit den Warteschlangen am Eingang – bei dem Hype um Spuntino nicht verwunderlich. Wie gehen Sie mit ungeduldigen Gästen um? Ach, das geht schon. Die Wartezeiten sind gar nicht so lange (10 bis 20 Minuten im Schnitt) und mit ersten Drinks und Snacks in der Hand kommt es einem noch kürzer vor. Sie werden der „König der Rezessionsrestaurants“ genannt. Wie würden Sie sich selbst bezeichnen? Gar nicht. Ich eröffne schließlich nur Restaurants, in die ich selbst gerne gehen würde. Spuntino, 61 Rupert Street, London

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LONDON

NEWCOMER Diese Stadt hat ihren eigenen Stil. London pulsiert, vibriert und kann die wohl kreativsten Design-Talente vorweisen. Sie verstehen es wie kein anderer, traditionelles Handwerk auf hĂśchstem Niveau mit experimentellen EinflĂźssen zu verbinden. Quality stellt drei der angesagtesten Label der Londoner Fashion-Szene vor. von Yvonne Schippke

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Cooperative Designs Wie ein roter Wollfaden ziehen sich grafische Kachelmuster und lebendige Streifen durch die begehrten Kreationen des Londoner Strickdesigner-Duos Annalisa Dunn und Dorothee Hagemann. Kennengelernt haben sich die beiden Ausnahmetalente während ihres Studiums an der Central Saint Martins, wo sie ihre Vorliebe für Strick entdeckten. 2007 gründeten sie dann ihr eigenes StrickLabel Cooperative Designs, welches wie ein Blitz einschlug und kurze Zeit später ließen Kooperationen mit Designer Hussein Chalayan sowie dem italienischen Traditionshaus Stefanel nicht auf sich warten. Im Herzen von East London, dort wo sich ihr gemeinsames Designstudio befindet, ist der kreative Hot Spot der beiden Ausnahmetalente. Hier schmieden sie Ideen, setzen sie um und treffen Entscheidungen über wichtige Details: von der richtigen Faser über die Stichlänge bis zu den typischen Merkmalen, die den luxuriösen Maschen-Mix von Cooperative Designs zu Strickkunst werden lassen. Das Stricken haben sie von ihren Großmüttern gelernt. Bis heute haben sie ihr handwerkliches Können so perfektioniert, dass sie ihre Entwürfe in einen ganz neuen und experimentellen Zusammenhang setzen können und wie moderne Interpretationen klassischer Knitwear aussehen lassen. Angelehnt an Bauhaus und den russischen Konstruktivismus sind ihre Arbeiten vor allem aufgrund ihrer lockeren Schnitte und den linearen Formen gefragt. Die aktuelle Kollektion „Wish You Were Here“ ist bunter denn je und erinnert an die Idylle britischer Hügel-Landschaften in Kontrast zu den Beton-Silhouetten der Großstadt. Unterstützung bekamen sie dafür von dem Kopenhagener Label Won Hundred, welches mit ihnen Jeansröcke entwarf. Das Berliner Brillen-Label Lunettes Kollektion halt die erste Sonnenbrillen-Linie von Cooperative Designs zu lancieren. Regelmäßige Kooperationen mit anderen Talenten gehören für Annalisa und Dorothee zum Konzept. Ihr Label soll nicht nur für hochklassige Strickmode stehen, sondern gleichzeitig Plattform für gleichgesinnte, kreative Künstler sein. Kreativität und Einsatz werden belohnt: denn internationale Online-Shops und Fashion-Stores von Italien bis Australien reißen sich um die wilden Stricksachen der zwei Mode-Genies. Sie haben eben die „Masche raus“. 120



David David Knallige Farben, die sofort die ganze Aufmerksamkeit fordern, schillernde Prints mit großer Präsenz und schlichte Silhouetten, die dem außergewöhnlichen Artwork den Vorrang lassen: David Saunders, Künstler und Designer des Londoner Labels David David, ist ein wahrer Virtuose, wenn es um grafisch gestaltete Mode geht. Ein weißes Blatt, dass ist für ihn Magie: „ich muß ein leeres Blatt Papier sofort bemalen“. Unbedruckte Kleidung hat für ihn dieselbe Inspiration. Kein Wunder also, dass er 2006 Pinsel und Farbe in die Hand nimmt und das Label David David ins Leben ruft. Er beginnt zunächst schlichte Basic-Shirts mit der Hand zu bemalen und sie so in unverwechselbare Einzelstücke zu verwandeln. Jedes mit ungewöhnlichen kaleidoskopähnlichen Formationen, geometrischen Mustern und wie zufällig entstandenen Klecksen. Dass er eigentlich Grafiker ist, kommt ihm in der Mode zu Gute: die schrillen Prints sind bis heute sein Markenzeichen. 2008 präsentiert der 34-Jährige seine vielversprechende Streetwear-Linie erstmals auf dem Fashion East in London, ein


Catwalk-Festival für junge Designer, bei dem jede Saison drei Newcomer mit einem Preisgeld ausgezeichnet werden. David gewinnt auf Anhieb und avanciert zum Liebling der Journalistin und Mode-Kritikerin Suzy Menkes, was ihn für die Fashion-Szene nur noch interessanter macht. Davids Kreationen haben Must-have-Status erlangt und Alice Dellal, deren eigenwilliger Look perfekt dazu passt, ist ihr größter Fan. Sie sind so gefragt, dass David sich mittlerweile ganz und gar seiner Kollektionen, bestehend aus T-Shirts, Pullover, Baseball-Jacken und Tücher für Männer als auch Frauen, sowie dem Entwickeln von aufwendigen Grafiken widmet. Die absolute Verschmelzung zweier Handwerke, dem Zeichnen und dem Nähen, machen seine Arbeiten zu begehrten Lieblings-Stücken. Das zeigt sich auch anhand der zahlreichen Anfragen etablierter Konzeptstores, wie dem exklusiven Designer-Shop Dover Street Market, die seine ausgefallenen Entwürfe liebend gerne anbieten wollen, nicht zuletzt, um die hippe Londoner Mode-Szene anzulocken. Gut, dass der vielseitige Herr Saunders auch an das internationale Publikum denkt und seine Mode über den Online-Shop Daviddavid.bigcartel.com für alle zugänglich macht.

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New Power Studio Schaut man sich diese großzügig geschnittenen Wohlfühl-Pullover an, möchte man sofort hineinschlüpfen. Klare Formen, ohne Schnörkel, das war schon immer Thom Murphys Motto. Auch als er sich als Stylist für Modemagazine regelmäßig auf die Suche nach neuen Trends begab, bevor er sich mit dem Womenswear-Designer Ebru Ercon, der schon für Stella McCartney arbeitete, zusammenschloss. Die beiden Londoner hatten nur ein Ziel, ihre eigenen Vorstellungen von Mode umzusetzen. Und das ist ihnen 2008 mit der Gründung ihres Labels New Power Studio auch gelungen. Schon zwei Jahre später konnten sie ihre erste Unisex-Kollektion, welche ihre Affinität zu Grautönen dokumentierte, auf der London Fashion Week zeigen und somit endlich einem breiten Publikum zugänglich machen. Die Britische Modewelt stand sofort Kopf und Anfragen renommierter Onlineund Konzept-Shops stapelten sich. Bei der Entstehung ihrer Entwürfe haben beide immer eines im Hinterkopf: „Unsere Mode soll nur nicht bei langweiligen Leuten landen.“ Langweilig sind ihre Entwürfe absolut nicht. Obwohl minimalistisch und frei von Überflüssigem, sind sie laut und haben Charakter. Zu den Lieblingsstücken der beiden Modemacher und deshalb unverzichtbar in jeder ihrer Kollektionen, gehören Jogginghosen und Oversized-Shirts. Das mag uns zu leger klingen, doch die perfekte Verarbeitung lässt die Streetwear-Klassiker zu wahren Objekten der Begierde unter dem Londoner Szene-Publikum aufsteigen. Legendär sind auch ihre übergroßen Kopfbedeckungen, die wie eine eigenständige Hut-Kollektion wirken – ob in Form einer Trommel oder eines riesigen Turbans. Für die Präsentation ihrer Modelle verzichten Thom und Ebru auf klassische Photo-Shootings und setzen stattdessen auf Fashion-Videos. „Wir finden es interessant, Mode in Filmen zu präsentieren“, erzählt Thom Murphy. Ihre Frühjahr-Sommer-Kollektion 2012 haben sie „Birth Death Marriage“ genannt. Wie der Name schon erahnen lässt, wurde die Kollektion in Weiß und Schwarz getaucht. Und wie sollte es anders sein, der Hype um die Design-Stars hält an. Sowohl die Mode-Presse als auch internationale Einkäufer und Blogger sind voll des Lobes für Thom und Ebru.

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Photo: Uriel Sinai/Getty Images


TEL AVIV

Vvon Harald Nicolas Stazol

Blick nach

Da tut sich was, modetechnisch, in Tel Aviv: Seit dreißig Jahren zum ersten Mal wurden dort Modewochen abgehalten - eine einzigartige Initiative für junge Talente ein Beispiel, das in Deutschland Schule machen könnte


oberto Cavalli, kein geringerer, einer der coolsten Modemacher Italiens, steht in Tel Aviv... Moment mal: Wo? In Tel Aviv. Und sagt, dass die Frauen hier so wunderschön seien, und dass die Fashion Week hier... moment mal, wo? In Tel Aviv! Eine der tollsten sei, die er je besucht hat. Der italienische Botschafter steht daneben... wo? In Tel Aviv, klar. Nach dreißig Jahren gibt es hier wieder eine Modewoche, alle sind gekommen, ausser den Rabbis, denen die Interpretation eines cross-dressed Brautpaares, er als Frau, sie als Mann, wohl nicht gefallen würde. Aber man muss als deutscher Journalist... wo? In Tel Aviv, ist ja gut! Eben besonders aufpassen, die Gastgeber sind überaus aufmerksam, und während man versucht, möglichst wenig anzuecken, schreit Dorit Bar-Or gerade die israelischen Journalisten zusammen, „lasst mich in Ruhe ihr Israelis!!!“ - sowas würde ein deutscher Journalist nie sagen, er dürfte es auch nicht, betroffen notiert er den Satz - weil sie lieber mit der ausländischen Presse sprechen will über ihre Kollektion, als zum x-ten Mal mit den Einheimischen, auch wenn sie zugegebenermaßen im wirklichen Leben eher Fernsehstar ist. Ihre Marke heisst „Pas De Toi“, nicht von dir, „ich wurde so oft gefragt, von wem das Design eigentlich ist, und ich habe immer nur gesagt, nicht von Dir“, jetzt wallt ihre rote Mähne besonders eindrucksvoll, zu schweigen von den feuerroten Lippen und sie scheucht diesmal das israelische Staatsfernsehen aus dem Bild. „Nein, nicht anfassen, ihr macht mir meine Pailetten kaputt“. So etwas hat Israel seit 30 Jahren nicht gesehen, genaugenommen kann sich niemand recht erinnern, wann eigentlich die letzte Modenschau in Tel Aviv war. Es ist eine Idee des Touristikministeriums, die begeistert aufgenommen wurde, um der heimischen Modewelt einen kleinen Schub zugeben, vielleicht ja in Richtung New York und Paris, nun kooperiert man also mit Mailand, und die Hoffnungen sind groß: 18 Designer zeigen in drei Tagen ihre Kreationen, man erwartet 20000 Zuschauer, und natürlich auch die große Chance. Am besten entdeckt werden von Roberto Cavalli, das wär´s doch. Der 26jährige Designer Alon Livne, der schon das israelische Topmodel Bar Rafaeli mit seinen Kleidern versah, er ist der jüngste Teilnehmer, sieht das so: „Wir haben so viele talentierte Designer in Israel, die Fashion Week ist die Chance unser Potenzial der ganzen Welt zu zeigen.“ Seine Mode? „Scharfe Formen, 128

N SAAR FOTO: DORO

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Oben links: Roberto Cavalli mit Frau Eva spricht aus was er fühlt: „Israel is in my heart“. Mitte links: Fashion Designerin und Schauspielerin Dorit Bar Or. Unten links: Ofir Lev, Organisator der Tel Aviver Fashion Week. Rechts: Modelle von Yosef Peretz


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FOTO: AVI VALDMANN


FOTOs: AVI VALDMANN

Oben links: Model von Dorit Bar Or Oben Mitte: Model von Tovale Oben rechts: Model von Gideon und Karen Oberson Oben: Krönchen für die Models von Dorin Frankfurt aus der Sommerkollektion „Blossoms“

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starke Silhouetten, die ich für starke Frauen kreiere.“ Er hat schon für Alexander McQueen und auch für Cavalli gearbeitet, er ist jung, er sieht gut aus, und wenn man ihn so hört, denkt man, vielleicht kann es ja wirklich gelingen, Israel auf die Bühne der Mode zu bringen, ja, vielleicht sogar zu dort zu verankern.

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in alter Bahnhof aus den dreißiger Jahren in Jaffa, man kennt den Film „Exodus“ nach dem Roman von Leon Uris, es ist eine wunderschöne Hafenstadt, wurde zum Ort der Schauen, roter Teppich inklusive, neulich hat ein Freund noch gesagt, hier gebe es die schönsten Menschen der Welt, egal. Roberto Cavalli sagt gerade der jungen Dame von FashionTV, sie sei eben besonders hübsch und deswegen sei es ihre Pflicht, die Designer des Landes ganz besonders intensiv zu inspirieren. Der Botschafter nickt. Das Mädchen umklammert ihr Mikro und weiss nicht so recht. Frau Cavalli bekommt soeben einen Drink gereicht, „oh thank you“, ihr Mann hat soeben seine Frühjahrskollektion nochmal vorgeführt in – ja! Tel Aviv. Tamar Primak und ihr Label Ishtar gibt es – wundervolle Knöpfe, alte Spitze, Stickereien – die natürlich Palästinenserinnen nähen und besticken. „Eine Praxis, die erstaunlich weit verbreitet ist“, wie die englische Journalistin Lisa Armstrong vom Daily Telegraph erstaunt feststellt: „But it‘s tough making a living from fancy clothes in a country that until relatively recently considered fashion and tailoring bourgeois relics from Europe, a place where things hadn‘t exactly panned out brilliantly“ - es sei schwer, als Schneider zu überleben in einem Land, dass Mode und Schneiderkunst als bourgeoise Relikte Europas sah, in dem ja, wie man weiss, nicht immer alles besonders brillant lief“. Auch so ein Satz, den ein deutscher Journalist nie auch nur zu denken wagt. „Vielleicht sind wir ja bessere Botschafter, als unsere Politiker“, sagt eine junge Dame – wobei zu bemerken ist, dass die Drängeleien vor den Shows noch ein klein wenig brutaler ablaufen, als in Mailand etwa oder in Paris, aber man ist eben sehr leidenschaftlich hier – auch wenn man sich hüten muss vor solch pauschalen Urteilen, dennoch, so ein Rippenstüber ist eine unangenehme Sache, ob von einem Israeli verursacht oder nicht. Cavalli hält seine Sonnenbrille fest, er wedelt mit der Hand, ihn hat man eingeladen und es ist eine Vereinbarung unterzeichnet worden, dass mindestens sechs israelische Designer ihre Kollektionen in Mailand zeigen dürfen. Eigentlich wollte man ja John Galliano einladen, aber die Debatte ging gegen ihn aus wegen seine antisemitischen Ausbruches neulich, naja. Er war ja auch sehr betrunken. Aber ein Aufschrei wäre durchs Land gegangen, irgendwie ist der Typ hier gerade, in Tel Aviv, nicht besonders koscher, dann eben Cavalli. „Ihr müsst aber schon etwas Geld investieren“, sagt der gerade, und „die Metropolen der Mode sind eben Paris und Mailand“, naja, bis jetzt jedenfalls. Aber auch New York hat in den 50ern ja ganz klein angefangen. Dort war es eine andere Dame jüdischen Glaubens, die den Weg für Amerika ebnete, und keiner glaubte ihr damals am Anfang: Eleanor Lambert. Ihre Kontakte nach Paris, ihr unermüdlicher Einsatz, ihr jahrzehntelanges Engagement waren es, denen wir heute die New York Fashion Week überhaupt zu verdanken haben. Sie wurde schwerreich und saß bei ihrem Empfang für das internationale Pressecorps als charmante alte Dame in einem 20 Zimmer-Apartment an der Upper East Side mit Blick auf den See des Central Parks. Es geht also, wenn man nur will. 131


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ur die Palästinenser fehlen. „Palästinenser, sie sind nicht anerkennbar“, sagte Golda Meir, die Premierministerin Israels einst – und tatsächlich, es sei in aller Behutsamkeit angedeutet, findet man unter den Schauen keinen einzigen Palästinenser. Aber das nur als apercu, eine Bemerkung, und ja, man bemerkt es. Eigentlich kennt die Mode ja keine Nationalität, sie ist unparteiisch, ätherisch-ästhetisch, aber hier, in Tel Aviv, sieht man sie schon ein wenig, die Nähe zum Nahen Osten: Natürlich orientalische Einflüsse wirken da, der Goldbrokat auf schwarz, Kaftane – vor dreißig Jahren war man in der Levante eher auf Sandalen und Bikinis abonniert. Aber damals war Beirut auch noch das Paris des Ostens. Nun denn: Goldene Cocktailkleidchen, die man getrost auf der Avenue Ben Gurion tragen kann, an einem lauen Sommerabend. Dana läuft natürlich auch, die hübsche Transe mit dem Grand-Prix-Titel, auch das gehört zu Israel. Es ist ja nicht so, dass man sich noch nicht international ausgerichtet hätte: Yanif Persy, 33, der Kopf vom Persy Ltd., hat nach seinem Modestudium Zeit bei Donna Karan, Roberto Cavalli und John Galliano verbracht. Er lässt seit zwei Jahren in Mailand fertigen, pendelt zwischen Europa und Tel Aviv und zeigt bei der Fashionshow das erste Mal seine Kollektion in der Heimat. Seinen Stil bezeichnet er als „ein bisschen gotisch, kraftvoll und sehr feminin“. Als Materialien verwendet er hauptsächlich Wolle, Leder und Seide, die er in klaren Schnitten miteinander kombiniert. Ein Kleid sticht hervor: Es ist partout assymetrisch, rechts herab verwandelt sich der Rock in eine Art Sacktasche und sieht nicht nur ausserordentlich bequem aus, auch in Mailand würde man damit bestehen. Der Federtraum in Crème – ups, ja, der war ja von Cavalli. Israel hat auch eine sehr renommierte Modeschule, das Shenkar College für Fashion und Design – es hat unter anderem Alber Elbaz, den Meister der kühlen Moderne, hervorgebracht. Und ja, dort gibt es auch palästinensische Studenten.

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Tel Aviv bei Nacht: die Metropole bietet tanzwütigen und partytauglichen Menschen jede Menge Angriffsmöglichkeiten. Oben links: der alte Bahnhof von Jaffa ist heute ein beliebter Spot für Veranstaltungen und In-Treffs .


FOTOS: D ORON SA AR

Engel in Tel Aviv: sakrale und feenhafte Designs, hier von Altmeister Cavalli, fanden die Bewunderung der Zuschauer.

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blutsbrüder FOTOS MAX HÖLL STYLING STEFANIE SCHWAIGER


Mantel SPORTMAX, Jeans PATRICK MOHR 136


Hose PATRICK MOHR, Schuhe FLY LONDON 137


Hemd COS, Shirt COS, Hose CHEAP MONDAY

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Shirt COS

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Hemd DRYKORN, Jeans DIESEL

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Ring WEEKDAY

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Foto Assistent: Leopold Jonas | Models: Chris / Kult Model Agency, Darya / Modelwerk, Moritz / Tune Management | Haare & Make Up: Eren Bektas / artistgroup, using L‘OrĂŠal und Eva Garden


Shirt COS, Pullover WEEKDAY, Jeans DIESEL, Schuhe FLY LONDON Shirt WEEKDAY, Jeans DIESEL, Schuhe CONVERSE


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Land Sicht in

Die patagonische Wildnis ist einzigartig in ihrer Schönheit. Raue Küstenlandschaften und tiefgrüne Urwälder sind der Lebensraum für seltene Arten, wie dem tapsigen Ameisenbär, dem anmutigen Puma – oder dem uneigennützigen Multimillionär. Zu letzteren Spezies gehört Douglas Tompkins, einst Gründer der Modemarke Esprit, heute Aussteiger und Aktivist. Der 69-Jährige hat viel zu tun. Er will nicht weniger als die Welt retten. von Petra Dietz / Fotos von Robin Hammond



„Wer je ein Ameisenbärbaby in seinen Armen hielt, wird einfach nur traurig.“

n einem unzugänglichen Fjord in Chiles Süden, am Fuße des Vulkans Michinmahuida, lebt Douglas Tompkins. Sein Zuhause ist schlicht, ohne großen Komfort. Strom ist Luxus, den gibt es nur ein paar Stunden am Tag. Wer den Umweltaktivisten besuchen möchte, muss per Boot oder Kleinflugzeug anreisen. Der fast siebzigjährige Selfmade-Millionär kämpft gegen den Kapitalismus und für die Natur. Engagiert, uneigennützig und mit der Verbissenheit eines Terriers nutzt er sein Vermögen, um Gutes zu tun. Tompkins gibt sein Bestes, hat viel erreicht und stößt doch immer wieder an persönliche, aber auch politische Grenzen. Anfang der Neunziger gründete er gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Kristine McDivitt seine erste Umweltstiftung, viele weitere sollten noch folgen, und kaufte in Chile und Argentinien Land auf, um ihm, wie Tompkins es nennt, „eine Auszeit zu gön-

nen“. Bis heute ist da einiges zusammengekommen: etwa eine Million Hektar. Herzstück der mittlerweile mehr als ein Dutzend von ihm gegründeten Schutzgebiete ist der „Parque Pumalin“, ein einzigartiges Areal, das sich auf etwa 300.000 Hektar vom Ozean bis in die Anden erstreckt. Der Park wurde 2005 von der chilenischen Regierung zum „santuario de la naturaleza“ ernannt, was ihm in puncto Umweltschutz oberste Priorität gewährt. Was verschlägt einen steinreichen Manager ans andere Ende der Welt? Die Antwort darauf, ist eine Geschichte, die sich zu erzählen lohnt: Douglas Tompkins wuchs mit einer Innenarchitektin als Mutter und einem Kunsthändler als Vater in dem beschaulichen Städtchen Millbrook im nordamerikanischen Bundesstaat New York auf. Den Karriereplänen seiner Eltern machte er einen Strich durch die Rechnung, als er mit siebzehn von der Schule abging und sich ein schönes Leben machte. Es konnte ja keiner ahnen, dass der Junge einmal Multimillionär werden würde. Skifahren, Klettern, Kajakfahren, das war sein Ding. 147


Kein Strom, kein Telefon, dafür aber jede Menge Visionen

Tompkins war ein Top-Sportler, um ein Haar verpasste er sogar die Aufnahme in das Olympiateam der US-Skifahrer. Pech im Sport, Glück in der Liebe: Auf einer Bergtour traf er Susie, verliebte sich und heiratete sie. Das junge Paar ließ sich in Kalifornien nieder, ein wahres Paradies für den sportbegeisterten Douglas, der hier schnell lernte, dass man von seiner Passion leben kann − wenn man es richtig anstellt. Er gründete 1963 die Kletterschule „California Climbing Guide Service“. Ein paar Jahre später folgte eine Ausrüstungsfirma, für die sich Tompkins erst mal 5000 Dollar leihen musste. Das Outdoor-Label nannte er „The North Face“. Tompkins verkaufte das erfolgreiche Unternehmen 1970 bereits wieder, machte ordentlich Profit und gründete gemeinsam mit seiner Frau Susie eine neue Firma namens „Plain Jane“, die später in „Esprit de Corps“, kurz „Esprit“ umbenannt wurde. So wurde aus einer Vision ein Weltkonzern und aus einem Freizeit-Sportler ein Multimillionär. Die Geschäfte liefen gut, die Ehe nicht. 1990 machte Douglas Tompkins reinen Tisch, ließ sich von seiner Frau Susie scheiden, verkaufte das Textil-Imperium und widmete sich von da an der Umwelt − aber nicht alleine. Der Ex-Modemagnat heiratete wieder. Seine Auserwählte, Kristine McDivitt, ist seine Seelenverwandte. Die beiden Naturliebhaber ticken gleich, auf jeder Ebene. Nicht nur, dass auch Kristine McDivitt begeistert Berge besteigt und Skipisten hinunter jagt, sie war auch Geschäftsführerin eines bekannten Outdoor-Ausrüsters mit dem treffenden Namen „Patagonia“. Und weil Liebende alles gemeinsam machen, verkaufte sie 2000 ihre Geschäftsanteile und widmet sich seitdem gemeinsam 148



mit Ehemann Douglas dem Schutz der Natur. Dass es das Paar dazu nach Patagonien verschlug, war eher Zufall. Zur Rettung der letzten Naturparadiese gründete Douglas Tompkins 1992 die Stiftung „Conservation Land Trust“. Doch was sollte gerettet werden? Keine leichte Entscheidung, auch nicht für einen Top-Manager. Tompkins flog mit seiner Cessna mögliche Anwärter ab, zog Kanada und Alaska in die engere Auswahl. Wie bereits bekannt, verloren die nordamerikanischen Naturschönheiten. Ein Fleckchen Erde am Ende der Welt machte das Rennen. Als Freunde Tompkins nach Patagonien einluden, wusste der Multimillionär, was zu tun war. Es war Liebe auf den ersten Blick. Dichte Regenwälder mit menschenhohem, tiefgrünem Farn, Zypressen, deren knorrigen Wurzeln sich bereits vor dreitausend Jahren in den Waldboden gruben, schneebedeckte Berge und die rauen Küstenlandschaften gingen ihm nicht mehr aus dem Sinn. So fing alles an. Douglas Tompkins kaufte eine Ranch mit 17.000 Hektar Land und richtete sich in einem ärmlichen Farmhaus ein. Kein Strom, kein Telefon, dafür aber jede Menge Visionen. 150


Nach und nach kaufte Tompkins immer mehr Land auf, vor allem in Chile, aber auch in Argentinien. Heute ist er weltweit der größte Privatgrundbesitzer. Dass er das Land nicht für sich will, können nur wenige verstehen. Einige halten den Kerl mit dem wettergegerbten Gesicht und den weißen Haaren einfach nur für „loco“. Andere sehen in ihm jemanden, der Arbeitsplätze schafft, alleine im Pumalin Park etwa 150. Doch leider macht sich der reiche Amerikaner auch Feinde. Politiker werfen ihm vor, er würde die Wirtschaft in Chile blockieren. Statt Wälder für Unternehmen zu roden, werden diese unter seiner Leitung gehegt und gepflegt. Rinderzüchter, Holzkonzernbesitzer und Lachsfarmer gehören sicher nicht zu seinen Fans. Abstruse Verschwörungstheorien machen immer mal wieder die Runde. So wird unter anderem behauptet, Tompkins sei von der CIA und wolle sich in Chile Süßwasservorräte sichern. Die Kirche kritisiert, dass er sich für Geburtenkontrolle einsetzt, und einige Einheimische fühlen sich bedroht, weil ein Gringo so viel von ihrem Land besitzt. Doch Douglas Tompkins lässt sich auf seinem Umwelt-Kreuzzug nicht aufhalten. Er kämpft tapfer gegen Abholzung, Überweidung und

Erosion. Kauft traumhafte Landstriche, um sie zu erhalten, erwirbt von Menschenhand zerstörte Gebiete, um sie wieder zu renaturieren. Sein Ziel ist es, das Gebiet als Naturreservat an die chilenische oder argentinische Regierung zurückzugeben. Es überrascht nur wenig, dass Douglas Tompkins Anhänger von „Deep Ecology“ ist. Eine Bewegung, deren Philosophie besagt, dass die Erde immer zuerst kommt. Der Mensch steht nicht im Mittelpunkt, er ist, so wie Pflanzen und Tiere auch, nur ein Teil des Ökosystems. Ein heldenhafter Ritter, ganz ohne glänzende Rüstung, dafür aber gerne ohne Schuhe und in alten Jeans. Statt hoch zu Ross bewegt sich Tompkins vorzugsweise hoch in der Luft. Seine Cessna ist in dem unwegsamen Gelände kein Prestigeobjekt, sondern ein nützliches Fortbewegungsmittel. Überhaupt hat Douglas Tompkins mit kapitalistischem Schnickschnack nichts am Hut. Der Mann, der Millionen mit dem Verkauf seine Firmen erwirtschaftete, ob nun 150 oder 250 Millionen Dollar, das weiß man nicht so genau, ist genügsam. Seine beiden Häuser in Chile und Argentinien, die er mit seiner Frau abwechselnd bewohnt, sind bescheiden. Sein

Der Mensch steht nicht im Mittelpunkt, er ist, so wie Pflanzen und Tiere auch, nur ein Teil des Ökosystems.

Oben: Doug Tompkins bei einer Landbegehung. Hier sind bereits verheerende Flurschäden entstanden. Linke Seite: Unentbehrlich für seine Mission ist sein Flugzeug. Oft sieht man erst aus der Luft die Ausmaße der Katastrophe.

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Renaturierung und Artenschutz sind Konzepte von Doug Tompkins. Junge Chilenen erkennen das Potential dieser Initiative.

Lebensstil ist es auch. Dass er einmal selbst in der Marktwirtschaft eine große Nummer war, ist für den Natur-Manager o.k. „Das Geld und die Macht, die ich besitze, sind nun auf der richtigen Seite“, so Tompkins in einem FAZ-Interview. „Wenn, sagen wir mal, die zehntausend reichsten Menschen auf der Welt so arbeiten würden wie ich, wäre die Welt eine andere. Ich kann nicht verstehen, warum die Menschen Geld horten, es macht nicht glücklich. Ich sage immer, die Menschen müssten Miete zahlen dafür, dass sie auf der Welt leben dürfen. Und diejenigen, die mehr besitzen, müssten eine höhere Miete zahlen.“ Land kaufen und retten, das hört sich einfacher an als es ist. Abgesehen von dem finanziellen, logistischen und emotionalen Aufwand, benötigen solche Projekte Zeit, sehr viel Zeit. Ein ausgebeutetes Fleckchen Erde verwandelt sich nicht über Nacht wieder in das Naturparadies, das es einst mal war.

Soviel Douglas Tompkins auch erreicht hat, es ist nicht genug. Die Welt zu retten, ist ein edelmütiges Vorhaben, aber nicht zu realisieren. Das weiß Tompkins, und es macht ihn traurig. Aufgeben wird er aber sicher nicht. Es gibt noch so viel zu tun. Der berühmte Umweltaktivist hofft auf die Vernunft kommender Generationen, vielleicht auch auf wohlhabende Visionäre, die die Natur erhalten möchten, anstatt sie auszubeuten. Ob jedoch andere Superreiche so wie er in einer kargen Hütte in der Wildnis leben möchten, ist fraglich. Douglas Tompkins ist eben eine äußerst seltene Spezies …

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„Wenn, sagen wir mal, die zehntausend reichsten Menschen auf der Welt so arbeiten würden wie ich, wäre die Welt eine andere.“

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Cinderella Auf einmal war sie da: Eine unscheinbare Stute, gekauft für einen Spottpreis, wird sie das schnellste Pferd der Welt. Danedream lässt Träume wahr werden, die niemand zu träumen wagte. Über den Aufstieg eines Aschenputtels. von Karen Bofinger / Fotos Frank Sorge

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D as Wunder dauert 20 Sekunden. Paris, 16. Arrondissement, Bois de Boulogne, der erste Sonntag im Oktober 2011, nachmittags. 50000 Menschen jubeln, eine Frau heult vor Glück, ein Mann schreit seinen Triumph hinaus, die Fernsehkameras zeigen sie in Großaufnahme. Eine kleine Stute hat eben ihre Welt verändert, jene des Jockeys, der Pflegerin, des Pferdesports: 300 Meter vor dem Ziel setzte sie zum Endspurt an, die letzten 20 Sekunden im wichtigsten Galopprennen der Welt, dem Prix de l’Arc de Triomphe. Sie gewann, mit fünf Längen Abstand, in der schnellsten Zeit, die dort jemals gelaufen wurde. Dabei wollte sie zuerst keiner haben. 16 Monate vor dem Rennen, Breeze-upSales in Iffezheim: Hier werden zweijährige Pferde verkauft, die noch keine Rennen gelaufen sind. Danedream trägt die Katalognummer 119, ihr Fell ist braun. Sie hat zwei weiße Flecken am Kopf – einen auf der Stirn, einen zwischen den Nüstern, Stern und Schnippe. Sie sieht ein bisschen ordinär aus, heißt es unter den Profis, klein ist sie. Das Auffälligste an ihr ist ihre Unauffälligkeit. Welche Kraft in ihrem großen Hinterteil sitzt, ahnt niemand. Auch kaufen will sie keiner, ihre Züchter vom Brümmershof in Niedersachsen nehmen sie selbst zurück. Erst im Nachhinein geht die kleine Stute für 9000 Euro an die Familie Volz vom badischen Gestüt Burg Eberstein. Nur eine Handvoll Pferde besitzt die Familie, das ist nicht ihr Hauptberuf. Heiko Volz und sein Vater Helmut sind Möbelhändler in Achern, rund 20 Kilometer von Iffezheim entfernt. Bei Möbel Rivo gibt es Musterring-Küchen und Stressless-Bequemsessel, auf 8000 Quadratmetern im Gewerbegebiet. „Wir haben nur ein Pferd gesucht, das Spaß macht“, das wird Heiko Volz noch oft erzählen. Und dass sie es eigentlich nur regionale Rennen laufen lassen wollten. 157


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ei Peter Schiergen, dem bekannten Kölner Trainer, dackelte Danedream im Training immer hinterher. 9000 Euro: Ein Spottpreis für ein Pferd, das bis zum Ende des folgenden Jahres rund drei Millionen Euro Preisgeld erkämpft haben wird, eine Rendite ohnegleichen. Danedream ist ein englisches Vollblut und über die Ahnentafeln dieser Pferde wissen die Besitzer oft besser Bescheid als über ihre eigene. Alle gehen auf nur drei Hengste aus dem frühen 18. Jahrhundert zurück: Byerley Turk, Darley Arabian und Godolphin Barb; ein Turkmene, ein Araber und ein Berber, die einst mit englischen Stuten gekreuzt wurden. Damals wurde das British Stud Book angelegt, in dem alle Thouroughbreads verzeichnet werden, bis heute. Auf riesigen Ahnentafeln stehen die Namen der drei Hengste in der Mitte, umgeben von hunderten, tausenden Nachkommen in konzentrischen Kreisen, und irgendwo ganz außen steht Danedream. Geboren wurde sie im Mai 2008. Durch Zufall war ein Fotograf anwesend, es hätte ein Zeichen sein können. Doch niemand erwartete Großes. Die Mutter Danedrop galt bereits als echter Ausfall – obwohl deren Vater Danehill einer der besten Deckhengste Europas war, und sie wiederum von Top-Hengsten gedeckt wurde, kam nichts Vernünftiges dabei heraus, keine herausragenden Pferde, keine Siegertypen. Doch so etwas ist wichtig in dieser Welt, in der Gene zählen, in der Stuten tausende Kilometer transportiert werden, um sie für tausende Euro von einem guten Deckhengst besteigen zu lassen, immer auf der Suche nach der perfekten Kombination. Als gut gilt nur, wer Sieger hervorgebracht hat. Auch deshalb war Danedream so günstig: Es war einfach nichts zu erwarten. Ihr Vater, Lomitas, war zwar ein erfolgreiches Rennpferd und ein geschätzter Deckhengst – aber schon sehr alt, und daher eher eine schnelle billige Nummer in greifbarer Nähe. In der Vollblutzucht gibt es keine künstliche Besamung, nur den Natursprung: Ein Testhengst schnuppert vor, um die Rossigkeit der Stute zu prüfen, die Pferde bekommen Pantoffeln an, dann helfen oft zwei oder vier Mann dem Hengst auf die Stute – schließlich sind diese Tiere Millionen wert, da darf nichts passieren, ein Beinbruch würde den Tod bedeuten. 158


Danedream – kurz nach ihrer Geburt – wird von ihrer Mutter Danedrop liebevoll „gesäubert“.

Zuerst wollte sie keiner haben: doch dann gewann sie mit fünf Längen Abstand den „Prix de l’Arc de Triomphe“, in der schnellsten Zeit, die dort jemals gelaufen wurde.

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reundlich schaut Danedream drein, sie hat ein Phlegma wie ein Kinderreitpferd, Kameras machen sie neugierig, und wenn sie einen Transporter sieht, gehen ihre Ohren freudig nach vorne. Ihr erstes Rennen absolviert sie noch im Juni 2010 im elsässischen Wissembourg, einer Provinzbahn – dort geht keiner hin, der die große Rennkarriere anstrebt. Ein Spaßpferd eben. Danedream gewinnt, und man könnte zu hoffen beginnen. Doch es bleibt in diesem Jahr bei einem Sieg in fünf Rennen. Auch die Saison 2011 startet mäßig. Aber dann: Mit jedem Rennen wird Danedream besser. Auf einmal scheint sie zu wissen, wann es Zeit ist, loszurennen. Den Großen Preis von Berlin gewinnt sie im Juli mit fünf Längen Vorsprung; den Großen Preis von Baden-Baden im September mit sechs Längen. Aschenputtel zieht sich die schönsten Kleider an. Erst jetzt entsteht der Traum vom Prix de l’Arc de Triomphe. Das Rennen ist das Wimbledon des Pferdesports, es gilt als in-

offizielle Weltmeisterschaft. Seit 1920 wird der Arc auf der Rennbahn Longchamp im Bois de Boulogne ausgetragen, einer 155 Jahre alten Anlage, die schon Edouard Manet in seinen Bildern festhielt und die Namensgeber für das französische Luxuslabel Longchamp war, das noch heute einen Galopper im Logo trägt.


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ormalerweise müssen die Pferde für solche Rennen Monate zuvor angemeldet werden. Doch dass Danedream jemals gut genug würde, dachte noch im Sommer keiner. Erst kurz vor dem Rennen wird sie gemeldet; das allein kostet so spät 100000 Euro Startprämie. Eine Woche vor dem Arc verkaufen die Volzens 50 Prozent der Stute an den Japaner Teruya Yoshida, Besitzer von rund 1500 Zuchtstuten, einer der Großen der Branche. Der Verkauf soll wohl auch das finanzielle Risiko der Arc-Meldung absichern; gemunkelt wird von einem einstelligen Millionenbetrag. Trotz ihrer Erfolge gilt Danedream als Außenseiterin. Die Quoten stehen 278 : 10. Sechzehn Pferde gehen an den Start, Danedream steht als erste in der Startbox. Mit ihren 425 Kilogramm wiegt sie rund neunzig weniger als die meisten anderen Rennpferde. Der Jockey Andrasch Starke wiegt 54,5 Kilogramm; er trägt orange, die Farbe des Gestüts Eberstein. In den Logen Longchamps gibt sich die Hautevolee ein Stelldichein, unter anderem schauen an jenem Tag der Aga Khan, die Rothschilds und die Wertheimers zu. Einmal um die Bahn muss es gehen, 2400 Meter, zwei Geraden. Nach 200 Metern ist Danedream auf dem 7. Platz, und dort bleibt sie, läuft innen, die Favoriten weit vor sich. Dann, die

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letzte Gerade, noch 300 Meter bis zum Ziel. Jockey Starke hat eine Lücke entdeckt, Danedream läuft, läuft – und überholt. Heiko Volz klopft in der Loge dem Japaner auf den Rücken, immer wieder. „Man brüllt nur noch“, wird er später erzählen, „Andrasch, Andrasch, Danedream, Danedream ...“. Die Zuschauer jubeln, die Stute fliegt an allen vorbei im flachen Galopp. „Es ist unfassbar, unfassbar“, der Sportkommentator schreit, überschnappend wie in Bern 1954. Danedream gewinnt das Rennen mit fünf Längen Vorsprung, in 2 Minuten und 24,49 Sekunden. Nie war ein Pferd schneller in Longchamp. Nach 36 Jahren Promi-Quizshow: Alle berichten über den ist Danedream das erste deutsche Pferd, Sieg des braunen Aschenputtels; Fans richdas dieses Rennen gewann – und das erste ten ihr eine Facebook-Seite ein, eine Bronjemals, das auch in Deutschland gezüchtet zestatue ist in Arbeit. Das Märchen der und von einem Deutschen geritten wurde. Wunderstute fesselt die Menschen. 2 285 600 Euro Siegprämie teilen sich die Alle Vollblüter werden mit dem Jahresbeiden Besitzer. Danedream selbst dürf- wechsel ein Jahr älter – egal, in welchem te inzwischen um die zehn Millionen wert Monat sie geboren wurden. Danedream sein, obwohl sie im nächsten großen Ren- ist nun vier. Die Karriere eines Rennpfernen, dem Japan Cup, nur einen sechsten des ist nicht lang, vierjährig kommen sie Platz machte. oft schon in Zucht. Dieses Jahr wird DaneIm Vergleich mit England oder auch dream noch Rennen laufen, wenige wohl, Japan ist der Galopprennsport hierzulande große – mit der Bürde, dass kaum wiedernicht sehr populär; doch nun wird Dane- holbar scheint, was sie geschafft hat: Den dream gefeiert, nicht nur in Branchenblät- Aufstieg vom Aschenputtel zur Königin der tern wie Galopp intern. Von der FAZ bis Rennbahn. Bald danach wird sie zur teuren zur BILD, vom Frank-Elstner-Talk bis zur Zuchtstute werden. Bereits jetzt spekuliert die Branche darüber, wer der erste Deckhengst sein wird. Und was dabei dann rauskommt.


Pferderennen sind etwas Besonderes: nicht nur so manches Pferd sorgt für Überraschungen, sondern auch die vielen illustren Besucher aus aller Welt und allesamt aus der „upper class“.

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Photos by MARKUS LAMBERT

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Dress AYAKO Earings MAWI

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Bluse DKNY Shorts HOLLY FULTON Earings CHOPARD

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Dress and scarf worn as belt all DRIES VAN NOTEN

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Dress CHRISTOPHER KANE Head piece ISSEY MIYAKE Necklace ERICSON + BEAMON

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Styling: Joanna Wills / Fashion Assisant: Holly Ounstead Hair: Peter Beckett @ Frank Agency London / Make-up: Christina Vidic for MAC / Models: Vanessa Lee @ Storm Models / Zhu Lin @ Img Models / Spezial thanks to the beach blanket babylon

Parfüms: LALIQUE LE PARFUM / LOLITA LEMPICKA Requisite: FILMSTUDIOS BABELSBERG Ring: BJØRG Armreif: J DAUPHIN

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Dress LAUREN DICKINSON CLARKE Necklace ERICSON + BEAMON

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BARCELONA Die Wirtschaftskrise hat der Hafenstadt bisher nicht viel anhaben kรถnnen. Die Bewohner von Barcelona lassen sich ihre Lebenslust nicht nehmen. von Dirk Engelhardt

Foto Severin Koller

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icht jede Barcelona-Story hat ein Happy End. Ein Blick auf die Facebook-Seite „I know someone who got robbed in Barcelona“ genügt, um einen Eindruck von der Raffinesse der „Pickpockets“ der Hauptstadt von Katalonien zu bekommen. „Als ich auf der Plaza Catalunya ankam, tippte mir jemand auf die Schulter und sagte, ich hätte etwas auf meinem Mantel“, erzählt Anna, zum ersten Mal in Barcelona. „Ich schaute nach, und tatsächlich hatte ich irgendetwas Glibberiges auf dem Mantel.“ Kurz darauf schaute die Bayerin auf den Boden, wo gerade noch ihre Tasche mit Laptop, Portmonee und allen persönlichen Dokumenten stand.

Foto Severin Koller


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ie war weg, wie vom Erdboden verschluckt – genau wie der aufmerksame Herr mit dem Hinweis auf den Fleck. Natürlich ist weder die Tasche noch der Inhalt je wieder aufgetaucht, da half auch die Anzeige bei der Polizei nichts. Barcelona ist nicht nur, was die Anzahl der Touristen angeht, eine TopMetropole, sondern auch in der Anzahl der Taschendiebstähle. Die Pickpockets sind exzellent trainiert, und verkleiden sich mitunter als Geschäftsmann in der S-Bahn vom Flughafen. Laut einer Recherche des Internetportals „tripadvisor.com“ ist Barcelona sogar die „Welthauptstadt des Taschendiebstahls“. Die romantischen, engen Gassen der Altstadt bilden einen idealen Fluchtweg für die Diebe, die auch schon mal Ketten vom Hals von Touristinnen reißen und damit wegrennen. Wer die touristischen Brennpunkte wie die Ramblas, die Sagrada Familia oder Barceloneta links liegen lässt, kann Barcelona auf seine ureigene Art entdecken. Zum Beispiel im Viertel Poble Nou, in der Nähe des Olympiahafens. Hier, im Schatten des markanten, gurkenförmigen Büroturms Torre Agbar, haben sich viele Kreative und Medienmenschen in leerstehenden Gewerbehöfen angesiedelt. Eine von ihnen ist die aus Italien stammende Malerin Cristina Carbone. Ihr neues Lieblingsmotiv ist Ganesh, die indische Gottheit mit dem Körper eines Menschen und dem Kopf eines Elefanten. „Ganesh liest sehr gerne, er genießt gerne, und mag gutes Essen“, erzählt Carbone mit einem hintergründigen Lächeln, während sie die an der Wand lehnenden Leinwände sortiert. „Möchten Sie noch mehr sehen?“ Interessierte Besucher führt sie in den ersten Stock des Ateliers, wo ein Fotokünstler, ein Bildhauer und ein Musikinstrumentenbauer ihren Arbeitsplatz haben. Barcelona ist und bleibt die Nummer eins in Spanien, was Mode, Design und Kunst betrifft. Einen konzentrierten Überblick über das Schaffen der heimischen Erfinder und Designer kann man sich im neuen „Miba“ Museum für Erfindungen verschaffen. Der Name steht für „museu d‘idees i invents de barcelona“ (www.mibamuseum.com). In dem Kellergewölbe gleich hinter dem Rathaus kann man für 7 Euro Eintrittsgeld zum Beispiel ein Handy bewundern, mit dem man ausschließlich telefonieren kann. Das innovative Teil besitzt sonst keine einzige andere Funktion, kein einziges

Foto Christiane Ludeña

App! Dafür hat es auf der Rückseite einen Notizblock und einen Bleistift. Es funktioniert sogar, und im Museumsshop kann man es für 82 Euro kaufen. Es gibt auch eine Reihe günstigerer „Souvenirs“ der besonderen Art. Wie wäre es zum Beispiel mit dem „Phonekerchief“, eine elegante Stoffserviette mit dem Aufdruck „My phone is off for you“, die sich gut zum Einwickeln des Handys im Restaurant macht. Süße Souvenirs findet der Liebhaber bei einem feinen Chocolatier, der seinen Sitz an den Ramblas hat.

Foto Felix Rachor

Die Pickpockets sind exzellent trainiert, und verkleiden sich mitunter als Geschäftsmann in der S-Bahn vom Flughafen in die Stadt. 173


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eben Touristenlokalen und Billigsouvenirshops harrt hier eine Konditorei in einem modernistisch gestalteten Eckhaus aus, die auf eine lange Tradition zurückblickt. „Wollen Sie die neuen Minzblätter probieren?“, fragt die aufmerksame deutschsprachige Angestellte. Die frischen Minzblätter auf dunkler Schokolade wandern dann zusammen mit Espressopralinen, Orangenstäbchen, Maracujakonfekt, dem essbaren Ring und den „roten Lippen“ aus handgemachter Schokolade in den Beutel. Die wenigsten Besucher wissen, dass Barcelona nicht die Stadt der Tapas, sondern der Schokolade ist. Im neuen Schokoladenmuseum (www.pastisseria.cat/es/ PortadaMuseu) erfährt man, dass die ersten Schiffe, die die Kakaobohnen nach Europa brachten, in Barcelona anlegten. Und am Hafen entstanden die ersten Manufakturen für Schokolade, damals in flüssiger Form. Von dieser Tradition kündet noch heute die Spezialität „Churros con Chocolate“, eine Art frittierter Kringel, die noch heiß in dickflüssige Schokolade getunkt werden.

Eine bislang unentdeckte Perle, ebenfalls abseits der touristischen Trampelpfade, ist das Hospital de la Santa Creu i Sant Pau. Der riesige Komplex oberhalb der Sagrada Familia, im Stadtviertel Eixample gelegen, fungierte bis vor wenigen Jahren noch als städtisches Krankenhaus. Nun wird die gesamte Anlage, die zum Weltkulturerbe der Unesco zählt, restauriert. In zwei Jahren 174

sollen hier die United Nations University sowie das European Forest Institute einziehen. Bei täglichen Führungen (10 Euro) erfährt man, wie fortschrittlich der katalanische Architekt Lluís Domènech i Montaner die verschiedenen Institute, die eher Villen gleichen, anlegte. Sämtliche Gebäude in der Gartenanlage sind durch unterirdische Gänge verbunden, um maximale Hygiene zu garantieren. Üppige Wandmosaike sollten die Genesung fördern. Montaner wählte den Ort an der Stadtgrenze Barcelonas damals, weil das städtische Hospital, eingezwängt in die engen, muffigen Gassen der Altstadt, nicht mehr den hygienischen Anforderungen der Medizin entsprach.

Fotos oben: Severin Koller Foto rechts: Felix Rachor

Krystian aus der Ukraine, der seit drei Jahren in Barcelona lebt und keine gültige Aufenthaltsgenehmigung hat, ist fast jede Nacht in der Stadt unterwegs, er bewegt sich in der Swing-Szene. Und auch wenn er fast immer mit dem gleichen T-Shirt und der gleichen ausgeleierten Jeans auftaucht und nicht gerade als Redetalent auffällt, ist er bei den Spanierinnen hoch begehrt – denn die Tanzschritte hat er drauf. Es gibt in Barcelona ungefähr sechs oder sieben Tanzschulen, die ausschließlich Swing, Lindy Hop und Balboa unterrichten. Jede Nacht treffen sich die Tänzer in irgendeiner Bar oder einem Club. „Am besten ist es im Apolo“, rät Krystian.


Foto: Frederik Ackerberg

Musiker aus aller Welt bereichern das Straßenleben auf den Ramblas – Barcelonas berühmteste Flaniermeile. Foto: Hotel Faena

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Wie in London und New York gibt es jetzt auch in Barcelona ein Restaurant, das sich dem GourmetBurger widmet. Kein Geringerer als Paco Pérez, der Drei-Sterne-Koch, entwickelte das Konzept des „La Royale“, etwas außerhalb des Zentrums gelegen. Die Idee ist ganz einfach: Nur bestes Bio-Fleisch kommt hier in die Burger, dabei hat man die Wahl zwischen Bison, Angusrind, Cerdo Iberico und Straußenfleisch aus Kenia oder einer vegetarischen Version. Dazu gibt es eine umfangreiche Karte mit Premium Gin Tonic. Eine extra geschulte Kellnerin berät dabei den Gast, welcher Gin Tonic am besten mit welchem Burger harmo176

Foto: Jsome1

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a versammelt sich die Swing-Community zum großen Ball. Das Apolo ist einer der letzten traditionellen Ballsäle Barcelonas, gelegen an der Parallel. Es ist ziemlich dunkel in dem großen Saal mit der altmodischen Empore, doch fast niemand sitzt außen an den Tischen. Es wird geschwooft, was das Zeug hält, und das Niveau der Tanzpaare ist beachtlich hoch. Junge Mädchen mit Pony-Frisur und roten Ballerinas lassen Krystian nicht aus den Augen, um möglichst bald selbst an die Reihe zu kommen. Die Sängerin, die gerade den Klassiker von Ozzy Nelson aus dem Jahr 1931 interpretiert – Dream a little dream of me – ist übrigens erst 16 Jahre alt und heißt Andrea Motis. Stimmlich macht sie Joss Stone Konkurrenz. Mit ihrer zierlichen, kindlichen Figur wirkt die Katalanin, die auch perfekt Trompete und Saxofon spielt, eher wie 14. Ein Fernsehsender bezeichnete sie jüngst als hoffnungsvollstes Nachwuchstalent im spanischen Jazz. Man wird noch von ihr hören. Das hat Berlin mit Barcelona gemeinsam: in beiden Städten gibt es eine „Casa Camper“, ein Hotel der Schuhmarke aus Mallorca. In Barcelona liegt Casa Camper direkt im Szenebezirk Raval, wenige Schritte vom neuen Museum für zeitgenössische Kunst entfernt. Jeder Gast hat zwei Zimmer: eines zum Arbeiten, etwas lauter, nach vorne zur Strasse und eines zum Schlafen, an den Innenhof grenzend, sehr ruhig. Kleine Details zeugen von der Philosophie des Hauses: so gibt es aus Hygienegründen keine Teppichböden, was Allergiker zu schätzen wissen. Bettdecken und Kopfkissen werden nach jedem Gast gereinigt. In allen Zimmern gibt es eine tragbare Lampe und eine faltbare Trittleiter. Fernseher fehlen in den Schlafzimmern, absichtlich. Das Wasser wird mit Solarenergie geheizt und durch ein HightechSystem gereinigt. Casa Camper / Calle Elisabets 11 / 08001 Barcelona / Tel. 0034 933426280 www.casacamper.com

niert. Und zum Dessert: Pralinen von Oriol Balaguer, Carles Mampel oder Enric Rovira aus Barcelona. La Royale / Placa del Camp 5 08022 Barcelona / Tel. 0034 932547393 www.laroyale.es Kulinarische Spaziergänge durch die Altstadt von Barcelona, und dabei unter kundiger Führung Tapas-Spezialitäten entdecken! Wer die süßen Seiten der Hauptstadt Kataloniens

entdecken will – dazu gehört auch das neue Schokoladenmuseum – kann eine Schokoladentour buchen. www.tapastoursbarcelona.com


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Foto: Severin Koller

Barcelona hat viele Gesichter und sie sind alle malerisch: die durchweg historischen Fassaden, n채chtlich kunstvoll beleuchtet, oder der kleine Fischerei- und Segelhafen, romantisch vom Mondlicht beschienen.


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VALENTINO

Ein Mann sieht Rot Wenn ein Mann 200.000 Dollar für den Tempel der Venus auf dem Forum Romanum spendet, dann wird er wohl die Frauen lieben. Und wer tut es mehr als Valentino Garavani? Besser bekannt als Valentino – der Mann, der Frauen glücklich macht. von Harald Nicolas Stazol von Petra Dietz / Fotos Solve Sundsbo

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„Rot ist die perfekte Farbe. Stark, vital, mit Persönlichkeit.“

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V Die Braut trägt Rot – Valentino-Rot!

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alentino, der Frauen glücklich macht, sagt schlicht: „Ich weiß, was sie wollen“. Ob im Sommer, auf seiner Yacht, oder in Rom, wo man ihn gerade erreicht, im Palazzo Mignanelli, nahe an der spanischen Treppe. Für diesen Mann mit dem immerbraunen Teint, ein Mann der seinem halben Dutzend Möpsen die Zähne eigenhändig putzt, für diesen Mann könnte der Superlativ erfunden sein. „Ja, aber warum ausgerechnet Rot“, frage ich ihn. Damit ist er berühmt geworden, im Jahr von Dolce Vita, jenem 1960, er kommt gerade aus Paris nach Rom und will seinen ersten Salon eröffnen. „Rot?“, sagt er, „Rot, nun es ist die perfekte Farbe. Stark, vital mit Persönlichkeit. Seit ich mich zurückgezogen habe, benutzt jeder Designer die Farbe sehr viel mehr.“ Über 45 Jahre beherrschte er den roten Teppich wie kein anderer, Hollywood betet ihn an, was ihm zupass kommt: „Man muss vor mir auf den Knien liegen.“ Und ja, er sei Perfektionist: „Einen Blick von 360 Grad auf jedes Detail – das ist manchmal sehr schwierig.“ Man hat ihn gesehen in „Ein Teufel trägt Prada“ – wenn er so spricht, gestikuliert er mit seiner Rechten. „Ich habe nie geglaubt, dass es so etwas wie das schwache Geschlecht gibt.“ Nun für ihn, Valentino, waren Frauen mächtiger, als alle Göttinnen des Olymp zusammen. Wo anfangen? Bei Jackie Kennedy, die für seine erste Schau in New York, im September

1964, im Waldorf-Astoria, nun, sie konnte nicht kommen, sechs Haute-Couture-Kleider kaufte. Valentino hatte ihr eine Auswahl samt Model und Sales-Representative nach Hause geschickt. So geschickt war er immer. Er machte in langen Abendroben, als alle nur Mini wollten, und die Frauen liebten ihn dafür. Allein die Kampagnen waren stets atemberaubend. Ich erzähle ihm, dass ich sie ausschnitt und auf meine Schul-Ordner klebte. Ob Eleganz ewig sei. „Nein. Persönlichkeit. Eleganz und Style kann man erlernen und wieder vergessen.“ Die Antwort ist kaum zu glauben. Ach ja, Jackie bestellt die Roben, schwarz und weiß, nach dem Tod ihres Mannes. Aber sie hat sich vorher erkundigt, bei Gloria Schiff, der Zwillingsschwester von Consuelo Crespi, der Vogue-Korrespondentin in Rom. Schiff trägt einen Zweiteiler aus Organza in Schwarz und Weiß. Der fällt Mrs. Kennedy auf. Zu ihrer Hochzeit mit dem griechischen Reeder Aristoteles Onassis, dem Schiffsmagnaten, kleidet er sie in das teuerste Brautkleid der Welt. Valentino blickt auf seinen Blackberry. Er ging immer mit der Zeit.

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N iemand hat den Glamour mehr definiert als er, sage ich. Ob es ihn überhaupt noch gäbe, heute? „Natürlich, aber es ist jetzt ein anderes Spiel. Glamour liegt mehr in der Macht einer Frau als in ihrem Look oder Style. Ich mag Frauen mit Macht. Angelina Jolie war für mich glamourös, machtvoll, über allen Regeln, unabhängig, bis sie auf dieses Kleid verfiel und ihr Bein, um auf eine andere Weise glamourös zu sein.“ Seine Haare sitzen übrigens, wie immer, perfekt. Er hat fast eigenhändig die Standards des Jet Sets neu definiert. Ob auf seiner 46-Meter-Yacht, „T. M. Blue One“, die er und sein Lebensgefährte und Geschäftsführer, Giancarlo Giametti, gerne im Sommer nutzen. Eine Crew von elf Personen kümmert sich dann um die beiden. Das größte Stadthaus in Holland Park, London, nennt er seine eigen. Ein Apartment in Manhattan, mit Blick auf den Central Park, am Frick Museum. Chateau de Wideville, zu schweigen von ihm, 30 Kilometer vor Paris. Etwa um 1600 erbaut, wohnte vor Valentino dort Claude de Bullion, der Finanzminister Ludwigs XIII., der dort höchstselbst, am 22. Januar 1634 nächtigte. Madame de Valliere, eine Mätresse Ludwigs XIV. lebte dort – ihr Schlafzimmer, ein Spiegelsaal mit einer Deckenhöhe von 9,1 Metern, hat Valentino in ein Badezimmer umbauen lassen. Und hätte er die Mätresse gekannt, er hätte sie sicherlich eingekleidet. Wen eigentlich nicht? Elizabeth Taylor wird bei den Dreharbeiten zu Cleopatra auf ihn aufmerksam. Lady Diana trug ihn, Julia Roberts ließ die Oscar-Verleihung in Rot erstrahlen und als er sein 45-jähriges Jubiläum feiert, liest sich die Gästeliste wie Who-is-who und Gotha zusammen. 184

„Glamour liegt mehr in der Macht einer Frau als in ihrem Look oder Style. Ich mag Frauen mit Macht.“



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„Verglichen mit ihm machen wir alle nur Lumpen.“ Karl Lagerfeld

arie-Chantal, die Kronprinzessin von Griechenland, ist ebenso da wie Prinzessin Rosario von Bulgarien und Prinzessin Caroline von Monaco, und Prinzessin Firyal von Jordanien. Ich bezweifele, dass es auf der Welt irgendjemanden gibt, der an einem Abend vier Prinzessinnen begrüßen kann. Und eine Ex-Kaiserin. Farah Diba, die Frau des letzten Schahs von Persien, gibt sich neben Elton John die Ehre – auch Karl Lagerfeld ist da. „Verglichen mit ihm machen wir alle nur Lumpen“, sagt er und flattert mit dem Fächer davon. Uma Thurman entgegen, ach, da sitzt Joan Collins, Sienna Miller ist da und Michael Caine. Und wer singt? Annie Lennox, klar. Für Valentino.

Foto: Gail Sorronda


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ie hat es eine Nähmaschine gegeben bei ihm. Alles wird von Hand genäht. Und darin ist er eben der Perfektionist. Antoinette de Angelis, die Näherin seines Ateliers, weiß es genau. Es war möglich, dass er einen Traum von weiß entwirft, eine einzige Bewegung, und dann sagt: „Nun, ein paar Pailletten können nicht schaden.“ Damals, 1962, ist er pleite. Nie kümmert er sich um die Materialkosten, nichts ist ihm kostbar genug, bis eben Giancarlo in sein Leben tritt, sie lernen sich in einer Bar in der Via Veneto kennen. Nun liebt er jemanden, der seine Geschäfte führt. „Lieben? Ich liebte meine Arbeit bevor ich anfing zu arbeiten.“ Na, und die sechs Möpse, Mutter Molly, die Söhne Milton und Monty, die Töchter Margot, Maude und Maggie. Sie zählen nun wirklich. Picasso, Cy Twombly, Balthus’ und natürlich Damien Hirst – Valentino besitzt eine beachtenswerte Sammlung. Da kommt ein Junge aus Voghera, in der Lombardei, näht eine wenig bei seiner Tante Rosa und beherrscht schließlich eine Generation lang ein ganzes Geschlecht.

Foto linls: Fabio Agostino Foto unten: Gail Sorronda

Im Jahr 1998 verkauft er an ein Konglomerat für 300 Millionen Dollar, die Zahl differiert. Am 4. September 2007, kündigt er an, sich zurückzuziehen. Für seine letzte Haute-Couture-Show laufen Eva Herzigova, Naomis Campbell, Claudia Schiffer, Nadja Auermann, Karolina Kurkova und Karen Mulder. „Würden Sie zurückkehren, und sei es nur, um die Mode zu retten?“, frage ich. „Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen sollte“. Erst geht die Marke Valentino in die Hände von Alessandra Facchinetti über, die einen schweren Stand hat, auch wenn sie ein Profi ist: „Sie hat die Archive kaum beachtet“, schimpft Valentino, bald muss sie gehen. Die beiden neuen, Maria Grazia Chiuri and Pier Paolo Piccioli, „habe ich jahrelang um mich gehabt, sie haben Respekt und Ehrerbietung für mein Werk. Sie können auf tausende Kleider zurückgreifen, um einen echten Valentino zu kreieren.“

Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr Valentino, und noch eine letzte Frage: Wie sieht denn nun die Zukunft der Mode aus? „Weniger exklusiv, schlechtere Qualität, niedrigere Preise.“ Wer wollte da widersprechen. Sein letztes Wort. Vielleicht das letzte in der Mode. Valentino.

„Ich liebte meine Arbeit bevor ich anfing zu arbeiten.“ 187



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Thailand war damals noch das sagenumwobene Königreich Siam, in das sich nur wagemutige Abenteurer und geschäftstüchtige Händler wagten.

zurfarbenes, edles chinesisches Porzellan, einem halben Jahrhundert funkelnde Kristallgläser, handpoliertes ist er spurlos verschwunden, Messingbesteck mit Horngriffen, pastell- ist zum Mythos geworden, blaue Servietten, Bambussets, und über- legendenumwoben und unall üppige Orchideengebinde in Gelb und vergessen seitdem. In seinem Pink, den Königsfarben Thailands – der Haus an Bangkoks Rama-ITisch ist für sechs Personen gedeckt. Für Straße, im Land der Götter einen Moment scheint es, als könne jeden und Geister, ist auch sein Moment der Hausherr eintreten und zu Geist noch immer zu spüTisch bitten – wenn da nicht die Touristen ren, wohl eher zu erahnen wären, die in einem schier unaufhörlichen – inmitten der BesucherschaStrom in Zehnergruppen durch das Ess- ren. Vielleicht ist es das, was zimmer im Jim-Thompson-Haus in Bang- die Besucher aus aller Welt kok geschleust werden und trampelnd die so magnetisch anzieht: Die Idylle stören: Japaner mit dem iPhone am Magie des Geheimnisses um Ohr, schnaufende Deutsche, schwitzende Jim Thompson – und die Faszination seines Erfolges. Briten, papageienbunte Amerikaner. Als James Harrison Wilson Thompson am 27. März 1906 in Greenville im as mag sie Tag für Tag in sol- US-Bundesstaat Delaware geboren wurde, chen Scharen herziehen? Der gab es das Land noch nicht, das einmal verwunschene tropische Gar- sein Schicksal werden sollte. Thailand ten mit den traumhaften, tra- war damals noch das sagenumwobene ditionellen thailändischen Teak-Häusern? Königreich Siam, in das sich nur wagemutiDie Kunstsammlung? Das Restaurant? ge Abenteurer und geschäftstüchtige HändDas Geschäft mit den edlen Hemden, ler wagten. Großvater James Thompson Handtaschen, Schals? Oder sind sie doch erzählte seinem Enkel Jim viel über dieses eher von dem Mann fasziniert, der das al- geheimnisvolle Land, das Anfang des voriles geschaffen hat: Jim Thompson, Archi- gen Jahrhunderts für die meisten anderen tekt, Geheimdienstagent, Seidenhändler, Menschen noch eine so völlig fremde Welt Geschäftsmann und Abenteurer? Vor fast war.

W

Jim Thompson in seinem Haus in Bangkok mit seinem Lieblingspapagei


och der hochdekorierte Bürgerkriegsgene- beschädigten und heruntergekommenen ral hatte den Kronprinzen von Siam – wohl „Oriental“-Hotels, heute eine der besten eher zufällig – am englischen Königshof Luxusherbergen der Welt und schon dakennengelernt. Die beiden unterschied- mals eine Hotellegende. Weltberühmte lichen Männer freundeten sich an, James Schriftsteller wie Joseph Conrad, Graham Thompson besuchte den späteren König Green, Sommerset Maugham und James Rama IV. in Bangkok und war bezaubert Michener haben hier logiert und den kolovon den Menschen und der Kultur Siams – nialen Glanz des weißen Hauses am Chao und erzählte dem kleinen Jim von seinen Phraya in ihren Werken verewigt. Aber Erlebnissen. schon nach einem Jahr schied Jim ThompZunächst schienen die schönen Ge- son nach persönlichen Differenzen mit den schichten des Großvaters den Lebensweg anderen fünf Eigentümern aus der Invesseines Enkels allerdings nur wenig zu be- torengruppe des „Oriental“ wieder aus einflussen. Jim Thompson studierte Ar- und stieg ins Seidengeschäft ein. chitektur, arbeitete als junger Architekt Der Anfang zum Aufstieg zum „Seiin New York und meldete sich kurz vor denkönig von Thailand“ war gemacht. Als dem Kriegseintritt der USA 1940 freiwillig Sohn eines erfolgreichen Unternehmers zum Wehrdienst. An dem Tag, an dem er im Textilgewerbe war Thompson faszizum Militär einrücken musste, nahm sei- niert von den traditionellen Webtechniken ne Karriere die erste, unerwartete und für der Thais, von den klaren Farben und unihn schicksalhafte Wende: Statt zu Heer, gewöhnlichen Mustern ihrer Stoffe – und Luftwaffe oder Marine, wurde er zum Ge- sah zugleich die Gefahr, dass auch dieses heimdienst „Office of Strategic Services“ alte Handwerk der weltweiten Industriali(OSS) einberufen, dem Vorläufer der CIA. sierung, der Nachfrage nach immer mehr Er wurde als eine Art Mini-James-Bond in und immer billigeren Stoffen zum Opfer Frankreich, Nordafrika und Italien einge- zu fallen drohte. Immer weniger Familisetzt, musste ein lebensgefährliches Über- en im Isan, dem traditionellen Zentrum lebenstraining im Dschungel absolvieren und bekam kurz vor Kriegsende den Befehl, der sein Leben endgültig verändern sollte: Er wurde OSS-Stationschef in Bangkok, der Stadt, die schon seinen Großvater bezaubert hatte. Schon knapp zwei Jahre nach seiner Abkommandierung wurde Thompson in die USA zurückbeordert, wo er aus dem Militärdienst entlassen wurde. Doch eine Zukunft als Architekt in den USA konnte sich Jim Thompson nicht mehr vorstellen. Er war – wie viele Europäer – der Faszination des exotischen Königreichs im fernen Asien erlegen und beschloss, dorthin zurückzukehren. Zunächst versuchte er, im Hotelgewerbe Fuß zu fassen: Er wurde Mitbesitzer des im Krieg 200

An dem Tag, an dem er zum Militär einrücken musste, nahm seine Karriere eine unerwartete Wende: Statt zu Heer, Luftwaffe oder Marine wurde er zum Geheimdienst „Office of Strategic Services“ einberufen, dem Vorläufer der CIA.


der Seidenweberei im armen Nordwesten Thailands, waren bereit, sich noch mit dem langwierigen und arbeitsaufwändigen Prozess der Rohseidenherstellung abzugeben. Die Zahl der Webereien ging immer mehr zurück. Thompson suchte und fand überraschend viele Arbeitskräfte, die ihm helfen wollten, das alte Gewerbe zu bewahren, zu modernisieren und auszubauen. 1947 reiste der frisch gebackene Seidenhändler mit einigen seiner schönsten Stoffe nach New York. Er wollte testen, ob Thai-Seide auf dem schwierigen amerikanischen Modemarkt eine Chance hätte. Das Glück stand ihm zur Seite: Durch Vermittlung seines Freundes Frank Crowninshield, Ex-Chefredakteur von „Vanity Fair“, bekam er einen Termin bei der „Vogue“-Chefin Edna Woolman Chase. Von ihrem Votum, das wusste Thompson, hing sein Schicksal ab.


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r breitete die mitgebrachten Stoffe auf dem Schreibtisch der Modezarin aus – und die von den Designern der damaligen Zeit umworbene und verwöhnte Trendsetterin war entzückt: „Das ist eine wundervolle Neuentdeckung.“ Ein Anzug aus Thompsons Thai-Seide kam auf die „Vogue“-Titelseite. Thompson kehrte glücklich, zufrieden und optimistisch nach Bangkok zurück – und revolutionierte die Seidenherstellung Thailands. Er führte neue Webstühle ein, ersetzte die traditionellen, aber schnell verblassenden Farben durch Importe aus der Schweiz, legte strenge Standards und genaue Qualitätskontrollen für die Produktion fest. Mit thailändischen Partnern gründete er Ende 1948 die „Thai Silk Company“, die 1967, im Jahr seines Verschwindens, bereits 1,5 Millionen US-Dollar umsetzte – damals eine gewaltige Summe. Eine Weltmarke war geboren, die bis heute nichts von ihrem Glanz eingebüßt hat. Dank Jim Thompson ist Thai-Seide heute einer der begehrtesten Luxus-Stoffe der Welt, für Thailand ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Über 20.000 Weber haben durch die Seidenindustrie Thailands heute einen sicheren Arbeitsplatz. Jim Thompson selbst war zeitlebens einer der begnadetsten Vermarkter seiner eigenen Produkte. Er war schnell in der Modewelt in New York und Paris zu Hause, wurde zum Star auf vielen Partys, Empfängen und Vernissagen. Für den Film „The King and I“ lieferte er die Ausstattung. Als US-Filmstar und Oskar-Preisträgerin Paulette Goddard bei einer Dinner-Party einmal seinen Anzug aus Thai-Seide bewunderte und fragte, ob sie für ihren Freund ein ebenso edles Stück bekommen könne, zog Thompson ohne zu zögern seinen Anzug aus – und verließ die Party in einem geliehenen Regenmantel des Gastgebers. Geheimnisumwittert blieb dieser schillernde Mann mit der Geheimdienstvergangenheit auch als Unternehmer. In der Zeit des Vietnam-Kriegs verdichteten sich Gerüchte, er arbeite nach wie vor für die CIA, der Seidenhandel sei nur eine Deckadresse. Bewiesen wurde nichts – und Thompson tat nichts, um den Mantel des Geheimnisvollen zu lüften, der ihn seit seinem Eintreffen in Bangkok 1945 umgab.

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„Er wollte testen, ob Thai-Seide auf dem schwierigen amerikanischen Modemarkt eine Chance hätte.“


o legendär wie sein Leben war auch sein Tod: Ostern 1967 war der damals 61-jährige in Begleitung der Amerikanerin Constance Mangskau zu dem befreundetenEhepaar Ling in die Cameron Highlands nach Malaysia gereist. Er wohnte bei ihnen im „Moonlight“-Bungalow, besuchte am Morgen des Ostermontags noch den Gottesdienst und verabschiedete sich am

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Nachmittag von seiner Gastgeberin mit den Worten „Gute Nacht“. Er wollte einen kurzen Spaziergang auf dem „Jungle Trek No. 4“ machen. Der Kettenraucher Thompson ließ Zigaretten und Feuerzeug auf einem Liegestuhl auf der Veranda des Bungalows zurück. Für den nächsten Tag war er mit dem US-Botschafter in Singapur verabredet. Es gab kein Anzeichen, dass es ein Tag ohne Wiederkehr werden sollte. Doch Jim Thompson kam niemals von seinem Ausflug zurück. Bis heute ist sein Verschwinden ein Rätsel, um das sich viele Spekulationen ranken: Er habe Selbstmord begangen, sei von einem Tiger gefressen worden, in einer lanzenbestückten Tierfallgrube umgekommen, ermordet, von neidischen Konkurrenten beiseite geschafft, Opfer einer kommunistischen Verschwörung, vom CIA umgebracht, weil er zu viele, zu unangenehme Geheimnisse gewusst habe. Seine sterblichen Überreste wurden trotz umfangreicher Suchaktionen nie entdeckt. Zahlreiche Bücher beschäftigen sich bis

heute mit ihm, immer wieder neue Verschwörungstheorien werden aufgestellt – bis hin zu einer Entführung durch Außerirdische. Auch fast ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod ist Jim Thompson immer noch eine Legende, ein andauerndes Rätsel. Ein wenig von dem Geheimnis, das ihn, sein Leben und sein Sterben umgibt, ist in den seltenen stillen Momenten in seinem Haus an der Rama I-Straße in Bangkok noch zu spüren. Momente, in denen es möglich erscheint, dass er plötzlich durch die Tür tritt und Geschichten erzählt vom ewigen „Land des Lächelns“.


Bewiesen wurde nichts – und Thompson tat nichts, um den Mantel des Geheimnisvollen zu lßften, der ihn seit seinem Eintreffen in Bangkok 1945 umgab.


Ich bin so

wild...

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Erd Kleid GEORGES HOBEIKA 208


... nach deinem

beermund FOTOS KRISTIAN SCHULLER, STYLING PEGGY SCHULLER

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Rock von EMPORIO Christian: Sakko von HERR VON EDEN, ARMANI, Stiefel von Anne: HERMÈS,Jacket Bluse von von RIKA KAVIAR GAUCHE

Kleid GEORGES HOBEIKA 210


Ich schrie mir schon die Lungen wund nach deinem weiĂ&#x;en Leib, du Weib.

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Kleid PEGGY SCHULLER, Schuhe PAULE KA, Armband JEAN PAUL GAULTIER

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Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht, da blüht ein schöner Zeitvertreib mit deinem Leib die lange Nacht.

Kleid CHRISTOPH JOSSE, Schuhe CHRISTIAN LABOUTIN Hut PHILIP TREACY

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Schuhe VERSACE 214


Ich habe jetzt ein rotes Tier im Blut, das macht mir wieder frohen Mut. Anne: Seidencape von HERMÉS , Seidenkleid von KOSTAS MURKUDIS, High- Heels LALA BERLIN für UNNÜTZER, BH und Panty von DOLCE & GABBANA 215


Kleid YIQING YIN Schuhe WALTER STEIGER Hut PEGGY SCHULLER

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Komm her, ich weiร ein schรถnes Spiel im dunklen Tal, im Muschelgrund...

Kleid RAMI AL ALI COUTURE, Ohrringe JEAN PAUL GAULTIER, Armband JEAN PAUL GAULTIER, Ring DEAN SIDAWAY, Hut PHILIP TREACY FOR DIDIT HEDIPRASETYO 217


Die graue Welt macht keine Freude mehr, ich gab den sch旦nsten Sommer her, und dir hats auch kein Gl端ck gebracht; hast nur den roten Mund noch aufgespart, f端r mich so tief im Haar verwahrt...

Kleid, G端rtel, Hut ALEXIS MABILLE, Schuhe GUISEPPE ZANOTTI, Ring, Kette SWAROVSKI, Armreif silber ERIC TIBUSCH, Armreif gold SONIA BOYAJIAN

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Kleid ON AURA TOUT VU, G端rtel CHRISTIAN DIOR

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Anzug von HUGO BOSS, Tuch von HERMÈS Auszüge aus „Eine verliebte Ballade für ein Mädchen namens Yssabeau“ von François Villon

Model: Luize Salmgrieze/New Madison Models | Haar & Make Up: Gabriele Theurer für YSL | Foto Assistenz: Moritz Kerkmann, Philipp Paulus

Das will ich sein im tiefen Tal dein Nachtgebet und auch dein Sterngemahl.


Hemd von PAUL SMITH, Hose von BEN SHERMAN, Auto MERCEDES BENZ G 55 AMG

Kleid DIDIT HEDIPRASETYO, Schuhe GUISEPPE ZANOTTI, Handschuhe VINTAGE, Ring SWAROVSKI, Tights WOLFORD Hut PHILIP TREACY FOR DIDIT HEDIPRASETYO


SCHMUCK SCHLOSS

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Tausendundeine Nacht in der Normandie: Der Libanese Walid Akkad lebt in einem M채rchenschloss und entwirft Schmuck, der auch Prinzessinnen gut st체nde. von Karen Bof inger / Fotos von Tan Kadam


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anchmal hängen Nebelschwaden tief über den Wiesen, und das Schloss von Walid Akkad wird zu einem märchenhaften Schemen. Es liegt zwei Stunden von Paris entfernt, irgendwo in der Basse-Normandie, nicht weit von Caen und dem Ärmelkanal. Die genaue Adresse will Akkad lieber nicht gedruckt wissen, zu wertvoll ist ihm seine Privatsphäre – und Sicherheit: Denn er ist Goldschmied, Schmuckdesigner, umgeben von teuren Preziosen. Die Gegend ist dörflich ruhig, die Sträßchen schmal und die Häuser sind aus dem typisch nordfranzösischen grauen Stein gemauert, der immer rau und ursprünglich wirkt. Die Basse-Normandie ist ein geschichtsträchtiger Landstrich, von hier stammte Wilhelm der Eroberer; an dieser Küste landeten die Alliierten am D-Day 1944. Zwischen wehenden Wiesen und Wäldern führt eine alte Platanenallee auf das Schloss zu, das Hauptportal trägt steinerne Statuen der altrömischen Frucht- und Gartengöttin Pomona und des Vertumnus, Verwandler und Gott des Jahreswechsels. Nichts könnte passender sein, bedenkt man die Liebe Akkads zu seinen Gärten und Blumen. 33 Hektar groß ist der Landschaftspark, der das Schloss umgibt, aus der Luft erkennt man im Wald noch immer die barocke, sternförmige Anlage, in deren Mitte ein verlorener Obelisk steht. Akkads Château wurde im 16. Jahrhundert gebaut, zur Zeit Heinrich III von Frankreich und der französischen Religionskriege; doch wie alle Schlösser wurde es im Lauf der Jahrhunderte immer wieder umgebaut. Heute liegt ein L-förmiges Haupt- neben einem l-förmigen Nebengebäude. Ein eigener kleiner Kanal, ein Wasserfall, eine verwunschene steinerne Grotte und ein Taubenschlag: wie geschaffen für eine Filmkulisse, sie könnte perfekter nicht sein. Seit 15 Jahren lebt Akkad hier mit seinem Freund Jean. Vierzig Zimmer hat das Schloss, sie werden dominiert von einer Einrichtung im französischen Empire- und Landhausstil. Die Bettüberwürfe sind gequiltet und tragen Streublümchenmuster.


„Mein rigides Stilbewusstsein habe ich von meinem Vater geerbt, den Perfektionismus von meiner Mutter. Schon mit elf wusste ich, dass ich Schmuck machen wollte.“ 225


I

n der Küche hängen EdelstahlTöpfe in einer Reihe, unter alten Kupferformen und Gestecken aus Trockenpflanzen. Es sind Details, die verhindern, dass der Landhausstil trutschig und bieder wirkt, wie die klassischen Tolomeo-Lampen von Artemide, ein Papierkorb, der aussieht wie zerknülltes Papier (Bin Bin, entworfen von John Brauer), oder die großen, leeren Bilderrahmen, die an den Wänden lehnen wie zufällig abgestellt. Immer wieder dient das Schloss als Fotolocation, für „Elle Decoration“ ebenso wie für die „Vogue“ oder „Marie Claire“ und Kataloge von Möbelfirmen wie Roche Bobois. Die Stylisten hinterlassen ihre Spuren, und bereichern das Ambiente.

Eine leuchtend blaue Wand verdankt Akkad etwa Tricia Guild von der britischen Interiorfirma Designer’s Guild. Walid Akkad selbst sieht aus wie ein Landlord im Cordjackett, das Hemd ordentlich unter dem Pullover, die dunklen Haare zurückgekämmt. Er lächelt immer etwas fragend, wie stetig erstaunt. Geboren 1965 in Beirut, wuchs er auf in den Zeiten des libanesischen Bürgerkriegs, der 1975 begann und bis 1990 dauerte. Dennoch sagt er, habe er eine sehr beschützte und glückliche Kindheit gehabt. Seine Familie war in der Seidenindustrie tätig, schöne, teure Dinge umgaben

ihn so von Anfang an. Sein rigides Stilbewusstsein habe er von seinem Vater geerbt, erzählt er, den Perfektionismus von seiner Mutter. Schon mit elf wusste er, dass er Schmuck machen wollte. Seine Eltern aber sahen ihn als Anwalt, besonders sein Vater, wie das so ist: Eltern wollen einen vernünftigen Beruf für ihre Kinder: „Von Schmuck zu träumen war Tabu.“ Als er 15 war, starb sein Vater an Krebs. Und Walid ging seinen Weg. Mit 18 verließ er den Libanon, als der Krieg immer heftiger wurde, der Präsident ermordet, die US-Botschaft in Beirut durch einen Anschlag zerstört.


Das ungewöhnlich und sehr persönlich ausgestaltete Schloss, dient immer wieder als Fotolocation, z.B. für „Elle Decoration“, die „Vogue“ oder „Marie Claire“.

E

r ging nach Paris, um seinen Traum wahrzumachen: Ein Studium an der École de l‘ Union Française de la Bijouterie, Joaillerie, Orfèvrerie des Pierres & des Perles (BJOP). Nach seiner Ausbildung arbeitete er in verschiedenen Werkstätten und entwarf unter anderem für die Pariser Joaillerie FRED, die heute zu dem Luxuskonzern LVMH gehört, unter anderem Eigner von Moët & Chandon, Bulgari und Louis Vuitton. Das bekannteste Collier aus dem Hause Fred dürfte jenes aus Rubinen und Diamanten sein, das Edward Lewis (alias Richard Gere) dem Callgirl Vivian (alias Julia Roberts) in „Pretty Woman“ um den Hals legt. 227


„Ein Schöpfer spricht niemals über sich selbst“, sagt Akkad, „das sollen seine Arbeiten übernehmen.“


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„Edelsteine sind manchmal wie Sternenexplosionen.“

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chon mit 24 Jahren macht Akkad sich selbständig und seitdem arbeitet er auch für andere große Marken – allerdings im Verborgenen, nennen will er sie nicht, nur, dass es Firmen vom Place Vendôme und der Avenue Montaigne in Paris sind. Adressen, an denen Luxusfirmen wie Cartier, Dior oder Chanel ihren Sitz haben. Das Verborgene fasziniert und reizt ihn. Er liebt die Ruhe und will nicht alles erklären. Eine Website hat er nicht, seine Kunden finden ihn durch Empfehlungen. „Ein Schöpfer spricht niemals über sich selbst“, sagt Akkad, das sollen seine Arbeiten übernehmen. Jeder Tag beginnt für den 46-Jährigen mit Gartenarbeit, morgens um sieben Uhr, noch vor dem Frühstück und dem ersten grünen Tee. Er pflanzt Sojabohnen und gießt seine Stachelbeeren, Apfelbäume, Aprikosen, Kirschen, Quitten, Maulbeeren; ihre Früchte und Blüten nennt er „Juwelen

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der Natur“. Besonders sorgsam kümmert er sich um seine „launischen Freunde“, die Rosen und Pfingstrosen, die er seit 10 Jahren züchtet. Die Natur inspiriert ihn ebenso wie die Vektorgeometrie; er liebt Zaha Hadid und Michelangelo, Balenciaga und Lucian Freud. „Meine Schwärmereien sind eklektisch“, sagt er. Sein Stil aber sei schlicht, „obwohl es manchmal sehr kompliziert ist, einfach zu sein.“ Walid Akkad ist ein präziser Mann, er schafft Ordnung in allem, was er tut. Im Garten fassen niedrige Buchsbaumhecken kleine, rechteckige Gemüsefelder ein, akkurate Buchsbaumkugeln säumen die Wege. Beim Entwerfen seiner Schmuckstücke geht er meist von geometrischen Formen aus und ihrer Verwandlung durch Bewegung oder Schwerkraft: Kreis und Oval werden zu Tropfen und Spiralen, das Irreguläre, Asymmetrische entfaltet seinen Reiz. Akkad bedient sich mathematischer

Theorien, wenn er versucht, mit minimalem Materialeinsatz maximalen Raum zu umschließen, beschäftigt sich mit den sogenannten Calabi-Yau-Mannigfaltigkeiten, hochkomplexe Körper aus der algebraischen Geometrie, die unter anderem in der String-Theorie eine Rolle spielen ... Verträumt und leidenschaftlich aber wird seine Sprache, wenn er über seine Arbeitsmaterialien spricht. Er liebt Perlen wegen ihrer natürlichen Schönheit, Edelmetalle und alle Steine: Rutilquarz, mit seinen goldenen und silbrigen Fadeneinschlüssen, den milchigen Mondstein und den grünen Peridot und den Diamanten. Schwärmerisch beschreibt er, wie die Edelsteine manchmal Sternenexplosionen glichen, er sei fasziniert davon, wie sie in Jahrmillionen unter dem Druck der Erde entstünden. Er liebt auch jene Steine, die ein wenig von der Norm abweichen – aber in unglaublichen Farben erstrahlen.


Abgeschieden und ein bisschen verwunschen: Walid Akkads „Schmuckschloss“ mit Taubenschlag (oben).

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b zehn oder zehntausende Euro pro Karat: die Ausstrahlung zählt mehr als der Geldwert. Meist schlicht gefasst, lässt Akkad die Steine selbst zur Geltung kommen, als unfacettierte, halbrunde Cabochons oder spitze Oktaeder. Rund vierzig Stücke entstehen für jede seiner Kollektionen, sie kosten zwischen 3.000 und 80.000 Euro. Besonders stolz ist er auf ein Paar Diamantohrringe, die wie lange, halbflüssige Tropfen hängen (45.000 Euro) und eine Kette, aus 2.000 kleinen Diamanten, in Ringen ineinander gehängt – leicht wie eine Feder

(65.000 Euro). Alle seine Entwürfe zeichnet er vor und modelliert sie dann detailgenau in Wachs, bevor sie in den kostbaren Materialien umgesetzt werden. Sein großes Atelier hat Akkad sich in einer ehemaligen Kapelle des Schlosses eingerichtet, es hat große Fenster und er kann ebenerdig jederzeit in seinen Garten gelangen. Zum Auftanken zwischendurch – jede Rose könnte die nächste Inspiration sein.

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my favorite

things

Ein perfekt inszenierter Mädchentraum: Ein nostalgisches Karussell mit schneeweißen Pferdchen und ätherischen Wesen in fabelhaften Gewändern. Louis Vuittons Chefdesigner Marc Jacobs setzte mit dem Bühnenbild der „Spring Summer 2012“-Show Maßstäbe in der Fashionwelt – und mit seinen bezaubernden Kreationen natürlich auch. von Petra Dietz / Fotos Solve Sundsbo


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„Ich dachte an Frühling, besonders an Frühling in Paris. Das bedeutete die Tuilerien-Gärten und das Karussell darin. Etwas, was naiv und einfach ist.“

erzaubernd: Ein überdimensionales Zelt auf dem Cour Carrée du Louvre, dem großen Innenhof des berühmten Museums, war im letzten Herbst Schauplatz eines magischen Schauspiels. Es ist Mittwoch, der 5. Oktober 2011, und die Pariser Fashionweek neigt sich ihrem Ende. Die Besucher, die sich hier versammeln, haben bereits zahlreiche Runway Shows hinter sich, aufregende Innovationen entdeckt, neue Trends verschlungen, gejubelt und gelästert. Jetzt steht nur noch eine Show auf dem Programm: das „défilé de mode“ von Louis Vuitton. Es ist ungewöhnlich still im Zelt, jeder blickt fasziniert auf den Catwalk, auf dem ein traumhaftes Retro-Karussell langsam enthüllt wird, bestückt mit schneeweißen Pferden, glänzenden Spiegeln und funkelnden Lichtern. Gemächlich dreht sich das Karussell zu spieluhrenartiger Musik im Kreis, auf jedem filigranen Ross, elegant drapiert und zuckersüß anzusehen, ein Model. Graziös gleiten die Laufstegschönheiten nacheinander aus dem Sattel, um in anmutigen Roben elfengleich über den Catwalk zu schweben. Lochmuster, Organza, ballonförmige Röcke und grazile Applikationen bestimmen den ätherischen Look der Lous-Vuitton-Sommerkollektion und sind eine luftig-leichte Augenweide. Den Abschluss des magischen ModeEvents macht passenderweise Star-Model und ewige Lolita Kate Moss in einem zartweißen Spitzenkleid mit Federelementen.

Welch ein Kontrast zur Fashion Week im Frühjahr 2011. Damals liefen die Models mit Handschellen und Putzwedeln über den Laufsteg und präsentierten einen leicht verruchten Winterlook mit FetischAnklängen. Der Louis-Vuitton-Modesommer wird mit der „Ready-to-wear-Kollektion“ alles andere als verrucht. Er kommt unschuldig mit klassischen Kleidern und Kostümen daher, vorwiegend in jungfräulichem Weiß. Wenn es bunt wird, dann dezent in zarten Pastelltönen.

Louis Vuittons Chefdesigner Marc Jacobs gibt letzte Anweisungen.


L avendel, sanftes Pistaziengrün, zurückhaltendes Erdbeerrosa, sahniges Zitronengelb – die Sorbetfarben passen perfekt zum verspielten Zuckerwatten-Look und machen Appetit auf Sonnenschein und warme Sommernächte. „Wir wollten eine Kollektion schaffen, die sich charmant präsentiert, sanft und liebevoll, in hübschen Farben und leichten Strukturen, mit transparenten und durchscheinenden Modellen. Wir wollten den Körper definieren und ihm Konturen geben, mit Luft, Leichtigkeit und Weichheit“, so Marc Jacobs über seine Frühjahr/- Sommer-Kollektion 2012. Kurz: eine Hommage an die französische Mode. Jede Kollektion, so hinreißend sie auch sein mag, braucht eine adäquate Kulisse. Die Anforderungen sind klar definiert: Ein spektakulärer Blickfang sollte das Bühnenbild schon sein, aber seine Aufgabe besteht in erster Linie darin, die Kreationen zu be-

„Wir wollten den Körper definieren und ihm Konturen geben, mit Luft, Leichtigkeit und Weichheit.“ tonen. Niemals darf die Kulisse der Mode die Show stehlen. Eine Herausforderung, die Marc Jacobs stets und aufs Neue mit Bravour meistert. Der bekennende Perfektionist ist nicht nur seit 1997 Chefdesigner bei Louis Vuitton, sondern auch Creative Director. Damit ist er für die verschiedenen Kollektionen zuständig, aber auch maßgeblich an der Idee und Realisation der Fashionshows inklusive Bühnenbild beteiligt. Die Kreativität des 48-Jährigen scheint grenzenlos zu sein, auch in puncto Inszenierung. So versteckte er seine Models 236


einst unter Packpapier, das er eigenhändig herunter riss, ein anderes Mal ließ er sie aus vier gusseisernen Fahrstühlen entsteigen, die auf einem schachbrettartigen Luxus-Catwalk platziert waren. Schaffenskrisen kennt das charismatische Mode-Genie wohl nicht. Auch wenn Marc Jacobs für Mode und Show gleichermaßen die Verantwortung trägt, so muss er dennoch nicht die

ganze Arbeit alleine machen. Ihm zur Seite steht ein Kreativ-Team, das seine Ideen weiterentwickelt, ausarbeitet und schließlich auch umsetzt – ein stressiger Job. Sieht auch am Tag der Fashion Show alles perfekt aus, so ist der Weg zur Perfektion doch steinig. Jacobs Mitarbeiter stehen unter enormem Termindruck. Bei einer Modenschau spielt nun mal die Kollektion die Hauptrolle und nimmt daher auch einen Großteil der Zeit in Anspruch, für die Planungsphase des Bühnenbildes bleibt dann nicht mehr viel übrig. Ihr widmet man sich in der Regel erst relativ kurzfristig vor der Show – und dann muss es schnell gehen. Bühnenbildner und Handwerker arbeiten rund um die Uhr, damit am großen Tag alles perfekt ist. Die richtige Planung ist das A und O, für Fehler fehlt die Zeit. Das galt vor allem für die Präsentation der Sommer-

„Wir wollten eine Kollektion schaffen, die sich charmant präsentiert, sanft und liebevoll, in hübschen Farben und leichten Strukturen und durchscheinenden Modellen.“ Frühjahr-Kollektion 2012 mit ihrem edlen Jahrmarkt-Ambiente. Das Zelt für das Mode-Happening auf dem Cour Carrée du Louvre wurde kurz vor der Show aufgebaut.


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n nicht mal zwei Tagen musste das gesamte Interieur mit Bestuhlung, Catwalk und Karussell stehen. Der empfindliche, schneeweiße Teppich wurde erst unmittelbar vor Beginn der Modenschau freigelegt, damit keine hässlichen Flecken das Prachtstück verunstalten. Und auch für die Proben blieb nicht viel Zeit. Die Models hatten für ihre Choreographie vier Durchgänge, davon einer kurz vor der Show, das musste reichen. Das Happening selbst war so beeindruckend wie kurz. Nach knapp zehn Minuten nahm Marc Jacobs, passenderweise ganz in Weiß gewandet, den wohlverdienten Applaus entgegen. Das war’s, das Ergebnis monatelangen Schaffens und durchgearbeiteter Nächte präsentiert in nicht mal einer Viertelstunde. Kaum hatten die Besucher das Zelt verlassen, ging es an den Abbau. Auch der musste, wer hätte es gedacht, schnell gehen. Die hübschen Karussellpferdchen haben bereits ein neues Zuhause, sie werden rechtzeitig zum Frühjahr als bezaubernde Deko das eine oder andere Louis Vuitton Schaufens-

ter schmücken. Zurück bleibt die Erinnerung an eine märchenhafte Inszenierung und anmutige Kreationen. Das zauberhafte Karussell war ohne Frage ein „coup de maître“ und für Marc Jacobs weit mehr als nur ein hübsches Requisit: „Ich dachte an Frühling, besonders an Frühling in Paris“, erklärt der Designer seine Inspiration. „Das bedeutete die Tuilerien-Gärten und das Karussell darin. Etwas, was naiv und einfach ist. Etwas, das als Metapher für die Kontinuität der Mode und der Saisons gesehen werden kann, die kreisen und kreisen. Es ist ein Märchen und eine Geschichte, die sich selbst wiederholt, und ein Genuss, der nie aufhört. Es spielt keine Rolle, wo es hingeht, es darf nur nie aufhören.“

Applaus für Marc Jacobs – er gibt ihn zurück an sein Team.

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Bezaubernder Catwalk à la Marc Jacobs: ein historisches Karusell zur Präsentation der Louis Vuitton Sommerkollektion 2012


Das Karusell als Metapher für die Kontinuität der Mode und der Saisons – sie kreisen und kreisen – ein Genuss, der nie aufhört. 239


Anh채nger BUCHERER: SAPHIRE PINK UND BRILLANTEN


Boden Sch채tzchen BY OLFF APPOLD


Ring BUCHERER: SAPHIR LIGHT BLUE UND BRILLANTEN


Ohrstecker TIFFANY & CO: PLATIN MIT DIAMANTEN

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Ring TIFFANY & CO: PLATIN MIT PINK TOURMALIN UND DIAMANTEN ALS SEITENBESATZ


Postproduction ELENA STEPANOVA

Lipsticks BURBERRY

Ohrgeh채nge FRANKENBERG COLLECTION: PLATIN MIT BERYTROPFEN, TURMALINEN UND BRILLANTEN 245


BIG IN 246


JAPAN Das Land der aufgehenden Sonne bringt seit Jahrzehnten Mode hervor, die polarisiert und auffällt, während sie gleichzeitig zurückhaltend seinem Naturell entspricht. Hier groß zu werden, bedeutet, Tradition und Avantgarde auszubalancieren − besonders für junge Designer, ein Drahtseilakt auf einer Plateau-Version traditioneller Geta-Sandalen. Von Janine Dudenhöffer

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Mode-Rebell Mikio Sakabe zeigt: Mode aus Japan ist anders!

achwuchsförderung wird groß geschrieben. Auch in japanischen Schriftzeichen, Kanji. Die Hauptstadt Tokio ist mit zahlreichen renommierten Designschulen und diversen Wettbewerben die perfekte Kaderschmiede für junge Designer. Für die ganz große Karriere zieht die „nächste Generation“ dann aber doch in Richtung Westen, genauer gesagt nach Paris. Nicht ohne Grund klingen japanische Labels wie „Comme des Garcons“ französisch. Die Namenswahl ist ein erster Schritt, um den Fuß in die Tür der großen Modehäuser zu bekommen. Drei Talente haben bereits ihre Koffer gepackt ... 248


Kunihiko Morinaga präsentiert mit seinem Label Anrealage auf der Tokyo Fashion Week die aktuelle Sommer-Kollektion 2012

Es regnet in Tokio. Das ist nichts Neues. Im Juni können es bis zu zwölf Tage im Monat sein. Neu sind die Outfits der puppenhaften Models, die mit bunten Riesenperücken auf goldenen Metallstelzen oder höher gelegten Plateau-Sandalen unter einem Dach von Regenschirmen über die glänzenden Straßen der Hauptstadt geleitet werden. Brandneu sogar. Es handelt sich um Mikio Sakabes Frühjahr/Sommer Kollektion, eine riesig inszenierte Catwalk-Show, der Laufsteg: die Fußgängerzone. Für Mikio Sakabe ist diese Kollektion „holy“, also heilig. Sie soll den Unterhaltungswert von Mode herausstellen. Und es funktioniert: Blitze, Gedränge, Schreie. Passanten halten inne und beobachten − verwirrt und enthusiasthisch zugleich − das kunterbunte Treiben. Jetzt singen und springen die Modelpuppen. Das junge Publikum quietscht vor Begeisterung. Schachbrettmuster und Geta-Sandalen sind ab sofort der letzte Schrei. Mikio Sakabe ist 28. Ihn zog es bereits zum Studium an die Esmod nach Paris, das er 2006 an Antwerpens Kunstakademie absolvierte. Und − noch entscheidender − seine Design-und Lebenspartnerin Shueh Jen-Fang kennenlernte. Das Paar hat seine Kreationen für moderne Textiltechnologie und innovative Stoffe spezialisiert, die Models zu lebendigen Liccas (japanische Barbiepuppen) stilisiert. Sakabes Womenswear-Kollektionen stellen Hybriden unterschiedlicher FrauenArchetypen dar, in denen die Aspekte kindgleicher Puppen mit denen der modernen Business-Frau, traditioneller japanischer

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Details der Sommer Kollektion des japanischen Labels Anrealage

Frauenkleidung und moderner Streetwear vereint werden. Wer sich hier wiederfindet und selbst in ein Stück der beiden „Puppenspieler“ schlüpfen möchte, hat heute nicht nur in Japanischen Department Stores, sondern weltweit die Möglichkeit dazu. „Mikio Sakabe“ ist in Mailand (Banner), Berlin (Happy Shop) und, natürlich, Antwerpen (Walter Store) gelistet. Vom Online-Geschäft ganz zu schweigen. Mit der modernen Technik hat Designer Kunihiko Morinaga letzte Saison abgeschlossen. Genauer gesagt, mit Pixeln und deren kleidsamen Modifikationen. Der Mann hinter dem Label „Anrealage“ − eine Wordgeflecht aus „real“, „unreal“ und „age“ − schafft es in jeder Saison, surreale Ästethik mit Tragbarkeit zu verbinden. Dabei lassen sich durchaus Parallelen zu den Designs von Viktor & Rolf und in seiner puristischen Asymetrie auch Anklänge an die Mutter japanischen Mode-Designs, Rei Kawakubo, erahnen. Der Einfluss ihres Labels „Comme des Garçons“ auf jüngere Generationen ist weniger überraschend als die Tatsache, dass Kawakubo noch nie wirklich nachgeahmt oder neu interpretiert wurde. Ein wahrhaft reiner Vorbildcharakter. 250


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Kiminori Morishita designt M채nnermode unter dem Label 08sircus

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Foto: Indigolight (PRIMAL)


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Fotos: Indigolight (PRIMAL)

orinagas Frühjahr/SommerKollektion trägt den Namen „Shell“. Körperskultpuren und schemenhafte Abdrücke eines Körpers sind als Schutzschild auf denselbigen projiziert. Plastik ist mit dem Stoff verschmolzen. Ein erster Gedanke an Fukushima wird durch Assoziationen mit griechischen Torsen verdrängt. Die Oberkörper wirken wie Panzer, der Plisseefaltenrock mit marmorierter Strumpfhose und reliefartig wirkenden Slippern darunter zart und zerbrechlich. Anrealage zeigt Hüllen und Gehäuse für alle Körperpartien: ein im Top integrierter Rucksack, ein Mantel im doppelten Sinne des Wortes, eine angedeutete Sonnenbrille in der Blazer-Tasche. Statuen-

hafte Silhouetten und die formatkompartiblen Accessoires dazu. Ein visuelles Statement, welches, während andere Designer ihre avantgardisischen Entwürfe für den Einzelhandel downdressen, um sie dem Mainstream anzupassen und die Absätze anzukurbeln, eben genau so auch in den Shops angeboten wird. Das ist (die) Kunst! Und während die zarten Triangel- und Harfenklänge der FashionshowMusik langsam verstummen, munkelt man vor der Bühne, dass „Anrealage“ der nächste japanische Name sein wird, der in Paris leicht über die Lippen geht. Kiminori Morishita hat es bereits geschafft. Geboren in Hiroshima, startete er seinen modischen Feldzug in der japanischen Bekleidungsindustrie, bevor er 2002 sein erstes eigenes Menswear-Label „Kiminori Morishita“ gründete, welches 2007 in Paris debütierte. Und zwar derart erfolgreich, dass Morishita 2009 mit „08sircus von Kiminori Morishita“ noch einen nachlegte.

Oben: Label 08sircus von Kiminori Morishita Rechts: Mikio Kollektion 2012

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Jacke und Accessoires von Anrealage, Designer Kunihiko Morinaga

orishitas Männermodels sind mal androgyne Bishonen-Typen, wie sie in Mangas und Anime als Idealbild verkörpert werden, mal europäisch anmutende Charakterköpfe, seine Männermode „08sircus“ eine sanfte Mischung aus Military- und Vintage-Elementen: Knickerbocker und Gilets umgesetzt in modernsten Technologien, Leinen-, Flachs- und Baumwoll-Materialien. Einige der Vearbeitungsmethoden sind Handarbeit. Die Natur in Form und Farbe hat deshalb ihren Preis. Ein BaumwollLongsleeve ist für 250 Euro zu haben, für ein kariertes Leinen-Canvas-Sakko legt man schon 1.000 Euro auf die Tresen, weltweit. Kein Wunder, dass sich Morishitas schlammfarbenen Trenchcoats in der Kooperation mit Uniqlo, Japans Retailer-Antwort auf Topshop, Zara, H&M und Co., besonders gut verkauft haben. Es ist also nicht die folkloristische Tradition, mit der die Riege japanischer Modeschöpfer seit Jahren von sich Reden macht. Es sind die expressiven, empfindsamen und einzigartigen Weiterentwicklungen, mutige Mode mit teils philosophischem Hintergrund. Designer wie Issey Miyake, Yohji Yamamoto oder Rei Kawakubo haben entscheidenden Einfluss auf die weltweite Modeszene genommen. Gewollte Asymmetrie, verschobene Proportionen, offene Nähte und karger Purismus waren Mittel, mit denen sie die geltenden Modegesetze völlig auf den Kopf stellten. Diese AntiMode war ein Angriff auf die traditionellen Stilregeln und stieß auf große Empörung beim Fachpublikum. Erst als sie von der internationalen Kunstszene gefeiert wurden, verstummten die letzten Kritiker. Heute dienen die sogenannten “Altmeister” dem Nachwuchs, weniger als Vorlage, mehr als Benchmark. Mit Argusaugen beobachten daher die Talentscouts der großen Couture- und Prêt-à-Porter-Häuser die Jungdesigner aus Japan. Wem der Balanceakt aus Tradition und Avantgarde besonders eindrucksvoll gelingt, der könnte sich schließlich als Chefdesigner eines renommierten Modeimperiums etablieren. Sonnenaufgang inklusive.

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Schuhe von 08sircus, Kiminori Morishita

Schuhe von Anrealage Jacke von Anrealage


Anrealage Fr端hjahr/ Sommer Kollektion 2012


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