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Mai/Juni 2Oii

Das Magazin über Menschen und Marken

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INHALT Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

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I68

I04 Stil & Design 22 News Neues aus Mode, Design und Kultur

48 Verliebt Ein Tête-à-Tête von Shamila Phot

80 Dyson Es saugt und bläst der Heinzelmann

I30 Hymne an die Nacht Festgehalten von Simone Rosenberg

I50 Faber-Castell Ein angespitztes Jubiläum

I68 Wie vor I00 Jahren In das Maison d‘éducation de la Légion d‘Honneur gelinst von Odile Hain

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Ikonen 68 Gottfried Böhm Eine Hommage an Böhm und seine architektonischen Heiligtümer

86 Glamazone Fotos von Lena Emery

96 Depeche Pop Eine Hommage an die größten Singles

I04 Augenblicke ... für die Ewigkeit Fotos von Fabrice Dall´Anese

I60 I24 Welt der Wunder Joop über das Kind im Mann

I40 Die Mutter der Luxushotels Das Peninsula und seine Entourage

160 Wiener Schmäh Knize, Loos und Lang im Portrait


Editorial Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

A

ls neue Chefredakteurin von Quality haben mich in den letzten Wochen zwei Dinge sehr beschäftigt: Ikonen – der thematische Leitfaden unseres aktuellen Magazins sowie die neuen Aufgaben und Herausforderungen, die mich auch zukünftig in meinem Bestreben, ein gutes und marktgerechtes Magazin zu produzieren, erwarten werden. Die Auswahl der Ikonen, denen wir in dieser Ausgabe den roten Teppich ausrollen, ist eine Zusammenstellung herausragender Persönlichkeiten, die Besonderes leisten und geleistet haben oder in unseren Augen schlicht ein Gesamtkunstwerk sind. Sicherlich fällt Ihnen auch sofort die ein oder andere Ikone, eine legendäre Marke oder ein verehrungswürdiger Mensch ein, der in Ihren Augen diesen Titel verdient. Uns war es wichtig, in der Vorstellung der von uns ausgewählten „Würdenträger“ nicht in bloße Ehrerbietung zu verfallen, sondern Geschichten über Menschen zu präsentieren, in deren außergewöhnliches Leben wir für einen Moment eintauchen durften. Die Geschichten hinter der Geschichte sind es, die uns interessieren und uns antreiben, immer neue und aufregende Stories aus den Bereichen Mode & Beauty, Kunst & Kultur, Design & Architektur oder Life & Lifestyle für Sie zusammenzustellen. Ist es eigentlich erstrebenswert in den Status einer Ikone aufzusteigen? Für Marken mag das fast uneingeschränkt gelten, für menschliche Wesen wohl eher nicht. Eine Ikone schafft Distanz und macht unbeweglich; das Abbild in den Köpfen der Betrachter darf nicht verändert werden oder Kratzer bekommen. Sie als unsere Leser, werden beurteilen, ob Sie das „kleine Kunstwerk Quality“ genau so lieben wie wir es tun, wir, die diese Ausgabe mit aller Energie und Faszination geschaffen haben. Das exzellente und professionelle Team, das mir in jeder Minute zur Seite stand, hat in dieser Ausgabe eine sensible Handschrift hinterlassen, ganz in Quality-Manier. Zukünftig werden unsere Inhalte durch neue Rubriken aus den Bereichen Beauty und Technik erweitert, und die „feminine“ Sicht der Dinge wird thematisch stärker vertreten sein als zuvor. Ob Quality selbst eine Ikone im Blätterwald wird, bleibt abzuwarten. Wir arbeiten daran und wünschen Ihnen ein unterhaltsames und anregendes Lesevergnügen.

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IMPRESSUM Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

Chefredakteurin Susanne Filter Textchefin Dina Herrler

Fashion Editor Saskia Nadi

Art Director Joachim Herrler

Fashion Assistent Gloria Brachmann

Grafik Enrico Nagel

Redakteur Online Daniel Kayser

stellv. Art Directorin Maren Hansen

Art Director Online Bobby Peru

Redakteurin Online Jasmin Weiler Büroleitung Clara Held Kulturkorrespondent Tile von Damm

Redaktionsassistenz Hans Hölzel

Schlussredaktion Antje Groth

Autoren Andres Damm, Elsa Goltz, Hannah Bauhoff, Hedi Zucker, Jakob Sellaoui, Nina Nestler, Patricia Engelhorn, Pia Walter, Pippin Wigglesworth-Weider, Silja Katharina Dammann

Contributoren Cecilia Bourgueil, Helmut Steidl, Lisa Zeitler, Nicolas Schwaiger, Nina Lemm, Saane van Gestern, Rade Petrasevic, Regina von Reumont, Sebastiano Raguso, Yokaw

Fotografen Arved von der Ropp, Dean Chalkley, Prof. Dieter Leistner, Fabrice Dall´Anese, Guido Karp, Lena Emery, Odile Hain, Peter Rigaud, Ragnar Schmuck, Shamila Phot, Simone Rosenberg

Vertrieb IPS Pressevertrieb GmbH Carl-Zeiss-Str. 5 53340 Meckenheim Telefon: + 49-2225-888 1-0

Verlag Koller Holding AG Hafnerweg 17, CH-8953 Zürich Verwaltungsrat: Florian Alfons von Dietikon

Corporate Manager Matthias Arens Telefon: + 49-30-2576073-340 Fax: + 49-30-2576073-344 arens@quality-magazine.de

Quality Abo-Service Postfach 103245 20022 Hamburg quality@interabo.de

Redaktion Auguststraße 19, 10117 Berlin Telefon: + 49-30-257607-340 Fax: + 49-30-257607-344 contact@quality-magazine.de

Telefon Abo-Kundenservice Tel.: + 49-30-611 05 23 86 Fax: + 49-30-611 05 23 87

Druck & Produktion X Media International GmbH, Berlin

Director Marketing & Sales Eberhard Kirchhoff Telefon: +49-69-597 969 00 Fax. +49-69-597 993 93 kirchhoff@quality-magazine.de

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Cover-Credits Fotos: Lene Emery, Produktion: Saskia Nadi, Styling: Sebastiano Raguso, Haare und Make-Up: Lisa Zeitler, Tuch von Jil Sander erhältlich im Departmentstore Quartier 206 Kleid von Giles erhältlich im Departmentstore Quartier 206 Fotoassistenz: Nicolas Schwaiger, Produktionsassistenz: Gloria Brachmann Modell: Masha (m4 Models)

quality-magazine.de Verantwortlich für den redaktionellen Inhalt im Sinne des Presserechts: Susanne Filter. Alle Rechte vorbehalten. Die Zeitschrift sowie alle darin enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Der Export von Quality und der Vertrieb im Ausland sind nur mit vorheriger Genehmigung statthaft. Für unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung übernommmen.

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DAS TREND + BRAND MAGAZIN ONLINE ERLeBEN


Contributoren Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

Fabrice Dall’ Anese Fabrice Dall’ Anese, geboren 1973 in Marseille, studierte Jura in Paris und London, bevor er sich gänzlich seiner großen Leidenschaft der Fotografie zuwandte. Seine Liebe gilt insbesondere der internationalen Welt des Films und ihrer glamourösen Protagonisten. Seit 2000 ist der Kosmopolit als freischaffender Fotograf tätig. Zu seinen Kunden gehören internationale Magazine wie Vanity Fair, Premiere, GQ oder Elle. Er lebt und arbeitet in Paris.

Lena Emery Lena Emery, geboren in Deutschland, wuchs in der Schweiz und später in Singapur auf. Als sie ein Stipendium für die Parsons School of Art and Design erhielt, zog sie nach Paris, um Malerei zu studieren. Nach einer erweiterten Grafikdesign Ausbildung in Berlin und Ausschweifungen in die Mode, u. a. entwarf sie Grafiken und Patterns für das italienische Menswear-Label Stone Island, widmet sich Lena mittlerweile hauptsächlich der Fotografie. Zurzeit arbeitet sie in Berlin und London. Ihre Fotos erschienen bereits in Publikationen wie i-D und LURVE Magazine. Internationale Grafik-Magazine bescheinigten ihr bereits 2009, sie sei „a new talent to watch out for“.

Shamila Phot Shamila Phot (38), ist freie Fotografin und lebt in Amsterdam. Während sie noch für die Börse in Amsterdam arbeitete, begann sie ihr Studium der Fotografie an der Kunsthochschule. Seit acht Jahren bereist sie nun Europa und arbeitet für große Fashionmagazine wie Vogue, Harper‘s Bazaar, Elle, Glamour, L‘officiel oder Amica. In ihrem Job als Fotografin versucht sie nicht nur perfekte Looks zu erschaffen, sondern arbeitet auch daran, sich selbst und ihre Fähigkeiten ständig zu verbessern, um immer bessere Beauty- und Modefotos zu machen. Und natürlich geht es ihr auch darum, Spaß an ihrer Arbeit zu haben. 18


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Contributoren Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

Pippin Wigglesworth Journalismus hat doch auch mit Wahrheit zu tun? An dieser Stelle sind also vielleicht die einzig ehrlichen Worte: I need the money. Hätte ich Geld, würde ich nicht für dieses Heft schreiben, sondern dieses Heft für mich. Hätte ich Geld, würde ich vielleicht mit den Leuten verkehren und die Dinge kaufen, über die in diesem Heft geschrieben wird. Aber ich bin nunmal ein jobbender Schriftsteller, der versucht, in Berlin und überhaupt im Leben, durch und weiter zu kommen.

Patricia Engelhorn Patricia Engelhorn ist Tessinerin und insofern in Italien fast zu Hause. Der Besuch im Weingut Ornellaia war für sie trotzdem etwas Besonderes, denn eine Künstlerin wie Rebecca Horn trifft man nicht alle Tage. Und das Wetter in Bolgheri war wirklich ungewöhnlich scheußlich. Dafür bietet Hongkong meist Sonne und Wärme. Sollte es auch dort einmal regnen, ist es auch gut. Unsere Autorin nutzte die Gunst der Stunde, blieb einfach im Hotel und freute sich wie ein Schneekönig, dass sie ein Zimmer im luxuriösen Peninsula hatte.

Hannah Bauhoff Hannah Bauhoff ist beyond design. Die diplomierte Produktdesignerin beschäftigt sich seit 1995 mit Design, Architektur, Lifestyle und ihren soziokulturellen Phänomenen. Auf der Suche nach neuen Themen und Trends reist sie durch die ganze Welt, berät Agenturen, hält Vorträge oder berichtet über ihre Neuentdeckungen für ZEIT-Online, Die WELT sowie sämtliche deutschen Designmagazine. Zuletzt war sie in Mailand, wo ihr der BMW-Designchef im Triennale Design Museum seine Vision der individuellen Mobilität erklärte.

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Silja Katharina Dammann Silja ursprünglich aus Hamburg, lebt und arbeitet in Wien. Nach dem Abitur arbeitete sie zwei Jahre bei einem Designer in Sydney. Danach begann sie ihr Studium in Kunstgeschichte und Kommunikationswissenschaften. Sie schrieb schon für Magazine in Wien, assistierte Fotoproduktionen und produzierte selber für ein Online-Fashion-Magazin. In ihrer Freizeit betreut sie ihre Hauskaulquappe und liebt Roboter.


firma.net

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MAI/JUNI Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

An den Mann gebracht von Nina Netsler

Simone Chrystall und Alexandra Loesch – a.k.a. iheart – wissen was Männer wollen. Rein beruflicher Natur versteht sich. Aktuell launcht das Düsseldorfer Duo für Frühjahr/Sommer „Drakewood“, eine eigenständige Männerkollektion bestehend aus hochwertigen und schlichten Basics, die viel Freiheit zum Kombinieren lassen. Die Shirts von „Drakewood“ sind ab 69 Euro erhältlich, weitere Infos unter www.drakewood.de

Life tastes good Runde II für die Zusammenarbeit von Karl Lagerfeld und Coca-Cola light. Nach einem gelungenen Start 2010 gibt es auch dieses Jahr wieder eine Kooperation der beiden internationalen Großmeister. Für seine Sommerkollektion der Coca-Cola-light-Flaschen präsentiert Lagerfeld gleich drei exklusive und frische Designs. In gewohnter Manier komplettiert der Modezar die Kollektion durch passende Accessoires wie eine Clutch, ein Top und ein Halstuch, die ab Juni auf www.coke-light.de verlost werden. Enjoy! Die Flaschen „Coca-Cola light limited Edition Collection by Karl Lagerfeld“ sind ab sofort im ausgewählten Einzelhandel sowie in Premium-Outlets der Gastronomie erhältlich. www.coke-light de 22


Back to the roots Nach gerade mal knapp sechs Jahren nahm sich das kreative Team aus Schweden eine Auszeit, und besann sich auf seine Wurzeln. Viel verändert hat sich nicht, doch aus Fifth Avenue Shoe Repair wurde V Ave Shoe Repair. Ein Unternehmen, das nun noch fokussierter im Auge behält, was es eigentlich ausmacht: die Liebe zum Handwerk, zum Drapieren, zur Konfektionsschneiderei. Die Entwürfe der kommenden Herbst-Winter-Kollektion sind das ehrliche Resultat dieser Herkunfts-Suche und beweisen wie wirkungsvoll eine kreative Pause sein kann. Weitere Informationen unter www.shoerepair.se

Mykita light

© MYKITA

Schön aussehen kann jeder. Seit der Gründung 2003 zeigt das Unternehmen Mykita aber, dass es noch mehr kann als coole und hippe Brillen zu entwerfen. Den vier Gründern und kreativen Köpfen Moritz Krueger, Daniel und Philipp Haffmans sowie Harald Gottschling liegt viel an ihrem „Projekt Mykita“. Im Herzen von Berlin findet vom Entwurf bis hin zur Produktion alles in Handarbeit unter einem Dach statt. Dass ausschließlich hochwertige Materialien verwendet werden, versteht sich von selbst. Nicht verwunderlich, dass es kürzlich zu Kooperationen mit Designgrößen wie Bernhard Willhelm, Alexandre Herchcovitch oder Rad Hourani kam. Für alle, die es etwas unauffälliger mögen, gibt es für Herbst/Winter neue Modelle der Lite-Kollektion: schlicht, klassisch und extrem leicht. Ein Zuwachs über den sich nicht nur die Mykita-Familie freut! Ab sofort erhältlich. Weitere Informationen unter www.mykita.com

Fusion der Künste Erwartet unerwartet: Die Ausstellung „Basic Instincts“ erweitert den üblichen Modebegriff und fusioniert untrennbar jene Elemente, die von jeher trendsetzend sind. Innerhalb einer multimedialen Installation verschmelzen unterschiedliche Aspekte aus Produktdesign, Architektur, Kunst und Mode niederländischer Künstler wie Inez van Lamsweerde, Anton Corbijn und Iris van Herpen. Das Ergebnis ist eine lebendige Ausstellungslandschaft die den Betrachter auf eine 360-GradReise schickt und ihn das Kulturphänomen Mode als große Einheit erleben lässt. Die Ausstellung „Basic Instincts“ findet vom 30. Juni bis 31. Juli 2011 in der Villa Elisabeth, Invalidenstraße 3, 10115 Berlin statt.

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interior Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

Möbelstückes transformiert. Die funktionellen Möbelstücke lassen den Betrachter erstaunen, und zeigen den typischen Humor des MMM- Hauses: Komfortable Kolonien von Kakteen und Evas Apfel als Fußstütze entspringen dem Ideenreichtum Maurizio Galantes. Die wie ein Ei oder eine Kugel geformten Sitzelemente verwandeln sich durch dreidimensionale Drucke in spektakuläre optische Täuschungen und geben dem Raum eine augenzwinkernde Verspieltheit. Diese Verquickungen von Ideen mit den Inhalten anderer Kreativbereiche, geben vielleicht schon einen Ausblick auf mögliche Strömungen des zukünftigen Designtrends. Wir lassen uns gerne überraschen und freuen uns schon auf die nächste Salone del Mobile in Mailand. www.cerrutibaleri.com www.maisonmartinmargiela.com www.maurizio-galante.com

In DALIS DIoRAMA Die Design-Firma Cerutti Baleri verwandelte auf der diesjährigen Fourisalone in Mailand ihren Showroom in eine surrealistische Welt der inneneinrichtung.

Projizierte Schatten spielten mit den Proportionen und Volumina des raumes.

Von Silja Katharina Dammann

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© Andrea Martiradonna

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ronisch, überraschend und faszinierend, wirkten die bewusst unvollkommenen und in ihrer Proportion verschobenen Möbelstücke auf die Sehgewohnheiten des Betrachters. In den unterschiedlich gestalteten, und stimmig konzipierten Räumen, wurden die Linien „Edizioni“ und „Collezioni“ vorgestellt, und verdeutlichten den innovativen Geist der Firma. Inspiriert durch die Modewelt, zeigten die fünf Installationen, neu interpretiert, die Idee der Verstellung. Die diesjährige „Edizioni“ Linie zeigt neue Produkte der Modehäuser Maurizio Galante und Maison Martin Margiela. MMM präsentierte insgesamt 13 neue Stücke, darunter „Sbilenco“, einen instabil wirkenden Tisch, und „Undersized“, ein zu klein geratenes Sofa aus der Serie „Géométries Variables“. Die gewohnten Proportionen wurden verzerrt und der vertraute Archetyp des


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Accessoires Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

Minimalistische Übertreibungen von Silja Katharina Dammann

Leuchtende Farben und geschwungene Kurven der „Minimal-Baroque“-Kollektion lassen die Grenzen zwischen Haute Couture und den feinen Künsten verschwinden. Diese Verbindung wird auch in der Kampagne von Prada deutlich. Drei Illustratoren (Ivo Bisignano, Marcela Gutierrez and Andrea Tarella) wurden beauftragt, die Sonnenbrillen in einer Serie von Zeichnungen umzusetzen. Das Ergebnis sind übertriebene, bunte Zeichnungen, in denen Tiere anstelle von Modellen fungieren und die barocken Kunstwerke perfekt ergänzen. www.prada.com

Frischer Wind

Diese Sandalen sind stilvoll, lässig und trotzdem sexy. Die Frühjahrskollektion von Thakoon ist erfrischend schön und mühelos elegant.

www.thakoon.com

Brave new world

Basierend auf der Utopie einer im 21. Jahrhundert lebenden Stammesgesellschaft lässt die Kollektion „Urban Amazones“ uns in die Welt der Amazonen, Erdgöttinnen und Fruchtbarkeitsriten eintauchen. Die aus Messing gemeißelten Stücke von Sergio Rossi werden treffend „Idol“ genannt und sind eine Hommage an Francois Xavier und Claude Lalanne. www.sergiorossi.com

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shops Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

ANzieheNd fruchtig Die spanische Modekette Mango, auch diese Saison wieder repräsentiert von der Schauspielerin Scarlett Johansson, eröffnete eine neue, um es genau zu sagen, ihre sechste Filiale in Berlin. Unweit der Hackeschen Höfe und in direkter Nachbarschaft zu Top-Marken wie Hugo Boss oder Tommy Hilfiger, bezogen die Spanier, die sich an die junge, urbane Kundin richten, ihre neue Dependance. Bestach dieser Kiez noch vor ein paar Jahren durch seine kleinen Galerien und individuellen Shops, so ist er nun zu einer Repräsentationsfläche großer Textilkonzerne geworden. Ob man dies nun bedauert oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Dass die Kleidung von Mango in dieses Viertel passt, ist jedoch keine Frage. Also: Vamos, Chicas! www.mango.com

pradas kleine schwester geht ins Netz Miu Miu, das jüngere Label des Traditionshauses Prada, ist ab sofort auch im Netz vertreten und bietet in seinem E-Store die gesamte Produktpalette des Labels an. Ob Kleider, Schuhe, Hosen, Gürtel oder Accessoires wie Sonnenbrillen und Taschen, der Onlineshop bedient 17 europäische Länder sowie die USA und Japan mit allem, was das Fashion Herz begehrt. Der E-Store bietet seinen Kundinnen jedoch noch einiges mehr. Im „Catwalk-Bereich” der Webseite werden die MiuMiu-Schauen von den Fashion Weeks gezeigt, und mit der Zoomfunktion können alle Produkte ganz genau beäugt werden – genauso wie es sich für einen guten OnlineShop gehört. Der Newsletter versorgt alle Neugierigen regelmäßig mit Informationen zu besonderen Events und neuen Produkten. Wer also ganz entspannt, erstklassige Designerstücke shoppen möchte, ist hier genau richtig. Und der einzige, den das nicht freuen wird, ist der Geldbeutel. Versprochen. www.miumiu.com 27


MODE Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

einsteiger des monats an dieser stelle präsentieren wir menschen aus den Bereichen mode, Kunst, design und musik, die Besonderes leisten. Wir befragen sie zu den neuesten trends, schönsten momenten, Lieblingsbüchern, ihren ansichten und einsichten. Und zu einigem mehr.

Gibt es modische Sünden, die Ihr nicht verzeiht? Van Bö: Was sind schon modische Sünden? Vor nicht allzu langer Zeit, dachte ich noch Karottenhosen wäre eine, jetzt trage ich sie selbst. Es gibt Dinge, die mein ästhetisches Empfinden stören, aber Unverzeihliches gibt es nicht. Mode ist Mode, nicht mehr und nicht weniger.

von Hedi Zucker

Horn van Bö sind das Berliner Designerduo Sara van Bö und Jörn Horn, die bereits während ihrer gemeinsamen Schneiderausbildung erkannten, dass sie den gleichen Sinn für Stil und Ästhetik haben. Hier im Atelier wurde auch recht schnell klar, was sie wirklich wollten: selbst designen, entwickeln, ausprobieren, lernen. Die Lehrjahre haben sie nun hinter sich und vertreiben bereits die vierte Kollektion unter ihrem gemeinsamen Namen. Ihre Entwürfe bestechen durch thematische, meist monochrome Farbgebung und präzise, minimalistische Schnitte, die den bewussten Umgang mit Texturen und Materialien wi-

derspiegeln. Ihre klassischen, mit „Vintage“Anklängen aufgebrochenen Designs zeigen neben aller handwerklicher Genauigkeit, auch immer die nötige Prise Lässigkeit, die ihre Kleider uneingeschränkt tragbar macht. Ab sofort können auch Männer Horn van Bö kennenlernen. Das Label launcht gerade ihre erste Herrenkollektion, die ab sofort erhältlich ist.

Was mögt Ihr an eurer neuen Heimat Berlin am liebsten? Die Lässigkeit und Vielfalt, die uns hier menschlich und modisch begegnet. Horn van Bö, Gartenstraße 7, 10115 Berlin www.hornvanboe.de

Was sollte ein Mann unbedingt im Kleiderschrank haben? Horn: Ein weißes, gut sitzendes Hemd, eine schmale Krawatte und den Horn-van-Bö„Two button dinner sweater“.

sPotLigHt Giles Deacon, bester britischer Designer des Jahres 2010, könnte untypischer nicht sein. Er ist nicht schwul, hatte als kleiner Junge keinerlei Ambitionen, nähen zu lernen, und sein äußeres Erscheinungsbild ist eine Mischung aus Marinesoldat und Riesenbaby. Und dennoch liegen ihm nicht nur die Frauen, sondern seit seiner Auszeichnung auch die Kritiker zu Füßen. Der große Brite mit dem Kassengestell, der eigentlich Biologe werden wollte, arbeitete nach seinem Studium am Central St Martins College zunächst für JeanCharles de Castelbajac und Bottega Veneta, wo er seine Liebe zu qualitativ hochwertigen Stoffen und perfekten Schnitten entdeckte. Sein Herz schlägt jedoch nicht nur für die Mode: Dieses Frühjahr kommt Giles 90 Teile umfassende neue Schmuck-Kollektion in die Läden, die von Figuren aus Filmen seiner Kindheit, wie Bambi oder Gizmo von den Gremlins, als auch kleinen Monstern und Comicwesen inspiriert ist. Und die sind, wie sollte es anders sein: echt goldig.

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KISS tHE BrIDE Das Brautkleid, traditionell immer am Ende einer Show und immer am Körper des Lieblingsmodels zu sehen, rückte Ende April in den Fokus der gesamten Weltöffentlichkeit. Als Kate Middleton zum Altar schritt und endlich das Geheimnis ihrer Hochzeitsrobe lüftete, ging ein Seufzer um den Globus: Sarah Burton, Creative Director bei Alexander McQueen hatte das Privileg bekommen, die royale Robe zu entwerfen: ein cremeweißes, romantisch inspiriertes Korsagenkleid mit V-Ausschnitt, feinster weißer Spitze mit Blumenornamenten und einer 2,70 Meter langen Schleppe. Ob die Herzogin von Cambridge, so Kates offizieller Titel, auch in Zukunft als Fashion-Ikone von sich reden machen wird, bleibt abzuwarten. Quality hingegen hat sich schon für das schönste Brautkleid 2011 entschieden und verneigt sich vor der wunderschönen Robe von Viktor & Rolf, die die moderne Braut futuristisch anmutend und maximal feminin inszeniert haben. Bleibt noch zu erwähnen, dass dies der Sommer der Celebrity-Hochzeiten wird: Bereits am 11. Juni heiratet Lily Allen ihren Lebensgefährten Sam Cooper, gefolgt von Charlene Wittstock, die ihrem Fürsten Albert von Monaco am 1. Juli das Jawort geben wird, und nur einen Tag später, trauen sich Kate Moss und Jamie Hince, die die wahrscheinlich wildeste Hochzeitsparty des Jahres geben werden. Wir wünschen alles Gute! www.viktor-rolf.com

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BÜCHER Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

FRANZÖSISCH FÜR ANFÄNGER Inès de la Fressange gibt modische Nachhilfe Texte von Dina Herrler

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© Paolo Roversi

ass Lesen nicht nur schlau, sondern auch schöner machen kann, beweist uns Karl Lagerfelds Muse und Model-Ikone Inès de la Fressange. Der Style Guide „Parisian Chic“, ihr persönlicher Blick auf die Modemetropole an der Seine, führt den Leser auf die Straßen von Paris und versucht das Geheimnis des einzigartigen Looks Pariser Frauen zu ergründen. Neben ausgesuchten Skizzen, Fotos exemplarischer Street-Styles und einfachen Stilregeln, finden sich in diesem Führer auch wertvolle Shoppingtipps, die den nächsten Besuch in der Stadt der Liebe dringend notwendig machen. Aber was genau ist das Geheimnis des Pariser Chic? Madame selbst formuliert es so: „Französische Frauen tragen weniger Dinge gleichzeitig. Wenn sie eine Kette anlegen, dann verzichten sie auf Ohrringe. Wenn sie Nagellack auftragen, ziehen sie nicht all ihre Ringe und Armbänder an. Sie tragen ihre Kleider von letzter Saison auch noch in der nächsten Saison.“ Und so sei eines bewiesen – auch in einer Stadt, die Mode lebt und atmet, ist Stil keine Frage des Geldes.

„Parisian Chic“ – A Style Guide by Inès de la Fressange, Flammarion, 240 Seiten, 19,95 Euro

THE LADY IS A PUNK Juergen Teller inszeniert Vivienne Westwood

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r ist der Entzauberer des schönen Scheins und bekannt für seine autobiographisch geprägten Bilder. In seinem neuen Bildband präsentiert er seine ungezügelte Freude an orgiastischer Albernheit und Verzerrung. Teller, bekannt geworden durch seine Rockstarportraits u. a. von Kurt Cobain oder Morrisey, fotografiert seit nun mehr als 20 Jahren Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in ungewohnter, ungeschönter Inszenierung und revolutionierte mit seinem Stil die Modefotografie. In „Get A Life“ erweckt er die Kleider aus Vivienne Westwoods Frühjahrs/Sommerkollektion 2010 zum Leben, indem er sie an Pamela Anderson, Andreas Kronthaler, dem argentinischen Model Tati Cotliar und der Modeschöpferin höchstpersönlich präsentiert. In an Höhlenmenschen erinnernde entfesselten Posen und skurrilen Sets, inszeniert er eine bisher ungesehene Modestrecke, die bizarre Rohheit, PunkAttitüde und ungezügelten Spaß miteinander vereinen. Juergen Teller: Get A Life. Steidl, 32 Seiten, 14 Euro

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BÜCHER

© Paul McCartney

© Paul McCartney

Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

EIN LEBEN IN BILDERN

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inda McCartney, Ehefrau von Paul Who der Musikgeschichte: Aretha FrankMcCartney und vor allem in den lin, Jimi Hendrix, Bob Dylan, Janis Joplin, letzten Jahren ihres viel zu kurzen Simon & Garfunkel, The Who, The Doors, Lebens den meisten als liebevolle Mutter Grateful Dead und natürlich die Beatles. und Tieraktivistin im Gedächtnis, ist eine Die Begegnung mit letzteren sollte ihr Leder großen Fotografinnen dieses Jahrhun- ben verändern. Paul McCartney und Linda derts. Kaum ein Musiker zu Zeiten der Eastman verliebten sich und heirateten am Swinging Sixties, den sie nicht portraitier- 12. März 1969. In den Jahren ihrer Ehe entte. Ihren ersten Fotojob „ergaunerte“ sie standen neben Künstlerportraits von Wilsich charmant, als sie, die 1966 kurzzei- lem de Kooning oder Gilbert and George tig als Empfangsdame bei der Zeitschrift auch zahlreiche Tourneebilder der Wings Town and Country arbeitete, in den Besitz und private Familienaufnahmen. Die Auseines Presseausweises kam und ihn nutze, wahl dieser Aufnahmen aus ihrem 200.000 um sich für einen Werbeauftritt der Rol- Fotos umfassenden Archiv wurde in enger ling Stones zu akkreditieren. Ihre unkon- Zusammenarbeit mit Paul und ihren Kinventionellen, frischen Fotos trafen den dern realisiert und beweist eindrucksvoll Nerv der Zeit und führten dazu, dass sie das große Talent einer großartigen Frau. bereits ein Jahr später Eric Clapton für das Coverfoto des Rolling Stone Magazine por- Taschen Verlag, Linda McCartney: traitieren durfte. Die Liste ihrer darauf fol- Life in Photographs genden Arbeiten liest sich wie das Who´s 280 Seiten, 49.99 Euro

© Paul McCartney

Das künstlerische Vermächtnis der Linda McCartney

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mode Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

Sneaker Deluxe von Andres Damm

Kollaborationen in der Modeszene sind so neuartig und überraschend wie antike Sehenswürdigkeiten im Zentrum von Athen. Oftmals ist nicht wirklich nachvollziehbar, weshalb eine Kooperation zwischen zwei bestimmten Labels entsteht. Michael Michalsky allerdings ist dem Hause MCM schon seit mehreren Jahren als Kreativdirektor verbunden und hat die Modernisierung, des Ende der 70er-Jahre gegründeten deutschen Pendants zu Louis Vuitton maßgeblich beeinflusst. Insofern ist der „Michalsky X MCM Urban Nomad“ eigentlich mehr eine Zusammenarbeit von Michalsky mit Michalsky und eine längst überfällige Zusammenführung zweier Labels, die dem gleichen Geiste folgen. Das typische Monogrammleder von MCM als Material für einen Signatur-High-Top-Sneaker zu benutzen, ist als Idee genauso simpel wie genial! Für den limitierten Schuh gibt es bereits Wartelisten in den MCM-Boutiquen. www.mcmworldwide.com

Mit dem Ford nach Portofino Wenn Tom Ford etwas macht, dann ist in der Regel darauf Verlass, dass das Resultat ein bedingungsloses Bekenntnis an den guten Geschmack ist. Selbst nach seinem Oscar nominierten Film „A Single Man“ und der von der Modewelt frenetisch gefeierten Präsentation seiner Damenkollektion, kam es dem Multikreativen nicht in den Sinn, eine kleine Pause einzulegen und sich genüsslich auf seinem Erfolg auszuruhen. Der Aufbau seines Imperiums ging direkt weiter mit der Entwicklung verführerischer Preziosen. Entstanden ist die neue Badelinie „Neroli Portofino“ zum Duft seiner Private Blend Collection. Die azurblaue Variante seines bekannten Art-Deco-Flakons ist eine frische Hommage an das italiensche Hafenstädtchen am Golf von Portofino. Der Duft selbst bedient sich nicht an den schweren maskulinen Noten, für die wir Tom Ford bisher so liebten, sondern ist mit seinem Herz aus Zitrusnoten und blumigen Akkorden sommerlich leicht. Die Kampagne wurde übrigens vom Chef des Hauses selbst inszeniert und fotografiert, dementsprechend sexy-sinnlich ist das Ergebnis. www.tomford.com 32


Mode für eine bessere Welt Nachhaltigkeit in einer Branche, die mit jeder neuen Präsentation das Vorherige als überholt verbannt, klingt im ersten Moment absurd. Doch Zeiten ändern sich, und auch in der Mode scheinen sich Tendenzen zu entwickeln, auf eine längerfristige Gültigkeit zu setzen. Das neu gegründete Berliner Label UMASAN ist ein schöner Beweis dafür, dass verantwortungsbewusster Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen kein Widerspruch zu modischer Kleidung darstellen muss. Im Mittelpunkt der minimalistischen Kreationen, steht die virtuose japanische Schnittführung. Tiefes Schwarz unterstreicht die graphischen Entwürfe, statt von ihnen abzulenken. Die Gründerinnen des Labels, die Zwillingsschwestern Anja und Sandra Umann, bedienen sich sowohl an klassischen Naturmaterialen wie auch an innovativen Stoffen aus Protein-CelluloseFasern. Dabei verzichten sie, bei der ausschließlich in Deutschland und Italien gefertigten Kollektion, gänzlich auf tierische Materialien. Vegane Mode also. Seit April kann man sich im Flagship Store in Berlin Mitte davon überzeugen, wie kleidsam soviel „Social-Awareness“ sein kann. UMASAN, Linienstraße 40, 10119 Berlin , www.umasan-world.com 33


ArchiTEKTUr Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

Die PyramiDen Der Zukunft Ungefähr 200 Euro kostet eine Tagestour in das Sperrgebiet des ehemaligen AKW Tschernobyl pro Person. Geigerzähler-Kick inklusive. Nur das T-Shirt kostet extra. von Jakob Sellaoui

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o in etwa klingt der Werbeslogan der jährlich zahlreiche Tagestouristen in das radioaktiv verseuchte Gebiet lockt. Die Hauptaufgabe des neu geplanten Sarkophags, welche die Reaktoren in Fukushima versiegeln soll, liegt in der Abschirmung des radioaktiven Materials. Nachdem der Dreck unter dem Teppich verschwunden ist, bleibt die Frage: Wie präsentiert sich die Tragödie zukünftigen Generationen? Ein Bauwerk, welches zur Isolierung von radioaktivem Material dient, müsste, auch wenn etappenweise erneuert, eine Lösung für mehrere Tausend Jahre bieten. Die Ausmaße solcher Überbauungen, wären aus dem Weltraum sichtbar und könnten wie antike Pyramiden von nachhaltigen

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Ereignissen zeugen. Solche Mahnmale würden die Zeit überdauern und in gewisser Weise Symbole für die Ewigkeit sein. Der kanadische Künstler Carl Zimmerman schafft in seinen Werken fiktive Architekturen, die auf den ersten Blick wie neoklassizistisch Repräsentationsbauten wirken. Beim genaueren Betrachten fällt der gigantische Maßstab auf, der eine Atmosphäre erzeugt, die den Menschen klein und unbedeutend wirken lässt. Könnte so die Zukunft solcher Schauplätze aussehen? Mit der wenigen Erfahrung bleibt es eine schwierige Aufgabe. Nicht nur für Architekten.

www.carlzimmerman.ca


AUSSTELLUNGEN Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

DIE WuT DER BILDER Ai Weiwei und die heimliche Vernetzung der Welt Texte von Dina Herrler

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r ist der bekannteste Künstler Chinas und wegen seiner regimekritischen Äußerungen immer wieder Repressalien ausgesetzt, denen er sich mutig stellt. Ai Weiwei, Konzeptkünstler, Bildhauer, Kurator und Menschenrechtler, stellt in diesem Monat gleich zwei Mal in der Schweiz aus. Den Anfang macht das Kunstmuseum Luzern, das Mai Ai Weiwei als Mitkurator und kunstschaffenden Teilnehmer der Ausstellung „Shanshui“ präsentiert. Landschaftsdarstellungen der chinesischen Gegenwartskunst und selbst gestaltete Räume werden hier zu sehen sein. Das Fotomuseum Winterthur zeigt ab dem 28. Mai dann die Fotografie- und VideoAusstellung „Interlacing“ (Verweben, Verknüpfen), die den vielseitigen Künstler als globalen Kommunikator abbildet, der unermüdlich zwischen Kunst und Gesellschaft vermittelt. Seit 2005 hat Ai Weiwei rund 200.000 Fotos gemacht, die Hälfte konnte er über seine Blogs veröffentlichen. Seit der Sperrung seiner Blogs speist er seine pointierten Botschaften per Twitter ins Netz. Rund 28.000 bisher unveröffentlichte Blog-Fotos werden nun im Fotomuseum zu sehen sein.

Ein antiker chinesischer Stuhl in Form einer Marmorskulptur. Der Stuhl ist leer und wird so lange im Luzerner Museum stehen bleiben, bis der gegen seinen Willen abwesende Ai Weiwei sich darauf setzen kann

21. Mai – 2. Oktober, Kunstmuseum, Luzern www.kunstmuseumluzern.ch 28. Mai – 21. August, Fotomuseum, Winterthur www.fotomuseum.ch

Kleist 2.0 Stella & calatrava inszenieren „The Michael Kohlhaas curtain“

© Burg + Schuh, Palladium Photodesign

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The Michael Kohlhaas curtain, 2011

ier treffen zwei Weltstars aufeinander, die eines im Sinn haben: die Definition des Raumes in seinen mannigfaltigen Ausprägungen. Der amerikanische Künstler Frank Stella, der seit den 1960er-Jahren das Medium der Malerei einsetzt, um in den Raum vorzustoßen, und der spanische Ingenieur und Baumeister Santiago Calatrava, der mit filigranen Brücken und Bogenbauten poetische Raumgebilde kreiert. Aufhänger dieser Kollaboration ist eine kraftvolle, leuchtende Komposition von Stella, gemalt auf Lastwagenplane aus dem Jahre 2008. Das gewählte Sujet ist eine freie Interpretation der handlungsreichen Geschichte des „Michael Kohlhaas“, einer Erzählung Heinrich von Kleists. Santiago Calatrava hat für dieses, ursprünglich 30 Meter lange Wandbild nun einen feingliedrigen Architekturüberbau entworfen, einen Torus, der das Bild zum ringförmigen Panorama werden lässt. Schwebend über den Köpfen der Besucher im Zentrum der Glashalle aufgehängt, wird diese eindrucksvolle Installation zu einem komplexen Raumerlebnis. Grelle Plastikfarben, dynamische Muster und Strukturen konterkarieren hierbei spielerisch die rigide Strenge des Mies-van-der-Rohe-Bau. In dieser Melange aus Kunst, Literatur und Architektur ist so eine energetische mit großer Strahlkraft versehene Installation entstanden, die jenseits aller Kategorien steht. 15. April – 14. August 2011, Neue Nationalgalerie, Berlin www.neue-nationalgalerie.de 35


AUSSTELLUNGEN Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

Dior héritage, Paris © Laziz hamani.

Miss Dior: kurzes Abendkleid, Frühjahr-SommerKollektion 1949, Trompe-L`Oeil Line. Kleid bestickt mit tausenden Barbier-Blumen

Divine Dior Monsieur inspiriert Moskau

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hristian Dior, einer der bekanntesten Couturiers der Welt prägte mit seinen feminin-eleganten Entwürfen über zwei Jahrzehnte maßgeblich die Haute Couture der Nachkriegszeit und machte Paris zum Modezentrum der Welt. Yves Saint Laurent und John Galliano, die sein modisches Erbe weiter perfektionierten, sorgten in den letzten vier Dekaden für den triumphalen Einzug Diors in den Mode-Olymp. Kennzeichnend für Diors Mode war eine schmale Taille, ein figurbetontes bzw. korsettgestütztes Oberteil, weite, schwingende Röcke aus edlen Materialien in verschwenderischen Mengen sowie Wagenradhüte und lange Handschuhe. 36

durch zeitgenössische Strömungen künstMonsieur Dior selbst sagte einst: „Alles, was lerisch befruchten lassen. Sein einzigartiger in meinem Leben passiert ist, hat – ob ich es wollte oder nicht – seinen Ausdruck in „New Look“ zeigt beispielsweise Einflüsse meinen Kleidern gefunden.“ und so spie- aus Arbeiten Picassos und Renoirs. Seine Nachfolger ließen sich inspirieren durch die geln sich die unterschiedlichsten Elemente aus Kunst und Architektur sowie floralen Werke der Performance-Künstlerin Vanessa Beecroft oder des italienischen Künstlers Anklängen schon mal in nur einem einzigen Maurizio Cattelan. Ballkleid wider. Seine Schnitte verbinden Das Moskauer „Puschkin Museum of Fine gekonnt die Strenge und Perfektion eines Versailler Schlossgartens des 18. Jahrhun- Arts“ präsentiert nun diese kreative Vielfalt anhand von Fotografien, Modellen und derts mit der Vielfalt botanischer Formen und Ausprägungen. Tulpenmuster und Ro- Skulpturen in seiner Ausstellung „Inspiration Dior“. senblüten konterkarieren die Schwere von Samt oder schmücken federleichte Texturen, die Diors Kleider wie Kunstwerke 28. April – 24. Juli Puschkin-Museum, Moskau erscheinen lassen. Er hat sich jedoch auch www.arts-museum.ru


AUSSTELLUNGEN Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

COVER GIRLS rheinisches Bildarchiv Köln© courtesy Vogue. The condé Nast Publications inc., New York Museum Ludwig Köln / Fotografische Sammlung (Sammlung Gruber)

Die frühe Modefotografie des 20. Jahrhunderts

irving Penn: Marlene Dietrich, 1950

Mit „Sternstunden des Glamour“ präsentiert das Kölner Museum Ludwig eine Auswahl der frühen Werbe- und Modefotografie des letzten Jahrhunderts. Führende Vertreter des Genres, wie Cecil Beaton, George Hoyningen-Huene und Horst P. Horst, profitierten von der Expansion der illustrierten Presse in den 20er-Jahren, der Filmindustrie und der Entwicklung der Modewelt, die nach dem Ersten Weltkrieg ein völlig neues Lebensgefühl entstehen ließ. Diese frühen Pioniere verquickten technische Raffinesse, ein geschultes Auge, Wissen um die zeitgenössischen Trends und besondere künstlerische Begabungen, um Bilder zu schaffen, die noch heute begeistern. In ihren Porträts zeigten sie berühmte Persönlichkeiten und Modelle mal distanziert und gebieterisch, dann wieder verspielt und voller Sinnlichkeit. Sie entwickelten die ersten PR-Fotos, prägten Images oder setzten Modetrends in Szene. Ihre Bildfindung und Herangehensweise sollte wegweisend für eine ganze Generation junger Modefotografen sein. unter ihnen Irving Penn und der große Richard Avedon, zwei weitere herausragende Vertreter der angewandten Fotografie. 2. Februar – 4. September 2011, Museum Ludwig, Köln www.museum-ludwig.de

Duo infernale Die Ausstellung „The Twins - A visual journey by Gisela Getty und Jutta Winkelmann“ zeigt in ungewöhnlichen Fotografien das bewegte Leben der Zwillingsschwestern Jutta Winkelmann und Gisela Getty, die den meisten als „Lebenspartnerinnen“ des „Kommune 1“-Gründers Rainer Langhans bekannt sein werden. Die Schwestern blicken jedoch auch außerhalb des experimentellen Wohngemeinschaftsalltags auf ein aufregendes, kosmopolitisches Leben zurück. Gisela und Jutta, die sich in den 70er-Jahren mit beinahe jedem Star dieser Dekade anfreundeten, gelten als die ideale Verkörperung des Zeitgeistes dieser wilden Jahre. Die Schwestern aus Kassel waren Groupies, Musen und Göttinnen. Sie trafen Stars wie Bob Dylan, Sean Penn, Dennis Hopper und Roman Polanski, die beide in aufregenden Fotos festhielten. Diese Bilder entstanden überall auf der Welt und sind neben dem Abbild deutsch-amerikanischer Popkultur auch Zeugnisse einer weiblichen Selbstentdeckung in den Anfängen des Feminismus.

© Daniel Josefsohn

Das wilde Leben der Zwillinge Jutta Winkelmann und Gisela Getty

Gisela Getty, Jutta Winkelmann, 2011 (von links)

1. April – 22. Mai 2011, Deichtorhallen, Hamburg, www.deichtorhallen.de

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DESIGN Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

DEr NEuE SouND DEr StaDt Bislang galt: Wer in der Stadt von A nach B kommen will, aber weder Lust auf Parkplatzsuche, öffentliche Transportmittel noch auf Umweltverschmutzung hat, der muss Fahrradfahren. Eine neue Konzeptstudie von Mini zeigt, dass es auch anders geht kann. von Hannah Bauhoff

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oing mobile“ – so lautet ein Song der britischen Rockband The Who, den Jugendliche in handgenähten Anzügen unter langen Parkern mit Vorliebe in den 60er und 70er Jahren hörten. Neben der Musik und grünen Mänteln war der Motorroller das zentrale Erkennungszeichen der so genannten Mods. Die Anhänger dieser Subkultur pflegten und stylten ihr Zweirad genauso hingebungsvoll wie sich selbst – und prägten damit das Lebensgefühl einer ganzen Generation: Freiheit, Modebewusstsein und individuelle Mobilität einten die modernen Youngster beim Feiern, Tanzen und Welterkunden. An dieses Freiheitsgefühl samt Spaß auf zwei Rädern erinnerte sich der Designchef von BMW Group Adrian van Hooydonk und präsentierte jüngst in London und Mailand das Mini E Scooter Concept. Bereits am Anfang des Entwurfsstudiums stand für das BMW Designteam fest: Die Urbane Mobilität der Zukunft muss C02-frei sein. Daher wird der von einem Elektromotor angetrieben, der dank integriertem Ladekabel jederzeit an herkömmlichen Netzsteckdosen aufgeladen werden kann. Ebenfalls recht visionär ist der Zündschlüssel, der komplett durch ein Smartphone ersetzt wurde. Starten und Ausschalten funktionieren durch Berühren des Touchpads vom Mobiltelefon, das der Fahrer einfach in die kreisrunde Anzeige einlegt. Dadurch wurden sämtliche Infotainment-, Kommunikations- sowie Navigationssysteme aktiviert, wodurch das Zweirad dem Auto ebenbürtig wird. Es sind aber weitere Ähnlichkeiten festzustellen: die Frontstrahler sowie der Metallgriff am Sattel erinnern beispielsweise stark an Scheinwerfer und Dachspoiler der Miniflotte, wurden je-

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doch eigenständig für die Scooter entwickelt. Besonders charmant ist die Neuinterpretation des Helmfachs, wo ein Tassenhalter zwei Espressotassen aufnimmt. Drei unterschiedliche Prototypen des umweltfreundlichen Rollers gibt es. Die gelb-graue Ausgabe des kleinen Stadtflitzers erinnert an die Farbgebung des Elektroautos von Mini, die dunkelbraun-grüne Variante wirkt dagegen eleganter. Wer dagegen Wert auf den Originallook legt, wird sich für die weiße Version samt Mods-Emblem entscheiden. Der blaue Kreis mit weißem Ring und rotem Punkt war Leitmotiv für die gesamte Farbgestaltung des dritten Scootermodells. Gut aussehen, in jede noch so kleine Parklücke passen, CO2 neutral - die Textzeile von The Who „I can stop in any street, invitin‘ people there with me, goin‘ mobile“ kann man dann demnächst mit guten Gewissens lauthals mitsingen.


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© Fotos von MINI / BWM


LEGENDEN Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

KAVALIERE, KÜNSTLER, KAVIAR von Elsa Glotz

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as „Hotel am Steinplatz“ der Familie Zellermayer war im Berlin der „Roaring Twenties“ eine Institution. Hier logierte nur, was Rang und Namen hatte. 1916 wurde es zu Zeiten des glanzvollen Bürgertums von Max Zellermayer gegründet. In den Kriegsjahren widerfuhr dem edlen PrivatHotel das Schicksal vieler Berliner Bauten, es wurde ausgebombt. Erna, Max Zellermayers Frau, baute es nach dem Tod des Vaters und dem Ende des Krieges 1945 wieder auf. Achim Zellermayer eröffnete nebenan das Künstlerlokal „Volle Pulle“, in dem sich die Maler der „Brücke“ und Schrift-steller wie Grass und Böll auf ein Glas Wein trafen. Heinz Zellermayer schaffte am 20. Juni 1949 die Sperrstunde ab. Logierten zu seinen Anfängen noch russische Fürstenhäuser im „Hotel am Steinplatz“, so tummelten sich in der späteren Berliner Inselrepublik illustre Gäste wie Vladimir Nabokov, Romy Schneider, Luciano Pavarotti oder Marcel Marceau. Stets war das Privat-Hotel die Bühne für Auftritte und Dramen aller Art. Mehr als ein halbes Jahrhundert prägten

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die Prominenz und ihre Exzesse, Liebeleien und großartigen Partys die einzigartige Atmosphäre dieses Hauses, das dem Adlon in seiner Exklusivität kaum nachstand. Max Zellermayers mittlerweile 91-jährige Tochter, Ilse Eliza Zellermayer, hat eine bewegende Autobiografie über das Leben im Hotel geschrieben, die im Aufbau Verlag unter dem Namen „Prinzessinnensuite“ erschienen ist. Doch nicht nur Ilse erlebte den Glamour hautnah, auch ihre Tochter Ariana de Ment wuchs im Hotel auf und partizipierte am bewegenden Schauspiel, das sich ihr täglich bot. Aus ihren Beobachtungen zog sie bereits früh Schlüsse über die zwischenmenschliche Interaktion und besonders über die Schwierigkeiten in der Kommunikation zwischen den Geschlechtern. In ihrem Seminar „The feminin Way of Life“ gibt sie allen Interessierten unter anderem am 26. Mai 2011 die Möglichkeit, sich hilfreiche Tipps zu holen und Strategien zu erarbeiten, um die Beziehung zu sich selbst und dem Partner zu bereichern.

Ariana de Ment unten: Prinzessinnensuite Ilse Eliza Zellermayer gebunden, 224 Seiten Aufbau Verlag


GASTRONOMIE Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

Perlhuhn, Puszta, Partisanen

Das Konzept des Gourmet-Dinners in privater Wohnzimmeratmosphäre erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Sei es in Städten wie London, Berlin oder New York – überall blüht die „Underground Haute Cuisine“ und begeistert die Gäste mit luxuriösen Menüs in unkonventioneller Atmosphäre. Auch Ungarns Hauptstadt Budapest ist seit nunmehr einem Jahr mit dem „Partizan-Diner“ im gastronomischen Untergrund vertreten.

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obert Csuri, Gastgeber des „Partizan-Diner“, ist 39 Jahre alt und gehört zur jungen Elite Budapests, die ihren kulinarischen Horizont erweitern und verändern möchte. In einem typischen Budapester Stadtpalais der Jahrhundertwende auf der Ondraschi, vergleichbar mit der Champs Elysée in Paris, lebte bis vor einem Jahr seine Großmutter auf 80 Quadratmetern in wunderschönen Räumen, die nur durch ein unrenoviertes Umfeld zu erreichen sind. Robert Csuri liebt die Kontraste und den Überraschungsmoment, wenn seine Gäste sein Kleinod vergangener Epochen zum ersten Mal betreten. Csuri stattet die Räumlichkeiten mit hochwertigen, antiken Möbeln und Kunstwerken aus: Echte Kristalllüster, französisches und ungarisches Artdeco von Lajos Cozma und moderne Kunst gehen hier eine spannungsreiche Liaison ein. Wertvolles Herend-Porzellan und echtes Tafelsilber aus der 42

eigenen Sammlung treffen auf Papierservietten von IKEA und bilden so einen ganz eigenen Rahmen für das Gourmetmenü der Spitzenklasse. Empfangen werden die Gäste im bordeauxroten Salon, der oft mit Life-Musik bespielt wird. Die „Partisanen“ laden persönlich ein und oftmals sind binnen kürzester Zeit alle Plätze besetzt. Das Kochen, und viel mehr noch das Essen und Genießen sind Robert Csuris Leidenschaft. Bis zu seinem 19. Lebensjahr wuchs er auf dem Gut seiner Eltern auf, gekocht wurde mit allerbesten, regionalen Produkten im großen familiären Kreis. Mit 20 ging Robert zum Wirtschaftsstudium nach Hamburg. Er erinnert sich noch heute daran, wie sehr ihn, den Jungen vom Land, der Geschmack seines ersten deutschen Brathähnchens erschrocken hat. Robert Csuri kauft sein Obst und Gemüse immer nur frisch auf dem BioMarkt, das Fleisch bezieht er aus Österreich, da dort die Qualität


besser sei als in Ungarn. Spezielle Produkte lässt er sich, wie andere Spitzenrestaurants auch, aus der ganzen Welt anliefern. Seine Liebe zur Gourmetküche entdeckte er bereits während seines Studiums in Deutschland und entwickelte daraus sein eigenes Gastronomie-Konzept. Oft sind es 1- oder 2-Sterne-Köche, die beim „Partizan-Diner“ kochen, und das unter besonderen Bedingungen: Oftmals schauen die Gäste plaudernd in die offene Küche hinein, und nicht selten wird dem Sternekoch eine Budapester „Oma“ zur Seite gestellt, die für die ländlichen, landestypischen Impulse sorgt. Seine Gastköche, die er aus großen Häusern in Budapest rekrutiert oder im Nachbarland Österreich anfragt, sind begeistert von Csuris Koch-Events. Christophe Deparday aus dem französischen Metz, Sous Chef des bekannten Restaurant „Paris Budapest“ im Sofitel, einem Luxushotel in bester Lage, ist festes Mitglied der „Partizan“Crew. Ebenso berühmt wie die Köche sind viele seiner Gäste. Für Robert jedoch ist jeder Gast gleich, er möchte allen ein perfekter Gastgeber sein. Ihm gelingt, was nur wenige vermögen – der Spagat, die Atmosphäre einer Privatparty mit höchster Professionalität an Service und einer erstklassigen Küche zu vereinen. www.partizandiner.com 43


KONZERTE Quality Magazin No. 15 – Mai/Juni 2011

I’ll House you Texte von Tile von Damm

oh la la – die Jungle Brothers in originalbesetzung: Mike Gee, Afrika Baby Bam und DJ sammy B sind wieder vereint und werden erstmals seit 1993 wieder auf Tour zu sehen sein. Nicht zu unrecht gelten sie als Pioniere des HipHop, Jazz Fusion und Hip House. Ihr erstling „straight out of The Jungle“ (1988) gilt mit als Geburtsstunde der Native Tongue Posse (zu denen auch De la soul oder A Tribe Called Quest zählen). samples & Breaks aus Disco, soul, Funk und House sind ihr Markenzeichen – und ihre Klassiker von „I’ll House you“ bis „Jungle Brother“ haben sie definitiv im Gepäck. ein Muss, nicht nur für HipHop-Fans. 01.06.2011 Berlin, Lido 09.06.2011 Apeldoorn, Gigant Popzaal 10.06.2011 Hamburg, Fabrik 11.06.2011 Eindhoven, De Effenaar 16.06.2011 London, O2 Academy Islington

I bET yOu lOOK gOOd ON ThE daNcEflOOR

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traighter Alternative-Rock mit Post-Punk-Anleihen. Die Arctic Monkeys aus sheffield schafften sich zunächst ausschließlich via Internet eine große Fanbase und füllten bereits Konzerthäuser bevor sie 2005 ihr Debütalbum veröffentlichten und gleich an die spitze der britischen Charts schossen. Fünf Alben später – wenn man das im Juni dieses Jahres erscheinende „suck It And see“ mitrechnet – zählen sie zu den Indie-Institutionen aus u.K. und begeistern nach wie vor live! und wenn als Zugabe die erste single läuft, dürfte jeder auf dem Tanzflur eine gute Figur machen.

05.05.2011 Stockholm, Cirkus 06.05.2011 Oslo, Sentrum Scene 10.06.2011 Sheffield, Don Valley Bowl 11.06.2011 Sheffield, Don Valley Bowl 20.06.2011 Berlin, Admiralspalast 22.06.2011 Köln, E-Werk 26.06.2011 Luxemburg, Rock A Field Festival 01.07.2011 Werchter, Rock Werchter 08.07.2011 Kinross, T In The Park

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09.07.2011 Punchestown Racecourse, Oxegen 11.07.2011 Lyon, Les Nuits De Fourvière 14.07.2011 Lissabon, Parque das Nações, 16.07.2011 Benicassim, Benicassim Festival 17.07.2011 Bern, Gurten Festival 03.09.2011 Bologna, I-Day Festival


TIMe AFTeR TIMe ...

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til- und Popikone der Achtziger und eine der ersten MTV-stars – 1983/1984 war man entweder Cyndi lauper- oder Madonna-Fan – die coolere war natürlich Cyndi. Dass sie eine fantastische entertainerin ist, hat sie nicht nur in unzähligen Konzerten bewiesen, sondern auch mit dem Gewinn des emmys für outstanding Guest Actress in der Comedy-serie Mad About you. Überhaupt macht sie nicht nur durch neue musikalische Veröffentlichung regelmäßig auf sich aufmerksam, sondern seit Mitte der Neunziger setzt sie sich aktiv für die Gleichberechtigung Homosexueller und die Bekämpfung von HIV/AIDs ein. Auch wenn die Zeit ihrer schrillen Kostüme inzwischen längst vorbei ist, lohnt es sich definitiv Cyndi live zu bewundern – und: Not only girls wanna have fun ...

14.06.2011 Bergen, Rick’s Teater 15.06.2011 Oslo, Spektrum 16.06.2011 Stockholm, Berns Salonger 20.06.2011 Manchester, Bridgewater Hall 23.06.2011 Glasgow, Royal Concert Hall 24.06.2011 Sheffield, City Hall 26.06.2011 Birmingham, Symphony Hall 27.06.2011 Brsitol, Colston Hall 28.06.2011 Brighton, Dome 30.06.2011 London, HMV Hammersmith Apollo 03.07.2011 Paris, Olympia 05.07.2011 Zürich, Kaufleuten 08.07.2011 Vienne, Théâtre Antique 09.07.2011 Esch Sur Alzette, Rockhal 11.07.2011 Rom, Auditorium Parco Della 12.07.2011 Istres, Pavillon De Grignan 13.07.2011 Milan, Arena Civica 15.07.2011 Wien, Staatsoper 18.07.2011 Hamburg, Laeiszhalle 19.07.2011 Berlin, Admiralspalast 25.07.2011 San Sebastian, Auditorio Kursaal

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NoVoCAINe FoR THe soul

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igentlich sind die eels schon lange kein Geheimtipp mehr, denn inzwischen stehen neun studioalben und zahlreiche singles in ihrer Diskographie. Dennoch haben die amerikanischen Avantgarde-Popmelancholiker um Frontmann Mark oliver everett, alias e, den ganz großen Durchbruch bislang nicht geschafft. Ihre Platten sind eine musikalische entdeckungsreise und wahrlich kein Hintergrundgeplänkel. Das setzen sie live fort, indem ihre shows immer überraschende Interpretationen ihrer stücke bereithalten. einstimmen kann man sich im Vorfeld hervorragend mit der live-DVD/CD „eels With strings“, die ihre 2005er-Tour eindrucksvoll dokumentiert. 10.06.2011 Kopenhagen, Vega 11.06.2011 Oslo, Norwegian Wood Festival 12.06.2011 Gothenburg, Tradgarn 13.06.2011 Berlin, Astra 14.06.2011 Köln, Essigfabrik 16.06.2011 Salzburg, Republic 17.06.2011 Luxemburg, Den Atelier 18.06.2011 Neuhausen, Southside Festival 19.06.2011 Scheeßel, Hurricane Festival 20.06.2011 Heerlen, Parkstad 46

21.06.2011 Eindhoven, Muzieksgebouw Frits Philips 23.06.2011 Bilbao, Azkena Rock Festival 24.06.2011 Madrid, D-Code Festival 26.06.2011 Somerset, Glastonbury Festival 27.06.2011 Amsterdam, Paradiso 28.06.2011 Amsterdam, Paradiso 30.06.2011 Werchter, Werchter Festival 01.07.2011 Arras, Main Square Festival 03.07.2011 Normandy, Beauregard Festival 04.07.2011 Paris, Batacian

05.07.2011 Paris, Batacian 06.07.2011 Brighton, The Dome 07.07.2011 London, Somerset House 09.07.2011 Naas, Oxegen Festival 10.07.2011 Kinross, T In The Park 11.07.2011 Newcastle, O2 Academy 12.07.2011 Leeds, O2 Academy 14.07.2011 Bern, Gurten Festival 15.07.2011 Aix Les Bains, Musilac Festival 17.07.2011 Suffolk, Latitude Festival


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Filmstars und Stilikonen oder wie „Suede“ es ausdrücken: „Filmstar, elegance, a terylene shirt, it looks so easy“ – zehn Singles über große Filmikonen 1. BANANARAMA Robert De Niro’s Waiting (1984) ursprünglich sollte der song „Al Pacino’s Waiting“ heißen, aber Dank der Musik kam Robert de Niro zu ehren, denn so passten die silben besser zum Refrain. Nachdem der star das lied im Radio hörte, rief er die britische Mädchenband an und traf sich mit ihnen auf einen Drink. Cheers!

2. GoRIllAZ Clint Eastwood (2001) Die Debütsingle der Gorillaz, deren Melodielinie vom Main Title des Klassikwesterns „The Good, The Bad And The ugly“ inspiriert ist. laut Damon Albarn gab es keine Reaktion von Clint, er sei sich aber sicher, dass er den song mag.

3. BAuHAus Bela Lugosi’s Dead (1979) Die knapp zehnminütige betörende ode an den wohl berühmtesten DraculaDarsteller Bela lugosi.

4. KIM CARNes Bette Davis Eyes (1981) Die Augen des großen Hollywoodstars waren eines ihrer Markenzeichen. Kim Carnes verewigte sie in diesem Welthit über eine Frau, die den Männern den Kopf verdreht.

5. elToN JoHN Candle In The Wind (1973) „Goodbye Norma Jean“, mit diesen Worten beginnt die berühmte originalversion, in der elton John Marylin Monroe huldigt. Zu Recht ein Klassiker, auch wenn es vierundzwanzig Jahre später mit neuen lyrics zu ehren Diana spencers rauf und runter lief.

6. sIouXsIe & THe BANsHees Kiss Them For Me (1991) Nicht ganz zufälligerweise trägt siouxsies single denselben Titel wie der 1957er -Film mit Jayne Mansfield, der dieser song gewidmet ist. Ihre in den usA erfolgreichste single ist voller kryptischer Anspielungen auf die Filmdiva, ihre liebe zu Champagner und wilden Partys.

7.

suZANNe VeGA Marlene On The Wall (1985) Die erste single der begnadeten songwriterin über die einsamkeit und die beruhigende Wirkung eines Marlene -Dietrich-Posters an der Wand. später bestätigte Vega, dass sie damals tatsächlich ein Poster der Filmschauspielerin an ihrer Wand hängen hatte. 9. MADNess Michael Caine (1984) Inspiriert von dem 1965er-spionagethriller „The Ipcess File“ schrieben Madness einen ihrer letzten großen Hits über den großartigen britischen schauspieler Michael Caine.

8. PIZZICATo FIVe The Audrey Hepburn Complex (1985) Die japanischen easy listening und elektronikpioniere mit einer ihrer frühen singles. Die wundervolle Audrey Hepburn steht Pate für eine kleine Geschichte über die unerreichbare liebe.

10. WHITe ToWN Hair Like Alain Delon (1991) Die dritte single des in Indien geborenen britischen songwriters Jyoti Mishra über die französische stilikone Alain Delon.

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Fotos von Shamila Phot, Styling von Saane van Gestern

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Juliet: Shirt von Marc cain

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Juliet: Kleid von cerruti

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rogier: Hemd von toMMy Hilfiger Short von Hackett london

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rogier: Hemd von dockers Hose von Boss selection Juliet: Kleid von Max Mara

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rogier: Seidenjacket und Hose von Bottega Veneta T-Shirt von lee

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Juliet: Oberteil von giaMBattista Valli Rock von claes iVersen

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Juliet: Kleid Vintage rogier: Hose und Jacke von Jeroen Van tuyl T-Shirt von kuyicHi

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rogier: T-Shirt von dockers Jacket von Boss Black

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fotos: shamila Phot, assistant: Jasper abels, styling: sanne van gestel von eric elenbaas, Make-up: yokaw von angelique Hoorn, Haare: stef ralbovsky von View agency | Models: Juliet von a-Models, rogier B. von tony Jones Model Management

Juliet: Trenchcoat von Hugo Boss

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Amicvs Vini

In der Geschichte der Menschheit sind Kunst und Wein schon immer untrennbar miteinander verbunden gewesen. Kein hรถfisches Gelage ohne Wein, Weib und Gesang. Kein Dichter, der sich nicht an Leid und Rebensaft berauschte. Keine Vernissage ohne Sektempfang. Wie die Kunst und der Wein jedoch die perfekte Liaison einzugehen vermรถgen, hat Quality in einem kleinen Winzerdorf in der italienischen Maremma entdeckt. von Patricia Engelhorn

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n Bolgheri sagt man, die deutsche Künstlerin bringe Unwetter mit sich. Als Rebecca Horn Anfang des Jahres erstmals im postkartenhübschen Winzer-Kaff in der Maremma erschien, lagen die Häuser und die umliegenden Weinberge unter einer feinen Schneeschicht. Dabei schneit es in dieser Gegend so gut wie nie. Die südliche Lage und das nahe Mittelmeer sorgen für milde Winter und trockene, heiße Sommer. Ein Klima, das nicht nur Urlaubern gefällt. An der toskanischen Küste hat sich das Who is who der einheimischen WinzerElite versammelt. Ob Sassicaia, Gaja, Ornellaia – keiner der „super tuscans“ fehlt, und die hier produzierten Rotweine sind eine Klasse für sich. Sie sei eigentlich eine Weißwein-Trinkerin, sagt Rebecca Horn. Dabei steht sie zwischen gut 500 französischen Barrique-Fässern im Weinkeller der „Tenuta dell’Ornellaia“. Das Weingut wurde 1981 gegründet und steht heute im Besitz der „Tenute di Toscana“. In nur 20 Jahren ist es mit seinem „Bolgheri Superiore DOC“ zu Weltruhm gekommen. Der Rotwein – eine Selektion aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot – wurde mit Auszeichnungen überhäuft, um die nur 140.000 jährlich produzierten Flaschen streiten sich u. a. Sharon Stone, George Clooney und Claudia Schiffer. 61


A uch Rebecca Horn ist begeistert: „Dieser Rotwein ist fantastisch“. Hätte er ihr nicht geschmeckt, dann wäre vermutlich aus dem Kunstprojekt nichts geworden und Bolgheri wären weitere Winterstürme erspart geblieben. So aber steht jetzt ihre Installation im Weinkeller: ein mannshohes, mehrarmiges, bewegliches Kupfer-Objekt mit Spiegeln, die sanfte Lichtspiele an die Kellerdecke zaubern, und gläsernen Weinkelchen, die sich langsam heben und senken. Ein Kunstwerk von Rebecca Horn im Keller zu haben, ist nicht jedermann vergönnt. Die deutsche Künstlerin war 28, als sie 1972 an der „documenta“ teilnahm. Damals trug sie Stoffprothesen am Körper, die wie Tentakeln auf und ab wippten und ihr Konzept der bewegten Skulptur präsentierten. Ihre Werke wurden in Einzelausstellungen im Guggenheim Museum in New York, in der Berliner Nationalgalerie und in der Tate Gallery in London gezeigt. Unter anderem. Sie gehört nicht zu den Künstlern, die Aufträge annehmen. Schon gar nicht von Unternehmen. Und doch konnten die Italiener sie überzeugen. „Ich kam hierher, und es gab eine Weinprobe, den ganze Abend lang“, erzählt sie. „Draußen stürmte es, und ich hatte ganz viele Gläser vor mir und dann sprachen wir über den Namen, den wir dem neuen Jahrgang und meinem Werk geben wollten. Alles entstand an diesem Abend und schließlich habe ich zugesagt“. Axel Heinz, der deutsche Önologe von Ornellaia, hatte

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„Forza“ (Kraft) als Titel für den 2008-Jahrgang im Sinn. Rebecca Horn war das zu hart und zu männlich. „Energia“ (Energie) gefiel ihr besser. Es ist ein Begriff, der zu ihrer Arbeit passt und auch zu ihrer Person. „Energie hat viel mit dem zu tun, was ich hier gemacht habe“, sagt sie. „Es geht um Licht und Bewegung, um einen alchemistischen Prozess, der die Dinge verwandelt und Energie entstehen lässt. So ähnlich wie beim Wein. Jetzt befindet sich meine Arbeit in einem Raum, in dem auch Wein entsteht. In beiden Fällen ist Veränderung im Spiel, das gefällt mir“. Die Arbeit bleibt dort, mehrere Meter unter der Erde, im schummerigen Weinkeller-Licht. Sie wird sich bewegen, ganz langsam, fast unbemerkt, und so den Prozess in den Fässern begleiten, die Entwicklung des „Energie“Jahrgangs und die aller noch namenlosen Weine, die folgen werden. Es ist der dritte Ornellaia-Jahrgang, der künstlerisch interpretiert wird. Das Projekt heißt „Vendemmia d’Artista“ und dahinter steht die Idee, die Essenz eines Weines,


Ein Kunstwerk von Rebecca Horn im Keller zu habe, ist nicht jedermann vergรถnnt.

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Mit größter Akribie werden die edlen Trauben für den Ornellaia handverlesen.

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links: Rebecca Horn entwickelte extra für die Flaschen des Ornellaia ein eigenes „Etikett“ unten: Kunstwerke älterer „Jahrgänge“: Luigi Ontani: Le quattro stagioni Ghada Amer und Reza Farkondeh: Happil Ever After

den Charakter seines Jahrgangs und die Eigenschaften seines Geschmacks durch ein Kunstwerk zum Ausdruck zu bringen und zu erhalten. Irgendwie scheinen sich die Nachfahren der Medicis nicht ganz von der glanzvollen Renaissance-Zeit verabschieden zu wollen, als Auftragskunst Gang und Gäbe war, und als wohlhabende Mäzene auserwählte Künstler für sich arbeiten ließen. An Rebecca Horn hätten sie wenig Spaß gehabt. Man muss sie nur ansehen, um zu wissen, dass sie grundsätzlich nicht das macht, was von ihr erwartet wird. Eine Weinreklame? Ein Etikett gestalten? Ausgeschlossen. Es gibt einen feinen Unterschied, und darauf legt sie Wert. Denn sie hat Etiketten gestaltet. „Das, was in diesem Keller passiert, ist noch mal auf den Flaschen zu sehen“, sagt sie. Die Reihenfolge zählt: Das Projekt kam zuerst, die Etiketten sind ein Nebenprodukt davon.

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ie wirken wie eine zweidimensionale Miniatur der Skulptur, wie ein skizzierter Ausschnitt des Ganzen. Es sind Metalltrichter darauf zu sehen, stilisierte Kelche, die auf langen, gewundenen Stielen balancieren. Die Etiketten zieren eine limitierte Auflage von 100 Doppelmagnums (drei Liter), zehn Imperial-Flaschen (sechs Liter) und einer Salmanazar (neun Liter), wovon 14 Werke am 19. Mai in der Neuen Nationalgalerie in Berlin versteigert werden. Der Erlös geht an den Verein „Freunde der Nationalgalerie“, der sich um die Förde-

rung von Ausstellungen bei nicht vorhandenem staatlichem Etat kümmert. Im vergangenen Jahr wurden die von der gebürtigen Ägypterin Ghada Amer gestalteten Flaschen in New Yorks Whitney Museum versteigert. Für die Neun-Liter-Flasche legte der italienische Aristokrat und Weinkenner Gelasio Gaetani d’Aragona Lovatelli 45.000 US-Dollar auf den Tisch, die zusammen mit dem restlichen Erlös der museumseigenen Stiftung übergeben wurden, die damit die Kunstwerke des „Whitney’s Conservation Department“ restauriert. „So bleibt irgendwie alles im Kunstbetrieb“, sagt Rebecca Horn. Sie selber gehört seit ihrer Jugend dazu. Um es kurz zu machen: Rebecca Horn wird 1944 als Tochter eines Kaufmanns und Textildesigners im hessischen Michelstadt geboren. 1964 beginnt sie ihr Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Seit den frühen siebziger Jahren arbeitet sie an einem beständig wachsenden Werk aus Performances, Filmen, Raum-Installationen, Zeichnungen und Fotoübermalungen.

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Die Weine aus Maremma, einer einzigartigen Landschaft zwischen dem Golf von Follonica, den Flussl채ufen der Bruna und der Lagune von Orbetello, werden immer beliebter.

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Der Weinmacher der Tenuta dell‘Ornellaia, Axel Heinz

Musik ist dazu gekommen. Sie entstand sozusagen aus den Tönen, die die bewegten Skulpturen produzieren und aus der Begegnung mit einem Komponisten, der diese leichten, merkwürdigen Geräusche einfangen konnte.

R Die Unverwechselbarkeit dieser Bildwelt besteht in der höchst präzisen Funktionalität, mit der sie ihre Skulpturen und deren Bewegungsabläufe in Szene setzt. Dabei wird ihr Werk von einer konsequenten Logik zusammengehalten: Jede neue Arbeit scheint sich aus der vorherigen zu entwickeln, oft werden Elemente mehrfach aufgegriffen, die sich aber in verschiedenen Kontexten völlig anders präsentieren. Die Kupfer-Kelche, die sich zwischen den Barrique-Fässern von Ornellaia auf den darin enthaltenen Wein zu beziehen scheinen, sind schon früher in ihrem Werk aufgetaucht, mehrfach sogar. „Jedes Werk“, sagt sie „ist wie ein Baby, das geboren wird und sich abnabelt und in eine neue Umgebung hineinkommt. Und dann in einen Dialog mit seinem Umfeld tritt, in diesem Fall mit dem wunderbaren Wein, mit dem Gebäude und mit den Menschen hier.“ Eine Arbeit hat zur nächsten geführt, die eine hat die andere weitererzählt. Es ist ein Geflecht von Ideen, das sich weiterentwickelt. „Ich möchte nicht abschließen“, erklärt Rebecca Horn, „jetzt habe ich gerade einen Film gemacht, was kommt als nächstes?“. Die

ebecca Horn lebt und arbeitet im Odenwald. Nach langen Jahren des Herumzigeunerns zwischen New York, Berlin, Paris und der Toskana hat sie sich in der Textilfabrik ihrer Eltern ein Atelier eingerichtet, in dem sie mit ihrem Zwei-Mann-Team arbeitet. Sie hat auch ein Atelier in Berlin und ist häufig dort: „In Berlin leben viele Menschen, die ich immer gerne wieder sehe und mit denen ich Dinge entwickeln kann.“ Ihr Privatleben findet in Paris statt, aber darüber spricht sie nicht. „Es macht alles komplizierter“, sagt sie nur. Denn schließlich ist sie schon so ständig unterwegs, Bewegung scheint in vieler Hinsicht ihr Ding zu sein. Sie reist, um ihre Ausstellungen in Tokio, Rio und Sao Paolo vorzubereiten und um ihre Kunst vor Ort zu inszenieren. Sie reist privat und sie reist auch immer gerne wieder ab. „Man geht gerne, wenn etwas beendet ist“, sagt sie, „man hat dann wieder Freiheit für ein neues Projekt. Man braucht diesen frischen Wind, die Veränderungen, um nicht zu stagnieren. So entsteht Energie und die brauche ich, um etwas Neues zu schaffen.“

Jetzt, wo ihr Kunstwerk im Keller vollendet ist und genauso aussieht, wie sie es sich vorgestellt hat, kann sie sich trennen. Es fällt ihr leicht, sich umzudrehen und sich anderen Dingen zuzuwenden: „Wir können essen gehen“, sagt sie zufrieden. Sie hat sich einen Tisch im Restaurant „La Pineta“ in Marina di Bibbona gewünscht, das für seine schöne Strandlage und seine Fischsuppe bekannt ist. Vermutlich hat sie dort einen Weißwein bestellt um den Abschluss ihres Kunstprojekts in kleiner Runde zu feiern. Im Radio wird vor nächtlichem Schneefall gewarnt. Am nächsten Tag scheint in Florenz zwar die Sonne, doch die Hügel um Fiesole sind weiß gepudert und auf der Autobahn, die zum Meer führt, liegt etwas Schnee. Genug, um Italiener ins Schleudern zubringen, aber nicht genug, um einen deutschen Kleinlaster aufzuhalten. Rebecca Horns Techniker fahren zurück in den Odenwald, ohne das Kunstwerk, aber mit ein paar Kisten feinsten Ornellaias im Gepäck.

Am 19. Mai findet die Auktion in der Nationalgalerie statt – der Nettoerlös der Benefizauktion geht an die Freunde der Berliner Nationalgalerie

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Himmel aus Beton Sie sind die wahrscheinlich letzten wahren Refugien unserer lärmenden Städte sowie Orte der Ruhe und Kontemplation: Kirchen – Häuser Gottes auf Erden für die Gläubigen, Prestigeobjekte der Mächtigen und Ikonen der Baukunst. Um kaum eine andere architektonische Besonderheit ranken sich mehr Geschichten und Mythen, als um die Entstehung großer Baudenkmale zu Ehren unserer Götter. Zu den wichtigsten Vertretern der modernen Sakralbaukunst des 20. Jahrhunderts gehört der deutsche Pritzker-Preisträger Gottfried Böhm. von Dina Herrler

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Gottfried Bรถhm: Felsen aus Beton und Glas

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B etrachtet man Böhms Leben und Schaffen, so fällt eines auf: Die Liebe zur Architektur scheint ein Generationen übergreifendes Anliegen dieser Familie zu sein. Gottfried Böhm, der im hessischen Offenbach als Sohn des bedeutenden Kirchenarchitekten Domenikus Böhm geboren wurde, lebt und arbeitet in Köln. Nach dem Studium in München, wo er seine Frau Elisabeth Haggenmüller, eine ehemalige Kommilitonin und Architektin, kennen- und lieben lernte, zog es ihn zurück ins Rheinland, das in den 30er-Jahren, als der Vater eine Professur an der Kölner Werksschule angeboten bekam, zur Heimat der Familie Böhm geworden war. Das Haus, von seinem Vater Domenikus gebaut, dient der Familie, deren Angehörige bereits in der dritten Generation fast ausschließlich den Beruf des Architekten ausüben, noch immer als Heim und Arbeitstätte. Dort entstehen die Entwürfe zweier Generationen, friedlich nebeneinander. Ähnlich harmonisch gestaltete sich auch die Arbeit zwischen Gottfried und Domenikus. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, zog die Familie übergangsweise zurück ins baden-württembergische Jettingen, Domenikus’ alte Heimat. Gottfried, der noch während des Krieges sein Studium der Bildhauerei und Architektur an der TU München beginnen konnte, da er durch eine Fußverletzung vom Kriegsdienst befreit worden war, unterstützte seinen Vater zu dieser Zeit bei einigen kleineren Projekten. Zu zweit saßen sie in einer winzigen Dachkammer, rauchten Pfeife und fertigten Entwürfe für Friedhofskapellen und Fenster an.

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Wallfahrtskirche Neviges

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ach Kriegsende kehrte der Vater nach Köln zurück und Gottfried folgte 1947 nach der Beendigung des Studiums seiner Frau. Seine erste Schaffensphase als studierter Architekt begann zu einem Zeitpunkt, als das Wirken von Dominikus noch nicht beendet war. Die Arbeiten von Vater und Sohn griffen ineinander über, ergänzten sich und vervollständigten einander. Gottfried, noch im Findungsprozess einer eigenen, kreativen Handschrift, fand zu dieser Zeit seine Inspiration häufiger in den Zeichnungen seines Vaters, als in den Entwürfen zeitgenössischer Architekten. Da in den Nachkriegsjahren der Wiederaufbau der Städte höchste Priorität hatte, beschäftigten sich

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Katholische Pfarrkirche Christi Auferstehung (1967–1970)

Vater und Sohn vor allem mit Lösungsansätzen zur Verbindung notwendiger neuer und erhaltener Bausubstanz. Gottfrieds erstes unabhängiges Bauprojekt war in diesem Zusammenhang die Neugestaltung der St. Kolumba Kapelle, auch „Madonna in den Trümmern“ genannt, da er eine achteckige, eingeschossige Marienkapelle, in die noch stehenden Ruinenreste integrierte. In den darauf folgenden Jahren entwickelte er zahlreiche architektonische Ansätze seines 1955 verstorbenen Vaters weiter und eignete sich eine eigenwillige, ausdrucksstarke und körperhafte Architektur an. 1970 endete erst einmal der sakrale Bauboom, und Böhm wandte sich anderen Projekten zu. Insgesamt wurden nach seinen Entwürfen 69 Kirchen und Sakralbauten in Europa und Amerika realisiert.

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Deutsche Bank in Luxemburg. Kunst und Architektur als Gesamtkonzept: Architekt und Pritzker-Preisträger Gottfried Böhm entwarf zunächst das Bankgebäude, das 1991 nach rund vier Jahren Planungs- und Bauzeit seiner Bestimmung übergeben wurde

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er mittlerweile 91-Jährige, der von der eigenen Zunft oft als Exzentriker empfunden wird und mit seiner Wandelbarkeit, die eine klare Einordnung seines Werkes schwierig macht, zuweilen verunsichert, ist eine Ausnahmeerscheinung im Kreise der „Architekten der Moderne“. Seine fast schon übertriebene Abkehr von zeitgenössischen Strömungen wie dem Bauhaus, als dieses die richtungsweisende, architektonische Bewegung war, eindrucksvoll verdeutlicht durch die Entwürfe von Mies van der Rohe oder Walter Gropius, ist kennzeichnend für seine Persönlichkeit. Böhm versuchte nie im Fahrwasser seiner populären Kollegen mitzuschwimmen, obwohl er die Gelegenheit hatte, mit ihnen während einer Studienreise in den USA zusammen zu arbeiten. Sich anzubiedern oder nostalgische Anklänge zu finden – nicht in seinem Sinne. Vielmehr gönnte er sich mit dem Selbstverständnis eines Mannes, der um die eigenen Fähigkeiten weiß, den Luxus, sich immer wieder neu zu erfinden. Seine anfänglich skulpturalen Entwürfe, wie beispielsweise die Wallfahrtskirche in Neviges bei Wuppertal, die nach dem Wunsch des Kölner Erzbistums monumentale Dimensionen haben sollte, wurde fast ausschließlich mit dem für ihn typischen Baustoff Beton realisiert. In der Mitte seines Lebens entwickelte er sich weiter zu Glas- und Stahlbauten, anschaulich verdeutlicht durch die verschalte Fassade des Eingangsbereiches von Schloss Saarbrücken.

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Neubau des Hans-Otto-Theaters in Potsdam

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schritten, bestand das Abgeordnetenhaus darauf, die Idee der Kuppel wieder aufzugreifen. Man erinnerte sich daran, dass Gottfried Böhm schon anlässlich der Ausrichtung des Wettbewerbs 1992 einen Entwurf für ein Kuppeldach veröffentlicht hatte, das 1988 bereits von Bundeskanzler Helmut Kohl in Auftrag gegeben worden war. Dieser Entwurf zeigte bereits eine Glaskonstruktion mit spiralförmig aufsteigenden Gehwegen für Besucher und ist die offensichtliche Grundlage für das Bauwerk, wie es heute existiert. So ist Böhms Ausnahmetalent nicht nur ein phantastischer Bau geschuldet, sondern auch ein himmlisches Geschenk an die Hauptstadt gelungen, die mit einer wunderschönen Kuppel gesegnet wurde. Skizze Rektoratskirche St. Paulus. Bei Gottfried Böhm zielt die Baugestalt nicht auf eine Auflösung der Fassade ab, sondern auf das Zusammenspiel von Licht und Wand, von Baukörper und Wandöffnung

„Ein Gebäude ist für den Menschen Raum und Rahmen seiner Würde, und dessen Äußeres sollte seinen Inhalt und seine Funktionen reflektieren.“

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u seinen neueren Entwürfen gehören das Hans-Otto-Theater in Potsdam, eine schalenförmige, geschichtete Konstruktion, die an die Oper in Sydney erinnert, oder die futuristisch anmutende Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld. Eines gelingt Böhm in seiner Vielseitigkeit jedoch immer – er überrascht. Und neben dem Privileg mit Böhm den einzigen Pritzker-Preisträger in Deutschland zu haben, verdanken wir ihm noch eines: die Reichtagskuppel in Berlin, jährlicher Anziehungspunkt für Millionen von Menschen. Sir Norman Foster, Gewinner des Wettbewerbs um die Neugestaltung des Reichtages, hatte keinerlei Kuppel vorgesehen und weigerte sich beharrlich, eine solche in seine Entwürfe zu integrieren. Da seine ursprünglichen Pläne für eine Dachkonstruktion keinen Anklang fanden und das geplante Budget um ein Vielfaches über78

Friedrich Nietzsche: Die Architektur läge noch in der Wiege, wenn die Menschen nicht für Götter Häuser gebaut hätten.


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Der Staubfänger Es gab eine Zeit, da waren junge Männer, die sich für Instrumente, Computer oder Bücher interessierten, langweilige Freaks, die vom weiblichen Geschlecht ignoriert und von den männlichen Mitschülern belächelt wurden. Die Nerds der Neuzeit sind die heimlichen Gewinner der New Economy und die Firmenchefs erfolgreicher, weltumspannender Konzerne. Bill Gates, Mark Zuckerberg oder wie in diesem Fall James Dyson, der Daniel Düsentrieb des Industriedesign, – nie waren Streber angesagter, als im angehenden 21. Jahrhundert. von Pia Walter

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ames Dyson, geboren 1947, wuchs als das jüngste dreier Kinder einer AkademikerFamilie in Norfolk, England auf. Er tendierte schon als junger Mann dazu, sich stets von seinen Mitmenschen zu unterscheiden. James spielte als einziger seiner Schule das Fagott und interessierte sich mehr für Langlauf als für Fußball. Dyson, dessen Eltern wollten, dass er etwas „Ordentliches“ studiert, konnte sie jedoch davon überzeugen, an einer Kunsthochschule besser aufgehoben zu sein, als an der ehrwürdigen Cambridge University. Zunächst studierte er Innenarchitektur und Möbeldesign am Royal College of Art in London, da diese Studiengänge es ihm ermöglichten, unmittelbar mit diversen Materialien und Rohstoffen zu experimentieren. Seine Faszination für Edelstahl und Plastik trieb ihn schließlich dazu, auf Industriedesign und Ingenieurswissenschaften umzusteigen. Eine lebenslange Leidenschaft für funktionelles Design war geboren. James verliebte sich jedoch nicht nur in die Idee, ineffizienten Haushaltsgeräten ein besseres Gerät gegenüberzustellen, sondern verlor sein Herz auch an Deirdre, eine Kommilitonin und Künstlerin, die er 1968 heiratete. Die gleichberech-

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tigte Ehe der beiden, beinhaltete auch das Teilen der gemeinsamen Hausarbeit. James, der sich bei der Benutzung des Staubsaugers permanent über den Saugkraftverlust des Gerätes ärgerte, entschied an einer verbesserten, beutellosen Version dieses nützlichen Helfers zu arbeiten. Seine Idee, die seit 1901 praktisch unveränderte Staubsaugertechnologie zu revolutionieren, führte dazu, dass der besessene Erfinder annähernd 5.000 Prototypen im Schweinestall hinter seinem Haus zusammenschraubte, bis er zu einem befriedigenden Ergebnis kam. Trotz der offensichtlichen Verbesserungen im Vergleich zu herkömmlichen Geräten, lehnten Dutzende von Unternehmen seine Idee ab. Nicht zuletzt, um ihr 500 Millionen Dollar schweres Staubsaugerbeutelgeschäft zu schützen. Doch James gab nicht auf.


Form follows function – oder ist es hier anders herum?

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D Mit dem Geld, das er für die Erfindung einer neuartigen Schubkarre und einer Hochgeschwindigkeits-Barkasse bisher verdient und gespart hatte, machte er sich selbstständig. Nach 15 Jahren hartnäckiger Arbeit gelang es ihm schließlich, sein erstes Model, den Dyson DC01, unter seinem eigenen Namen auf den Markt zu bringen. Innerhalb von 18 Monaten wurde dieses Modell zum meistverkauften Staubsauger im Vereinigten Königreich. Eine späte Genugtuung für jemanden, der über sich selbst sagt, dass er nur durch Widerstände und Frustrationen lerne. Ausschlaggebend für seinen Erfolg waren jedoch nicht nur seine ausgefeilten, technologischen Neuerungen, sondern auch seine Sturheit und seine Weigerung nicht Funktionierendes einfach zu akzeptieren.

ysons Perfektionismus führt nicht nur dazu, dass sein Unternehmen mittlerweile Dependancen in 44 Ländern hat und er selbst mehrfacher Millionär ist, sondern ist auch Motor für die Suche nach ständig neuen Herausforderungen. Im Forschungs- und Entwicklungszentrum im britischen Malmesbury, seinem Firmensitz, arbeiten Ingenieure und Wissenschaftler stetig daran, neue Produkte und Technologien zu entwickeln. Dyson selbst besitzt für über 150 verschiedene Erfindungen fast 1.100 Patente und Patentanmeldungen. Seine neuesten Erfindungen sind beispielsweise der Dyson Airblade, ein Händetrockner, der nasse Hände hygienisch, ohne den Einsatz von Hitze trocknet, und der Air Multiplier, ein Ventilator, ganz ohne Rotorflügel. Und da Dyson nie viel Wind um seine eigene Person macht, überrascht auch die Antwort auf die Frage nicht, was ihn immer wieder antreibe – Menschen das Leben erleichtern. Nicht mehr, und nicht weniger.

links: Der DC35 Multi Floor ist Handstaubsauger und Akkusauger. rechts: Der Dyson Air Multiplier 02

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konen Fotos von Lena Emery, Styling von Sebastiano Raguso, Hair und Make-Up von Lisa Zeitler

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Kleid und G端rtel von Miu Miu Kette von Louis Vuitton

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Kette von Bucherer

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Bluse von chaneL Pelzstola von Prada Latexhandschuhe von très Bonjour Ohrhänger von Bucherer

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Collier von Bucherer Mantel von Missoni erhältlich im Departmentstore Quartier 206 Rechte Seite Ringe von PLoMeLLato Jacke von Versace Gürtel von LaVin erhältlich im Departmentstore Quartier 206 Latexleggings und Höschen von très Bonjour

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000 91


Collier von Bucherer Mantel von Missoni Rechte Seite Top von Versace 92


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Fotos: Lena emery, Produktion: saskia nadi, Produktionsassistentin: Gloria Brachmann, assistant: nicolas schwaiger, styling: sebastiano ragusa, haare und Make-up: Lisa Zeitler von nude | Models: Masha M4 Models

Ringe von Bucherer Kleid von jiL sander G端rtel von Prada Linke Seite Kette von Bucherer

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Mode Mix in the

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Inzwischen sind sie eine Institution, eine Popikone. Über einhundert Millionen Tonträger haben Depeche Mode verkauft und den elektronischen Pop immer wieder neu definiert. Dabei sah es anfänglich nicht nach einer stilbildenden Karriere aus, als die Gründungsmitglieder Vince Clark, Andrew Fletcher, Dave Gahan und Martin Gore 1981 süßlich belanglosen Teeniepop präsentierten und als eine unter vielen New-RomanticBands firmierten. Dreißig Jahre später erscheint nun im Juni das Dreifach-Album „Remixes 2: 81-11“ als Nachfolger und zweiter Teil zu „Remixes 81-04“, das ihre Karriere in klassischen und neuen Remixen widerspiegelt. Wahrlich ein Anlass, die Karriere der nach dem französischen Modemagazin „Dépêche Mode“ benannten Band „in the Mix“ zu beleuchten. von Tile von Damm

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ls 1979 Gary Numan alias Tubeway Army mit „Are Friends Electric“ auf der Nummer Eins der U.K.Chart steht, ist es eine Inititialzündung für den britischen elektronischen Pop und die New Romantics. Plötzlich stehen Visage, Soft Cell, Human League, Duran Duran oder Orchestral Manoeuvres In The Dark in den Charts und Synthiepop ist der musikalische und modische Trend der Achtziger. Dass gerade in U.K. die neue Musik oft auf kleinen Independentlabels läuft, ist kein Zufall, denn Ende der 70er-Jahre setzen kleine unabhängige Labels dem satten etablierten Musikmarkt, dem Disco-, Pop- und Artrocktrash neue und spannende Musik entgegen. Punk und Wave sind geboren. Und zeitgleich wird die Maxisingle, die sich in der Diskoära als DJ-Tool etablierte, auch im Popbereich erfolgreich. Spezielle Mixe für den Club, anfangs noch von den Bands oder Produzenten selber „verlängert“, werden populär. Die Remix-Kultur steht am Anfang.

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hout & Just Can’t Get Enough Depeche Modes zweite Single ist ihre erste Veröffentlichung auf 12 Inch. Die B-Seite „Shout“, die die Band und ihr Produzent Daniel Miller selber als „Rio Mix“ remixen ist ein erster Klassiker der Band und hat bis heute nichts von seiner dichten Atmosphäre verloren. Doch erst die Nachfolgesingle „Just Can’t Get Enough“, die heute auf keinem Pop&Wave-Sampler fehlt, bringt Depeche Mode ihren frühen Erfolg: Top 10 in U.K. und Top 30 in den US-Dance Charts, denn Dank der wiederum selber gemixten 12-Inch-Version, dem „Schizo Mix“ geben sie dem Teeniepopperlchen den Dancefloorkick. Mit dem Ausscheiden von Vince Clark 1981, der dann mit Yazoo Clubgeschichte und mit Erasure Popgeschichte schreiben wird, prophezeiten nicht wenige Depeche Mode ein schnelles Vergessen. Interessant ist, dass Vince Clark nach so langer Zeit ein Mix von „Behind The Wheel“ auf dem neuen Album beigesteuert hat.

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eople Are People & In Your Memory 1984 erfolgt der Release von „People Are People“ – und damit der endgültige Durchbruch von Depeche Mode. Dass ihre Plattenfirma Mute einige Versionen der Maxisingle in farbigem Vinyl anbietet, ist ein besonderer Gag – noch heute ziehen die bunten Platten die Blicke der Tanzenden auf sich. „People Are People“ wird Nummer 1 in Deutschland, Top 5 in U.K. und belegt Platz 13 in den USA. Gleichzeitig markiert die Single die Hinwendung zur DJ-Culture, denn Adrian Sherwood vom legendären On-U-SoundLabel steuert das erste Fremdremix bei – das legendäre „On-U-Sound Remix“ (auch die Nachfolgesingle „Master And Servant“ veredelte der Dubspezialist). Ihre Bedeutung in der US-Danceszene steigt. Die Remix-Service-Firmen Hot Tracks und Razormaid, spezialisiert auf das Remixen von Titeln für die Tanzfläche, nehmen „People Are People“ in ihr Programm auf. Zu erwähnen ist außerdem die B-Side „In Your Memory“, der ersten eigenen Komposition von Alan Wilder, die bis heute die wohl beste B-Side der Band markiert.

© Guido Karp

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et The Balance Right & Everything Counts Das zweite Album „A Broken Frame“ kann sich trotz des Weggangs von Songwriter Vince Clark kommerziell in ihrem Heimatland durchsetzen. Martin Gore übernimmt den Schreiberpart – der süßliche Pop jedoch hinterlässt wenig kreative Spuren. Erst mit dem Erscheinen von „Get The Balance Right“ platzieren sie – nunmehr mit Alan Wilder wieder zum Quartet gewachsen – einen weiteren Clubmeilenstein. Das „Combination Mix“ weist auf die folgende Entwicklung der Band zur Samplingtechnik und bassbetonten Beats hin, dem mit „Everything Counts“ der große europäische kommerzielle Erfolg folgt. Der Song wird gerne als erste britische Industrial-Produktion benannt – auch wenn man dies angesichts Bands wie Cabaret Voltaire oder Throbbing Gristle bezweifeln darf – sind die Einflüsse durch gesamplete Geräusche unüberhörbar und begründen letztlich den immensen musikalischen Einfluss und die Innovation der Band. In den USA sind sie hiermit endgültig in der Clubszene angekommen, welches auch der 12-Inch-only-Release beweist.


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tripped & Christmas Island „Let’s Get Away, Just For One Day“ – schmachtet David Gahan auf diesem grandiosen Track. „Stripped“ ist eine der perfekten elektronischen Popkompositionen von Depeche Mode, die in Foren gerne als beste Single angesehen wird. Der legendäre Produzent Flood zeichnet sich für das „Highland Mix“ verantwortlich. Interessant auch die B-Side „Breathing in Fumes“, die ausschließlich auf Samples von „Stripped“ basiert und durch den minimalen Technique-Charakter nach wie vor ein spannendes frühes Experiment darstellt. Die „Black Celebration“-Tour eröffneten Depeche Mode immer mit dem Song „Christmas Island“, einem experimentellen Instrumentalstück, das sich nur als BSide zu „A Question Of Lust“ auf Tonträger findet. Zu beachten ist das grandiose Stück vor allem aufgrund der faszinierenden düsteren technoiden Atmosphäre, die gerade nicht den Popappeal beinhaltet, sondern Depeche Mode als auch immer clubaffine Band manifestiert.

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© Anton Corbijn

ever Let Me Down & Route 66 Erster Vorbote zum Album „Music For The Masses“ mit dem legendären Video von Anton Corbijn, das gleichzeitig einen weiteren Schritt der Band zu klaren ästhetischen Formen markiert. Die orangefarbenden Lautsprecher, die sich sowohl in den Videos als auch auf den Plattencovern der 1987-/1988er-Singleveröffentlichungen finden, stehen Pate dafür. Musikalisch gelingt Depeche Mode ein weiterer Meilenstein mit der Single, die sich zu einem Favorit der Fans entwickelt – insbesondere in den USA, wie das Livealbum „101“ belegt. Die Nachfolgesingle „Behind The Wheel“, deren wesentlich spannendere Originalversion sich auf dem Album findet, markiert endgültig den Weg der Band hin zur Remix-Kultur. Mit den U.K.-Acid House-Produzenten Beatmasters und dem Pet-Shop-Boys- und Madonna-Produzenten Shep Pettibone zeichnen erstmals zwei Größen der DJ-Kultur für die Remixe der A- und B-Side „Route 66“ verantwortlich. Gleichzeitig ist die Aufnahme des Klassikers „Route 66“ die erste Coverversion der Band überhaupt.

© Dean Chalkley

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ly On The Windscreen Wiederum ein Klassiktrack, der zunächst nur als B-Side der Single „It’s Called A Heart“ erschien (und später in einer variierten Version auf dem Album „Black Celebration“ vertreten war). Das vom Produzenten Gareth Jones erstellte „Death Mix“ umspielt mit gesampleten Soundschnipseln intelligent den pulsierenden Beat der Komposition.

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ersonal Jesus & Enjoy The Silence Der Rolling Stone führt „Personal Jesus“ auf Platz 368 der 500 besten Lieder aller Zeiten – und spätestens seit dem betörenden Cover von Johnny Cash ist das Lied auch abseits des Popmarktes bekannt. Die Remix-Legende François Kevorkian, der bereits im legendären Studio 54 auflegte, zeichnet sich als neuer Produzent verantwortlich. „Personal Jesus“ ist die erste Aufnahme von Depeche Mode, die Akustikinstrumente beinhaltet – und der nüchterne, beat-orientierte Sound des Albums „Violator“ markiert einen radikalen Soundwechsel der Band. Der aktuelle Remix der Norweger Stargate wird folgerichtig auch als erste Single zum Remix-Album ausgekoppelt werden. Das folgende „Enjoy The Silence“ wird ein weltweiter Hit und manifestiert ihren Erfolg in den USA. Interessant ist vor allem die von Bomb The Bass-Mastermind Tim Simenon gemixte Version „The Quad: Final Mix“, die die in den Kinderschuhen steckende TripHop-Bewegung vorzeichnet, indem sie die eindeutigen Anleihen von Kraftwerk des Originals mit fließenden, melancholischen Elementen überzieht. Mit „Enjoy The Silence“ gewinnen Depeche Mode die Brit Awards 1991 – und bis heute ist es ihr meist gecovertes Werk.

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olicy Of Truth & World In My Eyes Dass Depeche Mode mit Beginn des neuen Jahrzehnts so eindeutig die elektronische Musikszene bestimmen, war nicht vorherzusehen. Und doch zeigt sich der minimale, technoeske Sound von François Kevorkian wesentlich zeitgemäß in der Acidund House-Szene. Zudem beweisen Depeche Mode mit der Auswahl der Remixe ein feines Händchen für die Auswahl innovativer Produzenten. Dass The KLF mit dem „Trancentral Mix“ einen weiteren Remix-Meilenstein beisteuern, ist hervorzuheben, denn es ist eines der drei Remixe, die die legendären Technoproduzenten überhaupt für fremde Bands erstellten. „Happiest Girl“, die B-Side zu „World In My Eyes“, erstrahlt im Remix von The Orb als Ambient House-Perle.

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Feel You & In Your Room Und wieder einmal überraschen Depeche Mode 1993 mit einer Elektro-Rock-Nummer, die das Elektro-Genre zeitgemäß kompatibel zur laufenden Grunge & Alternative-Welle macht. Ein massiver Clubhit in den USA und eine ihrer weltweit am höchsten platzierte Single. Für die Remix-Versionen können mit Mark „Spike“ Stent, der u. a. Björk und Massive Attack produzierte, und der Legende Brian Eno, Gründungsmitglied von Roxy Music und innovativer Produzent zahlreichen Alben, gewonnen werden, die weit in die Clubszene hineinwirken. Zwei weitere Höhepunkte folgen als Singles: „Walking In My Shoes“ und „In Your Room“, beide dunkle, melancholische Perlen zwischen TripHop und Elektropop. Herausragend sind die Remixe von Portishead („Grungy Gonads Mix“ und „The Jeep Rock Mix“) sowie der „Random Carpet Mix“ von William Orbit, der danach Madonna als Produzent veredelte.

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arrel Of A Gun & It’s No Good Trotz beträchtlicher Probleme in der Band, die gekennzeichnet ist vom Ausstieg Alan Wilders und dem Beinah-Drogentod von Sänger Dave Gahan 1996, raffen sich die drei Verbliebenden zusammen und veröffentlichen 1997 mit Hilfe des Produzenten Tim Simenon das Album „Ultra“. Die erste Single „Barrel Of A Gun“ zeigt Depeche Mode in Hinwendung zu vom Industrial beeinflussten Sound. Mit den beiden legendären Underworld-Remixen zollen sie Tribut zur laufenden Intelligent-Techno-Bewegung, deren Sound sich auch in „It’s No Good“ widerspiegelt. Besonders die Remixe von Andrea Parker, Hardfloor und Speedy J avancieren zu Clubhits. Dennoch wirken aus heutiger Sicht die Originalversionen weniger innovativ, als ihre beiden anderen Alben in den Neunzigern. Dass Depeche Mode sich dennoch als ElektroPop-Institution bewähren, verdanken sie ihrer Fähigkeit, immer wieder Melodie und Produktion geschickt zu verbinden. Manifestiert haben sie ihre Vorreiterrolle hingegen in den Achtzigern und Neunzigern. Die

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© Dean Chalkley

1985

letzten beiden Jahrzehnte markieren zudem einen Shift in der Remix-Kultur, denn praktisch keine Veröffentlichung kommt mehr ohne zahlreiche Remixe aus, die jedoch zeitgleich auch zu einer Verwässerung des einstmals wesentlichen und innovativen Genres führten. Und doch beweisen Depeche Mode zumeist ein spannendes Händchen in der Auswahl der Remixer, die sie in diversen Clubstilen platzieren und ihnen eine besondere Note einhauchen können und zeitgleich Abbild der aktuellen angesagten Clubszene bilden: Kruder & Dorfmeister, Air, GusGus, DJ Shadow, Carl Craig – oder aktuell Röyksopp, Trentemøller, um nur einige zu benennen. Dass neben den zahlreichen Singleveröffentlichungen Depeche Mode insbesondere auf den frühen Alben durchaus Kompositionen abseits des Popmainstreams hatten, beweisen neuere Remixe von „Puppets“, „Tora Tora Tora“, „Boys Say Go“ und „Photographic“. Letzteres markiert als Originalmix gleichzeitig die erste Veröffentlichung der Band überhaupt auf der Labelcompilation von Some Bizzare. Die beiden Remix-Alben „Remixes: 01-04“ und „Remixes 2: 81-11“ zeichnen also beides nach: die Geschichte einer der prägendsten und innovativsten Bands der letzten drei Jahrzehnte, ihre musikalische Entwicklung und die zunehmende Bedeutung der DJ- und Remix-Kultur inklusive der zahlreichen Facetten der elektronischen Musik. Und es bietet einen guten Anlass, sich noch einmal die Originale anzuhören und den Weg einer Popinstitution nachzuhören. Happy Birthday, Depeche Mode.


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Tilda SwinTon, 2007

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Augenblicke Fotos von Fabrice Dall窶連nese

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Jeremy ironS, 2006

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richard Gere, 2006 | GeorGe clooney, 2007 daniel craiG, 2004 | marTin ScorSeSe 2009

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diTa von TeeSe, 2008

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maTT damon, 2009 | madS mikkelSen, 2009 eThan hawke, 2009 | ewan mcGreGor, 2009

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valenTino, 2008

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lanG lanG, 2007

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willem dafoe, 2009

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lily cole, 2009

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Uma ThUrman, 2010

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wim wenderS, 2008

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nadJa Uhl, 2008

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abel ferrara, 2008

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Mythos Monaco – im Jahre 1969 als weltweit erster automatischer und wasserdichter Chronograph in einem quadratischen Gehäuse lanciert, wurde er in dem Film „Le Mans“ am Handgelenk von Steve McQueen legendär. Bitte besuchen Sie uns für weitere Informationen und ein aktuelles Händlerverzeichnis unter www.tagheuer.com

Monaco Calibre 12


Das Leb ist zu kurz, um es auf später zu verschieben Wolfgang Joop, Mode- und Möbeldesigner, Autor und freier Künstler, gelingt es, in allen schöpferischen Disziplinen zum Liebling der Kritiker zu werden. Die Anerkennung seines Schaffens ebnete ihm nun sogar den Weg nach Venedig zur 54. Biennale. Eine Einzelausstellung zeigt seine Werke unter dem Namen „Eternal Love“. Quality sprach mit dem „Wunderkind“, das nicht nur Künstler, sondern auch Gesamtkunstwerk ist. Foto: Anika Buessemeier

von Andres Damm

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Trends unterzuordnen, das möchte ich einfach nicht. Alles was ich heute mache, entsteht nur sehr, sehr langsam. Ich merke bei meinen Werken, dass ich überhaupt nicht schnell genug arbeiten kann, um die Nachfrage zu bedienen. Das klingt nach einem sehr luxuriösen Ansatz in der Arbeitsweise. Gerade Langsamkeit impliziert ja eine gewisse Form der Exklusivität. Die Kunst war für mich ja eigentlich ein bewusster Gegenentwurf zur Schnelllebigkeit der Mode. Ein Prozess der Entschleunigung. Ich war mit Wunderkind und auch Joop zwar in der komfortablen Lage, dass ich pro Jahr nur zwei große Kollektionen gemacht habe, nicht so wie andere Designer bis zu acht. Doch trotzdem ist es doch so, dass man an einem Tag die neueste Kollektion vorstellt, und direkt im Anschluss ins Atelier fährt, um schon die nächsten Prozesse für die kommende Kollektion zu besprechen. Wir alle bewundern Karl Lagerfeld für seine Schaffenskraft und dafür, wie viele Dinge er gleichzeitig kreiert. Ich habe mich aber für einen anderen Weg entschieden. Diesem enormen Tempo, das die Modewelt regiert, wollte ich mich mit meiner Kunst entgegensetzen. Ein Schlüsselmoment für diese Entscheidung war meine Rückkehr nach Potsdam. Der Geist meiner Kindheit hatte mich wieder berührt, dieses Gefühl der schönen, melancholischen Freiheit, das ich hatte, wenn ich als Junge durch den Schlosspark von Sanssouci gelaufen bin. Es war dieser klassizistische Geist, den ich heute umsetzen kann, der mich zurück zur Kunst führte.

Linkes Foto: ©neuewienerwerkstätte, rechtes Foto: Wolfgang Stahr

Herr Joop, Sie sind ein Mensch, der sich in den verschiedensten Bereichen betätigt. Es scheint allerdings, als genügt es Ihnen nicht, eine Leidenschaft nur passiv zu auszuüben. Drängt es Sie zwangsläufig ins Schaffende und Gestalterische? Leidenschaft bedeutet für mich nicht, einem Hobby nachzugehen, ich möchte wirklich direkt professionell arbeiten – mit allem was dazu gehört. Das hat seinen Ursprung natürlich auch darin, dass ich zum einen als junger Vater einen gewissen Druck hatte, Geld zu verdienen, und zum anderen die Einstellung meines eigenen Vaters mich dahingehend beeinflusst hat. Er hatte ganz klare Vorstellungen davon, was ich zu tun habe, was sein Sohn machen soll und wollte mir das „Wunderkind-Dasein“ austreiben. In meinem Schaffen brauche ich den professionellen Druck, den kommerziellen Vergleich und eben auch den professionellen Anspruch. Aber genau dadurch entsteht Glaubhaftigkeit. Ich habe in allen Dekaden meines Lebens sehr glaubhaft gearbeitet und war vor allem auch mir selbst gegenüber immer sehr aufrichtig. Jetzt zum Beispiel in Venedig, aber auch allgemein im Kunstmarkt, habe ich an den Resonanzen gemerkt, dass man meine Arbeiten, die ich ja wirklich nahezu absichtslos und in keinster Weise spekulativ fertigte für absolut inkontemporär hält. Dieser Ansatz der Nachhaltigkeit und Zeitlosigkeit ist etwas, das mich prägt. Auch in der Mode haben meine Kleider, die ich für Wunderkind gemacht habe, diesen Charakter. Ständig wechselnden Hypes hinterher zu jagen und die eigenen Werke irgendwelchen


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ines der zentralen Themen ihrer Ausstellung zu 54. Biennale in Venedig ist der Kontrast von „Traum und Realität“. Inwieweit verschwimmen denn diese beiden Welten, und inwieweit sind sie für Sie trennbar? Wenn ich von Realität und Traum spreche, dann kommt für mich ganz schnell auch der Duktus des Engels als Thematik. Engel sind ja Wesen zwischen Himmel und Erde, aber irgendwie auch zwischen den Welten stehend, damit kann ich mich gut identifizieren. Das melancholische, das einem Engel anhaftet, ist etwas, dass ich absolut kenne. Mit all seinen Facetten und auch der Einsamkeit, die damit verbunden ist. Aber damit einher geht doch auch eine Bereitschaft, das Leben als solches zu schätzen. Erst vor wenigen Tagen sprach mich eine Dame auf der Straße an und sagte mir: „Herr Joop, ein Satz aus ihrem Roman ‚Im Wolfspelz’, ist für mich zum Lebensmotto geworden: Das Leben ist zu kurz, um es auf später zu verschieben.“ Bei allen Ihren verschiedenen und auch ausgelebten Talenten, käme es für Sie in Frage, einen Film zu machen, so wie Ihr Kollege Tom Ford? Ich traue mir das ehrlich gesagt nicht zu. Die Arbeitsweise, um einen Film zu drehen, ist ja so angelegt, dass man alleine sehr konzeptionell arbeiten muss. Das hierarchische System, wie es auf einem Filmset stattfindet, würde mich in meiner gewöhnlichen Arbeitsweise nicht widerspiegeln. Ich bewundere die Kunst des Filmemachens, und was Tom Ford mit „A Single Man“ geleistet hat, ist unglaublich. Bei den Partnern, die Sie sich heute für ihre Kooperationen aussuchen, fällt auf, wie sehr Sie auf Exklusivität Wert legen. Wie geht es Ihnen heute, wenn Sie an die Vergangenheit zurückdenken, in der es den Namen Joop! durch zahlreiche Lizenzgeschäfte auch auf Handtüchern und Klobürsten zu lesen gab? Also ich muss sagen, damit habe ich Frieden geschlossen, denn dieses Vorgehen hat mir einfach in materieller Hinsicht sehr vieles ermöglicht, das ich heute machen kann. Es ist doch nun mal ganz einfach so, dass man für Arbeiten mit persönlicher Freiheit auch ein ordentliches Budget braucht.

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Das Leben des Künstlers verbindet man gerne mit dem Lebensstil des Bohemiens, inwieweit trifft das auf Sie zu? In sehr großem Maße! Ja, unbedingt, allein deswegen, weil man als Bohemien seine eigenen Regeln findet und aufstellt und danach lebt. Das ist natürlich Freiheit. Freiheit hat aber auch ihren Preis, sie kommt nicht von alleine. Hat denn auch Reichtum und Elite ihren Preis, einen verpflichtenden Charakter? Gerade in Europa hatte früher die Elite ja den Anspruch, dem Adel nachzueifern, wenn nicht sogar zu kopieren. Man baute sich schlossähnliche Villen, förderte die schönen Künste und einen gewissen Lebensstil. Das Gute daran, dass ich so viele Dekaden durchlebt habe, ist, dass ich noch ganz andere Gesellschaftsmodelle, die angedacht wurden, miterleben durfte. Heute geht es nur noch um die Vergrößerung des Reichtums. Früher gab es eine ganz andere Form des Wohlstandes, in der es noch viel mehr um den Inhalt und die Ideen ging. Heute wollen viele der Mitdreißigermillionäre ja wirklich nichts anderes sein, als einfach nur reich. Konsum, um des Konsumieren willens, ist das Motto. Aber wo ist die Erziehung? Ich bin der Überzeugung, das wahrer, verantwortungsvoller Reichtum wirklich viel Erziehung benötigt, und die ist leider nicht mehr häufig zu erkennen. Aber es ist doch gerade der Inhalt, der zu inkontemporären, zeitlosen Werken führt, der auch Ikonen definiert. Leben wir heute, mit dieser Entwicklung überhaupt noch in einer Zeit, in der dieses Wirken hin zur zeitlosen Ikone stattfinden kann? Auf jeden Fall. Meine Kunstwerke zum Beispiel sind ja in der Form ikonenhaft, dass sie so scheinen, als wären sie schon immer da gewesen. Eine weitere Parallele zur klassischen Ikone ist, dass es alles Werke sind, die Platz für sich beanspruchen. Sie können keine meiner Skulpturen oder meiner Stickereien in einen engen Raum zusammen mit Ölgemälden zusammen inszenieren, dann würde die Wirkung verloren gehen. Der Begriff der Ikone stammt ja aus der religiösen Kunst. Nehmen sie eine russische Ikone, die

Linkes Foto: ©neuewienerwerkstätte, rechtes Foto: Anika Buessemeier

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Sie umgeben sich berufsbedingt viel mit schönen Dingen und schönen Menschen. Ist denn manchmal der Punkt erreicht, wo eine Übersättigung an Ästhetik eintritt? Nein, ganz im Gegenteil. Ich finde, dass es auch unglaublich viel Hässlichkeit gibt. Nehmen wir mal Berlin als Stadt – man muss in der Architektur schon einige Biester über sich ergehen lassen, um die einzelnen Schönheiten zu entdecken.


können Sie auch nicht zwischen zwei romantische Ölschinken hängen. Und diese Besinnung auf Weniges, Ikonenhaftes, dem man wieder Raum zugesteht. Das, denke ich, ist ein für die heutige Zeit sehr wichtiger Gedanke. Wir leben heute ja viel beengter als früher, insofern muss man sich schon sehr klar entscheiden, mit welchen Gegenständen man sich umgibt. Ich habe bei mir Zuhause auch Platz geschaffen, um meinen Kunstwerken den passenden Raum bieten zu können. Und im Menschlichen, sehen Sie da in der Gegenwart noch Platz für neu entstehende Ikonen? Auf jeden Fall, sehen Sie sich Lady Gaga an. Man kann sagen was man will, sie ist eine Ikone auf ihrem Gebiet. Dazu gehört aber neben Talent auch absolute Disziplin und Konsequenz. Ich würde durchaus von mir behaupten, dass ich ein besonderes Gespür für Trends und Entwicklungen habe und dadurch auch erkennen kann, wer das Zeug zur Ikone hat und für wen emotional gesehen, Platz auf dieser Welt vorhanden ist. Da würde mir jetzt spontan noch Aura Dione einfallen. Wenn man Ihnen nun sagt, Sie sind eine Ikone, wie reagieren Sie darauf ? It is like it is! Wir danken Ihnen für das Gespräch, Herr Joop.

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Unterteller, Perl – Schwarz – Platin von NympheNburg Eule, Bisquit – Schwarz von NympheNburg silberne Vase von Werkstatt müNcheN Käferanhänger, Unikat von patrick muff schwarze Dipschale und schwarze Vase Papyros by Vittorio PaSSaro von roseNthal schwarze Serviette von georg JeNseN Damask

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hymne an die nacht Fotos von Simone Rosenberg, Styling von Nina Lemm c/o Liganord

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Von rechts nach links: riesenschneekugel von maisoN martiN margiela Schale „Matrix“ von gaia & giNo Falter von coNstaNtiN boym Gläser und Vasen, Stylist’s own Flasche von absolut VoDka Special Edition

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silberne Vase, Schale und Becher von Werkstatt müNcheN Dipschalen „Papyros“ von Vittorio PaSSaro für roseNthal schwarzer teelöffel aus dem Besteck „ Mono-a black“, Edition von prof. peter raacke Espressolöffel von JeaN NouVel für alessi

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rabe, Bisquit – Schwarz von NympheNburg tafelservice Perl – Schwarz – Platin von NympheNburg

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Vase, Dipschalen und Schale „Papyros“ von Vittorio passaro für roseNthal Messer aus dem Besteck „ Mono-a black“, Edition von prof. peter raake silberne tasse von JeaN NouVel für alessi Lakritz von haribo schwarze Serviette von georg JeNseN Damask

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Die Grande Dame und ihr Hofstaat

Das Peninsula ist das 채lteste und auch ber체hmteste Hotel Hongkongs. Neben dem unaufdringlichen Luxus, der hypermodernen Technologie und dem perfekten Komfort sind es vor allem die Mitarbeiter, die das Traditionshaus zu etwas Besonderem machen. von Patricia Engelhorn

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Bei diesem Ausblick bekommt der Begriff „Badevergnügen“ eine ganz andere Dimension.

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r hatte keine Ahnung, was der Gast von ihm wollte. Als Clark Gable in die Lobby Cocktail Bar des Hotel Peninsula kam und einen „Screwdriver“ bestellte, war Johnny Chung gerade zur Bedienungshilfe avanciert und noch ein halbes Kind. Er stand alleine hinter dem Tresen und überlegte kurz, ob er einen Handwerker zur Hilfe rufen sollte. Clark Gable muss seine Verwirrung erkannt haben. Geduldig erklärte er dem Jungen die Rezeptur aus Wodka und Orangensaft und brachte so einen bis dato unbekannten Drink nach Hongkong. Die Lobby Cocktail Bar gibt es nicht mehr, Cartier hat die Ecke in der wohl schönsten Hotelhalle des fernen Osten mit seiner Boutique besetzt. Johnny Chung aber ist noch da. Gute 50 Jahre nach Clark Gables Besuch arbeitet er als „Senior Bartender“ in der eleganten „The Bar“ in der Belletage des Hotels. „Mein Vater war bereits im Restaurant ‚The Lobby’ für das Peninsula Hong Kong tätig“, erzählt er. „Es war für mich klar, dass ich die Familientradition fortführen würde.“ Er ist nicht der einzige. Billy Choy und sein Bruder Boris kamen durch ihre Mutter ins „Pen“, die jahrzehntelang die Wäscherei leitete und mittlerweile in Rente ist. Hon Sze Lau, der seit rund 15 Jahren die Post koordiniert, brachte seine beiden Söhne Ricky und Hugo mit, die nun auch schon über ein Jahrzehnt lang im Eingangsbereich des Peninsula tätig sind. So kam nach und nach eine einzigartige Mitarbeiter-Gemeinschaft zusammen, die im globalisierten, schnelllebigen 21. Jahrhundert wie ein absoluter Anachronismus wirkt. Das Peninsula ist Hongkongs ältestes Hotel, es eröffnete 1928. Vieles in diesem Hotel ist pure Nostalgie: die weitläufige, elegante Lobby mit klassischer Live-Musik und sanftem Jazz, in der jeden Nachmittag der High Tea serviert wird. Die schneeweißen Uniformen der Pagen und deren kuriose „Pillbox“-Hütchen. Die maßangefertigte, mit milchkaffeefarbenem Leder ausgestattete und in distinguiertem „Peninsula Green“ lackierte RollsRoyce-Flotte, mit der Gäste zum Flughafen oder zum Shopping gefahren werden. Die verschwenderischen Platzverhältnisse der 300 Zimmer und Suiten, der verschwenderische Einsatz von er-

© „Portraits of Peninsula“ von Annie Leibovitz

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lesenen Antiquitäten und Kunstobjekten und die verschwenderische Anzahl von Angestellten, die rund um die Uhr für jeden Sonderwunsch der Gäste zur Verfügung stehen. Die Geschichte begann in den 1880er-Jahren, als sich die Brüder Ellis und Elly Kadoori in Shanghai und Hongkong niederließen. Zu ihren diversen Unternehmen gehörte unter anderem die „Hong Kong Hotels Limited” mit prächtigen Hotels, wie etwa das Repulse Bay in Hongkong, das Astor House und das Majestic in Shanghai sowie das Grand Hotel Wagon Lits in Peking. Doch das reichte ihnen nicht: Sie beschlossen in Hongkong das „finest hotel east of Suez” zu errichten. 1922 wurde mit dem Bau begonnen, sensationelle drei Millionen US-Dollar standen dafür zur Verfügung. Doch die Unruhen in China brachten Mitte der 1920er-Jahre Generalstreiks und Verzögerungen mit sich. Das Peninsula befand sich in seiner letzten Bauphase, als britische Truppen das Haus besetzten. Im April 1928 verließ der letzte Soldat das fast fertige Gebäude, und so konnte das Hotel am 11. Dezember mit einer rauschenden Party mit über 3.000 Gästen eröffnet werden. Zahllose Berühmtheiten steigen seitdem im Peninsula ab. In den 1930er-Jahren logierten hier Filmstars wie Charlie Chaplin und Paulette Goddard, später folgten Elizabeth Taylor, Warren Beatty und Richard Gere, Tennessee Williams, Richard Nixon, Henry Kissinger und Prinzessin Margaret. Prinzessin Diana gehörte zur Stammklientel – sie kam per Helikopter übers Dach. Auch James Bond war schon da: In „Der Mann mit dem goldenen Colt“ betritt Roger Moore das Hotel ganz lässig durch die Halle.

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Das Peninsula in den Deißigern kurz nach Fertigstellung. unten: Design und Hightech in Formvollendung

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© „Portraits of Peninsula“ von Annie Leibovitz

Die Kadoories hätten zufrieden sein können. Doch die Familie wäre nicht so erfolgreich, gäbe es nicht stets ein noch höheres Ziel. Nun hatten sie also das schönste Hotel, jetzt sollte es auch das modernste werden. Sir Michael Kadoorie beschloss 1985 Satelliten-TV in sein Hongkonger Flaggschiff-Hotel einzuführen. Das Problem dabei war, dass diese Technologie damals in Hongkong nicht verfügbar war. Sir Michael ließ sich nicht beirren, traf nach langer Suche einen australischen Spezialisten, der es schaffte, das System zu installieren. Heute gelten die Peninsula-Zimmer als die am technisch ausgereiftesten der Welt. Was nicht bedeutet, dass man hier zwischen Digitalanzeigen und Schaltern wohnt. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die meiste Technik ist unsichtbar und der Rest leichter zu bedienen als die Küchenuhr am heimischen Herd. So liegen keine drei Fernbedienungen auf dem Nachtisch, sondern nur eine, die TV, DVD und Radio bedient. Von einer Konsole am Bett kann jedes elektrische und elektronische Gerät im Zimmer idiotensicher bedient werden. Die Zeichen für das Öffnen und Schließen der Gardinen sind so unmissverständlich wie jene, die die Klimaanlage regeln. Ein einziger Knopfdruck schaltet sämtliche Lichter aus, inklusive jener im Bad und im Eingang. Damit in Zukunft auch Sprachmuffel zwischen „Master“ und „Mood“ unterscheiden können, wird an einem Touchpanel gearbeitet, der in verschiedene Sprachen eingestellt werden kann.

eninsula ist weltweit die einzige Hotelgruppe, die sich eine eigene Entwicklungsabteilung leistet, in der die Hightech für das Hotelzimmer von morgen entwickelt wird. Das „Electronic Services Department“ (ESD) befindet sich in der 5. Etage eines Industrie-Gebäudes in Aberdeen, einem Stadtteil auf Hongkong Island, der nur selten von Touristen besucht wird. Dort suchen 27 Software- und Hardware-Ingenieure nach Lösungen für die ganz profanen Sorgen ihrer Gäste. Oft werden diese zufällig entdeckt: Ein Mitarbeiter beobachtete im Hotellift eine Dame, die hektisch mit den Händen wedelte, um ihren frisch aufgetragenen Nagellack zu trocknen. Daraufhin wurde ein spezielles Gerät entwickelt, das Nagellack in Sekundenschnelle trocken fönt. Jemand anderem fiel auf, dass ein Blick aus dem Fenster oft nicht ausreicht, um zu wissen, wie das Wetter draußen ist. Eine digitale Anzeige neben der Zimmertür informiert nun über Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit, Windstärke und UV-Strahlung. Spannungsumschaltbare Steckdosen machen Adapter überflüssig, der sich steigernde Klingelton des Peninsula-Weckers sorgt für sanftes Erwachen, eine Freisprechanlage im Badezimmer erlaubt das Telefonieren aus dem Schaumbad heraus – oft sind es kleine Dinge, die den Alltag verschönern. „In Tokio installierten wir vor fünf Jahren als erstes Hotel der Welt ein Internet-Radio“, erzählt ESD-Chef Ingvar Herland, „seitdem stehen dem Gast 3.000 Sender zur Verfügung“. Natürlich braucht niemand 3.000 Sender, doch die Auswahl ermöglicht es dem Personal, jedes Radio individuell auf den Gast einzustellen: Wer aus Hamburg kommt, wird in seinem Zimmer deutsche Radiostationen empfangen, Japaner, Araber und Russen können ihre Landes-


„Mein Vater war bereits im Restaurant ‚The Lobby’ für das Peninsula Hongkong tätig – es war für mich klar, dass ich die Familientradition fortführen würde.“ Johnny Chung

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nachrichten hören. Als absolutes Highlight gilt das neue VOIPTelefon, das kostenlose Anrufe ins Ausland ermöglicht – auch dies eine Weltneuheit, die von der ESD entwickelt wurde und in den Peninsula-Hotels in Tokio und Shanghai im Einsatz ist.

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ir sind noch lange nicht am Ende unserer Möglichkeiten“, sagt Ingvar Herland, „allerdings stellt sich bei jeder neuen Entwicklung auch die Frage, wie sinnvoll sie ist.“ Gut möglich, dass das ESD-Team bald eine Technik zur Verfügung stellen wird, die es ermöglicht, auf der Fahrt vom Flughafen ins Hotel auf dem I-Pad einzuchecken und das Abendessen zu bestellen. Doch wer möchte das schon? Viel schöner ist es, von Ada Tung in Empfang genommen zu werden und sich von Concierge Caren Hung ein nettes Restaurant empfehlen zu lassen. Denn wichtiger als Radio-Sender und Digital-Anzeigen ist für das „Pen“ der persönliche Service. General Manager Rainy Chan vergleicht ihre Mannschaft mit einem eingespielten Orchester und sich selbst mit dem Dirigenten. Sie beherrscht die verschiedenen Rhythmen, die im Peninsula gespielt werden, perfekt. Sei es der Wiener Walzer, der zur Tea Time von der Lobby-Empore erklingt, sei es der coole Lounge-Sound, der am Abend im von Philippe Starck gestalteten Restaurant „Felix“ auf der 28. Etage zu hören ist. Und so schafft das Peninsula scheinbar mühelos den Spagat zwischen vorgestern und übermorgen, inklusive all dem, was dazwischen liegt und das Leben in diesem Hotel so wunderbar einfach macht. The Peninsula Hong Kong, Salisbury Road, Kowloon, Hong Kong, Tel. +852 29 20 28 88, www.peninsula.com

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© „Portraits of Peninsula“ von Annie Leibovitz

Our Hong Kong

Rainy Chan, Direktorin des The Peninsula Hong Kong

Zum 82. Jubiläum macht The Peninsula Hong Kong sich und seinen Gästen ein besonderes Geschenk. Mit dem Buch „Our Hong Kong“ entführt es den Gast auf eine Entdeckungsreise zu ungewöhnlichen Orten abseits der gängigen Pfade. Die Erzählungen, Anekdoten und Geheimtipps stammen von Peninsula-Mitarbeitern. Jede Geschichte ist mit hübschen Aquarellen, handschriftlichen Zeilen und dem Namen des Autors versehen, jede vermittelt einen anderen, meist wenig bekannten Ansatz, die Stadt kennen zu lernen. Mystik und Aberglaube umwehen den Tipp von Sales-Mitarbeiterin Antje Leung: Menschen, die plötzlich vom Unglück verfolgt werden, finden Rat bei alten Frauen, die es verstehen, böse Geister zu vertreiben. Die Greisinnen haben keinen festen Standort und dennoch wissen die Einheimischen, wo sie zu finden sind – etwa in der Bowen Road in Wanchai oder auch vor dem Hau Tempel in Yau Ma Tei. Der Schweizer Küchendirektor Florian Trento, seit 23 Jahren in Diensten des Peninsula, liebt Sonntagsausflüge mit seiner Harley Davidson. Höhepunkt ist der Stopp an der Bride’s Pool Road in den New Territories, wo die Mitglieder des Lamborghini-, Ferrari- und Porsche-Clubs sowie die

Harley Owners Group ihre auf Hochglanz polierten Lieblinge präsentieren. Stephanie Lee, Mitarbeiterin im Felix-Restaurant, startet ihre Wandertour im alten Hakka-Dorf Ng Tung Chai. Von dort läuft sie das Lam Tsuen Tal entlang durch eine wunderbare Landschaft aus Hügeln und Wäldern, vorbei an einem Taoist Kloster und endet schließlich beim Ng Tung Chai-Wasserfall. Rainy Chan, Direktorin des The Peninsula Hong Kong und Area Vice President Hong Kong und Thailand, verrät, dass sich das Eldorado für Kunstobjekte aus den 1930er-Jahren in der Cat Street, einer engen Gasse unterhalb der Hollywood Road in Central, befindet. Es war ihre Idee, die Tipps und Insider-Kenntnisse der Mitarbeiter in einem einzigartigen Leitfaden zusammenzufassen. Alle Mitglieder des Personals wurden eingeladen, ihre Vorschläge einzureichen. Ein Komitee wählte die interessantesten Schilderungen aus, überzeugte sich von den eingereichten Ideen vor Ort und entschied über die 50 Finalisten. Das Buch liegt in allen Zimmern und Suiten bereit.

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Ein Herz aus Graphit

Der kleinste Bleistift der Welt: 1,75 Zentimeter mal drei Millimeter

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Faber-Castell ist der weltweit größte Hersteller von Holzstiften und bereits in der 8. Generation in Familienhand. Dem Traditionshaus ist jedoch neben der Fertigung feinster Schreib- und Malutensilien noch etwas gelungen, das es zu einem der fortschrittlichsten Unternehmen der Welt macht: Faber-Castell ist in seinen Fertigungsprozessen, seinem Marketing und Markenschutz als auch in sozialer Hinsicht durch die Einführung von Betriebskrankenkassen und einheitlicher Richtlinien im Arbeitsschutz stets „federführend“. Heute genauso wie vor 250 Jahren.

Lothar Freiherr von Faber

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ie Geschichte der Grafen von Faber-Castell beginnt 1660 in der Nähe von Nürnberg, genauer gesagt in Stein, einer kleinen Ortschaft im Grenzgebiet zwischen Nürnberg und Ansbach. Der Schreiner Kaspar Faber widmet sich, wie viele Handwerker dieser Gegend, der Bleistiftherstellung. Seine Fingerfertigkeit und die Qualität seiner Produkte machen ihn rasch so erfolgreich, dass er entscheidet, sich ausschließlich der Produktion von Schreibgeräten zu widmen. Nach seinem Tod übernimmt sein Sohn den zu einem kleinen Unternehmen gewordenen Handwerksbetrieb. Anton Wilhelm ergreift die Gelegenheit und erwirbt ein Grundstück am Ortsrand von Stein, um dort die Produktionsstätte zu erweitern. Er braucht nur zwei Jahre, um aus der einstigen, kleinen Manufaktur eine ansehnliche Bleistiftfabrik zu machen. Neben der Errichtung des Stammsitzes der Firma, die heute immer noch in Stein zu finden ist, sind es auch seine Initialen, die in den Firmennamen eingegangen sind. Der Familientradition entsprechend, übernimmt Georg Leonhard nach dem Tod seines Vaters Anton Wilhelm Faber die Firmenleitung. Er hat jedoch weniger Glück als sein Vorgänger. Die Stürme der französischen Revolution machen sich auch in Deutschland bemerkbar. Die politische und wirtschaftliche Unruhe wirkt sich negativ auf seine Geschäfte aus. Zudem schwächen Konkurrenzprodukte den einstigen Marktführer. 1836 schickt er seine Söhne Lothar und Johann zur Weiterbildung für dreieinhalb Jahre ins europäische Ausland. In Paris erlernt Lothar, der Georg Leonhard später als Firmenchefs beerben wird, wegweisende Techniken und erwirbt Erfahrungen, die ihm für seine Unternehmensführung 151


Graf Alexander von Faber-Castell und sein Arbeitszimmer

von entscheidendem Wert sein werden. Als sein Vater 1839 stirbt, kehrt der Filius aus Frankreich zurück, um sein Erbe anzutreten. Lothar hat große Pläne: Er verfolgt ehrgeizig das Ziel, seiner Firma zu Weltruhm zu verhelfen. Um stets über genügend Rohstoffe zu verfügen, erwirbt er eine eigene Graphitmine in Sibirien. Er erweitert seine Produktionsstätten, um das Arbeiten für seine Mitarbeiter angenehmer und sicherer zu gestalten. Neben den hygienischen Verbesserungen führt er noch eine Neuerung ein: die strikte Trennung der Tätigkeitsfelder. Die schweren körperlichen Arbeiten werden jetzt ausschließlich von Männern ausgeführt, das Polieren und Verpacken obliegt den Frauen in den Betrieben. Neben der unternehmerischen „Hardware“ kümmert er sich jedoch auch um Marketingstrategien und die Präsentation seiner Produkte, die er mit dem Schriftzug A.W. Faber versieht, und so das erste Marken-Schreibgerät aus der Taufe hebt. Lothar Faber ist es auch, der die erste Krankenkasse für seine Mitarbeiter ins Leben ruft und komfortable Mietwohnungen errichtet. Stets im Bestreben, seine Mitarbeiter zu fördern und zu entlasten, kümmert er sich um Kindergärten, Schulen und Bildungseinrichtungen, die er finanziell unterstützt. Lothar, ein weitsichtiger und leidenschaftlicher Unternehmer, eröffnet bereits 1849 seine erste Verkaufsgesellschaft in New York und leistet damit Pionierarbeit. Sechs Jahre später gründet er dort seine erste Auslandsniederlassung und betraut seinen Bruder Eberhard mit der Leitung. Damit jedoch noch nicht genug, entstehen im Zuge der Weltausstellungen weitere Niederlassungen in London und Paris.

Der älteste Bleistift aus dem 17. Jahrhundert

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1861

feiert das Familienunternehmen sein hundertjähriges Bestehen, im selben Jahr öffnet die erste Bleistiftfabrik in der Neuen Welt seine Pforten, in Brooklyn, New York. Lothar Fabers Engagement bleibt nicht unbeobachtet: 1862 verleiht ihm König Maximilian II von Bayern den Titel eines Freiherrn und ernennt ihn nur drei Jahre später zum Reichsrat der Krone Bayerns. Doch nicht nur Bayern weiß seine Verdienste zu würdigen, auch Kaiser Napoleon III wird auf ihn aufmerksam und entsendet eine Kommission nach Stein, um die vorbildlichen Wohlfahrtseinsrichtungen für seine Arbeiter zu studieren. Beeindruckt von Lothars Schaffen, verleiht ihm der Kaiser den Ritterorden der Ehrenlegion. 1881 wird Lothar von Faber in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Lothars Wirken endet jedoch nicht mit der Anerkennung seines Werkes. 1874 eröffnet er eine Niederlassung in St. Petersburg und erlässt im selben Jahr, in seiner Funktion als Reichrat, das erste Gesetz zum Schutze der Marke. In den darauf folgenden Jahren vergrößert er sein Unternehmen stetig und krönt sein Lebenswerk mit zwei exklusiven Verkaufs- und Repräsentationsflächen: 1884 entsteht das „Faberhaus“ in der Friedrichstraße in Berlin und 1894 folgt das erste Geschäftshaus in New York. Lothars einziges Kind, sein Sohn Wilhelm von Faber, ist kein so langer erfolgreicher Werdegang vorbestimmt. Er verliert zwei seiner fünf Kinder und erliegt selbst einem frühen Tod im Alter von 42 Jahren. Seine Witwe führt das Unternehmen nach seinem Ableben mit Hilfe ihrer Mitarbeiter weiter, bis 1903 Alexander von Faber-Castell, der Mann ihrer


Arbeiterinnen 1911

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Limitierte Edition des „Perfekten Bleistifts“ in Weißgold

1978 Anton Wolfgang von Faber-Castell hält den Klassiker des Hauses in seinen Händen

ältesten Tochter Ottilie, die Firmenleitung übernimmt. Graf Alexander führt das Traditionshaus mit der Errichtung des burgähnlichen Neubaus, dem das Faber-Castell-Motiv entlehnt ist, und der Gestaltung des „Castell“-Bleistifts mit dem bekannten Bleistiftritter ins 20. Jahrhundert. Nach dem Tod Graf Alexanders im Jahr 1928 tritt Roland, sein Sohn aus erster Ehe, die Erbfolge an und sichert so den Fortbestand der Unternehmer-Dynastie. Roland Graf von Faber-Castell bemüht sich um weitere Expansion seines Unternehmens, kann sogar im Krieg verlorene Firmenanteile in Brasilien zurückkaufen. In den 30er-Jahren tritt Roland in die Fußstapfen seines Ur-Großvaters Lothar und bringt farbenfrohe, kindgerechte Produkte auf den Markt. Der Zweite Weltkrieg sorgt jedoch für einen jähen Einbruch, und das Familienunternehmen verliert wieder einmal einen Teil seiner ausländischen Fabriken. Roland gelingt es jedoch, nach dem Krieg recht schnell wieder auf die Beine zu kommen. Er entwickelt den TK-Stift, einen mechanischer Stift für Techniker und Künstler, der sich weltweit durchsetzt und nimmt den Kugelschreiber mit ins Sortiment auf.

Pen of the year 2011. Glücksbringer, Machtsymbol, Elixier der Unsterblichkeit – es ist eine besondere Aura, die Jade von jeher umgibt

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übernimmt Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell die Firmenleitung und erweitert die Produktpalette um den Bereich der dekorativen Kosmetik. Neben der Gründung neuer Auslandsniederlassungen und der größten Radiergummifabrik der Welt in Malaysia, beschäftigte sich Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell in den letzten Jahren vor allem mit den ökologischen und sozialen Aspekten seiner Unternehmensführung. Neben umweltschonenden Materialien und Fertigungsprozessen interessieren ihn auch faire Arbeitsbedingungen und die Sicherheit der Menschen, die seine hochwertigen Produkte auf der ganzen Welt fertigen. Von der Welt inspiriert ist auch der Pen of the Year, der im Jubiläumsjahr 2011 als limitierte Edition erscheint. Acht kostbare Jadesteine, eingefasst in platinierte Beschläge, symbolisieren die acht Generationen des Unternehmens. Die Produktion des exklusiven Füllfederhalters ist in Anlehnung an das Gründungsdatum des Unternehmens 1761 auf 1.761 Stück begrenzt. Jade, bevorzugter Stein der Hochkulturen der Welt, verfügt über eine einzigartige Aura. In China werden der Jade Eigenschaften wie Menschlichkeit, Bescheidenheit, Weisheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit zugeordnet. Werte, die auch in der 250-jährigen Tradition der Grafen von Faber-Castell ihre Gültigkeit nicht verloren haben. Denn wenn die Grafen eines über die Jahrhunderte zu verstehen gewusst haben, dann, was Tradition wirklich bedeutet: nicht die Asche bewahren, sondern die Glut.


AuĂ&#x;erordentliche Kunstfertigkeit ist erforderlich, um die erstaunlichen Qualitäten von Jade herauszuarbeiten.

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Sie waren dabei, als wir unseren ersten Strich machten und leuchteten fröhlich in unseren Mäppchen gegen die Tristesse mancher Schulstunde an. Sie schrieben mit uns den ersten Liebesbrief und so manche Postkarte. Die Schreibgeräte von Faber-Castell begleiten uns nun schon seit 250 Jahren. Für unseren Autor waren sie schon immer ein wenig mehr als nur Stifte und Farben. Eine Liebeserklärung. von Pippin Wigglesworth Die Expedition von Robert Falcon Scott war gescheitert. Er hatte den Südpol zwar erreicht, aber erst einen Monat nach Roald Amundsen. Auf dem Rückweg fielen die Temperaturen unter minus vierzig Grad. Scott und seine Begleiter litten unter Erschöpfung, Hunger und lebensfeindlicher Kälte. Am 29. März 1912 schrieb Kapitän Scott den letzten Eintrag in sein Expeditionstagebuch. Die meisten seiner Finger waren eingefroren, trotzdem griff er zum einzigen Schreibinstrument, das dieser Kälte standhalten konnte, einem Bleistift. Dann notierte er seine letzen Worte. Nicht ganz ein Jahrhundert später, griff ich in der pubertären Feuchthitze des gymnasialen Kunstunterrichts zu einem ähnlichen Bleistift. Vor mir lag eine Mandarine. Was ich zeichnete, aber, sah aus wie eine Kartoffel. Die Vorlage und meine Kopie trennte ein antarktischer Schneesturm. Ich schwitzte, und die Kartoffel wurde immer unförmiger. Der Lehrer, für seine Gutmütigkeit bekannt, war weniger als zufrieden, also beschloss ich, in bessere Werkzeuge zu investieren. Ich blätterte in einem Katalog von Faber-Castell und fing an, Malkästen zu bestellen. Ein Jahr später bekam ich auf meinen Antrag hin von der Schulleitung einen zusätzlichen Spint zugesprochen, um meine ausufernde FaberCastell-Malkastensammlung unterzubringen. Das Herzstück der Kollektion war die „Alexander Vethers Collection Millenium Edition“, der Maybach unter den Zeichenkoffern: mahagonifarben gebeizt, mit mehreren Schubladen voller Farb- und Aquarellstifte, Pastellkreiden und handge-

schöpftem Büttenpapier. Meine Freunde erklärten mich für verrückt, und doch trug dieses Weihnachtsgeschenk meines Großvaters seine ersehnten Früchte – meine Zeichnungen wurden immer besser. Oder zumindest: Meine Noten wurden immer besser. Dafür, dass ich keine gerade Linie zeichnen kann, und auch keine ungerade, grenzt dies an ein Wunder. Durch die Faber-Castell-Stifte schienen verborgene Talente in mir geweckt worden zu sein, oder meine immensen Ausgaben verdeutlichten so eindrucksvoll meine ernsten Absichten, mich der Kunst hingeben zu wollen, dass selbst ein Pädagoge sich von ihrer Schönheit blenden ließ. Doch zurück zu meinen Stiften. Der Bleistift, den ich zu dieser Zeit regelmäßig nutzte, in diesem Fall ein 2B, gab mir das Gefühl, alles sei möglich und selbst die Skizze einer einfachen Frucht, ein Schritt in die Annalen der Kunstgeschichte. Der Begriff des Bleistifts ist jedoch irreführend, da er eigentlich ein Herz aus Graphit sein eigen nennt. Zum Bleistift wurde er sehr wahrscheinlich, da die ersten Schreibinstrumente mit Blei ausgegossene Schilf- und Bambusrohre waren, die lange vor Christi Geburt in Ägypten benutzt wurden. Um 1500 dann entdeckten Einheimische in Cumbria, dem nordwestlichen England, unter der mystischen Berglandschaft Grey Knotts, das bis heute größte und reinste Depot natürlich vorkommenden soliden Graphits. Zunächst wurden mit den dunkel glänzenden Brocken Schafe markiert, später wurden darin Kanonenkugeln gegossen und schließlich entstanden daraus

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die viereckigen „english pencils“, lange Zeit die einzig ernstzunehmenden Stifte. Zwischen 1600 und 1700 begannen Handwerker in Nürnberg mit Graphitpulver zu experimentieren, um daraus Minen zu „schmieden”, anstatt sie, wie die Engländer, aus den Blöcken ihrer monopolisierten Mine zu schneiden. Es entstand unter dem schützenden Armen der bayrischen Regierung eine neue, florierende Industrie. Kaspar Faber, 1730 geboren, war nicht mehr und nicht weniger als ein erfinderischer Schreiner, der sich dieser Bewegung anschloss. Nach mehreren Generationen wurde Anfang des 20. Jahrhunderts, um dem Namen alle Ehre zu machen, neben der modernen Fabrik in Stein bei Nürnberg ein burgähnliches Schloss errichtet. Dieses Schloss, das als Piktogramm vereinfacht bis heute viele der Faber-Castell-Stifte schmückt, ist eben diese jüngersche „Macht des Urgesteins”, die besonders stark dort wirkt, wo etwas nicht vorhanden ist. Jene Macht, die aus einer Handwerker-Familie ein blaublütiges Industriellen-Geschlecht machte und aus einer Kartoffel eine hübsche Frucht. So schrieb Lothar Freiher von Faber in einem Brief 1869: „Wenn die Mensch etwas produzieren, etwas schaffen will, so muss das, was er schaffen will erst Fleisch und Blut in ihm angenommen haben ...“ Das ist die Kraft einer überzeugenden Idee. Oder zumindest: Diese Stifte haben auf mich eine ganz besondere Ausstrahlung, eine, die schon damals gut zu mir passte. Faber-Castell ist eine ehrwürdige deutsche Marke mit adeligem „Anstrich“, der mitunter diesen Produkten etwas Erhabenes verleiht.Mir, dem es gelang, mit Luxus-Farbstiften bewaffnet, die bürgerliche Konvention zu übergehen, nämlich: Für schlechte Leistungen schlecht benotet zu werden – war das Edle und Professinelle der Marke schon da bewusst

Das Jubiläumsprodukt: Mit Aquarellpinsel, Wasserschälchen aus Porzellan, Radierstift, Knetradierer und vielem mehr – ein Objekt der Begierde

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und somit hilfreich. Jede Marke mit einer weniger bedeutungsvoll aufgeladenen Geschichte hätte mir so viel Arbeit niemals abgenommen. Die Frage, die ich mir nun stelle, ist, ob es ein Faber-CastellBleistift war, den Robert Falcon Scott auf der Rückkehr vom Südpol in seiner kalten Hand hielt und, falls nicht, wie viele davon er gebraucht hätte, um seiner katastrophale Expedition ein handfestes Wunder auf die kegelstumpf-artig abgebrochene Spitze zu setzen. Die Royal Library in London, zwar im Besitz des gut erhaltenen Expeditionstagebuches von Scott, ist nicht im Besitz dieser Information. Auch nicht das Scott Polar Research Institute in Cambridge, in dessen Archiv viele Gegenstände des Expeditionsinventars lagern. Und auch nicht die Royal Geographical Society, die seine letzte Expedition finanzierte. Meinen Berechnungen zufolge beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich ein Faber-Castell-Bleistift war, etwa eins zu sechs. Nur aber rechne ich leider etwa genauso schlecht, wie ich zeichne.


Herz und Seele des Bleistiftes: Graphit

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VIENNA

CALLING Wien war Jahrhunderte lang kaiserliche Reichshaupt- und Residenzstadt der Habsburger, und Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches. Als fünftgrößte Stadt der Welt nach London, New York, Paris und Chicago zählte Wien um das Jahr 1910 über zwei Millionen Einwohner. Nach Ende des Ersten Weltkrieges hatte die Donaumetropole allerdings rund ein Viertel seiner Einwohner verloren und wird dennoch, oder gerade deshalb, als Stadt mit der höchsten Lebensqualität weltweit bewertet. Die Altstadt und der Stephans Dom sind UNESCO-Weltkulturerbe – Wolfgang Amadeus Mozart, Falco, Sigmund Freud, Gustav Klimt und Kaiserin Elisabeth von Österreich ihre prominentesten Kinder. Quality besuchte „Sissis“ Heimat und traf interessante Menschen aus Kunst, Design und Architektur zum Gespräch. von Silja Katharina Dammann 161


Amadeus’ Rock 162


Wie konnte sich KNIZE über 150 Jahre durchsetzen? Der Anspruch an die Qualität, die Neuerfindung in der Tradition, das Festhalten an etablierten Standards sind einige der Gründe für unseren Erfolg. Die Krise in den 30er-Jahren ist auch nicht an uns vorbeigegangen, aber das wichtigste war immer der Versuch, an höchster Qualität festzuhalten. Glauben Sie, dass Adolf Loos und die Künstler der damaligen Zeit den Werdegang von KNIZE mit beeinflusst haben? Das hat sicher mitgewirkt. Unabhängig von der Gestaltung der Innenräume hat Loos, wenn er mal wieder Geld brauchte, die Bilder, die er von Freunden wie Egon Schiele erworben hatte, an Fritz Kniže verkauft. Diese Kunstsammlung half wiederum der Familie Kniže, die in schwierigen Zeiten von ihrer Sammlung leben konnte.

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Schneider Josef Knize in seinem Atelier

inter der schmalen Ladenfront, am Graben 13 im ersten Wiener Bezirk, befindet sich der winzige Eingangsbereich des legendären Herrenmaßschneiders KNIZE. Krawatten, Schals, Socken und Stoffe liegen perfekt geordnet in den eichenholzvertäfelten Regalwänden. Eine geschwungene Wendeltreppe führt hinauf in den großzügigen Beratungs- und Verkaufsraum, der sich über die benachbarten Geschäfte erstreckt. Adolf Loos schuf hier eine Atmosphäre, wie man sie so nur bei den traditionellen, englischen Gentlemen Clubs antrifft. Die Architektur, wie auch die Möbelstücke ergänzen perfekt die einzigartigen Kleidungsstücke, die gemäß des Leitspruchs „Die unausweichliche Frage nach dem eigenen Stil beginnt mit der Überwindung der Mode“ angefertigt werden. KNIZE ist einer der drei Fixsterne am Himmel der hohen europäischen Schneiderkunst für Maßanzüge. Schillernde Persönlichkeiten wie Maurice Chevalier und Marlene Dietrich ließen hier für sich schneidern. 1858 vom böhmischen Schneider Josef Kniže gegründet, stieg das Unternehmen rasch auf zum königlich-kaiserlichen Hoflieferanten für Sportbekleidung. Seinen Durchbruch als Meisterwerkstatt des Schneiderandwerks hatte KNIZE erst in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts, als Ernst Dryden, Kostümbildner und Grafiker, als Werbeberater gewonnen werden konnte. Er machte das Unternehmen zu einer der ersten Adressen der Modewelt, indem er das Image des Polospiels auf die Produkte übertrug, ein einprägsames Logo entwickelte und sogar ein eigenes Parfum kreierte: KNIZE TEN. Das Bestreben nach Qualität und die Einbindung zeitgenössischer Strömungen, ohne dabei die Tradition zu vernachlässigen, sind nur einige der Attribute, die das Unternehmen KNIZE seit über 150 Jahren eine Erfolgsstory schreiben lassen. Rudolf Niedersüß, der heute das Geschäft führt, lebt den Mythos KNIZE. Er übernahm 1976 das Traditionsunternehmen und ist seither der Geschäftsführer. Wir trafen ihn in seinem Geschäft, wo er uns einen persönlichen Einblick in die Geschichte des ehemaligen Hoflieferanten gewährte.

Was sind die wichtigsten Faktoren, die so eine Erfolgsgeschichte ermöglichen? KNIZE ist Qualität: Eine Ehefrau eines Kunden, dachte, ihr Mann hätte einen neuen Anzug, dabei haben wir seinen 15 Jahre alten Anzug nur geändert.

Ist KNIZE eine Ikone? Wenn Sie sich die Räumlichkeiten ansehen, schaut es aus wie ein Teil von einer Ikone. Auf der anderen Seite hat sich die Firma in der Zeit mitgewandelt, ist aber nie eine Modefirma der Zeit geworden. Sie hat die Mode mit beeinflusst. Dennoch sollte sich eine Firma wie unsere nicht auf der Tradition ausruhen, eine Weiterentwicklung ist wichtig. Gibt es eine Anekdote zu Ihrem bekannten Duft „KNIZE TEN“? Fritz Kniže hatte einen alten Ledergürtel von einem Kunden zurückbekommen. Der Duft des Gürtels hat ihn so fasziniert, dass er kurze Zeit später nach Paris gefahren ist, um diesen Duft in einem Parfum zu verwenden. KNIZE, Graben 13, 1010 Wien www.knize.at

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H채user ohne Augenbrauen

Besch채ftigt man sich mit der Architektur Wiens, so kommt man um einen Mann nicht herum: Adolf Loos, geboren 1870 im tschechischen Br체nn, gilt als Pionier der modernen mitteleurop채ischen Architektur.

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© Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien/moessmer.at

Was zeichnete Adolf Loos’ Architektur aus? Eine klare Grenze zwischen drinnen und draußen. Zwischen Architektur und Kunst. Zwischen elementarem Äußeren und räumlich vielschichtigem Innerem. Klarheit und Eleganz. Askese und Reichtum. Es ist die Architektur eines kosmopolitischen Denkers, der sich jeweils mit den Bedingungen in jeder Hinsicht von Ort und Kultur auseinander gesetzt hat. Wurden Sie selber von Loos beeinflusst und wenn, wie? Indirekt wird dies heute jeder, der in Europa und Nordamerika Architektur studiert. Direkt beeinflusst sind wir vielleicht von seinem Versuch, die Phänomene der Zeit jenseits der Moden und Stile mit seinem Denken und Werk zu begreifen und interpretieren.

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dolf Loos verachtete die vom Jugendstil geprägten Bauten der Wiener Secession und forderte in seiner Streitschrift „Ornament und Verbrechen“, auf jegliche Verzierungen von Gebrauchsgegenständen zu verzichten, da sie nicht mehr als sinnlose menschliche Kraftvergeudung seien. Dem Provokateur Adolf Loos wurde die Anerkennung seiner Arbeit lange Zeit versagt, da seine Bauten in ihrer ungewohnt, minimalistischen Ausführung den Wiener Bürgern und Bürgerinnen nach 1900 wenig ansprechend erschienen. In der modernen Architektur bleibt sein Werk einzigartig, da sein architekturtheoretischer Ansatz von vielen nicht verstanden wurde und sein Wirken daher als nicht „schulemachend“ zu bezeichnend ist. Seine bekanntesten Umbauten und Bauten sind: das Café Museum in Wien, das aufgrund der kargen Schmucklosigkeit den Spitznamen „Café Nihilismus“ trägt, die Inneneinrichtung der Geschäfte Ebenstein, Knize und die „American Bar“ in der Wiener Innenstadt. Außerdem errichtete er von 1897 bis 1931 etwa 128 Wohnungen, Geschäfte und Häuser. Zu einem der wichtigsten Gebäude zählt das sogenannte „Haus ohne Augenbrauen“ oder auch „Looshaus“ am Michaelerplatz 3 im ersten Bezirk.

Sehen Sie Adolf Loos als Ikone? Und wenn, warum? Weil seine Gedanken und Werke die Welt verändert haben. Und weil man sich an ihnen – im Positiven wie Negativen – abarbeiten muss. Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Anne Catherine Fleith, Michael Obrist, Mario Paintner, Richard Scheich und Peter Zoderer. Infos: www.feld72.at

Quality sprach mit dem erfolgreichen Wiener Architekten-Kollektiv feld72 über Adolf Loos und die Architektur der Moderne.

© Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien/moessmer.at

Was war ausschlaggebend für die Entstehung der Architektur der Moderne? Neue Produktionsmethoden, die soziale Frage und der Versuch, die Fragen der Zeit und die Wahrnehmungsverschiebungen durch Wissenschaft und Kunst, in eine dementsprechende Sprache und Zugang zur Architektur zu setzen. Was für eine Bedeutung nimmt Loos in Bezug auf die Stadt Wien ein? Er war ein Erneuerer, der die neue Welt in die alte brachte und der beide damit veränderte. Wien hat sich damals mit ihm schwer getan, mit der Radikalität und Tiefe seiner Gedanken, vielleicht auch heute noch. Aber sein Werk, und er selbst als Ikone, sind heute nicht mehr von Österreich wegzudenken. Die Welt der Architektur hat er mit seinen Schriften und Werken grundlegend verändert.

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Daddy

Cool

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elmut Lang, Lieblingsschneider der Intellektuellen und Kreativen weltweit, eröffnete als Autodidakt im Alter von 23 Jahren seine erste Boutique in Wien. 1986, nach der Wien-Ausstellung im Centre Pompidou in Paris, gelang ihm der Durchbruch in der Modeszene. In den 90er-Jahren leitete er die Modeklasse an der Universität für angewandte Kunst in Wien. 1998 zog der Österreicher nach New York, wo er durch die frühe Präsentation seiner Kollektion im Februar den Beginn der NYC Fashion-Week um sechs Wochen vorverlegte und sie so zum Kopf des jährlichen Modekalenders der internationalen Schauen machte. Charakteristisch für Helmut Langs puristische Mode wurden zeitlose, extravagante und doch sehr tragbare Modelle. Einfache Linien, die fast ausschließliche Verwendung von Schwarz- und Grautönen, sowie der Einsatz von High-Tech-Materialien wie Nylon und Gummi zeichneten seine

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Kollektionen aus. Lang ist jedoch nicht nur für seine avantgardistischen Designs berühmt, sondern auch für seine Eigenwilligkeit: Er präsentierte europäische Eleganz, als Amerika noch auf den sportlichen Look eines Ralph Lauren setzte, und zeigte eine Kollektion auch schon einmal nur im Internet, weil sich Hollywoodgrößen zu seiner Show angekündigt hatten. 1999 verkaufte er 51 Prozent seines Labels an die Prada-Gruppe, den Rest 2004. Heute gehört die Marke zur japanische Gruppe Fast Retailing. Helmut Lang lebt auf Long Island und betätigt sich als freier Künstler. Lang, der das Lebensgefühl und den Look der 90er-Jahre entscheidend mitprägte, gilt als einer der einflussreichsten Designer dieser Dekade. Trotz seines internationalen Erfolges, sträubte er sich lange, Wien als Hauptwohnsitz aufzugeben. Hermann Fankhauser, Schüler Helmut Langs und Mitbegründer des österreichischen Modelabels Wendy & Jim, baten wir um ein kurzes Interview über seinen Lehrer und die Arbeit als selbstständiger Modeschöpfer.


Sie und Helga Schania haben 1998 Ihr eigenes Label Wendy & Jim gegründet. Grundlegend war dabei die Idee der radikalen Veränderung, statt Änderungen oberflächlicher Details. Ist der Ansatz heute noch der gleiche? Die radikale Veränderung ist immer noch ein wichtiger Grundsatz für uns, da es eine Haltung ist. Verändert hat sich die Qualität unserer Produkte. Man entwickelt sich weiter, ist präziser in seiner Ausarbeitung und in der Wahl seiner Stoffe.

© HL-Art

Sie haben an der von Helmut Lang geleiteten Modeklasse an der Universität für angewandte Kunst studiert. Inwiefern hat Helmut Lang Sie in Ihren Ideen und Ihrem Verständnis für Mode beeinflusst? In den Ideen nicht so. Da war es eher umgekehrt. Aber in der Haltung. Was er uns beigebracht hat, ist eine klare Haltung zu haben und ein Image zu kreieren, damit man sichtbar wird. Und natürlich die Frage der Präsentation, nicht nur die der Kleidung, sondern auch die der eigenen Person und der Marke. Das war, was er mir mitgegeben hat, die Sichtweisen. Und heutzutage? Heute ist das nicht mehr so. Heute gibt es kein richtig oder falsch mehr. Man kann sich gut anziehen und schlecht anziehen, und beides ist okay. Es ist heute eine grenzenlose Zeit. Helmut Lang ist durch seine gegensätzliche Mode zur damaligen opulenten Haute Couture, wie der eines Thierry Mugler, aufgefallen. War das sein Erfolgsrezept? Das Wesentliche ist, er hat einen Menschentyp sichtbar gemacht. Mugler hat Bühnenoutfits kreiert. Helmut Lang hat die Straße sichtbar gemacht. Hat den Laufsteg weggelassen und stattdessen den Club, den Untergrund nach oben gespült. So ist etwas Neues entstanden und wurde nicht nur recycelt. Was war Helmut Lang für ein Typ? Er war sehr sachlich und wohl überlegt. Da gab es keine Entgleisung. So wie seine Kleidung ausgesehen hat, so war er wirklich. Wendy & Jim, Zieglergasse 68/2 1070 Wien www.wendyjim.com www.hl-art.com

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Stille

Tage in St. Denis

Es gibt sie noch, diese geheimnisvollen Orte, an denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Mikrokosmen, unbemerkt existierend, geschützt vor den Blicken der Außenwelt und seit Jahrhunderten der gleichen Tradition verpflichtet. Einer dieser „blinden Flecken“ auf der medialen Landkarte unseres Informationszeitalters ist la Maison d‘éducation de la Légion d‘honneur am Stadtrand von Paris. Odile Hain, freie Fotografin aus Hamburg, entdeckte das elitäre Internat für die Töchter der Fremdenlegion und gewährt uns einen exklusiven Blick hinter die Mauern des ehemaligen Klosters. von Dina Herrler

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„Erschöpft von der Zugfahrt erreichten wir la Maison d‘éducation de la Légion d‘honneur und waren überwältigt von der Opulenz der ehemaligen Königsabtei, aber vor allem von der besonderen Atmosphäre des Internats … fast so wie bei Harry Potter“, so beschreibt eine Austauschschülerin des Max-Josef-Stifts ihren ersten Eindruck bei der Ankunft in St. Denis. 170


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Ungewohnt auch die Schlafsituation: In Schlafs채len mit bis zu 100 Betten lernen die M채dchen die Notwendigkeit der Werte Ordnung, Disziplin und Kameradschaft in einer Gemeinschaft.

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Während die Direktorin des MELH die Veränderungen innerhalb der Schulmauern als „eine ständige Entwicklung an die gegenwärtige Situation“ beschreibt, wirken die Schülerinnen auf Außenstehende trotz der Lockerung des Regelwerks dennoch wie Elevinnen aus längst vergangenen Zeiten.

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Das Maison d‘éducation de la Légion d‘honneur ist das einzige Internat seiner Art in ganz Frankreich und wurde bereits 1811 von Napoleon für die Töchter seiner gefallenen Legionäre ins Leben gerufen. Noch heute werden hier ausschließlich Töchter oder Enkelinnen von Legionären aufgenommen. Erziehungsideale wie Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Solidarität und Bewahrung von Traditionen sind im MELH allgegenwärtig. Vieles scheint so geblieben wie es schon immer war. Nur die Mädchen selbst werden moderner. Trotz der blauen Schuluniform mit dem weißen Kragen und der farbigen Schärpe, Erkennungszeichen der jeweiligen Klasse. Doch trotz strenger Regeln gibt es kleine Siege im Alltag, Hinweise auf den Sprung in die Neuzeit. So widersetzen sich die Schülerinnen nahezu täglich dem Verbot, sich nicht schminken zu dürfen oder keinen Schmuck zu tragen. Die Schulleitung verzichtet darauf, diese kleinen Verstöße zu ahnden. Eines versetzt die Besucher jedoch immer in Erstaunen: Die Fröhlichkeit und Zufriedenheit der Mädchen, die im Schulalltag weitestgehend auf Individualität verzichten und sich stattdessen in Disziplin üben müssen. Und dennoch steigt die Zahl der Bewerberinnen um einen Internatsplatz jährlich. Die Schulabschlüsse sind die besten im nationalen Vergleich. Für die Direktorin liegen die Gründe des Erfolgs auf der Hand: „Alle Schülerinnen, egal, ob aus der Arbeiterschicht, dem Großbürgertum oder auch altem Adel, sie alle unterliegen den selben Arbeitsbedingungen, den gleichen Unterrichtsformen, werden durch die selben Lehrkräfte gefördert, leben alle im selben Rhythmus, und die Starken helfen den Schwachen. All das fördert den Erfolg der einzelnen Schülerin und somit der ganzen Schule.“

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Ausgabe No 16 erscheint am 7. Juli 2011


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