Page 1

FEBRUAR 2OI3

Das Magazin

über Menschen und Marken

AZUMA MAKOTO Blumen im Kopf

NOMA

von Hölzchen auf Stöckchen

BERLIN SPECIAL Stadt in Bewegung

COUNTERTENÖRE Magie der hohen Töne

GROSSES KÜCHEN & DESIGN SPECIAL

€ 6,80

DEUTSCHLAND SCHWEIZ SFR 12,80 ÖSTERREICH € 7,50 BENELUX € 7,50

quality-magazine.ch

Reset


RANGE ROVER RANGE ROVER

DIENÄCHSTE NÄCHSTEGENERATION GENERATION DIE neue Range Rover verbindet charakteristisches DerDer neue Range Rover verbindet charakteristisches Design modernster Technologie. weltweit Design mitmit modernster Technologie. Als Als weltweit erstes Vollaluminium-Monocoque-Karosserie erstes SUVSUV mitmit Vollaluminium-Monocoque-Karosserie ist der er der leistungsfähigste Land Rover aller Zeiten. ist er leistungsfähigste Land Rover aller Zeiten. landrover.de landrover.de

VerbrauchsEmissionswerte: Kraftstoffverbrauch (l/100 außerorts 9,9–7,0, innerorts 20,6 – 8,5, Verbrauchsundund Emissionswerte: Kraftstoffverbrauch (l/100 km)km) außerorts 9,9–7,0, innerorts 20,6 – 8,5, kombiniert –7,5; -Emission: 322 –196 g/km, CO -Effizienzklassen G, C, B. Alle Angaben wurden kombiniert 13,813,8 –7,5; COCO -Emission: 322 –196 g/km, CO -Effizienzklassen G, C, B. Alle Angaben wurden 2 2 2 2 nach dem Messverfahren RL 80/1268/EWG ermittelt. nach dem Messverfahren RL 80/1268/EWG ermittelt.


DIE GEHEIMNISSE DER GROßEN KÖCHE ZU ERFAHREN, IST GAR NICHT SO SCHWER. ES GENÜGT, AN IHREM TISCH PLATZ ZU NEHMEN.

THE FINE DINING WATERS


A WOLF IS JUST A RANGE, LIKE A DIAMOND IS JUST A STONE 0JVUPJKLZPNU,UK\YPUNX\HSP[`:\WLYPVYWLYMVYTHUJL

/LS]L[PJH5L\LJVUKLUZLKSPNO[W[;YHJRPUN

TT

A WOLF IS JUST AN OVEN, LIKE A DIAMOND IS JUST A STONE

TT

0JVUPJKLZPNU,UK\YPUNX\HSP[`:\WLYPVYWLYMVYTHUJL

TT

/LS]L[PJH5L\LSPNO[ W[

3VNVTT

TT ^^^Z\IaLYV^VSÄU[SJVT ^^^^VSMYHUNLJV\R /LS]L[PJH5L\LSPNO[W[;YHJRPUN

TT


Collage Studio

Collage Studio

F端rF端r Kate Kate undund Davide Davide ist ist auch auch dasdas Bend-Sofa Bend-Sofa Musik. Musik. Bend-Sofa Bend-Sofa design design vonvon Patricia Patricia Urquiola. Urquiola. info: info: Tel.Tel. +39+39 031031 795795 213213 - info@bebitalia.com - info@bebitalia.com - www.bebitalia.com - www.bebitalia.com B&B B&B Italia Italia Store Store M端nchen, M端nchen, Maximiliansplatz Maximiliansplatz 21 21 - Tel. - Tel. 089089 461461 368368 0 0


DESIGN DESIGNPORTRAIT. PORTRAIT.


INHALT Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

120

96 People 32 Guitar-Doc Lutz Heidlindemanns Werkstatt

44 Louis Kahn Philosoph unter Architekten

54 maskulin Männermode by Oliver Rauh

72 Stars gehen baden Jürgen Teller geht mit

82 Countertenöre Magie der hohen Töne

132 Nomen est omen

104 Moves 140 Im Körper des Anderen Interview mit Felix Kubin

154 Polo, Pony, Pommery 11. Internationales Schneepoloturnier in Kitzbühel

164 Blue City Lights Bentley zum Anfassen

180 Essay Die Philosophie des guten Geschmacks

184 Schräg, schrill, unangepasst Berlin moves

René Redzepi und das Noma

8

Design 18 Sarah Jane Williams Koffer mit Kurven

20 Aufgeblitzt c/o Berlin im Amerikahaus

62 Licht ist Material Interview mit Tokujin Yoshioka

96 Brüderchen Russland Sowjetische Architektur der Moderne

104 Hoppla! Lina Tesch steigt auf

110 Tatort Küche Neues vom Herd

170 Ikebana Interview mit Makoto Azuma

54

28

120 Best of

27

QM features kitchen supplies

148 Suite 18 Pretty, Pink & Proper


EINZIGARTIG WIE IHRE LIEBE

1888 BY BUCHERER – das absolute Glanzstück aus dem Atelier Bucherer: Brillant allerhöchster Kategorie, ab 1 Karat, formvollendet gefasst in edlem Platin

UHREN SCHMUCK JUWELEN Berlin Düsseldorf Frankfurt Hamburg München Nürnberg | Basel Bern Davos Genève Interlaken Lausanne Locarno Lugano Luzern St. Gallen St. Moritz Zermatt Zürich | Wien | bucherer.com


EDITORIAL Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

R

eset, alles auf null setzen. Der Schalter zum Neustart bedeutet im übertragenen Sinn sowohl für Menschen als auch Marken einen radikalen Schritt zur Veränderung. Der Wunsch, einen Neustart zu wagen, sich neu zu orientieren oder auch alte, verloren geglaubte Schätze wiederzuentdecken, sehnt eine derartige Wundertaste herbei, die es leider nur in der virtuellen Welt gibt. Doch nicht auf die Taste kommt es an, sondern auf die bewusste Entscheidung. Auch wir haben uns in dieser Quality-Ausgabe bewusst für das Leitmotiv Reset entschieden. Der Ikebana-Künstler Azuma Makoto erinnert uns in seinem Interview daran, dass die japanische Kultur den Reset-Faktor quasi permanent lebt. Sich stets neu zu erfinden und dabei den inneren Kern, die Werte an sich heraus zu arbeiten, ist hoch geschätzte Kunst und Lebensart zugleich. Minimalismus ist ganz sicher eine mögliche Konsequenz, die aus einem derartigen Denken resultieren kann. Persönlich bin ich der Überzeugung, dass Minimalismus und Opulenz im tiefsten Innern verbunden sind und uns wie Magnetfelder mal in die eine, mal in die andere Richtung ziehen. Wenn wir unseren Sinnen vertrauen, dann spüren wir, was sich gerade jetzt, in diesem Moment, nicht mehr richtig anfühlt. Das ist die Gelegenheit zu einem Neustart. Es tut gut, sich hin und wieder neu zu erfinden. In unserem Lebensumfeld benötigen wir nicht nur von Zeit zu Zeit ein Reset unseres Denkens, sondern auch ein Reset der uns umgebenden Räume. Alljährlich beschäftigen wir uns zu dieser Jahreszeit mit dem Thema Küchen und Design. Nirgendwo ist die optische Reduktion so konsequent durchgeführt wie im Bereich der heimischen Küche. Auf der diesjährigen IMM Cologne präsentierten sich Küchen und Kochgeräte in nahezu futuristischer Eleganz, Hightech in reduzierter Hülle. Die Küche ist der sensibelste Raum des Zuhauses, hier treffen sich Familie und Freunde. Wer erlebt sie sich – die wunder-

10

baren Küchenpartys! Die Entscheidung, wie viel Minimalismus man in diesem Raum zulässt, kann nur jeder für sich allein treffen. Wir können aber bestätigen, dass gerade das pure, klare Design der eigenen Kreativität viel Spielraum lässt. In unserem Küchen- und Design Special zeigen wir einiges davon und informieren Sie über neueste Technologien, die den Küchenalltag deutlich vereinfachen können. Das Noma in Kopenhagen, eines der weltweit besten Restaurants, schafft diesen Spagat zwischen Hightech und Minimalismus, robuster Bodenständigkeit und Sinnenlust. Sich zu beschränken und ausschließlich Produkte zu verwenden, die aus dem heimischen Umfeld stammen, ist durchaus en vogue, doch wird es selten so konsequent gelebt wie von René Redzepi, der eigenhändig Kräuter und Hölzer sucht, um neue Geschmackserlebnisse zu kreieren. Doch keine Angst, diese Quality ist keineswegs „blutleer“. Bei der Zusammenstellung dieser Ausgabe haben wir uns keine Grenzen gesetzt. So haben wir einen Trend entdeckt, den wir als Relikt einer vergangenen Zeit glaubten und schon lange nicht mehr wahrgenommen haben. Fast unbemerkt sind die Countertenöre mancherorts zu Superstars mutiert, was uns dazu motiviert hat, uns intensiver mit der sogenannten Musik der Kastraten zu beschäftigen. Allerdings erreichen die Countertenöre die unsagbar hohen Töne mittlerweile durch Technik und nicht mehr durch Kastration. Manches in dieser Ausgabe stimmt nachdenklich, manches ist eher lustvoll und sinnlich, anderes spannend. Entscheiden Sie selbst, ob sie Lust auf Reset haben. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen und Betrachten.


IMPRESSUM Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Chefredakteurin Susanne Filter Director Online Kai Petermann

Art Director Dipl.-Des. Elke Rohleder

stellv. Art Director Barbara Schork

Beauty Redaktion Livia von der Heide

Bild Redaktion Farina Deutschmann

Grafik Margret HĂźgemann

Onlineredaktion Christian Wank

Fashion Editor Manuel Almeida Vergara

Grafik Online AndrĂŠs Castoldi

Kulturredaktion Sarah Kirsten

Redaktions Assistenz Marcel Layher

Schlussredaktion Ulrike Barzik

Real Estate Volker de Boer

Redaktions Management Natalie Riedel

Motion Redaktion Matthias Arens

Autoren Dorothea SchĂśne, Norman Kietzmann, Dr. Christoph Vratz, Petra Dietz, Dr. Nikolai Wojtko

Verlag / Herausgeber Interlinx Holding AG Tiefenackerstrasse 49 CH-9450 Altstätten SG Verwaltungsrat: Martin Nett GeschäftsfĂźhrer: GĂźnter WĂźst Firmennr: CH-020.3.033.781-7 info@interlinx-holding.ag www.interlinx-holding.ag Vertrieb Axel Springer Vertriebsservice GmbH SĂźderstraĂ&#x;e 77 D-20097 Hamburg Telefon: + 49 40 34724012

Kontributoren Heiko Palach, Susanne Marx, Boris Ricker, Patrick Lief, Jordan Sapir, Lea Kueng, Jacqueline Penza, Sigi KumpfmĂźller, Ă…sa LundstrĂśm, Shirin Kirschner

Fotografen Elizaveta Porodina, Dirk Schaper, Oliver Rauh, Jens RĂśtzsch, Lina Tesch, Sabine Liewald

Corporate Manager Matthias K.H. Arens Telefon: + 49 30 257607-340 Fax: + 49 30 257607-344 arens@quality-magazine.ch

Redaktion Deutschland Interlinx Holding AG nicht selbstständige Niederlassung Nithackstr. 7 – Kontorhaus, 10585 Berlin Telefon: + 49 30 257607-340 Fax: + 49 30 257607-344 info@quality-magazine.ch

Marketing & Sales Germany Eberhard Kirchhoff Telefon: +49 69 59796900 Fax: +49 69 59799393 kirchhoff@quality-magazine.ch Marketing & Sales International Tiffany Fiore Mancini Telefon: + 49 30 257607-340 fioremancini@quality-magazine.ch

Quality Abo-Service Deutschland Nithackstr. 7 – Kontorhaus, 10585 Berlin Telefon: + 49 30 257607-340 Fax: + 49 30 257607-344 abo@quality-magazine.ch

  

%'!#)$#% #&#$"#

Quality Abo-Service Internationale Interlinx Holding AG Tiefenackerstrasse 49 CH-9450 Altstätten SG abo@quality-magazine.ch

Redaktion Niederlande ACI-International BV Beethovenlaan. 158 NL-1077 JV Amsterdam info@aci-international.eu www.aci-international.eu Redaktion Schweiz Interlinx Holding AG nicht selbstständige Niederlassung Klotenerstrasse 20 CH-8303 Bassersdorf/Zßrich Verwaltungsrat: Martin Nett Geschäftsfßhrer: Gßnter Wßst Firmennr: CH-020.3.033.781-7

AZUMA MAKOTO Blumen im Kopf

Druck & Produktion ACI-Internationale BV

NOMA

von HĂślzchen auf StĂśckchen

BERLIN SPECIAL Stadt in Bewegung

COUNTERTENĂ–RE Magie der hohen TĂśne

GROSSES KĂœCHEN & DESIGN SPECIAL

'  

       (   *  *

"$#% &!



Cover-Credits: Fotograf: Oliver Rauh / Stylist: Oliver Rauh / Styling Assistent: Florian Rogoss / Grooming: Sigi KampfmĂźller (fame-agency.de) using Chanel / Hair: Sigi KampfmĂźller (fame-agency.de) using Sebastian Professional / Model: Florian (kultmodelagency.com)

quality-magazine.ch Verantwortlich fßr den redaktionellen Inhalt im Sinne des Presserechts: Susanne Filter. Alle Rechte vorbehalten. Die Zeitschrift sowie alle darin enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschßtzt. Der Export von Quality und der Vertrieb im Ausland sind nur mit vorheriger Genehmigung statthaft. Fßr unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung ßbernommmen.

12


KÜSS MICH, ARABELLA

Arabella (design: Stefan Heiliger) und andere Sitzideen, die Ihr Verlangen wecken, entdecken Sie in Ihrem Leolux Design Center: Elbestraße 39, 47800 Krefeld p 02151 943 660 Monreposstraße 55, 71634 Ludwigsburg, nähe Stuttgart, p 07141 324 01 Leolux Brandstores: Leolux Designmöbel Berlin, Kantstraße 17, im stilwerk Berlin, p 030 31 80 88 37 Leolux Designmöbel Köln, Hohenstaufenring 57, 50674 Köln, p 0221 60 60 76 79 Besuchen Sie www.leolux.de für ein kostenfreies Jahrbuch, Partneradressen, eine Betriebsführung durch Leolux, sowie Informationen über Preise, Maße, Optionen, Farben und Bezüge.


KONTRIBUTOREN Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

JENS RÖTZSCH kehrt am 9. November 1989 nach Deutschland zurück. Nach einem abgeschlossenen Studium der Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und einem Zusatzstudium Foto/Video in Budapest hatte er die Monate vor der Wende von London und Paris aus gearbeitet. 1990 ist Rötzsch Gründungsmitglied von OSTKREUZ – Agentur der Fotografen in Berlin und fotografiert seitdem u.a. für Stern, Spiegel, GEO, Merian, Newsweek und MAX. 2002 gewinnt er den dritten Preis des World Press Photo Award in der Kategorie sport stories. Nach einem Lehrauftrag an der FH Bielefeld folgen Professuren in Kiel und Riga. Zwischen 2004 und 2011 entsteht auf neun Expeditionen durch die Mongolei eine der weltweit größten zusammenhängenden Fotodokumentationen über den letzten Nomadenstaat der Welt.

LINA TESCH Eine junge Frau bekommt von ihren Eltern eine Canon EOS 450D geschenkt und beginnt zu fotografieren. Sie hat Talent und erhält noch während ihrer schulischen Ausbildung Aufträge im Bereich Werbung und Mode. Erst vor ungefähr drei Jahren beginnt sie ernsthaft zu fotografieren. Nach verschiedenen Auslandsreisen und Fotoproduktionen für Modelabels und -agenturen, perfektioniert sie ihren Stil. Seit 2011 ist die Hamburgerin als freie Fotografin hauptsächlich in den Bereichen Mode, Beauty und Werbung erfolgreich international unterwegs.

DR. NIKOLAI WOJTKO Seine erste publizistische Neigung zeigt sich in seinen Arbeiten für Kulturmagazine schon während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft und Philosophie. Bekannt als Dozent an verschiedenen Hochschulen, ist er seit 2006 auch als „Gastrosoph“ für zahlreiche Medien tätig. Mit dem Sternekoch Dieter Müller gibt er ein Internet-Magazin zur Gastrosophie heraus (www.tartuffel.de). Das Buch „Trüffeln – die heimischen Exoten“, welches er mit dem französischen Spitzenkoch Jean-Marie Dummiane geschrieben hat, erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Gourmand Award „Best in the world“. Passend dazu schreibt er in dieser Ausgabe ein Essay zum Thema „Geschmack“.

HEIKO PALACH Heiko Palach ist einer der besten Hair- und Make Up-Artists im High Fashion Sektor. Er arbeitete schon mit Größen aus Mode und Musik zusammen, wie Baptiste Giabiconi, Anna Netrebko und den Sugababes. Palach, der im Alter von zehn Jahren mit seinen Eltern nach München zog, holt sich seine Inspiration auf seinen Reisen. Seine Kreativität ist außergewöhnlich und längst erkennt man seinen ganz persönlichen Stil, der durchaus auch verstörend sein kann.

14


PETRA DIETZ Petra Dietz, Rheinländerin durch und durch, ist freie Journalistin und lebt in der Nähe von Bonn. Das wunderschöne Siebengebirge verlässt sie hin und wieder nur, um in fernen Ländern oder in ihrem Lieblingsland Italien außergewöhnliche Storys zu recherchieren. Nachdem sie fünf Jahre in einer Kölner Fernsehproduktion als Redakteurin gearbeitet hatte, zog es sie zurück zu ihren Wurzeln – den Printmedien. Seit circa elf Jahren schreibt sie über Reisen, Lifestyle und alles, was das Leben lebenswert macht.

NORMAN KIETZMANN Wichtig ist ein Auge für Ästhetik und noch viel wichtiger ist es, diese Ästhetik in Wort und Schrift zu fassen. In der italienischen Modehauptstadt Mailand lebt und arbeitet der freischaffende Journalist Norman Kietzmann, der in Berlin und Paris Industriedesign studierte und so zu einem Spezialist in den Bereichen Design und Architektur wurde. Betrachtet man die beiden Nomen Tat und Ort, dann beweist der Wahlitaliener dass die Küche ein wahrer Tatort ist – im positivsten Sinne!

OLIVER RAUH Das Repertoire von Oliver Rauh ist expressiv und vielfältig. Er begann seine Laufbahn mit einem Wirtschaftsstudium in Nürnberg, startete zur gleichen Zeit freischaffend in der Modebranche und fungierte danach unter anderem als Marketing-Manager, PR-Direktor und Trend- und Kreativkonsultant für Hermès, Mercedes Benz und Marc O’Polo. Heute wirkt er als Stylist und Fotograf, der zwischen München und Paris pendelt.

DOROTHEA SCHÖNE Die Journalistin studierte am Leibniz Kolleg in Tübingen, an der Universität Leipzig und an der University of California in Riverside. Dorothea Schöne nimmt den Leser gerne mit auf eine Reise und weiß ihn mit ihren Texten zu fesseln. Für unsere Februarausgabe beschäftigte sie sich explizit mit dem Musikgenre. Sie interviewte das Musiktalent Felix Kubin und stellt darüber hinaus den „Oncle Doc“ der Gitarren Lutz Heidlindemann vor.

DR. CHRISTOPH VRATZ Seine Worte sind wie Musik in unseren Ohren – oder Augen. Der promovierte Musikjournalist, der in Köln lebt, befasst sich für Quality mit einem Thema, das seit jeher Menschen staunen lässt. Countertenöre waren lange Zeit nicht in Mode, bis der Brite Alfred Deller in den späten 1940er-Jahren der Gesangstechnik zu erneutem weltweiten Ruhm verhalf. Zur Zeit erfahren die Künstler ein grandioses Comeback.

15


FEBRUAR Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Lookbook und Kampagne sind fast so entscheidend für den Erfolg einer Kollektion wie ihre Teile an sich. In der wohl durchdacht konzipierten Visualisierung der Linien gibt ein Label Blick auf Grundidee und Inspiration hinter der Mode, transportiert Stimmung und Ästhetik, erzählt von einem Lebensgefühl. Oft werden hier ikonische Modemomente geboren, denkt man nur an den Geniestreich Tom Fords und Carine Roitfelds, die in den 1990ern für Gucci eine nie dagewesene Sexualisierung einer Modemarke inszenierten, oder die legendären plakatierten Provokationen von United Colors of Benetton. Das französische Haus Paule Ka lässt seine Kampagnen ruhiger angehen: Konzipiert von Chefdesigner Serge Cajfinger, der die Marke 1988 gründete, präsentiert Paule Ka jede Saison eine neue Destination der fiktiven Weltreise einer Frau. Nach Palm Springs im Sommer 2011, dem folgenden Winter in New York und dem Sommer 2012 in Acapulco, macht das Label diese Saison in Berlin halt. Das brasilianische Topmodel Caroline Trentini, fotografiert von Venetia Scott, entdeckt hier den besonderen Reiz des Flughafen Tempelhofs, jener bizarren Zwischenwelt, die unterschiedlichste Zeiten der Stadt miterlebt und geprägt hat, ein Symbol für den stetigen Wandel Berlins. 1923 als einer der ersten Verkehrsflughäfen Deutschlands in Betrieb genommen, startet und landet hier heute nichts mehr. Die imposanten Hallen werden nur zu unterschiedlichen Events bespielt, das riesige Flugfeld ist heute eine der größten innerstädtischen Freiflächen der Welt. Hier lässt Serge Cajfinger seine Protagonistin umherirren, erzählt vom ständigen Warten, dem Sein zwischen Flügen, dem Aufenthalt zwischen zwei Zielen, der skurilen Atmosphäre des Nichtortes Flughafen. Stilistisch versetzt der Franzose den Betrachter der Kollektion entsprechend in die 60er Jahre. Die körnige Bildqualität, die unklaren Farben: Auch fotografisch berichtet die Strecke von einer längst vergangenen Zeit. Ebenso die Linie bedient sich der Ästhetik von vor 50 Jahren, erinnert an den mädchenhaften Charme einer Julie Christie oder Jean Shrimpton. Nächste Saison macht Paule Ka in Palm Beach halt – guten Flug! QM-Red. www.pauleka.com

flower fields Frische Blumen sind ein verlässliches Element zur Vollendung kultivierten Interieur-Designs – kaum eine Dekoration belebt den Raum so sehr wie ein Strauß aus Duft und Farbe. Und wem der sporadische Einkauf frischer Sträuße auf dem Wochenmarkt oder beim Floristen nicht reicht, der tut gut daran, sich seine Lieblingskomposition zu abonnieren. Die bequemste Variante bietet das junge Unternehmen Miflora an: Das Online-Versandhaus offeriert seinen Kunden einen Lieferservice, ganz nach Wunsch wöchentlich, 14-tägig oder monatlich getaktet. Seinem persönlichen Charakter und ästhetischem Ideal gerecht zu werden, sollte bei der großen Auswahl an hochwertigen und geschmackvollen Arrangements nicht allzu schwerfallen. Für den Individualisten mit besonderem Sinn für expressive Farbe und einen Hauch urbaner Bohème dürfte ein Strauß Flamingoblumen besonders reizvoll sein. QM-Red. www.miflora.de

REISE REISE


FEBRUAR

NEU

Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

(Un)Glücksfall Inspiration zu schönen Dingen auch in furchtbarem Unglück und tiefer Traurigkeit zu finden – das ist eine besondere Kunst, die nur wenige Kreative beherrschen. Journalistin Beate Lakotta und Fotograf Walter Schels zum Beispiel produzierten ab 2004 eine Fotoserie bestehend aus paarweise konzipierten Werken, die Menschen im Hospiz zeigen – einmal kurz vor dem Tod, einmal kurz danach fotografiert. Oder die italienische Vogue, die im August 2010 unter dem Titel „Water & Oil“ eine Modestrecke veröffentlichte, die fotografiert von Genie Steven Meisel die Ölpest im Mexikanischen Golf thematisierte. Deutlich weniger plakativ ist das Lampendesign von Designer Johan Lindsten. Unter dem Namen „Meltdown“ präsentiert der Schwede für Cappellini eine Linie an Lampen, dessen Leuchtmittel in das feine Glas eingeschmolzen sind, fast aus der kugeligen Form herauszutropfen scheinen. Zu der Idee dieser ungewöhnlichen Leuchte fühlte Lindsten sich durch den desaströsen Atomunfall in Fukushima 2011 beflügelt. Schnell werfen solche kreativen Schachzüge Fragen nach Pietät auf. Johan Lindsten beschreibt seinen Entwurf als eine Möglichkeit, auch aus schlechter Energie etwas Neues und Schönes zu schaffen und dabei Gefühle und Gedanken der Menschen – seien sie auch noch so traurig – in eine positive Richtung zu lenken. Mutig! QM-Red. www.cappellini.it

PREISTRÄGER

Rund 2.700 Artikel an Möbel und Wohnaccessoires bester Qualität ergeben das Sortiment der Möbelmarke Lambert. Von bester Qualität und unterschiedlichstem Design sind alle Produkte des Hauses, einige stechen aber besonders aus der Masse an bestem Polster, feinem Porzellan und erlesenem Holz heraus. „Stanley“ vom Düsseldorfer Designer Mike Ruch zum Beispiel ist ein solches Modell, das Experten wie Kunden gleichermaßen begeistert: Für den Sekretär erhielt Lambert unlängst den Interior Innovation Award 2013. Den renommierten Designpreis, der seit 2002 vom deutschen Rat für Formgebung vergeben wird, verdiente sich das Mönchengladbacher Unternehmen für eine gekonnte Kombination aus hervorragender Optik und durchdachter Nutzbarkeit. Aus exklusiver Europa-Wildeiche und mattiertem Linoleum in Schwarz gefertigt, ist das Möbel vor allem für moderne Raumkonzepte geeignet, kombiniert mit raffinierten Dekorationen und punktgenau gesetztem Kitsch, reiht sich „Stanley“ aber auch hervorragend in nostalgische Wohnräume ein. Ein Gewinnerstück! QM-Red. www.lambert-home.de 17


DESIGN Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Britain’s got Talent

18

Sie wurde bereits mit der Off-Catwalk Design-Auszeichnung und dem Accessory Award der Marke Absolut Vodka geehrt sowie mit dem Collection of the Year Award des International Talent Support für ihre selbst gefertigten Kofferkreationen ausgezeichnet. Sarah Jane Williams wurde 1985 in England geboren, wo sie in der im Westen gelegenen Grafschaft Herefordshire aufwuchs. Ab dem Jahr 2004 studierte sie am Hereford College of Arts, an welchem sie ihren Bachelor absolvierte, und wechselte später zu einem Masterstudiengang an das renommierte London College of Fashion. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss, fungierte sie ab 2009 als Produktassistentin bei Úna Burke in London und war zeitgleich ein freischaffendes Mitglied des Deep Print Movement in London, einem Zusammenschluss von Künstlern, die sich der Lederverarbeitung verschrieben haben. Seit geraumer Zeit hat sich Sarah Williams mit ihrem eigenen Unternehmen etabliert und produziert erlesene Meisterwerke, welche allesamt von Hand gefertigt sind. Williams erfand förmlich das Kofferhandwerk neu und paart dieses Handwerk zusätzlich mit Stil, Design und ebenfalls Humor. So sind die Gepäckstücke von Williams British Handmade, wie ihre Manufaktur heißt, echte Besonderheiten. Beispielsweise ist der crèmefarbene Specifications Trunk Case aus der Crafted Fashion Kollektion in der Mitte gebogen. Auch das Innenleben dieses Koffers weist mit fünf separaten, unterschiedlich großen Schubfächern und seiner Ausstattung aus Naturleinen eine besondere Raffinesse auf. Sarah Jane Williams fertigt zudem auch neben ihren bestehenden Kollektionen Einzelstücke, die sie vor ihrer Entstehung mit den Privatkunden äußerst genau bespricht und bis zur Fertigstellung der exquisiten Reisestücke eng mit den Interessenten in Kontakt steht, damit jeder Wunsch zur vollsten Zufriedenheit umgesetzt werden kann. QM-Red. www.williamshandmade.com


DESIGN Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Williams erfand förmlich das Kofferhandwerk neu und paart dieses Handwerk zusätzlich mit Stil, Design und ebenfalls Humor. So sind die Gepäckstücke von Williams British Handmade, wie ihre Manufaktur heißt, echte Besonderheiten.

19


DESIGN Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Aus dem einst lebhaften Umfeld des Ku‘damms wurde über die Jahre eine triste, leblose Gegend mit zahllosen Billigläden und Sex-Shops. Erst in den letzten Jahren erwachte die Gegend um den Bahnhof Zoologischer Garten wieder zu neuem Leben.

von Dorothea Schöne

AUFGEBLITZT Foto: Hannes Thun


KUNST Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

S

eit der Gründung im Jahr 2000 hat sich die C/O Berlin für Fotografieausstellungen als Forum fest in der Kulturlandschaft der Hauptstadt verankert. Mit spektakulären Fotografie-Schauen von internationalen Größen wie Henri Cartier-Bresson, Martin Parr, Margaret Bourke-White, Anton Corbijn, Herlinde Koelbl, Annie Leibovitz, Karl Lagerfeld oder Robert Frank, aber auch mit Preisverleihungen, Talentförderung und Jugendprogramm, ist das Haus zu einem unersetzlichen Bestandteil der lokalen Ausstellungsszene, aber auch der internationalen Fotografiepräsentation geworden. Trotz dieser Bedeutung hatte die C/O Berlin bislang kein festes und dauerhaftes Domizil. Bis zum Sommer 2012 waren die Ausstellungen im ehemaligen Postfuhramt in Berlin Mitte präsentiert worden. Mit dem Auslaufen des Pachtvertrages und dem Verkauf des historischen Gebäudes folgte ein langes Bangen um eine Nachfolgeeinrichtung, in der das FotografieForum untergebracht werde könnte. Sah es zunächst so aus, als stünde das Postamt auch weiterhin zur Verfügung, so stellte sich doch allzu bald heraus, dass solche Pläne nicht machbar waren. Es folgte die Planung eines Neubaus im nahe gelegenen Monbijou-Park und nun schließlich, zur großen Freude aller Fotografie-Enthusiasten, die Nachricht, dass mit dem ehemaligen Amerika-Haus eine neue Herberge gefunden war. Und dazu noch eine stilvolle:

1956/57 wurde das Amerika-Haus im Rahmen der Internationalen Bauausstellung nach Plänen des Architekten Bruno Grimmek im Auftrag der United States Information Agency (USIA) erbaut und fungierte bis 2006 als öffentliche, kulturelle Begegnungsstätte der Vereinigten Staaten. Den originalen Stil der 1950er der Fassade und des Innendekors soll nun eine behutsame Rücksanierung wieder hervorbringen. Einst lag das Amerika-Haus im pulsierenden Herzen Westberlins. Doch aus dem lebhaften Umfeld des Ku‘damms wurde über die Jahre eine triste, leblose Gegend mit zahllosen Billigläden und Sex-Shops. Erst in den letzten Jahren erwachte die Gegend um den Bahnhof Zoologischer Garten wieder zu neuem Leben. Kaum hundert Meter entfernt von dem zukünftigen Zuhause der C/O Berlin liegt das 2004 eröffnete Museum für Fotografie, in dem auch die Helmut Newton Stiftung beheimatet ist. In Bälde wird in unmittelbarer Nähe das Luxushotel Waldorf Astoria eröffnet. Gut möglich, dass diese Entwicklung zu einer neuen Aufwertung des Areals um den Bahnhof führt. Nach der peinlichen Einstellung des Vorhabens in diesem Teil der Stadt das größte Riesenrad der Welt zu errichten, kommt nun mit dem Einzug der C/O Berlin im Herbst 2013 ein im Maßstab kleineres, aber kaum weniger ambitioniertes Projekt in den Berliner Bezirk Charlottenburg. Für die kommenden 16 Jahre ist dieser Standort nun für das Forum gesichert. Es bleibt zu hoffen, dass sich damit auch eine dauerhafte Lösung gefunden hat.

Foto: Hannes Thun

Von links nach rechts: Sven Lemiss, BIM Stephan Erfurt, C/O Berlin Sandra Scheeres, Bildungssenatorin André Schmitz, Kulturstaatssekretär Burkhard Kieker, visit Berlin

21


MODE Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Bunt, Bunter, Beirendonck Die Mode von Walter Van Beirendonck ist nichts für schwache Nerven. Als einer der legendären Antwerp Six, jener Gruppe aus sechs wilden Designstudenten der prestigeträchtigen Königlichen Akademie der schönen Künste zu Antwerpen, sorgte Beirendonck in den 1990ern für Furore, noch immer gelten seine Entwürfe als Aushängeschild des ausgesprochen extraordinären Avantgardismus. Ob farbenfrohe Masken, irgendwo zwischen Insekt und Alien, oder auf Pullover gedruckte Comiczeichnungen muskelbepackter Oberkörper – in Beirendoncks Kollektionen der vergangenen Jahre war quasi alles möglich. Zwar hat sich der Belgier deutlich beruhigt, wirft weniger Fragen nach Tragbarkeit auf, jedermanns Geschmack trifft er aber bestimmt noch immer nicht. Das dürfte wohl kaum sein erklärtes Ziel sein, so ist Walter Van Beirendonck sichtlich einer jener Designer, für den der klassische Kampf zwischen Kunst und Kommerz eher zugunsten der kreativen Freiheit als dem monetären Erfolg entschieden wird. Treu blieb er dabei immer der extravaganten Farbwahl, seiner zügellosen Lust auf knallige Nuancen und unerschrockene Kombinationen. Auch dieser Winter ist im Hause Beirendonck ein bunter: Der Designer präsentiert eine Farbpalette, die sich von sonnigem Gelb, über intensives Flieder bis hin zu unverfälschten Blau-, Grün- und Orangenuancen erstreckt und durch einige weitere Töne komplettiert wird. Besonders spannend ist der gestalterische Bruch innerhalb der Anzüge der Linie: Walter Van Beirendonck inszeniert den klassischen Zweiteiler der Herrenmode als schlicht geschnittenes Ensemble, irritiert den simplen Schnitt in feinem Karo mit großformatigen, oval geformten Prints, die sich über Hose und Jackett erstrecken. Looks zwischen striktem Gentleman-Dressing und farbenfrohem Witz! www.waltervanbeirendonck.com

Zwischen Kunstbuch und Lookbook Die Berliner Modeszene ist maßgeblich von zwei Stimmungen geprägt: Minimalistische Nüchternheit und die Lässigkeit der Streetwear bestimmen den Stil der Hauptstadt. Raphael Hauber ist einer der raren Talente, der beide Welten beherrscht, der die zwei Fragmente, die das modische Gesicht Berlins ausmachen, spielerisch zu kombinieren und sie zudem mit avantgardistischen Ansätzen zu erweitern weiß. So haben seine Linien einen herrlich laissez fairen Charakter, wirken vorerst schlicht, um vor allem in Prints und Farbwahl das Gespür Haubers für stilistische Einschnitte aufzuzeigen. Herausragend sind jüngst auch die Inszenierungen der Lookboks: Sowohl diesen Winter als auch kommenden Sommer präsentiert Raphael Hauber diese im bizarr kollagierten Stil, gibt seinen Linien damit eine künstlerische Schwere. Diese Saison erinnert das Kollektionsbuch mit verschachtelt arrangierten Treppen an Arbeiten von M. C. Escher. www.raphaelhauber.com 22


MODE Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

50 years ago Es mag an der allgemeinen Vorliebe für den Stil der 1960er liegen, der sich in der jüngsten Saison ganz klar abzeichnete, Marni jedenfalls gilt als Marke der Stunde. 1994 von Consuelo Castiglioni gegründet, die auch heute noch die Chefdirektion des Hauses innehält, war Retro schon immer ein Element, das die Ästhetik Marnis maßgeblich bestimmt hat. Auch diesen Winter ist Castiglionis Vision wieder eine nostalgische, bezieht sich die Designerin eindeutig auf gestalterische Ideale von vor 50 Jahren. Vor allem die Silhouette der Kollektion, die schnittkonstruktive Geradlinigkeit, die nur dezent umgesetzte Fokussierung auf die Taille, die Consuelo Castiglioni zumeist ohnehin nach unten versetzt darstellt, sind Indiz für die Zeitspanne, die sie inspiriert. Weiblichkeit, Leidenschaft und Sex spielen dabei – ganz Marni – nur eine Nebenrolle, vielleicht sogar gar keine. Schon immer war die Marke für diesen Look bekannt, für das Verständnis, dass der Reiz einer Frau nicht in der Betonung ihres Körpers liegen muss. Auch die Farbwelt der Winterkollektion bleibt der DNA des Hauses treu: Castiglioni taucht ihre Entwürfe in kräftige Töne, gibt sich dem Spiel mit starken Kontrasten hin. So stehen alarmierendes Rot und helles Blau in Disharmonie mit weichen Braun- und Graunuancen. Kleingemusterte All-Overprints unterschiedlichster Inhalte komplettieren die Kleid gewordene Retrospektive der 60er Jahre. Ein meisterhafter Rückblick, der auch im Heute funktioniert! www.marni.com

60s Heels

Altkleidersammlung Zwar war sie nie unbedingt für soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Fairness bekannt, die jüngste Vergangenheit aber zeigt, dass Mode eben doch einen humanen Charakter haben kann. Nachhaltigkeit ist das große Schlagwort, dass die Trendthematik der letzten Jahre maßgeblich bestimmt hat. Auch das Berliner Label schmidttakahashi hat sich diesem Themenkomplex auf ganz eigene Weise genähert: In eigens gebauten Containern sammelt die Marke Altkleiderspenden, aus denen die Designerinnen Eugenie Schmidt und Mariko Takahashi ihre Stücke entstehen lassen. Um die Qualität der Materialien zu sichern, wandern die sechs Sammelboxen durch ausgewählte Boutiquen, Designschulen und Ateliers auf der ganzen Welt. Dabei entstehen eklektische Linien, die aus verschiedenen Kleidungsstücken bestehen und sich unterschiedlicher Stile bedienen, wie Patchworkartig zusammengesetzte Jerseyteile. www.schmidttakahashi.de

Wie so viele Designer hat auch Miuccia Prada in ihren Linien dieser Saison die 60er Jahre thematisiert. Ganz typisch für Prada setzte die Designerin dabei auf verqueres Design, auf Entwürfe, die zwischen schnitttechnischem Perfektionismus und gestalterischem Witz alternieren. So bricht sie grafisch-gemusterte Mäntel in schlichter Form mit großformatigen Plastikstickereien oder wagt irrwitzige Farbkombinationen wie Lilatöne und Orange. Auch die Accessoires der Kollektion spielen mit dem stilistischen Bruch: So stattet Miuccia Prada beispielsweise schlichte Schuhe – den 60s entsprechend in waghalsiger Höhe – mit knallig bunten Kappen aus. www.prada.com 23


SHOPS Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Almatis Gold

I

m Oktober hat Louis Vuitton einen neuen Shop eröffnet. So weit keine ungewöhnliche Nachricht, der Standort jedoch macht die Eröffnung zu einer kleinen Sensation, denn er befindet sich nicht in London oder Shanghai, sondern die Shoppingmeile in Almati ist es, die sich jetzt mit diesem neuen luxuriösen Store schmückt. Kasachstan als Standort für Einkaufserlebnisse aus dem High-End-Segment – das klingt befremdlich, vermutet man doch weite Teile der Bevölkerung in Armut. Enorme Gas- und Ölvorkommen jedoch bringen dem Land großen Reichtum, und machen es so zu einem wirtschaftlich

24

Zur Eröffnung des Louis Vuitton-Shops in Almati fanden sich neben Miss Kasachstan auch Yves Carcelle (Vorstand, 3.v.l.), Patrick Vuitton und andere VIPs ein.


SHOPS Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

interessanten Standort – auch für Louis Vuitton. „Uns ist es grundsätzlich wichtig, auch bei der Wahl weltweit außergewöhnlicher Regionen Vorreiter zu sein“, erklärt Yves Carcelle, der seit 1990 Präsident der Luxusmarke ist. „Insbesondere die kasachischen Frauen haben Louis Vuitton bereits in Paris für sich entdeckt und stellen ein großes Kundenpotenzial dar.“ Für europäische Verhältnisse eher ungewöhnlich ist das Sortiment, das neben den Artikeln der Ledermanufaktur ganz klar auf die Prêt-à-porterLinien des Hauses ausgerichtet ist. Sind die Kunden Europas vorrangig an Lederwaren interessiert, so begeistern sich kasachische Männer und Frauen ebenso für die Mode von Louis Vuitton. Das zeugt von stilistischem Wagemut, entwirft Marc Jacobs

„Uns ist es grundsätzlich wichtig, auch bei der Wahl weltweit außergewöhnlicher Regionen Vorreiter zu sein.“

doch stets Kollektionen, die in Form- und Farbwelt Grenzen sprengen. Auch der Store setzt architektonisch neue Maßstäbe in Almati. Eingebettet in die spektakuläre Natur Kasachstans, umgeben von traditioneller Handwerkskunst, bildet der hypermoderne Store als Teil einer neuen Shoppingmall einen starken Kontrast. Ganz dem Pioniergeist des Labels entsprechend, ist Louis Vuitton die erste Luxusmarke, die das Einkaufszentrum bezogen hat. QM-Red.

Der Louis Vuitton-Shop präsentiert nicht nur aktuelle Kollektionen. Auf elegante Weise werden auch kulturelle Aspekte Kasachstans zitiert.

25


Von allem ein bisschen Nostalgisch oder gar altbacken sind wohl die letzten Charaktereigenschaften, die den Schmuck von MAWI beschreiben. Da überrascht es doch sehr, dass ausgerechnet das Studio der Londoner Marke wie ein Trödelladen daherkommt, mit einem Sammelsurium an alten Kleidern, Schmuckstücken und Möbeln. Dass man sich ausgerechnet hier, in diesem bunten Durcheinander nostalgischer Fundstücke zum Entwurf äußerst modernen Modeschmucks inspiriert fühlt, wird erst auf den zweiten Blick deutlich, weisen die Stücke clever versteckt doch immer auch Inspirationsquellen vergangener Dekaden auf, zeigen manchmal im kleinsten Detail einen Verweis auf die Ästhetik alter Zeiten. Dabei schafft Markengründerin Mawi Keivom immer wieder den Weg zurück ins Jetzt und erarbeitet aus ihrem wirren Studio heraus hochaktuelle Linien. Dass sie sich im bunten Allerlei wohlfühlt, hat sicher nicht zuletzt mit dem farbenfrohen Lebensweg Keivoms zu tun: Die im nordöstlichen Indien geborene Designerin verbrachte als Tochter eines Diplomaten den Großteil ihres Lebens auf Reisen rund um die Welt, studierte Modedesign an der Auckland University of Technology in Neuseeland, um sich schließlich in der Londoner Kreativszene niederzulassen. Gemeinsam mit ihrem Mann Tim gründete sie hier 2002 ihr Schmucklabel. Als Sohn eines Antiquitätenhändlers teilt auch Tim die Leidenschaft seiner Frau für alte Fundstücke und farbenfrohen Tand. Hier schließt sich der Kreis und gibt den Blick auf die Fragmente frei, aus denen das kunterbunte Mosaik zusammengesetzt ist, das MAWI beschreibt: Einflüsse unterschiedlichster kultureller Kontexte und gesellschaftlicher Strukturen, ein Sinn für den Wert des Alten und eine Leidenschaft für die Ästhetik der Moderne. www.mawi.co.uk

UHRKNALL Bereits zum dritten Mal hat sich Hublot der Exotik verschrieben: Nach den Uhrenmodellen „Leopard Bang“ und „Boa Bang“ präsentiert die Marke nun die „Zebra Bang“. Wieder hält der Name, was er verspricht, und setzt mit einem Knall die Musterung exotischer Tierhäute in Szene, wieder ist die Uhr auf 250 nummerierte Exemplare limitiert. Aus bester schwarzer Keramik oder 18-karätigem Rotgold gefertigt, symbolisiert das Gehäuse dabei einmal mehr die unverkennbare Qualität der Manufaktur. Mit 17 farblosen Topasen und 31 schwarzen Baguette-Spinellen ausgestattet, führt auch die Lünette den verschwenderischen Luxus fort, für den Hublot seit der Gründung 1980 bekannt ist. Die auf dem erlesenen Kalbslederarmband gedruckten Zebrastreifen brechen humorvoll mit dieser unverwechselbaren Opulenz und geben der Uhr auf eine charmante Weise eine kaum einschätzbare Ästhetik. Stilistische Individualität in Symbiose mit bester Qualität. www.hublot.com 26


SCHMUCK Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

STRANDGUT Oft beschreiben Designer Erlebnisse ihrer Kindheit als große Inspirationsquelle bei der Entstehung ihrer Entwürfe. Fühlen sich viele während ihrer Arbeit an geliebte Verwandte erinnert oder lassen sich von subkulturellen Einflüssen ihrer Jugend beflügeln, so sind es für Schmuckdesignerin Sara Beltrán stets Strand und Meer, derer sie sich gestalterisch bedient. Schon im Namen ihres Labels „Dezso“, der dem Lateinischen für Sehnsucht oder Verlangen entlehnt wurde, hat Sara Beltrán ihre Passion für die überwältigende Schönheit der Weltmeere manifestiert. Auch heute noch liebt Beltrán den Ozean und seine Bewohner, greift Formen und Ästhetik von Muscheln und Korallen immer wieder auf. Hierfür gibt sie sich in ihrem Studio im trockenen indischen Jaipur aber nicht nur Tagträumen über rauschende Wellen und salzige Luft hin, sondern bereist kontinuierlich die Strände dieser Welt. Viele ihrer Preziosen sind Souvenirs dieser Reisen, sie sammelt Muscheln, aus denen sie Pressformen anfertigen lässt. Zumeist in 18-karätiges Rotgold gefasst, werden aus den Weichtierschalen unkomplizierte Schmuckstücke, dessen organische Schönheit in ihrer Form bestehen bleibt, von der Designerin aber durch den Einsatz von viel Schwarz gebrochen wird. So gestaltet Sara Beltrán beispielsweise Ohrringe und Armbänder in Gestalt von Korallen, die in Gold und Schwarz ungewöhnlich nobel anmuten. Ein Stück weite Welt im heimischen Schmuckkästchen! www.dezsosara.com

War eine der größten Inspirationsquellen im Schmuckdesign doch stets die Natur, so lassen sich viele Designer in jüngster Vergangenheit vom genauen Gegenteil eben dieser inspirieren und präsentieren Linien, die klar in der Technik verankert sind. Man denke nur an die Berlinerin Svenja John, die aus kleinsten Teilchen filigrane Konstrukte zu Armbändern zusammensetzt, die an Atommodelle erinnern. Oder Nicolas Ghesquière, der für die Schmucklinie Balenciagas in dieser Saison unterschiedliche Plastikformen zu neonfarbenen Gebilden zusammenschrauben ließ. Auch Heaven Tanudiredja ist einer dieser Designer, der besonderen Reiz nicht in der milchig-weißen Farbe von Perlen oder dem feingliedrigen Gerippe eines Blattes verspürt, sondern in der kühlen Geradlinigkeit des Maschinenbaus. Der in Bali geborene Schmuckdesigner studierte an der Königlichen Akademie der Schönen Künste zu Antwerpen, der Schmiede für herausragendes Designer mit einem unverwechselbarem Statement. Tanudiredja schafft seiner kreativen Stimme in außergewöhnlichen Kreationen Raum, die an das Innenleben elektronischer Geräte erinnern, deren unzählige Einzelteile wie Elektroden aussehen, die gemeinsam das Herz einer Maschine bilden. Gleichzeitig haben seine Schmuckstücke eine gefährliche Ausstrahlung, wirken wie futuristische Rüstungen. Für kämpferische Trägerinnen mit klarer Aussage. www.heaventanudiredja.be

Kampftauglich

27


KONZERTE Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Sophie Hunger Jazz, entstanden in der Ära der vorletzten Jahrhundertwende, ist mitunter die beliebteste Musikrichtung unserer heutigen Zeit. Dieses Musikgenre war eine große Veränderung und wird in Amerika auch gerne als Pendant zur europäischen Klassik gesehen. Revolutionär daher, weil es auch für die allgemein bekannten Musiktypen, wie den Pop und den Folk, wegbereitend war. Im Fortschritt entwickelte sich der Jazz stark zu neuer Modernität und weist heute starke musikalische und ästhetische Charakteristika auf. So werden heute zum Beispiel Improvisation, Jazzrhythmik und Tonbildung durch die Individualität der einzelnen Musiker stark geprägt. Seit einigen Jahren ist die Schweizerin Sophie Hunger vielen Menschen ein Begriff. Hunger interpretiert mit ihrer zarten, unverwechselbaren Stimme Lieder, wie „Le vent nous portera“ der französischen Rockband „Noir désir“ ganz neu, und singt Vokalstücke, wie beispielsweise „Walzer für niemand“, so wunderbar, dass man ihre Konzerte wie ein Melodram erlebt, das dennoch ein ungemein schönes Ende findet. QM-Red. Konzertauswahl: 24.02.2013 Berlin, Kesselhaus 26.02.2013 Dresden, Beatpol 27.02.2013 Erlangen, E-Werk 01.03.2013 Karlsruhe, Tollhaus 02.03.2013 Ulm, Roxy 03.03.2013 Köln, Gloria 06.03.2013 Innsbruck, Treibhaus

Foto: Augustin Rebet

28


Patricia Kaas

Foto: Florent Schmidt

Für viele Frauen verkörpert Patricia Kaas die starke Frau, die Femme fatale, die voller Willenskraft und Tatendurst steckt. Den Charakter, den viele Frauen lieben und manche Männer ächten. Diese Rührigkeit ist allerdings nur eine Facette der Sängerin. Häufig erklärt sie in Interviews, dass jede Medaille eine Kehrseite habe und sie nicht nur die Verhängnisvolle, sondern auch die Zerbrechliche sei. Beachtet man die Lieder der charmanten Madame Kaas, dann sind ihre unterschiedlichen Seiten klar erkennbar. So zeigen beispielsweise die Lieder „Quand j’ai peur de tout“ (dt. Wenn mir alles Angst macht) und „Reste sur moi“ (dt. Bleib auf mir) die Gegensätzlichkeit der beiden Wesenszüge. Sie ist seit mehr als dreißig Jahren eine gefeierte Interpretin, die in Kanada, Frankreich, der Ukraine und unzähligen weiteren Ländern Erfolge verbucht, und vielleicht ist es genau die Fragilität der Künstlerin, die diese Kraft in ihr wachruft. QM-Red. Konzertauswahl: 06.03.2013 Lille, Zénith 08.03.2013 Frankfurt am Main, Alte Oper 09.03.2013 Wien, Wiener Konzerthaus 12.03.2013 Rouen, Zénith 13.03.2013 Caen, Zénith 15.03.2013 Mannheim, Rosengarten Mozartsaal 08.04.2013 Hamburg, Laeiszhalle 29


KONZERTE Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

KADAVAR Konzertauswahl: 12.04.2013 DE Stuttgart, Keller Club 13.04.2013 FR Lyon, Stone Rising Festival 19.04.2013 NL Tilburg, Roadburn Festival 26.04.2013 UK London, Desertfest 27.04.2013 DE Berlin, Desertfest 30.04.2013 ES Barcelona, Razzmatazz 3

30

Fällt der Begriff Kadavar in geselliger Runde, assoziieren diesen Begriff im ersten Moment nur wenige mit Musik. Kadavar ist jedoch der Bandname des durchstartenden Musiktrios aus Berlin, welches sich aus den Mitgliedern Wolf, Mammut und Tiger zusammensetzt. Ihr erstes Album schlug wie eine Bombe ein und auch außerhalb der Stadtmauern Berlins finden sie außerordentlich positive Kritiken. Zudem wächst der Erfolg rasant. Look und Lebensart werden von den drei Musikern authentisch im okkult-psychedelischen Proto Hard Rock der 70er Jahre gelebt. Nach Auftritten auf diversen Festivals im vergangenen Jahr, wie dem Yellowstock, dem Fusion Festival, dem Duna Jam sowie einem Konzert in Köln, das vom Rockpalast aufgezeichnet wurde, beginnt bald die Tournee der Aufstiegsband. QM-Red.


O

T

R MUSIKG

E

SC

IC

HT E

DIE

DE

H

P

10

Zehn erfolgreiche Coverhits In der Musikwelt werden Erfolgstitel, Klassiker und Oldies stets gecovert. Ist der Titel auch derselbe, so sind die Interpretationen der einzelnen Künstler oftmals sehr unterschiedlich.

LYKKE LI I Follow Rivers (Single) Die schwedische Künstlerin wurde im Jahr 1986 in Ystad geboren. 2011 erschien ihr zweites Album „Wounded Rhymes“. Der Song „I follow rivers“ stieg in Belgien rasant auf den ersten Platz und brachte europaweit die Szene in Partystimmung.

TRIGGERFINGER I Follow Rivers (Single) Die 1998 gegründete Band coverte im vergangenen Jahr den Hit von Lykke Li und stieg mit der minimalistischen Version des Vorgängererfolges in mehreren Hitparaden auf Platz eins.

BON IVER Skinny Love- For Emma, forever ago (Album) Hinter dem Musikprojekt Bon Iver, was schon mehrere Grammy Awards gewann, steckt Justin Vernon. Nach kleineren Hürden begann er Texte zu schreiben. Dabei entstand das Lied „Skinny Love“, was ein internationaler Erfolg wurde.

BIRDY Skinny Love (Single) „Skinny Love“ wurde drei Jahre nach seiner Originalauflage von der englischen Popsängerin Birdy (Jasmin van den Bogaerde) völlig neu interpretiert. Ihre Version, eher eine Ballade, brachte ihr den Durchbruch.

DOLLY PARTON I Will Always Love You - The Essential (Album) Seit mehr als vierzig Jahren steht Dolly Parton auf der Bühne. Sie gewann etliche Preise und hatte im Laufe ihrer Karriere 25 Nummer-1-Hits. Der Titel „I will always love you“ aus dem Film „The best little whorehouse in Texas“ wurde ein Klassiker.

WITHNEY HOUSTON I Will Always Love You (Single) Zehn Jahre später spielte Whitney Houston den Klassiker neu ein und kreierte aus der Countryversion einen Welthit. Das Original von Dolly Parton machte Houston legendär. In diesem Fall ist die Kopie wohl besser als das Original.

LOUIS ARMSTRONG What A Wonderful World (Album) Louis Armstrong, der gerne den 4. Juli, den Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten, als seinen Geburtstag angab, war im Jahr 1968 mit dem Song „What a wonderful world“ auf einer Single zu hören. Das Lied fand großen Gefallen und ist bis heute ein Evergreen.

KATIE MELUA/ EVA CASSIDY What A Wonderful World (Single) Unzählige Sänger interpretierten den Klassiker von Louis Armstrong in den folgenden Jahrzehnten. 2007 erschien eine Benefiz-CD von Katie Melua mit der im Jahr 1996 verstorbenen Sängerin Eva Cassidy. Diese CD feierte einen enormen Erfolg in Großbritannien.

NINE INCH NAILS The Downward Spiral (Album) Die Band aus Cleveland wurde mehrfach international mit Platin ausgezeichnet. Auch ihr Song „Hurt“, der 1994 sein Debüt in den US-Charts hatte, wurde vom Publikum jubelnd aufgenommen.

JOHNNY CASH Hurt (Single) Vor knapp elf Jahren wurde der Band Nine Inch Nails eine ungemeine Ehre zuteil. Einer der größten Musiker, Johnny Cash, coverte das Lied „Hurt“ und erreichte mit seiner Interpretation einen Triumph.

31


MANUFAKTUR Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Über 35.000 Gitarren hat Lutz Heidlindemann nach eigenen Angaben im Laufe der Jahre repariert.

E

inen guten Arzt zu finden ist nicht leicht. Und wer jemand Kompetenten gefunden hat, der nimmt für Behandlungen schon mal lange Fahrten in Kauf, hadert mit einem Umzug oder protestiert lautstark bei drohendem Ruhestand. Dass dies nicht nur für unser eigenes leibliches Wohlbefinden gilt, sondern auch für unsere materiellen Güter, beweist der „GuitarDoc“ Lutz Heidlindemann, der seit 2001 an der Spree seine Werkstatt hat. Hier geben sich Musiker und Gitarrenliebhaber aus aller Welt die Klinke in die Hand. Denn Heidlindemann genießt weltweit hohes Ansehen. Zu seinen Kunden gehören Stars wie die Blue Man Group, Die Ärzte, Element of Crime, Peter Fox, die Joe Cocker Band, die Roland Kaiser Band, Maceo Parker sowie auch die Red Hot Chili Peppers. Seit 1987 repariert und fertigt er Gitarren. Im Laufe der Jahre hat er all die Geschichten gehört, die Musiker mit ihren Instrumenten verbinden. Schnell wird da ersichtlich, dass es um mehr als schnödes Holz und ein paar Saiten geht. „Es ist wichtig, dass das Instrument auch anders benutzt wird als nur zum Musikmachen. Das ist auch ein Kultinstrument.“ Nicht ohne Grund fielen unsere Eltern und Großeltern kreischend vor Elvis in Ohnmacht, fürchteten Väter um die Unschuld ihrer Töchter, wenn Bassisten und Gitarristen ihre Hüften kreisen ließen und Instrumente an Verstärkern zerschlugen. Dass diese Nutzung auch 32

mal zu schweren Schäden am Instrument führen kann, schert Heidlindemann nicht – die Reparatur ist sein Beruf. Und dass der GuitarDoc Verständnis für die Charaktere der Musiker hat, mag wohl auch daher rühren, dass er selbst einmal Musiker war. 1986 bot ihm die Synthie Pop Band Camouflage an, deren Bassist zu werden. Heidlindemann entschied sich fürs Handwerk und hat doch das Verständnis für persönliche Bindung an Instrumente nicht vergessen. Kein Wunder also, dass er nicht nur repariert und restauriert, sondern auch berät und begutachtet. Über 35.000 Gitarren hat er nach eigenen Angaben im Laufe der Jahre repariert – etwa 120 pro Monat. Diese jahrelange Erfahrung fließt auch in zwei Nebenzweige seines Unternehmens ein: für Liebhaber und Kapitalanleger bietet er hochwertige Vintage-Gitarren an. Noch mehr Herzblut liegt aber in der Produktion seiner eigenen Gitarren: Unter dem Label LuK vertreibt der GuitarDoc hochwertige Instrumente und hat sich damit einen persönlichen Traum erfüllt. Kein leichtes Geschäft, denn Liebhaber und Kenner, die bereit sind, eine vierstellige Summe für ein Instrument dieser Qualität auszugeben, sind kein Massenphänomen. Dem guten Ruf der Gitarren schaden die verhältnismäßig geringen Absatzzahlen nicht – eher im Gegenteil. Man weiß schließlich, wofür man sein Geld ausgibt und wohin man zur Not zur professionellsten und persönlichsten Reparatur zurückkehren könnte.


MANUFAKTUR Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

In der „GuitarDoc“ – Lutz Heidlindemanns Werkstatt an der Spree – geben sich Musiker und Gitarrenliebhaber aus aller Welt die Klinke in die Hand.

GuitarDoc

von Dorothea Schöne

33


SPIRITUOSEN Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

VOLLENDETE REIFE Bislang war das kleine Land Costa Rica vor allem für seinen hochwertigen Kaffee bekannt. Dass von dort auch ein hervorragender Rum kommt, mag einige überraschen. Mit dem Ron Centenario 30 Años hat die Destillierie von Ron Centenario Internacional in limitierter Auflage einen Rum geschaffen, der die Fachwelt begeistert. Mehrfach wurde dieser 30-jährige Rum schon ausgezeichnet – so unter anderem 2011 mit dem ersten Preis im Internationalen Spirituosenwettbewerb. Bei Ron Centenario – einem der letzten unabhängigen Produzenten weltweit – legt man besonderen Wert auf das Herstellungsverfahren. Für die limitierte Auflage wurden die ältesten Fässer des Unternehmens geöffnet, deren Ergebnis nun durch einen vollen, runden Geschmack mit einer Note von Zuckerrohr besticht. 30 Jahre lang hat der Rum in von innen ausgebrannten Whiskeyfässern gelagert, bis er nun mit vollendeter Reife auf den Markt kam. ds-Red. www.roncentenario.de

Platinum meets Porsche Johnnie Walker ist zugegebenermaßen als Label nicht gerade der Inbegriff von qualitativ hochwertigem Whiskey und wird in der Kategorie Red Label gerne auch mal zur Herstellung von Mischgetränken herangezogen. Mit dem weitaus hochwertigeren Blue und Platinum Label sowie einer einmaligen Kooperation mit Porsche Design versucht die schottische Destillerie nun ihre Position im Luxussegment weiter auszubauen. Und dies nicht nur auf geschmacklicher, sondern auch designtechnischer Seite. Als Special Edition kommt der Blue Label nun in einer von Porsche Design Studio kreierten Box, die in ihrer klaren und schlichten Linienführung eindeutig auf ihre Herkunft veweist. Umgedreht funktioniert der Deckel als Eiswürfelschale und kombiniert so auf einfache Weise Form und Funktion. Stilsicher kann der exquisite, rauchig-würzige Blue Label Whiskey nun genossen werden.ds-Red. www.johnniewalker.com/de-de/home


SPIRITUOSEN Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

DOS RON –

karibischer Rum in Köln Hinter den schlichten, schwarzen Flaschen des Don Ron verbirgt sich eine lange, abenteuerliche Geschichte. Den Ausgang nimmt sie in dem kleinen, kubanischen Örtchen Manacas, in dem der junge Don José Louis Colina in den 1920er Jahren mit einem Partner eine Destillerie gründet. Bis zur Verstaatlichung 1959 führt er die kleine Brennerei, in der später auch sein Sohn Carlos ausgebildet wird. Ein Bruderstaaten-Austauschprogramm bringt Carlos Morfa in die damalige DDR. Mit der Wende zieht es den gebürtigen Kubaner dann ins Rheinland, wo er sich in Köln niederlässt und ein Restaurant eröffnet. Ganz lässt ihn seine Herkunft und Leidenschaft für das kubanische Traditionsgetränk allerdings nicht los. So beginnt er in der Dominikanischen Republik hochwertigen Rum einzukaufen und so lange lagern und reifen zu lassen, bis er den richtigen Geschmack für seinen „Don Ron“ hat. Den fertigen Rum – acht-, sechzehn- oder einundzwanzigjährig – bringt er dann nach Deutschland, wo er in die markentypischen Steingutflaschen abgefüllt wird und einen Hauch von Kuba nach Köln bringt. ds-Red. www.dosron.de

GEHEIMNISSE DER AGAVE – ALIPÚS MEZCAL Die „Mutter aller Agavenbrände“ wird das Getränk genannt. Und in der Tat ist Mezcal neben Tequila das landestypische Getränk Mexikos. Übersetzt bedeutet das aus dem indigenen Nahuatl stammende Wort „Mezcal“ so viel wie gekochte Agave. Und damit ist auch schon die Hauptzutat genannt. In der Vergangenheit diente der Name als Sammelbegriff für alle mexikanischen Agavenbrände, seit 1994 ist er jedoch geschützt. Anders als bei der Tequila-Herstellung, bei der durch Industrialisierung und Massenproduktion bedauernswerterweise eine weit verbreitete Qualitätsminderung eintrat, beruht die Herstellung des Mezcal oftmals auf hochwertiger und traditioneller Fertigung. Ein Mezcal, der beispielhaft für dieses traditionsreiche Getränk steht, ist Alipús. An drei verschiedenen Orten – San Juan, San Baltazar und San Andrés wird dieser Mezcal von drei unterschiedlichen Familien nach deren jeweiligen, hauseigenen Rezepturen hergestellt. Diese seit Generationen gepflegten Rezepturen und Herstellungsweisen werden so manchen eingefleischten Tequila-Liebhaber eines Besseren belehren. ds-Red. www.mezcaleria.de 35


INTERIOR Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Von Hürschen und Kürschen

der Mitte des Raumes, der wirkt, als habe man ihn in einem tiefen Traum aus einem Baum geschlagen – Bernd Gruber ist ein Emotionsmensch. Gerührt erzählt er von der Tischlerei des Vaters, die er einst übernahm, als damals jüngster Handwerksmeister Österreichs. Die hat er zu dieser verrückt minimalistischen Interior Design Location gemacht, Chalet-Stil mit einer Prise großer weiter Welt. Dass sein Creative Director Philipp Hoflehner Kunden berät, die bisweilen stattliche Summen für guten Geschmack ausgeben, die von der Planung bis zur schlüsselfertigen Übergabe ihr Schicksal in seine und Bernd Grubers Hand legen – darüber wacht eigentlich der mit einem Smoking verkleidete Rehbock, der im Eingang der Ausstellung in Aurach bei Kitzbühel steht. Bis vor ein paar Tagen, als Bernd und Ruth Gruber ihn umziehen wollten: Bei dem Versuch, das Firmenmaskottchen in ein Polotrikot einzukleiden, zersprang es in zwei Teile. Das macht aber nichts, zum einen sieht die Innenarchitektur der Ausstellung nach wie vor gut aus. Zum anderen ist so etwas schnell repariert – schließlich ist Gruber Handwerksmeister. Und die verstehen nicht nur etwas von ihrem Fach. Sie wissen auch, wie man Gegenständen, Orten und Unternehmen eine Seele verleiht, von denen manch einer erst auf dem zweiten Blick erkennt, dass sie überhaupt vorhanden ist. QM-Red. Fotos: Matthias Haslauer

Wer sich auf die Suche nach Marken macht, die Substanz haben, vielleicht sogar ein Herz und eine Seele, die sie von anderen unterscheidet, der mag ausgerechnet in Kitzbühel fündig werden. An einem schneereichen Samstag steht der Innenarchitekt und Handwerksmeister Bernd Gruber in seiner Ausstellung, einem Showroom und Atelier, in dem er Kunden seine Denk- und Arbeitsweise präsentiert, die Grundlage seiner InterieurKonzepte. Journalisten hat er eingeladen, am Rande des 11. Valartis Bank Snow Polo Turniers, dem weltweit größten Wettkampf dieser Art. Der internationale Polo-Zirkus gastiert nur kurz Tirol, die Spieler aus Brasilien, die Marken aus Italien und Liechtenstein machen kurz in den Bergen halt, sie grasen und gastieren – um ebenso schnell wieder zu verschwinden, von Event zu Event. Bernd Gruber bleibt hier, wohin soll er auch gehen, seine Werkstatt befindet sich hier, geboren ist er in der Nähe. Die Reisen, die er macht, von denen erzählt er gern. Von Pariser Flohmärkten ist in seiner kurzen Ansprache die Rede, von Möbelmessen, von Mailand und den dortigen großartigen Möbeln und von Miami: Orte, die der hühnenhafte Mann bereist, um für Kunden Trends zu übersetzen – in Wohnungen, Häuser, Domizile, die zu den Bergen passen und nach Los Angeles, wo das Team von Bernd Gruber genauso arbeitet wie hier, in den Alpen. In seiner Ausstellung findet man eine bunt gelungene Sammlung aus Möbeln internationaler Hersteller, hervorragenden, selbst gefertigten Innenarchitektur-Vorschlägen und Artefakten wie der runde Holztisch in

36


Die leuchtenden Tonkirschen haben die Größe von Wassermelonen – Bodenobjekte von surrealer Erscheinung, die Bernd Gruber in seine Interieurs einbezieht.


INTERIOR Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

HAUSMÜTTERCHEN

„Zurück an den Herd!“ – ist dieser Spruch doch eigentlich als altbackene Provokation zu verstehen, gibt Ulrike Krages ihm jetzt eine charmante Neubedeutung, dreht seine Negativbesetzung spielerisch zum frischen Slogan ihrer Küchendesigns. Dabei ist der Satz keinesfalls als reine Aufforderung zur im stressreichen Heute oft vernachlässigten Kunst der frischen Zubereitung zu verstehen, viel eher fordert er zum allgemeinen Rückzuck auf – zur Wiederbesinnung auf das Wesentliche. „Reset-Taste drücken und auf Quality-Time gehen. Was heißt das eigentlich in der Umsetzung?“, beschreibt Ulrike Krages das Konzept ihrer Arbeiten im Bereich der Küchengestaltung. „Wir suchen gern in der Welt da draußen nach dem inneren Glück und missachten, dass wir nur dann gesunden, wenn wir uns häufiger mal komplett runterfahren.“ Um die Strapazen des Arbeitsalltages weiß Krages sicherlich nur zu gut, gestaltet die Hamburger Unternehmerin unter sechs Linien doch unterschiedlichste architektonische Projekte sowie Interieurdesign und Wandbelagkollektionen. „Schaffen Sie einen Neustart, indem Sie sich Ruhe und Zeit in Ihren eigenen vier Wänden nehmen. Wärmen Sie sich gedanklich auf und lassen Sie Heimat zu“, fordert Karges auf, „ich für meinen Teil gesunde in einer gemütlichen Küche. Ein paar frische Kräuter, ein gutes Glas Wein und der Duft von gutem Essen lassen uns runterkommen vom rasanten Alltag.“ In der gestalterischen Umsetzung heißt dies, dass neben praxisorientierter Modernität und kompromissloser Qualität vor allem das behagliche Ambiente eine Rolle spielt. Ulrike Krages bricht die minimalistische Geradlinigkeit ihrer Küchenmodule mit durchdacht gesetzten warmen Farbakzenten und nimmt glänzendem Stahl mit viel Geschick für dekorative Komposition die Kälte. Willkommen Zuhause! QM-Red. www.ulrikekrages.de


INTERIOR Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

MINIMAL

Noch immer ist das Produktdesign der Gegenwart 3 zumeist von Schnörkellosigkeit geprägt, wird Minimalismus als stilistisches Sprachrohr unserer Zeit verstanden. Auch Anne Geier und Melinda Barth sehen in der Kunst der gestalterischen Zurückhaltung besonderen Reiz und inszenieren ihren Kleiderständer „X³“ in geraden Linien, geben Naturfarben statt farbig glänzendem Lack ein optisches Forum. Eichenstäbe und Lederstreifen sind in einer Endlosschleife miteinander verbunden, so dass sie sich leicht zusammen- und auseinanderklappen lassen. Im Rahmen des Studienprojektes „Alltagshelden“ an der Berliner Kunsthochschule Weißensee entwarfen Geier und Barth den Kleiderständer so, dass die verschiedenen Prozesse der Herstellung den unterschiedlichen Fähigkeiten der Teilnehmer der Werkstatt VIA für Menschen mit Behinderungen entsprechen. Der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland belohnte diese clevere Kombination aus hochaktueller Optik und einer sozialen Komponente 2012 mit einer Nominierung. QM-Red. www.kh-berlin.de

DRAUSSEN WIE DRINNEN Licht ist eines der entscheidenden Essenzen für gelungenes Interiordesign. Die Wahl der richtigen Lampe, die Komposition verschiedener Lichtquellen und ihrer Intensität können über den Erfolg des ganzen Raumes bestimmen. Foscarini trägt diese Regel von Drinnen nach Draußen und bietet Exterior-Leuchten an, die auch Ambiente von Garten, Terasse und Pavillion in wohnlicher Stimmung erstrahlen lassen. Nicht nur stehen die Designs in optischem Dialog mit der Natur, auch ihrer Formgebung bedienen sie sich. So inszenieren die Designer ihre Entwürfe beispielsweise als geglättete Kieselsteine aus einem Flussbett. Das Modell „Solar“ von Jean Marie Massaud hat sich weniger die Natur als die Nutzbarkeit zum Ideal genommen und verbindet Möbel mit Leuchte. An lauen Abenden findet sich auf der glatten Oberfläche der Halbkugel Platz für Buch und Weißwein – ein Wohnzimmer im Grünen. QM-Red. www.foscarini.com

GEWINNERSTÜCK Sind Möbel doch zumeist statische Objekte, so zeichnen sich einige doch gerade durch ihre Beweglichkeit aus. Auch der Sessel „Jingel“ von Jan Armgardt für KOINOR lebt von seinem wippenden Gestell.Der Metallrohrkörper des Sitzmöbels hat einen besonders langen Federkern, der Freischwinger ist in ständiger, sanfter Bewegung. Für dieses ungewöhnliche Sitzgefühl wurde Jan Armgardt vom Deutschen Rat für Formgebung mit dem Interior Innovation Award 2013 prämiert. Feiern konnte KOINOR gleich doppelt: Auch das Sofamodell „Vogue“ von Tamara Härty gewann den Designpreis. QM-Red. www.koinor.com

39


Das immergr체ne Gew채chs ist mit seiner enormen Lebenskraft der heimliche Altmeister des Anti-Agings.

Thomas Lommel Gr체nder OLIVEDA vor einem 3000 Jahre alten Olivenbaum

1200 Jahre alter OLIVEDA Olivenbaum

40


BEAUTY Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Diese Erfolgsgeschichte begann in einem Baumhaus

Links: OLIVEDA Tagescreme 50ml Mitte: OLIVEDA Fussbalsam 200ml Rechts: OLIVEDA Maske von schwarzen Oliven 60ml

Valeria, 86 Jahre Kräuterfrau und älteste Mitarbeiterin von OLIVEDA

Von dem vielleicht ungewöhnlichsten Entstehungsort für eine Kosmetiklinie weiß Thomas Lommel zu berichten. Vor 15 Jahren gründete der Wahl-Schweizer die luxuriöse Ökomarke Oliveda und war damit der erste Hersteller weltweit, der Kosmetikprodukte auf Basis des Olivenblattpresssafts hergestellt hat. Das klingt weniger spektakulär, als es ist. Tatsächlich sind die im Presssaft der Blätter enthaltenen Wirkstoffe bis zu dreitausendmal höher konzentriert als in hochwertigem Olivenöl. Die geniale Idee, dieses höchst antioxidative Elixier als Anti-Aging-Waffe einzusetzen, kam Lommel erstaunlicherweise ausgerechnet am größten Tiefpunkt in seinem Leben. Zurückgezogen in seinem Olivenbaumhaus, befand er sich hoch oben und doch ganz unten. Er war innerlich zerrissen und nur noch vom Wunsch angetrieben, eins zu werden mit der Natur. Heute kann Thomas Lommel wieder lachen: „Welches Kosmetiklabel kann schon behaupten, in einem Baumhaus entstanden zu sein?“ Dass Weltstars wie Madonna, Charlize Theron oder Kate Walsh zu den Fans der Oliveda-Produkte und seines 5-Sterne-LuxusSpas Son Brull auf Mallorca zählen, findet er wohl weniger bemerkenswert. Die Qualität und Wirkung der von Hand hergestellten Beautylinie für die innere und äußere Anwendung hat sich durchgesetzt. Alle Erzeugnisse basieren auf uralten Klosterrezepturen und überliefertem Kräuterwissen, aber auch auf modernen medizinischen Erkenntnissen. Inzwischen bietet Oliveda eine ganzheitliche Pflege- und Wellnesslinie, die mitunter einzigartige Produkte wie das Olivenblattgel umfasst, das zu 99 % aus Olivenblattpresssaft besteht und sich sogar zur Behandlung von Erkrankungen wie Nagelpilz oder Neurodermitis bewährt hat. Zwar genießt Oliveda noch Geheimtipp-Status, ist aber bereits in exklusiven Luxuskaufhäusern wie dem Berliner KaDeWe, Hamburger Alsterhaus und Oberpollinger in München sowie in den Mueller Naturshops und Mueller Parfümerien zu erwerben. Das Unternehmen ist neuerdings sogar für eine weltweite Expansion gerüstet. Für 2013 steht eine Parfümpremiere an. Den aufwendig gewonnenen Olivenblattsaft anstelle von Wasser einzusetzen, wie es bei vielen herkömmlichen Olivenprodukten der Fall ist, war eigentlich eine geniale wie naheliegende Idee. Gut für alle von ewiger Jugend Träumenden, dass Lommel damals, als ihn der Lebensmut beinah verlassen hatte, den Wald vor lauter Bäumen noch gesehen hat. Und nicht nur der Erfolg, irgendwie auch der Olivenbaum selbst, gibt dem geerdeten Geschäftsmann, der sich selbst übrigens lieber als Olivenbauer und Naturphilosoph bezeichnet, recht. So ist das immergrüne Gewächs mit seiner enormen Lebenskraft doch der heimliche Altmeister des Anti-Agings. Haben Sie gewusst, dass es im mediterranen Raum Bäume zu bestaunen gibt, die 3.000 Jahre und älter sind? QM-Red. 41


BEAUTY Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

PRO PROTEIN!

Mit mehr als 30 % hat das Strukturprotein Kollagen den größten Anteil am Gesamtgewicht aller Eiweiße des menschlichen Körpers. Dass sich der Kollagenhaushalt der Haut verschlechtert, ist fast schon ein ästhetisches Desaster, ist das Protein doch ein wesentlicher Bestandteil des Bindegewebes. Alle zehn Jahre verliert unsere Haut so 3 % ihrer Elastizität. Traditionsmarke Helena Rubinstein hält dagegen! 1902 gegründet, gelten die Marke und die Frau dahinter als Wegbereiter der Kosmetikbranche. Einige der bahnbrechenden Erfindungen Rubinsteins sind heute kaum mehr aus den Schminkkomoden wegzudenken, so präsentierte das Label bereits 1939 den ersten wasserfesten Mascara, reicherte als erstes Unternehmen schon 1954 Hautcremes mit Vitaminen an. Die Kraft des Kollagen ist heute eine der essenziellen Zutaten zur Erstellung der exklusiven Hautpflegeprodukte Helena Rubinsteins. So werden eine Reihe erstklassiger Tagescremes angeboten, denen die Marke allesamt eine glättende und somit verjüngende Wirkung zuspricht. Darunter „Collagenist“, der glättende Klassiker der Serie, „Hydra Collagenist“, die bis tief in die Haut mit Wasser versorgt und „Collagenist V-Lift“, die in zwei Schritten ihre hebende und Kontur gebende Wirkung entfaltet. QM-Red. www.helenarubinstein.com

Ordnungshalber Wenn Lili Radu Reise-, Laptop- oder eben Kosmetiktaschen präsentiert, dann weiß sie nur zu gut, worauf es ankommt. So ist Radu in ihrem Leben doch selbst viel rumgekommen, hat neben Deutschland bereits in den USA, Spanien und Österreich gelebt. Auch in Italien machte Radu halt, in Mailand schloss sie 2010 ihr Studium in „Fashion, Experience und Design Management“ ab. Packen, auspacken und wieder zusammenpacken sind ihr also alles andere als fremd. Gemeinsam mit den Stylistinnen Julia und Christina Urschler entwirft Radu unterschiedlichste Lederartikel, die allesamt beste Ordnung für ein Leben aus dem Koffer garantieren. In vielfältiger Farbpalette und schlichter Form dürften die Produkte aus erlesenem Leder sich dabei gut auch in Reisegepäck-Kollektionen anderer Hersteller einreihen, Kosmetika finden in einem exklusiven Etui Platz. Übrigens passt die klassische Puderdose von Chanel perfekt in ein Fach der hübschen Lederclutches, die Platz für allerhand Überlebenswichtiges für den Abend verspricht. Clever! QM-Red. www.liliradu.com

42


BEAUTY Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Noblesse oblige

NEVER ORANGE AGAIN

Blaue Saphire und Rubine, Diamanten, Silber und Gold – was sich wie das Sortiment eines distinguierten Juweliers liest, ist eigentlich ein Auszug der Inhaltsstoffe der Produkte von Själ. Seit der Gründung 2001 in New York bietet die Kosmetikmarke luxuriöse Pflegeprodukte an, die mit Metallen und Edelsteinen angereichert sind. Auch der Staub zerdrückter Perlen, Amethyste, Turmaline und Quarz gehören zu den erlesenen Ingredienzien der Cremes, Körperöle und Masken. Hinter der Marke steht das Mutter-TochterGespann Karen und Kristin Petrovich, die sich vor allem die Verbindung der traditionsreichen fernöstlichen Heilkunde mit modernster Biotechnologie der westlichen Welt als Firmenziel gesetzt haben. So wird auf Basis der östlichen Medizin, die Körper, Seele und Geist als Ausgangspunkt aller Kosmetik nimmt, jedes Produkt mit wertvollen Mineralien angereichert. In der Linie von Själ finden sich zum Beispiel das mit Vitaminen ausgestattete, liftende „Serum1“, die Feuchtigkeit spendende Creme „Kura Intuitif“ oder die Zartheit versprechende „Kashmir Saphir“-Maske, die allesamt diesem ganzheitlichen Pflegekonzept folgen. So wird die Marke seinem schwedischen Namen „Själ“ mehr als gerecht, der Geist, Denken, Seele und Herz bedeutet. QM-Red. www.sjalskincare.com

Man möge es als Ungerechtigkeit der Natur bezeichnen, jedenfalls ist das Bindegewebe der Frau im Gegensatz zu dem des Mannes nur locker und parallel vernetzt. Das macht im Grunde Sinn, ermöglicht doch diese Struktur der Haut sich während der Schwangerschaft auszudehnen, lässt diese allerdings auch frühzeitiger erschlaffen. Eine Erscheinung dieser Hautbeschaffenheit ist die ungeliebte Cellulite, der SLIMYONIK die Stirn bietet. Auf Basis der Lymphdrainage verwöhnt die Methode mit einer besonderen Druckwellenmassage des „Bodystylers“ der Marke. SLIMYONIK verspricht so die Förderung der Gewebedurchblutung und die damit einhergehende Reduktion von Fettpolstern und Wassereinlagerungen – das Ergebnis ist eine straffe Haut. Unzählige Institute, Kosmetik- und Sonnenstudios bieten das individuell gestaltbare Verfahren bereits an. Das „Body Contour Gel“ soll zuhause zusätzlich mit Sauerstoff versorgen und die Blut- und Lymphzirkulation anregen. Ausprobieren! QM-Red. www.slimyonik.de

43


Louis Kahn

von Dorothea Schöne

Salk Institute in La Jolla, Kalifornien, Louis Kahn, 1959–65 © The Architectural Archives, University of Pennsylvania, Foto: John Nicolais

Louis Kahn vor einem Modell des City Tower Project in einer Ausstellung an der Cornell University, Ithaca, New York, Februar 1958 © Sue Ann Kahn

Parlamentsgebäude in Dhaka, Bangladesch, Louis Kahn, 1962–83 © Raymond Meier

44

Indian Institute of Management, Ahmedabad, Louis Kahn, 1962–74 © Louis I. Kahn Collection, University of Pennsylvania and the Pennsylvania Historical and Museum Commission


AUSSTELLUNGEN Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Louis Kahn am Design des Fisher House arbeitend, 1961 © Louis I. Kahn Collection, University of Pennsylvania and the Pennsylvania Historical and Museum Commission

Baumeister wie Isamu Noguchi haben Kahn einen „Philosophen unter den Architekten“ genannt und damit den eigentlichen Kern und Wert seiner Arbeit genau beschrieben.

D

er amerikanische Architekt Louis Kahn (geboren Itze-Leib Schmuilowsky, 1901–1974) gilt als einer der einflussreichsten und bedeutendsten Baumeister des 20. Jahrhunderts. Obwohl er vergleichsweise wenige Gebäude realisierte, sind seine komplexen Raumkompositionen und meisterhaften Licht-Choreografien doch von unbestrittener Bedeutung für die Architekturgeschichte und das Schaffen zahlreicher nachfolgender Baumeister. Die archaische Schönheit und große Symbolkraft seiner Bauten haben maßgeblich zur Entwicklung des International Style beigetragen. Zu seinen wichtigsten Werken gehören das Salk Institute im kalifornischen La Jolla, das Kimbell Art Museum im texanischen Fort Worth und das Parlament von Bangladesch in Dhaka. Typisch ist hier die Tatsache, dass Kahn niemals die Schwere seiner Bauten und ihren monolithischen Charakter, ihre Materialität und Fertigung verbarg, sondern explizit in den Vordergrund trug. Einen Einblick in das Werk gibt nun die erste Kahn-Retrospektive seit zwei Jahrzehnten, die das Vitra Design Museum präsentiert. Gezeigt werden eine bislang noch nie präsentierte Vielfalt an Architekturmodellen, Originalzeichnungen und Reiseskizzen, Fotos und Filmen. Dabei werden alle wichtigen Projekte Kahns ausführlich dokumentiert – von seinen frühen Stadtplanungen und Einfamilienhäusern bis zu monumentalen Spätwerken wie dem Roosevelt Memorial, das im Oktober 2012 posthum fertiggestellt wurde. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehören ein vier Meter hohes Modell des spektakulären City Tower für Philadelphia sowie nie gezeigte Filmaufnahmen von Nathaniel Kahn, dem Regisseur des Films „My Architect“. Interviews mit Architekten wie Frank Gehry, Renzo Piano, Peter Zumthor oder Sou Fujimoto ergänzen die Ausstellung und zeigen Kahns fortwährende Bedeutung auf. Wie Kahn zu so einer bedeutenden Vorbildrolle für Architekten im 20. Jahrhundert werden konnte, erschließt sich oftmals weniger aus seinen Bauten denn aus seinen Plänen, Konzepten und den Inhalten seiner Vorlesungen. Baumeister wie Isamu Noguchi haben Kahn einen „Philosophen unter den Architekten“ genannt und damit den eigentlichen Kern und Wert seiner Arbeit genau beschrieben. Heute sind seine Arbeiten in vielerlei Hinsicht Vorbild. Als realisierte Architektur, als Architekturtheorie, als soziologische Philosophie, aber auch als Inspirationsquelle für junge Künstler. Thomas Florschuetz beispielsweise, Berliner Fotograf, hat sich in seinen großformatigen Bildern mit der Defragmentierung von Architektur auseinandergesetzt und anhand zweier Bauten Kahns eine Detailanalyse unternommen. Im Grunde ist Architektur von Natur aus auf eine solche breite Rezeption angelegt. Doch nur wenigen gelang und gelingt es in einem Maße wie Kahn, zu solch einer Bandbreite von Reaktionen und Inspirationen anzuregen. Louis Kahn – The Power of Architecture 23. Februar 2013 bis 11. August 2013, Vitra Design Museum, Weil am Rhein 45


MARGARET BOURKE-WHITE Margaret Bourke-White war in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges die Fotografin der USLuftwaffe. Sie wurde nicht nur zur Zeitzeugin, sondern ging mit ihren zu dieser Zeit entstandenen Fotografien ebenfalls in die Geschichte ein. Bereits zu Lebzeiten war sie ein Medienstar und eine wahre Kämpfernatur. Türen blieben für sie nie verschlossen und falls doch, dann brach sie diese schlichtweg auf. Erstmals wird im MartinGropius-Bau in einer Kooperation mit La Fábrica Madrid, dem Preus-Museum Norwegen, der Syracuse University sowie mit dem Fotomuseum Den Haag eine große Anzahl Fotografien der hochgeschätzten Fotoreporterin ausgestellt. In einer von Männern dominierten Welt setzte sie mit herausragendem Mut und Engagement Meilensteine im Fotojournalismus. Ausgestellt werden zusätzlich auch Auszüge ihrer Briefwechsel mit Menschen aus Politik und Kultur. Berücksichtigt wurde auch der Wunsch der Besucher nach einem tieferen Verständnis und einer komplexeren Darstellung ihrer Arbeiten durch einen Dokumentationsteil, der einige ihrer Bildstrecken mit Texten zeigt und die in Magazinen, wie Fortune und Life, zu sehen waren. Bis zum 16. April 2013 kann die Sammlung über das Leben und Wirken Margaret Bourke-Whites der Jahre 1930 bis 1945 im Berliner Austellungshaus besichtigt werden. QM-Red. www.berlinerfestspiele.de

Margaret Bourke-White. Fotografien 1930–1945 Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Berlin, 18. Januar 2013 bis 14. April 2013 46


AUSSTELLUNGEN Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Button’s best Il Bottone, Arte e Moda. Musei Mazzucchelli 2 via G. Mazzucchelli Ciliverghe di Mazzano 16. Dezember 2012 bis 7. April 2013

Begonnen hat Franco Jacassi als Kunstgalerist und Bücherliebhaber, bis er sich schlussendlich dem Sammeln hochklassiger Vintage-Mode verschrieb. Nach Jahren des Sammelns exquisiter Bekleidungsraritäten und zahlreichen Ausstellungen in diesem Bereich richtete Jacassi in den vergangenen Jahren ebenfalls sein Auge auf Schätze anderer Art. So begann er antike Knöpfe zu sammeln. Unter dem Titel “Il Bottone. Arte e Moda” stellt Franco Jacassi nun erstmals seine große Knopfsammlung den Besuchern des Musei Mazzucchelli in dem norditalienischen Ort Mazzano in der Provinz Brescia in einer einzigartigen Ausstellung zur Verfügung. So befinden sich in der überwältigenden kostümhistorischen Sammlung Jacassis, die bis zum 30. April besichtigt werden kann, Knöpfe des späten Empires und der Krinolinenzeit bis hin zu Knöpfen der Siebziger und Achtziger. QM-Red. www.museimazzucchelli.it

FERDINAND HODLER Im ersten Korinther Brief heißt es, dass die Liebe alles erträgt, an alles glaubt, alles erhofft, allem stand hält. Dass sie niemals aufhört. In einem Raum der Fondation Beyeler ist man geneigt diesen neu testamentarischen Auszug zu zitieren. In diesem werden die ergreifenden Werke zu dem Leiden und Sterben der Valentine Godé-Darel ausgestellt, welche die langjährige Geliebte von Ferdinand Hodler war und in dieser Zeit vielfach von ihm porträtiert wurde. Das Schweizer Museum zeigt neben den dramatischen Arbeiten jedoch auch die Werke, die aufzeigen, dass kein anderer Künstler das Selbstverständnis der Schweiz so prägte, wie der Berner Meister. Im Jahr 1900 verlieh man dem Kunstschöpfer die Goldmedaille für drei seiner ausgestellten Werke im Rahmen der Weltausstellung in Paris, worauf er eine der einflussreichsten Personen in der Kunstszene wurde. Erstmals zeigt das Museum die Spätwerke des Künstlers Ferdinand Hodler, der ein Träger des schweizer Symbolismus und des Jugendstils war. www.fondationbeyeler.ch Ferdinand Hodler Fondation Beyeler, Baselstraße 101, 4125 Riehen/Basel 27. Januar 2013 bis 26. Mai 2013 47


BÜCHER Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Der Berlin Design Guide Berlin ist die flächengrößte Stadt Mitteleuropas und seit ein paar Jahren entwickeln sich in dieser Stadt sämtliche Szenen. Ob es Mode, Kunst oder Design ist. Gestalten publizierte nun den Berlin Design Guide. Dieses Buch ist eine Art Hymne an die schöne und einzigartige Bundeshauptstadt Deutschlands. In der veröffentlichten Ausgabe, welche auch ein bisschen als Ratgeber verstanden werden kann, verschafft Gestalten einen selektierten Überblick über Labels, wie Lala Berlin oder Alexander Scheer, Museen, wie das Buchstabenmuseum, und vieles weitere, was mit Design in Verbindung gebracht werden kann. QM-Red.

The Berlin Design Guide Verlag: Gestalten Januar 2013 256 Seiten

Da sein, Verlag: Édition Guy Binsfeld Oktober 2012 208 Seiten

Weltenbummler Wenn jemand eine Reise unternimmt, dann bitte nur mit exzellentem Reisegepäck. Louis Vuitton ist seit Anbeginn für erstklassige und stilsichere Reisegüter bekannt. Nun publizierte das Unternehmen in Zusammenarbeit mit den Verlagen Abrams Books und Édition Xavier Barral ein Werk über den vielreisenden Gaston-Louis Vuitton, der Enkel des Firmengründers Louis Vuitton. Von Biarritz über Venedig bis hin zu Städten im Land der Mitte: Vuitton zog es in die Ferne und so entstand eine unsagbar vielfältige Kollektion an Reiseetiketten, welche zu jener Zeit als kleine Andenken auf den Koffern der Hotelgäste befestigt wurden. Dieses Buch zeigt exklusiv die gute alte Zeit des stilvollen Reisens. QM-Red. World Tour, Verlag: Abrams Books/Édition Xavier Barral, März 2013, 512 Seiten

Da sein Besinnt man sich, so gibt es Worte in unserem Sprachgebrauch, die in verschiedenen Lebenssituationen unterschiedliche Bedeutungen haben. Im Kern ähnlich, gibt es den Abschied und den Abschied, welche beide schmerzlich sind und doch ist der eine für die Ewigkeit. Petra Marion Kunschert beschreibt in ihrem tiefberührenden Romanwerk die Momente, in denen eine Mutter ihrer Tochter Lebewohl wünscht und sich diese im Gegenzug auf ein Nimmerwiedersehen einstellen muss. Rührend schildert sie auch die Ängste und die Stärken zweier Charaktere, die lernen müssen, mit einem Sterbeweg umzugehen, und zudem verstehen, dass die Furcht auf einem solchen Weg in Zweisamkeit an Gewalt verlieren kann. Dieser Roman schafft es sogar, uns eine Aussicht auf Humor und Fröhlichkeit zu geben. QM-Red.


BÜCHER Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

In and out of Fashion

In and out of Fashion Verlag: Prestel Januar 2013 296 Seiten

Die niederländische Fotografin Viviane Sassen ist weltweit eine der besten Fotografinnen unserer Zeit. Die Künstlerin studierte Mode, Fotografie und Bildende Künste in Arnheim und Utrecht, etablierte sich nach ihren ausführlichen Studien im Bereich der Fotografie und macht mittlerweile Kampagnen für große Häuser wie Louis Vuitton, Miu Miu und Diesel. Neben ihrer Arbeit als Modefotografin ist sie jedoch auch ihren weiteren Leidenschaften, der Kunst- und Dokumentarfotografie, treu geblieben. Wurde jüngst das Buch „Parasomnia“ als Siegertitel mit dem Deutschen Fotopreis 2013 ausgezeichnet, ist sie zudem stolze Preisträgerin des ICP Infinity Award und des Prix de Rome, welchen sie im Jahr 2007 gewann. Nun veröffentlichte das Verlagshaus Prestel, das zu den international bedeutendsten Verlagen im Metier der Kunst, Architektur, Design und Fotografie zählt, den Band „In and out of Fashion“. Dieser kollektive Bildband mit Texten von Charlotte Cotton und der Kuratorin Nanda van den Berg, die am Huis Marseille in Amsterdam tätig ist, zeigt die hohe Kreativität der Aufnahmen von Viviane Sassen und ist eine repräsentative Visualisierung für die durch Leidenschaft geprägten Arbeiten dieser Fotografin. QM-Red.

RASANT Mit Formel 1 verbinden viele Menschen junge, attraktive Fahrer, Boxenluder, schnelle Autos und Champagnerduschen. Werner Eisele war jedoch kein Fotograf, der mit seiner Kamera nur die banalen, geschweige denn die großen und imposanten Momente einfing, sondern im Speziellen auch die kleinen und ruhigen. Durch eine Kooperation des Labels Marc O’Polo mit Collection Rolf Heyne entstand diese einzigartige Neuauflage mit Texten in deutsch und englisch. In dem umfangreichen Bildband, welcher ein gesammeltes Lebenswerk des Fotografen und ein Werk über den historischen Formel-1-Rennsport ist, warten auf den Betrachter aussagekräftige Bilder, die legendäre Rennfahrer, wie Jacky Ickx und Graham Hill, in sehr persönlichen Momenten sowie Situationen zeigen, die fern von Fanmassen, Glanz und Gloria sind. Doch auch die spektakulären Siege nach rasanten Wettfahrten erfasste Werner Eisele mit seinem Fotoapparat und dokumentierte mit seiner Arbeit somit die Risiken, Gefahren und gleichzeitig die Faszination am Rennsport. QM-Red. Formel 1 Legenden, Verlag: Collection Rolf Heyne Februar 2013, 256 Seiten 49


MOTION Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Mercedez G 65 AMG

ECHT

Die meisten Menschen werden mit Mitte 30 etwas ruhiger. Man beginnt damit, sich auf ein geordnetes Leben mit der eigenen Familie zu konzentrieren und einem möglichst sicheren Job nachzugehen. Die Eskapaden und ausufernden Feste werden weniger, schließlich ist man ja nicht mehr der Jüngste. Kurz, man wird erwachsen. Seit 34 Jahren wird die G-Klasse von Mercedes-Benz gebaut und die neueste Version, der G 65 AMG, ist zweifellos erwachsen. Ruhiger ist der Kraftprotz dabei aber auf keinen Fall geworden. Denn mit seinem AMG 6,0-Liter-V12-Biturbomotor dringt die stärkste GKlasse aller Zeiten in völlig neue Leistungsregionen vor. Seit jeher gilt die Mercedes-Benz G-Klasse als eines der geländegängigsten und gleichzeitig alltagstauglichsten Autos der Welt. Der

1974 Der erste fahrbereite Prototyp des G-Modells wird erprobt. 1979 Die Mercedes-Benz G-Klasse wird 1979 in Südfrankreich vorgestellt. Das Einstiegsmodell hat einen Vierzylinder-Dieselmotor mit 2,4 Litern Hubraum und 72 PS.

50

1980 Das Papamobil ist ein perlmutweiß lackierter MercedesBenz 230 G, er begleitet Papst Johannes Paul II auf zahlreichen Reisen.

1981 Die erste Modellpflege steht an. Viele Extras für den knallharten Geländeeinsatz, wie Zusatztanks, Tropendach, Scheinwerferschutzgitter oder Seilwinde sind jetzt erhältlich. Statt fünf stehen jetzt 22 Farbtöne zur Verfügung.

1982 Der 230 G kommt ab sofort mit Benzineinspritzung an Stelle eines Vergasermotors. Recaro-Sitze, Zusatzheizung, Breitreifen und Kotflügel-verbreiterung sind auf Wunsch lieferbar.

1992 1987 Im Juni 1992 wird Die vierte Modelldas 1.00.000. pflege bringt neue Modell der Sonderausstattungen G-Klasse und der Luxus hält produziert. langsam Einzug. Gleichzeitig beginnt die Planung für die spätere Modellreihe 463.


Mercedes-Benz EnerG-Force Concept Car

FETT

G 65 AMG untermauert diesen Ruf, denn trotz der exklusiven Ausstattung handelt es sich noch immer um einen knallharten Hochleistungsgeländewagen. Der zwangsbeatmete Zwölfzylinder erzeugt stattliche 612 PS und ein atemberaubendes Drehmoment von 1.000 Newtonmetern. Diese rohe Gewalt wird mit einem neuen 7-Gang-Automatikgetriebe an die 20“ Räder gebracht, hinter denen sich eine entsprechend großzügig dimensionierte Bremsanlage mit rot lackierten Sätteln verbirgt. Mit seinen seitlichen Doppelendrohren, der speziellen Frontschürze mit den riesigen Lufteinlässen und vielen weiteren Details, versucht der kantige Riese gar nicht erst, seine schiere Power zu verstecken.

1997 Das Cabrio der G-Klasse bekommt ein elektropneumatisches Verdeck und wird somit Boulevard tauglich. Gleichzeitig halten stärkere Motoren Einzug.

1998 Der neue G 500 steht mit beeindruckenden 296 PS in den Startlöchern, spätestens jetzt ist die G-Klasse im Jet-Set angekommen und muss sich längst nicht mehr nur als Lastesel beweisen.

2000 Die neuen Modelle werden mit neuem Interieur für noch mehr Komfort auf dem Pariser Automobilsalon vorgestellt.

Der Innenraum präsentiert sich allerdings elegant und komfortabel. Leder, Alcantara® und Holz sorgen hier für die nötige Klasse und das wunderbare Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Die spezielle Lederausstattung mit Rautenoptik wurde eigens für dieses Modell entworfen und kommt serienmäßig zweifarbig daher und passt hervorragend zum weißen Klavierlack der Mittelkonsole. Durch die integrierte Ambientebeleuchtung wirkt der Innenraum vor allem bei Nachtfahrten noch großzügiger und behaglicher. Bei seiner Einführung im Jahr 1979 hatte das Einstiegsmodell gerade mal 72 PS, die von einen 2,4-Liter-Diesel erzeugt wurden. Dazu gab es ein funktionales, aber doch sehr spartanisches Interieur. Weiter weg könnte der G 65 AMG kaum sein, erwachsen werden ist nämlich nicht immer das Schlechteste.

2009 Die G-Klasse wird 30 Jahre alt. Zum Jubiläum präsentiert Mercedes-Benz die Sondermodelle EDITION30 und EDITION30.PUR.

2013 So kennen wir den G65 AMG der G-Klasse von Mercedes Benz heute.

2020 Mercedes-Benz Ener-G-Force Concept Car. So vermag sich die G-Klasse im Jahr 2020 präsentieren.

51


Abonnieren Sie viel Lifestyle zum kleinen Preıs 4 × Objexts für

8 × Quality für

24 €

40 € oder zusammen für

60 €

Sichern Sie sich das Jahres-Abo zum Sonderpreis Ja, ich möchte abonnieren. Ich erhalte acht Ausgaben von Magazine frei Haus und bezahle dafür € 40,00 (inkl. MwSt.). Der Preis pro Exemplar beträgt somit € 5,00 statt € 6,80 (inkl. MwSt.) bei Einzelkauf. Das Abonnement kann ich jederzeit kündigen. Das Abonnement verlängert sich automatisch, wenn ich nicht vier Wochen vor Ablauf kündige. ............................................................................................................................................... Datum, Unterschrift

abonnieren. Ja, ich möchte und Ich erhalte vier Ausgaben von und acht Ausgaben von Magazine frei Haus und bezahle dafür € 60,00 (inkl. MwSt.). Der Preis pro Exemplar beträgt somit € 5,00 statt € 6,80 (inkl. MwSt.) bei Einzelkauf. Das Abonnement kann ich jederzeit kündigen. Das Abonnement verlängert sich automatisch, wenn ich nicht vier Wochen vor Ablauf kündige.

...............................................................................................................................................

RECHNUNGSADRESSE

LIEFERADRESSE (falls abweichend)

.................................................................................. Name, Vorname

................................................................................. Name, Vorname

.................................................................................. Straße, Hausnummer

................................................................................. Straße, Hausnummer

.................................................................................. PLZ, Ort

................................................................................. PLZ, Ort

.................................................................................. Telefon und E-Mail-Adresse

................................................................................. Telefon und E-Mail-Adresse

Auslandsbestellungen: abo@quality-magazine.ch Ich zahle per Bankeinzug

Kreditkarte (VISA, Amex, Diners, Mastercard)

Rechnung

Datum, Unterschrift

GARANTIE Die Bestellung kann innerhalb von 14 Tagen schriftlich beim Aboservice Quality/Objexts Magazine, Nithackstr.7, 10585 Berlin oder per Fax unter der Nummer +49 30 257607344 widerrufen werden. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs. Das Abonnement gilt für a) 4 Ausgaben Objexts Magazine b) 8 Ausgaben Quality Magazine c) 12 Ausgaben Objexts/ Quality Magazine und verlängert sich automatisch um ein weiteres Jahr, wenn nicht acht Wochen vor Ablauf der Bezugszeit schriftlich beim Aboservice Quality/Objexts Magazine bzw. unter der oben genannten Faxnummer gekündigt wird.

.................................................................................. Bankleitzahl

................................................................................. Konto-Nr.

....................................................................................................................................................................... Geldinstitut .................................................................................. Kartennummer

................................................................................. Gültig bis

........................................................................................................................................................................... Datum, Unterschrift

Coupon ausfüllen und an folgende Adresse schicken: Quality Magazine Aboservice, Nithackstr. 7, 10585 Berlin oder faxen: +49 30 257 607 344 oder im Internet (auch Einzelheftbestellung) unter www.quality-magazine.ch Informationen zum Quality Magazine-Abonnement: E-Mail an: abo@quality-magazine.ch, Tel. +49 30 257 607 340

Oder abonnieren Sie

Magazine einfach und bequem unter:

www.quality-magazine.ch


APPS Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Für unterwegs, zwischendurch oder ab und an — unsere Top-Apps sind sowohl zweckdienlich als auch unterhaltsam. Mit diesen mobilen Anwendungen erleichtern wir das Leben und erinnern an die guten alten Zeiten. QM-Red.

DESIGN ICON CHAIRS Ob in Film und Fernsehen, der Musik oder der Kunst, wir werden ständig mit Ikonen konfrontiert. Die Design Icon Chair-App konfrontiert uns mit Ikonen ganz anderer Art. Nämlich mit Stuhlklassikern aus vergangenen Jahrzehnten.

RETRO HOLLYWOOD HOMES Wer schon immer wissen wollte, wo große Hollywoodstars ihre vier Wände hatten, der hat mit dieser App viel Vergnügen. Retro Hollywood Homes zeigt die ehemaligen Residenzen und deren Lage, wie beispielsweise die von Elizabeth Taylor oder Dean Martin.

OMA’S COOKING Nirgendwo schmeckt es so gut wie bei der eigenen Oma. Oma’s Cooking ist eine App mit Rezepten, die aus dem guten alten Kochbuch der eigenen Großmutter sein könnten. Mit dieser App gelingt jedes Gericht und es schmeckt wie in Kindertagen.

GOOD NOTES Diese App ist wirklich eine tolle Erfindung. Mit ihr lassen sich Notizen und Texte handschriftlich festhalten. Einfach mit dem Finger über die Bildfläche gehen und schon entsteht der ganz persönliche Eintrag.

RETRO MAGAZINES Mit Retro Magazines lassen sich, egal ob Burda, Playboy oder Vogue, alte publizierte Exemplare abrufen. So kann man auf dem Weg zur Arbeit eine Zeitreise in das Jahr 1954 machen und beim Aussteigen landet man wieder im Jahr 2013.

HÄNSEL UND GRETEL Oftmals haben Menschen Schwierigkeiten, sich neue, zurückgelegte Wege im Kopf einzuprägen. Für diesen Fall gibt es jetzt keine wetterfesten und nicht verzehrbaren Brotkrumen, sondern die App Revisit, die, eingeschaltet, den getanen Weg anzeigt und so die Wiederkehr vereinfacht.

53


gett‘n ready BY OLIVER RAUH

54


blouson VERSACE pants HANNES ROETHER

55


turtleneck PRADA cardigan DRYKORN pants VERSACE

56


jacket/pants/boots BOTTEGA VENETA belt Z ZEGNA


jacket/pullover HUGO pants/shoes PRADA

58


cardigan FALKE pants SALVATORE FERRAGAMO shoes HUGO


coat/pants LOUIS VUITTON shirt SALVATORE FERRAGAMO

60


production/styling: oliver rauh @ oliverrauh.blogspot.com / grooming/hair: sigi kumpfm端ller @ fame-agency.de using chanel/sebastian professional / styling-assistance: florian rogoss / model: florian @ kultmodelagency

jacket FALKE turtleneck/pants Z ZEGNA boots MAISON MARTIN MARGIELA

61


LICHT GESTALTEN

„LICHT IST EIN MATERIAL, DAS SICH VERFORMEN L ÄSST.“ Inter view mit Tokujin Yoshioka von Norman Kietzmann

„The Invisibles“, Kartell Gallery

62


„Kind des Lichts“

Tokujin Yoshioka geht an die Grenzen der Materialität. Erinnert sein Sessel „Bouquet“ an ein Möbel gewordenes Blütenmeer, wird sein „Pane Chair“ wie Brot im Ofen gebacken, während sich seine Möbelserie „Invisibles“ optisch in Luft aufzulösen scheint. Alles nur Spielerei? Von wegen. Denn trotz ihrer Leichtigkeit sind Yoshiokas Arbeiten alles andere als gestalterische Luftnummern. Sie experimentieren mit Materialien, ohne vordergründig technisch zu wirken. Sie sind Avantgarde in archaischem Gewand und bringen den Zeitgeist damit treffend auf den Punkt. Ein Gespräch über unendliche Stühle, kristalline Aquarien und seine Verbindung zu Henri Matisse.

Herr Yoshioka, Ihre Entwürfe kommen stets mit einer leichten, beinahe zerbrechlichen Erscheinung daher. So wirkt ihr Stuhl „Memory“ für Moroso (2010) wie eine Wolke aus Aluminiumfolie und entpuppt sich erst beim vorsichtigen Draufsetzen als funktionales Möbelstück. Wollen Sie den Betrachter an der Nase herumführen? Wenn man allein an der Form von Produkten arbeitet, kann man kaum einen Schritt nach vorne gehen. Es gibt heute so viele Möbel, die sich sehr ähneln, weil sie alle aus denselben Materialien gefertigt sind. Ich denke, als Designer müssen wir uns mindestens genau so viele Gedanken über die Materialien machen wie über die Form oder Funktion eines Objektes. Mit „Memory“ wollte ich einen Stuhl entwerfen, der anstelle einer statischen Form eine unendliche Anzahl an Variationen zulässt, die von den Benutzern nach Belieben verändert werden können. Wie bei einem Spiel. Auch wenn das Material auf den ersten Blick wie Aluminiumfolie aussieht, ist es in Wirklichkeit ein weicher, komfortabler Stoff, in dem man bequem Platz nehmen kann. Erwartungen zu brechen, finde ich sehr reizvoll. 64


65


Wenn ich an einem Gegenstand arbeite, kommt die Ästhetik an letzter Stelle. Sie ergibt sich aus den Materialien und der Verarbeitung, für die ich mich zuvor entschieden habe.

Der PANE Stuhl geht durch fast die gleichen Schritte wie Brot backen: Ein Block von gerollten Fasern eingefügt in eine Papierhülse wird in einem Brennofen bei 104 Grad „gebacken“.

HONEYCOMB, von 2D zu 3D: Bienenwaben sind Architektur. Dieser Stuhl ist mit Platten aus Pergamentpapier zusammengesetzt und entfaltet beim Aufklappen eine wabenförmige Struktur. Die endgültige Form des Stuhls entsteht durch seinen Gebrauch.


Für Ihr Sofa „Paper Cloud“ für Moroso (2009) haben Sie Papier wie einen drappierten Stoff verarbeitet. Woher wissen Sie, wie weit sich bestimmte Materialien ausreizen lassen? Ich entwickle ja keine grundlegend neuen Technologien, sondern nutze immer Dinge, die bereits vorhanden sind. Ich versuche dann, auf diese Technologien aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu schauen. Dass mich Stoffe interessieren, hat sicher mit meiner Arbeit für Issey Miyake zu tun, der auch sehr spezielle Stoffe verwendet hatte. Auch wenn ich nicht an den Modekollektionen, sondern ausschließlich an Accessoires für ihn gearbeitet habe, konnte ich mir ein großes Wissen über alle Arten von Materialien aneignen. Allerdings verwende ich sie immer aus der Sicht eines Industriedesigners und nicht der eines Modemachers. Ich habe nicht das Wissen, um Dinge allein aus Stoff zu fertigen.

Ich wollte die natürlichen Wachstumsprozesse nutzen, nach denen sich Kristalle in der Natur bilden. Würden Sie sagen, dass die Materialien bei Ihnen an erster Stelle stehen? Ja, bei jedem Projekt. Wenn über mein Design gesprochen wird, fallen immer Begriffe wie minimalistisch, organisch oder dergleichen. Aber das ist mir nicht wichtig. Ich denke, Design ist vor allem ein gedanklicher Prozess, der zugleich sehr stark von Gefühlen geleitet wird. Das macht ihn sehr persönlich. Wenn ich an einem Gegenstand arbeite, kommt die Ästhetik an letzter Stelle. Sie ergibt sich aus den Materialien und der Verarbeitung, für die ich mich zuvor entschieden habe.

Foto @ Nacása & Partners Inc.

VENUS (2007), ein natürliche Kristall-Stuhl, gebildet mit den Gesetzen der Natur: winzige Eiskristalle in einem Aquarium „wachsen“ im Laufe der Zeit zu einer Form.

Maison Hermes Window Display, 2010: Die Frau auf dem Bild scheint den Schal flattern zu lassen

67


Wie kann man sich Ihren Arbeitsprozess vorstellen? In Ihrem Tokioer Büro beschäftigen Sie derzeit neun Mitarbeiter. Wir arbeiten sehr häufig mit Modellen, auch wenn unser Raum gar nicht so groß ist. Zusammen haben wir drei Etagen, die allerdings sehr schmal sind. Auf den ersten Blick wirkt es gar nicht wie ein Designbüro, da der gesamte Boden mit Materialproben angefüllt ist. Ich kann auf diese Weise auch die Wirkung besser einschätzen, die diese Materialien aus einer gewissen Distanz entfalten. Wir arbeiten ja nicht nur an Produkten, sondern häufig an Installationen, die ganze Räume füllen. Mir ist dieser Teil der Arbeit immer sehr wichtig, weil ich meine Ideen durch Installationen oft schneller und direkter ausdrücken kann als durch einzelne Produkte. Der Entwicklungsprozess im Design ist oft sehr langsam und von unzähligen Einschränkungen bestimmt.

Für Ihre Installation „Stellar“, die im Rahmen des Swarovski Crystal Palace während der Mailänder Möbelmesse 2010 gezeigt wurde, haben Sie einen gesamten Raum in Nebel gehüllt. Welche Rolle spielen Aggregatszustände bei der Betrachtung von Design? Das Konzept der Installation bestand darin, dass ich einen künstlichen Stern aus Kristallen zeigen wollte. Den Nebel habe ich nur verwendet, damit das Licht auf eine intensivere Weise wahrgenommen wird. Ich wollte die natürlichen Wachstumsprozesse nutzen, nach denen sich Kristalle in der Natur bilden. Mit einem ähnlichen Prozess hatte ich bereits 2008 bei meinem „Venus Chair“ experimentiert. Für „Stellar“

habe ich einen Block aus weichen Polyesterfasern in ein großes Aquarium gegeben und mit einer Lösung aufgefüllt, in der zuvor Mineralien geschmolzen wurden. Auf den Polyesterfasern haben sich daraufhin Kristalle gebildet und auf natürliche Weise Stück für Stück zur späteren Struktur verdichtet. Es hat fast einen Monat gebraucht, bis das Wachstum abgeschlossen war. Die Idee zu dem Projekt stammt zwar von mir, doch die Umsetzung hat allein die Natur bewirkt.

Würden Sie Ihre Arbeit als typisch japanisch bezeichnen? Ich bin nicht sicher. Die Leute sagen mir zwar immer wieder, wie japanisch sie meine Arbeiten finden. Aber das ist schwierig für mich einzuschätzen. Vielleicht hat es damit zu tun, dass die Natur immer eine wichtige Rolle für mich spielt, auch wenn ich sie oft auf eine abstrakte Weise thematisiere. Aber so genau weiß ich es nicht. Die Dinge kommen einfach aus mir heraus.

Konzeption einer „Rainbow Church“ (Seoul 2010), inspiriert durch Henri Matisse: Viele hundert Glasprismen brechen das Tageslicht in seine Spektralfarben

68


Erwartungen zu brechen, finde ich sehr reizvoll.


Design ist vor allem ein gedanklicher Prozess, der zugleich sehr stark von GefĂźhlen geleitet wird. Das macht ihn sehr persĂśnlich.

70


„Nichts ist für die Ewigkeit“

Vielleicht liegt es an der Leichtigkeit und Transparenz Ihrer Entwürfe. Die für Kartell entworfene Möbelserie „Invisibles“ (2010) haben Sie aus mehreren Blöcken transparenten Acrylglases gefertigt. Wer auf dem Sessel Platz nimmt, scheint in der Luft zu schweben. Mich fasziniert Transparenz, weil sie nie statisch ist. Wenn Licht auf transparente Gegenstände trifft, beginnen sie automatisch, sich zu verändern und auf ihre Umgebung zu reagieren. Licht ist ein sehr wichtiger Teil in meiner Arbeit. Ich nutze es beinahe selbst wie ein Material, das sich verformen und bearbeiten lässt. Als Vorlage für die „Invisibles“ diente übrigens eine gläserne Bank, die ich für mein Büro in Tokio entworfen hatte. Als mich Claudio Luti, der Chef von Kartell, besuchte, gefiel ihm diese Bank und er fragte mich, ob es möglich wäre, dasselbe Konzept auch in Kunststoff umzusetzen. Und so begann das Projekt, das jedoch alles andere als leicht war. Denn transparenter Kunststoff lässt sich nur sehr schwer verarbeiten. Jeder Fehler – auch wenn er an der Innenseite der Objekte passiert – ist schließlich sofort sichtbar. Die Herausforderung lag also vor allem auf der technischen Seite. Für die Präsentation der Objekte haben Sie eine Installation von hunderttausenden transparenten Kunststoff-Stäbchen in den Schaufenstern des Mailänder Kartell-Showrooms platziert. Können Sie sich vorstellen, auch Räume zu gestalten, die nicht nur temporär sind, sondern bleiben?

Die Verbindung zur Architektur hat mich schon immer gereizt. Künftig möchte ich stärker in diese Richtung arbeiten. In Seoul habe ich vor drei Jahren das Projekt „Rainbow Church“ vorgestellt, das mir schon durch den Kopf ging, als ich Anfang zwanzig war. Ich besuchte damals die Rosenkranzkapelle in Vence in der Nähe von Nizza, die von Henri Matisse gestaltet worden war. Der ganze Raum war von seinen wunderbar-leuchtenden Farben erfüllt, die durch das helle Sonnenlicht verstärkt wurden. Dieser Eindruck hat mich nicht wieder losgelassen. Seitdem wollte ich ein Gebäude entwerfen, in dem sich Licht auf eine ähnlich intensive Weise erfahren lässt. Aber warum ausgerechnet eine Kapelle? Haben Sie einen starken Glauben? (lacht) Nein, ich bin nicht religiös. Doch die Kapelle in Vence gab mir eine sehr konkrete Vorstellung von der Raumwirkung, die ich erreichen wollte. Denn Licht nimmt man in einer Kirche viel intensiver wahr als in jedem anderen Raum. Mein Entwurf für die „Rainbow Church“ ist allerdings kein ganzes Gebäude, sondern lediglich ein Fenster. Es ist neun Meter hoch und besteht aus fünfhundert vertikalen Prismen. Wenn das Sonnenlicht in sie hineinfiel, warfen sie ein ganzes Feld aus Regenbogenmustern auf den Boden, das sich mit dem Stand der Sonne ständig veränderte. Für mich lag darin der erste Schritt in Richtung Architektur. Auch wenn es im Moment noch zu früh ist, möchte ich irgendwann einmal auch ein ganzes Gebäude entwerfen. Wer weiß, vielleicht wird es ja eine Kirche.

Zur Person: Geboren 1967 in der japanischen Präfektur Saga, studierte Tokujin Yoshioka an der Kuwasawa Design School in Tokio unter den Designlegenden Shiro Kuramata (19871988) und Issey Miyake (1988-1992) Industriedesign. Miyake war nicht nur sein Professor, sondern wurde zu seinem späteren Arbeitgeber und Mentor, mit dem ihm bis heute eine über 20-jährige Zusammenarbeit verbindet. Mit der Gründung seines eigenen Designbüros in Tokio im Jahr 2000 begann Yoshioka den experimentellen Umgang mit Materialien und Produktionsmethoden aus Miyakes Studio in die Welt des Möbel- und Interieurdesigns zu übertragen. Zu seinen Kunden gehören Marken wie Moroso, Kartell, Cartier, Hermès, Swarovski, Driade und Lexus. Seine Arbeiten sind in

Vielen Dank für das Gespräch.

der ständigen Sammlung des Museum of Modern Art in New York und dem Centre Pompidou in Paris vertreten.

71


Mother with Crocodile, Bubenreuth, Germany 2002

72


Vater und Sohn, Bubenreuth 2005

Bubenstreich aus Bubenreuth J체rgen Teller ist das Gegenbeispiel zur perfektionierten Inszenierung der Modefotografie und ist heute einer der einflussreichsten Fotografen seiner Generation. Ein Hohelied auf den mittelfr채nkischen Schnappschuss! von Manuel Almeida 73


Bjork and son, Iceland 1993

ubenreuth ist nicht unbedingt eine Weltstadt. Trotzdem hat sich ausgerechnet die rund 4.500 Seelen starke Gemeinde in der Nähe vom mittelfränkischen Erlangen einen Namen im globalen Kulturkreis gemacht. Nicht Galerien internationaler Größe oder Kunstfestivals kosmopolitischen Anspruchs geben dem Örtchen kulturelle Relevanz, ein einzelner Sohn der Stadt lässt wohl so manche Bubenreuther Brust vor Stolz schwellen – Jürgen Teller. Als Sohn einer Geigenbauerfamilie wuchs er in der bayrischen Kleinststadt auf, umgeben von Wald und Wiese, fern von Prunk und Prada – genau der richtige Ort, um ihn auf der Suche nach dem Abenteuer der großen Welt zu verlassen, und zugleich der richtige Platz, um Erdung und Inspiration in der vermeintlichen Banalität des Alltags zu finden. Jürgen Teller hat beide Impulse meisterhaft für sich genutzt. Ist er heute zweifellos einer der herausragenden Fotografen der Welt, so findet er doch stets zu seinen Wurzeln zurück. Er thematisiert Emotion und Anmut kleinstädtischer Beschaulichkeit, gibt einer SchnappschussÄsthetik, wie man sie eher in familiären Fotoalben vermutet, eine künstlerische Dimension. Diese ungewöhnlich schonungslose Herangehensweise an fotografische Techniken brachte ihm in der gefallsüchtigen Welt des modefotografischen Perfektionismus den Ruf des Enfant Terrible der Hochglanzfotografie ein. Lang schon gilt Teller als einer der einflussreichsten Fotografen seiner Generation. Zwar lässt sein Sinn für subkulturelle Kontexte durchaus Parallelen zu den Geniestreichen Wolfgang Tillmans ziehen und die oft wiederkehrende Thematisierung von Nacktheit und Sexualität – hier allerdings in deutlich charmanterer Dezenz – ähnelt dem Grundtenor eines Terry Richardson, aber besonders sein un74


75


Pettitoe, Suffolk, 2011

76


77


Kate Moss, No.12, Gloucestershire, 2010

vergleichliches Gespür für Situationen, und die sichtbare Nähe zum Porträtierten heben Jürgen Teller immer wieder auf den Sockel der Unvergleichlichkeit empor. Als einer der Letzten seiner Zunft lässt Jürgen Teller seine Bilder weitgehend unbearbeitet, hat keine Scheu den Betrachter auch mit der unansehnlichen Seite der Realität zu konfrontieren. Damit demontiert er immer wieder die glatte Perfektion als Ideal unserer Zeit. In diesem Sinne bleibt er sich treu, sogar bei Modestrecken oder

Den Betrachter teilhaben lassen, an der persönlichen Beziehung zwischen Fotograf und Fotografierten Werbekampagnen. Sind andere Riesen der Szene wie Demarchelier oder Meisel für makellos komponierte Inszenierungen einer fantastischen Welt berühmt, so fasziniert Jürgen Teller Journalisten und Designer mit seiner Fähigkeit, Brüche zuzulassen und ihnen im luxuriösem Rahmen Raum zu geben. Kampagnen für Marc Jacobs oder Céline, Strecken in der italienischen Vogue oder i-D – die großen Namen der Branche liegen Teller zu Füßen. Auch die Prominenz dieser Welt scheint dem Fotografen blind zu vertrauen und lässt sich konträr zum gängigen tadellos retuschierten Bild in unvorteilhafter Pose oder privater

Cat smoking, Hydra, 2012

78


79


Teenager, Suffolk 2010

80


Sigmund Freud‘s Couch (Malgosia), London, 2006

Atmosphäre ablichten. Damit gehört Jürgen Teller zu den wenigen Fotografen, denen der Erfolg sowohl in der kommerziellen als auch in der künstlerischen Fotografie recht gibt, ein Spagat, der seiner kompromisslosen Authentizität zu verdanken ist. Besonderen Reiz haben seine Familienporträts, seien es die Darstellungen seiner Mutter oder die liebevollen Abbildungen seines Sohnes, die einmal mehr Jürgen Tellers unnachahmliches Talent zeigen, den Betrachter seiner Bilder in die persönlichen Bindungen zwischen Fotograf und Fotografierten einzubeziehen.

Durch kompromisslose Authentizität demontiert er immer wieder die glatte Perfektion als Ideal unserer Zeit Vom 23. Januar bis zum 17. März zeigt das Londoner ICA – Institute of Contempory Arts unter dem Titel „Jürgen Teller: Woo!“ eine Auswahl an Meisterwerken des Fotografen. Arbeiten verschiedener Zeitabschnitte und unterschiedlicher Kontexte, die in bunter Symbiose die Sicht Jürgen Tellers auf die Welt nachzeichnen und mit Nachdruck beweisen, dass auch – oder gerade – in Bubenreuth Kunstgeschichte geschrieben werden kann.

81


Countdown DIE MAGIE DER HOHEN TÖNE von Christoph Vratz

Foto © Marco Borggreve, Virgin Classics

82


84

s ist die Welt der Kastraten, der Countertenöre, der Altisten. Eingefleischten Musikforschern würden die Haare zu Berge stehen, wenn man diese Begriffe unscharf nebeneinander stehen ließe, doch sie alle stehen für ein Phänomen, das lange Zeit wie tabuisiert erschien und erst in den letzten zwei, drei Jahrzehnten eine beispiellose Renaissance erlebt hat. Die Tradition der Kastraten ist alt. In der späten Renaissancezeit und im Barock schnellten Kastraten wie Farinelli und Senesino zu bleibendem Ruhm. Sie waren die Carusos und Pavarottis ihrer Zeit. Wann immer es um den Ausdruck des Magischen, des Übernatürlichen, des Spirituellen ging, wurden früher Falsettisten eingesetzt. Heute leuchtet das Ruhmeslicht über ihnen nicht mehr ganz so grell wie im Italien des späten 16. und des 17. Jahrhunderts, als sie Göttern gleich verehrt wurden; doch erstrahlen sie inzwischen wieder hell genug, um einen besonderen Zauber zu entfachen. Mit ihren hohen Tönen sind sie die Sonderlinge in der Klassik-Manege. Der Gesang von Countertenören gleicht einer Begegnung mit dem Unnatürlichen und zugleich dem Existenziellen: Er steht für eine Virtuosität, der man selbst im 19. Jahrhundert, im Jahrhundert des „Belcanto“, des – wörtlich – „schönen Gesangs“, so nicht begegnete. Denn die Virtuosität der Countertenöre bemisst sich nicht allein im Richtigen, im Korrekten, im Balsamhaften, sie verlangt immer auch eine gehörige Portion Mut – Kunst mit Gänsehaut.

Foto © Beetroot

Artaserse Libretto Cover 1730

Sie sind notorische Schummler, sie betrügen sich und das Publikum, denn sie sind „Falsettisten“, Menschen, die ihre Stimmbandränder schwingen lassen, um die Stimme in irre Höhen zu schrauben. Sie singen „falso“, falsch. Sie drehen zurück, was dem menschlichen Ohr vertraut scheint – den normalen Umgang mit der Stimme verweigern sie, und deswegen sind wir von ihnen betört, begeistert, verzückt.


„Geist und Seele wird verwirret“ Titel einer Kantate von Johann Sebastian Bach, die er 1726 für einen Altus mit „ungewöhnlichen technischen Fähigkeiten“ komponierte.

Max Emanuel Cencic hat Risikolust in hoher Lage mit einem wachen Sinn für das Geschmeidige.

85


ass die Spezies der Falsettisten ausgerechnet zu einer Zeit wiederentdeckt wird, in der die Hochglanzklassik uns eine Welt des Rationalismus vorgaukelt, in der alles perfekt und gestylt abläuft, ist kurios. Damit einher geht jedoch eine Sehnsucht nach Authentizität, und ausgerechnet die liefern uns die „Falsch“-Sänger. Wer sich dem Einsatz der Kopfstimme, landläufig und fälschlicherweise auch „Fistelstimme“ genannt, verschreibt, wer also eine Oktave höher singt und spricht als normal, der gaukelt uns einerseits eine unnatürliche Welt vor; andererseits kann sich, wer sich tatsächlich singend durch diese abnormen Höhen bewegt, nicht verstellen: er muss absolut glaubwürdig sein; er muss sich auf den puren Klang konzentrieren. Das bemerkte schon Charles Burney, der 1734 in London, beim Besuch von Leonardo Vincis Oper „Artaserse“, in Verzückung geriet, ja in Ekstase, und das, obwohl der Hauptdarsteller des Abends sich kaum regte: „Obwohl er während des Singens bewegungslos wie eine Statue auf der Bühne stand, war seine Stimme lebendig.“ Gemeint ist Farinelli, der bekannteste Kastrat seiner Zeit. Ihm huldigte der Adel nach Kräften. Man beschenkte ihn reich, mit Geld, mit diamantbesetzten Kniespangen. Eine Stimme, die – obwohl wir sie nie gehört haben – heute noch als Mythos gilt. Übernatürlich hoch singende Helden waren damals eben gewünscht, sie wurden verehrt. Dazu schien jedes Mittel recht.

86

Die italienische Mezzosopranistin Cecilia Bartoli, eine der großen Sängerinnen unserer Zeit, behauptete einmal: „Wir entstellen unsere Körper im Namen der Schönheit; damals zwang man Kinder.“ Was sie meint? Einen kleinen chirurgischen Schnitt im Dienste der übernatürlichen Stimme. Damals hat man aus Kindern Kastraten gemacht, zum Wohle der Kunst – ein hoher Preis, den heute niemand ernsthaft zahlen würde. Heute braucht es Veranlagung, Talent, Stimmtraining, um so singen zu können wie die vokalen Götter von einst. Einer, der die Spezies der Countertenöre verstärkt ins Rampenlicht zurückgeführt hat, ist Philippe Jaroussky. In Deutschland wurde er entdeckt, als er 2004 für einen erkrankten Kollegen einsprang. Seither zählt er zu den Stars. Seine eigene Stimme zu beschreiben, fällt Jaroussky schwer. „Vielleicht klingt sie ein bisschen nach Frühling. Auf jeden Fall hat sie etwas Junges, Frisches. Außerdem ist sie noch entwicklungsfähig. Wenn man lernt, dieses innere Instrument zum Klingen zu bringen, gilt die Aufmerksamkeit zunächst technischen Aspekten. Dann beginnt die Reflexionsphase, man stellt Fragen: Wie sollen einzelne Töne klingen? Wie die Stimme sich entfalten? Gesang ist etwas Unvergängliches.“


87

Foto: Artaserse Š Parnassus ARTS Productions, Julian Laidig


Philippe Jaroussky beherrscht die Kunst des Einfachen, des Schlichten, und so entfaltet sein Gesang immer eine eigene Magie.


Sie klingen wie irdische Engel,

Foto: © Marc Ribes & Albert Vo Van Tao, Virgin Classics

G

enau das führt uns auch sein Kollege, der aus Zagreb stammende Max Emanuel Cencic vor Ohren; er hat gerade sein neues Album „Venezia“ vorgelegt. Sein Gesang fängt die theatralische Wucht ein, die in der italienischen Musik des 17. und frühen 18. Jahrhunderts die Opernhäuser erfüllt haben muss, vor allem in Venedig, damals die Opern-Hochburg schlechthin. „Mein Wunsch ist es, die Musik dieses alten Venedig neu zu erobern und die Emotionen und Farben einer Stadt heraufzubeschwören, die einst eine Weltmetropole war“, gesteht Cencic. Dafür hat er einige Arien ausgegraben, die jahrhundertelang nicht beachtet wurden, Welt-Ersteinspielungen mit Musik von Vivaldi, Caldara und Porta. Cencic ist ein Countertenor, der sich sicher durch die stimmlichen Regionen eines Mezzosoprans bewegt, mit Risikolust in hoher Lage, aber auch mit einem wachen Sinn für das Geschmeidige, für die vielen kleinen Nuancen und Farbwechsel. Sie klingen wie irdische Engel, die Spitzen-Countertenöre von heute, sie verfügen über die nötige vokale Kraft, aber auch über die erforderliche Form von Zärtlichkeit in der Stimme, über Anmut und einem schier endlos langen Atem. Wenn sie ihre ewig langen Notenketten zu geschwungenen Girlanden verbinden, ist das kein bloßer Sport nach den Vorgaben einer Partitur, sondern eine Kunst, die etwas Ursprüngliches und zugleich Unbegreifliches besitzt. Hirnforscher und Psychologen haben bereits versucht, diesem Phänomen auf die Schliche zu kommen. Aber muss man das überhaupt? Kann man sich nicht einfach verführen lassen? Wie wird man heutzutage zum Countertenor? Philippe Jaroussky, Jahrgang 1978, hat mit elf Jahren den ersten Geigenunterricht bekommen, mit 15 kam das Klavier hinzu. „Erst mit 18 hat sich mir das Universum des Gesangs aufgetan.“ Seine Lehre-

ihre Kunst hat etwas Ursprüngliches und zugleich Unbegreifliches. rin entdeckte 1996 Jarousskys stimmliche Qualitäten, so dass er alle Gedanken an eine Laufbahn als Instrumentalist fahren ließ. „Als ich anfing zu singen, standen zunächst die technischen Aspekte im Vordergrund. Man muss lernen, die Stimme zu kontrollieren. Man muss quasi in sich selbst hineinhören, um all die gleichzeitigen Prozesse wie die richtige Atmung zu koordinieren. Erst wenn man diese Phase überwunden hat, wird man freier. Dann beginnt die Reflexionsphase: Wie soll ein Ton klingen?“ 1999 begann seine steile Karriere mit einer Aufführung des Oratoriums „Sedecia“ von Alessandro Scarlatti. Musikalisch ist Philippe Jaroussky längst ein Hochseilkünstler und Eskapist, einer, dem das Schwierigste gerade gut genug scheint. Ebenso beherrscht er die Kunst des Einfachen, des Schlichten, und so entfaltet sein Gesang immer eine eigene Magie. Seine Töne klingen wunderbar rund und bleiben dabei frei von Schärfe – eine besondere Fähigkeit, denn Falsettisten haben nun mal die Neigung zu trompetenhafter Direktheit. Jaroussky warnt davor, den Klang der Kastraten früher mit dem Klang eines Countertenors von heute zu vergleichen. „Die Kastraten konnten ihr Brustregister viel höher ziehen, wodurch sie sehr heroisch geklungen haben.“ Da die Countertenöre von heute anders klingen, ist es für Jaroussky nur legitim, hin und wieder auch anderes, nicht-barockes Repertoire zu präsentieren. „Natürlich musste ich mich zuerst einmal in dem für meine Stimmlage üblichen Repertoire behaupten, also Barock. Doch inzwischen bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass ich auch Repertoire aus Epochen singen kann, in denen es keine Countertenöre gab. Das gilt für Frühklassik und Klassik genauso wie für das Lied im 19. Jahrhundert.“ Warum nicht? Wer ihn mit Liedern des späten 19. Jahrhunderts, mit

Musik von Gabriel Fauré oder Reynaldo Hahn hört, wird nicht mehr darüber nachdenken, ob das wirklich zu einem Countertenor passt. Auf die Ausdruckskraft kommt es an, nicht auf das Stimmfach. Die Wiederentdeckung des Countertenors geht einher mit dem Sinn für die Reize des Zweideutigen. Das wusste schon Johann Sebastian Bach. 1726 komponierte er eine Kantate für einen Altus mit ungewöhnlichen technischen Fähigkeiten. Ihr Titel: „Geist und Seele wird verwirret“. CD-Tipps: Lenoardo Vinci: Artaserse; Philippe Jaroussky, Max Emanuel Cencic u.a.; Concerto Köln, Diego Fasolis (Ltg.); Virgin CD 5099960286925 „Venezia“; Opernarien des Serenissima; Max Emanuel Cencic, il pomo d’oro, Riccardo Minasi (Ltg.); Virgin CD 5099946454522

Foto: Teatro Real © Javier del Real

89


90


obsolete BY ELIZAVETA PORODINA

skirt KAVIAR GAUCHE dress SUSANNE MARX COUTURE

91


dress IRENE LUFT headpiece HEIKO PALACH

92


dress UNRATH UND STRANO gloves DIOR glasses HEIKO PALACH

93

DIGITAL OPERATER: FLORIAN HARRER / STYLING: SUSANNE MARX / HAIR/MAKEUP: HEIKO PALACH USING SHU UEMURA/CHANEL / MODEL: NELE HEINEMANN @ model-management


dress ANNA WISZNIEWSKA headpiece HEIKO PALACH

dress SUSANNE MARX COUTURE headpiece HEIKO PALACH 94


95


Sowjetische Architektur der Moderne (1955–1991) von Norman Kietzmann Lenin-Museum (jetzt Historisches Museum) 1984, Bischkek, Kirgistan


97


m Film wäre es die Kommandozentrale eines BondBösewichts, die sich an einen Hang klammert. Die Szenerie wirkt gespenstisch, als hätte ein Riese mit Hochhäusern Mikado gespielt und sie anschließend fein säuberlich im rechten Winkel übereinander gestapelt. Trotz der filmreifen Erscheinung handelt es sich bei dem Gebäude um keine Kulisse. Es ist das georgische Ministerium für Autobahnen, das 1974 im Zentrum von Tiflis errichtet wurde und auch nach über vierzig Jahren wie eine gelandete Raumstation die Blicke auf sich zieht. „Unbekannte Geschichten“ lautet der Titel einer Ausstellung im Architekturzentrum Wien, die sich auf die Spuren der Moderne in der früheren Sowjetunion begibt. Es sind sonderbare Architekturen, die mit ihren extremen Ausmaßen und kühnen Formen tatsächlich wie Wesen von einem anderen Stern erscheinen. „Als ‚Tor zum Westen‘ haben wir uns in den letzten Jahren intensiv mit der Architektur des Balkans beschäftigt. Das Projekt Sowjetmoderne erweiterte diesen Radius und entwickelte sich zu einem großen Forschungsprojekt“, sagt Dietmar Steiner, Direktor des Architekturzentrums Wien. Noch immer sind viele Bauten aus den fünfziger bis späten achtziger Jahren unzureichend dokumentiert. Ein Umstand, dem die Ausstellungsmacher mit einer über mehrere Jahre andauernden Forschungs- und Recherchearbeit entgegenwirken wollen. Ihnen gelang ein Blick auf eine differenzierte Moderne. Bauten wie die Sängertribüne von Tallinn (erbaut 1957–1960 von Alar Kotli, Henno Seppmann und Uno Tölpus), der Palast der Republik im kasachischen Almaty (entworfen 1970 von Nikolai Ripinski, W. Kim, J. Ratuschny und L. Uchobotow) oder der Sport- und Kulturkomplex in Armeniens Hauptstadt Jerewan (erbaut 1976 –1984 von Korjun Hakobjan, Spartak Chatschikjan u. a.) können den Arbeiten eines Eero Saarinens oder Le Corbusiers durchaus das Wasser reichen und zeigen eine gestalterische Vielfalt, die in das Klischee einer monotonen Sowjetarchitektur nicht passen will. 98


Auch wenn die Moderne bis zum Fall des Eisernen Vorhangs als Staatsräson galt, musste sie sich erst behaupten. Transportministerium, 1974, Tbilisi, Georgien

Unendliche Weiten und brutale Schönheiten aus Beton: Eine Ausstellung im Architekturzentrum Wien begibt sich auf die Spuren sowjetischer Architektur. Was die gezeigten Gebäude vereint, ist mehr als ihre gemeinsame Entstehungszeit. Sie oszillierten zwischen dem Pragmatismus der Planvorgaben und der Sehnsucht nach Utopien, die mit spektakulären Formen aus Beton Wirklichkeit werden sollten. 99


A uch wenn die Moderne bis zum Fall des Eisernen Vorhangs als Staatsräson galt, musste sie sich erst behaupten. Während im Westen unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs an die Architektur des Bauhauses angeknüpft wurde, setzte Stalin auf einen reich verzierten Zuckerbäckerstil. Das Hochhausensemble der „Sieben Schwestern“ in Moskau oder die Karl-Marx-Allee in Berlin zeugen noch immer von einem schwelgerischen Detailreichtum, mit dem die „Arbeiterpaläste“ ausgestattet wurden. Dass die Sowjetunion nach Stalins Tod im Jahr 1953 eine Kehrtwende vollzog und ebenso an die Moderne anknüpfte, war kein Zufall. Denn mit dem teuren wie zeitaufwendigen Baustil hätte die Wohnungsnot der Baby-Boom-Generation kaum gelöst, geschweige denn finanziert werden können. Um zu schnellen Ergebnissen zu gelangen, musste das Bauen industrialisiert werden. 90 Prozent aller Bauprojekte, so lautete die Vorgabe, sollten nach Schema F aus Fertigteilen gefertigt werden. Symptomatisch für die damalige Auffassung von Fortschritt war eine Begegnung zwischen US-Vizepräsident Richard Nixon und dem sowjetischen Präsidenten Nikita Chruschtschow im Jahr 1959. Um die angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern zu verbessern, war vorab eine Wechselausstellung beider Großmächte vereinbart worden. Konnten die Sowjets eine Leistungsschau ihrer Produkte und Erfindungen 1958 in New York ausrichten, präsentierten sich die Amerikaner im Sommer 1959 in Moskau. Zu sehen gab es in der „American National Exhibition“ Fernseher, Haushaltsgeräte, Mode, Autos sowie ein Modellhaus, das sich ein Durchschnittsamerikaner leisten konnte.

100

Vertraue nur der eigenen Sicht der Welt, niemals der Sicht, wie sie andere haben. Und traue auch deiner eigenen Sicht nur einen Moment lang. Georg Iwanowitsch Gurdjieff

Wohnhaus an der Minskaja-Straße, 1980, Bobrujsk, Weißrussland


Erholungsheim der Schriftstellervereinigung, 1965-69, Halbinsel Sewan, Armenien Lenin-Platz, 1966–1972, Taschkent, Usbekistan

In der Küche dieses Modellhauses, die der Architekt Andrew Geller aus dem Büro von Raymond Loewy entwarf, kam es zur berühmten „Küchendebatte“. Nixon lobte die Fortschritte der Sowjets bei der Raumfahrt, betonte aber, dass die Amerikaner in puncto Lebensqualität und Komfort bei Weitem die Nase vorne hätten. Chruschtschow antwortete daraufhin, dass man sich in erster Linie den lebensnotwendigen Dingen widmen würde. Statt privatem Luxus solle vielmehr der Ausbau der Schwerindustrie und der Raumfahrt im Vordergrund stehen. Dann fragte er seinen Gast überspitzt, ob dieser nicht auch noch eine Maschine parat hätte, die das Essen in dem Mund führen könne. Die Auseinandersetzung machte deutlich, was die Moderne aus sowjetischer Sicht bedeutete: Nicht die Entfaltung im Privaten habe im Mittelpunkt zu stehen, sondern die großen, staatstragenden Projekte. Über-

setzt auf die Architektur ergab sich daraus eine einfache Gleichung: Während das Wohnen nach einfachen, standardisierten Formen zu erfolgen habe, durfte der Staat den kollektiven Fortschritt stellvertretend für alle repräsentieren. Auch wenn an den Plattenbauprogrammen weiterhin festgehalten wurde, kam es unter der Präsidentschaft von Leonid Breschnew ab Mitte der sechziger Jahre zu einer Lockerung der rigiden Planvorgaben der Chruschtschow-Ära. Vor allem öffentliche Gebäude wie Regierungsbauten, Museen, Kulturzentren, Sportanlagen, Hotels oder Fernsehtürme durften aus Monotonie des rechten Winkels ausbrechen.

101


D

ass es den Sowjets gelang, mit dem Sputnik 1957 den ersten Satelliten und vier Jahre später mit Juri Gagarin den ersten Menschen ins Weltall zu befördern, ging auch an der Planung öffentlicher Gebäude nicht spurlos vorbei. Ob der Fernsehturm von Riga (erbaut 1986 von Gunãrs Asaris), das Verwaltungsgebäude der KEK Bauorganisation in Rapla, Estland (erbaut 1971–1977 von Toomas Rein) oder das Institut für Technisch-Wirtschaftliche Information und Forschung in Kiew (erbaut 1964–1971 von L. Nowikow und F. Jurjew): Mit dynamisch, kraftstrotzender Geste erweckten sie den Eindruck, als seien sie Terminals für die bevorstehende Besiedlung des Weltraums. Sie haben die Zukunft auf geradezu physische Weise greifbar gemacht. Dabei war den sowjetischen Architekten durchaus bekannt, was ihre Kollegen auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs taten. Der KGB erstellte ganze Bibliotheken mit Beispielen aktueller westlicher Architektur und holte eine Reihe internationaler Zeitschriften ins Land. Selbst eine russische Ausgabe von „L’architecture d’aujourd’hui“ wurde verlegt, während über Auslandsaufenthalte und Vortragsreisen auch reale Eindrücke westlicher Baukultur gesammelt wurden. Die Planungen auf sowjetischer Seite waren jedoch keine

102

Richard Perera, eine Art Miraculix im Barberyn Reefs Resort auf Sri Lanka kennt mehr als 2000 Kräuter. Und ihre Wirkung. Die Medikamente in dieser authentischen AyurvedaKlinik werden in eigenen Gärten angebaut und vor Ort individuell zusammengestellt.

Kopien. Sie haben die Prinzipien der modernen Architektur in eine extreme Form übersteigert, frei nach dem Motto: Was ihr könnt, können wir noch viel besser. Während der Städtebau der Moderne im Westen überwiegend an den Stadträndern umgesetzt wurde, ging man auf sowjetischer Seite mit der Altbausubstanz keineswegs zimperlich um. Die Stadt von morgen sollte vertikal statt horizontal geschichtet sein und die Enge der Altstädte zugunsten weiter Parkanlagen hinter sich lassen. Wo nicht schon der Zweite Weltkrieg Schneisen der Zerstörung hinterließ, ruckten die Abrissbagger auch intakten Vierteln zu Leibe. Der Neubeginn auf Tabula rasa, den Architekten wie Le Corbusier auch für Paris gefordert hatten, wurde

in der Sowjetunion vielerorts geschaffen. Es ist ein Paradox, dass die moderne Architektur, die sich stets als demokratische Bauform verstand, mit weniger demokratischen Mitteln am konsequentesten umgesetzt wurde.

oben: Gedenkstätte der Heldenfestung Brest, 1971, Brest, Weißrussland rechts: Sport- und Kulturkomplex, 1976–1984, Jerewan, Armenien unten: Lenin Palast, 1970, Almaty, Kasachstan


Die Gebäude oszillieren zwischen zwei Extremen: dem Pragmatismus der Planvorgaben und der Sehnsucht nach Utopien.

Balance von Binz bis Beruwela Artepuri Hotel „meerSinn“ in Binz auf Rügen, Designhotel mit Bio-Zertifikat, Vorsorge- und Regnerationsmedizin, F. X. Mayr Medizin. Preise je nach Saison ab 135 Euro im Einzel-, ab 105 im Doppel-Zimmer pro Person/Nacht. Tipp: F.X.Mayr zum Kennenlernen: 3 Übernachtungen, Eingangsuntersuchung, manuelle Bauchbehandlung, Detox-Peeling, Lymphdrainage, Bio Gourmetkost, 585 Euro im Einzel-, 510 Euro im Doppelzimmer. Ayurveda Parkschlösschen Bad Wildstein, erstes ganzheitlich geführtes Ayurveda-Kur-Hotel Deutschlands in Traben-Trabach an der Mosel. Schnupperkuren: Alltagsbreak, Behandlungspauschalen 3 Tage 470 Euro, 5 Tage 680 Euro, Übernachtung ab 145 Euro im Einzel-, ab 195 Euro im Doppelzimmer, ayurvedische Vollpension 50 Euro. Tipp: Erlebnistag Ayurveda: 270 Euro.

Vor allem deshalb lohnt der Blick auf diese Architektur, weil sie nicht singulär, sondern stets im Ensemble geplant und umgesetzt wurde. Während Zeit und Geld knapp waren, stand Raum in verschwenderischer Fülle zur Verfügung. Und so oszillierten die Gebäude zwischen zwei Extremen: dem Pragmatismus der Planvorgaben und der Sehnsucht nach Utopien, die mit spektakulären Formen aus Beton Wirklichkeit werden sollten. Dass mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion auch eine Zäsur in der Architektur erfolgte, hat viele der früheren Vorzeigebauten dem Verfall oder Abriss preisgegeben. Wer ihre brutale Schönheit noch mit eigenen Augen betrachten will, sollte sich beeilen.

103


Shirt LEVER COUTURE Kleid VIVIENNE WESTWOOD Latexg端rtel ATSUKO KUDO Schuhe TALBOT RUNHOF


BY LINA TESCH

105


Kleid UNRATH & STRANO

106


Federkleid UNRATH & STRANO Lederhandschuhe WUNDERKIND Schuhe SCHUMACHER


Jacke SCHUMACHER Shirt TALBOT RUNHOF

108

Haare & Makeup: Boris Rieker @ Blossom Management / Styling: Patrick Lief @ Nude Agency / Model: Lidi @ Modelwerk / Fotoassistent: Benjamin Foster


Latexkleid ATSUKO KUDO Blazer SCHUMACHER Ohrringe SCHUMACHER


TATORT KÜCHE

Superinduktion, Präzisionssteuerung, Touchscreens oder auf den Fußboden projizierte Digitalanzeigen: Was die Hersteller von Küchen und Küchengeräten auf der Messe „LivingKitchen“ Mitte Januar in Köln präsentierten, degradiert jede Formel-1-Werkstatt zu einem müden Kegelklub. Die Küche ist zum technologischen Schlachtfeld geworden und wehe dem, der sich dem Wettrüsten am Herd entzieht. Ohne perfekt temperiertes Steaks mit synchron zubereiteten Vor- und Nachspeisen kann sich kein Gastgeber mehr sehen lassen. von Norman Kietzmann Kochen in seiner schönsten Form: mit Feuer – THE GAS HOB von Electrolux, Serie Grand Cuisine

110


D Die Küche ist die neue Spielwiese der Technologie und liefert Gadgets, die selbst James-Bond-Tüftler „Q“ erblassen ließen.

ie Szenerie ist altbekannt. Junge Hostessen stehen in knappen Kleidern vor metallenen Kraftmaschinen und sorgen im Doppelpack für Aufsehen unter den größtenteils männlichen Besuchern. Doch es waren keine Sportwagen, Motorräder oder Geländefahrzeuge, die auf dem Kölner Messegelände mit tiefen Ausschnitten inszeniert wurden. Es ging um Öfen, Dampfgarer, Spülmaschinen und Induktionsfelder. Verkehrte Welt? Keineswegs. Denn die Küche ist die neue Spielwiese der Technologie und liefert Gadgets, die selbst James-Bond-Tüftler „Q“ erblassen ließen.

Das „Meisterstück“ von Küppersbusch: Eine hochprofessionelle Reminiszens an Großmutters Zeiten! Die Edellinie von Electrolux: Grand Cuisine

112

Der Grund für diese Entwicklung liegt auf der Hand. Denn nirgends sonst in der Wohnung lässt sich offen mit dem Feuer spielen. Dampf steigt auf, es zischt und brutzelt, während ein ganzes Arsenal an säbelscharfen Messern kurz und klein macht, was ihnen unter die Klinge kommt. Es geht martialisch und archaisch in der Küche zu. Doch damit nicht genug. Wurde das Wissen über die richtige Zubereitung früher von den Eltern und Großeltern über jahrelanges Zuschauen erlernt, bleibt dafür heute keine Zeit. Damit das perfekte Ergebnis auf Knopfdruck gelingt, wird die gesamte Küche mit Sensoren bespickt wie eine Verhörkabine des KGB. Auch ohne ein Profi am Herd zu sein, lassen sich professionelle Ergebnisse erzielen, verspricht der französische Hersteller Electrolux mit seiner Edellinie „Grand Cuisine“. Damit das Lamm von innen durch ist, ohne von außen schwarz anzubraten, gibt es den „Grand Cuisine Combination Oven“.


Gaggenau: High-Tech und minimalistische Eleganz – In den Schaltern steckt alles!

Dieser sorgt am Anfang für extreme Hitze und karamellisiert damit die Kruste. Damit auch beim langsamen Rösten im Anschluss nichts schiefgeht, kontrolliert Küppersbusch : „Individual Gold“-Funktionseinheit für High-End Fans die Temperatur ein Sechs-Punkt-Sender im Innern Spülmachine: Programm-Status aufund den schlägt Alarm, wenn die Fußboden projiziert Keule aus dem Ofen muss. Um Speisen bereits vor der Ankunft der Gäste zuzubereiten, hat Electrolux den „Blast Chiller“ entwickelt. Das Gerät erinnert an eine Waffe aus einem Superhelden-Comic und vermag Speisen in Sekundenschnelle einzufrieren. Der Vorgang geht so schnell, dass die Eiskristalle gar keine Zeit haben, die Zellstruktur von Fleisch oder Gemüse anzugreifen und somit auszutrocknen.

113


S

geslicht gut lesbar zu machen. Wird das Gerät ausgeschaltet, erlischt auch die Anzeige und verwandelt das Gerät in einem kryptischen Monolithen. Clever verhält sich auch die Innenausstattung des „IGVE 6610.0“ , der mithilfe einer feinen Sensorik den Verschmutzungsgrad des Geschirrs erkennen und den Druck des Wasserstrahls gezielt steuern kann. Die Folge: Werden empfindliche Gläser somit geschont, müssen stark verschmutzte Töpfe und Pfannen eine umso härtere Dusche über sich ergehen lassen. Wie Multitasking auch Männern geind die Gäste angekommen, können die lingt, zeigt der „Multi-Taste-Ofen GEZS“ fertigen Gerichte in wenigen Minuten wie- von Grundig. Bis zu drei Gänge lassen sich der auf die richtige Temperatur gebracht auf den einzeln steuerbaren „Etagen“ des werden. Der Vorteil dieser Lösung: Auch Ofens synchron zubereiten, ohne dass sich bei besonders zeitaufwändigen Speisen die Aromen untereinander vermischen. müssen semiprofessionelle Hobbyköche Eine Warmhaltefunktion sorgt dafür, dass nicht permanent am Herd stehen, sondern die Gerichte bis zum Servieren auf der richkönnen ebenso Zeit am Tisch mit ihren tigen Temperatur gehalten werden. Für unFreunden verbringen. sichere Naturen bietet der „Chef Assist“ eine Auswahl an vorprogrammierten GarHat der Edelstahllook noch vor Jahren programmen, mit denen 52 internationale die Optik hochwertiger Küchengeräte be- Gerichte gekocht werden können. Wer zwistimmt, ist es heute Glas. Neben sattem schendurch den Faden verloren hat, kann Schwarz ist auch Farbe erlaubt, um die Ge- sich die passenden Rezepte zudem am räte auf die Küchenmöbel abzustimmen Flachbildschirm des Ofens anzeigen lassen. oder bewusste Kontraste zu erzeugen. Zum Einsatz kommen hierbei besonders widerstandsfähige Glassorten wie das von Schott und Bauknecht entwickelte Spiegelglas „Schott®SeeClear“, das auch den tagtäglichen Gebrauch in Profiküchen übersteht. Dass Farbe selbst im Innenleben nicht fehlen darf, offenbart der Geschirrspüler „IGVE 6610.0“ von Küppersbusch. Wird das Gerät geöffnet, taucht eine blaue LEDBeleuchtung das dampfende Geschirr in einen mystischen Farbnebel. Damit nicht genug, schickt diese Gerätegeneration auch gleich die allgegenwärtigen Digitalanzeigen auf den Technikschrottplatz. Um die puristische Erscheinung der Küchenblöcke nicht durch störende Displays zu beeinträchtigen, werden die technischen Daten einfach auf den Fußboden projiziert. An der Unterkante der Tür wurde dafür ein winziger Beamer eingelassen, der kraftvoll genug ist, um Restlaufzeit und Programmstatus auch bei Ta„Blast-Chiller“ von Electrolux: alles unter Kontrolle!

114

„Multi-Taste-Ofen GEZS“ von Grundig: Alles backt friedlich zur selben Zeit, ohne sich gegenseitig aromatisch zu belasten.


„B live“ von Bauknecht verbindet in Zukunft in einer App alle BauknechtHausgeräte miteinander und macht sie dem Verbraucher so zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort zugänglich. Ein mobiles Display hilft beim Kochen? Mit dem Innenleben des Kühlschranks „verlinkt“, macht der Kitchen-Computer auch Vorschläge zur kulinarischen Resteverwertung.

115


„Downdraft“ – der Dampfabzug von Bora: Der Dampf verschwindet direkt im Küchenblock.

Für Ordnung an der Küchenfront sorgt der bayerische Gerätehersteller Bora, der nicht nur Dämpfe und Kochgerüche ins Visier nimmt, sondern ebenso die traditionelle Abzugshaube. „Downdraft“ heißt das Verfahren, mit dem Dampf durch eine leistungsstarke Absauganlage direkt im Küchenblock verschwindet und den Raum über der Herdplatte frei macht. Trotz der Effizienz des Systems muss nicht befürchtet werden, dass Orkanwinde über die Pfanne hinwegfegen oder gar die Suppe aus dem Topf gesogen wird. Das Gerät arbeitet derart leise und dezent, dass man es kaum bemerkt. Einen anderen Weg, der Abzugshaube den Garaus zu machen, geht Bauknecht mit seiner Abzugshaube „Bauknecht Ga116

lerie“. Das Gerät wird direkt an die Wand montiert und hinter einer bedruckten Front verborgen. Neben einer Auswahl an vorgegebenen Motiven kann die „Designhaube“ auch mit eigenen Fotos oder Zeichnungen personalisiert werden und erhält auf diese Weise die Anmutung eines Bildes. 570 Kubikmeter Raumluft können in der Stunde gefiltert werden, während das Gerät mit einer Breite von 55 Zentimetern selbst in kompakten Küchen den richtigen Platz an der Wand findet.

Kein Display, dafür Dampfabzug: 570 Kubikmeter Raumluft filtert die „Designhaube“ von Bauknecht in der Stunde und kann auch mit eigenen Motiven bedruckt werden.


A

n den Kragen geht es auch dem guten alten Wasserkocher, dem nun die Mischbatterie erbittert Konkurrenz macht. Neben einer traditionellen Kalt- und Warmwasserspeisung können Geräte wie das System „Blanco Hot“ von Blanco ebenso kochend heißes Wasser aus dem Hahn lassen. Vergehen beim Wasserkocher mitunter mehrere Minuten Wartezeit, ist die Mischbatterie sofort einsetzbar. Damit Liebhaber von

Grüntee ihre Blätter nicht mit kochend heißem Wasser überschütten müssen, steht zudem ein Regulierungsmechanismus zur Verfügung, mit dem die Wassertemperatur stufenlos von 65 Grad Celsius bis zum Siedepunkt eingestellt werden kann. Auch an Kinder wurde gedacht, für die eine Sicherung mit einem kombinierten Druck- und Drehmechanismus eingebaut wurde.

Heißes Wasser direkt aus dem Hahn: „Blanco Hot“ von Blanco

117


„Wir wollten nicht nur das Grillen, sondern den gesamten Prozess vom Vorbereiten über das Zubereiten bis zum Verzehren nach draußen bringen.“

erfügen viele Öfen und Spülmaschinen mittlerweile über mehr Rechenleistung als der Bordcomputer von Apollo 11, dürfen auch die Küchen nicht mehr ohne eine elektronische Steuerung auskommen. Die „Hidden Kitchen“ von Warendorf ist auf den ersten Blick unsichtbar. Wer den Küchenraum betritt, sieht lediglich eine sieben Meter lange Wand aus gerostetem Stahl. Deren Oberfläche wurde mit feinen Eisenteilen wie ein Lack aufgesprüht, sodass sich unterschiedliche Nuancen des Rostgrades auf ihr ab-

bilden. Die Küchenzeile selbst ist hinter der Rostwand verborgen und kommt nur dann zum Vorschein, wenn tatsächlich gekocht werden soll. In bester Sesam-ÖffneDich-Manier fährt der fünf Meter breite Mittelteil auf Knopfdruck nach oben und offenbart das funktionale Innenleben der Küche. Kühlschrank, Gefrierschrank und einige Ablagen befinden sich in den statischen Seitenteilen der Küche, sodass nicht erst die gesamte Metallfront nach oben gefahren werden muss, um an eine kühle Flasche Wasser zu gelangen.

Esstisch der Superlative: „Riflessi Millenari“ von Riva 1920 – aus einem Stück gefertigt. 50.000 Jahre lagen die Kauri-Bäume im Schlamm vergraben, ohne dass sie durch Luftzufuhr zersetzt wurden.

118

Den Trend zu hochwertigen Steinoberflächen im Küchenbereich bringt der Stuttgarter Designer Michael Schmidt sogar auf die Terrasse und in den Garten. Die von ihm entwickelte Outdoor-Küche „bbqube“ verfügt über einen massiven Küchenblock aus einem bräunlichen Kalkstein und wird von zwei dreibeinigen Böcken aus Massivholz getragen. „Wir wollten nicht nur


das Grillen, sondern den gesamten Prozess vom Vorbereiten über das Zubereiten bis zum Verzehren nach draußen bringen“, sagt Michael Schmidt. Seine Küche verfügt über eine Kombination aus Holzkohle- und Gasgrill sowie ein Spülbecken mit diversen Einsätzen. Damit Wind und Kälte der Küche nicht zusetzen, kann diese mit einer atmungsaktiven Haube in den Wintermonaten geschützt werden. Was bei alledem noch fehlt? Richtig: der passende Tisch. Dass hierbei keine gewöhnliche Eiche infrage kommt, versteht sich von selbst. Den Esstisch der Superlative führt der italienische NaturholzmöbelHersteller Riva 1920 im Programm, der sogar mit fossilen Qualitäten aufwarten kann. 50.000 Jahre lagen die Kauri-Bäume im Schlamm vergraben, ohne dass sie durch Luftzufuhr zersetzt wurden. Ihre Stämme sind von derart kräftigem Durchmesser, dass der Tisch „Riflessi Millenari“ aus einem Stück gefertigt wird. Getragen werden die prähistorischen Holzscheiben von Füßen aus poliertem Stahl, die der Bildhauer Helidon X einzeln anfertigen ließ. Na dann, guten Appetit.

D

Ein Sesam-Öffne-Dich für Puristen: Warendorf versenkt seine Küche kurzerhand hinter einer Rostwand.

119


Vom Teller zur Tasse über Messer und Gabel – alles, was in einer guten Küche nicht fehlen darf. Und natürlich noch ein bisschen mehr ...

20 120

QM features best of kitchen supplies


0

Porzellanservice

FREUDE DARF SEIN!

HERMÈS’ FLIEGENDE UNTERTASSEN „Bleu d’Ailleurs“ – Orient meets Okzident. Eine überraschende und beeindruckende, fast rustikal wirkende Melange abendländischer Porzellankunst und morgenländischer Ornamentik. Kleine Artefakte, die auch Wände zieren könnten. Dieses Service bringt Freude auf den Tisch und ihre Gäste werden sie beneiden! Das neue Essservice „Rallye 24“, entworfen von Benoît-Pierre Emery und Damian O’Sullivan, ist angelehnt an eine bunte Rennstrecke. Die im Vintage-Stil gehaltene grafische Porzellankollektion wurde vor Kurzem in Paris vorgestellt und bietet eine erfrischende Vielfalt für die Tischkultur.

121


Qm features best off kitchen supplies

20

122


LOBMEYR Der Entwurf für das extravagante Trinkservice entstand 1910 durch Josef Hoffmann, einer der Begründer des Art Décos, und ging zwei Jahre danach in Produktion. Im Jahr 1912 stellte er es erstmals vor. Seit der frühen Moderne kreiert das österreichische Traditionshaus nun schon auf Bestellung dieses einzigartige Service.

RIESS

NORMAN COPENHAGEN MORMOR

Produkte von Riess dürfen eigentlich in keinem Haushalt fehlen. Ob eine Kasserolle aus hundert Prozent Stahl und Emaille aus der Aromapots-Kollektion oder eine Gugelhupfform in den Tönen Schokolade und Vanille aus der Riess Edition, welche Sarah Wiener mitgestaltete.

Die Serviceserie Mormor aus weißem Porzellan mit royalblauer Musterung des dänischen Designhauses Normann Copenhagen ist ein Hingucker! Frech und stilsicher wurde ein klassisches Küchenhandtuch-Muster auf diese Serie angewendet. Erfrischend!

123


Qm features best off kitchen supplies

20 GEORG JENSEN PORSCHE

Der Designer Henning Koppel entwarf im Jahr 1958 die „Bowl 1068“ im Rahmen der Koppel Collection und schuf damit einen Designklassiker im dänischen Funktionalismus.

CHROMA TYPE 301: KÜCHENINNOVATION 2012 Einzigartiges ergonomisches Design und außergewöhnliche Schärfe. Eine Perle am unteren Griffende fungiert als sensorischer Stopper. „Der Porsche“ unter den Messern! CHROMA mit Anti-Stick-Technique: Die rechtsseitigen Kerben verhindern die Bildung eines Zellsaftfilms und damit das Anhaften und Auftürmen des Schneidgutes an der Klinge.

BACCARAT DIE HEILIGEN DREI KÖNIGE Die limitierte Serie „Rois de la Forêt“, die der niederländische Designer Marcel Wanders für das weltbekannte Traditionshaus Baccarat kreierte, ist ein dekorativer Augenschmaus. Der wunderschöne, geometrisch klare Kristallschliff der Vasen kommt auf einem formvollendeten Sockel, der wahlweise aus Gold, Chrom, Rotguss oder Vermeil besteht, majestätisch zur Geltung. Chapeau!

124


NEFF

Mit diesen beiden Produkten von Neff lassen sich ab sofort die besten Weißwürste kochen. Das Münchener Küchenhaus kreierte mit der versenkbaren Dunstabzugshaube „AirDeluxe 300“ und dem FreeInduction-Kochfeld zwei fabelhafte Neuheiten für die Küche. Besonders erwähnenswert sind die integrierten Sensoren der Kochplatte, die beim Verrücken der Töpfe und Pfannen reagieren und so eine große, frei nutzbare Fläche beim Kochen zur Verfügung steht. Neff revolutioniert die Küche und beweist, dass die Kreativität schlichtweg nicht immer nur in den Töpfen liegt.

125


Qm features best off kitchen supplies

20

SERAFINO ZANI Ob Käsemesser, Risottolöffel oder Lasagneschaufel. Die aktuelle Besteckkollektion „Accento“ aus rostfreiem Stahl des Hauses Serafino Zani, designt von Konstantin Grcic, hebt sich durch klare und einfache Linien ab. Die drei genannten Objekte können wahlweise noch mit einem 75-teiligen Tafelbesteck und anderen Produkten aus der Kollektion vervollständigt werden.

NORMANN COPENHAGEN Schon die Babylonier nutzten Salz, das heilige Mineral, und Pfeffer, die schwarze Kostbarkeit, zum Würzen von Speisen, und lagerten diese in kunstvollen Schatullen und anderen aufwendig verzierten Behältern. Auch heute noch ist die Präsentation von Salz und Pfeffer ein Thema auf jedem Tisch. Dies nahm sich Normann Coppenhagen zum Anlass und erschuf die Salz-PfefferWippe unter dem Namen „Dolly“.

BARRAZA Die Firmengeschichte beginnt vor über 40 Jahren in der norditalienischen Provinz Treviso. Die Brüder Pietro und Antonio Barazza gründeten in Santa Lucia di Piave das Unternehmen Barraza, das seit 1968 für innovative Küchen steht. Das italienische Design besticht durch vollendete Formen und Oberflächen. Neben der umfassenden Produktrange qualitativer Küchentechnik, hat sich Barazza insbesondere auf die Entwicklung, Design und den Bau von Edelstahl-Küchenelementen nach Maß spezialisiert. www.barazzasrl.it

126


CHRISTOFLE Die neue Kollektion „Jardin d’Eden“ (Garten Eden) des französischen Silberbesteckherstellers Christofle wurde von Marcel Wanders entworfen und entzückt durch das zarte Muster aus tanzenden Ranken, Blumen und Blättern, welches jede Festtafel verzaubern wird.

127


Qm features best off kitchen supplies

20

ORDNUNG MUSS SEIN!

BULTHAUP INTERN Ordnung muss sein. Das dachte sich wohl auch die Marke Bulthaup und erschuf das B3-System für Schubladen. Hier kann jeder zu seinem eigenen Regisseur werden und das Innenleben seiner Auszüge individuell zusammenstellen und ohne Aufwand neu organisieren. Viele kleine, liebevolle Details helfen dem Ordnungsliebenden seine Schubladen nicht nur praktisch, sondern auch höchst ansehnlich einzurichten. Kleine Behälter aus Edelstahl, Gewürzgläschen oder Messerblöcke sind der Grundform der Schubladen angepasst und liegen perfekt und griffig wie Schiffchen darin. Très chic!

128


EVA SOLO Die selbstwässernden Töpfe des dänischen Unternehmens Eva Solo eignen sich für Kräuter und auch für Zimmerpflanzen. Der obere Teil besteht aus Keramik, der untere aus Glas. In diesem befindet sich Wasser, von dem sich die Pflanze nur so viel zieht, wie sie gerade braucht.

MATTEO THUN

Matteo Thun ist ein Meister des Designs und der Architektur. Angeregt durch die Gondolierestege und Dalben des Canale Grande in Venedig, ist dieser Tisch etwas ganz Besonderes: Jede Tischplatte ist einmalig, sie zeigt die unberührte Originalform des Baumstammes, aus dem sie geschnitten wurde. Das edle und elegante Messer „Twin 1731“, für Zwilling kreiert, passt vollendet dazu.

129


Qm features best off kitchen supplies

20 Für das „Wasser des Lebens“ – so nennen es die Franzosen – sind diese Schnaps- und Whiskeygläser eine wahrhaft würdige Kreation. Sinnlich und leicht beschwipst kommen sie daher und können im Übrigen auch ganz praktisch gestapelt werden.

NORMAN COPENHAGEN

FÜRSTENBERG Die Serviceserie „Blanc“ ist ein Tafelgeschirr für die gehobene Gastronomie und für anspruchsvolle Hobbyköche. Das Traditionshaus kooperierte bei dieser Kollektion mit Vertretern der deutschen Spitzengastronomie, wie Sven Elverfeld und Nils Henkel, die wissen, worauf es in der Gastronomie ankommt.

EVA SOLO Das mundgeblasene Glas wird mit einer Knoblauchpresse aus Edelstahl komplettiert und stellt so selbst eine Knoblauchzehe dar. „Form follows function“ – oder besser: Form shows function. Genial!

130


ZWIESEL Die hochwertige und umfangreiche Spezialglasserie „The First“ der Marke Zwiesel eignet sich perfekt für den gehobenen Weingenuss. Der breite Boden der Karaffe hilft, den Wein vollendet zu belüften, damit sich dessen Aroma verbessern kann. Auch die Formen der Gläser sorgen für eine optimale Beatmung und Entfaltung der Weine.

131


noma nomen est omen – wenn RenÊ Redzepi kocht! von Petra Dietz

132


a


I

Essen wie Gott in Dänemark. Zum dritten Mal hintereinander wurde das Noma vom renommierten „Restaurant Magazine“ zum besten Restaurant der Welt gekürt. Der Hype um den Kopenhagener Kulinarik-Tempel ist Küchenchef René Redzepi zu verdanken, der seine Gäste mit einer New Nordic Cuisine verwöhnt. Kompromisse kennt der dänische Sternekoch nicht. Im Noma geht´s streng skandinavisch zu, in jeglicher Hinsicht.

nzwischen sind es fast drei Jahre her, dass El Bulli unsanft vom Thron geschubst wurde. Das spanische Spitzenrestaurant, das 2011 seine Pforten schloss, durfte sich unter der Leitung von Molekularkoch Ferrán Adrià viermal hintereinander mit dem Titel „Bestes Restaurant der Welt“ schmücken. 18. Jahrhundert im Kopenhagener Stadtteil Bis so ein dänischer Jungspund daherkam, Christianshavn. Von außen schlicht, von inmit nordisch-rustikal anmutenden Krea- nen schlicht, so präsentiert sich das mega tionen die Gourmetlandschaft aufmisch- angesagte Restaurant mit etwa 40 Sitzplätte und Adrià die Krone abspenstig machte. zen. Die zurückhaltende Eleganz passt gut. René Redzepi, Küchenchef des prämier- Das Interieur mit viel Holz ist unaufdringten Noma, bewies, dass er keine kulinari- lich, nicht unangenehm prätentiös – kein sche Eintagsfliege ist. Dem Spitzenkoch Design-Overkill lenkt vom exzellenten gelang der Gourmet-Hattrick: Er holte Essen ab. Die Küche des Noma offenbart die begehrte Auszeichnung für sein Res- die Vielfalt der nordischen Küche mit ihren taurant nicht nur 2010, sondern auch 2011 überraschend schmackhaften Zutaten. Vieund 2012. Offenbar hat das „Restaurant les sammelt der Chefkoch höchstpersönlich Magazine“ ein Faible für Kost aus dem in Wald und Flur. Auf der Suche nach den kalten Norden. Genauer gesagt, die Jury Ingredienzien probiert sich der Däne durch des britischen Fachmagazins, die sich aus die Flora, gräbt nach Trieben und Wurzeln, über 800 Experten, darunter Köche und knabbert an Ästen und Halmen. Das, was Restaurantkritiker, zusammensetzt. Für man sonst achtlos beim Spazierengehen René Redzepi und sein Team ist der Ti- in der freien Natur niedertrampelt, erfährt tel selbstverständlich eine große Ehre, aber im Noma eine Metamorphose zur Delikaeine, die mit viel Verantwortung verbun- tesse. Das eigensinnige Kulinarik-Konzept den ist. Wer ganz oben ist, kann tief fal- geht auf. len. Der Druck, erfolgreich zu bleiben, ist immens. So wartet die Genießerwelt schon seit ein paar Jahren darauf, dass das Noma endlich mit einem dritten Michelin-Stern dekoriert wird. Doch das will irgendwie nicht so recht klappen. Klar, zwei Sterne sind toll, doch drei sind besser. Das sieht auch Redzepi so. Dennoch lässt er sich von dem Sterne-Kult nicht einschüchtern. Er verfolgt konsequent seine Linie, und der Erfolg gibt dem Dänen recht. René Redzepi wurde 1977 in Kopenhagen als Sohn eines mazedonischen Vaters und einer dänischen Mutter geboren. Er lernte von den Besten, von Piere André in Kopenhagen, Thomas Keller in Kalifornien, den Brüdern Purcel in Frankreich – und ironischerweise auch von Ferrán Adrià. Seit 2003 ist Redzepi sein eigener Chef. Gemeinsam mit dem dänischen Fernsehkoch Claus Meyer eröffnete er das Noma in einem ehemaligen Speicher aus dem 134


alle Fotosdiese Seite © Adam Mørk / Porträt © Peter Brinch

René Redzepi, Noma, Zeit und Ort in der Nordischen Küche €49,95, Phaidon/Edel, Hamburg 2011, www.edel.com

Das „Noma Lab“ beherbergt ein Food-Lab, Kräutergarten, Personalbereich und Office und ist durchkonzipiert wie das Noma selbst: auch hier kamen ausschließlich nordische Materialien zum Einsatz.

135


Â-IGRANT-IGRATE±

136


Alle Fotos falls nicht anders gekennzeichnet © Ditte Isager / mit freundlicher Genehmigung von Phaidon/Edel

Was wir achtlos beim Spazierengehen in der freien Natur niedertrampeln, erfährt im Noma eine Metamorphose zur Delikatesse.

b Trüffel aus Schweden, Moschusochse aus Grönland oder Tiefseekrabben von den Färöer-Inseln, Redzepi verwandelt sie in skandinavische erdverbundene Cuisine. Eben „nordic mad“, nordisches Essen, wie der Name Noma schon sagt. Für rund 200 Euro pro Menü können die Gäste gleichermaßen ursprünglich als auch avantgardistisch schlemmen. Was auf der Speisekarte steht, entscheidet weder der Gast noch der Koch, sondern das Wetter. René Redzepi verarbeitet nur frische und ausschließlich regionale Produkte. Tomaten und Olivenöl findet man in seiner Küche nicht, stattdessen kaltgepresstes Rapsöl, Radieschen in Nuss-Malz-Erde, eine Consommé von Roter Bete oder frittierte Wurzeln. Wenn es die Temperaturen zulassen. Ist es zu kalt, wird frisches Grünzeug knapp, dann muss der Meister improvisieren. Es kommt nur das auf den nackten Holztisch, was die nordisch-arktische Natur so gerade im Angebot hat. Im Winter gerne mal Austern aus Limfijorden oder Langustine mit rotem Seetang, serviert auf einem Stein, der vom heimischen Strand aufgelesen wurde. Meist wird mit den Fingern gegessen, erdverbunden eben. So kommt der Gast rundum in den Genuss eines Essens, das absolut unverwechselbar ist. Auf einen Espresso zum Abschluss muss er jedoch verzichten, denn der hat nun mal keinerlei skandinavische Tradition. Im Gegensatz zum Filterkaffee. Für Kenner

der dunklen Bohne keine wirkliche Alternative, aber das ist schließlich das Konzept des Noma. Dem bleibt der dänische Sternekoch konsequent treu, auch wenn das nicht immer so einfach ist. Redzepis Ansprüche sind hoch. Seine Gäste sollen immer wieder mit neuen Interpretationen nordischer Köstlichkeiten verwöhnt werden. Bis jetzt ist das dem Chef mit Bravour gelungen. Zurzeit ist er einer der angesagtesten Köche der Welt. Das sehen nicht nur Gäste und Restaurantkritiker, sondern auch seine Kollegen so. Eine Auswahl internationaler Spitzenköche

verliehen ihm den „Chef’s Choice Award“. Der nordische Ministerrat ernannte ihn zum Botschafter der „Neuen Nordischen Kost“. Sogar das Titelblatt des amerikanischen „Time Magazine“ zierte die dänische Küchenikone. Anlass war Redzepis Aufnahme in die Top 100 der einflussreichsten Menschen der Welt. So viel Anerkennung ist nicht nur für das Noma eine unbezahlbare Werbung.

Wilder Thymian im Morgenreif / Blaubeeren-Variation mit Tannennadeln

137


P

lötzlich erscheint die skandinavische Küche in einem ganz anderen Licht. Gourmets zeigen großes Interesse an nordischer Kulinarik, wovon wiederum andere hervorragende skandinavische Restaurants profitieren. Auch René Redzepis Bestreben, die Esskultur in seiner Heimat zu verbessern, ist auf einem guten Weg. Dass René Redzepi an seinen Prinzipien festhält, heißt nicht, dass er unflexibel ist. Das stellte er im Sommer 2012 unter Beweis. Da zog er während das Noma renoviert wurde samt seinem Team nach London in das Luxushotel Claridge´s, um dort während der Olympischen Spiele zehn Tage lang in einem Pop-up-Restaurant anspruchsvolle Gaumen zu betören. Aufge-

tischt wurde im Ballsaal des ehrwürdigen Hotels, der mit Brokat und Kristallleuchtern ein pompöses Kontrastprogramm zum schlicht-nordischen Ambiente des Noma bietet. Den Gästen war es egal, sie waren begeistert, und die rund 150 Sitzplätze waren stets ausgebucht. Sobald es in London die Runde machte, dass der berühmte Däne im Claridge´s kochen würde, war der Teufel los. Die Reservierungshotline lief heiß, und innerhalb von ein paar Tagen gab es sage und schreibe 40 000 Reservierungsanfragen. Das Pop-up-Happening war eine Erfahrung für die Londoner und für René Redzepi. Der Sternekoch ist immer für Überraschungen gut. So präsentiert er neuerdings ganz besondere Leckerbissen: Insekten. Zu essen, was bereits für Millionen von Menschen ganz selbstverständlich ist, scheint für den Küchenchef logisch zu sein. Ob Ameisen oder Heuschrecken, Redzepi ist da ganz offen, nur aus dem Norden müssen sie kommen. Dass jetzt die kleinen Krabbler auf der Karte des noblen Noma stehen, hat für Aufsehen gesorgt. Der Sternekoch hat einige Zeit experimentiert, um eine Zubereitung zu finden, die europäischen Goûts entgegenkommt, wie die Sauce aus fermentierten Heuschrecken, die nach Bitterschokolade und Sojasauce schmeckt. Lebende Ameisen als Garnierung, die übrigens nach Zitronengras munden sollen, sind da für den Gast schon eine größere Herausforderung. Wer partout keine Gliederfüßer verspeisen möchte, findet in dem alten Kopenhagener Speicherhaus auch genügend andere ausgefallene Speisen. So sollte man immer ein Auge auf die Deko haben, es könnte der erste Gang sein. Vasen und Blumentöpfe entpuppen sich gerne mal als Füllhorn origineller skandinavischer Leckereien. René Redzepis Visionen nordischer Avantgarde sind begehrt, die Reservierungszeiten entsprechend lang. Auf ein schmackhaftes Wald-, Wiesen- und Meer-Menü muss man mitunter drei Monate warten. Und dann? Dann darf man sich auf unvergessliche Geschmackserlebnisse freuen, in dem offiziell besten Restaurant der Welt.

Trüffeldessert: nur was die Jahreszeit „erlaubt“! Das Noma kommt schlicht daher – eine gehörige Portion Understatement, wie es scheint.

138


Man sollte ein Auge auf die Deko haben, es kรถnnte der erste Gang sein.

139


Im Körper des Anderen Selten trifft man auf ein Gegenüber, mit dem sich auf Anhieb ein mitreißendes Gespräch entspinnt. Der Klangkünstler, Musiker und Komponist Felix Kubin ist so jemand. Denn er hat viel zu erzählen. Mit 14 hatte er bereits erste Auftritte als Musiker, war Teil der kommunistischen Gruppe „Liedertafel Margot Honecker“ und trat mit dem Projekt „Klangkrieg“ auf. Inzwischen führt er sein eigenes Label „Gagarin Records“, produziert Hörspiele, Theatermusik, Pop-Alben und Filmmusik. Jetzt wurde sein Hörspiel „Orphée Mécanique“ zum Hörspiel des Jahres gewählt. von Dorothea Schöne

140


Montage Doppelfelix by Dorle Dahlburg

elix, deine Musik erhält viele Bezeichnungen: Hörkunst, akustisches Theater, Sci-Fi-Pop, Klangkunst und etliches mehr. Darf oder kann man dich musikalisch in eine bestimmte Kategorie einordnen? Ich habe mal ein Hörspiel gemacht, das heißt „Säugling, Duschkopf, Damenschritte – eine polymorphe Klangbibliothek“. In diesem Hörspiel geht es darum, die Klänge vom Katalog zu befreien, die Beschriftung zu ent-

fernen. Genau dies wünscht sich jeder Künstler. Intuitiv arbeiten, ohne eingestuft oder festgelegt zu werden. Kann man denn bestimmte Einflüsse benennen? Man kann bei mir einige Einflüsse sehen, die ich nicht verleugnen möchte. Sie sind Teil der Kultur, in der ich aufgewachsen bin. Diese Einflüsse sind nicht nur regional, sondern durch die Tatsache, dass wir durch Internet und Radio auch anglo141


142

Felix Stylofon by Greg Holm


amerikanischen Einflüssen ausgesetzt sind, auch international. Hinzu kommen eigene Erfahrungen. Ich habe durch einen Aufenthalt 1991 in Ungarn beispielsweise 40 Platten mit ungarischer Musik. Diese Dinge haben sicherlich ihren Einfluss, nur die Art, wie sie zusammengesetzt werden, ist dann gewissermaßen ein Geheimnis. Manchmal fällt es mir selber schwer festzulegen, woher genau Einflüsse kommen oder wie ich meine Musik beschreiben und kategorisieren soll. Ich bin nicht einspurig in meiner Musik, sondern habe immer verschiedene Sachen ausprobiert und kombiniert. Ich kann in den Harmonien meiner Pop-Musik beispielsweise Béla Bartók ausmachen. Auch wenn andere Leute das vielleicht nicht hören. Letzten Endes muss man sich ja fragen, wofür Kategorisierungen eigentlich da sind – im Grunde nur, damit man Platten im Laden in ein bestimmtes Regal einsortieren kann. In früheren Interviews und in deinem Lebenslauf ist von einer Reihe von Einflüssen die Rede, die von Kraftwerk bis zu Stockhausen reichen. Ja sicher. Aber es sind vor allem die Menschen, mit denen ich in meinem Leben zusammen gearbeitet und mit denen ich Kontakt hatte. Dazu gehört jemand wie Alfred Hilsberg, der das Label ZickZack gemacht hat. Der hat mir damals viele Sachen vorgespielt. Dann habe ich mit dreizehn von einem Punk eine Riesenplattensammlung, 150 oder 200 Platten, bekommen. Da waren viele deutsche und internationale New Wave Sachen drauf. Diese Platten habe ich mir geradezu wissenschaftlich angehört. Alle nacheinander habe ich sie mir genauestens angehört, auf Kassette aufgenommen und wieder angehört, um die Musik zu verstehen. So was prägt einen und so etwas haben andere Kinder in meinem Alter sicherlich nicht gemacht. Letzten Endes habe ich seitdem immer so gearbeitet. Ich habe Musikstücke intensiv erforscht. Und mich haben Dinge, wie das geordnete Chaos von Xenakis und seine stark rhythmischen und perkussiven Elemente fasziniert. Auch so etwas fließt in meine E-Musik ein.

Oder die Nervosität von Ligetis polyrhythmischen Clustern, die Mikrotonalität von Giacinto Scelsi, die dramatische und sehr performative, düstere Arbeit von Jani Christou, einem griechischen Komponisten, von dem ich mir in Hamburg mal eine komplette Reihe angeschaut habe. Wie äußern sich diese Einflüsse dann? Das zeigt sich in der Art, wie ich performativ oder visuell arbeite. Oder auch in der Art, wie ich die Umgebung, in der ich auftrete, reflektiere. Das wird viel zu selten hinterfragt, wo man auftritt und welche Regeln dort herrschen: Warum sitzen Leute in klassischen Konzerten, klatschen immer brav und schauen angestrengt nach vorne? Und warum laufen die Leute in Clubs oder Bars unruhig und in leichter Zerstreuung hin und her? Warum wird dort geredet und getrunken, während Musik läuft? Das sind alles Regeln und Rituale, die ich mir immer wieder genau ansehe. Deswegen gehe ich auch davon aus, dass meine Musik über das reine „Aus dem Bauch heraus“- Arbeiten hinaus geht. Mich interessieren solche Dinge als Konzept und Gesamtkunstwerk. Ist es ein Missverständnis, wenn zahlreiche Quellen dich als selbst erklärten Dadaisten beschreiben? Diese Bezeichnung ärgert mich ein bisschen, weil das für mich eine Richtung ist, die in einer bestimmten Zeit verankert ist. Und ich werde einen Teufel tun, mich in eine Kunstgattung einzureihen, die hundert Jahre alt ist. Was ich damals gesagt habe, und das wurde sofort wieder falsch verstanden und festgenagelt, ist, dass ich versucht habe in der deutschen Kultur etwas zu finden, mit dem ich etwas anfangen kann. Und das waren in erster Linie die Dinge, die vor dem Nationalsozialismus gemacht wurden. Es gibt natürlich auch deutsche Filmemacher der 1960er und 1970er Jahre, die mich stark ansprechen. Und es gab die Neue Deutsche Welle – damit meine ich die Undergroundmusik und nicht die Industrieverwertung davon. Damit konnte ich mich identifizieren. Die wiederum haben sich auf die Surrealisten, die Dadaisten und das Ber-

lin der 1920er Jahre und davor bezogen. Teilweise liegen die Bezugspunkte sogar weit zurück: Schubert zum Beispiel. Kraftwerk haben sich auf den Romantikbegriff des 19. Jahrhunderts bezogen, ihre Musik hat eine romantische, europäische Auffassung. Eines ihrer Stücke heißt sogar „Schubert“. Der Dadaismus ist für mich ein Versuch gewesen, mich auf irgendetwas zu beziehen, das nicht von den Nationalsozialisten kaputt gemacht worden ist. Ich finde natürlich die Dadaisten toll für die Radikalität, mit der sie auf die Industrialisierung reagiert haben. Allerdings gab es auch andere Strömungen in dieser Zeit, die das taten, z.B. die Futuristen mit ihren Luftbildern, den Aeropitturas. Das ist für mich ein radikaler Ansatz, der zugleich aber auch zeitgemäß ist: Kunst darf nicht hinter der Technologie hinterherlaufen. Sie muss sie verstehen und vielleicht in einen poetischen, nicht zweckgebundenen, im positiven Sinne verwirrenden Ansatz überleiten. Dadaismus ist ja ein inflationär gebrauchtes Wort. Es wird gern für bühnenreife, exaltierte Performances genutzt. Das ist aber doch ein bisschen das, was dich auszeichnet. Der Hang zur Selbstinszenierung und auch immer wieder filmische Zitate. Wer will, kann Woody Allen oder Raumpatrouille Orion sehen. Woher kommt diese Verbindung von visueller Inszenierung und musikalischer Komposition? Wenn ich das wüsste, würde ich gar keine Kunst mehr machen. Wenn man Dinge selber macht, dann fallen sie einem ja auch nicht unbedingt auf. Man reflektiert ja nicht in gleichem Maße von außen. Ich versuche es, aber das funktioniert nicht immer. Und manchmal tue ich Dinge, bei denen ich erst zwei Jahre später verstehe, warum ich sie getan habe. Das Interessante dabei ist dieser künstlerische Motor, der einen gar nicht anders agieren lässt. Man braucht diese Art von Egozentrik, um auf die Bühne zu gehen und dort auch die Energie um das, was die Leute in einen hineinprojizieren, auch bündeln zu können. Das sind alles Prozesse, die zusammengehören. Warum ich das mache, 143


Foto: Simone Scardovelli

Schminken für den Kurzfilm „Hotel Super Nova“, entstanden 2001, von Mariola Brillowska und Felix Kubin. Zu sehen ist er dort als liebeskranker Komponist, der auf die Frau seines Lebens, die Super Lovska trifft.

144


das kann ich schwer sagen. Von Raumschiff Orion habe ich vielleicht als Kind vier Folgen gesehen, ich war aber kein besonderer Fan. Vieles nimmt man unbewusst auf. Sicherlich gibt es Bands, bei denen das leichter ist. Eine Band wie die „Toten Hosen“ haben konzentriert einen Weg verfolgt – von Amateurpunk bis hin zu einer Art gemäßigtem, linkem deutschen Gewissen. Eine Art Günter Grass der Punkkultur. Eine einfache, klare Linie, mit der man gut Karriere machen kann, hat mich nie interessiert. Mir macht es Spaß, in dem Augenblick einen Haken zu schlagen, in dem Leute glauben, mich am Wickel zu haben und meine Arbeit einordnen zu können. Immer wieder trittst du auf Festivals auf. Bietet dir das eine besondere Möglichkeit der Performance? Mich interessieren alle möglichen Zusammenhänge, in denen man Bühnen betritt und in denen bestimmte Regeln herrschen. Ich mache auch Gastprofessuren, das sind ebenso Performances für mich. Es gibt Regeln in einem Kunstverein – wie die Leute reden, wie sie sich bewegen, wie sie Kunst konsumieren. Genauso gibt es Regeln im klassischen Konzert oder auf einem Festival. Wie gesagt, mich interessieren die verschiedenen Regeln, die Festlegung, was Autorität ist und was nicht. Daher sind auch die unterschiedlichen Festivals, auf denen ich auftrete, spannend für mich – von Performance-Festivals über Festivals für Neue Musik, z.B. dem Schleswig-Holstein Festival oder MaerzMusik in Berlin, bis hin zu Auftritten in verschwitzten Clubs. Bands wie „Die Tödliche Doris“, mit deren Mitglied Wolfgang Müller du 2001 gearbeitet hast, haben es als künstlerisches Statement in museale Ausstellungen geschafft. Wie stehst du zu so einer Inszenierung? „Die Tödliche Doris“ ist für mich eine der tollsten und wichtigsten Kunstgruppen überhaupt. Bislang sind sie in ihrer ganzen Tiefe nicht wirklich erfasst worden. In ihrer Arbeit findet sich tatsächlich etwas vom Dadaismus, denn sie haben die ganze Zeit dieses Revolutionäre weiter getragen. Sie haben das nicht als Provokation genutzt, um auf sich aufmerksam zu machen und um sich dann brav in den Kunstbetrieb einzuordnen. Sondern sie haben ständig und immer wieder völlig neue Sachen gemacht und sich immer wieder selber infrage gestellt. Sie sind auf Punkkonzerten aufgetreten, haben auf Modenschauen mitgewirkt, haben vor Taubstummen gespielt usw. Damit sind sie auf unterschiedlichsten Ebenen eine wirklich herausragende Künstlergruppe,

die vom klassischen Kunstbetrieb bisher nicht anerkannt wurde. Sie sind nicht, so wie Beuys, längst dort angekommen, wo sie hingehören und akzeptiert sein müssten. Mit „Die Tödliche Doris“ kann ich mich identifizieren. Auch wenn ich nicht sage, dass ich so gut bin. Das sind für mich Götter. Du hast dich explizit gegen den Begriff „eklektizistisch“ für die Einschätzung deiner Arbeit gewandt, weil damit von einer zufälligen, unabsichtlichen, banalen Aneinanderreihung von Tönen und Klangelementen die Rede ist. Wie inszenierst und komponierst du? Manchmal leide ich schon unter meinem Perfektionismus. Ich arbeite mich immer intensiv in ein bestimmtes Thema ein. Bei den Hörspielen wird das offensichtlich. Aber das Wort eklektisch wird im Englischen anders verstanden und verwendet als im Deutschen. Bei uns hat es eher einen negativen Beigeschmack als etwas Beliebiges. Im Englischen wird es verwendet als eine große Form verschiedener Ausdrucksmöglichkeiten und ist damit nicht festgelegt auf eine einzelne stilistische Form. Aber wenn ich an etwas arbeite, dann benutze ich die Form des Zitierens nur in ganz seltenen Fällen und dann auch nur, wenn es inhaltlich begründet ist. Ansonsten arbeite ich ganz normal aus der Improvisation heraus immer stärker ins Detail. Improvisation meint dabei mein eigenes Spielen im Studio, mein Experimentieren. Daraus entwickele ich dann Motive, sample mich auch mal selber. Ich sample so gut wie gar nichts mehr von anderen Stücken oder anderen Musikern. Da bin ich ähnlich wie Matthew Herbert, allerdings ohne seinen radikalen, ideologischen Ansatz. Mir geht es primär darum, dass ich zu meinen Klängen eine eigene Geschichte haben muss. Selbst wenn es Geräusche sind, die ich woanders herbekommen könnte, würde ich sie doch immer noch einmal selber nachspielen oder generieren, um sie erleben zu können. Wenn ich mit anderen Musikern zusammen arbeite, ist es natürlich anders. Wie z.B. im Bereich der Kammermusik oder am Theater. In diesem Frühjahr komme ich mit der Gruppe Ligna zusammen, für die ich die Musik machen werde. Da nehme ich meistens notierte Sachen mit, lasse die aber so weit offen, dass die Interpreten immer eine starke mitwirkende Position haben. Ein wenig so wie bei John Cage, der den In-

Felix Kubin und Brezel Göring: „Kunst kommt wieder von nichts können“

145


146

mit einem alten Radiorecorder gemacht hatte, bei dem man mit Stationstasten die Programme umschalten konnte. Das habe ich als Cut-Up-Methode benutzt, um zwischen Radiosendern hin und her zu switchen und davon Aufnahmen zu machen. Ich habe dann mit Vierspur meine ganze Musik komponiert, beeinflusst von der Kassettenszene, die es damals gab. Aus heutiger Sicht kommt noch etwas anderes hinzu. Neben meinem eigenen Archiv treibt mich auch die Frage, wie die Medien und Aufzeichnungsmedien funktionieren. Was passiert mit Medien, die abgelaufen sind? Warum wird die Kassette, die sehr stabil ist und einen guten, analogen Klang hat, warum wird die einfach ausgemustert und auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen? Warum war sie von 1960 bis 2010 wichtig? Das hat viel mit Mediengeschichte zu tun. Wie Medien aufkommen und teilweise von der Industrie mit Gewalt durchgesetzt werden, das interessiert mich. Bei der Kassette ist es vor allen Dingen die Tatsache, dass sie das erste Aufzeichnungsmedium fürs Volk war. Sie hatte einen demokratischen Charakter, der sich darin geäußert hat, dass die Leute Kassetten für ihre eigenen Veröffentlichungen benutzt haben. Die Leute konnten on demand ihre eigene Musik produzieren, verkaufen, verschenken, tauschen. Herr Kubin, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Foto: Daniel Kluge

terpreten ja auch als eigenständigen Komponisten etabliert hat. So mache ich das auch. Ich weiß genau, welcher Musiker wo seine Stärken hat, entsprechend setze ich sie ein. Ich bespreche gerade mal eine Grundstimmung. Mit diesem Material fange ich an, mich immer mehr in Richtung einer Dramaturgie oder Komposition zu bewegen. Am Ende mache ich mich an kleinsten Details zu schaffen. Manchmal muss ich mir geradezu eine „kalte Dusche“ aufzwingen – eine schnelle Bearbeitung des Materials, damit ich aus diesem sehr langsamen, intensiven Komponieren herauskomme. Du hast in einem Interview mal einen Unterschied zwischen Bühnen- oder Theatermusik und dem Hörspiel gemacht. Wobei das Zweite fest steht und das Erste sich mit den Schauspielern entwickelt. Was bedeutet dir die Kombination von Sprache, Kommunikation und Musik? Sprache ist für mich auf jeden Fall immer Klangwelt. Das hat damit zu tun, dass ich in den 1970er Jahren viele Hörspiele gehört habe. Deutsche Hörspiele sind auf einem sehr, sehr hohen Niveau, vor allem die aus den 1960er und 1970er Jahren. Da wurde mit fantastischen Schauspielern und mit fantastischen Stimmen für Kinder etwas geschaffen. Es gab tolle Phrasierung, tolle Texte, tolle Dramaturgie. Das hat mich geprägt und zeigt sich heute auch in meinen eigenen Hörspielen. Ich selber könnte niemals mit einem Sprecher arbeiten, dessen Stimme mir nicht gefällt. Der Klang der Stimme ist für mich genauso wichtig wie der gesprochene Text. Ich denke, dass man auch redundante Texte benutzen kann und diese durch Wiederholung so musikalisiert, dass sie mit dem Klang der Stimme einen eigenen Charakter bekommen. Text kann wie eine einfache Aneinanderreihung von Sounds benutzt werden. Es ist für mich spannend, Sprache so zu verwenden, wie wir sie im Alltag kennen, sie jedoch so zu reduzieren oder zu verfremden, dass man sie nur noch phonetisch verstehen kann. Wenn man einen Satz immer wiederholt, bekommt er nicht nur in der semantischen Bedeutung eine Vertiefung oder Verfremdung, sondern auch phonetisch. In dem aktuellen Projekt „Mein Chromdioxidgedächtnis“ beschäftigst du dich mit einem untergehenden Klassiker, einer Ikone der Tonwelt – dem Audiotape. Damit trittst du im März auch erstmalig auf. Worum geht es in dem Projekt? Das Projekt hat viel mit meiner eigenen Geschichte zu tun: Auf Kassetten habe ich angefangen Musik zu machen. Erst waren es Programmumschalt-Collagen, die ich

Das Hörspiel des Jahres 2012 ist, laut Kubin, „eine poetische Collage“, „ein Schleudersitz, der den Hörer aus der Linearität der Geschichte wirft“. Rechts: Felix Kubin bei einem liveAuftritt in Nantes 2008.


147

Foto: Simone Scardovelli


raincoat KNIRPS scarf CODELLO


SUITE 18

BY SABINE LIEWALD

Pretty, Pink & Proper

FOTOS BY SABINE LIEWALD PRODUCED BY CATCHUP-PRODUCTIONS

149


150

Artistic Director: Jordan Sapir / Production Assistant: Diogo Couto / Photographer Assistant: Vanessa Waeber / Retoucher: Urs Gisler / Model: Ronja Furrer, scout-model / Styling: Lea Kueng / Hair/Makeup/Creative Director: Jacqueline Penza / Location: Townhouse / Location Manager: K端ni Burlet

earrings CARMEN CITA JONES JEWELRY lingerie AGENT PROVOCATEUR


hat MAD HATTER LONDON neck piece/earrings CARMEN CITA JONES dress MIRIAM OCARIZ

151


fur coat Vintage blouse VALENTINO skirt ALEXANDER MCQUEEN sunglasses MYKITA scarf VINTAGE gloves MALENE BIRGER shoes CHRISTIAN LOUBOUTIN beauty case LOUIS VUITTON

152


dress AMERICAN PEREZ ear piece CARMEN CITA JONES JEWELRY

153


FOTOS: MATTHIAS HASLAUER

154


155


Weiß glitzernder Schnee, stahlblauer Himmel über dem Wilden Kaiser. Dampfende Poloponys und engagierte Sportler bieten eine Bilderbuchkulisse für die kleine elitäre Kolonie an Zuschauern, die ihre eigene Bühne ebenso bespielt wie die Sportler selbst. von Susanne Filter ereits das 11. Schneepoloturnier fand dieses Jahr in Österreichs Skiort Kitzbühel statt und ist damit zu einer festen Institution in der Sportwelt geworden. Ein riesiges VIP-Zelt, das sich über die gesamte Längsseite des Polofeldes erstreckt, mit einer repräsentativen Außenterrasse, ermöglicht die unmittelbare Nähe zu einem Sport, der vielleicht nicht so bekannt, aber extrem spannend, schnell und unterhaltsam ist. Südamerika, allen voran Argentinien und Brasilien, dominieren derzeit diese Sportart mit ihren überragenden Poloponys, aber auch durch den intuitiven Umgang der Reiter mit ihren Pferden. „Während eines Spiels darf man in keiner Sekunde über das Reiten nachdenken, es muss so selbstverständlich sein wie das Gehen auf zwei Beinen“, so Marcus Schalldach aus São Paulo, Mitglied des Bernd-Gruber-Teams und selbst nicht nur begeisterter Polospieler, sondern auch Besitzer etlicher hervorragender Turnierpferde. Leicht gesagt, wenn man schon als Kleinkind das Pferd als ein normales Fortbewegungsmittel versteht. Als Polospieler benötigt man mindestens vier gute Pferde, oftmals sind es auch acht oder zwölf Poloponys, mit denen etliche Turniere bestritten werden. Eigene Poloplätze sind bei den südamerikanischen Polospielern nicht unüblich. Kein Sport für Arme, aber ganz sicher für Enthusiasten. Marcus Schalldach, von Beruf Banker, verschrieb sich mit 36 Jahren dem Polospiel. „Bis dahin muss man es geschafft haben, sich diesen Sport leisten zu können“, so Schalldach, der gerade seine Bank verkauft hat und eine weitere neu gründet. Zurzeit lässt er ein neues Polofeld am Strand von Brasilien anlegen, schließlich kommt Sandpolo dem in Kitzbühel gespielten Schneepolo sehr nahe. In beiden Fällen sind die gespielten Bälle größer als beim klassischen Polo, etwa handballgroß, das Feld ist kleiner und man 156


In Kitzbühl, zum weltweit größten Schneepoloturnier, schenken sich Reiter und Pferde nichts.


Moritz G채deke, der wohl talentierteste deutsche Polospieler, reiste aus Berlin an.

158


Unten links: Das Bernd Gruber Team mit Guilherme Lins, Marcus Schalldach und Moritz Gädeke. Unten rechts: Es freuen sich nicht nur die Grubers über den Sieg im kleinen Finale.

Während eines Spiels darf man in keiner Sekunde über das Reiten nachdenken, es muss so selbstverständlich sein wie das Gehen auf zwei Beinen. spielt mit drei anstelle von vier Spielern pro Mannschaft. Ganz sicher ist es anstrengender für die Pferde, wissen wir doch selbst, dass Joggen im Sand oder Schnee ein ziemlich schweißtreibendes Unterfangen ist. Polo ist ein sehr körperbetonter Sport, sowohl für die Pferde als auch für die Reiter. Man schenkt sich nichts, von Berührungsängsten keine Spur. Selbst auf der Tribüne nimmt man zwischen dem Parfumgeruch den intensiven Pferdegeruch wahr. Blut, Schweiß und Tränen ... Nicht ganz, zwar reißt es hin und wieder einen Spieler zu Boden und Reiter mitsamt Pferde dampfen von der körperlichen Anstrengung, aber Tränen habe ich keine gesehen. Wohl eher Lust, Kampfgeist und das Attribut hart im Nehmen zu sein, egal ob bei Reiter oder Reiterin, die gleichzeitig in ein und derselben Mannschaft spielen dürfen. Zugleich erlebt man Backstage eine Polofamilie, die der Sport vereint, die Liebe zu den Pferden, zum Fight unter freiem Himmel, vielleicht auch das Gefühl, Teil einer eher kleinen und elitären Community zu sein, wer will das genau ermessen.

D

ie Spieler scheinen in ihrem Umgang miteinander ungemein geerdet, normal und ohne jeden Schnörkel. Umkleideräume gibt es keine, dafür zwei kleine Zelte, in denen Sporttaschen, heißer Kaffee, Jacken und Sportgeräte durcheinander fliegen, fast wie in jeder normalen Sportumkleide. Die Pferde stehen in mobilen Stallungen, bestens versorgt durch ihre Tierpfleger und Gauchos. Auch diesen Männern merkt man an, dass für sie kein anderes Leben infrage käme, als jenes, dass sie gerade leben. Pferde sind Teil ihres Alltags und waren es schon immer. Sie reisen permanent von Ort zu Ort und fühlen sich immer dort zuhause, wo sie gerade ihr Lager aufschlagen. Ihre Verantwortung für die Pferde ist groß und sie lieben den Umgang mit ihnen. Mancher Gaucho sitzt so elegant auf den Poloponys, dass wir an alte Western oder südamerikanische Heldenfilme erinnert werden. Diese Männer erleben die Welt des Polospiels aus einer ganz anderen Perspektive. Das ganze „Schischi“, das elitäre Drumherum, die Prominenz der Gäste, all das interessiert sie 159


Das Ehepaar Bernd Gruber ist mit Herz und Seele dabei.

herzlich wenig, vielleicht sogar gar nicht. Liebevoll werden die Poloponys auf das Spiel vorbereitet, die Schweife kunstvoll eingeflochten, leicht warm geritten und dann geht es los. Der rote Ball saust über den Schnee, wirbelt durch die Luft und wird in wildem Galopp von den Polospielern verfolgt. Moritz Gädecke, einer der jungen deutschen Polotalente, wurde aus Berlin kommend zum Team Bernd Gruber berufen und begeistert nicht nur durch seine Reitkünste und Intuition, sondern auch durch ein immenses Ballgefühl, das ihn mal den Ball auf der Torlinie aus der Luft abwehren lässt und zugleich in artistischer Leistung nach vorn trägt. Die Komplexität, die von den Polospielern erwartet wird, ist zugleich auch der besondere Reiz, den diese Sportart ausmacht, denn Reiten und Ballgefühl sind ebenso gefragt wie Reaktionsschnelligkeit und Kampfgeist. 160


D

er Schauspieler Heino Ferch, gerade erst gefeiert in seiner Hauptrolle in der Adlon-Trilogie, ist wahrscheinlich ebenso begeisterter Polospieler wie Schauspieler und Teil des hier fightenden Parmigiani-Teams. Zum Polospiel kam er wie die Jungfrau zum Kind. Einer Einladung folgend ging es zunächst nur um Entertainment und wurde für ihn schnell zur Faszination. Kurze Zeit später lernte er seine heutige Frau kennen und eines fügte sich zum anderen, denn sie war nicht nur eine sehr erfolgreiche Militaryreiterin, sondern war und ist auch Heino Ferchs beste Reitlehrerin - Chapeau für einen Testosteron-Mann, der sich von seiner Frau das Reiten beibringen lässt. Heute reitet er fast täglich und lebt mit Frau und Pferden auf einem Hof am Ammersee. Seine Reitkenntnisse beschränkten sich viele Jahre auf das, was er sich bezüglich seiner diversen Rollen aneignen musste, jetzt sind seine Frau und er zum Polosport gewechselt. Heino Ferch ist sicher das beste Beispiel dafür, dass man im Polosport mit Talent auch als Späteinsteiger noch Erfolg haben

kann, zumal das persönliche Handicap, ähnlich wie beim Golfspiel, die Chance des Schlechteren auf ein ausgeglichenes Spiel erhöht. Profi-Polospieler in der eigenen Mannschaft und sehr gute Pferde sind allerdings auch hier eine Grundvoraussetzung, um bei den führenden Mannschaften mitspielen zu können. Das Team Audi hat wohl nicht nur die besten Spieler des Turniers, so zum Beispiel Jonny Good, der sich blind mit seinen Teamkollegen zu verstehen scheint, sondern ist auch mit einer stattlichen Anzahl eigener Pferde angereist, die von außergewöhnlicher Qualität sind. Der resultierende Turniersieg ist somit hochverdient. Es ist ein Genuss der Mannschaft zu zuschauen. Auch die Mannschaft von Bernd Gruber, Interieurdesigner aus Kitzbühel, der erstmals eine eigene Polomannschaft ins Rennen schickt, ist mit dem Gewinn des kleinen Finales, nach sehr guter Leistung hochzufrieden. Neben den großen Sponsorennamen ist es eine Freude den Enthusiasmus eines individuellen Sponsors mitzuerleben, der in Persona bei jedem Spiel mit der eigenen Mannschaft mitfiebert.

Mit sechsunddreißig Jahren muss man es geschafft haben, sich diesen Sport leisten zu können.

Polospiel und eine gute Cohiba – passen gut zusammen!

161


Den Pferden so nah wie sonst niemand – professionelle Pferdepfleger kümmern sich Tag und Nacht um die sensiblen Tiere.

Die Gauchos sitzen so elegant auf den Poloponys, dass wir an alte Western oder südamerikanische Heldenfilme erinnert werden. Doch nicht nur das sportliche Event ist sehenswert, interessant ist auch das illustre Publikum, das sich gern selbst auf der Showbühne inszeniert, die in Kitzbühel schon lange zum guten Ton gehört. Nicht jeder hat echtes Interesse an der sportlichen Leistung, so mancher sucht den besten Platz für eine gelungene Selbstinszenierung. Marken und Statussymbole dürfen dabei nicht fehlen. Pelze, Cohibas, Markenuhren, extravagante Mode und Schmuck, wer nicht en vogue ist, kann sich hier zum Trendsetter mausern. Es sind nur wenige Meter, die Zuschauer und gelebte Polowelt trennen, und doch scheint es, als wäre man auf zwei verschiedenen Veranstaltungen. Beide Welten sind Synonyme für gelebten Luxus und zugleich so verschieden, dass man es mit Verblüffung wahrnimmt.

162

uf der Suche nach den Individualisten unter den Zuschauern ist ein Mann in den Fünfzigern mit gehäkelter Mütze in Form eines Fez und dazugehörigem bunten Schal unübersehbar. Dr. Andreas Insam, CEO und Mitgesellschafter der Valartis Bank, ist seit vielen Jahren der Hauptsponsor dieses Schneepoloturniers, der mir die Welt erklären kann, zumindest diese Kitzbüheler Variante. Die Mütze trage er weder aus religiösen noch emotionalen Gründen, sondern allein zur Wiedererkennung für seine 280 persönlich geladenen Gäste aus aller Welt, wie Hedgefondsmanager, Verwalter großer Privatvermögen, wie z. B. das Vermögen des Ikeagründers, oder einfach sehr gut betuchte Privatkunden.


BENTLEY CONTINENTAL GT V8 CABRIO

FOTOS DIRK SCHAPER, STYLING ÅSA LUNDSTRÖM

164


Anzug Bluse ISSEVER BAHRI Mantel CLUB MONACO Schuhe GANNI Handschuhe ESCADA Clutch NINA PETER

165


er Bentley Continental GT Convertible V8 ist eine verführerische Kombination aus Leistung, Stil und Exklusivität. Seit vielen Jahrzehnten sind die Cabriolets der britischen Traditionsmarke ein Synonym für herausragendes Design, großartige Handwerkskunst, faszinierende Technik und unbeschreibliches Flair. Bei diesem Modell werden die Leistung eines Supersportwagens mit der Praktikabilität einer Limousine und dem Sex-Appeal eines Cabriolets vereint. Der Innenraum verspricht herausragenden Komfort in sportlich elegantem Ambiente. Hier stimmt einfach jedes einzelne Detail, der satinierte Chrom auf den Zifferblättern, das Soft-Touch Leder mit seinen feinen Nähten, das polierte Holz und die klaren Linien des Armaturenbretts. Visuelles Vergnügen so gekonnt mit Ergonomie und Komfort zu verbinden braucht viel Erfahrung und Klasse. Für Bentley ein Kinderspiel.

Mantel ISSEVER BAHRI Handschuhe LOUIS VUITTON Cap STINE GOYA 166


167


168


Photos: Dirk Schaper | Assistenz: Thomas Langenfeld | Model: Michaela Bodenmiller @ Model Management | Styling: Åsa Lundström @ Liga Nord | Hair & Make-up: Shirin Kirschner @ Nina Klein | Casting - Kristina Tulinius @ April/May

rotz der beeindruckenden Leistung aus dem 507 PS starken V8-Motor, fühlt sich der offene Bentley so an, wie man es vom aristokratischen Charme dieser Marke erwartet. Das bedeutet aber nicht, dass der offene Viersitzer unscheinbar und zurückhaltend wirkt. Man kann genau sehen, wie sich die angespannten Muskeln unter dem Blech abzeichnen. Die Leistung hält, was der sportliche Look verspricht, es dauert gerade einmal 4,8 Sekunden, um von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Dank der perfekten Balance aus Leistung, Handling, Luxus und Praktikabilität bleibt der offene Grand Tourer immer ein echtes „Driver’s Car“. Es gelingt nur wenigen Marken eine so beeindruckende Symbiose aus Tradition und modernster Technik in Form eines Automobils zu erschaffen. Der Bentley Continental GT Convertible ist zweifellos ein Meisterwerk, welches diese Disziplin beherrscht. Hut ab, beziehungsweise Dach runter.

Top/Jacke ISSEVER BAHRI Hose/Schal/Schuhe LOUIS VUITTON Cap STINE GOYA 169


Foto: Shiinoki

Frozen Flowers, aufgenommen von Shiinoki. Der Fotograf und der Floristikk체nstler arbeiten viel zusammen. In Videos und Fotografien, die Azuma Makoto oft noch olfaktorisch unterstreicht, halten sie die verg채nglichen Kunstwerke fest.

170


Opus

vivendi

Azuma Makoto – ein verdrehter Name, heißt der Ikebana-Künstler doch eigentlich Makoto Azuma. Auch seine Werke sind verquer, stellen die traditionsreiche Kunst des Ikebana immer wieder infrage. Mit tiefer Hingabe und konsequenter Perfektion nähert sich der Japaner Blumen auf eine sehr ungewöhnliche Art und gibt der Jahrtausende alten Kunst ein neues, originelles Gesicht. Im Gespräch mit dem „enfant terrible“ des Ikebana über seine tiefe Liebe zur vergänglichen Schönheit der Pflanzen. Interview von Susanne Filter

171


H

err Makoto, früher waren Sie Rockmusiker, heute setzen Sie sich mit der stillen Kunst des Ikebana auseinander. Wie kam es zu dieser einschneidenden Veränderung? Von der Musik zu leben war mir nicht möglich, deshalb hab ich mich eher zufällig für eine Halbtagsstelle bei einem Floristen beworben. Ich war bis zu diesem Zeitpunkt nicht besonders an Blumen interessiert. Das heißt, Ihr Interesse an Pflanzen kam erst bei dieser Arbeit? Ja. Im Grunde fühlen sich die Facetten der Blumen ähnlich wie Musik an, das Erblühen, nur um dann zu verwelken. Ich wurde damals mehr und mehr von dieser Vergänglichkeit angezogen und begann die Kraft und Schönheit lebendiger Dinge zu realisieren. Gab es vorher nichts, was Ihre Liebe zu Pflanzen beeinflusste? Menschen in Ihrem näheren Umfeld z. B., die das traditionelle Ikebana ausübten? Es gab keine Ikebana-Künstler in meinem Umfeld. Ich habe mir alles über die Blumen und Techniken selbst beigebracht. Und das sehr erfolgreich, Sie sind ja heute ein Spezialist. Geben Sie auch Kurse, in denen Sie anderen Ihre florale Kunst vermitteln? Unser Blumenladen „Jardins des Fleurs“ betreibt eine Blumenschule, aber es gibt keine richtigen Schulklassen oder Vorlesungen. Sie ist für Menschen gedacht, die sich den Pflanzen und der Natur nähern möchten. Sie haben gerade von „unserem Blumenladen“ gesprochen. Arbeiten Sie auch in Ihrer Kunst mit anderen oder eher allein? Da ich meine Projekte und die Pflanzen so anfasse, wie ich mich gerade fühle, arbeite ich meistens allein. Haben Sie vor Beginn einer Arbeit bereits eine Vorstellung vom Ergebnis? Es kommt ganz darauf an. Manchmal inspiriert mich das bloße in der Handhalten von Pflanzen zu spontanen Arbeiten, aber oft habe ich bereits vorher ein genaues Konzept im Kopf.

Rechts: „God“, der selbstbewusste Titel Makotos für seine alieneske Skulptur aus Duschschlauch und Pflanzenknolle. Unten: Botanik-Skulptur „Frozen Pine“, aufgenommen auf einer Ausstellung in Belgien.


Foto: Shiinoki


174


Sind Sie eher ein strukturierter Mensch? Es kommt auf den Anlass und die Situation an. Auf der geschäftlichen Seite denke ich in mittleren bis langen Prozessen, wenn ich an meinen Kunstwerken arbeite, fokussiere ich intensiv und stelle meine Gefühle in den Pflanzen-Ensembles dar. Dabei gibt es manchmal sicherlich auch kreatives Chaos? Ja. Eigentlich herrscht immer kreatives Chaos. Das ist doch im Grunde das, woraus Kunst und Konzepte entstehen. Ist bei der Arbeit auch der Duft der Blumen für Sie von Bedeutung? Sehr! Einige meiner Werke sind dafür gedacht, Menschen auf den Duft aufmerksam zu machen. Wenn es sich um ein Foto handelt, behandle ich die Oberfläche mit dem Blumenduft. Der Geruch ruft Erinnerungen hervor, kann zugleich auch die Seele heilen. Um Blumen zu erspüren, muss man alle fünf Sinne nutzen. Sie nutzen auch Fotografien und Duftessenzen in Ihrer Arbeit. Unterscheidet sich Ihre Arbeit stark von der sehr alten japanischen Tradition? Das ist nicht einfach in Worte zu fassen. Die Art, den Blumen und Pflanzen Ausdruck zu verleihen, ist eine andere. Jeden Tag bin ich auf der Suche nach neuen ungewöhnlichen Eindrücken. Ich gehe einen eigenen Weg, die Reize und Verlockungen, Schönheit und Rätsel der Pflanzen zu zeigen. Das hört sich recht kompliziert an und verlangt sicherlich hohe Konzentration. Hören Sie dabei Musik? Es herrscht Stille, wenn ich arbeite. In Ihrem Studio gibt es generell wenig Ablenkung, die Wände sind weiß, keine Dekoration. Sie arbeiten mit viel künstlichem Licht, kaum mit Tageslicht. Warum? Das liegt daran, dass unser Atelier im Keller liegt. Der Keller ist am Besten geeignet, um die Luftfeuchtigkeit und Temperatur für die Pflanzen das ganze Jahr über konstant zu halten. In unser Atelier fällt kaum natürliches Licht, wir benutzen eine besondere künstliche Lichtquelle, die präziser als natürliches Licht ist. So schaffen wir das passende Umfeld für die Pflanzen. Und privat? Leben Sie selbst eher in lichtdurchfluteten Räumen? Da ich täglich von organischen Geschöpfen umgeben bin, verbringe ich meine private Zeit in einem eher unorganischen Umfeld. Ich habe aber Fenster und eine Terrasse. Sie haben doch sicherlich in Ihren eigenen vier Wänden viele Pflanzen. Eher beständige Topfpflanzen oder Schnittblumen? Zu Hause habe ich mehr als einhundert Bonsaibäume. Ihre Leidenschaft ist also auch in Ihrem Zuhause sichtbar. Was hätten Sie gemacht, wenn Sie sich nicht der Floristik zugewandt hätten? Es gab mehrere Möglichkeiten, aber mit Pflanzen zu leben und zu arbeiten bedeutet im Moment alles für mich und ich erlebe dies als sehr kostbar. Wie arbeiten Sie an dieser „Kostbarkeit“ ? Haben Sie eine Vision, die Sie gern realisieren würden? Ich habe mehrere parallel laufende Projekte in Vorbereitung. Eines von ihnen beinhaltet, den schönsten Garten Brasiliens zu schaffen. Der Garten wird Avantgarde sein, etwas noch nie Dagewesenes. Das Projekt befindet sich aber noch im Status der Idee. Mit Ideen zu jonglieren, Utopien zu ersinnen und Neues zu schaffen sind die Katalysatoren einer künstlerischen Entwicklung. Wie stellen Sie sich Ihre persönliche Entwicklung vor? Ich möchte noch mehr Menschen an der Schönheit und den Geheimnissen der Pflanzen teilhaben lassen. Ich wünsche mir die unendlichen Möglichkeiten der Darstellung und Ausdrucksformen zu erforschen.

„Allein das Berühren von Blumen lässt manche Menschen eine unsichtbare Kraft fühlen und gibt ihnen die Stärke, ihr eigenes Leben zu leben.“

Oben: Das kreative Chaos als Ressource, Nährboden für neue Ideen und Projekte. Links: Azuma Makoto in den Kellerräumen seines Ateliers. Hier herrscht Stille, die Voraussetzung für konzentrierte Energie, die er zum Arbeiten braucht.

Denken Sie daher auch an die Dokumentation Ihrer Arbeiten? Lassen sich Ihre Werke auch durch Fotos oder Videos verstehen oder kann man sie nur real begreiflich machen? Das sind alles Momentaufnahmen, Pflanzen aber wachsen und verwelken, verändern ihre Gestalt, sie können ihre Form nicht ewig behalten. Deshalb haben sie eine vergängliche Schönheit. Das lässt sich auf Fotos und Videos natürlich nicht greifen, sie sind aber ein wichtiges Element, ein Weg, einzelne Momente in Ewigkeit zu verwandeln. Mein Partner Shiinoki fotografiert alle meine Arbeiten. Er arbeitet genauso mit Pflanzen wie ich, wir teilen viele Ideen und Ansichten und er bringt das dann an die Öffentlichkeit. 175


Ist das Erleben und Beeinflussen des gesamten Entstehungsprozesses einer Pflanze, das Wachsen und Vergehen, wichtig für Ihre Arbeit? Es sind wichtige Bestandteile, die den Ausdruck der Blumen und Pflanzen interessanter gestalten. Ich habe übrigens ein Gewächshaus in meinem Atelier und ziehe dort viele Pflanzen selbst. Außerdem besitze ich ein Feld in einem Außenbezirk. Wenn wir über die Vergänglichkeit der Pflanzen, und so auch Ihrer Arbeit sprechen, dann ist doch die Aussage des bekannten Philosophen Adorno recht passend, der sagt, dass die größte Kunst jene ist, die nur einen Augenblick dauert, ganz ähnlich dem Feuerwerk. Würden Sie die Vergänglichkeit Ihrer Kunst in derselben Art und Weise einordnen? Blumen sind eine energetische Masse. Sie warten still im Erdreich auf den Frühling, treiben aus und blühen auf, um schließlich zu verwelken und zur Natur zurückzukehren. Jeder Moment dieses Kreislaufes beinhaltet Kostbarkeit und Anmut. Ich strebe danach diese Schönheit aus vielen Blickwinkeln und auf unterschiedlichste Art und Weise auszudrücken. Würden Sie diesen Umgang mit Pflanzen und deren „Leben“ als eine Bereicherung für den Menschen beschreiben? Das hängt von der einzelnen Person ab. Schon allein das Berühren lebendiger Wesen lässt manche eine unsichtbare Kraft fühlen, kann Stärke geben, das eigene Leben zu leben. Blumen und Pflanzen nah zu sein bereichert den Geist und die Seele. Sie glauben also an eine besondere Kraft, die den Pflanzen innewohnt? Ja, es sind lebendige Wesen, deren Stärke nicht zu ersetzen ist. Haben diese Wesen auch einen eigenen Charakter? Genauso wie Menschen auch. Jede Blume sieht anders aus, auch wenn sie derselben Art entstammt. Und jede hat ihren eigenen Charakter.

„Der Geruch der Pflanzen ruft Erinnerungen hervor und kann zugleich die Seele heilen.“

„Hybrid“ lässt viele Assoziationen zu

176

„Whole“ heißt der Titel dieses opulenten Blumenstücks. Zu sehen auch in dem Buch „Encyclopedia of Flowers, Flower Works by Makoto Azuma photographed by Shunsuke Shiinoki“.


177

Foto: Shiinoki


178

Fotos: Shiinoki

In die Schöpfung eingegriffen: Die Installation „Underwater Bonsai“ simuliert den natürlichen Lebensraum des Minibaumes – allerdings unter Wasser.


„Die Pflanze stoppt die Zeit und geht in sanften Schlaf hinüber. Ohne zu sterben bleibt sie dort mit voller Frische ...“

Dennoch greifen Sie in Ihrer Kunst doch sehr stark in diesen Charakter, in das Leben der Pflanzen ein. Finden Sie die veränderte Natur reizvoller? Natürlich sind Pflanzen schon in der Natur schön, aber ich glaube, dass der Eingriff durch die menschliche Hand neue Schönheit in ihnen zu schaffen vermag. Das hört sich sehr poetisch, fast spirituell an. Sind Sie gläubig? Ich glaube nicht an eine bestimmte Religion, aber ich schätze das unsichtbare chinesische Qi, die Lebensenergie. In Japan gibt es seit der Antike die Vorstellung von acht Millionen Göttern, die in allen Dingen zu finden sind, auch in Bergen, Wäldern, Steinen oder Bäumen. Die Japaner beten diese an. Viele Heiligtümer pflegen einen Baum, der seit hunderten von Jahren als heiliger Baum verehrt wird. Wahrscheinlich trage ich dieses Bewusstsein in mir. Mein Empfinden gegenüber Pflanzen ist von Achtung geprägt. Durch das Beschneiden der Pflanzen verletzen oder töten Sie diese. „Der Mörder ist immer der Gärtner”, was sagen Sie dazu? Ich beschreibe meine Arbeit mit Schnittblumen als „Tötung, um Leben zu schaffen“. Ich schneide erst die Stängel ab, wandle sie dann mit meinen Händen in eine andere Form von Ästhetik, diese vergeht dann in ihrer kurzen Lebensdauer. Wenn ich Bonsais oder Pflanzen mit Wurzeln für meine Arbeiten nutze, ist es das Umwandeln von Lebendigem in weiterführende Schönheit. Gärten und Landschaften sind wahrscheinlich gute Beispiele dafür. Es gibt Zeiten, in denen ich eine Pflanze ausgrabe, die ich für viele Jahre gepflegt habe, um sie dann für meine Arbeit zu verwenden. Ich ziehe dort keine Grenze, es hängt davon ab, wie ich derjenigen Pflanze oder Blume gegenüberstehe. Ich bin mir im Klaren darüber, dass ich ihr das Leben nehme, um mich künstlerisch auszudrücken. Das ist nicht leicht für mich, aber da ich 365 Tage im Jahr mit Pflanzen arbeite, habe ich ganz gut gelernt, damit umzugehen. Was aber bei jeder Arbeit, bei jedem Schnitt einer Blume bleibt, ist mein tiefer Respekt vor Pflanzen und Blumen. Herr Makoto, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Rechts: Makoto in seinem Atelier Oben: Der Bonsai-Leidenschaft sind keine Grenzen gesetzt. Hier ein pflegeleichtes Modell aus LEGO.

179


von Sinnen ... Ohne Geschmack wären wir nichts. Zumindest nicht das, was wir zu sein vorgeben. Wir nennen uns Homo sapiens – weise Menschen. Und diese Weisheit wäre ohne Geschmack nicht denkbar, mehr noch: Der Geschmack bildet die Grundlage für die menschliche Weisheit. Geschmack haftet also nie nur an der glatten Oberfläche eines Gegenstandes, sondern er ermöglicht unser Verständnis von der Welt grundlegend. Das wissen wir – oder haben es vergessen – seitdem wir uns weise nennen. von Nikolai Wojtko

Gene Simmons, Sänger von Kiss, hat seine Zunge nicht nur zum schmecken genutzt. Sein außergewöhnlich langer Geschmacksmuskel, von dem Neider behaupteten, er sei eigentlich eine implantierte Kalbszunge, hat auch kräftig seine Karriere angekurbelt.

180


Oscar Wilde starb am 30. November 1900 im „Hotel d‘Alsace“ in Paris. Er war völlig mittellos, dennoch bekam er von dem Hotelbesitzer das beste Zimmer, bestes Essen und den besten Wein. Sein angeblicher Kommentar: „Ich sterbe über meine Verhältnisse.“ bzw. seine letzten Worte: „Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich.“

Oscar Wilde sagte von sich selbst, dass sein Geschmack einfach sei: „Einfach immer nur das Beste!“

W

as aber ist eigentlich Geschmack? Für Oscar Wilde war die Frage recht einfach zu beantworten. Er sagte von sich selbst, dass sein Geschmack einfach sei: „Einfach immer nur das Beste!“ Was aber ist dieses Beste für den Geschmack? Oscar Wilde selbst wäre an seinen Worten beinahe erstickt, wenn er sie als Snob ausgesprochen hätte. Und in der Tat scheint ja die Aussage, einfach nur das Beste zu wollen, darauf hinauszulaufen, einfach nur das Teuerste zu erwerben. Doch Oscar Wilde war kein Snob, der einen Gegenstand nur schätzte, wenn er dessen Preisschild derart in die Luft zu halten vermochte, dass alle, die nicht früh genug das Weite suchen konnten, sehen mussten, was sich dieser Mensch leisten kann. Nein, Snobs waren Wilde zuwider. In seinen Augen besaßen sie nicht nur keinen Geschmack, sie erstickten den wahren Geschmack mit ihrer kulturvergessenen Protzerei. Wie recht Wilde mit dieser Ansicht hatte, erkennt man bei dem Gedanken daran, welchen Wert Geschmack haben kann. Ein teures Essen in einem Restaurant kann einen faden Nachgeschmack haben, wenn die Küche nicht das hält, was das Preisschild vermeintlich verspricht, oder wenn man schlicht dem Es-

sen aus Zeitmangel, Stress oder anderen Sorgen keine Aufmerksamkeit schenken kann. Wie anders wirkt da der Geruch eines frisch gebackenen Brotes, das man einfach mit leicht gesalzener Butter in Ruhe genießen kann. Ein unvergleichlicher Geschmack, der alle schon vor dem Essen anregt. Dies ist kein Zufall, denn viele Lebensmittel, die heute begehrt und damit teuer sind, galten lange Zeit als Essen für arme Leute. Austern und Meeresfrüchte wurden vor nicht allzu langer Zeit lediglich Hausangestellten gereicht und in einigen Staaten der USA weigerten sich Gefangene, öfter als an fünf Tagen in der Woche Hummer zu essen. Ihnen hing dieser billige Fraß zum Hals heraus. Ist Geschmack also rein zufällig? Nein, er ist aber, wie diese Beispiele zeigen, abhängig von einigen Bedingungen. Das Gewöhnliche reizt den Geschmack wenig, er möchte Abwechslung und Überraschungen. Dazu ist der Geschmack in vielen Punkten eine launige Diva. Er mag es nicht, wenn er nicht beachtet wird. Wenn man sich für ihn keine Zeit nimmt, um ihn zur Entfaltung kommen zu lassen, wird auch das raffinierteste Geschmackserlebnis keine bleibende Erinnerung hinterlassen. Andererseits aber ist der Geschmack auch keine verwöhnte kleine Göre. Er kann sich ebenso an scheinbar einfachen Dingen erfreuen, wenn man sich 181


die Zeit nimmt, sie zu genießen, wenn man es beispielsweise versteht, aus einfachen Zutaten ein außeralltägliches Erlebnis werden zu lassen. Auf diese Weise hat das Jägerschnitzel Eingang in die Sterneküche gefunden: Frisch zubereitet mit den richtigen Zutaten von höchster Qualität ist es nicht nur ein Genuss, sondern darüber hinaus überrascht es in einem solchen Restaurant den Gast. In diesem Sinne entwickelt sich Geschmack stets im Spannungsfeld von Bekanntem und Überraschung. Auch dies ist kein Zufall, denn zunächst geht es um die Befriedigung der Grundbedürfnisse und erst dann um die Verfeinerung und Ausdifferenzierung des Geschmacks. Dabei hat Geschmack in jeder Hinsicht – kulinarisch, ästhetisch, akustisch, olfaktorisch – stets etwas mit Verstand zu tun, er prägt sich salopp gesagt im Kopf. Geschmack leitet sich von Schmecken ab und das Schmecken hat viel mit unserem Überlebensinstinkt zu tun. Wir verfügen über eine natürliche Vorliebe für süße – kalorienhaltige! – Speisen und lehnen bittere – giftige! – Nahrungsmittel intuitiv ab, bis wir lernen, welche bitteren Speisen wir zu uns nehmen können und das ausschließlich süße Nahrung auf die Dauer langweilt. Geschmacklos wird mit fade und

dumm gleichgesetzt, ein Mensch, der über Geschmack verfügt, weist somit auch eine gewisse Bildung aus.

D

ies ist kein Wunder, wie der berühmte französische Philosoph Michel Serres in seinem Werk „Die fünf Sinne“ feststellt. Denn es ist nichts im Verstand, was nicht zunächst in den Sinnen war. Jeder Sinneseindruck füttert also den Verstand und regt ihn an, ordnend, analysierend und synthetisierend tätig zu werden. Geschmack regt folglich den Verstand an und auf diese Weise vom Geschmack angeregt, schult der Verstand den Geschmack, um ihn differenzierter werden und sich selbst mehr Verstandesfutter zukommen zu lassen. Dieses elementare Wechselspiel lässt sich am deutlichsten durch das doppelte Vermögen unserer Zunge veranschaulichen. Die Zunge hat für uns nicht nur die Aufgabe zu schmecken und dabei das phänomenale Vermögen Aromenakkorde auf einmal wahrzunehmen, sondern auch Worte zu formen und uns sprechen zu lassen. Sie besitzt damit das Vermögen der geschmacklichen Synthese und zugleich der sprachli-

Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Wer dies trotzdem tun möchte, sollte sich an den Philosophen Wittgenstein halten und Gründe für sein geschmackliches Urteil sammeln.

Eine unserer grundlegenden Gewissheiten ist, wenn uns etwas gut oder eben nicht gut schmeckt.

182


Nichts ist im Verstand, was nicht zunächst in den Sinnen war.

chen Analyse des Geschmacks. Es ist also der grundlegende Irrtum, dass man über Geschmack nicht streiten kann, es ist der Geschmack selbst, der uns als Person definiert, der uns ernährt und über den wir mit unserer Umwelt in Kontakt treten. Bloß brauchen wir, wenn wir uns ernsthaft über den Geschmack unterhalten wollen, Argumente und Gründe für einen guten Geschmack. Mit der Frage nach dem Geschmack begeben wir uns nicht nur auf die Suche nach Gewissheit jenseits subjektiver Ansichten. Wir betreten ein weites, immer noch zu objektivierendes Feld. Einem Diktum des Sprachphilosophen Ludwig Wittgensteins – aus dessen nachgelassener Schrift „Über Gewissheit“ – folgend, kann man über alles Zweifeln, nicht aber an Gewissheiten. Eine unserer grundlegenden Gewissheiten ist, wenn uns etwas gut oder eben nicht gut schmeckt. Intuitiv erfassen wir, ob uns etwas gefällt oder zusagt. Sobald wir darüber nachdenken, was uns gut schmeckt oder gefällt, können wir sehr schnell analysieren und differenzieren, was unseren Geschmack anspricht oder prägt. Eine Übung, die sich auf alle Bereiche des Geschmacks – Mode, Musik, Kunst, Design, Architektur, Kulinaristik – und damit auch auf deren jeweilige Verbindung von Form und Funktion anwenden lässt. Aber der Geschmack spricht nicht für sich selbst, er schläft in der Narkose der wahllos verstreuten Worte. Er will gereizt, angestachelt, beseelt werden, damit er sich entfalten kann. Reden sie nicht zu viel, aber achten sie darauf, wie sehr der Geschmack sie zum Reden animiert. Doch das Reden alleine ist noch keine Weisheit, die entsteht erst durch ihren unbewussten Schatten, den Geschmack.

O

scar Wilde war kein Snob. Für ihn, den Dandy, hatte das Beste einen anderen Charakter, es sollte Genuss und Amüsement bereiten und auf diese Weise die eigene geschmackliche Bildung unter Beweis stellen. Trotzdem war es sicherlich ganz in seinem Sinne, dass er kurz vor seinem Tod völlig mittellos in einem Pariser Hotel Zuflucht fand. Durch den Hotelbesitzer – ein stiller Verehrer von Wildes Werk, der dessen Wahlspruch in Geschmacksdingen beherzigt hatte – bekam er das beste Zimmer des Hauses zugewiesen. Darüber hinaus wurden ihm die besten Gerichte und die besten Weine des Hauses gereicht. Von diesen Gunstbezeugungen leicht verschämt äußerte er sich ganz im Stile des stillen freudigen Genießers, der um sein baldiges Ableben weiß: „Ich sterbe über meine Verhältnisse.“ Damit zeigte Wilde, dass er die kulinarischen Zuwendungen sehr wohl zu schätzen wusste und sein persönlicher Geschmack so weit geschult war, um sich für die Gunstbezeugung mit weiser Ironie zu bedanken. Und gerade das hier erwähnte Lob des guten Lebens verweist auf die dahinter liegende tiefere Weisheit, denn der Mensch – der Homo sapiens – ist weise, da er – so die zweite Bedeutung des Wortes sapor – über Geschmack verfügt.

Der Philosoph Michel Serres schrieb 1985 das Buch „Die fünf Sinne: Eine Philosophie der Gemenge und Gemische“, bis heute ein Standartwerk zum Thema Tafeln mit allen Sinnen.

183


moves FOTOS: JENS Rテ傍ZSCH


Wer Berlin gut kennt, liebt es oder hasst es. Berlin polarisiert wie wohl kaum eine andere Stadt. Einst politische und kulturelle Drehscheibe zwischen Ost und West, ist Berlin heute eine internationale Drehscheibe, vor allem auch für die sogenannte „Off-Kultur“, die in anderen Metropolen dieser Welt fortschreitend an deren Ränder verdrängt wird. Berlin hat sich überall Nischen bewahrt, für nahezu alle städtischen Lebensweisen. Es ist weiß Gott nicht elegant wie Paris oder Mailand – Berlin ist vielmehr unangepasst, schräg, schrill, zuweilen auch komisch und manchmal grotesk. Diese Stadt zieht junge Menschen aus aller Welt an, vor allem Künstler und Kreative jeglicher Couleur, die hier eine Plattform finden, um sich zu entfalten. Berlin ist Mythos, Berlin ist „retro“. Die Bildern von Jens Rötzsch zeichnen in großer atmosphärischer Dichte ein Berlin jenseits der bekannten Touristenpfade, abseits des Mainstream. Sie zeigen eine Stadt in Bewegung, morbide und lebendig zugleich, eine Stadt, die sich ständig neu erfindet. Eine „Mischpoke“ – wie der Berliner sagt –, die Berlin und ihren Bewohnern ihren unverwechselbaren Charakter gibt: ein bisschen verrückt. Gemäß einem alten Gassenhauer aus dem 19. Jahrhundert: „Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin! Wo die Verrückten sind, da gehörst du hin!“ QM-Red.

oben: Pariser Platz links: Making-Off aus den Dreharbeiten zu „Herr Lehmann“ auf dem Originalmauerstreifen Bernauer Straße

185


V

on Marlene Dietrich und Frank Sinatra, über David Bowie und Frank Zappa bis hin zu U2, R.E.M. und Peter Fox haben sich viele Musiker vom rauen Charme Berlins inspirieren lassen. In unzähligen Songs wird die einst geteilte Weltmetropole an der Spree auf unterschiedliche Art und Weise porträtiert. Dieser vielschichtige Soundtrack wird dem Charakter der Stadt absolut gerecht. Doch auch die vielen unbekannten Straßenmusiker tragen ihren Teil zu diesem Soundtrack bei. Spätestens seit dem Fall der Mauer ist Berlin im ständigen Aufbruch und gehört zweifellos in die Reihe der „Cities that never sleep“. Um das selbst zu erleben, spielt es gar keine Rolle, ob man sich durch das pulsierende Mitte bewegt, das nicht mehr ganz so wilde Kreuzberg besucht oder das wieder aufblühende Charlottenburg erkundet. An allen Ecken entsteht Neues, daneben wird Altes wiederbelebt und zwischendrin finden sich die kleinen Geheimtipps, die jeder Großstadt das gewisse Extra verleihen.

„Party“ kann Berlin am besten: ob im „Kiez“ auf einem Salsa-Abend in der Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg, im Club oder auf einem der vielen Vergnügungsschiffe der Spree oder vor dem Berliner Dom – Berlin „bewegt“!

186

<< Bar 25: Party unter dem Titel „Das Große Fressen“ im Stil der zwanziger Jahre


Der Berliner teilt seine Stadt in Kieze ein, kleine Stadtgebiete, die die großen Bezirke in Inseln aufteilen und für ein identitätsstiftendes Zugehörigkeitsgefühl bei den Bewohnern sorgt. Wie kleine Orte in der großen Stadt drängen sich die verschiedenen Gebiete aneinander und glaubt man den jeweiligen Bewohnern, ist jeder Kiez der wunderbarste von allen. Zweifellos ist jedes dieser Reviere auf seine Weise einzigartig. Mal etwas alternativer und nebenan eher gutbürgerlich, hier jung und flippig und drei Straßen weiter hochkreativ oder ganz exklusiv. Diese Vielschichtigkeit zeigt ein modernes und gewachsenes Berlin und ist Teil des besonderen Charmes dieser Stadt.

Zunächst profitierte vor allem der Ostteil der Stadt von dem Fall der Mauer. Während heute die insbesonders beim internationalen Publikum als hip geltenden Bezirke wie Mitte oder der Prenzlauer Berg, wie ein Phönix aus der Asche stiegen, bröckelte auf der anderen Seite die ehemals prunkvolle Fassade des Westens und verlor an Glanz. Mittlerweile ist die City West wieder da – glanzvoller denn je. Große Namen wie Louis Vuitton, Saint Laurent Paris und Prada kehrten auf den Kurfürstendamm zurück und bringen wieder das Gefühl von Luxus auf Berlins großen Shopping-Boulevard. Auch Philipp Plein, Hermès und Brunello Cucinelli entschieden sich mit Ihren neuen Dependenzen für den Kurfürstendamm. So mausert sich diese Prachtstraße erneut zum eigentlichen Luxus-Quartier der Stadt. Interessanterweise haben einige Luxusmarken diesen Trend frühzeitig

erkannt und ihre Filialen in Mitte geschlossen, um sich auf Charlottenburg zu konzentrieren.

187


Ball der Kleinaktionäre, Hotel Adlon, Pariser Platz

as traditionsreiche Kaufhaus des Westens hat in den letzten Jahren erfolgreich gegen die Wirtschaftskrise gekämpft und gehört noch immer zu den Pflichtadressen für jeden, der zum ersten Mal in der Hauptstadt verweilt. Hier wurde mit umfangreichen Renovierungsarbeiten und neuen attraktiven Abteilungen ein Zeichen gesetzt. Nach wie vor ist es ein Erlebnis, sich den kulinarischen Genüssen auf der Feinschmecker-Etage hinzugeben, inklusive der exklusiven Austernbar. Aber auch in anderen Bereichen kehren Glanz und Gloria zurück, der Starfrisör Shan Rahimkhan hat neben seinem Geschäft am Gendarmenmarkt einen beeindruckenden zweiten Salon auf dem Ku’damm eröffnet. Wie man es von ihm kennt, gibt es hier mehr als ein neues Styling, die angebotene leichte Küche passt perfekt in das Gesamtbild des Salons. 188

Die wundervoll instandgesetzten Räume des Grosz – benannt nach dem berühmten Maler George Grosz – passen hervorragend zur gebotenen kulinarischen Qualität. Hier hat der Betreiber des Restaurants Borchart ein weiteres Restaurant mit Kultcharakter etabliert. Gleich nebenan findet man den neu eröffneten Store des 14 oz., dort kann man Fashion fernab des Mainstream erleben und natürlich auch kaufen. Selbstverständlich inklusive eines VIP-Bereichs, der das Shopping-Erlebnis noch entspannter gestaltet. Ganz anders als im Grosz geht es im Focaccino zu. Riccardo Puglisi, der Betreiber des kleinen italienischen Restaurants, kümmert sich höchstpersönlich um seine Gäste. Nach nur wenigen Augenblicken fühlt man sich willkommen und umsorgt. Die offene und herzliche Art des Sizilianers passt perfekt zur fabelhaften Küche a la mamma. Das Restaurant Adnan, mit seinem illustren Gastwirt, ist seit nunmehr 10 Jahren Charlottenburgs Anlaufstelle für Promis. Nach wie vor trifft sich hier das „who is who“ des Westens. An den Wochenenden lohnt es sich bei Wasserpfeife, Bauch-

tanz und Mezze im Marooush das Nachtleben Kairos in der Nähe des Ku’damms zu erleben. Das bedeutet aber nicht, dass es im Osten der Stadt nichts Spannendes zu entdecken gibt. The Grand Berlin, beliebte Bar und auch Restaurant ist ein angesagter Szenetreffpunkt, allerdings ist es nicht immer leicht zu gut frequentierten Zeiten Einlass zu finden. Die einstige Communal Armenschule steht unter Denkmalschutz und wurde sowohl sensibel als auch glamourös dekoriert. Chesterfield Sofas und ein handgefertigter Kronleuchter, der über zwei Etagen reicht, sind optische Highlights. Umfunktionierte ehemalige Schulen scheinen in Berlins Restaurant- und Bar-Szene in zu sein. Auch die ehemals Jüdische Mädchenschule in der Auguststraße wurde erfolgreich der Gastronomie zugeführt. Eine Reminiszenz an die Historie ist ein integriertes koscheres Restaurant. Manufakturen sind eines der wichtigen Merkmale Berlins, sie geben dieser Stadt ein eigenes Gesicht. Überall in der Stadt kann man kleine Manufakturen finden, die Tradition und Qualität in die Gegenwart transportieren. Einige gibt es seit über 100 Jahren, während andere – dem Trend der Technik-Start-ups zum Trotz, einen neuen kleinen Betrieb ganz klassisch aufbauen. Hier wird Handwerk zelebriert und die daraus resultierenden Produkte sind etwas ganz Besonderes. Die Bandbreite der gebotenen Produkte und Stile ist vielfältig. Es fällt schwer, sich zwischen den eleganten Lederarbeiten von Daniel Heer und den traditioneller und ursprünglicher wirkenden Produkten aus der Werkstatt von Leevenstein zu entscheiden. Der Duft von Leder erfüllt die Räume hier wie dort Berliner sind schwindelfrei – Ackerstraße, Berlin-Mitte


Shoppen improvisiert: Berlin-Mitte

und Handarbeit lässt sich in beiden Manufakturen live erleben. Unter Kaiser Wilhelm I. stand die Likörfabrikation in Berlin in voller Blüte. Aus der damaligen Versuchs- und Lehranstalt für Spiritusfabrikation ging die Preussische Spirituosen Manufaktur hervor und ist heute die letzte ihrer Art in der Stadt. Zugleich Manufaktur und Museum, kann man hier den preußischen Geist feiner Spirituosen erleben. Von Gin und Wodka bis hin zu Obstbränden und Likören werden in kleiner Menge Genüsse der Extraklasse produziert, welche man nur schwer außerhalb der Stadt findet. Ursula Wünsch zaubert mit ihrer kleinen Spielzeug-Manufaktur nicht nur bei den Kleinen ein Lächeln ins Gesicht. Die Spielzeuge aus Holz verbinden den Spaß

mit der Integration Behinderter, ohne den mahnenden Zeigefinger zu heben. Die wunderbaren Arbeiten entstehen in ihrer Werkstatt im Prenzlauer Berg. Der Duft von Holz und ein Meer bunter Farben versetzen jeden zurück in die Kindheit. Es lässt sich staunen, ausprobieren und einen Kurztrip in die eigene Kindheit machen. Eine echte Besonderheit der Berliner Mode ist Jünnemann’s Pantoffeleck. Die traditionellen Pantoffeln und Hausschuhe umweht ein Hauch von Nostalgie. Neben dem gelb und braun karierten Klassiker aus Kamelhaar gibt es auch Modelle aus Plüsch und Venere. Der Charme des Ladengeschäfts, die sofort spürbare über 100-jährige Geschichte und die Bodenständigkeit der Produkte sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

............................................................................... Gastronomie

Berliner Label auf dem Catwalk in der Kulturbrauerei, Prenzlauer Berg

Hotels

Grosz, Kurfürstendamm 193/194 Adnan, Schlüterstraße 33 Focaccino, Stuttgarter Platz 16 Hafenküche, Zur Alten Flussbadeanstalt 5 Aux Délices Normands, Neue Kantstraße 49

Adlon Kempinski, Unter den Linden 77 Waldorf Astoria, Hardenbergstraße 28 Das Stue, Drakestraße 1 Grand Hyatt Berlin, Marlene Dietrich Platz 2 Bogota, Schlüterstraße 45

Frisöre

Kino & Theater

Shan Rahimkhan, Kurfürtendamm 195 André Märtens, Lietzenburger Straße 83

Film Café, Schliemannstraße 15 Hexenkessel Hoftheater, Monbijoustraße 2 189


190

Wiedervereinigungsfeier vor dem Reichstag Devotionalienverkauf, Brandenburger Tor

Küche für die Bundesfilmpreisverleihung in der Staatsoper Unter den Linden

len kleinen Ensembles, die überall in der Stadt ihre liebevoll inszenierten Stücke für Groß und Klein darbieten. Die Atmosphäre der ständig wechselnden Spielorte wird auf wunderbare Weise eingefangen und sind zum festen Bestandteil der Aufführungen geworden. Ein Highlight bei gutem Wetter ist zweifellos die riesige Karaoke Party von Joe Hatchiban im Mauerpark. Begeisterungsfähiges Publikum demonstriert sein Können. Längst gibt es Stammkunden, die bereits Kultstatus erreicht haben, weil sie fast jeden Sonntag das gleiche Lied vortragen. Ab und zu verirren sich auch bekannte Musiker auf die kleine Bühne ... Das Kulturangebot Berlins ist vielfältig und immens groß! Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwo in der Stadt etwas wirklich Außergewöhnliches geboten wird. Berlin moves! Mit steigender Dynamik erfindet sich auch die lebhafte Kunstszene der Stadt permanent neu. Abseits von den großen, international renommierten Museen, passiert eine unfassbare Menge in Sachen Kunst. Von Pop-Up-Galerien über Stücke weltberühmter Street-Artists bis hin zu umfangreichen Privatsammlungen. Der besondere Elan Berlins lockt Künstler aus der ganzen Welt, das Stadtbild auf allen Ebenen zu bereichern. Ein Highlight ist ganz sicher der von Christian Boros erworbene Bunker. In den 90er Jahren diente das architektonische Monstrum vor allem als Party-Location für die Techno-Szene. Seit 2007 ist der Umbau des Bunkers zum privaten Museum abgeschlossen. Mit einer entsprechenden Voranmeldung hat man die Möglichkeit, Christian Boros’ beeindruckende Sammlung zeitgenössischer Werke ganz in Ruhe zu genießen.

„Turbo-Golfer“ auf dem ehem. Betriebsgelände des Ostbahnhofs in Berlin-Lichtenberg

ie beeindruckende Bandbreite der Berliner Flohmärkte bietet für jeden das Passende. Mit leeren Händen von einem dieser Märkte zurückzukehren, ist unwahrscheinlich. Während sich der Mauerpark jeden Sonntag in eine Art Volksfest verwandelt und vor allem junges Publikum die Gänge durchstreift, geht es ein paar Straßen weiter, am Arkonaplatz, sehr viel gesetzter zu. Im jungen Friedrichshain kann man am Boxhagener Platz ein Weilchen in den Schätzen stöbern, um es sich danach in einem der vielen studentischen Cafés gemütlich zu machen. Seit 1973 gibt es den Flohmarkt in der Straße des 17. Juni, der damit auch offiziell der Älteste ganz Berlins ist. Von Antiquitäten über Kunst bis hin zum typischen Trödel findet sich hier nahezu alles, was das Herz begehrt, und wenn man nicht genug Geld dabei hat, kann man an vielen Ständen auch mit Karte zahlen. Der Trödelmarkt am Marheinekeplatz spiegelt die Atmosphäre des hippen Kreuzbergs und seinem Bergmann-Kiez wider. Auf dem recht kleinen Flohmarkt findet man zwischen alten Schallplatten, Second-Hand-Mode und selbst gefertigten Kleinigkeiten immer wieder wahre Schätze. Die Flohmärkte sind so verschieden wie die Kieze, in denen sie liegen: Von begehrten Sammlerstücken bis hin zu staubigem Krempel findet sich dort alles. Wenn man auf der Suche nach besonderen Kulturerlebnissen ist, lässt Berlin ebenfalls keine Wünsche offen. Im Film Café kann man alle 14 Tage bei einem großartigen Kinofilm frühstücken. Mit gerade einmal 30 Sitzplätzen ist das kleinste reguläre Kino Berlins ein Geheimtipp. Das Hexenkessel Hoftheater ist nur eines der vie-


Mauerpark, Prenzlauer Berg Katja Riemann vor dem Brandenburger Tor

Das Jüdische Museum

„Lange Nacht der Museen“, Lustgarten, Berlin-Mitte

Ein S-Bahn-Ring umschließt den großzügigen Stadtkern Berlins mit seinen vielen Bezirken. Lange Zeit war der Außenbereich eine Art Tabuzone für die gehobene Gastronomie und den exklusiven Einzelhandel. Doch auch diese Grenze ist längst überschritten. Immer mehr kleine Restaurants bieten eine fantastische Küche und wissen auch sonst durch besondere Details zu überzeugen. Ein Geheimtipp ist die versteckt gelegene Hafenküche. Das schlichte Gebäude liegt direkt in einer Marina an der Rummelsburger Bucht. Eine ständig wechselnde Karte bietet hervorragende Küche, die vornehmlich auf regionalen Produkten basiert. Während man sich im Winter am

Kamin wärmt oder im Sommer direkt am Wasser sitzt, kann der Blick auf der Spree und dem verlassenen Riesenrad des ehemaligen Vergnügungsparks im Plänterwald ruhen. Bei passendem Wetter ist der vor Ort exklusiv zusammengestellte Picknickkorb für das gemietete Motor- oder Ruderboot das Tüpfelchen auf dem „i“. Solche gastronomischen Perlen wie die Hafenküche finden sich in allen Randbereichen des Stadtkerns. Die Entwicklung der autark wirkenden Berliner Kieze kümmert sich nicht um Topografie. Wie es nun einmal so ist, bei einer Stadt, die bewegt und immer in Bewegung ist.

...............................................................................

Love Parade, Berlin-Schöneberg

Manufakturen

Daniel Heer, Rosa Luxemburg Straße 26 Leevenstein, Lüderitzstraße 13 Preussische Spirituosen Manufaktur Seestraße 13 Ursula Wünsch Design, Greifswalder Straße 228 Jünemann’s Pantoffeleck, Torstraße 39

Kunst

Boros Sammlung, Reinhardtstraße 20 48 Stunden Neukölln, Kulturfestival Neukölln

Flohmärkte

Flohmarkt am Mauerpark, Bernauer Straße 63-64 Flohmarkt am Arkonaplatz, Arkonaplatz Flohmarkt am Boxhagener Platz, Friedrichshain Flohmarkt Straße des 17. Juni, Straße des 17. Juni Flohmarkt am Marheinekeplatz, Bergmannstraße

Karaoke

Mauerpark Karaoke, Mauerpark Monster Ronson’s Ichiban Karaoke, Warschauer Straße 34 191


HERSTELLER UND ADRESSEN Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

AGENT PROVOCATEUR www.agentprovocateur.com

ELECTROLUX www.electrolux.de

LAMBERT www.lambert-home.de

RIVA www.riva1920.it

ALEXANDER MCQUEEN www.alexandermcqueen.com

ESCADA www.escada.com

LEVER COUTURE www.lever-couture.com

SALVATORE FERRAGAMO www.ferragamo.com

AMERICAN PEREZ www.americanperez.es

EVA SOLO www.evasolo.com

LILI RADU www.liliradu.com

WILLIAMS www.williamshandmade.com

ATSUKO KUDO www.atsukokudo.com

FALKE www.falke.com

LOBMEYER www.lobmeyr.at

SCHMIDTTAKAHASHI www.schmidttakahashi.de

BACCARAT www.baccarat.com

FOSCARINI www.foscarini.com

LOUIS VUITTON www.louisvuitton.com

SCHUMACHER www.dorothee-schumacher.com

BARBOUR www.barbour.com

FÜRSTENBERG www.fuerstenberg-porzellan.com

MAISON MARTIN MARGIELA www.maisonmartinmargiela.com

SERAFINO ZANI www.serafinozani.it

BAUKNECHT www.bauknecht.de

GAGGENAU www.gaggenau.com

MARNI www.marni.com

SJÄL www.sjalskincare.com

BLANCO www.blanco-germany.com

GANNI www.ganni.dk

MATTEO THUN www.matteothun.com

SLIMYONIK www.slimyonik.com

BORA www.boragmbh.com

GEORG JENSEN www.georgjensen.com

MAWI www.mawi.co.uk

STINE GOYA www.stinegoya.com

BOTTEGA VENETA www.bottega-veneta.com

GRUNDIG www.grundig.de

MERCEDES BENZ www.mercedes-benz.de

TALBOT RUNHOF www.talbotrunhof.com

BULTHAUP www.bulthaup.com

HANNES ROETHER www.hannesroetherinternational.de

MEZCALERIA www.mezcaleria.de

ULRIKE KRAGES www.ulrikekrages.de

BY MALENE BIRGER www.bymalenebirger.com

HEAVEN TANUDIREDJA www.heaventanudiredja.be

MIFLORA www.miflora.de

UNRATH & STRANO www.unrath-strano.com

CAPPELLINI www.cappellini.it

HELENA RUBINSTEIN www.helenarubinstein.com

MIRIAM OCARIZ www.miriamocariz.com

VALENTINO www.valentino.com

CARMEN CITA JONES JEWELRY www.carmencitajonesjewelry.com

HERMÈS www.hermes.com

MYKITA www.mykita.com

VERSACE www.versace.com

CENTENARIO www.roncentenario.com

HUBLOT www.hublot.com

NEFF www.neff.de

VIVIENNE WESTWOOD www.viviennewestwood.co.uk

CHEAP MONDAY www.cheapmonday.com

HUGO BOSS www.hugoboss.com

NINA PETER www.ninapeter.com

WALTER VAN BEIRENDONCK www.waltervanbeirendonck.com

CHRISTIAN DIOR www.dior.com

IRENE LUFT www.ireneluft.com

NORMANN COPENHAGEN www.normann-copenhagen.com

WARENDORF www.warendorf.eu

CHRISTIAN LOUBOUTIN www.christianlouboutin.com

ISSEVER BAHRI www.isseverbahri.com

OLIVEDA www.oliveda.de

WUNDERKIND www.wunderkind.com

CHRISTOFLE www.christofle.com

JOHNNIE WALKER www.johnniewalker.com

PAULE KA www.pauleka.com

Z ZEGNA www.zegna.com

CLUB MONACO www.clubmonaco.com

KAVIAR GAUCHE www.kaviargauche.com

PORSCHE DESIGN www.porsche-design.com

ZWIESEL www.zwiesel-kristallglas.com

DESZO BY SARA BELTRÁN www.deszosara.com

KENNETH COLE www.kennethcole.com

PRADA www.prada.com

ZWILLING www.zwilling.com

DOS RON www.dosron.de

KOINOR www.koinor.com

RAPHAEL HAUBER www.raphaelhauber.com

DRYKORN www.drykorn.com

KÜPPERSBUSCH www.kueppersbusch.com

RIESS www.riess-ambiente.net

Ausgabe No. 30 erscheint im März 2013 192


AUSSERGE WÖHNLICHE ZEITEN VERLANGEN AUSSERGE WÖHNLICHE MITGLIEDER

zürich berlin mailand istanbul Amsterdam st. petersburg

Fordern Sie die Member-Info an www.club-de-russie.com info@club-de-russie.com Club de Russie Aktiengesellschaft Kanton Zürich HR.Nr CH-020.3.923.690-2


QM29  

Quality Magazine No. 29 Das Magazin über Menschen und Marken Februar 2013

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you