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LEUTE, LOOKS UND LEBENSART

k o lo l e e f & N O I T O M


Motion Quality 1/36 – Dezember/ Januar 2014

Herzensangelegenheit So manch einem Mann ist sein Auto wohl das Liebste auf Erden. Damit er diese Liebe auch im kleinen Detail zum Ausdruck bringen kann, hat Swarovski den Schlüsselanhänger Tasha kreiert. Der Aufwand der Herren für das Herzstück Auto ist immens: gepflegt und gehegt, poliert und chauffiert. Genauso aufwendig verarbeitet ist auch das Herz des Anhängers: in filigranem Muster und Kristallpavé gefertigt. www.swarovski.com

Pflegeleicht Was einer Frau die Handtasche bedeutet, ist für den Herrn das Auto. Damit das liebste Stück auch rund um gepflegt ist, entwarf das Label Louis Vuitton das „Nomade Care Kit“. Edel verpackt imponiert dieses Päckchen für die Vielreisenden, deren Autos und Handtaschen als ständiger Begleiter im Leben unabdingbar sind. Das Care Kit besticht vor allem durch seine Funktionalität: Mit der Pflegemilch und hochwertigen Tüchern à la Louis Vuitton lassen sich sowohl Ledersitze als auch Handtaschen auf Hochglanz polieren. www.louisvuitton.com 22


Motion Quality 1/36 – Dezember/ Januar 2014

Gefährten Lady Like Den lasziven Augenaufschlag kann Frau ab sofort ihrem Auto überlassen. Mit „Car Lashes“ kann jedem Auto ein femininer Touch verliehen werden. Egal ob BMW, Beetle oder Cadillac, diese Wimpern stehen jedem Auto. So können auch die Männer dem Augenaufschlag ihrer Frauen huldigen. Bleibt nur zu hoffen, dass bei all den verführerischen Blicken die Unfallrate nicht rasant steigt. www.carlashes.com

Luxus unter der Windel Ganz der Papa! Die Kleinen können nun auch „Bentley fahren“. Ob sie sich dem Luxus unter der Windel bewusst sind bleibt unerheblich. Mama und Papa können jedoch beruhigt sein, denn der lederbezogene Prachtsessel von Bentley ist nicht nur sicher, sondern auch bequem und elegant. Mehr Luxus kann Kindern auf vier Rädern wohl kaum geboten werden. www.bentleymotors.com

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MOTION Quality Magazine No. 35 – Oktober/November 2013

Mercedes S 63 AMG

Die eigene Signierung, der selbst zusammengebaute Motor und die strenge Limitierung des Mercedes S AMG 63 und BMW 760Li Sterling verstehen sich als Visitenkarte der eigenen Persönlichkeit. von Matthias K. H. Arens

It's your

Mercedes S 63 AMG Intelligentes Fahren, effiziente Technologien und elegante Formsprache – Mercedes gilt als Oberklasse automobiler Erhabenheit, setzt besonders mit der neuen S-Klasse neue Maßstäbe in Leistung, Komfort und Design. Insbesondere in Sachen Geschwindigkeit fährt die S-Klasse in Richtung Siegertreppchen. Mit klassischer Eleganz und stilvoller Sportlichkeit positioniert sich die S-Klasse als Design-Ikone, inklusive Fahr- und Bedienkomfort auf hohem Niveau. Mercedes führt die neue S-Klasse 63 AMG mit unverkennbarer Handschrift fort. 100 Kilogramm weniger auf der Waage: Ein echtes Leichtgewicht ermöglicht den Kraftstoffverbrauch zu senken. Feines Nappa Leder sorgt im Interieur Bereich für den gewohnten Exklusivkomfort. Auch perforiertes Leder am Sportlenkrad trägt zum unvergleichlichen Fahrerlebnis bei. Mit 585 PS und bis zu 900 Nm Drehmoment stellt der Anführer der Königsdisziplin seine sportliche Höchstleistung unter Beweis. Denn von 0 auf 100 km/h geht es in nur 4,0 Sekunden. Ein neues Flaggschiff, das mit Sportlichkeit und Attraktivität glänzt.

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MOTION Quality Magazine No. 35 – Oktober/November 2013

BMW 760 Li Sterling Robbe & Berkin Edition

Choice! BMW 760Li Sterling Robbe & Berking Edition Wenn Robbe & Berking und BMW aufeinandertreffen und sich zusammentun, dann sind die Erwartungen sehr hoch. Seit 1874 gilt die Manufaktur als größter Hersteller silberner Tischgarnituren. Seit einigen Jahren gehört auch eine Werft für Luxusyachten zu dem renommierten Unternehmen. Hier bilden Tradition und Moderne eine Symbiose der Meisterklassen: Mit Detailreichtum, exquisiter Handarbeit und Innovation werden alle Erwartungen übertroffen. Auf der Weltpremiere in Flensburg präsentierten sie ihren neuesten Coup: den BMW Individual 760Li Sterling mit Biturbo-12-Zylindermotor mit 544 PS. Ein Modell mit edlen Silberdetails. Schon der Türgriff aus glänzenden Spangen, in Martelé-Technik erarbeitet, lädt zu einem besonderen Erleben im Interieur ein. Sämtliche Dekorleisten wurden aus massivem 925er- Sterling Silber gefertigt – die 5,22 Meter lange Limousine bringt ganze 2,27 Tonnen auf die Waage, alleine 12 Kilogramm sind hiervon dem Sterling-Silber zuzuschreiben. Trotz des massiven Gewichtes beschleunigt der BMW von Null auf Hundert in nur 4,6 Sekunden. Volllederausstellung in Amarobraun perfektioniert den glänzenden Auftritt.

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Wie Phoenix aus der Asche – schießt es einem beim Betrachten der jüngsten Firmengeschichte des amerikanischen Unternehmens Shinola in den Sinn. Vor zwei Jahren beginnt im Bundesstaat Michigan der Mythos einer Neugründung. Shinola produziert Uhren, Agenden und Ledertaschen. Dabei hat das Unternehmen innovativ altbewährte Ansätze für sich ganz neu erfunden. von Violeta Berisha

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All American Spirits 87


hinola, ein Name der nicht nur bei Amerikanern Assoziationen hervorruft. „Shinola-Bixby“ – so der ursprüngliche Name, wurde 1907 gegründet und war bis 1960 aktiv: bekannt für die Herstellung von Schuhcreme und dazugehöriges Putzwerkzeug. Insbesondere während des Zweiten Weltkrieges boomte das Schuhputzgeschäft, mussten doch etliche Stiefel des Militärs auf Hochglanz poliert werden. Die bei den Soldaten empfohlene „Spucke“ war nicht ausreichend. Aus dieser Zeit stammt auch der populär gewordene Werbeslogan „You don’t know sh*** from Shinola“, der sich bis heute erfolgreich in der Popkultur hält. Selbst Dolly Parton bedient sich dieser legendären Textzeile in ihrem Song „Shinola“. Zwei Jahre ist es jetzt her: eine kleine Gruppe von best friends, allesamt sehr Uhren affin, tun sich zusammen und gründen in Reminiszenz an alte Traditionen die Firma „Shinola“. Zentral und zukunftsweisend für ihre Hingabe zum echten amerikanischen Produkt, nicht nur im Land produziert, sondern auch unter der Verwendung einheimischer Ressourcen. Die neuen Inhaber kaufen die Rechte an den Markennamen und nutzen seine große Bedeutung. Sie machen sich an die Aufgabe, das Ansehen amerikanischen Handwerks wieder herzustellen und zu stabilisieren, indem sie eine ameri88

kanische Legende aufleben lassen. Sie glauben nicht daran, dass amerikanisches Handwerk versagt hat, weil es zu gut gewesen ist, sondern weil amerikanische Manufakturen annahmen sie seien schon gut genug. Im Gespräch mit Daniel Caudill, Creative Director von Shinola und seit der Geburtsstunde mit an Bord, bekommen wir einen einzigartigen und intimen Blick in die Gründungsgeschichte eines echt amerikanischen Unternehmens. Im Fokus der Produktion stehen die Uhren. Aber Shinola will und kann noch mehr: „Der Schwerpunkt liegt definitiv bei der Uhrenfabrik, die wir in Detroit gebaut haben. Das ist die Urzelle von Shinola. Aber es ist wichtig zu wissen, dass wir noch viele andere Produkte haben und darüber hinaus in Zukunft noch mehr Produktkategorien launchen werden“, sagt Daniel Caudill und klärt uns darüber auf, dass demnächst in Sachen Fashion auch mitgemischt werden soll. Denim und Footwear sollen schon Mitte nächsten Jahres auf den Markt kommen. Wie schon bei den Uhren geht es auch hier um Langlebigkeit. Qualität ist die gelebte oberste Devise für Shinola: „Luxus ist immer etwas, das lange währt. Etwas, was man für sehr lange Zeit mit sich tragen kann, benutzen kann. Das ist für mich Qualität: das ist Luxus“, sagt Daniel Caudill stellvertretend für die Unternehmensphilosophie.


Stylisch, neu und nah am Kunden: Der Shinola Store in Tribeca, NYC.

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ine große Werkstatt mit Mitarbeitern, die beim Betreten des Werkes eher den Eindruck vermittelt, man besuche eine klinische Anstalt. Im Visier des Unternehmens: Uhren, die in Handarbeit auf amerikanischem Boden konstruiert und produziert werden. Mit der „Runwell“ offenbaren sie ihre ersten Armbanduhren, die in unerwartet kurzer Zeit bereits kultigen Status genießen. Fahrräder, Taschen, Portemonnaies und viele andere Lederwaren. Das Uhrwerk kommt aus der Schweiz. Das meiste aber aus den USA: das Leder stammt von Horween, eine der ältesten Gerbereien Amerikas. „Es ist wichtig, dass alle Elemente in den USA zusammengeführt, hier montiert und komplett gefertigt werden. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, amerikanische Ressourcen zu nutzen.“ Der metaphysische Kern des jungen Unternehmens zieht nicht nur in der Namensgebung alle Register. Statt beliebter Standorte an der Ost- oder Westküste vorzuziehen und sich damit einem Trend unterzuordnen, entscheiden sich die Macher ganz gezielt für Detroit – der Stadt in USA, die am meisten von der Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogen wurde. „Motor City“ – so der alte Name Detroits, wurde zwischenzeitlich zu „Ghost City“ umbenannt. In schlimmsten Zeiten stand jedes vierte Haus der Stadt, die in den 40er Jahren ihren absoluten Wirtschaftsboom mit General Motors erlebte, leer. Menschen zogen nahezu fluchtartig aus der Stadt, neue rückten nicht nach. So halbierte sich die Einwohnerzahl Detroits in wenigen Jahrzehnten von mehr als 1,5 Mio. auf nur knapp 700.000. 2011 sollte alles anders werden. Ungefähr zur selben Zeit entsteht der Überraschungsfilm „Searching for Sugarman“, der zum einen das musikalische Scheitern Rodriguez mit der trist melancho90


Potpourri aus der Shinola Kollektion: jetzt schon legend채r.

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lischen Kulisse Detroits der 70er Jahre dokumentiert. Um dann das erst spät erkannte Wiederaufleben seiner Musik als großes Hoffnungskino zu inszenieren. So viel Aufmerksamkeit für das krisengebeutelte Detroit? „Ein wichtiger Grund, warum wir hier sind ist auch die Frage, was Detroit für uns tun kann. Als wir hierher kamen, haben wir unglaublich viele Menschen getroffen, die sehr hart mit uns gearbeitet haben. Zunächst einen Ort zu finden, wo wir das Unternehmen bauen konnten. Ich weiß nicht, ob es einen anderen Ort hätte geben können, der uns so herzlich willkommen geheißen hätte. In allen Beziehungen: z.B. ein gutes Restaurant zu finden. Für das Unternehmen war es sehr leicht, hier anzukommen und zu starten. Die besten Voraussetzungen waren hier geboten. Alle waren bereit, zu helfen und zu unterstützen. Wir sitzen auf dem Campusgelände direkt an der Quelle: junge, ambitionierte und vor allem talentierte Menschen, die darauf brennen, ihre Arbeitskraft und ihre Qualitäten einzusetzen und unter Beweis zu stellen.“ Der Start in Detroit hat auch für den Creative Director, der in L.A. aufgewachsen ist und lange Zeit dort gelebt und gearbeitet hat, eine immense Bedeutung. Er

sei beeindruckt von dem Umzug nach Detroit: eine Stadt voller Musik, warmherzig und innovativ. Hier herrschen bereits jetzt eine große Dynamik und eine positive Grundenergie. Zukünftig werde Detroit wieder zu Hochform auflaufen. Shinola steht für Produktion in feinster Handarbeit. Tradition und Förderung sind die Basis der Unternehmensphilosophie. Weder eine Fabriketage in Tribeca noch Silicon Valley kamen für die Unternehmer als Standort in Frage. Sie seien keines dieser schnelllebigen Softwarebuden aus dem Onlineleben, die es alle ins Mekka der Internetwelt zieht. Shinola als Nachbar von Google und Facebook kann man sich auch nur schlecht vorstellen. Auf dem Campusgelände in Detroit wird nicht nur ein zukunftweisendes Zeichen im sozialen Brennpunkt der USA gesetzt, hier sitzt Shinola auch direkt an der Quelle junger, motivierter Uniabsolventen auf der Suche nach Arbeit, Glück und Geld. Und wenn das Unternehmen es schafft, jungen Menschen die Flucht aus Detroit auszureden, dann scheinen sie alles richtig gemacht zu haben.

The Woman‘s Bixby

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Jedes Detail in feinster Handarbeit

roßes Vorbild des Unternehmens ist die Schweiz, die mit der Ronda AG als Investor nicht nur in Sachen Uhrenwerk zur Seite steht. Darüber hinaus ermöglichten Investitionen von außen, dass das 30.000 qm große Werk hochmodern und technisch auf dem allerneusten Stand errichtet werden konnte. Auf dem Collegecampus for Creative Studies im ehemaligen Werk von General Motors hat sich Shinola breit gemacht. Hier produzierten die Design- und Technikteams von GM unzählige innovative Ideen für Motor und Medizin. Ein großes geistiges Erbe, das Shinola hier mutig antritt. Dazu gehören eine große Portion Selbstbewusstsein und Ehrgeiz. Nicht zu vergessen ein tiefes und unerschütterliches Vertrauen in den eigenen Spirit und die Tatkraft. Das scheinen Präsident Jacques Panis und sein Creative Director Daniel Caudill zu verkörpern, ansonsten wären die Schweizer Urgesteine der Uhrmacherei wohl kaum darauf angesprungen. Neue Herausforderungen für die Schweizer, schlagen sie sich doch seit Bestehen nur mit Konkurrenz aus eigenen Reihen. Wettbewerbsfähige Produkte aus dem Ausland? Und dann noch aus Amerika? Auch wenn wir uns hier von Quarzuhren sprechen, glauben die Schweizer doch immer in Sachen Zeit das letzte Wort zu haben. Ein Funken Übermut gehört schon dazu, wenn die Macher der Shinola-Uhren sich fest vornehmen, in einigen Jahren nicht mehr als kleiner Bruder der Schweiz zu gelten,

sondern auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten und im Rennen um die besten Uhren als Rivalen zumindest ernst genommen zu werden. Das Unternehmen Shinola ist in kürzester Zeit gewachsen. Ein Flagship Store in Detroit, ein Laden prominent gelegen im New Yorker Stadtteil Tribeca. Und erst kürzlich feierte das Unternehmen gebührend in Paris die junge Partnerschaft mit dem prominenten Haus Colette. „Die Partnerschaft mit Colette in Paris ist ein sehr gutes Beispiel für unsere Marketingarbeit. Wir sind auf der Suche nach neuen Standorten. In Hamburg und in Berlin. Dabei sind wir sehr schnell gewachsen und wollen unsere außergewöhnliche Geschichte international kommunizieren“, so Bridget Russo, Marketing Manager von Shinola. Wir sind gespannt darauf, was wir in naher Zukunft von diesem Unternehmen hören werden. In Europa sind die Uhren, Fahrräder und Ledertaschen schon längst angekommen. Wie versprochen werden viele neue Produkte schon bald folgen.

Argonite 775 - made in America

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IM AUFTRAG IHRER

MAJESTÄT

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H

eutzutage gibt es Frauenbeauftragte, Kultur-, Datenschutzbeauftragte und viele andere Abgesandte, die delegieren und vermitteln. Sir Richard Charlesworth ist ein bisschen von all dem. Wir trafen ihn in diesem Jahr auf dem legendären Coronation Festival, anlässlich des 60. Jubiläums im Park von Buckingham Palace und das nicht ohne Grund: Die Gärten, die nur sehr selten für eine größere Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, zeigten sich während des Festivals in ungewohntem Kleid. Eine überdimensionale Showbühne, direkt vor der Rückseite des Palastes, wurde von zahlreichen bekannten Künstlern bespielt. Alle britischen Unternehmen, die einen engen Bezug zum Königshaus haben und auch wichtiger Bestandteil britischer Markenkultur sind, waren geladen, sich in verschiedensten Zelten, „Buden“ und Ständen zu präsentieren. Sie verliehen dem stilvollen Park ein Gefühl von Volksfeststimmung. Trotz höchster Sicherheitsmaßnahmen und sehr eleganter Kleidung verstehen es die Briten, einem solchen Event mit der ihnen eigenen Lässigkeit eine außergewöhnliche Atmosphäre zu kreieren: Picknick auf ehrwürdigem Rasen, Tanzen zu rhythmischer Musik oder Verkleidungen mit britischem Appeal. Hier hatten wir die seltene Gelegenheit mit Sir Richard Charlesworth, Beauftragter und Bindeglied der Königsfamilie und Bentley, früher auch Rolls-Royce, zu sprechen. „Schon seit 1946 haben wir die Ehre Ihre Majestät mit Automobilen auszustatten. Zunächst mit Rolls-Royce und seit 2002 mit Bentley. Im Laufe der Jahre haben wir enge Beziehungen aufgebaut, sowohl mit den Mitgliedern der königlichen Familie, als auch mit ihren Hausangestellten. Wir wissen mittlerweile um ihre Bedürfnisse in Bezug auf


MOTION Quality Magazine No. 34 – Oktober/November 2013

„Im Laufe der Jahre haben wir enge Beziehungen aufgebaut, sowohl mit den Mitgliedern der königlichen Familie, als auch mit ihren Hausangestellten. Wir wissen mittlerweile um ihre Bedürfnisse in Bezug auf Automobilstandards und sind in der Lage, diskret aber effektiv zu unterstützen“

Automobilstandards und sind in der Lage, diskret aber effektiv zuunterstützen“, sagt Richard Charlesworth in gewohnt britischer Zurückhaltung. Auf die besonderen Wünsche und Traditionen der Monarchin und ihrem Gefolge eingehend, ist es sein größtes Anliegen den königlichen Bentley zu perfektionieren. Das gesamte mobile Vertrauen des Königshauses lastet seit Jahrzehnten auf seinen Schultern. Im Gespräch mit Richard Charlesworth empfindet man jedoch eher Lust als Last: „Ich hatte bereits öfters das Vergnügen, Ihre Majestät und einige Familienmitglieder der königlichen Familie zu treffen. Ich habe es immer als Freude empfunden für sie zu arbeiten, sie waren stets freundlich und schätzen unsere Arbeit.“ Die kleine, zierliche Königin, deren Aura man sich nur schwer entziehen kann, ließ es sich nicht nehmen, während des Festivals mehrmals urplötzlich aufzutauchen und auch den Bentleystand mitsamt Sir Charlesworth zu besuchen. Einige ihrer ehemaligen Staatsfahrzeuge waren im Park des Buckingham Palastes ausgestellt. Groß, charmant, gutaussehend, very british und als äußerst amüsanter Erzähler hält uns Sir Charlesworth gefangen mit Details, welchen Anforderungen ein königliches Fahrzeug oder besser ein königlicher Bentley standhalten muss: Die Staatslimousine basiert auf einem 2002 Bentley Arnage R mit einem 400 PS-Version des Twin Turbo 6,75 Liter V8. Für das bequeme Einsteigen wurde das Dach angehoben und Schwelle und Türen öffnen sich im exakten Winkel von 87 Grad. Die Queen von überschaubarer Größe kann somit nicht nur komfortabel einsteigen, sondern auch aufrecht in ihrem Gefährt stehen. Zwei

verstellbare Sitze ermöglichen, dass die Königin und ihre Gäste auf Augenhöhe kommunizieren. So wird Michelle Obama mit einem Knopfdruck gerne mal heruntergeschraubt, während Kaiser Akihito ein Zentimeter mehr gegönnt wird. Ein denkbar amüsantes Malheur, wenn die Knöpfe verwechselt werden! Nur die Frontsitze im Bentley bestehen aus Leder, während der hintere Bereich der Queen aus 100% englischer Wolle ist. Und das war schon früher so: Bei Wind und Wetter saß der Kutscher auf seinem Ledersitz, während die Passagiere im Trockenen auf noblen Stoffpolstern reisen durften. Dabei ist es geblieben: die Queen besteht auf graue Stofflichkeit. Zudem wird auf Metallverkleidung verzichtet, um dem Säbelgerassel von Prince Philip vorzubeugen: Orden und Dolche des Gemahls würden sonst gegen das Interieur klappern. Und doch kommt Edelmetall für ein besonderes Stück der Ausstattung zum Einsatz: Lenkradspezialist Noel Thompson ist für das feine Leder und seine Nähte verantwortlich und nutzt für die exakten Markierungen der Lochabstände eine Gabel – für das Königshaus natürlich aus echtem Silber. Eine besondere und zugleich kuriose Handwerkskunst, die Prinz Charles beinahe beiläufig verlauten lässt. Ein komfortabler und maßgeschneiderter Bentley, der die Queen zu ihren öffentlichen Auftritten angemessen kutschiert. Trotzdem weder übermäßig prunkvoll noch unnütz protzend. Die Queen ist eine sehr pragmatische und sparsame Person und achtet darauf, dass Dinge nicht aus Lust und Laune geändert werden. Wenn alles funktioniert, warum ändern?

Queen Elisabeth II. und Richard Charlesworth (Mitte) während des Coronation Festivals am Bentley Stand.

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MOTION Quality Magazin No. 33 – September/Oktober 2013

Die neueste Innovation der britischen Automarke: Der Wraith Salamanca Blue

BeGEISTerung Rolls Royce Gallionsfigur „Emily“

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„Ghost, Phantom, Wraith“ – so heißen sie, die Vorzeigemodelle aus dem Hause Rolls Royce. Mit dem „Wraith“ zu einem neuen Dreier-Gespann formvollendet, geistern diese legendären Automobile durch die Straßen. Seit über einem Jahrhundert glänzen sie mit britischem Charme und detailreicher Verarbeitung. Ihre Besitzer schätzen seit jeher das exquisite Design, den unvergleichlichen Komfort und die besonderen Fahrerlebnisse, stets den Blick auf die schöne „Emily“ gerichtet, vom Bildhauer Charles Sykes entworfen. Modell zu dieser Figur stand Eleanor Velasco Thornton, die Sekretärin und Geliebte des britischen Adligen Lord Montagu. Eine Gallionsfigur auf der Haube wurde zunächst als störend auf die Sichtweise empfunden, aber die Haltung von Eleanor’s Körper und das Schwingen ihres Kleides fanden so großen Zuspruch in der Öffentlichkeit, dass sie seither als legendäres Symbol von Rolls Royce jede Motorhaube schmückt.


Rolls Royce glänzt durch detailreiche Verarbeitung, insbesondere im Interior.

Selbst für ein spontanes Picknick ist Rolls Royce perfekt und edel ausgestattet.

Über 100 Jahre Automobilgeschichte, die im Jahre 1907 mit dem „Silver Ghost“ ihre Premiere feierte. Seither hat sich vieles geändert, aber die Philosophie der Marke, das zeitlose Design und der Inbegriff von Luxus und Komfort, sind geblieben. Mittlerweile gehört Rolls Royce zur BMW Group. Aber das bayrische Designerteam legt allergrößten Wert auf die Erhaltung britischer Traditionen. Intensive Studien der Formen der einzelnen Modelle gingen der Präsentation des ersten „Phantom“ voraus, bevor dieser in der Silvesternacht 2003 kurz nach Mitternacht geisterhaft durch die Straßen rollte. Dem „Phantom Coupé“, der Limousine und Cabrio Version „Drophead Coupé“ folgte 2009 der „Ghost“, bei dem teilweise die Technik der 7er Serie von BMW verarbeitet wurde. Und nun einige Jahre später der Startschuss für ein neues Gespenst auf vier Rädern: Der Wraith – als zweitürige Variante zum Ghost. Mit seinem 632 PS starken Zwölfzylindern und der State of The Art Technologie, verfügt dieses Luxus-Coupé über eine kraftvolle und perfektionierte Dynamik. Mit einer Beschleunigung von 0 auf 100km/h in nur 4,6 Sekunden, zeigt sich die Energie, Geschwindigkeit und Leistung des neuen Modells aus dem Hause Rolls Royce. Geschmeidiger Abrollkomfort und eine weiche Bedienung mithilfe eines neuen massiveren Lenkradkranzes, sorgen für ein beflügeltes und für ein sensationelles Fahrgefühl – mit oder ohne Chauffeur. Auch für die Langstrecke bleibt das Fahrvergnügen mit 800 Nm Drehmoment ab 1500 Umdrehungen garantiert. Die ästhetische Formvollendung des Automobils ist der Philosophie von Rolls Royce zu verdanken und zeigt sich in detaillierter Handarbeit mit Elementen aus Holz, Leder und Aluminium. Auch der indische Maharadscha von Patiala, ein ambitionierter Sammler von Rolly Royce, der es verstand sich mit Punk und Luxus zu schmücken, hätte dieses neue Gespenst sicher gerne in seine Sammlung aufgenommen. Mit diesem Modell, einem Konglomerat aus Kraft und Leistung, mit Konturen und kühlem Design, trotzdem stylisch mit dramatischem Auftritt, übertreffen sich die Macher hinter der Marke Rolls Royce selbst, grenzüberschreitend und visionär. Wie Sir Henry Royce zu sagen pflegte: „Take the best that exists and make it better, when it does not exist, design it.“ M.A.

Im Rahmen des Festival of Speed hat auch Rolls Royce seinen großen Auftritt Foto: John Colley

Zeitloses Design und britischen Charme verkörpert auch der Phantom

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Foto: John Colley

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Foto: John Colley

Wenn die Hauptakteure eines Festivals Automobile sind, dann schlägt jedes Männerherz wie ein Viertaktmotor. Das einzige, was ab und an die Aufmerksamkeit für kurze Momente von den Automobilen abzulenken vermag, sind die eigenwilligen Hutkreationen der weiblichen Besucher. Auch wenn es sich nicht um ein klassisches Pferderennen handelt, dreht sich hier doch alles um Pferdestärke. Oldtimer Festivalsweltweit zeigen in ihren Sportveranstaltungen nicht nur historische Automobile, Motorräder und die ein oder andere Kuriosität, sie schicken sie auch auf die Rennstrecken zu mehr oder weniger ernstzunehmenden Rennen der Meisterklassen.

WHEELS

HOT


Foto: John Colley

GOODWOOD FESTIVAL OF SPEED

as Goodwood Festival of Speed findet seit zwanzig Jahren jeden Sommer statt und ist das weltweit größte seiner Art. Es ist ein Festival der Superlative. Hier geht es um Automobile – aber um die schnellsten, die besten, die auffälligsten und sicherlich die, die am meisten Krach verursachen. Initiator und Veranstalter ist der motorsportbegeisterte Charles Gordon-Lennox, Earl of March und Kinrara. Sein Anwesen in Chichster im britischen West Sussex ist der Schauplatz für die schnellen Autos und die noch schnelleren Rennen. Das adlige Anwesen verschafft dem Festival den notwendigen Ritterschlag, um bei den Briten königlich mithalten zu können. Das Goodwood Festival of Speed steht, Nomen est Omen, für Geschwindigkeit. Das Rennen selbst wird zur wichtigsten Attraktion des Festivals. Hier treten Oldtimer gegen Youngtimer an, aber auch Rennwagen der Formel-1 reihen sich in die Riege der Wettbewerber ein und stellen sich dem Geschwindig-

Bereits seit 1993 treten Youngtimer gegen Oldtimer an, darunter auch kuriose Spaßmobile. Foto: Adam Beresford

keitsvergleich. Aber es sind die Nebenschauplätze, die das Festival für Besucher immer attraktiver machen. Bentley glänzt nicht nur mit einem Bentley-Stand. Mit eigenem Cottage und einer Tribüne schufen sie die Kulisse für das Debüt des neuen Bentley Continental GT3. Ein Monster unter den Rennwagen, der bald die Rennstrecken unsicher machen wird. Ein besonderer Moment für die Besucher die Rennwagen einmal ganz aus der Nähe zu betrachten. Fotos aus der Nähe sind nicht nur zulässig, sondern sehr willkommen. Und manchmal darf man auch bei dem einen oder anderen Modell probesitzen. Inzwischen wird das Festival von vielen Unternehmen genutzt, um ihre neusten Modelle vorzustellen oder Oldtimer zum Verkauf anzubieten. Dazu gehört auch das Plaudern und Fachsimpeln mit Rennfahrern und Konstrukteuren. Die Atmosphäre ist trotz hochkarätiger Besetzung an Marken und Besuchern überraschend unkonventionell, eher very british, ganz relaxed.

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Foto: Petra Sagnak

Hauptsponsor Mercedes-Benz schickt in diesem Jahr seine „Rote Sau“ ins Rennen

Foto: Udo Geisler

Einer der Höhepunkte: Der Mercedes 300 SL aus dem Jahr 1955

Foto: Andre Stucken

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Körpereinsatz ist gefragt: Für den Sieg legt sich der ein oder andere Oldtimer Liebhaber gerne in die Kurve

CLASSIC DAYS FESTIVAL schichte erzählen, die Bewunderung der zahlreichen Besucher. Mercedes-Benz Classic, Hauptpartner und -sponsor der Veranstaltung, glänzte in diesem Jahr mit einer ganzen Reihe besonderer S-Klassen – alle auf Hochglanz poliert, versteht sich von selbst. Die „rote Sau“, ein 300 SEL aus dem Jahre 1971 konnte beim Rennen den zweiten Platz belegen. Das mittlerweile im achten Jahr stattfindende Rennen im Rahmen der Classic Days erhebt eher den Anspruch einer Lehrveranstaltung; zu jedem vorbeirasenden Wagen tönen nicht nur Name, Baujahr und technische Daten laut und deutlich aus dem Lautsprecher. Zu jedem Objekt der Begierde gibt es auch immer die ein oder andere ungewöhnliche oder gar komische Begebenheit zu erzählen, typisch deutsch.

Foto: Udo Geisler

ine deutsche Antwort auf das britische Goodwood Festival ist das Schloss Dyck Classic Days Festival. Nicht ganz so üppig in seinen Besucherzahlen und Ausstellungsobjekten, etwas zurückhaltender in Ambiente und Feierlichkeiten, nicht britisch, sondern deutsch. Und auch noch viel jünger. Aber nicht weniger beliebt und ebenso laut. Und auch annähernd so mondän, findet das klassische Motorsportfestival doch am historischen Wasserschloss statt. Dabei erweckt das Festival den Eindruck einer riesigen Gartenparty und gilt dadurch trotz Noblesse und prunkvoller Highlights als unprätentiös und mehr familiär. Auch hier finden viele unterschiedliche teils historische, teils neue Automobile sowie Kuriositäten, die eine spannende oder aber merkwürdige Ge-

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AVD-OLDTIMER-GRAND-PRIX

ber die Deutschen können auch anders. Hochkarätiger, nicht nur in Bezug auf die historischen Rennwagen, sondern auch hinsichtlich der Besucher, ist der AvD-Oldtimer-Grand-Prix, der am legendären Nürburgring ausgetragen wird. Mehr als 50.000 Besucher erleben und bestaunen Rennwagen aus neun Jahrzehnten, die sich in spektakulären Rennen präsentieren. Dieses Oldtimer-Rennen ist die weltweit größte Rennveranstaltung dieser Art und beeindruckt vor allem durch eine nahezu intime Nähe zum Publikum. 900 Fahrer, in zum Teil über 100 Jahre alten Rennwagen, rasen und blitzen in 20 verschiedenen Renn- und Demonstrationsläufen an den Augen der Besucher auf dem Nürburgring vorbei. Wo früher mal Schumi sein Publikum in Ekstase versetzte, heute der junge Vettel für manch ein Gekreische sorgt, treffen Besucher im Fahrerlager nicht nur die Piloten und Mechaniker, auch viele Ikonen aus dem Motorsport mischen sich unter das Volk. Herrlich unkompliziert ohne dabei an Glamour einzubüßen, nicht aufgesetzt, originell und authentisch und nicht zuletzt ziemlich verrückt für deutsche Verhältnisse, kann der AvD-Oldtimer-Grand-Prix internationale Standards setzen. In diesem Jahr brillierte Jaguar mit legendären und aktuellen Automobilen und nutzte die Gunst der Stunde für ein echtes Highlight: Die Präsentation des nagelneuen Jaguar X-c75. Der neue Superschlitten mit 500 PS und großem Wow-Effekt.

Der Jaguar D-Type gewann als SportZweisitzer den Großen Preis von Le Mans

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Ein zugleich spektakuläres Rennen und eine einzigartige Reise in die Motorgeschichte

Auch Prominenz wie Schauspieler Jürgen Vogel oder Starkoch Johann Lafer sind begeisterte Anhänger automobiler Legenden, wie dem Jaguar C-Type NDU 289, der auch nach 65 Jahren durch zeitlose Ästhetik besticht

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Am schönen Comer See : Konkurrenz der Superlative, Dame mit Hut gegen den 1949er Jaguar XK 120

CONCORSO D’ELEGANZA VILLA D’ESTE

anz klar, dass die Italiener es ganz anders machen. Natürlich lieben sie schnelle Autos mindestens im gleichen Maße, aber wie immer steht die Ästhetik im Vordergrund. Deswegen gilt das italienische Pendent Concorso d’Eleganza Villa d’Este konsequenterweise als der Schönheitswettbewerb unter den Oldtimer Festivals. Im Grand Hotel am Comer See gelegen wird aus ihm auch ein gesellschaftliches Highlight, und nicht nur weil einem George Clooney aus Versehen über den Weg laufen könnte. Nicht der teuerste, nicht der älteste und erst recht nicht der schnellste hat hier die Motorhaube vorn – nein, es ist der schönste. Im Fokus steht das Design des Automobils. Darüber hinaus werden sowohl Originalzustand wie auch Funktionsfähigkeit zur Teilnahme am Wettbewerb vorausgesetzt. Die Schönheit der Umgebung, die italienische Gastfreundschaft und natürlich die an Eleganz und Echtheit strahlenden Oldtimer, begeistern jedes Jahr aus Neue. Zum ersten Mal im Jahr 1929 ausgerichtet, ist es das weltweit traditionsreichste Oldtimer Festival und hat aufgrund seiner Geschichte und einiger sagenumwobener Stories einen besonderen, nahezu mystischen Charakter. Das Jahr 1929 spielt mit der Produktion des ersten BMW Automobils eine wichtige Rolle in der Geschichte des Automobilherstellers BMW, der mittlerweile die Markenrechte an Rolls-RoyceAutomobile erworben hat. Als Mitorganisator würdigen sie die Tradition des Festivals, die eng verbunden ist mit der eigenen Geschichte. Als strahlender Gewinner in Sachen Schönheit ging der

Bugatti 57SC Atlantic aus dem Jahre 1938 hervor. Sein stolzer Halter: Designer und Oldtimer-Liebhaber Ralph Lauren, der sich mit Schönheit nicht nur auskennt, sondern sie als Designer auch zu unterstreichen vermag. Was für ein Duett an Design, Reichtum und Exklusivität auf dem Siegertreppchen. Von dem Bugatti 57SC wurden nur vier gebaut, von denen noch zwei erhalten sind. Über das zweite verbliebene Modell aus dem Hause Bugatti kursieren bis heute rätselhafte Geschichten. Weder Besitzer noch genaue Versteigerungssumme sind bekannt. Man spricht von einer Summe von 23 Millionen Euro, die höchste Summe, die je für ein Auto bezahlt wurde. Wenn schnelle, schicke und sündhaft teure, nahezu unerschwingliche Automobile im Mittelpunkt des Geschehens stehen, dann sind auch schöne Frauen und Prominente nicht weit. Ob sie sich tatsächlich für die Autos interessieren oder eher den Champagner genießen wollen, sei dahingestellt. In jedem Fall ist es die Mischung all dieser Faktoren, die diesen anachronistischen Veranstaltungen Glanz und Glamour verleihen.

Der ganze Stolz des Modeschöpfers Ralph Lauren: Bugatti 57SC Atlantic

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Motion Quality Magazine No. 32 – Juli/August 2013

Bentley Continental GTC V8

Oben: Bentley Flakon Lalique Links: Bentley Parfum For Men Inrense

Liaison d‘amour Drei Werte vereint in einem Flakon: herausragendes Design, großartige Handwerkskunst und höchste Qualitätsmaßstäbe. Der Duft von Leder und Holz versprüht das Flair von Fahrkomfort und elegantem Ambiente. In Kooperation mit der französischen Kristallmanufaktur Lalique kreiert die britische Automobilmarke Bentley eine eigene Kollektion an ungewöhnlichen Herrendüften – die „Lalique for Bentley Edition“. Gekrönt vom charakteristischen „Flying B“ zitiert der Kristallflakon das exquisite Design der Traditionsmarke. Als absolute Vorzeigemodelle des Limosinen-Herstellers gelten der Bentley Mulsanne und sein kleiner Bruder, das Continental Grand Turismo Cabriolet V8. Benannt nach der Gerade der Rennstrecke „Le Mans“ besticht der Mulsanne durch seine feinste Lederausstattung. Lalique hat die neue Duftserie perfekt zu diesem Thema in Szene gesetzt. Mit dem Gefährt von aristokratischem Charme wird jede Fahrt zu einem unvergleichlichen Erlebnis. So sorgen 512 PS, vier Zylinder, 296 km/h Höchstgeschwindigkeit und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 5,3 Sekunden für eine sensationelle Fahrt. In Sachen Motorleistung überzeugt der Roadster mit dem V8-Benziner, doppelter Motoraufladung und AchtgangAutomatik inklusive Hinterradantrieb. Der Continental GTC V8 ist das perfekte Gefährt, um am Wochenende genussvoll den Zug einer erstklassigen Dominican Estatets unter ausgefahrenem Dach zu genießen. Die Leistung hält was der sportliche Look verspricht: mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 in gerade mal 5 Sekunden, 660 Nm bei 1700/min und 507 PS gehört der Continental GTC V8 zu den beliebtesten seiner Klasse. In jeder Hinsicht gelungene Modelle, die auch Lalique mit seinem Flakon umgesetzt hat – eine britisch-französische Liaison mit vielversprechender Zukunft. M.A.

Bentley Mulsan

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Präsentation von F-TYPE in der British Ambassadors Residence Rom

Auf Raubzug Die britische Wildkatze ist zurück, schneller und graziler denn je. Mit ausgefahrenen Krallen distanziert sich der neue Jaguar F-Type von anderen vergleichbaren Modellen und gilt als das neue Lieblingsgefährt aller Raubkatzen-Liebhaber. Dabei setzt der Brite in seiner Ästhetik auf das Lebensgefühl der 60er, versprüht wie sein Vorgänger der Jaguar e-Type grenzenlosen Fahrspaß mit sportiv-elegantem esprit. Kein zahmes Hauskätzchen: mit 340 pS und 260km/h Höchstgeschwindigkeit hält den Jaguar nichts im heimischen Stall. Die passion Beschleunigung wird durch beeindruckende 0 auf 100km/h in nur 5,3 Sekunden gebührend zelebriert. Für alle Wagemutigen hält Jaguar die KompressorVersion mit 380 pS, einer Höchstgeschwindigkeit von 275 km/h und 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h sowie eine 8-Zylinderversion mit 495 pS, 300 km/h und 4,3 Sekunden von 0 auf 100 in limitierter Auflage bereit. Britische eleganz kombiniert mit unbändiger Fahrfreude – eine Wildkatze, die dazu einlädt unter freiem Himmel durch die Straßen zu jagen. M.A.

Jaguar F-TYPE Innenansicht

Jaguar F-TYPE V8 S

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Der Camera Van ist mit 2500 Kameras versehen und der ganze Stolz von Sammler und Inhaber der „Art Car World“ – Harrod Blank

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von Stephanie Baumgärtner

Foto: © Harrod

Foto: © Chris Dunlop

Auto mor phose Der Grat zwischen Kitsch und Kunst wird immer schmaler, die Liebe zur Gestaltung erreicht neue Dimensionen: die sogenannten Art Cars strotzen vor Selbstironie und künstlerischem Anspruch ihrer Besitzer.

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Foto: © Harrod Blank

Die fahrende Kathedrale von Rebecca Caldwell ist das wohl schaurigste Gefährt der Art Car World Museum in Douglas.

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ehr Artefakt als Transportmittel – das Auto dient seit jeher nicht nur als Nutzgegenstand, sondern viel mehr als Prestigeobjekt und fasziniert durch den Sound starker Motoren, den Pferdestärken unter der Haube. Individualität und Kreativität nehmen zur persönlichen Abgrenzung einen stetig wachsenden Raum ein. Wir bewegen uns nicht nur mit ihm fort, sondern richten uns regelrecht in ihm ein. So schmückt der gläubige Fahrer seinen Innenraum mitunter mit Rosenkränzen, während der Trucker sein Revier mit Namensschildern markiert. Der Grat zwischen Kitsch und Kunst wird immer schmaler, die Liebe zur Gestaltung erreicht neue Dimensionen: die sogenannten Art Cars strotzen vor Selbstironie und künstlerischem Anspruch

Foto: © Harrod Bla

Tom Kennedy hauchte dem 1982er Nissan Sentra Leben ein und schuf sich damit sein eigenes fahrendes Haustier – Ripper, The Friendly Shark.

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Foto: © Harrod Blank

Harrod Blank kreierte sein erstes Art Car „Oh my God!“ bereits während der High School. Entdeckte früh seine Leidenschaft für die verrückte Autokunst und widmete sich in den folgenden Jahren beruflich der Sammlung skurriler Objekte.

Wahrscheinlich die originellste Werbeidee: Howard Davis mit seinem Telephone Car.

ihrer Besitzer. Die erste Idee zum „Kunstauto“ kam Rennfahrer Hervé Poulain im Jahr 1975, er ließ den BMW 3.0 CSL von Alexander Calder gestalten. In den Jahren darauf folgten Kooperationen mit weiteren renommierten Künstlern wie Frank Stella, Roy Lichtenstein oder Andy Warhol – die BMW Art Car Collection war geboren und legte den Grundstein für die Automorphose. Harrod Blank kreierte sein erstes Art Car „Oh my God!“ bereits während der High School. Entdeckte früh seine Leidenschaft für die verrückte Autokunst und widmete sich in den folgenden Jahren beruflich der Sammlung skurriler Objekte. In seinem eigenen Museum „Art Car World“ in Douglas Arizona bringt er die wohl extravagantesten Modelle zusammen – vom fahrenden Haifisch über den selbst kreierten Camera Van oder die schaurigste fahrende Gotik Kathedrale:

Kleine Fische große Haie. „Der weiße Hai“ sorgte bereits im Filmklassiker für Angst und Schrecken. Doch das Monstrum von Tom Kennedy scheint von unerwartet freundlicher Natur. Liebevoll „Ripper – The Friendly Shark“ genannt, mag der rollende Hai zwar erschrecken, doch ist er kaum gefährlicher als sein Attrappen Kollege. Statt in wilden Meeresströmungen bewegt sich der Ripper auf dem Land fort, rollt auf vier Rädern durch die Straßen und bekommt allenfalls das Heck seines Vordermannes zu fassen. Kennedy hauchte dem 1982er Nissan Sentra Leben ein, schuf sich sein eigenes Haustier, das seinen Besitzer zum Fressen gern hat: kleine leuchtende Gummi Fische baumeln von der Decke und werden von blau fluoreszierendem Licht beleuchtet, mittendrin der Fahrer in der Bauchhöhle seines weißen Freundes. Ripper – The Friendly hält ihn gefangen und gibt ihn erst am Ende der Fahrt wieder frei.

Schnell die Kamera gezückt. Doch Vorsicht, dieses Gefährt blitzt zurück. Der Camera Van ist eine optische Sensation: Rund 2750 Kameras zieren den 1972er Dodge 1-Ton Van und fangen die Reaktionen der verblüfften Betrachter ein. Mit einem Großteil der noch voll funktionalen Fotoapparate und Videokameras wird die Resonanz direkt auf Monitore ins Innere des Vans übertragen. Perplexe Gesichter, die auch Howard Davis zu sehen bekommt. Sein 1975er Volkswagen Beetle ist selbst für Sehschwache durch die überdimensionale Tastatur bedienbar. Statt banalem Hupen macht das Gefährt mit einem originellen Klingeln auf sich aufmerksam. Mit dem Telephone Car verwirklichte Besitzer Davis nicht nur einen Kindertraum, sondern wählte damit die wohl cleverste Werbeidee für sein Unternehmen „Datel Communications“.

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Im Jahr 2000 begann Dunlop schließlich mit der Gestaltung seines ersten Sharpie Cars. Durchschnittlich benötigt der Autokünstler rund 70 Stunden und zwölf Marker für die Gestaltung eines Modells. Das Mondrian Mobile von Emily Duffy – eine Hommage an den niederländischen Maler Piet Mondrian.

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Foto: © Harrod Blank

W ie der Fahrer, so der ... Wie ein dressiertes und fein zurecht gemachtes Schoßtier präsentiert Emily Duffy stolz ihren fahrbaren Untersatz. Die Kunstliebhaberin verschmilzt im Partnerlook mit ihrem Art Car: Die geometrische Raster und bunten Flächen des Malers Piet Mondrian zieren zugleich den „Mercedes Pens“ und Besitzerin Duffy. Ob Mondrian selbst damit gefahren wäre? Zumindest hätte er sich vor Rebecca Caldwells Skurrilität gefürchtet. Tragen Leichenwagen im Allgemeinen einen makabren Beigeschmack mit sich, so multipliziert Caldwell dieses unbehagliche Gefühl um ein Vielfaches. Ihr 1972er Cadillac ist zugleich Leichenwagen und Gotik Kathedrale. Das Gefährt schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: die Fahrt zur zeremoniellen Bestattung wird gespart und kann sogleich im schauderhaften Inneren des Art Car durchgeführt werden. Die fahrende Kathedrale ist mit Glasfenstern und Wasserspeiern versehen, geistert als das wohl schaurigste Gefährt durch die Straßen und lässt einen gewaltigen Schauer auf dem Rücken zurück. Was zunächst an Vandalismus erinnert, entwickelte sich zu einer eigenständigen Kunstform. Der Sharpie Stift ermöglicht detaillierte Kunstwerke, eine Verwandlung des nackten Gefährts in ein wildes Mustermodell. Spannende Dessins, die sowohl partiell in der Mitte des Camaro oder als Gesamtwerk auf dem Lamborghini präsentiert werden. Wer mit diesem Begleiter durch die Straßen jagt, sticht nicht nur durch die perfektionierte Linienführung hervor – hier wäre allenfalls eine Tarnung in einem Comic möglich. Frederick W. Redington und William H. Sanford gründeten im Jahr 1857 gemeinsam die Sanford Manufaktur in Worcester, Massachusetts. Das Unternehmen fokussiert sich

zunächst auf die Produktion und den Verkauf von Tinte und Leim, expandiert und verlegt wenige Jahre später seinen Hauptsitz nach Chigago. 1900 feiert Sanford mit dem wohl legendärsten Werbespruch der Branche das 70 jährige Bestehen: „It’s lucky for you, child, your Gran’dad wrote this will with Sandford’s Ink“. In den 60er Jahren konzentriert sich Sanford schließlich auf die Stiftherstellung und produziert den ersten Permanent Marker seiner Zeit – den Sharpie Marker. Anwendbar auf beinahe allen Materialien von Glas über Hold Plastik bis hin zu Metall: der Beginn der Sharpie Art. In seinem Atelier verwandelt Chris Dunlop klassische Automodelle mit dem Sharpie in echte Blickfänge. Nach jahrelanger Arbeit mit der Airbrush Technik war dem Amerikaner nach dem Detail- und Facettenreichtum. Dabei sollte das Gestaltungsobjekt –Auto – beibehalten, doch mit anderen Materialien gearbeitet werden. Im Jahr 2000 begann Dunlop schließlich mit der Gestaltung seines ersten Sharpie Cars. Durchschnittlich benötigt der Autokünstler rund 70 Stunden und zwölf Marker für die Gestaltung eines Modells. Das Muster, die Idee zur Gestaltung entsteht spontan, wird nicht geplant. Auf Vorlagen, Stempel, Folien oder ähnliche Hilfsmittel wird verzichtet. Langsam und konzentriert übersetzt Dunlop schließlich seine Vision auf das Auto. Dabei steht das Muster im Vordergrund, kein Detail soll zu prägnant herausstechen. Nach einigen Arbeitsstunden kann schließlich das Gesamtkunstwerk betrachtet werden: ein Art Car, das alle Blicke auf sich zieht.

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MOTION Quality Magazine No. 31 – Mai/Juni 2013

Opel Open Air

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as ist schöner, als im Sommer mit einem Cabrio übers Land zu fahren? In den Open-Air-Fahrgenuss kommt man vor allem mit dem neuen Opel Cascada. Dieses Cabriolet besticht durch Optik und Funktion. Nach dem Motto „Freiheit, Stil und Komfort“ wurde das gesamte Auto durchkonzipiert. Kein aufgesetztes Element stört die Ästhetik. Das Dach verschwindet dezent im Inneren und das schon innerhalb von 17 s bei 50km/h. Die Steuerung erfolgt ganz unkompliziert durch einen Knopf in der Mittelkonsole oder einer Funkfernbedienung. Der Opel Cascada verspricht jedoch auch einige Funktionen, die die Sicherheit immens erhöhen. So sind zum Beispiel die Xenon-Scheinwerfer nicht fest installiert. Stattdessen ermöglichen sie eine große Beweglichkeit und Vielseitigkeit, sodass sie sich den unterschiedlichsten Gegebenheiten anpassen können. Dadurch erfolgt eine

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optimale Ausleuchtung auf Spielstraßen, in der Stadt, auf der Autobahn oder auf dem Land. Für weitere Sicherheit sorgen der Spurassistent und die Abstandanzeige, womit Gefahrensituationen, wie Sekundenschlaf, entschärft werden können. Auch ein Toter-Winkel-Warner ist integriert. Das intelligente Cabriolet verhindert auch ungeliebte Strafzettel, denn die Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder werden erkannt und es wird vorgewarnt, falls man die Geschwindigkeit überschreiten sollte. Von dem Renn- und Ralleysport hat sich Opel die Hinterachsenkonstruktion abgeguckt. Somit ist die Fahrstabilität in den Kurven erhöht und auch das Geräuschniveau gesenkt worden. Natürlich ist auch das Herzstück des Autos, der Motor, bestens ausgestattet. Das Highlight ist der 1.6 SIDI Turbomotor mit Benzindirekteinspritzung. Dieser Motor ermöglicht mit 125 kW und 170 PS eine spritzige Cabriofahrt. M.A.


EASY RIDER

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ie große Reise-Enduro mit Boxermotor gehört zu BMWs Bestsellern. Mit dem R 1200 GS Motorrad wurde diese Serie nun perfektioniert und auf den neuesten Stand gebracht. Mit einem vollständig neuen Antriebskonzept, neuer Luft-/Wasserkühlung mit vertikaler Durchströmung, E-GasSystem und vielen weiteren Features ist diese Motorradikone bestens für die Zukunft gerüstet. Unwegsames Gelände, schnelle Autobahnen und kurvige Landstraßen – mit der GS lässt sich die Welt entdecken. Ein weiteres Highlight: Die optimale Anpassung für die gewünschte Nutzung gewährt die Sonderausstattung mit den Fahrmodi „Rain“, „Road“, „Dynamic“, „Enduro“ und „Enduro Pro“. M.A

Perfect Pedelec – Limited Edititon BMW ist bekannt für seine schnellen eleganten Autos, Motorräder und auch Fahrräder. Da liegt es nahe alle Technologien in einem modernen E-Bike zu vereinen. Das BMW Cruise EBike setzt natürlich nicht nur mit seiner perlmutt-mattschwarzen Optik auf Ästhetik, sondern ist auch technisch perfekt durchdacht. Ein Trittkraftsensor spürt sofort, wie stark der 250 Watt starke Bosch-Elektromotor den Fahrer unterstützen muss. An dem eigenen Bordcomputer lassen sich zudem je nach Bedarf diverse Fahrmodi einstellen. Dieses perfekte Pedelec wurde auf 1.000 Stück limitiert und ist nur in der BMWHeimat Deutschland erhältlich. M.A

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MOTION Quality Magazine No. 31 – Mai/Juni 2013

Der König der Straße

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er neue BMW 7er liest jeden Wunsch des anspruchsvollen Autofahrers mit Stil von den Lippen ab. Von außen überzeugt die Serie mit dynamischen Linien und ausbalancierten Proportionen. Vor allem die neuen Voll-LED-Leuchten mit Coronaringen gehören zum neuen Stilelement. Auch das Interieur passt sich dieser Eleganz an. Der Käufer kann zwischen diversen hochwertigen Ledersorten und Hölzern wählen. Somit wird die Karosserie zum individuellen Unikat. Alles ist so ausgerichtet, dass dem Fahrer die Fahrt zum angenehmen Erlebnis gemacht wird. So wurden die Sessel neu konzipiert, um auch eine Langstrecke komfortabel werden zu lassen. Im Inneren sind noch einige weitere bemerkenswerte Funk42

tionen vorzufinden, die den Fahrkomfort optimieren. Im Cockpit befindet sich ein multifunktionales Instrumentendisplay in 3D. Die Anzeigen sind frei wählbar und das Control-Display zentral. Durch Internetzugang, Diktier- und Sprachnotizfunktion fungiert der BMW 7er als fahrbares Büro, von wo sich bequem Mails und SMS senden lassen. Aber auch das Entertainment kommt nicht zu kurz. Es wurde ein Bang & Olufsen High End Sorround Sound System eingebaut, die Klänge und Töne in exzellenter Qualität wiedergeben. Des Weiteren verfügt dieser BMW über ein RearEntertainment-System. Abgesehen von diesen Annehmlichkeiten stehen natürlich technische Errungenschaften und optimiertes Fahren im Vordergrund. Die neuen Features ermöglichen ein


paar Optionen, um über die Fahrweise und Spritverbrauch selbst bestimmen zu können. So kann an der Mittelkonsole über Dämpfer, Lenkung, Gaspedalkennung und Getriebe bestimmt werden, so dass eine mehr komfortablere oder eine mehr dynamisch sportliche Einstellung ermöglicht wird. Im Fokus steht vor allem der Leitsatz: mehr Leistung und weniger Verbrauch. Dies wird auch erfüllt. Der Eco-Pro-Modus lässt einige Funktionen des Autos in den Energiesparmodus übergehen. Insgesamt konnten 15 % an Kraftstoff gespart werden. Kein Wunder, dass das ÖKOTREND

Institut für Umweltschutz den BMW 730d in der Luxusklasse an die Spitze gesetzt hat. Schon heute entsprechen die Modelle den Anforderungen der Abgasnorm, die erst 2014 in Kraft tritt. Natürlich ist der BMW 7er nicht nur umweltbewusst und ein SpritSparfuchs, er kann auch was. Mit 450 PS und 4,8 s von 0 auf 100 ist er flott unterwegs. Alle Modelle dieser Reihe besitzen nun eine Achtgang-Automatik, sind viel wendiger und haben einen geringeren Lenkaufwand. So lässt es sich exklusiv, dynamisch und schnell fortbewegen. M.A

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von xxxxxxxxx / Fotos Dan Zoubek

N E L L WE BRECHER

Die Segel sind gesetzt, das kristallklare, blau schimmernde Wasser umf채ngt sch채umend den Rumpf der Megayachten, die auf Hochtouren um den Rang segeln. von M. A. / Fotos: Carlo Borlenghi

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n der „Loro Piana Caribbean Superyacht Regatta and Rendezvous 2013” nehmen nur die schnellsten, besten und größten Segelyachten teil. Dabei werden höchstens 30 Teilnehmer zugelassen, deren Yachten die Mindestlänge von 80 Fuß nicht unterschreiten dürfen. Es gilt das Motto: technische Perfektion im Einklang mit der Natur. Die eleganten schnittigen Megayachten wie zum Beispiel die Perini oder die Holland Jachtbouw, Royal Huisman und die Southern Wind, um nur einige der exklusiven Modelle zu nennen, gehen eine atemberaubende Symbiose mit der blauen karibischen See und der dramatischen Steilküste der Insel ein. Virgin Gorda Island gehört zu den Britischen Jungferninseln, die Christoph Columbus als „The fat Virgin“ bezeichnete, da die Inselgruppe von der Ferne wie eine wohlbeleibte, liegende Dame aussieht.

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Der Hafen mit dem auf einer Anhöhe gelegene Clubhaus des Yacht Club Costa Smeralda

Dort, wo Columbus schon segelte, hat vor wenigen Jahren der bekannte Yacht Club Costa Smeralda – kurz YCCS – eine hochwertige Hafendependance errichtet. Die Koordinaten dieses Seglerparadieses lauten 18º 29.564‘ N 0.64º 21.662‘ W. Der Hafen gehört zu den sichersten natürlichen Anlegeplätzen in der Karibik und bietet alle erdenklichen Annehmlichkeiten – inklusive italienischem Spitzenkoch. Ein geschützter Ankerplatz, frei von jedweder Brandung und ausgerichtet für Yachten bis zu 300 Fuß. Die 267 Meter langen Stege sind in einer T-Form angelegt, das elegante Club-

house des Yacht Club Costa Smeralda liegt auf einer Anhöhe, die einen grandiosen Blick auf Bucht und Yachten gewährt. Die Umgebung offeriert die besten Tauch- und Fischerbedingungen und – natürlich – exzellente Segelvoraussetzungen. Ein perfekter Ort also, um diese großartige Segelregatta zum dritten Mal auszurichten. Drei Tage lang, vom 20. bis 23.März 2013, traten die Megayachten gegeneinander an und kreuzten die Karibische See bei einer optimalen Brise von 10 bis12 Knoten.

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Die Koordinaten dieses Seglerparadieses:

18º 29.564’ N 0.64º 21.662’ W

Auch der Hauptsponsor Pier Luigi Loro Piana samt Sohn segelte mit seiner mannstarken Crew auf der Cape Arrow (Southern Wind 100 ft). Zwar gewann die Salperton mit Barry Houghton die YCCS Trophy 2013, die Cape Arrow aber ging nur mit wenigen Sekunden Abstand als Dritter ins Ziel. Die beiden Brüder Sergio und Pier Luigi Loro Piana sind nicht nur selbst begeisterte Segler, sondern haben ihrem seit 1924 bestehenden Unternehmen ihren eigenen Stempel aufgedrückt. In den Anfängen lediglich auf die Herstellung hochwertiger Fasern spezialisiert, ist Loro Piana jetzt auch bekannt für hochwertigste Sportbekleidung. Selbstverständlich wurde auch ihre Crew mit der leichten, eleganten Funktionskleidung ausgestattet. Seit Kurzem kreiert und produziert das Unternehmen auch Yachten-Interieur aus hochwertigem Kaschmir und Leinen. Großer Beliebtheit erfreut sich vor allem der exquisite Kaschmirteppich, der aus ungefärbten, reinen Fasern besteht. Barfuß auf purem Kaschmir läuft man zwar nicht über Wasser – aber vielleicht wie auf Wolken.

Pier Luigi Loro Piana bei der Überreichung der Siegestrophäe der Caribbean Superyacht Regatta and Rendezvous 2013

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MOTION Quality Magazine No. 30 – März/April 2013

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LOST AND FOUND

chnell, schnell zum Auto, der nächste Termin ruft bereits. Die Aktentasche wird unter den Arm geklemmt, die Sonnenbrille ins Haar gesteckt und der Schlüssel über den Ringfinger geschoben und schon sitze ich in der neuen Mercedes E Klasse AMG S 63. Das großzügige Interieur ist komfortabel und entspannend. Noch während die Limousine leise Fahrt aufnimmt, habe ich das dumpfe Gefühl, ich hätte etwas vergessen. Ich denke nicht weiter darüber nach und genieße die Kraft der 544 Pferdestärken. Ein Fehler, wie sich später herausstellt, denn ich habe tatsächlich mein Portemonnaie auf dem Autodach liegenlassen. Ein automatisches Warnsystem wäre noch eine Idee für die Zukunft, ansonsten hat diese schnellste aller Limousinen schon jetzt alles, was man sich für die Zukunft wünschen könnte. Die E Klasse AMG S 63 hat nicht nur die meisten PS, sondern auch einen V8 Biturbo Motor. Dieser Motor hat gegenüber seinem Vorgänger einen kleineren Hubraum, ist allerdings aufgrund der Benzin-Direkteinspritzung mit Piezo-Injektoren und strahl-

MB AMG 63

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Mercedes E Klasse S 63 AMG V8 Biturbo Sonderlack silber Fotos: Dirk Schaper

geführter Verbrennung viel effizienter und mit 10,5 l/100 km um 3,9 Liter auch sparsamer als das Vorgängermodell. Seine Höchstleistung steigt um 19 PS. Seit einiger Zeit habe ich Familie, möchte jedoch nicht auf Leistung verzichten. Da hat doch der Stuttgarter das richtige Gefährt gebaut. Ich komme voll auf meine Kosten. Technisch und durch pure Dynamik überzeugt der S 63 AMG V8 Biturbo nicht nur äußerlich. Der Innenraum erregt durch aufregende Ausstattungen und Technologien die Gemüter. QM-Red.

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Legends unLimiTed History of Beauty & Power BY THomas L. FiscHer

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Porsche carrera_GT Bj. 200306 5733 ccm 612 Ps 334 km/h

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Porsche 911 TyP 996 Bj. 19972002 3387 ccm 300 Ps

Porsche 35

dsTer 6 1500 sPee Bj. 195459 1488 ccm 55 Ps 155 km/h


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Porsche 718 Wrs sPyder Bj. 195761 1587 ccm 165 Ps

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4 car Porsche 90 Bj. 1964 1966 ccm 240 Ps 263 km/h

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rera GTs


Porsche 356 sL couPé Bj. 1950 1086 ccm 46 Ps 160 km/h


MOTION Quality Magazin No. 29 – Februar 2013

Mercedez G 65 AMG

ECHT

Die meisten Menschen werden mit Mitte 30 etwas ruhiger. Man beginnt damit, sich auf ein geordnetes Leben mit der eigenen Familie zu konzentrieren und einem möglichst sicheren Job nachzugehen. Die Eskapaden und ausufernden Feste werden weniger, schließlich ist man ja nicht mehr der Jüngste. Kurz, man wird erwachsen. Seit 34 Jahren wird die G-Klasse von Mercedes-Benz gebaut und die neueste Version, der G 65 AMG, ist zweifellos erwachsen. Ruhiger ist der Kraftprotz dabei aber auf keinen Fall geworden. Denn mit seinem AMG 6,0-Liter-V12-Biturbomotor dringt die stärkste GKlasse aller Zeiten in völlig neue Leistungsregionen vor. Seit jeher gilt die Mercedes-Benz G-Klasse als eines der geländegängigsten und gleichzeitig alltagstauglichsten Autos der Welt. Der

1974 Der erste fahrbereite Prototyp des G-Modells wird erprobt. 1979 Die Mercedes-Benz G-Klasse wird 1979 in Südfrankreich vorgestellt. Das Einstiegsmodell hat einen Vierzylinder-Dieselmotor mit 2,4 Litern Hubraum und 72 PS.

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1980 Das Papamobil ist ein perlmutweiß lackierter MercedesBenz 230 G, er begleitet Papst Johannes Paul II auf zahlreichen Reisen.

1981 Die erste Modellpflege steht an. Viele Extras für den knallharten Geländeeinsatz, wie Zusatztanks, Tropendach, Scheinwerferschutzgitter oder Seilwinde sind jetzt erhältlich. Statt fünf stehen jetzt 22 Farbtöne zur Verfügung.

1982 Der 230 G kommt ab sofort mit Benzineinspritzung an Stelle eines Vergasermotors. Recaro-Sitze, Zusatzheizung, Breitreifen und Kotflügel-verbreiterung sind auf Wunsch lieferbar.

1992 1987 Im Juni 1992 wird Die vierte Modelldas 1.00.000. pflege bringt neue Modell der Sonderausstattungen G-Klasse und der Luxus hält produziert. langsam Einzug. Gleichzeitig beginnt die Planung für die spätere Modellreihe 463.


Mercedes-Benz EnerG-Force Concept Car

FETT

G 65 AMG untermauert diesen Ruf, denn trotz der exklusiven Ausstattung handelt es sich noch immer um einen knallharten Hochleistungsgeländewagen. Der zwangsbeatmete Zwölfzylinder erzeugt stattliche 612 PS und ein atemberaubendes Drehmoment von 1.000 Newtonmetern. Diese rohe Gewalt wird mit einem neuen 7-Gang-Automatikgetriebe an die 20“ Räder gebracht, hinter denen sich eine entsprechend großzügig dimensionierte Bremsanlage mit rot lackierten Sätteln verbirgt. Mit seinen seitlichen Doppelendrohren, der speziellen Frontschürze mit den riesigen Lufteinlässen und vielen weiteren Details, versucht der kantige Riese gar nicht erst, seine schiere Power zu verstecken.

1997 Das Cabrio der G-Klasse bekommt ein elektropneumatisches Verdeck und wird somit Boulevard tauglich. Gleichzeitig halten stärkere Motoren Einzug.

1998 Der neue G 500 steht mit beeindruckenden 296 PS in den Startlöchern, spätestens jetzt ist die G-Klasse im Jet-Set angekommen und muss sich längst nicht mehr nur als Lastesel beweisen.

2000 Die neuen Modelle werden mit neuem Interieur für noch mehr Komfort auf dem Pariser Automobilsalon vorgestellt.

Der Innenraum präsentiert sich allerdings elegant und komfortabel. Leder, Alcantara® und Holz sorgen hier für die nötige Klasse und das wunderbare Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Die spezielle Lederausstattung mit Rautenoptik wurde eigens für dieses Modell entworfen und kommt serienmäßig zweifarbig daher und passt hervorragend zum weißen Klavierlack der Mittelkonsole. Durch die integrierte Ambientebeleuchtung wirkt der Innenraum vor allem bei Nachtfahrten noch großzügiger und behaglicher. Bei seiner Einführung im Jahr 1979 hatte das Einstiegsmodell gerade mal 72 PS, die von einen 2,4-Liter-Diesel erzeugt wurden. Dazu gab es ein funktionales, aber doch sehr spartanisches Interieur. Weiter weg könnte der G 65 AMG kaum sein, erwachsen werden ist nämlich nicht immer das Schlechteste.

2009 Die G-Klasse wird 30 Jahre alt. Zum Jubiläum präsentiert Mercedes-Benz die Sondermodelle EDITION30 und EDITION30.PUR.

2013 So kennen wir den G65 AMG der G-Klasse von Mercedes Benz heute.

2020 Mercedes-Benz Ener-G-Force Concept Car. So vermag sich die G-Klasse im Jahr 2020 präsentieren.

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Bentley Continental Gt V8 CaBrio

FOTOS DIRK SCHAPER, STYLING ÅSA LUNDSTRÖM

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Anzug Bluse isseVer Bahri Mantel CluB monaCo Schuhe Ganni Handschuhe esCada Clutch nina peter

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er Bentley Continental GT Convertible V8 ist eine verführerische Kombination aus Leistung, Stil und Exklusivität. Seit vielen Jahrzehnten sind die Cabriolets der britischen Traditionsmarke ein Synonym für herausragendes Design, großartige Handwerkskunst, faszinierende Technik und unbeschreibliches Flair. Bei diesem Modell werden die Leistung eines Supersportwagens mit der Praktikabilität einer Limousine und dem Sex-Appeal eines Cabriolets vereint. Der Innenraum verspricht herausragenden Komfort in sportlich elegantem Ambiente. Hier stimmt einfach jedes einzelne Detail, der satinierte Chrom auf den Zifferblättern, das Soft-Touch Leder mit seinen feinen Nähten, das polierte Holz und die klaren Linien des Armaturenbretts. Visuelles Vergnügen so gekonnt mit Ergonomie und Komfort zu verbinden braucht viel Erfahrung und Klasse. Für Bentley ein Kinderspiel.

Mantel isseVer Bahri Handschuhe louis Vuitton Cap stine Goya 166


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photos: dirk schaper | assistenz: thomas langenfeld | model: michaela Bodenmiller @ model management | styling: Åsa lundström @ liga nord | hair & make-up: shirin Kirschner @ nina Klein | Casting - Kristina tulinius @ april/may

rotz der beeindruckenden Leistung aus dem 507 PS starken V8-Motor, fühlt sich der offene Bentley so an, wie man es vom aristokratischen Charme dieser Marke erwartet. Das bedeutet aber nicht, dass der offene Viersitzer unscheinbar und zurückhaltend wirkt. Man kann genau sehen, wie sich die angespannten Muskeln unter dem Blech abzeichnen. Die Leistung hält, was der sportliche Look verspricht, es dauert gerade einmal 4,8 Sekunden, um von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Dank der perfekten Balance aus Leistung, Handling, Luxus und Praktikabilität bleibt der offene Grand Tourer immer ein echtes „Driver’s Car“. Es gelingt nur wenigen Marken eine so beeindruckende Symbiose aus Tradition und modernster Technik in Form eines Automobils zu erschaffen. Der Bentley Continental GT Convertible ist zweifellos ein Meisterwerk, welches diese Disziplin beherrscht. Hut ab, beziehungsweise Dach runter.

Top/Jacke isseVer Bahri Hose/Schal/Schuhe louis Vuitton Cap stine Goya 169


MOTION Quality Magazin No. 27 – November/Dezember 2012

Stradivaris auf dem Wasser Sie sind lautlos, pfeilschnell und die letzten ihrer Art: Die hölzernen RennRuderboote von Stämpfli lassen mit ihrer konstruktiven Eleganz die Hightech-Konkurrenz alt aussehen. Seit mehr als 110 Jahren fertigt die Traditionswerft ihre Preziosen aus Tannen- und Zedernholz direkt am Zürichsee und übersetzt ihre Bauweise behutsam in die Gegenwart. von Norman Kiezmann

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ein ganzer Stolz, ein Boot aus Holz“. Mit diesem Slogan machte die 1896 gegründete Schweizer Bootsmanufaktur Stämpfli anfangs auf ihre schwimmenden Preziosen aufmerksam. Auch heute noch werden hölzerne Rennboote in Wollishofen am Zürichsee von Hand gefertigt. Siebzehn Kilogramm bringen die Skiffs (Einer-Ruderboote) auf die Waage, deren Rumpf aus kanadischer Tanne gefertigt und mit Planken aus brasilianischer Zeder ummantelt wird. 110 Arbeitsstunden fließen in den Bau eines einzelnen Bootes, dessen Holz mindestens fünf Jahre lang trocknen muss. Doch selbst dann ist keine Eile geboten. Gebaut werden die Boote nur von einer Person: dem italienischen Werkstattchef Antonio Caggiano. Dass lediglich vier Holzboote pro Jahr produziert werden, hat einen einfachen Grund: Es findet sich kein Nachwuchs, der sich auf diesen Nischenberuf spezialisieren will. Und so wird der frühere Standard zur heutigen Sensation. Denn Stämpfli ist die letzte Werft, die die Holzbau-Tradition für Rennboote weiter fortführt – und damit beinahe selbst in den Ruin gegangen wäre. Der Wandel auf dem Wasser vollzog sich in den siebziger Jahren. Als die ersten Kunststoffboote bei internationalen Rennen starteten,

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dauerte es nur wenige Monate, bis sämtliche Profiverbände nachzogen. Schließlich entscheiden Bruchteile von Sekunden über Sieg oder Niederlage. Und die leichteren und härteren Kunststoffboote konnten gegenüber ihren hölzernen Vorgängern deutlich an Geschwindigkeit zulegen. Auch bei Stämpfli, wo die Holzboote seit der Umstellung von der früheren Tropfenform auf die bis heute gültige Pfeilform in den 1920er Jahren praktisch unverändert produziert werden, musste etwas passieren. In den achtziger Jahren kamen erste Kunststoff-Modelle hinzu und seit der Jahrtausendwende werden ebenso Rennboote aus Karbon produziert. Vorangetrieben hatte den Wandel der ehemalige Ruder-Olympia-Sieger und langjährigen Stämpfli-Mitarbeiter Melch Bürgin, der 1983 die Leitung der Manufaktur übernommen hatte. Die Tendenz zum Leichtbau ging auch an den Holzbooten nicht spurlos vorbei. Seit 2003 werden die Ruder-Ausleger ebenso in einer Ausführung aus Karbon angeboten, wofür eigens eine Kooperation mit dem Schweizer Flugzeugbauer Pilatus eingegangen wurde. Auch wenn die Holzboote weiterhin langsamer sein werden als ihre Pendants aus reinem Kunststoff, haben sie ihnen einen Vorteil voraus: Sie gleiten fast lautlos durchs Wasser und sorgen für eine wohltuende, akustische Entspannung.


MOTION Quality Magazin No. 27 – November/Dezember 2012

Der Gepard im Straßendschungel

Der Yamaha VMAX gehört zu den big five des Straßendschungels

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Das Entwicklungsteam der VMAX definierte zahlreiche Vorgaben, um einen würdigen und zugleich erfolgreichen Nachfolger des legendären Originals auf die Räder zu stellen. Die wesentlichen Ziele waren: Hohes Leistungspotenzial, eine unglaubliche Beschleunigung sowie präzise und klar definierte Handlingeigenschaften; nicht allzuletzt ein anspruchsvolles Chassis mit einzigartigem Styling.

Das Ergebnis ist ein komplett neuer V4Motor mit 1.679 ccm, dessen elektronische Steuer- und Regelsysteme nach dem von Yamaha entwickelten, hochmodernen G.E.N.I.C.H. Konzept arbeiten. Beispiele dafür sind die elektronische Ansaugluftsteuerung YCC-I und die elektronische Drosselklappensteuerung YCC-T. Als komplette Neuentwicklung präsentiert sich zudem der Aluminiumprofil-Rahmen, der aus stranggepressten und im Druckgussverfahren hergestellten Komponenten gefertigt wird und den Motor als tragendes Element integriert. Die ideale Festigkeits-Balance gewährleistet eine ausgezeichnete Geradeauslaufstabilität sowie ein Kurvenhandling, das durchaus mit dem sportlicher Maschinen vergleichbar ist. Das attraktive Rahmen-Design erlaubt zudem den freien Blick auf den muskulösen V4. Die unbändige Kraft, die fortschrittliche Motor- und Fahrwerkstechnologie sowie das radikale Styling verleihen der neuen VMAX einen unnachahmlichen Charakter, der von Innovation und Faszination gleichermaßen geprägt ist. M.A.


F-TYPE V8 S

Der im Fliegen jagt – Jaguar F-TYPE Mit dem neuen F-TYPE kehrt Jaguar zum Kern und Ursprung seiner Markenidentität zurück: Ein zweisitziger Roadster mit den Primärtugenden Performance und Agilität, der den Fahrer in den Mittelpunkt des Geschehens setzt. Der F-TYPE V8 S wird von einer neuen Version des aufgeladenen 5.0 Liter V8 angetrieben. Sie leistet 364 kW (495 PS) bei einem maximalen Drehmoment von 625 Nm und ermöglicht dem Topmodell der Baureihe eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h. Installiert im kompakteren, leichteren und agileren F-TYPE sorgt der Achtzylinder für fulminante Beschleunigungs- und Elastizitätswerte: 0-100 km/h sind in 4,3 Sekunden, 80 bis 120 km/h in 2,5 Sekunden bewältigt. Das Jaguar Design, welches schon immer für sinnliche und muskulöse Einfachheit stand, ist ausgesprochen sinnlich und zugleich sportlich angelegt. Die Kiemen sind erkennbar in zwei Stufen, die erste führt von den „Haifischkiemen“ zu beiden Seiten des Grills bis zur Oberkante der Kotflügel. Die vertikalen Bi-Xenon-Scheinwerfer mit integriertem LED-Tagfahrlicht zeichnen die Linie nach, ehe sie in die Tür weiter- und danach elegant ausläuft. M.A. 45


Motion Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

BMW 6er Gran coupé

Mehrfach ist die BMW 6er Gran Coupé für sein herausragendes Design ausgezeichnet worden. Aktuell ist das Modell sogar für den „Designpreis der Bundesrepublik Deutschland“ nominiert. Und das zu Recht – das Interieur besticht durch Eleganz, edle Materialien und deren perfekte Verarbeitung, klassische Linienführung und Formgebung. Doch nicht allein aufs Äußere kommt es an. Zu allererst besticht der BMW durch ein perfektes Fahrgefühl: Agiles Kurvenverhalten, gepaart mit dem sportlich-komfortablen Fahrgefühl zeichnet den Gran Coupé aus. Ob auf langen Strecken oder bei engen Kurvenfahrten – die Integral-Aktivlenkung mit mitlenkender Hinterachse sorgt für Wendigkeit und Agilität in jeder Fahrsituation. Der Adaptive Drive und die Dynamische Dämpfer Control, der eine individuelle Stoßdämpfereinstellung ermöglicht, unterstützen die Fahrzeugkontrolle. Das 8-Gang Sport-Automatic Getriebe schaltet nahezu unbemerkt und hält den Motor immer im optimalen Drehzahlbereich. Höchste Technologie und klassische Eleganz sind beim BMW Gran Coupé perfekt zusammengeführt. MA http://www.bmw.de/de/de/newvehicles/6series/gran_coupe/2011/showroom/index.html

Ein Mildhybrid, der SpaSS Macht Auf weichen Ledersitzen gleitet man nahezu lautlos über den Asphalt. Sanft schaltet das automatische Achtganggetriebe hoch. In 4,9 Sekunden geht der Zwei-Tonner von null auf hundert. Das klingt nach Fahrspaß und höchstem Technologiestandard. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich die zweite Generation des BMW ActiveHybrid 7. Mit diesem Modell setzen die Bayerischen Motorenwerke neue Maßstäbe in Sachen Leistung und Effizienz. Denn Medien, Märkte und Verbraucher fordern immer stärker eine Kombination aus Fahrkomfort und Umweltbewusstsein. Bei aller Effizienz soll das Fahren aber weiter Spaß machen. Dafür sorgt schon die immense Kraft des V8 Motors und beeindruckende 354 PS Systemleistung. Diese technische Meisterleistung und beeindruckende Motorkraft ist dem Auto von außen nicht anzusehen – und das scheint gewollt zu sein. Denn erst im Inneren wird klar, wie viel Luxus der ActiveHybrid 7 bietet: Fernsehbildschirme in den Rückenlehnen, Massagefunktion in allen Sitzen, Einparkhilfe, etc. sind selbstverständlich. Wieder einmal setzt BMW erfolgreich auf klassisches Understatement. MA http://www.bmw.de/de/de/newvehicles/7series/sedan_active_hybrid/2012/showroom/ index.html


Motion Quality Magazin No. 26 – Oktober/November 2012

FirSt claSS unter allen BedinGunGen – der MercedeS Gl Die neue GL-Klasse ist das ultimative Auto für alle Lebenslagen und setzt bei Komfort, Sicherheit und Effizienz neue Maßstäbe in der SUV-Welt. Seine außerordentliche Leistungsfähigkeit demonstriert das Offroad-Flagschiff in dichtem Stadtverkehr ebenso wie auf kurvenreichen Landstraßen, auf gut ausgebauten Autobahnen oder abseits des Straßennetzes. Auch unter schwierigsten Bedingungen überzeugt der GL. Mit ihrem neuen Design der Leuchten und dem Schulterschwung am Heck wirkt der Mercedes GL weniger schwerfällig als seine Vorgänger-Modelle. An der Front erhielt die GL-Klasse das neue Marken Gesicht. Den Grill teilen zwei vertikale Streben. Ein AMG Package mit sportiven Spoilerstoßstangen und speziellen LM-Rädern wertet das Modell weiterhin auf. Auch beim Interieur zieht die GL-Klasse alle Register und wartet mit einem luxuriösen Ambiente auf. Die Mercedes GL-Klasse bietet mit 2 Modellen - als GL 350 mit 258 PS starken 3-Liter-V6-Diesel und als GL 500 mit 408 PS starken 4,7-Liter-V8-Benziner zur Auswahl an. Fahrspass in jeder Lebenslage ist damit garantiert! MA http://www5.mercedes-benz.com/de/fahrzeuge/personenwagen/gl-klasse/

BANDIT9’S NERO Schwarz, mysteriös und voller Abenteuergeist – danach sieht das Bandit Nero Motorrad aus. Hergestellt wird es von Bandit9, einem Biker-Design Laden in Peking. Hinter dem Label steht der Creative Director Daryl Villanueva, ein passionierter Biker und eingefleischter Fan ungewöhnlicher Motorräder. Mit seinen ersten beiden Designs – dem Loki und dem Magnus Bike – bekam er bereits internationale Anerkennung. Doch nichts bringt Design, Mode und Lifestyle so sehr auf einen gemeinsamen Nenner wie das neueste Modell – Nero. Bandit Nero steht für Lebensphilosophie. Für Kreativdirektor Daryl steht Bandit für Outlaws wie Piraten und Banditen und deren Freigeist und Individualismus. Und Nero kennt man aus Matrix und das Dunkle, Schwarze, Futuristische dieser Ästhetik. Das Aggressive und Schwere wirkt in der Form. Dabei ist das Bike äußerst agil in der Fahrweise. Nicht von ungefährt kommt viel Inspiration aus H.R. Gigers Entwürfe für Ridley Scotts Film „Alien“. Bandit Nero ist das bislang aufwendigste Bike des Herstellers – über 10 Motoren wurden verschlissen, bevor man die ideale Komponente fand. Der Aufwand hat sich gelohnt. MA http://www.banditnine.com/nero/

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Eine Diva namens Riva 108


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E s gibt nur ein Motorboot, das überzeugte Segler ohne Zögern steuern würden: eine „Aquarama“ von Riva. Vor genau fünfzig Jahren wurde das Modell erstmals zu Wasser gelassen, das zum Lieblingsspielzeug des Jetsets der sechziger und siebziger Jahre avancierte. Ob Gunter Sachs, Brigitte Bardot oder Ingrid Bergmann:

Sie alle nannten eine Riva ihr Eigen und jagten mit dem zweimotorigen Holzboot über die Wellen vor St. Tropez und Portofino hinweg. Noch heute gilt die „Aquarama“ als Inbegriff des Dolce Vita. Mit ihrem schlank zulaufendem Heck, ihrer rotbraunen Mahagoni-Beplankung sowie einer gepolsterten Liegefläche zum Sonnenbaden war ihre 110

Riva ist mehr als eine Werft. Seit 170 Jahren definieren die Bootsbauer aus dem norditalienischen Sarnico, was Eleganz auf dem Wasser ist. Zum runden Geburtstag fuhren Riva-Enthusiasten ein Rennen von Monte Carlo nach St. Tropez und gratulierten Carlo Riva zum 90. Geburtstag. von Norman Kietzmann


Gestalt so ikonisch wie die eines Jaguar E-Types. Auch wenn die von Hand gefertigten Preziosen den Status ihrer Besitzer zweifelsohne zu erkennen gaben, wirkten sie weder protzig noch prätentiös. Ihre Stärke lag in einer für heutige Verhältnisse geradezu kompakten Bauweise, die die Wendigkeit eines Rennbootes mit dem entscheidenden Maß an Eleganz in Verbindung brachten. Konstruiert wurde die „Aquarama“ von Carlo Riva. Der Ur-Enkel des Firmengründers Pietro Riva hat das Unternehmen in den späten fünfziger Jahren zu dem gemacht, was sie heute ist. Denn nach der Gründung 1842 stellte Riva zunächst noch keine Boote her. Der Handwerker Pietro Riva zeigte Talent darin, die Holzboote der Fischer auf dem Iseosee im Nordosten von Mailand zu reparieren. Erst sein Sohn Ernesto begann mit der Konstruktion von Ruderbooten sowie für den Transport von Waren ausgelegten Segelbooten. In sportliche Dimensionen stoß sein Enkel Serafino vor, der die ersten Motorboote unter dem Namen Riva baute und mit ihnen in den zwanziger und dreißiger Jahren zahlreiche internationale Rennen gewann. War Riva in der Sportwelt ein Begriff, hat sein Sohn Carlo die Werft mit der Umstellung von Einzelanfertigungen zu Serienmodellen in eine Marke verwandelt. 111


Unverkennbar in Mahagoni: Die zweimotorige „Aquarama“ (links und rechts) ersetzt ab 1962 die „Tritone“ Serie (unten und S. 1110-111) aus den fünfziger Jahren und wird zum Lieblingsspielzeug des Jetsets an der Côte d‘Azur.

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en Anstoß dazu lieferte ein sportbegeisterter Monarch: Fürst Rainier III. von Monaco. Er kannte die Boote der „Tritone“-Serie, die Riva in den frühen fünfziger Jahren produzierte, und wandte sich 1958 an Carlo Riva. Schon damals waren Liegeplätze in Monte Carlo knapp gewesen und er bat um eine Lösung des Problems. Und so baute Riva die ersten Pontons im Hafenbecken, aus denen 1959 der „Monaco Boat Service“ hervorging. Der Fürst gab daraufhin die Erlaubnis, einen Tunnel durch den Felsen unterhalb des Grimaldi-Palasts zu sprengen. 100 Boote können dort während der Winterzeit gelagert werden. „Die Explosionen waren so stark, dass die Fensterscheiben des Palastes gezittert haben“, erinnert sich Carlo Riva an die zwei Jahre andauernden Bauarbeiten. Sein Debüt als Bootsgestalter gab er mit der zweimotorigen „Aquarama“. Deren schmale Windschutzscheibe wurde zugleich zum Namensgeber, da ihr Ausblick stark an das in den fünfziger Jahren eingeführte Breitband-Kinoformat „Cinerama“ erinnerte. Als der Prototyp im Sommer 1962 nach Monaco gebracht wurde, testete Carlo Riva ihn aus. Einer der Zuschauer, der ihn dabei beobachtete, war Fiat-Boss Giovanni Agnelli. Er fragte, ob er das Boot fahre dürfe und jagte es mit voller Geschwindigkeit um den Grimaldi-Felsen. Nicht nur er legte sich daraufhin eine „Aquarama“ zu, sondern viele seiner prominenten Freunde. Anlass zum Feiern hatte man 2012 gleich dreifach: Neben dem 170-jährigen Bestehen der Werft und dem 50. Geburtstag der „Aquarama“ wurde Carlo Riva im Februar 90 Jahre alt. Fürst Albert gratulierte ihm persönlich auf seiner „Aquarama LIPICAR IV.“, während im Juli eine Gruppe von Riva-Enthusiasten zu einem 112


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„ Der Charakter eines Bootes

muss in drei Strichen fassbar sein. “ Mauro Micheli, Riva-Chefdesigner

Rennen von Monte Carlo nach St. Tropez aufbrach. Nach einem Galadinner wurde am folgenden Abend eine „Beautiful Sixties Party“ im Monte Carlo Beach Hotel ausgerichtet und am dritten Tag bei einer Parade im Hafen von Monaco die schönste „Aquarama“ gekürt. Gefeiert wurde bei der Gelegenheit noch ein weiterer Anlass. Denn Riva ist längst mehr als eine Werft, die von Hand gefertigte Boote aus Mahagoni konstruiert, sondern ebenso stattliche Hochseeyachten im Programm führt. Pünktlich zum runden Jubiläum wurde die 63 Fuß (19,2 Meter) lange „Virtus“ vorgestellt. Die bis zu 40,5 Knoten schnelle Motoryacht ist das neue Mittelformat der Riva-Familie, deren Längen von 17 bis 120 Fuß reichen. Dass der Neuzugang an eine doppelt vergrößerte „Aquarama“ denken lässt, kommt nicht von ungefähr. Schließlich verfolgt Riva eine vergleichbare Strategie wie Porsche. Sämtliche Neuentwicklungen tragen stets die Züge der Ur-Ikone des Unternehmens in sich. Und was für Porsche der „911“ ist, ist für Riva die „Aquarama“. „Der Charakter eines Bootes muss in drei Strichen fassbar sein“, erklärt Mauro Micheli. Seit zwanzig Jahren verantwortet er mit seinem Büro „Officina Italiana Design“ die Linienführung der Riva-Modelle und hat auch die Entwicklung der „Virtus“ besteuert. Dass das Boot um elf Fuß länger ist, als das bisherige Mittelformat „Rivale“, folgt der Tendenz des Marktes. Seit Ende der neunziger Jahre werden von den Kunden immer größere Dimensionen und höhere Motorleistung verlangt. Selbst der „Aquarama“ ging es zwischenzeitlich an den Kragen. Weil eine reine Holz-Konstruktion mit den neuen Anforderungen nicht mehr standhalten konnte, verlor das Boot seine ursprüngliche Materialität. Auch wenn der Rumpf von einem Mahagoni-Furnier überzogen ist, verbirgt sich darunter eine Konstruktion aus leichtem wie hoch belastbaren Fieberglas. „Wir haben versucht, die Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden“, erklärt Mauro Micheli die Anpassung des Modells, dass auch in seiner Länge zugelegt hat. 114


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n der noch immer krisengeschüttelten Mit- Dass Riva das Portfolio kontinuierlich auftelmeerregion kennt der Markt derzeit nur fächert und 2010 zwei Sondereditionen der zwei Richtungen: Entweder kleinere Boote, „Aquarama“ lancierte – die eine in Kooperawobei die Grenze für „klein“ bei 70 Fuß tion mit Gucci, die andere mit dem australiliegt, oder Großformate jenseits von 120 schen Designer Marc Newson –, spiegelt die veränderten Besitzverhältnisse. Nicht nur in Fuß. „Die mittlere Größe verkauft sich nicht der Mode, sondern auch auf dem Wasser ist mehr“, macht Mauro Micheli deutlich und skizziert auf diese Weise die zukünftige Per- es schwer geworden, als Luxusmarke Unspektive für Riva. Bislang liegt das größte abhängigkeit zu bewahren. Seit 2000 gehört Modell „Athena“ mit 115 Fuß (35 Metern) Riva zur 1968 gegründeten Ferretti Group, noch unter der genannten Marke. Doch es ist die mit ihren Marken Ferretti Yachts, Persanzunehmen, dass diese schnell überschrit- hing, Bertram, CRN und anderen als Marktten wird. Gebaut werden die Großformate di- führer hochpreisiger Motoryachten in Europa rekt am Mittelmeer in La Spezia, während gilt. Doch schon schluckt ein Fisch den andie kleineren Boote am Stammsitz in Sarnico deren. Im Sommer 2012 wurde bekannt, dass am Iseosee gefertigt werden. ein chinesischen Investor die Mehrheit der Gruppe übernommen habe und sicher auch mit Riva große Pläne haben dürfte.


Nicht nur in der Mode, sondern auch auf dem Wasser ist es schwer geworden, als Luxusmarke Unabhängigkeit zu bewahren. Die 63 Fuß (19,2 Meter) lange „Virtus“ ist das neueste Modell der Riva-Familie und erzielt eine Geschwindigkeit von 40,5 Knoten (75 km/h).

Ans Aufhören denkt Carlo Riva auch mit 90 Jahren noch nicht. In Rapallo betreibt er mit seiner Tochter Maria Pia den „Porto Carlo Riva“. Der erste privat geführte Yachthafen Italiens wurde 1975 eingeweiht wurde und bietet 400 Anlegestellen für Boote von sechs bis 40 Metern. Und seine Tochter Lia betreibt weiterhin Bootsservices in Cannes, St. Tropez und Monaco, wo bis heute die meisten Riva-Modelle gemeldet sind. 80 der 4100 je gebauten Rivas verbringen den Winter in jenem Stollen, den Carlo Riva einst unter dem Fürstenpalast hindurch sprengen ließ. 117


Motion Quality Magazin No. 25 – September 2012

BRitiSCHES UndERStatEMEnt Es ist wahrscheinlich den britischen Wurzeln der Firma geschuldet, dass der Jaguar XKR in der Cabriolet­ Variante zumindest äußerlich mit so viel Understatement daherkommt. Die Form ist sportlich elegant, der Schwung der Kurven schnittig. Vieles erinnert an diesem Auto an den Jaguar E­Type aus den Sechziger Jahren. Unter dem noblem Äußeren schlägt ein starkes Herz: Auf ganze 510 PS bringt es der XKR mit seinem Achtzylinder­Motor. Und auch sonst können sich die Features dieser Luxus­Ka­ rosserie hören und sehen lassen: In fast allen Betriebslagen schnurrt der Jaguar ruhig und sonor, bei der Innenausstattung des Wagens bestechen vor allem die Sitz­ bezüge aus hochwertigem Leder. M. A.

Jaguar E-Type Coupe

EinE PoRSCHE SinFoniE

Porsche Panamera

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Jaguar XKR Convertible

Wie fühlt es sich an, wenn zwei große deutsche Traditions­ unternehmen wie Burmester und Porsche sich entschließen, das Musikerlebnis während des Autofahrens mit einem Konzertbesuch gleichzusetzen? Man möchte meinen, eine unrealistische Zielsetzung, doch nach fünf Jahren intensiver Zusammenarbeit in Entwicklung und Design, sowie kom­ promissloser Innovation und Ingenieurskunst wurde aus der Vision Realität. Die gleichen Ansprüche an Perfektion und Verarbeitungsqualität beflügelte die Zusammenarbeit. So ist der neue Porsche Panamera mit einem High­End Surround­ Sound­System der absoluten Spitzenklasse erhältlich. Ent­ wickelt wurde dieses Non plus Ultra für Musikliebhaber von der Berliner Manufaktur Burmester Audiosysteme. Dass der neue Por­ sche Panamera auch sonst allen Ansprüchen an Komfort und Tech­ nologie gerecht wird, versteht sich fast von selbst. Insgesamt eine sehr gelungene Symbiose, die auch Musiklaien in Verzückung geraten lässt. M. A.


SHooTINg BRAKE REVIVAL

Mercedes CLS 500

In Zeiten, als das Fortbewegungsmit­ tel der Wahl noch kein Auto, son­ dern ein Pferd war, gab es spezielle Fuhrwerke, mit denen die oft störrischen Tiere gezähmt wur­ den. Diese so genannten Shoo­ ting Brakes sollten den Bewe­ gungsdrang der Pferde bremsen, damit sie ihre jagdbegeisterten Eigentümer mit Hilfe von Aufbauten zum Schießen bringen konnten. Mit ganz anderer Pferdestärke und optik kommen die motorisierten Shooting­ Brakes, wie z.B. der CLS von Mercedes daher: Mit fünf Türen, einer schmalen Fenster­ grafik und einem bis zum Heck hochgezogenen Dach verbindet dieses Auto den eleganten Schnitt eines Coupé mit den Features eines Kombi. optional ist der CLS zudem mit ei­ nem handgefertigten Ladeboden aus edlem Kirschholz erhältlich. Die nächste Reise kann also beginnen und wird mit diesem sportlichen und gleichzeitig funktionalen Edel­Auto bestimmt nicht so schnell in Vergessenheit geraten. M. A.

too QUiCK FoR a ViEW Es ist gerade mal drei Wochen her, da konnten wir in unserer Redaktion den Tesla Roadster persönlich testen. Die Lotus­Karosserie gibt dem Tesla eine sportlich schnittige Form, die überall Aufsehen erregt. Für noch mehr Aufsehen sorgt jedoch die unglaubliche Beschleunigung des 288 PS starken Roadster, von 0 auf 100 km/h in 3,2 Sekunden. Das grenzt an Formel­I­Feeling. Akustisch hat der Elektromotor des Tesla eher wenig zu bieten, nämlich eine nahezu geräuschlose Fahrt. Doch das ist unserer Meinung nach der Sound der Zukunft. M. A.

3,2 SEk

Tesla Roadster


Diven für Sergio Pininfarina war ein Virtuose der Form. Der Sohn vom Gründer der gleichnamigen Karosserieschmiede hat Designgeschichte auf der Straße geschrieben. Anfang Juli ist der Turiner Gestalter, Unternehmer und Senator im Alter von 85 Jahren gestorben. Von Norman Kietzmann


die StraĂ&#x;e 77


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ines haben Autos und Kirchen gemeinsam: Sie geben ein Versprechen. Während der Klerus Aussicht auf ein ewiges Leben gibt, locken die metallenen Flitzer mit reichlichen Schüben an Adrenalin – und das bereits im Hier und Jetzt. Dass die Anbetung schnittiger Karosserien selbst schon religiöse Züge annimmt, ist kein Zufall, sondern eng mit einem Namen verbunden: Pininfarina. Die Turiner Karosserie- und Designschmiede hat nicht nur Klassiker wie den Alpha Romeo Spider, den Ferrari Dino 246 oder den Peugeot 604 hervorgebracht. Sie entwirft in dritter Generation längst Hochgeschwindigkeitszüge, Yachten oder die Fackel der olympischen Winterspiele in Turin 2006. Gegründet wurde die „Carrozzeria Pinin Farina“ 1930 von Battista Farina, den alle nur „Pinin“, den Kleinen, nannten. Seine Werkstatt war alles andere als ein Ort, an dem man sich lediglich das Öl auswechseln ließ. Sie war eine Traumfabrik für den Asphalt, in der das Automobil mit Effizienz und Eleganz neu erfunden wurde. Dass ein einzelner Mann eine ganze Branche aufhorchen ließ, entsprang den Umständen der Zeit. Bis in die fünfziger Jahre war es üblich, ab einer gewissen Preisklasse lediglich

„Wenn unsere Idee kopiert wird, heißt das doch, dass sie gut war.“


das Fahrgestell mitsamt dem Motor von den Autoherstellern zu erwerben. Die Karosserie wurde maßgeschneidert wie ein Anzug – jedoch mit einem entscheidenden Unterschied: Während Extravaganzen dem eigenen Schneider tunlichst untersagt wurden, waren sie beim Auto nicht nur erlaubt, sie wurden sogar explizit verlangt. Die Karosserie wurde zur Erweiterung der männlichen Garderobe. Während Frauen mit ihren Kleidern experimentieren können, bleiben Männer uniform. Das Auto ist Abendkleid, kleines Schwarzes und Blaumantel in einem. Ein aus Blech geformtes Universaloutfit, das immer passt und manchmal, sofern es die Motorleistung zulässt, auch ein wenig laut sein darf. Schnell machte sich der Pininfarina außerhalb von Turin einen Namen, da er die Wünsche seiner Kunden nicht nur ausführte. Er gab seinen Karosserien eine unverkennbare Linie, die Aerodynamik mit einer eleganten, zeitlosen Sprache in Verbindung brachte. Anstatt mit der Plumpheit eines Muskelprotzes bewegten sich seine Fahrzeuge wie stolze Ballerinen über den Asphalt hinweg und stellten klar, warum das Auto im Italienischen einen femininen Artikel trägt. Zum Erfolg der Karosserieschmiede trugen vor allem der 1935er Alfa Romeo 6C Pescara Coupé sowie der 1936er Lancia Astura Cabriolet tippo Bocca bei, die selbst im

Stehen den Rausch der Geschwindigkeit versprühten, ohne gewollt zu wirken. Aerodynamik war bei Pininfarina kein plumper Stil wie bei den aufgeplusterten Heckflossen der fünfziger Jahre. Sie wurde durch eine gesteigerte Effizienz tatsächlich eingelöst. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges nahm die „Carrozzeria Pinin Farina“ ihre Produktion wieder auf. Vom Umstand, dass Italien 1946 am Pariser Autosalon nicht teilnehmen durfte, ließen sich Farina und sein 1926 geborener Sohn Sergio nicht aufhalten. Sie fuhren mit einem Alfa Romeo 6C 2500 S sowie einem Lancia Aprilia Cabriolet nach Paris.

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elch eine Inszenierung! Sie parkten die beiden Fahrzeuge direkt vor dem Eingang zum Grand Palais. Nicht nur die Blicke der Messebesucher waren ihnen sicher. Am letzten Tag der Ausstellung kam einer der Organisatoren zu ihnen und sagte, sie hätten sich einen zentralen Stand für das kommende Jahr verdient. Einen Durchbruch brachte der Cisitalia 202, der 1947 als erstes Auto überhaupt in die ständige Sammlung des Museum of Modern Art in New York aufgenommen wurde. Das Fahrzeug, das eine Karosserie aus Aluminium mit einem Skelett aus feinem Stahlblech verband, markierte für Pininfarina zugleich eine neue Richtung. „Ich wusste, dass die alten Formen vorüber waren. Autos müssen einfache, weiche und essenzielle Linien haben“, war sich Farina sicher. 1951 erfolgte ein Schulterschluss mit Folgen, als Pinin Farina von Enzo Ferrari um ein Treffen gebeten wurde. Der Autobauer aus Maranello übertrug ihm die Gestaltung sämtlicher Modelle, von denen noch im selben Jahr der Ferrari 212 und 1954 der Ferrari 250 GT unter der Leitung von Sergio Farina lanciert wurden. Als sich sein Vater 1961 im Alter von 68 Jahren zurückzog, übernahm er die Geschicke des Familienunternehmens. Noch im selben Jahr gab der italienische Staatspräsident Giovanni Gronchi persönlich dem Antrag statt, den Familiennamen in Pininfarina umzuändern. Angetrieben wurde der Erfolg durch Hollywood, als der Nash Healey Spider im Billy-Wilder-Film „Sabrina“ zu sehen war, während der Alfa Romeo 1600

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Spider, Sergio Farinas erster Entwurf nach dem Tod seines Vaters 1966, im Film „Die Reifeprüfung“ weltweit Bekanntheit erregte. 140.000 Stück wurden bis 1993 gebaut, während vom 1966er Fiat 124 Sport Spider ganze 200.000 Fahrzeuge produziert wurden. Aus der auf Einzelanfertigungen und Kleinserien spezialisierten „Carrozzeria Pinin Farina“ wurde eine Designagentur, die der Branche den Ton vorgab. Ob Ferrari, Alfa Romeo, Fiat, Maserati oder Peugeot, sie standen alle bei ihm Schlange. Früh setzte der studierte Maschinenbauer auf technische Unterstützung. Als erstes Designstudio eröffnete Pininfarina 1972 einen eigenen Windkanal, um die Kurven der Karosserien nicht nur mit den Augen, sondern ebenso mit präzisen Werten zu bemessen. 1986 wurde die Marke „Pininfarina Extra“ gegründet, um Projekte jenseits des Automobilbaus zu realisieren, während das Unternehmen im selben Jahr an die Börse gebracht wurde. Auch wenn sich Sergio Pininfarina seines Einflusses durchaus bewusst war, agierte er nie autokratisch. In Großkonzernen musste auch er eine Vielzahl von Entscheidungsträgern überzeugen, um grünes Licht für seine Entwürfe zu erhalten. Dass er reden, argumentieren und Leute für sich einnehmen konnte, nutze er auch auf der politischen Bühne. Als Abgeordneter der liberalen italieni-

„Der Niedergang des Individualfahrzeugs ist unübersehbar. Ich glaube nicht, daß wir in 50 Jahren noch am Steuer des eigenen Mobils sitzen.“ schen Partei Partito Liberale Italiano saß er von 1979 bis 1988 im Europäischen Parlament. 1988 übernahm sein Sohn Andrea, der 2008 bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückte, die Geschäftsführung. Seitdem setzt sein Bruder Paolo den Kurs weiter fort, das Designstudio auch außerhalb der Automobilwelt zu verankern. Die Bandbreite reicht von Zügen wie dem ICN der SBB, der Zürcher Straßenbahn „Cobra“ oder dem italienischen Hochgeschwindigkeitszug „Frecciarossa“ (roter Pfeil) bis hin zu Espressomaschinen für Lavazza oder Motoryachten für Riva. Eine neue Richtung schlug Pininfarina 2011 mit dem Umbau des Fussballstadions von Juventus Turin ein, gefolgt von der 2012 eröffneten Kapelle Madonna delle Stelle unweit von Neapel. Nicht nur das Gebäude wurde von den Asphalt-Fetischisten entworfen, sondern ebenso das gesamte Interieur einschließlich der Möbel, des Kreuzes und der Orgel. „Wir hatten mit diesem Projekt das Ziel, unsere Marke noch weiter in das Feld der Architektur hineinzutragen“, erklärt Paolo Pininfarina. In Zeiten, in denen man Sportwagen zunehmend am Image kratzt, ein lukratives Nebenstandbein, um der unbeschwerten Kurvenjagd weiter nachzugehen. Mit der offiziellen Weihung der Kapelle ist auch eine Epoche zu Ende gegangen, als Sergio Pininfarina am 2. Juli – keine zwei Wochen später – im Alter von 85 Jahren verstarb. Vielleicht konnte man nun beruhigt sein: Die dynamischen Kurven der „Carrozzeria Pinin Farina“ haben nicht nur Automobilgeschichte geschrieben. Sie sind längst gebaute Wirklichkeit geworden. 82


Die olympische Fackel f端r die Winterspiele in Turin 2006 kam, wie nicht anders zu erwarten, auch aus dem Hause Pininfarina.

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Motion Quality Magazin No. 24 – Juli/August 2012

GoldMariechen Die Filmfestspiele in Cannes sind eines der bedeutendsten Ereignisse des Jahres für die Film­ industrie. Zum 65. Geburtstag der Preisverleihung sollen auch die hochkarätigen Gäste der Veranstaltung entsprechend gewürdigt werden. Hierfür kreierte Mercedes Benz einen Shuttle­ Service der ganz besonderen Art: eine Flotte vergoldeter Fahrzeuge verschiedenster Klassen – vom Geländewagen bis zur Limousine – ein Mercedes Geschenk und gleichzeitig Hommage an die Filmfestspiele. So kann die Stadt an der Côte d’Azur in güldenem Glanz erstrahlen. 30


Motion Quality Magazin No. 24 – Juli/August 2012

Funkelnder koloss Wo würde man einen imposanten Rolls-Royce wohl am wenigsten erwarten? Wahrscheinlich in einer Hotel Lobby. Aber der Eingangsbereich des Fairmont Hotels in Monte Carlo ist so großzügig und edel gestaltet, dass ein Rolls-Royce in voller Pracht genügend Platz findet. Die mit Swarovski-Kristallen übersäte Limousine ist eine glamouröse Zusammenführung der Themen Automobil und Luxus, den es in dieser Form wohl noch nicht gab. Anlass der Präsentation war das Formel-1Rennen in Monaco, das viele Fans anlockte. Die schimmernden Kristalle reflektieren das Licht des Entrées und geben der Lobby so eine mysteriöse Anmutung.

BoBBies Car Die von dem Österreicher Han Lan entwickelte Version eines Ferraris ist ein echtes Muscle Car und das im wortwörtlichen Sinne. Denn dieser Flitzer wird nur durch reine Muskelkraft angetrieben. Unter der schicken und leicht futuristischen Sportwagenfassade verbirgt sich ein ausgeklügeltes, vier-rädriges Fahrradkonzept. So wird der Fahrer nebenbei selbst zum begehrten Muskelmann und macht in Sachen Geschwindigkeit dank verbesserter Kraftübertragung endlich auch den Fußgängern Konkurrenz.

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COLOUR ONE – Ans Licht geholte Schönheiten for MINI by Scholten & Baijings By Markus Frenzl


MOtION Quality Magazin No. 23 – Mai/Juni 2012

Ein Concept Car ist in der Regel ein Auto, mit dem Hersteller ihre Fortschrittlichkeit demonstrieren, neue technologien vorführen und Begehrlichkeiten wecken.

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in Concept Car ist ein fertiges Auto“, sagt Carole Baijings und stellt damit klar, dass sie sich unter einem Konzept etwas anderes vorstellt. Für die Installation „COLOUR ONE for MINI by Scholten & Baijings“, die sie und ihr Partner Stefan Scholten zur diesjährigen Mailänder Design-Woche entwickelten, gingen sie deshalb einen anderen Weg: Schicht für Schicht drangen sie zu den Einzelteilen eines MINI ONE vor und lösten sie aus dem Kontext des Fahrzeuges. Sie reduzierten die Volumina der Bauteile, um zu ihrem Wesen vorzudringen. Die herausgelösten „Art Parts“ versahen sie mit neuen Texturen, Materialien und Farben. Für mache Funktionen, wie etwa die Belüftung, ersannen sie gänzlich neue Lösungen. „Wir häuteten das Auto wie eine Zwiebel“, so Stefan Scholten. Aus der ursprünglichen Umgebung eines mit Bauteilen überfrachteten Fahrzeugs gelöst, offenbarten Objekte wie das Armaturenbrett oder das Lenkrad eine eigene Schönheit, die das Amsterdamer Designduo mit leuchtenden Farbpigmenten betonte. Sie entwickelten einteilige, transparente Gießharzreifen, mit denen sie die Frage aufwerfen, warum ein Reifen immer aus mehreren Teilen bestehen muss und bisher kaum die Dynamik vermittelt, die seiner Bedeutung entspricht. Die Türen überzogen sie mit mattem Porzellanlack, Farbverläufen oder goldener Textur. Für Sitze und Gurte entwickelten sie Stoffe, die an die Rallye-Historie der Marke erinnern sollen. Die Außenhaut des

Fahrzeugs durchbohrten sie mit einem Raster aus Tausenden von Löchern, das zum Fahrzeugheck hin ausläuft und die Funktion der Belüftung übernehmen soll. Die Fahrzeugfenster bedruckten sie mit unscharfen Bildern vorbeiziehender Landschaften, die symbolisch für den Blick in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stehen sollen. Scholten & Baijings machten sich in den letzten Jahren in der Designwelt einen Namen mit Entwürfen, die eine starke konzeptionelle Idee mit feinsinnigen Farbund Materialkonzepten verbinden. Vor allem die kräftigen Neonfarben und feinen Farbverläufe, die sie auf Möbel, Textilien oder Geschirr übertragen, gelten als charakteristische Handschrift des Duos. Dass die beiden kein klassisches Concept Car entwickeln, sondern die Sache grundsätzlicher angehen würden, war BWM-GroupDesignchef Adrian van Hooydonk und MINI-Chefdesigner Anders Warming schon beim Auftrag an Scholten & Baijings klar. Das poetische Ergebnis aber überraschte alle Beteiligten des Unternehmens und wird, so Warming, in vielen Bereichen als Inspirationsquelle für MINI dienen. Unter dem transparenten Pavillondach in einem Innenhof der Mailänder Staatsuniversität wirkten die präsentierten Objekte fast wie Preziosen in einer Sammlervitrine. Die Inszenierung zählte damit zu den schönsten, aber auch hintersinnigsten der Designwoche. Denn hier feierte eine Marke sich nicht selbst, sondern erlaubte einen überraschenden Blick auf viel zu selten in Frage gestellte Typologien, ein unbefangenes Spiel mit der Schönheit der Formen, Texturen und Farben und vor allem einen völlig neuen Umgang mit dem, was ein Concept Car auch sein kann: eine Reflexion über den Designprozess, die Identität einer Marke, die Kultur des Fahrens und vor allem über die subjektiven und emotionalen Aspekte, die letztlich den Wert eines Fahrzeugs ausmachen.

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Bisiluro da corsa, Nardi – Mollino – Giannini, 1955 Foto: Alessandro Nassiri, Archivio Museo Scienza

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Alles erlaubt! Er konnte alles und damit konnte er zu viel. Weil der Architekt, Rennfahrer und Designer Carlo Mollino nicht in eine Schublade einzuordnen war, geriet er trotz seines grandiosen Lebenswerks fast in Vergessenheit. Jetzt erinnert eine Ausstellung im Haus der Kunst in MĂźnchen an den „holy madman“. von Hannah Bauhoff

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Carlo Mollino on his Bisiluro car, 1955 Foto: Invernizzi

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Fr端hsport durch den Hamburger Hafen


W as macht man mit einem Carlo Mollino, fragt die Architekturhistorikerin Beatrice Colomina verzweifelt und listet Mollinos zahlreiche Professionen auf: Architekt, Interior Designer, Möbelbauer, Ingenieur, Modedesigner, Fotograf, Set Designer, Professor für Architektur, Autor, Stuntmen, Rennfahrer, Autodesigner, Sportflieger, Patententwickler und Italiens bester Skirennfahrer in den 1940ern. Der 1905 in Turin geborene Architekt hatte so viele unterschiedliche Talente, dass es einem fast schwindelig wird. Es war ein Leben voller Ästhetik und Sexappeal, das immer in Bewegung war und 1973 in Mollinos Geburtsstadt endete. Man könnte auch sagen, es war ein Leben mit schnellen Autos, schönen Frauen und 3000 erotischen Sofortbildern. Bereits im Alter von sieben Jahren schoss er sein erstes Bild und der Blick durch die Kamera sollte für ihn das Mittel sein, die Wirklichkeit, die ihm manchmal zu real erschien, in eine Art Märchenwelt zu

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Carlo Mollino. Maniera moderna, Installationsansicht, Haus der Kunst, 2011, Foto: Juergen Ueberschaer

verwandeln. Von seinem Vater, einem berühmten Turiner Architekten, erbte er so viel Geld, dass er sich seinen exzentrischen Lebensstil leisten konnte. In seinem ganzen Leben realisierte er nur neun Bauten und keiner gleicht dem anderen, ein gemeinsamer Stil ist nicht zu erkennen. Er publizierte Artikel und Fotobücher, lehrte, konstruierte. Auch wenn er nur neun Gebäude in seinem Leben realisierte – und diese zählen zu den wenigen wirklich wichtigen Werken der modernen Architektur seiner Zeit – gilt er als Ausnahmeerscheinung innerhalb der Moderne. Beeinflusst von den Pariser Surrealisten wirken insbesondere seine ersten Arbeiten schwülstig und pathetisch. „Maniera moderna“, so der Titel der Ausstellung, greift wunderbar den Gegensatz zu der sachlich-funktionalistischen Moderne auf, in der Mollino als Architekturstudent sein Handwerk lernte und in der er sich bewegte. Ein Beispiel: Das Auditorium des Radiosenders RAI, das Teatro Regio in Turin. Im Zentrum des Theaters steht die Bühne, umrandet von violett-roten Rängen, die auf dem Foto wie konzentrische Kreise wirken und den Betrachter in eine Höhle ziehen. Das diffuse Deckenlicht hängt wie Tropfsteine in den Saal herab.

„Tutto è permesso, sempre salva la fantasia.“

Carlo Mollino. Armchair for Casa Minola, 1946

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Carlo Mollino. Teatro Regio, 1965-73, Foto: Cavalli

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roßformatigen Fotos seiner avantgardistischen Architekturprojekte, die aneinandergereihten Frauenporträts, die in halbnackten oder gar nackten Posen kokett in die Linse blicken, die phallusartigen Lehne seines Stuhlentwurfes, auf die er mit einem Augenzwicken direkt Schoß seiner Muse platziert, gepaart mit den schneebedeckten Bergen und den eindrucksvollen Architektur – wer all diese Eindrücke in sich aufnimmt, versteht, dass Mollino ein Meister der Verführung war. Immer adrett als dandyhafter Sportsmann gekleidet machte das enfant terrible zu Pferd, auf Skiern oder auch im Auto stets eine bella figura. Am 11. Juni 1955 fuhr er den von ihm gebauten feuerroten Rennwagen beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Gemeinsam mit Mario Damonte und Guido Nardi hatte Mollino das rasende Gefährt konstruiert, das den Namen DaMolNar erhielt, eine Zusammensetzung aus den Anfangsbuchstaben der drei Konstrukteure und vor dem der Besucher der Ausstellung im Foyer des Hauses der Kunst fast ungläubig stehen bleiben muss. Ungläubig, weil das Gefährt so anders aussieht, als alle anderen Rennwagen und es dennoch funktionierte. Trotz der verwirrenden Inszenierung der Wirklichkeit – Mollino entwarf zahlreiche Interieurs, um diese dann drei Jahrzehnte als Filmset für seine (Akt)fotos zu nutzen – funktionierte seine

Architektur: Das Bauernhaus auf Stelzen in Agra, die futuristischen Skihütte am Lago Nero sowie die Seilbahnstation Furggen auf 3.500 Metern Höhe konnten gebaut und bewohnt werden – alles gelungene Entwürfe, die starke, unschlagbare Bilder produzieren. Der Wirkung der Bilder ordnet er von Beginn an seiner ganzen Arbeit unter, er inszenierte und retuschierte. Wie sehr sich in seiner Kunst Architektur, Design und Fotografie gegenseitig beeinflussen, ist in der sachlichen, ja fast zu nüchternen Schau in München allerdings kaum zu erkennen. Es heißt, er war bei seinem Tod ganz allein, seinem Begräbnis wohnten nur Prostituierte bei – und keiner weiß, ob dies ein Zeichen von Einsamkeit oder eine gewollte, letzte Inszenierung Mollinos war.

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Wind Brecher Interview mit Luca Brenta von Norman Kietzmann

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L uca Brenta hat dem Segeln eine neue Ästhetik verliehen. Schnell, grazil und durchgestaltet bis ins Detail fliegen seine Boote über das Wasser, ohne sich in antiquierter Seemannsoptik zu verirren. Mit der Verbindung aus Sportlichkeit und Komfort wurde der 58-jährige zum Ideengeber der Yachten-Schmiede „Wally“ und entwickelt mit seiner Firma „Luca Brenta Yacht Design“ Boote von anmutiger Schönheit. Die Yachten „Ghost“, „Wallygator“ oder „Wally B“ werden zum Inbegriff zeitgenössischer Bootsgestaltung und machen in punkto Innovation auch unter Deck nicht halt. Über Kooperationen mit Architekten wie Piero Lissoni oder John Pawson werden die Innenräume von ihrem rustikalen Charme befreit und mit klaren Formen in die Gegenwart versetzt. Zusammen mit seinem Büropartner Lorenzo Argento und

vier weiteren Mitarbeitern entwickelt er seine Ideen im Zentrum von Mailand. Dort trafen wir Luca Brenta in seinem Designstudio und sprachen mit ihm über Formel 1 auf dem Wasser, sportliche Kurven und Flexibilität unter Deck. 178


Herr Brenta, Sie gelten als einer der einflussreichsten Bootsgestalter und haben eine grundlegend neue Designsprache im Segelsport eingeführt. Was haben Sie verändert? Wir haben einen neuen Typus von Segelboot entwickelt. Es ist eine Art schnelles Cruise-Boot, das auf der einen Seite komfortabel und leicht zu steuern, auf der anderen Seite sehr schnell und sexy ist. Damit unterscheidet es sich deutlich von bisherigen Segelyachten, die eher behäbig im Wasser liegen. Die Herausforderung lag

darin, aus einer schwimmenden Villa ein sportliches Boot zu machen. Wie sah Ihre Lösung aus? Um ein Boot schnell zu machen, muss man seine Verdrängung im Wasser reduzieren. Darum haben wir die Rumpfform der von Rennbooten angeglichen und überflüssiges Gewicht eingespart. Viel schwieriger war die Frage der Steuerung. Denn große Regatta-Boote müssen von einer Crew von mindestens zehn Personen gesteuert wer-

„Wir haben einen neuen Typus von Segelboot entwickelt. Es ist komfortabel und leicht zu steuern und sehr schnell und sexy.“ 179


den. Zum entspannten Cruisen am Wochenende, wenn nur zwei Personen an Bord sind und unter sich bleiben möchten, sind sie nicht geeignet. Also mussten wir herausfinden, wie sich ein solches Boot auch mit einer kleinen Crew steuern lässt. Für die 107 Fuß lange Segelyacht „Wallygator“ haben Sie schließlich ein komplexes Steuerungssystem aus hydraulischen Pumpen entwickelt. Scheint dieser Aufwand nicht ein wenig übertrieben? Keineswegs, denn die Hydraulik wird über den Motor des Bootes betrieben. Wenn man den Hafen verlassen hat und Segel setzt, wird dieser zusätzliche Antrieb nicht mehr benötigt und nur als Ballast herumgefahren. Er kann also ebenso gut für die Steuerung des Segels verwendet werden. Als wir dieses System 1991 entwickelt haben, gab es zwar etwas Ähnliches auf dem Markt. Doch in der Bedienung war es sehr schwerfällig und langsam. Hatte man einen Knopf gedrückt, setzte sich alles wie in Zeitlupe in Bewegung. Mit dem Feeling eines Rennbootes hatte dies überhaupt nichts gemeinsam. Wir wollten jedoch dieselbe Geschwindigkeit und dieselbe Dynamik erzielen, als wenn eine große Crew an Bord wäre. Das war gar nicht so einfach. Denn indem man die Maschinerie vergrößert, macht man das Boot schwerer und erhöht seine Verdrängung, anstatt sie zu reduzieren. Also mussten wir das Gewicht radikal verringern. Was Sie durch den Einsatz von Leichtbaumaterialien wie Karbon umgesetzt haben. Die Innovationen, die Sie mit diesem Boot vorgestellt haben, wurden zugleich zum Initialzünder für die Firma „Wally“, die heute weltweit als Synonym für sportliche Segel- und Motoryachten steht. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande? Als ich 23 war, habe ich mein erstes Segelboot entworfen, eine Rennyacht. Später kamen immer weitere hinzu. Luca Bassani sah 1987 eines der Boote und gab mir den Auftrag, ein schnelles Segel-Rennboot für ihn zu entwerfen. Zwei Jahre später kam er erneut zu mir und wollte ein noch größeres Boot, die spätere „Wallygator“. Er gab mir ein ungewöhnlich hohes Budget und wollte, dass ich noch weiter gehe. Zum Schluss sind 90 Prozent aller Bauteile von Grund auf neu entwickelt worden. Als wir fertig waren, meinte er: „Ok, ich habe so viel Geld ausgegeben, dass ich gerne eine Firma gründen möchte, die diese Ideen kommerzialisiert.“ So entstand 1993 die Firma Wally. Wir haben die ersten sechs Jahre weiter bei Wally zusammengearbeitet, bis das Design von einem internen Studio übernommen wurde. Ich war allerdings auch in dieser Zeit weiterhin unabhängig und habe Boote für andere Kunden entwickelt.

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Was ist Ihnen wichtiger an einem Boot: seine Erscheinung oder seine Performance? Beides zur selben Zeit. Es ist wie bei der Ästhetik eines Formel-1-Wagens. Auch hier steht die Form in direktem Zusammenhang mit der Leistung. Die Ästhetik eines Bootes zeigt sich dabei vor allem in den Details. Wir entwerfen jedes Mal selbst die Positionslichter neu, um einen ganzheitlichen Eindruck zu erzeugen. Auffällig ist die Kontinuität zwischen Innenund Außenraum. Während viele neue Yachten mit traditionellen Interieurs ausgestattet sind, haben Sie bereits vor über zehn Jahren eine zeitgenössische Formensprache unter Deck etabliert. Ja, allerdings hat auch das eine gewisse Zeit gebraucht. Es war viel schwieriger, die Kunden beim Interieur von einer zeitgemäßen Lösung zu überzeugen als im Außenbereich. Auch die ersten Boote für Wally waren trotz ihrer neuen Linien mit einem altmodischen Interieur ausgestattet. Heute arbeiten wir oft mit Architekten zusammen. Wir kennen zwar die Probleme von maritimer Seite und können ein Projekt so weit wie möglich in eine bestimmte Richtung lenken. Aber die Arbeit mit Architekten erlaubt uns auch im Interieur neue Lösungen zu finden. Bei welchem Boot haben Sie erstmals Außenund Innenraum aus einem Guss gestaltet? Auf der „Wally B“ 1996. Die Anfrage kam überraschenderweise vom Kunden, der sich den Innenraum seiner 106 Fuß langen Yacht als großzügiges Loft vorstellte. Dieser Ansatz war weit gedacht, denn der Besitzer war zu diesem Zeitpunkt we-

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„Als ich 23 war, habe ich mein erstes Segelboot entworfen, eine Rennyacht. Später kamen immer weitere hinzu. Luca Bassani sah 1987 eines der Boote und gab mir einen Auftrag.“

speziell für eine hohe Geschwindigkeit entworfen und aus Karbon gefertigt. 100.000 Euro sind für ein Segelboot nicht viel, aber dennoch ist es teuer. Man kann ein Boot in derselben Größe für die Hälfte bekommen, wenn auch nicht in dieser Qualität und Geschwindigkeit. Deutlich teurer wird es bei den Einzelanfertigungen. Wenn man ein der verheiratet noch hatte er Kinder. Er flog Schwesterschiff der „Ghost“ bauen würde, am Wochenende von London ans Mittel- die 122 Fuß (37,25 Meter) lang ist, müsste meer und segelte dort mit Freunden oder man ungefähr 15 Millionen Euro einplanen. feierte auf dem Boot Parties. Aus diesem Wenn ausschließlich Hightech-Materialien Grunde sind alle Wände veränderlich. Es verwendet werden sollen, um zusätzlich ist möglich, einen großen Esstisch aufzu- Gewicht zu sparen, sollte man nochmals 20 bauen, den gesamten Innenraum zur Tanz- Prozent zurechnen. fläche umzuwandeln oder Platz für ein zusätzliches Gästezimmer zu schaffen. Auch Herr Brenta, vielen Dank für das Gespräch. wenn dieses Maß an Flexibilität speziell für dieses Boot entworfen wurde, haben wir es bei späteren Projekten übernommen. Das Boot ist somit auf die unterschiedlichen Lebensphasen vorbereitet ... Ja, denn Kinder sind oft nur eine kurze Zeit an Bord. Sie gehen mit ihren Eltern segeln, bis sie 18 oder 20 Jahre alt sind. Danach ändert sich die Nutzung des Bootes vollständig. Ein Boot mit vier oder fünf Kabinen wird dann nur noch von zwei Personen genutzt, die sich eine kleine Kabine teilen müssen, während der Rest leer steht. Darum ist es besser, den Innenraum flexibel zu gestalten, egal ob auf einer großen Yacht wie der „Wally B“ oder auf einem kleineren Segelschiff von 40 oder 60 Fuß Länge. Auch dort sind 90 Prozent der Zeit nur zwei Personen an Bord. Was kostet eines Ihrer Boote? Das hängt davon ab. Es gibt einige Serienmodelle, die von 30 bis 60 Fuß reichen. Die 30-Fuß-Version (8,92 Meter) kostet rund 100.000 Euro, die 60-Fuß-Version (18,62 Meter) ungefähr zwei Millionen. Die 30 Fuß kann man alleine segeln. Sie ist 183


NEWCOMER Quality Magazin No. 22 – März 2012

Chau haR LEE Um zu wissen, wann und wo ich designerische Grenzen überschreiten kann, ist es wichtig, das Handwerk zu verstehen.

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ormvollendete Meisterwerke aus Holz, perfekt geschwungene Leder-Skulpturen, wunderschön arrangierte Silhouetten – die Kreationen von Schuhdesignerin Chau Har Lee zu beschreiben, gleicht einer Ansammlung wohl klingender Superlative. Und es wäre auch nicht übertrieben zu sagen, dass diese Wörter des Lobes noch untertrieben sind. Zahlreiche Auszeichnungen, wie der Manolo Blahnik Award, welchen sie ebenso wie den ITS 8 Accessories Award (ein Förderpreis für junge Künstler), 2009 gewann, beweisen ihr Ausnahmetalent. Chau Har Lee entwirft Schuhe, die ihre Leidenschaft für Mode, Architektur mit ihrem Bewusstsein für Stil und Qualität vereinen. Dabei ist es ihr wichtig, dass „die Modelle trotz des Designs genauso tragbar wie klassische 13 cm hohe Stilettos sind.“ Für die Entstehung dieser wunderbaren Werke, bei denen immer die Form im Mittelpunkt steht, zeichnet und analysiert Har Lee zunächst das zu bekleidende Objekt, den Fuß, und spielt mit verschiedenen Materialien. Mit Hilfe konventioneller Schuhmachertechniken und moderner 3D-Programme am Computer designt sie später ihre beeindruckenden Schuhe, die dann in traditioneller Handarbeit gefertigt werden. Doch die Londoner Designerin entwirft nicht nur für ihr eigenes Label. Seit ihrem Abschluss am Royal College of Art sind etablierte Modeunternehmen wie Thierry Mugler, Camper, Capulet und die Schweizer Luxusmarke Bally verrückt nach Har Lees außergewöhnlichen Ideen und zählen zu ihren Auftraggebern. Nebenbei ist sie Tutorin am London College of Fashion und unterrichtet angehende Schuhspezialisten in Footwear Design. Sie selbst kam durch ihre Mutter zu ihrer Berufung. „Sie ist unglaublich kreativ und hat mich immer dazu inspiriert, etwas mit Kunst zu machen. Wäre sie nicht gewesen, hätte ich wahrscheinlich auch keine

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Karriere als Designerin gewählt“, erzählt Chau Har Lee. Man kann ihrer Mutter nur dankbar dafür sein, denn sonst wären uns diese phänomenalen Schuhkreationen wohl verborgen geblieben. Noch kann man sie nur als Einzelanfertigung auf Nachfrage bei Selfridges in London kaufen, doch die Chancen, sie bald auch international erstehen zu können, sind gut.


MOtiON Quality Magazin No. 22 – März 2012

Mercedes-Benz SL 190

Mercedes-Benz SL-Klasse, SL 350 Edition 1

Stars und Sterne Seit 60 Jahren gilt der Mercedes-Benz SL als Sportwagenlegende. Zu seinem Kultstatus und seiner weltweiten Bekanntheit hat insbesondere Hollywood beigetragen. Kaum rollten in den 50er–Jahren die ersten SL-Modelle in den USA über die Straßen, bekamen sie schon Filmangebote. Der SL wurde zum Traumwagen für die Traumfabrik. Ob als rasanter Fluchtwagen, stilvoller Begleiter, begehrenswerte Diebesbeute oder verführerisches Geschenk – bis heute spielen alle Generationen des Sportwagens in weit über 150 US-amerikanischen Filmen und KultFernsehserien mit. Dabei sind sie oft mehr als realistisches Beiwerk, sie werden schnell zum Helden der Handlung. Der neue SL Roadster, der im Januar auf der Auto Show in Detroit seine Weltpremiere feierte, wird diese Tradition fortsetzen. Er ist noch nicht auf der Straße, aber bei Hollywoods Filmproduzenten bereits ins Gespräch gebracht. 39


Foto: Joe McGorty


tweed run Den Stil zurück ins Fahrradfahren bringen. Zurück in die Zeit, als die Welt, zumindest von der modischen Seite her betrachtet, noch in Ordnung war. Weg von multifunktionalen Stretch-Radlerhosen, die viel zu oft Dinge enthüllen, die Mann oder Frau lieber nicht zeigen würden. Im Jahr 2009 wurde in London die Veranstaltung Tweed Run ins Leben gerufen. Die hauptstädtische Fahrradtour, ein Gruppenevent mit einzigartigem Stil, findet seither jährlich statt und tut auch noch Gutes dabei – nicht nur fürs Auge! von Anna Weber Mit Fotos von Joe McGorty und Oleg Skrinda

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Reine Stilsache: zum „Tweed-Run“ treffen sich Traditionsliebhaber, um den Geist eines vergangenen Zeitalters wiederzubeleben – in Tweed, versteht sich!

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E Foto: Joe McGorty

Foto: Oleg Skrinda

inmal im Jahr treffen sich Traditionsliebhaber, um gemeinsam eine Ausfahrt durch das Zentrum von London zu machen. Der Geist eines vergangenen Zeitalters soll so wiederbelebt werden. Die Teilnehmer sind dazu aufgefordert, in klassisch britischer Fahrradkleidung zu erscheinen. Das sind vor allem Knickerbocker-Anzüge aus Tweed, was den Namen des Spektakels erklärt. Bezüglich des Fortbewegungsmittels gibt es eigentlich keine Einschränkungen – solange es ein Fahrrad ist, aber die Teilnehmer werden selbstverständlich ermutigt, mit zweirädrigen Oldtimern anzutreten, um das Bild noch ein wenig kompletter zu machen. Der weltweit erste Tweed Run fand im Januar 2009 in London statt, organisiert von London Fixed Gear und Single Speed, einem Online Fahrrad Forum. Beim zweiten Tweed Run im April 2010 zählte die Veranstaltung bereits

400 registrierte Teilnehmer. Seitdem hat sich die Idee fast viral verbreitet. Tweed-Ausfahrten gibt es mittlerweile in mehreren amerikanischen Bundesstaaten – ganz nach dem Vorbild des britischen kleinen Bruders. Auch in Athen, Helsinki, Paris, Pescara oder Florenz, Riga, Sydney, Tokio und Berlin gab es bereits ähnliche Veranstaltungen. Die erste Ausfahrt in London vor drei Jahren hatte eine Länge von etwa 36 Kilometern und startete am Hanover Square mit einer Fahrt durch die berühmte Schneiderstraße Savile Row, führte von da einmal um den Regent’s Park herum, durch den Hyde Park und am Green Park vorbei, an der Themse entlang über Shoreditch, South Hackney, einmal um den Victoria Park und endete am Working Men’s Club in Bethnal Green. Gestoppt wurde unter anderem bei dem traditionellen Gentlemen’s Barber Geo F. Trumper in der Jermyn Street, wo der Preis für den besten Oberlippenbart vergeben wurde. Die eleganteste Dame – die ‚Most Dashing Dame‘ – und der schneidigste Bursche – der ‚Most Dapper Chap‘ – wurden bei der Bank of England gekürt. Selbstverständlich gab es auch einen Preis für das beneidenswerteste Vintage Fahrrad und zum Abschluss einen ‚oh so british‘ Gin and Tonic – oder zwei. Die Startgebühren wurden für einen wohltätigen Zweck gespendet. Die Organisation bikes4africa restauriert Fahrräder und verschifft sie nach Afrika, wo sie an Sekundarschulkinder mit langen Schulwegen verteilt werden. Der Antrieb der Tweed-Runner ist wohl Nostalgie. Und vermutlich der Wunsch, die Welt ein bisschen schöner zu machen. Ende letzten Jahres ist Rugby Ralph Lauren als Partner und Sponsor eingestiegen.

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ie amerikanische Mode-Ikone, die schon immer ein Faible für ‚Britisch Heritage‘ hatte, promotete damit den im August 2011 eröffneten ersten europäischen Store seiner Rugby Linie. Treffpunkt der TweedRunTeilnehmer war der Londoner Flagship-Store in Covent Garden. Um das Erlebnis Tweed-Run mehr als nur ein stylisch gekleidetes ‚In-die-Pedale-Treten‘ werden zu lassen, wurden spezielle Aktivitäten und Stopps auf der Route angeboten. Es gab eine klassische Teepause in den Anlagen der Royal Avenue in Chelsea und auf einer exklusive Soiree am Ende der Tour hatten die Teilnehmer die Chance, sich unter Gleichgesinnten noch ein Gläschen zu gönnen. Ganz im Sinne der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen – ‚Don’t drink and drive‘! Und da das Thema Wettstreit für die Engländer auch kein Fremdwort ist, wurden selbstverständlich auch diesmal Preise für herausstechende Outfits verliehen. Die auf 250 Registrierungen beschränkte Onlineanmeldung war zwei Stunden nach Freischaltung erschöpft. 50 weitere Plätze konnten mit Hilfe eines Gewinnspiels im Rugby Ralph Lauren Store ergattert werden. Bei so viel Zustimmung und Spaß an dem Event darf selbstverständlich auch der ursprüngliche Gedanke, die Welt ein bisschen schöner zu machen, nicht vergessen werden. Der London Rugby Tweed Run 2011 sammelte Gelder, um die Organisation World Bicycle Relief zu unterstützen, die im Jahr 2005 als Reaktion auf den Tsunami im Indischen Ozean gegründet wurde. Zusammen mit Hilfsorganisationen in Sri Lanka verteilte World Bicycle Relief 24.000 Fahrräder und half damit einigen Betroffenen, zurück ins Leben zu finden. Durch die Möglichkeit Entfernungen zu überbrücken, konnte nicht nur Zugang zu Bildung und me-

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dizinischer Versorgung geschaffen werden, auch die Existenzgrundlage vieler Arbeiter konnte damit erhalten bleiben. Nach dem immensen Erfolg in Sri Lanka, wurde World Bicycle Relief von diversen Hilfsorganisationen, die in Sambia tätig sind, angesprochen. Dort leiden etwa 40 Prozent der Bevölkerung unter den Folgen einer HIV-Erkrankung. Es wurden 23.000 Fahrräder für medizinisches Fachpersonal zur Verfügung gestellt, damit es unabhängiger agieren und einfacher zu den Patienten kommen kann. Auch wurden Menschen vor Ort ausgebildet, die Fahrräder in Schuss zu halten und selber bauen zu können. Mittlerweile gibt es diverse Bildungsprogramme, bei denen sich World Bicycle Relief engagiert. Das Ziel der Organisation ist, mit der einfachen und nachhaltigen Natur eines Fahrrads den Menschen vor Ort mehr Kraft zu geben. Foto: Stuck in Customs

Foto: Oleg Skrinda

Foto: Brooks

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Der Antrieb der TweedRunner ist wohl Nostalgie, und der Wunsch, die Welt ein bisschen schรถner zu machen.

Fotos: Joe McGorty

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ine ehrenvolle Aufgabe und kein ganz alltäglicher wohltätiger Ansatz, aber einer der die Umstände dauerhaft verbessern kann und ein für uns gewöhnliches Fortbewegungsmittel in einen ganz anderen, viel mächtigeren Fokus rückt. Der Fokus beim Tweed Run liegt vor allem auf Style und dem nostalgisch angehauchten Kontakt mit der Zeit vor Massenproduktion und ständig wechselndem Fashion-Diktat. Eine Zeit, in der Qualität auch für die breite Masse noch etwas zählte und zählen konnte. Eine langsamlebige Zeit, in der andere Werte galten, oder besser, es überhaupt noch Werte gab. Auf dieses warme Gefühl der Beständigkeit und den immer stärker werdenden Wunsch nach einem geordneten, adretten Leben, in dem es nicht so viel Kampf und Überraschungen gibt, auf die Idee von einer vergangenen Zeit in der ein gepflegtes Aussehen noch viel mehr dazu gehörte und sich ganz bestimmten Regeln unterwarf, springen Traditionshäuser mit langer Historie als Sponsoren gerne auf. Neben dem Haus Ralph Lauren mit seiner Rugby-Linie zählen Johnny Walker mit seinem Blue Label, der Barbier und Männerpflegespezialist Murdoch London, die Teefirma Jeeves and Jericho, Pashley Cycles, Englands am längsten etablierter Fahrradhersteller und Brooks England, Kultsattelhersteller und älteste Manufaktur der Welt, zu den Sponsoren. Die Tweedanzüge abzustauben und die zuverlässigen Drahtesel vorzubereiten, hierzu fordern die Veranstalter die Teilnehmer auf. Aber auch die zuverlässigsten Gefährte müssen sich manchmal höheren Umständen beugen. Der für den Oktober letzten Jahres angesetzte Rugby Tweed Run New York musste, so wie er geplant war, abgesagt werden. Das Datum fiel in die aktive Zeit der Bewegung Occupy Wall Street und die über die ganze Stadt

Foto: Joe McGorty

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verteilten Zusammenkünfte ließen die Veranstalter entscheiden, das ohnehin unvermeidbaren Verkehrschaos nicht noch zu steigern. Und auch der für den gleichen Zeitraum geplante Tweed Run in Tokio wurde aus gegebenem Anlass verschoben. Anlässlich der Vorkommnisse sahen die Veranstalter den Zeitpunkt als unpassend für so ein positives, fröhliches Event an und entschieden, zusammen mit einem ihrer Partner in Tokyo, ein Charity-T-Shirt zu produzieren, um Gelder für den Erdbeben-Relief-Fund zu sammeln. Mittlerweile gibt es diverse Merchandise Produkte, die sich alle um das Thema, Stilvolles Fahrradfahren, drehen und den Tweed-Run-Teilnehmern die Suche nach einem passenden Outfit erleichtern. Ob Schlägermützen, Kultsättel, Flachmänner oder Tweed Plus Two’s – entsprechend den Plus Four Knickerbocker-Hosen enden diese bereits zwei Inches unter dem Knie und erzeugen so einen noch schnittigeren Look – alles lässt sich auf der Webseite bestellen. Es kann also nichts mehr schiefgehen. Tally Ho! Auf geht’s zum nächsten Tweed Run – eine gelungene Idee, die stilsicher Spaß, Nostalgie und das gute Gefühl, die Community der Fahrradfahrer um einige wertvolle Mitglieder reicher zu machen, vereint.

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Schneller als die Polizei erlaubt: Das Triebwerk „Rocketdyne SJK 61-2“ des amerikanischen Luft- und Raumfahrtherstellers Pratt & Whitney beschleunigt auf 4,8-fache Schallgeschwindigkeit – in einer Flughöhe von zehn Kilometern entspricht dies rund 5180 km/h. Entwickelt wurde der Hypersonic-Antrieb für das unbemannte Demonstrationsflugzeug Boing X-51, das im Mai 2010 seinen ersten Testflug absolvierte.

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Foto: Pratt & Whitney


D端sen Fieber D端sentriebwerke haben Flugzeugen Geschwindigkeit, Reichweite und Effizienz verliehen. Die Entwicklung des propellerlosen Antriebs war ein rasantes Kopf-an-Kopf-Rennen zweier Forscher, die, ohne voneinander zu wissen, das Reisen f端r immer ver辰ndern sollten. von Norman Kietzmann


W er schnell sein will, der muss sich auch beeilen – ein Grundsatz, der bei weitem nicht nur im Sport, sondern ebenso auf dem Gebiet der Technik gilt. Zeitgleich und ohne voneinander zu wissen, revolutionierten zwei junge Forscher in den dreißiger Jahren das Fliegen. Anstelle eines Propellers, der wie beim Auto mit einem Kolbenmotor in Bewegung versetzt wird, hatten beide etwas Schnelleres im Sinn: Ein Strahltriebwerk, das Luft von vorne ansaugt, verdichtet, zur Zündung bringt und mit hoher Geschwindigkeit durch eine Düse schießt. Das Ergebnis: Schub von bisher unbekanntem Ausmaß, der Flugzeuge schneller machen würde als der Schall. Wie viele gute Ideen entstand auch das erste Düsentriebwerk in einer Garage. Als Hans Joachim Pabst von Ohain, PhysikDoktorand an der Universität Göttingen, 1933 die Idee eines Triebwerks ohne Propeller entwickelte, war er 22 Jahre alt. In einer Werkstatt, in der er seinen Sportwagen regelmäßig zur Inspektion brachte, lernte er den Automechaniker Max Hahn kennen und überzeugte ihn von seinem Vorhaben. Für rund 1000 Reichsmark – seinerzeit ein kleines Vermögen – baute Hahn 1935 das erste Modell des Triebwerks, das von Ohain sogleich in den Räumen der Universität zu testen begann.

Schnitt durch das Turbofan-Triebwerk „F100“ von Pratt & Whitney, das 1972 für den Einsatz in Kampfflugzeugen entwickelt wurde.

Vor allem der Treibstoff bereitete anfangs große Probleme. Anstatt wie vorgesehen in der inneren Druckkammer gezündet zu werden, wurde er mit der Luft nach außen geschleudert. 98

Das Triebwerk „Trent XWB“ (Xtra Wide-Body von Rolls-Royce, das ab 2014 im neuen Airbus A350 zum Einsatz kommen wird, trägt seinen Namen zurecht: Mit einem Durchmesser von 3,00 Metern werden die aus Titan gefertigten Schaufeln den bisherigen Rekord deutlich überbieten.


ewaltige Flammen schossen aus der Turbine heraus und machten die Tests zu einem wahren Höllenritt für alle Beteiligten. Dennoch erkannte Robert Wichard Pohl, Leiter des Physikalischen Instituts der Universität Göttingen, das Potenzial der Erfindung, die von Ohain 1936 zum Patent anmeldete. Er verfasste ein Empfehlungsschreiben an den Industriellen Ernst Heinkel, der sich trotz der Unzulänglichkeiten des ersten Modells überzeugen ließ. Wenige Wochen später begannen Hans von Ohain

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und Max Hahn in den Heinkel-Flugzeugwerken nahe Rostock, ihr Triebwerk weiter zu verfeinern, während ein eigens auf den Düsenbetrieb zugeschnittenes Flugzeug entwickelt wurde. Als die Maschine – angetrieben vom Triebwerk „Heinkel He S3“ – am 27. August 1939 startete, konnte der inzwischen 28-Jährige nicht nur die Tauglichkeit seiner Erfindung unter Beweis stellen. Der Testflug markiert zugleich den Einstieg ins Jet-Zeitalter, das die militärische und ebenso die zivile Luftfahrt verändern sollte.

Dennoch konnte Hans von Ohain den Titel des Düsentrieb-Erfinders nicht für sich allein beanspruchen. Fünf Jahre vor ihm, 1928, hatte der Pilot Frank Whittle in der Zeitung der Royal-Air-Force-Fliegerschule von Cranwall einen Artikel veröffentlicht, in dem er die Idee eines Strahltriebwerks formulierte. Auch er meldete um 1930 mehrere Patente an, wenngleich sich anfangs niemand für seinen Vorschlag interessierte. Erst 1935, nachdem zwei ehemalige Air-Force-Offiziere ihm finanzielle Unterstützung zugesichert hatten, nahm er

Foto: Rolls-Royce

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Der Testflug am 27. August 1939 markiert den einstig ins Jet-Zeitalter und wird die luftfahrt für immer verändern.

Foto oben/unten: Pratt & Whitney

die Arbeit wieder auf und konnte 1938 die ersten Testreihen erfolgreich absolvieren. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges erhielt Whittle vom britischen Luftfahrtministerium den Auftrag, ein Düsenflugzeug zu entwickeln, dessen Prototyp am 15. Mai 1941 zum Erstflug startete. Auch heutige Düsentriebwerke folgen noch demselben Wirkungsprinzip, wenngleich ihre Leistung entscheidend verbessert wurde. Erzielte Frank Whittles erstes Triebwerk einen Schub von 3,8 Kilonewton (kN; dabei entspricht 1 kN der Ge-

wichtskraft von 100 Kilogramm), gilt das 1995 in Betrieb genommene Trieb „GE90“ von General Electric mit einer Schubkraft von bis zu 569 kN bis heute als leistungsstärkstes Triebwerk der Luftfahrtgeschichte. Entscheidend ist jedoch nicht nur der Schub, sondern der Kerosinverbrauch. Um den zu senken, musste der Luftstrom erhöht werden, der durch die Triebwerke hindurchgepresst wird. Das Ergebnis: Die Schaufelblätter (Englisch: Fan) an der Vorderseite wurden weiter vergrößert und erreichten bei der im Airbus A380 eingesetz-

ten Baureihe „Trent 900“ von Rolls-Royce einen Durchmesser von stattlichen 2,95 Metern. Die Turbine agiert auf diese Weise wie ein durstiger Superstaubsauger, der über eine Tonne Luft in der Sekunde in sich hineinzieht.


Das Triebwerk „Trent 1000“ von Rolls-Royce ist das leiseste, leichteste und sparsamste seiner Klasse.

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Foto: Rolls-Royce


Das Turbofan-Triebwerk „F119“ von Pratt & Whitney verfügt über eine so genannte Schubvektorsteuerung, mit der der Abgasstrahl der Düse gezielt gelenkt werden kann. Kampfflugzeuge und Raketen erhalten somit eine enorme Wendigkeit, die vor allem für den Antrieb von Senkrechtstartern von Bedeutung ist.

as Wachstum der Triebwerke stößt damit zugleich an seine Grenzen, denn je länger die Rotorblätter, desto höher wird die Geschwindigkeit an ihren Spitzen. Überschreiten diese den Überschallbereich, entwickeln sich enorme Fliehkräfte, die wiederum die Effizienz der Antriebe reduzieren. Die Zukunft der Düsentriebwerke sehen Experten daher in einer Reduktion der Geschwindigkeit. Das erstmals 2008 getestete „Geared Turbofan“ (GFT) des Münchner Turbinenherstellers MTU verfügt über ein Getriebe, mit dem die Drehzahl des Rotors gegenüber der Turbine reduziert werden kann. „Mit dieser Entkoppelung von Fan und Niederdruckmaschine verbraucht das GFT-Triebwerk 15 Prozent weniger Treibstoff und produziert nur noch halb so viel Lärm wie herkömmliche Triebwerke“, erklärt Dr. Christian Winkler, Leiter der Geschäftsfeldentwicklung von MTU Aero Engines. Viele dieser Entwicklungen konnten Hans von Ohain (1911-1998) und Frank Whittle (1907-1996) selbst noch miterleben, wenngleich nicht selbst gestalten. Am 25. Januar 1966 trafen die beiden Flugpioniere bei der Verleihung des Goddard Awards des American Institute of Aeronautics zum ersten Mal aufeinander. Wie es heißt, wurden sie später gute Freunde. Foto oben/unten: Pratt & Whitney

Turbofan-Triebwerk „F119“

Foto: Rolls-Royce

Die Zukunft der Düsentriebwerke sehen experten in einer Reduktion der Geschwindigkeit. Das Triebwerk „Trent XWB“ von Rolls-Royce

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Automobil Quality Magazin No. 20 – Dezember 2011

iCE, iCE bAbY Einmal wie James Bond bei einer Verfolgungsjagd fühlen – Wiesmann macht es möglich. Die Sportwagenmanufaktur lädt zum Fahrtraining auf besonders schwierigem Untergrund ein: den Schneepisten von St. Moritz.

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ie Reifen drehen durch, der Schnee wirbelt auf und die Sonne reflektiert auf der abgesperrten Piste. Pierce Brosnan hat es bei seinem letzten Bond-Auftritt in „Stirb an einem anderen Tag“ vorgemacht – eine atemberaubende Verfolgungsjagd auf eisigem Schnee. Sportwagenfans können dieses erhebende Gefühl vom 13. bis 17. Januar nachempfinden. Vor der atemberaubenden Winterkulisse des Oberengadin, Traum jedes Skifahrers, erleben sie den absoluten Adrenalinkick. Die Manufaktur Wiesmann stellt die Sportwagen für das ganz besondere Fahrtraining auf dem 60.000 Quadratmeter großen Trainingsgelände nahe St. Moritz bereit. Profis leiten die Teilnehmer von „Wiesmann on Snow“ auf der abgesperrten und bestens präparierten Piste an, die Grenzen der Sportflitzer und ihre eigenen auszuloten, stets am Limit der Fahrphysik aber dennoch möglichst risikolos. Das Oberengadin im Kanton Graubünden ist eines der bekanntesten Ferienziele der Welt. Die

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den Sportwagen: Traumhafte Driftwinkel, die Soundkulisse der Boliden und der imposante Ausblick auf die Berge vermischen sich zu einem einzigartigen Erlebnis. Die Trainingsgeräte der Spitzenklasse werden in liebevoller Handarbeit in der Wiesmann-Manufaktur angefertigt. Jedes Gefährt ein Unikat wie die Firmenhalle, die in der Form eines Feuersalamanders gebaut ist und damit an das Unternehmenslogo erinnert. 350 Stunden schrauben, hämmern, schweißen und nähen Schlosser, Karosseriebauer, Sattler, Elektriker und Monteure sportorte. Der Name des bekannten Ortes an einem Sportwagen. Alles wird in Eigenist als Qualitätsmarke geschützt und steht regie hergestellt. Nur die Motoren bezieweltweit für Eleganz und Klasse. Hier wur- hen die Firmengründer Martin und Friedde 1864 der Wintersport erfunden, und bis helm Wiesmann von BMW. So entstanden heute wird er nirgends stilvoller zelebriert. in 23 Jahren immerhin1500 Autos der ExtraBeimWinterfahrtraining zählt vor allem der klasse. www.wiesmann.com grenzenlose Fahrspaß in einem faszinieren-

einladende Engadiner Seenplatte mit dem Silsersee, Silvaplanersee, Lej da Champfèr und St. Moritzersee, die märchenhaften Arven- und Lärchenwälder sowie die angrenzenden Gletscher und die flankierende Bergwelt faszinieren seit Beginn des Alpintourismus die Besucher. Und mittendrin St. Moritz, einer der schillerndsten Winter-


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AUToMoBiL Quality Magazin No. 20 – Dezember 2011

Frauen am Steuer Frauen drängen nicht mehr nur in die Führungsetagen, sie werden geradezu hineinbefördert. Für die großen Unternehmen gilt: Die Zukunft ist weiblich. Beim Daimler-Konzern war es sogar schon die Vergangenheit.

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hne Bertha Benz gäbe es die Marke mit dem Stern vermutlich nicht. Sie war es nämlich, die ihren Mann Carl Benz darin bestärkte, seinen Traum vom „pferdelosen Wagen“ zu verwirklichen. Die Tochter eines Zimmermeisters hatte keine Scheu vor ölverschmierten Händen und war handwerklich begabt. Für die Motorzündung entwickelte sie unzählige Induktionsspulen und hatte maßgeblich die Hände am Lenkrad. Heute ist der weibliche Einfluss auf die Automobilindustrie größer denn je. Frauen werden gebraucht, sei es als Wegbereiterin wie Bertha Benz oder in Führungspositionen wie Christine Hohmann-Dennhart. Die ehemalige Bundesverfassungsrichterin hat die männliche Phalanx durchbrochen und ist die erste Frau im Daimler-Vorstand, wo sie das neue Ressort Integrität und Recht verantwortet. Sie soll nicht alleine bleiben. Bis 2020 soll jede fünfte Führungsposition im Daimler-Konzern in weiblicher Hand sein. 2005 war es nur jede zwanzigste. „Ein sehr ambitioniertes Ziel in einem Unternehmen mit vielen technischen Berufen, in denen schon im Studium Männer überproportional vertreten sind“, sagt sie. Die Zukunft ist weiblich, unterstreicht die Futurologin Sabine Engelhardt. Das Weibliche als Forschungsthema spielt in ihrer Arbeit

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eine wichtige Rolle beim Daimler-Konzern. Dabei geht es nicht um „die“ Frau als Führungstyp. Im Fokus steht das Feminine im Sinne von Lebensqualität, Sinnlichkeit, Schönheit und Luxus. „Die Marke Mercedes war schon bei ihrer Geburt von einem einzigartigen Verhältnis von Eleganz, Schönheit und Technik geprägt, daher haben wir das Feminine und dessen Einfluss auf die Gestaltung der Gesellschaft und ihrer Kultur besonders im Blick. Und genau dieser Einfluss wird in Zukunft wieder wachsen.“, sagt die studierte Informationswissenschaftlerin. Design prägt seit mehr als 100 Jahren das Image der Marke mit dem Stern und visualisiert typische Mercedes-Markenwerte

wie Sinnlichkeit, Ästhetik und Perfektion. Aber manchmal ist auch die Geschwindigkeit das Entscheidende. „Ich bin Rennfahrer, keine Frau in einer Männerwelt“, sagt Susie Wolff, eine von zwei Frauen, die bei den Deutschen Tourenwagen-Masters fahren. 2006 holte Mercedes Benz sie in die hochklassige internationale Tourenwagenserie DTM. Susie Wolff ist Rennfahrerin mit Leib und Seele. „Ich bin quasi im Fahrerlager aufgewachsen“, sagt die 29-jährige Schottin. Ihr Vater und ihr Großvater fuhren Motorradrennen. Mit acht Jahren absolvierte Susie ihr erstes Kartrennen. Mit 14 war sie „Kartfahrerin des Jahres 1996“ in Großbritannien. Ein Titel, den sie sich auch in den


drei darauffolgenden Jahren sicherte. Frauen und Rennsport: Diese Liaison ist fast so alt wie das Automobil selbst. Lange bevor in den 1960er-Jahren die Grid Girls in die Fahrerlager einzogen, heizten motorsportbegeisterte Ladies den Männern als Konkurrentinnen bei Straßenrallyes, Grand-Prix- und auch Formel-1Rennen ein. Susie Wolff ist fest davon überzeugt, dass in Zukunft auch wieder eine Frau in der Formel 1 fährt. Vielleicht sogar sie selbst.

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SPORTS Quality Magazin No. 18 – Oktober 2011

Kleine Revolution zur neuen Skisaison Das Problem mit der richtigen Helmpassform kennen viele. Oft sitzt die Schutzbedeckung nicht richtig, weil der Kopf des Skifahrers nicht der Norm entspricht. Jetzt ist mit dem „TSG Artic Kraken“ ein neues Modell auf dem Markt, das sich jeder Kopfform anpasst, verspricht der Hersteller. Der große Vorteil dieses innovativen Helms soll im Tragekomfort liegen. Die flexible Innenschale ist in acht einzelne Glieder gestückelt. Also genug dehnbar, um den individuellen Rundungen des jeweiliges Kopfes den Platz zu gewähren, der für die Sicherheit des Sportlers nötig ist. Große Pluspunkte sollen außerdem die enorm verbesserte Luftzirkulation sowie die eingebauten Nacken und Ohrenschützer sein, die eine perfekte Passform bieten. www.ridetsg.com

Am Puls der Zeit Dieses außergewönliche Belkin-Produkt ist nicht nur ein Muss für jeden Sportler, sondern für alle die am Puls der Zeit sein wollen. Für iPhone und iPod touch wurde dieses neuartige Armband entwickelt. Es soll bequem, spritzwassergeschützt und handwaschbar sein. Der Zugriff auf die elektronischen Geräte scheint kinderleicht, und es hat sogar ein Schlüsselfach, damit nichts verloren geht. Mit durchweg gut bis sehr gut benoten Fachleute das neue Belkin-Armband. Besonders hervorgehoben wird in ihrer Bewertung der durchsichtige Display-Schutz für bequeme Navigation, der simple Klettverschluss für verschiedene Größen sowie das Material aus elastischem Neopren, das im Dunkeln leuchtet. www.belkin.com

Trainieren wie die Profis In der Fitnessbranche gibt es keine bedeutendere Auszeichnung als den „ISPO Brand New Award Fitness“. Genau diesen Preis erhielt der Ergometer 3000 Klasse SA von Airstreeem vor ein paar Wochen. Stefan Probst, ein ehemaliger Radrennfahrer, entwickelte ein Produkt, das Indoor und Outdoor kombiniert. Mit diesem innovativen Gerät können die Sportler auf Streckenprofilen von GPS und Google Earth fahren. Sogar Wettkämpfe mit anderen Athleten sind übers Internet möglich. Die Biker glauben tatsächlich einen perfekten Rundlauf wie im Freien zu absolvieren, bedingt durch eine spezielle Übersetzungstechnologie. Alle Trainingseinheiten werden dabei genau ausgewertet. Der Ergometer von Airstreeem ist für Amateure und Profis gleichermaßen geeignet. www. airstreeem.com

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SPORTS Quality Magazin No. 18 – Oktober 2011

Bentley präsentiert hochwertigen Luxusski Sie gehören zu den renomiertesten Skiherstellern der Welt: Die schweizer Firma Zai. Jetzt haben diese Eidgenossen für Bentley einen hochwertigen Ski entwicklt. Es sind Luxusbretter, die aus einer Mischung aus Carbon und Titan hergestelt werden, und zu einem unvergesslichen Schneevergnügen beitragen sollen. Die Bentley-Ski versprechen hohe Laufruhe und Stabilität. Bestechen sollen sie durch Eigenschaften wie Leichtigkeit, Leistung und Dauerhaftigkeit. Obwohl die schwarzen Bretter Leichtgewichte sind, sollen sie, vollkommen unabhängig von der Beschaffenheit des Schnees, und trotz ihres geringen Gewichts, fest und griffig in der Spur liegen. Preislich sind die Bentley-Ski allerdings auch im absoluten Luxus-Segment anzusiedeln. www.zai.ch

Ausgezeichnete Sicht Es ist der innovative Scheiben-Wechsel-Mechanismus, der die neue uvex Brillen-Generation „take off“ so einzigartig machen soll. Die Gläser, die für Nebel, Schnee und Sonne gleichermaßen gut geeignet sind, revolutionieren den Brillensektor. Der European-Ski-Award 2010 ist ein begehrter Preis, den die Firma für die bahnbrechende Neuheit erhielt. Gerade für den täglichen Gebrauch ist die neue Magnet-Technologie gedacht. Das Material von „take off“ besteht aus Makrolon, ein unzerbrechlicher, sehr widerstandsfähiger High-Tech-Werkstoff. Die Gläser bieten 100prozentigen Schutz vor allen UV-Strahlen und jede Ski-Brille passt sich jedem Ski-Helm bedenkenlos an. www.uvex-sports.de

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HOTEL Quality Magazin No. 18 – Oktober 2011

get up, stand up von Hannah Bauhoff / Fotos David Goltz

Bus, Bahn, Auto sind die klassischen Fortbewegungsmittel für Städtereisende – also nichts für Sportsfreunde. Sie bleiben entweder gleich zu Hause oder radeln querfeldein ins Grüne. Bei Stadterkundungen via Stand-upPaddling kommen die sportlichen Abenteuertouristen voll auf ihre Kosten – Risiko inklusive.

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chwarzer Neoprenanzug, Neoprenschuhe und ein endlos langes Paddel – Henning Weiss sieht aus, als stünde er im kalifornischen Santa Barbara. Auch wenn die Sonne vom blauen Himmel scheint, im Mekka der Mittagspausensurfer befindet sich Weiss nicht. Er steht mitten in der Hamburger Hafencity zwischen den zahlreichen neuen Bürogebäuden aus Edelstahl und Glas. Und irgendwo in der Ferne sieht man die historischen, roten Backsteingebäude der alten Speicherstadt. Daher die Frage: Wo will der Geschäftsführer des „25 Hours Hotel“ in diesem Aufzug hin? Zum Businessmeeting? „Nein“, lacht er, und deutet auf den Mann hinter ihm, der ebenfalls komplett

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in Neopren gekleidet ist. „Mein Gast will sich Hamburg ansehen.“ Aber auch hierfür scheint das Outfit nicht sonderlich praktisch – oder doch? Stand-up-Paddling, kurz SUP, heißt die Fortbewegungsart, mit der Weiss und sein Gast durch die City cruisen – und dafür ist eine wärmende Kleidung unerlässlich. Denn selbst wer die neue Sportart beherrscht, eine großen Bugwelle eines vorbeifahrenden Containerschiffs könnte selbst Profis vom Brett stoßen. Gepaddelt wird aufrecht stehend auf dem Surfbrett. Ähnlich wie beim Kanadierfahren hat der Sportler ein Stechpaddel in der Hand, sticht dies auf Körperhöhe seitlich neben dem Surfbrett ins Wasser, zieht es nach hinten durch und erzeugt so Vortrieb. Um nicht im Kreis zu fahren und nur Vortrieb

von einer Seite zu erzeugen, muss derPaddler regelmäßig die Seite wechseln. Links, rechts, links – Weiss bewegt sich langsam vom Steg weg hinaus ins Hamburger Hafenbecken. „Es ist ein bisschen ausgeflippt und mal etwas ganz anderes als Fahrradfahren“, sagt er, und paddelt lässig weiter. Hinter ihm sein Hotelgast, der das besondere Sightseeing-Angbeot des neu eröffneten Hotels kennen lernt – und sich erstaunlich gut auf dem Brett macht. Entspannt cool hält er die Balance und steuert das Surfbrett unter seinen Füßen mit Hilfe des langen Paddels durch die schmalen Kanäle. Er kommt erstaunlich schnell voran und überholt sogar einen Wanderkanufahrer. „Achtung, Welle“, ruft Weiss. Ein Barkasse voll mit Touristen tuckert durch die


Hafencity. Welle rechts, Dampfer links und über den Köpfen Möwengeschrei. In den dunklen Schluchten der alten Speicherstadt wird die Stadtkulisse zum gefährlichen Riff, der Stand-up-Paddler zum einsamen Seemann. Dass sich ihre bevorzugte Fortbewegungsart einmal zum Sightseeing-Erlebnis entwickeln würde, haben die polynesischen Fischer wohl kaum ahnen können. In den 1950er Jahren bewegten sie bereits stehend auf ihren flachen EinMann-Kanus vor Tahitis Küste und hatten so einen perfekten Überblick über ihre potentielle Beute. Seitdem sich in Hawaii und Kalifornien Sportler wie der Extremsurfer Laird Hamilton mit einem Paddel in den Händen unter einer Monsterwelle surfte, mutierte SUP zu der neuen Wassersportart – und zu einem weiteren Exportschlager aus Hawaii. Inzwischen stehen nicht nur coole Surferboys auf den Bretter, sondern auch sportbegeisterte Touristen. „Das Schöne am SUP ist: Es lässt sich leicht erlernen, entspannt und eröffnet eine neue Perspektive auf die Stadt“, sagt Weiss, der als begeisterter Wassersportler seinen Hotelgästen SUP als kosten-loses Sightseeing-Highlight anbietet – Kenterrisiko inklusive.

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Antibes / Südfrankreich / Voiles D’Antibes 2009


RÜCKEN WIND von xxxxxxxxx / Fotos Dan Zoubek

Der Hamburger Typograf Thomas Eibenberger hat sich in den letzten Jahren zu einem grandiosen Sportfotografen entwickelt. Egal, ob bei den Voiles d´Antibes im Süden Frankreichs oder im kühlen Flensburg bei der Rolex Baltic Week – der leidenschaftliche Wassersportler gibt alles, um die Emotionen und Leidenschaften der Yachtsegler einzufangen. Mit seiner Nikon in der Hand fährt Eibenberger im Schlauchboot, um den Kampfgeist bei großen Segelrennen richtig vor die Linse zu bekommen. von Hannah Bauhoff / Fotos Thomas Eibenberger

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Laboe / German Classics Laboe 2011 / 8Mr Feo


W enn man mit Thomas Eibenberger über seine Arbeit spricht, dann fällt eines sofort auf: Klein und fein sind seine Lieblingswörter. Dabei sind seine Projekte zwar fein, aber alles anderes als klein, zumindest wenn man sich die Bilder der 15 Meter langen Yachten ansieht, die bei Windstärke sechs ziemlich schräg im Wasser liegen. Allein schon die weißen Segel sind rund 800 Quadratmeter groß. Aber vielleicht bevorzugt Eibenberger diese Wörter, weil er lange mit eher kleinen und feinen Dingen zu tun hatte. 1969 in Fritzlar geboren, machte er 1989 zunächst eine Ausbildung zum Schriftsetzer. Das bedeutete, kleine Bleibuchtstaben millimetergenau aneinanderzureihen, in Druckerschwärze einzutauchen und ohne zu klecksen vorsichtig auf edles Papier in seinen unterschiedlichen Weiß-Tönen zu drucken. Diese Handarbeit erforderte ständige Konzentration und Präzision. Ein Jahr nach der Lehre arbeitet er in der Düsseldorfer Werbeagentur Grey, um dann vier Jahre Kommunikationsdesign in Köln zu studieren. Dank der langen Semesterferien hatte er endlich Zeit, seiner Leidenschaft, dem Surfen zu frönen. Die Sommermonate verbrachte er auf der Kanarischen Insel Fuerteventura. Dort shapte er in einer kleinen Custom-Made-Schmiede Surfboards, reparierte allerlei Bretter und schlief in seinem kleinen Fiat Panda oder gleich unter freiem Himmel am Strand mit anderen Surfern.

Flensburg / Rolex Baltic Week Flensburg / 12Mr Evaine / Jürgen Rösch

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Sardinien / Cagliari / Audi Medcup 2010

Zurück in Deutschland entwickelte sich Eibenberger zum kreativen Gestalter mit Computer. Es ging um komplexe Grafikprogramme, Pixelgenauigkeit und das Konzipieren der ersten Websites. Eibenberger surfte auf der ersten Internetwelle und tourte als Angestellter durch diverse Designagenturen. Ein Jahr nach dem Platzen der Internetblase 2000 machte sich der begeisterte Wassersportler unter dem Namen Elbpiraten in Hamburg mit seinem eigenen Designbüro selbstständig. Die Nähe zum Wasser und die Möglichkeit, bei guten Wetterbedingungen schnell surfen zu ge-

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St. Tropez / Südfrankreich / Voiles des St. Tropez 2009

Laboe / German Classics Laboe 2011 / 12Mr Evaine

hen, waren ein Grund für seinen Umzug aus der Schweiz in den Norden. Am Wochenende aufs Wasser, in der Woche ins Internet: Es entstanden zahlreiche Corporate Design, Musikvideos oder Zeichentrickfilme – und noch immer ging es um die kleinen, feinen Themen, um geprägte Visitenkarten oder um zarte Linienzeichnungen. Und noch immer waren Hobby und Beruf getrennt. 2008 packte Eibenberger spontan bei seinen Ausflügen ans Meer seine analoge Kamera ein, experimentierte ein bisschen und wechselte das Format: Aus klein und fein wurde groß und wild.


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Laboe / German Classics Laboe 2011 / 12MR Evaine / Skipper Georg Kierspel


Fotografieren bedeutet für mich die intensive Auseinandersetzung mit einer Situation.

Die wunderbaren Fotostrecken von maritimen Landschaften und anderen Erlebnissen auf dem Meer hängen großformatig als 3,07 lange und 1,8 Meter hohe Kunstwerke in privaten Wohnhäusern oder öffentlichen Gebäuden. Eines sieht man den Arbeiten aber trotz der Größe an. Sie sind pixelgenau, gestochen scharf und perfekt komponiert, also doch irgendwie klein und fein. „Fotografieren bedeutet für mich die intensive Auseinandersetzung mit einer Situation. Es ist fast wie Meditation, ein sich Fallen lassen in den entscheidenden Augenblick“, beschreibt Eibenberger seinen Zugang zur Fotografie. „Gerade bei sich bewegenden Objekten, wie bei den Yachten, wo sich die Bildsituation im Sekundentakt verändert, will ich eine möglichst perfekte Bildkomposition – ohne den Bildausschnitt, wie häufig üblich, später am Computer zu korrigieren.“

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Für die Camper 2.0 spielt das Wetter im Berliner Hotel „Hüttenpalast” keine Rolle. Hier können Komfort-Camper gemütlich einchecken und müssen keinen Regen fürchten.

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ROLLIN’ HOME von Katja Hübner

Das goldene Zeitalter des Wohnwagens ist angebrochen. Trailer, Camper, Caravan – es gibt viele Bezeichnungen für das Leben on the road, und es gibt mindestens genau so viele Modelle. Klein, kurz oder kariert, das Design des Wohnwagens ist offen wie seine Funktion.

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ie Zeit, in der Horst Meier zusammen mit seiner Frau Inge auf blaugelb-gestreiften Alu-Klappstühlen saß, ist noch gar nicht so lange her. Hinter ihnen stand der Wohnwagen, das Modell Dethleffs Campy, vor ihnen der Grill. Darauf brutzelten schon ab 10 Uhr die fettesten Bratwürste und die saftigsten Steaks, Molle und Korn waren noch vom Vorabend auf dem kleinen Zelttisch nebenan geparkt. Camping, ja das war mehr als nur Urlaub, es war die große Reise mit dem kleinen Zuhause im Gepäck. Und so sah es auch meist in den Wohnwagen aus: Häkeldeckchen, auf denen die Porzellan-Blumenvase ein Kunströschen barg, Gardinen an den Fenstern und der Teppich auf dem Boden. Genau genommen glich die Reise mit dem Wohnwagen einer Reise zurück in das eigene Leben, von dem man sich eigentlich für kurze Zeit mal verabschieden wollte. Die Trailer – die waren etwas für Spießer. Wer cool war und die Welt zu erobern gedachte, der fuhr, wenn schon denn schon, zelten. In Deutschlands größter Touristenhochburg Berlin gibt es seit kurzem ein Hotel mit Outdoorcharme. Dort stehen die Betten in alten Camping-Hängern. Der „Hüttenpalast“ liegt zwischen den Stadtbezirken Kreuzberg und Neukölln, den Szenevierteln der Hauptstadt mit Multikultiflair und Nightlife. Die beiden Frauen Silke Lorenzen und Sarah Vollmer haben genau an dieser Grenze in einer alten Staubsaugerfabrik ihr Domizil eröffnet. Darin laden nun alte Wohnwagen-Modelle aus beiden Teilen Deutschlands zum Nächtigen ein. Der „Herzensbrecher“ ist ein renovierter Hänger der DDR-Marke Nagetusch, das „Schwalbennest“ ein Hotelhänger aus Westproduktion Marke Knaus und die „Kleine Schwester“ ein 70er-Jahre-Modell mit Namen „Queck Junior“. Was von außen als Wohnwagen zu erkennen ist, sieht innen aus wie ein verwunschenes Zimmer. Gebogene Holzdecken, warme Töne, Mosaiken. Die Chefinnen haben befreundete Künstler und Architekten gefunden, die ihnen halfen, die verrottete Innenausstattung zu erneuern und gleichzeitig zu verändern.

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Mit dem Wohnwagen-Klassiker „Schwalbennest” wurden ab 1961 die Urlaubsregionen Europas erobert.


Optisch ähnelt das Modell des Designers Axel Enthoven dem Opernhaus von Sydney. Das 7m lange und 3,50m hohe Konstrukt baut sich innerhalb von fünf Minuten selber auf und bietet nicht nur Opernfans höchsten Komfort.

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Das Bed체rfnis nach H채uslichkeit steigt im mobilen Bereich. Das Gef체hl der eigenen vier W채nde wird dem Mehrzeller-Kunden durch ein individuell abgestimmtes Design geboten.


Noch ist es nur ein Kunstobjekt, doch das „Camper-Bike” ist jetzt schon der Traum aller Freiluftfreunde.

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erausgekommen ist dabei ein modernes Interieur in Zirkuswagennostalgie. Dieser Trend ist mittlerweile international zu erkennen: Der Wohnwagen erlebt eine Renaissance, und es macht Spaß, ihm dabei zuzuschauen. Ob alte Wagen restauriert oder neue konstruiert werden, ob als Wohnhaus oder als Reiseoption – weltweit sind die unterschiedlichsten Modelle am Start. Manche begnügen sich einfach auf ihrem neu erworbenen Grundstück mit einem ausgedienten und ausrangierten Wohnwagen, andere erfinden und kreieren neue Versionen. Der Trailer hat seine Spießerrolle abgelegt, er ist ein Kind der neuen Zeit. Ganz nach dem Motto: Man bewegt sich frei und kennt trotzdem seine Grenzen, bietet der Wohnwagen gerade die richtige Möglichkeit für die Weile ohne Eile, für den selbst geschaffenen Platz und den unabhängigen Weg in den eigenen vier Wänden. Was einst ungemütlich und verschroben war, ist nun romantisch und autark. Der holländische Künstler Kevin Van Braak hat sich einen Mercedes-Bus aus den 70ern umgebaut. Besser noch: Er hat ihn umfunktioniert. Er hat ihn oben und an den Seiten genau in der Mitte durchgeschnitten, die beiden so entstandenen Hälften kann man nun ausklappen. Der Bus wird damit zu einer Platt-

Der „Wohnwagen Mehrzeller” hat eine neue Generation des mobilen Wohnens geschaffen.

form – für Lesungen oder Konzerte. Letztes Jahr tourte er in dieser Rolle im Rahmen des Kulturhauptstadtprojekts Ruhr 2010 durch das Ruhrgebiet. Mittlerweile hat Kevin Van Braak ihm noch einen neuen Stil verpasst. Er hat die Ladeflächen mit Kunstrasen und Kitschblumen verziert. Eine Oase inmitten von Steinwüsten: „Mein Wohnwagen sieht von außen genau so aus wie alle anderen“, sagt er. „Wenn man ihn aber öffnet, offenbart er sich als ein künstlicher Garten, als Park oder als Campingplatz. In dem Wagen befinden sich ausgestopfte Tiere, Kunstgras, Seidenblumen und Bäume. Dazu habe ich eine Installation mit Vogelstimmen platziert und selbst einen Barbecue-Grill aufgestellt.“ Kevin Van Braak hat sich die Natur in die Stadt geholt, sein eigenes kleines Paradies auf vier Rädern geschaffen. Der Wohnwagen scheint nicht nur für ihn der geeignete Ort zu sein, um die eigenen Sehnsüchte darin zu verpacken. Alles, wofür man im Alltag keinen Platz hat, findet sich auch anderswo in diesem Raum wieder: Farbe, Kitsch und Nostalgie. Ob als eine Hommage an die Verflossene, an Star Wars oder Pippi Langstrumpf – die Wohnwagen werden zum Abbild von Wünschen und Träumen und

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Kleine ganz groß. Aufgebaut ist der Einkaufs-Wohnwagen von Kevin Cyr ein kleines Raumwunder.

zum Experimentierfeld der eigenen Fantasie. Man gibt ihnen Namen, streicht sie blau, pink oder silber, sie werden gestylt und gepflegt wie früher das Kuscheltier. Die Trailer bleiben oftmals nicht das Produkt, als das sie aus der Werkhalle kamen, sondern sie erhalten ein individuelles Aussehen. Jeder von ihnen ist ein Unikat. „Als wir 1985 nach Europa kamen, kauften wir uns einen Volkswagen Camper“, erinnert sich der amerikanische Künstler Jay Nelson. „Meine Mutter war Lehrerin in Kunst und Mathe, sie bastelte den Zigarettenanzünder so zurecht, dass wir dort Fernsehen und Video einstöpseln konnten. Das war super cool, unser Fahrzeug war seiner Zeit weit voraus.“ Diese Kindheitserinnerung hat Nelson für seine eigenen Arbeiten inspiriert. Er baut multifunktionale Werke aus Fahrzeug und Wohnhaus in einem. So hat er etwa ein Honda-Moped mit einem Schneckenhaus aus Holz umrahmt, ein elektrisches Camping-Mobil. Darin ist sogar ein Fenster integriert und oben auf dem Dach ein Surfbrett angebracht. „The Golden Gate“ nannte er diese Konstruktion. Einem alten Honda-Civic, den er für 200 Dollar erwarb, baute er ebenfalls aus Holz ein „mobile home“ hinten an. Das Fahrzeug sieht jetzt

aus wie ein kleines Segelboot mit einer Kajüte und zwei Bullaugen. Wenn er damit durch das Land fährt, wird er nicht selten angesprochen. „Wenn du dir ein Haus auf das Ende deines Autos baust, hat natürlich jeder auch eine Meinung dazu. Und das ist der Beginn von Konversation.“ Das dürfte auch dem Kanadier Kevin Cyr passiert sein, als er mit seinem selbst entworfenen Wohnmobil durch die Straßen seiner Heimat reiste. Bekannt geworden ist der Künstler eigentlich durch seine „Vehicles Serie“, in der er Planwagen, Wohnwagen, Autos und LKWs malte. Nur realistische Autos zu zeichnen, reichte ihm dann irgendwann nicht mehr aus und er kreierte sein eigenes Geschöpf: ein Camper-Bike. Das Model mit drei Rädern samt luxuriösem Anhänger ist der Vorbote der Zukunft und der Traum aller Grünen: Umweltbewusst durch Pedalantrieb. Noch handelt es sich bei dieser Konstruktion allerdings um ein Kunstobjekt, aber die Vorstellung davon ist faszinierend und verführt zum weiterträumen: Ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit, flexibel und mobil, dank eigener Muskelkraft!

„The Good Life” ist ein mobiles Kunstobjekt der Zukunft. Einerseits dient das aufgeklappte Wohnmobil der Inspiration und anderseits soll seine Entwicklung Teil eines Films werden.

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Eingepackt und abgeschoben, das kleinste Mobile-Home der Welt!

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bike:nology Sportliche Innovation in genialer Präzession – so könnte man die neuesten Bikemodelle beschreiben. Für Leistungssportler, Amateure und Experten sind Fahrräder keine simplen Fortbewegungsgeräte, sondern einzigartige Modelle, die entwickelt, gepflegt und geliebt werden müssen. Jeder der sich ein – zugegeben nicht billiges – Bike der neuesten Gattung kauft, hat eine Anschaffung fürs Leben gemacht. Viele Sportler und Fahrradfans erfüllen sich mit einem Carbonoder Titanrad ihren ganz persönlichen Lebenstraum. von Ulf Jacks / Fotos Dan Zoubek

Lightweight Carbonlaufräder: in Deutschland entwickelt und hergestellt. Diese Laufräder sind die Besten der Welt.

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ie brandneuen Entwicklungen auf dem Bikesektor bieten genau das, wovon Generationen von Radfahrern geträumt haben, wahrscheinlich sogar noch mehr. Denn schon der Anblick der innovativen Modelle lässt die meisten Radfahrerherzen eindeutig höher schlagen – versetzen sie in Raserei und Entzücken. Aber kaum einer der Amateur- oder Profisportler ahnt, was wirklich hinter so einem aktuellen KOCMO Titanrad steckt. Aber irgendwie klingt es auch absurd, wenn die Bikefans hören, dass die Titanrahmen ihres neuen Lieblings tatsächlich von ehemaligen Rakentenschweißern aus Russland gefertigt werden. Die Frage nach der Unterstützung der Waffenindustrie taucht immer wieder auf, ist aber überflüssig. Die fingerfertigen Männer sind abgeworben und arbeiten nur noch an Titanfahrrädern für anspruchsvolle Athleten, die ein emotionales Verhältnis zu ihrem Rad entwickeln, ähnlich wie zu einem guten Freund. Genau für solche Menschen

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baut KOCMO die neuartigen Rahmen. Ganz gleich, ob beim Ironman auf Hawaii, einem Marathonrennen in den Alpen oder für die Durchquerung Alaskas, mit dem richtigen Titanrad ist das alles kein Problem mehr. Aber wer sind die Anhänger dieser Titanräder? Was sind das für Typen? Es sind Sportler, die die Perfektion lieben. Eine Perfektion, die schon der Rohstoff mit sich bringt, eine Art Unvergänglichkeit. Einen Traum, den viele auf unserem Planeten träumen. Denn Titan zerkratzt nicht, Titan korrodiert nicht, Titan ermüdet kaum. Ein Titanrad ist einfach zeitlos. Ideale Vorrausetzungen also für mechanische High-Tech-Applikationen. Trotzdem ist dieses edle Schmuckstück nur für spezielle Radrennfahrer gemacht. Denn wirtschaftlich gesehen ist es einfach zu teuer, im Vergleich zu seiner Stahl- oder Aluminium-Konkurrenz. Es ist die Liebe zum Detail, die Liebe zum Perfektionismus, die viele Biker zu Titanliebhabern werden lässt, und nicht dass dieses Rad 100 Gramm weniger wiegt. Das ist eigentlich nur ein netter Nebeneffekt. Bei den besten Radfahrern der Welt liegen momentan die Leightweight-Carbonlaufräder ganz weit vorn. Es sind elegante Leichtgewichte, die in Deutschland entwickelt und hergestellt werden. Ein Pluspunkt nicht nur für Spitzensportler, sondern auch für die Entwickler dieser High-End-Räder, die Kult und Qualität zugleich darstellen. Wer mit einem Exemplar dieser neuen Generation unterwegs war, schätzt den Unterschied zu anderen Modellen. Besonders die Aerodynamik und die unglaubliche Ästhetik dieser Carbon-Schmuckstücke erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Aber ihr größter Vorteil besteht wohl in den Bremsbelägen, die immer im Fokus der neuesten Entwicklungen standen. Egal ob trocken oder nass, die

KOCMO Titanräder – die Titanrahmen der Berliner Firma werden von ehemaligen Raketenschweißern in Russland gefertigt.


Der Fantasie beim Bike-Pimpen sind keine Grenzen gesetzt

Das in Deutschland gefertigte Teamrad der russischen Katusha-Mannschaft von Focus.

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Mit rennrad채hnlichen Bikes durch den Wald heizen. Cross erlebt zur Zeit eine Renaissance.


absolute Bremsleistung ist garantiert. Ein Quietschen auf Carbonfelgen gibt es nicht, und der Verschleiß ist so gering wie möglich. Selbst auf Alubremsflanken ist das Bremsverhalten noch gut, was den Bikern erstmals ermöglicht, beim Wechseln der Laufräder stets die gleichen Bremsbeläge fahren zu können. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Leightweight-Carbonlaufräder. Eine regelrechte Renaissance erlebt zurzeit das Crossbike - das natürlich auch in etlichen Luxusausführungen, und kompatibel für jedermann zu finden ist. Viele Radsportler lieben gerade den Kampf gegen Wind und Wetter, gegen Matsch und Gestein. Deshalb gewinnt das Fahren im Gelände wieder mehr und mehr an Bedeutung. Die harten Bedingungen sind eine Herausforderung für die Athleten, die querfeldein, oft unter Wettkampfbedingungen, trainieren. Diese Motivationseinheiten geben vielen den nötigen Schub, das Letzte aus sich und ihrem Körper heraus zu holen. Die mentale Stärke und die physische Präsenz bringen dann oft den nötigen Erfolg bei Meisterschaften. Ein Beleg dafür, sind die Erfolge der letzten Zeit, auch bei Sportlern, die nicht bei klassischen Crosswettkämpfen, sondern bei anderen Events starten und gute Platzierungen nach Hause fahren.

Aber natürlich würde das alles kaum zu erreichen sein, wenn nicht die besten Crossräder am Start wären. Es sind meist rennradähnliche Modelle, die für die Geländetouren bevorzugt werden. Dabei greifen Profis und Wochenendakteure oft auf das gleiche Bike zurück. Es muss leicht, locker zu treten und logischer Weise auch sehr robust sein, dann wird es schnell zum Liebling der Sportler. Die meisten Fahrradexperten haben für jeden Typ das richtige Crossrad im Angebot. Da der Biker und sein Lieblingsspielzeug eine Einheit bilden, ist es nicht nur wichtig, dass qualitativ alles stimmt, sondern es muss auch eine Art Liebe zwischen beiden entstehen. Dann sind Höchstleistungen oft kein Problem mehr. Besonders begehrt bei Profimannschaften ist das ebenfalls aus Deutschland stammende Focus-Bike, das für Innovationen in Design und Technik steht. Das Expertenteam dieser neuen Generation Rennrad stimmt sich in Konstruktion, Entwicklung und Fertigung bis ins kleinste Detail ab.

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K aum jemand in der gesamten Sportwelt ist kritischer, schaut genauer hin als die strengen Testingenieure und unbestechlichen Prüfmaschinen des Focus-Bikes. Jeder Prototyp, jedes Einzelteil und jede Baugruppe werden etlichen Tests unterzogen. Immer und immer wieder werden alle Werte neu überprüft, bis die Ideal-Version gefunden ist. Und die ist offensichtlich so gut, dass sie perfekt zum einem professionellen Team passt. Nicht nur die russische Katusha Equipe schwört auf die einzigartigen Qualitäten dieses innovativen Modells, auch andere Mannschaften fahren damit. Mittlerweile können sogar Freizeitsportler dieses Traumrad der Profis erwerben. „Bei jeder Tour fährt der gewisse Unterschied mit. Das wird jeder Biker spüren“, das versprechen nicht nur die Entwickler dieser neuen Technologie. Der Erfolg von Focus spricht jedenfalls dafür. Aber warum ist das so? Ein Grund ist sicherlich die große Vielfalt, die dieses Fahrrad bietet, auch oder gerade für Amateure und Saisonsportler. Denn egal ob als Straßenrennrad, Crossbike oder Fitnessgerät, jeder kann in diesem Sortiment etwas für sich entdecken. Das Gütesiegel der neuesten Technik spielt für die meisten dabei die entscheidende Rolle. „Made in Germany“ wird also auch bei Rennradprofis und Fahrradfans großgeschrieben.

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Teilchenbeschleuniger Interview mit Gert van de Keuken Studio Edelkoort ist ein Global Player auf dem Gebiet des Trend-forecasting. Zu ihren Kunden z채hlen Weltkonzerne wie Coca-Cola, Nissan, KLM, Lacoste und viele andere. Trendguru Li Edelkoort h채lt weltweit Seminare und ber채t die Teilnehmer 체ber die Trends der Zukunft, vor allem zu den Themen Mode, Lifestyle und Beauty. Wir haben ihren Creative Director Gert van de Keuken zum Thema Sport und Motion befragt. von Martin Sollmann

Fotos: Bao Ngoc

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W arum treiben Menschen heutzutage Sport? Sport ist wichtig und wird seine Wichtigkeit nicht verlieren. Sport fördert das Wohlbefinden, das Well-being. Menschen wollen sich durch Sport vor allem besser fühlen. Unter Wellness verstand man noch bis vor Kurzem das Konsumieren von allerlei kosmetischen Produkten und Vitamintabletten, die körperliche Betätigung war eher sekundär. Heutzutage ist der Konsument nicht nur am visuellen Aspekt des Well-beings interessiert, jetzt geht es mehr um die physische Kondition, die Einsatzfähigkeit des Körpers. Ebenfalls wichtig ist der Einsatz neuer Technologien im Sport. Ist das Streben nach dem perfekten Körper noch zeitgemäß? Wir wollen jung sein. Aktiv sein, in shape sein ist wichtig. Es kommt jetzt aber noch eine Komponente dazu, neben dem rein

körperlichen Fit-Sein streben wir auch nach mentaler Fitness. Das Schönheitsideal verändert sich von einem ästhetischen zu einem mehr ethischen Ideal. In ästhetischer Hinsicht verändert sich das Ideal auch, man erlaubt sich wieder mehr Falten und Unebenheiten, wie in natürlichen Materialien. Das Lifting von Jane Fonda zum Beispiel ist sehr subtil. An ihren Lachfalten erkennt man ihr Alter, aber ansonsten sieht sie wie eine fitte 70-jährige aus. Es geht jetzt mehr darum, fit zu sein, körperlich in Form zu sein, nicht mehr um glattgebügelte Gesichter, nicht mehr um das rein Visuelle, es geht um das Menschliche.

Kann man sagen, dass das individualisSelbstüberwindung, das Verlegen der tische Zeitalter zu Ende geht? Ja, es wird weniger. Das individualistische eigenen Grenzen, sind das noch Werte die Zeitalter ist eine Vorstufe des kollektiven heute zählen? Zeitalters, das jetzt anbricht. Das Grup- Alles dreht sich um den „Performer“. Der pengefühl steht wieder in neuem Anse- „active“ Sportler, der Triathlet oder der hen. Daher steht kollektives Sporttreiben, Marathonläufer – ist ein „Performer“. Zum Teamsport wieder hoch im Kurs. Dass zum Sportgeschehen zählt allerdings auch die Beispiel Damenfußball so sehr an Populari- große Gruppe der Fans, die „non-active“ tät gewonnen hat, ist ein Zeichen dafür. Al- Sportler, die sich mit der aktiven Gruppe les dreht sich um Kollektivität, es geht um identifizieren, die wollen sich als eine Art das Teilen, um das „Sharing“. Lifestyle mit denselben Materialien und Technologien umgeben. Topsportler sind Können wir daraus schließen dass indiviHelden geworden, mit denen sich diese dualistische Sportarten wie Bodybuilding Gruppe identifiziert. oder Triathlon out sind? Oder ist das zu allgemein formuliert? Gibt es neue Materialien in der SportJa vielleicht. Die Faszination des Individu- technik und Sportmode? Oder geht der ellen bleibt natürlich, ist jetzt aber weniger Trend auch hier wieder zurück zu altausschließlich. Jetzt kommen da auch noch bekannten natürlichen Stoffen? andere Komponenten dazu. Es geht nicht Wir werden Materialien bekommen, die nur um einen individualistischen Sport, es natürliche Aspekte mit technischer Innovageht um den individualistischen Sport als tion kombinieren, Materialien, die atTeil einer gesamt-sportlichen Aktivität. In- mungsaktiv sind, intelligente Materialien, sofern können wir auch den Körperkult Materialien, die sich trotz aller technischen wieder relativieren. Bei Damentennis sieht Eigenschaften anfühlen als seien sie natürman zum Beispiel, dass man wieder mehr lichen Ursprungs. Es geht um Eigenschafin Quartetten spielt, der ganze „Body“-As- ten, die das Funktionieren des Körpers pekt des Sports drückt sich in der Gruppe unterstützen. Es wird sehr Hightech. Techaus. So ein Beckham zum Beispiel, der als nische Innovationen für ein natürliches individualistischer Spieler echt ein „Body“ Wohlfühlen, aber auch für einen aktiven ist, der ist auch Teil eines Fußballteams. Lebensstil.


„Es hat alles mit einer nomadischen Lebenseinstellung zu tun, die die Erde wieder ins unseren Lifestyle integriert.“

Ist dies der Modetrend von Morgen? Li Edelkoort meint ja!

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ie Performance der Materialien muss unsere eigene Performance unterstützen, wenn wir im Alltag unterwegs sind, aber auch, wenn wir einen Marathon laufen. Die Materialien, die man für Leistungssportler entwickelt, werden eine Art Lifestyle.

Gibt es im Sport dennoch eine Tendenz zurück zur Erde, wie Studio Edelkoort das schon im Bereich der Mode vorhergesagt hat? Ja, das gibt es auch im Sport, als würden die Berge in die Stadt kommen. Es wird eine Generation kommen, die hoch-performative Bergkleidung trägt, die mit ihren Bergschuhen auf dem Fahrrad unterwegs ist, mit hoch-performativen Hightech-Jacken, so, als sei sie gerade auf einer Expedition zum Nordpol. Es hat alles sehr mit einer nomadischen Lebenseinstellung zu tun, die die Erde wieder ins unseren Lifestyle integriert.

Trend boards für Lacoste aus dem Hause Edelkoort

Kommen wir langsam wieder weg von auf den Knien hängenden Jeans und sichtbaren Unterhosen? Na, ich denke, dass man vor allem wegen der ökonomischen Situation den Gürtel wieder enger schnallen muss, dass bedeutet, dass die Taille wieder stärker akzentuiert wird, die Hosen werden wieder höher sitzen und es kommt eine andere Form von sexiness, es wird wieder physisch, körperlich, und gleichzeitig locker und komfortabel. Physical? Das ist doch etwas aus den 80ern? Ja, aber das ist nicht dasselbe. Wir gehen nicht zurück in die 80er. Wir kommen zu einer neuen Form von „physical Dressing“, es kommen lockere Sachen, luftige Sachen. Ich finde auch, dass wir jetzt ein bisschen viel Vintage gehabt haben. Wir wissen inzwischen, wie das 20ste Jahrhundert ausgesehen hat. Jetzt kommt das 21ste, wir wollen unbekanntes Terrain erschließen, wir müssen wegkommen von dem staubigen Traditionellen, jetzt kommen neue Sachen, neue Erfindungen, neue Materialien, neue Farben, neue Kombinationen, neue Konditionen, auch neue Konfrontationen an Material und Style, es passiert ganz viel, aber um nochmal auf Sport und Mobilität zurückzukommen, es dreht sich alles um sportliche Lebensgestaltung, wir wollen vor allem frei sein. 139


as klingt alles sehr positiv ? Ja, auf jeden Fall, es wird alles sehr positiv. Der Konsument will nicht mehr kaufen müssen, was ihm von Marketingstrategen diktiert wird. Er will mehr Freiheit, deswegen jetzt auch die ganze Trekking und Biking/Hiking-Mode. Er will jetzt auf dem Fahrrad unterwegs sein, der will in die Berge, in die Natur. Man kann sagen, eins zu null für den Konsumenten. Das ist ein guter Aspekt von Sport und Mobilität. Es geht darum, mobil zu werden. Dienstleistung wird mobil, der Tourismus wird mobil, der aktive Tourist will keinen Club Med mehr, der will sich vor allem bewegen, und es muss auch nicht unbedingt Ibiza oder Teneriffa sein, es kann genauso die nähere Umgebung sein, es kann auch ein Hinterhof sein, wenn man so will, was zählt, ist das Aktivsein. All das was wir bis jetzt aufgezählt haben, inwieweit ist das altersabhängig? Es gibt kein Alter! Absolut no age, no limits! Alles ist absolut altersunabhängig, die Kinder machen mit, die Großeltern, alle machen sowieso schon mit. Ist das ein neues, lockeres Miteinander? Ja, es geht um das Miteinander, das ist das schöne an Sport. Es war schon immer etwas, das Menschen miteinander getan haben, es ist schon immer etwas Soziales gewesen. Schon in der Antike waren im Sport alle gleichberechtigt. Sport wurde in der Form

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von Spielen betrieben, und Menschen aus allen sozialen Schichten konnten daran teilnehmen. Was werden die neuen Trendsportarten? Im Grunde alles was sich draußen in der Natur abspielt liegt sehr im Trend. Mit den Elementen zu spielen, mit Wasser und Luft, Vulkane zu besteigen, also Feuer, Höhlen und Täler zu erkunden, es geht um die körperliche Entdeckung der Dinge, das Entdecken des Natürlichen, der Naturkräfte vielleicht. Es kommen auch neue Sportarten, die mit schweben zu tun haben, in Richtung Fallschirmspringen, Paragliding. Dann natürlich Trecking, Hiking, Canyoning, Rudern und Segeln. Sport treiben in der Natur und mit der Natur. Hier werden wir alle möglichen neuen Designs zu sehen bekommen, neue Helme, neue Formen von Gleitschirmen, neue Materialien, Schuhe, superleichte Kites. Das hört sich spannend an … Ja, es ist auch sehr spannend. Unsere Studien weisen auf eine völlig neue Mentalität, und das alles trotz der gegenwärtigen ökonomischen Krise. Man gibt sich eine optimistische Haltung: „Wir werden es schon überleben, wir werden es auch gut überleben.“

Fotos: Marie Taillefer for the Key / Trend Union


Trend boards f端r Lacoste aus dem Hause Edelkoort

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a horse is a horse ... ... of course, of course!

2009 fand das erste „European Bike Polo Championship“ in London statt. Quality interviewt den Grafiker und Illustrator Diego Mena, 32, der zum Organisationsteam gehört und unter anderem das Wettkampf-Plakat entwarf. Er beobachtet die Szene schon seit langem. Sein Fazit: „There‘s a lot of love in bike polo!“

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Q uality war dabei, beim Bike Polo in Londons Straßen. Diese Stadt ist eines der unangefochtenen Zentren dieses sehr eigenwiligen Trendsports. Das Bike Polo, damals Cycle Polo, wurde schon 1891 in County Wicklow, Irland, von dem ehemaligen Radfahrer Richard J. Mecredy erfunden. Der Mannschaftssport lehnt sich an das traditionelle Polo an, statt Pferden jedoch werden Fahrräder verwendet. Seit 2007 hat sich das Bike Polo zu einem urbanen Trend in der ganzen Welt entwickelt. Im Mittelpunkt stehen nicht mehr der Rasen und Grünflächen, sondern kleine Fußballund Basketballplätze, wie sie in großen Städten überall zu finden sind. Diego, heute schon gespielt? ein. Und ganz ehrlich: Ich schaue auch lieber zu. Es ist ein sehr schwieriger Sport, er verlangt eine Menge Praxis. Ich habe es ein paar Mal versucht, aber nichts

ist komischer, als wenn man die ganze Zeit nur hinfällt. Da habe ich mich besser in die Rolle des Zuschauers begeben. Was macht Bike Polo so kompliziert? Im Grunde musst du drei Dinge beherrschen – dein Fahrrad, dein Schlagholz und deinen Blick für das gegnerische Tor. Das alles musst du gleichzeitig unter Kontrolle bringen, und das ist ziemlich professionell. Es ist ein hoher Level, auf dem derzeit gespielt wird. Die meisten der Sportler waren schon vorher geübte Fahrradfahrer. In den USA zum Beispiel entwickelte sich Bike Polo anfangs unter Kurieren und Messengern. Mittlerweile aber sind Leute aus sämtlichen Berufen dabei. Nämlich? Die Leute, die ich in London kenne, sind vor allem junge Männer und Frauen in den 20igern und 30igern. So weit ich das sagen kann, kommen sie oft aus dem kreativen Bereich: Fotografie, Film, Design, Fashion, Illustration. Ihre Kreativität bringen sie mit auf den Platz. Was heißt das, wie genau sieht das aus? Die Bike-Polo-Gemeinschaft ist so etwas wie eine DIY - do it yourself - Community. Und so wird der Sport gleichzeitig mit anderen Dingen erprobt. Ähnlich wie damals bei den Skateboardern, gibt es Innovationen vor allem in Fashion und in der Art, die Fahrräder zu gestalten. Das ist das, was mich besonders fasziniert. Am Anfang gab es jede Menge Rennräder, jetzt sehe ich vor allem Mountainbikes, dicke Räder und - natürlich - die selbst gemachten Radscheiben. Jeder kreiert sie nach seinem Geschmack: mit dem Namen des Teams, mit Zeichen oder Mustern.

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Londons Bike Polo-Spieler setzen Modetrends


XXXXXXXXXXX Der Fantasie beim Bike-Pimpen sind keine Grenzen gesetzt


Sieg für die „Bike-Pollos“


Haben diese Kreationen denn besondere Namen? Ja, Polo. Im Ernst, alles was sich auf dem Platz entwickelt oder was dort entsteht, würde ich unter diesem Begriff zusammenfassen. Es ist quasi wie ein Modename selbst. Polo folgt nicht der Mode, sondern anders herum. Es ist ein sehr offener Sport. Du hast Leute, die haben Bart, und andere, die haben keinen. Das Gleiche mit den Tattoos. Zwar gibt es so etwas wie ein „modisches Bewusstsein“ dadurch, dass es ein städtischer Sport ist, aber normalerweise werden auf dem Platz einfach T-Shirts, Shorts und Helm getragen. Vielleicht ähnelt es am ehesten dem Bike Messenger Look. Aber nicht alle tragen einen Helm. Sehen sich manche nicht doch eher als kampfeslustige Gladiatoren? Ich denke, darin liegt ein Missverständnis. Manche Teams, wie etwa die amerikanischen, spielen vielleicht etwas robuster. Aber überall, wo ich war, habe ich keine ernsthaften Unfälle gesehen. Natürlich gibt

es viel Körperkontakt zwischen den Spielern, sie werden auf dem Platz auch manchmal sauer aufeinander. Genau genommen aber sind sie alle Freunde, die nach dem Turnier zusammen einen trinken gehen. Wie läuft denn so ein Spiel genau ab? Das hängt ein wenig davon ab, wie, was und wo du spielst. Es gibt die verschiedenen Ligen weltweit, den „European Championship“, der dieses Jahr in Barcelona stattfand, den „North American Championship“ und den „World Championship“. Dann hast du jede Menge von offenen Turnieren, an denen jeder von überallher teilnehmen kann. Normalerweise dauert ein Spiel zehn Minuten, im Finale bei Turnieren kann es auch mal 20 Minuten gehen. Andere wiederum spielen es so, dass Schluss ist, wenn ein Team fünf Tore erzielt hat. Genau so variiert es in den Mannschaften: Manche spielen zu viert, manche zu fünft.

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Was begeistert dich als Zuschauer an diesem Sport? Ich finde es toll, dass es ein Sport ist, in dem Männer und Frauen zusammen spielen und kämpfen. Das gibt es doch sonst nirgends! Dann fasziniert mich das Spiel an sich, vor allem auch optisch. Zu sehen, wie das Fahrrad die Verlängerung des Körpers wird, das Gleichgewicht, das die Spieler halten müssen. Alle meine Freunde, die ich mal zu einem Turnier auf dem Hartplatz mitgenommen habe, waren beeindruckt. Ich denke, dass Bike Polo wirklich eine Zukunft als ein Sport hat, den man sich gern anguckt. Wann startest du deinen nächsten sportlichen Versuch? Mal sehen, vermutlich gar nicht. Bike Polo ist auch so ein Teil von mir geworden. Ich habe viele Freunde gefunden und die Entwicklung gesehen. Ich bin ziemlich gespannt, wo es hinführt. Im Grunde ist Bike Polo fast mehr als einfach nur ein Sport. Für die Spieler bedeutet es ein Teil ihres Lebens, eine zärtliche Gemeinschaft, in der jeder den anderen unterstützt, in der man gemeinsam spielt, Bier trinkt und auch mal rumhängt. Man kann es so sagen:

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In Bike Polo steckt viel SchweiĂ&#x;, Blut und Liebe ...

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DESIGN Quality Magazin No. 16 – Juli/August 2011

CoolEr raDElN

Bislang galt: Wer in der Stadt von A nach B kommen will, aber weder Lust auf Parkplatzsuche, öffentliche Transportmittel noch auf Umweltverschmutzung hat, der muss Fahrradfahren. Eine neue Konzeptstudie von Mini zeigt, dass es auch anders geht kann. von Hannah Bauhoff

S

teig auf Dein Rad und fahr davon – beginnt der Song von Christoph Busse, mit dem Kinder in den Siebzigern während der Sesamstrasse in den Schlaf gesungen wurden. Doch bislang war Fahrradfahren eine schweißtreibende Angelegenheit und ähnelte bei weitem nicht dieser propagierten Leichtigkeit. Jeder, der morgens frisch geduscht und schick gestylt auf einem Mountainbike oder Rennrad durch die Stadt cruiste, hatte beim Betreten des Büros ein Problem: Beim Strampeln zum Arbeitsplatz mutierten Anzug oder Bluse zu klebrigen Lappen. Besonders unangenehm: Die dunklen Schweißflecken unter den Achselhöhlen. Kein Deo und auch keine Extraladung Parfum konnte das Gefühl vertreiben, stinkend und klebrig in den Tag zu starten.

lers mit Leichtigkeit. Ein sanftes Motorengeräusch erklingt, wenn es den Bergauf geht, munteres Klackern der Pedalen beim Bergabfahren. Das Beste daran: Mit diesem kleinen, wendigen Transportmittel bleibt das morgendliche Frischegefühl – egal, wie lang der Arbeitsweg ist.

Ein Blick nach Kopenhagen zeigt, wie schön das Radfahren in der Stadt sein kann – gute gestaltete Fahrräder kommen aus der dänischen Hauptstadt. Der Anteil des Fahrrads liegt schon heute bei rund 40 Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens, bis zum Jahr 2015 sollen es 50 Prozent sein. In Kopenhagen gilt ein schickes Stadtfahrrad bereits mehr als ein ausgefallenes, teures Auto, dem die Radfahrer auf eigenen Trassen samt grüner Welle und einem Durchschnittstempo von 20 Stundenkilometern in der Stadt weit überlegen Inzwischen sind gut dreißig Jahr ver- sind. Kurzum: Das e-bike ist zum neuen gangen, und es hat sich in Sachen cooler Statussymbol avanciert. Radeln einiges getan – Klimakatastrophe sei dank, muss man fast spöttisch hinzufüDas hat auch Architekt und Vordenker gen. Technologische Innovationen sowie Hadi Therani erkannt – und schon ist eine der Ausbau elektrischer Antriebe haben neue Idee geboren. „Mein Fahrrad ist seit einen völlig neuen Fahrradtypen entstehen lassen: Das e-bike. Diese elektrisch angetriebenen Zweiräder sind Zwitter, denn sie kombinieren Muskel- und Motorkraft. Weder Hügel noch Gegenwind sind ein Problem, denn das e-bike überwindet die bislang ärgsten Feinde eines Stadtrad-

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zwanzig Jahren ein Rad des dänischen Designers Jan Herskind, dessen Form noch heute Gültigkeit hat“, so Teherani. „Darum kam mir sehr schnell der Gedanke, ein e-bike zu entwerfen, dem man diese motorische Unterstützung nicht ansieht. Nur so kann es in meinen Augen bei der zeitlosen Schönheit eines Fahrrads als sportliches Fortbewegungsmittel bleiben.“ In einer alten Fabrikhalle in Hamburg tüftelten der Hamburger Häuserbauer und der Däne an den ersten Prototypen: Herausgekommen ist ein filigranes, leichtes Rad mit normalem Lenker, das formal an ein Rennrad erinnert, sich aber sowohl in der Stadt als auch für Ausflüge am Wochenende eignet. Der Akku ist am Lenker, in dem auch das iPhone als Tacho und Navigationsystem integriert ist. „Man kann die Akku-Tasche sehr leicht abnehmen, um sie im Büro, zu Hause oder wo auch immer ohne jeden Aufwand aufzuladen“, erklärt Teherani den Aufbau des Rades, der unabhängig von technologischen Neuerungen ist. Denn „genauso leicht lässt sich damit auch die Akku-Technik den neuesten Entwicklungen anpassen. Sollte sich die Batterietechnik einmal revolutionär verändern, bleibt das e-bike mit dem vom Rahmen völlig unabhängigen Akku zukunftssicher.“


e-biken Fotos © HADI TEHERANI

Das grün-weiße Modell mit silbernen, in Kunststoff geschliffenen Schutz-Blechen hat Rücktritt und eine 2-GangRücktritt-Duomatic-Schaltung. Es ist 16,5 Kilogramm leicht und schafft – wenn man kräftig in die Pedale tritt – eine Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde. Wer den Motor anwirft, flitzt mit 40 bis 50 Stundenkilometern durch die City. Das markante Rad, was es sowohl in einer Damen- und als Herrenausführung gibt, wird in diesem Sommer in einer limitierten Auflage produziert. 200 Stück kommen zum Preis von 2950 Euro auf den Markt. Garantie auf den 28” Sport-gemufft-CroMo-Stahl-Rahmen gibt es zehn Jahre, auf die Technik und den Akku zwei Jahre. Den Kindern aus den Siebzigern erscheint es vielleicht, als wäre ein Traum wahr geworden, Denn damals war das luftig-leichte Alltagsradeln Illusion – nun ist es Realität geworden. 31


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M it Ihrem Unternehmen bieten Sie Autosammlern weltweit einen einzigartigen Service (Expertisen, Beratung, Finanzierung). Wie weit geht da Ihr privater Einsatz für das Auto? Sind Sie für Ihre Kunden rund um die Uhr erreichbar? Es gibt keine Beschränkungen auf bestimmte Wochentage, an denen ich arbeiten muss. Bin immer einsatzbereit. War gerade beruflich in England, danach war Party. Mein Business ist ein sehr gesellschaftliches Business. Die meisten Kunden sind oder werden meine Freunde, mit denen man gerne auch freiwillig seine Zeit verbringt.

Wieviele Autos besitzen Sie persönlich und wieviele Garagen dazu? Ich besitze zur Zeit weniger als zehn Autos, darunter ein Mercedes, ein Lamborghini. Meine Garage ist groß genug. Darin stehen auch Möbel, damit ich mich dort auch gemütlich mit einer Zigarre hinsetzen kann, um meine Autos in Ruhe zu betrachten.

Wie sieht die perfekte Garage aus? Eine davon ist hier in Genf. Komplett aus schwarzem Marmor, vom Boden bis zur Decke, und sie ist unterirdisch, darin stehen 80 rote Ferraris! Für mich wäre die perfekte Garage, eine die in einen Fels gehauen ist, eine fanstastische Vorstellung! Die Garage sollte vor allem zum Auto passen, groß genug sein. Wer will denn erst mal ein paar Autos wegfahren, um an den Wagen zu kommen, den man gerade fahren will. Ich bin der Meinung, wer sich keine gute Garage leisten kann, solte sich auch nicht so ein wertvolles Auto kaufen. Was ist der zur Zeit begehrteste Oldtimer weltweit, und wer hat ihn? Das ist der Bugatti Atlantic, diese Skulptur auf zwei Rädern wurde nur zwischen 1936 und 38 gebaut und existiert nur noch zwei Mal auf diesem Planeten. Den einen besitzt Ralph Lauren, der andere wurde gerade für 30 Millionen Dollar ersteigert. Gibt es noch ein Auto, das Sie unbedingt haben wollen? Es ist immer wieder ein Neues. Die Jagd nach dem perfekten Auto ist da eine fortwährende unendliche Herausforderung. Kommt es vor, dass Sie Ihre Sammlerstücke auch wieder verkaufen oder wird die Sammung einfach immer nur größer? Nur ab und zu verkaufe ich. Und das auch nur, wenn ich Geld für ein anderes Auto brauche, was ich zu diesem Zeitpunkt mehr begehre. Aber in der Regel sind die Autos lange in meinem Besitz. Man muss ein Auto eine zeitlang besitzen, damit es einen befriedigt. Es ist wie bei einer Frau, wenn man eine Frau kennenlernt, da braucht es auch einige Erfahrungen, um die Stärken und Schwächen kennen- und lieben zu lernen.

Talbot Lago T26GS Coupé, 1948

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Ab und zu verkaufe ich. Und das auch nur, wenn ich Geld f端r ein anderes Auto brauche, das ich zu diesem Zeitpunkt mehr begehre.

Alfa Romeo TZ2 Berlinetta, 1965


Fiat Stanguellini 1200, 1957


W ie kommt Ihre Frau mit Ihrer großen Leidenschaft klar? Wir haben uns bei Bonhams kennengelernt. Und in diesem Business hat man es tagtäglich mit den Leidenschaften der Menschen für Kunst, Automobile u.ä. zu tun. Was meine Oldtimer betrifft, wäre meiner Frau allerdings ab und zu ein Wagen mit Klimaanlage lieber. Sie lässt sich zwar ab und zu in einem Oldie zum Diner ausführen, aber bei längeren Strecken wäre sie schon über ein neueres Modell froh. Mehr als zwei- bis dreimal die Woche möchte sie in meinen Autos nicht unterwegs sein. Wieviele Oldtimerrallyes im Jahr fahren sie? Zirka 20 Rallyes im Jahr, teils nur als Zuschauer, teils nur als Fahrer. Bei einigen bin ich als Kommentator tätig, insbesondere bei der berühmtem Mille Miglia. Da präsentiere ich die Fahrer und die Autos auf jeder Etappe bis zum Ziel in Brescia. Das ist ganz schön anstrengend, auch wenn es für die Teams natürlich einen viel größeren Aufwand bedeutet. Sie hatten mal die Idee, einen Automobilfond aufzulegen - was ist daraus geworden? Bis jetzt leider nichts! Wir haben eine Machbarkeitsstudie erstellt, sind aber zu dem Ergebnis gekommen, dass sich diese Idee nicht umsetzen lässt. Es liegt auch daran, dass die meisten Liebhaber ein Auto für immer besitzen, gleich kaufen möchten und nicht nur über einen Fond an ihm beteiligt sein wollen und dann mal das Auto ausleihen wollen. Ich war anfangs von dieser Idee elektrisiert, habe aber diesbezüglich bisher kein überzeugendes Konzept gesehen.

Haben sie noch eine andere Sammelleidenschaft, ein Hobby abseits der Oldtimer – etwas wesentlich Kostengünstigeres? Naja, ob das kostengünstiger ist, weiß ich nicht - es geht um Uhren! Ich sammle Uhren, das passt für die meisten Autoliebhaber auch zusammen, es geht um die Faszination für das, was die Franzosen „le belle méchanique“ nennen. Außerdem interessiere ich mich für Musik und Filme. Ich liebe James Bond und Musik aus den Achtzigern. Ich bin mit Bands wie Ultravox und Visage aufgewachsen und liebe deren Lieder noch immer. Damit stehe ich aber leider ziemlich alleine da, weil alle meine Freude diese Musik ganz schrecklich finden. Ich höre sie deshalb meist allein. Womit und wann hat Ihre Leidenschaft für Autos begonnen? Das begann schon sehr früh als Kind und wurde mir von meinem Vater mit in die Wiege gelegt. Mein Vater ist schon im Jahr 1910 geboren und hatte immer schon ein Faible für Sportwagen und ist auch Rallyes gefahren. In den 1920er Jahren hat er sich seinen ersten Bugatti geleistet, er hatte immer die neuesten Modelle. Es durfte nie ein Luxuswagen sein, die Autos mussten alle schnell, heiß und unkomfortabel und eng sein. Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir mit einem solchen für eine Reise völlig ungeeigneten Fahrzeug in den Urlaub gefahren sind und ich mit meinen Geschwistern auf der Rückbank rumrumpelte. Das erste Auto, dass sie sich gekauft haben? Mein erstes Auto war ein Fiat 500, den bekan ich von meinem Vater geschenkt als ich 12 Jahre alt war, um mit ihm das Fahren zu lernen. Mit 18 Jahren habe ich mir mein erstes eigenes Auto gekauft, einen Alfa Romeo Spider.

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Welche waren bisher die verrücktesten Wünsche Ihrer Kunden? Das ist eine sehr gute Frage, auf die ich gerade keine Antwort habe: Es gab schon einige Verrücktheiten und nach normalen Maßstäben ist es ja schon verrückt genug, für ein Auto 30 Millionen Dollar hinzublättern. Aber da ist es wie auf dem Kunstmarkt. Da fragt man sich auch, wo hört das Genie auf, wo fängt der Wahnsinn an. Das gilt für die Künstler sowie den Sammler gleichermaßen. Die Sammlergemeinde - kennen sich alle untereinander, hält man Kontakt miteinander? In den letzten 20 Jahren hat sich die Szene vertieft und weiter vernetzt - auch aufgrund der Internetvernetzung. Natürlich kennt man sich und ist auch befreundet. Darunter gibt einige, die ihre Sammelleidenschaft sehr nach außen tragen, aber auch ganz viele, die den Kauf neuer Sammlerstücke ganz diskret haben wollen, das ist dann nicht für die Öffentlichkeit bestimm. Welchen Prominenten haben Sie schon zum Traumauto verholfen? Na ja, die Promis, die sich an mich wenden, gehören eher zu der Sorte der diskreten Käufer, es waren schon zahllose bekannte Leute darunter. Wen ich hier sicher nennen darf, sind US-Talkmeister Jay Leno und Rowan Atkinson alias Mr. Bean. Vor diesen beiden habe ich sehr hohen Respekt, weil sie nicht nur ihr Geld für ein Auto ausgeben wollen, sondern sich unglaublich gut auskennen und die Ästhetik eines Wagens wirklich wertschätzen können. Welches Land hat die meisten Sammler bzw. Oldtimer? An erster Stelle die USA, dann England, an dritter Stelle Deutschland, dann Italien. Mr. Kidston, danke für das Gespräch. 78

Ferrari 375 America, 1955


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Fotos von Gudrun Muschalla

Good old

Wo od Youngtimer und Oldtimer erleben aktuell einen Boom. Altehrwürdige, analoge Autotechnik steht hoch im Kurs. Diverse Veranstaltungen weltweit buhlen um die Gunst der Ritter des edlen Geschmacks. Aber nur eine kann von sich behaupten, Adel, Autos und Ambiente in höchster Perfektion zu bieten: Das Goodwood Revival auf dem weitläufigen Gut von Lord March in Chichester. von Josef Clahsen


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scot – en se promene beim jährlich ausgetragenen Event. Es geht um Pferde und die Stärke der Pferde in dem Pferderennen, das seit 1711 ausgetragen wird. Man kennt sich, man trifft sich jedes Jahr wieder, man wettet, rührt mit dem Titanquirl die feinen Bläschen aus dem Champagner und übt die gepflegte Konversation in Queen’s Englisch. Geld spielt keine Rolle. Wer es bis in die erlauchten Kreise von Ascot schafft, der hat es längst geschafft. Knapp sechzig Kilometer weiter westlich in West Sussex geht es ähnlich nobel zu. Hier residiert Charles Henry Gordon-Lennox, Earl of March and Kinrara, 10. Duke of Richmond, 10. Duke of Lennox and 5. Duke of Gordon auf einem Latifundium, das etwas größer ist als der deutsche Stadtstaat Bremen. Es sind 48,5 Millionen Quadratmeter plus minus ein paar mehr oder weniger. Auf dem Besitz derer von Goodwood hatte dereinst die Royal Airforce einen Stützpunkt eingerichtet, der nach dem Weltkrieg zunächst brach lag. Aber da schon der Vater des in der Automobilszene nur als „Lord March“ bezeichneten Adeligen ein Autonarr war, begannen sehr bald auf dem weitläufigen Gelände erste Rallyes und private Rennen stattzufinden. Und der junge Lord war vom gleichen Virus infiziert: schnelle Autos, schnelle Rennen.

Wer aber über ein so umfangreiches Grundstück verfügt und über eine Rennstrecke, die den Charme der 50er verströmt, der muss einfach handeln. Im Jahr 1993 kam Lord March auf die Idee, ein Festival of Speed auszurichten. Oldtimer mit einer langen Renngeschichte, Youngtimer, aber eben auch Formel 1 Boliden traten auf einem kurzen Parcours zum Speed-Vergleich an. Fünf Jahre später rief der Lord ein weiteres Highlight ins Leben: das Goodwood Revival. Unter dem Rubrum der Wiederbelebung, Erneuerung oder Wiedererweckung werden seither all jene geladen, denen Pferde entweder zu langsam sind oder aber Ascot zu versnobt ist. Beim Revival in Goodwood geht es natürlich auch um Adel, Geld und Stärke, aber selbstredend sind die Stärken der Pferde unter Motorhauben angesagt. Und der Adel rekrutiert sich neben dem gebürtigen Adel des Lord und seiner Entourage auch aus in den Adelstand erhobenen Motorsportlern. An erster Stelle ist hier Sir Stirling Moss zu nennen, eine Legende des Motorsports, die auch im Alter von mehr als 80 Lenzen immer noch den Rennoverall überzieht, um sich mit Verve und einem „Twinkle in the eye“ auf den Rundkurs in Goodwood zu stürzen. Auch Sir John Surtees ist gern gesehener Gast in Goodwood House, wie auch der mehrmalige Formel 1 Weltmeister aus Schottland, Sir Jackie Steward. Neben diesen noblen Herren der Rundkurse werden auch andere Namen der Branche wiederbelebt: Karl-Heinz Kalbfell, ehemaliger CEO von Maserati und zurzeit beim deutschen Hersteller Artega in Diensten, ist Motorrad-Aficionado, der gerne einmal auf einer Matchless um den Kurs prügelt. Jochen Mass, deutsches Urgestein und Fernsehkommentator, nimmt in Goodwood auch sehr gerne beim Revival einmal „das Messer zwischen die Zähne“ und lässt es auf dem kleinen Rundkurs kräftig brennen. Auch Jacky Ickx, das belgische Nationalidol und Renn- wie Rallye-Legende, ist oft mit von der Partie, wenn es im September eines jeden Jahres heißt:

Gentlemen, Start Your Engines.


Kurzum: Wer in Sachen Automobilrennsport jemals auf dem Treppchen gestanden ist und nie in Goodwood war, der hat es entweder nicht heil durch alle seine Rennen geschafft, oder er ist kein richtiger Racer. Denn in diesem Olymp des Altruismus und der aufheulenden Verbrennungsmotoren wird nicht mit Pretiosen aus alter Zeit eine Parade abgehalten, es wird gefightet wie zu den besten aktiven Zeiten. Dabei kann es durchaus schon einmal vorkommen, dass in der Schikane am Ende der Start-Ziel-Geraden ein Ford GT 40, ein seltener Ferrari oder eine Motorradrarit채t um ein paar Zentimeter verk체rzt und im Wert um einige Hunderttausend Pfund reduziert wird.

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werden alte Geschichten zum zigten Mal erzählt und es wird gefachsimpelt: über Technik, über Politik, über Frauen und über geistige Getränke. In diesem Gewusel aus Menschen. Maschinen und Manierismen sitzen vereinzelt Künstler, die in aller Seelenruhe mit Aquarellfarben die alten Boliden aus den 50ern zu Papier bringen. Und für das leiblichen Wohl sorgen neben den üblichen Essständen auch die Halls of fame mit dem reichhaltigen Getränkeangebot. Und ein weiterer Stand mit entsprechend aus-

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as Schöne daran ist der Kult drum herum. Denn Revival, da sind sich die Briten einig, muss standesgemäß zelebriert werden. Die Besucher des „Events“ sind angehalten, sich in einer Kleidung auszustaffieren, die dem Zeitgeist der Fünfziger entspricht. Petticoats, Pillhütchen, enge Kostüme oder schrille Neonfarben, alles ist erlaubt, wenn es den Spirit der Wirtschaftwunder-Ära entspricht. Die Herren tragen Tweed, Knickerbockers und Hüte. Oder auch mal enge Wämschen, je nach Figur. Ob jung oder alt, spielt keine Rolle, man ist „entre nous“ und will eine Menge Spaß haben. Auf den Parkplätzen des weitläufigen Areals stehen die entsprechenden Transportmittel: Vom wunderschön restaurierten VW Bulli Samba, über Rolls Royce aller Schattierungen und Baujahre, Bentleys, Austin Healeys, Jaguar – das komplette Who’s who der Autogeschichte. Alle – bis auf wenige Ausnahmen – in tadellosem Zustand. Und alle auch beladen mit den Ikonen eines britischen Volksfestes: Tische, Champagnerkühler, Stühle, Decken und dem edlen Picknickkorb. Denn nach den Rennen ist nicht, wie im Rennsport, vor dem Rennen, sondern nach dem Revival ist Genusszeit. Man kennt sich auch hier ein wenig, man kommt regelmäßig, verabredet sich, genießt und feiert zusammen. Vor der Abschlussfeier ist das Goodwood Revival durch die Nähe gekennzeichnet, die in den 50ern auch dem Rennsport hold war. In den überdachten Boxen, wo ölverschmierte Hände, infernalisches Motorengebrüll und reichhaltige, weil hochoktanige Auspuffgase die Szene beherrschen, haben auch die Besucher in ihrem feinen Outfit Zutritt. Es werden freudig Hände geschüttelt, es

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staffierten Milchverkäuferinnen für ein swinging Ambiente. Nicht zu vergessen: Ein Friseurladen ist mittenmang im Infield des trubeligen Getöses auch noch im Angebot. Stilvoll und im Zeichen des Fifties gehen die Herren in rot-weiß gestreiften Westen ihrem Gewerbe nach. Für Motorrad-Fans wird ebenfalls die gesamte Geschichte der englischen Motorradbaukunst in teils zerlegtem Zustand zelebriert. Norton, BSA, Matchless eine ganze Armada von Modellen für den Renneinsatz und als Schaustücke feinster Restaurierungskunst sind angeboten. Dazwischen flanieren Mütter mit hochrädrigen Kinderwägen, Artisten, Feuerschlucker, Ladies und Gentlemen in feinstem Tuch. Wäre die Szenerie ein Bild eines rennomierten Malers, müsste es wohl in der Pinakothek hängen. Aber so wie es ist – live, in Farbe und wild gemischt – kann es eigentlich nur in England und nur in der Nähe von Goodwood House stattfinden.


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enn die Rennen gerannt sind, die Fahrzeuge wieder in der Box und mit Planen abgedeckt, teilt sich die Besucherschar in zwei Gruppen. Das „gemeine“ Volk feiert noch ausgelassen auf den Parkplätzen und Wiesenflächen, während die „chosen few“ sich in ihre Hotels begeben, um sich für den abendlichen Event herauszuputzen. Lord March, ganz sicher kein Kind von Traurigkeit, lädt abends zum Champagner-Empfang in Goodwood House. Bei fein perlenden Getränken perlen auch die Gespräche über bestens gepflegte Rasenflächen und durch die mit alten Gemälden ausgestattete Halle. Es hat so ein kleines bisschen von Ascot, wenn die Damen und Herren der feinen Gesellschaft ihren Rolls-Royce und Bentleys, aber eben auch BMW 7 in Langversion entsteigen, um zu feiern. Es soll aber auch schon verrückte Momente gegeben haben. Ein Gast – der Name ist unwichtig – soll mit einem alten Motorrad nach Goodwood House angereist sein. Sein Speed war wohl etwas zu optimistisch gewählt und die Funktion der Bremse nicht optimal. Mit dem überschüssigen Schwung soll er direkt in die Halle und die Treppe hoch in den ersten Stock gefahren sein, ohne sich ernsthaft zu verletzen. Das ist Revival at its best:

Die Wiederbelebung der alten, wilden Zeit.

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... das komplette Who’s who der Autogeschichte.

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