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Ein Interview mit Dr. Rüdiger Wolter Wissenschaftlicher Oberrat Umweltbundesamt

Was sind aus Ihrer Sicht die drei Hauptgründe, Grundwassermonitoring zu betreiben?

Benzotriazole

Benzotriazole finden breite Verwendung als Korrosionsschutz in Enteisungsmitteln und in Kühlflüssigkeiten sowie Schmierstoffen von Motoren. Eine wichtige Quelle für ihren Eintrag in die aquatische Umwelt sind Geschirrspülmittel, die diese Substanzen als Silberschutz für Besteck enthalten. Benzotriazole sind gut wasserlöslich, jedoch schwer abbaubar. Die Konzentrationen im kommunalen Abwasser liegen im Bereich von 2 bis 13 µg/l. In der Tendenz wird 5-Methylbenzotriazol in der Kläranlage am besten entfernt, dann folgen 1H-Benzotriazol und 4-Methylbenzotriazol. Es gibt keine Schwellenwerte oder Grenzwerte für Grund- bzw. Trinkwasser. Häufig werden die für Trinkwasser abgeleiteten GOW für die Bewertung des Grundwassers herangezogen. Bei den 57 „Verdachtsmessstellen“ konnten in fast der Hälfte der Fälle ein bis drei Verbindungen nachgewiesen werden, am häufigsten 1H-Benzotriazol, gefolgt von 4-Methylbenzotriazol und 5-Methylbenzotriazol.

Das Grundwassermonitoring dient zunächst dazu, einen Überblick über die Beschaffenheit des Grundwassers, insbesondere auch der Höhe und Verteilung von Belastungen zu bekommen. Außerdem sollen frühzeitig Gefährdungen für bestimmte Nutzungen, z.B. die Trinkwassergewinnung aber auch für empfindliche Ökosysteme, erkannt werden, um durch geeignete Maßnahmen gegensteuern zu können. Des Weiteren soll beobachtet werden, ob Maßnahmen zur Verringerung bzw. Vermeidung von Belastungen wirksam sind. Schließlich sind die Monitoringergebnisse zur Erfüllung von Berichtspflichten gegenüber dem Bund oder der EU erforderlich. Es sind dies z. B. Berichte entsprechend der Nitratrichtlinie oder über die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie. Wie fließen die Ergebnisse aus dem Monitoring in die politische Arbeit des Bundes ein?

Die Monitoringergebnisse haben eine sehr große politische Bedeutung nicht nur für den Bund, sondern auch für die Bundesländer und die Europäische Union. Daten über Pflanzenschutzmittel-Belastungen werden z. B. aktuell vom Bund für die Zulassung von Pflanzenschutzmittel genutzt. Mit den Nitratdaten hat der Bund gegenüber der EU-Kommission zu belegen, dass die eingeleiteten Maßnahmen ausreichend sind, um die Vorgaben der EU zu erfüllen. Auch in der aktuellen politischen Diskussion über den Umgang mit „nicht relevanten Metaboliten“ und „Arzneimitteln in Gewässern“ spielen Monitoringdaten eine wichtige Rolle. Wann und in welcher Angelegenheit hatten Sie erstmals Kontakt zum Grundwassermessnetz Baden-Württemberg?

Kontakt zum Grundwassermessnetz in Baden-Württemberg hatte ich bereits in den 1980er Jahren durch die fachliche Begleitung des Vorhabens „Modellhafte Einrichtung eines Grundwassermessnetzes in einer ausgewählten Region (Modell Karlsruhe)“. In diesem Projekt wurden eine ganze Reihe von Untersuchungs- und Auswertemethoden entwickelt und neue Analysemethoden eingesetzt. Durch Modellierungen wurden die Einzugsgebiete von Messstellen besser abgegrenzt und die Beziehungen zwischen Landnutzung und Grundwasserbeschaffenheit deutlich gemacht. Ich denke, dass diese Ergebnisse noch heute von großem Nutzen sind.

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30 Jahre Monitoring 27

LUBW 30 Jahre Grundwassermonitoring  
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