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Diese Stoffklasse blieb lange Zeit mehr oder weniger unbeachtet, bis PFOA und PFOS im Sommer 2006 in Nordrhein-Westfalen die Schlagzeilen gelangten. In der Folge wurden 2006 im Grundwassermessnetz risikobasiert Messstellen ausgewählt. Da Einträge meist über den Abwasserpfad erfolgen, kamen insbesondere abwasserbeeinflusste Messstellen in Frage, bei denen die Stoffe entweder über Lecks in der Kanalisation oder über den Weg Kläranlage– Vorfluter–Uferfiltrat ins Grundwasser eindringen, weil sie im normalen Klärprozess praktisch nicht entfernt werden. Direkte Einträge ins Grundwasser können auch durch versickerte Abwässer im Rahmen von Brandbekämpfungsmaßnahmen mit PFC-haltigen Feuerlöschschäumen erfolgen. Weitere Messkampagnen wurden 2007, 2010, 2013 und 2014 durchgeführt. Ziel war dabei, einen Überblick über Fundhäufigkeit und Konzentrationen an Verdachtsmessstellen zu erhalten. Die meisten Positivbefunde traten bei PFOA, PFOS und PFBS auf, hierbei PFOA und PFOS auch in höheren Konzentrationen. Die Positivbefunde der anderen Verbindungen lagen überwiegend im Konzentrationsbereich zwischen 1 ng/l (Bestimmungsgrenze) und 10 ng/l. Die höchsten Summenwerte lagen bei 300 ng/l. Die GOW wurden in keinem Fall überschritten.

26 30 Jahre Monitoring

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Süßstoffe

Künstliche Süßstoffe werden heutzutage in großen Mengen als Zusatzstoffe in Getränken, Lebensmitteln und Körperpflegeprodukten eingesetzt. Sie sind recht hitzestabil und lange lagerfähig. Sie werden im Körper nicht verstoffwechselt, sondern unverändert über den Urin ausgeschieden. Damit gelangen sie über den Abwasserpfad in die Umwelt. Süßstoffe sind in den bisher im Grundwasser auftretenden Konzentrationen für den Menschen völlig unbedenklich. Die Datenlage zur deren Ökotoxizität ist noch lückenhaft, die Zahl der entsprechenden Studien nimmt derzeit jedoch zu. Cyclamat und Saccharin werden in einer konventionellen Kläranlage zu 90 bis 99 % entfernt, Acesulfam und Suclarose hingegen nur zu 15 bis 30 %. Daher sind die beiden letztgenannten Süßstoffe als Tracer für Abwasser bzw. Abwasseranteile gut geeignet. Es gibt keine Grenz- oder Schwellenwerte für Grundwasser. Bei einer ersten Untersuchung im Mai 2013 an 57 abwasserbeeinflussten Messstellen waren fast überall Süßstoffe nachweisbar. Im Uferfiltrat waren nur noch die schwer abbaubaren Verbindungen Acesulfam und in geringerem Maße auch Sucralose zu finden, im Bereich undichter Kanalisation alle vier untersuchten Stoffe. Insgesamt trat Acesulfam am häufigsten und in den höchsten Konzentrationen auf. Die Konzentrationen lagen meist im Bereich unter 1 µg/l, der Spitzenwert erreichte 11 µg/l.

LUBW 30 Jahre Grundwassermonitoring  
LUBW 30 Jahre Grundwassermonitoring  
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