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Globale Risiken 2013

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Weltwirtschaftsforum in Davos warnt vor dem Risiko erheblicher Einkommensunterschiede. aufbereitet und kommentiert von Helmut Krodel und Peter Schmitt


GLOBALE RISIKEN 2013 DIE WACHSENDE KLUFT ZWISCHEN ARM UND REICH GILT ALS EIN WESENTLICHER AUSLÖSER VON MÖGLICHEN KRISEN.

Foto: Reiner Eckel

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ZUR EINORDNUNG DER RISIKEN Die Welt steht wachsenden Risiken gegenüber, während die anhaltende Finanzkrise die öffentliche Aufmerksamkeit vom Klimawandel ablenkt - und dies gerade zu einem Zeitpunkt, zu dem vermehrt extreme Wetterereignisse gemeldet werden. Eine Konstellation mit potenziell gravierenden Folgen, so das Fazit des Berichts Globale Risiken 2013 des Weltwirtschaftsforums. Der Bericht basiert auf einer Umfrage unter mehr als 1000 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und sozialen Als größtes Risiko werden erhebliche Einkommensunterschiede genannt. Von allen Szenarien werde dieses am wahrscheinlichsten in den kommenden 10 Jahren eintreten. Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich gilt als ein wesentlicher Auslöser von möglichen Krisen. An zweiter Stelle sieht die Studie die chronischen Ungleichgewichte in

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Staatshaushalten. Dieses Ergebnis spiegelt die anhaltende Besorgnis über die Staatsverschuldung wider und erklärt auch den etwas pessimistischeren Ausblick auf die nächsten 10 Jahre. Platz drei belegen die steigenden Treibhausgasemissionen. Der Bericht verweist hier auf die „verheerenden Extremwetterereignisse, vom Tropensturm Sandy bis zu Über-

Organisationen zu den 50 globalen Risiken in den Kategorien Wirtschaft, Umwelt, Geopolitik, Gesellschaft und Technologie. Laut dem neuesten Bericht (8. Ausgabe, 2013) seien 2013 viele Risiken gegenüber 2012 gestiegen. Die Befragten schätzen insgesamt sowohl die Eintrittswahrscheinlichkeit der von ihnen genannten Krisenszenarien in den kommenden 10 Jahren als auch die möglichen Folgen höher ein, als noch im letzten Bericht. schwemmungen in China“ im vergangenen Jahr. „Die mangelnde Anpassung an den Klimawandel wird als das Umweltrisiko genannt, das im kommenden Jahrzehnt die gravierendsten Folgewirkungen haben wird.“ Auf Platz vier wird, als größte gesellschaftliche Gefahr, die zunehmende Wasserknappheit in vielen Ländern der Erde genannt

– kaum ein anderes Risiko könne ähnlich dramatische Folgen haben. An fünfter Stelle steht ein falscher Umgang mit der alternden Bevölkerung. Darunter, so der Bericht, sei ein Versagen bei der Reaktion auf wachsende Kosten und gesellschaftliche Herausforderungen durch den demographischen Wandel zu verstehen.


„Diese globalen Risiken sind im Wesentlichen ein Alarmsignal unserer wichtigsten Systeme“, warnt Lee Howell, Herausgeber des Berichts und Managing Director des World Economic Forum. „Die nationale Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Risiken muss Priorität erhalten, damit kritische Systeme auch im Falle einer massiven Störung funktionsfähig bleiben“, fügte er hinzu. Der Bericht Globale Risiken 2013 analysiert auch drei Risiko-Fallbeispiele hinsichtlich ihrer nationalen und globalen Tragweite:

1. Gesundheit und Hybris Im Gesundheitsbereich wurden große Fortschritte erzielt, doch gerade das scheint zu einer gefährlichen Selbstzufriedenheit weltweit geführt zu haben. Die zunehmende Antibiotikaresistenz könnte das überlastete Gesundheitssystem an den Abgrund treiben, während sich Pandemien aufgrund der engen Vernetzung weltweit rasend schnell ausbreiten können. Die Risikofallstudie illustriert die Verbindung zwischen Antibiotikaresistenz, chronischen Krankheiten und dem Versagen des internationalen Regulierungsrahmens zu geistigem Eigentum. Die Botschaft, die uns diese Fallstudie mitgibt, lautet `mehr internationale Zusammenarbeit und innovative Finanzierungsmodelle´.

2. Wirtschaft und Umwelt unter Stress Drängende sozio-ökonomische Risiken haben dazu geführt, dass die Bemühungen, den Klimawandel in den Griff zu bekommen, nachlassen. Eine verzerrte Wahrnehmung ist die Hauptursache dafür, dass sich die internationale Gemeinschaft trotz jüngster

extremer Wetterereignisse dagegen sperrt, sich mit dieser langfristigen Gefahr auseinanderzusetzen. In einer Zeit, die von strukturellen Veränderungen in Wirtschaft und Umwelt geprägt wird, widmet sich diese Fallstudie neuen Ansätzen, wie die notwendigen strategischen Investitionen realisiert werden können, um die Worst-Case-Szenarien beider Systeme abzuwenden.

3. Digitale Flächenbrände Von der Druckerpresse bis zum Internet war es schon immer schwierig vorherzusagen, wie neue Technologien die Gesellschaft verändern. Die Demokratisierung des Zugangs zu Informationen ist grundsätzlich positiv. Dennoch kann sie auch destabilisierende und unvorhersehbare Folgen haben, wie wir an den Aufständen sehen konnten, die ein islamfeindlicher Film auf YouTube ausgelöst hat. Während die traditionelle Wächterfunktion der Medien erodiert, analysiert diese Fallstudie, wie die Vernetzung die Ausbreitung `digitaler Flächenbrände´ ermöglicht und wie wir diese Brände löschen können. In einem Spezialbericht werden neue Eckpunkte zur Bewertung der Widerstandsfähigkeit auf nationaler Ebene formuliert, die es der Politik erlaubt, Fortschritte zu messen und zu vergleichen. Sie basiert auf dem Verständnis, dass keine Nation allein exogene globale Risiken verhindern kann, weshalb nationale Widerstandsfähigkeit zum wichtigsten Verteidigungsmechanismus wird.“ (World Economic Forum, news release Globale Risiken 2013)

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DRÄNGENDE SOZIO-ÖKONOMISCHE RISIKEN HABEN DAZU GEFÜHRT, DASS DIE BEMÜHUNGEN, DEN KLIMAWANDEL IN DEN GRIFF ZU BEKOMMEN, NACHLASSEN.

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Foto: Angell Williams (flickr.com)


Entwicklung der Risikolandschaft Welche Veränderungen in der Rangfolge stattfinden, zeigt die Liste der wichtigsten Risiken aus der jährlichen Befragung zum Thema Risikowahrnehmung. Die folgenden Abbildungen zeigen die Veränderungen über die vergangenen sieben Jahre.

Abbildungen: Die fünf wichtigsten globalen Risiken nach Auswirkung und Wahrscheinlichkeit, 2007-2013 Quelle: World Economic Forum, Global Risk Report 2013, S.12

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tion 1

The narrative emerging from the survey is clear: like a super storm, two major systems are on a collision course. The resulting interplay between stresses on the economic and environmental systems will present unprecedented challenges to global and national resilience. Ein Unternehmen der

Impressum

Germany United Kingdom France Belgium Iceland United States Ireland Portugal Italy Japan Greece

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Gross debt (% of GDP)

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Required adjustment (% GDP)

Source: Adapted from IMF Fiscal Monitor, 2012 as cited in Global Economic Prospects: Managing Growth in a Volatile World. June, 2012. Washington DC: World Bank.

The current eurozone instability will continue to shape global prospects in the coming years.5 The associated risk of systemic financial failure, although limited, cannot be completely discarded. Given the anti-austerity protests across the eurozone, the election of “rejectionist” governments could lead to further economic paralysis and bring the eurozone crisis to a head,6 potentially destabilizing the global financial system in which confidence is already waning.7

Section 5

This persistent global economic fragility continues to divert our attention from longer-term solutions by limiting the availability of public resources and generating greater caution in use of scarce funds for strategic investment projects. There are other looming issues related to ongoing prescriptions to counter economic malaise. Will the massive quantitative easing undertaken by key central banks to stave off deflation inevitably lead to destabilizing

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The fact remains that today’s massive socio-economic challenges demand immediate attention, yet availability of public resources is limited – especially to finance efforts to avert the long-term effects of climate change, which, in turn, could severely disrupt the global economy. We face a daunting negative feedbackQualifizierungsförderwerk loop. The logic of risk management Herausgeber: Chemie GmbH prescribes that countries should invest today to safeguard Eisenbahnstraße 3 critical infrastructure and centres of economic activity against 06132 Halle / Saale future climate-related losses that could be of much greater Text: And there Helmut Krodel, Schmitt magnitude. is an evenPeter more compelling political logic to do this in order to generate new employment and to revive Gestaltung: QFC, Reiner Eckel economic growth as soon as possible. But investment in strategic infrastructure is more easily said than done, despite the short- and long-term benefits.1 New approaches are needed that are based on a meeting of minds across varied professions, sectors and geographies; a capacity to act decisively is also needed, despite considerable uncertainty about what the best plan of action might be. Hesitating to act now will only add to the burdens of the next generation.

Philippines Thailand Mexico Argentina Kenya Malaysia Morocco Pakistan Brazil India Jordan

Section 2

Will countries be able to address complex challenges unfolding on very different time scales simultaneously? A cynic may argue that any future environmental loss could actually have a stimulative economic effect – this is the same rationale used to criticise GDP-driven growth policies, whereby the reconstruction following a massive earthquake can boost overall GDP over the long term. However, this view ignores two realities. First, more people reside and work in urban areas than ever before in human history – this concentration will continue and is likely to drive environment-related losses to even greater historic highs. Second, the existing debt levels of many major economies can be unsustainable. Given this fiscal constraint, we are witnessing the use of extraordinary monetary policies to stimulate global growth, which some argue are essentially experimental.

Figure 8: Further Required Deficit Reductions for Fiscal Sustainability (2011)

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CSR Info 26-2013  

Die aktuelle CSR Info befasst sich mit dem Bericht des Weltwirtschaftsforums über globale Risiken.

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