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Zeit Ausgabe

Ökonomische Zeitenwende?

Globaler Kampf um Erdöl

Neues Zeitalter für Ostafrikas Architektur

Wie eine Zukunft ohne Wirtschaftswachstum aussehen könnte

Friedensforscher Daniele Ganser über Erdöl und globale Rohstoffkriege

ANZA schafft eine Plattform, damit Architektur endlich zum Thema wird

806003 771661 9

März / April 2012 Heft-N˚36 | Jahrgang 07 Kosten CHF 9,50 Web punktmagazin.ch

36

wirtschaft ist mehr.


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Editorial No 36 / 2012 März/April

Cover N 36

Ausgabe: Zeit

o

Fotografie

Boris Gassmann

Postproduktion Fabian Widmer

K

eine Zeit. Eine trostlose Wortkombination, nicht?­ Und doch liegt sie uns ständig auf der Zunge. Zeit läuft zwar immer weiter und kann uns darum nie ausgehen, ist aber trotzdem die knappste­aller Ressourcen. Um dieses Dilemma

zu entschärfen, wurde Zeitmanagement erfunden. In der Theorie funktioniert das ganz gut. Praxis­tauglicher ist das Eisenhower-Prinzip: «Wichtige Aufgaben sind selten dringend und dringende Aufgaben sind selten wichtig.» Werden auch Sie «Meister der Zeit» (S. 22).

Besonders wichtig ist ein guter Umgang mit Zeit

für Freischaffende, die einen sicheren Arbeisplatz gegen mehr Freiheit getauscht haben. Trotz vieler Stolpersteine: Der Wortteil «frei» macht es aus. Erfahren Sie, wie Freelancer «Die neue Freiheit gestalten» (S. 28).

«Die Erde dreht sich nicht schneller» (S. 04), aber

dafür alles andere, hat man oft das Gefühl. Nicht nur die Arbeitsformen verändern sich, die ganze­Welt tut es. Und das mit einer halsbrecherischen Geschwindigkeit. Gegensteuer geben muss jeder für sich.

Apropos müssen: Wirtschaft muss wachsen. ­Sagt

man. Doch das Bruttoinlandprodukt als Wohlstandsmesser steht in der Kritik. Um unsere Lebensqualität­ adäquat abzubilden, ist es zu eindimensional. Da der Westen in Zukunft zwangsweise mit weniger Wachstum auskommen muss, schafft das Raum, neue Modelle zu diskutieren. Wird aus der Not eine Tugend? Folgt gar eine «Ökonomische Zeitenwende?» (S. 16).

Und wie gehetzt ist Ihr persönliches Umfeld?

Finden Sie es heraus, indem Sie einen Freund fragen: ­«Gehen wir Kaffee trinken? Ich habe Zeit, und du?» Die wirklich Reichen antworten: «Klar! Wo treffen wir uns?»

In eigener Sache: Wir haben uns Zeit genommen,­

PUNKT weiter zu verbessern. Ein aufgefrischtes­Layout, neue Rubriken und gesteigerter Lesefluss dank einfacherer ­inhaltlicher Strukturierung erwarten Sie.

PUNKTmagazin Zeit

3


«Zeit» in Zahlen

Datenmengen

Die Erde dreht sich nicht schneller

Die weltweiten Datenmengen wachsen rasant, Tag für Tag 2005 2011 2020

350

35 Zettabytes (7,7 Billionen DVD)

+1840%

mehr

Zwischen 2005 und 2020 wachsen die Datenmengen um das 350-fache. Die weltweiten Datenmengen entsprechen dann

Auf die Erde ist Verlass: Seit fast 4,6 Milliarden Jahren dreht sie sich in knapp 24 Stunden einmal um ihre eigene Achse. Die Geschwindigkeit der

7,7

2011 >>> 2020

DVD

Billionen

Kreisbewegung am Erdäquator beträgt somit durchschnittlich 434 Meter pro Sekunde. Was nur schon in einer von täglich 86 400 Sekunden passiert, ist bemerkenswert.

Da werden zum Beispiel zwölf Computer ge-

kauft – und 630 Kilogramm Elektroschrott ent-

1 Exabyte = 1’000’000’000’000’000’000 bytes ( = 222 Mio. DVD)

1,8 Zettabytes 114 Mio.

1 Zettabyte = 1’000’000’000’000’000’000’000 bytes ( = 222 Mrd. DVD)

100 Exabytes

stehen. Ein guter Teil davon gelangt vorerst als «gebrauchte Computer» nach Afrika, wo man

Medien

dann merkt, dass sie ja gar nicht mehr funktionieren. Noch fehlt dort oft das Wissen, um die Abfälle­fachgerecht zu entsorgen und die wie-

Anzahl Jahre, bis mindestens 1 Million Schweizer das jeweilige Medium genutzt haben

derverwertbaren Rohstoffe zu recyceln. Noch.

Facebook

Denn das Internet, und mit ihm freier Zugang zu Wissen, macht sich auch in Afrika breit. Der Zugang findet – genau wie in Asien übrigens auch ­– vorwiegend über mobile Geräte statt. Ein Trend,

2

Internet

6

TV

15

Radio

27

dem die westlichen Nationen nachziehen.

All diese Menschen erzeugen riesige Daten-

Internet Nutzung

mengen. Würde man sie auf Laptops mit einer 500 Gigabyte grossen Festplatte packen, könnte­ man ganze Städte zupflastern. Rund um diese

Internet-Nutzer nach Kontinenten 2000 2011

Nord Amerika

Afrika

>>>

>>>

Daten bildet sich sogar ein eigener Wirtschaftszweig, die «Second Economy». Ihr Ziel ­besteht darin, in diesem Datenheuhaufen die ­relevanten Informationsnadeln zu finden.

Mit dieser atemberaubenden Geschwindig-

keit immer und überall Schritt zu halten, ist ein

Asien Nord Amerika

Europa

272 Mio. 476 Mio. 922 Mio. 108 Mio.

Ding der Unmöglichkeit. «Mut zur Lücke», lautet daher ein probates Mittel. Das gilt für die Vergangenheit (Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit,

105 Mio.

+150%

die Einstellungen der Timeline bei Facebook zu

Süd Amerika

studieren), die Gegenwart (PC abstellen, jetzt!)

+350% Afrika

+2200%

216 Mio.

­dafür alles andere.

Vergangenheit

+1100%

2000

Gegenwart

2005

Zukunft

2020

2100

Quellen UNO, Internetworldstats, McKinsey Quarterly Darstellung PUNKTmagazin

4

Wirtschaft

+710%

3 Mio.

119 Mio. 18 Mio.

Farb-zuordnung

114 Mio.

69 Mio.

und die Zukunft (Planen Sie Ferien auf der Alp). Die Erde dreht sich vielleicht nicht schneller,

Mittlerer Osten

Australien & Ozeanien

5 Mio.

21 Mio.

+2280 %

+180%

Internet-Nutzung in der Schweiz nach Bildungsstand (ab 14 Jahren)

22%

Obligatorische Schule

58%

35%

Sekundarstufe II

77%

8 Mio.

58%

2000

86%

Tertiärstufe (höhere Berufsbildung)

72%

Tertiärstufe (Hochschulen)

2011

95%


Demografie Einwohner nach Kontinenten 2010 2100

1

Nord Amerika 526 Mio.

Während die Bevölkerung Europas um 9% schrumpft …

-9

%

UNO-Schätzungen

+260%

… wächst die Bevölkerung Afrikas um 260%.

Asien Europa 4,6 Mrd.

738 Mio.

in

345 Mio.

Sekunde

674 Mio.

+52% Süd Amerika

-9%

688 Mio.

>>> … werden 12 Computer verkauft.

Afrika

12

630

4,2 Mrd.

590 Mio.

+17%

3,6 Mrd.

… werden 630 kg Elektroschrott kg produziert.

+10%

… steigt die Weltbevölkerung um 2,6 Personen.

1 Mrd.

Australien + Ozeanien 66 Mio. 37 Mio.

… werden 3 Frauen ungewollt schwanger.

… verhungern 1,2 Menschen.

1,2

+78%

+260% Anteil der über 60-Jährigen an der Bevölkerung 2010 2100

Europa hat heute relativ

4

soviele über 60-Jährige, wie Afika.

Afrika

5,5%

20,0%

Asien

9,9%

32,1%

2100 werden es nur noch

1,6

soviele sein.

… werden auf YouTube

35 000 Videos abgespielt.

… werden Schweizer Aktien im Wert von

25 000.–

CHF

gehandelt.

10% Süd Amerika

34,4%

Europa 21,8%

32,5%

… werden

154 000 l Erdöl verbraucht.

… generieren Migros + Coop einen Umsatz von knapp 1600 Franken.

PUNKTmagazin Zeit

1600.-

Anzahl der über 60-Jährigen weltweit.

0,76 Mrd. 2,83 Mrd. im Jahr 2010

im Jahr 2100

Wirtschaft

5


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Wirtschaft

inhalt I

10 Kurz & Bündig Wirtschaft

16 Ökonomische Zeitenwende? Obwohl der Wachstumsimperativ vermehrt kritisiert wird, ändert sich wirtschaftspolitisch nichts. Das muss sich ändern, findet der Autor.

22 Meister der Zeit

Ausgabe: Zeit

16

März/April No 36 / 2012

Oft hat die Zeit uns im Griff, statt umgekehrt. ­Diesem Missstand kann abgeschworen werden.

24 Bauer, ledig, schaut Meteo Mit Eigenproduktionen und US-Serien versucht der TV-Sender «3+», das Schweizer Staatsfernsehen zu konkurrieren. Keine leichte Aufgabe.

27 L’Entrepreneur ­ Christoph Seitz von Spontacts AG

28 Die neue Freiheit gestalten Freelancer haben Freiheit gegen Sicherheit ­ein­getauscht, sind dafür Herr ihres Arbeitsalltags.­ Jetzt hätten sie gerne etwas Sicherheit zurück.

32 Die Zukunft des Shoppings Warum die Welt zu einem einzigen Shopping Center wird und was das für den Handel bedeutet.

24

35 Kolumne Querdenker

28

36 Globaler Kampf um Erdöl Der Historiker und Friedensforscher Daniele­ Ganser über Erdölfeldzüge, Peak Oil und die Chancen einer Energiewende.

44 «Bank on Us» ­ Eine fotografische Aufarbeitung des Banken­ platzes Schweiz von Mark Henley.

36

PUNKTmagazin Zeit

inhaltsverzeichnis

7


Invest

inhalt II

50

50 Ein Schreckgespenst

jagt das nächste

Heute Deflation, morgen Inflation. Auf lange Sicht ist Geldentwertung ein Aspekt, den es in der Vermögensverwaltung zu berücksichtigen gilt. 55 Kolumne Mirjam Staub-Bisang 56 Kurz & Bündig Invest

59 Alternativanlage Whisky

64

Investieren in reale Werte

60 Rechtzeitig säen und üppig ernten Altersvorsorge beginnt nicht erst mit der Pension,­ sondern einiges früher, sagt Susi Feldmann vom VZ Vermögenszentrum Zürich.

62 Die Zeit zu Nutze machen ­ Barriere-Reverse-Convertibles locken mit hohen Coupons, eignen sich aber nur für Aktienanleger.

Lebensart

64 ANZA – Ostafrikas erstes

Architekturmagazin

Die Städte Afrikas wachsen rasant und planlos.­ Eine Auseinandersetzung mit Architektur fand ­bisher nicht statt. Mit ANZA ändert sich das.

70 Satz. Pause. Pause. Sprechen ist dem Diktat der Zeit unterworfen. Wie man das Machtverhältnis umkehrt, zeigen Poetry Slammer auf künstlerische Weise. 72 Kurz & Bündig Lebensart 75 Kolumne René Allemann 76 Gadgets

Unter anderem

Inserenten

03 Editorial

02 Audi

81 Abonnement

09 Beyer

04 Infografik 82 Vorschau

82 Impressum

06 Fidelity 15 iShares

21 Cheaptickets 43 EFG FP

49 Blickfang

54 Saxo Bank 57 Scoach

63 Quade & Zurfluh 83 Giardina Zürich

84 ZKB

8

inhaltsverzeichnis


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Wirtschaft

arbeit gegen arbeit Text Rino borini

Eine Bank, die keine Gebühren erhebt, ohne Zinsen operiert, ­kein Geld bunkert­ und kein Systemrisiko darstellt – eine­ ­Utopie? Nein. Sind Zeitbanken gar die Vorboten einer Trendwende?

Aufgrund zunehmender Veralterung der

­Gesellschaft und Mangel an Pflegepersonal wird die Versorgung von alten, kranken und hilfsbedürftigen Menschen immer schwieriger zu bewerkstelligen – und insgesamt teurer. Doch in vielen Städten und ­Gemeinden klafft in den Kassen ein grosses Loch. Da die Mittel fehlen, um öffentliche und soziale Auf­ gaben wahrzunehmen, müssen einzelne Leistungen

Vorbild New York Die Idee der Zeitbank

­reduziert oder teilweise sogar ganz eingestellt werden.

ist nicht neu. In der Stadt New York wurde­

Neue Konzepte sind gefragt.

das Modell bereits im April 2009 eingeführt. ­«Jedermann hat etwas anzubieten. Nutze­

10

25 000 Betreuungsstunden jährlich Ein solches

deine­ Zeit, dein Wissen und deine Bereit-

hat die Stadt St. Gallen in Zusammenarbeit mit dem

schaft, um die dringendsten Bedürfnisse zu

Bundesamt für Sozialversicherungen entwickelt: das

lösen», lautet das Motto von «NYC Service».

Modell der Zeitvorsorge. Forciert wurde die Initiative­

Der dortige Service richtet sich jedoch nicht

vom damaligen Bundesrat Pascal Couchepin. Die Idee

nur explizit an Rentner, sondern an Bürger

der Zeitbank ist so einfach wie bestechend: ­Solange

aller Altersklassen. Interessierte können sich

die «jungen Alten» körperlich fit sind und über freie

und ihre Fähigkeiten registrieren lassen, im

Zeit verfügen, können sie den «alten­Alten»­im Haus-

­Bedarfsfall werden sie aufgeboten und leisten

halt, bei administrativen Angelegenheiten, beim

ihre Arbeit. Abgerechnet werden die Arbeiten

Einkauf oder bei einfachen Körperpflege­arbeiten

in «TimeDollars». Ob Kochen gegen Nähen

zur Hand gehen. Ihren Lohn erhalten die rüstigen

oder Nachhilfe gegen Einkaufen – alle Vari-

Rentner jedoch nicht in Form von Geld, sondern als

anten sind möglich.

­Zeitgutschriften.

Diese Gutschriften werden – genau wie bei einer­

republikanischen Bürgermeister Michael­

konventionellen Bank – auf einem Konto notiert.

R. Bloomberg, einem der Schirmherren:

Wenn die Senioren später selber auf Hilfe angewie-

«Der Start des NYC-Services kommt in einer

sen sind, können sie die erbrachten Stunden einlösen.

schwierigen Zeit für unsere Wirtschaft. Eine

Die Projektverantwortliche Katja Meierhans rechnet

Zeit, in der viele New Yorker die Auswirkun-

damit, dass sich in St. Gallen rund 300 Menschen

gen der Rezession zu spüren bekommen und

zum Mitmachen bewegen lassen, insgesamt sollen auf

sich Sorgen über ihre Zukunft machen.»

diese­Weise jährlich etwa 25 000 Betreuungsstunden

zusammenkommen.

vergessenen Konzepts der klassischen Wirt-

Wirtschaft

Viel Zuspruch erhielt das Projekt vom

Zeitbanken bedienen eines fast schon


der sekundenmann Der Toggenburger Uhrmacher, Mathematiker und Astronom Jost Bürgi baute 1585 die erste Uhr mit drei Zeigern und gilt somit­als eigentlicher Erfinder der Sekunde. Dass es Bürgi war, dem die bahnbrechende Erfindung gelang, ist erstaunlich, denn dem 1552 in Lichtensteig (SG) Geborenen blieb eine schaftslehre: der Arbeitswerttheorie. Diese

­höhere Bildung verwehrt. Davon wird zumindest ausgegangen, denn

besagt, dass der Wert einer Ware bestimmt

Bürgi war des Lateinischen, der Sprache der Gelehrten, nicht mächtig.­

wird durch die Arbeitszeit, die für deren Her-

Wie und wo er sich seine umfassenden mathematischen und astrono-

stellung aufgewendet werden muss. Der Wert

mischen Kenntnisse aneignete, ist nicht klar überliefert, von Aufent-

einer Arbeitsstunde ist in dieser Theorie

halten in Strassburg und Italien ist die Rede. Fakt ist, dass er 1579 am

ebenfalls eine Arbeitsstunde. Verfechter der

Hof des Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen-Kassel eine Anstellung

Arbeitswerttheorie sind der Ansicht, dass Zeit

als Hofuhrmacher und Astronom erhielt. Obwohl nur für die Wartung

in Bezug auf Arbeitsleistung die einzige Kon-

der Messinstrumente zuständig, begann er bald, sie zu verbessern.

stante ist – und somit auch die einzig faire­

Schon bald war Bürgi weit über den Hof hinaus bekannt, was auch

Bewertungsgrundlage. Zeitvorsorgemodelle

­seinen Himmelsgloben und der von ihm erfundenen Logarithmen­

könnten einen Wandel von der monetären­

tafel ­zuzuschreiben ist. Der Landgraf liess sogar extra für den Nicht-

hin zur Zeitökonomie andeuten. St. Gallens

lateiner eine deutsche Übersetzung von Kopernikus’ Hauptwerk «De

Projektverantwortliche Katja­ Meierhans:­ «So

Revolutionibus Orbium Coelestium» anfertigen – die erste deutsche

kommen Qualitäten und Werte zum Tragen,

Fassung von Kopernikus’ Schriften überhaupt. Die Uhr mit Sekunden-

für die das monetäre System gewissermassen

zeiger, die Bürgi endgültig zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten

‹blind› ist, da sie nur unzureichend in Geld

seiner Zeit werden liess, baute er 1585. ­Eine damals unglaubliche Leis-

abgebildet werden können.»

tung, zumal man bis anhin keine genaue Vorstellung davon hatte, was

eine Sekunde­überhaupt ist. «Die Dauer einer Sekunde ist nicht so sehr

Es ist wohl nicht zu erwarten, dass die

Theorie in der Wirtschaft demnächst flä-

kurz, sondern kommt der Dauer der kleinsten Note in einem ­mässig

chendeckend Einzug halten und alles um-

langsamen Lied gleich», umschrieb Christoph Rothmann, ebenfalls

krempeln wird. Doch in Zeiten, in denen ein

­A stronom, die gefühlte Dauer der neuen Zeiteinheit. Während ein

CEO im Extremfall vierhundert Mal soviel

Minutenzeiger pro Minute lediglich 6 (von Auge nicht wahrnehmbare)

verdient wie ein Sachbearbeiter des gleichen

Winkelgrade zurücklegt, sind es beim Sekundenzeiger 360 – eine volle­

Unternehmens, erscheint der Grundgedanke

Umdrehung eben. Und diese Bewegung ist von Auge wahrnehmbar.

hinter der Arbeitswerttheorie weniger absurd

Bürgi hat somit nicht weniger als die Zeitverflug­geschwindigkeit für

als auch schon.

das menschliche Auge sichtbar gemacht.

PUNKTmagazin Zeit

df

Wirtschaft

11


haben emails ausgedient? Der IT-Dienstleister Atos will Emails aus dem Geschäftsalltag verbannen. Verrückt? Nicht unbedingt. Dass Emails oft mehr Ablenkung als Arbeitshilfe sind, ist nur zu gut bekannt. Gemäss Atos-CEO Thierry Breton sind nur gerade zehn Prozent aller Emails relevant, der Rest überflüssig – und zeitraubend. Er beabsichtigt daher, den unternehmensinternen EmailVerkehr innert 18 Monaten komplett abzuschaffen. Stattdessen sollen die Mitarbeiter wieder vermehrt persönlich oder zumindest per Telefon miteinander kommunizieren. Oder über die extra geschaffene Kollaborations-Plattform. Der Plan von Breton ist ehr-

anstehen mit dem smartphone

geizig, findet aber durchaus Zuspruch. Manch einer ist gar der Ansicht, Email sei sowieso nur eine Übergangstechnologie: zu statisch, zu langsam, zu umständlich – und vor allem unpraktisch. Darauf deutet unter anderem die Tatsache hin, dass die Betreffzeile in den allermeisten Fällen gar nicht, oder höchstens

Wenn viele Menschen gleichzeitig etwas wollen, müssen sie dafür­

für Begrüssungsfloskeln wie «Hey», «Sali»

anstehen – das kostet Zeit. Dank der Smartphone-App Qminder

oder «Gugus» genutzt wird. Zudem wird die

gehört das vielleicht schon bald der Vergangenheit an.

Kommunikationsform Email oft gewählt, um unangenehme Sachverhalte anzusprechen,

Bei aller Liebe zur Entschleunigung: Warteschlangen strapazieren die

mit anderen Worten: Email ist für Feiglinge.

­Geduld. Qminder will das ändern. Die App, die im Rahmen eines Start-ups

Dass eine erfolgreiche Karriere ohne Emails

von vier jungen Esten programmiert wurde, basiert auf dem bekannten­

möglich ist, beweist Luis Suarez. Der IBM-­

System der Nummerntickets. Mit dem Unterscheid, dass die Kunden

Ingenieur hatte vor vier Jahren ein für alle ­

nicht vor Ort sein müssen, um ein Ticket zu ziehen – das geschieht über

mal genug von der täglichen Email-Flut und

die App. Die Information, wann sie voraussichtlich an der Reihe sein wer-

hörte­ganz einfach auf, sie zu beantworten.

den, erhalten sie per SMS. Ähnliche Systeme existieren bereits als Online-

Kommunizieren tut er seitdem insbesonders

App­likation für Spitäler und Arztpraxen in Kanada (Technowait) und Sin-

über öffentliche Netzwerke wie Twitter und

gapur (Queue Watch) sowie als iPad-App für Restaurants in der Schweiz

Google+. Das sei praktischer und darüber hi-

(Localina). CEO Rauno Rüngas hat mit Qminder bereits in der Betaphase­

naus könnten Doppel­spurigkeiten verhindert­

den Start-up-Preis 2011 von «Garage48» im estnischen Tartu gewonnen.

werden. Einzig für Sitzungseinladungen prüft

Zurzeit wird die Anwendung von ausgewählten Unternehmen getestet,

der auf Gran Canaria lebende Manager gele-

der offizielle Launch ist für dieses Jahr geplant. Die Vorteile der App sind

gentlich seine­Inbox. Seit er nicht mehr so viel

offensichtlich: Läden können den Besucherstrom besser dosieren und

Zeit mit der Beantwortung von Emails ver-

Kunden stehen weniger lang Schlange. Doch wäre die App auch in der

bringe, habe er mehr Zeit für andere Dinge,

Lage, zum Beispiel der legendären Warteschlange vor dem Louvre in

sagt ­Suarez. Arbeiten zum Beispiel.

­Paris den Garaus zu machen? «Theoretisch schon», sagt Bruno Zeitoun,­ Leiter des Logistik- und Informationsdienstes des besucherstärksten Museums­der Welt. Aber nur, wenn sich alle an die angegebenen Zeiten­ hielten und die Verkaufsabläufe immer in etwa gleich lang dauerten. ­Zudem müssten Touristen aus aller Welt, die oft nur einmal im Louvre­ sind, erst die App herunterladen. Doch für kleinere­Unternehmen ist Qminder durchaus ein möglicher Weg ins Glück. Dass die App aus Estland kommt, erstaunt nicht. Bereits die kostenlose Telefonplattform Skype wurde dort entwickelt. Für die über 1,4 Millionen Esten ist es selbstverständlich, das Netz immer und überall zu nutzen. Kostenloses Internet garantiert die Regierung per Gesetz.

12

Wirtschaft

js

df


vermeidbare schäden Die Schäden durch Korrosion­ sind enorm. Noch schlimmer: Häufig wären sie vermeidbar. Gemäss Studien betragen die direkten Ausgaben für das Ersetzen­ von rostigen Teilen an Brücken, Fassaden, Tunnels et cetera jährlich bis zu vier (unter Berücksichtigung der Folgekosten sogar bis zu sieben) Prozent des weltweiten­ BIP. Laut der World Corrosion­Or-

das letzte Kapitel

nur der tod ist gratis. falsch.

ganization könnte ein Viertel der

Schon länger wird in den USA über Sinn

Schäden verhindert werden, wenn

und Unsinn der Todesstrafe diskutiert.

die bekannten Vorsorgemass­

Immer häufiger geht es dabei um Geld.

nahmen konsequent angewendet würden. Noch wirkungsvoller sei

Ersichtlich wird das am Beispiel Kalifornien:­

ein aktives Vorgehen gegen Kor-

Die Zahlen der 2011 veröffentlichten Studie

rosion: In Versuchen des US-Mili-

«A Roadmap to mend or end the California

tärs erreichten die achtzig über

Legislature’s Multi-billion Dollar Death Penal-

Dank «Chapter 11» erhalten konkursite

drei Jahre getesteten Verfahren

ty Debacle» sind alarmierend. Seit die Todes-

US-Firmen eine Galgenfrist. Besonders

­einen durchschnittlichen Nutzen

strafe im bevölkerungsreichsten US-Bundes-

in Krisenzeiten ist das häufiger nötig.

von 50:1 – pro investiertem Dollar

staat 1978 wieder eingeführt wurde, belaufen

konnten fünfzig gespart werden.

sich die Zusatzkosten auf über vier Milliarden

«Chapter 11» des US-Insolvenzgesetzes er-

Wissenschafter des Fraunhofer-­

Dollar. Und das für ein ­alles andere als effi­

möglicht es konkursiten Firmen, unter Auf-

Instituts betonen die Wichtigkeit,

zientes System, lediglich 13 Personen wur-

sicht eines Insolvenzrichters weiterzuar-

mögliche Korrosionsschäden um-

den tatsächlich hingerichtet. Die über 700

beiten und nötige Sanierungsmassnahmen

fassend zu berücksichtigen: «Kor-

Häftlinge, die in Todeszellen auf ihre Exeku-

einzuleiten. Dabei erhalten sie eine Schonfrist

rosionsschutzforschung dient dem

tion warten, werden wohl eher eines natürli-

vor den Gläubigern: Der Erhalt des Unterneh-

Ziel, Kosten zu sparen und die Si-

chen Todes sterben denn an der Giftspritze.

mens geniesst oberste Priorität. Der jüngste

cherheit zu erhöhen. Sie sollte da-

Grund für die höheren Kosten sind die Rekurs-

Kandidat, Eastman Kodak, steht seit Januar

her möglichst früh – idealerweise­

möglichkeiten, welche das Rechtssystem den

– im Durchschnitt dauern die Verfahren drei

noch in der Entwicklungsphase

­Todeskandidaten einräumt. Nur schon der or-

bis vier Monate – unter Schutz. Kritiker be-

­einer Anwendung oder eines Pro-

dentliche Prozess kostet im Durchschnitt eine

zeichnen «Chapter 11» als branchenschädi-

duktes – ansetzen.»

df

Million­Dollar mehr als wenn keine Todesstra-

gend. Weil Schuldner ihre Gläubiger zunächst

fe gefordert wird. Mit all den Rekursmög-

nicht mehr fürchten müssten, könnten die

lichkeiten können die Totalkosten zwanzig

«kranken» Unternehmen ihre Preise senken

bis dreissig Mal höher sein. Gemäss Studien­

und der Konkurrenz Kunden abjagen. So ge-

autor Richter Arthur L. Alarcon gibt es mehre-

schehen bei den US-Fluggesellschaften TWA

re Stellschrauben, an denen gedreht werden

und Continental. Firmen werden geschützt,

kann. Möglichkeit 1 sieht lediglich Änderun-

Private nicht. Wäre vielleicht das Schlamas-

gen im Rekurswesen vor, womit – nach an-

sel der US-Hypothekarkrise kleiner ausge-

fänglichen Zusatzinvestitionen – jährlich

fallen, gäbe es «Chapter 11» für Private? Ja,

bereits Millionen gespart werden könnten.

meint Ökonom und Nobelpreisträger Joseph

Möglichkeit 2 besteht da­rin, die Todesstrafe­

E. Stiglitz: «Es ist wichtig,­Unternehmen als

einfach weniger häufig zu fordern. Statt 39

geschäftstätige­­Betriebe am Leben zu er-

sollen nur noch 5 Verbrechensarten mit dem

halten, um Arbeitsplätze und Wachstum zu

Tod bestraft werden. Die dritte Möglichkeit:

schützen. Doch ist es auch wichtig, Familien

Abschaffung der Todesstrafe. Einsparungen

und Gemeinden intakt zu halten. Also braucht

von 170 Millionen Dollar pro Jahr wären die

Amerika ein ‹Chapter 11› für Eigenheimbesit-

Folge. Über die nächsten zwanzig Jahre könn-

zer.» Übrigens: Auch in der Schweiz laufen zur-

ten so gegen fünf Milliarden Dollar gespart

zeit ­Bestrebungen, das Schuldbetreibungs-

werden. Die Wahl in Kalifornien lautet dem­

und Konkursgesetz zu überarbeiten und ähnliche Insolvenz­ansätze zu integrieren.

PUNKTmagazin Zeit

zufolge nicht «Geld oder Leben!» sondern rb

«Geld oder Tod!».

df

Wirtschaft

13


auf den spuren des urknalls Seit langem forschen Wissenschafter nach den Anfängen des Seins. Die Suche verschlingt Milliarden, obschon ihr Nutzen ungewiss ist. Man fragt sich: Wozu eigentlich das ganze Theater? Spätestens seit Einstein wissen wir, dass die Zeit irgendwann – vor zirka

beschleunigte beschleunigung

13 Milliarden Jahren – begonnen haben muss, abhängig von der Materie, der Welt, den Sonnen, dem Weltall. Alles ist, so erklärt es die Wissenschaft, an diesem ominösen Punkt Null, dem Big Bang, mehr oder weniger gleichzeitig entstanden. Doch woraus? Aus einem winzig kleinen, ultrastark aufgeladenen Energiebällchen, sagen die einen. Woher dieses Bällchen kam und woher die Energie dafür stammt, weiss niemand.

Je stärker die Beschleunigung, desto

Zwar lassen immer wieder Meldungen aufhorchen, die Lösung sei bald

mehr drängt es nach Entschleunigung.

gefunden, aber die These sei erlaubt: Niemand wird sie je präsentieren.

Doch wie? Vollbremsung oder U-Turn?

Der Grund dafür ist, dass wir selber Teil dieses mysteriösen Prozesses und im Strudel der Raumzeitevolution gefangen sind. Rund 10 000 For-

«In der Moderne dreht sich alles um die Be-

scher weltweit suchen seit Jahren für die Europäische Organisation für

schleunigung der Zeit», so das Credo des Kul-

Kernforschung CERN in Genf nach dem allerletzten unbekannten Teil-

turhistorikers Peter Conrad. Die sich selbst kon-

chen, dem Higgs-Bosom, das die Entstehung der Materie, den absoluten

tinuierlich beschleunigende­­Beschleunigung

Anfang, abschliessend erklären sollte. Abschliessend, absolut? Weit ge-

ist aus dem modernen Leben nicht wegzuden-

fehlt, denn man kann den Punkt Null nicht wissenschaftlich erklären,

ken. Seit der Industrialisierung warnen Pessi-

weil dann ja sozusagen das Nichts, das Null, existieren müsste. Das wie-

misten vor dem drohenden Kollaps, der jedoch

derum widerspricht dem logischen Grundsatz der Wissenschaft. Dieser

nie eintrat. Und das, obwohl die Geschwindig-

Tatsache oder besser gesagt diesem Paradox sind sich die Wissenschaf-

keit der Kommunikationsübertragung seit Be-

ter durchaus bewusst, auch wenn sie in der Öffentlichkeit nicht gerne

ginn der Industrialisierung um nicht weniger

darüber sprechen. Schliesslich geht es um hart umkämpfte Forschungs-

als das 107-fache zugelegt hat. Die Transport­

gelder. Im Fall CERN beispielsweise um über eine Milliarde Franken jähr-

geschwindigkeit immerhin um das 102-fache.

lich. Gelder bekommt nur zugesprochen, wer spektakuläre Fragen auf-

Das Tempo nimmt bis heute ungebrochen zu.

wirft und noch spektakulärere Erkenntnisse in Aussicht stellt – auch

Dauerte ein Telefongespräch 2001 durchschnitt-

wenn sie nicht geliefert werden können. Ob sich dieses Verhalten lang-

lich 2,2 Minuten, sind es heute noch 1,8. Selbst

fristig positiv auf die Qualität und die Forschungsfelder der Wissen-

bei schriftlicher Konversation drückt man auf

schaft auswirkt, darf bezweifelt werden. Und die Frage­nach dem

die Tube: «lg» (Liebe Grüsse) und «hdl» (Hab

Anfang der Zeit? Wird wohl nie ein Ende nehmen.

Dich lieb) ersetzen zeit- und displayraubende Floskeln. Doch der Geschwindigkeitswahn fordert, wenngleich unbeachtet, seinen Tribut. Es ist illusorisch zu denken, die ganze Welt schreite im gleichen Tempo voran. Tatsächlich besteht ein Beschleunigungsgefälle, eine «Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen», so beispielsweise zwischen dem Westen und dem Rest der Welt. In ihrer ganzen Tiefe entfaltet sich die Problematik bei Gegensätzen wie Ökonomie und Ökologie: Letztere kann mit der Entwicklung ersterer schon lange nicht mehr mithalten. Auch auf der menschlichen Ebene hat die Beschleunigung Folgen. Das ständige Hetzen ins Nirgendwo bietet dem modernen Menschen keinen greifbaren Sinn. Vielleicht ist das der Grund, ­warum immer noch viele ihr Heil in der Religion suchen, deren Streben nicht in weiterem Streben, sondern in einem beruhigenden Jenseits mündet. Führen diese gegensätzlichen Bewegungen zu einer Annäherung in der Mitte? Oder doch zu einem U-Turn mittels Handbremse?

14

Wirtschaft

bp

?

js


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Wirtschaft


Wirtschaft

Die Weltwirtschaft kennt nur ein Ziel: Wachstum. ­ Daran wird zwar vermehrt Kritik laut, doch auf konkrete wirtschaftspolitische­Schritte wartet man vergebens. Das hat zwar seine Gründe, ist langfristig dennoch keine Option. Das meint zumindest der Autor­­­dieses Texts, der ­gemäss Statistik noch ein halbes Jahrhundert auf dem Planeten leben sollte.

Text: David Fehr | Bild: Yoshinori Watabe

PUNKTmagazin Zeit

Wirtschaft

17


Wirtschaft

W

enn etwas gemessen und verglichen

und Unfälle tun das zwar nicht, steigern aufgrund der

werden soll, braucht es eine allgemein

reparaturbedingten Folgekosten aber das BIP. Dass die-

gültige Masseinheit. Das gilt auch für

se Kosten in der Regel mit neuen Schulden bezahlt wer-

die Leistung von Volkswirtschaften, wo

den, spielt hingegen keine Rolle.­ Das gilt auch für die

man sich auf das Bruttoinlandprodukt

Tatsache, wie fair der Reichtum verteilt ist: Das BIP pro

(BIP), den Gesamtwert aller im Inland

Kopf ist ein Durchschnittswert.

erstellten Waren und Dienstleistun-

Dabei gäbe es durchaus alternative Wohlstands-

gen, geeinigt hat. Da es den Menschen gemäss Wirt-

gradmesser, etwa den Genuine Progress Indicator (GPI)

schaftstheorie umso besser geht, je mehr Güter gehan-

oder den Human Development Index (HDI) der UNO.

delt werden, muss das BIP Jahr für Jahr wachsen.

Obwohl beide noch nicht ausgereift, anerkennen sie

Dieser Zusammenhang gilt unbestritten auf tie-

immerhin, dass zahlenmässiges Wachstum auch Kos-

fem Entwicklungsniveau, wo sich die Lebens­qualität

ten verursacht und berücksichtigen diese monetär.

schon durch geringe Erhöhungen stark verbessert:

Dass diese­Kosten vor allem für den Planeten hoch sind,

1000 statt 500 Kalorien täglich, sauberes statt drecki-

ist unbestritten. Rufe nach einer «nachhaltigen» Wirt-

ges Wasser, Schuhe statt barfuss, Haus statt Hütte, Mo-

schaft werden laut. Gemeint ist eine «nachhaltigere»­

ped statt Schubkarre, Bildung statt Kinderarbeit. Dass

Wirtschaft, denn in einer per Definition «nachhalti-

dabei Aspekte wie Menschenrechte, Demokratie und

gen» Wirtschaft müsste sich die Erde in einem Gleich-

Umweltschutz oft auf der Strecke bleiben und die Ver-

gewicht befinden. Es dürften nur so viele natürliche

teilung des Reichtums ungleich verläuft, ist unver-

Ressourcen abgebaut werden, wie im selben Zeitraum

meidbar, letzteres zwecks Anreizsetzung teils sogar

erneuert werden. Der CO2-Ausstoss dürfte die Menge,

erwünscht. In solch frühen Wachstumsphasen pro-

die von Pflanzen mittels Photosynthese in Sauerstoff

fitieren in der Regel die meisten auf irgendeine Art,

zurückverwandelt werden kann, nicht überschreiten.

gesamtwirtschaftlich überwiegen darum die Vorteile. Entwicklungsländer haben gar keine Wahl: Um der

Wenn das alle wollen Davon sind wir weit entfernt.

Armut zu entrinnen, braucht es Wachstum.

Nicht 1, sondern 1,5 Planeten «brauchen» wir gemäss der Nichtregierungsorganisation Footprintnetwork für un-

Wachstum, Wohlstand, Nachhaltigkeit Egal, wie

seren Lebensstandard. Jeweils vor Herbstbeginn ist das

hoch ein Land entwickelt ist, BIP-Wachstum bleibt

jährliche Guthaben bei der «Bank Erde» aufgebraucht,

immer ein Ziel. Exemplarisch dafür die aktuelle wirt-

den Rest des Jahres leben wir auf Kredit kommender Ge-

schaftspolitische Strategie des Schweizer Bundes­rates:­

nerationen. Selbstredend unterscheiden sich die ökolo-

«Wir wollen Wachstum und Wohlstand mehren und

gischen Fussabdrücke nach Region stark. Einzelne Län-

die Nachhaltigkeit sichern.» Nachhaltigkeit ist ein

der Afrikas haben Werte von unter 0,5, die USA und die

dehnbarer Begriff, wie sie gemessen werden soll, muss

Europäer ­inklusive der Schweiz das sechs- bis zehnfache.

erst noch definiert werden. Das wirklich relevante

­«Wir ­leben auf Kosten anderer Erdteile oder künftiger

Ziel – für die Schweiz und alle anderen Nationen –­ist

Generationen», heisst es auf der Webseite des Bundes.

BIP-Wachstum, denn nur dieses ist quantifizierbar.

Ob das sinnvoll ist, steht zur Debatte, denn mit

Entwicklung in diesen «anderen Erdteilen»: In aufstre-

steigendem Entwicklungsgrad wird auch der Zusam-

benden Ländern wie China und Indien gibt es zweiein-

menhang zwischen Wachstum und Wohlstand kom-

halb Milliarden Menschen, die so leben wollen wie wir.

plexer. In den westlichen Ländern geht es schon lange

Ihre Wirtschaftsleistung wird grösser, was für die Um-

nicht mehr um die Befriedigung von existenziellen

welt eine Mehrbelastung darstellt, denn Wachstum

Bedürfnissen. Eingangs beschriebene Entwicklungs-

­bedeutet höheren Ressourcenverbrauch und steigende­

schritte haben wir teils vor über hundert Jahren

Emissionen, wie das Beispiel China zeigt: Noch vor we-

­gemacht, und seit mehreren Jahrzehnten leben­ wir

nigen Jahrzenten praktisch unbedeutend, verbraucht

in einer Überproduktion. Ist das BIP als Wohlstands-

die chinesische Volkswirtschaft heute bis zu einem

gradmesser veraltet? Es berücksichtigt zum Beispiel

Drittel­ der weltweiten Kohle-, Stahl-, Zink- und Alumi-

nicht, in welcher Branche ein Ertrag erwirtschaftet

niumproduktion. Mit einem Pro-Kopf-Ausstoss, der zig-

wird. Ebenfalls folgenlos sind Freiwilligen- und Haus-

mal kleiner ist als derjenige der Amerikaner, verursacht

haltsarbeit, obwohl sie die ­Lebensqualität zweifellos

China bereits jetzt etwa ein Viertel der globalen Treib­

erhöhen. Negative Ereignisse­wie Natur­katastrophen

hausgasemissionen.

18

Wirtschaft

Die Lage verschärft sich bei einem Blick auf die


Neue Wohlstandsformel Die westliche Wohlstands-

Liter Wasser, ein Kilo Brot zehn Mal ­weniger. An einer

formel funktioniert jetzt und für uns. Aber tut sie es

Senkung des Fleisch- und Wasserkonsums führt kein

auch für acht oder zehn Milliarden Menschen? David

Weg vorbei, soll Wasser nicht weltweit zum raren Gut

Bosshart, Chefdenker des GDI, zweifelt daran. «Der Ter-

werden, wie es das für über eine Milliarde­Menschen

ror der Mainstream-­Ökonomie, die eine materielle­

­in Afrika bereits jetzt der Fall ist.

Wohl­standstechnokratie­ einfach endlos linear weiter-

schreibt und uns zu bewusstlosem Zahlenwachstum

formeln: Eine massvollere Ökonomie produziert we-

zwingt, ist weder nachhaltig noch wünschenswert. Es

niger Abfall, verbraucht weniger Ressourcen, erzeugt

muss eine Alternative geben», fasst er in seinem neuen

weniger Treibhausgase und verkleinert den mensch-

Buch «The Age of Less» zusammen.

lichen Fussabdruck. Die Krux: Weniger Produkti-

Die Zukunft könnte etwa so aussehen: Weniger

on ­erfordert weniger Arbeitsaufwand. Entweder teilt

­Geschwindigkeit, weniger Produktion, weniger Wert-

man die Arbeit neu auf, oder ­Arbeitsplätze fallen weg.

Die Grundidee hinter den neuen Wohlstands-

schöpfung, weniger Ressourcenverbrauch, weniger Fleisch, weniger Kredit, weniger Erwerbsarbeit, weniger­

Die heiligen Kühe der Ökonomie Das ist ein Pro-

Pendeln. Es geht nicht darum, dem Leben den Spass

blem. Menschen brauchen eine Arbeitsstelle,­ denn

zu nehmen, sondern der grenzenlosen Verschwen-

ohne ­Arbeit kein Einkommen – und somit keine

dung vergangener Tage abzuschwören. Bewusster statt

Lebensgrundlage.­ Da Einkommen direkt an Arbeit

massloser Konsum – eine Forderung, die den gesunden

gekoppelt ist, sind Arbeitsplätze so etwas wie die hei-

Menschenverstand nicht überraschen kann. Schon gar

ligen Kühe der Ökonomie. Politiker, die Arbeitsplätze­

nicht wenn man zum Beispiel weiss, dass aktuell fast die

schaffen wollen, sind gut, die anderen schlecht.

Hälfte der ­Lebensmittel unverzehrt im Abfall landet.

Heilige­Kühe schlachtet man ja auch nicht.

Vieles, was bin anhin egal war, spielt neu eine­

Diesem Dilemma könnte man entgehen, ­sagen

Rolle.­Dazu gehört auch der Umgang mit Wasser, de­ssen

Befürworter des bedingungslosen Grundeinkom-

Verbrauch sich in den letzten hundert Jahren ungefähr

mens. Sie wollen Arbeit und Einkommen zumindest­

verzehnfacht hat. Der direkte Bedarf eines entwickelten

teilweise entkoppeln: Jeder Bürger – ob er einer Lohn­

Haushalts (200 bis 500 Liter pro Tag) spielt dabei nur

arbeit­nachgeht oder nicht – erhielte monatlich einen

Arbeitsplätze sind die hei-

eine marginale Rolle, Hauptverbraucher ist mit über

fixen Betrag. In der Schweiz läge er zwischen 1500

ligen Kühe der Ökonomie,

siebzig Prozent die Landwirtschaft. Nur schon für die

und 2500 Franken. Statt dass die Umverteilung ei-

sie zu schlachten, ist Frevel:­

Lebensmittelproduktion eines einzigen Haushalts fal-

nem ­intransparenten und ineffizienten Verwaltungs-

len täglich 2000 bis 5000 Liter an. Die Produktion eines

apparat überlassen wird, geschähe sie ­direkt. Menschen könnten vermehrt selber entscheiden,­wie :

Kilos Rindfleisch beispielsweise erfordert etwa­15 000

Ohne Arbeitsplätze kein ­Einkommen. Die Initiative­ für ein bedingungsloses Grundeinkommen sieht ­da­rum vor, Einkommen und ­Arbeit zu ­entkoppeln.

PUNKTmagazin Zeit

Wirtschaft

19


Dieses statistische Mass wird angewendet, um

die Verteilung des Reichtums innerhalb einer Nation zu messen. ­0 bedeutet eine perfekte Gleichverteilung, bei 1 hat einer alles. Entwicklungsländer haben bis auf wenige­ Ausnahmen Werte um 0,5 herum. Doch mit steigendem Entwicklungsgrad erhöht sich fast immer auch der Gini-Koeffizient. Die Schweiz liegt in diesem Ranking mit einem Wert von über 0.8 auf dem zweiten oder zweitletzten Platz – je nach Betrachtungsweise.

In einer Wachstumswirtschaft ist das egal: Wenn

alle einigermassen gut – oder die meisten sogar sehr gut, wie in der Schweiz – leben, wird der Anstieg der ­Ungleichheiten zwar erkannt, aber selten angeprangert, da für alle etwas abfällt. Das kann schnell drehen, wie

«Bürger könnten selber

die heftigen Proteste in den USA und Griechenland zeigen. Davon sind wir zum Glück weit entfernt. Aber um

entscheiden: viel ­Arbeit,

solche Szenarien mit Sicherheit zu verhindern, könn-

viel Einkommen, viel Kon-

Lage nur angespannt und (noch) nicht prekär ist.

te ein Angehen der Verteilungsfrage­helfen. Jetzt, da die

sum. Oder wenig von allem,

Sinnvoll wäre zudem eine Versachlichung der

dafür einen kleinen­ökolo-

­Bis anhin werden sie meist mit Sozialhilfe­empfängern,

­Diskussion über Sinn und Zweck von Umverteilungen.­

gischen Fussabdruck und

Drogensüchtigen, Invaliden und Arbeitslosen in Ver-

mehr Freiheiten.»

­selber für ihren Unterhalt zu sorgen. Mit der Idee, dass

bindung gebracht. Menschen, die es nicht schaffen, Umverteilung auch den Zweck verfolgen könnte,­Menschen in einer Post-Wachstumsgesellschaft mit den ­lebensnotwendigen Gütern zu versorgen, freundet man sich nur schwer an. Einfacher ist es, die offensichtlichen Missverhältnisse als Schönheitsfehler abzutun

4 4 sie ihr Leben führen wollen: viel Arbeit, viel Einkommen, viel Konsum. Oder von allem wenig, dafür aber ei-

und bei der altbewährten Strategie zu bleiben: Ewiges Wachstum und Arbeitsplätze für alle.

nen kleinen ökologischen Fussabdruck und mehr Freiheiten. Ein Grundeinkommen könnte die bisherigen

Nicht wachsen ist keine Option Die unangenehme

Sozial­systeme nicht komplett ersetzen, aber sicher ent-

Wahrheit ist, dass wir eigentlich gar keine Wahl ­haben:

lasten. Die Idee dazu stammt übrigens nicht von linken­

Wirtschaft will nicht nur wachsen, sie muss.

Sozialromantikern, sondern von Milton­ Friedman,

Wirtschaftsnobelpreisträger und klassischer Liberaler.

von Unternehmen, die Güter verkaufen. Diese müssen­

Ein Verzicht auf Wachstum bedeutet immer auch

sie zuerst produzieren, und dazu brauchen sie Kapital,

ein Verzicht auf Arbeitsplätze. Würde sich eine­ Volks-

eigenes und fremdes. Die Leihgabe ist mit Risiko ver-

wirtschaft tatsächlich zu diesem Schritt entschliessen,

bunden, da der wirtschaftliche Erfolg nie garantiert ist:

käme man mittel- bis langfristig nicht umhin, heilige

die Firma kann Pleite gehen, der Absatz stocken, Miss-

Kühe zu schlachten und die Beziehung zwischen Arbeit

management et cetera. Um dieses Investitions­risiko

und Einkommen zu überdenken. Noch heikler ist die

zu kompensieren, muss sie den Kapitalgebern einen

zweite­ Frage, die ausbleibendes Wachstum provoziert:

Risiko­aufschlag bezahlen. Beim Fremdkapital sind es

Wenn nur noch wenig neuer Reichtum entsteht, muss

Zinsen, beim Eigenkapital durch Dividenden ausge-

der bestehende neu verteilt werden?

schütteter Reingewinn. Ohne Wachstum könnten diese­

Eine Volkswirtschaft besteht aus einer Vielzahl

Verbindlichkeiten nicht mehr erfüllt werden. Für Un-

Schimpfwort oder politisches Instrument? Mit die-

ternehmen besteht darum ein Wachstumszwang, der

ser Idee tut man sich vorderhand schwer. ­Umverteilung

demzufolge auch für die Volkswirtschaft – die Summe­

ist heutzutage mehr Schimpfwort denn wirtschafts­

­aller Unternehmen – als ganzes besteht.

politisches ­Instrument. In den westlichen Leistungs­

gesellschaften gilt noch immer: Jeder ist seines Glückes

Geld. Dieses entsteht nicht nur, wie man meinen könnte,

Schmied. Wer fleissig arbeitet, der steigt wirtschaft-

wenn die ­Nationalbank neue Noten druckt. Jeder Bank

lich auf – und ­umgekehrt. Zudem gibt es in den meis-

ist es erlaubt, virtuelles Geld zu schöpfen, Eigenkapital­

ten westlichen Sozialstaaten ja bereits unzählige Ins­

braucht sie dazu nur wenig. Neues Geld, das sie an Privat-

trumente der Umverteilung von Reich nach Arm. Das

personen, Unternehmen und Staat vergibt, bedeutet aber

ist zweifelsohne richtig. Der langfristige Trend geht

immer auch neue Schulden. Da diese Investitionen wie-

trotzdem in die andere Richtung, wie eine globale

der Gewinn abwerfen müssen, braucht es in ­der ­Zukunft

­Betrachtung der Gini-Koeffizienten zeigt.

­immer mehr Geld als in der Gegenwart.

20

Wirtschaft

Da alles wachsen muss, braucht es immer neues


Die aktuelle Krise ist nicht nur eine Schulden-

ausgegeben würden. Da aber genau dieser Staat oft nur

und Staatskrise, sondern auch eine Krise des Geldsys-

sehr langsam reagiert, nimmt man die Sache vieler-

tems. Der Ball liegt nicht bei den Banken, sondern bei

orts selber in die Hand. So wie eine 10. Klasse im bayri-

der Politik. Doch die verwendet­ all ­ihre Kraft auf den

schen Chiemgau, die 2003 im Rahmen eines Schüler­

Versuch, ein angeschlagenes System mit Rettungsschir-

projekts eine eigene Regionalwährung erschaffen hat.

men und Schuldenschnitten zu retten. Ein Kampf gegen

Heute wird der «Chiemgauer» (Kurs zum Euro 1:1)

Windmühlen, wie die Resignation­ der beteiligten Ak-

von mehr als 3000 Menschen in über 600 Geschäften

teure zeigt. Ob gesund schrumpfen oder Konjunktur­

als Zahlungsmittel eingesetzt, der jährliche Umsatz

ankurbelung durch Mehrkonsum auf Kredit: Dass

liegt mittlerweile bei über vier Millionen Euro. Da die

sämtliche west­lichen Staatshaushalte in Anbetracht ih-

Scheine ein Verfalldatum haben und danach zwei Pro-

rer Schulden­berge und Zinszahlungen irgendwann wie-

zent an Wert verlieren, besteht ein Anreiz, sie in Um-

der ins Lot kommen sollten, erfordert Vorstellungskraft.

lauf zu halten, und zwar in der Region. Inno­vation trifft ­Lokalpatriotismus trifft Geldpolitik.

Wirtschaftspolitisches Waffenarsenal Einen radi-

kalen Schritt fordert darum der Verein Monetäre Mo-

Grundeinkommen, Umverteilung, Geldreform, Re­

dernisierung. Ihre Vollgeldreform sieht vor, den Banken

gio­­nalwährungen: All diesen Ideen ist gemein, dass

die Möglichkeit der Geldschöpfung zu entziehen. Sie

sie die aktuellen staats- und wirtschafspolitischen He-

dürften nur noch Kredite sprechen, wenn sie tatsäch-

rausforderungen nicht mit herkömmlichen, sondern

lich über das Geld verfügten. Neues Geld würde­ dann

mit komplett neuen­Instrumenten lösen wollen.

hauptsächlich durch Seignorage entstehen, sprich,

Bund und Kantone würden es direkt und dem Gemein-

in dem der Feind (der unverdiente und unerwartete

wohl verpflichtet in Umlauf bringen. Die Vorteile: Es

ökonomische Abstieg) seit ein paar Jahren mit Waffen

entstehen keine neuen Schulden, der Zinszwang wird

kämpft, die wir in den Jahrzehnten zuvor nicht gese-

kleiner und der Wachstumszwang schwindet.

hen haben. Da unsere bestehenden Methoden offen­

In eine ähnliche Richtung geht die Idee, für die

sichtlich nur sehr wenig Wirkung zeigen, sollten wir

drei Grundbedürfnisse Wohnen, Nahrung und Bildung

ernsthaft daran denken, unser wirtschafts­politisches

eigene Währungen zu schaffen, die ebenfalls vom Staat

Waffenarsenal ­zu erweitern.

Neue Wohlstandformel, kein Wachstumszwang,

Die Situation ist vergleichbar mit einem Krieg,

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Meister der Zeit Text Claudia thöny Bild Fabian Widmer

Die Zeit im Nacken und die ellenlange­ Aufgabenliste im Kopf, wursteln wir uns durch das Wirrwarr unserer täglichen Pflichten. Oft haben die Umstände uns im Griff statt umgekehrt.

Die Outlook-Erinnerungen blinken, das Smart-

phone surrt, die Emails «bingen» sich ins sowieso­ schon überfüllte Postfach, und gelbe Klebezettel säumen den Monitor. Kein Wunder erinnert die Situation­am eigenen Arbeitsplatz nicht selten an den Berg des Sisyphus. Die Fülle an Literatur ist ein Indiz dafür, dass unsere Gesellschaft im Umgang mit der Zeit viel Optimierungsbedarf aufweist. Nie zuvor war die Menschheit einem solchen Tempo ausgesetzt wie heute. Die Digitalisierung ist Freund und Feind zugleich. «Eine der heutigen Hauptherausforderungen in unserem Beruf ist die zunehmende Geschwindigkeit», konstatiert Jeannette Bours, Geschäftsführerin der Zürcher Eventagentur Aroma. «Früher begann ein Projekt mit einem persönlichen Gespräch, heutzutage meist mit einer Email oder einem Anruf», fügt sie an. Und so schnell, wie der Anfragende den Auftrag erteilt habe, so rasch wünsche er auch schon Resultate.

Störfaktor Unterbrechung Zeitdruck ist ständiger Begleiter. Dies bestätigt auch die Marketingverantwortliche des Rechenzentrumsdienstleisters Interxion Schweiz, Cornelia Arioli: «Hinzu kommt das Problem der ständigen Unterbrechungen, denen Mitarbeitende­ und Vorgesetzte ausgesetzt sind. Wir sind permanent erreichbar und lassen uns leicht ablenken.» Gemäss Studien der amerikanischen Beratungsfirma Basex wird ein US-Mitarbeiter im Durchschnitt alle elf Minuten in seiner Arbeit gestört. Gloria Mark, Wissenschafterin an der University of California, untersuchte die Arbeitsabläufe einer kalifornischen High-Tech-­ Firma. Sie fand heraus, dass die Angestellten dort jeweils acht Minuten brauchten, bis sie sich wieder im gleichen produktiven Zustand befanden wie vor der Unterbrechung. So gesehen besteht die Arbeitsstunde am Ende aus mehr Störungsmomenten als effektiven Arbeitsminuten. Eine ernüchternde Hochrechnung.

22

Wirtschaft


«Solche Zahlen sind mit Vorsicht zu

­bedeutet, Mitarbeitende sollten ihre Fragen

­geniessen», meint jedoch Dr. Cornelius ­König,

und Anliegen besser komprimiert in einer­

Professor für Arbeits- und Organisations­

einzelnen Email stellen, statt den Empfän-

psychologie an der Universität Saarbrücken.

ger alle paar Minuten mit auftauchenden

Seitens Wissenschaft und Praxis existierten

Kleinigkeiten zu bombardieren. In diesem

keine allgemeingültigen Messwerte, wie hoch

Zusammenhang taucht auch vermehrt der

die Kosten von schlechtem Zeitmanagement

Begriff «Meetingkultur» auf. Dieser verur-

für einen Betrieb tatsächlich sind, sagt er. Die-

sacht bei so manchem «Sitzungsgefange-

se seien auch schwierig abzuschätzen. Zudem

nen» ein Augenrollen.

führten Unterbrechungen nicht zwingend zu Zeitverschleiss. Ein eingehender Anruf

Die gute Sitzung Meetings gelten in der

könne­ ein Problem auch lösen, der Schwatz

Praxis als Zeitfresser, manchmal auch als

mit einer Kollegin das freundschaftliche Ar-

Beschäftigungstherapie – zu Recht und zu

beitsklima fördern.

Unrecht. Betriebswirtschaftlich betrach-

«Störungsmanagement ist für Organi-

tet stellen Besprechungen tatsächlich ei-

sationen ein essentielles Thema», ist König­

nen nicht unerheblichen Kostenfaktor dar.

überzeugt. Betriebsverantwortliche sollten

Mit klaren Regeln und Zielen aber können

sich darum folgende Fragen stellen: Verfügen

Meetings effiziente Problemlöser sein, da

die Mitarbeitenden über sinnvolle Planungs-

die Anliegen – genau wie man es bei Emails

instrumente? Müssen sie wirklich ständig­

halten sollte – gebündelt statt gestreut plat-

erreichbar sein und ihren Arbeitsplatz be-

ziert und gelöst werden. «Es gibt nichts Ein-

setzen? Die Verantwortung für ein gutes Zeit-

facheres für Manager, als mit sich selber

management, liest man daraus, liegt also

Geschäfte zu machen – Sitzung folgt auf Sit-

nicht alleine in den Händen des Mitarbei-

zung», sagte kürzlich Shell-CEO Peter Voser

ters? «Ja», meint König, «Unternehmen können ihre Mitarbeitenden in ihrer Aufgabenorganisation sinnvoll unterstützen, indem sie ihnen verschiedene Möglichkeiten bieten. Denn Zeitmanagement ist so individuell, wie der Mensch selber.»

Arbeitgeber sollten mitdenken Individuelle Bedürfnisse erfordern spezifische ­Lösungen, aber nicht immer und überall, meint Jeannette Bours. «Standards gelten bei uns dort, wo wir übergreifende Aufgaben und

PUNKTmagazin Zeit

Informationen organisieren und verwalten.

in einem Interview mit der Zeitung «Der

Zum Beispiel in unserem einheitlich geführ-

Sonntag». Bei Voser dauert eine Bespre-

ten Prozessplan.» Ansonsten sei es den Team-

chung deshalb nie länger als eine Stunde.

mitgliedern selber überlassen, wie sie ihre

An dieser Regel hält auch Cornelia Arioli

Zeit und Aufgaben planen wollen. Wer un-

fest. «Besser sogar nur 45 Minuten, danach

gestört arbeiten möchte, könne sich in eines­

nimmt die Konzentration ab.»

der zahlreichen Sitzungszimmer zurück-

ziehen oder in der Cafeteria nach kreativen

Marketingverantwortliche weniger mehr:

­Lösungen suchen.

«Wenn möglich maximal vier bis fünf Leu-

Das klingt nach durchaus erstrebens-

te.» Für einen effizienten Ablauf muss die

werten Arbeitsumständen. Was aber nützt ein

Sitzung gut organisiert sein: klar definierte

solches Angebot, wenn ein Mitarbeiter seine

Traktanden und Ziele, gut vorbereitete, kon-

überbordenden Aufgaben kaum zu bewälti-

zentrierte Sitzungsteilnehmer sowie pünkt-

gen vermag? In erster Linie müsse der Arbeit-

liches Beginnen und Enden – und natürlich

geber mit ihm zusammen zeitlich umsetz­

keine Unterbrechungen. Aber auch unter

bare Ziele definieren. Dies gelinge nur, wenn

Berücksichtigung aller Hinweise ist der Er-

Vorgesetzte über die laufenden Arbeiten ­ihrer

folg im Alltag nicht garantiert, stellt Arioli

Angestellten im Bilde seien und die Projekte­

abschliessend fest: «Ein bewusster Umgang

zusammen mit ihnen vorausplanen, ist die

mit der Zeit garantiert sicherlich nicht aus-

Aroma-Geschäftsführerin überzeugt.

nahmslos einen erfolgreichen Zeitplan, in

So zahlreich sich Autoren dem Thema­

unserem Arbeitsalltag ist ja vieles fremdbe-

Zeitmanagement widmen, so einstimmig

stimmt.» Gewiss aber ist: Wer Meister seiner

sind oftmals ihre Aussagen, zum Beispiel

Zeit ist, fühlt sich im Arbeitsalltag seltener

diese: «Lieber Bündeln statt Kleckern.» Das

wie der gepeinigte Sisyphus am Berg.

Auch in Sachen Teilnehmer ist für die

Wirtschaft

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24

Wirtschaft


Bauer, ledig, schaut Meteo

Noch hat das staatliche Schweizer­ Fernsehen zur Hauptsendezeit­ die meisten Zuschauer. Doch der P­rivatsender «3+» holt auf und ­bedroht «SRF» immer häufiger mit Eigenproduktionen. Dabei geht es um Marktanteile – aber vor allem um Werbeeinnahmen.

Nein, als grosse Fernsehnation kann

man die Schweiz beim besten Willen nicht ­bezeichnen. Wie der Werbevermarkter ­Publisuisse herausgefunden hat, schaut der Durchschnittseidgenosse ab 15 Jahren täg-

Text Dmitrij Gawrisch

lich gerade einmal 150 Minuten fern. Bei ei-

Illustration Fabian Widmer

nem Franzosen sind es täglich 217 Minuten, bei einem Deutschen 221 Minuten. Spitzenreiter sind die Italiener: Sage und schreibe 247 Minuten verbringen sie Tag für Tag vor dem Flimmerkasten.

Noch immer schaltet der Schweizer

am häufigsten einen der öffentlich-rechtlichen Sender «SF1» oder «SF zwei» ein. Zusammen erreichten die beiden Platzhirsche in der ersten Jahreshälfte 2011 einen Marktanteil von 29 Prozent. In der Primetime – also der Hauptsendezeit, die sich von Land zu Land unterschiedlich von etwa 20 bis 23 Uhr erstreckt – lag der Marktanteil des Staatsfernsehens gar bei 31,4 Prozent.

Konkurrenz aus dem Internet Die vermeintlichen Traumeinschaltquoten können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem traditionellen Schweizer Fernsehen das Publikum davonläuft. Noch vor zehn Jahren hatte die Hauptausgabe der «Tagesschau» um 19:30 Uhr fast eine Million Zuschauer. Heute schalten im Winter lediglich etwas mehr als 800 000 Personen zu, im Sommer gar nur 600 000. Ähnlich ­erging es der Konsumentensendung «Kassensturz»: 2002 erreichte sie einen Marktanteil von 45 Prozent – heute sind es nur ­30 bis 35 Prozent.

Als einen der Gründe für den Verfall

des Marktanteils sehen Experten das Internet. Immer mehr Zuschauer schauen die Sendungen nicht mehr an einem TV-Gerät, sondern per Stream im Webbrowser. Oder sie laden sie sich als Podcast herunter. Diese­ «Einschaltquote» wird jedoch noch nicht systematisch erfasst und schlägt sich dem­ ensprechend nicht in Werbeeinnahmen nieder. Ändern wird sich das erst ab Anfang 2013, wenn das neue Erfassungssystem :

PUNKTmagazin Zeit

Wirtschaft

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44 von Kantar Media in Kraft treten wird. Der

in der primetime

etwa­Jasskarten oder Tirggel-Gebäck bestel-

Schweizer Privatsender «3+».

(19–23 Uhr)

len – und natürlich von geschalteter Wer-

überregionale Deutschschweizer Privatsender nahm den Betrieb am 31. August 2006 auf. Heute erreicht «3+» in der Primetime eine stabile Einschaltquote von 4 bis 4,5 Prozent. Wöchentlich schalten nach eigenen Angaben 1,7 Millionen Zuschauer und damit jeder dritte Deutschschweizer den Sender ein. «3+» strahlt neben Spielfilmen hauptsächlich US-Serien aus, vor allem erfolgreiche Krimiserien wie «The Mentalist», «Navy CIS» oder «Bones» sowie Sitcoms wie «How I Met Your Mother» oder «The Big Bang Theory». Von diesen werden bis zu vier Folgen am Stück gesendet. «Viele Zuschauer schauen sich tatsächlich mehrere Folgen hintereinander an», bestätigt Dominik Kaiser, Geschäftsführer des Senders aus dem zürcherischen Schlieren, den Erfolg der Strategie. Er fügt an: «‹3+› ist in In «How I Met Your Mother»

der Schweiz der Sender mit der zweithöchs-

begleiten die Zuschauer von

ten Nutzungsdauer pro Zuschauer.»

«3+» Ted Mosby­auf der lang-

zukünftigen Frau. Und das viermal täglich.

Die meisten Zuseher erreicht der Sen-

der allerdings mit Eigenproduktionen wie «Adieu­ Heimat – Schweizer wandern aus», der helvetischen Ausgabe der Quizshow «Wer wird

Millionär?»

oder der Doku­soap «Bauer, ledig, sucht …». Fünf Hochzeiten, sieben Kinder und über ein Dutzend

mehr

oder

minder glücklicher Liebschaften ist die Ausbeute der ersten­ sieben Staffeln der Verkupplungsshow,­ die

seit

Sommer

SSF

6 min.

SF Info

8 min.

Super RTL

23 min.

VIVA/ Comedy

25 min.

SF 2

28 min.

SF 1

31 min.

MTV

34 min.

RTL

34 min.

VOX

35

ten Abend­sendezeit ausgestrahlt wird. Ein Glücksgriff für «3+». «Mit der Sendung waren wir in der relevan-

Und trotzdem: «Mit jeder Eigenpro-

duktion verlieren wir auch heute noch Geld»,

formate bringen zusätzliche Zuschauer auf den Sender, die dann auch unsere Spielfilme und Serien schauen.»

Primetime – 2500 Sekunden Werbung Wie die meisten Privatsender lebt «3+» von

Wirtschaft

time für Produkte geworben, wie das Fernsehpanel von Media­pulse ermittelt hat.

Im Durchschnitt kostet eine Werbe­

sekunde 53 Franken. Die in einem Block erst- und letztplatzierten Spots nochmals zwanzig Prozent mehr. Abend für Abend nimmt der Sender so bis zu 130 000 Franken ein. Davon verbleibt jedoch lange nicht alles bei «3+». Ab einem Buchungsvolumen von ­25 000­Franken erhält der Kunde einen Rabatt von bis zu 21 Prozent, ein Teil der Einnahmen geht überdies an den Vermarkter.

Im vergangenen Jahr gaben Unter-

nehmen in der Schweiz gemäss Mediafocus insgesamt 4,5 Milliarden Franken für Werbung aus. Mit 1,4 Milliarden Franken ging das grösste Stück des Werbekuchens an die TV-Stationen. Am intensivsten beworben wurden Nahrungsmittel, gefolgt von Fahrzeugen sowie Kosmetik- und Körperpflege­ produkten. Werbekunden bezahlen für ­gewöhnlich nur für diejenigen Zuschauer, die den Werbe­spot wirklich gesehen haben.

Bis zu 950 Franken pro Werbesekunde «Für jeden Werbeblock erstellen wir vor der Ausstrahlung eine Zuschauerprognose»,­ ­erläutert Geschäftsführer Kaiser. Nach der Ausstrahlung werde überprüft, wie viele­ Zuschauer den Spot tatsächlich gesehen haben. «Wenn er höhere Zuschauerzah-

tenlos. Hatte der Spot weniger Zuschauer,

39 min.

der Kunde die zusätzlichen Zuschauer kos­bekommt der Kunde einen weiteren kostenlos», so Kaiser.

ProSieben

39 min.

Je mehr Zuschauer, desto begehrter

die Sendezeit, desto teurer die Werbung – die Logik leuchtet ein. Als einer der teuersten Werbeblöcke in der Schweiz gilt derjenige­ auf «SF1» um 19:53. Nach Infor-

3+

41 min.

mationen von Publisuisse kostet eine Werbesekunde an einem gewöhnlichen Sonntagabend um diese Zeit fast 950 Franken. Gerechtfertigt wird der hohe Preis mit den

Kabel eins

43 min.

Sat. 1

44 min.

Sponsoring, Produktplatzierungen, Sendeplatzverkäufen, Merchandising – Fans von

der ersten Jahres­hälfte 2011 in der Prime-

RTL 2

erklärt der Gründer von «3+». Warum sie trotzdem weiter produziert werden? «Eigen-

mehr als 40 Minuten pro Abend, wurde in

len hatte als von uns prognostiziert, erhält

ten Zielgruppe der 15- bis 49-Jährigen mehrfach Marktführer vor SF1», freut sich Kaiser.

bung. Während fast 2500 Sekunden, also

min.

2008 jeweils zur bes-

26

verliebten Bauern können beim Sender

andere Grund für den Rückgang ist der junge

Erfolgreiche Eigenformate Der einzige

wierigen Suche nach seiner

Ø werbedauer

fast 900 000 Zuschauern, die nach der «Tagesschau» auf dem Sender bleiben oder zuschalten, um bei «Meteo» zu erfahren, ob am nächsten Tag Regenschirm oder Sonnencrème angesagt ist. Mit rund 50 Prozent erreicht die fünfminütige Wettersendung regelmässig die höchsten Einschaltquoten im Schweizer Fernsehen. Besonders beliebt

Quelle: Mediapulse Fernsehpanel, 01.01.–30.06.2011

ist sie übrigens bei Bauern.


Seitz Christoph Spontacts AG 2009 technologie

Spontacts ist eine App für iPhone und Android, mit der sich unbekannte Gleichgesinnte­ spontan zu Freizeitaktivitäten verabreden können. Ob Kino, Snowboarden, tanzen oder Theaterbesuch: Findet sich ein Gleichgesinnter, kann’s losgehen. Spontacts wurde 2009 von Christoph Seitz, Florian Specker und Daniel Kästli als GmbH gestartet, im Januar 2012 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.

PUNKTmagazin War die Gründung von

Ihre grösste Herausforderung bei Spontacts?

Was würden Sie tun, wenn ihr Unterneh­

Spontacts eine Bieridee oder von langer

Die Idee an sich – virtuelle Kontakte in reale

men morgen Pleite ginge? Zuerst einmal

Hand geplant?

­Aktivitäten zu verwandeln – ist eine riesige He-

stolz sein auf das Erreichte. Danach würde ich

christoph seitz_ Sie war von langer Hand

rausforderung. Das hat bis jetzt erstaunlich gut

eine kurze Pause machen und dann schauen,

geplant, dafür mit reichlich Bier.

geklappt. Aktuell sind wir daran, neue Funktio-

welche neuen Chancen sich bieten. Ich bin dies-

nen zu entwickeln, um das Vertrauen der Kunden

bezüglich sehr spontan, genau wie auch unsere­

weiter zu stärken.

Klientel.

den und persönliche Erlebnisse teilen. Nicht

Der grösste Misserfolg? Wir setzten zuerst

Wie lautet Ihre Devise als Unterneh­

nur in der Schweiz, sondern weltweit.

auf eine falsche Technologie und mussten sechs

mer? Mir kommen oft die Worte von Thomas

Ihre Vision? Wir wollen DAS Instrument werden, mit dem sich Freizeitbegeisterte verabre-

Monate Programmierarbeit löschen. Klar, wir

Edison­ in den Sinn: «Ich habe noch nicht he­

Wie viele Seiten umfasst ihr Businessplan?

lernten­ dabei auch viel. Aber in einer Zeit, wo

rausgefunden, wie die Glühbirne funktioniert –

Spielt er im Alltag eine Rolle oder kommt

man nichts verdient, tut das weh.

aber hundert Wege, wie es nicht geht.» So funk-

immer alles anders? Der Plan besteht aus ei-

tioniert Innovation!

nem Excel-Sheet und 25 Seiten in Prosa. Und

Was haben Sie daraus gelernt? Wir evaluieren­

ja, wir versuchen den Fokus zu wahren und

Technologien jetzt viel vorsichtiger, bevor wir los-

Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Woche?

die Einnahmequellen so umzusetzen, wie es im

legen. Das hat einen direkten Einfluss auf die

Auch Unternehmer sind nur Menschen: Mehr

Businessplan steht.

Wahl unserer Entwicklungspartner.

als fünfzig Stunden konzentriert zu arbeiten,

War es einfach, an Kapital zu kommen?

Das verrückteste, das Sie bisher mit Spontacts­

Nein, überhaupt nicht. Ich meldete mich sogar­

erlebt ­haben? In der Anfangsphase quartierte

den, die in eine Grauzone zwischen Arbeit und

als Kandidat bei der Quizshow «Traders», um

ich einen ostdeutschen Programmierer für vier

Freizeit fallen.

das nötige Geld aufzutreiben. Weil wir drei

Monate­auf meinem­Sofa ein. Jetzt freue ich mich,

Gründer nicht mehr an der Uni waren, blieben

die Wohnung wieder für mich zu haben.

ist schwierig. Zeitintensiv sind vor allem die

uns viele Honigtöpfe verwehrt. Wir präsentier-

vielen Treffen an den Abenden und Wochenen-

Und zum Schluss: Wer sind Sie eigentlich? Wenn ich das wüsste! Spontacts hat schon ei-

ten an zahlreichen Investorenkonferenzen und

Das ärgerlichste, das Sie mit Spontacts er­

nige neue Seiten an mir herausgeschält. Dass

fanden einen Business Angel, der uns mit einem

lebt haben? Als ich die zehnte und letzte Frage

ich mit dem Produkt nie zufrieden bin zum Bei-

Wandeldarlehen unterstützte. Im Februar ha-

bei «Traders» vermasselte, ging mir das für einen

spiel. Was ich aber sicher habe, ist eine grosse

ben wir erfolgreich eine Zwischenfinanzierung

Moment schon an die Nieren. Ich war jung und

Begeisterungsfähigkeit für Neues, auch wenn es

durchgeführt.

brauchte das Geld!

kleine Sachen sind.

PUNKTmagazin Zeit

Wirtschaft

27


amerikanischen Indie-Arbeiter. Diese Ver-

die neue freiheit gestalten Text Michaël Jarjour Bilder Andrew White

änderungen werden die Rolle von Arbeit­ geber und -nehmer für immer verändern.

Lynda Gratton, Professorin für Ma-

nagement an der London Business School, schreibt im Untertitel ihres neusten Buches «The Shift»: «Die Zukunft der Arbeit ist schon da.» In diesem Werk beschreibt sie den Arbeitsalltag von fiktiven Personen im Jahr 2025. Sie zeigt auf, wie wir uns unabhängig machen von einzelnen Arbeit­ gebern – und wie Firmen sich von der Bürde der Festangestellten lösen. Eine Arbeitswelt, frei von Arbeitszeiten, dauerhaften Teams und festen Arbeitsorten. Die Freelancer, die in den Cafés für europä­ ische Auftrag­geber arbeiten, trampeln den Weg in die Zukunft schon mal ab.

Freischaffende haben Sicherheit gegen Zeit getauscht und sind dafür Herr ihres Arbeitsalltags. Jetzt hätten­ sie gerne ein wenig Sicherheit zurück. Um das zu erreichen, o ­ rganisieren sie sich in Gewerkschaften und gestalten so den Arbeitsalltag der Zukunft.

Es ist der immer grössere Wunsch

nach Freiheit, der bereits seit einem Jahrzehnt immer mehr Freischaffende hervorbringt. Als Treiber wirkten die Wirtschaftskrise und die darauffolgende Rezession. Zu jenen, die freiwillig zu Freelancern wurden, haben sich diejenigen dazugesellt, die ihre Jobs verloren haben. Letztere haben kaum eine andere Wahl. Doch die meisten sind in

Leise Aufregung bricht aus. Neben mir sitzt eine junge Frau

diese neue Freiheit gekommen, um zu blei-

auf dem Sofa in der Ecke. Sie hat kurze, blonde Haare. Bis eben hat-

ben. Über zwei Drittel von ihnen sagen, dass

te sie ihre Beine auf dem Sofatischchen verschränkt, darauf ein Lap-

sie nicht nach einer Festanstellung suchen

top. Doch der zeigt jetzt nur eine weisse Browser-Seite an, und das ist

wollen. Auch, weil sie ihr eigener Boss sein

ein Problem. «Geht das Internet bei dir?», fragt sie mich und zieht

können. Das steht in einer Studie, die die

ihre Füsse vom Tisch. Ein Mann mit blauem, gestreiftem Hemd und

Londoner Kingston Universität im Auftrag

Krawatte läuft an ihr vorbei. Ein Dutzend Augenpaare löst sich fast

der englischen Freelancer-Vereinigung PCG

synchron von den Bildschirmen und folgt ihm zur Theke. «Leute,

erstellte. In der Studie steht ausserdem, dass

ihr habt ein Problem mit dem Internet!», sagt er etwas ungehalten.

sich Freelancer im Vergleich zu normalen

Nun gelten die Blicke dem jungen Mann hinter der Theke. Er bückt

Angestellten glücklicher schätzen und zu-

sich und startet das Modem, das sich offensichtlich unter der Bar

friedener sind mit ihrem Einkommen. Und

befindet,­neu. Das W-Lan nimmt seinen Dienst wieder auf, die Köpfe

sie sind voller Hoffnung, dass sich die Be-

senken sich und es wird weitergearbeitet.

dingungen für Freischaffende in den nächs-

Kaum einer ist wegen dem Kaffee hier. Das «Modca» ist einer

ten Jahren verbessern. Sie könnten Recht

von unzähligen Orten hier in Brooklyn, New York, die eher an ein

­bekommen, denn der einst so chaotische

Büro erinnern als an ein Café, das es eigentlich ist. Von Zuhause aus

Haufen beginnt, sich zu organisieren.

arbeiten scheint so lange reizvoll, bis man merkt: Es geht nicht. Cafés sind da eine gute Option. Fast die Hälfte der amerikanischen Free-

Antiquierte Denkweisen Die Gewerk-

lancer, auch Indie-Arbeiter genannt, lebt in New York. Sie arbeiten in

schaft in den USA kämpft derzeit dafür,

den unterschiedlichsten Branchen – und sie werden immer mehr,

dass Indie-Arbeiter ihre Löhne mit Hilfe

wie aus einer Studie der amerikanischen Freelancer’s Union, der Ge-

des Amts für Arbeit einfordern können. So,

werkschaft für die Indie-Arbeiter, hervorgeht.

wie normale Angestellte es auch tun können. Angeblich sind es mehrere Milliarden­

Grosse Veränderungen Unterstützung, wie sie die Gewerkschaft

Dollar jährlich, die ihnen nicht oder nur

anbietet, können Freelancer zurzeit brauchen. Die Wirtschaftskrise

mit Verspätung ausbezahlt werden. Ein ers-

hat viel neue Konkurrenz gebracht. Noch mehr Menschen stützen

ter Erfolg der Gewerkschaft ist ein Kran-

sich teilweise oder ganz auf Einkünfte aus einer Arbeitswelt, die sie

kenkassen-Angebot für Freelancer, da die-

sich aus verschiedenen Auftraggebern zusammenstellen. Ein Trend,

se nicht vom Arbeitgeber bezahlt wird. Als

der nicht aufzuhalten ist, auch wenn sich die Wirtschaft erholt. Das

­Individuen erhalten sie sonst nur skanda-

gilt nicht nur für New York, sondern auch für Berlin, London, Ams-

lös teure Angebote.

terdam und andere Städte der entwickelten Welt. Es steht ein grosser

Wandel an. «Der grösste seit der Industrialisierung», sagt ­Sara Horo-

Landesgrenze. Sara Horowitz ist in engem Kontakt mit der englischen Freelancer- :

witz, Chefin der Freelancer’s Union und so etwas wie die Mutter der

28

Wirtschaft

Doch der Kampf endet nicht an der


PUNKTmagazin Zeit

Wirtschaft

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30

«Einfach denken – ohne mich

«Die Jobs, die wir haben,

«Und dann stand da

um etwas zu kümmern.»

sind die, die wir schaffen.»

Lady Gaga im Betreff.»

Die Einzelgängerin, Sarah Lilley (46)

der Netzwerker, Tony Bacigalupo (28)

die Unternehmerin, Zana Bayne (23)

Sarah Lilley ist faszinierend. Schnoddrig, unauf-

Tony Bacigalupo hat «New Work City» gegründet,

Das ist alles so amerikanisch! Zana Bayne sagt

fällig angezogen, kompromisslos. Sie arbeitet

eine der ersten Arbeitsgemeinschaften in New

Dinge wie: «Wenn du etwas willst, dann musst du

alleine in ihrem Haus im Osten von Williams-

York. «Ich wollte einfach nicht mehr zu Hause ar-

einfach sehr, sehr hart arbeiten.» Oder dass sie

burg in Brooklyn. Und das seit vierzehn Jahren.

beiten», sagt der ehemalige Produktmanager einer

«so dankbar für all die Möglichkeiten» sei. Man

«Wenn ich alleine arbeiten kann, bin ich so viel

Webfirma. Heute ist Tony Vollzeitchef von «New

könnte jetzt sagen, «Yadda, Yadda!» («Bla, bla,

glücklicher, dann kann ich einfach denken – ohne

Work City», wo jeden Tag Dutzende hipper Kreati-

bla»). Aber man glaubt Zana. Sie ist 23, kommt

mich um etwas anderes kümmern zu müssen.»

ver über ihren neuen Firmen, Ideen und Produkten

aus Kalifornien und hat Kunst studiert. Via Berlin

Zur Freelancerin geworden ist sie aus demsel-

brüten. Tony macht sich derzeit jedoch vor allem

ist sie nach New York gekommen, hat kurz in ei-

ben Grund wie viele andere: Misstrauen gegen-

Gedanken über die anderen, die Uncoolen. Diejeni-

nem Klamottenladen gejobbt, sagt aber, sie

über Firmen. Dieses ist so gross wie noch nie. «Es

gen, über die keine Schlagzeilen geschrieben wer-

wolle niemals («never!») wieder bei einem festen

war deprimierend», sagt Sarah Lilley über ihre

den. Sie, die bisher in nine-to-five-Jobs gearbeitet

Arbeitgeber angestellt sein. Via ihren Blog hat

Zeit in der Plattenindustrie, wo sie vor 14 Jahren

haben. «Es sind diese Leute, die jetzt auf unsere

sie nebenbei Lederdresse verkauft. «Und dann

immer mehr ihrer Kollegen hat gehen sehen. Sie

Seite­des Bootes wechseln», stellt Tony fest. Und

hatte­ich ein Email in der Inbox und dann stand

ging freiwillig und wurde freie Journalistin. Auf-

dabei­benötigen sie Hilfe, denn in der Schule hat

da ‹Lady­Gaga› im Betreff.» Die Nachricht hat ihr

träge erhält sie heute vor allem vom New Yorker

ihnen niemand beigebracht, eine Firma zu grün-

Leben verändert. Mittlerweile ist «Yoü And I», das

Sender des öffentlichen Radios. Momentan laufe

den, eine Buchhaltung zu führen oder sich im Inter-

Musikvideo, in dem Lady Gaga Zanas Lederdress

es gut, sagt sie. Über schwere Zeiten hilft ihr ihre

net zu vermarkten. Und sowieso: Wie finden sie ei-

trägt, auf Youtube fast fünfzig Millionen Mal an-

Kreditkarte hinweg. Doch für Sarah geht der Deal

nen Mentor, jetzt, da sie keinen Boss mehr haben?

geklickt worden. Ihr Design wurde kopiert, und

auf. «Ich arbeite gerne zu merkwürdigen Zeiten.

Was ist mit Krankenkasse, Pension und Versiche-

zwar vom Kleidermulti «Topshop». Und das, ob-

Ich kann morgens um halb sieben eine Idee ha-

rungen? «Die Welt ist noch nicht gebaut für Indie-

wohl Zana Bayne erst vor zwei Jahren angefan-

ben, ­mich an meinen Computer setzen, mit Bade-

Arbeiter. Sie ist gebaut für Angestellte.» Die Be-

gen hat, ihre Kleider zu verkaufen. Das geht nur

mantel und zerzausten Haaren. Ich mag das. Um

tonung liegt auf «noch», denn Tony ist einer von

dank sehr harter Arbeit und Thai-Lieferservice.

drei Uhr Nachmittags schaltet mein Gehirn ab.»

denen, die sie umbauen wollen.

«Und», wie Zana gesteht, «dank Red Bull. Leider.»

Wirtschaft


44 Gruppe. Diese ist eine der führenden Grup-

Politik­ sie immer noch mehr oder weniger

pierungen im Kampf für Arbeitsgesetze, die

ignoriert, haben sie sich eigene Arbeitswel-

der neuen Art des Arbeitens, des unabhängi-

ten geschaffen, die denen ähneln, die Lynda

gen Arbeitens, gerecht werden. «Eines der Ge-

Gratton in ihrem Buch beschreibt. In die-

setze, die es Freischaffenden schwer machen,

sen Arbeitsgemeinschaften oder Co-Wor-

gibt vor, dass Temporär-Angestellte nach

king-Spaces treffen sich Individualisten,

zwölf Wochen dieselben Zusatzleistungen

um zusammen zu arbeiten und zusammen-

erhalten müssen wie Festangestellte», sagt

zuarbeiten. «Es ist die Veränderung von iso-

John Brazier, der Chef der englischen Free-

lierten Konkurrenten zu innovativen Net-

lancer-Gruppe. «Dadurch entsteht die Ge-

workern», schreibt Gratton. Nicht mehr

fahr, dass sie keine Aufträge finden, die länger

gegen die Arbeitskollegen oder andere­

als zwölf Wochen dauern.» Es sind veraltete

Freelancer, sondern mit anderen Unab-

­Gesetze, die für diese neue Art von Auftrags-

hängigen zusammen. In der Arbeitswelt

verhältnissen nicht mehr funktionieren.

der Zukunft hat Erfolg, wer «einzigartige­

So kämpft auch die holländische

Kenntnisse­ hat, sich also von der ‹Crowd›

­Gewerkschaft der Selbstständigen gegen an-

abhebt, und gleichzeitig dennoch intensiv

tiquierte Denkweisen und veraltete Gewerk-

mit der ‹Crowd› vernetzt ist.» Das gilt auch

schaften. «Die Gewerkschaften in Holland

für dauer­haft Angestellte.

hätten es gerne, wenn alles so wäre wie vor

dreissig Jahren. Aber das ist es einfach nicht

zeigen die Indie-Arbeiter in Brooklyn. Men-

mehr», sagt Linde Gonggrijp, Freiberuflerin

schen wie Sarah, Zana und Tony (Portraits

und seit vier Jahren Chefin der Gewerkschaft.

links). Sie haben ihren Arbeitsalltag so ein-

Sie und ihre Pendants aus anderen Ländern

gerichtet, dass er zu ihrem Leben passt. Sie

Europas treffen sich dieses Jahr erstmals zu

sind «erwachsen» geworden, wenn man

einem Freelancer-Gipfel in Mailand. Dabei

mit Lynda­ Grattons Analogie sprechen

werden Themen wie Altersvorsorge, Arbeits-

will. In diesem Gleichnis entspricht die

unfähigkeit und Weiterbildung im Zentrum

traditionelle­Rollenverteilung zwischen Ar-

stehen. Garantierte Altersrenten und sozia-

beitgeber und Arbeitnehmer einer Eltern-

le Sicherheit im Allgemeinen sind auch für

Kind-Beziehung. Die Zukunft bringt eine

Freischaffenden wichtige Anliegen. Bis jetzt

Erwachsenen-Erwachsenen-Beziehung.

schaute jeder für sich selbst.

Eine Idee, wie das aussehen könnte,­

Im besten Fall – wie das so ist mit dem

Erwachsenwerden – «kommt damit auch

PUNKTmagazin Zeit

Selbständige Selbständige Dass die Selb-

die Notwendigkeit, aktiv Entscheidungen

ständigen wirklich selbständig sind, zeigen

zu treffen und mit den Konsequenzen zu

sie in den Metropolen wie New York. Und

­leben.» Im Falle der jungen blonden Frau

zwar nicht nur diejenigen, die im Café ar-

aus dem «Modca» ist das die Entscheidung,

beiten. «Es ist schier unglaublich, wie die

weiter im Café zu arbeiten oder doch lieber

Zahl der Arbeitsgemeinschaften explodiert

ein paar hundert Dollar für einen richtigen

ist», konstatiert Sara Horowitz. Während die

Arbeitsplatz auszugeben.

Wirtschaft

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32

Wirtschaft


Die Zukunft des shoppings Text martina Kühne Bild Fabian Widmer

Die Verschmelzung von Einkaufsstrasse und Online Shopping macht die Welt zu einem einzigen grossen­ Einkaufscenter. Für Händler liegt der Schlüssel zum Erfolg darin, sich in und zwischen diesen Welten richtig zu positionieren.

­Online Shopping ist zwar praktisch und gewinnt an Gewicht. Das physische Einkaufen wird es aber nicht ­ablösen, sondern ergänzen.

«Kiss Your Mall Goodbye» titelte das vielbeachtete Time

­Magazine im Sommer 1998, «Online Shopping is faster, cheaper and ­better.» Inzwischen sind einige Jahre vergangen, und die meisten Shopping Center sind immer noch da. Doch das Internet beschäftigt die Branche stark wie selten zuvor. Es verändert die Art, wie die Welt sich informiert, wie sie sich austauscht, wie sie einkauft. Nichts deutet darauf hin, dass sich in den nächsten Jahren an dieser Dynamik etwas ändern sollte. Im Gegenteil: Das vergleichsweise junge Trio Amazon, Apple und Google macht sich gerade daran, den fünfhundertjährigen Buchhandel mit Kindles, iPads und E-Books zu revolutionieren. Eine Entwicklung, die das Potenzial hat, viele herkömmliche Händler zu erschrecken.

Den Laden neu denken Von den ersten Marktplätzen der Antike­ über Tante-Emma-Läden und Supermärkte bis hin zu den Shopping Centern der Moderne wird die Welt des Handels ständig neu erdacht. Einige aktuelle Entwicklungen verdeutlichen dies: Das Online-Kaufhaus eBay errichtet plötzlich auch in der physischen Welt – genauer im Londoner Soho-Quartier – eine temporäre Präsenz. Die Musikbranche dagegen verabschiedet sich fast komplett von der Einkaufsstrasse und siedelt sich stattdessen im Cyberspace, oder besser im iTunes-Store, an. Und der britische Vorzeigehändler Tesco sorgt in Südkorea seit einigen Monaten mit sogenannten virtuellen Läden in U-Bahn-Stationen für Schlagzeilen. Nun zieht der Schweizer Grossverteiler Coop mit virtuellen Ladenregalen auf der Zürcher Bahnhofbrücke nach. Auch hier können Kunden neuerdings via Barcode-Scanner mit dem Handy einkaufen.

Wer weiss da, wozu es physische Geschäfte heute noch braucht? Und morgen? Klar ist: Reale und virtuelle Welt kommen sich :

PUNKTmagazin Zeit

Wirtschaft

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digitale Dienste­ heute bieten. Dank neuen

Künftig­ verschwinden Läden, weil es sie

«Augmented­Reality»-Anwendungen, die vir-

in ihrer Funktion als Lagerraum und Ort

tuelle Informationen mit der Wirklichkeit

des Abverkaufs schlichtweg nicht mehr

verknüpfen, können bei der Modekette «Top-

braucht. Die Generation, die mit den Vor-

shop» beispielsweise Kleider vor dem virtuel-

zügen des mobilen Internets in der Hosen­

len Spiegel anprobiert werden. Damit entfällt

tasche aufwächst, benötigt bestimmte­

das mühsame Umziehen in engen Umkleide-

Geschäfte schlicht nicht mehr. Für den

kabinen. Wer das Serviceerlebnis für seine

Händler, der heute im Business steht und

«Wer die real-virtuelle

Kunden nicht optimiert, hat ein Problem.

es auch morgen noch möchte, bedeutet das:

Klaviatur mindestens so

3. Ein einziges riesiges Shopping Center­

mehr für die Ewigkeit gebaut. Das verdeut-

gut beherrscht wie seine­

Die Welt selber wird zunehmend zu einem

licht nur schon die wachsende Zahl der Pop

Kunden, braucht sich

einzigen grossen Shopping Center, in dem

Up Stores, die temporär an hoch frequen-

immer, überall und sofort eingekauft werden

tierten Strassen eröffnen und dann wieder

vor der Zukunft nicht zu

kann. Etwa, wenn Konsumenten irgend­einen

verschwinden.

fürchten.»

liegt, auf dem Screen des Handys prangt oder

Bricks oder Klicks? Beides! Vom nostal-

von einem Passanten getragen wird – an-

gischen Bücherladen bis zum personalisier-

klicken, via Barcode einscannen und kau-

ten High Tech Store, vom lokalen Wochen-

fen können. Ausgerüstet mit der «ScanLife»-

markt bis zum virtuellen Shopping Center:

Technologie erfasst das Mobil­telefon einen

Die Zukunft des Shoppings wird vielfältiger.

begehrten Artikel im Schaufenster schon

Für Händler besteht die Herausforderung

heute via QR-Code und ermöglicht den so-

darin, sich überhaupt erst der Funktion ei-

fortigen Online-Kauf der Ware, unabhängig

nes Ladens bewusst zu werden. Lagerhal-

von den Öffnungszeiten des Geschäfts. Doch:

tung an Toplagen wie beispielsweise der

4 4 immer­näher, digitale Techniken wachsen

Die ­jederzeitige Verfügbarkeit der Ware­wird

Zürcher Bahnhofstrasse ist definitiv vorbei,

zunehmend in die physische Welt hinein.

bald auch einen Gegentrend hervorrufen.

und vermutlich werden wir auch weniger

Statt einer klar abtrennbaren Online- und ei-

Gewisse Produkte werden limitiert und sind

reine Verkaufsfläche benötigen. Stattdessen

ner dinglichen Welt verschmelzen die beiden

nur für Mitglieder von exklusiven Shopping-

muss der Laden vermehrt seine ureigenste­

Universen. Ausgehend davon beschreibt das

Clubs wie «Vente-privee.com», «Gilt.com»

Stärke ausspielen, als sozialer Treffpunkt

Gottlieb Duttweiler Institute vier Trends, die

oder «KupiVIP.ru» zugänglich. Das wird im

wirken, als lokale Anlaufstelle, als echter

aufzeigen, wohin die Reise geht.

neuen­­Cybernomaden – dies­bezüglich ähnelt­

Showroom in einer Welt, die vom Konsu-

er dem Shopping-Neandertaler stark – ver-

menten zunehmend als eine virtuelle wahr-

mutlich Begehrlichkeit wecken.

genommen wird.

1. Wer wartet, ist schon tot Zu lange haben­

Kein Laden – ob online oder offline – wird

Artikel – egal, ob er in einem Schaufenster­

Ladenbesitzer darauf gewartet, dass Kunden

ihre Geschäfte von alleine betreten. Nun ma-

zig oder dreissig Jahren genügen, sich beim

chen sie zunehmend mobil und mischen sich

Einkauf bloss online auszutauschen? Das

per Handy in die Zeitbudgets und Tagesab­

scheint heute – trotz wachsendem Online-

läufe ihrer Kunden ein. Via rasch wach-

Handel – nicht realistisch. Das soll nun kei-

senden Internet-Rabattdiensten wie etwa

nesfalls heissen, dass wir uns getrost der

«Groupon»­oder «DeinDeal» suchen und fin-

Online-Evolution verweigern dürften. Es

den sie den Weg aufs Mobiltelefon von preis­

gilt vielmehr, eine Strategie zu finden, die

sensiblen Konsumenten und locken sie mit

off- und online – also «Bricks and Klicks»

attraktiven Schnäppchenangeboten wieder

– zusammenführt, aber auf eine intelli-

in die Läden.­Besonders ausgeklügelte mobile

gente Weise. Wer die gesamte real-virtuelle

Dienste­stimmen diese Lockangebote zeitlich

Klavia­tur mindestens so gut beherrscht wie

exakt­ mit besonders schwach frequentierten

seine­ Kunden, wird sich vor der Zukunft

Öffnungs­zeiten ab. Wer massgeschneiderte­

nicht fürchten müssen.

Wird es den Menschen in zehn, zwan-

­mobile Services bietet, der schlägt seinen konventionell agierenden Konkurrenten in der ­Einkaufsstrasse.

Gastautorin Martina Kühne ist Senior Researcher am GDI Gottlieb Duttweiler Institute, wo sie wirt-

2. Der Laden wird anklickbar Über je-

schaftliche und gesellschaftliche Veränderungen

dem Laden liegt künftig eine digitale Schicht,

mit den Schwerpunkten Konsum, Shopping, Ein-

die Produkte und Sortimente via Barcode-

zelhandel und Dienstleistungen analysiert.

Scanning mit Zusatzinfos (Herkunftshin-

4. Jeder ist nur ein Händler auf Zeit Wenn

weise, Produktbeschreibungen, Preisver-

Händler bisher von der Bildfläche verschwan-

gleiche) aus der virtuellen Welt anreichert.

den, war der Grund meist ein Konkurs, eine

Dabei wird das Taktile der physischen Ware

Übernahme oder die Aufgabe des Geschäfts

vermengt mit dem Convenience-Faktor, den

wegen

34

Wirtschaft

schwieriger

Nachfolgeregelung.­


kolumne

Ächtzeit

der querdenker

D

as Jahr 2012 wird uns lange in Erinne-

kostenlos seine Wohnung seit seiner Kind-

rung bleiben. Es war das Jahr, in dem

heit putzte mit der Konsequenz, dass nun sei-

man verzweifelt versuchte, die Gren-

ne Mutter vor dem Untersuchungsausschuss

zen der Realität so lange zu verschie-

des Niedersächsischen Landtages in Hanno-

ben, bis das Geschehene nie eintreten

ver Red und Antwort stehen muss. Der Unter-

sollte. Kaum ging das alte Jahr zu Ende,­ rollte

suchungsausschuss des Deutschen Bundes-

der Kopf des Notenbanken-Chefs durch die

tages hingegen wittert Verfassungsbruch, da

Redaktionsräume der Weltwoche. Wenig später

noch nicht ganz klar ist, wer seine Camping-

passierte, was kein Schweizer je für möglich ge-

wagenstandgebühr auf der Insel Norderney

halten hatte: Die erste Bad Bank wurde ins Le-

im Gesamtwert von 35 Euro beglichen hatte.­

ben gerufen und aus Netto­wurde Notenstein.

Der Chefredaktor der Bildzeitung wurde wie

Im Mai wurde erstmalig nach dem

angedroht Ende Herbst tot im Flussbett des

Zweiten Weltkrieg das Schweizer Notstands-

Rubicon aufgefunden. Es war Selbstmord.

recht zur Rettung der Zürcher Kantonalbank

Man munkelt, dass sein letzter Bericht über

angewandt mit dem Ergebnis, dass die in

die Präsidentengattin – er behauptete, ein Tat-

den USA liegenden Schweizer Gold­reserven

too an ihrem rechten Oberschenkel verherrli-

auf Begehren Frankreichs arrestiert wurden.

che den Hitlergruss – doch zu weit ging.

Schuld daran war nicht das bis anhin unbe-

kannte Adressbuch von Carla Bruni. Was war

ten. Das Eidgenössische Notenbankreglement

geschehen? Merkels Pariser Busenfreund war

wurde nach reiflicher Überlegung angepasst.

von der skrupellosen Vorgehensweise der

Somit gehören Auslandsaufenthalte­von Na-

amerikanischen Steuerbehörde derart be-

tionalbankangestellten nun mehr der Ver-

eindruckt, dass er sie ganz einfach kopierte.­

gangenheit an, denn der Konsum im Ausland

Denn was unterscheidet die Beihilfe zur

könnte eine getarnte Devisenspekulation­

Steuer­hinterziehung zu Gunsten amerikani-

bedeuten. Ob für sie das Zölibat gelten soll,

scher von jener französischer Steuerbürger?

konnte noch nicht abschliessend geklärt wer-

Vor diesem Hintergrund ist der Umstand,

den. Hildebrands Massstab für künftige De-

dass die UBS zwischenzeitlich Deutsche Bank

missionen führte gegen Jahresende dazu, dass

heisst, nur noch eine Randnotiz.

Papst Benedikt XVI abdanken musste, da er

bei der letzten Audienz versehendlich einem

Auch in der Politik wird gekeult. In Zü-

Das Jahr hatte aber auch seine guten Sei-

rich landen seit Herbst nur noch Propeller-

Minderjährigen die Stirn küsste.

maschinen im geschröpften Anflug, und

England trat den EFTA-Staaten Luxemburg,

Nachsicht als Schwäche geächtet und das

Belgien und dem Saarland bei. Und was wurde

Prinzip der zweiten Chance als Sabotage an

aus dem im Februar zurückgetretenen Chris-

der Nulltoleranzpolitik gewertet wird? Ist es

tian Wulff? Er verheimlichte die langjährige­

wirklich das, was wir wollen? In diesem Sinne:­

Geschäftsbeziehung zu Dagmar Wulff, die

Jetzt erst recht!

Wollen wir in einem Land leben, wo-

Der Querdenker hat sich die etwas andere Informationsvermittlung auf seine Fahne geschrieben. Diese ist stets gehisst, auch dann, wenn der Wind eisig bläst.

PUNKTmagazin Zeit

Wirtschaft

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«Verlass das Erdöl, bevor es dich verlässt.»

36

Wirtschaft


Daniele Ganser

globaler kampf um erdöl Nachgefragt Rino Borini Bilder Christine Bärlocher

Dass uns das Erdöl irgendwann ausgehen wird, ist ­unbestritten. Die Frage ist, wann es passieren wird. Der Friedensforscher Daniele Ganser ist überzeugt, dass das Fördermaximum wurde bereits 2006 erreicht. Für die Schweiz sieht er darin durchaus Chancen. PUNKTMAGAZIN Herr Ganser, Sie haben sich als Friedensforscher auf den globalen Kampf ums Erdöl spezialisiert. Was forschen Sie genau? Daniele Ganser_ Offensichtlich gibt es Zustände, in denen Menschen in Frieden leben und andere, in denen sie in Gewalt leben. Als Friedensforscher interessiert mich, ob die Gewaltsituationen einen Zusammenhang mit dem Kampf um den wichtigsten Rohstoff haben, das Erdöl. Meine Forschungsergebnisse dazu sind eindeutig: Der Kampf ums Erdöl ist real, wird aber mehrheitlich totgeschwiegen. Kriegs- und Konfliktsituationen werden gerne so dargestellt, als ob um Menschenrechte oder Demokratien gekämpft würde. Meistens stimmt das nicht. Sie sprechen vermutlich die Kriege im Irak oder jüngst in Libyen an. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Irakkrieg 2003 und auch der Libyenkrieg im letzten Jahr reine Erdölbeutezüge waren. Andere Forscher bezeichnen den Irakkrieg als Versuch, einem von einem Gewaltherrscher terrorisierten Land demokratische Grundzüge zu vermitteln, dasselbe beim Libyenkrieg. Ich sehe das anders. Die angreifenden Länder waren keineswegs darum bemüht, bessere Regierungsformen zu implementieren. Ihr Interesse bestand darin, sich Zugang zu knappen Ressourcen zu sichern. Das ist ein harter Vorwurf. Die Argumentation der DemokratiebringerTheorie geht einfach nicht auf. Dazu muss man nur die Geschichte studieren. Dass der Westen im Zweifelsfall auch bereit ist, eine Demokratie zu zerstören, um an Ressourcen zu gelangen, zeigte sich unter anderem 1953, als die damalige Regierung im Iran gestürzt wurde. Diese war durchaus demokratisch und wollte die Erdölgewinne zum grössten Teil dem breiten Volk zugute kommen lassen. Doch über Erdölbeutezüge darf man nicht offen sprechen, die Bürger würden sich dagegenstellen. Es wird viel gelogen, wie etwa damals, als die Bush-Administration den Angriff auf den Irak mit sich im Bau befindlichen Massenvernichtungswaffen begründet hat. : Die Briten taten dasselbe.

PUNKTmagazin Zeit

Wirtschaft

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vernetzt. Die Ressourcenkriege gibt es, aber es ist nicht immer einfach, sie offen anzusprechen. Für die Friedensforschung sind sie ein wichtiges, aber auch anspruchsvolles Thema. Weg von der Politik, hin zum Kern der Sache: Erdöl ist ja per se nichts Schlechtes. Erdöl­hat uns reich gemacht. Und als hochwertiger Rohstoff ist es in der Produktion enorm hilfreich, aber man sollte Erdöl nicht verbrennen. Von den täglich 88 Millionen verbrauchten Fässern setzen wir lediglich zehn Prozent für Werkstoffe ein, der Rest wird verbrannt.

«Von den täglich 88 ­Millionen Fass Erdöl­ ­setzen wir nur zehn

Erdöl ist omnipräsent, das 20. Jahrhundert gilt als das «Zeitalter des Erdöls». Ich würde es «Zeitalter des billigen Erdöls» nennen. Aber das ist nun vorbei. In den fünfziger und sechziger­ Jahren kostete das Fass Erdöl zwei Dollar. Mit

­Prozent für Werkstoffe­

der ersten Erdölkrise 1973 stieg der Preis auf fünf

ein, der Rest wird

bei elf Dollar. Das klingt nach wenig, war damals

­verbrannt.»

Dollar, und wenig später notierte das Fass schon aber mehr als eine Verfünffachung des Preises. Befinden wir uns aktuell im «Zeitalter des teuren Erdöls»? 2008 notierte der Preis bei bis zu 150 Dollar pro Barrell, aktuell pendelt er zwischen 110 und 120 Dollar. Das ist eindeutig teures Erdöl. Aber noch wichtiger als die Preisentwicklung ist das Verständnis dafür, dass wir bei der

4 4 Der Iran verfügt noch immer riesige Erdöl­reserven. Ein Pulverfass? Der Iran hat

Förderung des konventionellen Erdöls den Peak erreicht haben.

nach Saudi-Arabien die zweitgrössten Reserven der Erde, noch vor dem Irak. Der Iran und

Was genau bedeutet «Peak» in diesem

sein wertvolles Erdöl sind meiner Meinung nach

­Zusammenhang? Mit Peak Oil ist die maxi-

schon lange auf dem Radar vieler Akteure. Ame-

male Ölfördermenge gemeint. Weltweit fördern

rikaner, Russen, Chinesen – alle zeigen Interesse.

gerade­ einmal 30 von insgesamt 197 Nationen

Der Iran ist definitiv ein geostrategisches Objekt,

Erdöl in vernünftigen Mengen, und von diesen

und es besteht die Gefahr, dass das Land wegen

haben einige den Peak bereits erreicht. In den

seinem Erdölreichtum angegriffen wird. Man

USA war das bereits 1970 der Fall, doch mittler-

­argumentiert zwar damit, dass man verhindern

weile sinkt auch die Produktion von Grossbri-

wolle, dass der Iran die Atombombe baue, doch

tannien und Norwegen. Indonesien hat den Peak

das ist zweitrangig. Auch die USA, Grossbritan-

ebenfalls erreicht, ist jetzt Nettoimporteur und

nien, Israel, Pakistan, Russland, China, Frank-

ist darum aus der OPEC ausgetreten.

reich und Indien haben die Atombombe gebaut, aber niemand verlangte, dass man sie darum

Wie sieht es global aus? Wenn ich die Informa-

­angreifen sollte. Wir müssen lernen, unsere Kon-

tionen der Internationalen Energiebehörde und

flikte ohne Gewalt zu lösen. Übrigens prüfte auch

alle anderen verfügbaren Daten analysiere, kom-

die Schweiz während des Kalten Kriegs den Bau

me ich zum Schluss, dass das Fördermaximum

einer eigenen Atombombe, die Tests hätten im

von konventionellem Öl bereits 2006 erreicht

Gotthard stattgefunden. Dieser Plan wurde zum

wurde. Es betrug damals 70 Millionen Fass pro

Glück nie realisiert.

Tag. Die Weltwirtschaft benötigt heute aber rund 88 Millionen Fass, das sind gut 44 Supertanker

Sie sind Dozent an der Universität Basel. 2011

täglich.

haben Sie zusätzlich das SIPER gegründet, warum? Ich habe das «Swiss Institute for Peace

Da fehlen 18 Millionen Fass. Richtig. Diese

and Energy Research» ins Leben gerufen, um die

18 Millionen Fass, notabene pro Tag, werden aus

beiden Komponenten Krieg und Erdöl zusam-

nichtkonventionellen Quellen gefördert. In diesem Punkt herrscht oft Verwirrung, viele ­­Menschen :

menbringen, denn sie sind sehr eng miteinander

38

Wirtschaft


PUNKTmagazin Zeit

Wirtschaft

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40

Wirtschaft


4 4 kennen den Unterschied nicht zwischen konven-

diesen­ Peak Oil gibt. Auch hier in der Schweiz

tionellem und nichtkonventionellem Erdöl.

sind Peak-Oil-Kriege ein Tabuthema.

Höchste Zeit, Unklarheiten zu beseiti­

Wo kaufen die Chinesen denn überall ein?

gen. Konventionelles Erdöl ist flüssig und ein-

Wie gesagt, vor allem in Afrika. Sie sind aber auch

fach zu fördern. Nicht konventionelles Erdöl ist

im Ölsand in Kanada investiert. Die Amerikaner

schwierig zu fördern – und darum teuer. Zu den

ihrerseits bombardieren Irak und Libyen, um sich

unkonventionellen­Quellen gehört Ölsand, der nicht

Erdöl zu sichern. Dieses «Spiel» kann man schon

flüssig ist und darum abgebaggert werden muss.

noch zehn oder zwanzig Jahre weiterführen, aber

Auch Ölschiefer und Tiefseeöl, also Quellen ab 500

die Situation wird dadurch nicht besser, sondern

Meter unter dem Meeresspiegel, sind unkonventio-

eher noch schwieriger.

nell und darum in der Förderung sehr riskant. Die zerstörte Ölplattform Deepwater Horizon beispiels-

Wie lautet Ihr Lösungsvorschlag? Wir müssen

weise musste fünf Kilometer in die Tiefe stechen, um

das Energieproblem lösen. Zudem müssen wir ler-

an Erdöl zu gelangen. Und dann ist sie explodiert.

nen, Konflikte friedlich zu lösen. Unser bisheriger Leistungsausweis ist hier miserabel. Wenn es hart

Wann ist der finale Peak erreicht? Ich erwarte,­

auf hart kommt, lautet die Devise: Es hat zuwe-

dass die Förderspitze für alle Ölarten kumuliert

nig, also bringen wir die anderen um und sagen,

noch vor 2020 erreicht wird. Wichtig ist zu verste-

wir tun es für die Menschenrechte.

hen, dass wir auch nach dem Erreichen des Peaks Erdöl haben werden. So schnell geht es uns dann

Wie sieht die konkrete Lösung aus? Man

doch nicht aus. Doch das Leben und das Wirt-

kann es drehen und wenden wie man will, die

schaften werden anspruchsvoller, denn wir ken-

Lösung kann nur hundert Prozent erneuerbare

Daniele Ganser, 1972 in Lugano

nen den künftigen Weg nicht. Nachdem wir dank

Energie heissen. Alles andere funktioniert nicht.

geboren, ist Historiker, Friedens-

Erdöl 160 Jahre einen Aufstieg erlebt haben,­ der

Nur mit erneuerbaren Energien kommen wir aus

forscher und Dozent am Insti-

uns viel Wohlstand brachte, müssen wir uns jetzt

diesem Problem heraus. Zudem braucht es Effi­

tut für Soziologie an der Univer-

auf den Abstieg vorbereiten.

zienz und auch Suffizienz. Wir werden lernen

sität Basel. Er ist spezialisiert

müssen, mit weniger glücklich zu sein.

auf Energiefragen, Wirtschafts-

Der Weg ins Tal könnte beschwerlich wer­

zur person

geschichte, Geostrategie und

den, denn über zwei Milliarden Menschen

Die Zukunft gehört also den alternativen

­internationale Zeitgeschichte

in Asien­wollen den gleichen Wohlstand wie

Energien? Ich bin ein klarer Befürworter von

seit 1945. Ganser ist zudem Prä-

wir. Genau, die haben unsere Fernsehprogramme­

hundert Prozent erneuerbaren Energien. Die

sident der Association for the

geschaut und gesehen, wie wir leben (lacht). Es ist

Fakten sind eindeutig: Schnell wachsende Bevöl-

Study­of Peak Oil Schweiz (ASPO)­

in der Tat so, dass beispielsweise allein die Chine-

kerung, einbrechende Erdölfördermengen, Peak

sowie wissenschaftlicher Beirat

sen im letzten Jahr pro Monat eine Million Neu-

Oil beim konventionellen Erdöl, Klimawandel

der World Peace Academy und

wagen auf die Strassen gebracht haben. In nur

und Ressourcenkriege – es braucht die Energie-

des Wirtschaftsverbandes

vier Monaten haben sie so viele Autos gekauft,

wende. Sie hat ja schon begonnen, wie zum Bei-

Swiss­cleantech. 2011 gründete

wie in der ganzen Schweiz zugelassen sind. Die

spiel Bertrand Piccard mit seinem Solarflugzeug

er das Swiss Institute for Peace

neue chinesische Mittelschicht will ein Auto, ei-

beweist. Aber es wäre fahrlässig zu glauben, der

and Energy Research (SIPER), um

nen Kühlschrank, vier beheizte Räume und vier-

Übergang von fossilen zu alternativen Energien

den globalen Kampf ums Erd-

mal pro Woche Fleisch auf dem Tisch. Der Druck

sei einfach, billig und schnell zu haben.

öl aus geostrategischer Pers-

auf die schwächer werdenden Erdölquellen wird zweifelsohne stark zunehmen.

pektive zu betrachten. Die Visi-

In welchen Bereichen sind die grössten

on von SIPER ist eine Wende hin

­Änderungen zu erwarten? Niemand weiss, wie

zur hundert Prozent erneuerba-

Wo liegt das grösste Konfliktpotenzial?

es wirklich wird, wenn das Erdöl nach dem Peak

ren Energieversorgung und zur

China­benötigt etwa zehn Prozent des weltweiten

Oil einbricht. Einen grossen Einfluss hat es sicher

friedlichen Konfliktlösung. Einer­

Erdölangebots, das sind neun Millionen Fass. Die

auf die Lebensmittelproduktion, denn die jetzi-

breiten Öffentlichkeit wurde

USA benötigen ihre zwanzig Millionen Fass pro

gen Landwirtschaftsflächen können nicht mit Esel

Ganser bekannt, als er die offizi-

Tag. Und natürlich wird jetzt gestritten. Die bei-

und Pferden beackert werden. Welche Alternativen

elle Version der amerikanischen

den Grossmächte befinden sich in einem direkten

man auch immer finden wird, die Preise werden

­Regierung rund um die Terroran-

Konflikt um die abnehmenden Ölvorräte.

steigen. Für uns ist das vielleicht nicht so schlimm,

schläge des 11. September 2001

doch für Menschen, die pro Tag nur zwei Dollar

anzweifelte. Er ist zudem Autor

Gibt das Anlass zur Sorge? Meiner Meinung

verdienen, sind die Auswirkungen dramatisch. Die

des Buches «NATO-Geheimar­

nach schon, denn die Chinesen kaufen alle Roh-

Nahrungsmittelsproduktion ist definitiv eine der

meen in Europa». Daniele Ganser

stoffe auf, die sie in die Finger kriegen, nicht nur

grössten weltweiten Herausforderungen.

ist verheiratet und lebt mit Frau,

in Afrika. Ungünstig ist, dass die EU nicht wirk-

Sohn und Tochter in der Nähe

lich eine geopolitische Position zwischen den

Was sind die weiteren Herausforderun­

Amerikanern und den Chinesen einnimmt. In

gen? Die zweite ist das Wirtschaftswachstum. Wir haben in der Vergangenheit immer ein :

­Europa wird gar nicht kommuniziert, dass es

PUNKTmagazin Zeit

von Basel.

Wirtschaft

41


«Mit einem Preis von 300

Also kurbeln wir damit die Konjunktur an? Natürlich. Aktuell schicken wir viel Geld nach

Dollar pro Barrel funktio­

­Libyen, Nigeria, Kasachstan oder Aserbaidschan,

niert die Weltwirtschaft

wir das Geld dagegen in Umbauten investieren,

nicht mehr so wie jetzt.»

denn das sind unsere Erdöllieferanten. Wenn bringt das dem Schweizer Gewerbe, also unserer Volkswirtschaft, einen Mehrwert. Zudem bereiten wir damit unser Land auf den Peak Oil vor. Wenn er dann tatsächlich erreicht wird, sind wir strategisch besser aufgestellt. Natürlich wird uns der Peak Oil auch dann treffen, aber weniger hart. Ist das finanzierbar? Das ist durchaus finan-

4 4 Wachstum­ erlebt. Natürlich erlebten wir da-

zierbar, aber nicht günstig. Leute, die langfris-

zwischen immer wieder Zeiten der Rezession,

tig denken, erstellen eine Lebenskostenrechnung.

aber letzten Endes haben wir uns an ein durch-

Eine Erdölheizung ist im Moment zwar günstig,

schnittliches Wachstum von rund zwei Prozent

aber längerfristig – wenn der Erölpreis weiter

jährlich gewöhnt. Ab einem bestimmten Erdöl-

steigen wird – wird sie zu einer Belastung. Es ist

preis wird jedoch das Wachstum abgewürgt. Mit

darum cleverer, bei Immobilien vorauszudenken

einem Preis von 300 Dollar pro Barrel funktio-

und sie schnellstmöglich vom Erdöl zu befreien.

niert die Weltwirtschaft nicht mehr so wie jetzt.

Ein weiterer Aspekt, der leider fast nie erwähnt

Die Schweiz ist überdurchschnittlich stark

stark an Wert gewinnen, wenn sich der Peak defi-

abhängig vom Erdöl. Was bedeutet der Peak

nitiv im Preis niederschlägt.

Hüst & Hott

wird: Erdölunabhängige Immobilien werden

für uns? Es wird nicht einfach. Die Energiefrage ist vergleichbar mit einem Hundertmeterlauf: Die

Kann sich die Schweiz einen Alleingang

ersten 10 Meter sind Atomenergie, die nächsten

­leisten? Wir sind fähig, hier eine Industrie zu

53 Meter sind Energie aus Erdöl. Dann folgen 14

entwickeln, die wir als innovatives Exportpro-

­Meter Wasserkraft und über 12 Meter Erdgas. Bio-

dukt verkaufen können, wenn Cleantech von der

masse, vor allem Holz, macht etwa 4 Meter aus. Im

grossen Masse nachgefragt wird. Ich bin davon

Zentimeterbereich haben wir noch Solar, Wind und

überzeugt, dass die Schweiz hier vorwärts machen

Geothermie. Es sind diese letzten paar Zenti­meter,

sollte. Der Wirtschaftsverband Swiss­cleantech

auf die wir uns nun konzentrieren müssen. Aber es

setzt sich für diese Ziele ein, mit Erfolg. Wir haben

ist klar, dass der Energiewandel ein Umlenken der

alles, was es braucht, um in diesem Bereich eine

Geldflüsse bedingt. Wir sollten unser Geld nicht

Vorreiterrolle einzunehmen: intelligente­ Men-

für Erdöl in die Wüste schicken, sondern im Inland

schen, viel Kapital, einen hohen Wohlstand und

erneuerbare Energien ausbauen und dadurch un-

ein Gewerbe, welches das umsetzen kann.

sere Unabhängigkeit stärken. Wie schnell kann diese Umstellung vor­ Was kann die Industrie beitragen? Im Ver-

genommen werden? Wir können es nicht bei

kehr sollten wir den Treibstoffverbrauch der

allen gleichzeitig umsetzen. Es geht nun darum,­

Fahrzeuge von heute durchschnittlich acht Liter

die Umstellung sinnvoll zu staffeln. Eine gute­

auf drei bis vier Liter pro hundert Kilometer sen-

Kommunikation ist in diesem Prozess zen­tral.

ken. Technisch ist das absolut möglich. Wenn sie

Wer begriffen hat, dass die Zeiten des billigen

Auto­kilometer ersetzen, ist auch der Einsatz von

Erdöls definitiv vorbei sind, sollte auch bereit

Elektrobikes wie dem Flyer sinnvoll. Und Immo-

sein, an konkreten Lösungen mitzuarbeiten.

bilien müssen wir gänzlich vom Erdöl befreien. Müsste der Staat das verstärkt fördern, Sie sprechen Cleantech an. Was kann getan­

­allenfalls auch vermehrt mit finanziellen

werden? Wir haben die Möglichkeit, unsere­

Mitteln? Aus der Geschichte weiss man, dass

Häuser so zu isolieren, dass sie nur noch sehr

es eine Überstrukturierung der Wirtschaft gibt,

wenig Energie benötigen. Diese kann auf unter-

wenn der Staat zu stark eingreifen will, und das

schiedliche Art erzeugt werden, beispielsweise mit

ist nicht ideal. Die konkreten Lösungen müs-

Rock oder Pop? Bratwurst oder Filet?

einer Wärmepumpe. Der Strom, den diese benö-

sen vom freien Markt kommen, wo sich die bes-

tigt, kann mit Photovoltaik erzeugt werden. An-

ten Modelle durchsetzen werden. Der Staat muss

fänglich bedingt das zwar Investitionen, aber

jedoch eine klare Ansage machen und erklären,

man muss die Vorteile sehen. Werden die Um-

dass wir als Vision hundert Prozent erneuerbare

Email oder Brief?

bauten konsequent umgesetzt, bedeutet das hohe­

Energie anstreben. Wir müssen das Erdöl verlas-

BAZ oder Weltwoche?

­Investitionen in unsere Wirtschaft.

sen, bevor es uns verlässt.

42

Wirtschaft

Vegetarisch Velo oder Auto? Apple oder Dell?

Finanz und Wirtschaft Theater oder Kino?


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Anders als bei der Verbrennung von fossilen Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas und Kohle werden bei der Nutzung erneuerbarer Energien das Klima und die Umwelt nachhaltig geschont. Es gibt verschiedene Arten erneuerbarer Energieträger, aus deren Nutzung Elektrizität, Wärme und Treibstoff gewonnen werden kann. Die Kraft des Wassers wird in der Schweiz traditionell genutzt und auch weitere erneuerbare Energien wie Sonne, Wind, Geothermie oder Biomasse bilden einen wachsenden Anteil an der Schweizer Energieversorgung.

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13327021

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Die in diesem Dokument erwähnten Finanzprodukte sind derivative Finanzinstrumente. Sie qualifizieren nicht als Anteile einer kollektiven Kapitalanlage im Sinne der Art. 7 ff. des Schweizerischen Bundesgesetzes über die kollektiven Kapitalanlagen (KAG) und sind daher weder registriert noch überwacht von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA. Anleger geniessen nicht den durch das KAG vermittelten spezifischen Anlegerschutz.

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RECHTLICHER HINWEIS Das Finanzinstrument wird von der Structured Solutions AG (dem „Lizenzgeber»») nicht gesponsert, gefördert, verkauft oder auf eine andere Art und Weise unterstützt und der Lizenzgeber bietet keinerlei ausdrückliche oder stillschweigende Garantie oder Zusicherung, weder hinsichtlich der Ergebnisse aus einer Nutzung des Index und/ oder der Index-Marke noch hinsichtlich des IndexStands zu irgendeinem bestimmten Zeitpunkt noch in sonstiger Hinsicht. Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und stellt weder eine Empfehlung zum Erwerb von Finanzprodukten noch eine Offerte oder Einladung zur Offertstellung dar und ist kein Research. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Bei Produkten, welche nicht unter COSI begeben werden, sind die Anleger dem vollen Kreditrisiko der Emittentin resp. der Garantiegeberin ausgesetzt. Diese Publikation stellt keinen vereinfachten Prospekt im Sinne des Art. 5 KAG dar. Die massgebende Produktdokumentation kann direkt bei EFG Financial Products AG unter Tel. +41 (0)58 800 1111, Fax +41 (0)58 800 1010 oder über EMail termsheet@efgfp.com bezogen werden. Verkaufsbeschränkungen bestehen für den EWR, Hongkong, Singapur, die USA, US persons und das Vereinigte Königreich (die Emission unterliegt schweizerischem Recht). © EFG Financial Products AG 2012. Alle Rechte vorbehalten.

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Wirtschaft im Bild

Mark Henley’s

“Bank on us” 44

Wirtschaft

Mark Henley, 1966 in Oxford geboren, fokussiert

Event ­«Exotische Schweiz - Aussensichten auf das

sich in seiner Arbeit auf Themen der Globalisierung.

­Eigene», einer Veranstaltung der Vereinigung

In seinem Werk «Bank on Us» beleuchtet er foto-

fotografischer GestalterInnen (vfg) im Rahmen

grafisch das Vermögensverwaltungsgeschäft der

der «ewz.sélection» (ewzselection.ch). Die Werke

Schweizer Banken – ein 5,5 Billionen Franken

von Henley, der schon in über fünfzig Ländern fo-

teures Geheimnis. Die beiden Grossbanken UBS

tografierte, fanden Einzug in zahlreichen renom-

und Credit Suisse, welche die Hälfte der Gelder

mierten Publikationen wie «Spiegel», «NZZ», «The

verwalten, stehen dabei im Fokus. Für seine in

Economist» oder «Business Week». Mit «Bank on

schwarz-weiss gehaltene Arbeit wurde Henley

Us» setzte Henley­erstmals ein Grossprojekt in

für den renommierten «Swiss Photo­Award - ewz

der Schweiz um. Die Bildunterschriften sind in

­sélection» nominiert, der am 16. Mai in Zürich

­Originalsprache und stammen vom Künstler. Nach

verliehen wird. Am 23. Mai ist er zudem Gast am

sechs Jahren in Zürich­lebt Henley heute in Genf.


01| Smoker taking a break outside the annual general meeting of UBS, in which there was a shareholder revolt after catastrophic losses requiring a government bailout, following exposure to the subprime market and an investigation into tax advoidance schemes in the US, which has threatened the very concept of banking secrecy. 02| After leaving UBS Headquarters, a man runs across Paradeplatz in the pouring rain. Paradeplatz, symbolic heart of an industry estimated to hold up to US$ 7000 billion in assets, including a third of all global offshore funds. 03| Giant armoured ­vehicle in Zurich’s main banking district. HQ of Credit Suissse behind.

PUNKTmagazin Zeit

Wirtschaft

45


01| Chairman of UBS Kaspar Villiger, addressing shareholders, as seen on a monitor during the bank’s Annual General Meeting 2011. The former politician’s position has been placed in question. 02| Shareholders at UBS Annual General Meeting. 03| UBS employee­ being interviewed by a TV station after the announcemnet of annual results, in the lobby of a art-decorated building in centre ­Zurich belonging to the bank.

46

Wirtschaft


PUNKTmagazin Zeit

Wirtschaft

47


01| CEO of Credit Suisse, Brady Dougan during a press conference in the bank’s offices to anounce annual results. 02| Members of the board of Credit Suisse sharing a joke in front row seats, before the bank’s Annual General Meeting 2011, following disappointing results.

48

Wirtschaft


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BASEL E-HALLE


EIN EIN EIN

Invest text: barbara Kalhammer Illustration: fabian Widmer

SCHRECKSCHRECKSCHRECKGESPENST GESPENST GESPENST JAGT JAGT JAGT DAS DAS DAS 1 1 Heute Deflation, morgen Inflation. Die Politik der Notenbanken d端rfte die Teuerungsraten auf absehbare Zeit steigen lassen. Anleger sind gut beraten, ihre Portfolios entsprechend auszurichten. 1 1

NACHSTE NACHSTE NACHSTE

PUNKTmagazin Zeit

invest

51


Invest

W

eltweit warnen Experten vor der

nach oben «gezogen» (sogenannte Nachfragesog­

­zunehmenden Inflationsgefahr. Die

inflation). Diese Art der Inflation kann beispielswei-

Gründe dafür liegen in der jüngs-

se durch eine Erhöhung der Geldumlaufgeschwindig-

ten Vergangenheit. Seit der Finanz-

keit entstehen. Langfristig ist Inflation ­allerdings ein

und Wirtschaftskrise versuchen die

monetäres Problem, das dann entsteht, wenn die Geld-

Noten­banken die Wirtschaft durch

menge dauerhaft stärker zunimmt als die gesamtwirt-

billiges Geld auf Touren zu bringen.

schaftliche Produktion. Die angebotsseitige Inflati-

Die einfache Schlussfolgerung lautet für viele: Mehr

on ist überwiegend auf steigende Produktionskosten

Geld bedeutet mehr Inflation. Doch das ist nur zum

zurückzuführen (man spricht von der sogenannten

Teil richtig.

Kosten­druckinflation). Dazu zählen insbesondere

Prinzipiell bedeutet Inflation beziehungsweise­

Löhne, Energiepreise oder Fremdkapitalkosten. Auch

Teuerung, dass die Geldmenge stärker zunimmt als

diese Inflationsart kann nur bei einer entsprechenden

die Menge der hergestellten Produkte. Die Folge ist

Ausweitung der Geldmenge längerfristig bestehen, da

eine reale Abwertung des Geldes. So erhält man in

andernfalls volkswirtschaftliche Anpassungsprozesse

inflationären Phasen für den gleichen Betrag weni-

zu wieder sinkenden Preisen führen würden.

ger Güter oder Dienstleistungen als davor. Legt man

eine Hundertfranken-Note unter das Kopfkissen,

kein grosses Thema ist, haben viele europäische Staa-

dann müsste man nach 15 Jahren ein Drittel davon

ten und Schwellenländer bereits mit hohen Teue-

abschneiden und vernichten. Grund dafür ist eine

rungsraten zu kämpfen. Hierzulande ist das Preis­

Inflationsrate von zwei Prozent. Um dieses Drittel

niveau in den vergangenen Monaten zurückgegangen.

hat sich dadurch der reale Kaufkraftwert reduziert.

Auch für das Jahr 2012 rechnet die Schweizer Natio-

Auch für Anleger hat die Inflation Folgen, denn in

nalbank mit einem Inflationsrückgang von 0,3 Pro-

der Vergangenheit standen hohen Inflationsraten

zent. Zurückzuführen ist die Preisentwicklung vor al-

zumeist auch deutlich höhere Zinsen gegenüber.

lem auf die Stärke der Landeswährung und die damit

Aktuell liegt die Inflationsrate, beispielsweise in

verbundenen sinkenden Importpreise. Deflation ist

Deutschland, jedoch auf dem Niveau der Zinsen von

das Gegenteil von Inflation, sprich, das Preisniveau

Während für die Schweiz Inflation bislang noch

Obligationen. Somit bringen Anleiheninvestments nur geringe bis gar keine Renditen ein.

gold als inflationsschutz

Arten der Inflation Die Ursache für Inflation liegt aber nicht allein in der Erhöhung der Geldmenge durch die Notenbanken. Ebenfalls von Bedeutung ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Zwar stellt

goldpreis– & teuerungsentwicklung im vergleich Langfristig ist Gold

10%

seinem Ruf als Inflations-

die Notenbank Staaten und Banken Geld zur Verfü-

schutz gerecht geworden.

gung, dieses wir aber nicht weitergegeben, beispiels-

Phasenweise war dies aber

weise in Form von Krediten an Unternehmen. Das

nicht der Fall.

8% 7%

Geld bleibt also einfach liegen – und die Umlauf­

6%

geschwindigkeit nimmt ab. Geld kann die Inflation­

5%

aber nur dann erhöhen, wenn es zirkuliert. Also

4%

nimmt die Inflationsgefahr zwar aktuell zu, die Inflation damit aber nicht.

3%

2%

Jörn Spillmann, Leiter Volkswirtschaft Inter-

national der Zürcher Kantonalbank (ZKB), gibt zu

1974 Ölkrise

9%

bedenken, dass konjunkturbedingte Inflation von

1%

zwei Seiten entstehen kann: von der Nachfrage- oder

0%

der Angebotsseite. Wie der Name schon sagt, liegen im ersten Fall die Gründe für Inflation im Verhal-

Jahr

1970

ten der Endabnehmer von Gütern und Dienstleistungen. Im Detail nimmt die Nachfrage stärker zu als die Produktion. In der Folge werden die Preise­

52

Invest

36 .–

159.–

Quelle: Bundesamt für Statistik, Darstellung: PUNKTmagazin

193.–


geht zurück, die Geldmenge wächst also langsamer

Zinssatz bindet. Dazu zählen insbesondere langfristige­

als die Zahl der hergestellten Güter und Dienstleis-

Anleihen. In den letzten Jahren profitierten Obligati-

tungen. Aber nicht nur eine Senkung der Geldmenge

onenanleger von Kursgewinnen durch sinkende Zin-

kann Deflation verursachen, sondern eben auch eine

sen, doch die Tiefzinsphase könnte nun vorüber sein.

kleinere Umlaufgeschwindigkeit. Konsumenten und

Höhere Inflationserwartungen führen zu steigenden

Unternehmer schieben dann in Erwartung sinkender

Zinsen, was wiederum zu tieferen Anleihenkursen

Preise ihre Kauf- und Investitionsentscheidungen auf.

führt. Ausserdem sinkt die Rendite durch einen An-

Gemäss Jörn Spillmann ist das negative Preiswachs-

stieg der Teuerung. Die nominale Rendite ist jene, die

tum in der Schweiz aber nur vorübergehend. «Die

der Anleger für das eingesetzte Kapital erhält. Nicht

Inflations­erwartungen der Wirtschaftssubjekte sind

berücksichtigt wird dabei aber die Teuerungsrate.

gut verankert und auf längere Sicht stellt die höhere Geldmenge eine grössere Gefahr dar», sagt

Aussagekräftiger ist daher der reale Zins, denn dieser entspricht dem Coupon abzüglich der

er. Sobald die Euro-Schuldenkrise überwunden

«Sobald die Euro-

sei, sind die Notenbanken gefordert, die Liqui-

Schulden­krise bewältigt

dität rechtzeitig abzuziehen und die Zinsen zu

Inflationsrate. Anleger mit einem Inflationsszenario sollten Kurzläufer vorziehen, damit das Kapital nicht lange gebunden ist, wenn der Zins­

erhöhen. Andernfalls werde die Inflation stark

ist, sind die Notenbanken

zunehmen. Besonders Investoren mit einem

gefordert, die Liquidität

auch Möglichkeiten, von der zukünftigen höhe-

rechtzeitig abzuziehen

10% erhöhungszyklus einmal einsetzt. Es gibt jedoch

80–1983 eser Anstieglängerfristigen ist eine Folge der Geld-Anlagehorizont von über zwei engenausweitung nachmüssten der Festsetzung 1989–1992 Jahren drohende Inflationsgefahren es Wechselkursziels gegenüber der D-Mark Die Geldmengenausweitung nach dem berücksichtigen. uf deutlich über 80 Rappen. Börsencrash 1987 führt zu einem erneuten Anstieg.

Mit der richtigen Anlage gut positioniert

Gemäss Kohler kann das tiefe Zinsumfeld ge-8%

und die Zinsen zu

nutzt werden, um den momentan tiefen Hypo-

­erhöhen.»

besitzer profitieren von hohen Inflationsraten6%

7%

thekarzins langfristig anzubinden. Immobilien-

Wer also sein Geld einfach unter das Kopfkissen legt oder auf einem Sparkonto mit geringen

9%

ren Inflation zu profitieren.

aber nicht nur durch einen sinkenden Realwert 2011

5%

Nationalbank bindet ihrer Hypothekarschuld, Die sondern auch durch

Jörn Spiellmann

den Kurs des Schweizer steigende Hauspreise. Dies gilt allerdings nur in4% Frankens an den Euro.

Zinsen parkiert, droht die Gefahr, langfristig von

1994–2007 1987 Die konsequente Geldmengenkontrolle führt der Teuerung enteignet einem Umfeld konstant hoher Inflationsraten. Börsen- zu werden. Es ist ­also zur längsten Phase von Preisstabilität seit dem 3% crash nötig, die Konsequenzen der Marktinterventionen 2. Weltkrieg (Teuerung unter 2%). Befindet sich die Wirtschaft hingegen im Umbruch

für sich selbst einzuschätzen und sich mit der richti-

von einer Deflation hin zu einer Inflation, ist dies2%

gen Anlage zu positionieren. Aktuell ist das aufgrund

mit steigenden Zinsen verbunden, weshalb Immobi-

des unsicheren Umfeldes alles andere als eine einfa-

lienpreise in solchen Phasen auch Schaden nehmen.

che Aufgabe. Jene, die Investitionen mit einem länger-

Wer selbst nicht Hausbesitzer werden möchte, kann0%

fristigen Horizont tätigen, sollten das Risiko steigen-

mit Immobilienfonds oder börsengehandelten In-

der Inflationsraten berücksichtigen. 1990 Daniel Kohler, Portfolio­manager bei 1741 Asset Management, rät

2000 dexfonds (ETF) ebenfalls von steigenden Preisniveaus 2010 profitieren. Bei Immobilienaktien sollte berücksich-

1%

daher bei hoher Inflation in erster Linie von Investments ab, bei368.– denen man für längere 362.– Zeit einen fixen

294.–

tigt werden, dass es sich um normale Aktien handelt : und sie somit sind. 1572.– 973.– 363.– mit Kursrisiken 603.– verbunden

Inflation in %*

1 Unze Gold in USD*

*Jahresdurchschnitt

10% 1980–1983 Dieser Anstieg ist eine Folge der Geldmengenausweitung nach der Festsetzung des Wechselkursziels gegenüber der D-Mark auf deutlich über 80 Rappen.

9% 1989–1992 Die Geldmengenausweitung nach dem Börsencrash 1987 führt zu einem erneuten Anstieg.

8% 7% 6% 2011 Die Nationalbank bindet den Kurs des Schweizer Frankens an den Euro.

1994–2007 Die konsequente Geldmengenkontrolle führt zur längsten Phase von Preisstabilität seit dem 2. Weltkrieg (Teuerung unter 2%).

1987 Börsencrash

5% 4% 3% 2% 1% 0%

1990

1980

459.–

368.–

2010

2000

362.–

294.–

363.–

Inflation in %* PUNKTmagazin Zeit

603.–

1 Unze Gold in USD*

973.–

1572.–

*Jahresdurchschnitt invest

53


gewissen realwirtschaftlichen Charakter. Kohler rät,

Immobilienbesitzer profitieren doppelt von hohen

den Fokus auf solide Unternehmen mit hohen Di-

Inflations­raten: der Realwert

videndenrenditen zu legen. Durch die Ausschüttun-

ihrer Schuld schrumpft und

gen erhalten Investoren laufende Erträge. Anleger,

die Hauspreise steigen.

die auf einzelne Werte setzen möchten, sollten also die wirtschaftliche Lage des Unternehmens, seine Marktstellung und die Zukunftsperspektiven genau kennen. Einfacher ist der Weg über börsenkotierte Indexfonds oder aktiv gemanagte Aktienfonds. Neben realen Werten stellen auch inflationsgebundene Anleihen eine Möglichkeit dar. Wie der Name schon sagt, ist die Entwicklung, genauer gesagt die Couponzahlung, an die Inflationsrate gekoppelt. Bei einer steigenden Inflation erhöhen sich auch die Zinszahlungen. Angeboten werden vor allem Staatsanleihen

44 Inflationsschutz Nummer eins Als Inflations-

von den USA, Grossbritannien, Frankreich, Deutsch-

schutz schlechthin bezeichnet Kohler Edelmetalle, ins-

land und Italien. Da die Anleihen in anderen Wäh-

besondere Gold. Dabei gilt es jedoch zu berücksichti-

rungen denominiert sind, sollten Anleger auf jeden

gen, dass Edelmetalle zum einen keine Zinsen abwerfen

Fall das Währungsrisiko beachten.

und sich zum anderen sehr volatil entwickeln können. Generell hängt die Preisentwicklung von Edelmetal-

Nominale Werte für Deflationsszenario Zwar

len wie Silber oder Platin zudem stark von konjunk-

überwiegt auf längere Sicht die Inflationsgefahr,

turellen Nachfragekräften ab und nicht alleine von

doch gibt es sicherlich Anleger, bei denen die Angst

der Inflationsentwicklung. Gold beispielsweise ist

vor einer deflationären Phase überwiegt. Sie sind mit

ein beliebtes Kriseninstrument. So hat der Goldpreis

nominalen Werten – also Bargeld oder Obligationen

zwischen den Jahren 2009 und 2012 mehr als achtzig

– gut beraten. Schliesslich lauten die entsprechen-

Prozent an Wert gewonnen. Experten raten­ zu einem

den Anlagen für das jeweilige Szenario folgenderma-

Goldanteil im Portfolio von etwa 5 bis 15 Prozent. Die

ssen: Jene, die Bargeld, langlaufende Obligationen

Palette der Gold-Investments ist besonders breit. Ne-

oder Festgeld besitzen, verlieren bei hohen Inflati-

ben ETF, die physisch mit Gold hinterlegt sind, bieten

onsraten. Bessere­Chancen bieten in solchen Phasen

sich auch Zertifikate oder der Kauf von Münzen und

reale Werte wie Immobilien, Rohwaren oder auch

Barren an. Doch nicht nur Gold ist einen genaueren

Aktien. Ihre Schutzfunktion können Gold und Akti-

Blick wert. Die Inflation ist oft auf einen steigenden

en besonders bei hohen Inflationsraten, sogenann-

Ölpreis zurückzuführen. Dieser verteuert die Lebens-

ter Hyperinflation, ­erfüllen. Von Bedeutung für den

haltungskosten, doch können die Mehrkosten durch

Anlageentscheid ist ausserdem das Währungsrisiko.

diversifizierte Rohstoffanlagen ausgeglichen werden.

Rohwaren beispielsweise notieren in Dollar. Es ist

Ebenfalls als guter Inflationsschutz erweisen

ebenfalls nicht ratsam, sich auf eine der Anlageklas-

sich Aktien. Aktien sind Beteiligungspapiere an real

sen zu verlassen: Eine ausreichend breite Diversifi-

existierenden Unternehmen. das verleiht ihnen einen

kation des Portfolios ist entscheidend.

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kolumne

Nachhaltigkeit ist Zeitgeist

mirjam staub-bisang

I

n weniger als fünf Sekunden schnellt der

Geberit profitieren dank ressourcenschonen-

Sportwagen Lotus Exige S von 0 auf 100

den Werkstoffen beziehungsweise Sanitär­

– allerdings mit ohrenbetäubendem Ge-

lösungen stark vom grünen Bauboom. Kein

töse. Der Roadster von Tesla schafft es in

Wunder, macht doch Energieeffizienz bei

weniger als vier Sekunden. Dabei summt

Gebäuden mit einer Lebensdauer von durch-

er nur leise, denn ein neu entwickelter Hoch-

schnittlich drei Generationen einfach Sinn.

leistungs-Elektromotor treibt ihn an. Doch

Dank auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Pro-

der lärmige Exige S und der leise Roadster ha-

duktionsprozessen konnte beispielsweise Ge-

ben eine Gemeinsamkeit: das windschlüpf-

berit innert zwei Jahren rund fünfzig Prozent

rige Chassis in Leichtbautechnologie. Das ist

des Wasserverbrauchs einsparen. Ein weite-

wenig überraschend, werden sie doch beide

res Beispiel ist Unilever. Der Konzern will bis

von Lotus hergestellt. Die im Silicon Valley

in knapp zehn Jahren nur noch Produkte aus

beheimatete Tesla nutzt die hochentwickel-

nachhaltig erzeugten Rohstoffen anbieten.

te Leichtbautechnologie von Lotus, damit der

Roadster trotz des Gewichts von 6800 Batteri-

langfristig im Markt bestehen zu können. All

en leicht bleibt. Dabei gewinnt auch der eng-

diese Unternehmen agieren nicht aus Altru-

lische Traditionsbetrieb Lotus: Chassis für

ismus, sondern wittern Geschäftschancen. Sie

Elektroautos sind mit dreissig Prozent Um-

haben die Zeichen der Zeit erkannt. Sie wis-

satzanteil zum bedeutenden und stark wach-

sen, dass ihre Kunden nachhaltige Produkte­

senden Treiber geworden – gewissermassen

fordern und reagieren auf die Nachfrage.

der Antipode zum traditionellen Geschäft

­Sustainability means Business! Nachhaltig-

mit den lärmenden Benzinfressern. Ein Wan-

keit ist ökonomische Vernunft und bringt

del, fast wie von Saulus zu Paulus. Dem Mut-

langfristig attraktive Renditen für Investoren.

terhaus in Malaysia scheint es zu gefallen.

Der Tesla liegt im Zeitgeist, vereint er

die sich Nachhaltigkeit auf die Fahne schrei-

doch die Freuden der Spassgesellschaft mit

ben, ohne diese wirklich umzusetzen, «Green-

dem Ruf nach mehr Nachhaltigkeit. Auch

washing» im Fachjargon genannt. Dazu ge-

andere Unternehmen haben erkannt, dass

hört wohl BP, die ihre geringen Investitionen

Nachhaltigkeit nicht Verzicht, sondern Ge-

in alternative Energien medial stark anpries,

winn bedeutet. Mit einer nachhaltigen Pro-

um sich einen grünen Anstrich zu verleihen.

duktstrategie profitieren sie von grünen

Gleichzeitig wurde bei der Betriebssicherheit

Trends und wachsenden Märkten. So zum

gespart. Das Resultat dieser Strategie ist be-

Beispiel der Technologiekonzern Siemens,

kannt: Eine Umweltkatastrophe im Golf von

der mit seinen Produkten hauptsächlich in

Mexiko und empfindliche Verluste für die

den Sektoren Energie und Infrastruktur rund

Aktionäre. Die Konklusion ist klar: Nur nach-

40 Prozent des globalen Potenzials zur CO2-

haltig ausgerichtete Unternehmen können

Reduktion anpeilt. Auch Sika und erst recht

langfristig bestehen.

Nachhaltigkeit ist eine Strategie, um

Natürlich gibt es auch schwarze Schafe,

Dr. Mirjam Staub-Bisang ist Gründungspartnerin sowie Verwaltungsratsdelegierte der Independent ­C apital ­Management AG. Die Rechtsanwältin und Buchautorin hält zudem einen MBA-Abschluss der INSEAD.

PUNKTmagazin Zeit

invest

55


Invest

timing ist alles Text barbara kalhammer

Anleger suchen den perfekten Zeitpunkt für ihr Börsenengagement, auch wenn das gemäss Studien gar nicht möglich ist. Ganz ausser Acht lassen sollte man das Market Timing aber dennoch nicht.

Market Timing bezeichnet den Versuch, Titel im

optimalen Moment zu kaufen beziehungsweise verkaufen, um so die Gewinnchancen zu erhöhen. Dies setzt voraus, dass Anleger die Richtungsänderungen des Marktes vorhersehen. Dies geschieht durch den Einsatz von fundamentalen oder technischen Analysen. Erstere leiten die Prognosen für die Aktienentwicklung aus realwirtschaftlichen Kennzahlen wie Kurs/Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert oder Dividendenrenditen ab. Bei technischer Analyse wird versucht, mit Hilfe von Charttechnik und Kurs-Indikatoren Kauf- und Verkaufsignale zu ermitteln und sich

56

dementsprechend zu positionieren.

Doch führt eine Market-Timing-Strategie zum

komplett unnütz? «Nein», widerspricht Christian

Erfolg? Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass

Gattiker, Chefstratege der Bank Julius Bär. Eine aktive

dem nicht so ist. Market Timing ist sogar vielmehr

Bewirtschaftung des Portfolios könne durchaus von

eine reine Glückssache. Als grösste Gefahr gilt das

Erfolg gekrönt sein. Beispielsweise erwarteten Inves-

Risiko,­ entscheidende Handelstage an der Börse zu

toren, welche die Anlageentscheide in die Hand einer

verpassen. Der Spanier Javier Estrada, Ökonom an

Bank gegeben haben, 2008 und auch im vergange-

der IESE Business School, hat in seiner Studie «Black

nen Jahr, dass diese eingreift, um Verluste zu begren-

Swans and Market Timing» die Entwicklung verschie-

zen. «Aktive Strategien bieten die Möglichkeit, das

dener Indizes zwischen 1989 und 2006 untersucht.

Risiko­-Rendite-Verhältnis zu optimieren und Klip-

Dabei zeigte sich, dass für eine gute Performance nur

pen zu umschiffen», sagt er. In dosierter Form mache

einzelne wenige Börsentage entscheidend waren.

Market Timing daher durchaus Sinn. Dass Anleger

Wer über den ganzen Zeitraum mit 1000 Fran-

im Durchschnitt durch den richtigen Einstiegszeit-

ken dabei war, erhielt am Ende rund 3700. Wer jedoch

punkt die Rendite verbessern können, hält Gattiker

die zehn besten Tage verpasste, hatte lediglich 1870.

für einen­Mythos. Erfolgsversprechender sei ein gra-

Nur 70 blieben, wenn man die besten 100 Handels-

dueller Entscheid.

tage verpasste. Estrada ist überzeugt, dass die guten

Börsentage nicht vorhersehbar sind, dazu bräuchte

einem Zeitpunkt gewechselt, sondern in mehreren

man hellseherische Fähigkeiten. Dazu kommt, dass

Schritten. Der Mittelweg – ein längerfristiges Engage-

die Renditen zusätzlich geschmälert werden durch

ment in Kombination mit aktiven Ansätzen, um sich

anfallende Kauf- und Verkaufsgebühren. Zudem läuft

den Marktveränderungen anzupassen – ist demnach

man Gefahr, Markterholungen zu verpassen, die oft

die beste Wahl. Entscheidend ist, dass sich Anleger ei-

auf Crashtage folgen. Da diese Gegenbewegungen oft

ne eigene Meinung bilden. Denn wirklich teuer wird

sehr stark ausfallen und unerwartet kommen, drohen

es für jene, die tägliche ihre Ansichten über den Hau-

bei Verpassen hohe Renditeausfälle.

fen werfen und unkontrolliert ein- und aussteigen.

Invest

Ist Market Timing als Strategie demzufolge

Bei diesem werden die Positionen nicht alle zu


Megatrends im fokus Megatrends wie Globalisierung, Ressourcenverknappung und Demografie bringen politische und wirtschaftliche Herausforderungen mit sich – und eröffnen interessante Investitionschancen.

De Schnäller isch de Gschwinder.

Der Wandel des globalen Handels wird bestimmt durch langfristig wirkende Treiber. Megatrends erstrecken sich über Jahrzehnte und haben starke Auswirkungen auf Gesellschaft und Natur. Bereits seit längerem beschäftigen uns Treiber wie demografischer Wandel und Globalisierung, die eine Verschiebung der Nachfrage bewirken. Eine besondere­ ­Bedeutung kommt den Schwellenländern zu. Denn in diesen Staaten bündeln sich die Trends der Globalisierung und des Bevölkerungswachstums. Bereits jetzt beträgt ihr Anteil an der weltweiten Wertschöpfung über 35 Prozent, schreibt die Allianz. Zudem gelten die Länder als Stabilitätsanker, da sie über zwei Drittel aller Devisenreserven verfügen und nur 15 Prozent der weltweiten Staatsschulden auf ihnen lasten. Eine wichtige Rolle nimmt Asien, allen voran China ein. Dort wächst die Mittelschicht enorm und mit ihr der Bedarf an Konsum- und Luxusgütern. Mit höherem Wohlstand und dem notwendigen Infrastrukturausbau steigt auch die Nachfrage nach Rohstoffen. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Aluminium, Kupfer und Stahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdreifacht. Die Ressourcen werden zusehends knapper, neue Energiequellen werden benötigt. Gemäss Allianz dürfte auf der Angebotsseite im nächsten langen Zyklus die Steigerung der Ressourcen- und Energieproduktivität ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg darstellen. Für Anleger eröffnen Megatrends Chancen im Bereich der alternativen Energiemöglichkeiten, der effizienten Nutzung der weltweiten Ressourcen, der Umwelt- und Informationstechnologien wie Smart Grid, der Infrastruktur, des Konsums aber auch – aufgrund der Überalterung der Gesellschaft – der Biotechnologie. Ebenfalls an Bedeutung gewinnen laut Allianz verantwortungbewusste Investments. Gerne werden solche Megatrends in Themenzertifikate oder Fonds verpackt. Anleger sollten jedoch genau prüfen, ob ihre Anlageziele auch wirklich realisiert werden.

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PUNKTmagazin Zeit


Auf der suche nach zinsen Staatsanleihen sind unsicherer denn je, das Zinsniveau notiert rekordtief, Aktien sind hohen Schwankungen unterworfen. ­A lternativen bieten hochverzinsliche Unternehmensanleihen. Bis vor Ausbruch der Schuldenkrise galten Staatsanleihen per se als ­sichere Anlagen. Diese Regel gilt nicht mehr, wie die Beispiele Portugal, Italien, Griechenland oder Spanien zeigen. Bei anderen Ländern ist zu-

für nerven aus stahl

mindest das Prädikat «hohe Sicherheit» stark angekratzt. Anlagen in ­Aktien dagegen sind – besonders für konservativ orientierte Anleger – zu riskant. Einen Ausweg aus dieser Misere können Unternehmensobligationen sein. Anleihen von Firmen mit soliden Bilanzen bieten risikobereinigt etwas mehr Rendite als Staatspapiere und sind diesen derzeit vorzuziehen. Staatsanleihen dürften unter Verkaufsdruck geraten, sobald das

Dank Hebeleffekten locken Warrants &

Vertrauen zurückkehrt. Das Segment der sogenannten High-Yield-Obliga-

Co. mit hohen Gewinnen. Doch Obacht,

tionen bietet ansehnliche Renditeaufschläge. Dabei ist eine sorgfältige

sie kennen nicht nur eine Richtung.

Titelauswahl wichtiger denn je. Zudem sollten die Laufzeiten der Anleihen eher kürzer ausfallen. Dadurch reduziert sich das Risiko von Kurs-

Warrants und Mini-Futures sind der Umsatz-

verlusten bei einem Zinsanstieg, denn früher oder später dürfte dieser

schlager an der Börse. Doch aufgepasst: Sie eig-

eintreffen. Langfristige Obligationen sind daher wenig attraktiv. Je nach

nen sich nur für spekulativ orientierte Anleger.­

Ausmass der beiden gegensätzlichen Bewegungen kann in der Summe

Man will mit wenig Kapital möglichst rasch viel

sogar ein Kursgewinn entstehen. Steigt das Zinsniveau aufgrund einer

Gewinn erzielen. Und das ist durchaus möglich.­

Wachstumsbeschleunigung, ist es sogar wahrscheinlicher, dass das Kre-

In den letzten Jahren konnten Mini-Futures

ditrisiko abnimmt. Das gilt umso mehr für die Phasen des Kreditzyklus,

die Gunst der Anleger gewinnen. Unter ande-

in denen Unternehmen gering verschuldet sind. Für Privatanleger sind

rem, weil sie im Vergleich mit klassischen War-

kollektive Anlagelösungen dank ihrer automatischen Diversifikation

rants einfacher zu verstehen sind. Sie kennen

erste Wahl. Glaubt ein Investor, ein aktives Fondsmanagement schnei-

keine feste Laufzeit, und ihre Kursentwick-

de besser ab als der Vergleichsindex, kann er aus einer Vielzahl von Pro-

lung ist leicht nachvollziehbar. Angenommen,

dukten auswählen. Sucht er eine günstigere Anlageform, so findet er die

ein Investor glaubt an eine Kurssteigerung der

­Alternative im Segment der börsengehandelten Indexfonds. Diese schla-

Aktie­«Musterfirma», die aktuell bei 1000 Fran-

gen den einen Vergleichsindex, sind dafür günstiger als traditionelle

ken ­notiert. Statt dass er nun die Aktie zu 1000

Fonds. Und bekanntlich ist das Finden eines erfolgreichen Managers

Franken kauft, investiert er in einen Mini-Long

vergleichbar mit der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

RB

auf diese Firma. Dieser kostet in unserem Beispiel 200 Franken. Die Differenz von 800 Franken wird vom Emittent als Kredit zur Verfü-

Auswahl hochverzinslicher Obligationen Fonds

gung gestellt. Steigt die Aktie um 50 Franken

Anlagefonds

auf 1050, so verteuert sich der Mini-Long eben-

Name

Anbieter

ISIN

Währung

Gebühren

so um 50 Franken auf 250. Ein Anstieg der Aktie­

Swisscanto Bond Invest Global High Yield

Swisscanto

LU0556184884

CHF

1.30%

5.40%

um 5 Prozent erhöht den Wert des Mini-Futures

UBS Bond USD High Yield (CHF hedged)

UBS

LU0566797311

CHF

1.26%

4.10% 2.50%

2011%

also um 25 Prozent. Der gleiche Mechanismus

UBS Short Duration High Yield

UBS

LU0577855785

CHF

1.26%

spielt auch umgekehrt. Fällt der Titel um 5 Pro-

UBS Bond Asian High Yield (CHF hedged)

UBS

LU0626907470

CHF

1.40%

n.a.

zent, verliert der Mini-Future 25 Prozent. Um

Fidelity Asian High Yield

Fidelity

LU0286668453

USD

1.41%

7.00%

die möglichen Verluste einzugrenzen, sind sie

Fidelity European High Yield

Fidelity

LU0110060430

EUR

1.41%

6.40%

mit einer automatischen Kursbarriere ausge-

BlackRock Global High Yield

BlackRock

LU0171284770

USD

1.46%

4.20%

stattet. Diese sogenannte Stopp-Loss-Marke

LGT Multi Manager High Yield

LGT

LI0026564604

USD

2.50%

4.70%

wird bei der Lancierung definiert. Unterschrei-

Schroders High Yield

Schroder

LU0189893018

USD

1.00%

4.50%

Währung

Gebühren

tet der Kurs diese Marke, wird das Produkt gestoppt. Der maximale Verlust kann also nicht

ETF

höher sein als das eingesetzte Kapital. Beim

Name

Anbieter

ISIN

Kauf sollte daher darauf geachtet werden, dass

Lyxor ETF iBoxx EUR Liquid High Yield 30

Lyxor

FR0010975771

EUR

0.45%

6.10%

der Abstand des aktuellen Kurses zum Stopp-

iShares Markit iBoxx Euro High Yield

iShares

IE00B66F4759

EUR

0.50%

7.00%

Loss möglichst gross ist. An der Börse Scoach

SPDR Barclays Capital Euro High Yield

State Street

IE00B6YX5M31

EUR

0.45%

n.a.

sind Mini-Futures mittlerweile fast auf jede Aktie erhältlich. Doch bevor die Gier auf schnelle Gewinne sich durchsetzt, sollten sich Anleger intensiv in die Materie einlesen.

58

Invest

RB

2011%

Quelle: Anbieter, Stand: 14.2.2012


whisky Hochprozentige rendite

2011 bescherte manchem ein fettes­ Minus, kaum ein Depotauszug zeigte eine positive Rendite. Eine Alternative bieten Anlagen in reale Sachwerte, beispielsweise Whisky.

Markt beschäftigen muss. Whisky ist nicht gleich Whisky. Der König unter den Whiskys ist der Single Malt. «Single» zeigt an, dass nur eine einzige Whiskysorte verwendet wurde. «Malt» bedeutet, dass ausschliesslich mit gemälzter Gerste gearbeitet wurde. Ein Single­ Malt ist etwas Spezielles, er hat Charakter. Malt-Whiskys machen jedoch lediglich et-

PUNKTmagazin Zeit

Im ersten Moment könnte man meinen,

wa fünf Prozent des weltweiten Verkaufs­

­Investitionen in Whisky gehören in den

volumens aus. Beliebter sind Blends, Mi-

Hobby­bereich. Doch weit gefehlt. Mittlerweile­

schungen aus verschiedenen Whiskys, wie

gibt es manch einen Sammler, der mit Kauf

Johnny Walker­oder Chivas Regal.

und Verkauf der hochwertigen Spirituose ein

kleines Vermögen gescheffelt hat.

aus ihrer Whisky-Investition erzielen, tat-

Wie hoch die Renditen, die Sammler

Grund dafür sind enorme Preissteige-

sächlich sind, ist nur schwer zu beziffern. Ei-

rungen, die in der Vergangenheit festzustel-

ne Richtschnur zumindest bietet der World-

len waren. So wurde 2011 ein 62 Jahre alter

Whisky-Index. Das 2007 ins Leben gerufene

Dalmore-Whisky, der 2002 noch für 39 000

Barometer informiert über Preise, Marken

Dollar zu haben war, in einem Duty-Free-­

und Alter der verschiedenen Marken und

Geschäft am Flughafen Singapur für sagen-

Abfüllungen. Derzeit sind auf der Plattform

hafte 200 000 Dollar verkauft. Eine Rendite,

über 47 000 Flaschen aufgeführt. Der teuerste­

die auf der Zunge zergeht: sage und schreibe

Whisky im Index ist ein «Springbank 1919»,

413 Prozent in neun Jahren. Die durchschnitt-

der für rund 67 000 Franken angeboten wird.

liche jährliche Wertsteigerung liegt bei knapp

2009 lag der Verkaufspreis der Edelspirituose­

20 Prozent. Dass der teure Whisky ausgerech-

– lediglich 24 Flaschen wurden abgefüllt –

net in Asien verkauft wurde, ist kein Zufall.

noch bei knapp 25 000 Franken. Wer sich also­

Der wachsende Wohlstand in vielen Schwel-

für Whisky mit Wertsteigerungspotenzial

lenländern geht mit einer steigenden Nach-

­interessiert, sollte sich vor allem auf Raritäten

frage für Edel-Spirituosen einher. Whisky als

und auf Originalabfüllungen konzentrieren

Wertanlage wird immer beliebter. Destilleri-

und diese möglichst bald nach Erscheinung

en haben diesen Trend erkannt und bringen

kaufen, solange sie noch vergleichsweise

Whiskys auf den Markt, die gezielt auf Samm-

günstig zu haben sind.

ler und Anleger ausgerichtet sind. Der Schlüs-

sel zum Erfolg: Rarität und Exklusivität.

Whisky-Investments: Falls man mit der Ren-

Top-5 Whiskys Springbank 1919 / 50 Jahre * 55 000.– EUR Macallan 1948 / 51 Jahre 5954.– EUR Macallan 1977 / 25 Jahre 5310.– EUR Bowmore 1964 / 43 Jahre 4095.– EUR Bowmore 1964 / 42 Jahre 3965.– EUR

*Jahrgang / Dauer Lagerung Quelle: World-Whisky-Index, Stand 14.2.20122

Einen ganz natürlichen Vorteil bieten

Whisky ist kein Spekulations­objekt,

dite nicht zufrieden ist und den Ärger erträn-

und wie bei jeder Geldanlage gilt der Grund-

ken will, kann man sich wenigstens den Gang

satz, dass sich der Investor intensiv mit dem

zum Spirituosengeschäft ersparen.

RB

invest

59


Rechtzeitig säen und üppig ernten Nachgefragt rino borini

Altersvorsorge beginnt nicht erst mit der Pensionierung. Wer den gewohnten L ­ ebensstandard im Ruhestand halten will, sollte­das Thema möglichst früh anpacken.

Ich kenne Selbständige, die beim Sozialamt anklopfen müssten, wenn sie zum Beispiel längere Zeit krank wären. Das ist kein gutes Gefühl. Mir persönlich ist es wichtig, dass ich auch dann gut weiterlebe, wenn ich nicht mehr arbeiten kann oder wenn ich alt bin. Wer Familie hat, möchte ­sicher sein, dass Partner und Kinder auch nach seinem Tod gut versorgt sind. Allein das Wissen,

PUNKTmagazin Frau Feldmann, es wird

dass alle gut abgesichert sind, ist viel wert.

zunehmend schwieriger, den gewohnten Lebensstandard nach der Pensionierung

Wann fängt man idealerweise damit an? Die

alleine mit AHV und Pensionskasse zu hal­

meisten Kunden beginnen sich für ihre Vorsorge

ten. Es wird wohl kaum einfacher, oder?

zu interessieren, wenn sich in ihrem Leben etwas

Susi Feldmann_ Nein, das wird es definitiv

Wichtiges verändert, beispielsweise Konkubinat,

nicht. Das Hauptproblem ist die Überalterung

Heirat, Scheidung, Nachwuchs, Kauf von Wohn-

der Gesellschaft. Die steigende Lebenserwar-

eigentum, unbezahlter Urlaub, Veränderung des

tung führt dazu, dass die Vorsorgewerke ihre

Arbeitspensums oder Gründung einer eigenen

Altersleistungen heute deutlich länger auszah-

Firma. Bei einem Arbeitgeberwechsel überprüfen

len müssen als noch vor zwanzig Jahren. AHV

wir oft, wie gut die Leistungen der neuen Pensi-

und Pensionskassen müssen sich diesen Verän-

onskasse im Vergleich zur bisherigen sind. Wenn

derungen anpassen. Wir werden um Abstriche

Kunden deutlich mehr verdienen, zeigen wir die

bei den Leistungen nicht herumkommen. Am

Auswirkungen auf ihre Vorsorge auf. Ab 45 Jah-

besten fährt, wer nicht allein auf staatliche und

ren beginnen sich Kundinnen und Kunden er-

berufliche Vorsorge angewiesen ist, sondern

fahrungsgemäss auch für ihre Altersvorsorge zu

­zusätzlich selbst für sein Alter spart.

­interessieren.

Was bedeuten das konkret für die Versi­

Betrachten wir einzelne Lebensabschnitte.­

cherten? Das Einkommen aus AHV und Pen-

Sollten sich schon junge, alleinstehende

sionskasse beträgt bei den meisten Angestell-

Menschen Gedanken über ihre Altersvorsor­

ten nur etwa sechzig Prozent des letzten Lohns.

ge machen? Auch junge Menschen können auf-

Be­sser stehen Arbeitnehmende da, deren Pen-

grund einer Krankheit oder eines Unfalls arbeits-

sionskasse mehr als die minimalen Leistun-

unfähig werden. Deshalb lohnt es sich zu prüfen,

gen versichert. Aus meiner Erfahrung weiss

wie viel Geld man in so einem Fall erhielte. Wer

ich, dass die meisten Leute nach der Pensionie-

es vermag, kann schon in jungen Jahren begin-

rung etwa gleich viel Geld ausgeben wie vorher.

nen, für sein Alter sparen. Je länger es bis zur Pen-

Wer nicht privat vorsorgt, muss sich im Alter

sionierung dauert, desto stärker hilft der Zinses-

­einschränken.

zinseffekt beim Sparen. Wer Ende Jahr Geld auf die Seite legen kann, sollte in die Säule 3a einzah-

Also sollte sich jeder selber mit seiner Vor­

len und vom Vorzugszins und der Steuerersparnis­

sorge auseinandersetzen?

profitieren. Sinnvoll sind Vorsorgekonten oder

Ja, in meinen

­Augen hat das mit Selbstverantwortung zu tun.

60

Invest

-depots bei einer Bank.


Wohneigentum zu kaufen, sollte die 3a-Säule un-

­cetera. Wer mit der Säule 3a vorsorgt, kann über

bedingt bei einer Bank und nicht bei einer Versi-

dieses Vermögen nicht frei verfügen. Dafür win-

cherung abschliessen. So steht mehr Kapital zur

ken Steuervorteile, die es bei der Säule 3b nicht

Verfügung, das man als Eigenmittel anrechnen

gibt. Eine Säule 3b hat jedermann. Wer zusätz-

lassen kann.

lich Geld für sein Alter oder für Wohn­eigentum reservieren möchte, ergänzt seine freie Vorsorg­e

Welche Vorsorgemöglichkeiten sollten

um die Säule 3a.

­Familien in Betracht ziehen? Wenn die Person, von dessen Einkommen die Familie lebt, in-

Worauf muss man weiters achten? Überle-

valid wird oder stirbt, ist eine ausreichende Vor-

gen Sie, ob in Ihrer Situation eher ein Vorsorge­

sorge unverzichtbar, damit die Familie wie bisher

produkt einer Bank oder einer Versicherung

weiterleben kann und sich nicht einschränken

passt: Wie flexibel möchten Sie sein, wie viel

muss. Bleibt jemand zu Hause, um den Haushalt

Risiko sind Sie bereit einzugehen, welche Zu-

zu besorgen oder die Kinder zu betreuen, sollte

kunftspläne haben Sie? Wo ist das Sparen am

die Familie abgesichert sein für den Fall, dass

günstigsten, wer bietet den besten Zins, wer

­eine Haushaltshilfe gebraucht wird oder die Kin-

hat den besten Leistungsausweis bei Investi-

der fremdbetreut werden müssen. Solange Kinder

tionen in Wertschriften? Und wie ist Ihr Geld

minderjährig sind, bekommen sie nur eine mini-

geschützt, wenn die Bank beziehungsweise die

male Rente, wenn sie invalid werden. Wer seinem

Versicherung Konkurs geht?

Kind mehr finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit bieten will, kann eine Kinderrentenversi-

Vorsorgekapital ist steuerbefreit. Gilt das

cherung abschliessen.

auch, wenn ich mir dieses Kapital bei der Pensionierung oder auch früher auszahlen

Wie sieht es kurz vor der Pensionierung aus?

lasse? Gebundenes Vorsorgekapital, das vor-

Soll man sich sein Pensionskassenvermögen

zeitig bezogen wird, muss versteuert werden. Je

auszahlen lassen oder doch besser über die

nach Wohnsitz und Höhe der Auszahlung be-

Jahre als Rente beziehen? Auf diese Frage gibt

trägt die Steuer vier bis zwölf Prozent des aus-

es keine allgemeingültige Antwort. Dieser Ent-

bezahlten Betrags. Bei der Pensionierung kann

Angestellten nur etwa

scheid wirkt sich nicht nur auf die Höhe und die

die Steuerbelastung optimiert werden, indem

sechzig Prozent des letz-

Sicherheit des Einkommens nach der Pensionie-

das Geld aus der 2. Säule und der Säule­3a nicht

rung aus, sondern auch auf die finanzielle Flexi-

im selben Steuerjahr bezogen wird. Um die-

ten ausbezahlten Lohns.»

bilität, die Steuerbelastung und die Absicherung

se Staffelung noch effektiver zu machen, sollte­

der Angehörigen. Deshalb ist es wichtig, die Un-

man die Einzahlungen in die Säule 3a auf meh-

terschiede zu kennen und sorgfältig abzuwägen,

rere 3a-Produkte verteilen. So können diese

welche Lösung den Familien- und Vermögensver-

Guthaben über mehrere Jahre verteilt bezogen

hältnissen entspricht. Wir erstellen für unsere

werden; bei Frauen zwischen 59 und 64 und bei

Kunden eine Einkommens-, Steuer- und Vermö-

Männern zwischen 60 und 65. Dieses Vorgehen

gensplanung für 25 bis 30 Jahre über die Pensio-

ist zurzeit in den meisten Kantonen möglich.

«Das Einkommen aus AHV und Pensionskasse beträgt bei den meisten

nierung hinaus. Das hilft beim Entscheid, wie viel Pensionskassen­kapital sie als Rente beziehen und Wieso nicht bei einer Versicherung? 3a-Spar-

wie viel sie auszahlen lassen wollen.

pläne bei Versicherungen enthalten Todesfall­

Susi Feldmann ist Vorsorgeexpertin beim VZ Vermögenszentrum Zürich.

deckungen, die Geld kosten. Für alleinstehende­

Bei einer Frühpensionierung fallen die Ren­

Personen, von deren Einkommen niemand ab-

ten niedriger aus. Was gilt es in so einem Fall

hängig ist, sind solche Versicherungen unnö-

zu beachten? Eine Frühpensionierung ist teuer.­

tig. Dazu kommt, dass man in der Regel nicht

Wenn jemand mit 64 statt mit 65 Jahren aufhört

jedes Jahr frei entscheiden kann, wie viel man

zu arbeiten, kostet das erfahrungsgemäss unge-

einzahlen­möchte.

fähr ein Jahresgehalt. Wer schon früh auf eine­

www.vermoegenszentrum.ch

Frühpensionierung hin spart, ist am ehesten in Was hat man für Möglichkeiten, wenn man

der Lage, die Mehrkosten des vorzeitigen Aus-

Wohneigentum kaufen möchte, das ange­

stiegs zu finanzieren.

sparte Geld aber auf einem Vorsorgekonto liegt? Geld, das in der Säule 3a und in der Pensi-

Sowohl Banken als auch Versicherungen bie­

onskasse gebunden ist, kann man vorzeitig bezie-

ten Vorsorge­produkte in der Säule 3a und der

hen, wenn man selbstbewohntes Wohneigentum

Säule 3b an. Wo liegen die Unterschiede? Die

kauft. Bei der Auszahlung werden Steuern fällig.­

Säule 3a bezeichnet man auch als gebundene­Vor-

Stammt das Geld aus der Pensionskasse, sind frei-

sorge, die Säule 3b als freie Vorsorge. Zu letzterer

willige Einzahlungen erst dann wieder steuer­

gehören alle Mittel, über die man frei verfügen

begünstigt, wenn der Bezug für das Wohneigen-

kann: Sparkonten, Wertschriften, Liegenschaften,

tum vollständig zurückbezahlt ist. Wer plant,

Sparversicherungen, Antiquitäten, Schmuck et

PUNKTmagazin Zeit

invest

61


Invest

Die Zeit zu Nutze machen Text rino borini

ein wichtiger Handelsplatz war. Das Treiben

Richtungslose Trends nutzen Diese Zer-

auf dem Börsenparkett erinnerte ihn an eine

tifikate sind für Marktphasen ausgerich-

besondere Variante des Stierkampfs in Süd-

tet, in denen keine klaren Trends ersicht-

amerika, wo man Bullen gegen Bären antre-

lich sind, wenn sich die Märkte lethargisch

ten liess. Schlägt der Bär nach einem Gegner,

verhalten. Im Fachjargon werden solche In-

haut er mit der Tatze von oben nach unten.

strumente als Renditeoptimierung bezeich-

Der Bulle hingegen stösst mit den Hörnern

net. Durch die maximale Laufzeit von rund

von unten nach oben.

einem Jahr bieten sie eine gute Möglich-

Doch zurück zum Börsentreiben. Lange­

keit, dem Depot zu mehr Renditepunkten

­Finanzmärkte so divergierend wie die-

anhaltende Bullenmärkte gibt es immer wie-

zu verhelfen. Wie bei jedem Finanzprodukt

ses Jahr. Werden die Aktienmärkte in den

der, so beispielsweise von 1982 bis 2000, als

müssen jedoch die produktspezifischen

­Industriestaaten und Schwellenländern an-

der Dow-Jones-Index von 800 Punkten auf

­Eigenheiten verstanden werden.

steigen? Wie sieht es mit den Obligationen

fast 14 000 stieg. Lange Bärenmärkte hin-

aus? Staatsanleihen oder doch lieber hoch-

gegen sind äusserst selten. Dafür sind lange

vertible bezieht sich auf einen Basiswert, in

verzinsliche Unternehmens­obligationen?

Phasen der Stagnation viel ausgeprägter. Die-

den meisten Fällen sind dies Aktien. ­Bevor

Bleibt das Zinsniveau weiterhin auf einem

se können auch als Seitwärtsmärkte bezeich-

die Gier auf die hohe Zinszahlung den Aus-

Tiefststand? Und selbst wenn die Zinsen

net werden. Was sich gegenüber früher verän-

schlag gibt, ist somit darauf zu achten, dass

wieder steigen sollten, hat der investierte

dert hat, ist die Kurzfristigkeit wie auch die

die zugrundeliegende Aktie im Falle einer

Anleger ein Problem: Steigende Zinsen be-

heftigen Kursschwankungen. Hinzu kommt

physischen Auslieferung auch ins Depot

deuten fallende Obligationenkurse.

das Dilemma, dass die laufenden Vermögens-

passt. Zweitens: Die garantierte Zinszah-

erträge kaum die Bank- und Vermögensver-

lung ist um einiges höher als ein Investor

waltungsgebühren decken können.

derzeit für eine einjährige Zinsanlage be-

Barrier-Reverse-Convertibles ­locken mit überdurchschnittlich­ ­hohen Couponzahlungen. Nebst ihrer unbestrittenen Stärken ­haben sich auch Tücken.

Selten waren die Prognosen für die

Die Politik des «billigen Geldes» sorgt

für zusätzliche Liquidität im Markt, und ­davon können Aktien profitieren. Denn

62

Erstens: Jeder Barrier-Reverse-Con-

kommen würde. Drittens: Der Ausübungs-

Beteiligungspapiere bieten einen gewissen

Hoher Zins Für Anleger gibt es aus dieser

preis und die dazugehörende Barriere wer-

Schutz vor Inflation. Das eigene Depot sollte­

Situation nur wenige Auswege. Entweder er

den bei der Lancierung fixiert. Bei der

folglich so strukturiert sein, dass es einer-

parkiert sein nicht investiertes Vermögen als

Emission ist der Ausübungspreis gleich

seits erstklassige Sicherheiten beinhaltet,

Bargeld und nimmt den realen Wertverlust

hoch wie der Wert der zugrunde liegenden

andererseits aber auch vom Renditepoten-

in Kauf oder er nutzt die Zeit von richtungs-

Aktie. Die Barriere­liegt, je nach Aktie, zwi-

zial profitiert, das der Aktienmarkt bietet.

losen Märkten und optimiert seine Rendite.

schen 15 und 40 Prozent tiefer. Diese Diffe-

Doch wie? Unter diesen Umständen rücken

renz kann auch als bedingter Kapitalschutz

Trendlose Märkte Dass es an den Börsen

Aktienanleihen (Barrier-Reverse-Conver-

oder Risikopuffer betrachtet werden.

regelmässig tierisch zur Sache geht, ist all-

tibles, BRC) ins Blickfeld. Die von Banken

gemein bekannt. Börsianer orientieren sich

he­rausgegebenen Produkte bieten – meist

voll aus, wenn die zugrunde liegende Aktie

in der Regel an zwei Tieren: den Bullen und

nur für kurze Laufzeiten – hohe Zinsen. Der

während der Laufzeit diese Barriere nie be-

den Bären. Glaubt ein Anleger an steigende

Nachteil: Wenn es schlecht läuft, bekommen

rührt. Dann erhält der Halter das eingesetz-

Kurse, dann ist er ein Bulle. Geht er von sin-

Anleger nicht Bargeld zurück, sondern Ak-

te Kapital zurück und profitiert darüber hi-

kenden Kursnotierungen aus, bezeichnet

tien, die an der Börse weniger Wert sind als

naus von der überdurchschnittlich hohen

man ihn als Bären. Dieses Sinnbild soll üb-

zu Beginn der Investition. Damit wird gleich

Zinszahlung. Dieser Zinscoupon wird un-

rigens auf das 16. Jahrhundert zurückgehen,

klar, dass es sich bei diesen Produkten nicht

abhängig von der Entwicklung der zugrun-

als ein spanischer Literat die holländische

um klassische Obligationen handelt, denn

de liegenden Aktie bezahlt. Berührt jedoch

Börse in Amsterdam besuchte, die damals

die Anleger gehen Aktienkursrisiken ein.

der Aktienkurs die fixierte Barriere, erhält

Invest

Das Produkt schöpft dann seine Kraft


der Inhaber bei Verfall sein eingesetztes ­Kapital nur dann zu hundert Prozent zurück, wenn die Aktie am Ende der Laufzeit

Kursentwicklung LVMH 12.2010 – 01.2012

in %

140

über dem Ausübungspreis notiert. Wenn nicht, ­erfolgt eine Aktienlieferung.

Kein Mehrwert Diese Instrumente brin130 Ausübungspreis

gen nichts, wenn steigende Aktienkurse­ erwartet werden. In diesem Fall rentieren­

120

Aktienanlagen deutlich besser. Beim Kauf eines Barrier-Reverse-Convertible ist die

110

maximale Rendite auf den Coupon begrenzt. Anders ist die Situation, wenn die Märkte abstürzen und die Barriere be-

100

rührt wird oder am Verfallstag unter dem Ausübungskurs liegt. In diesem Fall er-

Barriere 90

folgt die Auslieferung der Aktien. Und nun wird auch klar, warum bei der Auswahl des Basiswerts ein Titel gewählt werden soll-

80

Quelle: Morningstar, Stand: 24.11.2011

te, der zum Anleger passt. Denn in diesem Szenario wird er Aktionär. Sein Verlust ist

T=0: Bank Vontobel lancierte am 17. Dezember 2010 einen

T+1: Am Verfallstag, dem 20. Januar 2012, wurde das Produkt zu

aber geringer als wenn er die Aktie gekauft

Barrier-Reverse-Convertible auf den Luxusgüterkonzern

100 Prozent zurückbezahlt, da es während der ganzen Laufzeit

hätte,­ denn immerhin konnte er sich an

LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton. Das Produkt hatte ei-

die Barriere nie berührt hat. Die Zinszahlung in der Höhe von

nen Ausübungspreis von 123,20 Euro. Dies entsprach dem

10,3 Prozent erhält der Anleger sowieso. Somit konnte i­ nnert ­

einer überdurchschnittlich hohen Zins-

­Aktienkurs von LVMH bei Lancierung. Die Barriere wurde bei

13 Monaten eine satte Rendite generiert werden.

Euro 92,40 fixiert. Der Risikopuffer betrug somit 25 Prozent. Der Coupon wurde bei 10,30 Prozent fixiert

zahlung erfreuen. Übrigens: Wie bei einer Obligation­ ist der Anleger auch bei einem Barrier-Reverse-Convertible dem Ausfall­ risiko der Gegenpartei ausgesetzt.

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64

Lebensart


Le be ns ar t

Genüsliches

Die Städte Ostafrikas wachsen mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit – und vollkommen unkoordiniert. Eine Diskussion über Städtebau und Architektur findet so gut wie gar nicht statt. ANZA, die erste Architekturzeitschrift Ostafrikas, will das ändern. Text Benedikt Boucsein, Axel Humpert Illustration Boris Gassmann, Reportagebilder William Davis & Florian Graf

PUNKTmagazin Zeit

Lebensart

65


Lebensart

D

ie Hafenstadt Dar es Salaam in Tansania­

in Tansania seit der Unabhängigkeit zu keinem einzi-

wächst, wie fast alle Grossstädte Afrikas,­

gen Bürgerkrieg mehr kam. 1985 trat Nyerere freiwil-

atemberaubend schnell. Zwar ist das

lig von seinem Amt zurück und übergab die Landesfüh-

Wachstum in der grössten Stadt des Landes­

rung seinen demokratisch gewählten Nachfolgern. Er

nicht exakt bezifferbar, Statistiker der

selber engagierte sich bis zu seinem Tod 14 Jahre später

UNO rechnen jedoch damit, dass sie 2025

als Friedensvermittler in ganz Afrika.

von zirka­ 6,2 Millionen Menschen bevöl-

Von Nyereres Geist ist heute kaum noch etwas zu

kert sein wird. Heute sind es nur knapp halb so viele.

spüren. Institutionen wie die National Housing Corpo-

Viele Städte Asiens befinden sich in einer vergleich-

ration (NHC), die einen grossen Teil der Immobilien­

baren Situation. Doch während dort die Infrastruk-

Tansanias besitzt und einen positiven und vor allem re-

tur dem Wachstum angepasst wird, geschieht dies in

gulierenden Einfluss auf die baulichen Entwicklungen

­Afrika kaum. So leiden auch die Einwohner Dar es

Dar es Salaams haben könnte, werden ihrer Verantwor-

­Salaams unter zahlreichen Unpässlichkeiten: immer

tung gegenüber der tansanischen Bevölkerung nicht ge-

grösser werdenden Staus auf hoffnungslos überfüll-

recht. «Ich sehe nichts ‹Nationales› mehr in der NHC»,

ten Strassen, ständigen Stromausfällen oder einer nur

gab daher Walter Bgoya, ehemaliger Direktor des Tan-

bruchstückhaft vorhandenen und völlig überbelaste-

zania Publishing House, während eines Symposiums

ten ­Kanalisation.

im Oktober dess vergangenen Jahres zu bedenken. Ver-

Die grossen und schnell wachsenden Siedlun-

gleicht man die Taten der Verantwortlichen mit ihren

gen am Stadtrand halten sich an keine städteplane­

Versprechen, scheint aus der Zeit des Aufbruchs nur die

rischen Regelungen, während das historisch wertvolle­

Rhetorik ­übrig geblieben zu sein. Nach Abklingen der

Zentrum von spekulativer Bautätigkeit völ-

ersten­ Begeisterung klingt sie bald nur noch

lig überschwemmt wird. Die resultierenden

hohl und heuchlerisch.

Neubauten sind mit ihren Glasfassaden und Klimaanlagen für das tropische Klima

Ostafrikas erste Architekturzeitschrift

allerdings ungeeignet und jagen einem Vor-

Hoffnung geben in dieser Situation vor allem

bild hinterher, das seinen Ursprung in den

Ansätze, die sich nicht auf etablierte­ Kräfte­

Hochhäusern der Weltwirtschaftszentren

stützen. Eine solche Initiative macht sich

hat. Erschreckend schnell verwandelt sich

seit einigen Monaten mit starker und klarer

die vormals charakteristische Innenstadt

Stimme­bemerkbar: die Architektur­zeitschrift

in einen hastig gebauten und energiefres-

ANZA, was Suaheli ist und mit «starten» über-

senden Abklatsch westlicher Metropolen.

setzt wird. Das interdisziplinäre Team von Studenten und jungen Absolventen der Ardhi

Korruption und nasser Beton Zwar exis-

University in Dar es Salaam, das diese Zeit-

tieren Gesetze und Pläne, um diesen Fehl-

schrift betreibt, hat sich zum Ziel gesetzt, Ost-

entwicklungen entgegenzuwirken, doch

afrikas Städten eine Publikation zu geben, die

die meisten Bemühungen scheitern an na-

deren Situation aus architektonischer und

tionalen und internationalen Partikular­

städtebaulicher Sicht kritisch reflektiert und

interessen, Korruption, Innovationsfeind-

diskutiert. Eine solche Publikation existierte­

lichkeit und resignativem Desinteresse.

in ganz Ostafrika – ein Gebiet mit über 300

Zudem sind die meisten Einwohner Tan-

Millionen Einwohnern – bislang nicht.

sanias vornehmlich damit beschäftigt, ihr

Startschuss für «ANZA war ein vier-

Da in Ostafrika so gut wie keine­

wöchiger Workshop im Spätsommer 2011,

­Wenigen, die etwas bewegen wollen, gleich-

theoretische Auseinandersetzung

­initiiert und durchgeführt vom Architektur­

sam in nassem Beton.

mit ­Architektur stattfindet, wach-

magazin «Camenzind» aus Zürich. Neben des-

Dabei herrschte in Tansania unmittel-

bar nach der Unabhängigkeit im Jahre 1961 noch grosse Aufbruchsstimmung. ­Geprägt wurde diese vor allem vom ersten Präsidenten Julius Nyerere (1922-1999), dessen Führung massgeblich dazu beitrug, dass es

66

Überleben zu sichern. Daher waten die

Lebensart

sen die Städte planlos. Ehemals charakteristische Innenstädte werden zu einem e ­ nergiefressenden ­Abklatsch westlicher Metroplen.

sen Redaktion wurde der Workshop von einem ­internationalen Expertenteam begleitet.­ Journalisten, Fotografen, Grafiker, Künstler und ­Architekten aus Europa und Tansania stellten ihr Know-how unentgeltlich zur Verfügung. Die Teilnehmer rekrutierten sich :


PUNKTmagazin Zeit

Lebensart

67


68

Lebensart


4 4 aus ­Studenten und Absolventen der Fachrichtungen

wie neugeborene Babys zu

­Architektur, Innenarchitektur, Städtebau, Ingenieur­

behandeln. Die Berichte

wesen und Landschaftsarchitektur der Ardhi University

über die zwei wichtigsten

in Dar es Salaam.

noch lebenden Architekten­

Zielsetzung des Workshops war es, die Zeitschrift

aus der Aufbruchszeit des

mit der Produktion der Erstausgabe zum Leben zu er-

sehr jungen Landes haben

wecken. Es galt zu konzipieren, den Inhalt zu erarbei-

bei Initiatoren und Teilneh-

ten, zu produzieren, zu drucken und schliesslich auch zu

mern des Workshops einen

vertreiben. Trotz enormer logistischer und personeller

bleibenden Eindruck hin-

­Herausforderungen wurde das Ziel erreicht. Mitte Okto-

terlassen. Die Treffen und

ber konnten 5000 in Tansania gedruckte Exemplare der

ausführlichen Gespräche

ersten Ausgabe von ANZA in Dar es Salaam und weiteren

mit diesen Koryphäen der

Städten Ostafrikas sowie in Europa vertrieben werden.

tansanischen Architektur sind für das Selbstverständ-

Gemeinsamkeiten und Unterschiede Bei der ge-

nis der jungen Architekten

meinsamen Arbeit wurden zwischen den Situationen

von unschätzbarem Wert.

in den beiden Ländern viele Unterschiede, dazwischen

Denn sie gehören zur ersten­

aber auch immer wieder Gemeinsamkeiten, festgestellt.

Generation, die im eigenen

Von der Intensität, mit der in Schweizer Zeitungen­

Land ausgebildet wird. Zur-

über Architektur und Städtebau diskutiert wird, ist in

zeit gibt es in Tansania nur

Tansania nichts zu spüren. Auch sonst sind Univer-

gerade 300 eingetragene Ar-

sitäten und Architekten in der öffentlichen Debatte

chitekten (allein in der Stadt

kaum präsent. Doch die Redaktoren von ANZA haben

Zürich sind es laut dem Mitgliederverzeichnis des

eine sehr ähnliche Zielsetzung wie die von «Camen-

Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins

zind»: Sie wollen ihre Rolle als Architekten in der Ge-

956). Der Unterschied zwischen den Aufgaben eines

sellschaft ­reflektieren und, was noch wichtiger scheint,

Architekten und eines Ingenieurs ist in Ostafrika weder

definieren. Sie wollen anderen diese Rolle und ihre An-

der Bevölkerung noch den Betroffenen selbst ganz klar.

liegen einfach und klar vermitteln. Und sie wollen da-

zu aufrufen, die Art und Weise, wie und von wem die

ten, die Architekturmagazine normalerweise auszeich-

Stadt gebaut wird, kritisch zu reflektieren. Um dies zu

nen. Der Innenteil wurde aus Kostengründen auf bil-

erreichen, sollen Inhalte auch für Laien ansprechend

ligem Zeitungspapier gedruckt. Hochglanz­fotos und

und lesbar gestaltet werden. Beide Zeitschriften streben

Projekte von Stararchitekten sucht man vergebens.

­danach, eine Plattform sowohl für Fachleute als auch

Viele­Teilnehmer hatten während des Workshops zum

für Nicht-Architekten zu sein.

ersten Mal überhaupt die ­Gelegenheit, unter Anleitung

mit professionellen Layout-­Programmen zu arbeiten,

Für das Redaktionsteam von «Camenzind» barg

das Projekt daher auch Potenziale in der Schweiz.

Der ersten Ausgabe von ANZA fehlen Eigenschaf-

Interviews zu führen und eigene Texte zu verfassen.

Über die ­Situation in Tansania konnten fachliche Erkenntnisse­gewonnen werden, die in Form neuer An-

Fest entschlossen zur Veränderung Trotz dieser

regungen in den Büroalltag einfliessen. Das Interes-

­Unerfahrenheit war während der gesamten vier Wochen­

se von Nicht-Fachleuten für das Projekt ermöglichte es

des Workshops ein schier unermüdlicher Enthusiasmus

zudem, deren Blick für architektonische und urbanis-

zu spüren, der bis heute nicht verflogen ist. Ein neu-

tische Anliegen generell zu öffnen. Denn vieles, was in

er Workshop, um die zweite Ausgabe von ANZA zu er-

Dar es Salaam passiert, betrifft auch die Schweiz. Genau

stellen, ist bereits ohne die Unterstützung von «Camen-

wie in Tansania stellt sich die Frage nach einem nach-

zind» in Vorbereitung, und die Redaktion trifft sich trotz

haltigen Lebensstil. Auch hierzulande wird die Land-

zahlreicher anderer Verpflichtungen regelmässig. Den

schaft zersiedelt, weil Individuen und Gemeinden ihre

vielen Steinen, die ANZA in Form von nicht enden wol-

Partikularinteressen durchsetzen. Und auch im entwi-

lenden bürokratischen Prozessen wie etwa der Registrie-

ckelten Westen muss die Infrastruktur in Zeiten knap-

rung des Heftes in den Weg gelegt werden, ­begegnet die

per werdender Ressourcen und einer alternden Bevöl-

Redaktion mit einer bewundernswerten ­Gelassenheit.

kerung überdenkt werden.

In Tansania scheint sich allmählich eine Genera-

tion zu formieren, die sich – ähnlich der Generation der

Vielfältiger Inhalt Entsprechend der breiten Zielset-

Nyereres und Bgoyas – nicht mit dem Status Quo zu-

zung ist der Inhalt der ersten Ausgabe­von ANZA sehr

frieden gibt und sich mehr und mehr Gehör verschafft.

vielfältig. Im Magazin finden sich unter anderem ein

Was ­wäre treffender, als wenn sich ANZA zum Sprach-

historischer Abriss zur Architektur Dar es Salaams, ein

rohr einer solchen Generation entwickeln könnte?

Interview mit einem altgedienten Taxifahrer, Beiträge­ international ausgerichteter Experten, die über die ­Situation in Städten wie Addis Abeba und in Ruanda be-

Benedikt Boucsein und Axel Humpert sind Heraus­

richten sowie eine erzieherische Kolumne, in der ­eine

geber des Architekturmagazins «Camenzind».

Autorin die Stadtbewohner dazu auffordert, Gebäude­

www.cazmag.com

PUNKTmagazin Zeit

Lebensart

69


Text, vor allem ein schneller gereimter Text,

Satz. Pause. Pause. Text Adrian Witschi

wirkt erstaunlich. Das ist etwas, das den Zuschauer mitreisst.»

Im Alltag wirkt schnelles Sprechen

oft unangebracht, verwirrend oder gar verwirrt. Auf der Bühne hingegen scheint es sehr beliebt zu sein. Auch Simon Chen, ein anderer Slammer, der mittlerweile sogar von seiner Wortakrobatik leben kann, weiss um den Effekt des schnellen Sprechens. «Wenn ein Slammer schnell spricht, macht das dem Publikum Eindruck. Das ist eine Fertigkeit, die bewundert wird. Das hat eine Kraft.» Der 38-Jährige ist der Überzeugung, dass Tempo vor allem durch Emotion und Identifikation entsteht. Wenn man mit Leidenschaft von etwas berichtet, dann tut man das oft mit einer erhöhten Geschwindigkeit.

Unser Sprechen ist dem Diktat der Zeit unterworfen. Doch darüber machen wir uns selten Gedanken, wir sprechen so, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Für Poetry Slammer gilt das nicht. Denn sie reden nicht einfach, sie machen Sprechkunst.

Nebensächlichere oder ruhigere Ge-

schichten erfordern dagegen eher langsameres Erzählen. Man könne auf der Bühne aber auch genau das Gegenteil tun, meint Chen, und zum Beispiel ruhigere Inhalte schnell erzählen. Das wirke dann eher komisch und lustig.

Dass das schnelle Sprechen auf der

Bühne beliebter ist als im Alltag, hängt

Was wir sagen, wissen wir. Meistens zumindest. Die Art und

auch mit der einseitigen Kommunikations­

Weise, wie wir etwas sagen, ist jedoch ein grösstenteils unreflek-

situation zusammen. Bei einem Poetry

tierter Prozess. Mal sprechen wir schneller, mal langsamer, und

Slam steht der Zuschauer nicht unter dem

manchmal schweigen wir, machen Pausen. Unser Sprechen hat ei-

Druck desjenigen, der antworten muss.

nen Rhythmus, und der ist mittlerweile beliebter Forschungsgegen-

Folglich kann er einfach geniessen und sich

stand von Sprachwissenschaftern rund um den Globus. Welche Rolle

dem ­rasenden Rhythmus hingeben.

der so genannte Sprechrhythmus für die menschliche Kommuni­ kation im Detail spielt, ist jedoch noch weit-

Pausen muss man aushalten können

gehend ungeklärt. Neue Erkenntnisse über

Ein Sprechrhythmus besteht aber nicht nur

den Rhythmus unseres Sprechens erhofft

aus schnell oder langsam Gesprochenem,

sich die Linguistik nicht zuletzt aus der Be-

sondern auch aus Stille. Wie wichtig Pau-

trachtung zeitgenössischer Lyrik. Darunter

sen für unser Sprechen sind, wird offen-

fallen auch Poetry Slams.

sichtlich, wenn man mit anderen nationa-

Das sind Vortragswettbewerbe, an de-

len Gesprächskulturen konfrontiert wird.

nen die Künstler selbst geschriebene Texte­

In Deutschland zum Beispiel sind die Pau-

innert einer bestimmten Zeitdauer auf

sen zwischen zwei Gesprächsbeiträgen ten-

der Bühne vortragen. Der Sieger wird an-

denziell kürzer als in der Schweiz. Vor allem

schliessend durch das Publikum gekürt.

die Pausen bei einem Sprecherwechsel wer-

Für PUNKTmagazin haben zwei Poetry

den stark verkürzt. Die Deutschen überlap-

Slammer­ über ihre Arbeit mit Tempo, Pau-

pen sich oft mit ihren Gesprächsbeiträgen,

sen und Takt nachgedacht.

was in der Schweiz eher unüblich ist. Nicht selten empfinden die Schweizer daher die

Mit überhöhter Geschwindigkeit zum Erfolg «Es kommt auf den Text an, ob ich

Deutschen als unhöflich, weil sie ihnen «ins

bewusst mit Rhythmen arbeite oder nicht»,

halten wiederum sind die Pausen nochmals

meint Phibi Reichling. Der 24-jährige Phi-

um ein Vielfaches länger als im Schweizer-

losophiestudent aus dem zürcherischen

deutschen. So würden denn Finnen die

Stäfa gilt zurzeit als einer der besten Poe-

Schweizer im Gespräch wahrscheinlich als

try Slammer der Schweizer Szene. Seine Texte sind geprägt von sub-

vorschnell und unverschämt empfinden.

tilem Humor, einer Vorliebe für fliegende Pinguine und einem

fesselnden Rhythmus. Vorwiegend bei gereimten Texten arbeitet

sen äusserst wichtig. «Pausen sind gleich

Reichling ganz bewusst mit Rhythmen. Der Einsatz von Geschwin-

wichtig wie der Text», meint Chen und ergänzt: «Eine Pause nach einem Satz :

digkeit zum Beispiel sei ein wirksames Stilmittel: «Ein schneller

70

Lebensart

Wort fallen». Im finnischen Gesprächsver-

Auf der Bühne jedenfalls sind Pau-


Poetry Slammer in ihrer ­natürlichen ­Umgebung, der Bühne: Simon­Chen (unten) und Phibi ­Reichling.

PUNKTmagazin Zeit

Lebensart

71


4 4 ­unterstreicht den Satz zusätzlich, verleiht dem Gesagten Gewicht.» Mit Pausen kann man aber auch bewusst Spannung aufbauen. Chen beispielsweise hat einen Text verfasst, den er selber als «Unreimtext» bezeichnet. In diesem spielt er mit den Erwartungen des Zuschauers. Er macht jeweils eine erste Zeile und betont die letzte Silbe. Dann trägt er eine zweite Zeile vor, doch kurz vor der letzten Silbe macht er eine Pause. Während dieser Pause denkt sich der Zuschauer den Reim aus, der jetzt folgen muss. Oder müsste – denn wenn Chen die letzte Silbe bringt, merkt man: sie reimen sich nicht. Die aufgebaute Spannung entlädt sich und der Zuschauer bleibt erstaunt und belustigt, vielleicht sogar verwirrt, zurück.

Die Pause als Spannung aufbauendes

Stilmittel funktioniert auch in der alltäg­ lichen Kommunikation. Menschen, die mit vielen Pausen reden, umgibt oft eine Aura des Geheimnisvollen. Doch Pausen machen ist gar nicht so leicht. Schon gar nicht auf der Bühne. «Eine Pause auf einer Bühne ist etwas unheimlich Schwieriges», bestätigt Phibi Reichling, «das ist etwas, das man regelrecht erdauern muss.»

schönheit für das starke Geschlecht Sie heissen «Manscara» und «Guyliner» und sind der neueste Schrei in Sachen Männer-Make-up. Dermatologisch getestet,

Schwebende Menschen und stampfende­ Maschinen Die Poetry Slammer arbeiten

versprechen sie, «your secret weapon» zu sein.

in ihren Texten nicht nur mit alltäglichen

Es ist anzunehmen, dass es auch im Leben eines Mannes Tage gibt, an

sprechrhythmischen Phänomenen wie Pau-

­denen er beim morgendlichen Blick in den Spiegel am liebsten wieder

sen oder schnellem Sprechen. Ihre Poesie ist

unter die Bettdecke zurückkehren möchte. Doch bedarf es wirklich de-

Kunst. Und wie so oft in der Kunst werden

korativer Männerkosmetik, oder reichen nicht auch die schon zahlreich

auch im Poetry Slam Dinge weitergedacht

­erhältlichen Pflegelinien für die spezifischen Bedürfnisse des Mannes,

und neu entwickelt. Phibi Reichling bei-

um die Zeichen der Zeit zu kaschieren? Über 500 Millionen Franken gaben

spielsweise ist gerade dabei, einen neuen Text

Europas Männer 2010 für auf ihr Geschlecht zugeschnittene Kosmetik-

zu schreiben. Dieser soll einen ganz speziel-

produkte aus. Fleissig wird gecremt, geschmiert und abgedeckt. Rund 23

len Rhythmus erhalten. «Eigentlich ist es ei-

­Minuten braucht der Durchschnittsmann heute laut einer britischen Stu-

ne Allegorie», sagt er über dessen Grundidee.

die im Bad. Und wird die Zeit für Auswahl der Klamotten, Anziehen und

«Es geht darum, dass Leute wie wir uns selber

das Finish mit Gel und Aftershave dazugezählt, erreicht ER die unglaub-

als über der Gesellschaft schwebend betrach-

liche Zeitspanne von 83 Minuten. Mann oh Mann! Nur für den Vergleich:

ten. Unter uns liegt die düstere, üble Welt und

Frau braucht dazu ganze vier Minuten weniger, und auch bei der Netto-

wir leben in ständiger Angst, hinunterzufal-

zeit im Bad ist sie eine Minute schneller. Der Marktführer im Segment

len.» Sowohl den Zustand des Schwebenden

der Anti-Aging-Produkte für den Mann, Men Expert von L’Oréal, kennt

als auch das Bild der dunklen Welt darunter

­offensichtlich das Geheimnis hinter dem Erfolg von Männerkosmetika:

will Reichling rhythmisch umsetzen. Immer

eine gelungene Marketingstrategie und Imagekampagnen. Nicht nur,

dann, wenn er von der Welt der Schwebenden

dass wohl jeder Mann sich gerne mit der Bezeichnung «Experte» beti-

erzählt, will er das in einem schaukelnden,

teln lässt, die berühmten Testimonials tun ihr Übriges. Hollywood-Beaus

wogenden Rhythmus tun. Die düstere Welt

Patrick Dempsey und Gerald Butler sind echte Kerle und erfolgreich bei

hingegen wird einen stampfenden, mechani-

Frauen. Wenn also Dr. Shepherd (Dempseys Rolle in der TV-Serie «Grey’s

schen und düsteren Takt erhalten. Sie soll wie

Anatomy») einen Anti-Age-Augen-Roll-On benutzt und König Leonidas

eine Maschine klingen.

(den Butler im Film «Sparta» spielte) den aufkommenden Falten mit

Hydra Energy den Kampf ansagen, dann darf es Otto Normalverbraucher

«Man könnte dann in dieser Maschi-

nenwelt zum Beispiel die Maschine auch mal

ihnen ruhig nachtun. Es gilt wohl das gleiche Prinzip wie einst bei Coca-

aussetzen lassen», fügt er noch hinzu, «und

Cola, wo man eigens für die männliche Zielgruppe Cola Zero entwickel-

dann einfach einen leeren Takt einschieben.»

te, da kein echter Mann je eine Light-Version kaufen würde: Solange die

Handwerklich sei das Ganze aber äusserst an-

Männlichkeit unter der Nutzung nicht leidet, ist es okay. Einem dauerhaf-

spruchsvoll. Ob er den Text je fertig stellen

ten ­Erfolg von «Manscara» und «Guyliner» schauen wir daher skeptisch,

wird, bezweifelt er.

aber nicht ängstlich entgegen.

72

Lebensart

WB


Lebensart

ein begriff im Wandel der zeit Text Wilma Boegel

Das Prädikat Manufaktur wird für ­alles Mögliche verwendet. Dabei geht gerne vergessen, was sich ursprünglich hinter dem Begriff verbirgt. Höchste Zeit, Licht ins ­Dunkel zu bringen.

«Anhand der Uhrenbranche lässt sich das mo-

derne Verständnis des Begriffs Manufaktur besonders gut erläutern. Seinem lateinischen Wortstamm nach steht er für Handgemachtes (manus = Hand, factura = zu Machendes). Eine Manufaktur bildete, his-

In der heutigen Wirtschaftswelt entsteht

torisches betrachtet, den Übergang zwischen Hand-

leicht der Verdacht, dass Unternehmen mit der Be-

werksbetrieb und Industrieunternehmen. Heute

zeichnung Manufaktur lediglich sich und ihre Pro-

dürfen sich Unternehmen aber auch derart betiteln,

dukte aufwerten möchten. Marketing-Manufaktur,

wenn die meisten und vor allem wesentlichen Teile

Geschenke-Manufaktur, Gourmet-

selbst angefertigt werden – auch wenn dies nicht ge-

Manufaktur und sogar eine Well-

nerell von Hand passiert. Dazu Sara Gianella: «Bei

ness-Manufaktur gibt es – daher sei

uns werden alle Manufakturwerke in den eigenen

die Frage erlaubt: Ist es über die Jah-

Werkstätten in Ste-Croix konstruiert und gefertigt.

re vielleicht doch zu einem werbli-

Bei der Herstellung der Komponenten wie Brücken,

chen Missbrauch eines eigentlich

Zahnrädern und Federn verwenden wir ausschliess-

für Qualität stehenden Begriffs

lich modernste Verarbeitungsmaschinen; Handarbeit

­gekommen?

wäre bei diesen Arbeitsgängen nicht genau genug. Die Uhrwerke werden danach aus diesen Komponenten

Junge Manufaktur

«Die unge-

schriebenen Gesetze der Schweizer

von Hand montiert; diese Tätigkeit können und wollen wir nicht automatisieren.»

Uhrenindustrie gestehen den Ti-

PUNKTmagazin Zeit

tel Manufaktur nur Herstellern zu,

Schwarze Schafe gibt es überall Automatisiert hat

die mindestens ein Kaliber im ei-

sich dafür die Verwendung des Begriffes Manufak-

genen Haus fertigen», erklärt ­Sara

tur. Doch auf Konkurrenten, die sich den Titel zu Un-

­Gianella, PR- & Eventmanagerin

recht auf die Fahne schreiben, schaut man bei Buche-

bei Bucherer Montres und verant-

rer Montrés nicht. «Schwarze Schafe gibt es in jedem

wortlich für die Uhrenmarke Carl F.

Wirtschaftszweig. Das ist immer schade, da sie den

Bucherer, den Umgang mit der Be-

Ruf einer ganzen Branche zerstören können», so die

zeichnung in ihrer Branche. «Somit

Expertin. «Wir konzentrieren uns auf unser eigenes

können nur die wenigsten Uhren-

Handwerk, das sich tagtäglich durch hundert Prozent

firmen für sich deklarieren, eine

Perfektion, Innovation und Leidenschaft ausweist.»

echte Manufaktur zu sein.» Das in

Luzern tätige Unternehmen stellt

halten, der sich auf das Wesentliche konzentriert und

zwar bereits seit 1919 Chronometer

mit gesundem Menschenverstand selbst entschei-

her, trägt den begehrten Titel aber

det, welcher Betrieb wohl wirklich nahezu alle Teile

Und nur so kann es letztendlich auch der Kunde

erst seit Juli 2007, als die neu erwor-

im eigenen Unternehmen und Land fertigt – und wie

bene Manufaktur als Carl F. Bucherer Technologies in

handwerklich es dagegen in einer Marketing- oder

das Unternehmen integriert wurde.

Wellness-Manufaktur zugeht.

Lebensart

73


mittelalter bis barock Strandferien sind langweilig. Mehr Spannung versprechen Zeitreisen durch Jahrhunderte. Starten tut die Reise im Dalhousie­ Castle in Edinburgh, das im 13. Jahrhundert erbaut wurde und eines der ältesten bewohnten Gebäude Schottlands ist. Im Speise­ saal, untergebracht in einem Burgverlies, wacht eine alte Ritterrüstung über die Gäste. Weiter geht es nach Prag in ein Dominikanerkloster aus dem 14. Jahrhundert, das sechs Jahrhunderte Architekturgeschichte vereint. In den Zimmern finden sich gotische Gewölbe, in der Kapelle aus der Renaissancezeit das Spa. Danach schläft man unweit von Palma in einer mallorquinischen Villa aus dem 15. Jahrhundert. Auch im Hotel Son Julia sind jahrhundertealte­ Elemente gut erhalten. Aus dem

Auf franz von assisis spuren

16. Jahrhundert stammt der am

Ein Leben streng nach dem Evangelium ist nicht jedermanns

Canale­Grande in Venedig liegende­

Sache.­Wer doch gerne mal probieren will, in Frömmigkeit zu

Palazzo Barbarigo, der kürzlich

­leben, kann es bei den Kapuzinern zeitlich begrenzt ausprobieren.

rundum erneuert wurde. Der Abschluss der Reise findet im 17. Jahr-

Wir leben in einer Multioptionsgesellschaft sondergleichen. Der Segen

hundert im Hotel de la Minerva in

gereicht jedoch häufig zum Fluch, denn wer aus allem auswählen kann,

Rom statt. Der prächtige Bau über-

entscheidet sich oft für nichts so richtig. Die Folgen der «Da kommt si-

zeugt mit freskenverziertem Ge-

cher noch etwas Besseres»-Haltung bekommen offensichtlich auch die

wölbe in den Zimmern und bietet

Kapuzinermönche zu spüren, es mangelt ihnen an Nachwuchs. Zu ihrer

einen genialen Blick über die Dä-

Verteidigung muss gesagt werden, dass ihre Ausgangslage – gerade in ei-

cher der ewigen Stadt.

RB

ner Multioptionsgesellschaft – verzwickt ist. Wie um Himmels Willen sollen sich Menschen, die noch nicht mal die Entscheidung treffen können, ob sie heute Abend ins Kino oder doch lieber in eine Bar wollen, dazu verpflichten, ihr ganzes Leben im Kloster zu verbringen? Als Reaktion da­ rauf hat der Kapuziner-Orden ein neues Projekt lanciert: Bruder auf Zeit. Auf der Webseite wird es wie folgt angepriesen: «Wir bieten die Möglichkeit, für eine begrenzte Zeit (drei Jahre) mit uns zusammenzuleben und mit uns den Alltag eines Kapuziners zu teilen, in seinem Wechsel von Gebet, Meditation, Arbeit, Freizeit. Es geht darum, gemeinsam ein einfaches Leben zu wagen, ganz im Vertrauen auf Gott, im Verwiesensein auf die Brüdergemeinschaft und ohne auf eigenen Besitz zurückzugreifen. Wichtig ist uns dabei die Lebensinspiration des Franz von Assisi.» Melden können sich unter 45-Jährige Männer mit gutem Leumund, abgeschlossener Berufsausbildung oder Studium, die körperlich und geistig fit sind – und katholisch getauft. Da auch drei Jahre eine eher lange Zeit ist, sieht der Vertrag eine zweimonatige Probezeit vor, bevor der neue Bruder definitiv in einer der schweizweit zwölf Niederlassungen sesshaft wird. Persönlicher Besitz ist nicht erlaubt. «Nehmt nichts mit auf den Weg, keinen Wanderstab und keine Vorratstasche, kein Brot, kein Geld und kein zweites Hemd», wie Franz von Assisi dereinst predigte, gilt selbstverständlich auch für die Temporär-Kapuziner.

74

Lebensart

DF


kolumne

Was lange währt ...

René Allemann

E

s gibt Dinge, die werden erst mit der

Acht lassen, laufen Gefahr, als verstaubt zu

Zeit gut. Käse zum Beispiel. Oder Wein,

gelten. Für Marken ist dieser Umstand ein re-

Grappa, Männer. Und nicht selten

gelrechtes Paradoxon. Willkommen auf dem

auch Marken. Für viele Unternehmen

schmalen Grat des Brandings!

ist das bereits der erste Stolperstein.

Viele Unternehmen verlieren hier die

Verübeln kann man das niemandem: In einer

Balance. Entweder sie verschlafen vor lauter

Welt, wo jeder Mensch tagtäglich mit Aber-

Traditionsbewusstsein die digitale Revolution­

tausenden von Bildern, Status Updates und

(guten Morgen Kodak!) oder sie hecheln mit

Veränderungen aller Art konfrontiert ist, wird

kurzfristigen, ach so lustigen Ideen jedem

Zeit zum Luxusgut. Und zwar eines von den

Trend hinterher. Und das, ohne der Marke

wenigen, das sich auch mit Geld (und Kam-

Zeit gelassen zu haben, Wurzeln zu schlagen

pagnen) nicht kaufen lässt. Dabei ist es genau

und eine Identität zu entwickeln (aufgepasst,

das, was es braucht, um eine erfolgreiche Mar-

liebe Lana del Rey!). Und so gelangt manch

ke zu schaffen: echtes Zeitinvestment. Denn

­eine Marke heute unüberlegt schnell auf Fa-

nur so kann eine Marke langfristig geplant

cebook und Twitter. Nur, um eben auf Face-

und kontinuierlich etabliert werden.

book und Twitter zu sein. Das wiederum ge-

fährdet einer der wichtigsten Markenwerte:

Wie auch im richtigen Leben gibt es im

Branding Prozesse, die nicht beschleunigt

ihre ­Authentizität.

werden sollten. Manchmal ist es eben gerade

die Dauer eines Prozesses, die etwas einzig­

Quartalsabschlüsse und die eigene Karriere­

artig macht. Solche Prozesse werden begleitet­

nach schnellen Resultaten rufen? Es gibt nur

von Erfahrungen, zeichnen sich aus durch

eine Antwort: Die Marke muss in jedem Fall

­Rituale und reifen heran durch Bräuche –

halten, was sie verspricht. Schon mal von BP

über Jahre und Generationen entsteht so Tra-

gehört? Eine Marke mit Geschichte wagt den

dition. Und diese suggeriert nicht nur Wissen,

trendorientierten Sprung auf den Zug der

sondern zeugt von Nachhaltigkeit und Lang-

ökologischen Welle. Resultat: BP goes green.

fristigkeit. Und das ist ein Mehrwert, ein Vor-

Im Grunde schön und gut. Aber dann? Die

sprung, ein Plus. Kein Wunder also, dass vie-

Realität liess die unauthentischen Marken-

le Marken sich dieses Plus ans Revers stecken

werte im Nu einstürzen. Klar ist, was immer

wollen. Nicht umsonst erfreut sich der Mar-

eine Marke verspricht – seien es ökologische,

kenzusatz «seit Neunzehnhundertmöglichst-

traditionelle oder innovative Werte –, sie

früh» ebensolcher Beliebtheit wie die auf alt

muss ihre Versprechen halten können. Alles

gemachten Möbel in den Hipster-Wohnzim-

andere kostet sie letztlich den Kopf.

mern. Tradition ist nicht nur wertvoll, son-

dern heuer auch noch chic.

tigen Leben. Ob Käse, Alkohol, Männer oder

Marken: Was lange (und ehrlich) währt, wird

Das Problem: Das allein genügt nicht.

Unternehmen, die aktuelle Trends ausser

Aber was tun, wenn CEO, Aktionäre,

Mit dem Branding ist es wie im rich-

endlich gut.

René Allemann ist Gründer und CEO des Beratungsunternehmens Branders, das sich auf Markenberatung ­spezialisiert hat. Er ist zudem Herausgeber des Online-Magazins thebrander.com.

PUNKTmagazin Zeit

Lebensart

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«Pompöses»

Frische Klassiker Durch Einarbeitung von Farbedelsteinen erhalten Klassiker ein neues Gesicht, wobei einzelne Edelsteine effektvoll in Szene gesetzt werden. Preis auf Anfrage bucherer.com

Zeitlos schöne Haut Frauen unter vierzig haben häufig keine ausgeprägten Linien­und Falten. Falls doch, hilft Shiseido Bio Performance, die Hautoberfläche wieder zu verjüngen.

Ufo im Goldpanzer

CHF 140 .– | shiseido.com

Uhren gibt es in den unterschied-

lichsten Modellen. In der Regel ist für jeden­ Geschmack etwas dabei: diskret oder prahlerisch, avantgardisch oder schlicht – jeder nach seiner Facon. Wer jedoch eine Uhr von Urwerk trägt, zieht die Aufmerksamkeit auf alle Fälle auf sich. Die 2011 im Rahmen des Grand Prix d’Horlogerie de Genève ausgezeichnete UR-110 mit Stundensatelliten

Individuelle Freiheit Die neue Harley Davidson

auf Planetengetriebe zählt zur Avantgarde

IRON 883 lässt den Asphalt glühen. Kein Chrom, kein

der hohen Uhrmacherkunst. Die originelle­

Schnickschnack – dafür umso mehr Fahrspass.

Komplikation ist eine direkte Erweiterung

AB CHF 11 200 .– | harleydavidson.ch

der Urwerk-Kollektionen, welche die Zeit mit Stundensatelliten anzeigen. Bei der UR-110 RG wird die Zeit rechts angezeigt. Das bewegliche Modul folgt einer vertikalen Kurve mit einer Anzeige von 0 bis 60 von oben nach unten. Drei Pfeile nehmen Kurs auf den Minutenbogen. Dieses Trio befindet sich im formierten Anflug über der Werksplatine und korrigiert seine Position­ im Laufe der verstreichenden Minuten. Die Stundenmodule behalten ihre paralle­ le Positionierung während der gesamten Rotation­ bei. Diese technischen Finessen können durch ein breites Saphierglas bewundert werden. Preis auf Anfrage | urwerk.com

76

Lebensart


Verlosung

einfach Sitzen Das einfache Möbel aus massivem ­Eichenholz und hochwertigem Leder eignet sich als ­Sitz­gelegenheit für Wohnzimmer sowie Eingangsbereich. CHF 1900 .– | bobmoebel.ch

Golfen in Österreich

Fernab von Massentourismus begeistert das Golf- und Land­ hotel­Kleebauer mit familiärer Atmosphäre, persönlicher ­Betreuung und vor allem mit saftig-grünen Greens.

Auch wenn die Uhren im Mühletal langsamer zu ticken schei-

nen, bedeutet das nicht, dass man auf die Annehmlichkeiten der heutigen Zeit verzichten muss. Sauna, Dampfbad, Solarium, Schwimmteich, Gym, Golfsimulator und Tennisplatz lassen keine Wünsche offen. «Golfrebell» Alf Geiger hat sich zum Ziel gesetzt, Golfkurse ohne Stress, dafür mit Spass und Erfolgsgarantie anzubieten. Die Golfakademie Kleebauer ist inzwischen zur führenden Feriengolfschule Österreichs geworden. Unter der Leitung von Manfred Knauss, einziger «Master of Pro PGA» Österreichs, dürfen die Kursteilnehmer vom ersten Tag an auch ausserhalb der Unterrichtsstunden spielen. Golf lernt man nicht auf der Driving Range,­sondern durch häufiges­ Spiel auf dem Platz. Auch für Spieler mit Handycap steht ein umfangreiches Programm zur Verfügung, um dieses zu verbessern. EUR 1790.– | kleebauer.at

PUNKTmagazin Zeit

Makellos rein Sich

Wettbewerb Das Golf- und Landhotel Kleebauer und PUNKTmagazin

auf das Wesentliche zu

verlosen einen Platzreifekurs für 1 Person im Wert von 1790 Euro, inkl. 6

konzentrieren,­ist eine Kunst,

Übernachtungen, Frühstück und Nachtessen sowie Nutzung von Sauna,

die dieses Rasierset Purist bis

Tennisplatz, Solarium etc. Eine Email an wettbwerb@punktmagazin.ch

zur Perfektion beherrscht.

mit dem Stichwort «Kleebauer» genügt. Einsendeschluss ist der 15. April,

CHF 299 .– | männershop.ch

der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Lebensart

77


Verlosung

Maximaler Style

Der Kleine Italiener «MiTo» von Alfa ­Romeo

Das Warten hat ein Ende. MITCH, die neue Männerlinie von

verfügt über einen neuen 1.4 MultiAir-Motor.

Paul Mitchell, ist da. Schliesslich will Mann ja gut aussehen.

Zum ersten Mal wird bei einem Serienfahrzeug eine elektrohydraulische MultiAir-Ventilsteue-

Paul Mitchell absolvierte seine Ausbildung bei Vidal Sassoon

zum Einsatz kommt.

Minirocks. Sassoon wurde Mitchells Mentor und dieser stieg schon

Ab CHF 19 950 .– | alfaromeo.ch

bald zum Art Director auf. Anschliessend wechselte er nach New York, wo er begann, die Coiffeurszene zu revolutionieren. Anfangs der achtziger Jahre tat sich Mitchell mit John Paul DeJoria zusammen. Gemeinsam realisierten sie seine Vision von der Maximierung der Zeit und des Talents von Friseuren durch Stylingprodukte. Jeder Mann braucht einen besten Freund, auf den er sich verlassen kann. Einfach in der Handhabung, wirkungsvoll und individuell ist MITCH genau das, wonach Mann sich immer gesehnt hat. Frische, unkomplizierte Produkte lassen jeden Stylingwunsch in Erfüllung gehen – die Produktauswahl ist leicht verständlich und intuitiv. Farbkodierungen weisen den Weg zum passenden Produkt. CHF 159.– | paulmitchell.ch

Wettbewerb PUNKTmagazin verlost gemeinsam mit Paul Mitchell 4 Produktsets MITCH. Jedes Set besteht aus 7 Pflegeprodukten und hat einen Wert von 159 Franken. Eine Email an wettbwerb@punktmagazin.ch­ mit dem Stichwort «Mitch» genügt. Einsendeschluss ist der 15. April, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

78

rung eingesetzt, die sonst nur bei der Formel 1

im London der wilden sechziger Jahre, der Zeit der Beatles und des

Lebensart


«Quotidian»

in Hollywood Zuhause Die Liege­ Bali zeigt sich wie ein kleines Zelt,

Legendärer Espresso

bietet dennoch viel Privatsphäre und reichlich Komfort. AB CHF 2490 .– | pfister.ch

1967 stellte die Schweizer Manufaktur

Olympia Express erstmals die Cremina­vor. Das Modell ist sozusagen der Rolls-Royce­ unter den Kaffeemaschinen. Ein Klassiker, gebaut für die eine Ewigkeit – ein RollsRoyce­ eben. Verarbeitet werden rostfreier Stahl, Chrom und Messing. Die Maschine­ arbeitet mit dem bewährten Pre-Infusions-­ Kolbensystem: Dabei wird beim Aufziehen des Hebelarms eine kleine Menge Wasser­ aus dem Heizkessel in die Kolbenkammer gezogen und fliesst in das gepresste Espressopulver. Beim manuellen Niederdrücken des Hebels wird das heisse Wasser dann durch das Espressopulver gepresst. iPad statt Klei-

Geruch und Geschmack ergeben ein har-

der Rimowa

monisches Vergnügen für Auge, Nase und

steht für hoch-

Gaumen. Die Maschine, die einen perfek-

wertige Koffer.

ten Espresso garantieren soll, wird in exklu-

Diese werden

siver Stückzahl von nur rund zweihundert

nun ­gegen das

pro Jahr hergestellt.

iPad von Apple AB CHF 3665 .– | olympia-express.ch

­getauscht und die Schutzhülle etwas verkleinert. CHF 225 .– rimowa.de

Grenzen überwinden Das Samsung Audio Dock ist das erste Audio-Device, das nicht nur Samsung-Produkte unterstützt, sondern auch iPods, iPhones und iPads. Wenn gewünscht, kann das Signal kabellos übertragen werden. CHF 422 .– | samsung.com

Süsse Versuchung Der Pariser Patissier Ladurée feiert 2012 sein 150-jähriges Bestehen und überrascht im Jubiläumsjahr mit ­monatlichen Kollektionsboxen. Ab CHF 25 .– | laduree.ch

PUNKTmagazin Zeit

Lebensart

79


«Apart»

Für Faulpelze Yike Bike ist ein Elektro-­ Faltvelo für urbane Faulpelze: Aus der Tasche nehmen, aufklappen und mit bis zu zwanzig km/h­losrollen – ohne dabei zu treten. ab CHF 2000.–

Lang ist’s her

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1972 war das Jahr, in dem die Olym-

pischen Sommerspiele in München stattfanden und das Jahr der Geburtsstunde des berühmten Dreiblatt-Logos als Sign-off für alle adidas-Produkte. 2012 feiert adidas Originals dieses Logo und präsentiert dazu ikonische Bekleidungsteile und Schuhmodelle­ aus dieser Ära. Zum Beispiel den adiStar ­Racer Laufschuh mit flachem Profil. CHF 130.– | adidas.ch

alles dabei Dieses­

Tab statt Paste Tab

hochwertige Barset

zwischen die Zähne,

­beinhaltet Shaker, Bar-

kauen, bürsten, ausspü-

mass, Barsieb, Barlöffel,

len, ausspucken und die

Eiszange und Präsen-

Beisserchen strahlen

ter aus hochwertigem

wieder. Lush bietet da-

Kunststoff.

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Lebensart


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Je unsicherer die Aktualität, desto

Starke Marken sind Orientierungs-

Nachhaltigkeit ist ein Mega­trend,

Digitalisierung, wohin das Auge­

Entrepreneurship hört sich zwar

grösser die Sehnsucht nach früher.

hilfe und Kaufverführer in einem.

der nach Erläuterung schreit. Oder

reicht. Umso wichtiger ist es, nicht

sexy an, birgt aber immer auch

Retro, der neue, alte, ewige Trend.

Das wichtigste ist Authentizität.

besser gesagt: Erläuterungen.

Digitales im Auge zu behalten.­

­Risiken. Sind Sie ein Unternehmer?

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Vorschau No 37 / 2012 Mai/Juni Ausgabe: Emotionen

impressum Verlag financialmedia AG, Pfingstweidstrasse 6, CH-8005 Zürich, info@financialmedia.ch, financialmedia.ch

Verleger Rino Borini, Patrick M. Widmer Auflage 12 500 Exemplare, 40 000 Leser/Ausgabe (LpA) ISSN-Nr. 1661-8068

Zu lesen in der nächsten Ausgabe In der Wirtschaftstheorie arbeitete man in der Vergangenheit mit dem ­Menschenbild des «Homo Oeconomius»: Er handelt ­rational, hat ­fixe Präferenzen und maximiert stets seinen eigenen Nutzen. Dabei weiss man genau: So einfach ist es nicht. Entscheidend für das

Erscheinung 2012 N˚35 Januar / Februar, N˚36 März / April, N˚37 Mai / Juni, N˚38 Juli / August, N˚39 September / Oktober, N˚40 November / Dezember

Haftungsausschluss Die Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. Für unverlangte Zusendungen wird jede Haftung abgelehnt. Die im Magazin veröffentlichten Angaben dienen der Information und sind keine Aufforderung zum Kauf und/oder Verkauf von (Anlage-)Produkten.

Verhalten und die Motivation von Menschen sind oftmals irrationale Aspekte. ­«Emotionen» – das Thema der nächsten PUNKTausgabe.

auktionen

«Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten, verkauft!» Selten vermischen sich Emotionen und Ökonomie so spektakulär wie bei Auktionen.

Redaktion Chefredaktion Rino Borini; borini@financialmedia.ch Redaktoren Mark Baer (MB), Wilma Boegel (WB), Valerio Bonadei (VB), Rino Borini (RB), David Fehr (DF), Dmitrij Gawrisch (DG), Simon Jacoby (SJ), Michaël Jarjour (MJ), Barbara Kalhammer (BK), Fabrice Müller (FM), Matthias Niklowitz (MN), Bojan Peric (BP), Jörg Suter (JS), Claudia Thöny (CT), Adrian Witschi (AW)

Redaktion PUNKTmagazin, c/o financialmedia AG, Pfingstweidstrasse 6, CH-8005 Zürich, redaktion@punktmagazin.ch, punktmagazin.ch

Kreation & Umsetzung Art Direction, Konzept,Bildredaktion Boris Gassmann; artdirection@punktmagazin.ch

Layout, Grafik, Postproduktion Boris Gassmann; gassmann@financialmedia.ch, Fabian Widmer; fwidmer@financialmedia.ch

Fotografie Christine Bärlocher; chbaerlocher.ch, Patrizia Human; patriziahuman.ch, Alfonso Smith; alfonsosmith.com, Andrew White; andrewwhite.tumblr.com

Illustration Ian David Marsden; marsdencartoons.com, Patric Sandri; patricsandri.com

Druck pmc, print media corporation, CH-8618 Oetwil am See, pmcoetwil.ch

wahlen in den usa

Der amtierende US-Präsident Barack Obama rüstet sich für den Wahlkampf und geht im ­Internet auf die Suche nach Wähleremotionen.

Bildnachweis S10 B01 childrensaidsociety.org, B02 greencityforce.org, S11 liveinternet.ru, S12 fm AG, S13 B01 memographer.com, B02 sender.fm, B03 amnesty international, S14 B01 moterus.es, B02 fm AG, S19 B01 grund­ein­ kommen.ch, B02 Hans Neleman, S20 Butch Martin, S23 OECD/ITF, S25-26 3plus, S33 Freudenthal Verhagen, S34 B01 fittingreality.com, B02 fredmiranda.com, S54 PR Swiss Prime Site, S56 D-is-for-Duck, S57 popea35.blog.com, S58 bleachanime.org, S59 buyiowawines.com, S70 slamgallen.ch, S71 B01 Urs Steudler,

im netz der liebe

Online-Partnerbörsen versprechen, mit wissenschaftlichen Kriterien den Traum­partner zu finden. Trotz zweifelhaftem Leistungsausweis

B02 slamgallen.ch, S72 forcesofgeek.com, S73 B01 talent.paperblog.com, B02 watchtalkforums.info, B03 lanacion.com.ar, S74 B01 mybooked.com, B02 Boris Gassmann, S82 blog.diamondestatetrust.com

Verkauf Anzeigenleitung Monika Schneider; schneider@financialmedia.ch,

läuft das Geschäft mit der Liebe auf Hochtouren.

Telefon: +41 (0)44 277 75 30, Fax: +41 (0)44 277 75 35

und mehr …

Telefon: +41 (0)44 277 75 30, Fax: +41 (0)44 277 75 35

Marketingleitung Patrick M. Widmer; widmer@financialmedia.ch,

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Für Truls Toggenburger, Geschäftsführer, überzeugt die Zürcher Kantonalbank mit ihren Leistungen. Eine konstante Beziehung und die lokale Verwurzelung bilden das Fundament dieser erfolgreichen Partnerschaft.

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Zeit erneuert sich zwar Tag für Tag selber, ist aber dennoch die knappste aller Ressourcen. Diesem, meist selbst verschuldeten, Umstand vers...