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hindu e J a h r s? z n a g s s en da Ve r d r u c h ke i t r L u s t a l s i l t s e F meh

Kreuzende Agrarklingen Milliardenkampf auf dem Maisfeld

Unheilige Dreifaltigkeit Unheile Allmacht der Drogen

rch –

Mark Benecke Kriminalbiologe Weltberühmtester Forensiker im Fadenkreuz

9 771661 806003

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KostenCHF8,00

g a t r e i e F

Webpunktmagazin.ch

Heft-N˚29Jahrgang06

Januar/Februar2011

r e d t s s rü g g i w und e


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Franklin Templeton Switzerland Ltd | Bahnhofstrasse 22, Postfach, CH-8022 Zürich © 2010 Franklin Templeton Investments. Alle Rechte vorbehalten. Stand: 30.11.2010. Bitte beachten Sie, dass es sich bei diesem Dokument um werbliche Informationen allgemeiner Art handelt, wobei die Nennung der Fonds nicht als Anlageempfehlung zu verstehen ist. Der Verkaufsprospekt enthält detaillierte Ausführungen zu den mit einem Investment in unsere Fonds verbundenen Risiken. Bitte beachten Sie insbesondere, dass der Wert der von Franklin Templeton Investments begebenen Anteile oder Erträge an Investmentfonds sowohl steigen als auch fallen kann. Zahlstelle der Franklin Templeton Investment Funds in der Schweiz ist JP Morgan Chase Bank, Dreikönigstrasse 21, 8022 Zürich. Der aktuelle Prospekt ist auf unserer Homepage www.franklintempleton.ch erhältlich oder kann kostenlos bezogen werden bei Franklin Templeton Switzerland Ltd, ein Mitglied von Franklin Templeton Investment Funds, Bahnhofstrasse 22, Postfach, CH-8022 Zürich, Tel. +41 (0) 44 217 81 81, Fax +41 (0) 44 217 81 82, info@franklintempleton.ch. Herausgegeben von Franklin Templeton Switzerland Ltd, eine durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA autorisierte und regulierte Gesellschaft, als Vertreterin der Franklin Templeton Investment Funds. * Ein Teilfonds der Franklin Templeton Investment Funds (FTIF), eine in Luxemburg registrierte SICAV. ** Stand: 31.10.2010.


crescendo

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LUST & VERDRUSS WorteRinoBorini&CyrilSchicker BildBorisGassmann

Chefredaktor Rino, dieser Tage­ überschäumen die Emotionen, Feiertage sei Dank. Zeitgleich werden Fressorgien veranstaltet­ und Geschenkmanien gefrönt. Was ist da Lust, was Verdruss? Verlagsleiter Eine gute Frage,­ die ich so nicht beantworten kann, kommt es doch jeweils auf die Sichtweise an. Sicher ist, dass nicht nur etliche Verkaufsläden von den Festlichkeiten profitieren, sondern beispielsweise auch Fitnessketten und Ärzteschaften. Chefredaktor Subjekte, die sich an derartigen Schmäusen gesundstossen, gibt es wohl fast in jeder Branche. Der Weihnachtserlös ist hierzulande für viele Geschäfte, vor allem im Detailhandel, einer der wichtigsten Umsatzbestandteile. Doch im Rampenlicht stehen auch islamische, amerikanische oder russische Festtage. Verlagsleiter Was mich diesbezüglich überrascht, ist der Fakt,

dass der Ramadan in der arabischen Welt mittlerweile ein wahres Konsumfest ist. Ein Fest, das fast schon derart kommerzialisiert wird wie Weihnachten. Konservative Kräfte fürchten bereits den Verlust des spirituellen Aspektes. Chefredaktor Verlustängste­ sind universell und gnadenlos. Aber wenn wir schon von Saus und Braus reden, dürfen wir die ­bevölkerungsreichste Demokratie der Welt, Indien, nicht ausblenden. Dort werden Hochzeiten à gogo veranstaltet und diese Eheschliessungen ... Verlagsleiter ... fordern eine­ wahre Schwemme an Mitgift. Gold ist extrem beliebt, die dortige Hochzeitsaison zeichnet denn auch für einen beachtlichen Teil der Nachfrage verantwortlich. Chefredaktor Über 85 Prozent der weltweiten Goldnachfrage kommt von Investoren und Schmuckkäufern. Eine zeitlich begrenzte Steigerung der Goldschmucknachfrage beeinflusst den Globalmarkt also weit mehr als

etwa ein konjunkturabhängiger Industriebedarf.

Verlagsleiter Genug jetzt vom Gold. Die aktuelle Ausgabe ist ja schliesslich breit gefächert. Und hast du nicht letzthin mal etwas von neuen Rubriken erzählt? Chefredaktor Zu den Neuerungen gehören drei Kolumnisten. Dieses Triumvirat sorgt für frischen Wind. Von Kultur über Finanz und hin zu Genüsslichem, oder eben auch nicht Genüsslichem, ist bestimmt für jeden­Geschmack etwas dabei. Verlagsleiter Da bin selbst ich gespannt. Worauf werden die Scheinwerfer sonst noch gerichtet?

Chefredaktor Jährlich werden schweizweit eine Million Franken an Drogengeldern konfisziert. Der grösste Drogenfund waren bislang 70 Kilo Kokain. Der Wert beträgt rund sieben Millionen Franken, gestreckt wohl das Doppelte. Verlagsleiter Was hat es mit dieser Million Franken auf sich?

Chefredaktor So hoch ist der ­Betrag, der im Durchschnitt von der Stadtpolizei konfisziert wird – pro Jahr. Doch wenden wir uns von den Betäubungsmitteln ab und dafür anderen Schmankerln zu, denn davon gibt es einige. Verlagsleiter Hoffentlich erfahren wir dann auch, was mit dieser Million geschieht. Was sind denn die­weiteren Schwerpunkte dieser Ausgabe?

Chefredaktor Präsentiert werden Happen aus den Bereichen Autoindustrie, Agrarwelt und ­Ernährungsindustrie. Nicht minder interessant ist das Geschehen Chefredaktor Der weltberühmte­ rund um die Themen Megastädte,­ Forensiker, Kriminalbiologe, Innovation und Sicherheit. Psychologe,­Autor, Moderator und Referent, Dr. Mark Benecke, lässt Verlagsleiter Was kannst du, du sich auf den Zahn fühlen. Das gilt hast dich ja informiert, Drogenauch für Kris Kuksi, den Kulttechnisches offerieren? Künstler aus den USA. PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


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inhalt N˚29 / 2011 Lust & Verdruss

wirtschaftliches

08

Januar/Februar

PUNKTcover N˚29 BildBorisGassmann ModelAninaWidmer

Und ewig grüsst der Feiertag

08

PostproduktionFabianWidmer DanksagungBetTina, Maya & Sabrina

26

Egal welche Kultur, ein Grund zum Feiern findet sich immer. Auch wenn die Feiertage­unter­ schiedlichen Ursprungs sind, haben sie ­eines ­gemein: Den Faktor Spass. Damit ­verbundene Nutznies­ser sind äusserst vielseitig. 15

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Inserenten 02 29 35 39 51

Franklin Templeton Vontobel Goldman Sachs Lyxor Fonds 2011

Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

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FinanzBuch Verlag Punktmagazin Swiss Club 25+ Swissquote

Kurz & bündig Liberalismus / Staatsfreunde / Mitte-Marken / Ozeanisches / Reisen / Exzesse /Wintersport / Berlinerisches / Lustplaneten / Single-Dasein

30

ersatz:Mensch An menschenähnlichen Robotern wird seit Jahr­ zehnten, mit (Teil-)Erfolg, herumgetüftelt. Auch wenn sie bislang mehr Ergänzung denn Ersatz darstellen, die Zukunft bringt Spannendes.

sicheres kirchenamen?

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Immer komplexer und vertrackter wird unser Alltagsleben. Die Gewährleistung der damit ­verbundenen ­Sicherheit gehört zu den schwie­ rigsten Herausforderungen überhaupt.

kampf im ­maisfeld In der Agrarwirtschaft wird erbittert gekämpft und längst sind auch Politiker, Globalunterneh­ men, Bioverfechter und Landwirte involviert. Fronten sind verhärtet, verpuffende Milliarden­ beträge an der Jahresordnung.

34

megastädte Das Wort «mega» wird inflationär verwendet, doch vieles verdient diese Bezeichnung nicht. Die immer mehr und immer grösser werdenden Megastädte schon. Der anhaltende Trend zur er­ höhten Urbanisierung bringt allerdings nicht nur Chancen, sondern auch Gefahren.

essen und trends Einst nannte man «das Kind beim Namen» – nämlich Nahrungsmittel. Rasch jedoch mau­ serten sich diese zu «Food». Food wiederum wurde mehr oder minder konzis(-er) beschrie­ ben mit «Fast», «Slow», «Convenient» oder «Sensual». Der neueste Schrei ist die sogenannte ­Lichtnahrung. Hunger?

todesstimmung in motown Ein Leben ohne Auto, können wir uns das über­ haupt noch vorstellen? Wohl nicht – und dabei spielt es keine Rolle, ob man das Auto als Not­ wendigkeit empfindet oder es zum Statussymbol erklärt. Wohin geht die Fahrt?

Nachhaltigkeit Kolumne von Dr. Mirjam Staub-Bisang, Finanz­ expertin mit Anwaltspatent und MBA-Abschluss.


Index

Investierbares

Kopflastiges

Genüssliches

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52

66

36

40

43

Anleger können sich die kräftigen Turbulen­ zen der Börse zu Nutze machen.

Im schleudergang der börse Während sich das eine Jahr dem Ende hingibt, erblickt das andere Jahr das Licht der Welt. Die Zeit ist also reif für eine Retrospektive und einen­Ausblick. Welche Produkte machen für welchen Investor Sinn? Welche Anlegerfehler werden immer wieder begangen und welche Fehler sind gar keine eigentlichen Fehler?

Produkte in Kürze gefahrenherde bei ­sicheren anlagen Nicht jedes Finanzengagement, das als sicher gilt, ist es auch wirklich. Ein genaues Hinsehen ist wichtiger denn je, das gilt selbstverständlich auch bei passiven Investments.

EIN THEMA, ZWEI STANDPUNK­TE

Prof. Dr. Michael Heise (Allianz Gruppe) & Thomas Hess ­(Swiss Re) ausgefragt.

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Klimaschutz / Agrarrohstoffe / Hedge Funds / Lasterhaftes /Nullzinsen /­Hebelprodukte

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52

panorama Swiss & ­Global Am

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Dr. Mark Benecke: Forensiker, Moderator, Autor, Referent – und nicht zuletzt Donaldist.

12

dr. mark benecke Der umtriebige Kriminalbiologe mit forensi­ schem, entomologischem, psychologischem und zoologischen Hintergrund ist einer der welt­ besten seines Fachs. Benecke ist ein Unikum. Der gebürtige Deutsche grenzt sich aber auch anderweitig ab – als Moderator, Schauspieler, Autor und Referent.

Kronzeugnis

weihnachts spektakel Wie so oft: Eine Idee entwickelt sich zu einer ­Vision und aus dieser wird schliesslich ein kon­ kretes Projekt. Mit dem Weihnachstszirkus Swiss Christmas wollen ­A nna und Johannes Mayer Menschen in eine Traumwelt entführen. Doch keinesfalls dürfen dabei die wirtschaftli­ chen Aspekte vernachlässigt werden. 71

72

Kolumne vom Querdenker, Entrepreneur mit akademisch-querulatorischem Gedankengut.

76

Die Chinesen lieben Luxus. 48 panorama Börse Scoach AG

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Passive Finanzprodukte und ihre Eigenheiten. 50

& verdruss» Top versus flop

Menschen in eine Traumwelt entführen – und dabei Gewinn zu machen, ist das Ziel.

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betäubende ­allmacht Jedem sind Drogen, in welch’ Form auch immer, irgendwann und irgendwie schon über den Weg gelaufen. Drogen spielen in der Gesellschaft seit Jahrtausenden eine tragende Rolle. Doch welche Arten gibt es? W ­ oher­kommen sie? Wie entfalten Drogen ­überhaupt ihre Wirkung? Nebulöses gibt­Informativem die Klinke in die Hand.

05

«lust

80

viel lust und ­ wenig verdruss Kolumne von Dr. Dirk Boll, Jurist und geschäfts­ führender Kulturmanager in Personalunion.

kunstvoller ­eklektizismus Wenn sich Kunstvolles in die Welt von Morbidität,­ Bizarrerien und Fatalitäten begibt, bedeutet das nicht, dass damit kein Geld und keine Aufmerk­ samkeit verdient werden kann. Im Gegenteil. ­Sagenhaftes offeriert der US-Kultkünstler Kris Kuksi. Alle Macht der Andersartigkeit!

pompös Nachhaltige Reisen, Omega-Uhr, Bang&OlufsenLautsprecherdok, Taittinger-Champagner, FaberCastell-Schreibgerät, Meister-Silber-Champagner­ kühler, BMW-Cabrio

quotidian Vertu-Smartphone, Strellson-Anzug, CarreraSkihelm, Artmodul-Sideboard, Bally-Tasche, ­Felix-Bopp-Gürtelschnalle, Treger-Hosenträger

apart Stringbike, iPhone-Objektiv, Beschle-Confise­ rie, Grand-Marnier-Likör, Die-Lichttherapie, Clitcare-Vibrator, Boutique-Fé’s-Accessoires

unter anderem 03 06

Crescendo Impressum

07 82

Rückblick Descendo

PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


Impressum

06

inhalt N˚29 / 2011 Lust & Verdruss

Januar/Februar

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N˚29 Januar / Februar

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Lust&VerdrussN°29Punktmagazin


Rückblick

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im zwang der schuldenblase WorteDavidFehr&CyrilSchicker

Seit Erscheinen der letzten Ausgabe sind zwei weitere Monate ins Land gezogen, doch Hiobsbotschaften ­bezüglich der weltweiten Schuldenberge halten an. Aufgeben ist verboten und ­ ­so wird der Kampf gegen die Windmühlen noch länger ­andauern.

V

or über 90 Jahren stieg der englische Kartograf Reginald Anson in der walisischen Kleinstadt Fynnon Garw auf einen Hügel – und kam von einem Berg herunter. Dieses Schmankerl wurde später mit Hugh Grant in der Hauptrolle filmisch festgehalten. Im modernen Wirtschaftskino ist natürlich nicht Hugh Grant der Hauptdarsteller. Viel eher stehen Regierungen im unrühmlichen Rampenlicht. Auch sie sind auf einen Hügel gestiegen und finden den Abstieg nicht mehr. Und selbst wenn sie wissen, wo er sich befindet, ist er meist zu steil und alleine nicht zu bewältigen. Ein Stück mit zwölf Nullen Die an Gigantomanie kaum zu überbietenden Schuldenberge betreffen uns alle, wir sind uns ihrer denn auch bewusst – oder sollten es zumindest sein. Darum zur Erinnerung: Das Stück, das derzeit auf der globalen Wirtschaftsbühne aufgeführt wird, heisst 52 000  000  000  000 Dollar. Wer die Nullen nicht zählen mag: Es sind deren zwölf und somit stolze 52 Billionen Dollar. Hauptakteure, auf Staats­ebene versteht sich, sind die Vereinigten Staaten (17,9 Billionen Schulden), ­Japan (12,3 Billionen), Italien (2,7 Billionen), Deutschland (2,7 Billionen), Frankreich (2,5 Billionen), Grossbritannien (2,3 Billionen), und Brasilien (1,2 Billionen).

Die medial omnipräsenten Sorgenkinder Portugal (213 Milliarden), Griechenland (450 Milliarden) und Spanien (1078 Milliarden) halten zwar die Welt in Atem, doch ennet der TausendMilliarden-Grenze­ befindet sich lediglich Spanien. Der hilfsbereite «Souffler» ist hier übrigens das US-Wirtschaftsforschungsinstitut­ Global Insight, das diese Werte akribisch berechnet hat.

ten Pleitekandidaten stehen bereits fest. Es sind Portugal, Spanien, Italien aber auch Belgien. Doch der gigantische Rettungsschirm reicht bei weitem nicht mehr aus, um sie alle vor dem ­finanziellen Kollaps zu bewahren. Trifft dieser ein, ist der Euro in seiner Funktion als Stabilitätswährung gescheitert. Damit es nicht soweit kommt, gibt’s nur eine Lösung: sparen, sparen, sparen. Einige Ökonomen wollen den Abbau BIP nicht vergessen Diese Sum- über Inflation bewerkstelligen,­­­­ men sind gross. Sehr gross. Schier ­andere wiederum finden diese unvorstellbar gross. So gross, dass ­Lösung suboptimal. Die Gefahr es vermutlich unmöglich ist, sie je- liegt in plötzlichen Inflationsschümals abzutragen. Doch so unwirt- ben, die bei einer sowieso schon lich eng geschnürt dieses verflixte hohen Inflation vermehrt auftreKorsett auch ist, nicht alle schul- ten können – und deren Auswirdenschwangeren Nationen haben­ kungen definitiv nicht mehr zu akute Atemnot. Wichtig ist, die kontrollieren wären. Schulden in Relatio zum BIP zu betrachten. Arg sieht es diesbe- An die Arbeit! Kontrolle hin, Konzüglich in Japan aus, denn gemäss trolle her, glücklicherweise gibt es Weltwirtschaftsinstitut HWWI auch Erfreuliches zu berichten. So liegt deren Wert bei 200 Prozent verzeichnete etwa unser Länderdes BIP. Sie müssten also zwei Jah- nachbar Deutschland im Novemre arbeiten, um den jetzigen Schul- ber 2010 mit 2,93 Millionen Steldenberg abzutragen und während lensuchenden (Arbeitslose, aber dieser Zeit erst noch keine neu- nicht Suchende sind da selbstveren Schuld(-zins)en machen. Dies- ständlich mit eingerechnet) den bezüglich muss beachtet werden, niedrigsten Stand seit 1991. Frankwer die Schuldner denn überhaupt Jürgen Weise von der Bundesagensind. In Japan sind es vor allem in- tur für Arbeit (BA) prägnant: «Der ländische Private, was die Situation Arbeitsmarkt profitiert von der guetwas entschärft. Schlechter sieht es ten Konjunktur.» Auf eine Fortsetbeispielsweise in Griechenland und zung des Höhenflugs hofft nicht Portugal aus, sie stehen insbeson- nur Deutschland, sondern ganz dere bei ausländischen Investoren Europa. Schliesslich ist «der gros­ in der Kreide. se Kanton» mit Abstand grösster Wie diese Schuldenberge ver- Geldlieferant der Union. kleinert werden sollen, ist nicht Schweizweit ist die Arbeitsunumstritten. Im Frühjahr 2010 marktsituation zwar nicht mit Rehat sich die EU quasi in einer kordmeldungen gesegnet, immerNacht- und Nebelaktion dazu hin aber zeigen gemäss Bundesamt entschieden, einen gigantischen für Statistik die vierteljährlichen Rettungsschirm über alle mög- Indikatoren des Beschäftigungs­ lichen Insolvenzkandidaten des barometers ein deutliches WachsEuroraums zu spannen. Nach- tum gegenüber dem dritten Quardem man bereits Griechenland tal 2009. Wie im Vorquartal zeigen vor dem Staatsbankrott geret- alle weiteren in die nahe Zukunft tet hat, ist Irland als nächstes an gerichteten Indikatoren eine posider Reihe.­ Und auch die nächs- tive Tendenz.

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PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


CoverstoryWirtschaftliches

09

WorteRinoBorini&CyrilSchicker BilderBorisGassmann&FabianWidmer

Gefeiert wird immer und überall. Da spielt die jeweilige Weltwirtschaftssituation lediglich eine untergeordnete Rolle. Ein Leben ohne wiederkehrende Feste wie Ostern, Erntedankfest, Ramadan, Weihnachten, Silvester und Nationalfeiertage ist denn auch kaum vorstellbar. Oft entfernen sich die Feste jedoch von ihrer ursprünglichen Bedeutung und verkommen zur Rechtfertigung für Konsum. Es sind Happenings, bei denen die Menschen sich selbst feiern. Schlecht ist das nicht, allenfalls ein bisschen fragwürdig.

PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


E

in Kalenderjahr ist mit Festeinträgen förmlich ge­ spickt. Feierlichkeiten gehören schon seit jeher dazu. Es gibt denn auch unzählige Anlässe, um Korken knal­ len zu lassen. Religiöse Feste, historische Feiertage und Geburtstage stellen meist das Gedenken an wichtige Ereignisse dar, bei Partys und Festivals fusst der ­Anlass auf dem Faktor Spass. Das Hier und Jetzt ist wichtig, gewissermas­sen auch das Gemeinschaftsgefühl. Letzteres dürfte aber eine der wenigen­ Gemeinsamkeiten sein. Nur weil das Bewusstsein für bestimmte Tra­ ditionen und Gebräuche schwindet, bedeutet das aber noch keinen ­Gesellschaftszerfall. Feierlichkeiten sind immerhin eine wichtige Stütze für den Konsum – und damit Wirtschaftswachstumstreiber. Weihnachten. Obwohl das heilige Christfest eines über 2000 Jah­ re zurückliegenden Ereignisses gedenkt, bildete sich das moderne XMas-Fest erst im 19. Jahrhundert heraus. Heute ist Weihnachten ein kommerzielles Familienfest mit starken Fokus auf Geschenken. Der österreichische Liedermacher Ludwig Hirsch manifestierte diesen Umstand übrigens in einem seiner famosen Songs. Nun, Geschenke sind in der Zwischenzeit fast schon obligatorisch geworden, Nächsten­ liebe hat im Heute eine andere Bedeutung gekriegt. Konsum bedeu­ tet allerdings nicht nur Geschenkgeilheit, son­ dern auch mehrtägige Tafeleien.

und ewig grüsst der feiertagWirtschaftliches

I­ nnovation im Bereich Duft der beste Verkäufer ist für alle Erzeug­ nisse des Lebensalltags, genau wie das Luxusparfüm.» Wullschleger spricht von Kunde. Wer nimmt denn die Dienste­ ­Givaudans in Anspruch beziehungsweise bei welchen Produkten ­bezirzen uns Düfte? «Die findet man so ziemlich überall, vom Putzund Waschmittel über Zahnpasta hin zu Bodylotion. Räume, Autos, Kinos et cetera werden gleichwohl beduftet wie Konzerthallen.» Wäh­ rend sich also Produkthersteller wie Verkaufsstätten ob Weihnach­ ten in die Hände klatschen und frohlocken, warnen andere davor. So etwa der US-Professor Joel Waldfogel. Er redet von Geldverschwen­ dung, die inzwischen pro Jahr mehr als 100 Milliarden Franken aus­ mache. Diese erklärt er mit der Differenz der Beträge, die Schen­ ker und Beschenkter bereit sind, für den Artikel zu bezahlen. Beim ­Beschenkten ist dieser in der Regel niedriger, der Fehlbetrag verpufft.

Wahre Bedeutung? Mühe mit dem mehrmonatigen Vergnügen ­bekunden auch Kirchenvertreter. Sie argumentieren, die Bedeutung der kirchlichen Feste gehe verloren. So wehrte sich beispielsweise die evangelische Kirche in Deutschland im letzten Jahr und lancierte eine Kampagne mit den Namen «Alles hat seine Zeit! Advent ist im Dezem­ ber». Soziologeprofessor Dr. Jörg Rüpke von der Universität Erfurt beschreibt Weihnachten wie folgt: «Soziologisch muss man ganz deut­ «Das Weihnachts­ Ausgabefreudige Schweizer Medienspre­ lich sagen, dass sich die massive religiöse The­ cherin Astrid Gloor von Jelmoli Zürich dazu: matisierung und die wirtschaftliche Bedeu­ geschäft macht in «Anfangs November haben wir uns auf Weih­ tung wechselweise stützen. Keine christliche nachten eingestellt, und per Ende Dezember Kirche könnte soviel in Weihnachtswerbung ­Supermärkten ­etwa ­ ist diese Zeit vorbei. Diese Zeit ist für uns äus­ investieren, wie die vom Fest profitierenden serst wichtig, sie gehört zur verkaufsstärks­ Produktanbieter.» Beim Detailhändler Coop 10 Prozent des Jahres­ ten des ganzen Jahres.» Laut Globus-Presse­ wird in der zweiten Oktoberwoche mit der chef Jürg Welti sei die (Vor-)Weihnachtszeit Platzierung erster Weihnachtsartikel begon­ umsatzes aus. Über alle für bis zu 40 Prozent des Jahresumsatzes ver­ nen. Auch im Spielzeuggeschäft geht es schon antwortlich. Dies sagte er zumindest im Jahr Monate vor dem ersten Advent weihnachtlich Coop-Formate hinweg davor, dieses Jahr gibt er sich – genau wie die zu und her. Suzanne Nievergelt, Pressespre­ Presseabteilung von Jelmoli – zugeknöpft. cherin von Franz Carl Weber: «In den Mona­ kann man sagen, dass Angst braucht der Mann nicht zu haben, ten November und Dezember werden rund 40 denn das Geld sitzt bei Schweizerinnen und bis 50 Prozent des Jahresumsatzes generiert.» der umsatz im dezember Schweizern, schenkt man einer Studie des Be­ Denise Stadler, Mediensprecherin von ratungsunternehmens Ernst & Young Glau­ Coop, erklärt die Bedeutung von Weihnach­ im Schnitt 20 Prozent ben, wieder lockerer. Für ­Geschenke werden ten so: «Das Weihnachtsgeschäft macht im 2010 im Schnitt 301 Franken ausgeben, 34 Supermarkt-Bereich etwa 10 Prozent des Jah­ höher liegt als in mehr als im Jahr zuvor. resumsatzes aus. Über alle Coop-Formate­ Davon profitieren völlig unterschiedliche­ hinweg kann man sagen, dass der Umsatz im anderen Monaten.» Branchen. Beda Durrer, Leiter Corporate­ Monat Dezember im Schnitt 20 Prozent hö­ Communications bei BMW (Schweiz) AG, her liegt als in anderen Monaten.» Diese Zeit sieht in seinem Umfeld nicht zwingend eine ist für die Branche also entscheidend. Nach Weihnachtszeit, sondern unterteilt das Jahr Schätzungen des EU-Statistikamts werden in zwei saisonal starke Umsatzperioden: Das Frühjahr mit üblicher­ im Weihnachtsgeschäft 2010 über 400 Milliarden Franken umge­ weise vielen Modellneuheiten und der erfahrungsgemäss starke Jah­ setzt. Wie es Schätzungen an sich haben, die jeweilige Spannweite ist resausklang verbunden mit vorweihnächtlicher Einkaufsfreude. Martti­ gross. Wie dem auch sei, der Betrag entspricht 16 Prozent des jähr­ Wichmann, Vertreter der Marke Aesop Schweiz (naturbasierte Exklu­ lichen Einzelhandelsumsatzes in Europa. Profiteure sind in diesem sivprodukte im Bereich Haut-, Haar- und Körperpflege) erzielt wäh­ Jahr klar die Betreiber von Online-Shops. Eine Studie des Centre for rend der Weihnachtszeit bis zu dreimal mehr Umsatz als in anderen Retail Research aus Nottingham zeigt, dass der Umsatz im Vergleich Monaten. ­Luxuslingerie-Hersteller Agent Provocateur gibt gemäss zum Vorjahr um rund 25 Prozent zunehmen wird. Creative ­Director Sarah Shotton zwar ebenfalls keine Umsatzdaten Die geschätzten 13 Milliarden Umsatz aus dem Online-Geschäft ­bekannt, lässt immerhin einblicken, dass ihr Weihnachtsgeschäft die sind im Vergleich zum Gesamtkuchen jedoch bescheiden. Trotz­ Monate November und Dezember «beherbergt». dem wird es immer mehr zu einem gewichtigen Gegenspieler für den Jedes Jahr aufs Neue wartet Agent Provocateur mit neuen Kostbar­ klassischen Verkauf. Internet-Verkäufe werden diese Weihnachten in keiten auf. Damit ist das Unternehmen natürlich nicht alleine. Unbe­ ganz Europa wichtiger sein denn je. Vor diesem Hintergrund haben kannter sind in der Regel Firmen, die sich der Duftforschung hinge­ jene Einzelhändler, die ihre Wachstumsperspektiven stärken wollen, ben. Givaudan, einer der Weltmarktführer, zum Beispiel. Hierbei ist die Bedeutung einer guten Web-Präsenz erkannt. So haben im letz­ nicht das klassische Parfümeriegeschäft Givaudans gemeint, sondern ten Quartal 2010 etwa H&M und Zara Online-Shops gestartet. Auch viel mehr Duftentwicklung für die Privatwirtschaft. Duftmarketing Aesop ist 2010 auf den Online-Zug aufgesprungen. nimmt eine immer wichtigere Rolle ein. Das Fragrance ­Research Cen­ tre kostet Givaudan, so Medienchef Peter B. Wullschleger, 400 Milli­ «Turkey Day» In den USA und Kanada wird jeweils Ende Novem­ onen Franken pro Jahr. Er zur Duftwirkung: «Der Kunde will mehr ber das Thanksgiving-Wochenende eingeläutet. Mit seinen ursprüng­ und mehr sicher sein, dass er rund um die Erde jeweils regional den lich religiösen Wurzeln der Pilgrim-Danksagung für eine ertragrei­ richtigen Duft für seine Produkte findet. Man hat begriffen, dass che Ernte ist das heutige Thanksgiving nur noch über den Namen ¬ PunktmagazinN°29Lust&Verdruss

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­verbunden. Auch das nur teilweise, denn in der Umgangssprache wird das Fest oftmals «Turkey Day» genannt. 2010 wurden hierbei insgesamt 45 Milliarden Franken ausgegeben, insbesondere Schmuck und Spielwaren waren gefragt. Ein Drittel betraf Internet-Käufe. ­Gefolgt wird Thanksgiving vom «Black Friday», der für die meisten Schulen und Firmen ebenfalls ein Freitag ist. Seinen Namen trägt die­ ser Tag, weil dann die Umsätze traditionell enorm hoch sind und so manchem Detailhändler wieder zu schwarzen Zahlen verhelfen. Der ehemalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt wollte übrigens 1939 das Thanksgiving-Fest aus ökonomischen Überlegungen auf den dritten Donnerstag im November vorziehen. Da das grosse TruthahnEssen in den Vereinigten Staaten traditionell den Startschuss für die Weihnachtszeit gibt, wollte er seinen Bürgern mehr Zeit zum Einkau­ fen geben. Roosevelt konnte sich nicht durchsetzen, der Termin blieb am vierten Donnerstag. Auch Medien spielen im Weihnachtsgeschäft eine wichtige Rolle. In den Tagen vor dem ersten Advent überschla­ gen sich die Meldungen über ein ausserordentlich brummendes und grossartiges Weihnachtsgeschäft. Und nach Weihnachten, wenn der Einzelhandel hat verlauten lassen, er sei mit dem Geschäft zufrieden, wird medial die Klaviatur des grandiosen Nachweihnachtsgeschäfts bespielt. Die Spitze wird mit dem Jahreswechsel erreicht: rekord­hohen Fluten von SMS-Glückwünschen sei Dank. Swisscom relativiert das Ganze. Als Versorger mit Telekom-Dienst­ leistungen müssten einerseits über das ganze Jahr die entsprechen­ den Kapazitäten vorhanden sein, anderseits seien in den Tagen vor oder nach Silvester oftmals die Anzahl der Kurzmitteilungen gerin­ ger. Swisscom Medienchef Sepp Huber ergänzt: «Betrachtet man die Swisscom-Umsätze über das ganze Jahr, dann spielt das Weihnachts­ geschäft wie auch das Neujahrsfest eigentlich keine Rolle. Zwar stei­ gen die Handy-Verkäufe durchaus, jedoch sind ja die meisten Ange­ bote von der Swisscom subventioniert. Somit dauert es eine Zeit, bis die wirklichen Erträge zu Buche schlagen.»

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Wenn der Osterhase kommt ... Wer genug hat von Weihnachten und Neujahr, für den gibt’s ja noch das Osterfest. Bei diesem kirchli­ chen Feiertag wird ein analoges Bild gezeichnet. Wiederum rund acht ­Wochen vor dem Happening hoppeln erste Schokoladenhasen in die Regale. Auch die Osterzeit treibt die Umsätze im Detailhandel kräftig­ nach oben. Bei Coop liegen sie in den Supermärkten rund 40 Prozent über einem durchschnittlichen Samstagsumsatz, so Denise Stadler­ von der Pressestelle Coop. Dies nicht nur, weil am ­Ostermontag die Geschäfte geschlossen bleiben, denn gefärbte Eier gehören zwar nach wie vor zum Fest, doch als Geschenk sind sie längst überholt. Seit einigen Dekaden rollen an Ostern wahre Gabenlawinen heran. Die Kirchenbesuche hingegen nehmen an Ostern nicht zu. Soziologe Jörg Rüpke dazu: «Das zunehmende Interesse an der Kommerzialisierung des Osterfestes lässt noch hoffen. Aber auch im protestantischen ­Bereich liegen die Gottesdienstbesucherzahlen für Karfreitag kaum noch über dem üblichen sonntäglichen Durchschnitt.» Szenenwechsel: Richten wir den Blickwinkel nach Osten in die muslimische Welt, immerhin die zweitgrösste Religionsgemeinschaft. Während bei uns der Weihnachtsbaum geschmückt ist, Lichterketten die Strassen beleuchten und der Weihnachtskonsum dem Handel viel Umsatz beschert, spielt Weihnachten im Islam keine Rolle, da es in der Agenda der islamischen Festlichkeiten keinen Platz findet. Über­ haupt kennt der Islam nur zwei wirklich echte Feste: Das Opferfest, das im Rahmen von Pilgerfahrten stattfindet, und das Fest des Fasten­ brechens, das zum Ramadan-Abschluss gefeiert wird. Ramadan ist bei weitem nicht nur ein spirtuelles Ereignis, sondern eher ein Konsumfest und bei 1,6 Milliarden Gläubigen schlägt dies zu Buche. Der Glaube schreibt vor, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang aufs Essen, Trinken und Rauchen zu verzichten. Doch in der moder­ nen Zeit schlägt das Pendel oft ins andere Extrem aus. Das Fastenbre­ chen, die Mahlzeit nach Einbruch der Dunkelheit, gerät oft zur üppi­ gen Schlemmerei, mit der Gäste aus dem Familien- und Freundes­kreis beeindruckt werden sollen. Das untermauert auch die Buchautorin Madlaina Brogt, die mehrere Jahre in den Emiraten und in Ägyp­ ten lebte: «Es gibt die Strömungen zu riesigen Essen am Abend und Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

«US-Präsident­ Franklin D. Roosevelt woll­ te 1939 Thanks­ giving aus öko­ nomischen Gründen auf den dritten Donners­ tag im November vorziehen.»


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grossen Parties, die den eigentlichen Sinn untergraben. Ähnlich wie die Konsumschlacht an Weihnachten in vielen christlichen Gebie­ ten.» Dies gilt selbstverständlich nicht flächendeckend, ist aber eine­ ­Erscheinung, die vermehrt auftritt. Absolut empfehlenswert ist in dem Zusammenhang «Religulous», eine sagenhafte Mockumentary von Bill Maher aus dem Jahr 2008.

soziale­ Institution. In dieser Zeit muss fast niemand hungern, was ansonsten für viele Millionen Menschen Alltag ist. Islam-Kennerin­ Brogt erklärt: «Während des ­gesamten Ramadans findet man etwa in Ägypten sogenannte Tische der Barmherzigkeit, an denen die Armen nach Sonnenuntergang nach dem Maghreb-Gebet verköstigt werden und dort ihre erste Mahlzeit des Tages einnehmen.»

Konsumrausch Ramadan Nächtliche Fest­ Ein Fünftel der Welt auf Achse Welch’ Phil­ lichkeiten haben in den vergangenen Jahren im anthropie. Doch wie, was und wo wird in der «Während des Ramadans Nahen Osten vielerorts zunehmend ertragrei­ Weltwirtschaftswucht China gefeiert? Rund che Dimensionen angenommen. Im Libanon, um die Zeit, in der wir Ostern zelebrieren, findet man in Ägypten wo arabische Traditionen und globalisierte beginnt im bevölkerungsreichsten Land der Konsumkultur bisweilen schrill aufeinander­ Erde das Neujahrsfest, auch Frühlingsfest sogenannte Tische der prallen, wird der Ramadan besonders aus­ genannt. Zum chinesischen Neujahr steht schweifend und vielfältig gefeiert. So hat sich die Nation Kopf. ­Eine Woche lang wird ge­ Barmherzigkeit, an Beirut zu einem regionalen Lieblingsreiseziel saust und gebraust. Es ist das wichtigste Fest entwickelt. Vor allem in der Schlussphase strö­ des Jahres – und das für immerhin andert­ denen die Armen nach men Zehntausende Touristen vom arabischen halb Milliarden Menschen. Es erstaunt nicht, Golf herbei. «Die Leute kaufen wie verrückt, dass es die Zeit der grössten Volksbewegun­ Sonnenuntergang nach auch Christen stehen mittlerweile total da­ gen überhaupt ist. Währenddessen sind zirka rauf», zählt Abdul-Karim Al-Mumin, Senior-­ 200 Millionen Chinesen per Zug und rund dem Maghreb-Gebet Manager des führenden Einkaufszentrums im 25 Millionen per Flugzeug unterwegs, um Libanon. Er freut sich nicht nur aus berufli­ ihre Familien zu besuchen. Auch da herrscht verköstigt werden.» chen Gründen jedes Jahr auf den Fasten­monat:­ ein regelrechter Kaufrausch. Überreicht wer­ «Ramadan ist eine der schönsten Zeiten im den oft Geldgeschenke in roten Umschlägen, Jahr, es ist, wie jeden Tag Geburtstag haben.» denn rot ist in China die Farbe des Reichtums Eine grosse Mehrheit der fastenden und des Glücks. Muslime­ versammelt sich während des Fastenmonats abends stun­ Auch wenn in China nur knapp zwei Prozent Christen leben, wird denlang vor dem Fernseher. Die Werbeminutenpreise schiessen immer häufiger auch das Weihnachtsfest gefeiert. Gerade unter jun­ dann jeweils regelrecht in die Höhe. In keinem anderen Monat sitzen gen und wohlhabenden Chinesen gilt Weihnachten als trendy. Es ist ­soviele Menschen vor dem TV. ­A llerdings – und das ist entscheidend – gleichsam ein Bekenntnis: Ja, ich gehöre dazu – zur globalen Kon­ ist der Ramadan gerade in den islamischen Entwicklungsländern eine­ sumentengemeinschaft. Beliebt ist in China auch das Verschicken ¬ PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


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von SMS-Glückwünschen. Bei den mitunter grossen Distanzen ist ein ­Besuch der Verwandten nicht immer möglich, SMS sind da eine willkommene und kostengünstigeAlternative. Letztes Jahr waren es ­sagenhafte 18 Milliarden SMS-Botschaften, die verschickt wurden. Die hohe Zahl überrascht nur auf den ersten Blick, denn schliesslich­ gibt es in keinem anderen Land so viele Handybenutzer wie im Reich der Mitte. Rund 840 Millionen Chinesen sind derzeit mobil ­erreichbar.

Die Versuchung, an den Brückentagen Ferien zu nehmen, sei für viele Arbeitnehmer gross. Diese Zwangspause könnte die Wirtschaft sechs Milliarden Pfund (mehr als neun Milliarden Franken!) kosten, warnte Alambritis. Laut The Independent verliert Grossbritannien mit jedem arbeitsfreien Tag eine Milliarde Pfund. Andere Branchen dürften hingegen von der Hochzeit des Jahres profitieren, darunter vor allem das Tourismus- und Gastronomiegewerbe. Die Wirtschaftsforschungsgesellschaft Verdict rechnet mit zusätzlichen Einnahmen von knapp einer Milliarde Franken.

Mäjestätischer Geldfluss dank Will und Kate Eines der grössten Ereignisse des kommenden Jahres wird zweifellos die im Frühjahr stattfindende Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton sein. Kaum war das Datum – der 29. April 2011 – bekannt, erliess die ­Regierung einen zusätzlichen Urlaubstag. Millionen von Menschen werden vor der Flimmerkiste bei der Traumhochzeit mitfiebern, und viele Briten werden sogar live dabei sein. Man kann sich auf der Insel­ also auf eine grosse Sause freuen – oder auch nicht. Fakt ist, dass so viel Spass auch sehr viel Geld kostet – doch der britische Detail­handel könnte unter dem mangelnden Umsatz zwischen Ostern und dem ­anvisierten Hochzeitstermin leiden. Stephen Alambritis von der britischen Mittelstandsvereinigung sagte gegenüber dem Telegraph, dass der Termin nicht ungünstiger hätte gelegt werden können. «Nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer im Januar wird die Kauflust vermutlich ohnehin nachlassen, deshalb haben viele Unternehmer auf die Zeit um Ostern gehofft, um ihr Geschäft anzukurbeln.» Hochzeits­ termine nach wirtschaftlichen Überlegungen ausrichten – schöne neue Konsumwelt.

Das Jahr 2011 bietet so manch’ Feiertag und Jubiläum. So feiert financialmedia AG,­ Herausgeberin PUNKTmagazin, ihr 5-jähriges Bestehen. Auf viele weitere!

der Ol-faktor Die Wichtigkeit des Geruchssinns im­ normalen Alltag ist unbestritten. Doch ­inwiefern lassen­wir uns bezüglich Kaufentscheidungen von unserer Nase leiten?

«Wir können Ohren und Auge­n schlies­ sen, aber den Atem nur kurz anhalten. Wir sind nicht fähig, uns dem Geruchssinn zu entziehen. Überdies laufen viele Duft­ reaktionen wie Ekel, ­A nziehung und Erin­ nerung weitgehend unbewusst ab», meint Dominic­ Senn, CEO und Gründer von ScentOfLove. Jesses, ist es in Anbetracht dieser Tatsachen überhaupt möglich, sich im Alltag vor diesen «Sinnes­torpedos» zu schützen? Senn dazu: «Der Geruchssinn schützt sich selbst. Wenn ein Reiz lange an­ hält, blendet das Hirn diesen selektiv aus. Man spricht von olfaktorischer Adaptati­ on. Gut zu beobachten ist das bei Fährten folgenden Hunden. Sie machen das nicht gradlinig, sondern im Zickzack. Somit werden ihre Rezeptoren durch frische Luft für die Duftspur frei gemacht.» Wer möch­ te sich schon an der Nase herum­führen las­ sen? Gewähren­ sie uns doch ­weitere Ein­ Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

blicke. Gibt es gängige­ Marketingtricks? «Da gibt’s fast alles. Konkret hängt es vom jeweiligen Angebot ab. Im Bereich Duft­ marketing liegt der Fokus hauptsächlich auf Naheliegendem. Das heisst, Bäckereien riechen nach frischem Brot und Erdbeer-­ Joghurts nach Erdbeeren. Einen jeder­ mann zum Kauf animierenden Universal­ duft gibt es nicht.» ScentOf­Love hört sich pathetisch an und anvisiert Emotionales wie Hoffnung und Liebe. Da ist, ohne­ zu werten, Missbrauch oft nicht weit entfernt. Wie sehen sie das, Herr Senn? «Wir sind eine Art Ratgeber, der einem immer dann helfen soll, wenn die eigene Nase­ nicht zum Zug kommen kann. Bis jetzt gab es für Sing­les auf Online-Dating-Plattformen keine Möglichkeit, vor dem ersten Treffen etwas­über Geruch und Duftvorlieben des Gegenübers zu erfahren. Das haben wir geändert. Im Gegensatz zu vielen anderen Ratgebern basiert bei uns alles auf einem soliden wissenschaftlichen Fundament. Nichtsdestotrotz gilt es zu bedenken, dass die eigene Nase am Schluss immer mitent­

scheidet. ScentOfLove alleine ist noch kein Garant für ‹Ewigi Liebi›.» Herr Senn, sie haben die wissenschaftlichen Aspekte­ an­ gedeutet. Wo genau gibt es Schnittstellen­ mit anderen Bereichen und welche neu­ en Erkenntnisse­ können sie uns offerie­ ren? «Nun, im Rahmen eines laufenden Forschungsprojekts mit der ETH Zürich haben wir zum Beispiel untersucht, wel­ che Eiweisse im Immun­system für welche Duftvorlieben prägend sind. Basierend auf diesen Erkenntnissen hat ein Zürcher Parfumeur eine neue Linie entwickelt, die für jeden Dufttyp ein passendes Par­ fum bietet. Weiter haben wir einen Duft­ präferenztest entwickelt, mit dem man für ganz bestimmte Duftstoffe anhand eige­ ner Präferenzen seinen Dufttyp bestim­ men kann.» Müsste man Scent­OfLove ei­ nem Geruch zuordnen, wie betörend wäre dieser? «Oops. Schwierig. Da wir ziem­ lich unterschiedliche Dufttypen haben, würden die Meinungen da wohl ziem­ lich auseinander gehen», schmunzelt Senn ­abschliessend. CS


Kurz & BündigWirtschaftliches

Staatsfreund Nr. 1 Trinken, Rauchen, Zocken. Irdische Gelüste erhitzen Gemüter, sorgen aber auch für satte Steuereinnahmen. Eine ökonomische Verteidigung der Laster. Eines vorneweg,

Dreh- und Angelpunkt Freiheit Liberalistisch zu sein, bedeutet immer weniger. Zu viele, unterschiedlich ausgerichtete Personen­ oder Parteien, stülpen sich heute diesen Hut über. Höchste­ Zeit für eine Klärung des Sachverhalts.

Verkommt die Begrifflichkeit durch den ­zuweilen frivolen Gebrauch zu einem Seemannsgarn? Kann man Liberalismus langsam aber sicher problemlos­ mit einem Draht nachformen, weil die Terminolo­ gie inzwischen bis zur Einfachheit ausgefranst ist? Ja. Nein. Das alles muss nämlich nicht sein, denn rich­ tig angewendet respektive­richtig definiert, ist Libe­ ralismus hohe­Kunst. ­Eine ­hohe Kunst, die durchaus sinnvoll ist. Pierre Bessard, Direktor ­Liberales Insti­ tut, eine in Zürich ansässige Denk­fabrik, die seit 1979 freiheitliche Ideen erforscht und sich für die liberale Geistestradition einsetzt, offeriert erklärende Wor­ te: «Liberalismus hat vor allem mit Wahlfreiheit des Individuums und einer freiwilligen Gesellschaftsor­ ganisation zu tun. Die Ablehnung des Zwangs ist da­ bei aber nicht mit Nihilismus zu verwechseln, Frei­ heit bedingt Res­pekt gegenüber ­Eigentumsrechten jedes Einzelnen.» Individualismus und Freiheit sind gut und recht, leider jedoch nicht jedermanns Sache. Welch’ argen­ Gefahren ist der ­Liberalismus denn ausgesetzt? ­«Liberalismus muss als ethische Über­ zeugung ­vertreten werden, nicht primär aus utilita­ ristischen Gründen. Es ist sicher wahr, dass eine li­ berale Ordnung zu mehr Reichtum für alle führt. Im Kern ­jedoch steht die über­legene Moral indi­ vidueller Freiheit und Verantwortung. Gefährlich ist dagegen eine Ethik, die sich von der Selbstver­ antwortung löst. Sozial­demokratische Dogmen der

willkürlichen Umverteilung und politisch beding­ ten Verantwortungslosigkeit sind nicht nur wirt­ schaftlich schädlich, sie gefährden auch das morali­ sche Fundament des friedlichen Zusammenlebens», erklärt Bessard. Die Erklärung leuchtet zwar ein, doch gibt es sehr wohl konträre Meinungen. Das Wort wird dem Deutschen Anselm­ Vogt, ­Essayist, Jazzmusiker und Aphorist, erteilt: «Das Eigentum fördert nicht, wie der Libe­ralismus wähnt, das Ge­ meinwohl, sondern das Wohl der Gemeinen.» Ist ­i hnen irgendwo ein Denkfehler unterlaufen, Herr Bessard? «Liberalismus beruht auf der Überzeu­ gung, dass jeder Mensch Eigentümer seines eigenen Geistes sowie Körpers ist, und damit auch von all dem, was er mit seiner Intelligenz und seinem Kör­ per erschafft. ­Eigentum anzuprangern heisst da­rum, die Grundlage des Humanismus in Frage zu stellen. Ohne Eigentum gibt es keine Freiheit und keinen Frieden. In einer Marktwirtschaft ist der legitime ­Erwerb von Eigentum auch nur durch Kooperation und den Dienst am Nächsten möglich.» Vogt bleibt wohl nicht der einzige Gegner des ­Liberalismus. Doch noch zahlreicher sind die Befürworter. Wel­ che unter ihnen sind die berühmtesten? «Bekann­ te Vertreter sind beispielsweise­Benjamin Constant, Ludwig von Mises, Wilhelm Röpke,­Friedrich A. von Hayek, Milton­Friedman, John ­Locke, Adam Smith, Wilhelm von Humboldt oder Voltaire. Die liberale Geistes­t radition ist so reichhaltig und einleuchtend, dass keine Zeit für deren Gegner übrig bleibt, vor al­ lem im Lichte der ­katastrophalen kollektivistischen ­Erfahrungen des 20. Jahrhunderts.» Chuzpe! CS

Lasterhaftes birgt Gefahren in sich, bei fehlendem Mass kann es gar zur Katastrophe kommen. Doch das ist in vielen Bereichen des Lebens so. Schliesslich kommt auch niemand auf die Idee, an einem Abend 100 Landjäger zu essen oder 500 Cou­ verts abzulecken. Ist im Einzel­ fall ebenfalls bedenkenlos, masslos ­betrieben aber zutiefst ungesund. Und wirft erst noch kaum Steuern ab. Dagegen sind Trinker, ­Zocker, Raucher und Freier bezüglich Um­ sätzen und Steuern relevanter. So zum Beispiel im ältesten Gewerbe der Welt, dem schweizweit ein Jah­ resumsatz von über drei Milliarden­ Franken attestiert wird. Diese­Zahl zu überprüfen, ist schwierig. Eben­ falls unbekannt ist der Anteil, der in Form von Steuereinnahmen in die Staatskasse zurückfliesst. ­Bekannt sind dafür die letztjähri­ gen Steuereinnahmen aus anderen Lastern. Steuern auf Alkohol war­ fen 356 Millionen ab, Tabaksteuern fast 2 Milliarden und Spielbanken 415 Millionen. Alles in allem fast drei Milliarden Franken Steuergel­ der, die den «Sündern» zu verdan­ ken sind. Dazu kommt die indirek­ te Wertschöpfung. Nutznies­ser sind Restaurants, Bars, Clubs, ­Hotels, Zeitungen, Zeitschriften, Reise­ unternehmer und Taxis. Gerade in rezessiven Zeiten sind solche Ein­ künfte gern gesehen. Zumal es zu bedenken gilt, dass die Abgaben auf Genussprodukte im Vergleich zur Mehrwertsteuer – wo der Normal­ satz 7,6 Prozent (ab 1.1.2011 sind es 8,0) beträgt – hoch sind. Etwa die Tabaksteuer (56 Prozent), deren ­Totaleinnahmen sich in den letz­ ten 30 Jahren verdoppelt haben, ob­ wohl die Verkäufe um gut 25 Pro­ zent rückläufig waren. Auch die Branntweinsteuer schenkt mit 29 Franken pro Liter reinen Alkohol stark ein. Von dieser Steuer fliessen übrigens 90 Prozent in die AHV, 10 Prozent in die Bekämpfung des ­A lkoholismus und des Missbrauchs von Suchtmitteln. Zusammen­ gefasst: Nirgendwo sonst macht der Bund relativ gesehen mehr Kasse als mit Genusssteuern. Überspitzter:­ Gute Staatsbürger saufen! DF

PunktmagazinN°29Lust&Verdruss

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mitte-Marken sind zurück Discount- oder Markenprodukt, heisst es oft. Eine Alternative bieten Mitte-­ Marken, die eine wahre Renaissance ­erleben. Wer denkt, dass Konsumenten

als Folge der Krise vermehrt auf Discoun­ ter und Billigprodukte umsteigen, irrt. Klar, einzelne «Ausbrecher» gibt es, doch die gibt es auch in einem normalen Markt­ umfeld. Es scheint eher so, dass Unsicher­ heiten das Bedürfnis nach Bewährtem und Vertrautem wecken. Als Folge davon spüren Mitte-Marken erstmals seit Jah­ ren wieder Aufwind. Mitte-­Marken verei­ nen Luxus-Werte wie Qualität und starke Markenbindung mit einem guten PreisLeistungsverhältnis. Also genau die Werte, die laut Umfragen des Marktforschungs­ instituts GfK – in Deutschland und der Schweiz – in den letzten Jahren an Bedeu­ tung gewonnen haben. 60 Prozent gaben in der Umfrage 2009 an, dass sie Marken­ artikel für qualitativ hochwertiger hal­ ten als markenlose. 2005 waren es lediglich 48 Prozent. Aktuell gewichten 41 Prozent der Konsumenten die Marke stärker als den Preis – 5 Prozent mehr als vier Jahre zuvor. Mittlerweile sind sieben der zehn besten Produktmarken in Deutschland Mitte-Marken. Das sah vor ein paar Jahren noch anders aus. Entweder Premium oder Discount lautete die Devise. Damals konn­ te das Luxussegment aufgrund verstärkter Werbe- und Marketingmassnahmen ein starkes Wachstum verzeichnen. Gleichzei­ tig verbesserte sich die Qualität der Billig­ produkte. Den Mitte-Marken­wurde der Tod vorausgesagt. Was brachte die Wen­ de? Laut GfK sind es regionale Veranke­ rung, Nähe zu bestimmten Zielgruppen und Flexibilität, die den Unterschied nach oben und unten ausmachen. Nachfolgend wie abschliessend eine potente Auflistung der «Best Global Brands» des Marken­ beraters Interbrand: Coca-Cola (Mar­ kenwert von rund 70 Milliarden Fran­ ken), IBM (64 Milliarden), Microsoft (60 Milliarden), Google­(43 Milliarden), GE (42 Milliarden), McDonald’s (33 Milliar­ den), Intel (32 Milliarden), Nokia (29 Mil­ liarden), Disney (28 Milliarden), Hewlett Packard (26 Milliarden). Augenscheinlich ist, dass amerikanische Firmen diese Top10 nach wie vor förmlich dominieren. JS

Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

Stranguliertes Ozeanien Obwohl die Unterwasserwelt etwas vom Wundervollsten überhaupt ist, zerstören wir sie immer weiter. Das Maritime ist aber nicht nur wundervoll, sondern auch äusserst wichtig für unser (Fort-)Leben. Es dürfte hinlänglich bekannt sein, dass über 70 Pro­

zent unseres Planeten mit Wasser bedeckt sind. Es dürfte hinlänglich bekannt sein, dass unsere Weltmeere rigoros überfischt sind (für Ewiggestrige: Der Bestand grosser ­Speiseund Raubfische ist um 90 Prozent zurückgegangen). Es dürfte hinlänglich bekannt sein, dass Aquakultur, also die Zucht verschiedener Meereslebe­wesen, das ozean’sche Ausster­ ben bei weitem nicht kompensieren kann. Es dürfte hinlänglich bekannt sein, dass sowohl Mensch als auch Klimawandel immer mehr Riffs und ähnliche «Meeresbestandteile» zer­ stören. Bei soviel Wissen mutet es arg komisch an, dass wir, die gescheiten, zuvorkom­ menden und sozial sowie nachhaltig geprägten Geschöpfe­, das Maritime noch immer mit (gullivergrossen) Füssen treten. Denn wir wissen auch, dass etliche Fortschritte, ob ein­ schneidend oder nicht, das Resultat von Adaptionen aus der Unterwassertierwelt sind. Tiefseebohrungen, nur als ein leidiges Beispiel von unzähligen, blenden das sträflich aus und tragen einzig die Wichtigkeit der Erschliessung neuer Erdölquellen auf Händen. Die Erdölkatastrophe im Golf von Mexiko hat uns zwar die Gefahren dieser Bohrungen auf­ gezeigt, doch diese Art von Erdölexploration­wird – unter Experten herrscht diesbezüglich Einigkeit – in Zukunft weiter an Gewicht gewinnen. BG Group, Galp Energia, Anadarko Petroleum, Tullow Oil und Konsorten sei Dank. Doch es ist und bleibt leidige Tatsache: Wird der Zerstörungswut weiterhin gefrönt, erhöht sich die Gefahr, dass künftige Pro­ gressionen verkümmern. Denn von all dem abgesehen offeriert uns Ozeanien eine wun­ dersame Fülle an Bizarrerien, die einerseits Extravaganz verspricht, anderseits einfach nur herzallerliebst ist. So zum Beispiel der, Obacht Umgangssprache, Pistolenkrebs. Die­ ser ist in der Lage, einen 150 Dezibel lauten Knall zu erzeugen. Damit kann er nicht nur seine Beute lähmen und schnappen, sondern auch Sonargeräte von Schiffen in die Irre leiten. Biologen und Physiker haben herausgefunden, dass der Krebs darüber hinaus eine sogenannte Kavitationsblase bilden kann, die während dem Scherenzuschnappen einen Wasserstrahl mit 25 Metern pro Sekunde hervorbringt. Weil dadurch der Wasserdruck in der Blase sinkt, kommt es zur Implosion. Der Alpheus heterochaelis ist natürlich nur eine­ unter­Millionen von weiteren Aussergewöhnlich­keiten. Viele von ihnen, etwa das Leucht­ wunder Galatheathauma axeli­, wurden nur zufällig und mit viel Glück entdeckt, befinden sie sich doch meistens im Bathypelagial. Bathypelagial ist der Abyssus, also der Abgrund des Meeres, und der befindet sich in 2000 bis 6000 Metern Tiefe. CS


Kurz & BündigWirtschaftliches

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Wenn zwei das Gleiche tun Für viele sind Flugreisen der aufregende Ferienbeginn. Für andere­das Ende der Arbeit. Die beiden­ Gruppen reisen zwar zusammen,­ ­machen unterwegs aber praktisch alles verschieden. «Dieser

oder Rimowa-blechfarbene Gepäck weist meist ein diskret angebrachtes schwarzes Namensschild mit Airline-Logo auf. Dieses erhalten­ nur die Mitglie­ der der Vielfliegerallianzen mit Platin-Status. Aus­ ser im Gang und im Jetway kommen sich die zwei Welten selten in die Quere­. Vielreisende bevorzu­ gen Randverbindungen, essen oft in den Lounges am Flughafen und verschmähen das Essen in der Luft – auch das in der Businessklasse. Für Ferien­ reisende, die Vormittags- und Nachmittagsmaschi­ nen benutzen, gehört das Warten auf den oft unbe­ quemen Sitzen am Gate und das pampige Sandwich einfach zum Flugerlebnis dazu. Ferien­reisende ste­ hen in Zickzack-Kolonnen, während Geschäftsrei­ sende den rascheren «Fast Track» benutzen können. Ferienreisende stehen auch zuerst auf, wenn es beim Boarding heisst: «Wir bitten zuerst die Passagiere in den Reihen 30 bis 55 an Bord». Geschäftsreisen­ de dagegen werden entweder sehr früh oder zuletzt an Board gebeten. Kleiner Trost für hinten sitzen­ de Passagiere: Hier ist es statistisch gesehen sicherer als vorne. Doch genug der Unterschiede, denn eine Gemeinsamkeit zwischen Viel- und Urlaubsflieger besteht doch. Und das gleich im wichtigsten Punkt. Sie kommen gleichzeitig an, denn die Priorisierung des Verkehrs fand mit dem ­Ende der Concorde-Überschallflugzeuge 2003 ihr Ende. Enfin. MN

Moment ist fast das Beste am Fliegen, wenn man aus dem Bus steigt, der Wind den Mantel hochweht und man den Koffer fester mit der Hand umschliesst ...»,­ schwärmt der Erzähler in Christian Krachts «Faser­ land», als er ein Flugzeug besteigt. Auch wenn alle Passagiere im gleichen Jet in ferne Länder reisen ­– hier prallen Welten aufeinander. Für Ferienreisende und gelegentliche Geschäftsflieger bilden die letzten Meter zum Flugzeug den Auftakt zu einem aufre­ genden Abenteuer, das nicht lange genug ausgekos­ tet werden kann. Passagiere, die beruflich viel unter­ wegs sind, schreiten auch den Zugang zum Flugzeug mit ihrem üblichen Tempo ab. Und das ist deutlich schneller. Auch im Flugzeug selber zeigen sich Unter­ schiede, etwa beim Gepäckverstauen. Gelegenheits­ flieger neigen zum räsonieren: Kommt der Rucksack unter den Vordersitz oder in die Ablage­ oben? Und wohin mit dem Notebook? Dem Vielflieger stellt sich diese Frage schon deshalb nicht, weil er mit Einheits­ gepäck unterwegs ist, das perfekt in den Stauraum passt. Das Tumi-schwarze, Samsonite-­dunkelgraue

meine firma, mein geld!? Während sich Exhibitionisten ihrer­ Mäntel entledigen, umhüllen sich gierige Wirtschaftskapitäne mit dem Mantel der Exzesse. Die

Rede­ist nicht etwa von omnipräsen­ ten Fifa-Korruptionsgeschehnissen, die zwar leidig sind, doch scheinbar zum Geschäftsmodell gehören. Et­ was, dass der (Durchschnitts-)Bürger­ wohl oder übel hinnehmen muss. Je­ doch ist dieser oft auch nicht besser, insbesondere dann nicht, wenn er die Karriereleiter emsig nach oben klet­ tert. Wie Dennis Kozlowski, einstiger CEO bei Tyco International. Das glo­ bal operierende Konglomerat, kurz nach der Jahrtausendwende ein Ana­ lystenliebling, brach in sich zusam­ men, zu skandalumwittert das Ganze war. Dafür verantwortlich zeichnete­ der von Gier getriebene Kozlowski.­ Sein 18-Millionen-­Dollar-Apartment zahlte sein Arbeitgeber, ebenso­ die Stretchlimousine. Seinen 20 000-Dollar-­Schirmständer in Hundeform stellte er ebenfalls ­Tyco in Rechnung. An Geschmacklosig­ keit war der Amerikaner nicht zu überbieten. Das verdeutlichte etwa­ der güldene Duschvorhang, der mit 6000 Dollar zu Buche schlug. Der Gold-, äh, Langfinger brauchte­ zudem dringend einen vergoldeten­ Mülleimer, den er sich über 2000 Dollar kosten liess. Doch was sind diese Handvoll Dollar, wenn man seine an und für sich schon prunk­ volle Wohnoase für weitere drei Mil­ lionen renovieren kann? Irrwitzig ist überdies der Fakt, dass er seiner Frau einen 6000 Dollar teuren Nähkorb schenkte. Dieser passte sicherlich gut zum Interieur, das mit elf Millionen durchaus erwähnenswert ist. Oder vielleicht doch nicht, denn an ge­ wissen (Jahres-)Tagen «flohen» die Kozlowskis gerne nach Europa, um millionenteure und legendäre Feste zu feiern. Der gerechte «Lohn»: Min­ destens acht Jahre Gefängnis und 134 Millionen Dollar Schadenersatz. CS PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


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Dienstleistung auf Berlinerisch Flims, Laax, Falera, cash Schneeunsicherheit, Umweltfragen, Frankenstärke – das Winter­­ skibusiness ist hart. Vergangene

Wintersaison fiel in der Schweiz mit 15 930 485 Logiernächten zwar überraschend gut aus, doch Winter­ sportorte sehen einer fragilen Zu­ kunft entgegen. Eines der Probleme ist die Schnee­­un­sicherheit. Das In­ stitut für Schnee- und Lawinenfor­ schung (SLF) hält fest, dass die Schneemengen in der Schweiz eine hohe Varianz aufweisen – zeitlich und geographisch. Klare Aussagen zu klimabedingten Veränderungen von Lawinenaktivität oder Schnee­ decke lassen sich laut SLF nicht tref­ fen. Bewiesen ist, dass Gebiete unter 1300 m.ü.M mit Schneemangel zu kämpfen haben, unbeschwerter in die Zukunft blicken können Gebiete über 2000 m.ü.M. Die Antwort auf Schneemangel lautet – bereits jetzt wird bei 36 Prozent der Pistenfläche «nachgeholfen» – noch mehr Kunst­ schnee, was wiederum Preiserhö­ hungen zur Folge hat. Eine weitere Herausforderung stellt die Franken­ stärke dar. Für Ausländer aus dem Euro- oder Dollar-Raum sind Schweiz-Ferien teurer denn je. Summa Summarum: Wintertouris­ mus ist «Tough Business». Wer überleben will, muss besser sein als die Anderen. Wie das geht, zeigt die Weisse Arena Gruppe, die auf ihr erfolgreichstes Geschäftsjahr über­ haupt zurückblickt. Bei einem Um­ satz von 87,5 Millionen Franken be­ trug der Reingewinn 7,1 Millionen. Zu verdanken ist dies einer klaren Positionierung als SnowboardMekka, einer hohen Service-Quali­ tät und immer neuen Angeboten. Der neuste Streich, das rocksresort mit 102 Apartments, 7 Restaurants, 6 Bars und 8 Shops, war mit über 90 Prozent Auslastung bereits im ers­ ten Betriebsjahr ein voller Erfolg. Die flächendeckende Abdeckung der Wertschöpfungskette hat für die Aktionäre erfreuliche Folgen. Zum ersten Mal seit zehn Jahren konnte eine Dividende ausbezahlt werden, immerhin ­z wei Prozent. DF Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

Dienstleistungen haben die kleine Schweiz gross gemacht. Wie schaut es diesbezüglich bei unserem nördlichen Nachbarn Deutschland aus? ­Eine Einkaufstour in Berlin ... Berli­

nerinnen und Berliner versetzen die ­Besucher ihrer Stadt gerne in Erstaunen. So fragt man sich, wie sie, ­obwohl 13 Prozent keine Arbeit haben und die meisten anderen «Freiberuf­ ler» – also faktisch auch arbeitslos – sind, es schaffen, fast ganztags im Café­­zu verbringen und sich an den Wochenenden trotzdem das Marathon­f rühstücken, natürlich auswärts, leisten können. Auch beim Einkaufen stos­ sen Auswärtige rasch auf Echt-Berlinerisches. Der Konsum findet in der Bundeshauptstadt nämlich in drei Ligen statt, wobei nicht immer und von vornherein klar ist, ob die Dienstleis­ tungsqualität dem Preisniveau folgt. Einem Schweizer fallen wohl zuerst die Discounter Aldi und Lidl ein. Hierzulande weniger be­ kannt sind Real und Netto, die vor allem güns­ tige Markenartikel im Regal stehen haben. In irgendeinem Regal, denn sowohl Regale­ als auch das Produktsortiment wechseln täglich. Was nicht schlimm wäre, wenn die Dienstleis­ tung stimmen würde, sprich, wenn auskunfts­ freudiges und kompetentes Personal vorhan­ den wäre. Doch das sucht man in den meisten Discounter-Filialen vergebens. «Bin nicht zu­ ständig», wird man angeschnauzt, wenn man einen Mitar­ beiter, der gerade Zucker einräumt, nach Salz fragt. Das preisliche Gegen­ teil der Discounter

sind die Bioläden. In keiner anderen Stadt der Welt dürfte es so viele von ihnen geben wie allein im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Die Lebensmittel, die hier angeboten werden, ­bestehen aus lauter Adjektiven: fair, regional,­ saisonal – und natürlich dementsprechend teuer. Wer aber denkt, mit den Preisen steige die Qualität der Dienstleistung, irrt. Auch im Bioladen wird man angeschnauzt, wenn man beispielsweise nach Senf von Thomy (oder nach einem anderen Produkt aus dem Hause Nestlé) fragt. «So wat hame nich», lautet die schroffe Antwort. Im Klartext: «Verpiss dich!» Preislich in der Mitte steht Kaisers. Wem der Name nichts sagt, stellt sich am besten eine renovierte Migros-Filiale vor, die auch Alko­ hol und Tabakwaren führt. Auch die Qualität der Dienstleistung ist schweizerisch im bes­ ten Sinne: hilfsbereites, fachkundiges Perso­ nal und lächelnde Kassiererinnen, die dem 30-Jährigen, der ein paar Flaschen Wein kau­ fen will, mit ihrer Frage nach dem Ausweis für einen Moment die Jugendlichkeit zurückgeben. Vom Einkaufen erschöpft, machen es­ Besucher der Stadt den Einheimischen gleich. Im Café bestellen sie ausgiebig Kaf­ fee und Kuchen. Sind Tasse und Teller leer, kommt prompt die fragende Bedienung: «Ist alles in Ordnung?». Was für ein aufmerksa­ mer Service, denkt man im ers­ ten ­Augenblick und fühlt sich nach all den durchlebten Strapazen versöhnt. Bestellt man aber nicht nach, lässt die Rechnung nicht lan­ ge auf sich warten. Die ­Tische sind ja nicht zum­­Verweilen da. DG


Kurz & BündigWirtschaftliches

Alleine und gesund Singles sind unglücklicher, häufiger krank und sterben früher als Menschen in festen Partnerschaften – dachte man lange. Neue Forschungserkenntnisse lassen an dieser Theorie zweifeln. Dies

neuer lustplanet im universum Je länger je mehr steht der Einzelmensch im Zentrum der Gesellschaft. Sinkende­Haushaltsgrössen gehen Hand in Hand mit der Personalisierung von Märkten. Der Wandel vom Mas­

senzeitalter zur Individualisierung ist längst eingeläutet. Dasselbe­ ist auch dem «Lust-Univer­ sum» widerfahren. Sarina Nauer, Mitbegründerin und (Mit-)Geschäftsführerin von clitcare pflichtet dem bei: «Diese gesellschaftliche Veränderung sieht man auch im Bereich der Sexuali­ tät. Dem Individuum wird heute viel mehr Wert beigemessen. Alle wollen einzigartig­und­unab­ hängig sein. Die moderne Frau will heute auch ihre Freude am Sex haben.» Dennoch ist die Mo­ derne noch keine frisch-strahlend-einladende Lustwiese, bei der ein Höhepunkt dem anderen die Klinke in die Hand gibt. Was aber soll getan werden, damit dem, zumindest ansatzweise­, so geschieht? «Anfangen tut es in der Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse und jenen des Part­ ners. Weiters gilt hier zu erwähnen, dass wir Frauen grundsätzlich noch zu sehr darauf bedacht sind, dass es dem Anderen gut geht. Dabei vergessen wir uns oft selber. Männerseitig betrachtet ist es so, dass dieser von der Frau hinsichtlich Sinnlichkeit lernen könnte», erklärt Nauer.­ Für die lustbetonte Annäherung von Mann und Frau ist auch die Schweizer Jungfirma clitcare zu­ ständig. Ihr Produktportfolio spricht Personen jedweder Couleur an, hauptsächlich Frauen.­So mannigfaltig das Angebot auch ist, den einen oder anderen Verkaufsschlager gibt es dort ­sicher ebenso. Was das wohl sein wird? Und ist die oft als prüdes Ding verschriene Mutter Helvetia gar ein Herstellerland? Die Expertin augenzwinkernd: «Fragen über Fragen. Nein, im Ernst, das sind Vibratoren in allen Formen und Farben – für zu Zweit oder allein.» Sie weiter: «Mut­ ter Helvetia ist von der Produktion her gesehen kaum Dreh- und Angelpunkt. Wir kaufen in Deutschland, Schweden, Kanada, den USA, Singapur und Frankreich ein.» Wer jetzt denkt, dass die weltliche Einkaufstour des schwesterlichen Zweifraubetriebes wenig bis nicht lohnenswert ist, der täuscht sich. Laut Sarina­Nauer, sie arbeitet übrigens vollzeitlich, währenddem ihr Pen­ dant Alexandra teilzeitlich angestellt ist, werden im Jahr gut 150 000 Franken umgesetzt. Brot­ lose Kunst ist anders. Anders, das heisst, löblich, ist auch diese monetäre Offenheit. Und ja, die clitcare-Klientel besteht aus zwei Drittel Frauen (von 18 bis 70 Jahren und älter sei alles vertre­ ten) und einem Drittel Männer. Letztere würden jeweils ihrer Partnerin, Frau oder Freundin eine Freude machen wollen. Liierter Mann, wann hast Du das letzte Mal ein Freudenfeuer ent­ facht? Und liierte Frau, wann war das bei Dir? Mann und Frau, Frau und Mann, Frau und Frau, Mann und Mann: Vereinigt Euch! CS

ist insofern berichtenswert, als immer mehr Menschen alleine leben, gerade in städtischen Gebieten. Gemäss vorherr­ schender Theorie hätte diese Entwicklung ein Volk von Kranken zur Folge. Dem ist aber nicht so, sagt zumindest eine Studie der University of Texas. In dieser wurden zwischen 1972 und 2003 rund 1,2 Millio­ nen Amerikaner zu ihrem Wohlbefinden befragt. Die Resultate lassen aufhorchen. Waren Singles in den 70-er Jahren klar häufiger krank, glich sich die Differenz im Laufe der Zeit aus. Auch die bisher ange­ nommene Korrelation zwischen Zivilstand und Fettleibigkeit steht auf dünnen Beinen. Neue Erkenntnisse lassen vermuten, dass Menschen dicker werden, wenn sie in ­Beziehungen sind. Dies, weil sie schlicht häufiger Mahlzeiten einnehmen (Essen als ­soziale Pflicht) und sich allgemein gehen lassen, da sie sich nicht mehr auf dem Hei­ ratsmarkt behaupten müssen. Doch «Müs­ sen» ist hierbei eher ein «Wollen», aber ­lesen Sie selbst ... Andere Gründe, die für eine fortwährende Besserstellung von Sing­ les sprechen, sind im gesellschaftlichen Wandel zu suchen. Ledig zu sein, galt ­früher als Makel. Wer keinen Ehepartner ­«abkriegte», war ein Versager. Dem ist ­heute kaum mehr so. Immer mehr Men­ schen entscheiden sich bewusst für ein ­Leben ­alleine – und sind glücklich damit. Da sie nicht mehr stigmatisiert werden und der soziale Druck, sich endlich zu binden, ­immer kleiner wird, gestaltet sich ihr All­ tag weniger stressig. Geburtstags-, Weih­ nachts-, Valentinstags- und Versöhnungsgeschenke kann man sich – ja, es passt – schenken. Dies soll jedoch kein Pamphlet für die Einsamkeit sein. Natürlich nicht. Denn unbestritten ist, dass isolierte Men­ schen unglücklicher sind als solche mit ­einem funktionierenden sozialen Netz­ werk. Nur kann dieses heute modular aus mehreren Freundschaften aufgebaut sein. Die scheuklappenähnliche Konzentration auf den einen, alle Sehnsüchte erfüllenden Partner, ist Vergangenheit. The Times They Are a Changin’ – so übrigens der absolut passende Name dieser Studie. DF

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Wirtschaftliches

Ersatz:mensch mensch:ersatz WorteMatthiasNiklowitzBildAndreaChu

Auch wenn die Wissenschaft seit 30 Jahren ihre Alltagstauglichkeit verspricht, scheint der Durchbruch erst jetzt kurz bevorzustehen. Moderne ­Roboter sind für den Menschen jedoch mehr Ergänzung denn Ersatz.

E

s war nur eine winzige Meldung, übersehen von den meisten Analys­ ten und Anlegern. Anfang 2010 be­ kam Yaskawa Electric den Zuschlag für die Produktion von 200 Industrierobotern. Auf­ traggeber war ein chinesischer Autokonzern. Diese Roboter haben es in sich, bauen sie doch seit diesem Sommer Fahrzeuge zusam­ men. Gemäss Maxcy-Silberstone-Kurve liegt das Produktionsoptimum einer Auto­fabrik mit einer Fertigungsstrasse, bei der Robo­ ter einen grossen Teil der Arbeit überneh­ men, bei 200 000 bis 300 000 Fahrzeugen pro Jahr. Kauf und Installation eines Industrie­ roboters entsprechen gemäss Berechnungen der Deutschen Bank gegenwärtig zwei Jah­ reslöhnen eines qualifizierten Autofabrikar­ beiters. Wenn die Löhne in China weiterhin so rasant steigen, wächst auch der Anreiz, Ro­ boter einzusetzen. Auch Peking befürwortet in seinem 12. Fünfjahresplan (!) den Einsatz elektro­mechanischer Arbeiter. (Noch) Kein Menschen-Ersatz «Mit eini­ ger Sicherheit werden in 20 Jahren speziell ge­ baute Roboter die Funktion von Ersatzpart­ nern übernehmen», prognostizierten Jack ­Rochester und John Gantz 1983 in ihrem Kultbuch «The Naked Computer» bezüglich Fortschritte der Technik. Roboter würden dann eine menschenhautähnliche Oberflä­ chenstruktur haben, simple Dialoge führen und einfache Verrichtungen vornehmen. «Aber lächeln sie uns dann auch an?», frag­ ten die Autoren skeptisch. Sie tun es bis heute nicht. Primär werden sie eingesetzt für einfa­ che Verrichtungen an Fertigungsstrassen, ins­ besondere an Stellen, an denen es für mensch­ liche Arbeitskräfte zu gefährlich, zu heiss oder anderswie gesundheitsgefährdend ist. Geblieben sind also einfache Verrichtun­ gen – hier unterscheiden sich heutige Roboter nur unwesentlich von den Vorstellungen, auf­ grund deren Ende des 19. Jahrhunderts Pro­ gnosen über die technischen Fortschritte für die nächsten 100 Jahre formuliert wurden. Allerdings sind heute erhältliche Maschi­ nen keine Vehikel, die an mechanisierte Rit­ terrüstungen erinnern. Sie ähneln vielmehr Staubsaugern, denen der Schlauch und das

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Kabel abgeschnitten wurde. Und genau das können die Modelle wie der «Robocleaner RC 3000» von Kärcher oder der «iRobot Scooba 385». Für das Rasenmähen eigenen sich spe­ zielle Roboter wie der «Friendly Robotics Robomow RM 400» oder das Husqvarna-­ Modell «Solar Hybrid Automover». Men­ schen mit empfindlichen Ohren sollten die Solarvariante wählen, denn die Benziner lär­ men wie «richtige» Rasenmäher. Wer jemals die etwas chaotische Vorge­ hensweise dieser Roboter gesehen hat, spricht ihnen jegliche Intelligenz ab. Rasenmäher­ roboter beispielsweise müssen durch eine zu­ vor im Boden verlegte Induktionsschleife an die Grenzen des Grundstücks erinnert wer­ den, sonst ruinieren sie die Rosenbeete des Nachbarn. Und Nachbarschaftskriege sind selten sexy. Staubsauger-Roboter hingegen «sehen» mit kleinen Distanzmessern und verhindern so Kollisionen mit Stuhlbeinen. ­Interessierte finden im Internet, beispielswei­ se auf roboter-test.de, brauchbare Vergleiche solcher Staubsauger-, Poolreiniger-, Haus­ halts- oder Überwachungsroboter. Eins nach dem Andern Solche Roboter sind «Single Trick Ponies»: Sie können nur eine ganz bestimmte Aufgabe wie eben staubsau­ gen, rasenmähen oder Pool reinigen verrich­ ten – und auch das nicht bis in die hintersten Ecken oder eine Treppe herunter. Einschlägi­ ge Webseiten verfügen denn auch über eine­ ordentlich bestückte Rubrik «Gebraucht». ­Offenbar sind längst nicht alle Besitzer glück­ lich mit den Leistungen ihrer 700 bis 4200 Franken teuren Roboter. Auch deshalb arbei­ ten Forscher (noch) an den Grundlagen, ob­ wohl mit dem Modell «Asimo» von Honda­ einige Probleme als gelöst gelten. Alleine die Nachbildung menschlicher Haut für soge­ nannte «Androide», das sind menschenähn­ liche Roboter, erweist sich laut Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raum­ fahrt immer noch als Herausforderung. Hier arbeitet man an der Entwicklung einer Robo­ terhand, bei der sehr weiche Polymere Ersatz für die Haut, und unzählige kleine Sensoren den Ersatz für Nervenstränge bilden. Allerdings ist es damit noch nicht getan, der Android muss ja auch die Signale richtig interpretieren können. Die DLR-Entwickler verliessen sich dabei auf die massive Rechen­ leistung neuronaler Netzwerk-Computer. In­ zwischen kann der Prototyp einfache Gegen­ stände voneinander unterscheiden. Mit der Mimik beschäftigt sich die Arbeitsgruppe­ ­Robotersysteme an der Technischen Uni­ versität Kaiserslautern. Der «humanoide­ ¬ PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


WirtschaftlichesErsatz:mensch mensch:ersatz

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Roboterkopf» hört hier auf den Kurz­ namen Roman und dient der Erforschung der Mensch-Maschinen-Interaktion. Roman gleicht einer nicht allzu hübsch geratenen Schaufensterpuppe. Mit den beiden Kamera­ augen soll ihm beigebracht werden, wie Men­ schen über Gesten und Mimik kommunizie­ ren, damit er angemessen reagieren kann. «Sehen», «hören» und «sprechen» können­ übrigens auch die von Lego hergestellten Mindstorms. Das sind Spielzeugroboter, die in bislang 18 Varianten existieren. Die Palette­ beinhaltet vom Kampf- bis zum Insekten-­ roboter ziemlich alles oder besser gesagt rela­ tiv viel. Allerdings ist auch dieses Modell weit davon entfernt, selbständig Bier und Chips zu organisieren und den Besitzer abends zu bewirten. Genau dieses Bild – ein Android­, weiblich, gut ausgestattet und mit einem Cocktailglas in der Hand – ist dennoch der Blickfang auf der Robotstore-Webseite. Noch 2007 prognostizierte der Spiegel, dass der ­japanische Toyota-Konzern 2010 sogenannte­ Partner-Roboter auf den Markt bringt. Ungleiche Partnerschaft Partner-Roboter­ sollen indes nicht seinen menschlichen Kom­ pagnon zu nächtlichen Paarungsaktivitäten­ verleiten, sondern chronisch kranken Men­ schen das alltägliche Leben erleichtern. Dem­entsprechend sehen seriennahe­ Proto­ typen auch aus – eine Kreuzung aus Elektro-­ Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

Rollstuhl und Treppenhebehilfe. «Alleine der demographische Trend in Japan, später aber auch in einigen westlichen Ländern, lässt den Einsatz von solchen Robotern mittelfristig sehr wahrscheinlich erscheinen», meint ­Peter Eadon-Clarke, Analyst bei Macquarie in To­ kio. Denn weltweit ist die Zahl qualifizierter Arbeiter knapp, zudem können Pflegearbei­ ten weder ausgelagert noch über Distanz er­ ledigt werden. Japan ist eine Art Zukunftslabor für die Roboterentwicklung der kommenden Jah­ re. 1990 ist die Alterspyramide der Bevölke­ rung gekippt. Der Bevölkerungsanteil unter­ 60 Jahren fällt und wird 2030 kleiner sein als der Anteil der über 60 Jahre alten Japaner. Nippon ist auch deshalb ein Modellfall, weil das Problem der überalternden Gesellschaft nicht, wie beispielsweise in den USA oder in geringerem Ausmass in Europa, über Ein­ wanderung gelöst werden kann. Zu herme­ tisch abgeschlossen und sprachlich-­kulturell fern ist Japan. Nicht nur als Industrie­roboter – diesbezüglich ist das Land seit zwei Jahr­ zehnten führend – auch als Haushaltshilfen sollen künstliche Helfer deshalb bald gross­ flächig eingesetzt werden. Hierzulande wenig bekannte Firmen wie Fanuc, Nabtesco oder Yaskawa gelten laut Analysten der Deutschen Bank auf diesem Gebiet als führend. Die ­Roboterdichte ist in Japan doppelt so hoch wie in Deutschland, der weltweiten Nummer

zwei hinsichtlich Verbreitung von Industrie­ robotern. Als realistische Zwischenziele auf dem Weg zum Androiden gelten menschliche Körpererweiterungen (etwa für Menschen mit amputierten Gliedmassen), Roboter als pflegeleichter Haustierersatz sowie die ­i ndustrienahen Anwendungsbereiche Ferti­ gung und Fliessbandarbeit, Nahrungsmittel­ herstellung, Logistik, Verpackung, Bau und Gepäckhandling. Weitere Einsatzgebiete bie­ ten Beobachtung und Monitoring von schwer zugänglichen Orten sowie das Schliessen ge­ platzter Unterwasser-Ventile, wie etwa beim offenen BP-Bohrloch im Golf von Mexiko.

Alles rund um das Thema Roboter erfährt man im offenen Portal der Robotercommunity: www.roboter.com


Wirtschaftliches

So sicher wie das Amen in der Kirche?

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heitsfirmen registriert. In den Städten dürfen die rund 40 000 Sicherheitsangestellten nur Gewährleistung der Sicherheit gehört Pistolen und Gewehre tragen, auf dem Land zu den grössten Herausforderungen sind auch Raketenwerfer erlaubt. überhaupt. Während es Softwarefirmen Die Arbeit privater Sicherheitsfirmen ist vermehrt gelingt, sind private Sicherebenso unerlässlich wie dubios. Sie sichern heitsdienste oft unwirksam. Strassen und schützen Militärkonvois vor Angriffen, etwa vor den Taliban. Gleichzeirgendwann hatte Alfred N. die Nase tig kaufen sie von den Taliban Sicherheit, involl. Monat für Monat flatterten dem dem sie jene bezahlen – nicht selten mit ameRentner von seiner Bank, deren Namen rikanischem Geld, wodurch der Krieg weiter er nicht verraten will, «aber sie dürfte Ih­ in die Länge gezogen wird. Im August 2010 nen bekannt sein», sagt er, hohe zweistellige Wenig Erfolg Das Bedürfnis nach Sicherheit drohte der afghanische Präsident Hamid Spesen­rechnungen ins Haus. Also fasste sich beschränkt sich jedoch längst nicht aufs Inter­ Karzai, allen privaten Sicherheitsfirmen die der ehemalige Elektromonteur ein Herz und net. Auch prominente oder vermögende Pri­ Lizenz zu entziehen. Auf Druck von Ausschloss einen Online-Banking-Vertrag ab, in vatpersonen sowie international tätige Firmen ländern, die um ihre Sicherheit fürchteten, der Hoffnung, die sämtliche Zinserträge fres­ beanspruchen immer öfters Dienste privater wurde dieser Beschluss zwei Monate später sende Spesenflut einzudämmen. Sicherheitsfirmen. Allein in Russland sind jedoch­teilweise zurückgenommen. Es kam anders. Kurz nach der Anmeldung nach Angaben des Innenministeriums etwa Global tätigen Firmen bereiten weniger die erhielt Alfred N. eine Email, in der seine Bank 745 000 private Sicherheitsleute registriert. Taliban, sondern die sich häufenden Wirtdarum bat, Kontoangaben und Passwörter Bedeutet mehr Sicherheitspersonal auch mehr schaftsdelikte Sorgen. Eine Studie von PwC zu bestätigen. «Ich habe keinen Verdacht ge­ Sicherheit? «Keineswegs», widerspricht Men­ zeigt, dass 2009 jede dritte Firma mindesschöpft», sagt der Rentner. Wie verlangt füllte schenrechtsaktivistin Olga Rumjanzewa. tens einen Betrugsfall zu beklagen hatte. Die er seine Kontoangaben ins Formular, das mit Obwohl viele private russische Sicherheits­ mit Abstand häufigsten Delikte waren Unterdem Logo «seiner» Bank geschmückt war, leute auf eine Laufbahn im Militär oder (wie schlagung und Bilanzmanipulation. In der und schickte es ab. Daraufhin erhielt er die Wladimir Putin) beim­Geheimdienst zurück­ Schweiz waren im selben Zeitraum «nur» 17 Meldung, die Angaben seien korrekt und so­ blicken können oder (wie Wladimir Putin)­ Prozent der Firmen betroffen. Mehrheitlich mit alles in bester Ordnung. über Kampfsporterfahrung verfügen,­ konn­ stammten sie aus der Finanzdienstleistungsten sie bloss 25 von 137 bewaffneten Raub­ branche. In 70 Prozent der Fälle gehörten die Hohe Betroffenheit Doch nichts derglei­ überfällen, die im vergangenen Jahr in Mos­ Täter dem mittleren oder oberen Kader an. chen. Am Monatsende stellte Alfred N. fest, kau registriert wurden, vereiteln. Dabei­ Die durchschnittliche Schadenssumme belief dass auf seinem Sparkonto mehrere Tausend starben sechs Wachleute, dreissig weitere sich auf 1,5 Millionen Franken. Franken fehlten. Der Rentner tappte Inter­ wurden teilweise schwer verletzt. «Das Sicher­ Allein PwC Schweiz beschäftigt in ihrer netbetrügern in die Falle. Er ist nicht der Ein­ heitspersonal ist nur so gut und so motiviert, Forensic- und Risikomanagement-Abteilung zige, wie Uri Rivner, Technikchef der weltweit wie man es bezahlt», erklärt Rumjanzewa. inzwischen 40 Mitarbeiter. «Und die Nachtätigen Sicherheitsfirma RSA, weiss. Statisti­ Zudem ermögliche die Uniform vielen frage nimmt stetig zu», weiss Ivo Hoppler. ken untermauern seine Aussagen zusätzlich. Wachmännern, ihre latenten Aggressionen Der ehemalige Zürcher Staatsanwalt ist PartTrotz diver­ser Aufklärungskampagnen rückt auszuleben, weiss die Expertin. Und nennt ner bei PwC. Er ist überzeugt, dass Vermönach wie vor jeder zehnte E-Banking-Benut­ Zahlen: Im vergangenen Jahr mussten sich gensdelikte in Zukunft weiterhin eine grosse zer seine Kontoangaben heraus, wenn er eine­ in Russland fast 100 Sicherheitsleute wegen Rolle spielen werden, Geldwäscherei-Delikte sogenannte Phishing-Mail bekommt. Auf übertriebener Gewaltanwendung vor Gericht dürften sich sogar stark häufen. diese Weise werden jährlich hohe dreistellige­ verantworten. Die Regierung hat darauf re­ Millionenbeträge erbeutet. agiert und zu Jahresbeginn Kontrollrichtlini­ Gewalt(-iges) Monopol Kein Wunder also, Moderne Freibeuter also. Mit der Inter­ en für private Sicherheitsleute erlassen. Diese dass die Forderung nach strengerer Kontrolle net-Expansion hat auch das Bedürfnis nach müssen sich nun bei der Polizei regis­t rieren der Sicherheitsfirmen laut wird. Das Gewalt­Sicherheit exponentiell zugenommen. Ein lassen und regelmässige Prüfungen ablegen,­ und Überwachungsmonopol liegt schliesslukratives Geschäft für Sicherheitsfirmen andernfalls droht der Lizenzentzug. In der lich noch immer beim Staat. Der Schweizer wie RSA. «Früher war der Datenklau ein Ein- Folge­ schrumpfte die private Sicherheits­ Bundesrat will bis Ende 2010 in einem BeMann-Geschäft», sagt dazu Rivner. Heute­ armee um schätzungsweise 20 000 Personen. richt darlegen, ob die Schweiz eine besonseien ganze Hacker-Netzwerke aktiv, die dere Regelung für private Sicherheitsfirmen Stelleninserate für Programmierer schalten, Staatliche Regulierung Noch düsterer ­erlassen soll. Auslöser ist die unter andeBastelanleitungen für Spio­nagesoftware so­ ist­ die Lage bezüglich Sicherheitsfirmen in rem im Irak tätige britische Sicherheitsfirma wie Trojaner anbieten. Einige versehen ihre ­Afghanistan. Wie Pilze sind sie in der Krisen­ Aegis ­Defence Services, die ihre Holding im «Produkte» sogar mit der Garantie, mindes­ region aus dem Boden geschossen und bewa­ August dieses Jahres nach Basel verlegt hat. tens ein halbes Jahr nicht von gängigen Anti­ chen Botschaften, Hilfsorganisationen, Ho­ Aegis geriet 2005 in die Schlagzeilen, weil virus-Programmen entdeckt zu werden. tels, Universitäten, Kraftwerke, Banken und ­Videos aufgetaucht waren, die Angestellte der Das ist starker Tobak. Wer soll den Hackern selbst Stützpunkte der Nato-Schutztruppe Firma beim Beschuss ziviler Flug- und Fahrüberhaupt das Handwerk legen? In ihrem für Afghanistan (Isaf). Nach Angaben der zeuge zeigten. Aegis will den Vorfall bis heute­ Zentrum für Internetkriminalität ­beschäftigt Nato sind in Afghanistan aktuell 52 Sicher­ nicht kommentieren. WorteDmitrijgawrisch

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die RSA rund 300 Mitarbeiter. Und sie haben alle Hände voll zu tun, wie interne Statistiken zeigen. 2009 haben RSA-Sicherheitsspezialis­ ten über 50 000 Hacker-Attacken auf Web­sites von knapp 350 Banken und 8000 weiteren Fir­ men, die Zahlungen übers Internet abwickeln, abgewehrt. Das sind umgerechnet mehr als 137 vereitelte Attacken pro Tag. Seit 2003 hat die RSA über 250 000 Websites, die als Quel­ len von Angriffen eruiert werden konnten, schliessen lassen.

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Wirtschaftliches

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Kulturkampf im Maisfeld WortejörgsuterBildBorisGassmann

Um die Vorherrschaft in der Agrarwirtschaft wird nicht nur mit Egge und Pflug gekämpft. Politiker, Grosskonzerne­, Bioverfechter, Landwirte – sie alle verfolgen eigene Interessen. Ein Lustspiel, das jedes Jahr Milliarden verpufft.

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und 10,7 Milliarden Franken lies­ sen­­ sich 2009 mit Schweizer Ag­ rarprodukten verdienen. Der Staat säte weitere 2,7 Milliarden an Direktzah­ lungen. Am Schluss blieb für die Bauern ge­ rade mal 2,8 Milliarden Nettoeinkommen (2008) übrig. Die Neben-, Produktions- und Fremdkosten­betrugen somit über zehn Mil­ liarden Franken.­Harsch aber gerecht zusam­ mengefasst: Die Schweizer Landwirtschaft ist eine finanzielle Nullnummer. Pierre Bessard, Direktor Liberales Institut, dazu: «Schweizer Konsumenten bezahlen pro Jahr etwa acht Milliarden Franken zuviel für Lebensmittel. Die Schweizer Landwirtschaft sollte schnell und umfassend ­liberalisiert werden.» So viel zur Einöde dieses helvetischen Lustspiels. Doch schauen wir über die Landesgrenzen hinaus, denn in der EU spielt sich Ähnliches ab. Die Handlung ist dort zwar schon ein we­ nig weiter fortgeschritten, ein Happy End aber ebenfalls noch lange nicht in Sicht. Akute Verwelkungsgefahr Einen allge­ meinen Zustand der Freude zu erreichen, ist nicht einfach, geht es in der Landwirtschaft doch um mehr als «nur» Erlöse und Erträ­ ge. Mit auf dem Spiel stehen etwa Ernäh­ rungssouveränität, Volksgesundheit und ein ganzer Berufsstand mit seinen Subindustri­ en. Dementsprechend gross ist die Anzahl­ der Interessensgruppen. Vom Bergbauer mit­ Bio-Label bis zum Monokultur-Agronomen mit Masterabschluss und John-Deere-Mäh­ drescher. Vom gut betuchten Ökofreak bis zum Saatgut-Produzenten, der händerei­ bend auf das Ende des Gentech-Moratoriums plangt. Politiker von rechts bis links warten ausserdem im Sessionsrhythmus mit neuen Vorstös­sen auf. Meist verwelken diese aber schon im Sprösslingsstadium. Die geheimnisvolle Unbekannte spielt in dieser Burleske das Klima. Keiner weiss ge­ nau, was es vor hat und wie es um sein Wohl­ befinden steht. Ist es so stark angeschlagen, wie viele denken, oder leidet es nur vorüber­ gehend an erhöhter Temperatur? Doch zu­ rück zur Handlung. Das UNESCO-Jahr der Biodiversität neigt sich seinem Ende zu. Und war scheinbar, soweit man das jetzt schon Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

­ eurteilen kann, ein Erfolg. Auch bei Schwei­ b zer Politikern hat der Aufruf zur Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt Früchte ­getragen. Immerhin ist die Schweiz nun ein Vertragsstaat der Biodiversitätskonvention und lässt die UNESCO-­Vorgaben bis Mitte­ 2011 in eine neue nationale Biodiversitäts­ strategie einfliessen. Wie gefährlich ist Genfood? Gleichzeitig verlängerte die Schweiz das Gentech-Morato­ rium bis 2013. Genmanipuliertes Saatgut darf bis dahin also weiterhin nicht zu kommerzi­ ellen Zwecken angebaut werden. Ein Sieg auf ganzer Linie für das Biolager? Weit gefehlt. Denn der neue Volkswirtschafts­m inister, ­Johann Schneider-Ammann, setzt sich noch stärker als Vorgängerin Doris Leuthard für den Agrarfreihandel mit Europa ein. Wird dieser Realität, sehen viele sowohl den Bau­ ernstand und die Errungenschaften in den

Ende des biobooms? Rund 60 000 Landwirtschaftsbetriebe zählt die Schweiz. Rund 10 Prozent (6000) davon sind Biobetriebe.­ 1997 waren es noch knapp 4000. Seit 2005 (6420 Betriebe) ist die Zahl wieder rückläufig. In der EU produzieren nur 1,6 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe biologisch, ­Tendenz stagnierend. Der gros­se­ Bioboom­scheint europaweit seinen Höhepunkt hinter sich gelassen zu haben, sowohl im Landbau als auch in der Tierzucht.

Bereichen Tierschutz, Bioanbau und Biodi­ versität dem Untergang geweiht. Trotz ge­ planter Begleitmassnahmen und staatlicher Standortförderung befürchten sie die Aus­ trocknung des gesamten ersten Sektors. Zu­ dem wächst die Angst vor der Invasion durch genmanipulierte Nahrungsmittel, weil die EU deren generelles Anbauverbot abgelehnt hat. Das Image genmanipulierter Nahrungs­ mittel hat in den letzten Jahren arg gelit­ ten. Zum einen gerieten Biotech-Multis wie Monsanto, Syngenta oder BASF aufgrund ih­ rer aggressiven Vermarktungstaktiken auf dem Saatgut- und Pf lanzenschutzmittel­ markt, ihrer Einflussnahme auf landwirt­ schaftliche Zulassungsbehörden und wegen dubioser Patentanträge auf ganze Pflanzen­ sorten oder Tiergene in Verruf. Zum andern häufen sich Studien über negative Einflüs­ se von Gentech-Food auf unsere Gesundheit und auf die Nahrungsketten der Natur. «Eu­ ropa sieht zurzeit in der Gentechnik keinen

Nutzen», so die diplomatische Äusserung von Syngenta-Chef Mike Mack kürzlich in einem Interview mit der Handelszeitung. Die französische Journalistin Marie-­ Monique Robin hat 2008 mit ihrem Bestsel­ ler «Le monde selon Monsanto» eine Protest­ lawine gegen Biotech-Firmen ausgelöst. Soweit die Stimmung in der Bevölkerung. Doch in der Politik scheint der Wind in die andere Richtung zu blasen und der Zulassung gentechnisch veränderten Saatguts soll der Weg geebnet werden. Doch wie lange noch kann sich die Schweiz erfolgreich gegen die Gentech-Flut wehren? «Die Konsumenten be­ zahlen einen hohen Preis, weil sie den Einsatz neuer Technologien ablehnen», sagt Mack, «wirtschaftlich ist das kein sinnvoller Weg.» Und nochmals zum Klima Was die Folgen einer grosszügigen Zulassung von GentechSaatgut sind, mussten Länder wie die USA, Brasilien oder Indien auf schmerzhafte Weise erfahren. Beinahe beliebig kontrollieren die Multis dort den Saatgutmarkt. Die gentech­ nisch veränderten Sorten sind resistent ge­ gen die von denselben Firmen produzierten Schädlingsbekämpfungsmittel und verdrän­ gen so einheimische Kulturpflanzen. Perfide Vertragsbestimmungen zwingen die Bauern in langjährige Abhängigkeiten. Saatgut zum Beispiel muss bei Monsanto jedes Jahr neu gekauft werden. Kleinbauern können sich das nicht leisten und verschwinden vom Markt. Dazu kommt, dass Klimaforscher mit ei­ nem Anstieg der Temperaturen eine Zunah­ me an Naturkatastrophen wie Überschwem­ mungen, Windstürmen und extremen Dürre­­perioden erwarten. Wasser wird zur teuren Mangel- und Handelsware und be­ droht die Grundversorgung. Zudem werden durch den wachsenden Bedarf an Biotreib­ stoffen noch mehr Anbauflächen für Nah­ rungsmittel verloren gehen. Die Folge: Nah­ rungsmittelpreise steigen und sind enormen Schwankungen ausgesetzt. Nach Angaben der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft könnte die Summe der welt­ weiten Grundnahrungsmittelimporte 2010 erstmals eine Billion Dollar betragen – und damit das bisherige Rekordniveau aus dem Jahr 2008 übertreffen. Wasser haben wir in der Schweiz vermut­ lich auch in 50 Jahren noch genug. Doch auch hier verändern sich aufgrund des Klima­ wandels die Anbaubedingungen. Bleibt die Frage, wer sich diese Entwicklung besser zu Nutze macht: der Bio-Bergbauer oder der John-Deere-Agronom? Die Fortsetzung des helvetischen Lustspiels folgt.


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Wirtschaftliches

Grosse Städte grosse Probleme WorteFabriceMüllerBildNomadicLuxury

Die Welt wird zur Stadt – zur Megastadt. Der Trend zur erhöhten Urbanisierung stellt die Menschheit jedoch vor grosse­ demographische, ökologische und soziale Herausforderungen. Bei der ­Lösung der Probleme sind auch Schweizer ­Firmen an vorderster Front aktiv dabei.

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m 6. Dezember 2025 wird die 18 Mil­ lionen Einwohner zählende Stadt ­Jakarta untergehen. Bis zum fünf ­K ilometer entfernten Präsidentenpalast wird der Java-See über die Ufer treten. Verant­ wortlich für diese Katastrophe ist ein astro­ nomischer Mond-Zyklus, der alle 18,6 Jahre auftritt. Der globale Klimawandel verschärft das Problem zusätzlich, indem er die Wasser­ pegel in der Region um mindestens fünf Zen­ timeter steigen lässt. Die wichtigste Ursache aber ist hausgemacht, wie der niederländische Wasseringenieur Jan-Jaap Brinkmann ermit­ telte: Jakarta wurde auf feuchtem und wei­ chem Land gebaut – so viel Masse auf derart­ engem Raum trägt der Untergrund heute nicht mehr. Doch Jakarta ist nicht ­a lleine, auch andere Megastädte, etwa Shanghai mit seinen ebenfalls rund 18 Millionen Einwoh­ nern, beschäftigt diese Problematik. Rasantes Wachstum Und schnell wird klar, dass die wachsenden Millionenstädte­ rund um den Globus die Menschheit zunehmend vor riesige Probleme stellen. Bereits heute wohnt mehr als die Hälfte der Menschen in Städten, 2050 werden es etwa 70 Prozent sein. Derzeit gibt es 27 Megastädte, wobei sich nur deren vier nicht in Schwellenländern befin­ den. Es sind dies Tokio, New York, Los An­ geles und Osaka. In Entwicklungs- und Schwellenländern wachsen Mega­städte am schnellsten, bis 2015 werden folgende Wachs­ tumsraten prognostiziert: Lagos plus 68 Pro­ zent, Dhaka plus 54, Delhi plus 48. Während es in London 130 Jahre dauerte, bis die Ein­ wohnerzahl von einer auf acht Millionen an­ stieg, benötigte Bangkok dafür nur 45 Jahre, Seoul nicht einmal 25 Jahre. Aufgrund ihrer Entwicklungsdynamik gewinnen Megastädte als Knotenpunkte von Globalisierungsprozessen und Steuerungs­ zentralen immer mehr an Bedeutung. «Sol­ che urbanen Gebilde sind zu Zentren der ­Finanzwirtschaft geworden, bringen sie doch das ganze Netz der Dienstleistungs- und ­Finanzwirtschaft hervor. Angesichts dieser wirtschaftlichen Machtposition haben natio­ nalstaatliche Faktoren an Einfluss verloren»,

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erklärt Daniel Blumer vom Institut Sozial­ planung und Stadtentwicklung der Fach­ hochschule Nordwestschweiz. Der Geograf und Soziologe beschäftigt sich unter anderem mit Stadt- und Raumsoziologie. In Grossund Megastädten sehen viele Menschen die besten Chancen, ihre Lebensträume zu ver­ wirklichen oder auch einfach nur zu überle­ ben. Die Avenida 9 de Julio in der argentini­ schen Hauptstadt Buenos Aires gilt mit 140 Metern als die breiteste Strasse der Welt und zeigt eindrucksvoll die Anziehungskraft von Städten dieser Grössenordnung. Future Cities Laboratory So faszinierend Megacities sind, so gross sind damit verbun­ dene Herausforderungen. «Je grösser die Zahl der Einwohner einer Megastadt, desto tiefer die Lebensqualität und Funktionalität. Auf eine Megastadt wirken unzählige ­Parameter ein, die man fast nicht in den Griff bekom­ men kann», konstatiert Marc Angélil, Pro­ fessor und Leiter des Departements für ­Architektur der ETH Zürich. Die Hochschule­ gründete ein «Future Cities Laboratory» in Zürich und Singapur, wo sie eng mit den Wis­ senschaftern der University of Singapore und der Nanyang Technological University (eben­ falls in Singapur) zusammenarbeitet. An der Universität der äthiopischen Hauptstadt Ad­ dis Abeba wurde mit Hilfe der ETH Zürich gar ein Institut für Städtebau neugegrün­ det. Im Zentrum der Forschung stehen die Schwerpunkte nachhaltige Gebäudetechno­ logien, die Stadt als urbanes System und das Verhältnis zwischen Stadt und Land. Zu den grössten Herausforderungen von Megastäd­ ten zählt die Versorgung mit Energie, Was­ ser und Alltagsgütern. Weitere Themen sind Gewährleistung von Mobilität, Sicherheit, ­industrieller Produktion und Umweltschutz. Weil die Zuwanderungsraten in Megastäd­ ten der Entwicklungsländer sehr hoch sind, müssen oft innerhalb weniger Jahre Wohn­ raum, Infrastruktur, Arbeitsplätze, Ver- und Entsorgungssysteme sowie Gesundheitsund Bildungseinrichtungen für Hunderttau­ sende von Menschen bereitgestellt werden. «Eine Megastadt verfügt in der Regel kaum mehr über ein Hinterland, das die Funktion der Nahrungsversorgung übernehmen kann. Längst hat der globale Markt diese Aufgabe übernommen. Die Preise auf dem Weltmarkt wirken sich folglich sehr direkt auf die Mega­ städte aus», so Angélil. Um die Nahrungs­ mittelversorgung seiner Grossstädte sicher­ zustellen, hat Saudi-Arabien beispielsweise in Äthiopien ganze Landwirtschaftsgebiete­ gekauft und bezieht von dort die Ernte für ¬ PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


WirtschaftlichesGrosse Städte – Grosse Probleme

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Fliessender Verkehr Das Reich des Lächelns wartet mit einer eindrücklichen Innovation auf. China plant, demnächst ein transportierendes Hybrid auf den Markt zu bringen, das wohl am besten mit SubwayBus beschrieben wird. Manche reden auch von einem «Mega-­Straddle-Bus». Das futuristisch angehauchte Vehikel kann bis zu 1200 Personen auf einmal befördern, die dazu nötige Triebkraft wird durch Strom ­erzeugt. Es ist nicht die schiere Grösse, die beeindruckt, sondern vielmehr der Fakt, dass es den normalen Strassenverkehr kaum beeinträchtigt. Denn es befindet sich stets über den Autos – egal, ob es hält oder in Bewegung ist. Höhe­und Breite sind so konstruiert, dass zwei «Autobahn-Lanes» ausreichen. Das Ding kann sogar locker Strassenüberführungen be- oder durchoder umfahren. So grossartig dieses angestrebte Technikwunder ist, man will nicht wissen, was passiert, wenn unten durchfahrende Autos kollidieren respektive verunfallen. Auch ist es vielleicht nicht für jeden Strassenverkehrsteilnehmer erstrebenswert, einerseits durch das eigene Auto eingepfercht zu sein und andererseits durch diesen «Go-Go-Gadget-Bus» zusätzlich interniert zu werden. Auch Schweizer Firmen sind im globalen­Wettbewerb um ökologisch sinnvolle Innovationen gut aufgestellt. So zum Beispiel die in Feldbach (ZH) beheimatete URIMAT Schweiz AG, die auf intelligente­ Lösungen­im Abwasserbereich spezialisiert ist. Mit dem URIMAT-System können weltweit bereits über zwölf Milliarden Liter Trinkwasser eingespart werden, was besonders in den wasserarmen Arabischen Emiraten ­­von grosser Bedeutung ist.

seine Einwohner. Unglücklicherweise ent­ wickelt sich die äthiopische Hauptstadt Ad­ dis Abeba gerade selber zur Megastadt – mit ­gewaltigen Hunger- und Armutsproblemen.

demographischen Entwicklung muss man sich laut Marc Angélil Gedanken da­rü­ber ma­ chen, wie alte Leute künftig, gerade auch in Grossstädten, in die Gesellschaft inte­g riert werden können. «In manchen Ländern lei­ Herausforderungen en masse Das rasante­ den viele alte Menschen unter Armut und Wachstum bringt auch die Verkehrsnetze­ sind auf die Unterstützung­ ihrer Familien schnell an ihre Grenzen. «Gerade in Län­ angewiesen.» Doch was können Grossstädte dern mit wenig ausgeprägten demokrati­ tun, in denen vor allem Kleinfamilien leben? schen Volksrechten besteht die Gefahr, dass Angélil dazu: «Ich denke, auch hier kann die der Stadtverkehr vor allem auf Makroebene Schweiz, wo in diesem Bereich viel Gutes pas­ geplant wird und die Anliegen der Bevölke­ siert, als Modell dienen.» rung oder die Bedürfnisse der Umwelt igno­ Zu schaffen machen Menschen und Um­ riert werden», berichtet Daniel Blumer. Allei­ welt in grossen Städten häufig die schlechte­ ne in Shanghai wird sich die Zahl der Autos Luft und das verschmutzte Trinkwasser. und LKW bis 2020 vervierfachen. Um die Städte sind weltweit für 80 Prozent der Treib­ nachhaltige Entwicklung einer Megastadt zu hausgas-Emissionen verantwortlich. Dass es, gewährleisten, spielt der öffentliche Verkehr etwa im Umgang mit Wasser, auch anders­ eine massgebliche Rolle. Hier gilt die Schweiz geht, beweist Singapur, wo das Problem mit mit ihrem dichten Netz von öffentlichen Ver­ innovativen Lösungen von Siemens im Be­ kehrsmitteln als Modellfall und Vorbild, be­ reich der Trinkwasserauf bereitung gelöst wurde. In drei Schritten wird das Wasser mit tonten Angélil und Blumer gleichermassen. Das Leben in einer Megastadt kommt für Membranen, Mikrofiltern und UV-Strahlen viele Menschen, die vor allem aus wirtschaft­ gereinigt und erfüllt somit alle Standards der lichen Gründen vom Land in die Stadt gezo­ Weltgesundheitsorganisation. Angélil glaubt gen sind, einer Entwurzelung von ihrer Hei­ indes nicht daran, dass sich die Megastädte mat gleich. Dies kann soziale und psychische künftig zu «Green Cities» entwickeln werden.­ Probleme nach sich ziehen, falls diese Men­ «Theoretisch wäre dies möglich, doch uns schen nicht in sozialen Strukturen aufgeho­ rennt die Zeit davon.» ben sind. «In boomenden Städten werden vor­ handene soziale wie auch andere Strukturen oft durch ständiges Wachstum zerschlagen. Die optimale Komplementärlektüre ist der ­Global Hinzu kommt, dass gerade in den Grossstäd­ ­Investor 2.10 von Credit Suisse. ten der Entwicklungsländer viele Menschen www.emagazine.credit-suisse.com in Slums leben. Sie arbeiten unter miserab­ len Bedingungen und haben kaum soziale Si­ cherheiten», schildert Blumer. ­A ngesichts der


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Wirtschaftliches

Esstrends und andere kulinarische Nichtigkeiten WortevaleriobonadeibildAlexanderNicholson

Früher hiess es schlicht Essen. Allmählich wurde «Food» daraus, heute­kommt man um «Fast», «Slow», «Convenient», «Sensual» oder «Fast Casual» nicht mehr herum. Der neueste Schrei nennt sich Lichtnahrung. Von Wissenschaftern als Scharlatanerie verdonnert, ist sie ­eines ganz bestimmt, nämlich Gift für die Lebensmittelindustrie.

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Viehzucht, traditionelles Lebensmittelhandwerk sowie die Erhaltung der regio­nalen Vielfalt. Profit steht dabei im Hintergrund, wie Sabine Vulic von der Medienstelle Coop ­bestätigt: «Es liegt auf der Hand, dass kleine und kleinste Betriebe, die diese Produkte traditionell herstellen, nicht gleiche Mengen produzieren wie ein industrieller Gross­betrieb, und eine andere Kostenstruktur aufweisen. Entsprechend werden diese Artikel auch keine Umsatzrenner.»

iFood, also bin ich Im veränderten Arbeitsleben, das mehr Mobilität und Flexibilität ­erfordert, sieht die SV Group schon eher Entwicklungspotenzial: «Die festen Essenszeiten lösen sich auf, immer mehr Menschen ernähren sich ‹on-the-go›.» Mit iFood, dem digitalisierten Austausch von Rezepten, geht der Caterer der Nation noch einen Schritt weiter: «Wir planen grundsätzlich die Einführung einer App für mobile Geräte, so dass unsere Gäste Menupläne und weitere Informationen zum Angebot mobil abrufen können.» Während der Hype um Functional Food, dem wenig prestigeträchtigen Konzept harmonischer Dreieckssandwiche, abgeflacht ist, scheinen sich Trends mit gewissen Grundwerten durchzusetzen. So etwa Sensual Food, bei dem Moral eine zentrale Rolle spielt. Im Gegensatz zu Slow Food erlaubt Sensual Food ­einen korrigierenden Eingriff in die Natur. Verlerntes Geschmacksempfinden soll mit speziell entwickelten Sweet Potentiators verstärkt werden. Ihre Legitimation beziehen sie aus der Tatasche, dass 18 Prozent der Menschen kaum süss von sauer unterscheiden können. Slow vs. Fast Die Mutter aller Trends, Fast Ein anderer Abkömmling der SpassgesellFood, ist Ausgangspunkt vieler Gastro-Strö- schaft macht sich die Erkenntnis zu Nutze, mungen. Ihnen gemein ist die Absicht, auf dass Nahrungsmittel – ähnlich wie Drogen veränderte Ess- und Lebensgewohnheiten zu –­ die Gemütslage beeinflussen. Sogenannte­ reagieren. Coop beispielsweise hat sich für Mood Fooder schneiden dank serotonin-­ ­eine prestigeträchtige, wenig profitorientierte­ aktivierenden Stoffen nicht nur ein Stück Kooperation mit der 1986 gegründeten in- vom Glück ab, sondern verspeisen es. Glück ternationalen Non-Profit-Organisation Slow durch Essen kann aber auch von exogenen Food entschieden. Als Gegenentwurf zum Faktoren abhängen, wie der Cheap-BasicFast Food und dem damit einhergehenden Trend beweist: Rund 50 Prozent der BevölkeVerlust an Esskultur und Geschmacksviel- rung, darunter auch Gutbetuchte, leben ihre falt mauserte sich Slow Food zu einer veri- Discount-Mentalität tagsüber aus und begetablen Bewegung mit über 100 000 Mitglie- ben sich auf kulinarische Schnäppchenjagd, dern in 130 Ländern: Insgesamt 17 Convivia, um sich des Abends wohlverdient mit teuren so nennt man die regionalen Anlaufstellen Gourmethäppchen zu belohnen. (global existieren 750 Slow-Food-Convivien),­ setzen bewusstseinsbildende Initiativen vor 70 Prozent Leerlauf? Das aktuellste PhänoOrt um und organisieren ökogastronomische men im Gaumenland stammt aus der EsoVeranstaltungen für ihre Mitglieder. terik und nennt sich Lichtnahrung. Prana-­ Mit qualitativ hochstehenden Nahrungs- Esser, wie sie sich nennen, führen ausser mitteln fördern Slow-Food-Anbieter nachhal- etwas Flüssigkeit keine festen Stoffe zu sich, tige Landwirtschaft und Fischerei, artgerechte leben also in kulinarischer Askese. Folgt man ie Nahrungsmittelindustrie bleibt von Trends nicht verschont. Auch die SV Group – mit 75 Millionen Konsumtionen im vergangenen Jahr marktführender Caterer von 322 000 Mensen, Personalrestaurants, Cafés, Residenzen, Kliniken und Spitälern – prüft aufkommende Gastro-Trends seriös: «Im Bereich öffentlicher Gastronomie haben wir den ‹Fast Casual­ Trend› aufgenommen», so Isabel Gherbal,­ Markting & Communications Director der SV Group. Unter Fast Casual Food fallen sämtliche fettarmen und vitaminreichen Gerichte. Nicht nur lecker, sondern auch gesund sollen sie sein. Gherbal weiter: «Im Bereich der Personalgastronomie zählen wir in der Schweiz täglich über 100 000 Gäste. Daher können wir nicht auf jeden kurzfristigen Trend aufspringen. In den letzten Jahren hat sich das Bewusstsein verstärkt, dass eine ausgewogene­ und leichte Ernährung zum Wohlbefinden beiträgt und die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitenden positiv beeinflusst.»

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den postulierten Erkenntnissen des 2010 erschienenen Dokumentarfilms «Am Anfang war das Licht», so haftet diesem Phänomen durchaus etwas Wahres an. Der menschliche­ Körper braucht ungefähr 70 Prozent der durch Nahrung zugeführten Energie alleine für den Betrieb des Verdauungssystems. ­A nerkannte indische Ärzte haben einen über 60 Jahre lang lichtgenährten Yogi intensiv ­beobachtet, untersucht und dabei Werte­festgestellt, die sie in Erstaunen versetzten. Auch in der Schweiz will die Bewegung Fuss fassen. Ihr Kronzeuge ist der Basler Biochemiker Dr. Markus Werner, Angestellter eines auf Komplementärmedizin spezialisierten Pharmaunternehmens. Werner isst ­gemäss eigenen Angaben seit 2001 nichts mehr (gelegentlich einen Schokoriegel, wie er unter grossem Aufschrei der Skeptiker kürzlich zugab), joggt und spaziert (wie der erwähnte Film bezeugt) fröhlich durch die ­Gegend. Abends gesellt er sich mit einem Glas Wasser zu seiner essenden Ehefrau, um immerhin den gesellschaftlichen Aspekt des Essens zu erleben. Aus Neugier hat Werner 2001 den von der esoterischen Buchautorin Jashmuheen postulierten 21-Tage-Lichtnahrungsprozess, der bereits einige Menschen­ leben forderte, durchgemacht. Am dritten Tag merkte er, dass er sich ohne Nahrungszunahme viel besser fühlte. Lichthäppchen-Apéro Was sich für hunger­ leidende Menschen wie ein Hohn anhört, wird nicht von allen Wissenschaftern vorab als Humbug abgetan: Der Biophysiker FritzAlbert Popp (Professor am Institut für Biophysik in Neuss) bringt es am Beispiel des Zuckers auf den Punkt: «Zucker besteht aus Kohlendioxid und Wasser. Kohlendioxid wird durch die Atmung ausgeschieden, Wasser durch die Ausscheidungsorgane. Was zurückbleibt, ist das Licht.» Für die esoterische Gemeinschaft, die westliche Denkstile und Paradigmen per se hinterfragt, stellt Lichtnahrung ein gefundenes Fressen dar. Während der Podiumsdiskussion zum Film meldete sich ein Atomphysiker, der am Unispital Bern als Forscher angestellt ist, zu Wort. Seiner Frau, die etwas ausgepowert im Kinosessel lag, ginge es gut, obwohl sie seit 2006 keine feste Nahrung mehr zu sich nehme. Seine (simplifizierte) Erklärung: Unsere­ Magenwand sei von einem bakteriellen Film belegt, der für das Hungergefühl zuständig sei und sich mit der Nahrungszufuhr immerzu selbst alimentiere. Wie auch immer, die Lichthäppchen beim anschliessenden Apéro schmeckten etwas fad. PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


Wirtschaftliches

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todesstimmung in motown Aufschwung dank China Selbst Edelkaros­ sen konnten­ der jüngsten Wirtschaftskri­ se nicht davonfahren. Vor allem in den USA Seit Carl Benz 1885 den ersten Motorwaren PS-starke­ Limousinen bei Führungs­ wagen beim Patentamt anmeldete, ist kräften in den letzten beiden Jahren nicht über ein Jahrhundert vergangen. Heute mehr angesagt, galt es doch, in anderen Be­ ist an ein ­Leben ohne Auto nicht mehr reichen wieder auf Kurs zu kommen. Da­ zu denken. Doch wohin geht die Fahrt? durch mussten Porsche, Lamborghini und ­­Ein Aus-, Ein- und Überblick über die Konsorten massive Umsatzeinbussen von bis Automobilbranche. zu 50 Prozent hinnehmen. Doch der Aderlass ntweder: «Kollege, stecke auf der scheint die Talsohle durchschritten zu haben, Hardbrücke im Stau. Sieh zu, dass­­du meint der deutsche Autopapst Ferdinand Du­ eine andere Route fährst», oder aber: denhöffer: «Der Markt dreht wieder nach «In 50 Metern rechts abbiegen. Auf der Hard­ oben, die Erholung ist spürbar.» Der Profes­ brücke staut sich der Verkehr auf zwei Kilo­ sor für Allgemeine­ ­Betriebswirtschaftslehre meter Länge.» Vielleicht werden Autos­ zu­ und Auto­mobilwirtschaft bei Aston Martin­ künftig sogar Slang und Stimme ihrer Fahrer rechnet 2010 mit weltweit 4500 Verkäu­ imitieren? Womöglich richtet sich ihre Spra­ fen (2009 waren es 2649). Ähnliches wer­ che auch nach Baujahr und Modell? Was auch den seiner Meinung nach auch Marken wie immer die Zukunft bringen wird, Fakt ist, Maserati­ und Bentley erleben. Auch bei der dass Fahrzeuge schon heute lernen, mitein­ Porsche AG geht der Blick nach vorn. 2009/10 ander zu kommunizieren. stieg der Umsatz um 17,9 Prozent auf 7,79 «Mittlerweile liegen Bereits seit einigen Jahren arbeiten grosse Milliarden Euro – der höchste Erlös der Auto­mobilhersteller wie Daimler und BMW ­Unternehmensgeschichte. Michael Macht, bereits 15 000 Hektar­ an Projekten wie Willwarn (Wireless Local Vorstand bei der Porsche Automobil Holding Danger Warning) und NOW (Networks On dazu: «Der Rekordumsatz zeigt eindrucks­ des Stadtgebietes Wheels). Ziel dieser Systeme ist es, alle Infor­ voll, dass Porsche zu alter Stärke zurück­ mationen, die ein modernes Auto während der gefunden hat. Im kommenden Jahr setzen brach; von den ehemals Fahrt über Antiblockiersystem, Elektronisches wir auf unsere Fahrzeugbaureihen Cayenne Stabilitätsprogramm, Lenkwinkel-sensoren und Panamera sowie die beiden neuen Mo­ zwei Millionen Einwoh­ und Navigationssystem sammelt, über Funk delle 911 Speedster und 911 Carrera GTS.» auch anderen Fahrzeugen und deren Insassen Die treibende Kraft für erwartete Ab­ nern sind nur 900 000 zur Verfügung zu stellen. Die davon erhofften­ satzsteigerungen in der Automobilindus­ ­Effekte sind Optimierung des Verkehrsflusses, trie ­– nicht nur bei Luxuswagen, sondern im geblieben.» Verhinderung von Staus, und Entlastung von ­gesamten Automobilsektor – ist China. Das Verkehrsballungen. Freie Fahrt voraus also. Land ist bekanntermassen insgesamt trei­ bender Faktor der Konsumgüterindustrie. Autostadt wird Geisterstadt Doch bis es so­ Zunehmender Wohlstand, der Ausbau des weit ist – Forscher gehen vom Jahr 2015 aus – Markt und fuhren einheimischen Automobil­ Autobahnnetzes und staatliche Subventio­ werden noch viele Karosserien vom Montage­ riesen ordentlich an den Karren. Mittlerweile­ nen beim Fahrzeugkauf haben das Reich der band laufen. Oder auch nicht. Denn nicht erst liegen bereits ­­15 000 Hektar des Stadtgebietes Mitte auf die Überholspur gebracht. Allein in die Wirtschaftskrise hat dafür gesorgt, dass brach; von den ehemals zwei Millionen Ein­ diesem Jahr wurden bereits sechs Millionen Automobilhersteller den Fuss vom Gas neh­ wohnern sind nur 900 000 geblieben. Und Neuwagen zugelassen – fünfmal so viele wie men mussten. In der einst blühenden Auto­ auch wenn GM dank staatlicher Unterstützung in Westeuropa oder den USA. stadt Detroit, in der Ford mit seinem bekann­ und dem darauf basierenden grössten Börsen­ ten Modell T (Tin Lizzy) das Zeitalter der gang der Welt im November 2010 wieder in die Auto, nicht Statussymbol Bei der Wahl des Massenproduktion einläutete, stehen heute­ Gänge­ kommt, stirbt Detroit als Autostadt ei­ richtigen ­G efährts lieben es die Chinesen viele Produktionsanlagen still. Die einst flo­ nen langsamen Tod. Dafür beginnt ein ande­ gross, schnell und teuer. Besonders die auf­ rierende Autostadt transformiert sich zuneh­ res, durchaus schmuckes, Pflänzlein zu blühen. strebende Mittelschicht stellt ihren Status mend zur Geisterstadt. In Pontiac, einem­ Aus der Not geboren, haben die Einwohner die vorzugsweise mit Nobelkarossen zur Schau. Detroiter Vorort, wurde unlängst sogar der Lust an der Selbstversorgung wieder entdeckt. Ein Trend, der in Europa rückläufig ist. «Mit polizeiliche Dienst eingestellt. Die 66 000 Statt Autos werden Tomaten und Salat (an‑)ge­ einem Wagen, selbst wenn er teuer ist, lässt Einwohner zählende Gemeinde kann die Ge­ baut. Bereits können zehn Prozent des Gemüse­ sich wesentlich weniger Staat machen als frü­ hälter nicht mehr zahlen. Mit der Schliessung bedarfs der Stadt auf eigenen Feldern geerntet her», so das Ergebnis einer aktuellen Studie der Polizeiwache sollen Einsparungen von bis werden. Die Idee des Millionärs John Hantz, der oberbayerischen Unternehmensberatung in Detroit die grösste urbane Farm der Welt zu Progenium. Nur für 17 Prozent der Befrag­ zu 2,2 Millionen Franken erreicht werden. Lange war Pontiac Synonym für gross­ schaffen, gedeiht. Diese Entwicklung kann als ten ist der vierrädrige Freund heute noch Sta­ motorige Sportwagen des heimischen Autobau­ Zeichen gewertet werden, dass niemand wirk­ tussymbol. Der Rest definiert sich über Klei­ ers General Motors. Der Konzern mit Haupt­ lich an ein Revival der Autostadt glaubt. dung, teure ­Ferienreisen oder den Besitz ¬ WorteWilmaBoegelIllustrationIanDavidMarsden

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Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

sitz in Detroit begann vor rund 100 Jahren und erreichte in den 60-er und 70-er Jahren Kult­ status. Kult, das war einmal, die rosigen Zeiten sind in Detroit definitiv vorbei. Noch haben zwar die grossen Drei, General Motors, Ford und Chrysler, ihre Firmenzentralen in Detroit. Doch langsam geht ihnen die Puste aus. Einst fühlte man sich mächtig, führend, uneinholbar, aus den Firmentoren fuhren täglich Autokolon­ nen, soweit das Auge reicht. Die Betonung liegt auf «fuhren» – Vergangenheitsform. Heute ist Detroit nur noch ein Schatten sei­ ner selbst. Bereits während der Rassenunruhen in den 60-er Jahren flüchtete­ ein Grossteil der weissen Bevölkerung in die Vororte. Zurück blieb eine Stadt mit geschrumpftem Steuerauf­ kommen, marodem Bildungssystem und sozi­ alen Brennpunkten.­ Ab den 70-er Jahren be­ drängten ausserdem japanische Hersteller den


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Kolumne

Wirtschaftlichestodesstimmung in motown

eines iPhones. In der Schweiz belegte das Gottlieb Duttweiler Institut dies bereits vor zwei Jahren. Fazit ihrer Statusfaction-Umfra­ ge: Alles Materielle, Grosse, Teure und Um­ weltschädigende wirkt sich negativ auf den Sozialstatus aus. «Stattdessen wird in unseren Breiten heute lieber mit gesunden Lebensstil und Ökologieverständnis geprotzt.» Da passt das Elektroauto hervorragend ins Konzept. Die natürlichen Brennstoffe gehen zu Neige und der Atmosphäre stinkt das aus­ gestossene CO2 mittlerweile gewaltig. Erdöl­ multis, Staatsoberste und Autobauer wissen, dass Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in absehbarer Zeit zu Auslaufmodellen werden. Schon jetzt haben daher viele Staaten Förder­ programme für E- und Hybrid-Mobile­ auf­ gelegt und jeder Autohersteller, der etwas auf sich hält, tüftelt eifrig am strassentaug­ lichen Serienmodell. Doch wie einst die erste­ Handy­generation stellen auch die umwelt­ freundlichen Flitzer die Entwickler vor drei gravierende Probleme. Erstens, die Akkus sind noch zu gross und zu schwer. Zweitens, die Laufzeit einer Akkuladung ist viel zu ge­ ring und taugt gerade einmal für eine Strecke von maximal 120 Kilometern. Und drittens, die Autos sind unglaublich teuer. Das Basis­ modell des Tesla-Roadsters, dem E-Auto des US-Konzerns Tesla Motors, kostet umgerech­ net knapp 106 000 Franken. Plug-In-Hybrid Um diesen Kinderkrankhei­ ten Herr zu werden, müssen Hersteller­ um­ denken. Statt bestehende Modelle mit elekt­ ronischem Herz und kompatiblem Kreislauf auszustatten, müssen neue Wagen konzipiert werden. Leichter sollen sie sein, um das hohe Gewicht der Batterien etwas abzufedern und grössere Reichweiten schaffen zu können. BMW verzichtet daher beispielsweise beim «Megacity Vehicle» auf Stahl sowie Alumini­ um und setzt stattdessen auf Carbonfasern. In drei Jahren soll das MV serienreif sein. Ebenfalls ausbaufähig, aber schon ein gutes Stück weiter, sind die Hybrid-Autos. Bei die­ sen teilen sich Verbrennungsmotor und Akku­ die Aufgabe des Antriebs und machen ein verbrauchsgünstiges Fahren möglich. 1997 legte Toyota mit dem Prius das erste­ Gross-Serienmodell mit eingebautem ­Hybrid-Motor auf – 2009 war dieser mit fast 210 000 verkauften Neuwagen der Topseller­ Japans. Grund genug für Dudenhöffers Pro­ gnose: «Plug-In-Hybrid ist der goldene Mit­ telweg und die Antriebstechnik von mor­ gen.» Wir werden es erleben. Jedenfalls ist die ­Gefahr, aufgrund eines leeren Akkus auf der Stadt­autobahn liegenzubleiben, in einem Hy­ brid-­Vehikel kleiner als im elektrischen Bru­ der. Womit wir zurück beim Stau wären oder sogar der Grund für einen derartigen sein könnten. Doch bis es soweit ist, haben auch unsere Autos ihre Kommunikation ausge­ baut und der Kollege, der zwei Stras­sen wei­ ter steht, kann aushelfen. Getreu dem Motto: «Alter, wo bist du!? Komm schnell rum und hilf mir mit ein wenig Energie aus!» Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

Dr. Mirjam Staub-Bisang

Nachhaltigkeit als Erfolgsbaustein

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m Zug nach München ist die Welt noch in Ordnung. Liebliche Landschaf­ ten, saftige Weiden und dichte Wälder ziehen jenseits der Schweizer Gren­ ze an mir vorbei. Einzig Solarpanels auf den Dächern stolzer Bauernhäuser wollen nicht zur Beschaulichkeit passen. Dem Unpassenden zum Trotz, jene Anlagen liefern sauberen, mitunter staatssubventionierten, Strom. Der Bauer 2.0 denkt unternehmerisch und handelt ökologisch, braucht es doch für die­ se Energieform «lediglich» Sonnenlicht. Bei allen Vorbehalten gegenüber dem Staat ist es sinnvoll, dass er solche Bauten fördert. Initialzündungen dieser Art kann in der Praxis nämlich nur derselbige auslösen. Doch wo Subventionen sind, sind auch Kritiker. Sie nörgeln, die Solarzellen seien in der Herstellung so aufwändig, dass deren Installierung mehr Schaden denn Nutzen bringe. Nun, der Bau ist in der Tat aufwändig, jedoch nicht aufwändiger als jede andere In­ vestition zur Infrastrukturverbesserung. Fakt ist, die Welt wäre sauberer und das Klima gesünder, wenn wir alle unseren Strom mit Sonnenlicht produzier­ ten, in besser isolierten Gebäuden lebten und diese mit Erdsonden statt Erd­ öl heizten. Analog wäre unser Planet potenziell reicher und das soziale Kli­ ma ausgewogener, würden wir beim Einkaufen auf Fair Trade achten. Jeder kann im Alltag einen nachhaltigeren «Modus Vivendi» praktizieren, bei dem natürliche Ressourcen schonender genutzt werden und ausserdem versucht wird, Rücksicht auf andere, selbst für uns unbekannte, zu nehmen. Nachhal­ tiges Handeln bedeutet, ökologische und soziale Kriterien mit wirtschaftli­ chen Überlegungen zu verknüpfen. «Sustainability» schafft mithin auch in der Vermögensverwaltung Mehrwert. Im Fokus verantwortungsbewusster Anle­ ger stehen deshalb nachhaltig geführte Firmen und Körperschaften. Sie ver­ fügen über bessere ­Risikokontrollen und haben dank Wahrnehmung sozialer Verantwortung auch motivierte(-re) Mitarbeiter. Nachhaltigkeit bietet Chan­ cen, auch wirtschaftliche. Dieser Erkenntnis nachzuleben, ist allerdings nicht Staatsaufgabe, sondern liegt in der Verantwortung institutioneller und priva­ ter Investoren. Exemplarisch greife ich den Geschäftsführer einer Pensions­ kasse heraus, der Kapital verwaltet, das Mitglieder heute einzahlen und mor­ gen mit Zinseszins als Altersrente beziehen. Mit der Strategie und der Auswahl von Anlageinstru­menten ist er mitverantwortlich, dass Zahlungsverpflich­ tungen in der Welt von morgen tatsächlich nachgekommen werden kann. Das gilt ebenfalls für Privatpersonen, denn letztlich dient auch ihr erarbeitetes oder geerbtes Vermögen der Zukunftssicherung. Fragen Sie Ihren Bankberater nach nachhaltigen Anlagen! Denn nachhaltig Investieren ist mehr als nur ein Trend. Umso bedauerlicher ist es, dass viele Berater noch immer ungenügend geschult und gewisse nachhaltig ausgerichtete Anlagevehikel Mogel­packungen sind. Mit entsprechendem – nachhaltigem! – Druck können Sie ­bewirken, dass Ihre Bedürfnisse gedeckt werden. Wenn nicht, nutzen Sie Tram, Elektroauto oder Fahrrad und suchen Sie sich einen besseren Berater.

Dr. Mirjam Staub-Bisang ist Gründungspartnerin sowie Verwaltungsratsdelegierte von Independent ­Capital Management AG. Die Rechtsanwältin und Buchautorin hält zudem einen MBA-Abschluss der INSEAD.


Ihr Zugang zu den Emerging Markets Die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China haben das Potenzial, langfristig zu den grössten Volkswirtschaften weltweit aufzusteigen. Mit verschiedenen Partizipations-Zertifikaten von Goldman Sachs erhält der Anleger Zugang zu den Aktienmärkten der Emerging Markets.

Mehr Informationen zur Funktionsweise sowie Details zu Chancen und Risiken erhalten Sie unter +41 (0)44 224 1144. Viel Wissenswertes zu diesem Thema finden Sie auch in unserem Monatsmagazin KnowHow und auf unserer Internetseite www.goldman-sachs.ch.

Partizipations-Zertifikate mit Endfälligkeit auf Emerging Markets

Basiswert Symbol 1) China Large Cap Basket CHLAR China Consumption Basket GSIQK China Aviation Basket FLYCH 2) Brazilian Equity Growth Basket BRASA BRICs Nifty 50 Emerging Markets Tradable Index –

Valor 10559592 4270421 4277714 4275437 10559822

Währung USD EUR USD USD USD

Briefkurs 101.05% 99.60 EUR – 3) 97.30 USD 99.20%

Rückzahlungstag 09.04.2013 05.11.2013 23.12.2013 20.06.2014 24.09.2015

Valor 3426747 2515869 2353519

Währung USD EUR CHF

Briefkurs 14.90 USD 33.30 EUR 23.70 CHF

Fälligkeit open end open end open end

Open-End-Partizipations-Zertifikate auf Emerging Markets

Basiswert N-11-Core-8 (Total Return) Index DBIX Indien® Preisindex (EUR) Russian Traded Index®

Symbol 1) NIIBT INDIJ RTXOE

Stand: 09.12.2010; 1) Diese Produkte sind an der Scoach Schweiz AG handelbar mit Ausnahme des Partizipations-Zertifikats auf den BRICs Nifty 50 Emerging Markets Tradable Index. 2) Es ist vorgesehen, das Produkt an der SIX Swiss Exchange AG zu kotieren. 3) Das Produkt befand sich bis zum 15. Dezember 2010 in der Zeichnungsperiode. Garantin: The Goldman Sachs Group, Inc.; Rating der Garantin: A1 (Moody’s) / A (S&P®); Art der Garantie: unwiderrufliche, unbedingte Zahlungsgarantie; Emittentin: Goldman Sachs International Dieses Inserat stellt keinen Emissionsprospekt im Sinne von Art. 652a resp. 1156 OR dar. Dieses Inserat erscheint ausschliesslich zum Zweck der Information über die im Inserat aufgeführten Produkte. Die Produkte qualifizieren nicht als Anteile einer kollektiven Kapitalanlage im Sinne des Bundesgesetzes über kollektive Kapitalanlagen (KAG) und sind daher auch nicht der Aufsicht der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) unterstellt. Die Anleger sind dem Bonitätsrisiko der Emittentin bzw. der Garantin ausgesetzt. Anleger sollten vor Erwerb eines Produktes die Ausführungen im Termsheet und im Offering Circular, bestehend aus dem Programme for the Issuance of Derivatives (www.goldman-sachs.ch/Programm) und dem jeweiligen Pricing Supplement zu den Chancen und Risiken (einschliesslich des emittenten- und gegebenenfalls produktspezifischen Totalverlustrisikos), lesen und etwaige Fragen mit einem Finanzberater besprechen. Sämtliche Angaben sind ohne Gewähr. Goldman Sachs Bank AG, Public Distribution, Münsterhof 4, Postfach, CH-8022 Zürich, Telefon: +41 (0)44 224 1144, Telefax: +41 (0)44 224 1020, www.goldman-sachs.ch, E-Mail: swisswarrants@gs.com BRICs Nifty 50 Emerging Markets Tradable Index/BRICs Nifty 50 Developed Markets Index (the “Index”) is the exclusive property of Goldman Sachs International (“GSI”), which has contracted with Standard & Poor’s Financial Services LLC (“S&P”) to calculate and maintain the Index. S&P’s sole relationship to GSI in relation to the Index is providing such calculation services. The Index is in no way related to, based upon or in any other way derived from the S&P BRIC 40 index or the S&P CNX Nifty index. The Index is not owned, endorsed, or approved by or associated with S&P, its affiliates or their third party licensors and neither S&P, its affiliates nor their third party licensors shall have any liability in connection to the Index. Next-11-Core-8-Index is the exclusive property of Goldman Sachs International, which has contracted with Standard & Poor’s® (“S&P®“) to maintain and calculate the Index. Goldman Sachs International and S&P® shall have no liability for any errors or omissions in calculating or publishing the Index. DBIX Indien ® ist ein eingetragenes Warenzeichen der Deutsche Börse AG. The RTX – Russian Traded Index® was developed and is real-time calculated and published by Wiener Börse AG (Vienna Stocks and Derivatives Exchange). The name of the Index and its abbreviation are protected by copyright law as trademarks. A non-exclusive authorisation for the use of the RTX by Goldman, Sachs & Co. Wertpapier GmbH in conjunction with financial products was granted upon the conclusion of a license agreement with Wiener Börse AG. © Goldman Sachs, 2010. All rights reserved.

SM

SVSP-Kategorie: Partizipations-Produkte


Investierbares

37

IM SCHLEUDERGANG DER

Angesichts der volatilen Entwicklung der Börsenmärkte werden die Anleger dieser Tage kräftig durchgespühlt. Buy-and-Hold-Strategien bringen oft nicht mehr den gewünschten Erfolg. Doch die Welt der Investmentprodukte hält für jedes ChanceRisiko-Profil das richtige Instrument bereit.

TEXT Barbara Kalhammer BILD Hill Street Studios


N

So verhalten sich viele prozyklisch, sie kaufen in steigenden Marktphasen und verkaufen, wenn sie fallen, wie Lutz ­Johanning, Professor an der WHU Otto Beisheim School of Management, erklärt. Er weiter: «Häufig sind private Anleger diejenigen, die zuletzt und dann zu spät auf diesen Zug aufspringen.» Ausserdem gebe es an den Kapitalmärkten einen Herdentrieb: Investoren fühlen sich wohler, wenn andere die gleichen Investments tätigen. Häufig begehen Anleger zudem­den Fehler, Titel aus dem Heimmarkt zu bevorzugen. Laut Johanning sind deswegen die Portfolios häufig nicht ausreichend diversifiziert. Alfons Cortés, Investment ­Advisor vermögender Kunden und europaweit einer der renommiertesten Chart- und Markt­techniker, sieht den Home Bias allerdings je länger je weniger als Fehler: «Die starke Ausrichtung auf den jeweiligen Heimmarkt muss man relativieren. Heutzutage ist der Home Bias nicht mehr per se als Fehler zu sehen, fällt doch immerhin das Währungs­ risiko weg.» Cortés fügt ein konkretes Beispiel ins Feld: «Vom 5. April 2002 bis zum ­5. November 2010 ist der S&P-500 um 9,2 Prozent gestiegen, der SPI um deren 5,2. In der gleichen Zeit ist der Dollar um 42,6 Prozent gefallen. Der Performance-Unterschied wäre also ungefähr durch die Absicherung des Dollars gegen Franken aufgefressen worden.» Home hin, Bias her: Das kommende Jahr dürfte schwierig werden. Jan Poser, Chefökonom der Bank Sarasin, erwartet, dass besonders das erste Halbjahr 2011 volatil bleiben wird, durchaus auch mit Abwärtsrisiken.

icht selten erhält man Emails mit dem Betreff «Schnell reich werden» oder «Reich werden leicht gemacht». Eine Wunsch­ vorstellung, die an der Bör­­ se­nicht immer realisierbar ist. So verzeichnete der SMI ab Jahresbeginn bis Ende November ein Minus von zwei Prozent. Mit einem einfa­ chen Indexzertifikat oder einem ETF auf den Schweizer Leitindex wäre das Anlagejahr 2010 also eher Verdruss gewesen – «Buy and Hold» hätte also nicht zum Erfolg geführt. Werden jedoch die Dividenden mit einberechnet, so ergibt sich für Anleger zumindest ein Plus von rund einem Prozent. Aber auch aktiv gema­ nagte Produkte konnten die Erwartungen in der Vergangenheit oft nicht erfüllen. Ein Beispiel dafür sind Absolut-ReturnFonds. Von 550 Vehikeln liegen seit Jahres­ beginn nur rund 50 im Plus. Doch wäre ei­ gentlich der Anspruch dieses Ansatzes, in jeder Mark­tlage Wertzuwächse zu generieren. Darüber hinaus orientieren sich die Fonds nicht an einer Benchmark wie Aktien- oder Obligationenindizes. Unter der Bezeichnung «Absolut» oder «Total» verbergen sich kom­ plizierte Trendfolgesysteme oder auch Fonds­ manager, die Derivate-­Strategien nutzen, um auf steigende und fallende Kurse zu wetten. Verheerender Herdentrieb Besonders in turbulenten Zeiten ist es schwierig, positive Renditen zu erwirtschaften. Dies vor allem deshalb, weil viele Anleger bei ihren Börsen­ engagements immer wieder Fehler begehen.

CHANCEN-RISIKO-PROFIL

Marktentwicklung:

steigend

seitwärts

sinkend

Long Mini-Futures OutperformanceZertifikat

Capped-Bonus Zertifikat

CallWarrants

PutWarrants

LeverageETF

BonusZertifikat

Short Mini-Futures

ShortETF

Themen- / StrategieZertifikat / ETF

CHANCE

38

ETF

IndexZertifikat Aktien

Reverse Convertible

Fonds

DiscountZertifikate ExpressZertifikate

KapitalschutzZertifikate INVESTOR

TRADER

RISIKO Darstellung: fmAG

Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

Dies, weil der Aufschwung noch nicht nachhaltig sei. Erst für den weiteren Jahresverlauf zeigt sich der Experte optimistischer. Chancen vs. Risiken Trotz des herausfordernden Umfelds ergeben sich Chancen. Dies dank Produkten, die auch in seitwärts oder gar negativ tendierenden Marktphasen Erträge optimieren. Entscheidend für den Erfolg der jeweiligen Strategie ist, dass vor dem Kauf eine klare Marktmeinung definiert wird und die Chancen und Risiken des Produkts genau abgewogen werden. Johanning dazu: «Die eigenen Präferenzen und die ökonomische Bewertung sollten Basis der Anlageentscheidung sein und nicht der aktuelle Mainstream.» Abhängig davon steht Anlegern eine Vielzahl strukturierter Produkte zur Auswahl. Die Palette der angebotenen Basiswerte wächst kontinuierlich, sie reicht von Aktien­ und Indizes national und international, und Obligationen bis hin zu Devisen, Hedge Funds, Rohstoffen und Immobilien. «Viele Investoren sind durch die Finanzmarktkrise noch vorsichtiger geworden», so Johanning. Sie würden eine Risiko-/Verlustabsicherung und auch eine hohe Liquidität der Anlagen suchen und seien dafür bereit, Renditechancen aufzugeben. Einer grossen Beliebtheit erfreuen sich daher kapitalgeschützte Zertifikate. Bei diesen Produkten sind Investoren im Falle sinkender Kurse zu 90, 95 oder sogar 100 Prozent geschützt. So erhalten sie auf Verfall zumindest einen Grossteil des eingesetzten Kapitals zurück. Aber auch wenn der Basiswert steigt, können sie profitieren. Je geringer der Kapitalschutz desto höher ist der Grad, mit dem der Investor an der Kursbewegung des sogenannten Basiswerts Anteil hat. Damit ist man bei fallenden Kursen abgesichert, partizipiert aber ebenso, wenn es an der Börse aufwärts geht. Kapitalschutz-Zertifikate werden auch mit Pfandbesicherung angeboten. Durch COSI (Collateral Secured Instruments) kann das Emittentenrisiko deutlich reduziert werden. Hebel aller Art Aber auch in fallenden Märkten lassen sich Gewinne erzielen. Risiko­ freudige können Hebelprodukte nutzen, um auf steigende oder eben sinkende Kurse zu setzen. Darüber hinaus ist es möglich, Warrants und Mini-Futures zur Positionsabsicherung zu nutzen. Eine andere Möglichkeit sind Reverse-Zertifikate, sie reagieren auf Kurs­ bewegungen des Basiswerts tendenziell in die entgegengesetzte Richtung. Mit Faktor-Zertifikaten der Commerzbank werden Kurs­ bewegungen zusätzlich durch Hebel (1, 2, 3 und -1, -2, -3) verstärkt. Auf sinkende Kurse­ kann auch mittels Short-ETF gesetzt werden. Somit profitieren Anleger beispielsweise von der negativen Performance des SMI. Auch hier gibt es bereits gehebelte Varianten mit Faktor minus 2. In Phasen, in denen Märkte keine klare Richtung kennen und sich vor allem seitwärts bewegen, lohnt sich der Griff zu Rendite­optimierungsprodukten, wie


Im Schleudergang der BörseInvestierbares

Discount-­Zertifikate und Reverse Convertibles (RC). Mit Discounts lässt sich das Risiko­ im Vergleich zu einem Direkt­investment reduzieren. Die Produkte erlauben es, Basiswerte mit einem Abschlag zum aktuellen Wert zu erwerben. Dafür sind jedoch die Gewinnchancen durch einen Cap begrenzt. Der Anleger erleidet nur dann einen Verlust, wenn der Kurs so weit gesunken ist, dass der Discount aufgebraucht ist. In der Schweiz deutlich beliebter sind Reverse Convertibles. Grund dafür ist, dass sie mit einem garantierten Coupon von 5, 10 oder sogar 15 Prozent ausgestattet sind. Bei RC gibt es Nennwert und Kurswert. Viele Anleger fühlen sich dadurch an Obligationen erinnert. Anders als bei Anleihen aber ist der Emittent des strukturierten Produkts nicht zur Rückzahlung des Nennwerts verpflichtet, sondern kann eine von vornherein definierte Anzahl Aktien liefern. Risikopuffer erwünscht Dies ist der Fall, wenn der Kurs des Basiswerts bei Verfall tiefer ist als der Ausübungspreis. Der Ausübungspreis entspricht oft dem Kurs des Basis­werts zu Laufzeitbeginn, kann aber auch tiefer liegen. Besonders attraktive­RC-Konditionen sind in Zeiten starker Schwankungen, hoher Dividenden und hoher Zinsniveaus möglich. Eine von vielen Erweiterungen der Produkte­sind Barrier-Reverse-Convertibles.

Bei diesen wird der RC durch einen bedingten Kapitalschutz, die Barriere, erweitert. Sie schützt gegen eine Schwächephase des Basiswertkurses. Ebenfalls eine gewisse Absicherung bieten Bonus-Zertifikate. Mit diesen profitieren Anleger zum einen an der positiven Performance des Underlyings. Zum anderen wird eine Bonuszahlung geleistet, sofern der jeweilige Startwert die Barriere nicht unterschreitet. Damit haben Anleger einen Risikopuffer, falls die Kurse sinken. Wird die Barriere verletzt, wandelt sich das Produkt in ein reines Tracker-Zertifikat. Und klar, am einfachsten scheint eine ­Investition, wenn die Märkte steigen. Doch auch hier lassen sich einfache «Long-andonly-Strategien» optimieren. Wie bereits erwähnt, gibt es Faktor-und Hebelzertifikate, mit denen Anleger stärker von Kursschwankungen profitieren können, als mit dem Kauf des Basiswertes. Auch ETF werden gehebelt angeboten. Überproportional an steigenden Kursen verdienen Anleger ebenso mit Outperformance-Zertifikaten. Bewegt sich der Basiswert über dem «Strike», profitiert man mit einer bei Emission festgelegten Partizipationsrate am Kursanstieg. Es gibt weitere ­R isiken, die eine Anlage in ein Missvergnügen verwandeln können. Dazu zählen beispielsweise Währungsschwankungen und Rollverluste bei Rohstoffinvestments.

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s

da ategien

Lyxor ETF LevDAX • ISIN LU0252634307 • BLOOMBERG LYLVD SW • WÄHRUNG EUR • TER p.a. 0,45 % Lyxor ETF Daily ShortDAX x2 • ISIN FR0010869495 • BLOOMBERG LYDSD SW • WÄHRUNG EUR • TER p.a. 0,60 %

LY X O R E T F : 3 B U C H S TA B E N , J E T Z T 7 3 L Ö S U N G E N www.lyxoretf.ch info@lyxoretf.ch + 41 (0) 58 272 33 44 Bloomberg L Y X O R < G O > Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen haben einen rein indikativen und informativen Charakter, dessen Sinn es einzig und allein ist, die Eckdaten der Fonds aufzulisten. Die Daten stellen in keiner Weise eine Verpflichtung oder ein Angebot seitens der Société Générale („SG“) und/oder Lyxor AM („Lyxor“) dar. Für die Zeichnung von Fondsanteilen ist ausschliesslich der offizielle Verkaufsprospekt massgebend. SG und Lyxor übernehmen keinerlei treuhänderische Verantwortung oder Haftung für finanzielle oder anderweitige Konsequenzen, die sich durch die Zeichnung oder den Erwerb der in dieser Anzeige beschriebenen Fonds ergeben. Der Anleger sollte sich einen eigenen Eindruck über die Risiken bilden und für zusätzliche Auskünfte in Bezug auf eine Zeichnung oder einen Erwerb einen professionellen Berater konsultieren. Vor allem sollte sich der Anleger bei Zeichnung und Kauf von Fondsanteilen bewusst sein, dass die Fonds Risiken beinhalten und die

Rückzahlung unter Umständen unter dem Wert des eingesetzten Kapitals liegen kann, im schlimmsten Fall kann es zu einem Totalverlust kommen. Die Fonds Lyxor ETF LevDAX, Lyxor ETF Daily Short DAX x2 sind zum öffentlichen Vertrieb in der Schweiz oder von der Schweiz aus im Sinne von Artikel 120 des Bundesgesetzes über die kollektiven Kapitalanlagen vom 23. Juni 2006 zugelassen. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA hat Société Générale, Paris, Zweigniederlassung Zürich, als Vertreter und als Zahlstelle der Fonds in der Schweiz bewilligt. Die entsprechenden Prospekte, Statuten, Jahres- und Halbjahresberichte der Fonds, sowie die Aufstellung der Käufe und Verkäufe, welche die Fondsleitung im Berichtsjahr auf Rechnung der Fonds abgeschlossen hat, können mittels einfacher Anfrage kostenlos beim Vertreter in der Schweiz (Société Générale, Paris Zweigniederlassung Zürich, Talacker 50, Zürich, Schweiz) bezogen werden. Die Verkaufsprospekte können unter www.lyxoretf.ch heruntergeladen werden.


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klima – sei geschützt

Auf den Geschmack gekommen

Die Klimawandelproblematik ist omnipräsent. Mittlerweile hat sie sich fest in unseren Köpfen manifestiert. Sofern das Ungemach nicht allzu emotional behandelt wird, ist das ein gutes Zeichen. Beim Wort Klimawandel wird die Emotionalitätsspirale in sphärische Höhen geschraubt. Wenn man bedenkt, dass klimatische Schwankungen seit Jahrhunderten bestehen, sind die galoppierenden Gefühlswallungen doch ein bisserl verwunderlich. Aber Obacht, dieser Gedanke greift zu kurz, ist doch die seit drei Dezennien anhaltende überdurchschnittlich starke Erwärmung kaum mehr erklärbar. Nichtsdestotrotz lässt sich wissenschaftlich nicht ­eindeutig bestimmen, so das Bundesamt für Umwelt (BAFU), ab wann eine Veränderung des Klimasystems als gefährlich einzustufen ist – und ab welcher Erwärmung mit unwiderruflichen oder abrupten Veränderungen für unseren Planeten gerechnet werden muss.

Im laufenden Jahr sind die Preise für Agrarrohstoffe stark gestiegen. Angesichts der tiefen Lagerbestände werden Mais, Zucker, Kaffee und Konsorten auch weiterhin auf hohen Niveaus notieren. Getrieben wurden die Preise durch Wetterkapriolen, politische Interventionen und Angebotsengpässe. Schätzungen zufolge haben die Überschwemmungen in Pakistan rund 80 000 Hektar Zuckerrohrplantagen zerstört. Durch die Dürre in Russland wurde etwa ein Drittel der Weizenernte vernichtet, das anschliessend verhängte Exportverbot führte zu einer Weizenpreisexplosion. Der Nahrungsmittelindex der Welternährungsorganisation­ FAO, der die Preisentwicklung wichtiger Agrargüter zusammenfasst, lag bereits Ende Juli bei 163 Punkten. Damit lag der Index nur um 15 Punkte ­unter jenen 191 Punkten im Jahr der Hungeraufstände 2008.

Fortwährendes Von der mangelnden Eindeutigkeit für einmal abgesehen, sind Temperaturanstiege mit weit reichenden Auswirkungen verbunden. Der Weltklimarat IPCC prognostiziert für das 21. Jahrhundert einen Anstieg von bis zu 6,4 Grad Celsius. Temperaturkapriolen und damit zusammenhängende­ Globalfolgen sind keinesfalls zu vernachlässigen, keinesfalls zu unterschätzen. Das sieht auch Schroders so. Schroders, ein britisches Finanzinstitut­mit 276 Milliarden Franken verwaltetem Vermögen (per Ende September 2010), sieht im Klimawandel einen der analgetechnischen Megatrends schlechthin. Das Bankhaus spricht hierbei von der Notwendigkeit einer industriellen ­Revolution, um ­eine kohlenstoffarme Wirtschaft «herzurichten». Die anvisierte CO2-Armut sei vom globalen Aktienmarkt noch längst nicht diskontiert, entsprechend kristallisierten sich reichlich Chancen heraus. Auf der ständigen Jagd nach Alpha kann das Fondsmanagement um Simon Webber auf eine ­Auswahl von rund 700 Werten zurückgreifen. Dabei werden nicht «sexy Tages­ aktualitäten» verfolgt, sondern fortwährende Investment-Ideen umgesetzt. Traditionelles und Neuzeitliches Einzug finden Themen wie zum Beispiel «Energy Efficiency», «Low-carbon Fossil Fuels», «Clean Energy», «Environmental Resources» und «Sustainable Transport». Das regionale Augenmerk wird besonderes auf Nordamerika, Europa und gewisse Emerging Markets ­gelegt. Auf Sektorenebene überwiegt die Industrie mit über 26 Prozent, gefolgt von Werkstoffen (gut 14 Prozent), Gebrauchsgütern (rund 13 Prozent), Energie­ (mehr als 12 Prozent) und Informationstechnologien (in etwa 12 Prozent). Mit einer jährlichen Verwaltungsgebühr von 1,5 Prozent fällt der Global-Climate-­ Change-Equity-Fund nicht aus dem Rahmen. Ebenso wenig aus dem Rahmen fällt das Vehikel hinsichtlich der positiven Wertentwicklung. Doch keine Bange, fondsaffinen Anlegern mit grossem Risikoappetit, die ihren Fuss in die Klimawandeltüre stellen möchten, stehen viele weitere Möglichkeiten offen, ihr Geld anzulegen. Freunde moderner Investment-Instrumente steht diese Türe selbstverständlich ebenfalls offen. Dafür verantwortlich zeichnet unter anderem die Royal Bank of Scotland (RBS, ex ABN Amro) mit zwei Trackerzertifikaten. Gerade das im März 2007 eingeführte und in Franken lautende Open-End-Produkt könnte sich aufdrängen. Oder das ebenso in Franken denominierte Voncert-­ Zertifikat aus dem Hause Vontobel. cs

«Schützende Klima-Vehikel» Fonds / ETF

Strukturierte Produkte

Dynamic Voncert Klimaschutz Climate Change & Environm.

Anbieter Rendite YtD 1)

LU0275317336 LU02800770172 LU0383601670 LU0298649426 LU0302445910

Swisscanto Sam Clariden Leu DWS Inv. Schroders

ISIN

CH002961429 CH0029879951

TER

-3,90% 3,98% -1,46% -5,30% -4,50%

2,00% 2,10% 2,16% 1,77% 1,50%

Anbieter Rendite YtD 1)

Verfall

Vontobel RBS 1)

Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

Wachsende Weltbevölkerung und Wohlstand Die Preise befinden sich bereits auf sehr hohen Niveaus und dürften weiterhin hoch bleiben, prognostiziert Michaela Kuhl, Analystin bei der Commerzbank. Grund dafür sei ­unter anderem, dass bei vielen Agrarrohstoffen die Lager stark geschrumpft sind. Darüber hinaus spielen langfristige Trends eine entscheidende Rolle. So wächst die Weltbevölkerung und mit ihr der Bedarf an Nahrungsmitteln. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass die Weltbevölkerung bis 2050 auf neun Milliarden Menschen anwachsen wird. Die Anbauflächen können jedoch nur zum Teil erweitert werden. Vielerorts schrumpfen sie durch die zunehmende Verstädterung sogar, und auch Wasser ist nur begrenzt verfügbar. Ein weiterer Preistreiber ist der zunehmende Wohlstand, der einen erhöhten Fleischkonsum nach sich zieht. Man könnte meinen, dass somit einfach weniger Getreide konsumiert wird – ein Fehlschluss, denn die Tiere­ müssen gezüchtet werden und benötigen Futter. Für jedes erzeugte Kilogramm Fleisch wird die siebenfache Menge an Getreide benötigt. Das führt dazu, dass bereits jetzt knapp die Hälfte der weltweiten Getreideernte an Schlachtvieh verfüttert wird. Von Bedeutung sei laut Kuhl ebenso die Verwertung von Agrargütern zur Herstellung von Biokraftstoff. Von den langfristigen Treibern würden vor allem Soja und Mais profitieren. Anleger haben die Wahl aus einer grossen Anzahl an Zertifikaten auf verschiedene­ Agrarrohstoffe. Eine andere Möglichkeit bieten Direktengagements bei Dünger-, Saatgut- und Pflanzenschutzmittel-Produzenten. bk

«Vielseitige Agrarinvestments» ISIN

Climate Invest B Climate Fund Eur Climate Leaders Fund Climate Change Climate Change Equity

Finanz- löst Schmuckwelt ab Bis vor wenigen Jahren war die Schmuckindustrie mit rund 60 bis 70 Prozent der globalen Nachfrage der wichtigste Abnehmer. Immer mehr aber wird die Finanzwelt ein wichtiger Nachfrager. Treiber sind physisch hinterlegte Gold-Indexfonds, die rund 40 Prozent der weltweiten Nachfrage ausmachen. Dies ist überrascht nicht, denn Gold ist nicht nur eine attraktive Wertanlage, sondern die Fluchtwährung schlechthin. Ebenso bietet das edle Metall eine Schutzfunktion bei einer zunehmenden Inflation. Im gleichen Fahrwasser bewegt sich der kleine Bruder des Goldes, das Silber. Kurstechnisch hat es dem Gold sogar den Rang abgelaufen und überstrahlt es mittlerweile. Der Unzenpreis ist in den letzten Monaten regelrecht explodiert, seit Jahresbeginn legte er um weitere 37 Prozent zu und markiert damit ein neues 30-­Jahreshoch.

– –

Open End Open End

Berichtsperiode variiert je nach Anbieter, Quelle: fundinfo.com, Anbieter

Fonds / ETF

JB EF Agriculture Pictet-Agriculture Robeco Agribusiness Equities RICI-Agriculture Index Fund Strukturierte Produkte

Global Farmers Total Return Index Agrar Rohstoff Aktien Index CMCI 3/3 Soft Commodities Basket

ISIN

LU0363637892 LU0366534344 LU0374106754 LU0259321452

Anbieter Rendite YtD 1)

SGAM Pictet Robeco Market Access

ISIN

13,00% 6,60% 6,50% 17,90%

Anbieter Rendite YtD 1)

CH0033471209 CH0034358033 CH0037913966

RBS Vontobel UBS 1)

4,30% 25,00% 28,60%

TER

2,50% 2,04% 1,63% 0,85% Verfall

Open End Open End Open End

Berichtsperiode variiert je nach Anbieter, Quelle: Anbieter /10x10.ch


Investierbares

Einstiges Schwert Damokles’

(un-)moralische renditen

Zu Hedge Funds pflegen Investoren ein ambivalentes Verhältnis. Zu viele­ verloren in der Vergangenheit nicht nur Vermögensteile, sondern auch Vertrauen. Doch die Industrie hat daraus gelernt und macht Fortschritte. Vermutlich haben die meinsten Anleger schon von Hedge Funds gehört, ­v iele halten sie denn auch im Depot. Für andere wiederum sind Hedge Funds Teufelszeug oder Heuschrecken – und gerne wird auch gleich noch der Begleitbegriff «Black Box» ins Feld geführt. In guten (Börsen-)Zeiten stürzen sich Anleger wie die Heuschrecken (Reziprozität!) auf diese Produkte, wird das Finanzmarktuniversum hingegen von einem eisigen Wind dominiert, zetern Investoren um die Wette und geben den Hedge-Fonds-Vehikeln gerne die Schuld an allem. Selbstverständlich darf man nicht alle Produkte über einen Kamm scheren, doch dieser oder jener Hedge-Fonds verspricht tatsächlich mehr, als dass er in Tat und Wahrheit halten kann. Doch ein wenig Selbstverantwortung tut jedem gut – und sich genau dann zu Wort melden, wenn man börsentechnisch bis zu den Hüften im Triebsand steckt, ist kaum erfolgsversprechend.

Vom menschlichen Bedürfnis nach einem reinen Gewissen kann man als Anleger durchaus profitieren. Höhere Gewinne hingegen lassen sich oft nur mit moralisch bedenklichen Investments erzielen. Der Jahreswechsel steht unmittelbar bevor, und wieder taucht die unangenehme Frage auf: «Welche Vorsätze hast du für 2011?» Manch einer will mit dem Abschluss des Jahres auch gleich seine Sünden hinter sich lassen. ­Unter den Top-10 der Vorsätze finden sich «Gesünder Leben», «Rauchen aufgeben», «Mehr Sportmachen», «Weniger Alkohol trinken» und «Sparsamer Leben». Gute Vorsätze, die oft schon nach wenigen Wochen wieder über den Haufen geworfen werden. Ihr schlechtes Gewissen können Anleger auch mit Ethik- und Nachhaltigkeitsfonds beruhigen. Und die Performance überzeugt: 2010 kletterte der Ave-Maria-Catholic-Values-Fund rund zehn Prozent. Der S&P-500 hingegen erzielte ein Plus von nur rund fünf Prozent. Der Fonds des Investment-Chefs George Schwartz folgt streng katholischen Grundsätzen. Die grössten Gewichte im Depot sind aus den Branchen Energie, Bergbau, Industrieproduktion, Finanzwesen und Gesundheit.

Erfreuliches Apropos, welche Erfolgsnachrichten gibt es denn von der Hedge-Funds-Front zu berichten? «Seit Beginn der Krise entwickelten sich Hedge Funds erfreulich. 2009 legten sie im Schnitt um 20 Prozent zu, in den darauf folgenden zehn Monaten ein wenig mehr als deren 7. Positiv ist aus­ serdem die allgemeine Entwicklung dieser Industrie. Einerseits hat sich die Investierbarkeit verbessert, anderseits bestehen nicht nur klarere und ­heterogenere Strategien, sondern auch bessere Liquiditäten wie auch tiefere Gebühren», frohlockt Kenneth J. Heinz, Präsident von Hedge Fund ­Research, einer in den USA angesiedelten Researchfirma. Heinz erwähnt die gegebene Transparenz als weiteren Fürsprecher. Den beiden Strategien «Event Driven» sowie «Equity Hedge», sie hätten sich – nebst «Relative­ Value Arbitrage» – schon 2010 von der besseren Seite gezeigt, attestiert­ der Experte ein starkes Jahr 2011. Doch das Umfeld der alternativen Anlage­möglichkeiten ist nicht nur flauschig, Herausforderungen aller Art gibt es natürlich auch da. Wie sieht das HFRI-Präsident Kenneth J. Heinz?

Aus den Schwächen Profit schlagen Was die katholische Kirche verbannt, hat sich der Vice-Fund auf die Fahne geschrieben. Der Fonds versucht, von den Schwächen des menschlichen Charakters zu profitieren. Getrunken, gegessen und geraucht wird ja bekanntlich immer. Der lasterhafte Fonds der Mutual Advisors investiert in Alkohol, Glücksspiel, Rüstungsindustrie und Tabak. Und mit diesen Werten hat der Fonds 2010 ein Plus von rund 16 Prozent erzielt. Das grösste Gewicht hat Philip Morris International. Tabakkonzerne wie British American Tobacco und Imperial Tobacco können nicht nur mit einer starken Performance, sondern auch mit hohen Dividendenrenditen überzeugen. Die Branche profitiert vom Wachstum der Schwellenländer. Einer Untersuchung der World Lung Foundation und der American Cancer Society zufolge produzieren die Unternehmen 2010 rund 5,3 Billionen Zigaretten, von denen 57 Prozent im asiatischen Markt abgesetzt werden. Auch für Alkoholkonzerne ist die Nachfrage der Emerging Markets ­bedeutend. Einen starken Zuwachs verzeichnen vor allem Südamerika, Asien und Afrika. Bereits seit dem Jahr 2002 ist China vor den USA, Brasilien­und Russland der weltgrösste Biermarkt mit jährlichen Wachstumsraten von fünf bis zehn Prozent. Die vier grössten Brauereien Anheuser-Busch, SABMiller, Heineken und Carlsberg kommen zusammen auf ­einen globalen Marktanteil von mehr als 50 Prozent.

Noch erfreulicheres «Eine Hürde stellt sicherlich die intensivierte Administration, wozu auch Deklarations- und Angabepflichten gehören. Ärgste­ Gefahren gehen allerdings mit der unsicheren makroökonomischen Zukunft einher, ebenso mit der Währungssituation. Auch globale Kreditrisiken sind nicht zu unterschätzen.» Laut Kenneth J. Heinz sind die Aussichten für die gesamte Branche jedoch alles andere als trüb: «Die Aussichten für 2011 sind absolut erfreulich!» Nicht zwingend erfreulich sind die eingangs angesprochenen Stereotypen. Welche der gängigen Klischees sind dem Amerikaner der grösste Dorn im Auge? «Das hartnäckigste Klischee ist sicherlich dasjenige der ‹Black Box›. Doch wie erwähnt, da ist die Industrie auf sehr gutem Wege. Eine Black Box gibt es nicht mehr, wird es auch nie mehr geben.» Er führt zudem aus: «Investoren mit Globalfokus entwickeln aus­ serdem ein immer stärkeres Bewusstsein für Zahlen und Fakten. Etwaigen Versprechungen wie vor fünf bis zehn Jahren kriechen diese nur noch ­selten auf den Leim.» cs

«Alternative Anlage-Instrumente» Fonds / ETF

ISIN

Man AHL Trend Eur Man Event Driven Strategies Reichmuth Himalaja x-trackers Hedge Fund 3A Multi Strategy Fund Strukturierte Produkte

ISIN

RMF Commodity Hedge

DE000DB0VKV4

Man Inv. Man Inv. Reichmuth Deutsche Bank Syz & Co.

TER

6,50% 2,10% 8,20% – 2,70%

– – – 0,90% –

Anbieter Rendite YtD 1)

Verfall

Man Inv. 1)

Soziale Normen beeinflussen Märkte Dass sich Investments in «Lasterhaftes» lohnen, hat auch eine Studie bewiesen. Marcin Kacperczyk von der NYU Stern Business School hat dies zusammen mit Harrison Hong von der Princeton University die Aktienperformance zwischen 1926 und 2006 untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Rendite von moralisch bedenklichen ­A ktien wie Alkohol, Tabak und Gaming jährlich um 2,5 Prozent höher war als jene von Nahrungs- und Getränkemittelherstellern. Kacperczyk zufolge ­beeinflussen soziale Normen die Märkte, die Investmententscheide, die Aktienpreise und auch die Performance. Laster-Titel profitieren letztlich auch davon, dass sie von vielen «Moralaposteln» gemieden werden. bk

«Lasterhaft und Sündenfrei» Anbieter Rendite YtD 1)

LU0424370004 KYG5807G1432 CH0017403467 LU0328476337 LU0173104455

41

0,90%

31.07.12

Berichtsperiode variiert je nach Anbieter, Quelle: Anbieter / hedgegate.com / ZHAW

Fonds / ETF

ISIN

Vice Fund Ave Maria Catholic Values Global Ecology Global Responsible Equities Aktien

SABMiller British American Tobacco Diageo

US62845J5039 US8085302086 LU0297469230 LU0395641813

Anbieter Rendite YtD 1)

Mutual Funds Ave Maria Mutual Funds Pioneer Credit Suisse

16,00% 9,60% -6,14% 8,60%

TER

2,00% 1,50% 1,98% 2,17%

ISIN Rendite YtD 1) Dividenden-rendite

GB0004835483 GB0002875804 GB0002374006

19,90% 17,80% 8,90% 1)

2,04% 4,70% 3,23%

Berichtsperiode variiert je nach Anbieter, Quelle: Anbieter

PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


42

das nullzins-umfeld

Der Hebel macht die Musik

Das weltweit tiefe Zinsniveau macht Anlegern zu schaffen. Oft decken die magere Verzinsung des Sparkontos und die geringen Renditen von Geldmarktanlagen nicht einmal die Kosten der Vermögensverwaltung. Die Zinsen sind am Boden. In absehbarer Zeit dürften die Zentralbanken an dieser Situation auch nicht allzu viel verändern – die Wachstumsraten bleiben also weiterhin dürftig. Eine Folge des «Zinszerfalls» sind sinkende­ ­­Erträge bei Staatsanleihen. Ein Ende der Renditentalfahrt ist nicht abzusehen. Das Dilemma: Fremdkosten wie die Vermögensverwaltungskosten können nicht unter Null fallen, die Renditen einiger Anlagen gehen angesichts weiter sinkender Bondrenditen aber immer mehr nach unten.

Hebelprodukte sind nach wie vor die beliebteste Produktart unter den strukturierten Produkten. Mit nur geringem Einsatz ermöglichen sie es, überproportional an den Marktbewegungen teilzuhaben. Hebelprodukte haben den Ruf als «Zockerpapiere», weil sie häufig im Daytrading Verwendung finden und bei nur geringem Einsatz – im besten Fall – hohe Gewinne ermöglichen. Für den Handel mit Warrants bedarf es einer genauen Kenntnis der Produkte. Neben ihrem spekulativen Charakter ­bergen die risikoreichen Anlagevehikel die Möglichkeit zur Absicherung von ­Positionen. Mit nur geringem Einsatz können Anleger so an positiven (Call) und negativen (Put) Bewegungen partizipieren. Aus dem geringen Kapital­ einsatz gegenüber dem direkten Kauf des Basiswertes resultiert eine Hebelwirkung. Mit Warrants erhält der Anleger das Recht, einen bestimmten Basiswert zu einem im Voraus festgesetzten Preis (Ausübungspreis) bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen oder verkaufen.­Amerikanische Warrants sind jederzeit ausübbar, europäische hingegen nur am Ende der Laufzeit. Calls und Puts werden stark von der Laufzeit und von der Volatilität des Underlyings beeinflusst. Als Volatilität werden die erwarteten Kursschwankungen verstanden. Je höher sie ist, desto höher ist auch der Preis des Warrants. Der Hebel ist in diesem Fall aber geringer.

Die Kraft der Dividenden In diesem schwierigen Umfeld sollten besonnene­ Anleger nicht an der Seitenlinie stehen bleiben, sondern nach Alternativen­ suchen. Dem kurz-/mittelfristigen Risiko von Aktien und aktienähnlichen Anlagen ist derzeit einfacher entgegenzutreten als dem mittelfristigen ­Risiko von Obligationen. Eine Möglichkeit ist beispielsweise, Aktienrisiken zu minimieren, indem vermehrt in dividendenstarke Titel investiert wird. Dividendenrenditen schlagen derzeit auf vielen Märkten die Obligationenrenditen. Dividenden verleihen einem Wertschriftenportfolio Halt und Stabilität und liefern erst noch die gewünschten Erträge. Für 2010 wird erwartet, dass Firmen im amerikanischen Börsenbarometer S&P-500 über 200 Milliarden Dollar Dividenden auszahlen. Das entspricht einem Zuwachs von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Künftige Dividendenkürzungen sind eher unwahrscheinlich, denn die Cashflow-Situation der etablierten Unternehmen ist komfortabel. Unternehmen, die einen Grossteil des Gewinns ausschütten, sind gezwungen, die verbleibenden Mittel effizient zu investieren. Das globale Wachstum, das stark von den Schwellenländern getrieben wird, könnte die Unternehmenserträge steigern – und somit auch die Dividendenausschüttungen erhöhen. Smarte Anlageverpackungen machen den Unterschied Viele Wege führen nach Rom beziehungsweise zu Dividenden. Sinnvoll sind breit diversifizierte­ Anlageformen, wie beispielsweise Dividenden-Indexfonds, die dem End­ anleger Dividenden­erträge auszahlen. Dividendenindizes haben sich zudem im Jahr 2010 deutlich besser entwickelt als die klassischen Börsenbarometer. Während der Euro-Stoxx-Select-Dividend-Index per Ende November im Jahresverlauf ein knappes Plus verzeichnet, hat der Basisindex Euro-­ Stoxx-50 über sieben Prozent an Wert eingebüsst. Alternativen sind ebenso­ im Segment der strukturierten Produkte zu finden. So hat Vontobel kürzlich zwei Dividendenstrategien in ein Tracker-Zertifikat verpackt. Die eine Strategie orientiert sich an internationalen Aktien, die zweite bildet Schweizerische Dividendentitel ab. Im Schweizer Dividendenkorb sind insgesamt zehn ­A ktien enthalten. Investoren profitieren mit diesen Zertifikaten von der Aktien­kursentwicklung der abgebildeten Titel und erhalten jährlich die Summe der aufgelaufenen Dividenden. Betrachtet man die erwarteten Dividendenrenditen dieser Aktien, sind das stolze 4,5 Prozent. Allfällige Käufer müssen sich jedoch bewusst sein, dass sie mit diesem Engagement Aktienkursrisiken eingehen. rb

«Dividendenstrategien» Fonds / ETF

Strukturierte Produkte

Dividendentitel Schweiz Int. Dividenden Aktien Dividendenperlen Basket

Weniger Einflussfaktoren Während Warrants von vielen Faktoren beeinflusst werden, sind Mini Futures transparenter und unabhängig von Volatilität und Zeitwert. Mit diesen Produkten kann mit Hebel und ohne Laufzeitbeschränkung von der Wertentwicklung des Underlyings profitiert werden. Der Hebel verändert sich bei jeder Bewegung des Basiswertes. Bei Mini­Futures kauft der Anleger eine Partizipation am Basiswert, wobei nur ein geringer Teil von ihm finanziert wird. Der restliche Teil, der Finanzierungslevel, wird vom Emittenten bezahlt. Für das zur Verfügung gestellte Fremdkapital verrechnet die Bank einen Zins. Die Produkte haben kein Verfalldatum, sind aber mit einer Sicherheitsbarriere ausgestattet, der Stop-Loss-Marke. Bei Erreichen dieser Marke verfällt das Produkt wertlos. Die Barriere stellt somit sicher, dass der maximale Verlust auf den ­bezahlten Preis des Mini Futures beschränkt ist. Hebelprodukte werden nicht nur auf Aktien angeboten, sondern auch auf verschiedene Indizes, Rohstoffe und Währungen. Anlegern bietet sich somit ein breites Feld, um je nach Risiko­neigung gehebelt auf verschiedene Märkte zu setzen. bk

«Beliebte Warrants» ISIN

DJ Asia Pacific Dividend FTSE UK Dividend Plus EPRA/NAREIT US Div+ Stoxx Global Sel. Div. 100 ... Stoxx Sel. Div. 30

Hebel – Chance und Gefahr zugleich Wichtig sind die eigene Marktmeinung­ sowie der Hebel. Je höher der Hebel, desto spekulativer ist das Instrument. Je nach Risikoneigung können Anleger das passende Produkt auswählen. Mit einem Hebel von fünf beispielsweise steigt der Warrant um fünf Prozent, wenn der Basiswert ein Prozent zulegt. Ein Leverage von drei bis sieben gilt als moderat, Produkte mit einem Hebel von bis zu zehn sind für risikofreudige Anleger geeignet. Beim Hebel ist besondere Vorsicht geboten, denn dieser wirkt auch in die entgegengesetzte Richtung. Das bedeutet, dass die Verluste mit Warrants grösser ausfallen, wenn sich die Aktie nicht in die ­erwartete Richtung bewegt. Im schlimmsten Fall verfällt der Warrant wertlos und der Anleger verliert sein eingesetztes Kapital.

IE00B14X4T88 IE00B0M63060 IE00B1FZSF77 LU0292096186 FR0010378604

Anbieter Rendite YtD 1)

iShares iShares iShares Deutsche Bank Lyxor

ISIN

11,45% 8,62% 21,74% 12,77% 0,48%

TER

0,59% 0,40% 0,40% 0,50% 0,30%

Anbieter Rendite YtD 1) ter

CH0113287392 CH0113287368 CH0109540499

Vontobel Vontobel ZKB 1)

– – –

0,30% 0,40% –

Berichtsperiode variiert je nach Anbieter, Quelle: 10x10.ch / fmAG

Basiswert

Swiss Re ZFS Nestle Credit Suisse ZFS Swiss Re ZFS ZFS Credit Suisse UBS Sulzer Syngenta Credit Suisse

ISIN

Emittent

DE000DE2WEH7 CH0109778370 GB00B3MZP312 DE000DE25S02 DE000CM2DP77 DE000DE2WEJ3 DE000CM2DP44 DE000CM2DP51 DE000DE3LR38 CH0039802282 CH0114386870 DE000CM2DK15 DE000CM2DL71

Deutsche Bank BKB Goldman Sachs Deutsche Bank Commerzbank Deutsche Bank Commerzbank Commerzbank Deutsche Bank Vontobel Bank Julius Bär Commerzbank Commerzbank

Produkt Währung Strike Hebel

Call Call Call Call Put Call Call Call Call Call Call Call Put

CHF CHF CHF CHF CHF CHF CHF CHF CHF CHF CHF CHF CHF

46 230 50 50 230 50 240 250 43 16 110 260 40

6,51 8,90 7,28 10,33 5,39 6,18 10,29 11,92 7,69 5,55 4,64 5,79 4,03

Stand: 30.11.10, Quelle: Anbieter / fmAG

Lust&VerdrussN°29Punktmagazin


Investierbares

Gefahrenherde bei ­sicheren Anlagen WorteBarbaraKalhammer

Das Risiko einer erneuten Konjunkturabschwächung, mögliche Banken- und vor allem Staatspleiten beherrschen weiterhin die Märkte. Das Sicherheitsbedürfnis der Anleger ist höher denn je. Doch auch sichere Investments bergen bei genauerem Hinsehen Gefahren.

D

ie vergangenen Wochen waren gespickt mit Hiobsbotschaften aus der Finanzwelt. Staats- und Banken­ pleiten, Währungsturbulenzen und Konjunktursorgen bedrohen die Märkte latent. Und diese reagieren stark auf die negativen Signale. Als Folge wächst die Verunsicherung unter den Anlegern. Viele sind bereits in konservative und sichere Investments geflüchtet. Doch schliesslich ist nichts im Leben völlig ohne Risiko. So haben viele Staaten mit enormen Defiziten und wachsenden Schuldenbergen zu kämpfen, in der Folge­ geraten die Kurse von Staatsobligationen der «PIIGS» (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) stark ins Schwanken. Anleger sind jedoch häufig nicht direkt in Staatsanleihen investiert, sondern – mittels Fonds und Exchange Traded Funds (ETF) – in EuroBonds. Die «PIIGS» sind in diesen Produkten oftmals vertreten, weil sie höhere Renditen liefern, als beispielsweise sichere Staaten wie Deutschland oder Frankreich. Nur mit einem hohen Risiko ist eine attraktive Rendite zu erzielen. Auch bei ETF machte sich die Schulden­k rise der europäischen Staaten bemerkbar. Vor allem die Geld-Brief-Spannen der zugrundeliegenden Titel der «PIIGS»Länder haben sich vergrössert, und so bei ETF, die bekanntermassen einen Index abbilden, zu höheren Spreads geführt. Rebalancing und Tschüss Einmal konstruiert, kann dieser nicht so schnell wieder verändert werden. Das bedeutet, dass die Zusammensetzung durch Indexanbieter, wie beispielsweise iBoxx, S&P, MSCI und Stoxx, erfolgt. Es sind denn auch die Indexanbieter, die eine bestimmte Position im Bedarfsfall wieder entfernen. Nach dem Regelwerk von iBoxx wird ein Land dann aus dem Index genommen, wenn das Durchschnittsrating von Moody`s, Fitch und S&P unter «Investment Grade» fällt. In einem solchen Fall würde der Staat mit dem nächsten Rebalancing aus dem Index ausgeschlossen. Einige Emittenten haben aber auch das Recht, selber Werte auszuschliessen. Bei der Credit Suisse etwa steht in den Anlagestatuten, dass die Länder mindes-

tens «Investment-Grade-Bonitätsnoten» aufweisen müssen. Letztlich sind es die Anleger selber, die Index- beziehungsweise ETF-Zusammensetzungen kennen müssen. Danach müssen sie entscheiden, ob sie das Risiko der «PIIGS-Staaten» tragen können, oder ob sie sichere Euro-Länder bevorzugen. Bei denen ist das effektive Ausfallsrisiko geringer und die Kursschwankungen sind kleiner. Replikationsmethode entscheidet Doch auch ETF, die im Gegensatz zu strukturierten Produkten nicht als Schuldverschreibungen, sondern als Sondervermögen gelten, sind nicht völlig risikolos – entscheidend ist die Methode der Indexnachbildung. Zur Verfügung steht zum einen die vollständige Indexnachbildung, bei welcher der Index mit allen zugrunde liegenden Titeln repliziert wird. Die im Index enthaltenen Wertpapiere werden real gekauft. Hier drohen jedoch leichte Abweichungen vom Basiswert (Tracking ­Error) sowie etwas höhere Kosten, zudem lassen sich nicht alle Indizes nachbilden. Wie die vollständige Nachbildung gilt auch die sogenannte Sampling-Methode als physische Abbildung. Unterschieden wird zwischen dem Representative-Sample- und dem Optimierungs-Ansatz. Dabei wird der Basiswert mit Hilfe einer Stichprobe aus der Grundgesamtheit simuliert. Das bedeutet, dass der Portfolio-Manager nicht alle Titel kauft, sondern nur eine Teilmenge der Indexkomponenten. Illiquide und leicht gewichtete Werte werden vernachlässigt. Bei dieser Replikations­ methode fällt der Tracking-Error höher aus als bei den anderen. Ausfallrisiko bei swapbasierten ETF Bei der dritten Methode, der synthetischen Nachbildung, erfolgt die Replikation durch den Einsatz von Derivaten. Die Fondsgesellschaft geht ein Swapgeschäft mit einer Gegenpartei ein. Bei diesen Tauschgeschäften garantiert eine Bank dem ETF-Anbieter die Performance des nachzubildenden Index. Der ETF investiert in beliebige Wertpapiere (Aktien oder auch Obligationen). Die Performance dieser Papiere wird durch eine Swapvereinbarung gegen die Indexperformance getauscht. Dadurch kann sich der Inhalt des ETF stark vom Inhalt des zugrundeliegenden Index unterscheiden. Für den Investor bietet diese Methode einen sehr geringen Tracking Error, da der Swappartner sich vertraglich verpflichtet, die Performance des ETF-Basiswertes auf täglicher Basis bereitzustellen. Als Gegenpartei dient oftmals die zugehörige ­Investmentbank. Immer mehr Anbieter

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nutzen diese Replikationsmethode, da damit auch exotische Märkte und Short-Strategien abgebildet werden können. Diese Replikationsmethode ist für Anleger jedoch nicht völlig risikolos. Zwar gelten ETF wie schon erwähnt als Sondervermögen, doch dürfen nach den europäischen Investmentrichtlinien (Ucits-III) auch Derivate in Fondsportfolios enthalten sein. Der Anteil dieser Finanzinstrumente ist auf maximal zehn Prozent beschränkt. Im Durchschnitt liegt er bei den meisten Anbietern aber deutlich darunter. Das maximale Gegenpartei­ risiko beträgt daher ebenso höchstens zehn Prozent, und das ist zentral. Viele Anbieter haben dem hohen Sicherheitsbedürfnis der Anleger Rechnung getragen und verschiedene Methoden entwickelt, um das Risiko zu minimieren. Viele übersichern den Swap oder wählen nicht nur einen, sondern mehrere Vertragspartner. iShares zum Beispiel wählt für die synthetischen ETF drei Vertragspartner: Royal Bank of Scotland, Credit Suisse und UBS. Zusätzlich werden die Swap­ risiken besichert. Credit Suisse hingegen versucht, das Gegenparteirisiko zu minimieren, indem die Swaptransaktion nach Börsenschluss geschlossen wird. Somit ist das ­R isiko auf den Intraday-Handel beschränkt. Ausserdem führt die Bank auf ihrer Internetseite nicht nur die Positionen des Referenzindex auf, sondern auch die Aktien und Obligationen, die der entsprechende ETF tatsächlich hält. Besonders risikoaverse Anleger müssen sich also über die möglichen Gefahren im Klaren sein und versuchen, diese soweit als möglich zu reduzieren.

Dem Konjunkturgeschehen widmen sich auch zahlreiche Videobeiträge auf www.punktmagazin.ch

PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


Investierbares Michael Heise & Thomas Hess

Ein Thema, zwei Standpunkte

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NachGefragtCyrilSchicker

Pro f. Unt Dr. Mic er n e ha die V hm e e l H e i s nse e is t or s t nt ä C che n u n n d e d e w i c kl u n h e f v o l ks rA d g te u n d p s t r a te g l l i a n z d e r A l l w i r t u n Gr u ian z r om d is ch L eh ppe G r u L e i te ov i en ra s t r i u f t r ä g e r te a n F r a g e n i n g e s a p p e . E r d e r ch e rb m . d v e r s - W i n ke a n d e r e r U n i v M i c h a e t w i r t s c e r ät l He er si l un h af t i t ät Eur tä is op l id w w w Fr a n k f ur d e r J o e a n B t z u K ö l e s t u die .a l l i usin han n un anz. t. Er res c om d i s t H n -Wo l f g a s S c h o h a t te ono r ar p n g - G ol O o e r ofe s s o eth e - U r de n r s el i b en .

T ho m s ei t as He s s, 1 sch 9 94 ver Chefök un g an o un d s p u b l t w o r t l n o m d e ich ik at r L ei t S t u d er de i o n d f ür d i S w is s R er S e si r Ec ien g m e in Z ch d o re a n d e e r M a t h n o m i c R w e i z e r a - Re i h ü r i c h , is t r Un e e e l ich Rüc er i M m at ik s e ar k v , die jun k Mi t a r b a in z w u n d d c h & C e r s i c h F o r on er er ei tu a d i e r f o r s c t e r i m r H e s s Vo l k s s u l t i n g u n g , w ir t Ver a hun Pro . Na z un g g sc äc ch nt s n un d w ur wor tun stelle (K oseteam hst w is haf t sle hs g fü w w w de M O e S F n ch )/E sc r it .sw i ssre glied d «Konju TH. 19 weiz de haf t. c om er K n 8 O F - k t ur p r 9 üb er r K o n o gn n GL . o s e ahm e r S ch w eiz »

PUNKTmagazin Geben sie sich doch einer Retrospektive hin und sagen uns, wo vergangenes Jahr Lustvolles bot und welche Gegebenheiten mehr mit Verdruss zu tun hatten?

Prof. Dr. Michael Heise (MH) Anlass zur Freude gab, dass sich die Konjunktur 2010 entsprechend unseren Erwartungen kräftig nach oben entwickelt hat. Unsere Prognose war, dass Länder mit relativ geringer Verschuldung, wie Deutschland und die Schweiz, rascher aus der Krise kämen als Länder mit hoher Verschuldung. Für Deutschland haben wir um diese Zeit vor einem Jahr für 2010 eine Wachstumsprognose von 2,7 Prozent gewagt, während der IWF (Internationaler Währungsfonds) nur 0,3 Prozent ansagte. Für mich war es wenig verständlich, dass internationale Institutionen der deutschen Wirtschaft so wenig zutrauten. Noch kritischer sehe ich, wie schnell und ohne Begründung einige Skeptiker der deutschen Wirtschaft ins Lager der Optimisten umgeschwenkt sind und nun einen langen Aufschwung voraussagen. Thomas Hess (TH) Es ist erfreulich, dass man aktiv darüber diskutiert, wie man Bildung und Infrastruktur verbessern kann, selbst in den USA. Das sind konstruktive Ansätze, die uns helfen, die Zukunft positiv zu gestalten. Super ist auch, dass der Ingenieurberuf dadurch wieder zu einer neuen Blüte gelangt. Banken haben sich dagegen nicht mit Ruhm bekleckert. Zu bemerken ist ausserdem, dass man von verschiedenen Exzessen wusste, auch im Kreis der Regulatoren. Etwa bei der Kredit­expansion hat man weitgehend tatenlos zugesehen. Die Diskussion ist daher zuweilen etwas scheinheilig. Aber: Ohne Banken geht es auch nicht, denn sie spielen eine wichtige Rolle, wenn es um die Transformation von Sparguthaben in Investitionen geht. Eine gute Finanzierungs- oder Vermögensberatung ist ihr Geld wert. Den Königsweg wird es in der Bankenregulierung nicht geben. Man sollte pragmatisch versuchen, Verbesserungen durchzusetzen. Die Vorschläge für höhere Kapitalvorschriften als Vorkehrungen für geordnete Abwicklung von Bankgeschäften, dass man Clearinghäuser schafft, die das Kreditrisiko beschränken und mehr ­Derivate an die Börse bringt, gehen in die richtige Richtung. Kristallkugel-Einsichten mögen wir nicht, dafür aber Prognosen, die auf Fundamentaldaten fussen. Welchen ländertechnischen Opportunitäten schauen wir 2011 in die Augen? MH Alles in allem sieht es so aus, als ob wir in 2011 in eine Periode­ gemäs­sigten globalen Wirtschaftswachstums einträten. Sowohl bei ­Industrie- als auch bei Schwellenländern werden sich Wachstums­ raten gegenüber 2010 reduzieren, wobei sich Industriestaaten auf deutlich niedrigerem Niveau bewegen. Fortan wird die Weltwirtschaft ohne­ das «Dopingmittel» steigender Staatsausgaben auskommen müssen. Im Gegenteil, in vielen Ländern wird die notwendige öffentliche Haushaltskonsolidierung die Nachfrage bremsen. Das gilt vor allem für stark verschuldete Volkswirtschaften wie die USA, UK und periphere EuroStaaten,­ wo Konsolidierungsprogramme im öffentlichen Sektor und Sparanstrengungen im privaten Sektor besonders intensiv sind oder sein werden. Erfreulicherweise wird das Wachstum im Euro-Raum inzwischen von einem robusten Wachstum der deutschen Wirtschaft gestützt. Die positiven Wechselwirkungen von steigender Beschäftigung, wachsenden Einkommen und höherer Nachfrage sprechen für eine anhaltende Expansion in Deutschland, die eine Eigendynamik entwickelt hat.

Lust&VerdrussN°29Punktmagazin


TH Entwicklungsländer stehen heute sehr gut da. Asien und Lateinamerika boomen. China und jetzt Indien sind Erfolgsgeschichten, Brasilien inzwischen ebenfalls. Der Erfolg ist das Resultat einer guten Politik. Rohstoffländer haben gute Aussichten, weil viele rohstoffhungrige Entwicklungsländer expandieren. Noch sind wir in den meisten dieser Länder nicht in einer Überhitzungsphase. Wir müssen aber wachsam sein. Rückschläge an den Aktienmärkten sollten – sofern es dazu kommt – nicht mit Krisen der Realwirtschaft verwechselt werden. Auch in Europa­ gibt es erfreuliche Entwicklungen. Für einmal zahlt sich Solidität aus. Die Schweiz mit ihren guten Sozialsystemen steht im internationalen Vergleich super da, ebenso wie verschiedene andere kleine europäische Staaten. Deutschland präsentiert sich ebenfalls überraschend gut. Auch die USA sollte man nicht unterschätzen. Amerikaner haben zwar Probleme mit Hypotheken der Vergangenheit, im wahrsten Sinne des Wortes. Das Land hat sich aber immer als ausserordentlich flexibel erwiesen. Sich Chancen hinzugeben, ist attraktiv. Die Attraktivität soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass 2011 auch mit Gefahren gespickt ist. Welche Nationen sind mit Vorsicht zu geniessen? MH Die Gefahren liegen zum einen in einer erneuten Eskalation der Schuldenkrise einzelner Euro-Staaten, zum anderen in möglichen Konflikten der globalen Währungspolitik. Was die Schuldenkrise angeht, werden wir durch eine konsequente Politik in den betroffenen Staaten gepaart mit dem Unterstützungsmechanismus der EU und des IWF Schlimmstes verhindern. In Bezug auf den Dollar wird sich zeigen, wie weit man zur Kooperation bereit ist. Um Spannungen zu entladen, wären dreierlei Dinge notwendig: eine weitere Aufwertung des chinesischen Renminbi, um den Druck auf andere Währungen zu reduzieren, einige­ Korrekturen an der extrem laxen Geldpolitik der USA, und Massnahmen europäischer Regierungen zur Förderung der Binnennachfrage, insbesondere der Investitionen. Dies trüge zu einem ausgeglichneren und vermutlich höheren weltwirtschaftlichen Wachstumsergebnis bei. Es wäre­ im Interesse aller, und somit stehen die Chancen nicht schlecht, dass eine solche Strategie auch eingeschlagen wird, statt allseits nachteilige Währungs- und Handelskriege zu führen. Ein starker Dollar-­ Abwärtstrend würde das Wachstum nicht nur in Europa verlangsamen, auch in Japan sowie in Schwellenländern mit stark aufwertenden Währungen in Asien und Lateinamerika. TH Hierzu habe ich eine knappe Antwort. Sicherlich sind Länder wie Griechenland, Irland, Spanien und Portugal auf einem schwierigen «Austeritätskurs». In Italien und Frankreich ist die Lage besser, jedoch ist noch einiges an Strukturanpassungen in den Sozialsystemen zu leisten. Wenn die Krise genutzt wird, um die notwendigen Änderungen herbeizuführen, wird sich das auf Dauer in vielerlei Hinsicht auszahlen. Viele der Anpassungen, wie etwa die Heraufsetzung des Pensionsalters, waren ohnehin überfällig. Dass man darüber diskutiert, was der Staat machen soll und was nicht, ist überaus nützlich. Wer vorwiegend auf Steuererhöhungen setzt, wird dagegen verlieren. Begeben wir uns doch auf die Ebene gedeihlicher Industrien. Welche versprechen eine eher rosige Zukunft und weshalb? MH Automobile waren 2010 erfolgreich, 2011 dürften Maschinenbau und Elektronik ganz vorn mit dabei sein, aber zunehmend auch Handel, Konsum und Dienstleistungen. Erneuerbare Energien haben zwar in letzter Zeit einen Dämpfer erlitten, längerfristig bin ich aber für diesen Bereich (Solar, Wind, Biogas) zuversichtlich. Auch die Nachfrage nach Rohstoffen steigt im Zuge wirtschaftlicher Erholung wieder, was auch vorgelagerte Branchen mitzieht. In dieser Anlageklasse kann es immer wieder temporäre Rückschläge geben, aber langfristig ist der Trend bei Metallen und anderen Rohstoffen nach oben gerichtet. Bei regionaler Betrachtung bietet der deutsche Aktienmarkt auch weiterhin Chancen. Deutsche Aktien sind auf Basis der Gewinne in den vergangenen zwölf

Monaten günstig bewertet. Bei fortgesetzter konjunktureller ­Erholung besteht daher Potenzial für eine grundsätzlich positive Entwicklung. Eine­ gradlinige Aufwärtsentwicklung ist aber nicht wahrscheinlich, temporäre Rückschläge und viel Nervosität bleiben an der Tagesordnung. TH Ich sehe die meisten Industrien positiv. Die Zahl kaufkräftiger Kunden wächst mit dem Boom in Asien rasant. Die Luxusgüterindustrie hat Riesenchancen. Tourismus und Gastgewerbe werden sich einer weiter zunehmenden Beliebtheit erfreuen. Alles was mit Gesundheitsvorsorge zu tun hat, wird kräftig weiterwachsen. Die Durchdringung unserer Welt mit Produkten der Informationstechnologie nimmt zu. «Öko» bleibt auf dem Vormarsch. Noch eine Bemerkung pro domo zu Altersvorsorge­ lösungen und Einkommensabsicherung: Mit wachsendem Wohlstand, zunehmenden Haftpflichtrisiken, zunehmenden Naturgefahren, steigenden Lebenserwartungen und dem teilweisen Rückzug des überforderten Staates aus der Altersvorsorge entstehen riesige Märkte. Der Versicherungsmarkt konzentriert sich heute noch weitgehend auf grosse Indus­trieländer. In den Entwicklungsländern stecken diese Märkte noch in den Kinderschuhen. Hier besteht riesiges Potenzial. Nicht jeder Branchenzweig wächst auf mittel- bis langfristige Sicht stark genug, um nicht irgendwann abzubrechen. Welche Äste sind gefährlich dünn, sprich, auf welchen Ästen lastet das Gewicht verdriesslicher Auguren? MH Auch wenn die Perspektiven für die meisten Branchen recht günstig sind, gibt es natürlich Branchen mit höheren Risiken. Sicherlich sind Banken und «Zykliker» immer mit höheren Risiken versehen als etwa Versorger und Pharma. Bei Banken gewinnen die Vorschatten der erhöhten Kapitalanforderungen nach Basel III an Bedeutung. Natürlich muss man auch sehen, dass zyklische Branchen zwar höhere Risiken aufweisen, bei gutem Konjunkturverlauf aber auch höhere Chancen bieten. Gedanken sollte man sich allgemein über Asset-Klassen machen. Anleger in längerfristige Staatsanleihen und möglicherweise auch Gold könnten Performance-Enttäuschungen erleben. Risikoarme festverzinsliche­ ­Anlagen sind relativ unattraktiv geworden. Anlagen mit «Safe-HavenCharakter», wie etwa deutsche Staatsanleihen, erreichten 2010 ein historisches Renditetief nach dem anderen, und auch US-Staatsanleihen sind gemessen an der hohen Staatsverschuldung unverhältnismässig renditeschwach. Daran dürfte sich auch in der nächsten Zeit nichts ändern. TH Der Bausektor ist gespalten. Da, wo wir eine Überproduktion­ hatten – in den USA, Spanien, Irland – wird die Durststrecke weiter­ ­andauern. Es gibt aber Länder, an denen der Immobilienboom das letzte Mal vorbeigegangen ist – Deutschland etwa. Hier sind die Aussichten mit den tiefen Zinsen gut. Auch in der Schweiz gab es keine überbordende­Entwicklung. Hier könnte dann mittelfristig eine Korrektur anstehen. China und Indien sind schwer zu bewerten. Hier gibt es jedoch im ­Immobiliensektor sicher Korrekturbedarf. Konsolidierung im Bankensektor. Weniger Banken. Das gibt Chancen für die überlebenden Institute. Die verbleibenden werden aber vermutlich trotzdem weniger verdienen als vor der Krise. Andere Finanzintermediäre werden zulegen. Private-Equity-Firmen und Hedge Funds werden in die Lücken springen, welche die Banken hinterlassen. Wenn man Industrien abschreibt, macht man es sich zu einfach. Wir haben zu oft Überraschungen erlebt – Industrien, die durch Innovationen eine Wiedergeburt erlebt haben. Das gilt selbst für die althergebrachte Industrie. Mit der Automation ergeben sich oft vollkommen neue Möglichkeiten – selbst oder gerade für teuere Arbeitstandorte. Sie verfügen in der Regel über sehr qualifizierte Arbeitnehmer und sind oft ein guter Standort für Kapital.

«Drei Dinge treiben den Menschen zum Wahnsinn. Die Liebe, die Eifersucht und das Studium der Börsenkurse.» John Maynard Keynes

PunktmagazinN°29Lust&Verdruss

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InvestierbaresSwiss & Global Asset Management

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Die Chinesen lieben Luxus WorteScillaHuang Sun&AndreaGerst

Dr. Scilla Huang Sun ist Leiterin für Aktien und Portfoliomanagerin des JB Luxury Brands Fund bei Swiss & Global AM. Sie schloss ihr Ökonomiestudium an der Universität Zürich mit summa cum laude ab und doktorierte am Bankeninstitut der Universität Zürich.

Andrea Gerst ist Co-Portfoliomanagerin des JB Luxury Brands Fund bei Swiss & Global AM. Sie hält ein Universitätsdiplom in ­Betriebswirtschaftslehre der Universität Mannheim und ist CFA Charterholder.

Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

Noch vor zehn Jahren spielte China­ in­­der Welt der Luxusgüter nur eine­ ­marginale Rolle. Heute ist Chinas ­steigender Wohlstand der wichtigste­ Wachstumstreiber im Luxusgütermarkt. Die Chinesen machen bereits rund 15 Prozent der globalen Umsätze­ aus. Das weiterhin ­rasante Wachstum­ sorgt dafür, dass sie bald der weltgrösste Ab­nehmer von Luxus­gütern sein werden.

den vierten Platz. Im Vergleich zu anderen Teilen der Welt sind die Millionäre in China jedoch sehr viel jünger. Das Durchschnitts­ alter liegt bei gerade mal 39 Jahren und damit 15 Jahre unter dem weltweiten Durchschnitt, wie der Hurun-Bericht, der seit zehn Jahren das Konsumverhalten wohlhabender Chine­ sen analysiert, feststellt. Der jüngste chinesi­ sche Kunde von Rolls-Royce beispielsweise ist erst 28 Jahre alt, und somit deutlich jünger als «normale» Rolls-Royce-Kunden. Was der Lu­ xusindustrie in die Hände spielt, ist die Tat­ sache, dass den chinesischen Millionären das Geld locker in der Tasche sitzt: Dem HurunBericht zufolge besitzt jeder von ihnen im Durchschnitt 3 Autos und 4,4 Luxusuhren.

Ein Monatsgehalt für eine Handtasche Der Stellenwert von Luxusprodukten ist in China riesig: Junge Chinesen zögern nicht, ein gan­ zes Monatsgehalt für eine Handtasche oder Kosmetika auszugeben. Ganz anders als ihre Eltern, die einen Grossteil ihres Lohns spa­ n den vergangenen zehn Jahren ist die ren – vor allem für Gesundheit, Bildung und chinesische Wirtschaft im Durchschnitt Rente. Dass die jüngere Generation ihr Geld um jeweils zehn Prozent gewachsen und sorgloser ausgibt, lässt sich erklären durch somit drei Mal stärker als das weltweite rea­ verlässlichere Sozialsysteme und bessere Aus­ le BIP. Der zunehmende Wohlstand führt zu bildung sowie Karriereaussichten. Zusätzlich einem Anstieg der privaten Vermögen und unterstützt wird der Wandel durch die Einzur Entstehung einer Mittelschicht. Stark da­ Kind-Politik. Die «Little Emperors» erhal­ von profitieren können Luxusgüterhersteller,­ ten meist die ungeteilte Aufmerksamkeit ih­ ­deren Absatz in der Volksrepublik in den rer Eltern und Grosseltern – gerade auch in letzten drei Jahren um 30 Prozent gestiegen monetärer Hinsicht. Sie blicken darum opti­ ist – per annum. Dank einer ungebrochen mistisch in ihre finanzielle Zukunft, was eine starken Nachfrage wird das Wachstum auch gute Voraussetzung für den Kauf von Luxus­ künftig zweistellig bleiben und rund 50 Pro­ gütern ist, der ja immer auch einen emotio­ zent des gesamten Branchenwachstums aus­ nalen Aspekt beinhaltet. machen. Die Chinesen sind im Luxusgüter­ Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen­ markt somit­der mit Abstand stärkste Treiber. kau­fen Luxusgüter aus unterschiedlichen Grün­den. Für Italiener sind primär Schön­ Urban und reich Nach Angaben von McKin­ heit und Form entscheidend, für Japaner das sey zog es zwischen 1990 und 2005 rund 100 Streben nach Perfektion, Chinesen lieben oft Millionen Chinesen in die Städte. Die Bera­ ­Statussymbole. Sie belohnen sich für ihren tungsfirma rechnet damit, dass im Jahr 2030 ­Erfolg und wollen ihn nach aussen hin zeigen. gar eine Milliarde Menschen in Chinas Städ­ Sie bevorzugen daher bekannte Marken mit ten leben werden. Momentan machen die markanten Logos. Ebenso wichtig ist die chi­ Wohlhabenden (Haushalte mit einem Jahres­ nesische Kultur des Schenkens. Zuwendungen einkommen über 250 000 Renminbi) weniger an Verwandte, Freunde und Geschäftspartner als ein Prozent der Haushalte in den chinesi­ sind Ausdruck für die Grösse der Wertschät­ schen Metropolen aus. Etwa die Hälfte von zung für den Beschenkten. Daher werden vorihnen war vor vier Jahren noch nicht reich. nehmlich beste Qualität und bekannteste Von 2008 bis 2015 soll die Zahl der wohl­ Marken verschenkt, beispielsweise Uhren von habenden Haushalte von 1,6 auf 4 Millio­ Rolex oder Seidenschals von Hermès. nen steigen. Somit werden sich künftig noch mehr Chinesen Luxusgüter leisten können – Luxus nicht nur für Ladies Die grössten eine erfreuliche Entwicklung für die Branche­. Gewinner des chinesischen Luxusbooms Auch von der chinesischen Regierung wird sind die grossen Marken mit ihren bekann­ das Konsumwachstum unterstützt, mit dem ten Produkten: Handtaschen von Gucci und stärkeren Binnenkonsum will Peking die Louis Vuitton, Uhren von Omega, Patek Phi­ ­Exportabhängigkeit verringern. lippe und Rolex sowie Autos von Bentley und Die Anzahl der Millionäre nimmt in China­ Mercedes. Hersteller, die den chinesischen rasch zu. Laut dem World Wealth ­Report Markt frühzeitig betreten haben, besitzen 2010 von Merrill Lynch und Capgemini gibt einen klaren Wettbewerbsvorteil bezüglich es aktuell 477 000 chinesische Millionäre, Markenbekanntheit und auch was die besten 31 Prozent mehr als 2008. China hat in den Standorte für Ladengeschäfte betrifft. letzten drei Jahren Frankreich und Gross­ Die logische Folge der wachsenden chine­ britannien überholt und belegt in der Rang­ sischen Luxusgüternachfrage ist, dass umge­ liste hinter den USA, Japan und Deutschland kehrt auch die Bedeutung von China für die

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luxusmarktanteile nach nationalität

­ uxusartikelverkäufern nur recht sein kann, L denn eine solche Busreisegruppe gibt bei eiWesteuropäer 23 nem Juwelier in der Zürcher Bahnhofstrasse Chinesen 21 zuweilen bis zu einer halben Million Franken Japaner 18 aus. Cartier erwirtschaftet bereits die Hälfte 16 Amerikaner seines Europa-Umsatzes mit Touristen, von Andere EM 22 denen Chinesen einen wachsenden Anteil Quelle: Swiss & Global Asset Management ausmachen. Der schwächere Euro lockte in den vergangenen Monaten zusätzliche TouWachstumsbeitrag nach Nationalität risten nach Europa. in % Chinesen müssen jedoch nicht mehr so Chinesen 54 weit reisen wie früher, um sich mit Luxus­ Westeuropäer 9 artikeln einzudecken. Louis Vuitton und 8 Amerikaner Gucci haben beide mehr als 30 Geschäfte in Russen 4 China. Omega führt 75 eigene Ladenlokale,­ Japaner 3 zusätzlich werden die Uhren von über 100 22 Andere EM chinesischen Juwelieren verkauft. Dennoch Quelle: Swiss & Global Asset Management ist die Marktpenetration von Luxusgüterherstellern in China nach wie vor zu gering, vor allem weil westliche Unternehmen bis 2005 Luxusgüterindustrie steigt. So geht beispiels­ in China kein Ladennetz aufbauen durften. weise ein Drittel der Schweizer Uhrenexporte­ Mittlerweile tätigen Luxusmarken die Hälfte­ in den Grossraum China, das heisst nach ihrer Investitionen in China und noch immer Hong­kong, China, Singapur und Taiwan. besteht ein grosses Potenzial für weitere LaSwatch setzte 2009 fast 30 Prozent seiner denlokale. Immerhin gibt es in China über ­U hrenroduktion in China ab, speziell gut lie­ 200 Städte mit mehr als einer Million Einfen die Marken Omega, Longines und Tissot. wohnern, in ganz Europa sind es nur deren 35. Weltweit gesehen ist der Luxusgütermarkt eher auf das weibliche Geschlecht ausgerich­ Am Luxusboom teilhaben Swiss Global tet: Rund 60 Prozent der Produkte sind für ­A sset Management analysiert die Luxus­ «Sie», nur 40 Prozent für «Ihn». In China da­ güter­branche seit vielen Jahren und ist übergegen ist Luxus ein männlich dominiertes zeugt, dass sie weiterhin Chancen bietet, Thema, etwa 70 Prozent der Produkte werden nicht zuletzt wegen des Booms in China. von Männern gekauft. Armbanduhren und ­A nleger können an diesen Entwicklungen Herrenbekleidung machen mit zwei Dritteln partizipieren mit den JB Luxury-Brandsder Ausgaben den grössten Teil des Luxus­ Fonds. Sie sind erhältlich in Franken, Euro, gütermarkts aus. Handtaschen und Schuhe­ Pfund und Dollar. Bei einer Total Expense dagegen verfügen nur über einen kleinen Ratio von 2,12 Prozent konnte in den letzten Anteil, der jedoch rasant wächst. Global be­ Jahren ­eine beachtliche Wertsteigerung ertrachtet ist das Verhältnis ausgewogener. Eine zielt werden: Im Jahr 2009 lag sie bei 48,85 weitere Eigenheit des chinesischen Marktes Prozent, aktuell (YTD) bei 31,55 Prozent. ist die männliche Vorliebe für Taschen. Nach Die Fonds nach Luxemburgischem Recht Angaben von Coach, einem US-Lederwaren­ sind diversifiziert über mehrere Branunternehmen, wird im Reich der Mitte ein chen, die vom Luxusboom profitieren. Das Drittel der Lederwaren an Männer verkauft, Schwergewicht liegt im Bereich «Lederwaren, weltweit sind es nur 15 Prozent. Zwecks stär­ Uhren­& Schmuck», der über 40 Prozent der kerer Ausrichtung auf die männliche Kund­ ­Gewichtung ausmacht. Ebenfalls stark ver­ schaft haben Hermès und Coach dieses Jahr tre­ten sind «Brennereien & Winzereien» soin Shanghai und New York die ersten Ge­ wie «Schuhe». schäfte eröffnet, die ausschliesslich Produkte für Herren anbieten.

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in %

Europäische Luxusmarken in China Der steigende Wohlstand hat nicht nur Auswir­ kungen auf den Binnenkonsum, auch das Reiseverhalten verändert sich. Traten im Jahr 2000 rund 10 Millionen Chinesen eine Auslandsreise an, waren es 2009 bereits 47 Millionen. Die Welttourismusorganisation­ UNWTO­ rechnet für 2020 mit 100 Milli­ onen chinesischen Touristen. Sie sind gern­ ­gesehene Gäste, da sie Kultur gerne mit Shop­ ping verbinden und mehr Geld ausgeben als Besucher anderer Nationalitäten. Die Hauptreiseziele sind Hongkong oder Tokio, aber auch europäische Städte wie Paris,­ Mailand und Luzern sind beliebt. Oft reisen sie in Gruppen, was den hiesigen

Weiterführende Informationen zur Fondspalette von Swiss & Global AM finden Sie unter:

www.jbfundnet.com

PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


InvestierbaresScoach

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passive finanzprodukte und ihre eigenheiten WorteAndréBuck

Die zurückliegenden Jahre können als Ära der passiv gemanagten Produkte­ bezeichnet werden. Besonders während Krisenzeiten gewinnt das passive Abbilden eines Marktes an Popularität.

André Buck ist Leiter Marketing und Sales bei Scoach Schweiz AG.

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n den letzten Jahren haben börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ­Exchange Traded Funds (ETF), einen regelrechten Boom erfahren. Ebenfalls hoch im Kurs stehen börsengehandelte Rohstoffe, ­E xchange Traded Commodities (ETC), und Exchange Traded Notes (ETN), die an einen Devisen-, Aktien- oder Volatilitätsindex ­gekoppelt sind. Diese passiven Investmentprodukte haben sich zu einem zentralen Baustein in der Vermögensanlage entwickelt. Mit ihnen kann der Anleger sein Anlageuniversum relativ einfach und kostengünstig erweitern, und zwar auch dann, wenn er über ­beschränkte Ressourcen verfügt. Auch wenn die Produktnamen auf den ersten Blick verwirrend sind, lässt sich doch eine sinnvolle Systematik erkennen. Folgende Tabelle gibt einen Überblick:

rierten Produkten jedoch kann das Emittentenrisiko minimiert werden, indem das angelegte Kapital durch die Hinterlegung von ­Anleihen oder Rohstoffen gesichert wird. Solche mit einem Pfand hinterlegten Produkte nennt man COSI (Collateral Secured Instrument). Seit Semptember 2009 sind diese Produkte an der Börse erhältlich. ETP weisen dadurch auch Ähnlichkeiten­ zu COSI auf. Beide Produkte versuchen, durch die Hinterlegung eines Pfands das Emittentenrisiko zu minimieren. Bei COSI-­ Produkten kommen für die hinterlegten Wertschriften nur Sicherheiten in Frage, die von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) akzeptiert oder von der Europäischen Zentralbank entgegengenommen werden. Möglich sind auch ausgewählte liquide ­A ktien oder Bargeld. Im Unterschied zu COSI-­ Produkten ist die Besicherung bei ETP, wie bereits erwähnt, emittentenspezifisch. Der Emittent hält dabei gesonderte­ Vermögenswerte, die den Anleger im Fall der Insolvenz entschädigen und nicht in die Konkursmasse­ einfliessen. Die Börse überprüft dabei nur die Regulatorien, nicht aber die tatsächliche ­Besicherung. Das bedeutet, dass die ­A nleger die Dokumentationen über die Produkte genau lesen müssen, um zu verstehen, wie die Besicherung funktioniert, was sie kostet­und was im Insolvenz­fall mit dem angelegten Kapital­geschieht. Symmetrische und asymmetrische Payoffs­ Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sind die Auszahlungsstrukturen. Hier wird zwischen

Überbegriff

Struktur

Besicherung

Laufzeit

Market Making

Börse

Auszahlungsstruktur

ETF (Exchange Traded Funds)

Fonds nach KAG

Ja

Open-End

Multi

SIX Swiss Exchange

Symmetrisch

ETF

Bezeichnung im Markt

ETP (Exchange Traded Products)

Forderungsrecht

Ja

Open-End / flexibel

Multi

SIX Swiss Exchange

Symmetrisch

ETN (Exchange Traded Notes) / ETC (Exchange Traded Commodities)

Zertifikat mit COSI

Forderungsrecht

Ja

max. 10 Jahre

Single

Scoach Schweiz AG

Symmetrisch & Asymmetrisch

COSI (Collateral Secured Instruments)

Zertifikat

Forderungsrecht

Nein

Open-End / flexibel

Single

Scoach Schweiz AG

Symmetrisch & Asymmetrisch

– Quelle: Scoach Schweiz AG

Unterschiede in der Besicherung ETP und ETF verfügen über einige Gemeinsamkeiten. Beide bilden passiv einen bestimmten Markt ab, haben eine unbefristete Laufzeit und können kontinuierlich an der Börse gehandelt werden. Doch es gibt auch bedeutende ­Unterschiede. Der entscheidende liegt in der Besicherung der Produkte. Bei ETF handelt es sich um Fonds in Form von Sondervermögen, die an der Börse gehandelt werden. Ein ETF enthält darum kein Bonitätsrisiko eines Emittenten. Im Falle eines Konkurses des Heraus­gebers wird das investierte Kapital grundsätzlich von der Konkursmasse getrennt und geschützt. ETP hingegen sind vom Emittenten besicherte und unverzinste Schuldverschreibungen. Strukturierte Produkte sind rechtlich gesehen in der Regel Schuldverschreibungen des jeweiligen Emittenten. Sie unterliegen grundsätzlich dem Emittentenrisiko. Bei den struktuLust&VerdrussN°29Punktmagazin

symmetrischen und asymmetrischen Payoffs unterschieden. ETF, ETC und ETN ­bilden den Basiswert mit einer mehr oder weniger grossen Abweichung (Tracking Error) von der Benchmark ab. Strukturierte Produkte jedoch können symmetrische als auch asymmetrische Auszahlungsstrukturen abbilden. Single- und Multi-Market-Making­ Auch der Handel gestaltet sich bei den passiven Produkten unterschiedlich. Bei den strukturierten Produkten werden die Produkte von einem Emittenten über die Börse angeboten, der im Rahmen eines Market Making An- und Verkaufskurse stellt. Bei ETF und ETP gibt es nicht nur Single-, sondern auch Multi-Market-Making – es sind also mehrere Market Maker für die Liquidität in den ­betreffenden Produkten zuständig. Sie stellen Geld- und Briefkurse und ermöglichen einen zuverlässigen Handel.


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Dauer bis zur Kotierung eines Produkts Die Emission eines ETF kann wegen des Genehmigungsprozesses einige Zeit in Anspruch nehmen. Bei strukturierten Produkten ist das anders, was als grosser Vorteil zu werten ist. Innerhalb von Stunden beziehungsweise­ ­Tagen können die Banken neue Produkte auflegen, was vom Spezialisten als Time-to-­ Market bezeichnet wird. Strukturierte Produkte können zudem eine begrenzte oder auch unbegrenzte (Open-End) Laufzeit haben. Verpackung ist keine Nebensache Das reichhaltige Angebot an passiven Produkten erlaubt es dem Anleger, je nach Präferenz und Erwartungshaltung die passende Verpackung für die Umsetzung seiner ­Investmentidee zu finden. Es handelt sich also nur auf den ersten Blick um einen undurchdringlichen Produkt­ dschungel. Die Wahlmöglichkeit des passenden Wrapper gibt diesem Universum ein System, in dem es durchaus möglich ist, sich zurechtfinden.

NachgefragtRinoBorini

PUNKTmagazin Im September 2009 wurden die ersten COSI-Produkte lanciert. Ihr bisheriges Fazit?

derungsrechte, die überwiegend auf einzelne­ Rohstoffe emittiert werden. Die Laufzeiten sind in der Regel ohne Verfall. Die Besicherung wird von einer unabhängigen Stelle verwal­tet. Somit fallen ETP wie die an der Börse Scoach gehandelten strukturierten Produkte nicht unter das Gesetz für kollektive Kapitalanlagen (KAG). Im Gegensatz zu COSI-Produkten­ können bei Exchange Traded Products zusätzlich zum Emittenten weitere­ Market Maker Produktpreise stellen. Das nennt sich Multi-­ Market-Making.

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Wie beurteilen Sie das weitere Entwicklungspotenzial von COSI-Produkten? Etwas mehr als ein Jahr nach der Lancierung sind rund 700 pfandbesicherte Produkte an der Börse Scoach kotiert und das ausstehende Volumen beträgt über 1,7 Milliarden Franken. Dies ist eine beachtliche Entwicklung und bestätigt, dass sich COSI-Produkte zu einem festen Bestandteil der Angebotspalette von strukturierten Produkten entwickelt haben. Zudem ist festzustellen, dass die Auswahl an Basiswerten stetig zunimmt und heute bereits viele Investmentthemen mit COSI-Produkten umgesetzt werden können. Ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzen dürfte.

Weiterführende Informationen zu COSI und den

André Buck Beim Anlageentscheid rückte nach der Finanzkrise vermehrt das Emittentenrisiko in den Vordergrund. Dies lieferte uns die Motivation für die Lancierung dieses innovativen Segments. Durch die Hinterlegung eines Pfandes bei SIX SIS wird das Emittentenrisiko entscheidend minimiert. Damit wurde in der Angebotspalette von strukturierten Produkten eine wichtige Lücke geschlossen, was als ­Erfolg gewertet werden kann.

neuen Exchange Traded Products:

www.scoach.ch

Warum entschloss man sich für eine Lösung mit der Börse? Es gab ja davor schon Finanzprodukte mit hinterlegtem Collateral? Der Prozess basiert auf bereits bestehenden Mechanismen zwischen den Emittenten und der Börse. Im Gegensatz zu den bereits existierenden Lösungen wird das Pfand von COSIProdukten von einer unabhängigen Stelle, der Börse, verwaltet. Sie setzt die Richtlinien für die Art des Pfandes fest. Wie funktioniert der Preisfindungsprozess bei diesen Produkten? Der Produktpreis wird nebst dem Emittenten von mehreren unabhängigen Instituten berechnet, was die Glaubwürdigkeit massgeblich erhöht.­Dieser Prozess dient als Grundlage zur Berechnung der Pfandhöhe. Mit den ETP ist ein neues, ebenfalls besichertes Segment dazugekommen. Worin liegen die Hauptunterschiede zu COSI? Exchange Traded Products sind besicherte­ und unverzinste auf den Inhaber lautende ForPunktmagazinN°29Lust&Verdruss


InvestierbaresBörsenkotierte «Lust» & BörsenkotierteR «Verdruss»

Top Versus Flop

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Die grössten Unternehmen Pacific Rubiales, die aus dem Zusammenschluss von Pacific Stratus Energy Corp. und Petro ­Rubiales Energy Corp., entstanden ist, produziert netto rund 58 000 Barrel Erdöl­pro Tag. Der Energieriese­besitzt Erdölfelder und Pipelines in Kolumbien, Venezuela sowie Ecuador.

Linsensuppe gibt’s hier nicht, dafür Linsen jeder anderen Art: für das Mobile, für den Scanner, für die Digitalkamera. ­Largan Precision aus Taiwan besteht seit 1987. Die hohe Affinität zu ISO-Zertifizierungen scheint ­zuweilen den Aktienkurs zu ­beflügeln.

Damit die dänische Pharma­ zeutikfirma ihren Jahres­ umsatz von rund 6,5 Milliarden Euro erreicht, greift sie weltweit auf mehr als 27 000 Mitarbeiter zurück. Novo Nordisk ist der Novo Gruppe zugehörig, abgesteckte Hauptfelder sind Diabetes-Medikamente und Hormonpräparate.

Hölzern war der Aktien-Weg Weyerhaeusers, einer der grössten internationalen Forstwirtschaftskonzerne weltweit, im vergangenen Jahr. Um dies zu verstehen, braucht es nicht einmal einen Hauch «Sokratischer Ironie». Dafür braucht der Anleger Mut und Geduld.

Der Hype um das Thema Nachhaltigkeit bescherte Vestas­ Wind Systems wahrhaftige­ ­Höhenflüge. Analysten und ­Finanzmarktexperten lobten die Firma, mit rund 38 000 Windkraftanlagen in 63 Ländern ­gehört sie zu den Globalführern, lange über den grünen Klee. Hauptsache grün?!

Aristocrat Leisures aus Aus­ tralien unterhält Niederlassungen in den USA, Neuseeland, England, Südafrika, Japan, Schweden, Argentinien und Macao. Die Vielfalt überrascht kaum, denn in der sexy Welt der Slot Machines sind die Australier­führend.

Unternehmen Land Währung

ISIN

HTC Corp F5 Networks Kia Motors Silver Wheaton Isuzu Motors Hyundai Heavy Pacific Rubiales Volkswagen Vz Gudang Garam Akamai Technologies BMW SK C&C Wynn Resorts Wintek Corp Lan Airlines China Shineway Pharma Tata Motors Dongfang Elec Volvo Ivanhoe Mines Samsung Engineering Burberry Group Largan Precision Ayala Corp MAN Ecopetrol SA Novo Nordisk -B- LG CHEM Hyundai Mobis Air China -H-

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Taiwan USA Korea Kanada Japan Korea Kanada Deutschland Indien USA Deutschland Korea USA Taiwan USA Hong Kong Indien Hong Kong Schweden Kanada Korea Grossbritannien Taiwan Philippinen Deutschland USA Dänemark Korea Korea Hong Kong

TWD USD KRW USD JPY KRW CAD EUR IDR USD EUR KRW USD TWD USD HKD USD HKD SEK USD KRW GBP TWD PHP EUR USD DKK KRW KRW HKD

Unternehmen Land Währung

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Senshu Ikeda Hldg Bank Of Piraeus Nat Bank Greece Weyerhaeuser Co. Chunghwa Picture Nissha Printing Renewable Energy LLX Logistica NM Vestas Wind Systems Nanya Technology EFG Eurobk Ergasias Alpha Bank Resona Holdings Apollo Group-A China Dongxiang H&R.Block Elpida Memory INPEX Level 3 Comm NGK Insulators Eletrobras N1 BBVA All Amer Lat NM Aristocrat Leisure Sapporo Holdings Dexia Bluescope Steel PulteGroup Taiyo Nippon Sanso Hannstar Display

JP3132600002 GRS014013007 GRS003013000 US9621661043 TW0002475001 JP3713200008 NO0010112675 BRLLXLACNOR8 DK0010268606 TW0002408002 GRS323013003 GRS015013006 JP3500610005 US0376041051 KYG2112Y1098 US0936711052 JP3167640006 JP3294460005 US52729N1000 JP3695200000 BRELETACNOR6 ES0113211835 BRALLLACNOR6 AU000000ALL7 JP3320800000 BE0003796134 AU000000BSL0 US7458671010 JP3711600001 TW0006116007

Japan Griechenland Griechenland USA Taiwan Japan Norwegen Brasilien Dänemark Taiwan Griechenland Griechenland Japan USA Hong Kong USA Japan Japan USA Japan Brasilien Spanien Brasilien Australien Japan Belgien Australien USA Japan Taiwan

JPY EUR EUR USD TWD JPY NOK BRL DKK TWD EUR EUR JPY USD HKD USD JPY JPY USD JPY BRL EUR BRL AUD JPY EUR AUD USD JPY TWD

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264.29 47.11 17 300.00 13.04 158.00 153 000.00 13.31 54.67 17 850.00 23.74 28.28 41 900.00 58.21 20.10 15.59 12.76 13.85 16.80 59.20 11.64 95 200.00 5.56 388.00 183.77 47.82 23.47 327.50 196 000.00 140 500.00 5.30 52W-Low

102.00 2.75 6.19 15.06 4.05 1540.00 14.50 4.95 154.90 15.25 3.46 3.99 445.00 33.75 3.41 10.13 716.00 373 000.00 0.83 1149.00 20.43 6.99 14.79 2.52 312.00 2.72 1.85 6.13 638.00 5.33

52W-High Kurs Rendite YTD Div-Rendite

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2.80 0.00 0.48 0.00 1.33 0.95 0.30 1.24 1.48 – 0.47 0.37 8.22 – 1.26 1.59 1.01 0.23 0.17 0.00 1.03 1.45 1.36 1.06 0.26 2.30 1.31 0.89 0.42 –

32.29 73.34 19.39 49.71 9.75 9.29 36.11 15.17 21.20 53.52 19.15 32.66 80.84 – 26.00 24.85 – 21.41 40.43 0.00 28.43 43.21 39.37 24.98 – – 26.31 19.50 17.10 15.73

27.34 1.87 2667.00 0.54 4.96 39 603.00 0.66 2.37 1796.00 0.98 0.31 2737.00 1.28 -2.32 0.95 0.93 – 0.96 -7.26 -0.06 6842.00 0.19 18.62 14.23 -2.69 – 17.97 20 258.00 17 284.00 0.41

52W-High Kurs Rendite YTD Div-Rendite

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– 41.71 55.10 141.31 – 63.96 – – 17.57 – 23.98 9.43 7.36 6.85 11.80 8.56 1.93 10.00 – 16.74 6.20 8.50 180.45 – 28.78 6.50 31.06 0.00 13.85 –

-5.47 0.62 1.45 0.12 -8.78 160.38 -3.19 -0.07 2.94 -8.67 0.61 0.87 88.32 5.35 0.26 1.56 14.54 45 553.56 -0.45 54.51 0.15 1.08 0.01 -0.31 11.57 0.54 0.07 -2.14 39.39 -2.57

920.00 139.88 53 200.00 38.71 390.00 408 000.00 35.67 134.35 52 500.00 54.39 65.49 104 500.00 117.50 57.20 32.23 29.30 37.65 43.80 113.50 27.60 201 500.00 11.18 765.00 424.00 96.22 51.92 583.50 407 500.00 300 500.00 11.64 365.00 10.86 20.97 53.69 11.11 5440.00 37.92 10.89 380.00 33.88 10.00 9.93 1255.00 66.69 6.10 23.23 2189.00 744 000.00 1.77 2168.00 43.59 12.75 35.00 4.73 555.00 5.10 3.32 13.91 1062.00 8.70

883.00 137.15 51 700.00 38.29 376.00 368 000.00 32.45 133.75 43 950.00 52.45 63.74 89 400.00 103.47 54.30 31.45 27.50 31.30 39.10 112.20 26.32 194 500.00 10.66 733.00 379.00 95.56 42.38 573.00 395 000.00 295 500.00 10.36 112.00 2.99 6.67 17.54 4.35 1883.00 16.78 4.98 162.00 16.85 4.12 4.43 511.00 35.35 3.54 13.37 913.00 439 000.00 0.97 1284.00 22.89 7.86 16.24 2.63 337.00 2.99 2.05 6.75 663.00 5.67

165.95% 158.92% 157.86% 154.93% 118.75% 112.10% 110.03% 109.39% 107.91% 106.99% 102.06% 99.55% 92.75% 90.53% 90.34% 89.13% 88.68% 87.98% 82.59% 80.15% 80.09% 79.01% 77.11% 76.67% 76.21% 76.14% 75.57% 72.87% 72.81% 70.68% -66.52% -63.04% -59.26% -59.22% -58.29% -58.22% -55.27% -50.74% -48.90% -47.83% -47.72% -45.98% -45.05% -41.65% -41.00% -40.20% -39.38% -36.90% -36.41% -35.99% -35.88% -35.13% -35.01% -33.94% -33.79% -32.89% -32.68% -32.50% -32.06% -31.77%

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Quelle: Telekurs, Stand: 06.12.2010

Lust&VerdrussN°29Punktmagazin


Die Schweizer Finanzmesse

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Tag der Fachbesucher Mittwoch, 2. Februar 2011 10.00–18.00 Uhr

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Veranstalter

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www.fonds-messe.ch

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Kopflastiges

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Mark Benecke

Doktorales Perpetuum mobile

Worte: Cyri l Schicker | Bilder: Ma rk us Bach ma nn

Er ist Sachverstä ndiger bei bekann t-beliebten Fern sehsendu ngen. Er Buch- und Theate ist rstückautor. Er ist Radiomoderat or. Er ist Refere Dozent. Er hat ei nt und nen psychologisc hen, zoologischen und forensischen tergru nd. Er berä Hint Regier ungen au f der ganzen Welt . Er ist der bisl einzige, der die ang Schädel von Adol f Hitler und Eva Brau n untersucht durfte. Er wird en gerufen, wenn di e kniffligsten Fä lle anstehen. Er der wohl bekannte ist ste und umtriebi gste Kriminalbiol oge überhaupt. Er ist offenherzig. Er ist wissenschw anger. Er ist Dr . Mark Benecke.

PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


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D

ie Gelegenheit, Dr. Mark Benecke mit Fragen zu torpedieren, kommt gewissermassen einem Ritterschlag gleich. Da er derzeit 360 Tage im Jahr – überall auf der Welt – unterwegs ist, ist es entsprechend schwierig, einen Termin zu bekommen. Dazu kommt, dass der weltbekannte Kriminalbiologe mit forensischem, entomologischem, psychologischem und zoologischem Hintergrund, äusserst Spannendes wie auch Einzigartiges feilzubieten hat. Sein Wissensschatz enthält überdies­ ­«Erfahrungsdukaten», die er durch seine (Neben-)Arbeiten wie zum Beispiel Referent oder Autor gesammelt hat. Seine Berater­tätigkeit für so manche Regierung auf unserem Planeten tut das übrige dazu. Ebenso erwähnenswert ist seine Spitzenkandidatur für DIE PARTEI, mit der er es sich zum Ziel gesetzt hat, in der deutschen Politik für Chaos zu sorgen. Selbstverständlich verfolgt sie ihr «Goal» nicht mit Buttersäurebomben und Farbbeuteln. Viel mehr ­gehören sie laut Mark Benecke zu den wenigen, die sich korrekt verhielten, das heisst, immerzu offen und ehrlich opportunistisch seien. Wichtig sei ihnen auch, dass stets ein Jurist an ihrer Seite stünde. Für alle Fälle. Mit Humor, geschickter Taktik, ausgeklügelter Strategie und dem Blick über den Tellerrand decken sie das grassierende Pharisäertum deutscher Politik auf. Die Reaktionen seien zuweilen so empfindsam wie ein freigelegter Nerv. PARTEI steht übrigens für Partei, Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Eliten­ förderung und basisdemokratische Initiative.

seiner­ Haupttätigkeit, der Kriminalbiologie: «Es ist eigentlich dasselbe wie in Kriminalfällen, bei denen der Täter lügt, es aber nicht widerlegbar ist. Im Donaldismus kennt auch jeder die Grundannahme, dass es eigentlich kein Entenhausen gibt, dennoch exisistieren wissenschaftlich untermauerte Artikel darüber. Auch wenn, je nach Zeichner, unterschiedliche Entenhausen bestehen, sind diese Artikel oder besser gesagt Untersuchungen in sich absolut stimmig. Da gibt es keinen Bruch. Und eben das ist spannend.» Inzwischen kommt die «Unten-ohne-Antwort» hereingeflattert, die des Rätsels Lösung nicht zwingend herauskristallisiert. Sie ist nicht eindeutig genug, macht dafür aber Sinn: «Die Gretchenfrage ist bislang noch nicht geklärt worden. Es gibt aber eine Theorie, die von einem Geschlechtsorgan unter dem Federkleid ausgeht, das bei Nässe oder Kälte sichtbar werden soll. Deshalb wohl das Schamgefühl. Aber auch eine mit Federn überzogene Hose,

Donald – ein Akronym Der sympathische Doktor ist fürwahr ein Perpetuum mobile, das auch läuft, wenn es um Musik (hauptsächlich EBM und Electro) geht, Spassnobelpreise – oder Entenhausen respektive Donald Duck. Benecke gehört zu den «Donaldisten», eine global verstreute Gemeinschaft, die durchaus bierernst sein kann. Donald ist das, zugegeben etwas längere, Akronym für Deutsche Organisation Nicht-kommerzieller Anhänger des Lauteren Donaldismus. Benecke zur Duck’schen Faszination: «Ich bin halt kauzig und detailverliebt genug, um den ‹Vater von Entenhausen›, Carl Barks, und die deutsche Übersetzerin, Erika Fuchs, zu verehren. Ihre Arbeit schätze ich enorm.» Der 40-Jährige weiter: «Zur Faszination gehört ausserdem die Tatsache, dass bei den Donaldisten die von den verschiedenen Zeichnern herrührenden Unterschiede geistes- und naturwissenschaftlich fassbar gemacht werden.» Ha! Dann kann er sicherlich auch sagen, weshalb Donald immer «unten ohne» he­ rumläuft und er sich nur ein Tuch umbindet, wenn aus der Dusche, das heisst, aus dem Wasser kommt. Eine Antwort hat Benecke zwar nicht bereit, leitet die Frage aber unmittelbar an seine Donaldisten-Kollegen weiter und macht gleich den Brückenschlag zu

Schädels, der Zähne

Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

«Wir haben uns daran gemacht, herauszufin­ den, ob Hitler erschos­ sen, vergiftet oder ver­ giftet und erschossen wurde. Auch untersuch­ ten wir die Echtheit des

und so weiter.»

welche die ‹Anatiden› über dem natürlichen Federkleid tragen sollen, war schon mal im Gespräch.» Hitlers Schädel, der KGB und ... Bleiben wir noch kurz bei diesem erquickenden Thema, das ihn schon seit längerem verfolgt. War er schon einmal in Entenhausen? Wäre ja schade, wenn nicht – bei so viel Hingabe und Interesse. Benecke lacht: «Das ist eine sehr gute Frage. Die ist mir noch nie gestellt worden. Man ist immer dann in Entenhausen, wenn man die Geschichten von Carl Barks und Erika Fuchs aufschlägt.» Gut gekontert! Und wie ist das dortige Klima? «Diese Frage ist auch lustig, der Gründer des wissenschaftlichen Donaldismus’ in Deutschland, Hans von Storch, ist nämlich Klimatologe. Nun, es gibt umfangreiche Studien darüber, das Klima­ist auf jeden Fall sehr erdähnlich. Wie so oft gibt es halt auch da Unstimmigkeiten.» Ente gut, alles gut. Wenden wir uns, welch’ harsche Überleitung, Adolf Hitler zu. Wobei, ganz so

harsch ist sie dann doch nicht, fand doch ein Teil des Gesprächs im aufsehen­erregenden «Pei-Bau» des Deutschen Historischen Mu­ seums in Berlin statt, wo bis Ende Februar 2011 auch eine Ausstellung über Hitler feil­ geboten wird. Mark Benecke ist der bislang einzige, der Hitlers Schädel – und denjenigen von Eva Braun – hat untersuchen dürfen. Wie kam diese Bizarrerie zustande? «Na ja, National Geographic hat die Sache angeleiert, dann kam der KGB ins Spiel, das deutsche Staats­ archiv, einzelne Zeitzeugen sowie die eins­ tigen Übersetzer von Stalin und General Schukow. Wir haben uns daran gemacht, ­herauszufinden, ob Hitler erschossen, ver­ giftet oder vergiftet und erschossen wurde. Auch untersuchten wir die Echtheit des Schä­ dels, der Zähne und so weiter.» Mit dem «und so weiter» geben wir uns selbstverständlich nicht zufrieden. Benecke, ein doch sehr heller Kopf, bemerkt die Frage­ zeichen in den Augen seines Gegenübers und führt weiter aus: «Der Schädel ist echt und Hitler hat sich nicht nur vergiftet, son­ dern auch erschossen.» Auf die Frage, wo sich denn all diese «Bestandteile» nun befinden, antwortet er: «Die sind verteilt. Der Schädel mit der Ausschussöffnung liegt im Staats­ archiv, die Zähne liegen beim KGB, auch jene von Eva Braun.» Alleine schon diese Untersu­ chung zeigt, wie spannend, aber auch abstrus Beneckes Tätigkeitsfeld oft ist. Er dazu: «Es ist gewiss nicht jedermanns Sache, immerhin habe ich täglich mit Urin, Kot, Blut, Haaren, Haut und Sperma zu tun.» Diese Auflistung ist erklärungsbedürftig, und sie folgt auf den Fuss: Als Kriminalbiologe hat er den Auf­ trag, Kriminalfälle anhand von Spuren am jeweiligen Tatort zu rekonstruieren. Und eben solche Spuren bestehen zumeist aus Urin, Kot, Blut, Haaren oder Sperma. Auch helfen ihm vielmals aussagekräftige Hinweise, die von auf Leichen herumkrab­ belnden Maden, Würmern oder Fliegen her­ rühren. «Leichen sind für weit über 100 Glie­ derfüsserarten, sogenannte Arthropoden, insbesondere für Fliegen (Diptera) und Käfer (Coleoptera) Brutstätte, Nahrungsquelle so­ wie Lebensraum. Vereinfacht gesagt können wir anhand dieser Tiere beispielsweise Liege­ zeitenbestimmungen machen oder den Tatort einem Täter zuordnen. Es ist ebenfalls mög­ lich, toxikologische und bakteriologische To­ desursachen festzustellen.» Für ­Interessierte empfiehlt sich ein Besuch auf seiner Home­ page benecke.com, insbesondere der Trailer zum Kinofilm «Rest In Peace». Brilliant-professioneller Fliegenfreund Dr. Mark Benecke wird zumeist dann auf den Plan gerufen, wenn Fälle an Komple­ xität nicht zu überbieten sind. Was für ein Mensch tut sich das eigentlich freiwillig an? Wie kann sich jemand tagein, tagaus mit der­ art sinistren Angelegenheiten auseinander­ setzen? Nun, der Kriminalbiologe ist einer­ seits voller Hingabe, er kriegt leuchtende ¬


Mark BeneckeKopflastiges

Bild 01-03: Im Berufsalltag Mark Beneckes müssen nicht nur die Augen geschult, sondern auch die Hände flink sein. Nebst Fachwissen und Hingabe ist ein starker Magen unabdingbar. Gerätschaften braucht der Kriminalbiologe­ von Fall zu Fall (völlig) verschiedene. Ein mobiles Labor­ ist so oder so sein treuer­ ­Begleiter. Sein treuster und auch liebster Wegbereiter ist jedoch seine Frau Lydia. Ach ja, Dr. Benecke verfolgt nicht nur viele Tätigkeiten, sondern­ hat auch viele ­(Über-) Namen:­­­Herr der Fliegen, Maden­doktor,­Dr. Doom, König der ­Käfer, Dr. Graus und ­Dr. Seltsam.

PunktmagazinN°29Lust&Verdruss

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Augen bei so manchen angesprochenen Themen. Er ist aber auch für Spässe zu haben, je ausgefallener, je kruder, je abstruser diese sind, desto­ mehr findet er Gefallen daran. ­Eine seiner engsten Mitarbeiterinnen, Kris­ tina Baumjohann, diplomierte Biologin und angehende Doktorin, offenherzig wie auch auskunftsfreudig: «Natürlich ist Mark kein normaler Chef, was gute aber auch schwie­ rige Seiten hat. Ich lerne alles in allem sehr viel von ihm, sei es, niemandem zu vertrauen, noch nicht mal sich selbst, als auch im Um­ gang mit Medienleuten oder Direktbetrof­ fenen. Teils arbeite ich auch bei Fällen mit und habe gemerkt, dass mir der Umgang mit Spuren leichter fällt als der mit Trauernden.­ ­Jedenfalls gehört das wohl mit dazu und muss entsprechend gelernt werden.» Sie weiter: «Mark arbeitet höchst professi­ onell, ist aber leider nur noch wenig wissen­ schaftlich tätig. Das ist absolut schade, denn er nimmt Dinge extrem schnell auf, versteht sie umgehend und setzt sie schnellstmöglich um. Er ist ein brillianter Geist. Ich schätze ihn sehr. Man kann mit ihm sehr, sehr, sehr viel Spass haben und einfach einmal ‹abspa­ cken›. Wir haben denn auch kein herkömm­ liches Chef-Mitarbeiter-Verhältnis. Ich kann ihm vieles erzählen, er hat stets einen guten Rat parat oder zumindest eine treffende Mei­ nung. Allesamt kommen jeweils aus einer

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a­ nderen Sichtweise.» Eine nicht ganz alltäg­ liche Sichtweise zeigt der umtriebige Doktor auch, wenn es um seine Lieblingstiere geht. Es ist der Wolpertinger, ein bayrisches Fabelwe­ sen, und, wie kann es anders sein – Fliegen. Von Koketterie hin zu Frust Tiere sind Ben­ ecke, wie er selbst sagt, eigentlich fast lieber als Menschen. So redet er, wenn es um Todes­ opfer geht, auch nicht von Leichen oder ähn­ lichem, sondern von Spurenträgern. Doch da schwingt sicherlich auch Koketterie mit. Wie dem auch sei, was kann der Mensch vom Tier lernen, et vice versa? «Das Tier kann vom Menschen nichts lernen», er augen­ zwinkernd, «umgekehrt ist es aber so, dass der Mensch sich vom Tier die Anpassungs­ fähigkeit abschauen könnte. Viele Prinzi­ pien, genetisch oder nicht, will der Mensch einfach nicht akzeptieren, während sich das Tier dort einfügt, wo es einfach keine ande­ re Wahl hat.» Nicht die Wahllosigkeit, dafür aber die (Berufs-)Wahl als solche ist ein gutes Stichwort, ein Stichwort, das gerade auch bei Benecke für viel Frustration sorgt. Denn um dem Beruf des Forensikers nach­ zugehen, muss man einfach Feuer und Flam­ me sein. Entweder man gibt sich mit Haut und Haaren den Haut und Haaren (und Kot, Urin, ... ach, das hatten wir ja bereits) hin oder man lässt es bleiben. Benecke war schon

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Mark BeneckeKopflastiges

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als Junge stets derjenige, der sich mit Che­ miebausätzen auseinandersetzte und Fliegen sammelte. Doch wie ist das mit der damit ­z usammenhängenden Frustration zu ver­ stehen? «Der Frustrationsgrad ist dann am höchsten, wenn mich Studierende nach dem optimalen Ausbildungsplan fragen, damit sie dasselbe erreichen wie ich. Das ist absolu­ ter Schwachsinn. Es gibt da keine vorgegebe­ nen Pfade, die nach Plan bewandert werden können. Ich bewege mich immerhin in einer Welt voller Hass, Trübsal, Irrsinn, Krankhei­ ten et cetera.» Aber nicht nur phantasielose Studenten machen das ansonsten relativ ge­ löste Unikum staubig: «Ausserdem kann ich Oberflächlichkeit, Berechenbarkeit und Un­ ehrlichkeit nicht ausstehen.» Kefirmilchtrinkender X-Man Unehrlich­ keit und Unrechtmässigkeiten gibt es selbst­ verständlich auch in seinem ­Berufsalltag. Da komme es schon hin und wieder vor, dass sich ein Richter gegen alle vorgetragenen Beweis­ stücke sträube. Die Divergenz zwischen Be­ weislage und Urteil führe auch dazu, dass An­ geklagte unrechtmässig für viele Jahre hinter Gittern versauern. Eine schwache Judikativ­ leistung, fürwahr. Wo gibt es bei ihm selber Unzulänglichkeiten respektive Defizite? «Da sitze ich kurzärmlig einem Mörder gegen­ über, der auch Raubüberfälle verübt hat und der Vergewaltigung bezichtigt wurde. Bis auf die Vergewaltigung gab er alles unumwun­ den zu, als wären das ­Bagatellfälle. Und ziem­ lich schnell sagte er mir, dass ich aber wirk­

lich hochstehende Tätowierungen hätte. Das war zwar irgendwie lustig, zeigt aber auch auf, dass ich gewisse soziale Einschätzungen falsch mache. Langärmelige Kleidung hätte hier ­gepasst. Logisch, es ist nicht einfach und es ist nicht das beste Beispiel, doch Ähnliches geschieht immer wieder.» Und ein erdrückendes Beispiel – aus ver­ gangenen Jahren – bringt er doch noch: «Spe­ ziell bei Kinderleichen wollen die Eltern fast immer Fotos sehen. Ich sollte die ja eigentlich nicht zeigen, meine Frau Lydia, sie ist (Ge­ fängnis-)Psychologin, könnte das dagegen eher. So oder so, in diesen Fällen gehen oft Ehen in die Brüche. Die Scheidungsrate liegt da bei über 95 Prozent! Verständlicherweise können solche Bilder höchst selten verkraftet werden, auch provozieren Fotos Verantwor­ tungsvorwürfe, mit denen sich die jeweiligen Eltern beschuldigen.» Der Kriminalbiologe (mit Vorliebe für die fast schon obszön rie­ chende Kefirmilch) führt weiter aus: «Allge­ mein ausgedrückt sind wir schon ein wenig wie die X-Men. Wir sind alle Freaks und jeder von uns hat seine Stärken, ebenso auch sei­ ne Schwächen. Doch das soll so sein, wir er­ gänzen uns nämlich ideal. Diesem Ideal zum Trotz können uns viele nur schwer oder ei­ gentlich gar nicht einschätzen.» (S-)ein Dasein als Freak ist aber alles ande­ re als schlimm, respektive ein Freak ist dieser Mann überhaupt nicht, seine Teamkollegen ebenso wenig. Lernt man den kriminalbiolo­ gischen Welt(-enbummler)star kennen, ent­ lockt man ihm durchaus frohlockendes.

Abschliessend ein Gedicht aus seiner Feder:

··· Des öfteren sitze ich wie gerade jetzt, in Hostels und begebe mich ins Tee-Weltall. ··· Ich weiss nicht, wohin es mich als nächstes treibt, denn Spuren gibt es überall, besonders wenn sie einverleibt. ··· Die Wahrheit tut mir jeweils gut, und gibt mir auch stets viel Mut. ··· Letztlich bin ich aber nur ein Hauch, der weht, sucht, prüft und testet, doch dabei bleibt es auch. ··· Mich freut es natürlich sehr, wenn sich etwas an der Wahrheit gebricht. ··· Was schön, gerecht und richtig ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, im Blut und Sperma steht es nämlich nicht. ···

PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


KopflastigesMark Benecke

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Mafia, Kannibalen & Co.

t­ ätig ist, doch kaum dafür bezahlt wird. Doch es hat auch etwas gutes, denn dadurch, das tönt ebenfalls ein wenig paradox, ist es aber nicht, wird man absolut unbestechlich. Man wird immun dagegen. Berufsalltag. Da gibt es viele sogenannte Wiederaufnahme­ fälle, aber auch langwierige. Etwa jener, bei dem ein Bordellbesitzer aus Notwehr, das haben wir unter anderem aufgrund von Spiegelsplittern, Einschusslöchern und Blutspuren herausgefunden, Angreifer niedergestreckt hat und nun wegen Mord im Knast sitzt. Es war aber eindeutig Notwehr. Erwähnenswert ist auch der Fakt, dass es sich nicht um irgendeinen Angreifer handelte, sondern um einen ausgewiesenen Kampfsportler und einer Grösse im Bereich Kampfhunde­sport. Weiters experimentieren wir viel (Leichenzersetzung, Kohleleichen, Blutspuren). Zu tun haben wir mehr als genug. Wenn möglich, dann ­reden wir natürlich zusätzlich mit Beteiligten wie Journalisten, Priestern, Betroffenen, Richtern, Polizisten und Gefängnisinsassen, meist läuft parallel dazu ein Experiment.

NachGefragtCyrilSchicker

PUNKTmagazin Länder-Differenzen. Mark Benecke Ich muss vorausschicken, dass meine Aussage zu grossen Teilen auf meinen kriminalbiologischen Erfahrungen fusst. Allgemein gesehen ist es schon so, dass gerade bei jenen Ländern, die als stur oder halsstarrig betitelt werden, beispielsweise Deutschland, Österreich, Schweiz, Schweden, Dänemark, viel mehr im Reinen ist als bei anderen. Es gibt nur zwei Welten – funktionierende und solche, die nicht funktionieren. Mit 27 Jahren war ich auf den Philippinen, Achtung Extrembeispiel, baute dort ein DNA-Labor auf, durfte aber absolut nichts entscheiden. Sie haben mich zwar damit beauftragt, dann aber doch zu verstehen gegeben, dass nur die ältesten Leute etwas zu sagen hätten. Viele Länder in Asien funktionieren so. Berufsrisiken. Da gehört die Überschätzung dazu, das heisst, nicht wir überschätzen uns. Es wird genau dann zu einem Risiko, wenn uns andere Parteien überschätzen. Ausserdem bin ich persönlich haftbar, wenn etwas falsch läuft. Überleben kann ich nur, weil ich bereit bin, ausserhalb fixer Strukturen zu arbeiten. Das ist der Preis, den ich als freischaffender Kriminalbiologe – gerne – zahle, ist aber gleichzeitig auch ein Risiko. Drohgefahren habe ich bis jetzt interessanterweise noch nicht gekriegt, obschon ich mit Mördern, Vergewaltigern, Räubern und Mafiosi zu tun habe. Hinsichtlich Mafia ist es halt so dass sie, oft Geschäftsleute, mich überhaupt nicht bedrohen müssen. Denn sie beugen vor, sprich, sie schauen im Vornhe­ rein, dass ich nicht gerufen werde.

HÜst & Hott? Clever & Smart oder Claas Clever?

Clever & Smart

Stadt oder Land?

Infrastruktur! Fisch oder Vogel?

Tintenfisch Garten oder Swimmingpool?

Gummistiefel Konzert oder Theater?

Geschrei mit Synthesizer Schweiz oder Österreich?

Beide – und Mehr Unter- oder Oberwelt?

Unterwelt Film oder Buch?

Verdienste/Arbeitgeber. Früher habe ich immer nur das angenommen, was die Leute bereit waren zu bezahlen. Da kam oft wenig bis nichts rein. Das ist heute nicht viel anders. Meine Auftraggeber, es sind längst nicht nur Privatpersonen, oft ist es die Polizei, können oder wollen nur wenig berappen. Selbst bei Vorträgen ist das so. Saskia aus meinem Team hat mal für den Rotary- oder ­Lions-Club ein Referat gehalten. Entlöhnt wurde sie mit einer Weinkaraffe. Bei meinen (Fernseh-)Auftritten regnet es auch nicht haufenweise Geld. Es kommt zuweilen vor, dass ich Fälle kostenlos übernehme. Doch irgendwie müssen mein Team und ich überleben können. Soooo viel brauche ich aber nicht, meine Wohnung ist klein, gewissermas­sen auch mein Labor und Lagerraum. Ich lebe in einer Subsistenz. Es ist zuweilen schon paradox, wenn man als promovierter Wissenschafter in reichsten Ländern Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

Comics Selbst- oder Fremdüberschätzung?

(Selbst-)Unterschätzung Birke oder Tanne?

Beide Seaworld oder Disneyland?

Seaworld

Der Schein trügt ... Es gibt unterschiedliche Taten, die für Aus­ senstehende ähnlich sind, weil sie einfach schrecklich sind. Ich arbeite an einem Fall eines­ Kindsserienmörders aus Kolumbien. Der hat unzählige Kinder misshandelt und geköpft. Man hört in solchen Fällen oft, man müsse diesen aus dem Verkehr ziehen, an die Wand stellen und dann ist Schluss. Beim Kannibalen von Rothenburg, Armin Meiwes, war das nicht anders. Nicht wenige zogen mit ihm hart ins Gericht. Ist auch verständlich, man muss aber bedenken, dass zwar bei beiden eine sexuelle Lust mitgespielt hat, doch bei Meiwes beruhte­ die Lust auf gegenseitigem Einverständnis, beim Kindsserienmörder nicht. Dieser ist nicht zu Empathie oder Schuldgefühlen fähig. Je tiefer man sich reinbegibt desto mehr findet man, selbstverständlich, heraus. Bei diesem Kolumbianer war es etwa so, dass er die rund 300 Kinder immer aufrecht gehalten und ihnen währenddessen den Kopf abgetrennt hat. Dadurch schnitt er die Kehle rasch durch, entsprechend spritzte nicht so viel Blut wie es ansonsten üblich ist. So harsch das tönt, solche Informationshäppchen kristallisieren evidente Fakten heraus. Es ist wichtig, einerseits seelische Vo­ raussetzungen, anderseits spurentechnische Gegebenheiten zu berücksichtigen.

Francesco Redi oder Hermann Reinhard?

Francesco Redi Keller oder Estrich?

Keller Physischer oder psychischer Schmerz?

Auf keinen Fall Schmerz

Einschluss- und Ausschlussprozess. Das sogenannte Ausschlussverfahren ist eine­ Regel, die ich vom Sherlock-Holmes-Erfinder Sir Arthur Conan Doyle übernommen habe. Sie besagt, dass man alles aussortieren soll, das nichts mit der eigentlichen Tat zu tun hat. Was am Ende übrig bleibt, sei es noch so absurd, ist das robuste Fundament der erfolgreichen Aufklärung. Ich arbeite fast immer so, viele andere­ gehen nach dem Einschlussverfahren vor, das heisst, sie tragen soviele Informationen und ­Gegebenheiten zusammen wie nur möglich.


Kopflastiges

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Worte Cyril Schicker Bilder Patric Sandri

Edgar Allan Poe, George W. Bush, Adolf Hitler, Jörg ­Immendorf und Michel Friedman gehören zu den prominenten Aushängeschildern, wenn es um Drogenmissbrauch geht. Die sind jedoch vernachlässigbar, viel mehr Aufmerksamkeit gebührt den normalbürgerlichen Drogenkranken. Doch welche Arten von ­Drogen gibt es? Woher kommen sie? Welche Institutionen sind für Abhängige da?

D

ass Drogen die Welt beherrschen, ist nicht von der Hand zu weisen. Ebenfalls nicht von der Hand zu weisen ist ihre stolze Historie. Schon meh­ rere tausend Jahre haben sie auf dem Bu­ ckel und präsentieren sich nicht erst in der Moderne in einer beispiellosen Vielfalt. Im ­a ngelsächsischen Raum ist die Vielfalt gar noch grösser, zumal dort «Drugs» nach ­Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Arzneimittel allgemein bezeichnen. Definitionen sind sowieso obsolet, sie ­k icken redlichen Bemühungen, die in Rich­ tung Vorbeugung, Umgang sowie Verständnis tendieren, sträflich oft ans Bein. An vorders­ ter Beinkickfront befindet sich das Bundes­ amt für Gesundheit (BfG). Ist von Drogen die Rede, ­extrahiert das BfG – selbst heute noch – Alkohol und Tabak. Unterteilt werden die Forschungsthemen in die vier Subkategorien Alkohol, Tabak, illegale Drogen und Cannabis. Dr. med. Monika Ridinger, Chefärz­ tin und Geschäftsleitungsmitglied der Forel­ ­K linik, einem Kompetenzzentrum für die Behandlung von Alkohol-, Medikamen­ ten- und Tabakabhängigkeit, zur Definiti­ on: «Diese Bezeichnungen sind dem um­ gangssprachlichen Verständnis geschuldet. Nach sucht­medizinischer Definition han­ delt es sich stets um die Abhängigkeit von ¬

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sogenannten­ psychotropen­ Substanzen. Dabei unterscheidet man legale und illega­ le Substanzen. Umgangssprachlich unter­ scheidet man häufig Alkohol oder Tabak von ­Drogen und meint mit letzteren illegale Sub­ stanzen.» Kein Stiefmutterdasein Drogen, ein Sucht- und Abhängigkeitsphänomen, entfachen seit jeher lei­ denschaftlich geführte Diskussionen, bei denen gesichertes Wissen und vorgefasste Meinungen leider nicht immer strikt getrennt werden. Zur unwirtlichen Überschneidung gesellt sich der Faktor Emotionen, was einer sachlichen Diskussi­ on kaum förderlich ist. Erschwerend wirken über­ dies damit zusammenhängende interdisziplinäre Forschungsansätze wie zum Beispiel Molekular­ biologie, Psychopharmakologie, Neuropsycho­ logie und Humanwissenschaften. Rauschgifte werden längst nicht mehr Stiefmütterlich behan­ delt. Sie fordern einerseits (Todes-)Opfer und ver­ langen anderseits «hellen Geistern» viel ab. Was heisst das konkret? Was geschieht mit dem Konsumenten? Wie entstehen Abhängig­ keiten? Gemäss Coroma, dem Collège ­Romand de Médecine de l’Addiction sowie der Schwei­ zerischen Gesellschaft für Suchtmedizin (SSAM)­sind insbesondere psychologische, bio­ logische und soziale Vulnerabilität für Abhän­ gigkeiten verantwortlich. Monika Ridinger von der Forel Klinik ergänzt: «Die Sucht entsteht nicht isoliert, sondern als Folge eines komple­ xen Zusammenspiels von genetischen, persön­ lichen und umweltbedingten Faktoren. Dabei sind die familiären Modelle ebenso bedeutsam wie die Gleichaltrigengruppe (Peer Group) und der Schul- oder Berufsabschluss.» Allen Sucht­ mitteln gemein ist, dass sie auf einen bestimm­ ten Teil des limbischen Systems – ein Netzwerk aus Nervenbahnen – einwirken und zwar auf das sogenannte Belohnungs­system. Dabei wird das sich im Gehirnzentrum befindende «vent­ rale Tegmentum» aktiviert. Neurotransmitter In der Tegmentumstruktur laufen aus mehreren Gebieten des limbischen Systems Informationen über den Befriedi­ gungsgrad unterschiedlicher Bedürfnisse oder Aktivitäten zusammen. Sie werden anschlies­ send an «Nucleus accumbens», eine weitere Anordnung, die sich vorne im Gehirn befin­ det, weitergeleitet. Dadurch werden die für den Menschen interessanten Handlungen ermittelt und verstärkt. Der Neurotransmitter ist Dopa­ min. Dopamin, das vom Gehirn bei einer posi­ tiven und unvorhergesehenen Konsequenz eines Verhaltens in einer bestimmten Situation aus­ geschüttet wird, entspricht einem Lernsignal. Auf diese Weise ­erhöht das Gehirn die Auftre­ tenswahrscheinlichkeit dieses Verhaltensmus­ ters. Jede Substanz entfaltet eine ihr eigene Wir­ kung, die je nach Zugehörigkeit zu einer der drei grossen Gruppen psychoaktiver Substanzen an­ regend, dämpfend oder halluzinogen sein kann. Hierbei schnappen die Fragen nach Luft, welche Arten zurzeit den Markt überschwem­ men und was im Suchtuniversum heute anders ist als früher. Dr. Ridinger führt in prägnan­ Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

ter Weise Luft zu: «Deutlich verbesserte Dia­ gnostik und therapeutische Ansätze. Zunahme­ sogenannter komorbider psychiatrischer Stö­ rungen, also Sucht plus Depression, Persön­ lichkeitsstörung et cetera. Zunahme von Mischkonsumenten sowie zunehmende Über­ alterung. Bei Alkoholabhängigkeit sind zum Beispiel beim ‹zweiten Peak› des Beginns der Abhängigkeit. Dies bedeutet, dass die Alkohol­ abhängigkeit zunehmend bei über 50-Jährigen erst beginnt.» Dr. med. Hugo Kupferschmidt, seines Zeichens Direktor des Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrums, fügt an: «Seit einiger Zeit erleben wir einen Auf­ wärtstrend bei Kokain. Heroin und GHB ge­ hen zurück, Halluzinogenes ebenfalls.»

«Die Sucht entsteht nicht isoliert, sondern als Folge eines kom­ plexen Zusammenspiels von genetischen, per­ sönlichen und umwelt­ bedingten Faktoren.»

GHB – Horror mit drei Buchstaben Kup­ ferschmidt weiter: «Im Trend sind ausserdem schlaffördernde Medikamente sowie Opiate­ respektive opiathaltige Mittel. Zu letzteren gehören etwa Hustensirup mit Codein oder Tramal.» Kupferschmidt betont, Vergiftungen mit Schlafmitteln kämen jeden Tag vor. Das ist leidig, wobei ein Blick auf den Jahres­bericht 2009 durchaus Optimismus verspricht, zu­ mal bei drogenmissbräuchlichen Vergiftun­ gen eine abnehmende Tendenz festzustel­ len ist. Kupferschmidt winkt ab: «Das muss nicht zwingend so sein, denn oft werden wir bei Missbräuchen nicht kontaktiert. Norma­ lerweise wird der jeweilige Arzt eingeschaltet. Und Ärzte kommen nur auf uns zu, wenn sie nicht mehr weiterkommen. Das war zum Bei­ spiel so, als GHB auf den Markt kam.» GHB steht in diesem Zusammenhang nicht für das Musikinstrument Great High­ land Bagpipes, sondern ist das Akronym für 4-Hydroxybuttersäure. Das Gift wird um­ gangssprachlich auch Ko-Tropfen genannt. «GHB ist etwas vom Hinterhältigsten und Fiesesten, das es jemals gegeben hat. Damit werden oft Frauen betäubt und missbraucht. Und wenn es Männer betrifft, dann sind das meistens ältere Herren, die einer jüngeren Frau erliegen beziehungsweise im berausch­ ten Zustand von ihr ausgeraubt werden», so Peter Schüpbach, langjähriger Chef Betäu­ bungsmittelfahndung bei der Stadtpolizei Zürich. Der Drogen-Experte zeigt ein konfis­ ziertes GHB-Fläschchen, der Inhalt ist farb­ los und geschmacksneutral. Vom Betrachten und Beschnuppern her ist das Unding für­ wahr keinen Atemzug wert. Sichergestellte Drogen liegen in einer Asser­vatenkammer. Unter Aufsicht der Heil­ mittelkontrolle wird das Gift drei bis vier Mal pro Jahr in der Kehrichtverbrennungsanlage­ vernichtet. Gleichenorts werden die kon­ fiszierten Drogengelder zwischengelagert. Durchschnittlich eine Million Franken, per annum, spült das dort schlummernde Bargeld in die Schweizer Staatskasse. Die Asservaten­ kammer ist zum Bersten voll, der MarihuanaGeruch dominierend. Von der Hanfpflanze­ wurden 2009 58,5 Kilogramm beschlag­ nahmt, von Haschisch deren 5,5, von Heroin­ 15 und von Kokain 14. Erstere beide­kämen ¬


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KopflastigesBetäubende Allmacht

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hauptsächlich aus dem Nahen Osten, und Marokko, Heroin aus dem Goldenen Dreieck (Laos, Thailand, Myanmar) und Kokain aus Südamerika sowie Mexiko. Der bislang gröss­ te Fund, rund 70 Kilogramm Kokain, wurde 2006 in einem falsch gelieferten Umzugscon­ tainer ahnungsloser Privatpersonen entdeckt. Der Verkaufswert entsprach rund sieben Mil­ lionen Franken. Designerdrogen sind en vogue Aus Schüp­ bachs – erfahrener – Sicht seien derzeit Koka­ in, chemischer Extrakt aus Blättern des Coca-­ Strauches, Ecstasy inklusive MDMA sowie Speed, beides Amphetamine, hoch im Kurs. «In der Vergangenheit war Heroin populär, in der Moderne sind es Designerdrogen.» Der Experte fügt an: «Es hat ein Umdenken stattgefunden. Das ist aus Preisentwicklungs­ sicht zwar paradox, denn ein Gramm Heroin­ war zu Platzspitzzeiten für 700 Franken zu haben, heute kostet es lediglich 50 Franken. Das einst sehr beliebte Heroin ist inzwischen aber nun einmal als Verliererdroge bekannt.» Beim weitaus beliebteren Kokain – die Uni­ versität Bern mass im Genfer Abwasser, ge­ folgt vom Zürcher, Berner, Basler und Lu­ zerner die höchste Kokain-Konzentration (Benzoylecgonin) – sieht es anders aus. Stei­ gender Konsum gibt fallenden Preisen die Klinke in die Hand. «Ein Gramm war früher für 1000 Franken zu haben, heute für ledig­ lich 90 bis 100 Franken», erklärt er. Seine Arbeit, man kann es sich vorstellen, ist kein Zuckerschlecken. In seiner Laufbahn sei er schon mehrere Male von einer Spritze, vorsätz­ lich oder nicht, gestochen worden. Diese Stiche übertrugen ihm keine Krankheiten, dafür aber begleitete ihn ein jeweils wochen-, ja, gar­ mo­ natelanges Notfallprogramm. Seit er der Abtei­ lung vorsteht, ist Schüpbach fast ausschliesslich mit Führungs- und Administrativaufgaben im rückwärtigen Raum betraut, was ihm aber – wohl auch aus Familienvatersicht – zu beha­ gen scheint. Er, der Anfangs der 80-er Jahre mit sechs weiteren Polizisten damit beauftragt worden war, sich um die Drogenproblematik in der Stadt Zürich zu kümmern – und das zu ei­ ner Zeit, als man sich fragte, wie viel Haschisch die Süchtigen auf dem Platzspitz spritzten – hat schon einiges erlebt. Seine Mitarbeiter seien zu rund 80 Prozent der Dienstzeit draussen im Pulk. Die restlichen 20 Prozent beträfen Ad­ ministratives. Um nicht einzugehen, müssten Betäubungsmittelfahnder motiviert sein, inte­ ressiert, ebenso zuverlässig, teamfähig und fle­ xibel. Hm, auch wenn man solche Skills in je­ dem gewöhnlichen Stellenprofil wiederfindet, liegt dieses Berufsbild fernab eines Alltagsjobs. Dies alleine schon deshalb, weil mit der Dro­ genwelt unsittliche Begleiterscheinungen, etwa Diebstahl und Prostitution, einhergehen. (K-)Ein Hoch die Tassen! Schüpbach zum alltäglichen Konfliktpotenzial: «Egal, ob es eine Razzia oder eine Routinekontrolle ist, das Momentum des Überraschens muss auf Sei­ ten der Polizei sein. Sonst wird es heikel, denn Lust&VerdrussN°29Punktmagazin


Betäubende AllmachtKopflastiges

sechs fragen an die zollverwaltung NachGefragtCyrilSchicker

PUNKTmagazin Im Bericht «Zahlen und Fakten 2009» ist unter dem Kapitel Betäubungsmittel von Erfolg die Rede. Ab wann kann die Zollverwaltung von einem Erfolg sprechen? Stefanie Widmer* Der Zoll arbeitet bei seinen Kontrollen gestützt auf Risikoanalysen. Erkenntnisse aus Rapporten und Lageanalysen liefern der Zollverwaltung ein Raster – darauf gestützt werden Kontrollen durchgeführt. So ist es immer wieder ein Erfolg, wenn aufgrund der Vorarbeit ein Aufgriff illegaler Betäubungsmittel erfolgt. Das bestätigt die Effektivität der Kontrollen. Kurzum, von Erfolg ist die Rede, wenn die Zollverwaltung viele Aufgriffe in diesem Bereich erzielt oder Schmuggelfälle grosser Mengen Betäubungsmittel aufdeckt. Wenn die Zollverwaltung fünf Jahre zurückblickt und mit dem Heute vergleicht, was hat sich am stärksten gewandelt? Bei einem Vergleich der Jahreszahlen 2005 bis 2009 wird ersichtlich, dass die sichergestellten Betäubungsmittelarten die gleichen

geblieben sind, einzig die Mengen variieren. Für die Zollverwaltung bleibt die Aufgabe, den Schmuggel von Betäubungsmitteln zu bekämpfen, aktuell. Wie hoch schätzen sie den durch­ schnittlichen Prozentsatz an geschmuggelten Drogen, die nicht entdeckt werden? Dies ist eine Dunkelziffer und kann nicht ermittelt werden, entsprechend sehen wir von einer Antwort ab. Welche Schmuggelart dominiert und welche Art sucht bislang ihresgleichen? Aus taktischen Gründen können wir hier keine Angaben machen. Sicher ist, dass sich Schmuggelrouten und natürlich auch -verstecke laufend ändern. Wichtig ist für die Zollverwaltung, dass allfällige Trends erkannt und ihnen entgegengewirkt wird. Die Zollverwaltung arbeitet risiko­orientiert und mit modernen Kontrollmitteln, und sie arbeitet mit in- und ausländischen Partnerorganisationen zusammen. Was sind die jeweiligen Ursprungsländer für Haschisch, Marihuana, Heroin, Kokain, Khat

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und psychoaktivierende Pillen? Die Ursprungsländer können variieren. Auch wählen die Schmuggler verschiedene Routen und wechseln diese laufend. Häufig kommen die Betäubungsmittel jedoch aus den gleichen Regionen. So etwa Khat aus Ostafrika, Heroin aus Afghanistan, Kokain aus Südamerika, Marihuana aus ganz verschiedenen Regionen oder Pillen mit psychoaktiven Substanzen aus dem asiatischen Raum. Wie sind die gesetzgebenden Strafen ausgestaltet, das heisst, ab wie viel (und bei welchem Betäubungsmittel) kommt man mit einer Geldstrafe davon, wann wird eine Gefängnisstrafe ausgesprochen? Die Strafbestimmungen sind in Kapitel 4 des Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe festgelegt. Die konkrete Rechtssprechung im Einzelfall ist Sache der Justizbehörden.

Bild 01-07: Drogen werden nicht nur aufgespürt, sondern auch verbrannt. Aber auch ohne Feuer erhitzen Drogen die Gemüter, scheiden Geister, spülen Geld in die Kassen,­sorgen für Kriege und werden­oft genau dort konsu-

* Stv. Leiterin Kommunikation/Medien,­

miert, wo man es nie erwartet.­

Eidgenössisches Finanzdepartement EFD,­

Unerwartete­Funde machen

Eidgenössische Zollverwaltung EZV,

Zollbeamte­­­ganz oft. Fast

Oberzolldirektion, Stabsdienst.

schon Alltag sind Verstecke in Schuhabsätzen oder ins Netz gelaufene Kuriere, die sich für das Schlucken von sogenannten Findlingen einspannen lassen. Pfui Spinne!

oft sind Dealer breit vernetzt, überall lauern Gefahren. Leider hat sich die Gewalttätigkeit drastisch erhöht.» Gibt man sich einer Ret­ rospektive von 2000 bis 2009hin, sieht man man ebenfalls einen Anstieg der Toxi-Anfra­ gen. Der Anstieg von zehn Prozent sorgt je­ doch kaum für Ver­w underung. Dem pflichtet Hugo Kupferschmidt, Direktor des Toxikolo­ gischen Informationszentrum, bei. Er fügt an: «Die Schweiz liegt über all die Jahre im mit­ teleuropäischen Durchschnitt. Schweden da­ gegen schlägt oft obenaus. Weshalb das so ist, kann ich ihnen leider nicht sagen.» Na, das spielt auch keine Rolle, denn in diesem Zu­ sammenhang ist Mutter Helvetia sowieso wichtiger. Wichtig ist es, auch ein wenig über das Tox-Zentrum, wie das Toxikologische In­ formationszentrum in Zürich auch genannt wird, zu erfahren. Gerade (besorgte) Eltern sollten – je früher desto besser – Bekannt­ schaft damit machen. Des Doktors Einblicke: «Das Tox-Zentrum ist glücklicherweise schon

relativ bekannt und die Telefonnummer 145 überall in den Verzeichnissen anzutreffen, wo auch die Polizei und der Feuer­wehr drin stehen. Gegründet wurde das Zentrum 1966, derzeit arbeiten 35 Personen, also 19 Voll­ stellen, hier. Wenn ich von Personen spreche, dann meine ich damit Ärzte, Pfleger, Veteri­ näre, Apotheker.» Alle Achtung, Anrufende scheinen hier fürwahr ein enormes Wissen­ surquell anzapfen zu können. Ein «Hoch die Tassen» ist aber dennoch verfehlt, zu ernst ist das Thema. Ernst ist die Angelegenheit natür­ lich auch bei der Betäubungsmittelfahndung, denn sie muss nicht nur Drogen(-gelder) auf­ spüren und Kriminelle dingfest machen. Sie muss auch oft gegen unbetroffene Pri­ vatpersonen vorgehen, die aus Jux, Macho­ gehabe und Gruppendruck gerne in Ermitt­ lungen eingreifen – und diese gefährden. Der, oft zivile, Fahnder hat also stets auch die Auf­ gabe, sich wie seine Mitfahndenden zu schüt­ zen. Psychologisch versiert, empathisch, mit­ unter fremdsprachlich eloquent, und vor ¬ PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


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Kolumne

KopflastigesBetäubende Allmacht

allem konsequent müssen sie durchgreifen.­ Fahndungsoberhaupt Schüpbach lässt sich ­jedoch von diesem Blumenstrauss an Anfor­ derungen nicht in die Flucht schlagen. Dies auch dann nicht, wenn der Blumenstrauss eine fleischfressende Pflanze wäre. Auf die Frage hin, welchem Job er nachgehen würde, hätte er diesen nie gemacht, antwort er über­ zeugt: «Demselben.» Durchschnittsalter 45 Jahre Einem einfa­ chen Beruf gehen auch die Angestellten der Forel Klinik nicht nach. Chefärztin Monika Ridinger zeigt auf, weshalb: «Unsere Betten sind fast immer zu 100 Prozent belegt. Und das immerhin in einer Klinik, die schweiz­ weit die grösste Suchtfachklinik für Behand­ lung von Alkohol-, Medikamenten- und Ta­ bakabhängigkeiten ist. Konkret meine ich damit 80 Betten und rund 400 stationäre ­Behandlungen pro Jahr, eine Tagesklinik mit 20 Plätzen sowie ein Ambulatorium in Zü­ rich. Eine inhaltlich vergleichbare Behand­ lungseinrichtung, jedoch mit einer geringe­ ren Bettenzahl, existiert im Kanton Bern.» Wenn wir schon dort sind, wo am besten Auskunft gegeben werden kann, schauen wir doch der hässlichen Fratze direkt ins Gesicht. «Wie ich das heraushöre, wollen sie Angaben zum Patientenprofil haben», läutet Dr. Ridin­ ger ihre Antwort ein. Auf das erfolgte Nicken ergänzt sie: «Im stationären Bereich sind Al­ koholabhängige durchschnittlich 45 Jahre alt. Etwa 50 Prozent befinden sich im Erwerbs­ leben. Bildungsstand und Berufsausbildung entsprechen denen der Durchschnittsbevöl­ kerung. Alkoholabhängige zeigen in mehr als 70 Prozent der Fälle auch eine Tabakabhän­ gigkeit. Zudem existieren weitere psychiatri­ sche Störungsbilder, die Verlauf und Prognose der Alkoholabhängigkeit ungünstig beein­ flussen können. In etwa einem Fünftel der Fälle sind dies Persönlichkeitsstörungen oder eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivi­ tätsstörung, in zirka einem Drittel traumati­ sche Belastungen und bei bis zur Hälfte der Betroffenen ist auch eine Angststörung oder Depression zu sehen.» Nicht Alkohol-, son­ dern Tabakabhängigkeit ist gemäss Ridinger die am häufigsten anzutreffende Krankheit. So hässlich sich das alles schon so anhört, hässlich sind auch hohe Rückfallquoten. «Nach stationärer psychotherapeutischer Be­ handlung, die durchschnittlich 75 Tage dau­ ert, sind etwa die Hälfte der Patienten auch nach einem Jahr nachhaltig abstinent oder zeigen einen moderaten Alkoholkonsum.» Zu entscheiden, ob dies eine schlechte, mo­ derate oder gute Relatio ist, bleibt jedem sel­ ber überlassen. Wo hingegen alle (Private, Firmen, Staat) miteinander am selben Strang ziehen könnten, sei in Bezug auf konsequen­ te Aufklärung und auf politische Rahmen­ einschränkungen. Monika Ridinger kon­ kretisiert: «Damit meine ich zum Beispiel Konsumbeschränkungen am Arbeitsplatz (Alkohol, Tabak) und die Kontrolle der Ver­ fügbarkeit sowie Werbeeinschränkungen.» Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

Der Querdenker

Kronzeugnis

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er hätte das gedacht? Nun hat auch das Internet seinen ersten Freiheits­ kämpfer hervorgebracht. Pünktlich zur Weihnachtszeit werden wir Zeitzeugen einer Hetzjagd. Hollywood und Herodes gemeinsam hätten es nicht besser inszenieren können, denn der Internet-Tell vereint die Charaktere von Dr. Richard Kimble, Calimero und Austin Powers. Er ist aus der Internet-­ Retorte auferstanden, um die wohl wahnsinnigste Persönlichkeit aller Zeiten zu werden. Ein durchgeknallter Freimaurer? Sonderbar ist er alleweil, was die Chancen einer erfolgreichen Diffamierung seiner Person zusätzlich erhöht. Zurzeit irrt er als digitaler Kachelmann durch das Web. Aus Sicht der Obrig­ keit ist der Freidenker gesellschaftliches Napalm, versehen mit dem Marsch­ befehl, die Obrigkeit zu brandschatzen. Ihm geht es sicherlich nicht um Ge­ rechtigkeit oder um die Suche nach der absoluten Wahrheit. Es liegt auch nicht an uns, das Cyber-Findelkind als den absoluten Weltverbesserer hinzustellen, der das Internet für seinen persönlichen Selbstfindungsprozess missbraucht. Sein Scheitern in der Zivilgesellschaft, sein Wissen um die eigene Grenzwer­ tigkeit und der Drang nach Anerkennung machen ihn zum radikalsten Inter­ netaktivisten aller Zeiten. Die zentrale Frage lautet, ob seine Ideologie von der Internetgemeinde auf die Analoggesellschaft überspringt und eine neue Mas­ senbewegung auslöst. Der Wahnsinn hat einen Namen: ­Julian Assange.­ Der Mitbegründer von Wikileaks greift mit seinen weltweiten Whistle-Blower-­ Servern den US-Staat frontal an, der nun selbst am peinlichen Internetpran­ ger hängt. Wer hätte gedacht, dass sich das ach so moralische Amerika mit sei­ nem eigenen Anspruchsniveau und den schonungslosen Verwerfungen seiner Aussenpolitik konfrontiert sieht. Wikileaks ist das webbasierte Awacs-System gegen politische Skrupellosigkeit und wird somit ungewollt zum Konkurren­ ten von Amnesty International. Google wird zweifelsfrei mittels vollkomme­ ner Transparenz seinen erheblichen Beitrag am zukünftigen Erfolg von Wiki­ leaks leisten. Das Internet wird zur Heimat der einflussreichen Hinweisgeber, mit der Hoffnung, Verbrechen an der Menschlichkeit endgültig auszurotten. Kaum zu glauben, dass das Internet – seineszeichens voller Kinder-Pornogra­ phie – einmal die Weltmoral beheimaten würde und das vollzieht, was der ­Dalai Lama über Jahrhunderte hinweg vergeblich versucht hat. Pazifismus ist gut, Öffentlichkeit und Wahrheit sind besser. Wird die virtuelle Welt zum Ge­ burtshelfer einer neuen Weltmacht, die endlich Waffen offener Kommunikati­ on und Transparenz in den Dienst der Menschlichkeit stellt? Wird uns Assange­ an der «Leidplanke» hängend von den Sünden unserer Politiker und derer, die sie gewählt haben, befreien können? Es bleibt nur zu hoffen, dass Wikileaks nicht Opfer von staatlich manipulierten Beweisen wird. Ich bin mir sicher, dass mit Hilfe von Wikileaks die Massenvernichtungswaffen-Weltlüge der Herren Blair und Bush bereits im Vorfeld des Irak-Feldzuges aufgeflogen wäre. Colin Powell, damaliger US-Aussenminister, wäre dann wohl der bekannteste Kron­ zeuge aller Zeiten geworden. In diesem Sinne: «I have a dream!»

Der Querdenker hat sich die «etwas andere Informationsvermittlung» auf seine Fahne geschrieben. Diese ist stets gehisst, auch dann, wenn der Wind eisig bläst.


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WorteRinoBorini Bilderchristinebärlocher

Sein eigener Chef zu sein, ist ein Traum vieler. Begeisterung, gründliche Planung und solide Finanzierung sind dabei unerlässlich. Mit Swiss Christmas, ein Besonderes Weihnachtsspektakel, haben Johannes und Anna Mayer diesen Schritt gewagt. Ihr Traum soll auch andere zum träumen bringen. Doch damit dies möglich wurde, musste so manches Hindernis überwunden werden.

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GenüsslichesDas neue schweizer Weihnachtsspektakel

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elbständigkeit ist für viele zwingender Bestandteil der persönlichen Entfaltung. An oberster Stelle steht dabei die Verwirklichung eines Traums. Doch Träume können nur realisiert werden, wenn die ­Geschäftsidee stimmt, eine solide Finanzierung gewährleistet ist – und Gewinn erzielt wird. Ansonsten wird der Traum, schneller als einem lieb ist, zum Albtraum. Mit Visionen und Träumen allein lässt sich kein nachhaltiges Business auf bauen. Oder doch? Johannes und Anna Mayer waren­ schon seit Jahren fasziniert von der Idee, andere Menschen zu verzaubern und sie aus dem Alltag entfliehen zu lassen. Umgesetzt haben sie ihren Traum mit Swiss Christmas,­ dem Weihnachtsspektakel auf der Offenen Rennbahn in Zürich Oerlikon. Der Weihnachtszirkus soll Tradition und Modernität auf eine charmante Art verschmelzen. Vor allem bezüglich Modernität will sich Swiss Christmas von den beiden bisherigen Platzhirschen Zirkus Conelli und Salto Natale­ ­­unterscheiden.

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Schrott und Bauchentscheide Johannes Mayer, der von allen Balou genannt wird,­ erklärt: «Wir haben nichts Neues erfunden, wir haben vielmehr Mut gezeigt, indem wir Multi­mediales, Romantisches, Schräges, Festliches und Erfrischendes in einer Erlebniswelt zusammenführen.» Seine Frau Anna­ ergänzt: «Swiss Christmas trägt von A bis Z­­ unsere Handschrift. Wir haben über viele­ Monate diverse Shows angeschaut und mit vielen Artisten und Künstlern gesprochen, bis wir das richtige Team zusammenhatten.» Balou weiter: «Wir haben uns auch sehr viel Schrott ansehen müssen. Entscheide haben wir mit dem Bauch gefällt.» Dank viel Einsatz ist es den beiden Jungunternehmern gelungen, bekannte Köpfe für ihr Programm zu gewinnen. So zum Beispiel den Schweizer Schauspieler Oliver Bürgin, der als Erzähler einer Weihnachtsgeschichte­ durch das Programm führt. Nebst einem Live-Orchester wird er von der attraktiven Alphornspielerin Eliana Burki begleitet. Die 27-jährige Profimusikerin rockt, jazzt, funkt und soult mit ihrem Alphorn und verwischt die Grenzen zwischen Tradition, Jazz, Funk und Blues stets aufs Neue. Als musikalischer Leiter fungiert der Schweizer Hitproduzent (Bligg, Baschi) Roman Camenzind, der zusammen mit seinem Team auch den Titelsong für Fabienne Louves produziert hat. Insgesamt sind 40 Artisten und Künstler aus neun verschiedenen Nationen engagiert. Ihr Job besteht darin, das Publikum zu ­begeistern und in eine Traumwelt zu entführen. «Uns war wichtig, dass das Publikum aus dem Alltag entfliehen kann und sich während zwei Stunden verzaubern lässt», so Balou. Ist das nicht das Ziel aller Veranstaltungen? Anna,­ den Einwand vermutlich­ nicht zum ersten Mal hörend, erläutert, dass Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

es eben nicht einfach eine weitere Show sei: «Ein schöner Weihnachtsmarkt, der die Gros­sen und Kleinen in eine weihnachtliche Stimmung versetzt, ein Foyerzelt, das mit ­k ulinarischen Elementen eine gemütliche­ ­­Begegnungsstätte darstellt und ein Dinnerzelt, in dem sich die Besucher kulinarisch verwöhnen lassen können gehören ebenso zum Gesamtpaket.» Tradition und Modernität Aber trotzdem, Weihnachtszirkus? Hat es da überhaupt Platz für einen dritten Veranstalter? «Klar! Unser Weihnachts-Paket ist anders geschnürt als bei den beiden Konkurrenten. Zudem haben­ wir die Kunden der Zukunft, die Kinder, von Anfang an eingebunden», erläutert Balou. Anna ergänzt: «Wir haben nicht nur Kindervorstellungen, sondern bieten sogar eine Kinderbetreuung an den Abendvorstellungen. Es gibt spezielle Familientickets, damit wird auch für eine vierköpfige Familie ein solches Weihnachtsspektakel erschwinglich. Diese Idee haben wir uns beim stadtzürcher Eishockeyteam ZSC Lions abgeschaut.» Durch die Verbindung von Tradition und­ Modernität wird der jungen und jung ­gebliebenen Zuschauerschar einiges geboten. So fasziniert die Gruppe Stylize Abend für Abend mit ihrer Choreographie das Pu­ blikum. Die acht Zürcher verschmelzen Breakdance mit Ballett und Steptanz. Es verwundert nicht, dass sich sogar Dimitri,­ der nach wie vor erfolgreichste Schweizer Clown, an der Premiere kaum mehr im Stuhl halten konnte und mit Applaus nicht geizte. Nochmals zurück auf die Frage zum Standort Zürich-Oerlikon. Die Konkurrenz ist ebenfalls in Zürich präsent, warum ist man nicht ausgewichen nach Bern, Basel oder Luzern? Balou rechnet vor: «Das Einzugs­ gebiet von Zürich ist viel grösser als dasjenige von Bern oder Luzern. Mit rund einer Stunde Entfernung haben wir das Potenzial von 2 bis 2,5 Millionen potenziellen Gästen. Das Einzugsgebiet geht bis nach Singen, in den Vorarlberg und die Innerschweiz. Zudem bietet Zürich die nötige Infrastruktur, seien es Parkplätze oder ein gut ausgebautes öffentliches Netz.» Das ist wichtig für Geschäfts­ kunden, die bei Swiss Christmas einen substanziellen und somit überlebenswichtigen Umsatzanteil generieren. So ein Weihnachtsspektakel kostet Geld. Das imposante 10-Master-Zelt, Miete für die Multimedia-Anlage, Löhne für Artisten, Künstler und sonstige Angestellte – alles will bezahlt sein. In welchen finanziellen Dimensionen bewegt sich Swiss Christmas? «Das Produktionsbudget beträgt knapp fünf Millionen Franken», erläutert Balou während des Gesprächs im legendären Rennbahn-Stübli. Dieses Geld muss zuerst aufgetrieben werden. Wie so oft bei solchen Ideen, spielt Bier eine­Rolle. Auf einer Grillparty – an der reichlich Bier floss – begann der Traum des Ehepaars Mayer so richtig zu reifen. Grillparty-­ Veranstalter Michel Fässler ­hatte genug ¬


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PunktmagazinN째29Lust&Verdruss


GenüsslichesDas neue schweizer Weihnachtsspektakel

Die Liquiditätsplanung kostete Anna viel Zeit und strapazierte ihre Nerven arg. «Du musst alles im Voraus bezahlen, doch die Einnahmen kommen erst viel später.» Vie­ le junge Firmen steuern trotz guter Business­ idee gradlinig in den Konkurs, weil sie die ­L iquiditätsplanung nicht im Griff haben. Dies wurde garantiert durch ­einen ­erfahrenen Controller, der Swiss Christmas von einem der F ­ inanciers zeitweise über­lassen wurde. «Das Timing ist ebenso ein Knackpunkt», sagt Balou. Zu welchem Zeitpunkt soll die Kommunikation starten? Ab wann denken Herr und Frau Schweizer an Weihnachten und viel wichtiger, ab welchem Zeitpunkt sind sie bereit, ihre Geldbörse zu öffnen, um Tickets zu ordern. Erste Schlüsse für eine zweite Auflage sind bereits gezogen: «Beim Einkauf kann man viel optimieren. Wir kön­ nen uns vorstellen, 2011 einen professionellen Einkäufer zu engagieren.» Einkauf beginnt schon bei vermeintlich kleinen Dingen. So kostet eine Rolle Klebeband im Jumbo rund 15 Franken, in der Landi lediglich 4. «Das muss man erst mal wissen!» Dies sind jedoch nur einige der zahlrei­ chen Schwierigkeiten, die ein Neuling zu bewältigen hat. Geschafft haben sie es, weil Anna­und Balou lange Zeit bei verschiedenen ähnlichen Veranstaltungen gearbeitet haben. So hat Balou beim Cirque du Soleil und un­ zähligen weiteren Produktionen mitgewirkt. Anna beschreibt sich als Vagabund. 1991 hat sie bei Good News das erste Mal Showluft ­geschnuppert und ist beim Event «Himmel auf Erden» mit Rolf Knie in Kontakt gekom­ men. Sie war dann auch die erste Mitarbei­ terin von Knies Salto Natale. Es war eine Traumstelle, doch nach sieben Jahren muss ein Vagabund weiter, so Anna.

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von Johannes Mayers ständigen Träume­ reien und forderte ihn auf, ein klares Konzept zu schrei­ben. Von diesem war der erfolgreiche Unternehmer begeistert und investierte da­ raufhin mit seiner Frau Rosa in das Projekt. Heute ist Fässler Partner von Swiss Christmas. In dieser Funktion organisierte er weitere Fi­ nanciers, die jedoch im Hintergrund bleiben. Immer diese Details ... Der Businessplan stand und die Finanzierung für das erste Jahr war gesichert. Um die Gewinnschwelle zu überschreiten, benötigt Swiss Christmas im ersten Jahr eine Auslastung von 60 Pro­ zent. Doch so einfach war es nicht, bevor das Projekt gestartet werden konnte, galt es zahl­ reiche Hürden und Schwierigkeiten zu bewäl­ tigen. Balou gibt ehrlich zu, dass sie einige Dinge unterschätzt haben. Seine Frau kon­ kretisiert: «Such mal eine Versicherung, die einem Neuling ein solches Riesenprojekt ver­ sichert. Es geht nicht nur um eine Unfallver­ sicherung, auch gegen Epidemien und vieles weitere muss man sich versichern.» Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

Zwei Geschichten in einer Swiss Christmas ist die Geschichte eines frustrierten Weih­ nachtsmuffels, der sich während der Vor­ stellung verliebt und dank der Liebe seine Schwäche für das besinnliche Fest entdeckt. Swiss Christmas ist aber auch eine Unterneh­ mergeschichte. Balou und Anna sind die Pro­ tagonisten, Michel und Rosa Fässler sowie ein grosses Team an Mitarbeitern, Künstlern und Artisten die unverzichtbaren Partner. Bei Anna und Balou spukt der Unterneh­ mergeist im positiven Sinne. Seit Monaten dreht sich ihr Leben fast ausschliesslich um Swiss Christmas. Sein eigener Chef zu sein, ist zwar spannend und befriedigend, aber auch sehr anstrengend. Denn Arbeit und Pri­ vates zu verbinden, heisst im Endeffekt oft nichts anderes, als gar keinen Feierabend mehr zu haben. Dies gilt zumindest bis zur letzten Vorstellung am 2. Januar. Wenn die Zelte abgebaut sind und auch sonst alles geregelt ist, werden Anna und Jo­ hannes Mayer ihre wohlverdienten Ferien geniessen. Doch die Planung für die zweite Auflage – die, wenn es nach den Veranstal­ tern geht, auf jeden Fall stattfinden soll – von Swiss Christmas beginnt schon bald.


Kolumne

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Dr. Dirk Boll

Viel Lust und wenig Verdruss

D

ie soeben in New York beendete Saison zeigte einen starken Markt und zahlreiche Umsatzrekorde. Wenn die New York Times «The Season of Warhols» ausruft, bildet dies eine offensichtliche Entwicklung ab. Gekauft wird klassische Nachkriegskunst – je expressiver desto besser. Käufer wa­ ren hauptsächlich Amerikaner. Die Kunstwelt probt den Spagat: Einerseits definiert das Zeitgenössische immer stärker die Wahrnehmung von Kunst, anderseits möchte der Käufer das Avantgarde-Erlebnis mit grösstmöglicher ­Sicherheit verbinden. Nach dem Boom der Zeitgenossen ist nun vor allem die Kunst der Nachkriegszeit gefragt. In den letzten Dekaden des 20. Jahrhun­ derts wurde der Avantgarde-Charakter zeitgenössischer Kunst in den Vor­ dergrund gestellt. Um avantgardistisch zu sein, musste Kunst stärker als je­ mals zuvor etablierte Geschmacksvorstellungen in Frage stellen. Dadurch veränderte sich auch ihr Status. Kunst wurde nicht nur aufgrund ihres Prei­ ses zum Statussymbol, sondern weil sie Rückschlüsse auf den Interessenten oder Eigentümer, der über nötige Bildung und intellektuelles Interesse für das Werk verfügt, zulässt. Diese Haltung hat sich weiterentwickelt. Denn Nachkriegskunst ist ebenfalls noch jung genug, um intellektuellen Glanz auszustrahlen und nicht mit Erhaltungsproblemen belastet, aber auch alt genug, um markterprobt zu sein. Viele Künstler sind inzwischen derart eta­ bliert, dass sich ein Privatkäufer auch ohne Galeristenexpertise sicher fühlt. Der heutige Sammler kauft optisch eingängige, leicht zugängliche und ver­ ständliche Kunst, mit der er gross geworden ist. Zwar ist die Käuferschicht für Nachkriegskunst global und Pop Art in China, Russland und Abu Dhabi genauso gefragt wie in Kalifornien. Allerdings hatten Auktionen diese Sai­ son mit jeweils über 60 Prozent US-Käufern einen signifikant höheren An­ teil an Bietern aus dem Dollarraum. Man ist geneigt, dies auch als Zeichen mangelnden Währungsvertrauens zu sehen. Zudem muss man anerkennen, dass die amerikanische Sammlertätigkeit immer mehr von grosser Kennt­ nis bei Sammlern selbst gestützt wird – ein Hauptgrund für die Zunahme von Qualitätsselektion wie Preisentwicklung. Speziell US-Sammler haben gelernt, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln sparsam umzugehen und sich auf gute Qualität mit geringeren Preisschwankungen zu beschränken. Ermüdungserscheinungen im mittleren Preissegment sind die Folge. Die Trennung von Spitzenwerken und Mittelmass teilt den Markt unbarmherzig. Interessanterweise hat dies keinen Einfluss auf die generelle Verkaufsquote pro Stück. Mit jeweils über 90 Prozent in den Abend- und um die 75 Pro­ zent in den Tagauktionen muss man von einem soliden «Abverkauf» spre­ chen. Für ein Meisterwerk hingegen gibt es kaum Grenzen. Eine prognosti­ zierte Wertsteigerung rechtfertigt selbst einen exorbitanten Marktpreis, da er in Zukunft wieder überboten werden wird. Eine Untersuchung hat erge­ ben, dass mit dem Wert des Werkes auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass es wieder auf den Markt gebracht wird.

Jurist und Kulturmanager Dr. Dirk Boll ist Managing Director von Christie’s Schweiz. Als Publizist ­w idmet er sich strukturellen wie rechtlichen Fragen der Kunstbetriebe.

PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


Genüssliches

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Kunstvoller

Eklektizismus WorteCyrilSchickerBilderKrisKuksi

Der Kunstmarkt steht nicht nur für Spannung und Unterhaltung, sondern sorgt auch immer wieder für ­verkaufstechnische Preisrekorde. Doch wo beginnt Kunst, wo hört sie auf? Was ist überhaupt Kunst? Der amerikanische Kunstvirtuose Kris Kuksi gibt sich diesen Fragen hin – ­­ und auch dem Morbiden, dem Maka­ beren, dem Bizarren ...

G

eht Kris Kuksi zu Werke, entsteht Kunst, die Bizarrerien und Fatalitä­ ten vereint, zuweilen aber auch Herz­ erwärmendes mit sich bringt. Speziell seine Skulpturen – Kris arbeitet daneben auch an Zeichnungen und Malereien – erinnern mehr an Sinistres als an Frohlockendes. Seine Wer­ ke tragen denn auch düstere Namen wie «Pan Discomforting Psyche», «Churchtank Type 7C», «Sanctuary Of The Bewildered», «House Of Fascism» und «The Plague Opus I». Doch läppische Effekthascherei betreibt er damit nicht. Vielmehr versucht er, zeitlose Kunst mit pessimistischem Anstrich zu ver­ sehen, ohne dabei zu vergessen, auf gewisse Paradoxien in Bezug auf den Tod und globa­ le Ungemache Aufmerksam zu machen. Das

führt uns zur ersten Frage, was der denn Tod überhaupt sei. Kris dazu: «Tod bedeutet das Ende von Körperfunktionen. Was uns aber bleibt, ist ein universeller Geist, der uns zu Empfängern und Vermittlern ‹degradiert›. Aber auch wenn unser Körper stirbt, besteht die Chance, dass das Bewusstsein weiterhin vorhanden ist. Das heisst, physische Ener­ gie transformiert sich in ein anderes Wesen. ­Lebendig oder nicht.» Tod als Dreh- und Angelpunkt Kris er­ gänzt: «Kurzum, der Tod ist lediglich die Energietransformation von einem Wesen zum anderen.» Wenn dem so ist, wieso haben denn so viele Menschen Angst vor dem Tod? Sich ein bisschen der Umwandlung hinzuge­ ben, ist doch spannend. «Leute fürchten sich deshalb, weil der Tod für sie das unbekannte, aber absolute Ende darstellt. Davon profitie­ ren Religionen ungemein, fliehen doch vie­ le Menschen vor dem Tod respektive suchen sie nach Antworten in religiösen Lehren.» Die Beantwortung der Frage, ob diese Flüchtigen tatsächlich heilvolle Antworten finden, bleibt jedem selber überlassen. Gehörte Kris zu den Flüchtenden, wohin begäbe er sich? Er erklärt ein wenig maulfaul: «Mein bevorzugter Ort ist das Purgatorium.» Purgatorium steht für Fegefeuer, ­Fegefeuer ¬ PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


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wiederum gilt als Reinigungsort, bei dem die Seele des Verstorbenen auf den Himmel vorbereitet wird. Nun denn, den römischen Katholizismus ausblendend und die todes­ nahe Fragerei langsam abschliessend, welche Farbe assoziiert er mit dem Tod? «Ich sehe den Tod nicht in schwarzer Farbe und schon gar nicht in Weiss, wie es zum Beispiel die Chine­ sen tun. Für mich passt zum Tod ein AvocadoGrün», so Kris schalkhaft. Definitionen, Personenkult ... Das Todes­ thema scheint Kris sichtlich Freude bereitet zu haben. Doch selbstverständlich glitzern seine Augen auch dann, wenn sich das Ge­ spräch in Richtung Kunst bewegt. Kunst hat ja bekanntlich viele Gesichter, auch scheint jeder auf seine Art selber ein Künstler zu sein. Oder doch nicht? «Kunst ist gewissermassen ein Charakterzug des Menschen, der undefi­ nierbar, nicht messbar, geschweige denn be­ rechenbar ist.» Kris mit verfinsterer Miene: «Akademien, Kunsthistoriker und Konsorten haben Kunst durch ihre Definitionswut abso­ lut entstellt. Meiner Meinung nach hat Kunst keinen Anspruch auf eine Definition. Kunst ist Kunst, basta!» Diese Anti-Definitionshal­ tung schreit nach der Frage, ab wann man sich eigentlich Künstler nennen darf? Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

Das Kunstuniversum scheint ja f liess­ bandähnlich solche zu produzieren. «Gewiss, es gibt viele Künstler oder zumindest viele, die sich gerne als solche sehen. Ich persön­ lich sehe nur jene als Künstler, deren Kunst nicht gewissen Trends folgt oder einem Per­ sonenkult huldigt», antwortet der gebürtige Amerikaner. Apropos, auf seiner Homepage führt er einige Celebrities auf, die seine Kunst verehren. Das driftet zwar nicht in die Nie­ derungen einer Huldigung, dennoch macht er sie sich offensichtlich als Testimonials zu­ nutze. Was bezweckt er damit? Kris winkt ab, und irgendwie doch nicht: «Sicherlich scha­ det es mir nicht, wenn ich Persönlichkeiten wie Fred Durst (Sänger von Limp Bizkit), Mark Parker (CEO von Nike) oder Chris Weitz (Filmregisseur) auf meiner Website er­ wähne. Aber ob sie mir viel nützen, beispiels­ weise meinen Bekanntheitsgrad erhöhen, ­bezweifle ich. Doch ich kenne sie persönlich und schätze sie auch, weshalb die Auflistung für mich Sinn macht.» Kris Kuksis Heroen Sinn oder Unsinn, uns interessiert an dieser Stelle, wie er seine Kunst beschreibt und wodurch sie beeinflusst ist. «Nun, meine Werke verwenden Bilder und Symbole aus der realen wie auch aus der

surrealen Welt. Sie ist für viele negativ behaf­ tet, das heisst, viele sehen darin das Morbide, das Exzentrische, das Abstruse. Schliesslich aber will ich damit Soziales und Politisches ansprechen, ebenso jegliche Verhaltenswei­ sen, positive wie negative.» Kris komplet­ tiert: «Mein Hang zum Unüblichen, Makabe­ ren und Grotesken hängt womöglich indirekt mit meiner Kindheit zusammen. Meine Ar­ beiten sind einfach Ausdruck einer empfind­ samen Wahrnehmung.» Empfindsamkeit ist ein gutes Stichwort, inwiefern sagen ihm Awards zu? Bedeuten sie ihm, wie man ver­ muten könnte, nichts? «Nein, im Gegenteil, es fühlt sich gut an, wenn die eigene Arbeit ausgezeichnet wird. Jedoch muss ich auch sa­ gen, dass die Preise selber nichts über die Ar­ beit aussagen, denn schon viel zu oft wurden schlechte Werke gekrönt.» Selbst der Subjektivität werden keine ­Limiten gesetzt, so wie es scheint. Welche preislichen Limiten ziehen seine Kunstobjekte­ nach sich? Kris dazu: «Oha, da bin ich relativ wortknausrig, kann aber – ich gebe zu, das ist doch sehr schwammig – zumindest sa­ gen, dass es bei ‹viel› beginnt und bei ‹sehr viel› aufhört.» Erachtet er denn Kunst auch als Investmentopportunität? «Absolut. Mei­ ne Kundschaft weiss aber darüber wohl mehr


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Bescheid als ich.» Was aber wahrscheinlich nicht jeder von ihnen weiss, ist, dass er ein Faible für frühere Kunstvirtuosen wie Hiero­ nymus Bosch oder Gian L. Bernini hat. Wer lässt sich hierbei noch dazuzählen? «Ach, das sind so viele, speziell aber mag ich Alphons Mucha, Antonio Canova, H.R. Giger, Louis Sullivan und Ernst Fuchs», schwärmt er. Ger­ ne lassen wir ihn weiter schwärmen, sind aber neugierig auf die Unterschiede zwischen der Kunst vor zehn Jahren und der heutigen. «Ei­ nerseits hilft uns heute das Internet, um an die bestehende und potenzielle Klientel he­ ranzukommen. Das war früher natürlich we­ niger so. Anderseits gibt es heute viel mehr einzigartige und völlig unterschiedliche For­ men der Kunst, Traditionelles trifft da auf so­ genannte Art brut.» Lust und Verdruss Das Gesprächsende naht, weshalb dem Künstler einige Fragen gestellt werden, die lediglich Kurzantworten erfor­ dern. Bereit? «Ja, schiess los!» Wann war deine erste Berührung mit Kunst? «Ich ha­ be schon während der Schwangerschaft, al­ so im Mutterleib, mit Fingerfarben hantiert. Meine Mutter wird es dir bestätigen.» Du bist also reich an Erfahrung, bist du auch reich an Vermögen? «Tja, ich habe genügend Geld,

um zu machen, was ich will. Das heisst aber nichts. Frag mich nochmals, wenn ich 45 Jah­ re alt bin.» Übrigens, Werke von Kris Kuksi ziehen Preisspannen von 1000 bis (weit) über 100 000 Dollar nach sich. Welche Kunstaus­ stellung ist die beste? «Das ist bei weitem die Design Miami, die jeweils im Dezember statt­ findet.» Du bist ein Weltenbummler, welche Orte haben es dir angetan? «Berlin, Wien, Gruyères, London.» Der «Exot» Gruyères lässt sich damit erklären, dass im kleinen Freibur­ ger Städtchen das ­H.-R.-Giger-Museum be­ heimatet ist. Im Internet findet man unzäh­ lige Berichte und Bilder von dir und auch in Blogs bist du stark präsent. Wie erreicht man das? «Ich scheine wohl etwas zu machen, das einzigartig ist, anderen Freude bereitet und zudem verdeutlicht es die Wichtigkeit des In­ ternets, zumindest für mich.» Das übergeordnete Thema ist ja Lust und Verdruss. Was ist für dich Lust und wo ver­ kommt Lust zu Verdruss? «Ersteres, wenn Leute von meiner Arbeit inspiriert werden und überdies wenn ich sehe, dass notwendige Änderungen Tatsache werden, wenn Korrup­ tionen wie auch andersartige Ungemache ans Tageslicht kommen. Niederschmetternd fin­ de ich Hass und Gewalt, allesamt zu stark auf dieser Welt grassierend.»

Kris Kuksis (Boll-)Werke mit den zuweilen verstörenden Namen «Eden», «Pan Discomforting Psyche», «A Heroic Abduction», «The Temptation of St. Anthony» und «Auto-Cephalic Supplicating Vehicle» entstanden während den vergangenen zwei Jahren. Kuksi, wahrlich ein Perpetuum mobile, wandte sich daneben auch noch Zeichnungen, Skizzierungen sowie Malereien hin.

PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


pompös

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W

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PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


Quotidian

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QuotidianGenüssliches

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hosenträger ­ der extraklassse Charlie Chaplin trägt sie. Sherlock Holmes trägt sie. Farah Fawcett trägt sie. Die Rede­ ist von Hosenträgern. Vielleicht bald schon­ «Hosentreger», denn der Luzerner­ Hersteller­ Treger erobert die Herzen mit seinen Stücken­im Sturm.

D

er mehr oder minder beliebte US-Talk­ master Larry King ist nicht nur für seine knallharten Inter­ viewfragen bekannt, sondern auch für seine Hosenträger. Doch King ist bekennender Scientologe und erst noch verstaubt. ­Insofern soll­ ten wohl eher Sherlock Hol­ mes, Olivia Newton-John, Farah Fawcett und Charlie Chaplin als Testimonials ins Feld ­geführt werden. Oder eben Hosentreger. Die junge­ Firma aus dem schnieken Luzern sorgt für nahtloses arbeiten. Vom Design über Entwicklung der Schnitte hin zur Her­ stellung wird alles­von Hand gemacht. Massgeschneiderte­ Einzelstücke sind im Hause Treger keine Seltenheit. ­Hosenträger sind allgemein etwas vom Herzallerliebsten und lassen­ Mann wie Frau in schönem und aus­ sergewöhnlichen Licht erscheinen. Und ja, wie sagt es der polnische Autor ­Stanislaw Lem so wunder­ schön? «Auch meine Hosenträ­ ger sind intelligent.» Wer kei­ ne «tregt», ist selber Schuld.

Wettbewerb PUNKTmagazin verlost gemeinsam mit Teger 8 Einzelstücke (4 für die Frau, 4 für den Mann). Pro Person kann jeweils ein Treger-Schmankerl gewonnen werden. Eine Email an wett­ bewerb@punktmagazin.ch mit dem Stichwort «Treger» genügt. Military-Look für den Alltag Diese Männer-Tasche der

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PunktmagazinN°29Lust&Verdruss


GenüsslichesApart

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descendo

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WorteRinoBorini&CyrilSchicker BildBorisGassmann

Chefredaktor Rino, blick doch für unsere Leser voraus. Das The­ ma lautet Mobilität. Erste Asso­ ziationen mit Mobilfunk und ­Bewegung als solche dürften klar sein. Was aber wird darüber hin­ aus feilgeboten? Verlagschef Mobilität bedeutet Hochspannung. Chefredaktor Spann mal! Verlagschef Ich behaupte, ohne Mobilität gibt es auch kein Wirt­ schaftswachstum. Wie du ange­ sprochen hast, bedeutet Mobilität­ ­nicht nur, sich von A nach B zu bewegen. Auch unter- respektive übergeordnete Themen wie Wis­ sen oder Technologie spielen mit rein. Natürlich wird auch unsere­ öffentliche Verkehrsmittelsitua­ tion beleuchtet, insbesondere die ­Lage der SBB. Chefredaktor Ob das Licht ein frohlockendes Gesicht oder eine furchig-faltige Fratze, die einem Lust&VerdrussN°29Punktmagazin

Furunkel gleicht, zum Vorschein bringt, werden wir dann sehen. Apropos, was sieht oder besser ­gesagt, liest man sonst noch? Mir ist urplötzlich ein Zahlenfetisch anheimgefallen ... Verlagschef Mein Lieber, das kenne ich. Obwohl nicht zwin­ gend ein Fetisch damit einhergeht. Oder doch? Wie dem auch sei, kürzlich bin ich auf eine Grafik gestossen, welche die sogenannten Mobilitätsmotive der Schweizer zeigt. 45 Prozent wird für Freizeit zurückgelegt, gefolgt von A ­ rbeit und Einkauf. Herr und Frau Schweizer legen also die längste Distanz in Bezug auf Freizeit zu­ rück, das sind im Schnitt pro Per­ son und Tag 16,6 Kilometer. Die durchschnittliche Tagesgesamt­ distanz beläuft sich auf deren 37,3. Chefredaktor Ich greife dir zah­ en­technisch gerne ein bisschen ­unter die Arme. Ich kann mich ja nicht dauernd an Fahrräder leh­ nen – und frage mich aber auch gleich, wo man am besten ­seine Journalistenfühler ausstreckt. ­Reisen wir auf den Zahn fühlend

per Bahn, Velo,­Auto, Flugzeug, Schiff? Und stossen wir dabei auch gleich auf Wissensschätze in Bezug­ auf soziale­Mobilität? Immigra­ tion? Kampf der Kulturen? Doch ich wollte dir ja einen Vorboten in Zahlenform schickern. Verlagschef Dann mach mal, ich bin ganz Ohr. Chefredaktor Bis 2020 wird die Zahl Reisender auf 1,6 Milliarden­ pro Jahr steigen. In Los Angeles ­etwa steckt jeder Verkehrsteilneh­ mer jährlich 130 Stunden im Stau, damit verbundene Schäden für ­Gesellschaft sowie Umwelt belaufen sich auf etliche Milliarden Franken, wiederum per annum. Informati­ onstechnologie mausert sich glück­ licherweise immer mehr zu einem Katalysator. Und ja, räumliche Distanzen werden durch elektro­ nische Kommunikationsmitel zu­ weilen aufgehoben. Wie stark aber minimiert das digitale Leben die Notwendigkeiten von Geschäfts­ reisen? Gewinnt parallel dazu das Lokale und die Ruhe an Bedeu­ tung? Ist quasi Regeneration mit Luxus 4.0 gleichzusetzen?

Verlagschef Du hast es ange­ sprochen, Umwelt, Freizeit – und gewissermassen dürften auch R ­ essourcenpreise, in wel­ cher Form auch immer, den Weg in die kommende Edition finden.­ Natürlich greife ich nicht vor und beantworte deine Fragen­ nicht. Das übernimmt dann die im ­Februar 2011 erscheinende­ ­Ausgabe. Was ich aber jetzt schon ­sagen kann, ist, dass wohl auch auf Länderebene Betrachtungen­ gemacht werden. So oder so, weisst du, wo jedes Jahr aufs Neue die grösste Völkerwande­ rung überhaupt stattfindet? Es handelt sich dabei um 250 Milli­ onen Menschen, die sich in kurzer Zeit von hier nach da bewegen. Chefredaktor Au Backe, das sind nicht wenige. Ich mit meinem asi­ atischen Einschlag muss das ja aber wissen, denn an Dromo­ manie leidet, mehr oder minder ­gezwungenermassen, das Reich der Mitte. Immer um das chinesische Neujahrs­vergnügen herum wandert das Volk durchs eigene Land. Verlagschef Volltreffer!


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PUNKT Lust & Verdruss  

Auch in der Wirtschaftswelt spielen die Begriffe «Lust» und «Verdruss» eine zentrale Rolle. Dies zeigt sich unter anderem in Landwirtschaft,...

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