Gedichte für den Weg zurück ins Leben

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Robert Minopulos

Gedichte

für

denWeg zurück ins Leben


Überblick

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Vorwort

8

Einleitung

10 Die Tiefe

13

Zerbrechliche Sonne

15

Verlockung der Lüge

19

Zerstörte Seele

23 Wegesrand

25

Mein schlimmster Platz

29

Kälten, die mich kennen

33

Weihnachten im Eis

35 Schicksal

36 Abgründe

39

Reinheit

43

Niemand, der das Spielzeug liebt

49 Pflegeritual

51

Geraubte Brüder

54

Fliegende Seelen

57

Lebende Gummibäume

61 Einsamkeit

63

Blinde Tränen

64 Beobachtungen

67 Spiegel

70 Traumfrau 73 Selbstsicht


75

Keine Chance dem Honigmund

77

Tanz des Paares

79 Flügelschläge

81

Dunkel und still

83

Verstecktes Leben

86 Freundschaft mit dem eigenen Ich

88 Neumut

91

Innen und Außen

93 Gedankensprünge 94 Zeitweise 97 Herzwesen 99 Wege 100 Geträumt 103 Bauchgefühl

104 Im Jetzt 107 Gezwitscher 109

Mehr als nur ein Name

111 Sichtweisen

113 Blumenwiese 115 Stimmen 117 Tagträume

119

Dinge, die ein Leben schönen

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Das Ende war der Anfang

125 Dank



Vorwort Ein unglaubliches Buch. Noch selten habe ich Gedichte, die so nahe am Leben liegen, gelesen. In den ersten Seiten schwer und beklemmend, werden sie zunehmend leicht, locker und losgelöst. Um diese Tiefen und Höhen in dieser Intensität niederschreiben zu können, muss man sie selbst erlebt, „durchlitten“ haben. Aber wie ist der Betroffene, der Künstler, in dieser Situation fähig zu schreiben? Vielleicht sind diese Gedichte der letzte Halt für ihn gewesen, die ihn im Leben gehalten haben. Ganz anders klingt es zum Ende des Gedichtbandes. Plötzlich öffnet sich die Welt wieder, die Sinne sind wieder offen für Schönes und Neues, der Blick ist wieder in die Welt gerichtet. Facts: Ungefähr 20 Prozent aller Menschen weltweit, quer durch alle sozialen Schichten, erkranken im Lauf ihres Lebens an Depressionen. Die Tendenz ist ansteigend, in nicht allzu langer Zeit wird dieser Erkrankung die häufigste überhaupt sein. Depressionen stellen auch die Hauptursache für Suizide dar. Dr. med. univ. Walter Kirchmeyr Facharzt für Psychiatrie und Neurologie

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Liebe Leserin, lieber Leser, mein Buch beginnt an dem Tag, welcher ein letzter sein sollte. Wohin er geführt hat, erfahren Sie in der folgenden chronologischen Sammlung Gedichte, die über einen Zeitraum von zwölf Jahren geschrieben wurden. Doch es ist mehr als nur das. Es ist der Blick an einen Ort, den nur sehr wenige Menschen wahrnehmen können: der Ort, an dem Dunkelheit immer mit Licht zusammentrifft. Ich wünsche mir, die Herzen der Menschen anzusprechen, die wie ich von psychischen Leiden heimgesucht werden, die in Krisensituationen stehen, unter Erlebnissen oder Traumata leiden. Mein Buch soll die Leser motivieren, das Positive in ihrer Situation zu entdecken, sich zu betrachten, die Lichtblicke in sich aufzugreifen, um zu eigener Stärke zu finden. Es zeigt, dass es möglich ist, negative Aspekte im Leben kreativ aufzugreifen – ob durch Malen, Schreiben oder auf andere Weise. Das alles kann helfen, die eigene Rolle neu zu definieren. Selbsterkenntnis und Selbstausdruck sind wichtige Schritte, um sich mit seinen Zuständen und Erlebnissen anzufreunden, Frieden mit sich zu finden und ein glücklicheres

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Leben zu führen. Es gibt keine Stigmata – jedes Thema kann besprochen werden, egal wie schrecklich es erscheint. Über sich selbst zu reden oder sich auf andere Weise zu zeigen ist oft der erste Schritt zu einer erfolgreichen therapeutischen Behandlung. Ich möchte Mut machen, in sich eine Ausdrucksform zu finden. Gerade psychisch Erkrankte bergen oft ein Riesenmaß an Kreativität – sie muss lediglich herausgelockt werden. Jede Seele besitzt Talent. Vielleicht können meine Gedichte dabei helfen, es zu finden. Therapeuten und Ärzten möchte ich mit diesem Buch die Möglichkeit geben, einen tieferen Einblick in die Seele eines Betroffenen zu erhalten. In die Entwicklung über viele Jahre hinweg. Die Gedichte ergeben ein Dokument der Arbeit, die sie leisten. Sie dienen als dokumentierter Verlauf, zeigen Stimmungsveränderungen durch die Art und Weise wie sie geschrieben sind, veranschaulichen den tiefen Entwicklungsprozess im Zuge einer Behandlung. Vielleicht kann ich dabei helfen, Behandlungsmethoden aus einer Perspektive wahrnehmen zu können, die im Normalfall verborgen bleibt. Robert Minopulos

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Die Tiefe 13


Am Tag, an dem ich sterben wollte ...

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Zerbrechliche Sonne Ich sehe die Sonne und find nichts zu tun Der Tag verspricht Wonne doch ich kann nicht ruh’n Das Leben wär schön könnt ich es seh’n Doch fehlt mir der Mut als Mensch zu besteh’n Die Sonne allein lässt mich nicht finden Es hat so den Schein ich wär unter Blinden Der Tag verspricht Wärme ich find keine Ruh Oftmals erdrückt’s mich durch zu große Schuh Ich werd’s dann bald lassen bin schon zu schwächlich Das Leben zu hassen macht meine Sonne zerbrechlich

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Beobachtungen 67


… sah Wünsche, die ich trug ...

Traumfrau Im tiefen Schlaf, da denk ich nicht Im tiefen Schlaf, da träume ich Im Schlaf hol ich die Zeit zurück Im Schlaf such ich nach meinem Glück Im Traum find ich sehr oft zu mir Im Traum, da bin ich oft bei ihr Im Traum kann ich Gedanken lenken Im Traum ihr meine Liebe schenken Im Schlaf kann ich ihr alles sagen Im Schlaf kann ich nach Herzgold graben Im Schlaf holt mich die Sehnsucht ein Im Schlaf ist sie mein Sonnenschein

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Im Traum seh ich sie nackt vor mir Im Traum versprech ich Liebe ihr Im Traum spricht sie, was ich gern höre Im Traum weiß ich, wem ich gehöre Im Schlaf kann ich die Liebe leben Im Schlaf kann ich ihr alles geben Im Schlaf, da bin ich nicht allein Im Schlaf, da kann ich bei ihr sein Ich träum sehr oft von meiner Frau Ich träum, wie ich ein Nest uns bau Ich träum, sie sieht die ehrlich Liebe und dass sie bis zum Wachsein bliebe

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Freundschaft mit dem eigenen Ich

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Bewusst ließ ich nun das Neue zu ...

NeuMut Kann ich’s wagen? Kann ich’s leben? Kann ich’s zeigen? Herz zu geben Wagte oftmals wagte innig wagte Schmerzen brach oft Herzen Lebte traurig lebte schwer lebte einsam kein Leben mehr

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Zeigte Liebe zeigte Missmut zeigte Furcht verschob die Herzglut Gab mein Denken gab mein Fühlen gab den Mut weg mich aufzuwühlen Werd es zeigen werd es leben werd es wagen hab Herz zu geben Neuen Mut, den fand ich mir hab nun Flügel tief in mir

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Im Jetzt

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… auch Liebe gehört zu dem Neuen ...

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Mehr als nur ein Name Kein Name fällt mir für dich ein keiner kommt mir in den Sinn Ich fühl in mich ganz tief hinein und frag mich wer ich für dich bin Kein Name, der es treffend sagt was du für mich bist Ich lass es zu, es ist gewagt und spür doch, was es ist Kein Name, der es gut beschreibt wie wir uns nun seh’n Ein Wort, das mir im Kopfe bleibt es bleibt und will nicht geh’n Der Name, der ein Wort nur ist ich fühl viel mehr als dieses eine Ich sag dir, wer du für mich bist meine Liebste und ich der deine

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… Gedichte, geformt aus eigenen Worten ...

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Dinge, die

Jedes Ding, das ich je sah all die Sätze, die ich hörte jeder Griff an meinen Körper

ein Leben

lassen mit Bedacht mich leben

schönen

Dinge, die mir Schönes geben? Kinderarm an meiner Schulter Sternenflut am Himmelsdach Blumenkranz im Bäumelaub Liebesschmerz in meinem Bauch Trauer um geliebte and’re Lachen mit den Sommerfröschen Enttäuschung im Vertrauensmeer Peinlich? – Der Gesellschaftstaumel? Jugendwahn mit Überschwang fremde Menschen frech bestaunen Gleichklang mit der Herzensseele Korbgeflecht des Liebeskummers Blicke aus dem Körpernetz gefangen sein mit eig’nen Worten den Mond mit Sternen zu vergleichen der Kinderhand den Kuss zu reichen Jedes Ding, das ich gern seh all die Dinge, die mich schmerzen sind es, die Gefühle geben schönen mir mein winzig Leben

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