Issuu on Google+


sjahre rabere s n u nG Für mmte und Lan ti s e g desund h ab n B c u li B it m o uf ze wir v en a rfach sind ltung meh r e gesta schauen tn r ä en. n g fs arte word dho desg hnet r Frie ic d e l e h z o c e al G deuts ausg iM old e G r it m it d z. tzt m blen Zule in Ko

Als zertifizierter Fachbetrieb sind wir seit über 80 Jahren Ihr leistungsstarker Ansprechpartner für die Bereiche Floristik und Friedhofsgärtnerei. Unser Bestattungshaus Klose ist vor zwei Jahren mit einer eigenen Trauerhalle hinzugekommen.

Wo sich Kompetenzen ergänzen: Als Bestatter kümmern wir uns um die Formalitäten, helfen bei der Auswahl des gewünschten Grabschmucks und bieten Ihnen mit unserer Trauerhalle einen würdigen Rahmen persönlicher Abschiednahme. Wir organisieren Trauerfeiern, die im stillen Gedenken auf Person des Verstorben abgestimmt sind, binden Kränze und Gestecke, organisieren Trauerredner und die Drucksachen.

Zertifizierter Fachbetrieb Friedhofsgärtnerei: Grabpflege Grabgestaltung und Grabneuanlagen Jahreszeitlich wechselnde Grabbepflanzungen, Dauergrabpflege Floristikfachbetrieb von klassisch bis modern, Blumensträuße für jeden Anlass, Beet- und Balkonpflanzen, Hochzeitsfloristik, Trauerfloristik Bestattungshaus Klose: Beratung und Übernahme der Formalitäten. Individuell geschmückte Trauerhalle: zur persönlichen Abschiednahme und für Trauerfeiern

Blumen Klose

Bestattungshaus Klose

Oldentruper Str. 84a33604 Bielefeld

Hinter Blumen Klose

Telefon 0521 / 27 43 7

Eingang: Otto-Brenner-Str. 156a · 33604 Bielefeld

Fax: 0521 / 27 45 4

Telefon 0521/136 313 95 · Fax 0521/136 313 97

info@blumenklose.de · www.blumenklose.de

info@klose-bestattungshaus.de · www.klose-bestattungshaus.de

Partner der Gesellschaft für Dauergrabpflege Westfalen-Lippe mbH


EDITORIAL 03

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde des Sennefriedhofes, eine Festschrift zu erstellen ist nicht nur viel Arbeit, es ist auch ein besonderes Privileg. Als der Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld uns diese vertrauensvolle Aufgabe übertrug, stellte sich bei aller Kreativität und der Fülle an Material eine zentrale Frage: Welche Themenschwerpunkte sollten im Fokus stehen? Inspirierende Gespräche sorgten für Klarheit. Nicht allen Aspekten der 100 jährigen Geschichte des Sennefriedhofes konnte gleichberechtigt und umfassend Rechnung getragen werden, allein schon aus Platzgründen. Entstanden ist ein facettenreicher Querschnitt, der den Sennefriedhof aus unterschiedlichen Perspektiven darstellt. Fachleute wie beispielsweise Steinmetze, Friedhofsgärtner, Bildhauer und Diplomingenieure tragen damals wie heute dazu bei, das Gesicht des Sennefriedhofes als Waldfriedhof zu wahren, ohne dabei den Zeitgeist zu vergessen. Eben die Fachbeiträge der Innungen sind es, die den Wandel der Friedhofskultur recht klar aufzeigen. So hat sich das Berufsbild des Bestatters in den letzten 100 Jahren auffallend verändert. Aus einstigen Handwerksbetrieben der Holz- und Möbelfertigung sind spezialisierte Dienstleister geworden, die mit viel Einfühlungsvermögen die Wünsche der Hinterbliebenen realisieren und so für ein würdevolles Gedenken der Verstorbenen sorgen. Als Ort des pietätvollen Umgangs mit den Verstorbenen, der inneren Einkehr und Stille genauso wie als schützender Lebensraum für Fauna und Flora, zeigt sich der Sennefriedhof als veränderliches und gleichsam wahrendes Spiegelbild der gesellschaftspolitischen Zeitgeschichte. Einer für Alle: Hier treffen Angehörige auf Wanderer und Sportler. Hier treffen Kunst und Kultur auf den Wandel des Zeitgeistes.

Mit freundlichen Grüßen, Ihre Ina Alexandra Dünkeloh Herausgeberin

"+ (( +# ") #+ ,#( # )&! ( # #( " ' . +#, " ( # %. " ( .( 0 ,- 2&#, " + ,)0# &#**#, " + # % +-

+

. #(1.! $ !&# " + + ,-) +)' ( .( , "' %,/ +,-2+% + / +1# "- ( 0#+ #( .(, + + #( ( " ( 0 +%&# " ( +) .%-#)( !2(1&# "

+ #- !, #,- .(, + +%-- ! . ' +%- #( 3&& ( % ,#( 0#+ ! +( 4+ # *- ' + '#--0) ", .( , ',- !, . ' ) " (' +%#( (( ,- ("

#( &

.% 5 & ,-+ #& &


!

"

$4 +1&+/1'(30( ,(.()(.'(3 3(/$513,6/ /,5 4(,0(/ +,4513,4&+ *(8$&+4(0(0 ,5: $6) '(/ (00()3,(' +1) ,45 %60'(48(,5 ',( (345( (6(3%(45$5560*445>55( 4(,0(3 35 ',( /,5 '(/ @5(4,(*(. ; 10531..,(35(4 3(/$513,6/< $64*(:(,&+0(5 863'( $4 ,(*(. 8,3' 71/ ; 3%(,54-3(,4 1//60$.(3 3(/$513,(0 ,/ (65 4&+(0 5>'5(5$*< 7(3*(%(0 8(00 ',( "13$644(5:60*(0 )@3 (,0( 8@3'(71..( ,0>4&+(360* %(, ,0+$.560* $..(3 !/8(.545$0'$3'4 :6/ &+65: 604(3(3 5/142+>3( *(*(%(0 4,0' $/,5 7(3%60'(0 4,0' 45>0',*( (9 5(30( 10531..(0 '(3 ,0+$.560* (5+,4&+(3 60' 6/8(.55(&+0,4&+(3 ,(*(.-3,5(3,(0 (,0( 5(&+0,4&+(0 $2$:,5>5(0 7(3-0@2)5 /,5 '(/ (37,&( (,0(4 *31=(0 !05(30(+/(04 60' '(3 , &+(3+(,5 (,0(4 -1//60$.(0 (53,(%(4 413*(0 )@3 (,0(0 :67(3.>44,*(0 60' 3(42(-571..(0 %.$6) '(3 ,0>4&+(360* 3(, )(0453$=(0 (3/?*.,&+(0 ',( :(,50$+( ,0>4&+(360* ,00(3+$.% 710 :8(, $*(0 ,0( 41)135,*( ,0>4&+(360* %,00(0 560'(0 ,45 ,0 ,.)>..(0 /?*.,&+ ;!04(3( 3%(,5 $.4 ,5$3%(,5(3 '(3 3(/$513,6/ ,(.()(.' (53,(%4 /% ,45 *(23>*5 710 +?&+45(/ (42(-5 713 '(3 0',7,'6$.,5>5 '(4 "(34513%(0(0 60' '(/ (864454(,0 '(3 $54$&+( '$44 '(44(0 *$0: 2(34?0.,&+( (%(04*(4&+,&+5( (,0(0 60(34(5:.,&+(0 #(35 '$345(..5 #,3 +$%(0 604 7(32).,&+5(5 <

3$&-8('(3 53 ,(.()(.' (. $9 ,0)1 -3(/$513,6/ %,(.()(.' '( 888 -3(/$513,6/ %,(.()(.' '(


GRUSSWORT 05

Foto: Stadt Bielefeld

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

LIEBE BÜRGERINNEN UND BÜRGER Grußwort der Umweltdezernentin der Stadt Bielefeld Anja Ritschel eit 100 Jahren ist der Sennefriedhof ein bedeutender Ort in Bielefeld – schon deshalb möchten wir dieses besondere Jubiläum würdigen. Der Sennefriedhof ist einer der größten Friedhöfe Deutschlands. Durch seine einzigartige Lage als Waldfriedhof in der Heidelandschaft der Senne ist er aber weit mehr als nur ein Bestattungsort. Er ist ein Ort der inneren Einkehr, der Erholung und ein Ort, an dem Stadtgeschichte erfahrbar wird. Durch seine großzügige Anlage ist er zudem ein Rückzuggebiet für seltene Tiere und Pflanzen und damit Teil des städtischen Grüns.

S

Die Themen Tod und Bestattung gehören untrennbar zu unserem Leben dazu. Wohl auch deshalb verändert sich das Bestattungs- und Friedhofswesen ebenso, wie sich unsere Gesellschaft immer wieder verändert. Dies lässt sich für den Sennefriedhof und sein Bestehen von 1912 bis 2012 gut ablesen. Sein Charakter ist auch nach 100 Jahren noch sehr gut erkennbar; aber Neues ist hinzugekommen. Um nur zwei

Beispiele zu nennen: Die Möglichkeit einer Baumbestattung entspricht dem verstärkten Wunsch des (Stadt-)Menschen nach Naturverbundenheit auch über sein Leben hinaus. Und dass wir längst eine Einwanderungsgesellschaft mit vielfältigen, auch religiösen Facetten geworden sind, wird durch die islamischen, jesidischen und orthodoxen Grabfelder deutlich, die es seit vielen Jahren auf dem Sennefriedhof gibt. Als Schirmherrin des 100 jährigen Jubiläums unseres Sennefriedhofs freue ich mich, Sie zu einem anspruchsvollen Rahmenprogramm rund um diesen besonderen Geburtstag am 15. August 2012 einladen zu dürfen! Viele Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen der Literatur, der Musik, der Malerei, des Films und der Bühne haben sich in ihren Werken mit dem Thema Tod und Sterben auseinandergesetzt - sowohl ernsthaft als auch humorvoll. Vom Freiluftkino über das Kabarett bis hin zum klassischen Konzert mit den Bielefelder Philharmonikern kommen die vielschichtigen Aspekte zum Tragen.

Zum Abschluss der Feierlichkeiten findet am 9. September 2012 der „Tag des Sennefriedhofs“ statt. Hier stehen der zwanglose Informationsaustausch, aber auch der Abbau von möglichen Berührungsängsten mit Friedhofsthemen im Mittelpunkt. Alle Einrichtungen und Institutionen, die den Sennefriedhof in den letzten Jahren und Jahrzehnten begleitet haben, wurden eingeladen mitzuwirken. Sie bieten ein breites Spektrum an Informationen und Anregungen. Ich würde mich freuen, wenn Sie eine der vielfältigen Gelegenheiten im Rahmen des Jubiläumsprogramms nutzen und neue Eindrücke von und an diesem besonderen Ort gewinnen. Herzlich willkommen auf dem Sennefriedhof! Ihre

Anja Ritschel Beigeordnete für Umwelt und Klimaschutz der Stadt Bielefeld


06 INHALT

100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

GESCHICHTE DES SENNEFRIEDHOFS Der Sennefriedhof – Einer für Alle

08

Der Sennefriedhof – Seit Gründung des Umweltbetriebs

15

Ruherecht für Kriegsgräber

20

Historische Entwicklung – Die Chronik des Sennefriedhofs

22

Der Sennefriedhof und seine Namen

26

Eine bewusste Entscheidung – Das Bielefelder Krematorium

28

Friedhof – Ein Geschäft wie jedes andere

32

VIELFALT IN KUNST UND NATUR Leben auf dem Friedhof

38

Impressionen – Skulpturen und Ihre Künstler

42

Ideenreiche Spurensuche – Führungen von klassisch bis heiter

43

FRIEDHOFSÄSTHETIK Schönheit in Natur und Kunst

44

Friedhofsgestaltung am Beispiel des Sennefriedhofs

48

Aspekte der Grabmalkultur

51

Ausdrucksstarke Formensprache – Interview

55

Internationale Bildsprache

58

Ein Wettbewerb und seine Geschichte

60


INHALT 07

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

BESTATTUNGSKULTUR Bestattungen – Ein Spiegel der Zeit

64

Bestattungsmöglichkeiten auf den Bielefelder Friedhöfen

68

Fötengrab auf dem Sennefriedhof

69

Ein Hauch von Leben

71

Bestattungen – Gestern – Heute und Morgen

73

Vorreiter einer Idee mit Perspektive – Interview

76

Spezialisten in Sachen Trauer

78

Fotos: Saussurea - Fotolia.com (1), Anne Lücking (1), Detlef Hamann (3), Auf den Punkt gebracht (1)

GRABARTEN Natürlich formvollendet

80

Grabgestaltung im Wandel der Zeit

85

Von der Viehweide zum Parkfriedhof

86

Dauerhaft in Stein gefasst

88

Multikulturelle Bestattungen auf dem Sennefriedhof

92

VERSCHIEDENES Editorial

03

Grusswort

05

Kulturelles Rahmenprogramm

62

Bestattungsvorsorge – Schön, dass alles geregelt ist

94

In Memoriam an vier Pfoten

95

Schlusswort

96

Impressum

96

Friedhofsübersicht

97

Programmhinweis

100


08 GESCHICHTE 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF


GESCHICHTE 09

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

DER SENNEFRIEDHOF EINER FÜR ALLE Letzte Ruhestätte trifft Naturerleben: Hand in Hand mit dem Wandel der Zeit begleitet der 104 Hektar große Sennefriedhof Bielefelds Bürgerinnen und Bürger seit seiner Einweihung am 15. August 1912.

riedhöfe: Sie dienen den Toten wie den Lebenden. Als Stätten pietätvoller Abschiednahme erfüllen sie vielfältige Aufgaben: Seit jeher ein Indiz menschlicher Kultur sind sie Orte des würdevollen Gedenkens, der inneren Einkehr und Trauerbewältigung. Aus der Retrospektive betrachtet, zählen sie immer auch zu den bedeutenden Orten der Geschichte; für den Einzelnen und die Menschheit. Kunstvoll gestaltete Grabmale vieler Familiengrabstätten dokumentieren über einen sehr langen Zeitraum das vergangene Leben eines Menschen, der bewusst oder nichtsahnend mit seiner Lebensgeschichte auch einen Beitrag zur Stadtgeschichte geleistet hat. Gewollt oder nicht, auch Friedhöfe bedingen eine kulturhistorische Verantwortung.

Foto: Saussurea - Fotolia.com

F

„Niemals geht man so ganz“ Ein Spaziergang über den seit einhundert Jahren bestehenden Sennefriedhof wird zur Zeitreise des Gedenkens und des Erinnerns. Noch heute ist der Waldfriedhof mit seinen gut 104 Hektar ein Zeugnis des Zeitgeistes: Natursehnsucht und Wald als Landschaftsraum einerseits sowie das Bedürfnis nach Schlichtheit in Architektur und Design, verbunden mit einem künstlerisch-formal hohen Anspruch, bis hin zu liebevoll ausgearbeiteten Details andererseits. Dank der in den Jahrzehnten umsichtig durchgeführten Veränderungen, die zwangsläufig mit den steigenden Bestattungszahlen einhergingen, konnte bis heute die historische Entwicklung in Kunst, Handwerk und Kultur sowie der landschaftsarchitektonischen Gestaltung der von Stadtbaurat

Friedrich Schultz und Gartenbaudirektor Paul Meyerkamp geplanten Anlage dokumentiert werden. Gleichsam lässt sich der Wandel in der zeitgenössischen Bestattungskultur nicht leugnen. Baumbestattungen, Pflegegrabstätten und zunehmend freie Grabflächen prägen ein verändertes Gesicht des Sennefriedhofs. „Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt“ Diese Idee des landschaftsgebundenen Waldfriedhofes wurde erstmalig 1905 mit der Anlage des Münchner Waldfriedhofes durch Hans Grässel verwirklicht. Die Überlegungen des städtischen Gartenbaudirektors Paul Meyerkamp, den für Bielefeld geplanten Hauptfriedhof ebenfalls als Waldfriedhof zu konzipieren, stieß 1909 bei Oberbürgermeister Dr. Rudolf Stapenhorst auf großes Interesse. Auch Stadtbaurat Friedrich Schultz konnte der damals 29-jährige schnell überzeugen. Während Paul Meyerkamp die Konzeption des Friedhofs oblag, stammen das Entwurfskonzept und die Planung der Bauten von Stadtbaurat Friedrich Schultz. Später wurde er für die beiden Torhäuser rechts und links des Haupteinganges sowie für die 1913 fertig gestellte Alte Kapelle mit seinen Anlagen von der Presse mehrfach gelobt. Das Ambiente des Waldfriedhofs mit seinem lichten Wald und einer hainartigen Bepflanzung sollte dazu beitragen, dem Tod seinen Schrekken zu nehmen. Grundsatz der Planung war es, den vorhandenen Wald so schonend wie möglich für Bestattungszwecke zu erschließen, um


10 GESCHICHTE 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

das Erscheinungsbild dieser Waldlandschaft nicht zu gefährden. Daher wurde bei der Erstellung der Anlage das Abholzen von Bäumen weitestgehend vermieden, um die Kiefern- und Heidelandschaft so weit wie mĂśglich zu erhalten. Grabfelder wurden zunächst nur auf bereits vorhandenen Lichtungen angelegt. â&#x20AC;&#x17E;Die Gräber sollen, zu kleinen Grabfeldern von 100 bis 200 Stellen vereint, in kleinen Waldlichtungen liegen, auf die man auf zwanglos und natĂźrlich gefĂźhrten Wegen gelangen kann. Daneben soll eine groĂ&#x;e Zahl von Grabstellen gruppenweise frei in den Wald gebettet werden.â&#x20AC;&#x153; So stand es im Entwurfskonzept. Damit war die Belegdichte auf dem Sennefriedhof wesentlich geringer als auf geometrisch angelegten FriedhĂśfen dieser Zeit, da zwischen den Bestattungsflächen immer zusammenhängende freie Räume, bewaldet oder mit Heidelandschaft bewachsen, unberĂźhrt blieben. So sollte vermieden werden, durch eine zu enge Belegung den Waldcharakter zu verfälschen bzw. das Naturbild zu beeinträchtigen. Zusammen mit seinen Mitarbeitern Hans Laspeyres und Karl Hoffmann nutzte Gartenbaudirektor Paul Meyerkamp die grĂśĂ&#x;eren vorhandenen Waldwege auf dem Gelände als Grundlage fĂźr den Aufbau des Wege-

netzes. So wurden die bestehenden Oberflächenformen Ăźbernommen. Es entstanden geschwungene, dem Gelände angepasste Wege. Die erste Satzung des Sennefriedhofs sah vor, dass fĂźr die Grabmalgestaltung nur natĂźrliche Materialen verwendet werden durften. Breitsteine und Findlinge waren verboten, da befĂźrchtet wurde, dass sie optisch die Basis der Bäume verdecken wĂźrden. Grabkanten waren ebenfalls nicht erlaubt. Die Pflanzenauswahl sollte dem Charakter des Waldfriedhofes angepasst werden. â&#x20AC;&#x17E;Der Ursprung aller Dinge ist kleinâ&#x20AC;&#x153; Als sich die Stadtväter Bielefelds entschlossen, die schlichte Grasheide-Landschaft der Senne auĂ&#x;erhalb der Stadt als Standort fĂźr einen neuen Hauptfriedhof zu wählen, stieĂ&#x;en sie bei den BĂźrgerinnen und BĂźrgern durchaus nicht nur auf Begeisterung. Der Haupteingang des Sennefriedhofes wĂźrde, gemessen vom Alten Rathaus, immerhin 7,3 km entfernt von der Innenstadt liegen, wählte man den Weg Ăźber Brackwede. FĂźr Jene, die sich eine Fahrt mit der StraĂ&#x;enbahn nicht leisten konnten, lag der neue Waldfriedhof keineswegs zentral, sondern peripher. Knapp zwei Stunden wĂźrde der FuĂ&#x;marsch zum Friedhof dauern.

Damals wie heute sind GrundstĂźckspreise mitten in der Stadt im Verhältnis um ein Vielfaches hĂśher als auĂ&#x;erhalb. In den Jahren um die Jahrhundertwende fĂźhrte das enorme städtebauliche Wachstum zu Ă&#x153;berlegungen, zentrale Bestattungsräume zu planen. In direkter Siedlungsnähe waren solche Friedhofsflächen kaum verfĂźgbar, geschweige denn bezahlbar. Ein beeindruckendes Beispiel fĂźr einen vor den Toren der Stadt konzipierten Zentralfriedhof, ist der 1875 entstandene Zentralfriedhof Hamburg-Ohlsdorf mit einer heutigen Fläche von 391 Hektar. Die Stadt Bielefeld hatte um 1900 circa 80.000 Einwohner. Als städtische FriedhĂśfe standen der 1874 erĂśffnete Johannisfriedhof und der 1875 erĂśffnete Nicolaifriedhof zur VerfĂźgung. Auch gab es den JĂźdischen Friedhof. Der alte Friedhof in der Innenstadt mit seinen 1,01 ha war bereits geschlossen. Entscheidend fĂźr die Wahl des Standortes Sennefriedhof waren die landschaftlich reizvolle Lage am sĂźdlichen FuĂ&#x;e des Teutoburger Waldes, die MĂśglichkeit, eine in den Ort Brackwede fĂźhrende StraĂ&#x;enbahnlinie zur ErschlieĂ&#x;ung zu benutzen und schlieĂ&#x;lich die gute Gelegenheit, rund 62 ha

UGKV,CJTGP

Q $GUVCVVWPIGP Q ¸DGTHĂ&#x2DC;JTWPIGP Q 'TNGFKIWPIUĂ&#x20AC;OVNKEJGT(QTOCNKVĂ&#x20AC;VGP

Als TXDOLĂ&#x20AC;]LHUWHV %HVWDWWXQJVXQWHUQHKPHQ kĂśnnen Sie von uns eine bestmĂśgliche Betreuung und transparente Beratung im Trauerfall erwarten: Wir hĂśren zu und unterstĂźtzen Sie in jeder Hinsicht â&#x20AC;&#x201C; als Mensch und als Fachmann. Vertrauen Sie uns!

Q #WHDGYCJTWPIUTĂ&#x20AC;WOGWPF6TCWGTJCNNGKO*CWUG

&QTHUVTCÂťG $KGNGHGNF HQP HCZ

Netzeweg 40 33689 Bielefeld-Sennestadt Tel. 05205 91 28 0 info@wissmann-bestattungen.de www.wissmann-bestattungen.de

YYYICGUKPIFG






GESCHICHTE 11

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

Fotos: Stadtarchiv Bielefeld (1)

den als nicht sehr wertvoll eingeschätzten Sennesand erhielten die Eigentümer zwischen 17 und 25 Pfennig je Quadratmeter. Bis zum 31. Dezember 1969 gehörte die Bauernschaft Senne, die erstmals 1676 urkundlich erwähnt wurde, zum Amt Brackwede des Kreises Bielefeld. Mit der Gebietsreform 1973 wurde Senne in die kreisfreie Stadt Bielefeld eingemeindet und so der Stadtbezirk Senne gebildet. Der Sennefriedhof, bis dahin zum größten Teil in Brackwede gelegen, wurde vollständig Senne zugeordnet.

Stadtbaurat Friedrich Schultz

Land als zusammenhängendes, geeignetes und preiswertes Gelände zu erwerben. In den Jahren 1908 bis 1910 wurde die im Amt Brackwede gelegene Fläche den 37 Besitzern abgekauft. Für

„Unsere Geschichte ist die Geschichte der menschlichen Visionen.“ Bereits die Entwurfsplanung des Sennefriedhofs von Stadtbaurat Friedrich Schultz und Gartenbaudirektor Paul Meyerkamp hebt den gelungenen Kontrast zwischen landschaftlicher Grundhaltung und den streng architektonischen Elementen hervor. Während in dem ersten Bauabschnitt 32 ha des nördlichen Teils ausgebaut wurden, blieb der südliche Teil zunächst als Erweiterungsfläche unberührt. Am 15. August 1912 wurde der Sennefriedhof feierlich seiner Bestimmung übergeben. Als Novum wurden die beiden Eingangsbauten rechts und links des Haupteingangs gefeiert. So erfährt der Bereich

eine Aufwertung, wie dies bis dato bei Friedhöfen noch nicht zu finden war. Im Maßstab und Architektur wie Wohnhäuser konzipiert, werden die beiden Torhäuser, in denen Diensträume und Wohnungen untergebracht sind, symmetrisch so platziert, dass sie den Eindruck eines einladenden Eingangsportals erwecken. Vom Haupteingang aus führt eine breite Achse bis zum Mittelpunkt des Friedhofes, der Alten Kapelle, an der eine Querachse angesetzt ist, während die Hauptachse südlich als Friedhofsallee weiterläuft. Die Querachse mit dem Kapellenbau (Einweihung: 17. Juni 1913) und dem Aufbahrungsgebäude einerseits und einem schmalen rechteckigen Wasserbecken andererseits ist so gesetzt, dass der Rundbau der Kapelle mit seiner Kuppel optisch und damit gestalterisch zum Zentrum des Sennefriedhofs wird. Gerade an der Achsenkonzeption, der Schaffung von Alleen, der Bildung von wohlproportionierten Freiräumen unter Einbeziehung der eher schlichten Gebäude erkennt man Stilelemente, die zu jener Zeit als klar und sachlich empfunden wurden. Zum ersten Leiter des Sennefriedhofs wurde Gartenbaumeister Karl Hoffmann (1918 bis 1948) ernannt. Bis 1913 entstanden weitere

FEHMARNSTR. 10 ƒ 33729 B IELEFELD ƒ FELDSTR. 41 ƒ 33609 B IELEFELD TEL.: 05 21 - 7 60 11 ƒ WWW.NIEHAUS-BESTATTUNGEN.DE

VORSORGE TREFFEN – SELBST BESTIMMEN Welche Art und welchen Ort der Bestattung Sie wünschen, sowie den Rahmen der Trauerfeier legen Sie selbst fest. Sprechen Sie uns an, wir nehmen uns Zeit und beraten Sie gerne.

O ELMÜHLENSTR. 9 ƒ 33604 B IELEFELD TEL.: 05 21 - 88 66 66 ƒ WWW.BESTATTUNGSHAUS-DEPPE.DE


12 GESCHICHTE 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

friedhofes erfolgt in vier Abschnitten. Letztmalig wird der Friedhof 1955 um 44 ha erweitert und umfasst damit gut 100 Hektar Land.

Gartenbaudirektor Paul Meyerkamp

Gebäude wie Gärtnerwohnhaus, Gärtnerei mit Gewächshaus, ein Kutschergehöft mit Ställen, Remise und Kutscherwohnung, ein Blumengeschäft sowie eine Gastwirtschaft, die von den Bielefeldern den Beinamen „Tränenkrug“ er-

hielt. An der Weihe der Aussegnungshalle nahmen über 400 Personen teil. In ihren Predigten würdigten die Pfarrer Waubke und Schneider die Landschaftslage und die Leistung der Verwaltung besonders. Der weitere Ausbau des Senne-

Die steigende Zahl der Bestattungen und die zunehmende Größe des Friedhofes machten den Bau einer zweiten Kapelle notwendig. Der Architekt Baurat a. D. Dipl.-Ing.Willy Kirchner erhielt 1959 den Auftrag, eine Aussegnungshalle mit Leichenkammer zu entwerfen. Die neue Kapelle, die 1961 fertig gestellt wurde,

Elke Althoff Bestattungen Sprechen Sie uns einfach an, wann immer Sie möchten.

Tel. 0521/10 Fax 0521/16

06 64 + 10 90 68 32 93

Dornberger Straße 521 33619 Bielefeld www.elkealthoff.de info@elkealthoff.de

Bestattungen aller Art . Überführungen . Eigene Trauerräume . Bestattungsvorsorge . Erledigung aller Formalitäten

Fotos: Stadtarchiv Bielefeld (2)

Der Bau eines Krematoriums konnte in der Zeit von 1926 bis 1929 realisiert werden. Im selben Jahr erfolgte auch die erste Feuerbestattung auf dem Sennefriedhof. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Sondergrabfelder für die Opfer des Bombenkrieges, für ausländische Kriegstote, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter ausgewiesen. Für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft wurde 1945 eine Mahn- und Ehrenanlage errichtet. Hier wurden die Urnen von 15 Widerstandskämpfern beigesetzt. 1953 entstand in einer größeren Waldlichtung ein besonderes Grabfeld für ostdeutsche Landsmannschaften, das mit einem Hochkreuz als gestalterische Dominante ausgestattet wurde.


GESCHICHTE 13

100 J AHR E SE N N E FR IEDHOF

fügt sich durch die Klinkerbauweise und ihr langgezogenes Satteldach ganz in die Umgebung des Friedhofes ein. 1962/63 wurde das Soldatenehrenfeld neu gestaltet, die einzelnen Gräber erhielten Steinkreuze und die Gesamtanlage wurde durch einen großen Muschelkalkstein mit Bleiintarsien hervorgehoben. Diese Gedenkplatte schuf der Oerlinghauser Bildhauer Bruno Buschmann 1963 nach einem Entwurf von Karlheinz Rhode-Jüchtern.

Leben und Tod direkter aufeinander als auf dem Friedhof. Doch diese Orte der Ruhe und des Friedens durchlaufen einen stetigen Wandel, der gleichzeitig einen Wandel in der Gesellschaft aufzeigt. Umso erstaunlicher, aber auch erfreulicher ist es, dass bis heute der einmalige Charakter erhalten geblieben ist. Neunzehn Friedhöfe mit rund 200 Hektar Fläche liegen zurzeit in der Verantwortung der rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der

Friedhofsverwaltung im Umweltbetrieb. Während der größte Friedhof, der Sennefriedhof, etwa 104 Hektar groß ist, hat der kleinste, der Friedhof Lämershagen (Anfang 19. Jh.), eine Fläche von nur 0,7 Hektar. Weitere elf Friedhöfe werden von anderen Friedhofsträgern, so zum Beispiel von den Kirchen, verwaltet. Nur fünf Friedhöfe entstanden nach der Inbetriebnahme des Sennefriedhofes: Quelle (1921), Theesen (1939), Vilsendorf (1958), Sennestadt (1964) n ID und Altenhagen (1967).

Von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung war die erste Friedhofs- und Bestattungsordnung für den Sennefriedhof vom 1. April 1912. So wurde für den ganzen Friedhof verbindlich festgesetzt, dass Gedenkzeichen nur nach Genehmigung aufgestellt werden durften und dass der Friedhofsausschuss für bestimmte Teile des Friedhofes Art und Form der Gedenkzeichen vorschreiben konnte. Von Beginn an wird der Sennefriedhof als klassisches Beispiel für die städtebauliche Idee des Waldfriedhofes gewertet und bis heute in der Literatur oft erörtert. Nicht zuletzt aufgrund der strengen Richtlinien blieb das Konzept Paul Meyerkamps gewahrt. Nirgendwo sonst treffen

Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Dr. Hans-Ulrich Schmidt


Fotos: Vera Wiehe (3), Ralf Neumann (2), Silke Maß (1)

14 IMPRESSIONEN 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF


GESCHICHTE 15

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

DER SENNEFRIEDHOF – SEIT GRÜNDUNG DES UMWELTBETRIEBS Die Gründung des Umweltbetriebes im Jahre 1998 hatte auch Einfluss auf die Entwicklung des Sennefriedhofs. Organisatorische Bereiche wurden zusammengefasst, andere verkauft. Es ist gelungen, einen modernen leistungsfähigen Friedhof zu schaffen ohne auf Tradition und historischen Werte zu verzichten.

toriums wurde zur Minimierung des Betreiberrisikos der Bielefelder Betriebs-GmbH übertragen, an der ein Zusammenschluss örtlicher Bestatter zu 51 % beteiligt ist.

Fotos: Umweltbetrieb, Abt. Friedhöfe (1), Detlef Hamann (1)

Aufgabe der Werkstätten Die auf dem Sennefriedhof ansässige Kfzund Landmaschinenwerkstatt mit Reparaturmöglichkeiten wurde zur Erzielung von Synergieeffekten 2001 aufgegeben und mit der Landsmaschinenwerkstatt der Grünunterhaltung auf dem Betriebsgelände Gaswerkstraße, heute an der Herforder Straße, des Umweltbetriebes gebündelt.

m Jahr 1998 wurden die operativen Einheiten der Bereiche Stadtreinigung, Entwässerung, Grünflächen und Friedhöfe in der eigenbetriebsähnlichen Einrichtung Umweltbetrieb zusammengefasst. Die folgenden Jahre sind durch vielfältige Veränderungen geprägt und dürften zu den Jahren zählen, in denen der Sennefriedhof den größten Wandel erfahren hat. Kennzeichnend für die letzten 14 Jahre sind die Privatisierung von Krematorium und Friedhofsgärtnerei sowie der Verkauf von Teilflächen auf dem Friedhof, aber auch eine deutliche Aufwertung des Sennefriedhofs mit neuen Grabarten, dem verstärkten Einsatz von Stauden und Vierjahreszeitengehölzen sowie einem neuen Beschilderungssystem. Seit dem Jahr 1998 ist die Abteilung Friedhöfe und Bestattungen mit rd. 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Pflege und

I

Unterhaltung, aber auch für die Durchführung von Bestattungen auf dem Sennefriedhof sowie 18 weiteren kommunalen Friedhöfen mit insgesamt 188 ha Fläche zuständig. Verkauf des Krematoriums Das städtische Krematorium, das in der ersten Hälfte der 1990er Jahre noch relativ konkurrenzlos und für die Friedhöfe überschusswirksam gewesen war, entsprach Ende der 1990er Jahre nicht mehr dem Stand der Technik, Veränderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen ließen eine zunehmende Anzahl privat betriebener Krematorien erwarten. Zur Umsetzung der Sanierung gründete die Stadt Bielefeld rückwirkend zum 01.01.1999 die Krematorium Bielefeld Besitzgesellschaft-mbH als Alleingesellschafterin. Der Betrieb des Krema-

Privatisierung der Friedhofsgärtnerei Den wohl wesentlichsten Einschnitt für den Sennefriedhof bedeutete die Privatisierung der städtischen Friedhofsgärtnerei zum 1.1.2005. Die Friedhofsgärtnerei, die mit Friedhofsgründung errichtet und die letzten vier Jahrzehnte als Eigenbetrieb Friedhofsgärtnerei geführt wurde, war von Beginn an prägend für Grabpflege und Gestaltung der Grabstätten. Zu den Tätigkeitsfeldern der Friedhofsgärtnerei gehörten auch der Betrieb zweier Blumenläden, eine Anzuchtgärtnerei sowie die Kapellendekoration. Zudem war die Friedhofsgärtnerei Ausbildungsbetrieb zur / zum Zierpflanzen- und Friedhofsgärtner/in. Die zunehmende Konkurrenz durch


16 GESCHICHTE 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

Trend zur Urne â&#x20AC;&#x201C; neue Grabarten Auch auf dem Sennefriedhof sind die sich seit einigen Jahren auswirkenden und in Fachkreisen bekannten Probleme wie RĂźckgang bei den Bestattungszahlen, Trend zur Urne, Aufgabe von groĂ&#x;en Familiengrabstätten, geringe Belegungsdichte sowie FlächenĂźberschĂźsse etc. deutlich spĂźr- und sichtbar. Fanden im Jahr 1998 noch rd.

allerdings nur bei durchschnittlich drei Bestattungen pro Jahr. Deutlich stärker nachgefragt werden hingegen Pflegegrabstätten fßr Erdreihen- (2004) und Urnenwahlgrabbestattungen (2008). Das angestrebte Ziel, den Anteil der anonymen Bestattungen durch eine Vielzahl von (pflegefreien) Alternativen zu reduzieren, wurde erreicht. So konnte der Anteil anonymer Urnenbestattungen bezogen auf die Gesamtzahl von Urnenbestattungen auf dem Sennefriedhof von rd. 45% im Jahr 1999 auf rd. 24 % im Jahr 2011 gesenkt werden. Multikulturelle Bestattungen Fßr die rd. 41.000 in Bielefeld lebenden ausländischen Mitbßrgerinnen und Mitbßrger wurden bereits im Jahr 1995 zwei Gräberfelder fßr

Die MÜglichkeiten des neuen Bestattungsgesetzes NRW nutzend, wurde die Grabstättenpalette in Folge um ein Aschestreu- sowie Aschegrabfeld (2005) ergänzt. Die Nachfrage liegt

&OTO6EIT-ETTE

In Folge der Privatisierung wurden die an der Neuen Kapelle auf dem Sennefriedhof gelegene Betriebsunterkunft sowie die beiden Blumenläden an den Käufer der Friedhofgärtnerei verpachtet, das Gelände der Anzuchtgärtnerei im gleichen Jahr an einen Investor verkauft. Heute werden nur noch die fßr die Dauergrabpflege hinterlegten Gelder treuhänderisch verwaltet. Allerdings ist auch dies eine Aufgabe mit absehbarem Ende, da mit dem Verkauf der Friedhofsgärtnerei der Abschluss neuer Dauergrabpflegeverträge durch die Stadt Bielefeld eingestellt wurde.

1.640 Bestattungen, davon rd. 48% Urnenbestattungen auf dem Sennefriedhof statt, sank dieser Wert im Jahr 2011 auf 800 Bestattungen mit einem Urnenanteil von rd. 68%. Neben den Problemen, eine durch Grabrßckgaben bedingte Vielzahl an Klein- und Kleinstflächen zusätzlich mähen sowie die Verkehrssicherungspflicht zu jeder auch noch so abseits gelegenen Grabstätte aufrecht erhalten zu mßssen, boten die frei werdenden Flächen aber auch Chancen. Den Trend zur pflegefreien Grabstätte aufgreifend, wurde im Jahr 2003 das erste Grabfeld fßr Baumbestattungen ausgewiesen. Bei Fßhrungen, im Internet sowie in den Medien beworben, entwickelten sich die Baumbestattungen in den nachfolgenden Jahren zum Erfolgsmodell fßr Liebhaber naturnaher Bestattungsformen. Mit jährlich rd. 200 Bestattungen ist nun bereits die vierte Erweiterung in Planung. Noch im Jahr 2003 wurde das Grabstättenangebot zusätzlich um Pflegegrabstätten fßr Urnenreihengräber sowie im Jahr 2004 um Urnenkammern in Urnenstelen erweitert.

Fotos: Umweltbetrieb, Abt. FriedhĂśfe (1), Detlef Hamann (1)

private Friedhofsgärtnereien sowie die im Widerspruch zur Gemeindeordnung NRW gesehene wirtschaftliche Betätigung waren Anlass fĂźr die Politik, die Privatisierung der städtischen Friedhofsgärtnerei zu beschlieĂ&#x;en.

-IT%NERGIEF~R"IELEFELD UNDDEN+LIMASCHUTZ WWWSTADTWERKE BIELEFELDDE

def


GESCHICHTE 17

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

muslimische und jesidische Bestattungen auf dem Sennefriedhof angelegt. Die Planungen erfolgten in enger Absprache und nach Wünschen der jeweiligen Interessensvertreter. Möglichkeiten für rituelle Waschungen sind in der Neuen Kapelle vorhanden. Seit dem Jahr 2005, d.h. dem Inkrafttreten des Bestattungsgesetzes NRW, ist unter Auflagen – so muss z.B. der Transport des Verstorbenen bis unmittelbar zur Grabstätte in einem geschlossenen Sarg erfolgen – aus ethischen bzw. religiösen Gründen auch die sarglose Bestattung möglich. Aktuell ist vorgesehen, einen auf dem muslimischen Grabfeld vorhandenen Wasseranschluss so umzugestalten, dass direkt vor Ort Fußwaschungen möglich sind. Im Jahr 2003 wurde auch für Personen orthodoxen Glaubens ein eigenes Grabfeld geschaffen. Heimtierfriedhof Auf dem Gelände des ehemaligen Leitfriedhofs, das am Rande des Sennefriedhofs liegt und über eine separate Zuwegung verfügt, wurde 2008 ein Heimtierfriedhof in Trägerschaft des Umweltbetriebs angelegt. Auf einer insgesamt 3.000 m² großen Wiesenfläche wurden (dem Wunsch vieler Tierfreunde entsprechend)

Pflege- und anonyme Grabstätten für die Bestattung von Hunden, Katzen und Kaninchen etc. ausgewiesen. Die Bewirtschaftung des Heimtierfriedhofs erfolgt durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung.

Fit für die Zukunft Ein bereits im Jahr 2002 für den Friedhof erstelltes Zielkonzept, d.h. die detaillierte Beschreibung des geschichtlichen Abrisses des Friedhofs in Kombination mit der historischen Gestaltungsabsicht, bot und bietet fundierte Grundlagen für die zukünftige Friedhofsentwicklung; zumal im Konzept auch Aussagen zur Bestandsanalyse mit Gräberstruktur, zum hydrologisch-geologischen Gutachten, Wegenetz, Friedhofsinventar, Pflegezustand sowie Erholungswert und Denkmalschutz getroffen werden. Viele der im Jahr 2002 unterbreiteten Vorschläge zur Steigerung der Friedhofsattraktivität wurden in den letzten Jahren umgesetzt, so z.B. die Auslichtung des Baumbestands zur Schaffung von Sichtbeziehung und Entfernung standortfremder Gehölze, die Förderung der Heideentwicklung, die Etablierung neuer Bestattungsformen (s.o.), die Erstellung von Richtlinien für eine dem Klimawandel angepasste Bepflanzung sowie der sukzessive Austausch von Holzbänken gegen pflegeleichte, beschichte Stahlgitterbänke. Ein für den Friedhof erstelltes Flächenmanagement (2008) ermöglicht zudem eine gezielte Steuerung der Flächenbelegungen. Unter Zu-

Den Schmerz um den Verlust eines geliebten Menschen können wir Die Liebe ist unsterblich Ihnen nicht abnehmen. und der Tod nur ein Horizont. Aber wir stehen Ihnen zur Seite, Und ein Horizont ist nur damit Sie in Ruhe den Abschied die Grenze unseres Blickes. nehmen können, der für Sie und die Verstorbene/den Verstorbenen richtig ist. Der achtsame Umgang mit den Toten und die einfühlsame Begleitung der Angehörigen stehen im Mittelpunkt unserer Arbeit.

Bestatterinnen Noller · Ziebell Raum für Abschied und Erinnerung Monika Noller Lindy Ziebell August-Bebel-Str. 30 B 33602 Bielefeld Fon 05 21 / 3 80 22 80 www.noller-ziebell.de

Wir sind Partnerinnen der

Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand AG.


18 GESCHICHTE 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

Attraktivitätssteigerung im Jubiläumsjahr Die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum boten Anlass, die Attraktivität des Friedhofs weiter zu steigern. Die bereits im Zielkonzept ausgesprochene Empfehlung, die Orientierung auf dem 104 ha großen Friedhof zu verbessern, konnte im Jubiläumsjahr endlich realisiert werden. In Zusammenarbeit mit einer berufsbildenden Schule sowie unterstützt durch Spenden und Sponsoren wurde ein dreiteiliges Beschilderungssystem als Ausbildungsprojekt geplant und umgesetzt. 17 Wegweisersäulen und 21 Hinweisschilder weisen nun die Richtung zu den Ausgängen, Parkplätzen, Kapellen oder der Friedhofsverwaltung. Darüber hinaus informieren 18 Infotafeln an den Eingängen sowie an exponierten Stellen über die Historie und Besonderheiten des Friedhofs, wie bspw. die denkmalgeschützte Alte Kapelle. Aber auch der Haupteingang am Verwaltungsgebäude sowie die Pflanzbeete an der Neuen Kapelle wurden im Vorgriff auf das Jubiläum durch das eigene Planungsbüro überplant und neu gestaltet. Vor Verwaltung und öffentlichem Toilettengebäude erfreuen nun Tulpen, Rudbeckien, Ziersalbei und Mädchenauge, an der Neuen Kapelle Geranium, Zierlauch und Sonnenhut in Kombination mit Säulenkirschen und Fächerahorn das Auge des Betrachters.

Fotos: Umweltbetrieb, Abt. Friedhöfe (1), Alfred Bosdorf (1)

grundelegung der Vorgaben des Zielkonzepts sowie unter Berücksichtigung weiterer Aspekte wie Belegungsdichte, Verteilung der Grabarten, Nähe zu infrastukturellen Einrichtungen wie Kapellen, Ausgängen etc., wurde bis auf Abteilungs- wenn nicht Grabfeldgröße festgeschrieben, in welche Richtung die künftige Entwicklung gehen soll. Die Bereiche, in denen Bestattungen konzentriert werden sollen, wurden ebenso festgelegt wie Bereiche, die nicht neu belegt werden. Letztere mit der Absicht, diese perspektivisch extensiv zu bewirtschaften bzw. in Waldflächen umzuwandeln. Ein besonderes Augenmerk galt dem Ziel, den Friedhof in seinen historischen Strukturen zu erhalten.

Darüber hinaus vermitteln bereits im dritten Jahr in die Fläche eingestreute Blumenwiesen bunte Sommerakzente und sind zugleich Nektarquelle für Schmetterlinge und Hautflügler, bis der erste Frost im Herbst dem Blütenreichtum ein Ende setzt. Aufgewertet wurden zudem zwei der drei Eingänge an der Friedhofsstraße. Unter der Zielsetzung, eine freundliche Eingangssituation mit geringem Pflegeaufwand zu schaffen, wurden bspw. am südlichsten Eingang des Sennefriedhofs (Brinkstraße) unansehnlich gewordene Strauchpflanzungen aus größtenteils immergrünen Sträuchern gerodet und durch eine Be-

pflanzung aus Geranium, Goldnessel, Geißbart sowie Maiglöckchen ersetzt. Zeitgleich wurde die Zuwegung neu gepflastert. Das Ergebnis dieser Maßnahme, eine weitere einladende Eingangssituation, kann sich sehen lassen. Die Zeit seit Gründung des Umweltbetriebs war nicht nur für den Sennefriedhof, sondern weitgehend für die gesamte Friedhofslandschaft in der Bundesrepublik eine Zeit des Wandels und der Änderung. Auch wenn die strukturellen Probleme wie Flächenüberschüsse und Gebührendefizite weiterhin bestehen, ist der Sennefriedhof für die Zukunft gut gerüstet. Mit seinen denkmalgeschützten Bauten und Hügelgräbern, dem reichhaltigen Fundus historischer Grabsteine von namhaften Künstlern wie Hugo Lederer, Peter August Böckstiegel oder Käthe Kollwitz, der vielfältigen Natur, die von Binnendünen aus der Glazialzeit über Blumenwiesen bis zum gestalteten Staudenbeet reicht, ist der Sennefriedhof – seit 100 Jahren – ein weit über die Region hinn aus strahlendes Kleinod.

INFORMATION Redaktion: Dipl. Ing. TU Friederike Hennen Abteilungsleiterin Friedhöfe und Bestattungen Stadt Bielefeld - Umweltbetrieb Mail: friederike.hennen@bielefeld.de · www.umweltbetrieb-bielefeld.de


"

" #

!" !

' !

$ !

$

!

$

" % !

"# ##$

# #

' ! $ !

$"

6+/ +3+6'8/43+3 /3 "+'2 %/6 ;/77+3 ;'7 +7 .+/B8 :43 6,'.693-+3 >9 564,/8/+6+3 93* 2/8 /3-+675/8>+3-+,A.1 '97 /.3+3 >9 1+63+3 !+/8 '.6+3 (+-1+/8+3 ;/6 +37).+3 /3 *+6 &+/8 *+7 (7)./+*3+.2+37 7 /78 */+7+7 $+686'9+3 *'7 937 +.68 93* 937 248/:/+68 34). (+77+6 >9 ;+6*+3 +98+ /78 937+6 +69,7(/1* *'7 +/3+7 ,93*/+68 '97-+(/1*+8+3 /+3781+/78+67 +(+3 +/3+2 ;A6*+:411+3 #2-'3- 2/8 *+2 $+67846(+3+3 /78 +7 ,A6 937 :43 >+386'1+6 +*+9893- '9). ,A6 */+ /38+6(1/+(+3+3 *' >9 7+/3 !+/8 '.6+3 (/+8+3 ;/6 3-+.@6/-+3 */+ @-1/).0+/8 /.6+ %A37).+ /3 +/3+6 5+67@31/). -+78'18+8+3"6'9+6,+/+6 /3 937+6+3 ?9 2+3 >9 :+6;/601/).+3 .6/7845. 46878/+-+ /78 /3 *6/88+6 +3+6'8/43 *+3 "6'*/8/43+3 *+7 '2/1/+3938+63+.2+37 86+9 -+(1/+(+3 ;4(+/ +6 :43 7+/3+6 !).;+78+6 30+ !)./+6.463 938+678A8>8 ;/6* /+ 97(/1*93- >96 +78'8893-7,').06',8 '(741:/+68+ +6 '17 +678+6 /+1+,+1*+6 93* 86/88 *'(+/ /3 */+ +18+61/).+3 9B78'5,+3 *+6 ,').-+56A,8+3 +78'88+6 A38+6 93* =*/' 46878/+-+ 3843 46878/+-+ .'88+ *'7 +78'8893-7938+63+.2+3 93* @(+1,').-+7).?,8 (+6+/87 -6A3*+8

# !

! #

)!

" $" ! /3,A.17'2+ ,').1/). 0425+8+38+ +6'893- 61+*/-937?281/).+6 462'1/8?8+3 (/7 ./3 >9 69)07').+3 93* 6-'3/7'8/43 *+6 "6'9+6,+/+6 !

!# "

"6'9+6.'11+ 93* (7)./+*76?92+ /2 '97+

" !

! (

3*/:/*9+11+ 6/33+693-778A)0+ +6'893- >96 +78'8893-7:46746-+

!).+157.+/*+ C /+1+,+1* "+1 C '< '/1 /3,4 046878/+-+ *+ C &&& !#"#

#$! &%$ '"#$"#

#%! # # ! $% %%&! $ # & !


20 GESCHICHTE 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

RUHERECHT FÜR KRIEGSGRÄBER

Foto: Barbara Semper (1)

Das Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft legt fest, dass die betreffenden Gräber dauernd bestehen bleiben (sog. Ruherecht). Dies gilt auf dem Sennefriedhof ebenso wie auf allen Friedhöfen der Bundesrepublik Deutschland.

ir wissen, dass Erinnerungen verblassen, verdrängt werden oder in Vergessenheit geraten und in einer der unzähligen Schubladen unseres Gehirns abgelegt werden; und doch sind sie in unseren Köpfen gespeichert, abrufbar oder werden abgerufen. Erinnerungen, auch die, die man bereits dem Vergessen Preis gegeben hat, können uns willkürlich oder unwillkürlich einholen.

W

Ein Friedhof ist ein „Erinnerungsprodukt“, das leider viele heute lediglich als letzte Ruhestätte, als Aufbewahrungsort der Toten ansehen. Mit dieser Einstellung bliebe ein Friedhof

nur ein Ort für Tote, für eine temporäre Erinnerung, aber so ist es nicht: Der Friedhof ist auch ein Ort der Lebenden und für Lebende. Demzufolge bekommt die Erinnerung an die Eröffnung des Sennefriedhofes vor 100 Jahren eine bemerkenswerte Sinngebung. Er ist einer der größten Friedhöfe in Deutschland und ein besonderes Refugium für die Menschen in Bielefeld und Umgebung. Es ist nicht nur ein Ort der Trauer und der Erinnerung für Angehörige, sondern bietet allen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt einzigartige Möglichkeiten, sich innerlich zu sammeln, die Gedanken in der Stille der Natur schweifen zu lassen und ein wenig Ruhe,

Erholung und Abstand von den Problemen und dem Lärm des Großstadtbetriebes zu finden. Fürwahr: Trivialitäten und Gefühlsduseleien, aber alltagstauglich. Kriegsgräberfürsorge Zu den ältesten Gräbern auf dem Sennefriedhof zählen die der toten Soldaten des Ersten Weltkrieges auf dem Soldatenehrenfeld nördlich der Kapelle. Ich bin im Auftrage des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Sachen „Kriegsgräberfürsorge Inland“ viel unterwegs und gelegentlich werde ich bei Ortsterminen angesprochen und höre Aussagen wie „Lass diese


GESCHICHTE 21

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

Toten endlich ruhen!“, „Geschehen ist geschehen!“, „Die Zeit heilt alle Wunden!“ „Vergangenheit geht mich nichts an!“ oder „Es muss endlich Schluss sein mit der Erinnerung an Krieg und Gewalt und überhaupt: Warum müssen diese Gräber ewig bestehen bleiben, während für andere eine Belegungsfrist gilt?“ Oft antworte ich, dass solche Anmerkungen und eine derartige Frage von Menschen in Frankreich, England oder in den Vereinigten Staaten nicht gestellt würden. Die Gräber von Opfern der Weltkriege und der Gewaltherrschaft bleiben dauernd erhalten. So sehen es das internationale Völkerrecht und das nationale Gräbergesetz vor. Auf dem Sennefriedhof ruhen Tote aus beiden Weltkriegen und Opfer der Gewaltherrschaft: Gefallene oder ihren Verwundungen erlegene Soldaten, Bombenopfer, ausländische Kriegstote (Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene) und Widerstandskämpfer, die Ende Juli 1944 vom Volksgerichtshof in Bielefeld zum Tode verurteilt wurden. Des Weiteren sind hier Polen, Serben und Bürger der einstigen Sowjetunion mit eigenen Gedenksteinen ihrer Toten auf dem Sennefriedhof bestattet. Die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde hat noch heute das Recht, ehemalige Kriegsgefangene, die nicht in ihre Heimat zurückgekehrt und hier verstorben sind, nahe der Kriegsgräberstätte zu bestatten. Heimatvertriebe aus den Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reichs haben eine Gedenkstätte für ihre Toten

auf dem Sennefriedhof errichtet. Im Zeitraum von 1954 bis 1958 wurden 511 Tote auf der rd. 8.500 qm großen Fläche beigesetzt. Eine Besonderheit Auf dem Soldatenehrenfeld, mit Toten des Ersten und Zweiten Weltkrieges, ruhen im Grab Nr. 557, untrennbar voneinander vereint, die Gebeine eines deutschen und eines amerikanischen Soldaten. Es ist eine schicksalhafte Ver-

bundenheit, denn die Amerikaner haben keinen ihrer Toten im einstigen „Feindesland“ belassen, sondern die Gebeine entweder auf einem amerikanischen Soldatenfriedhof jenseits der Grenze bestattet oder in die Heimat auf einem der Nationalfriedhöfe überführt. Schlussbetrachtung Kriegsgräberstätten sind Mahnstätten, die eine schicksalhafte Brücke zwischen den Völkern bilden und nicht nur dem Vergangenheitsrepertoire der Geschichte zuzurechnen sind, sondern noch in Gegenwart und Zukunft Bedeutung haben werden. Diese Gräberstätten sind bleibende Zeugnisse eines unseligen menschlichen Handelns, das eine begriffliche interpretatorische Vielfalt beinhaltet wie Denken, Gedenken, Gedanken, Gedächtnis, Denkzeichen oder sogar fordernde Überlegungen entstehen lassen: Denk(e) mal!, Denk mal an!, Du sollst denken, dir Gedanken machen! Den Sennefriedhof wird es auch noch in der nächsten und übernächsten Generation geben. Er ist ein Ort lokaler wie überregionaler Erinnerungen und Geschichte, die fortgeschrieben wird. Die Erinnerung birgt Gefahren wie Chancen. Wir müssen also behutsam mit der Erinnerung umgehen, vor allem, wenn wir sie öffentlich machen. Erinnerung ist Wachsamkeit für die Zukunft. n

Fotos: Ralf Neumann (2)

INFORMATION Redaktion: Wolfgang Held Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Landesgeschäftsstelle NRW Alfredstr. 213, 45131 Essen F: 0201 – 8423726, M: 0176 - 62778425 wolfgang.held@volksbund.de


22 GESCHICHTE 100 JAHRE SENNEFR I E DHOF

HISTORISCHE ENTWICKLUNG DIE CHRONIK DES SENNEFRIEDHOFS NACH 1900 Die Stadt Bielefeld (Landkreis ausgenommen) hat um 1900 ca. 80.000 Einwohner und besitzt den Nicolaifriedhof (3,5 ha), den Johannisfriedhof (8,3 ha) und innerhalb der Innenstadt den bereits geschlossenen ‘Alten Friedhof‘ (1,65 ha) sowie für die jüdischen Bürger einen Friedhof von 1,01 ha. Diese sind nicht mehr auskömmlich. Von Oberbürgermeister Dr. Rudolf Stapenhorst, Stadtbaurat Friedrich Schultz und des städtischen Gartenbaudirektors Paul Meyerkamp wird die Anlage eines großen Zentralfriedhofs vor den Toren der Stadt vorgeschlagen und vom Magistrat befürwortet. Von 37 Besitzern wird die im Amt von Brackwede gelegene Fläche von 61,6 ha am südlichen Fuß des Teutoburger Waldes, ca. 6 km von Bielefeld entfernt, angekauft.

AB 1910 Die Stadt Bielefeld gibt ein Gutachten über die Tauglichkeit des Geländes in Auftrag, das von Medizinalrat Nünninghoff ausgeführt wird. Dieser stuft die Fläche als für Begräbniszwecke geeignet ein. Unter der Leitung von Stadtbaurat Schultz wird die erste 32 ha umfassende Friedhofsanlage als landschaftsbezogener Friedhof mit den zugehörigen Hochbauten (Kapelle mit Leichenhalle, Eingangsgebäude) geplant und ausgebaut. Mit dem Ausbau des Friedhofes (Abt. A - F) und dem Bau der heutigen alten Kapelle werden auch weitere Gebäude, wie Kutschergehöft, Gärtnerei mit Gewächshäusern und Gärtnerhaus, Verkaufshalle und Wirtshaus errichtet.

Perathoner erhält von der Stadt den Auftrag, ein Relief für den Giebel anzufertigen. Die Stadt Bielefeld stellt bei der Städteausstellung in Düsseldorf Modelle und Pläne des Sennefriedhofes aus und erhält hierfür besondere Anerkennung.

Öffentlicher Grabmalwettbewerb für Grabschmuck in Bielefeld Die neue Friedhofs- und Bestattungsordnung für den Sennefriedhof der Stadt Bielefeld tritt in Kraft: Gedenkzeichen dürfen nur nach Genehmigung aufgestellt werden, der Friedhofsausschuss kann für bestimmte Teile des Friedhofes Art und Form der Gedenkzeichen vorschreiben. Stadtrat Kisker stiftet 10.000 RM für die künstlerische Ausschmückung des Giebelfeldes an der Eingangshalle der Alten Kapelle. Bildhauer Prof. Hans

Einweihung und Übergabe der von Stadtbaurat Schultz entworfenen Kapelle mit Leichenhalle Die Querachse mit Kapellenbau, Aufbahrungsgebäude und dem schmalen rechteckigen Wasserbecken wird so gebaut, dass der Rundbau mit seiner Kuppel optisch und gestalterisch zum Zentrum des Friedhofes wird. Eine 8000 qm großen Kriegsgräberstätte wird zwischen der Kapelle und den Eingangsgebäuden für 304 Gefallene des I. Weltkrieges angelegt.

Fotos: Eleonore Pankoke (1), Barbara Semper (1), Ralf Neumann (1), Archiv Umweltbetrieb, Abt. Friedhöfe (1)

Eröffnung und Einweihung des Sennefriedhofes In der Presse wird die landschaftlich hervorragende Lage und künstlerische Gestaltung gelobt. Kurz nach Eröffnung des Friedhofes wird die Straßenbahn verlängert, so dass eine verkehrsmäßige Anbindung gegeben ist.


GESCHICHTE 23

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

1924 Der Friedhofsausschuss gibt bei dem Bildhauer Emil Cauer/ Berlin eine Kinderfigur zur Aufstellung auf dem Kinderfeld in Auftrag.

1926 BIS 1929 Weitere Betriebsgebäude sowie das Krematorium an der Leichenhalle der Kapelle werden in der Zeit der großen Arbeitslosigkeit gebaut. Die erste Feuerbestattung findet am 4. April 1929 statt. Beginn des Ausbaus des Friedhofsgeländes um 14,7 ha (bis 1940, Abt. K, M, R).

1935 BIS 1936 Fund eines vorgeschichtlichen Brandschüttungsgrabes aus der späten vorrömischen Eisenzeit (200 - 100 v. Chr.) mit einer Tonurne. Bau des Verwaltungsgebäudes am Haupteingang.

1940 BIS 1945 Prof. Arnold Rickert von der Bielefelder Kunstgewerbeschule übernimmt die künstlerische Beratung der Grabmalanträge. Anlegung eines Gräberehrenfeldes für die Opfer des Bombenkrieges. Bis 1945 wurden auf dem 7.600 qm großen Ehrenfeld 439 Kriegstote bestattet.

Künstler Emil Cauer: Kindergrabfeld

Beim Ausheben einer Gruft Fund zweier gut erhaltener Urnen mit Beigefäßen in einem Hügelgrab aus dem 6. Jhrd. v. Chr. Anlage von drei Grabfeldern für ausländische Kriegstote. In den drei am äußeren Rand des Friedhofes gelegenen Feldern von insgesamt 2.700 qm Größe werden bis 1946 ca. 600 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter bestattet. Nach dem Krieg wird ein großer Teil der ausländischen Kriegstoten auf Sammelfriedhöfe umgebettet. Errichtung einer Mahn- und Ehrenanlage für die Opfer der NS – Gewaltherrschaft. 15 Bielefelder Widerstandskämpfer werden hier beigesetzt.

1945 BIS 1970 Beseitigung von Kriegsschäden. Wiederaufbau der Gärtnerei, Ausbau des Friedhofes um 9,3 ha (1945 - 1949) sowie um 13,2 ha (1950 - 1963). Entwurf und Ausbau einer Abteilung für ostdeutsche Landsmannschaften mit Reihen- und Wahlgräbern. Genehmigung der restl. ausgewiesenen Friedhofsfläche von 44 ha für Bestattungen durch den Regierungspräsidenten in Detmold. Der Sennefriedhof umfasst damit 98 ha. Bau der 2. Kapelle mit Leichenhalle nach den Entwürfen des Bielefelder Dipl.- Ing. Kirchner sowie der Gärtnerunterkunft im unteren Teil des Friedhofes am Ende der Hauptallee. Einweihung der Neuen Kapelle. Ausbau des Soldatenehrenfeldes. Die Gräber erhalten Steingrabmale, die geometrische Anlage wird durch Stützmauern, Treppen und Plattenflächen

Laubengang und Innenhof verbinden die Alte Kapelle mit dem alten Krematorium, Neue Kapelle (unten)


24 GESCHICHTE 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

erneuert. Aufstellung eines Gedenksteins des Bildhauers Bruno Buschmann. Fertigstellung des Westeingangs an der Windelsbleicher Strasse mit Eingangsgebäude, Blumenladen, Parkplatz für 175 PKW und Zufahrtswegen zur Neuen Kapelle. Ausgestaltung des Ehrenfeldes ausländischer Kriegstoter von rd. 2.300 qm. 258 Grabhügel werden mit Efeu neu umpflanzt, 229 Gräber erhalten Namenssteine. Erneuerung des Krematoriums und Renovierung der Leichenhalle der Alten Kapelle (1969 - 1970).

AB 1970 Neugestaltung der Ehrenanlage für politisch Verfolgte auf einer Fläche von ca. 2.300 qm. Durch die Einrichtung eines Lapidariums (kleines Grabmalmuseum) in der Nähe des Verwaltungsgebäudes soll der Erhalt historischer Grabmale gesichert werden. Bau einer neuen Gärtnerunterkunft auf dem Betriebshof. Ausbau des Werkshofes, Verlegung der Anzuchtgärtnerei durch den Ausbau der B 68. Anlage der Gemeinschaftsgrabanlage für anonyme Urnenbestattungen. Ausbau einer Kompostsiebanlage.

Historische Grabsteine im Lapidarium (Kleines Grabmalmuseum)

Ausbau der B 68 im Bereich des Haupteingangs: Hierdurch werden umfangreiche Erd-, Straßen- und Landschaftsbauarbeiten für neue Zufahrten, Fußgängerwege, Parkplätze und Toranlagen erforderlich.

AB 1982 Die Stadt Bielefeld stimmt dem Antrag zur Anlage eines Leitfriedhofes zu und stellt ein Gelände von 7.000 m² in unmittelbarer Nähe des Verwaltungsgebäudes des Sennefriedhofs zur Verfügung. Die beiden Eingangsgebäude am Hauptportal werden saniert. Bau einer Gärtnerunterkunft im Bereich der Neuen Kapelle.

Eintragung der beiden Eingangsgebäude, der Alten Kapelle, eines frühzeitlichen Urnenfriedhofs sowie von 5 Urnengräbern in die Denkmalliste des Landes NRW (1986). Jubiläumsfeier zum 75-jährigen Bestehen des Sennefriedhofs, Eröffnung des Leitfriedhofes (25. September 1987).

1992 Auf einem älteren Kindergräberfeld in Abteilung D werden Bestattungsmöglichkeiten für Fehlgeburten eingerichtet.

AB 1995 Anlage eines muslimischen Gräberfeldes. Anlage eines Jesidenfeldes. Neubau des Krematoriums.

Die beiden Torhäuschen am Hauptportal werden 1984/85 saniert. Sie stehen unter Denkmalschutz. Der Neubau des Krematoriums Bielefeld (unten)

Fotos: Ralf Neumann (2), Alfred Bosdorf (1), Auf den Punkt gebracht (2)

An der Urnengemeinschaftsgrabanlage wird von Bildhauer B. Buschmann eine Bronzesäule gestaltet und errichtet.


GESCHICHTE 25

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

AB 1998 Mit Ratsbeschluss vom 17. Juni 1998 wird der Umweltbetrieb rückwirkend zum 1. Januar 1998 gegründet. Zum Bau des Krematoriums hat die Stadt Bielefeld rückwirkend zum 1.1.1999 die Krematorium Bielefeld Besitzgesellschaft mbH als Alleingesellschafterin gegründet. Der Betrieb des Krematoriums wird der Bielefeld Betriebs GmbH übertragen. Errichtung und Einweihung einer neuen Mauer am Hochkreuz für die ostdeutschen Landsmannschaften, in die Mauern sind die Wappen der Landsmannschaften eingelassen.

1999 wird eine neue Mauer am Hochkreuz für die ostdeutschen Landsmannschaften erstellt

Sanierung des Vorplatzes der Alten Kapelle und der Teichanlage. Vereinbarung über die Bestattung von nicht bestattungspflichtigen Fehlgeburten und Totgeburten. Die Friedhofsverwaltung stellt ein Bestattungsfeld in Abt. B Feld 8 für die Beisetzungen zur Verfügung. Aufgabe der auf dem Sennefriedhof ansässigen Kfz- und Landmaschinenwerkstatt (2001). Beschluss zur organisatorischen Trennung der Friedhofsverwaltung und der Friedhofsgärtnerei (2002). Sanierung der Grabsteine des Ehrenfeldes ausländischer Kriegstoter. Neugestaltung Staudenbeet Teichanlage Neue Kapelle.

2003 BIS 2004 Erste Baumbestattung in Abteilung R. Erste Bestattung in der Urnenkammer einer Urnenstele. Anlage des Serbisch-Orthodoxen Gräberfeldes sowie des Feldes für das Stift „Im Kapellenbrink – Anders Alt Werden“. Der Oerlinghauser Bildhauer Bruno Buschmann stiftet eine Bronzesäule für das Grabfeld für totgeborene Kinder. Umstellung des Abfallsammelsystems. Privatisierung der städtischen Friedhofsgärtnerei.

AB 2005 Anlage des Urnenhaines in Abteilung N. Auf einer in sich geschlossenen Fläche werden verschiedenste Arten der Urnenbeisetzung angeboten. Anlage von Mustergrabstätten im Eingangsbereich Windelsbleicher Straße. Modernisierung des Kundenbüros im Verwaltungsgebäude; Schaffung eines behindertengerechten Zugangs; Gestaltung der Außenanlage am Verwaltungsgebäude. Anlage eines Tierfriedhofes auf dem Gelände des ehemaligen Leitfriedhofes. Erweiterung des Grabfeldes für muslimische Bestattungen.

Die neuen Info-Stelen stehen an der Hauptachse an publikumsintensiven Stellen und sind von vier Seiten beschriftet.

2010 Erstmalige Aussaat von Blumenwiesen auf dem Sennefriedhof. Neugestaltung der Beete an der Neuen Kapelle. Außensanierung der Alten Kapelle nach Vorgaben des Denkmalschutzes.

2012 Dritte Erweiterung für Baumbestattungen. Aufstellung eines neuen Beschilderungssystems mit Hinweisschildern, Wegweisern und Infotafeln. Neugestaltung des Eingangs Brinkstraße. Das 100-jährige Jubiläum des Sennefriedhofs wird mit kulturellem Rahmenprogramm sowie einem Tag des Sennefriedhofs am 9. September gefeiert.


26 GESCHICHTE 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

DER SENNEFRIEDHOF UND SEINE NAMEN

Foto: Archiv Umweltbetrieb, Abt. Friedhöfe (1)

Befürworter, Planer, Leiter des Sennefriedhofes und Grabmalsberater. Sie alle tragen und trugen mit ihrem Engagement zum Fortbestand des Sennefriedhofes als Waldfriedhof bei.

Dieses Foto entstand während der Feierlichkeiten anlässlich des 75 jährigen Bestehens des Sennefriedhofes 1987. Im Vordergrund zu sehen sind von links nach rechts: Herr Weiß (damaliger Gartenamtsleiter Stadt Detmold), Herr Röhs (mit Sonnenbrille) und Herr Gehrke.

BEFÜRWORTER Dr. Rudolf Stapenhorst: Oberbürgermeister Bielefelds von 1910 bis 1932. Geboren: 15.05. 1865 - Gestorben: 26.10.1944 (Bombenopfer). Bestattet auf dem Sennefriedhof; Ehrengrab mit Nutzungsrecht auf Friedhofsdauer. Georg Kisker: Fabrikant, Stadtrat und Vorsitzender der Friedhofs- und Gartenverwaltung von 1907 bis 1919, Geboren: 22.06.1862 – Gestorben: 12.02.1948. Bestattet auf dem Sennefriedhof.

GRABMALSBERATER Arnold Rickert: Professor. Bildhauer und Lehrer an der Kunstgewerbeschule Bielefeld. Seit Februar 1940 künstlerische Beratung für die Grabmalsgestaltung auf den städtischen Friedhöfen und dem Sennefriedhof. Geboren: 10.07.1889 – Gestorben: 28.04.1974. Bestattet auf dem Johannisfriedhof. Bruno Buschmann: Bekannter Bildhauer. Nachfolger von Professor Rickert seit Mai 1975. Als freischaffender Bildhauer ist er weit über Bie-

lefelds Grenzen hinaus bekannt. Geboren: 25.05. 1929. Arbeitet heute in Oerlinghausen.

LEITER DES SENNEFRIEDHOFS Karl Hoffmann: Gartenbaumeister. Erster Leiter des Sennefriedhofes vom 01.09.1911 bis 31.10.1948. Geboren: 17.10.1883 – Gestorben: 27.09.1955. Bestattet auf dem Sennefriedhof. Dr. Hans Ulrich Schmidt: Stadtgartenbaudirektor. Leiter des Garten-, Forst- und Friedhofsamtes vom 05.03.1947 bis 31.03.1976. Geboren: 10.03.1912 – Gestorben: 09.01.2006. Bestattet auf dem Johannisfriedhof.

Alfred Gehrke: Ltd. Stadtgartenbaudirektor. Nachfolger von Dr. Hans Ulrich Schmidt vom 01. 04.1976 bis 30.04.2008. Geboren: 01.05.1937 In den Jahren bis heute waren in wechselnden Organisationsformen und Funktionen Ullrich Richter, seit Gründung des Umweltbetriebes im Jahre 1998 Klaus Kugler-Schuckmann, Uwe Eweler, Wilhelm Rosenbaum sowie Friederike Hennen als Leitungskräfte verantwortlich. Es war und ist ihr Bestreben, die kommunalen Bielefelder Friedhöfe im Sinne der historischen Überlegungen unter Berücksichtigung kultureller Veränderungen zu pflegen und behutsam weiter zu entwickeln.

PLANER

Wilhelm Feldmann: Stadtgartenamtmann. Nachfolger von Karl Hoffmann als Gartenbaumeister vom 01.11.1948 bis 31.01.1968. Geboren: 01.02.1903 – Gestorben: 12.06.1991. Bestattet auf dem Sennefriedhof.

Friedrich Schultz: Stadtoberbaurat, Leiter der Bauverwaltung von 1908 bis 1945. Geboren: 30.06.1876 – Gestorben: 06.01.1945. Bestattet auf dem Sennefriedhof.

Karl-Wilhelm Röhs: Dipl. Ing. FH. Nachfolger Wilhelm Feldmann als Gartenbauoberamtmann vom 01.02. 1968 bis 31.01.1994. Geboren: 03.12.1930 – Gestorben: 10.11.2011.

Paul Meyerkamp: Gartenbaudirektor, Leiter des Garten- und Friedhofsamtes von 1907 bis 1947. Geboren: 17. 01.1880 – Gestorben 10.11. 1949. Bestattet auf dem Johannisfriedhof.


GESCHICHTE 27

100 J AHR E SE N N E FR I E DHOF

ALLES AUS EINER HAND

GRABSTÄTTEN BEDEUTENDER PERSÖNLICHKEITEN AUF DEM SENNEFRIEDHOF (Eine Auswahl)

KARL ALTENBERND Bekannter Bildhauer Lebensdaten: 19.03.1887 bis 29.06.1967

WERNER BOCK Gewerkschaftsvorsitzender des örtlichen Textilarbeiterverbandes Lebensdaten: 26.01.1898 bis 01.08.1964

JOHANNES CARLMEYER Stadtkämmerer der Stadt Bielefeld Lebensdaten: 26.12.1896 bis 14.10.1977

EMIL GROSS Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Zeitungsverleger, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion – Lebensdaten: 06.08.1904 bis 19.02.1967

THYRA HAMANN-HARTMANN Textilkünstlerin Lebensdaten: 30.10.1910 - 01.02.2005

WILHELM HEINER Maler, Graphiker und Bildhauer, Kulturpreisträger der Stadt Bielefeld – Lebensdaten: 01.09. 1902 bis 26.04.1965

LIESEL KIPP-KAULE Gewerkschafterin Lebensdaten: 13.02.1906 – 10.07.1992

GEORG KISKER Fabrikant und Stadtrat Lebensdaten: 22.06. 1862 – 12.02.1948

BERNHARD KRAMER Architekt in Bielefeld Lebensdaten: 25.01.1869 bis 08.01.1953

ARTUR LADEBECK Oberbürgermeister von Bielefeld (1946 - 1952 sowie 1954 - 1961) – Lebensdaten: 17.04.1891 bis 12.10.1963

PROF. WILHELM LAMPING Städtischer Musikdirektor Lebensdaten: 21.05.1861 bis 07.09.1929

ERNST REIN Maschinenfabrikant Lebensdaten: 21.11.1858 bis 25.09.1953

FRIEDRICH SCHULTZ Stadtoberbaurat – Zu seinen Bauten zählen die Alte Kapelle und die Torhäuser auf dem Sennefriedhof – Lebensdaten: 30.06.1876 bis 06.01.1945

Moderne Floristik. Sie suchen den passenden Blumenstrauß oder die passende Pflanze? Mit unserer großen Auswahl an Schnittblumen kombiniert mit Kreativität und langjähriger Erfahrung machen wir aus Ihrem Blumenstrauß etwas Besonderes. Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, Ihre Wünsche zu realisieren und informieren Sie über die neusten Trends. Friedhofsgärtnerei: Wir bieten Ihnen mit Kompetenz und Engagement die exklusive Unterstützung eines ausgewiesenen und zertifizierten Fachbetriebes. Die Grabpflege können Sie bei uns als Jahres- oder Dauergrabpflege anfragen. Für unsere jahreszeitlich abgestimmten Grabgestaltungen auf Bundes- und Landesgartenschauen sind wir vom Bund deutscher Friedhofsgärtner mehrfach mit Gold ausgezeichnet worden. Zuletzt mit drei Mal Gold in Koblenz. Sprechen Sie uns an, wir beraten sie gerne.

WALTER SEIDENSTICKER Textilfabrikant Lebensdaten: 22.05.1895 – 19.01.1969

CARL SEVERING

Partner der Gesellschaft für Dauergrabpflege Westfalen-Lippe mbH

Vorsitzender der SPD in Ostwestfalen-Lippe sowie Landespolitiker in Nordrhein-Westfalen Lebensdaten: 01.06.1875 bis 23.07.1952

mit hnet ezeic Gold in g s u A mal drei oblenz K

DR. RUDOLF STAPENHORST Oberbürgermeister von Bielefeld (1910 - 1932) Lebensdaten: 15.05.1865 bis 26.10.1944

Blumen Klose Oldentruper Str. 84a · 33604 Bielefeld Telefon 0521 / 27 43 7 Fax: 0521 / 27 45 4 info@blumenklose.de · www.blumenklose.de


28 GESCHICHTE 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

EINE BEWUSSTE ENTSCHEIDUNG DAS BIELEFELDER KREMATORIUM Dezent, inmitten des Friedhofes gelegen, setzt das Bielefelder Krematorium neue Maßstäbe in Punkto Ethik und Technologie. Es gehört zu den modernsten seiner Art und verbindet Pietät und Technik mühelos.


GESCHICHTE 29

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

n dem rechteckigen Wasserbecken voller Seerosen spiegelt sich eindrucksvoll das Bild der alten Kapelle. Oft aus dieser Perspektive fotografiert, verwehrt sie mit ihrer türkisfarbenden Kuppel den Blick auf das rückwärtig gelegene Krematorium, das durch Arkadengänge mit der Kapelle verbunden ist.

I

Erbaut wurde das Krematorium auf dem Sennefriedhof in den Jahren 1926 bis 1929. Die erste Feuerbestattung erfolgte am 4. April 1929. Üblich waren Einäscherungen zu dieser Zeit nicht. Während Feuerbestattungen in vorchristlicher Zeit in Europa weit verbreitet waren, verbot Karl der Große im Jahre 785 die Einäsche-

rung der Verstorbenen. Sie widersprach dem Gedanken an die Wiederauferstehung im christlichen Glauben. Erst zur Zeit der Aufklärung, als eifrig Theorien über Medizin und Hygiene diskutiert wurden, galt die Feuerbestattung fortschrittlichen Denkern als besonders hygienische Bestattungsform. Im Zuge der französischen Revolution, verbunden mit der Trennung von Staat und Kirche, wurden Einäscherungen in Frankreich 1800 offiziell erlaubt. Das erste Krematorium Europas entstand 1876 in Mailand, zwei Jahre später das erste deutsche Krematorium in Gotha. Etwa eine Million Einäscherungen sollen in Deutschland in den Jahren von 1878 bis 1936 stattgefunden haben. 1934 wurde ein Gesetz

Krematorium 1929 bis 1998. Heute Leichenhalle

erlassen, das die Feuerbestattung der Erdbestattung rechtlich gleichsetzte. Die katholische Kirche akzeptierte die Feuerbestattung jedoch erst Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Historie prägt bis heute den Ablauf der Einäscherung. Die zweite amtsärztliche Leichenschau gehört kraft Gesetz zu den Vorbereitungen der Einäscherung. Sie wird vom Amtsarzt vor Ort vorgenommen um eine unnatürliche Todesursache auszuschließen. Ebenso unerlässlich ist die Willenserklärung des Verstorbenen oder seines nächsten Angehörigen zur Einäscherung. Oberstes Gebot für die Mitarbeiter des Krematoriums ist der pietätvolle Umgang mit dem letzten Willen der Verstorbenen. Mit dem Bau des neuen Krematoriums gelang ein Meilenstein in der Geschichte. Dank seiner Filtertechnik erfüllt das neue Krematorium höchste umwelttechnische Maßstäbe. Vom Rat der Stadt in Auftrag gegeben, erfolgte die Grundsteinlegung vis-a-vis zum alten Krematorium am 09.10.1997 durch den Werkleiter der Friedhofbetriebe, Dipl. Ing. Ullrich Richter und den Werksausschussvorsitzenden Friedrich Sallberg. Die Baukosten, mit 10,5 Millionen DM


30 GESCHICHTE 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

hat den gleichen Grundumfang und wurde farblich angeglichen. So bilden Alt- und Neubau ein harmonisches Ensemble, das hohen architektonischen Anforderungen gerecht wird. Bevor das Krematorium am 15.03.1999 in Betrieb genommen wurde, erfolgte die Grßndung der Krematorium Bielefeld Betriebs GmbH. Als Geschäftsfßhrer wurde der ehemalige Werkleiter und Landschaftsarchitekt Ullrich Richter bestellt. Zukunftsweisende Technologie und Ethik stehen an erster Stelle. Das Krematorium Bielefeld ist die erste Feuerbestattungsanlage in DeutschArchivfoto um 1970

veranschlagt, wurden nicht ßberschritten. Das alte unter Denkmalschutz stehende Krematoriumsgebäude wurde im Oktober 1998 umgebaut. Hier entstanden Kßhl- und Untersuchungsräume. Altes und neues Krematorium sind durch einen Brßckenßbergang im 1. Stock miteinander verbunden. Gestalterisch wurde der moderne Neubau mit dem Altbau kombiniert. Er

Bestattungen

"QGFMTUSBÂ&#x2022;FBt#JFMFGFMEt5FMFGPO

3BUVOE)JMGFJN5SBVFSGBMM 7PSTPSHFSFHFMVOH[V-FC[FJUFO Sie erreichen uns jederzeit! Partner der

Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand AG

"

("

"'

%

%#

%# " $"

)

!% # "

&&& %

#( " ( "%

$

" % "%

$

%


GESCHICHTE 31

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

Fotos: Ullrich Richter (Krematorium Bielefeld Betriebs GmbH)

land, die mit dem Siegel “Kontrolliertes Krematorium“ ausgezeichnet wurde. Das Siegel wird vom „Arbeitskreis Kommunaler Krematorien im Deutschen Städtetag“ vergeben. Damit verbunden sind ständige externe Kontrollen der Einhaltung ethischer und umwelttechnischer Siegelkriterien. Das Krematorium Bielefeld stellt sich dieser freiwilligen Prüfung alle drei Jahre erneut.

Zur Siegelverleihung gratulierten Herr Matthäus Vogel, Vorsitzender des Arbeitskreises Kommunaler Friedhofsverwalter und die Bielefelder Umweltdezernentin, Frau Anja Ritschel. „Es ist wichtig, dass ein Krematorium auf die Pietät achtet. In Bielefeld ist man an der richtigen Adresse,“ freut sich Matthäus Vogel. Anja Ritschel betont: „Das Verhalten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem sensiblen Bereich ist geprägt von höchstem Respekt vor den Verstorbenen.“ Drei Ofenstraßen ermöglichen die zeitnahe Einäscherung innerhalb von zwei Tagen. Eine sofortige Ein- äscherung binnen 24 Stunden ist möglich. Rund 7.000 Einäscherungen finden im Krematorium Bielefeld pro Jahr statt. Bei max. 1.200 Grad Celsius dauert die Verbrennung ca. 60 bis 90 Minuten. Jeder Verstorbene wird bei Einlieferung im Einäscherungsbuch und von einem fortlaufenden Nummernsystem erfasst. Die daraus resultierende Nummer ist in einen feuerfesten Schamottstein geprägt und wird zusammen mit

dem Sarg eingeäschert. Die Hinterbliebenen haben dadurch die Garantie, dass sich die Asche ihrer Verstorbenen in der Urne befindet. n

INFORMATION Redaktion: Ina-Alex. Dünkeloh (punktgenau-media GmbH) Dipl. Ing. Ullrich Richter (Krematorium Bielefeld Betriebs GmbH)

Bestattungen

HELLMANN Überführungen – Bestattungsvorsorge Übernahme aller Formalitäten Trauerbegleitung Ihr Bestattungshaus in Bielefeld - Ummeln, nähe ev. Kirche und Friedhof. Seit über 100 Jahren im Familienbesitz, nunmehr in der 4. Generation Bestattungen Hellmann Stallbusch 12/14 33649 Bielefeld - Ummeln Telefon: 0521 - 48516 Telefax: 0521 - 479849 e-mail: bestattungen.hellmann@t-online.de www.bestattungen-hellmann.eu


32 GESCHICHTE 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

FRIEDHOF – EIN GESCHÄFT WIE JEDES ANDERE Nach der Todesan zeige sollte die Be erdigung von He mann eigentlich nriette Zieam 14. August au f dem Johannisfrie finden. Einen Tag dhof stattspäter erschien die Berichtigung in de r Zeitung, 1912. Sta dtarchiv Bielefeld

Streiflichter zum Sennefriedhof

Repräsentative Eingangsgebäude des Sennefriedhofes, 1929. Stadtarchiv Bielefeld

Erste Beerdigung „Verehrte Anwesende! Der heutige Tag, an dem der Sennefriedhof eröffnet werden soll, wird ein bemerkenswerter Gedenktag in der Geschichte unserer Stadt werden. Viele Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte hindurch wird der neue Gottesacker der Bestattungsort für die Bürger unserer Stadt sein. Neben müden Erdenpilgern, die die Last der Jahre drückt und die sich nach der Ruhe sehnen, wird er auch viel irdisches Glück in seinen Schoß fortnehmen und viele junge Hoffnungen werden auf ihm zu Grabe getragen werden, […] Wohl aber können und sollen wir den Schmerz über den Heimgang unserer lieben Toten lindern, indem wir ihnen eine friedliche und freundliche, würdige Ruhestätte bereiten. […] Indem ich den Sen-

nefriedhof zur Benutzung nach Maßgabe der dafür erlassenen Ordnung überweise, lade ich zugleich zur Teilnahme an der ersten Trauerfeier ein, die gleich um 5 Uhr stattfinden soll“, berichtete der Bielefelder Generalanzeiger von der Eröffnungsrede des Oberbürgermeisters Rudolf Stapenhorst am 16. August 1912. Bis zur Eröffnung war es allerdings ein etwas steiniger Weg. „Als es dann im Sommer des Jahres 1912 so weit war, daß für die erste Beerdigung alles bereit stand, ergaben sich noch einmal Schwierigkeiten; denn – niemand wollte seine Angehörigen da draußen beerdigen lassen. Bis Oberbürgermeister Stapenhorst ein Machtwort sprach: `Der nächste, der jetzt stirbt, wird auf dem Sennefriedhof beerdigt`“, wusste das Westfalenblatt zum 40-jährigen Bestehen des

Friedhofes zu berichten. Als nächste verstarb die Witwe Henriette Ziemann, deren Beisetzung auf den 15. August festgelegt wurde. Ihr Grab wurde am 5. August 1949 zum Ehrengrab bestimmt. Beschluss Die mehr als schnelle Belegung der Bielefelder Friedhöfe, bedingt durch die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende Industrialisierung und damit stark anwachsender Bevölkerung in den Städten, führte dazu, dass es schon Anfang des 20. Jahrhunderts wieder eng auf den Gottesäckern wurde. „Die beiden städtischen Friedhöfe hier – Johannis- und Nikolaifriedhof – sind nahezu belegt. Es ist berechnet, dass der noch verfügbare Raum nur noch bis Ende des nächsten Jahres ausreichen wird. Die


GESCHICHTE 33

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

Stadt sieht sich in die Notwendigkeit gestellt, entweder die älteren Teile der Friedhöfe wieder zu belegen oder neue Begräbnisplätze zu schaffen. Die kreisärztliche Begutachtung über die Wiederbelegbarkeit der älteren Teile der beiden genannten Friedhöfe hat ergeben, daß die Verwesung der dort bestatteten Leichen, trotz 25 – 30 Jahre seit der Bestattung verflossen sind, noch nicht weit genug vorgeschritten ist“, ist im Ratsprotokoll von 1910 zu lesen. Also wurden die Überlegungen, die vorhandenen Friedhöfe wieder zu belegen oder zu erweitern, wieder verworfen. Dazu kamen finanzielle Aspekte, innerstädtischer Raum war teuer. So traf der Rat den Entschluss, einen neuen „Centralfriedhof“ außerhalb der Stadt in Brackwede zwischen der Holter- und der Friedrichsdorfer Straße anzulegen. Auch wenn damals Brackwede weit außerhalb der Stadt lag und für die Hinterbliebenen einen weiten Weg bedeutete, so war der große Pluspunkt die nach dort fahrende Straßenbahn. Sie ließ diesen Ort innerhalb einer halben Stunde erreichen. Um direkt bis zum Friedhof fahren zu können, mussten die Schienen nur um 150 m verlängert werden. Leichentransport Nach dem Beschluss des Bielefelder Rates erörterte die Gemeinde Brackwede im Mai 1912 den Antrag auf Anlegung eines Friedhofes und genehmigte diesen, allerdings unter einer Bedingung: „Der Leichentransport zum Friedhof darf nur in den Abendstunden und zwar nur nach 10 Uhr abends erfolgen und muß möglichst unauffällig und ohne wesentliche Belästigung der hiesigen Einwohnerschaft mit der elektrischen Straßenbahn und in besonderen, gut verschlossenen Wagen geschehen.“ Auf die Art der Leichenbeförderung ging auch Dr. Nünninghoff in

Die Alte Kapelle mit dem anfangs stark umstrittenen Relief des Bildhauers Hans Perathoner, 1962. Stadtarchiv Bielefeld

Die Straßenbahn mit Personal an der Endhaltestelle Sennefriedhof, ca. 1914. Stadtarchiv Bielefeld

seinem 1910 für die Stadt gefertigten Gutachten ein und bemerkte, dass die Stadt sich wohl überlegen könne, ob ein Transport mit der Bahn statt mit einem Leichenwagen sinnvoll wäre. Aus hygienischen Gründen würde nichts dagegen sprechen, wenn der Transport innerhalb von 24 Stunden in die Leichenhalle stattfinden würde. Allerdings wäre ein spezieller Waggon dafür notwendig. Kurz vor der Eröffnung 1912 kam es diesbezüglich zu einer Auseinandersetzung zwischen der Gemeinde Brackwede und der Stadt. Sie hatte inzwischen festgelegt, den Leichentransport nicht gesammelt per Straßenbahn durchzuführen, sondern die Toten in Leichenwagen zum Beerdigungsort zu bringen, geschlossen und unauffällig, nachzulesen in einer Akte des Garten-, Forst und Friedhofsamtes. Damit war das Thema Leichentransport aber nicht endgültig erledigt. Auch 1933, 1937 und 1953 setzte man sich damit auseinander, wer die Berechtigung dazu erhalten solle. Wettbewerb Verbunden mit der neuen Idee eines Waldfriedhofes war eine strenge Reglementierung der Grabgestaltung. So sollten nur waldgerechte Pflanzen Verwendung finden und die Ausschmückungen der Gräber ebenso naturnah sein. Das hieß, auffällig gestaltete Grabsteine sollten in einer solchen Anlage keinen Platz bekommen. Eigens aus diesem Grunde wurde, wie in anderen Städten schon vorher, ein Wettbewerb ausgelobt. Bildende Künstler sollten Grabmale entwerfen, die nach der Eröffnung der Grabanlagen nach Preiskategorien von den Hin-

terbliebenen ausgewählt werden sollten. Sehr teure Grabsteine wollte man nicht anbieten, „weil sie infolge des hohen Preises schon von selbst Gegenstand künstlerischer Betätigung zu sein pflegen“, geht aus den Vorschlägen zum Wettbewerb, die Baustadtrat Friedrich Schultz erarbeitet hatte, hervor. Das Preisgericht setzte sich aus Oberbürgermeister Rudolf Stapenhorst, Stadtrat und Vorsitzender des Friedhofsausschusses Georg Kisker, Gartenbaudirektor Paul Meyerkamp, Stadtverordneter und Fabrikant Otto Nordmeyer, Bildhauer Hans Perathoner und Stadtbaurat Schultz zusammen. Als Vorsitzender sollte Professor Emil Högg aus Dresden bestimmt werden. Högg war zu dieser Zeit schon anerkannt als Friedhofsexperte. Termin für die Einreichung der Entwürfe war der 1. Februar 1912, 18.00 Uhr im Neuen Rathaus. Die Ausschreibung erschien in allen relevanten Blättern. Friedrich Schultz teilte am 2. Februar 1912 mit, dass um die 230 Wettbewerbsentwürfe mit ca. 3000 Blatt im Sitzungssaal der Stadtverordneten aufgestellt seien. Da die Räume nur bis zum 21. des Monats zur Verfügung stehen würden, müsse das Preisgericht vorher tagen. Weil aber Professor Högg erst am 25. nach Bielefeld kommen konnte, musste der Termin doch verschoben werden. Die eigentlich anberaumte Stadtratssitzung musste im Februar deswegen ausfallen. Die Öffentlichkeit blieb bis zur Bekanntgabe der Ergebnisse ausgeschlossen. „Bei dem Wettbewerb für Grabkunst sind 34 gute Entwürfe zu billigen Grabsteinen etc. in den Besitz der Stadt übergegangen. Ausserdem war noch eine größere Zahl brauchbarer Arbeiten


34 GESCHICHTE 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

glieder dort zu beerdigen und in nächster Nähe ein Feld freizuhalten für Mitglieder anderer Kriegervereine bzw. für alte Kämpfer ohne Mitgliedschaft. Mit dieser Regelung erklärte man sich einverstanden. Der Bildhauer Eggert wurde beauftragt, Grabmalentwürfe anzufertigen. Zwei Jahre später enthüllte der Kampfgenossen-Verein ein Ehrenmal auf dem dafür vorgesehenen Platz. Inzwischen war der Erste Weltkrieg ausgebrochen und die ersten Gefallenen mussten beklagt werden. Gartenbaudirektor Meyerkamp teilte dem Regierungspräsidenten in Minden in diesem Zusammenhang mit, dass für die in hiesigen Lazaretten Gestorbenen ein Feld in unmittelbarer Nähe des ersten Veteranenfeldes zur letzten Ruhestätte eingerichtet worden sei, sowohl für Freund als auch für Feind. Alle Gräber sollen ein schlichtes Holzkreuz mit Namen und Todesdatum erhalten. Die Kosten dafür und die anfallende Pflege würde die Stadt Bielefeld tragen. 1963 wurden die Einzelgräber des Kampfgenossen-Vereins, da es sich nicht um Sondernutzungsrechte handelte, eingeebnet. Stehen blieb das Ehrenmal.

Das Ehrenmal auf dem Begräbnisfeld der Mitglieder des Bielefelder KampfgenossenVereins. Im Hintergrund die einzelnen Gräber, 1934. Stadtarchiv Bielefeld

vorhanden, welche ebenfalls für unser Publikum Interesse haben würde. Um dieses gesammelte Material für die Öffentlichkeit brauchbar zu machen, halten wir es für notwendig, es in einer Broschüre in Taschenformat herauszugeben. Das Druckheft soll aus[s]erdem eine kurze Beschreibung des Friedhofs mit Lageplan und Illustration über die geplante Bestattungsart erhalten“, teilte am 8. Juni Stadtbaurat Schultz der Stadtverordnetenversammlung mit. Kirchlicher Segen Mitte Juli 1912 erreichte den Magistrat ein Schreiben von Pfarrer und Kreis-Schulinspektor Friedrich Wilhelm Vorster, in dem er darauf aufmerksam machte, dass bei der Eröffnung eine kirchliche Weihe nicht fehlen dürfe und schlug vor, dass einer der Pfarrer zur Schriftenlesung heran gezogen werden sollte. Zu Beginn oder zum Schluss könnte ein Choralvers gesungen werden. Eine Woche vor Einweihung des Friedhofs berieten die Bielefelder Pfarrer den Ablauf des kirchlichen Eröffnungsparts. Trauerhalle Nach der Eröffnung des Friedhofs trieb man die Fertigstellung der Trauer- und Leichenhalle voran. Der geplante Einweihungstag war auf den 1. Juni 1913 datiert worden. Da aber der beauftragte Bildhauer Hans Perathoner mit seinem Relief nicht rechtzeitig fertig wurde, verschob sich der Termin auf den 17. Juni 1913. Um 18.00 Uhr konnte Oberbürgermeister Stapenhorst die Kapelle der Öffentlichkeit übergeben. Zu den geladenen Gästen gehörten u. a. neben der politischen Prominenz sämtliche pro-

testantische und katholische Geistliche, Rabbiner Dr. Felix Coblenz von der Synagogengemeinde und aus dem Wirtschaftsleben u. a. Kommerzienrat Johannes Klasing und Kommerzienrat Wilhelm Kisker. Den Festakt begleiteten auch Regierungspräsident Geheimrat Georg von Börries und aus Münster Landesrat Dr. Althoff. Die kirchliche Weihe vollzog Superintendent Lappe. Begräbnisstätte für Veteranen Noch vor der Eröffnung des Sennefriedhofes stellte im April 1912 der Bielefelder Kampfgenossen-Verein einen Antrag an den Magistrat auf eine zusammenhängende Begräbnisstätte für Veteranen aus den Kriegen 1864, 1865 und 1870 / 71. Karl Hoffmann, Leiter des Sennefriedhofs und selbst alter Kämpfer, unterstützte das Vorhaben. So beschloss der Friedhofsausschuss auf seiner Sitzung im September, eine geeignete Fläche dafür freizugeben. Die angedachte Fläche sollte 90 Gräber fassen, nach Auskunft des Vereins müsse man aber mit ca. 200 Mitgliedern rechnen. Die Überlegung, einen größeren Platz zu suchen, wurde verworfen und stattdessen der Vorschlag gemacht, „ein würdiges Denkmal für seine Mitglieder, in der Mitte des Platzes aufzustellen, etwa in Form eines Feldaltars, um den sich die alten Krieger versammeln, und von dem aus auch die Begräbnisfeierlichkeiten durch den Geistlichen geleitet werden können.“ Der Vorschlag fand keine Akzeptanz, da befürchtet wurde, dass andere Kriegervereine das Denkmal und die Beerdigungsplätze auch für sich in Anspruch nehmen könnten. Im Januar 1913 wurde dem Kriegerverein zugesagt, ausschließlich ihre Mit-

Krematorium Seit 1925 beschäftigte sich die Stadt Bielefeld mit dem Bau eines Krematoriums. Inzwischen hatten sich in der Stadt wie vielerorts zwei Feuerbestattungsvereine gegründet, die sich intensiv für Feuerbestattungen stark machten. Der Verein für Feuerbestattung Hannover e. V., Zweigverein Bielefeld, stellte schon 1923 erstmals einen Antrag zum Bau eines Krematoriums. Allerdings lehnte der Magistrat diesen ab. Trotzdem erneuerten 1925, dieses Mal beide Vereine, die Forderung nach einer Verbrennungsanlage. Ein weiterer folgte am 10. Februar 1926. Im Protokoll des Park- und Friedhofsausschusses vom 25. Februar ist zu lesen, dass dieser eine Verbrennungsstätte befürwortet. Stadtbaurat Schultz ist 1926 mit der Prüfung, ob eine solche Einrichtung für Bielefeld sinnvoll sei, vom Magistrat beauftragt worden. Nach seiner Stellungnahme kam das grundsätzliche Einverständnis durch die Stadt und im Juni 1927 der endgültige Beschluss. Als möglicher Standort kam sowohl der Johannisfriedhof als auch der Sennefriedhof in Frage. Die Wahl fiel aus Kostengründen auf den Friedhof außerhalb der Stadt. Noch vor der entscheidenden Stadtverordnetenversammlung drängten die Verantwortlichen für den Sennefriedhof darauf, nochmals über den Standort des Verbrennungshauses nachzudenken. Vorgesehen war ein Platz, der fast einen Kilometer entfernt von der Leichenhalle lag. Gewünscht wurde ein Ort in unmittelbarer Nähe. Dem wurde stattgegeben und im Oktober beschlossen, dass das Krematorium an der Westseite der Leichenhalle als


GESCHICHTE 35

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

seitliche Verlängerung gebaut werden solle. Mit den Bauarbeiten konnte also begonnen werden. Als Verbrennungsofen wurde der der Firma Topf & Söhne, ansässig in Erfurt, gewählt. Diese Firma entwickelte in der NS-Zeit spezielle Verbrennungsöfen, auch mobile, für die Konzentrationslager und machte sich damit einen Namen. Das Krematorium musste im Oktober 1945 wegen Koksmangels die Einäscherungen einstellen. Versuche, bei der Militärregierung, Feuerungsmaterial zu erhalten, führte nicht zum Erfolg. Noch im April 1947 teilte das Friedhofsamt der Bestattungs- und Lebensversicherungsgesellschaft mit, dass das Krematorium noch immer geschlossen sei. Immerhin brauchte man im Monat durchschnittlich drei Tonnen Koks, um die Einrichtung wirtschaftlich betreiben zu können. Im selben Jahr meldete sich auch die Firma Topf & Söhne bei der Stadt, um ihre Dienste wieder anzubieten. Einer der Mitarbeiter der Firma hatte sich inzwischen in den Westen abgesetzt und führte in den westlichen Zonen Reparatur-, Instandsetzungs- und Umbauarbeiten durch. „Der Ofen befindet sich in einem verhältnismäßig gutem Zustand, äusserlich sind keinerlei Schäden feststellbar. […] Der Koksgenerator muss ebenfalls mit neu ausgemauert werden. Die Züge und Kanäle zum Abziehen der Rauchgase müssen gründlich gereinigt und vom Ofenbauer nachgesehen werden und so weit notwendig instandgesetzt werden. […] Da die Firma Topf Söhne z. Zt. einen Ofenbauer in den Westzonen beschäftigt, so könnte derselbe die Arbeit voraussichtlich Ende April

oder im Laufe des Monats Mai ausführen. […] Der vorhandene Ofen wurde m[eines] W[issens] im Jahre 1928 erbaut. Es handelt sich dabei um eine heute veraltete Konstruktion. Um den Ofenbetrieb wirtschaftlicher zu gestalten und die Einäscherungsdauer wesentlich zu verkürzen empfehle ich zu passender Zeit, den alten Ofen abzureissen und an dessen Stelle einen neuen `Topf- Einäscherungsofen `Bauart 1947` aufzustellen“, begutachtete ein Ingenieur der Firma Topf & Söhne. Erst zum 1. April 1948 gab es grünes Licht zur Wiederaufnahme der Einäscherungen. Stabile Särge Am 17. Dezember 1934 forderte die „Beerdigungsanstalt `Pietät`“, ihr das von 1910 stammende Gutachten des damaligen Kreisarztes Dr. Nüninghoff zur Einschätzung des Verwesungsprozesses in der Senner Erde zukommen zu lassen. Anlass waren Beschwerden von Hinterbliebenen. „Wiederholt bin ich von meiner Kundschaft darauf aufmerksam gemacht, daß gelieferte Särge nach ca. 10 – 17 Jahren auf dem Sennefriedhof einfallen. Wie Ihnen bekannt ist, werden die Särge bei mir in eigener Werkstatt angefertigt. Durch die Stützen, Verstrebungen und Verstärkungen in den von mir gelieferten Särgen und durch die Tatsache, daß nur einwandfreie Hölzer verarbeitet werden, sind die Särge als unbedingt „stabil“ anzusehen. Ich unterscheide meine Särge von denen, die in Massen hergestellt werden (Fabriksärge). […] Da der Zerfall auf dem Sennefriedhof nicht

Die Leichenhalle des Sennefriedhofes, 1928. Stadtarchiv Bielefeld

auf die Särge, sondern auf den für die Verwesung günstigen Boden zurückzuführen ist, bitte ich Sie höflichst, mir einen Auszug des Gutachtens zu senden[…]“, so zu lesen in den Akten des Garten-, Forst- und Friedhofsamtes. Friedhof von ausgesprochen künstlerischer Eigenart Anfang 1940 stellte die Stadt Bielefeld bei der Reichskammer der bildenden Kunst in Berlin den Antrag auf Erteilung des Prädikates „Friedhof von ausgesprochen künstlerischer Eigenart“. Diese Auszeichnung konnte seit der neuen Musterfriedhofsordnung von 1937 verteilt werden. „[…] Die Voraussetzungen für die Zuerkennung des Prädikats dürften vorliegen, da der Friedhof sowohl hinsichtlich seiner gärtnerischen und architektonischen Gestaltung als auch in dem vorbildlichen Zustand der Gräber und der Ausführung der Grabmale den Begriff einer weihevollen Totenstätte darstellt. Die gesamte Anlage ist nach dem Grundsatz bodenständiger Garten- und Friedhofskultur in die Sennelandschaft eingebaut, ohne deren ursprünglichen Charakter zu verändern. Auch sei bemerkt, daß seit Bestehen des Friedhofes die Aufstellung der Denkmale der Genehmigungspflicht unterliegt und daß nicht nur in den Richtlinien vorgesehenen Bestimmungen, sondern darüber hinaus noch weitergehende Bestimmungen in Bezug auf Form und Werkstoff usw. von jeher zur Anwendung kommen“, schrieb Gartenbaudirektor Paul Meyerkamp in seiner Begründung. In diesem Jahr hatte gerade der Bildhauer Arnold Rickert, Professor an der Meisterschule des Handwerks, die Begutachtung der Anträge auf Aufstellung von Grabsteinen übernommen. Im Sommer antwortete die Reichskammer der bildenden Künste, „daß derartige Anträge bis zur Wiederherstellung der Friedenswirtschaft vorläufig zurückgestellt werden müssen. Eine Absatzbeschränkung der am Friedhof beteiligten Organisationen der gewerblichen Wirtschaft, die die Erteilung in sich berge, könnte unter den gegenwärtigen Umständen nicht verantwortet werden, da zahlreiche Industrie- und Handelsbetriebe an Ausfuhrund Auftragsmangel zu leiden hätten“. Behelfsheime Im Mai 1947, als besonders viele alte Menschen den Friedhof aufsuchten, kam der Wunsch auf, die inzwischen abgeschaffte Straßenbahnhaltestelle am Wirtshaus Sennefriedhof wieder einzurichten, damit die Möglichkeit einer Verschnaufpause vor dem langen Gang auf den Friedhof genutzt werden könne. Aber erst ein Jahr später aktivierte das Betriebsamt diesen Haltepunkt. Ausschlaggebend dafür waren aber inzwischen die Anwohner der Fried-


36 GESCHICHTE 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

Die neu erbaute zweite Kapelle auf dem Sennefriedhof, 1961. Stadtarchiv Bielefeld

richsdorfer Straße, in der sich mehrere Behelfsunterkünfte befanden. Um von dort zur Haltestelle Sennefriedhof zu gelangen, wurden kurzerhand mehrere Abkürzungen über den Friedhof eingerichtet. „Der Ausfall der früheren Strassenbahnhaltestelle an der Wirtschaft des Sennefriedhofes […] wirkt sich für den Sennefriedhof außerordentlich störend aus. Die Bewohner […] haben die Einfriedung an mehreren Stellen durchbrochen und benutzen den Sennefriedhof als Durchgangsweg […], zum Teil sogar mit Fahrrädern. Alle Ausbesserungen sind zwecklos, da stets wieder neue Durchgänge eingeschnitten oder eingebrochen werden“, hieß es der Berichterstattung des Garten, Forst- und Friedhofsamtes vom 14. August 1948. Einen Monat später war die Haltestelle wieder eingerichtet. Die Behelfsheime befanden sich auf dem Erweiterungsgelände für den Friedhof, so dass ihre Dauer begrenzt war. Trotzdem stellten deren Bewohner im Juni 1950 den Antrag, diese in eine Dauersiedlung umzuwandeln. Sie hatten inzwischen diverse Erweiterungen und Veränderungen vorgenommen. In einer Stellungnahme wies das Friedhofsamt darauf

hin, dass im Falle einer Legalisierung dieser Bauten in spätestens 30 Jahren, wenn der jetzige vorhandene Platz für weitere Beerdigungen nicht mehr ausreichen wird, nur die Anlage eines neuen Friedhofs in Frage käme. Zweite Trauerhalle Mit der Planung und dem Bau einer zweiten Aussegnungshalle wurde der Bielefelder Architekt und Baurat a. D. Wilhelm Kirchner betraut. Im Protokoll des Garten- und Friedhofsausschusses vom 8. April 1960 ist zu lesen, dass die evangelische Kirchengemeinde die im Bau befindliche Kapelle besichtigt hätte und nun doch nachträglich den Ausbau eines Altars befürworte. Der in den Vorentwürfen geplante Altar wurde damals sowohl von den Katholiken als auch von den Protestanten nicht gewünscht. „Die Angelegenheit soll mit Herrn Landeskirchrat Kayser besprochen werden. Der Gartendirektor wird gebeten, den Ausschußmitgliedern einen ausführlichen Bericht über die Verhandlungen mit den Kirchengemeinden zukommen zu lassen.“ Die Kapelle, die fast eine Million DM gekostet hatte, konnte am 1. Juni 1961 um

13.30 Uhr der Öffentlichkeit übergeben werden. „Als Material überwiegen hell, zu schlichten Wandornamenten zusammengefügte Basaltnatursteine, brüniertes Kupferblech (Türen und Stirnfläche der Feierhalle), Teakholz (bei der Bestuhlung) und Glas in verschiedenen Arten. Manche Fenster bestehen aus farbigem Sicherheitsglas, durch das man nur von innen nach außen hindurchschauen kann, während es den Blick in das Innere der Kapelle verwehrt. Bemerkenswert ist auch das Fehlen eines Altars. Sechs Kerzenständer und ein großes Kreuz aus goldenem und rotem Glasmosaik sind die einzigen schmückenden Attribute, die auf den Zweck des Raumes hindeuten, in dem 150 Menschen Platz finden“, berichtete begeistert die Freie Presse einen Tag vor der Eröffnung. Ehrengräber Anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Bielefeld 1964 sollten einige Gräber verdienter Persönlichkeiten eine Ausschmückung erhalten. Ausgewählt wurden auf dem Sennefriedhof die Gräber von Reichsinnenminister Carl Severing, Oberbürgermeister Gerhard Bunnemann, Ober-


GESCHICHTE 37

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

bürgermeister Dr. Rudolf Stapenhorst und Oberbürgermeister Artur Ladebeck. Alle Stätten sollten in einfacher Form in einen ordentlichen Zustand gebracht und mit einer Blumenschale versehen werden. So genannte Gastarbeiter Nicht nur im Zweiten Weltkrieg wurden wegen Arbeitskräftemangel u. a. Zwangsarbeiter auf dem Sennefriedhof eingesetzt, auch in den 1960er Jahren war Personal „Mangelware“. So wurde im August 1966 bei der Stadt Bielefeld im Hochbauamt geprüft, ob und wie Unterkünfte für so genannte Gastarbeiter geschaffen werden könnten. „Ihrem Wunsch gemäß haben wir die Möglichkeiten für die Errichtung einer Unterkunft für Fremdarbeiter untersucht. Dabei wurden uns von der Sennefriedhofsverwaltung sämtliche in Frage kommenden Bauplätze anhand eines Lageplanes übermittelt. […] Das Raumprogramm des Unterkunftsgebäudes umfaßt acht 4-BettZimmer (2-stöckige Betten) 1 Küche, 1 Aufenthaltsraum, 1 WC, 1 Wasch- und Trockenraum. […] Außerdem möchten wir bemerken, daß die Zugänglichkeit zu dem Gebäude dadurch behindert ist, daß die Fremdarbeiter immer das Friedhofsgelände betreten müssen, um in ihre Unterkunft zu gelangen, während die Lage an der Friedhofsstraße einen unmittelbaren Zugang zur Straße ermöglicht.“

Fotos:Stadtarchiv Bielefeld

Grabstein Anlässlich der Tagung der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. mit dem Thema „Umgang mit historischen Friedhöfen“ in Bielefeld 1982 führten Friedhofsleiter KarlWilhelm Röhs und Stadtgartenbaudirektor Gehrke über den Sennefriedhof. Gezeigt wurde auch eine museale Sammlung ausrangierter Grabsteine. Unter ihnen befand sich der Stein von Kurt und Mathilde von Lessel. Er war 1940 verstorben. In der NS-Zeit waren Geburt und Tod häufig durch Runen dargestellt. Außerdem

Obergartenbaudirektor Dr. Hans Ulrich Schmidt erhält am 27.1.1977 das Bundesverdienstkreuz, 2. v. links Oberbürgermeister Klaus Schwickert

Die Gärtnerei – schon seit drei Generationen in der Nähe des Sennefriedhofes (K)ein Stein des Anstoßes, ausrangierter Grabstein des Ehepaares von Lessel, 1982. Stadtarchiv Bielefeld

ist ein Hakenkreuz eingemeißelt. Seine Ehefrau ist aber erst 1950, als Hakenkreuze wieder verboten waren und Runenzeichen auch keine Verwendung mehr fanden, verstorben. Trotzdem „schmückt“ auch ihr Eintrag diese Zeichen, ohne dass offensichtlich irgendjemand daran Anstoß fand. Es ist zu vermuten, dass der Stein noch bis in die Anfänge der 1980er Jahre am ursprünglichen Ort gestanden hatte. Angefertigt worden war der Grabstein nach einem Entn wurf von Professor Arnold Rickert.

Blumen trösten … blumige Begleitung im Trauerfall blumige Bepflanzung der Gräber blumige Auswahl für die Friedhofsbesucher Wir sind für Sie da … mit Kompetenz … mit Qualität … mit Tradition …

INFORMATION Redaktion: Redaktion: Dagmar Giesecke Archivarin Stadtarchiv Bielefeld, Besuchereingang: Neumarkt 1 (Amerika Haus), 33602 Bielefeld

Gärtnerei Wüllner Brackweder Str. 62 Am Brackweder und Sennefriedhof 33647 Bielefeld-Brackwede Telefon: 0521 / 44 16 90 Fax: 0521 / 41 24 82 www.gärtnerei-wüllner.de


38 VIELFALT 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF


VIELFALT 39

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

LEBEN AUF DEM FRIEDHOF Friedhöfe sind, besonders in Stadtgebieten, ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Durch ihre hohe Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz stellen sie auch für seltene Gattungen ein wertvolles Rückzugsgebiet dar. So findet in diesen einzigartig vorhandenen Orten der Ruhe, der Besinnlichkeit und des Friedens auch ein lebendiges Treiben statt.

ank seiner Strukturvielfalt bietet der Sennefriedhof der heimischen Fauna und Flora einen wichtigen innerstädtischen Lebensraum. Einige der hier gesichteten Pflanzen und Tiere stehen auf der Liste der bedrohten Tierarten.

D

Foto: Anne Lücking

Leben auf dem Friedhof Der Beginn des 20. Jahrhunderts wurde geprägt von der Wiederentdeckung von Natur und Landschaft. Es kam zur Abkehr von den versteinerten, geometrischen Begräbnisplätzen der Gründerzeit. Naturverbundene, landschaftliche Park- und Waldfriedhöfe entstanden, die die Sehnsucht nach der stillen Grabesruhe zelebrierten. Gräber im Walde, überstellt von Eichen, Birken, Kiefern, Vogelkirschen und Feldahorn oder Gräber in Lichtungen, umsäumt von heimischen Bäumen und Sträuchern ohne Einfassungen aus Steinen oder Hecken, nur in Rasen gebettet, galten als „en vogue“. Der Wald, der lichte, friedvolle Schonungen umgab, diente entsprechend dem Zeitgeist als stimmungsvoller Rahmen. Mit den heutigen ökologischen Überlegungen zum Natur- und Umweltschutz hatte dieses großbürgerliche Lebensgefühl jedoch nichts zu tun. Die Erkenntnis, dass Friedhöfe besonders im Stadtgebiet vielen Tieren und Pflanzen einen wichtigen Lebensraum bieten und Friedhöfe ähnlich wie Parks, als Ort der Naherholung genutzt werden, kam erst, als die innerstädtische Bebauung immer weiter voran schritt. In Deutschland gibt es rund 32.000 Friedhöfe mit einer Gesamtfläche von ca. 361qkm. Beim Spaziergang können Friedhofsbesucherinnen und -besucher feststellen, dass sich die Tier- und Pflanzenwelt unweit der letzten Ruhestätten einen unge-

wöhnlichen aber effizienten Lebensraum erschlossen hat. Der Besuch eines Friedhofs kann zum Naturereignis werden. Raum für Artenvielfalt Der Sennefriedhof gehört zu den größten Ruhestätten Deutschlands. Er erstreckt sich von Nord nach Süd auf einer Länge von rund 2.000 Metern. Seine einzigartige Lage als typischer Waldfriedhof in der Heidelandschaft der Senne verschafft Besucherinnen und Besuchern der Anlage großzügigen Raum in einer angenehm ruhigen Atmosphäre. Viele Wege auf dem 104 Hektar großen Areal sind unversiegelt. Der Friedhof wird gerne auch zur Erholung und als Ort zur inneren Einkehr aufgesucht. Zudem bietet der Sennefriedhof zahlreiche natur- und kulturhistorisch bedeutende Objekte. So lassen sich im südlichen Teil des Areals Dünen entdekken, auf der sich eine typische Pioniergesellschaft offener Sandflächen eingestellt hat. Rund 20 Prozent der auf dem Friedhof kartierten 98 Moosarten stehen auf der Rote-Arten-Liste der in Nordrhein-Westfalen gefährdeten Moose. Ein aus den 70er Jahren stammender Leitsatz brachte der Fauna und Flora des Sennefriedhofs früh den notwendigen Schutz: „Dort, wo von der Gesamtplanung des Friedhofes keine Bestattungen möglich sind, sollte es das Bemühen sein, möglichst große zusammenhängende Flächen zu schaffen, um den Wald als mehrstufige Pflanzengesellschaft zu erhalten.“ Auch sollte dem ursprünglichen Charakter der Senne als Heidelandschaft Rechnung getragen werden. Geeignete Freiflächen wurden bewusst als große Rasen-Heideflächen erhalten, um auch unbekannten Naturschätzen Raum zu bieten.


40 VIELFALT 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

Lebensraum für Vögel und Co Besonders wertvoll ist der hohe Anteil an heimischen Bäumen. Diese bieten alles, was die dort vorkommenden Tierarten zum Leben brauchen: Brutplatz, Unterschlupf und Nahrung wie zum Beispiel Nektar, Pollen, Blätter und Früchte. Die Zahl der Vogelarten auf Friedhöfen mit ausreichendem Baumbestand und Strukturreichtum ist erfah-

rungsgemäß hoch. So wurden auf dem Sennefriedhof bereits 40 Brutvogelarten gezählt. Neben den häufigeren Arten Amsel, Buchfink, Rotkehlchen, Kohlmeise, Zilpzalp und Zaunkönig finden sich Gartenrotschwanz, Bluthänfling, Waldohreule und Buntspecht. Die große Mannigfaltigkeit und Vogeldichte, wie sie auf dem Sennefriedhof auftritt, wird auf das gute Nist- und Nahrungsange-

bot zurückgeführt. Friedhöfe dienen Vögeln nicht nur als Brutraum, sondern auch als Rastplatz während der Durchreise und als Ort zum Überwintern. Risse, Spalten und Höhlen in betagten Bäumen dienen Wildbienen, Wespen, Ameisen und Eidechsen als Lebensraum. Fledermaus oder Eidechse finden in Rissen und Winkeln von Steinen und Gemäuern ihre ökologische Nische.

Fotos: Babara Semper (2)

Alter Baumbestand und Unterholz Wie so oft sind es summa summarum die vielen Einzelmaßnahmen, die in ihrer Gesamtheit den großen Sennefriedhof zu einem wertvollen und einzigartigen Biotop für Fauna und Flora werden lassen. So führt beispielsweise der Umstand, dass der lichte Wald als Bestattungsraum verändert werden musste, um die Grabfeldeinheiten optisch erlebbar zu konzipieren, dazu, dass dank der Unterpflanzungen in den Randbereichen eine Vielzahl von Individuen einen geeigneten Lebensraum fanden. In Hekken und Büschen, als Sichtschutz und zur Raumgliederung gepflanzt, können Bodenbrüter wie die Nachtigall und Gebüschbrüter wie der Grünfink ungestört ihre Nester bauen. Andere Tierarten wie Eichhörnchen, Haselmaus und Waldspitzmaus, wie Siebenschläfer und Steinmarder oder Igel, aber auch Amphibien und Insekten profitieren ebenso vom Schutz alter Gehölzbestände und dichten Büschen, wo sie problemlos ein Versteck finden, ihre Nachkommen aufziehen oder überwintern können.


VIELFALT 41

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

Fotos: Heike Carstensen (2), Eleonore Pankoke (1)

Ein Biotop auch für Pflanzen Nicht nur die Tiere profitieren vom Strukturreichtum, ebenso verschiedene Pflanzenarten und diverse Farne, die im Schatten von Gehölzen optimal gedeihen. Vermodernde Bäume werden zu einem wertvollen Lebensraum für unterschiedlichste Moose und Flechten. Unverputzte und fugenreiche Mauern dienen seltenen Pflanzen wie dem Zymbelkraut, aber auch Mauerrautenfarn und Tüpfelfarn sowie Moosen und Flechten als Lebensraum. Diese stark gefährdeten Pflanzenarten finden sich auch vermehrt auf

alten Grabsteinen und steinernen Denkmälern, da sie hier einen idealen kalkhaltigen Lebensraum vorfinden. Eine extensive Pflege der Grünflächen sorgt darüber hinaus dafür, dass sich artenreiche Wiesengesellschaften ausbreiten. Hier sind, im Vergleich zu Rasenflächen, zahlreiche, teils in der Roten Liste verzeichnete Arten beheimatet. Der hohe Anteil an verschiedenen Pflanzen trägt maßgeblich als Nahrungs- und Lebensgrundlage der Tiere bei. So ist eine Wiese stetig belebt durch Schmetterlinge, Heuschrekken, Käfer, Spinnen und Ameisen. Diese Artenvielfalt wird auf dem Sennefriedhof zusätzlich seit einigen Jahren durch die gezielte Aussaat von Blumenwiesen gefördert. Fazit Der Naturschutz auf Friedhöfen ist wichtig. Es gilt, diese naturnahen Rückzugsgebiete für Fauna und Flora zu erhalten. Für viele Tiere und Pflanzen bieten Friedhöfe einen geschützten Lebensraum, der auch für bedrohte Arten günstige Bedingungen schafft. Damit zeigt sich, welch stadtökologische Bedeutung der Sennefriedhof für Bielefeld hat. In einem Kiefernforst angelegt ist er dank der umsichtigen Arbeit der Verantwortlichen zu einem artenreichen Wald herangewachsen, der Pflanze und Tier nützt. Mehrere typische Biotope vereinen sich hier zu einem kleinräumigen, engverzahnten Strukturmosaik. Neben niedrig wachsenden Grabpflanzen, Rasen- und Wiesenflächen finden sich

Strauch- und Baumgruppen; Wege und Wegränder bilden offene Bereiche; Efeubäume und alte Friedhofsmauern, Schöpfbecken und die beiden Wasserbecken an den Kapellen bieten mannigfaltige Kleinstlebensräume.

Ein großes Anliegen der Friedhofsverwaltung ist es, diese vielfältigen Naturschätze zu bewahren. Die primäre Bedeutung des Friedhofs wird dabei nicht vergessen. Das zeigt sich einmal mehr angesichts der wertvollen Grabmäler, gestaltet von bedeutenden Künstlern. Der würdige, pietätvolle Umgang mit den Toten, das liebevolle Gedenken der Hinterbliebenen, eingebettet in einen schonenden Umgang mit der Natur, machen den Sennefriedhof zu einem einzigartigen n ID Landschafts- und Erholungsgarten.


42 IMPRESSIONEN 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

Bruno Buschmann 1964, Kubische Säule „Die drei Frauen am Grabe“

Stele Prof. Paul Griesser, Muschelkalk 1952. Eingelassenes Relief von Käthe Kollwitz (1867-1945).

Entwurf von Prof. Arnold Rickert 1948 aus Kirchheimer Muschelkalk

Ausgemauerte begehbare Gruft: Die architektonische Anlage – ein amphitheatrisches Halbrund mit einer Brüstungsmauer – entwarf der Herforder Architekt Karl Krause 1922. Hugo Lederer schuf den überlebensgroßen Jüngling aus Muschelkalk, die geneigte Fackel in der Hand symbolisiert das erlöschende Leben.

Anmutige Bronzefigur auf Sandstein von Bildhauer Wolfgang Meyer-Michael, Rheda 1933 Fotos: Mechthild Schemmer (2), Vera Wiehe (1), Heike Welge (1), Anne Lücking (2)

Bronzefigur „die Flamme des Lebens hütende Vestalin“ Bildhauer Bruno Buschmann 1959 nach Entwurf von Karlheinz Rhode-Jüchtern.


VIELFALT 43

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

IDEENREICHE SPURENSUCHE Friedhofsführungen von klassisch bis heiter

Fotos: Detlef Hamann (3)

tungsorte auch als kulturell wertvolle Grünanlagen und Naherholungsräume dienen. Auf die Frage, ob sie sich noch an ihre erste Führung erinnern, schmunzeln die beiden Diplomingenieurinnen: „Bei unserer ersten Friedhofsführung im Zuge der Veranstaltungsreihe im Juni 2002 hatten wir mit 15 bis 20 Personen gerechnet. Wir standen vor über 100 Personen und staunten nicht schlecht. Das konnten wir nicht vorhersehen, da diese Führungen immer ohne Anmeldung sind.“ Darüber hinaus werden nach Absprache auch Führungen für Gruppen angeboten, sofern mindestens zwölf Personen teilnehmen. Altenpflegeschulen, VHS-Kurse, Meisterschulen für Friedhofsgärtner sowie Kirchengemeinden und Senioreneinrichtungen zeigen reges Interesse an diesem Angebot. Aber auch schulische Einrichtungen gehören zu den regelmäßigen Teilnehmern, da die Führungsinhalte eine Ergänzung zum Unterrichtsstoff sein können. Mehr dazu n unter www.umweltbetrieb-bielefeld.de

nno 2002 ins Leben gerufen, gehört die vielseitige Veranstaltungsreihe „Führungen über städtische Friedhöfe“ mittlerweile zum festen Bestandteil des kulturellen Rahmenprogramms in Bielefeld.

A

Spurensuche von klassisch bis heiter: Jede Führung ist anders, jeder Friedhof hat seinen eigenen Reiz. Während die Teilnehmerinnen und Teilnehmer andächtig lauschen, erzählen Gabriele Moritz und Heidrun Nelle vom Umweltbetrieb über die historische Entwicklung des jeweiligen Friedhofs, auch Kunst und Kultur stehen bei diesen Spaziergängen im Fokus. Es gibt ebenso Antworten auf die Frage „Was Symbole verraten“ wie Friedhofsgeschichten während eines literarischen Rundgangs um Mitternacht. Jeder Friedhof bietet sein eigenes Programm – immer mit dabei: Der Sennefriedhof. „Die große Nachfrage nach unseren Friedhofsführungen ist weiterhin ungebrochen“, erklären Moritz und Nelle, die diese Führungen nicht nur leiten, sondern auch die inhaltliche Konzeption des Jahresprogramms unterhaltsam ausarbeiten. Dank der Führungen wird deutlich, dass Friedhöfe neben ihrer Funktion als Bestat-

INFORMATION Die letzte Führung des Jahres 2012: Abgeschlossen wird das Jahresprogramm am Sonntag, 11. November, mit der Führung „Herbstspaziergang zu den Orten der Erinnerung“ auf dem Sennefriedhof.


44 FRIEDHOFSÄSTHETIK 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF


FRIEDHOFSÄSTHETIK 45

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

SCHÖNHEIT IN NATUR UND KUNST Über die „Krumme Linie“ zum Waldfriedhof: Das Wort Ästhetik stammt aus dem Altgriechischen und steht für die Wahrnehmung oder die Empfindung. Die Lehre von der Ästhetik war bis zum 19. Jahrhundert vor allem die Lehre von der wahrnehmbaren Schönheit, von Gesetzmäßigkeiten und Harmonie in der Natur und Kunst. Heute bezeichnet der Begriff die gesamte Palette von Eigenschaften, die darüber entscheiden, wie Menschen Gegenstände wahrnehmen.

riedhöfe sind Zeitzeugen des vorherrschenden Zeitgeistes sowie der historischen Entwicklung der Gesellschaft. Der seit 100 Jahren bestehende Sennefriedhof, inmitten der Senne gelegen, offenbart eine Harmonie der Landschafts- und Grabmalgestaltung, die bis heute Beachtung findet. Die Natur im Dialog mit der Architektur: Als Kontrast zum natürlichen Bild des Waldes legte Stadtbaurat Friedrich Schultz zwei Achsen in Nord-Süd-Richtung durch den Friedhof. Prägend ist die beim Haupteingang beginnende und zur Neuen Kapelle führende Achse, während die zweite Achse östlich der Hauptachse zur Anlage von Reihengrabstätten diente. Dank einer gezielt gesetzten Querachse wurde die Alte Kapelle gestalterisches Herzstück dieses Friedhofes. Bewusst schuf Friedrich Schultz mit der Kapelle sowie den weiteren Gebäuden Kontrapunkte zur landschaftlichen Situation. Nicht um zu stören, sondern um das harmonische Gesamtbild zu stärken. Trotz oder gerade wegen dieser Einzigartigkeit ist der landschaftsgebundene Sennefriedhof ein typisches Kind seiner Zeit. Eine Zeit der Natursehnsucht.

Foto: Detlef Hamann

F

In der Gesamtbetrachtung offenbart die Geschichte der Friedhofskultur den dynamischen Verlauf der gesellschaftlichen Entwicklung. Ob der Waldfriedhof in München (1907) oder der Sennefriedhof (1912) sowie der noch ältere Parkfriedhof Hamburg-Ohlsdorf (1877): Diese Friedhöfe stehen im offensichtlichen Kontrast zu den bis dato vorherrschenden Friedhöfen in

den Städten, steinerne geometrische Begräbnisplätze der Gründerzeit. Ob Waldfriedhof oder Parkfriedhof: Bis heute gelten sie als Reformfriedhöfe. Der Faktor Natur entwickelte sich unter veränderten sozialgeschichtlichen Vorzeichen zu einem langfristig immer wirksameren Gestaltungselement. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden aus den zweckorientierten städtischen Begräbnisplätzen immer häufiger gartenkünstlerisch gestaltete Anlagen. Das aus dem späten 18. Jahrhundert bekannte geometrisch-schematische Muster bekam Konkurrenz durch die „Krumme Linie“, jene geschwungenen Wege, die im englischen Landschaftsgarten eine „natürliche“ Wegeführung verkörpern sollten. Die Vegetation avancierte zu einem stetig an Bedeutung gewinnenden ästhetischen Faktor. Eine raumgreifende, durch Wegeführung, Bepflanzung, Freiflächen und Grabmalkultur vollzogene Strukturierung wurde zum Ausdruck eines geschlossenen Kultur- und Landschaftsbildes sepulkraler Ästhetik, die Ende des 19. Jahrhunderts im „Gesamtkunstwerk“ Ohlsdorfer Friedhof ihren Höhepunkt erreichte. Ein Friedhofskonzept, aus dem viele Städte ihre Anregungen zogen, auch die Bielefelder. Als ästhetisch-melancholischer Ort zum Spazierengehen gewannen die Friedhofsanlagen an sozialer Bedeutung, avancierten zu Stätten gesellschaftlicher Repräsentation und wurden nicht länger ausschließlich als ein nach hygienischen Gesichtspunkten angelegter Bestattungsort erachtet.


46 FRIEDHOFSÄSTHETIK 100 JAHRE SENNEFR I E DHOF

cierung von Architektur und Skulptur gegenüber dem natürlichen Pflanzenwuchs ein seltener Glücksfall war. Bis heute wird darauf geachtet, dass die wohlüberlegten Eingriffe in die Landschaft kaum ins Gewicht fallen. Ein hohes künst-

Bei der Anlage des Sennefriedhofes wurde das Fällen von Bäumen weitgehend vermieden, um die Kiefern- und Heidelandschaft so weit wie möglich zu erhalten. Grabfelder wurden zunächst nur auf vorhandenen Lichtungen angelegt. Die bestehenden Oberflächenformen wurden übernommen, dadurch entstanden geschwungene, dem Gelände angepasste Wege. Durch eine im Vergleich zu den geometrischen Friedhöfen dieser Zeit geringere Belegungsdichte sollte vermieden werden, dass der Waldcharakter verfälscht bzw. das Naturbild beeinträchtigt wurde. Aus der Retrospektive betrachtet zeigt sich, dass die Landschaftskonzeption, nach der der Sennefriedhof angelegt wurde, in der Ausbalan-

lerisches und kulturelles Angebot konnte hier seinen angemessenen Platz finden, ohne zu vergessen, wofür jeder Friedhof steht: Für den pietätvollen Umgang mit dem Tod und die Pflege des Andenkens und des Gedenkens der Verstorbenen. Der Friedhof zeigt die Einstellung der Zeit den letzten Lebensfragen gegenüber und fordert alleine deshalb eine klare, aber immer auch zeitgenössische Formensprache. Das ästhetisch gestaltete Grabmal spielt dabei eine wichtige Rolle. Für die nachhaltige Verwirklichung der Planungsidee des Waldfriedhofes war es vorteilhaft, dass der Rat der Stadt Bielefeld beschloss, die Oberaufsicht über die einzelnen Gewerke zu übernehmen. Sei es durch die Gründung einer eigenen Friedhofsgärtnerei oder durch die Einbeziehung von externen Fachleuten in Fragen der Grabmalgestaltung. Fast ein Jahr vor der Eröffnung des Friedhofes beschloss die Stadtverordnetenversammlung, einen öffentlichen Grabmalwettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für Grabdenkmäler auszuschreiben. Der Jury gehörten neben dem Vorsitzen Emil Högg, Professor an der TH Dresden, der Künstler Hans Perathoner sowie der Kunstmäzen und Vorsitzende des Friedhofsausschus-

... zuv zuverlässig ver erlässig vvom om er ersten rssten Moment ... liebe voll bis ins le tzte De tail liebevoll letzte Detail

Bestattungshaus Bes tattungshau attungshaus SIEWEKE & RUTHE Eig Eigene ene V Ver Verabschiedungsräume erabschiedun hiedun und un d TTrauerhalle rauerhalle bis 550 PPersonen Erd-, FFeuer-, Erd-, euer-, Baumun und um- u n, Überführun Üb Seebestattun Seebestattungen, gen, Überführungen Bestattun Bestattungsvorsorge gsvorsorge Di Bandbr Die Bandbreite B dbreit eit ite reicht rreic eicht vom vom informativen i for inf f Gespräch über de detaillierte taillier te Vorstellungen VVor orrstellungen bis hin zur treuhänderischen tr reuhänder ischen Anlage Anlage von von Vorsorgegeldern. V

Kafkastraße Kafkastraße 67 33729 Bielefeld Bielefeld Telefon Telefon 0521 392062

www.sieweke-bielefeld.de www .sieweke-bielefeld.de

Foto: Uwe Bekemeier

„Der Waldfriedhof! Das ist die Befreiung von dem grauen lastenden Jammer des modernen Begräbnisortes. Im grünen deutschen Walde die Liebe der Erde zurückzugeben, das eigene Grab beschützt und geschmückt zu wissen unter rauschenden Baumkronen, danach haben wir uns unbewusst wohl immer gesehnt.“ Diese Sätze schrieb der Architekt Professor Emil Högg aus München im Jahre 1912 in Hinblick auf die Ausgestaltung des Bielefelder Friedhofs.


FRIEDHOFSÄSTHETIK 47

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

ses Georg Kisker an. Dank der vorzüglichen Arbeiten wurde eine Broschüre gedruckt, die als Beitrag zur Hebung der Friedhofskultur dienen sollte. Darüber hinaus stellte die Stadt Modelle und Pläne des Sennefriedhofs auf der Städtebauausstellung in Düsseldorf 1912 aus, die mit besonderer Anerkennung gewürdigt wurden. Später durften Gedenkzeichen erst aufgestellt werden, nachdem sie ein Genehmigungsverfahren erfolgreich durchlaufen hatten. Für die Grabmalgestaltung war die Verwendung natürlicher Materialien vorgeschrieben. Breitsteine und Findlinge waren verboten, da sie optisch die Basis der Bäume verdecken würden. Grabkanten bzw. Einfassungen waren damals wie heute nicht erlaubt, da sie sich nicht in die Natürlichkeit des Waldes einfügten.

friedhof entwarf. Künstlerisch bedeutende Grabplastiken auf dem Sennefriedhof stammen von Künstlern wie Hugo Lederer, Eberhard Encke, Franz Guntermann, Käthe Kollwitz, Wolfgang Meyer-Michael, Peter August Böckstiegel, Theo Henke oder Herbert Volwahsen.

1940 wurde Prof. Arnold Rickert von der Meisterschule des Handwerks in Bielefeld mit der Begutachtung der Grabmalsentwürfe betraut. Diese künstlerische Aufgabe führte zum hohen Standard der Grabmalkultur auf dem Sennefriedhof. Nach seinem Tode 1974 übernahm die beratende Tätigkeit der freischaffende Bildhauer Bruno Buschmann aus Oerlinghausen, der einige bekannte Skulpturen nicht nur für den Senne-

Um die Klärung der Fragen zur Ästhetik innerhalb der Grabgestaltung ging es auch, als der Bielefelder Stadtrat 1984 dem Ansinnen des Kuratoriums entsprach und die Inbetriebnahme eines Leitfriedhofes genehmigte. Er entstand nach Nürnberger Vorbild und sollte Anregungen und Beispiele einer guten Grabgestaltung geben. Die Gesamtplanung des 7.000 qm großen Areals oblag dem Landschaftsarchitekten Professor Dr.

Mit der Schaffung des Sennefriedhofes fassten die Stadtväter gleichzeitig den Beschluss, eine Friedhofsgärtnerei zu bauen, um auch die Grabpflege und Grabherrichtung durch gut ausgebildete Gärtnerinnen und Gärtner zu gewährleisten. Die Wahl der Pflanzen sollte der Ästhetik und dem Charakter des Waldfriedhofes entsprechen, so dass keine buntlaubigen Gehölze oder Koniferen mit auffälliger Benadelung erlaubt wurden.

Gerhard Richter aus Weihenstephan. Anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Sennefriedhofes wurde er der Öffentlichkeit übergeben. Die aufgestellten Grabmäler entstanden aus einem vom Bundesinnungsverband des deutschen Steinmetz-, Stein- und Holzbildhauerhandwerks ausgeschriebenen Wettbewerb. Was für die meisten Grabstätten auf bundesdeutschen Friedhöfen zutraf, war auf dem Sennefriedhof mit seinen strengen Richtlinien nicht immer geeignet. Da die Gestaltung der Mustergräber eben diesen strengen Richtlinien für die Grabstätten auf dem Sennefriedhof widersprach, wurde der Leitfriedhof nur einige Jahre später geschlossen. Kennzeichnend für die spätere Gestaltung auf dem Sennefriedhof ist folgender Leitsatz aus den 70er Jahren: „Zur Pflege und Förderung des Sennefriedhofes als Waldfriedhof ist es notwendig, dass ein ausreichender guter Bestand an heimischen Bäumen erhalten bleibt“, so Prof. Dr. Ralph Gälzer damals. Heute liegt die Herausforderung für den Waldfriedhof eher im sich abzeichnenden Klimawandel. Hier wird es darauf ankommen, durch behutsame Eingriffe in den Bestand Pflanzengesellschaften aufzubauen, die in der Lage sind, mit den Witten ID rungsextremen zu Recht zu kommen.


48 FRIEDHOFSÄSTHETIK 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

FRIEDHOFSGESTALTUNG AM BEISPIEL DES SENNEFRIEDHOFS Auszug aus der Diplomarbeit von Dipl. Ing. FH Babette Schröder „Friedhofsgestaltung zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Beispiel des Sennefriedhofs in Bielefeld“, 1990.

1. Stand der Wirtschaft – Industrialisierung Die Industrialisierung brachte sowohl Gründe für das wenig ansprechende Friedhofsbild der Zeit hervor, war aber auch verantwortlich für die Tendenz zu großen, außerhalb der Städte gelegenen Zentralfriedhöfen. Friedhofsfunktion der damaligen Zeit war Totenfeld zu sein. Die Gesinnung der Menschen war von ästhetischem Denken weit entfernt. Die Bevölkerungsexplosion zur Zeit der industriellen Entwicklung forderte viele Begräbnisplätze; man musste platzsparend vorgehen. Da es keine Friedhofsordnungen und -gesetze gab, war die Friedhofsgestaltung nicht einheitlich. Das Friedhofsbild spiegelte die Tristesse im Leben der Arbeiterbevölkerung wider. Die Unternehmer und Fabrikbesitzer hingegen hatten zur Zeit der Industrialisierung das Bedürfnis,

ihre Macht zu zeigen. Dazu passte die protzige Aufmachung der Grabstätten mit prunkvollen Grabsteinen, edlen Grabeinfassungen und üppigen goldfarbigen Grabinschriften. 2. Rückbesinnung zur Natur, Festgehalten in der von Jugendlichen gegründeten Wandervogelbewegung Die geistige Gesinnung der Menschen: Die Wandervogelbewegung war in erster Linie ein Sichauflehnen der Jugend gegen die Normen der Zeit, gegen das Festgefahrensein der älteren Generation mit Hilfe der „Reinheit und Unverlogenheit der Natur“. Sie nahm 1890 ihren Anfang, zunächst im kleinen, privaten Bereich bis sie zu Beginn des 20. Jhs. in ganz Deutschland populär wurde. Die Natur war ein Gegensatz zur Norm und zur Technisierung des Lebens. Die Jugend richtete ihre Lebensweisen auf Natür-

lichkeit aus. Die Wandervogelbewegung räumte der Natur einen sehr hohen Stellenwert ein. Der Drang sich in der Natur aufzuhalten, ihre Schönheit zu genießen, waren Eigenschaften, die die Tendenz zum Waldfriedhof andeuteten. 3. Epoche des Jugendstils Der Jugendstil ist ebenfalls Ausdruck eines neuen Naturverständnisses. Das Hinabgreifen in das Vegetative, der Rückgriff zu den Kräften der Natur als gemeinsame Quelle alles Organischen, fand im Jugendstil Ausdruck. Er lehnte sich an die Bilder der Natur an, stellte sie aber nicht ohne Interpretation dar. Die Darstellungsform war allgemein übertrieben. Man fasste die Zeit von 1890 - 1919 in dieser Epoche zusammen. Gegen Ende der Epoche veränderte sich sein Inhalt und ging in Richtung Neue Sachlichkeit (Sachlichkeit in allem Gebauten, ver-


FRIEDHOFSÄSTHETIK 49

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

bunden mit einem künstlerisch-formalen hohen Anspruch). Die Tendenz zu Zentralfriedhöfen und großen Friedhöfen war nicht nur auf die Reformbewegung zurückzuführen, sondern auch im Zusammenhang mit der städtebaulichen Entwicklung zu sehen. Durch die immer dichter werdende Bebauung der Städte hatten die alten Begräbnisstätten keine Möglichkeit für Erweiterungen. Es wurden große Beerdigungsflächen an der Peripherie der Städte erforderlich.

Fotos: Ralf Neumann (2), Detlef Hamann (1)

Parkfriedhöfe Die Form des Parkfriedhofes konnte sich auf Dauer nicht durchsetzen. Solche Friedhofsanlagen wurden nur bis zum Beginn des 20. Jhs. geschaffen. Der Flächenanspruch, der Pflegeaufwand und somit die Kosten für die Städte waren zu hoch. Waldfriedhof Es liegt die Vorstellung zugrunde, mit dem lichten Wald und einer hainartigen Bepflanzung dem Tod seine Schrecken zu nehmen und die Grabfelder versöhnlicher zu gestalten. Der Baumbestand des Waldes bildet den Raum des Friedhofs. Ohne Entfernung von Bäumen kann aber auch die Form als Waldfriedhof nicht bestehen. Wichtig war auch, dass Pflanzungen den Waldcharakter nicht zerstörten und natürliche Materialien verwendet wurden.

christlicher Zeit musste dort also schon einmal ein Beerdigungsplatz gewesen sein. Die Landschaft des Bielefelder Südens ist in der Eiszeit entstanden. Durch den Stillstand der Eismassen wurden riesige Sandmassen vor dem Südhang des Osnings aufgeschüttet. Die Sandlandschaft der Senne entstand durch Erosion, Wind und Wasser. Bäche und kleinere Flüsse haben anschließend die Sandmassen eingeebnet und zur Talbildung beigetragen. Durch Wind entstanden die Sanddünen der Senne. Der Bielefelder Süden ist eine leicht schiefe Ebene.

Der Sennefriedhof Grundlagen für die Gestaltung waren Entwürfe von Friedrich Schultz, Architekt und Stadtbaurat in Bielefeld von 1908-1945 und Paul Meyerkamp, Garten-, Forst- und Friedhofsamtsleiter von 1907-1947. Die ersten Bauabschnitte entstanden unter ihrer Leitung in den Jahren 1909-1913. Während der Erdarbeiten stieß man auf Hünengräber aus der Germanenzeit. In vor-

Standortfrage Die Standortauswahl für die Anlage des Sennefriedhofs hat verschiedene Gründe: Der bestehende Wald war Grundvoraussetzung. Die Bodenverhältnisse waren günstig, da aufgrund des Sandbodens gute Durchlüftung und damit schnellere Leichenverwesung gewährleistet waren. Auch die Entwässerung war problemlos. Eine alte topographische Karte zeigt, dass Teile

des Wegenetzes schon vor Anlage des Friedhofs bestanden. Sie verliefen damals als Waldwege im Kiefernwald. Einer der Wege hatte schon damals eine gerade Verbindung zu weiter entfernt liegenden Gebieten. Er führte nach Rietberg. Die Hauptallee, zumindest zwischen Kapelle und südwestlicher Begrenzung durch den Rundweg, war bereits als Weg vorhanden. Das gilt ebenso für schmalere untergeordnete Wege. Für die Wegeführung ausschlaggebend waren das Geländerelief, aber auch das Vorhandensein unbewaldeter Flächen und das Vorkommen von Hügelgräbern. Die Wege wurden um diese „Hindernisse“ herumgeführt. Der Standort der Kapelle orientierte sich ebenfalls an den naturräumlichen Gegebenheiten. Er liegt in einer natürlichen Ebene, fast wie eine Senke ausgebildet. Die Größe dieser Ebene erlaubte zusätzlich die Anlage des streng architektonischen Wasserbeckens ohne aufwendige Modellierungsarbeiten. Auch gestalterisch ist der Standort gelungen. Durch den stetigen Geländeabfall ist die ebene Fläche nicht unmittelbar einsehbar. Der Kapellenkomplex mit dem Bassin taucht für den Besucher unerwartet auf und zieht ihn insbesondere durch das architektonisch dominierende Gebäude der Kapelle in seinen Bann. Die Spiegelung des Kapellenkomplexes in dem rechteckigen Wasserbecken hebt das Ensemble zusätzlich hervor. Dieser architektonische Raum, die Hauptallee und die parallel verlaufende zweite Achse mit Reihengräbern, waren bis 1918 die einzigen geraden, geometrisch angelegten Gestaltungselemente. Sie sollten einen Gegensatz zum Charakter des Waldfriedhofs darstellen. Angepflanzte Baumreihen entlang der Hauptallee sowie parallel dazu angelegte schmale Fußwege hoben diesen Gegensatz noch hervor.


50 FRIEDHOFSÄSTHETIK 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

Umsetzung der Planung ist noch zu erwähnen, dass man bis in die 1960er Jahre die Wege in Kalkschotter angelegt hat. Das Material kam aus einem kleinen Kalksteinbruch, der sich damals auf dem Friedhofsgelände befand. Jugendstil und Sennefriedhof Zu guter Letzt möchte ich noch einmal auf die Epoche des Jugendstils, bezogen auf den Sennefriedhof, eingehen. Reine Jugendstilobjekte sind auf dem Sennefriedhof nicht zu finden. Architek-

INFORMATION Redaktion: Dipl. Ing. FH Babette Schröder Abschnittsleiterin Grünunterhaltung Stadt Bielefeld – Umweltbetrieb Tel. (0521) 51 3985 mailto:babette.schroeder@bielefeld.de

Täglich für Sie im Einsatz Ihr Vertrauen ist unsere Motivation

Ihr Partner für kommunale Dienstleistungen · · · · · · · ·

Stadtentwässerung Abfallentsorgung und Wertstofferfassung Straßenreinigung und Winterdienst Straßeninstandhaltung und -beschilderung Unterhaltung der städtischen Grünflächen und Friedhöfe Heimtierfriedhof Bielefeld Botanischer Garten Heimat-Tierpark Olderdissen

Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld Eckendorfer Str. 57 - Haus A · 33609 Bielefeld · Tel. (0521) 51 0 · Fax. (0521) 51 28 92 Mail. umweltbetrieb@bielefeld.de · Web. www.umweltbetrieb-bielefeld.de

Foto: Heike Carstensen (1)

Nach Auskunft des früheren Friedhofsleiters, Herrn Röhs, gibt es für die Auswahl des Kapellenstandortes noch einen weiteren Grund: Bei optischer Verlängerung der Achse, weit über die Hauptallee hinaus, konnte man in südwestlicher Richtung über die Baumwipfel hinweg, die Kirchturmspitze von Friedrichsdorf sehen. In nordwestlicher Richtung blickte man über das Wasserbecken hinweg auf den Dreikaiserturm, die heutige Hünenburg. Im Zusammenhang mit der Friedhofsgestaltung und auch der praktischen

tur und Grabdenkmäler weisen aber Merkmale dieser Epoche auf. Bis zum Beginn der 1930er Jahre sind Grabsteine mit vegetabilen Ornamenten und der Natur entlehnten Verzierungen versehen. Die Kapelle zieren Formen stilisierter Lilienblätter, auch die achteckigen Fenster entlang der Attika sind Elemente, die auch im Jugendstil vorkamen. Das Relief der Vorhalle der Kapelle zeigt der Natur entlehnte Details, die auf den Einfluss der Reformbewegung Jugendstil schließen lassen. Zwei stilisierte Palmwedel über dem Eingangstor der Kapelle zeigen dieses ebenfalls. Auch die Tür zur Leichenhalle zeigt teilweise Pflanzenteile und stilisierte Ranken. Ein eindrucksvolles Grabdenkmal auf dem Sennefriedhof war z.B. der Genius von Georg Kolbe. Die Darstellung der Figur, die leider entwendet wurde, zeigte durch ihre lebendige Körperhaln tung den Einfluss des Jugendstils.


FRIEDHOFSÄSTHETIK 51

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

ASPEKTE DER GRABMALKULTUR

Foto: Mechthild Schemmer

Der Umgang mit der Bestattung eines Verstorbenen ist eine Kultur, die naturgemäß so alt ist wie die Menschheit selbst, und ebenso vielfältig.

as christliche Abendland fußt auf dem Glauben, daß Christus am Kreuz gestorben ist und in ein Felsengrab gelegt wurde. Dementsprechend finden sich als Symbol dieses Gedenkens in Deutschland bis heute zumeist Kreuze auf den Gräbern. Andere Kulturen, wie beispielsweise die der Römer sahen im Totenkult eher eine Huldigung an das Leben, wie entsprechende Statuen, Büsten, Fresken oder Mosaiken dies dokumentieren.

D

Die Tradition der Grabmalgestaltung dokumentiert bis auf den heutigen Tag auch die gesellschaftliche Stellung des Verstorbenen. Schon die Wahl des Materials - Holz, Eisen oder Stein - bedingt auch die Möglichkeiten der Bearbeitung und die Aufwendung der Ornamentierung.

Das Monumentum soll, wenn auch nicht für die Ewigkeit gedacht, so doch über Jahrzehnte oder Jahrhunderte als Erinnerungs- oder auch Mahnzeichen der Vergänglichkeit dienen, denn das Grab ist dauerhaft und fest wie kein anderer Ort der Menschen. Vermutlich sind die ersten Grabkreuze aus Holz entstanden, da es einfacher war, zwei Holzbalken übereinander zu legen als einen Stein zu behauen. Hierbei ist die Vielfalt der Gestaltung beachtlich. Da ist das Antoniuskreuz, griechische Kreuz (Andreaskreuz), das lateinische Kreuz in unterschiedlichen ornamentalen Ausführungen, das lothringische Kreuz, Patriarchenkreuz, Jakobskreuz, Kleeblattkreuz, Lilienkreuz, auch dies in verschiedenen Formen als Tatzen- und Stufenkreuz, Tropfen- oder Triangelkreuz, um nur einige Varianten zu nennen.

Ab der letzten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden Grabkreuze auch bemalt und randverziert. Desweiteren wurden Inschriften eingebrannt. Der Stein im Unterschied zum Holz ist allerdings von dauerhafterer Form. Von der einfachen Grabplatte, mit nach wie vor einem kleineren Kreuz am Kopfende versehen, entwickelt sich eine skulpturale Form hin zu einer Stele. Auch die eiserne Form der Kreuze bietet vielfältige ornamentale Möglichkeiten. Von der zweckhaften Grundgestalt als religiöses Mal und mit der Inschrift steigert sich das ornamentale Gestaltungprinzip von der Gotik über die Renaissance zum Barock, wo sich deutlich ein Spiel mit perspektivischer Räumlichkeit und entsprechender Illusion entwickelt. Während die


52 FRIEDHOFSÄSTHETIK 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

Bielefeld als Ort der Weberei denken. Zwei Schafe befinden sich zu Füßen der Frauen, wobei das eine zum Kind hinaufschaut und das andere friedlich grast. Auch hier wäre ein Zusammenhang mit der Wollweberei denkbar, ebenso der Hinweis auf das übliche Ambiente einer Krippe.

Der in Arrode bei Werther/Westfalen beheimatete Bildhauer und Maler Peter August Böckstiegel (1889-1951) schuf die beiden Bronzereliefs, je zwei Frauen- und Männerfiguren. Sie symbolisieren den ewigen Kreislauf des Lebens - Saat und Ernte, Geburt und Tod.

Renaissance noch das Reliefartige betont hatte, zeigt das Rokoko die Auflösung alles Linearen. Die neuzeitlichen Möglichkeiten spiegeln sich in der Verwendung von Blech und Gußeisen. Mit dem Zeitalter des „Materialismus“ verlieren sich die vorgenannten Darstellungsformen und entwickeln sich zu einer gewissen Stilneutralität. Aktuell ist auch eine gewisse Neigung zum Kitsch zu beobachten, wenn - abgesehen natürlich von Kindergräbern – die Grabstätten mit immer denselben Figürchen übersät werden. Allerdings ist es auch zunehmend, wie schon erwähnt, nicht zuletzt eine Frage des Geldes, welche Qualität ein Grabmal hat. Der individuelle Umgang mit dem Material ist eine der Grundlagen der Kunst. Die künstlerische Gestaltung des Themas ist nach wie vor bedeutsam. Es muß sich hierbei nicht notwendigerweise um den skizzierten traditionellen Formenkanon handeln. Trotz der besonderen Anforderungen an einen Waldfriedhof wie den Sennefriedhof, der mit einer gewissen Philosophie nicht nur ein Ort der abgrundtiefen Trauer, sondern auch der wiederkehrenden Ruhe und Hoffnung ist, ist trotz gesetzlicher Vorgaben eine hohe Individualisierung möglich. Namhafte Künstler wie Georg Kolbe, Käthe Kollwitz oder Peter August Böckstiegel geben hiervon Zeugnis. Peter August Böckstiegels Mo-

nument für die Familie Niemann, ausgeführt 1947 von dem Steinbildhauermeister Fritz Niemann aus Bielefeld, gehört zu den zahlreichen sehr guten Beispielen des Sennefriedhofs, die nur exemplarisch angeführt werden können. Böckstiegel hat hier zwei Bronzereliefs gestaltet, die auf einem Basaltstein angebracht sind und wie ein Bilderrahmen die Darstellung umfassen. Wir sehen jeweils zwei Frauen und zwei Männer voller symbolischer Kraft. Darunter stehen außer dem Familiennamen die Anfangszeilen eines Gedichtes von Goethe, Gesang der Geister über den Wassern, aus dem Jahr 1779: Des Menschen Seele gleicht dem Wasser, vom Himmel kommt es zum Himmel steigt es, und wieder nieder zur Erde, muss es ewig wechseln. Die beiden Frauen auf der linken Reliefhälfte sind mit Attributen weiblichen Daseins ausgestattet, von denen die rechte Frau den auf ihrem Schoß sitzenden Säugling nährt als Sinnbild des beginnenden Lebens. Die andere Frau ist mit einem sogenannten Spinnrocken ausgestattet, einem senkrecht stehenden Stab, an den beim Spinnen mit dem Wirtel oder dem Spinnrad das zu verarbeitende Material befestigt wird. Der Spinnrocken galt auch als Symbol der Frau und ihrer Weiblichkeit, der Fruchtbarkeit und Frucht sowie der häuslichen Armenfürsorge. Desweiteren könnte man in diesem Zusammenhang auch an den Standort

Das Kompartiment der männlichen Seite verweist im Unterschied zu dem weiblichen Thema von Geburt und Ernte, auf die Saat und den Tod. Links sehen wir den Sämann, rechts denjenigen mit der Sense und Flöte, der die Menschen zu sich ruft. Zu den Füßen findet sich ein liegendes Schaf. Peter August Böckstiegel wurde am 7. April 1889 in Arrode / Werther bei Bielefeld geboren, wo er auch starb. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Werther. Nach einer Malerlehre in Bielefeld und privatem Zeichenunterricht bei Ludwig Godewols begann er 1907 ein Studium an der neugegründeten Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Bielefeld. 1913 Wechsel an die Kunstakademie Dresden. Die Stadt wird Böckstiegel zur zweiten Heimat. Kriegsdienst bis 1918. 1934 Übersiedlung nach Berlin. Im zweiten Weltkrieg Beschlagnahmung seiner Werke. 1945 wird in der Dresdener Bombennacht auch sein Atelier zerstört. Der Künstler kehrt, nach zwischenzeitlichen Rückkehrversuchen nach Dresden, endgültig nach Arrode zurück. Böckstiegel war als Maler und Bildhauer ein Vertreter des Westfäli-

Stele von Prof. Paul Griesser. Eingelassenes Relief von Käthe Kollwitz (1867-1945). Das Bronzerelief zeigt einen „Hinübergehenden“.


FRIEDHOFSÄSTHETIK 53

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

schen Expressionismus. Seine Kunst ist nicht sehnsuchtsbezogen oder idealistisch, sondern stets realitätsverbundener Ausdruck eines schweren, entbehrungsreichen ländlichen Lebens, das der Künstler von Hause aus kannte. Auch Käthe Kollwitz verbrachte einen Teil ihres Lebens in der Nähe von Dresden, in Moritzburg, wo sich zahlreiche weitere Künstler aufhielten. Die am 8. Juli 1867 in Königsberg als Käthe Schmidt geborene, und mit dem Arzt Karl Kollwitz verheiratete Künstlerin, zählt zu den sozialkritischen Vertretern ihrer Zunft. Vorwiegend durch ihre druckgraphischen sowie bildhauerischen Werke bekannt, wurde sie mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, obwohl sie auch immer wieder mit allen politischen Obrigkeiten in Konflikt geriet. Am 22. April 1945 starb sie in Moritzburg. Auf Bitten ihrer jüngeren Schwester Lisbeth Stern, gestaltete Käthe Kollwitz 1934 ein Grabrelief für die Familiengrabstätte Schmidt, Kollwitz und Stern auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde.

Foto: Uwe Bekemeier (2), Auf den Punkt gebracht (1)

Dargestellt im Relief sind „zwei große mütterliche Hände, die einen Hinübergehenden in ihren Mantel hüllen, und der Hinübergehende – es ist nur das Gesicht zu sehen – zieht den Mantel noch um sich zusammen.“ (Briefe der Freundschaft, S. 101 f.). Dieses Relief hat der Architekt Paul Griesser (1894 - 1964) als Abguß in eine Muschelkalk-Stele eingearbeitet, für das Grabmal der Familie Külken im Jahr 1952. Das bei Kollwitz eingearbeitete Goethe-Gedicht aus dem „West-östlichen Diwan“. „Ruht im Frieden seiner Hände“ fehlt hier. Es findet sich nur etwas unterhalb des Reliefs der Name Külken. Griesser war Professor an der Werkkunstschule Bielefeld. Solche Grabmale höchster Qualität gibt es bis heute. Ein Beispiel hierfür ist das Grabmal der Familie Meyer aus Bielefeld. Wenn man es unabhängig betrachtet, glaubt man, es handele sich um ein historisches Grabmal. Es wurde hingegen aufgestellt für die Eltern des Künstlers selbst. Nach dem Tod seiner Frau hatten der Vater und die Schwester Heiner Meyers den Kopf der Aphrodite in dessen Atelier als Grabmal für das Doppelgrab ausgesucht. Es wurde 2003 aufgestellt, umgeben von Bäumen und einer aus Naturstein errichteten Mauerabgrenzung. Der Steinmetz Uwe A. Jauer hat aus graugrünem Anröchter Dolomit eine matt geschliffene Stele gearbeitet, worauf die Bronze mit dem Titel „Der Sieg der Archäologen“ montiert wurde. Die Bronze-Figur stellt den Kopf der Aphrodite dar. Bei einem Besuch im Pariser Louvre war die Skulptur, die dort neben der Venus von Milo steht und weniger beachtet wird, dem

Künstler besonders aufgefallen, weil sie so makellos ist. Sie gehört zu den ganz wenigen griechischen Stücken, die nicht fragmentiert sind. Es war der Scherbengedanke, den der Künstler im Kopf hatte, da man normalerweise bei der Spurensuche in der Erde nur Bruchstücke findet. Aphrodite hingegen war dort in voller Schönheit zu sehen, und so entstand der Titel „Sieg der Archäologen“. Als Symbol für ein Grabmal scheint mir dies von besonderer Bedeutung, gleichsam als Chiffre für eine künftige Wiederentdeckung, bzw. Auferstehung.

Braunschweig und der FH Bielefeld. Zahlreiche seiner Werke befinden sich in namhaften öffentlichen und privaten Sammlungen. Bevor sich Heiner Meyer mit Themen der POP Art beschäftigt hat, lag sein künstlerischer Schwerpunkt auf antiker Architektur und Skulptur, den er sowohl malerisch als auch bildhauerisch umgesetzt hat. Das zeitgenössische Grabmal der Familie Meyer zeigt, daß es im Grunde keine Kunst der Vergangenheit gibt, sondern wenn ein Kunstwerk Tragfähigkeit und Qualität besitzt, sich diese nicht verliert.

Heiner Meyer, der am 9. Oktober 1953 in Bielefeld geboren wurde, lebt nach wie vor dort. Er gehört zweifellos zu den berühmtesten aktuellen Künstlern seiner Heimatstadt. Einige hundert weltweite Ausstellungen in Europa, Asien und Amerika folgten bis heute, nachdem er ein Studium der freien Kunst in Braunschweig bei den Professoren Karl Schulz und Malte Sartorius absolviert, und zuvor noch als Assistent bei Salvator Dali in Cadaquès gearbeitet hatte. Später folgten Lehrtätigkeiten u.a. an der HBK

Kunst entwickelt sich nie aus sich selbst heraus, sondern gleichermaßen wie sich die Vorstellungen der Menschen im Verlauf von Generationen ändern, entwickeln sich auch neue n Ausdrucksformen.

INFORMATION Redaktion: Dr. Gudrun Wessing Kunsthistorikerin

Stele vom Bielefelder Steinmetz Uwe A. Jauer aus grün-grauem Anröchter Dolomit, aufgestellt 2003. Bronzebüste „Der Sieg der Archäologen“ von dem international bekannten Bielefelder Maler und Bildhauer Heiner Meyer, Sohn der hier Bestatteten.


Fotos: Karsten Ahrnke (3), Uta Bakowski (2), Harald Sander (1), Eleonore Pankoke (1), Barbara Semper (1)

54 IMPRESSIONEN 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF


FRIEDHOFSÄSTHETIK 55

Foto: Auf den punkt gebracht

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

AUSDRUCKSSTARKE FORMENSPRACHE

Bruno Buschmann in seinem Atelier in Oerlinghausen (2012)

Als Nachfolger von Prof. Arnold Rickert wird Bildhauer Bruno Buschmann im Mai 1975 der künstlerische Berater für die Grabmalgestaltung auf dem Sennefriedhof. Seine zahlreichen Skulpturen und Plastiken, meistens aus Stein oder Bronze, stehen heute im In- und Ausland. Als freischaffender Bildhauer lebt und arbeitet er in Oerlinghausen. Mit ihm sprach die Redaktion über das Bedürfnis der Menschen, ihrer Trauer individuell Ausdruck zu verleihen.

Redaktion: Bei einem Spaziergang über den Sennefriedhof ist der Künstler und Bildhauer Bruno Buschmann allgegenwärtig. Ihre Arbeiten lassen den Betrachter innehalten. Gibt es Skulpturen oder Plastiken, die Ihnen besonders wichtig sind? Bruno Buschmann: Ob Plastik oder Skulptur, im Vordergrund stehen für mich die Menschen, denen sie gewidmet sind. Der Grabschmuck erzählt ihre Geschichte, trägt dazu bei ihrer zu gedenken. Friedhofskunst entsteht nicht als Selbstzweck.

Für ein nicht alltägliches Grabfeld schufen Sie eine ungewöhnliche Plastik. Ja, das Fötengrab ist eine besondere Grabstätte mit vielen besonderen Erinnerungen, auch an kleine Geschichten, die mit dieser Grabstätte in Verbindung stehen. Meine erste Begegnung mit der Initiatorin Prof. Dr. RauteKreinsen bescherte uns ein anregendes Gespräch über die Wirkung der Bildsprache. Ihre Idee, einen Findling als Grabmal auszuwählen, teilte ich nicht. Meines Erachtens war dieser

Stein zu monumental. Ich schlug ihr vor, eine Plastik zu entwickeln, die einen Bezug zur Vergänglichkeit des Lebens haben würde. Hatten Sie sofort eine Idee, ein Bild im Kopf? Ich wusste zumindest relativ schnell, dass es keine Skulptur eines Engels werden würde. War dieser Gedanke zu naheliegend? In ihrer Zwiesprache mit Gott neigen Menschen dazu, Engel als Mittler einzusetzen. Es


56 FRIEDHOFSÄSTHETIK 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

würde also nicht lange dauern, bis Trauernde eben diese als Ausdruck des Gedenkens hier ablegen würden. Es musste daher etwas Abstraktes sein, um die mitgebrachten Andenken, welcher Art sie auch immer sein würden, harmonisch zu integrieren. Die Plastik sollte die Menschen zum Nachdenken anregen und so in ihrer Trauer stützen. Die Säule, die ich 2002 aus Bronze fertigte, verknüpft die vier Elemente „Erde, Wasser, Feuer und Luft“ fast schwerelos.

Die Bronzestele schuf Bruno Buschmann für das Anonyme Urnenfeld (Abt. O) Anno 1985.

Die vier Elemente als die Quelle des Lebens. Arbeiten Sie oft mit Symbolen? Es wird immer schwerer, mit den alten Symbolen zu arbeiten. Viele von ihnen werden nicht mehr verstanden. Nehmen Sie den Pelikan, der sich selbst opfert, um seiner Brut das Überleben zu sichern. Oder das Pentagramm: Während seine fünf Spitzen bei den Freimaurern die Tugenden der Klugheit, der Gerechtigkeit, der Stärke, der Mäßigkeit und des Fleißes bedeuten, stehen sie gemäß der christlichen Deutung für die fünf Wunden Jesu Christi.

Fotos: Anne Lücking (1), Eleonore Pankoke (1). Auf den Punkt gebracht (1)

Und was bedeutet das für die Grabmalskunst heute? Nehmen Sie einen polierten Marmorstein. Schön glänzend. So oder so ähnlich dutzendWeibliche Plastik aus grauem Muschelkalk. Sie entstand 1970.

fach aufgestellt. Der einzige Unterschied – der Name. Über den Verstorbenen verrät uns diese Grabstätte nichts, vielleicht etwas über die Hinterbliebenen. Trotz Grabstein ist hier eine gewisse Anonymität gegeben. Ein Stück Geschichte geht verloren und die Chance sich zu erinnern. Grabmalskunst ist hier nicht länger von Bedeutung. Ganz abgesehen davon, dass in früheren Satzungen polierte Grabsteine auf dem Sennefriedhof nicht erlaubt waren. Mein Engagement, mich für Grabmalskunst zu engagieren, lernte ich von meinem Lehrer und Mentor Professor Arnold Rickert, dessen Assistent ich später wurde. 1940 wurde er an die Meisterschule für das gestaltende Hand-

werk und als Leiter der Steinmetz- und Holzbildhauerklasse in Bielefeld berufen. Ab 1942 war er zudem künstlerischer Berater für die Grabmalgestaltung auf dem Sennefriedhof. Bis heute wird das hohe Niveau der Grabmale auf dem Sennefriedhof von der Fachpresse gelobt, wozu er maßgeblich beigetragen hat. Als ich zum künstlerischen Leiter ernannt wurde, habe ich diese Arbeit fortgeführt, das hat mir nicht nur Freunde eingebracht. Es war ein Trugschluss zu glauben, dass eine gut ausgearbeitete Satzung diese Entwicklung unterbindet. Können Sie mir ein Beispiel geben? Insbesondere bei der Wahl des Materials gab es früh Differenzen. Ein glatt polierter Marmor-


FRIEDHOFSÄSTHETIK 57

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

stein lässt sich nicht in die Natur integrieren. Der setzt keine Patina an, soll heißen, als Wirt für Moose und Flechten ist der glatte Stein ungeeignet. Ganz anders ist es mit Natursteinen wie Sandstein oder Muschelkalk, diese Steine integrieren sich in die Natur, leben, verändern ihr Gesicht. Erde zu Erde (…) hier funktioniert der Kreislauf des Lebens. Zurück zur Natur: Ganz langsam gibt es wieder erste Tendenzen in diese Richtung. Für das anonyme Urnengemeinschaftsgrabfeld schufen Sie 1985 eine Bronzeplastik. Eine vielbeachtete Arbeit. Bei der 260 cm großen Plastik war es mir wichtig, diese transparent zu gestalten. Die als Hohlform dargestellten, runden Körper weisen auf die besondere Art der hier Bestatteten hin. Die Auflösung der Körperlichkeit des Menschen wird bewahrt durch eine innere Form. Sie sind gelernter Holzbildhauer und Steinbildhauer. Die Bronzegießerei haben Sie sich selber beigebracht? Vom Entwurf bis zur Aufstellung habe ich meine Arbeiten selber ausgeführt. Insbesondere Bronze zu gießen war schwer zu erlernen. Dazu

gehören aber auch die Arbeiten des Formers, des Gießers und das des Ziseleurs. Meine ersten Versuche, hier in meiner eigenen Werkstatt Bronze zu gießen, kamen einem Abenteuer gleich. Sie haben sich viel mit Grabmalskunst befasst. In der Summe gesehen kommen einige Skulpturen und Plastiken zusammen, die ich für Grabmäler geschaffen habe. Es ist aber nicht mein Hauptbeschäftigungsfeld. Das wäre ein falscher Rückschluss. Der Alltag eines freien Bildhauers wird geprägt von der Notwendigkeit, an Ausschreibungen teilzunehmen und Wettbewerbe zu gewinnen. Auftraggeber sind neben Städten und Kommunen oft auch Schulen oder Kirchen. Erst mein Bekanntheitsgrad brachte später auch private Aufträge. Mein Glück war es, dass ich mich früh auch mit anderen Handwerken vertraut gemacht habe. Ihre Arbeiten haben eine Seele, erzeugen Empathie, das spürt man. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere? Ich bin überzeugter Pazifist. Die von mir gefertigten Ehrenmäler zeugen von christlicher Hoffnung und Auferstehung. Dennoch bin ich nie müde geworden, für meine Überzeugungen zu kämpfen.

Grablegung Christi: Das Grabmal aus rotem Granit schuf Bruno Buschmann für seinen Freund, den Steinmetzmeister Ferdinand Klesener.

Gewonnen habe ich meine Kämpfe durch Argumente und Beharrlichkeit. Die Lehre der Gestaltungsrichtlinien, Ästhetik und Symbolik bleibt nur so lange theoretisch, solange man sich nicht die n Mühe gibt, sie anderen näherzubringen. Das Interview führte Ina-Alex. Dünkeloh


58 FRIEDHOFSÄSTHETIK 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

Die Kreuzigung Christi oder das Leiden Christi in Form eines Kruzifixes. Es ist Sinnbild für das Opfer Christi, das dieser nach christlichem Glauben zur Erlösung der Menschheit gebracht hat.

INTERNATIONALE BILDSPRACHE ymbolik: Mit einem einzigen Bild lässt sich eine ganze Geschichte erzählen, vorausgesetzt, dass der Empfänger der Nachricht über ein ähnliches Wissen verfügt, wie der Sender. Beliebt ist der Umgang mit der Symbolik im Bereich der Religion und Mythologie, Kunst, Dichtung und Psychologie. Der Begriff „Bildsprache“ ist ebenso passend, als bestimmte Bildelemente tatsächlich aufgrund wahrnehmungsphysiologischer Bedingungen oder gesellschaftlicher Übereinkunft Zeichencharakter haben, die vom Betrachter - mehr oder minder eindeutig - gelesen werden können. Im Unterschied zur gesprochenen Sprache handelt es sich bei der Bildsprache um eine Ein-Weg-Kommunikation, bei der der Gestalter der „Sprechende“ und der Betrachter der „Hörende“ ist; eine Antwort im Sinne des mündlichen Gesprächs gibt es dabei nicht.

S

Nach naturkundlich-mythologischer Sage soll sich der Pelikan die Brust aufreißen, um seine Jungen mit seinem Blut vorm Verdursten zu bewahren. Das antike Symbol steht für Aufopferung.

Ying und Yang stehen für entgegengesetzte Prinzipien des chinesischen Denkens. Dem Yang entspricht zB. das Männliche, Aktive, der Himmel, die Stärke. Dem Ying das Weibliche, Passive, die Erde, die Nachgiebigkeit.

Die Flagge der Türkei wird häufig als Mondstern bezeichnet. Der Halbmond war Symbol von Artemis, der Göttin der Jagd, der Stern das Zeichen der Jungfrau Maria.


ALLES AUS EINER HAND

FRIEDHOFSÄSTHETIK 59

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

Hölzerne Grabmale im Gegensatz zum steinernen: Holz, das verwittert, symbolisiert die Vergänglichkeit oder die Fähigkeit zur Wandlung. Das Passionskreuz ist das „typische christliche Kreuz“, bei dem der Längsbalken länger ist als der Querbalken.

Der Totenkopf war stets das Symbol der Vergänglichkeit.

Die betenden Hände: Bekannt durch Albrecht Dürers Darstellung seiner eigenen Hände. Sie gelten als Symbol gelebter Frömmigkeit.

Ein Symbol für Jesus Christus. Das Lamm, als Opfertier bekannt, wird zur Schlachtbank geführt. Nimmt die Schuld auf sich, um zu erlösen. Auch Symbol für den „guten Hirten“ Christus. Das Pallium, eine schmale Stola aus Lammwolle, ist Würdezeichen des Papstes.

Der Davidstern ist ein Hexagramm-Symbol, das aus zwei gleichseitigen Dreiecken besteht. Er hat religiöse Bedeutung und gilt heute vor allem als das Symbol des Judentums.

Engel sind Boten Gottes. Religionen wie das Christentum, der Islam und das Judentum kennen Schutzengel als Beschützer der Gläubigen.

Selbstverständlich nehmen wir uns viel Zeit für ein ausführliches und vertrauensvolles Beratungsgespräch.

Fotos: Anne Lücking (2), Eleonore Pankoke (3), Harald Sander (1), Mechthild Schemmer (3), Barbara Semper (2)

Der Äskulapstab ist das Symbol des ärztlichen und pharmazeutischen Standes. Äskulap gilt als Gott der Heilkunde, weil er als Arzt einen Toten auferweckte. So erzürnte er Hades, den Herrscher des Totenreiches.

Besonders wichtig ist es, in einem Trauerfall einen vertrauenswürdigen Partner an seiner Seite zu haben. Wir kümmern uns um alle anstehenden Formalitäten und übernehmen auf Wunsch die Organisation der Trauerfeier - vom Blumenschmuck bis zur Vermittlung eines Trauerredners oder Pfarrers.

Wir unterstützen Sie bei den anfallenden Entscheidungen und beraten Sie mit unserer Erfahrung und Kompetenz. Aber auch in allen Bereichen der Vorsorge stehen wir Ihnen gerne unterstützend zur Seite. Vertrauen Sie uns - unsere Aufgabe ist es, Ihnen zu helfen! Eigen Traue e r im Ha halle us

Partner der Gesellschaft für Dauergrabpflege Westfalen-Lippe mbH

Traue rflor Blume istik n Klo von un se s für S ie

Bestattungshaus Klose Hinter Blumen Klose Eingang: Otto-Brenner-Str. 156a · 33604 Bielefeld Telefon 0521/136 313 95 · Fax 0521/136 313 97 info@klose-bestattungshaus.de www.klose-bestattungshaus.de


60 FRIEDHOFSÄSTHETIK

Foto: Auf den Punkt gebracht

100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

EIN WETTBEWERB UND SEINE GESCHICHTE

Veranstaltungsh inweis: 100 Jahre Sennefr iedhof - Verniss age/Finissage Vom 02. Novemb er bis 25.Novem ber 2012 www.vhs-bielefe ld.de

Die Idee, ausgehend von der punktgenau-media und dem Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld, wurde mit einer Frage geboren: Wie nehmen die Bielefelderinnen und Bielefelder eigentlich ihren Sennefriedhof wahr? ie Antworten lieferten engagierte Kursteilnehmer der Volkshochschule Bielefeld unter der Federführung von Frau Anne Wellmann. Während die Fotografen sich ein Jahr lang zu einem Fotokurs unter der Leitung von Richarda Buchholz trafen, waren die Literaten verschiedener Kurse im Bereich „Kreatives Schreiben“ angesprochen worden. Kirschrot, gefährlich, Kinderlachen, Birkenrinde: Die Literaten wurden zunächst mit „geistiger Nahrung“ versorgt. Die Aufgabe war es, fünf von zehn Worten, die offensichtlich in keiner Beziehung zueinander standen, dennoch miteinander zu verknüpfen. Die Geschichten, die entstanden, konnten unterschiedlicher nicht sein. Die Fotografen holten sich ihre Anregungen direkt auf dem Friedhof: Die Schönheit der Natur lockte mit ihren Reizen. Inspiriert von der Stille,

D

dem Licht, der Kunst und Kultur gingen die Fotografen auf Entdeckungsreise - Spurensuche – Zeitreise und auf die Jagd nach dem schönsten Foto. Ein Gemeinschaftsprojekt entstand. Eine Auswahl der knapp vierhundert eingegangenen Fotos ist über die gesamte Festschrift verteilt. Das aussagekräftige Titelbild der Festschrift schoss Heike Carstensen. Es ist gleichzeitig das Keyvisual der gesamten Jubiläumskommunikation. Bei den eingegangenen Texten wurde aus Patzgründen einer prämiert. Diese nicht ganz einfache Aufgabe übernahmen umso gewissenhafter die freie Journalistin Susanne de Reuter und apl. Prof. Dr. Ulrich Seelbach, Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft der Universität Bielefeld. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für inspirien rende Fotos und spannende Texte.

INFORMATION Die Namen der Literaten: Ulf Brinkmann (Die Aufgabe), Monica Vogel-Marin (Blümchen), Irene Judith Nafria (100 Jahre Sennefriedhof), Annemarie Rosenke (Die perfekte Beziehung), Daniela Rusack-Maß (Uli Fußballnarr), Kirsten Schwert (Wo die Stille singt), Heinz Vathauer (Sennefriedhof), Denise Warnek (Schattenläufer), Heiko Wind (Später Besuch), Robert Meyer (Der Wind kann nicht lesen) Die Namen der Fotografen: Karsten Ahrnke, Uta Bakowski, Uwe Bekemeier, Alfred Bosdorf, Heike Carstensen, Detlef Hamann, Patrick Libke, Anne Lücking, Silke Maß, Ralf Neumann, Eleonore Pankoke, Harald Sander, Mechthild Schemmer, Barbara Semper, Lutz Volkmann, Heike Welge, Vera Wiehe, Jens Hoffie, Guido Nobl


FRIEDHOFSÄSTHETIK 61

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

bte lassenheit. Er lie ang in ruhiger Ge ng ng er, tei hu ch up zie äu Ha Be Str n e d de kt un Die perfe edhof durch lfalt der Bäume n betrat er den Fri vorbei an der Vie r, tu Na die e nk Wie jeden Morge rch se du ) Annemarie Ro genoss den Weg lgezwitscher. (… dieses Ritual und termalt von Voge un r nu r, hie lle und die Sti Denn der Wind kann nicht lesen Ein heftiger Platzr egen - schwer un d kalt. Blitze flamm Ein alter Mann ste en durch die unna ht verloren am Gr türliche Dunkelh ab seiner Lebens schwere Kleidung eit liebe. Man könn beuge ihn noch te glauben, die reg . mehr. (…) Robe enrt Meyer

Wo die Stille sin gt Die Frau trug ein en kirschroten M antel und ein Lä trugen schwarz cheln, das die we und das Gesicht nigsten hier truge ohne Linien. Ich auch wenn ich nic n, die meisten hatte sie noch nie ht wusste, warum hier gesehen un und wohin ihr W d ich folgte ihr, eg sie führen wü rde. (…) Kirsten Schwert

üAtem sp dhof end den Sennefrie uschen, schweig en. Innehalten la um Der Stille Wind in den Bä ens ewigem Wan it e den Z ie s e r w d e n u re n in tha inhorche Heinz Va und hine n Gräbern. (…) e d r del übe

BLÜMCHEN

Die A uf Dusch gabe e runter. n. Das Was ser lä Die G u Über einen edanken tr ft mir warm eiben Friedh tag. A den R .E o ü bsurd ? (… f. Sennefrie inen Text sc cken ) Ulf B dhof. Zum G hreiben. rinkm ann eburts -

Von Monica Vogel-Marin, Preisträgerin des Wettbewerbs „Kreatives Schreiben – Der Sennefriedhof in Worten“

Sie liegt schon den ganzen Tag da. Und hat ihr neues Kleid an. Das kirschrote. Wie eine Blume liegt sie da. Die Wangen sind rot gefärbt. Das steht ihr. Die Lippen – ihre Lippen sind auch rot. Hinter den geschlossenen Lidern - ihre tiefen blauen Augen. Ein Meer. Liebevoller Rausch. Trübes Meer, wenn ich zu viel spreche. Ich spreche zu viel und zu laut. Die Dohle. Sagen sie zu mir. Meine Stimme - zu grell. Das weiß ich schon. So oft haben sie es mir gesagt. Was ich dagegen machen soll – sie schweigen alle. Jetzt soll ich auch leise sprechen – sagt meine Tante. Leise und nicht so viel. Könnte ich sie wecken? Das Kinderlachen im Hof ist auch zu laut, sagt meine Tante und schließt das Fenster. Dann wird es aber zu warm im Zimmer. Die Tante hat auch Kerzen angemacht. Viele Kerzen. Ich fühle mich gut. Ich bin gerne bei meiner Cousine. Ich möchte sie jetzt drücken. Ich muss aber nach draußen, den Kindern sagen sie haben im Garten nichts verloren. Sie sollen sich einen anderen Spielplatz suchen. Ich frage meine Tante, ob ich auch rote Fingernägel haben kann. Sie schaut mich an und sagt „Ja, du kannst.“ Dann sucht sie das Fläschchen mit der roten Lackfarbe. „Wie lange schläft Blümchen noch“, wollte ich wissen. „Nur der liebe Gott weiß das“, sagt meine Tante. Nicht zu laut soll ich sein. In den Garten treffe ich die anderen Kinder. Die erzählten mir, meine Cousine wäre nicht lange krank gewesen. „War sie gar nicht, du Blödmann!“ „Die hätte vieles falsch gemacht“, sagte Peter. Seine Mutter hätte dem Vater gestern Abend beim Abendbrot das gesagt. „Hat sie gar nichts gemacht, ihr flachen Köpfe! Woher soll das deine Mutter wissen?“ „Das hat meine Tante ihr erzählt, weil die ja auch in der Stadt wohnt und die hätte das bei einer Nachbarin gehört.“ „Blödkinder! Ihr seid nur blöd. Blümchen ist meine Lieblingscousine.“ „Sie hat Schande über eure Familie gebracht.“ Das ist die doofe Ziege Ella. „Was erzählst du da, du (…) Deinen Mund stopfe ich mit Erde zu. Mit Erde und mit Gras. Mach dass du verschwindest, du (…) Und schweig für immer.“ Jetzt bin ich alleine an der Birke im Hof. Ich halte noch ganz fest das Fläschchen mit dem roten Lack in der Hand. Die Hand ist blau. Ich schaue mir die Flasche an. Ich schreibe mit rotem Lack den Namen meiner Cousine auf der weißen Rinde. Die weiße Birkenrinde. Die rote Farbe. Die Knoten in der Rinde sind grau. Der Schnee ist in diesem Jahr anders. Ist mein Blümchen Schneewittchen? Mit weißer Haut und roten Lippen. Heute ist das Licht stark. Die Farben sind stärker. Die Fingernägel unter dem roten Lack – die waren heute grau. Wie die Knoten in der Rinde. Das stimmt nicht. Das stimmt nicht, genau wie die Worte der Kinder im Hof vorhin. Ich möchte Blümchen drücken. Im Zimmer ist es jetzt dunkel. Das Kerzenlicht ist warm. Die vielen Frauen unterhalten sich leise und erzählen über Blümchen – die schläft immer noch. „Ist sie immer noch müde, Tantchen?“ „Sie ist sehr müde, Kindchen, sie ist sehr müde.“ Es ist so spät. Die Dohle ist eingeflogen. Sie nimmt alles mit was glitzert. Sie nimmt auch Blümchen mit. Dorthin wo andere Kinder nicht das Sagen haben. Dorthin wo auch die Dohle sie besuchen kann. Und ihre Sprache lernen wird. Den Kindern stopfe ich den Mund mit Erde.


62 PROGRAMMHINWEIS

Foto: Sauss

KULTUR ELLES RA HMENPR OGRAM M

GEBURTS TAG Mi.,15. Aug GRABGEF des Senn ust: Offizieller Gebu LÜSTER efriedhofs rtstag – FREILUFT Sa., 25. KINO SEELENBR August, LESUNG 21.00 Uhr: ETTER – versetzt MARION AUSSTELL Särg Liebe Mi.,15. BRASCH UNG In Kooperati e. Schwarze Kom August, So., 2. Sept 16.3 nung der „Für die Rhythmu on mit dem Melo ödie. rion Basch ember, 11.00 Uhr: Ausstellun 0 Uhr: EröffSeele – Musi s-Filmthea die liest aus ihrem Bali Tolla g mit Küns Veranstalte Mater Bielefeld. & tritt frei. k und Lesun k. Vom „Ab jetzt tlerin Ort: Neue aktuellen t Einist Ruhe“. tember täglic 16. August bis Buch lefeld. Eintri vom Trauernetzwerk g“. Kape Veran lle sammenarb 9. SepKABARE h frei zugä tt frei. Ort: Biefrei. Ort: eit mit dem staltung in ZuTT RAIN gebäude nglich. Alte Kape Bergmann. ER PAU Sennefried Historisches TorVerlag Mart lle/Außenb Eintritt SE Ort: Fr., 31. Aug hof ina ereich DIE LETZ € (Erhältlich Neue Kapelle. FOTOAUS VVK 8,00 TE REISE erstes Solo ust, 20.00 Uhr: bei der Touri STELLUN – AUSSTELL im Paus Neue G final stenf es n Rathaus), e „Das ormation Fr., 17. Aug UNG 1. bis 25. richt“ ist letzte AK 9,00 eine unge € Tod und Bestaust bis 9. Sept QUINTEN von 8.00 November, Mo. de force wöhnlich Geember: KOM durc bis Do. bis e ttung Tour PLOTT – 17.00 Uhr, h das vom in die Mod bis 14.00 sen und CHOR Fr. von 8.00 Sa., 8. Sept erne. Bärb Mittelalter bis –unwesen BestattungsweUhr: Impr und Siegf ember, 20.0 el Sunderbrin essionen , durch Lebe Fotokurs Tod. Vera ried Baro felde „100 Jahre aus nstaltung r a cape n und k n. Ort: Neue lla Chor, 0 Uhr: BieleKooperatio Sennefried dem in beit mit STADTWA das Lebe Kapelle „Wenn der der Neue Zusammenarn hof“ in n küsst NDERN n tung Richa mit der VHS Biele hel. Ort: Tod schichte „Das “. Mit Lesung Neue Schm Schmiede, Betfeld, Leirda Sa., 21. der Geschoss, Altes Buchholz, Ort: rothaarige iede, Beth 15,00 €, Aug der Tod“ el. VVK AK 17,0 ErdgeMädc Rathaus , gelesen 17.30 Uhr: ust, 14.30 Uhr 0€ von Simo hen und Neue Kape Spaziergan bis ne Tank. Ort: dertjährige Foto: Karste lle. g über den n Ahrnke n Buchladen VVK 8,00 € (Erhä Moritz. In Sennefriedhof mit hunltlich Die Krone Gabr Kooperatio nklauer, Buch bei lung Klack Teilnahme n mit moBi iele ), AK 9,00 handel. Die €. ist koste nlos. Anm unter Tel. TRAUER (0521) 51 eldung CAFÉ 78 51 45 45. Start: moBi 30 oder (0521) Mi., 15. Aug el Haus ber, täglic ust bis Sa., 8. Sept h Uhr: Aust von 15.00 Uhr bis emausch und 17.30 trauernde Menschen Begegnung für samstags . Donnersta von 17.0 gs 0 bis 17.3 und 0 Uhr Foto: Karste n Ahrnke

KULTURELLES RAHMENPROGRAMM

urea/Fotolia .com

100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

Kunst und Kultur auf dem Sennefriedhof

SEELENBRETTER – AUSSTELLUNG

Künsterlin Bali Tollak

15. August bis 09.September (Alte Kapelle), Bali Tollak - Künstlerin: Totenbretter wurden in der Frühzeit zur Aufbahrung und Beerdigung der Verstorbenen verwandt, bis mit der Sargbestattung diese traditionelle Form Ende des 19. Jh. verschwand. Die Seelenbretter der Künstlerin Bali Tollak sind keine Toten- oder Bahrbretter, kein Verstorbener hat auf ihren Brettern gelegen, sondern die Seelenbretter verstehen sich als ein „memento mori“ an uns Lebende. Stumm und beredet zugleich sind die Seelenbretter in die Welt gestellt, geben den Blick des Betrachters letztlich an ihn zurück – wir schauen doch nur auf uns selbst. Gespräch mit der Künstlerin „Seelenbretter“ - Einführung in die Ausstellung am 09. Sept. 15:15 bis 16:15 Uhr

DAS LETZTE GERICHT – KABARETT 31. August - 20:00 Uhr (Neue Schmiede Bethel) mit Rainer Pause: Eine ungewöhnliche Tour de force durch das Bestattungswesen und -unwesen, durch Leben und Tod, eine verblüffende Mischung aus penibelster Recherche und tollkühner Verknüpfung, skurrilen Fund- und aberwitzigen Kunst-Stücken. Da, wo andere ins Gras beißen, hört er dasselbe wachsen. Sein Bühnen-alter-ego Fritz LITZMANN, im Rheinland längst zur Kultfigur avanciert, ist Bestatter geworden. Und während wir warten auf Jupps Asche, spannt er gemäß seinem Motto „Unter der Erde liegt unsere Zukunft begraben“ den Bogen vom Holocaust bis zum Grabherrenmodell des neuen Jahrtausends. Hinreißend sein Exkurs über die „gepresste Fauna“. Tabuthemen scheinen PAUSE anzuziehen. Ein Komödiant, der Wort und Emotion bis in die endlosen Extremitäten verlängert und sich selbst übergangslos in Schmerz, hellste Empörung und brüllendes Lachen taucht. Und mit sich auch das Publikum. Gleich, ob es sich beim letzten Gericht um Henkersmahlzeit, Leichenschmaus oder das letzte Abendmahl handelt. Ein atemloses Vergnügen. Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Neuen Schmiede, Bethel, zum 100-jährigen Jubiläum des Sennefriedhofs.

Kabarett mit Rainer Pause am 31. August. Eine ungewöhnliche Tour de force durch das Bestattungswesen und -unwesen

Foto: Jürgen Bauer (1), Umweltbetrieb, Abt. Friedhöfe (1), PR- und Fotoagenturen (2), Quintenkomplott (1)

DIE LETZTE REISE – AUSSTELLUNG 17. August bis 09. September (Neue Kapelle), Bärbel Sunderbrink (Konzeption), Siegfried Baron (Fotografie und Design): Große Ausstellungsfahnen mit atmosphärischen Fotos und begleitenden Texten informieren im Eingangsbereich der Neuen Kapelle über den Wandel der Bestattungskultur vom Mittelalter bis in die Moderne. So wird sich bspw. der Fragestellung gewidmet, was Auslöser für die Veränderungen der Bestattungskultur vom Kirchhof hin zu den Friedhofsanlagen außerhalb der Ortschaften und Wohngebiete war.


PROGRAMMHINWEIS 63

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

STADTWANDERN – 100 JAHRE SENNEFRIEDHOF

Grabgeflüster - Liebe versetzt Särge mit Lee Evans, Christopher Walken, Alfred Molina

Dienstag, 21.08.2012, 14.30 – 17.30 Uhr, Treffpunkt: 14.30 Uhr am moBiel Haus: Spaziergang über den hundertjährigen Sennefriedhof mit Gabriele Moritz (Friedhofsverwaltung) in Zusammenarbeit mit moBiel. Die Teilnahme ist kostenlos, Voranmeldung erforderlich: Tel. 0521 / 51-7830 oder 51-4545.

GRABGEFLÜSTER – FREILUFTKINO Samstag, 25.08.2012, ab 21.00 Uhr (Neue Kapelle) „Grabgeflüster – Liebe versetzt Särge“: Schwarze Komödie über Liebe, Tod und überraschende Bestattungsideen, die zwei Herzen nach 30 Jahren wieder zusammenfinden lässt (Quelle: kino.de). Veranstaltung in Kooperation mit dem Melodie & Rhythmus-Filmtheater, Bielefeld.

MARION BRASCH – LESUNG So., 2. September 2012, 11.00 Uhr, Neue Kapelle: Die 1961 in Berlin geborene freie Rundfunkmoderatorin Marion Brasch liest aus ihrem aktuellen Buch „Ab jetzt ist Ruhe“. Ein eindringlicher Rückblick auf die Geschichte ihrer Familie, die nach dem Exil in London in Ostberlin ihre neue Heimat findet. Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Verlag Martina Bergmann.

QUINTENKOMPLOTT – CHOR Sa., 8. September, 20.00 Uhr (Neue Kapelle ), Bielefelder A-CapellaChor: Der 1992 gegründete Bielefelder A-Capella-Chor Quintenkomplott stellt sich mit seinem Konzert „Wenn der Tod das Leben küsst“ den großen Gefühlen von Vergänglichkeit, Sterben und Tod. Eingebettet ist die Geschichte „Das rothaarige Mädchen und der Tod“, gelesen von Simone Tank.

TRAUERCAFÉ Bis 8. September, Austausch und Begegnung für trauernde Menschen: Veranstaltet vom Trauernetzwerk Bielefeld. Ort: Historisches Torgebäude Sennefriedhof (Brackweder Strasse). Vom 15.08. – 08.09.2012 täglich von 15.00 – 17.30 Uhr geöffnet. Donnerstags und samstags von 17.00 – 17.30 Uhr „Für die Seele – Musik und Lesung“.

Autorin Marion Brasch

FOTOAUSSTELLUNG 2. bis 25. November: Foto-Ausstellung an zwei Orten; Leitung: Richarda Buchholz. In Kooperation mit dem Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld. Impressionen aus dem VHS-Fotoprojekt 100 Jahre Sennefriedhof. Vernissage: 02.11.2012; 17.00 Uhr, Altes Rathaus, Niederwall (Mo.- Do. 08.00 - 17.00 Uhr, Fr. 08.00 - 14.00 Uhr). Finissage: 25.11.2012, 11.00 Uhr, Galerie in der Ravensberger Spinnerei (Mo.-So. 10.00 - 18.00 Uhr).

A-Capella-Chor Quintenkomplott


64 BESTATTUNGSKULTUR 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF


BESTATTUNGSKULTUR 65

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

BESTATTUNGEN EIN SPIEGEL DER ZEIT Wie Menschen mit dem Thema Bestattung umgehen, spiegelt auch immer den Geist der jeweiligen Zeit wider. Die kulturellen Wurzeln der Bestattungskultur liegen in der Antike. Was würde wohl der griechische Staatsmann Perikles dazu sagen, der schon 500 Jahre vor Christus die Behauptung aufstellte: "Ein Volk wird daran gemessen, wie es seine Toten bestattet."

ie Bestattungskultur ist immer auch ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Normen. Bei der Spurensuche auf dem Sennefriedhof begegnet der aufmerksame Betrachter vielen Details, die der gesellschaftliche Wandel des letzten Jahrhunderts mit sich bringt.

D

Foto: Auf den Punkt gebracht.

Beerdigungen, stets Ausdruck menschlicher Kultur, werden so wie alle Kulturleistungen vom vorherrschenden Zeitgeist geprägt. Die Bestattungskultur ist im Wandel und das nicht erst in den letzten Jahren. Als Sinnbild des klassischen mitteleuropäischen Friedhofs gelten sicherlich die Friedhöfe, die im 19. und 20. Jahrhundert entstanden. Doch bereits Ende des 20. Jahrhunderts veränderte sich das Erscheinungsbild der Friedhöfe und Grabstätten nachhaltig. Was seit langem vertrauter Schauplatz von Bestattung, Trauer und Erinnerung gewesen ist, wandelt sein Gesicht mit dem Bedeutungsverlust der klassisch-bürgerlichen Familie und der Zunahme von Single- und Zweier-Haushalten einerseits, der zunehmenden beruflichen Mobilität andererseits. Der Trend, der sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts abzeichnet, gibt sich different: Einerseits werden pflegeleichte oder pflegefreie Grabstätten präferiert; andererseits werden Trauerfeiern und Grabstätten individuell ausgerichtet auf die Persönlichkeit des Verstorbenen. Angehörige nehmen aktiven Einfluss bei der Ausgestaltung der Trauerfeier. Während sich bei den rein anonymen Beisetzungen eine erste Stagnation verzeichnen lässt, nimmt das Interesse an Baumbestattungen und Pflegegrabstätten, die mit einer Grabplatte versehen werden können, stetig zu. Der Grund für die Wahl: Menschen wollen ihren Angehörigen nicht zur

Last fallen, insbesondere dann nicht, wenn diese nicht vor Ort wohnen. Für den Sennefriedhof gilt das gleiche wie für viele in der Gründerzeit geplante Friedhöfe. Die Planer gingen bei ihren Berechnungen der zukünftig erforderlichen Größe von einer immer schneller wachsenden Bevölkerung aus. Die Planer konnten nicht wissen, dass bedingt durch zwei Weltkriege künftige Geburtenzahlen nach unten korrigiert werden mussten. Allein im Zweiten Weltkrieg starben 55,5 Millionen Menschen weltweit. Zudem bedingt die besonders in den letzten Jahren stark gestiegene Zunahme an Urnenbestattungen, dass der Platzbedarf weiter schrumpft. Der 104 Hektar große Waldfriedhof ist der einzige Friedhof Bielefelds, der allen Grabarten Raum bietet. Neben den klassischen Grabfeldern für Erd- und Urnenbestattungen sind hier auch Urnenstelen und Grabfelder für Pflegegrabstätten eingerichtet worden. Immer stärker nachgefragt werden auch Baumgrabstätten. Die Einzigartigkeit jeder Grabstätte liegt nicht zuletzt in ihrer Gestaltung. Insbesondere Grabmale übernehmen eine wichtige gestalterische wie auch gesellschaftlich wertvolle Funktion, die mit dem Fortschreiten der Zeit an Bedeutung gewinnt. Sie geben Auskunft über die Lebensdaten des Verstorbenen und wahren sein Gedenken. Die Größe der Grabstätten bedingt auch deren Grabschmuck wie zum Beispiel die Größe und Form der Grabmale. So sind auf einer einstelligen Wahlgrab- oder Urnenwahlgrabstätte nur ein stehendes und/oder ein liegendes Grabmal, auf einer Urnenbaumgrabstätte oder einer Pflegegrabstätte nur eine ebenerdig verlegte Grabplatte zulässig. Auf mehrstelligen Wahlgrabstät-


66 BESTATTUNGSKULTUR

Fotos: Detleff Hamann (1), Anne Lücking (1)

100 JAHR E SE N N EFR IE DHOF

ten ist ein stehendes und zusätzlich auf jeder Grabstelle ein liegendes Grabmal zulässig. Das ergibt sich aus der aktuellen Friedhofssatzung. Bielefelderinnen und Bielefelder mit kulturhistorischem Interesse können sogenannte Grabmalpatenschaften übernehmen. Sowohl auf dem Johannisfriedhof als auch auf dem Sennefriedhof gibt es kulturhistorisch wertvolle Grabmale auf eindrucksvollen Grabstätten, deren Nutzungszeit abgelaufen ist. Mit Ornamenten und Skulpturen reich geschmückt, bieten die imposanten und erhaltenswerten Grabmäler einen würdevollen Rahmen für Erd- oder Urnenbestattungen. Im Rah-

men einer Grabmalpatenschaft können diese Grabstätten übernommen und für eine spätere Beisetzung genutzt werden. Die Paten erhalten das Grabmal kostenlos, müssen jedoch für dessen Standsicherheit und eine eventuell anstehende Restaurierung sorgen. Grabmalpatenschaften bieten sich für Personen an, die etwas zum Erhalt des kulturellen Erbes der Stadt Bielefeld beitragen möchten und die sich eine außergewöhnliche Grabstätte wünschen. In der Friedhofsverwaltung gibt es eine bebilderte Grabmalaufstellung, die ständig aktualisiert wird. Im scharfen Kontrast dazu stehen die anonymen Beisetzungen, die eine Zeitlang eine stetig steigende Tendenz hatten. In ihrer extremen Ausprägung ohne jegliche Namens- bzw. Gedächtnistafeln führen sie zur Auflösung jeglicher Form individueller Erinnerung. Die erste Urnengemeinschaftsanlage wurde auf dem Sennefriedhof 1977 ausgewiesen. Neben den traditionellen Familien- und Reihengrabstätten gibt es zunehmend andere, neue Formen der letzten Ruhe. So etwa die Themen- oder Gemeinschaftsgrabfelder, auf denen Menschen mit ähnlichen Lebensläufen, Schicksalen, Neigungen und Geschmäckern gemeinsam beerdigt werden. Dabei sind diese Grabanlagen so vielfältig wie Leben und Tod. Bedeutsam für die Friedhofskultur der Gegenwart und Zukunft sind jene Denk- und Erinnerungsgrabmäler, wie sie beispielsweise auf


BESTATTUNGSKULTUR 67

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

Begräbnisfeldern für totgeborene Kinder aufgestellt werden. Seit 2001 besteht das Totgeburtenfeld, das in Zusammenarbeit mit den städtischen Krankenhäusern Bielefeld, den örtlichen Bestattern, der Krematorium Betriebs GmbH und der Friedhofsverwaltung entstand. 2003 wurde die Bronzesäule von dem Oerlinghauser Bildhauer Bruno Buschmann gestiftet. Immer wieder wies die ehemalige Institutsleiterin für Pathologie Frau Professor Dr. med. Raute-Kreinsen auf die traurige Tatsache hin, dass tote Föten keinen ehrenvollen Platz fanden, sondern laut Gesetz „würdevoll entsorgt“ werden sollten. Ihre Beharrlichkeit zahlte sich aus.

Foto: Anne Lücking

Die erste Feuerbestattung auf dem Sennefriedhof erfolgte am 04.04.1929. Dieses Datum ist insofern bedeutend, da Feuerbestattungen zu dieser Zeit nicht sehr verbreitet waren. Das erste deutsche Krematorium eröffnete 1878 in Gotha. In vorchristlicher Zeit war Feuerbestattung in Europa weit verbreitet. Mit Aufkommen des Christentums wurde sie jedoch verboten und als heidnisch angesehen. Erst im Jahre 1934 wurde ein Gesetz erlassen, das die Feuerbestattung rechtlich der Erdbestattung gleichstellte. Die katholische Kirche akzeptierte sie erst Mitte des 20. Jahrhunderts.

Viele Bestattungsarten sind erst durch die Feuerbestattung möglich geworden. Neben der Urnenbestattung in Stelen sind Bestattungen auf einem Aschestreufeld oder Aschegrabfeld damit ebenfalls möglich geworden. Auch die Baumgräber sind auf dem Sennefriedhof nur in dieser Form möglich, bündig mit der Grasnarbe verlegte Gedenkplatten weisen auf die Verstorbenen hin. Am Fuße eines Baumes die letzte Ruhe zu finden, ist für viele Menschen heute ein tröstlicher Gedanke und greift zudem die Natursehnsucht auf. Gleichsam werden Natur und Landschaft künftig wieder, wie schon im 19. Jahrhundert, eine größere Rolle bei der Friedhofsgestaltung spielen. Die Zeit der reißbrettartig gestalteten Friedhofsareale, die auf die Friedhofsreform des frühen 20. Jahrhunderts zurückgeht, scheint sich dem Ende zuzuneigen. Die Friedhofsfläche wird stärker als bisher in unterschiedlicher Art und Weise genutzt. So ist auch der 1970 entstandene „Museumsbereich“ mit historischen Grabstätten aus dem ältesten Teil des Friedhofs eine Art Erinnerungspark. Er ist ein wichtiger Teil im Gesamtkonzept und ein Beispiel, das in praktischer Weise zeigt, wie der Tod seinen Platz wieder inmitten der Lebenden finden kann. Darüber hinaus dient er zugleich der Erholung und der kuln ID turhistorischen Anschauung.


68 BESTATTUNGSKULTUR 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

BESTATTUNGSMÖGLICHKEITEN AUF DEN BIELEFELDER FRIEDHÖFEN

Foto: Anne Lücking

Innerhalb der Stadt Bielefeld gibt es zahlreiche kommunale Friedhöfe. Doch nicht überall sind die Bestattungsmöglichkeiten so zahllos wie auf dem Sennefriedhof. Die unten stehende Tabelle hilft, einen Überblick zu gewinnen.

EWG

ERG

Sennefriedhof

ERG I ERG II ERG III ERG IV UWG

Johannisfriedhof

Pella

Quelle

Sudbrack

Dornberg

Theesen

Schildesche

Altenhagen

Waldfriedhof Sennestadt

Alter Friedhof Sennestadt

Lämershagen

Ubbedissen

Vilsendorf

Brake-West

Brake-Ost

Sieker

Nicolai

• •

UWG I STELE BAUMGRAB URG

URG I URG II URG III

ASF

AGF

• •

• •

• •

Abkürzungen: Erdwahlgrab (EWG), Erdreihengrab (ERG), ERG I (Rasenpflege), ERG II (Bodendeckerpflege), ERG III (anonym), ERG IV (Kind), Urnenwahlgrab (UWG), UWG I (Rasenpflege), Urnenreihengrab (URG), URG I (anonym) URG II (Rasenpflege), URG III (Bodendeckerpflege), ASF (Aschestreufeld), AGF ( Aschegrabfeld)

Tabelle: Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld

FRIEDHOF


BESTATTUNGSKULTUR 69

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

FÖTENGRAB AUF DEM SENNEFRIEDHOF Jedes Jahr werden in Bielefeld etwa hundert Kinder tot geboren. Für Tot- und Fehlgeburten besteht in NRW keine Bestattungspflicht, wohl aber ein Bestattungsrecht, das heißt, wenn die Eltern es wünschen, können sie die Kleinen beerdigen. s begann mit dem Gesetzestext zum Umgang mit Tot- und Fehlgeburten: (…) „Es besteht in der Regel die Pflicht, Leibesfrüchte in hygienisch einwandfreier und dem sittlichen Empfinden entsprechender Weise zu beseitigen.“ Dieser in seiner Formulierung unglückliche und in der Wortwahl sich widersprechende Satz veranlasste mich, die „Beseitigung nach sittlichem Empfinden“ im Detail zu klären. Dies war im Januar 2000. In mir reifte der Entschluss, dass diese gesetzeskonforme Praxis für mich nicht tragbar ist. Die Herren Bestatter Conrad Schormann sen. und Herr Quisbrock sowie Herr Eweler, Geschäftsbereichsleiter des Umweltbetriebs der Stadt Bielefeld waren die Menschen der ersten Stunde. Am 8. Juni 2000 durfte ich mir eine Grabfläche (von vier Vorschlägen) aussuchen. Es war ein herrlicher Tag. Der Sennefriedhof strahlte eine Ruhe aus, die sich auch auf uns, Frau Hennen, Frau Hollmann sowie Herrn Eweler, alle drei vom Umweltbetrieb, des Weiteren Frau Dr. Reuter, und mich übertrug. Der normale Arbeitstag wurde vergessen. Der Spaziergang führte uns schließlich zurück zum 1. Grabfeld, das wir gesehen hatten. Dieses Rasenstück mit dem alten Baumbestand sollte der Ort werden, an dem die Kleinsten, die nicht leben konnten, zur Ruhe kommen. Nachdem wir die Grabstelle hatten, ging alles sehr schnell. Es öffneten sich mir alle Türen und ich erfuhr ein Engagement und einen verpflichtenden Einsatz, die mich noch heute beeindrucken. Die Bestatter Bielefelds holen die Tot- und Fehlgeburten in den Krankenhäusern der Stadt von den Instituten für Pathologie ab und stiften einen Sarg für die Kleinen, in dem sie gemeinsam zweimal im Jahr im Krematorium verbrannt werden. Die Urnen werden dann bestattet. Um dieses Foetengrab von meinem Namen zu lösen und seinen Fortbestand zu sichern, habe ich den damaligen Oberbürgermeister Herrn Eberhard David gebeten, die Stadt möge die Patenschaft übernehmen. Das Rechtsamt der Stadt hat die Vereinbarung in eine juristische Form gebracht und diese wurde am 28.05.2001 von allen an diesem Verfahren Beteiligten unterschrieben. Von den Geschäftsführern der Krankenhäuser und den Chefärzten der zwei großen Pathologischen Institute. Für die Friedhofsdienst Bielefeld GmbH

Foto: Detlef Hamann

E


70 BESTATTUNGSKULTUR 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

dass ein solcher Stein zur Verfügung stände. Als ich zur Besichtigung des Steines kam, erwarteten mich zwei Künstler: Herr Bruno Buschmann und Herr Rudolf Dehmel und natürlich Herr Bergander. Es wurde mir klar gemacht, dass so ein grober Findling etwas für einen Elefanten wäre, nicht aber für so kleine Wesen (O-Ton Bruno Buschmann). Am Ende wurde es seine Bronzesäule, die die vier Elemente aufzeigt: Erde, Feuer, Wasser, Luft. Dazu kam dann eine kleine Grabplatte mit einem Text zu dem sich viele Menschen Gedanken gemacht haben. Die Inschrift auf der Platte musste kurz sein, da Herr Bruno Buschmann gravieren wollte. So steht dort nun aus: „Der kleine Prinz“, von dem mir eine betroffene Mutter sagte, dass sie und ihre Familie darin Trost gefunden hatten: „Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache.“ (Saint – Exupery) und „Wir sind von einem Wesen – ihr kleinen Toten und wir großen Lebenden, die euch wiedersehen – dereinst.“ (Ursula Rhode – Jüchtern)

Mein Ausspruch „jetzt brauchen wir nur noch einen Findling für das Grab“, von Herzen kommend, die Folgen nicht bedenkend, führte dazu, dass Herr Ulrich Bergander vom Sennefriedhof am Morgen nach der Unterzeichnung anrief und sagte,

Als ich später zum Foetengrab kam, sah ich die kleinen Spielzeuge, Kerzen, Blumen. Ich war zutiefst berührt. Das Grab war angenommen. Dann kam der Internetauftritt dazu, den Benjamin Runge (screen – concept) erstellt hatte und zu dem Heidi

Kommerell „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn – Bartholdy einspielte, ein Geschenk – von beiden. Zum Schluss kamen die Kirchen, die einen ökumenischen Gottesdienst abhielten. Ich möchte an dieser Stelle allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort danken, die den Ablauf nunmehr seit über zehn Jahren kostenlos und reibungslos bewerkstelligen. Ich danke all denen, die mir geholfen haben. Mein Anteil ist der Geringste. Ich wollte es nur so sehr und habe n nicht aufgegeben.

INFORMATION Redaktion: Prof. Dr. Ute Raute-Kreinsen Ärztliche Direktorin a.D. Städtische Kliniken Bielefeld, www.foetengrab-bielefeld.de

Fotos: Anne Lücking (1), Detlef Hamann (2)

die Geschäftsführer Herr Conrad Schormann sen. und Herr Günther Vormbrock, für die Krematorium Bielefeld Betriebs GmbH Herr Dipl. – Ing. Ullrich Richter und für die Stadt Bielefeld Herr Oberbürgermeister Eberhard David und der technische Leiter des Umweltbetriebes Herr Klaus Kugler– Schuckmann. Man muss es sich klarmachen: Alle genannten Unternehmen arbeiten kostenlos und pflegen das Grab und dieses bereits seit über zehn Jahren. Es gab nie Schwierigkeiten. Die Bielefelder Presse hat die „Aktion Foetengrab“ wohlwollend und ausführlich begleitet.


BESTATTUNGSKULTUR 71

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

EIN HAUCH VON LEBEN...

Foto: Detlef Hamann

Es geschieht, dass eine kleine Seele die Erde nur streift. Ihr Ankommen und Gehen fallen in eins. Ihr kurzes Verweilen ist nicht umsonst, denn sie verändert die Erde. Sie hinterlässt Spuren in den Herzen derer, die sie erwartet haben. Mögen diese Spuren in die Zukunft führen. (Doris Kellner)

enn ein Kind in der Schwangerschaft oder während der Geburt stirbt, ist das für die betroffenen Eltern eine erschütternde Erfahrung. Sie müssen Abschied nehmen von ihrem Kind, ein schmerzhafter Weg, der Zeit braucht und Kraft fordert. Dabei spielt auch die Form der Bestattung des Kindes eine wichtige Rolle. Jedes Kind – wie klein auch immer, auch wenn es schon früh in der Schwangerschaft gestorben ist – darf bestattet werden. Wenn die Eltern eine individuelle Beisetzung wünschen, können sie die Friedhofsverwaltung kontaktieren oder sich an ein Bestattungsunternehmen ihrer Wahl wenden und dort alles Weitere besprechen.

W

Wenn die Eltern, die in einer der Bielefelder Kliniken eine Tot- oder Fehlgeburt erlitten haben, keine individuelle Beisetzung möchten – aus was für Gründen auch immer – sorgt das Krankenhaus in Zusammenarbeit mit der Friedhofsverwaltung im Umweltbetrieb der Stadt

Bielefeld, der Krematorium Bielefeld BetriebsGmbH sowie der Friedhofsdienst Bielefeld GmbH für eine würdige Bestattung der Kinder. Dazu ist auf dem Sennefriedhof ein besonderes Kindergrabfeld eingerichtet worden, auf dem Kinder, die in der Schwangerschaft oder während der Geburt gestorben sind, in einer Gemeinschaftsurne beigesetzt werden. Diese Form der Bestattung ist für die Eltern im Unterschied zur individuellen Bestattung kostenfrei. Seit 2010 ist es möglich, dass die betroffenen Eltern an den Urnenbestattungen teilnehmen können. Vorher waren diese Bestattungen anonym. Die Eltern werden über die Krankenhäuser in der Stadt herzlich dazu eingeladen, dabei zu sein, unabhängig von Religion oder Kirchenzugehörigkeit. Die Urnen werden zweimal im Jahr, im März und im September, beigesetzt. Zwei evangelische Pfarrerinnen gestalten die Trauerfeier. Sie beginnt vor der Alten Kapelle auf dem Sennefriedhof. Die Trauernden begleiten die Urne gemeinsam bis zum Kindergrabfeld. Dort

wird sie feierlich beigesetzt. Die Eltern können Blütenblätter oder auch etwas kleines Mitgebrachtes mit in das Urnengrab legen. Viele verweilen nach der Trauerfeier noch eine Zeit am Kindergrabfeld. Die Erfahrung zeigt, wie sehr diese würdige und feierliche Form der Beisetzung dem Wunsch der betroffenen Eltern entgegenkommt, ihr Kind angemessen zu bestatten und auch selbst dabei sein zu können. Es ist gut, den Ort zu kennen, an dem das eigene Kind begraben ist. Die Urnenbeisetzung ist nicht das einzige Angebot, das aus der guten Zusammenarbeit zwischen Friedhofsverwaltung und evangelischer Krankenhausseelsorge in Bielefeld als Unterstützung der Eltern entstanden ist, die ein Kind in der Schwangerschaft oder während der Geburt verloren haben. Seit 2002 werden die Betroffenen jeweils am 2. Sonntag im Dezember zu einem Erinnerungsgottesdienst in der Alten Kapelle auf dem Sennefriedhof eingeladen, seit Jahren ist dieser Gottesdienst ökumenisch. Der 2. Sonntag im Dezember ist der „candle-light-day“, der Weltgedenktag für verstorbene Kinder. Kerzen werden angezündet als Zeichen der Erinnerung und des Trostes. Es kommen Eltern, Großeltern, Geschwisterkinder, manchmal auch Nachbarn und FreundInnen, die auf diese Weise noch einmal ihre Anteilnahme ausdrücken. Für manche der Betroffenen liegt der Verlust auch schon Jahre zurück. Die Trauer um den Tod eines Kindes während der Schwangerschaft oder der Geburt wurde in früheren Jahren oft tabuisiert oder beschwichtigt. Es tut gut, dem eigenen Verlust im Erinnerungsgottesdienst noch einmal Raum zu geben. Es kann helfen, der Trauer um das Kind einen wertschätzenden Platz in der eigenen Lebensgeschichte zu geben, um dann wieder n neue Freude erleben zu können.

INFORMATION Redaktion: Pfarrerin Ulrike Hollmann-Benide, Pfarrerin Angela Kessler-Weinrich Krankenhausseelsorge EvKB Kinderzentrum und Gilead I Grenzweg 10, 33617 Bielefeld Fon: 0521 772 77257 Angela.Kessler-Weinrich@evkb.de


Fotos: Karsten Ahrnke (1), Uta Bakowski (1), Umweltbetrieb, Abt. Friedhรถfe (3)

72 IMPRESSIONEN 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF


BESTATTUNGSKULTUR 73

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

BESTATTUNGEN GESTERN – HEUTE UND MORGEN

Fotos: Heike Carstensen

Was erwarten wir von der Bestattungskultur auf dem Weg in das Morgen – von der Veränderung auf unseren Gräbern und der immerwährenden Aufgabe des Gedenkens an die menschliche Endlichkeit? Was ist also los auf unseren Friedhöfen und was bedeuten die Veränderungen für den Sennefriedhof in Bielefeld?

s sind die Fragen die uns antreiben: Ein Grab und ein Grabstein in Bewegung? Friedhöfe, die auf Reisen in ein neues Jahrhundert gehen? Der Umgang mit Trauer und Tod, der sich wandelt, wo doch gerade der Tod mit Starre und Verfall gleichgesetzt werden?

E

Eigenartige Vorstellungen, die jedoch in der Realität am Anfang des 21. Jahrhunderts durchaus ihre Berechtigung haben, wenn man über Grab, Friedhof und Erinnerungsorte nachdenkt. Die Bestattungskultur in Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten in Bewegung geraten und scheint sich im Tempo der Veränderung gar noch zu beschleunigen. Friedhöfe stellen diesen Trend zur Veränderung durch eine vorher nicht für möglich gehaltene Konkurrenzsituation zu Kolumbarien (Grabeskirchen oder auch Räume für Urnenbestattung), so genannten naturnahen Bestattungen in Wäldern, durch eine zunehmende Zahl von anonymen Bestattungen und durch einige in den Medien immer wieder zitierte Sonderformen der Bestattung (Seebestattungen, Bearbeitung der Asche von Verstorbenen zu einem Diamanten etc.) fest. Was ist also los auf unseren Friedhöfen, was bedeutet die

Veränderung, die in ganz Deutschland zu beobachten ist für ehrwürdige Friedhofsanlagen wie den Sennefriedhof in Bielefeld? Bestattungskultur ist in Deutschland definitiv starken Veränderungen unterworfen. So ist im Jahre 2011 zum ersten Mal eine Mehrheit der Bestattungen in Deutschland in Form von Feuerbestattungen vorgenommen worden (50,5%). Bei den ca. 850.000 Verstorbenen, die es jedes Jahr in unserem Land zu betrauern gilt, zeigt sich hier auf den ersten Blick, dass das Erscheinungsbild unserer Friedhöfe durch diese Zunahme der Feuerbestattung und der damit verbundenen kleineren Grabflächen für die entsprechende Ruhezeit in den nächsten 20 Jahren ein anderes sein wird, als wir es heute kennen. Zutreffend beschreibt der Hamburger Kulturwissenschaftler Norbert Fischer den Friedhof der Zukunft als ein Mosaik von

Miniaturlandschaften, das uns erwartet. Damit ist gemeint, dass vertraute Formen und Gestalten von Gräbern und Friedhofsanlagen wohl in historischen Flächen auf den Friedhöfen auch in Zukunft erhalten bleiben werden, jedoch neue Arten von Gräbern und Abschiedsorten im Entstehen begriffen sind. In der Entwicklung des Bürgertums Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wollten viele Menschen ihre Geltung und Bedeutung durch repräsentative Grabanlagen dokumentieren. Die großen Grabanlagen und großflächigen Friedhöfe


74 BESTATTUNGSKULTUR 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

durch die Herstellung industriell gefertigter Steine oft zu einer gesichtslosen Grabsteinlandschaft, die kaum Platz fĂźr Individualität und Repräsentativität lieĂ&#x;en. Gerne wird von Individualität heutiger Bestattung gesprochen, leider verbirgt sich dahinter nur allzu oft der Trend zu einer anonymen Bestattung, bei der die Frage offen bleibt, worin in ihr eine individuelle Gestaltung zu sehen ist. Mit dem Entstehen von Feldern fĂźr eine namenlose Rasenbestattung sind bereits vor Ăźber 20 Jahren erste Schritte weg vom Einzel- und Familiengrab beschritten worden. Die oft sehr friedhofsuntypisch wirkenden Rasenflächen sind inzwischen wiederum auch durch neue kleine pflegefreie Gemeinschaftsgrabanlagen abgelĂśst worden, die einen durchaus positiven Trend in die Zukunft darstellen kĂśnnen. Hierbei handelt es sich um Grabstätten, zumeist fĂźr Urnenbeisetzung, bei denen die Hinterbliebenen bereits fĂźr die Ruhefrist mit der FriedhofsnutzungsgebĂźhr die Grabpflege entrichtet haben. Unter verschiedenen gärtnerischen Themen finden dort die AngehĂśrigen beim Besuch der Grabstätte immer eine ansprechende und gepflegte Situation vor. Auch eine individuelle Kennzeichnung einer solchen Grabstätte ist mĂśg-

Fotos: Patrick Libke (1), Anne lĂźcking (2)

aus dieser Zeit dokumentieren den Willen zur Selbstdarstellung und den Versuch, die eigene Bedeutung der Nachwelt augenfällig durch schwarzen Marmor, Galvanoplastiken von Engeln und idealtypisch gestaltete Menschen jedermann zu zeigen. Breite Alleen und FriedhĂśfe, die wie groĂ&#x;e Parkanlagen wirken, wollten die ideale Landschaft, von der schon in der Romantik geträumt wurde, erstehen lassen. In der weiteren Entwicklung des 20. Jahrhunderts wurden Grabanlagen zunehmend wieder kleiner und

lich und stellt einen wohltuenden Gegenpol zur anonymen Beisetzung ohne Erinnerungs- und Gedenkzeichen dar. Auf den Landes- und Bundesgartenschauen finden sich derartige Anlagen immer wieder und erfreuen sich einer hohen Beliebtheit, die noch zunehmen wird. Diese Themengärten werden mit verschiedenen Namen beworben, verbinden sich aber in ihrer Tendenz zu Verkleinerung und Miniaturisierung, die aufgrund ihrer guten Erreichbarkeit auf den FriedhÜfen fßr immer mehr Menschen an Attraktivität gewinnen. Norbert Fischer beschreibt diese neuen themati-

GHU6WHLQZHUNHU



)4#$/#.' 0#%*$'5%*4+(670) )'5%*'0-' /+0'4#.+'0 $+.&*#7'4'+ -745'

&'4'+0<+)'56'+09'4-'4+0$+'.'('.& 59'56'0 1RVKUEJXGTLĂ&#x2DC;PIV.GKFGPUEJCHVIGDNKGDGP 0CEJVTCFKVKQPGNNGT*CPFYGTMUMWPUVHGTVKIGWPFNKGHGTGKEJCNNGUYCUCWU5VGKPOĂ&#x2019;INKEJKUV ²HHPWPIU\GKVGP &K(T7JT 5Q/QPVCI5EJCWVCI WPFPVGNGHQPKUEJGT8GTGKPDCTWPI 

(Ă&#x2DC;T&TKPPGPWPF&TCWÂťGP<WO8GTUEJGPMGP<WO$GJCNVGP

$GEMQTFFGT5VGKPYGTMGT $GTCVWPI8GTMCWH5EJNQÂťJQHUVT&TĂ&#x2019;IGUVT =KO#WÂťGPIGNĂ&#x20AC;PFGFGT-19'46)CTVGPYGNV? HQP^HCZ

2QUVCPUEJTKHV $GEMQTFFGT5VGKPYGTMGT #O)TQÂťGP(GNF $KGNGHGNF



ZZZEHFNRUGRUJ 


BESTATTUNGSKULTUR 75

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

schen Welten in einem treffenden Vergleich, wenn er diese mit dem Urlaubseldorado und der Miniaturwelt von „CenterParcs“ vergleicht. Bei den vielen unterschiedlichen Angeboten im Blick auf Urnenbeisetzung in Waldarealen und an den Wurzeln von Bäumen ist darauf hinzuweisen, dass die Erreichbarkeit für Trauernde, insbesondere alte Menschen, oftmals nur schwer möglich ist. Der verkaufspsychologische Hinweis auf einen idealen Naturraum verschweigt die Tatsache, dass auch Friedhöfe naturnahe Bestattungen anbieten und keineswegs die Natur nur im Wald zu finden ist. Unter Abwägung von Kosten und Nutzwert stellt der Friedhof auch im 21. Jahrhundert ein vielversprechendes Angebot zur Verfügung, insbesondere dann, wenn auf Friedhöfen sich Felder unterschiedlicher Gestaltung, unterschiedlicher weltanschaulicher Prämissen und unterschiedlicher preislicher Gestaltung wieder finden können. Der Werbeslogan „Der Friedhof lebt“ist also definitiv mehr als eine nicht erfüllbare Verheißung! So kann der Friedhof der Zukunft ein Ort des Dialogs verschiedener religiöser und kultureller Anschauungen sein, ein Ort auch unterschiedliche Grabanlagen und Grabgestal-

tungen, die auch die nun mal vorhandenen Unterschiede in den finanziellen Möglichkeiten der Verstorbenen und ihrer Angehörigen widerspiegeln. So entsteht auf dem Friedhof ein Gespräch, das die Grundfrage nach Leben und Tod reflektiert und zu immer neuen Erscheinungsformen beiträgt. Darin haben auch traditionelle Formen ihre Berechtigung, aber auch neue postmoderne Äußerungen eines veränderten Lebensgefühls. Schade, dass die Zukunft des Friedhofs oft nur auf einer finanziellen Ebene diskutiert wird und über so genannte „Übergangsflächen“ nicht genutzter Bereiche auf unseren Grabfeldern gesprochen wird, die die Friedhofsverwaltungen mit hohem finanziellen

Aufwand zu pflegen haben und die sich auf die Gebühren auf den Friedhöfen in dieser Republik widerspiegeln. Der Sennefriedhof als einer der größten deutschen Waldfriedhöfe mit sehr vielen schützenswerten Pflanzenarten, unterschiedlichen Bestattungsfeldern und möglichen Bestattungsarten weist aus der Tradition seiner Geschichte jetzt schon in die Zukunft und wird durch seine Vielfältigkeit auch in kommenden Jahrzehnten ein Ort der Andacht, des Atemholens im Schmerz des Abschieds und des Gedenkens an wertvolle und wichtige Menschen sein und bleiben. Die Heidelandschaft, in die der Sennefriedhof eingebettet ist, möge also noch viele Verstorbene aufnehmen und im Wechsel der Jahreszeiten von den Grundfragen des Menschseins wortlos und doch so aussagekräftig erzählen. n

INFORMATION Redaktion: Oliver Wirthmann Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e.V. Volmerswerther Str. 79, 40221 Düsseldorf Fon: 0211-16 00 8-10 · wirthmann@bestatter.de


76 BESTATTUNGSKULTUR 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

VORREITER EINER IDEE MIT PERSPEKTIVE – DER KAPELLENBRINK

Fotos: Auf den Punkt gebracht (2)

Zur Nachahmung empfohlen: Der Verein der Wohnanlage „Im Kapellenbrink - Wohnen und Gemeinschaft Anders Alt Werden“ bietet seinen Bewohnern nicht nur ein individuelles Wohnkonzept für den dritten Lebensabschnitt an, auch für die Belange der Verstorbenen setzen sich die Mitarbeiter ideenreich ein. Eine Idee, die Nachahmer sucht und ganz sicher findet.


BESTATTUNGSKULTUR 77

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

Redaktion: Als Mitglied der Teamleitung des Vereins „Anders Alt Werden“ suchten Sie 2003 das Gespräch mit der Friedhofsverwaltung des Umweltbetriebs. Aus welchem Grund? Gisela Stender: Mehrere Bewohner unserer Wohnanlage „Im Kapellenbrink“ trugen sich mit dem Gedanken, sich anonym bestattet zu lassen. Zumindest suchten sie eine Möglichkeit, die Pflege der Grabstätte nicht den Hinterbliebenen aufzubürden. Einige der Menschen, die hier wohnen, leben erst seit einigen Jahren in Bielefeld auf dem Kapellenbrink. Ihre Familien – sofern sie welche haben – leben bundesweit verteilt oder im Ausland. Da macht man sich doch so seine Gedanken über die eigene Grabstätte. Konnte die Friedhofsverwaltung Ihnen helfen? Ja. Mögliche Varianten wurden uns am Beispiel eines Fußballvereins, dessen Mitglieder sich eine gemeinsame Grabstätte „gekauft“ hatten, wo nur diese bestattet würden, erläutert. Allerdings war das nicht in Bielefeld. Doch die Idee klang verlockend als Möglichkeit für die Wohngemeinschaft und wurde von einer Vielzahl unserer Mieter begrüßt. Circa vierzig Bewohner schlossen sich dieser Möglichkeit an. Somit besteht das Gemeinschaftsgrabfeld der Wohnanlage seit 2003. Welche Vorteile sehen Sie in diesem Gemeinschaftsgrabfeld? Mit diesem Gemeinschaftsgrabfeld wird dem Wunsch derer Rechnung getragen, die sich anderenfalls völlig anonym hätten bestatten lassen. Immer ausgehend von dem Grundgedanken, den Angehörigen die aufwendige Pflege der Grabstätte zu ersparen. Mit dem Gemeinschaftsgrabfeld „Im Kapellenbrink“ haben wir einen Ort der Erinnerung geschaffen, der es den Angehörigen oder Freunden ermöglicht, „vor Ort zu trauern“, ohne jedoch daran gebunden zu sein, für diese Grabstätte zu sorgen. War die Realisierung der Idee schwierig? Nein, an sich nicht. Wir hatten stets das Gefühl, dass die Kooperation zum Wohle aller ist. Dass die Friedhofsverwaltung gerne bereit ist, sich auf die Wünsche und Vorstellungen von Vereinen und Initiativen einzulassen, und im Rahmen der satzungsgemäßen Bestimmungen Lösungen entwickelt, wie ein entsprechendes Grabfeld aussehen könnte und sich realisieren ließe. Wie finanziert sich denn eigentlich so ein Gemeinschaftsgrabfeld? Zu Lebzeiten zahlt jeder Bewohner, der einen Begräbnisplatz auf unserem Grabfeld reserviert, 20 EUR pro Jahr. Von diesem Geld zahlt der Verein „Im Kapellenbrink“ einen jährlichen Betrag an die Friedhofsverwaltung,

da das Grabfeld ausschließlich für unsere Bewohner vorgehalten wird. Nach dem Tode fallen, außer für das eigene individuelle Begräbnis, keine weiteren Kosten zur Erhaltung der Grabstelle für die Familien an. Die Pflege obliegt nicht den Angehörigen, sondern alleine der Stadt. Diese Gräber sind vor allem für Angehörige interessant, die weiter außerhalb wohnen und sonst Probleme mit der regelmäßigen Grabpflege hätten. Womit wir wieder bei der Ausgangsidee angelangt sind. Die Skulptur, die Ihre Grabstätte ziert, ist ungewöhnlich. Ja, nachdem wir wussten, dass wir eine Grabstätte gefunden hatten, die unseren Vorstellungen entspricht, haben wir einen Bildhauer angesprochen, der unsere Idee zu dieser besonderen Stele umgesetzt hat. Immerhin ist unser Gemeinschaftsgrabfeld mit 141 Urnenplätzen und 17 Erdgräbern nicht gerade klein, so dass uns eine entsprechend große Stele passend erschien. Der Mosaikbauer Johannes Vielmetter aus Bram-

sche bei Osnabrück schuf 2004 für uns eine Mosaikstele aus farbigen, verschiedenartiger Steine. Es ist ihm gelungen, mit dieser besonderen künstlerischen Idee den Stein aus seiner Schwere „zu erlösen“. Die unterschiedlichen Steine dazu sammelte er in Steinbrüchen, am Meer oder an Wegesrändern. Sie stammen aus allen Kontinenten. „Jede Gesteinsart hat ihre Töne“, erklärte uns der Künstler. Konnten Sie die Entstehung Ihrer Skulptur miterleben? Ja, die Mosaikstele erhielt ihren letzten Schliff auf dem Rosenplatz unserer Wohnanlage, wo sie aus vier großen Elementen zusammengesetzt wurde. Einige unserer Bewohner überließen dem Künstler auch eigene Steine, die ihnen persönlich etwas bedeuten, womit sie beispielweise Erinnerungen an einen besonderen Urlaub verbinden. Diese Steine zieren nun n die Rückseite unserer Skulptur. Das Interview führte Ina-Alex. Dünkeloh


78 BESTATTUNGSKULTUR 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

SPEZIALISTEN IN SACHEN TRAUER In Deutschland ist der Beruf des Bestatters frei. Ferner gibt es den bundeseinheitlichen Ausbildungsberuf, den der Bestattungsfachkraft, sowie ein Bundesausbildungszentrum der Bestatter. Günstige Voraussetzungen, um den Beruf ergreifen zu können, sind eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung, handwerkliches Geschick und Gespür im Umgang mit Menschen.

des Bestatters habe sehr viel mit persönlicher Bindung zu tun. Wichtig sei deshalb ein Vertrauensverhältnis. „Das gilt auch für die Hinterbliebenen“, sagt Wirthmann, „die sich im Todesfall an den Bestatter wenden können, den sich der Verstorbene gewünscht hat.“ Gerade deshalb rät das Kuratorium dazu, sich schon zu Lebzeiten mit der Wahl des Bestatters zu befassen. Doch welcher Bestatter ist der richtige? „Es kommt vor allem auf das Bauchgefühl an. Der Bestatter bietet eine existenzielle Dienstleistung auf der Grundlage einer hohen fachlichen und ethischen Kompetenz an. Sie machen kein Geschäft mit dem Tod“, meint der Experte. „Wer nur eine Bestattung verkauft, ohne zu beraten, begleiten und entlasten, ist kein Bestatter, sondern jemand, der sich mit Bestattungen befasst“ betont auch Conrad W. Schormann, Ehrenvorsitzender des Landesfachverbandes des Bestattungsgewerbes e.V. und Seniorchef des gleichnamigen Bestattungshauses.

D

Viele Klischees, die den Bestattern anhaften, sind fern der Realität. Häufig werden sie beispielsweise mit dem Totengräber verwechselt, dessen Nachfolger sie aber gerade nicht sind. Und wie sieht die Branche sich selbst? „Uns Bestat-

tern geht es natürlich in erster Linie darum, Traditionen zu wahren und den Verstorbenen Würde zu geben und Wertschätzung entgegenzubringen. Darin sind wir konservativ. Das heißt aber natürlich nicht, dass wir immer nur zurück schauen. Modernität und individuell ausgearbeitete Konzepte für die Trauernden sind uns sehr wichtig“, sagt Andreas Niehaus, Vorsitzender des Bestatterverbandes Bielefeld. Zudem seien Bestatter Experten, wenn es um den Tod geht. „Den meisten Menschen fehlt es an Erfahrung im Umgang mit dem Tod. Sie sind hilflos, wenn jemand stirbt“, erläutert Wirthmann. Früher habe man sich zuerst dem Pfarrer anvertraut. Heute werde der Bestatter gerufen. „Damit ist er der wichtigste Ansprechpartner nach dem Tod eines Angehörigen.“ Er berät seine Kunden auch bei der Bestattungsvorsorge, meldet die Rentenversicherung ab, organisiert die Trauerfeier, engagiert einen Trauerredner, kümmert sich um die Blumendekoration oder wählt die Trauermusik aus. „Bestatter sind heute hochgradig spezialisiert und immer auch beratend tätig“, erklärt der Fachmann. Die Wahl

INFORMATION Redaktion: Oliver Wirthmann Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e.V. Volmerswerther Str. 79, 40221 Düsseldorf Fon: 0211-16 00 8-10 · wirthmann@bestatter.de

Foto: Silke Maß

as Image der Bestatter könnte besser sein. „Schließlich konfrontieren sie die Menschen mit der eigenen Sterblichkeit“, sagt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer beim Kuratorium Deutsche Bestattungskultur. „Und damit wollen sich zu Lebzeiten die wenigsten auseinandersetzen.“ Dabei hätten aber Bestatter gerade durch ihren Umgang mit Verstorbenen eine ungemein wichtige, existenzielle Aufgabe: „Sie erfüllen ein Grundbedürfnis menschlicher Kultur, indem sie als Mittler zwischen den Welten, als Schleusenwärter des Überganges vom Leben in den Tod fungieren. Bestatter helfen den Hinterbliebenen, den definitiven Statuswechsel des Verstorbenen zu verstehen und eine neue Beziehung zu diesem auszubauen“, so Wirthmann weiter.

Auch auf die Seriosität kommt es an. Der Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) hat deshalb neben seiner Internetseite www.bestatter.de mit www.memoriam.de das „Deutsche Trauerportal“ online gestellt. Dort können Angehörige gezielt nach geprüften Bestattern in ihrer Nähe suchen. Bundesweit sind etwa 1000 Beerdigungsunternehmen geführt, die das Fachzeichen „Bestatter – vom Handwerk geprüft“ des Bundesverbandes tragen. „Wer das Markenzeichen hat, erfüllt strenge Kriterien“, teilt Dr. Rolf Lichtner, Generalsekretär beim Bundesverband Deutscher Bestatter, mit. „Sie sind durch Aus- und Fortbildung besonders geschult. Sie sind rund um die Uhr ansprechbar, decken alle Bereiche der Bestattung ab, sind n technisch auf dem höchsten Stand.“


Dauergrabpflege – schöne Gräber für Jahrzehnte Dauergrabpflege ist ein besonderer Service der Friedhofsgärtner, der wachsenden Zuspruch genießt. Ob aus zeitlichen Gründen, der Entfernung des eigenen Wohnortes zum Grab oder um Hinterbliebene von der Grabpflege zu entlasten. Im Dauergrabpflegevertrag wird über einen Zeitraum von mindestens 5 Jahren bis zum Ende der Ruhefrist bzw. Nutzungsdauer eine regelmäßige, gärtnerische Grabpflege sowie Blumenschmuck nach individuellen Wünschen vereinbart. Wenn Sie mehr wissen wollen, wenden Sie sich an Ihren Friedhofsgärtner vor Ort oder rufen Sie uns an unter Telefon 02 31 – 96 10 14 32. Gerne senden wir Ihnen weitergehendes Informationsmaterial zu. Mögliche Leistungen im Einzelnen:  Gärtnerische Anlage der Grabstätte  Laufende gärtnerische Betreuung z.B. Sauberhalten der Grabfläche, Gießen, Gehölzschnitt  Jahreszeitliche Wechselbepflanzung mit Frühjahrs-, Sommer- und Herbstblumen  Grabschmuck zu Allerheiligen und Totensonntag  Frische Blumen und Gebinde zu besonderen Gedenktagen  Eindecken des Grabes mit Tannengrün, soweit ortsüblich  Erneuerung nach Einsenkschäden und Nachbeerdigungen  Erneuerung der gesamten gärtnerischen Anlage in vereinbarten Abständen

Gesellschaft für Dauergrabpflege Westfalen-Lippe mbH Germaniastraße 53 · 44379 Dortmund Tel.: 02 31 - 96 10 14 32 service@dauergrabpflege-wl.de www.dauergrabpflege-wl.de


80 GRABARTEN 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF


GRABARTEN 81

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

NATÜRLICH FORMVOLLENDET Die Grabgestaltung ist mehr als nur eine Geschmacksfrage, da sie maßgeblich zum Gesamtbild des Friedhofes beiträgt. Die Friedhofssatzung schafft den würdigen Rahmen für ein harmonisches Miteinander individueller Bepflanzungen und Grabsteine.

eben braucht Erinnerung. Ein einfacher Satz, wie es scheint, und doch ist es so viel mehr. Das wird oftmals erst deutlich, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Was bleibt sind Erinnerungen. Ihnen Raum zu geben ist wichtig. Der Friedhof mit seiner Ruhe wird zum Ort des Gedenkens. Grabstätten als Orte der Erinnerung werden zu Zeitzeugen für Generationen. Diese Form der Trauerkultur hat eine lange Tradition. Durch die Gestaltung und Pflege der Grabstätte bietet sich Hinterbliebenen eine Möglichkeit, ihrer Trauer um einen geliebten Menschen Ausdruck zu verleihen. So einzigartig wie Menschen sind, so ist es auch die Art der Trauer und die Bewältigung des Verlustes eines Angehörigen oder Freundes.

Foto: Detlef Hamann

L

Alpha und Omega: Erster & letzter Buchstabe des griechischen Alphabets stellen die Schlüssel des Universums dar. Sie sind Symbol für das Umfassende, die Totalität, für Gott und für Christus. Jesus Christus bezeichnet sich nach der Offenbarung des Johannes (Kap. 22,Vers 12ff) mit diesem Begriff: „Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.

Die Wahl der Grabstätte ebenso wie die Wahl der Grabgestaltung ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Einzig die Friedhofssatzung gibt Rahmenbedingungen vor, die für alle gelten. Um den individuellen Bedürfnissen der Menschen zu entsprechen, wurde der Sennefriedhof von Beginn an in verschiedene Abteilungen und Felder eingeteilt, die den Friedhof gliedern, die einzelnen Grabarten strukturiert zusammenfassen und so trotz individueller Gestaltungsmöglichkeiten eine wohltuende Ruhe gewährleisten. Wer auf eine harmonische Grabgestaltung Wert legt, dem helfen Gestaltungsrichtlinien, die es auch für Grabstätten gibt. Der persönliche Geschmack bleibt davon unberührt. So besteht beispielsweise die klassische und damit für das Auge als schön und harmonisch empfundene Aufteilung einer zweistelligen Wahlgrabstätte zu 60% aus Bodendeckern, zu 25% aus einer Rahmenbepflanzung und zu 15% aus einer Wechselbepflanzung. In Fachverbänden organisiert, stellen zertifizierte Friedhofsgärtner ihre Arbeiten auf Landes- und Bundesgartenschauen vor. Bei einer Erdbestattung sind der erste Grabschmuck die Trauerkränze, Gestecke und

Sträuße der Hinterbliebenen. Wenn die Trauerbuketts und Kränze verblüht sind, kann die Grabstätte geglättet werden. Nun kann mit einer provisorischen Gestaltung des Grabes begonnen werden. Die dauerhafte Grabanlage sollte allerdings erst nach ca. sechs Monaten erfolgen. Ebenso sollte der Grabstein auch dann erst aufgestellt werden, da sich bis dahin das Erdreich noch setzt. Arbeit und Kosten spart, wer vor der ersten Bepflanzung bereits Vorstellungen hat, wie das gewünschte spätere Erscheinungsbild der Grabstätte aussehen soll. Viele Friedhofsgärtner haben auf ihrem Gelände Mustergräber angelegt, die ein einheitliches und durchdachtes Erscheinungsbild aufweisen und als Orientierungshilfe beliebt sind. Auch auf dem Sennefriedhof gibt es kurz hinter dem Eingang Windelsbleicher Straße Mustergrabstätten für Erd- und Urnenbestattungen, die von einigen der hier tätigen Friedhofsgärtnereien angelegt wurden. Neben der gewünschten Stilrichtung ist ein weiterer wichtiger Aspekt der Faktor Zeit. Die Wahl der Bepflanzung bestimmt maßgeblich den späteren Pflegeaufwand der Grabstätte. Seien es gesundheitliche, geographische oder zeitliche Gründe, oftmals kommt der pflegeleichten Gestaltung des Grabes eine besondere Bedeutung zu. Auch eine pflegeleichte Grabstätte kann wunderschön aussehen. Um ein ansprechendes Erscheinungsbild der Grabstätte insgesamt zu erzielen, sollten Bepflanzung und Grabmal eine einheitliche Stilrichtung aufweisen und miteinander harmonieren. Die Wiedergabe vorhandener Formen und Farben des Grabmals in der Art der Bepflanzung bringt eine einheitliche Erscheinung der Grabstätte besonders zum Ausdruck. Neben diesen Grundüberlegungen sind bei der Auswahl der Grabbepflanzung auch die jeweiligen Boden- und Lichtverhältnisse sowie persönliche Vorlieben


82 GRABARTEN 100 JAHR E SE N N EFR IE DHOF

Fotos: Silke Maß (1), Heike Carstensen (1)

Blumenfachgeschäft

G.m.b.H.

Schnittblumen Topfpflanzen Trauerbinderei Hochzeitsfloristik Dekorationen

Detmolder Straße 244 33605 Bielefeld Telefon (0521) 2 33 55 Telefax (0521) 23 76 12

Florist

MITGLIED IM FACHVERBAND DEUTSCHER FLORISTEN E.V.

Wir sind eine

FLEUROP-AGENTUR

oder ein Bezug zu dem Verstorbenen von besonderer Bedeutung. Zudem kann auch die Symbolik vieler Pflanzen eine Rolle bei der Auswahl spielen. Auch die Pflanzenformen haben eine eigene Sprache. Sie symbolisieren je nach Form: Ewige Verbundenheit, Trauer, Liebe, Zuneigung, Vergänglichkeit, christliche heilige Dreifaltigkeit sowie Beginn und Licht.

Wer seine Grabstätte nicht selbst pflegen kann oder will, kann die Pflege auch bei einer Friedhofsgärtnerei in Auftrag geben. Auch besteht die Möglichkeit, einen sogenannten Dauergrabpflegevertrag abzuschließen. Nach Hinterlegung des errechneten Geldbetrags, der treuhänderisch angelegt wird, wird die Grabstätte über den vereinbarten Zeitraum durch einen Fachbetrieb gepflegt. Alternativ besteht die Möglichkeit sich von vorne herein für eine pflegefreie Grabart zu entscheiden. Der Sennefriedhof verfügt hier über ein vielfältiges Angebot, das auch botanisch gestaltete Grabstätten umfasst. Die Grabbepflanzung wird höhengestuft angelegt. Höher wachsende Sorten werden im Hintergrund gepflanzt und niedrig wachsende Sorten für den vorderen Bereich verwendet. Durch eine Rahmenbepflanzung erhält das Grab Struktur. Klein- und Zwergsträucher sowie Stauden können eine gute Wahl sein. Da die Friedhofssatzung eine Höhenbegrenzung vorsieht, sollten ausschließlich langsam wachsende Gehölze gepflanzt werden. Dazu


GRABARTEN 83

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

Friedhofsgärtnerei

G.m.b.H.

Fotos: Uwe Bekemeier (1), Karsten Ahrnke (1)

hren a J 120 t i e S

zählen bspw. die Zwergkiefer, der Buchsbaum als Pyramide oder Kugel geschnitten, Eibe, japanischer Ahorn, winterharte Azaleen oder Rhododendron. Wie in so vielen Bereichen blieb auch die Zeit bei der Grabgestaltung nicht stehen. So sehen heute die Gräber stilvoller, strukturierter und moderner aus. Früher war auf vielen Grabflächen eher ein „chaotisches Durcheinander“, heute sind alle Elemente harmonisch aufeinander abgestimmt. Jede Jahreszeit hat ihren eigenen, speziellen Reiz. So kann das Beet mit einfarbigen Saisonblumen dekoriert werden oder sich als bunt gemischtes Strukturbeet bildschön hervorheben. Grabmal, Umgebung, Blüten- und Blattfarben sollten miteinander harmonisieren. Eine gute Wahl sind Pflanzen, die zeitlich versetzt blühen, so sieht das Grab lange Zeit liebevoll geschmückt aus. Gepflegt und stilvoll passt sich das Grab der Natur an, wenn die Bepflanzung den Charakter der Jahreszeit wiedergibt. Bei der Auswahl eines Grabmales besteht weitgehend Freiheit bezüglich der Materialauswahl, nicht aber bei den Maßen, da sich der Grabstein in das Gesamtbild der Grabstätte einfügen soll. Die Entscheidung über die Beschaf-

fenheit der Oberflächen, die Schriftart und die farbliche Gestaltung der Inschriften entspricht persönlichen Vorlieben. Zu einigen Kriterien gibt die Friedhofssatzung gewisse Rahmenbedingungen vor, die aber ausreichend Raum für individun ID elle Entscheidungen lassen.

Otto-Brenner-Str. 149a 33604 Bielefeld (Friedhof Sieker) Telefon (0521)297909 Mail: blumenpohl@bitel.net www.blumen-pohl.de

Partner der Gesellschaft für Dauergrabpflege Westfalen-Lippe mbH Germaniastr. 53 · 44379 Dortmund Tel.: 02 31 - 96 10 14 32


Fotos: Ralf Neumann (3), Karsten Ahrnke (1), Uta Bakowski (2)

84 IMPRESSIONEN 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF


GRABARTEN 85

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

GRABGESTALTUNG IM WANDEL DER ZEIT

Foto: Alfred Bosdorf

„Alle Frühjahre sollte man die Gräber auffrischen und mit blühenden Gewächsen schmücken, so dass ein lieblicher Blumengarten entsteht. Der Mensch gleicht ja einer Blume, welche wächst, ihre Blüte entfaltet und hinwelkt.“ So heißt es in einer Abhandlung aus dem Jahre 1825.*

iese Empfehlung zur Bepflanzung der Gräber mit Blumen kündigt bereits die im Laufe des 19. Jahrhunderts allmählich einsetzende Grabpflege an. Schon lange vor der Grabbepflanzung spielten Pflanzen eine wichtige Rolle beim Begräbnis. In nahezu allen bekannten Kulturen waren pflanzliche Grabbeigaben Teil ritueller Handlungen. Im Jahrtausende währenden Umgang des Menschen mit den Pflanzen entwickelten sich auch ihre sinnhaft-symbolischen Aussagen. Die Bepflanzung von Gräbern in heutigem Verständnis nahm ihren Anfang erst im 18. Jahrhundert – häufig noch mit Pflanzen aus dem eigenen bäuerlichen Garten. Erst die Abschaffung der Glassteuer im Jahr 1848 ermöglichte es den Gärtnern, die bis dahin weitgehend in Sammlungen und herrschaftlichen Gewächshäusern unzugänglichen Pflanzen selbst zu produzieren. Die Zeit der Zwiebelblumen und Begonien, der Lilien und Primeln war gekommen, das Sortiment wuchs unaufhaltsam.

D

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich das Schmuckbedürfnis für Gräber ebenso wie die Spezialisierung der gärtnerischen Berufe wie

etwa der Friedhofsgärtner. Diese schlossen sich 1956 zum Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF) zusammen und schufen mit den Richtlinien für die Grabgestaltung einen bis heute gültigen Rahmen. Die große und immer weiter wachsende Vielfalt an Pflanzen als Grabschmuck geht allerdings einher mit einem schwindenden Wissen der Menschen um die tiefere Bedeutung der Symbolik der Pflanzen überhaupt: „Wir sehen es heute als wichtige Aufgabe an, das Verständnis für die Sinnhaftigkeit der Pflanzen neu zu beleben. Schließlich empfinden die meisten Trauernden es als tröstend, wenn sie zum Beispiel im Efeu und Immergrün, den Rosen und Chrysanthemen das Symbol des Totengedenkens erblicken“, weiß Ralf Harbaum, Geschäftsführer der Gesellschaft für Dauergrabpflege Westfalen-Lippe mbH, 44379 Dortmund. Bereits zu Zeiten, als noch keine intensive Grabpflege betrieben wurde, maß man den auf den Gräbern zufällig wachsenden Pflanzen eine eigene Bedeutung zu. Ging zum Beispiel eine Distel oder Königskerze auf, wies dies darauf

hin, dass der Verstorbene im Fegefeuer schmachtete und um eine Fürbitte oder Seelenmesse ersuchte. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Friedhofsflora vor allem von Nutzpflanzen geprägt. Der Apfelbaum symbolisierte den Sündenfall, die Kirsche das Paradies und der Nussbaum galt als ein Zeichen für Leib und Seele. Wacholder sowie Holunder gewährten den Verstorbenen Schutz vor bösen Mächten. Efeu, Buchs und Immergrün stehen bis heute als Symbole für das ewige Leben. Eine Lilie bedeutet Unschuld und Reinheit, die Ringelblume verkörpert den Schmerz der Hinterbliebenen. Frauenmantel und Mohn hingegen sind Sinnbilder des sanften Todes. Mimose und Sonnenblume sind dafür bekannt, dass sie sich nach der Sonne drehen, sie stehen daher für die sich Gott zuwendende Seele. Bei Grabkränzen wiederum, deren Kreisform Unendlichkeit und ewiges Leben symbolisiert, wird diese Aussage durch den Sinngehalt der jeweils verarbeiteten Blumen und Pflanzen verstärkt. Die meisten Blumen auf Gräbern sprechen eine persönliche Sprache zwischen dem Hinterbliebenen und dem Verstorbenen: Sei es die Rose zum Geburtstag oder die Lieblingsblume zum Todestag. Wer die Symbolik der Pflanzen für die individuelle Gestaltung eines Grabes nutzen möchte, lässt sich am besten von einem Friedhofsgärtner n vor Ort beraten.

INFORMATION Redaktion: Renate Leskosek Gesellschaft für Dauergrabpflege Westfalen-Lippe mbH Germaniastraße 53, 44379 Dortmund Fon: 0231 - 96 10 14 32 E-Mail: service@dauergrabpflege-wl.de www.dauergrabpflege-wl.de *Abhandlung des Königlich Bayerischen Kreisbauinspektors Richard Jacob, August Voit: Über die Anlegung und Umwandlung der Gottesäcker in heitere Ruhegärten der Abgeschiedenen, Augsburg 1825 (S. 33).


86 GRABARTEN 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

VON DER VIEHWEIDE ZUM PARKFRIEDHOF

rßne, blßhende FriedhÜfe mit farbenprächtig gestalteten Gräbern sind heute Zeichen eines langen Entwicklungsprozesses vom einfachen Grab hin zu einer florierenden Friedhofskultur. Heute sind es die mehr als

G

7.000 Friedhofsgärtnereien mit ßber 40.000 Mitarbeitern in Deutschland, die die Bepflanzung von Gräbern sachkundig planen, im Wechsel der Jahreszeiten bepflanzen und ßber Jahre im Auftrag der Hinterbliebenen die Pflege ßbernehmen. Als anerkannten Beruf gibt es den Friedhofsgärtner erst seit 70 Jahren. Sein Tätigkeitsfeld existierte natßrlich schon lange vorher. Aber seit wann werden Gräber eigentlich bepflanzt? Ein kleiner Streifzug durch die Geschichte der Grabgestaltung und der Friedhofskultur in Deutschland beleuchtet die Entwicklung der letzten 300 Jahre. Umfangreichen Grabschmuck gab es bereits seit der Antike. Auch am Ende des 16. Jahrhunderts bezeugen einzelne Berichte, dass Ange-

hĂśrige Verstorbener die Gräber mit Blumen schmĂźckten. Zwischen 1745 und 1825 waren jedoch die meisten Gräber von Wildpflanzen bedeckt. Zu dieser Zeit war es noch Ăźblich, dass auf den FriedhĂśfen das Vieh weiden durfte. Der Friedhof heutiger Prägung entstand erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Die Stadtverwaltungen legten damals auĂ&#x;erhalb der Städte neue FriedhĂśfe an. Diese Entwicklung muss im Zusammenhang mit der â&#x20AC;&#x17E;Aufklärungâ&#x20AC;&#x153; gesehen werden: Mediziner und Hygieniker hielten die bisherige Bestattungspraxis fĂźr gesundheitsschädlich, weil die bestatteten Leichen das Grundwasser verunreinigen wĂźrden und der Verwesungsgeruch die Luft verpesten wĂźrde. Denn es war noch im 18. Jahrhundert Ăźblich, Gräber wieder zu Ăśffnen, um

Fotos: Alfred Bosdorf (1), Heike Carstensen (1)

Wissenswertes ßber FriedhÜfe und den Beruf der Friedhofsgärtner

Im Kapellenbrink Wohnen und Gemeinschaft ANDERS ALT WERDEN

+O-CRGNNGPDTKPM'UKUVGKP&QTHKO&QTHOKV/GPUEJGPWPVGTUEJKGFNKEJGP#NVGTU9QJPGP WPF)GOGKPUEJCHVd#PFGTU#NVYGTFGPp&GT0COGKUV2TQITCOO5QNNVGP5KGUKEJ)GFCPMGP Ă&#x2DC;DGTFCUd#NV9GTFGPqOCEJGPWPFPGWIKGTKICWHFCUd#PFGTUqUGKPUKPF5KGDGKWPUTKEJVKI *KGTNGDVLGFGTKPUGKPGTGKIGPGP9QJPWPIWPFUWEJVFGPPQEJFKG)GOGKPUEJCHV &KGHĂ&#x2DC;PHWPVGTUEJKGFNKEJGP9QJPJĂ&#x20AC;WUGTFGT9QJPCPNCIGUKPFWOGKPGKPFKXKFWGNNIGUVCNVGVG )CTVGPCPNCIGJGTWOITWRRKGTVWPFXGTHĂ&#x2DC;IGPLGYGKNUĂ&#x2DC;DGTGKPGP$CNMQPGKPG.QIIKCQFGT 6GTTCUUG&CU6WTOCNKP)GDĂ&#x20AC;WFGDGJGTDGTIVGKP$GIGIPWPIUHQTWO(Ă&#x2DC;T5RKGNWPF5RCÂť$G IGIPWPIWPF'TJQNWPIDKGVGVFKG)CTVGPCPNCIGXKGNHĂ&#x20AC;NVKIG/Ă&#x2019;INKEJMGKVGP

9QJPGPWPF)GOGKPUEJCHV d#PFGTU#NV9GTFGPqG8 .QJGKFG^$KGNGHGNF

(Ă&#x2019;TFGTXGTGKP 8GTGKPHĂ&#x2DC;T.GDGPUIGUVCNVWPIWPF#NVGTUHTCIGPG8 .QJGKFG^*CWU6WTOCNKP^$KGNGHGNF



#PURTGEJRCTVPGT )KUGNC5VGPFGT (QPs

-QPVCMV (QPs^(CZ KPHQ"MCRGNNGPDTKPMFG^YYYMCRGNNGPDTKPMFG




GRABARTEN 87

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

zu finden. In dieser Zeit wurden auch die großen städtischen Zentralfriedhöfe angelegt. Um die Jahrhundertwende etablierten sich in direkter Nähe von Friedhöfen schließlich Gärtnereien und Blumengeschäfte.

zusätzliche Tote darin zu bestatten. Die neuen Friedhöfe wurden deshalb außerhalb der Siedlungen angelegt. Sie erhielten eine Mauer, und die Gräber entwickelten sich zu regelrechten Totengärtchen mit einer kleinen Grabumfriedung. Der vorher übliche Grabhügel wurde flach gezogen. Dies ermöglichte eine intensivere Gestaltung mit Blumen und Grabzeichen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts spielte dann die individuelle Grabbepflanzung eine immer bedeutendere Rolle. Erste Anfänge der Friedhofsgärtnerei sind allerdings erst in den Gründerjahren zwischen 1870 und 1890

1905 wurde auf Initiative des Flensburger Augenarztes Wilhelm von Grolmann die „Wiesbadener Gesellschaft für moderne Grabmalkunst“ gegründet mit dem Ziel einer systematischen Zusammenarbeit von Kunst und Handwerk. Sie war Teil einer umfassenden Friedhofsreformbewegung. Diese führte zu einer Vereinheitlichung von Gestaltungsregeln für ganz Deutschland: Größe und Gestaltung des Grabzeichens wurden vorgegeben und Pflanzenlisten für die Grabbepflanzung erstellt. Die Friedhofs- und Grabgestaltung lag zu dieser Zeit fest in öffentlicher Hand. So ließen erst Mitte der 30er Jahre Erlasse und Gemeindeordnungen offiziell auch private Friedhofsgärtnereien zu. 1937 tauchte die Bezeichnung „Friedhofsgärtner“ zum ersten Mal im Zusammenhang mit der Meisterprüfung auf. 1956 wurde der „Bund deutscher Friedhofsgärtner“ (BdF) gegründet, dem heute über 4.500 Mitgliedsbetriebe angehören. Zentrales Anliegen

des BdF ist es, die gärtnerische Grabgestaltung und -pflege immer wieder zu verbessern und den Zeichen sowie Erfordernissen der Zeit anzupassen. Hierzu wurden bereits in den siebziger Jahren Richtlinien zur gärtnerischen Grabgestaltung erarbeitet, die wichtige Impulse für die tägliche Arbeit des Friedhofsgärtners geben. Die Friedhofskultur ist wie jede Kulturrichtung ständig in Bewegung. Die früher übliche Erdbestattung wird heute ergänzt durch Urnenbestattung bis hin zu namenlosen Bestattungsformen. Doch trotz dieser Alternativen ist die Erdbestattung mit einem geschmückten Grab immer noch die vorherrschende Bestattungsart. Sichtbares Zeichen dafür: rund 80% der ca. 35 Millionen Gräber in Deutschland sind mit Blumen geschmückt. n

INFORMATION Redaktion: Renate Leskosek Gesellschaft für Dauergrabpflege Westfalen-Lippe mbH Germaniastraße 53, 44379 Dortmund Fon: 0231 - 96 10 14 32 E-Mail: service@dauergrabpflege-wl.de www.dauergrabpflege-wl.de

Grabneugestaltungen - Grabpflege auf Bielefelder Friedhöfen Neu: Jetzt auch auf dem Gadderbaumer Friedhof Kapellendekorationen - Kränze und Blumen Bestattungsvermittlungen und deren Ausführungen

Skizze: Wolfgang Ontrup

K. Faust Johannistal 15 · 33617 Bielefeld Tel.: 0521-15 09 01 · Fax: 0521-15 07 40

D. Heitbreder Potsdamer Str. 87 · 33719 Bielefeld Tel.: 0521-33 18 37 · Fax: 0521-33 31 25


88 GRABARTEN 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

DAUERHAFT IN STEIN GEFASST

Fotos: Detlef Hamann (4), Alfred Bosdorf (1)

Die Aufgaben des Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks sind vielfältig. Gerne wird diese Kunstfertigkeit in den Kontext der Baukunst gesetzt. Kirchen und Denkmäler des Mittelalters, die für ihre kühnen Konstruktionen bekannt sind, stehen exemplarisch für diese große handwerkliche Sachkenntnis. Wie im Großen so im Kleinen: Auch die Grabmalskunst ist ein Zeugnis dieses Könnens.


GRABARTEN 89

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

ie Grabstätte eines geliebten Menschen ist oft Bindeglied zwischen dem Verstorbenen und den Hinterbliebenen. Antworten auf die Frage â&#x20AC;&#x17E;Welche WĂźnsche haben Hinterbliebene bezĂźglich Grabmal und Grabstätte?â&#x20AC;&#x153;, gibt es viele. Umso erfreulicher ist, dass dies auch fĂźr die MĂśglichkeiten zur Realisierung der Gestaltung von Grabstätten gilt. Neben allgemeinen Gestaltungsrichtlinien ist immer auch der persĂśnliche Geschmack ausschlaggebend.

D

Das Grabmal als zentrales Element der Grabstätte. Vor der Realisierung des Grabmals als Auftragsarbeit, ist eine umfassende Beratung die Grundlage einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Steinmetz und AngehÜrigen. Text und Schrift, die Einbindung von Symbolen, die Form des Grabmals sowie dessen Beschaffenheit stellen wesentliche Ausdruckselemente dar. In ihrer Kombination sollten sie ein harmonisches Ganzes ergeben und als Grabdenkmal etwas von dem Wesen des Verstorbenen sichtbar machen. Viele Materialien werden von Steinmetzen verarbeitet. Naturwerkstein (gesägt, handwerklich oder maschinell bearbeitet) nimmt eine bevorzugte Stellung ein. Er ist einer der ältesten,

vielseitigsten und schÜnsten Baustoffe ßberhaupt. Durch die unterschiedlichen Bearbeitungsarten kommt er facettenreich zur Geltung. Eben dieser Stein erlebt gegenßber Industriesteinen eine Renaissance. Dem wachsenden Bedßrfnis der Menschen nach Naturschutz und Umweltverträglichkeit wird mit seiner Verwendung

Ausdruck verliehen. Diese Rßckbesinnung ist es, die dem Sennefriedhof seinen ursprßnglichen Charme erhält und ihn im Einklang mit der Natur zu einem Ort der inneren Einkehr macht. Das Grabmal ist oftmals das vorrangig gestaltende Element der Grabstätte, das auch die

*UDEPDONXQVWXQG%LOGKDXHUHL  0DUPRU*UDQLW   +DQGZHUNOLFKH6SLW]HQTXDOLWlW NRPSHWHQWH%HUDWXQJ  *UDEPDOIHUWLJXQJQDFK:XQVFK  5HSHUDWXUHQXQG5HVWDXULHUXQJHQ $XVIÂ KUXQJYRQ6FKULIWQDFKWUlJHQ  

   

$KGNGHGNF *GGRGP ^8QIVGKUVT HQP^HCZ

)TCDOCNCWUUVGNNWPI(TKGFJQH5KGMGT5VKGIJQTUV1GTNKPIJCWUGP 

  

  

 





  




90 GRABARTEN 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

dem Sennefriedhof sind neben Natursteinen Terrazzo, Glas, Holz, Schmiedeeisen, Edelstahl, Bronze, Aluminium und Kupferguss. Findlinge sind zugelassen, obwohl die bevorzugte Gestaltungsart der Grabmale die Stele bleibt, um so die Harmonie des Waldes zu wahren. Auch das gehört zur Arbeit der Steinmetze: Sie kümmern sich um die Genehmigung des Grabmals bei der Friedhofsverwaltung.

stätte. Traditionelle Elemente der Grabmalgestaltung sind Inschriften, Symbole und Ornamente. Erlaubte Materialien für Grabmale auf

Fotos: Detlef Hamann (2)

Art der Bepflanzung und damit das Gesamtbild beeinflusst. Form und Größe des Grabmals richten sich nicht zuletzt nach der Größe der Grab-

Auch wenn bekannt ist, dass die individuelle Ausgestaltung einer Grabstätte in hohem Maße dazu beitragen kann, den Verlust eines Menschen besser zu verarbeiten, ist die Anzahl der anonymen Bestattungen noch immer hoch. Hier werden Urnen und Särge ohne Beisein von Angehörigen in Rasenfeldern bestattet, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Friedhofsverwaltung gepflegt werden. Häufig stecken praktische Erwägungen dahinter. Alleinstehende, deren Angehörige zu weit entfernt wohnen, um ein Grab pflegen zu können, wählen gerne diese Bestattungsform. Die Auflösung traditioneller Familienstrukturen und die wachsende Schere zwischen Arm und Reich machen auch vor dem Tod nicht halt.

HEINZ-WERNER HORN Steinmetz und Steinbildhauermeister | Innungsbetrieb

Gestaltung in Stein und Holz Grabmale Grabeinfassungen Grabschmuck Bildhauerei Inschriften Reparaturen Schriftnachträge

Herforder Str. 610 | 33729 Bielefeld fon: 0 521.772 46 46 | fax: 0 521.772 46 48 hwhorn@web.de | www.horn-steingestalter.de






GRABARTEN 91

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

ten kümmern können“, erläutert der Steinmetzmeister. Sein Wunsch: „Ich hoffe, dass die Friedhofskultur wieder mehr Bedeutung gewinnt und die Gesellschaft zurückkehrt zu vorwiegend personenbezogener Grabgestaltung.“ Ein durch Form, Symbolik und Inschrift individuell gestalteter Stein bietet Hinweise auf Gedanken, auf bestimmte Eigenschaften oder auch auf die Persönlichkeit eines Menschen und ist damit immer einzigartig.

Viele Steinmetze und Bildhauer halten wenig von der anonymen Beerdigung. „Diese trägt dem starken Bedürfnis nach Ritualen im Umgang mit dem Tod keine Rechnung“, sagt Heinz-Werner Horn, Steinmetz- und Steinbildhauer-Innung Bielefeld. Er ergänzt, die Verwandten benötigten einen festen Ort, an dem sie bewusst trauern und an den sie zurückkehren können. „Immer wieder spreche ich mit Angehörigen, die im Nachhinein doch gerne eine Grabstätte gehabt hätten, um die sie sich hät-

Eine Alternative zur anonymen Bestattung sieht die Innung der Steinmetze beispielsweise in der Idee, Grabstätten in ein gestaltetes Umfeld einzubetten, das Trauerhandlungen und Pflege zulässt, ohne verpflichtend zu sein. Dabei stehen die Bedürfnisse der Hinterbliebenen und Trauernden im Mittelpunkt. Die Steinmetze tragen durch die handwerkliche und künstlerische Qualität ihrer Arbeit dazu bei, die Attraktivität des Sennefriedhofs zu erhalten. So ist in einem Fachartikel zu 70 Jahren Grabdenkmale und Plastiken auf dem Sennefriedhof zu lesen, dass die Stadt Bielefeld gut beraten war, zur Bewertung der Grabmalent-

würfe einen anerkannten Bildhauer in Person von Professor Arnold Rickerts (1889 – 1974) zu gewinnen. Denn Professor Rickert bevorzugte bei der Beurteilung der Grabmalanträge künstlerisch wertvolle Grabmale und strebte ein hohes Niveau der Steinmetzkunst an. Der Friedhof mit seinen vielen historisch wertvollen Grabmalen bis hin zu den aktuellen Arbeiten ermöglicht, fast wie in einem Museum, einen Blick in die Entwicklung der Sepulkralkultur der n letzten hundert Jahre.

INFORMATION Redaktion: Ina-Alex. Dünkeloh und Heinz-Werner Horn (Steinmetz- u. Steinbildhauermeister) Innung für das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk Bielefeld Hans-Sachs-Straße 2 · 33602 Bielefeld Stellvertretender Innungsobermeister Heinz-Werner Horn Fon: 0521 – 772 46 46 hwhorn@web.de


92 GRABARTEN 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

MULTIKULTURELLE BESTATTUNGEN AUF DEM SENNEFRIEDHOF

Foto: Detlef Hamann (1)

In Bielefeld leben rund 37.000 ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Immer mehr von ihnen entscheiden sich, ihren Lebensabend in Deutschland zu verbringen und sich hier bestatten zu lassen. Dies trifft insbesondere für die zweite und dritte Generation zu, die ihre verstorbenen Angehörigen nicht mehr in der Ferne bestattet wissen wollen, insbesondere dann, wenn Familie und Freunde vor Ort wohnen.

ass allerdings noch immer rd. 90% der hier verstorbenen Muslime in ihr Herkunftsland überführt werden, dürfte seine Ursache auch in den gesetzlichen Vorgaben haben. So müssen nach Eintritt des Todesfalls mindestens 48 Stunden vergehen, bevor die Beerdigung erfolgen kann – in der islamischen Tradition müsste die Bestattung innerhalb von 24 Stunden erfolgen.

D

Bereits im Jahr 1995 richtete die Stadt Bielefeld zwei separate Grabfelder auf dem Sennefriedhof ein, die speziell für muslimische und jesidische Glaubensrichtungen vorgehalten werden. Ergänzt wird dieses Angebot seit dem Jahr 2004 durch ein Gräberfeld für Angehörige orthodoxen Glaubens. Die Anlage aller drei Grabfelder erfolgte in enger Abstimmung mit den religiösen Repräsentanten der drei Glau-

bensgemeinschaften, so dass den jeweiligen Wünschen und Vorstellungen entsprochen werden konnte. Die Vorgaben für die Gestaltung der Grabstätten sowie die Auswahl der Grabsteine sind wenig reglementierend, da alle drei Grabfelder als Felder ohne besondere Gestaltungsvorschriften ausgewiesen sind. Hier gelten lediglich die Mindestanforderungen an die Pflege der Grabstätten: So sollten beispiels-


GRABARTEN 93

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

weise kleinwüchsigen Gehölzen sowie Stauden bzw. jahreszeitlichem Blumenschmuck der Vorrang gegeben werden, da durch die Friedhofssatzung die Höhe von Bäumen und Sträuchern begrenzt wird. Auch bei den Grabmalen besteht weitreichender Spielraum, so lassen sich bei einem Spaziergang über das muslimische Gräberfeld des Sennefriedhofs Koranverse oder arabisch geschriebene Namen auf den Grabsteinen entdecken. Die Grabstätten von hier bestatteten Bosniern oder Albanern werden gelegentlich mit einem Foto oder Porträt des Verstorbenen verziert, obwohl im Islam eigentlich ein Bilderverbot besteht. Auch auf den Grabsteinen von hier bestatteten Jesiden finden sich Fotos oder Porträts der Verstorbenen. Fast immer haben die Grabstätten der Männer zudem einen zweiten Grabstein am Fußende, während sich auf den Grabstätten jesidischer Frauen stets nur ein „Kopfstein” befindet. Der „Kopfstein” ist häufig mit dem Symbol der Sonne geschmückt, das der Kennzeichnung der jesidischen Religion dient. Dass die Integration vorangeschritten ist, belegen Sprüche und Zitate, die sowohl in deutscher als auch in türkischer bzw. arabischer Sprache auf die Grabsteine gemeißelt wurden.

Fotos: Anne Lücking (1), Mechtild Schemmer (1)

Obwohl auf allen kommunalen Friedhöfen Sargpflicht besteht, können im Einzelfall aus ethischen oder religiösen Gründen Ausnahmen gemacht werden. Die sarglose Bestattung ist allerdings an Auflagen gebunden, so muss aus Gründen der Rücksichtsnahme der Transport der Verstorbenen bis unmittelbar zur Grabstätte in einem geschlossenen Sarg erfolgen. Für rituelle Waschungen stehen Räumlichkeiten in der

Neuen Kapelle zur Verfügung. Der ewigen Grabruhe (bspw. im Islam) wird dadurch Rechnung getragen, dass die Bestattungen von Verstorbenen, die älter als fünf Jahre sind, in Wahlgräbern erfolgt. Diese können auf Antrag verlängert werden.

und Nordrhein-Westfalen, etwa 3.000 davon im Raum Bielefeld. Als Jeside wird man geboren, ein Konvertieren ist nicht möglich. Seit dem 11. Jahrhundert gliedert sich die jesidische Gesellschaft in Gruppen, die sich gegeneinander abgrenzen. Die Anordnung der Grabstätten, die nach der aufgehenden Sonne ausgerichtet sind, erfolgt in Reihen entsprechend der drei Gruppierungen: „Sheikhs”, „Pirs” sowie „Murids“ (Merits).

Das muslimische Gräberfeld Da nach islamischem Glauben Moslems nicht unter Nichtmoslems bestattet werden dürfen und dies in unberührter Erde erfolgen muss, wurde für die Anlage des muslimischen Grabfeldes eine separat liegende Fläche ausgesucht, auf der noch niemals zuvor bestattet worden war. Die Ausrichtung der Grabstätten wurde derart vorgenommen, dass die Gesichter der Verstorbenen nach Mekka weisen. Innerhalb des Grabfeldes gibt es einen Bereich für Verstorbene unter fünf Jahren sowie für Ältere. Das Grabfeld wurde im Jahr 2008 erstmals erweitert. Umfassende Informationen rund um das Thema „Islamische Bestattungen auf dem Sennefriedhof” hat die Friedhofsverwaltung im Umweltbetrieb - in Kooperation mit dem Interkulturellen Büro - in einem Informationsfaltblatt zusammengestellt. Es ist in deutscher und türkischer Sprache erhältlich.

Das orthodoxe Gräberfeld Christliche Kirchen, die im frühen griechischen Kulturraum entstanden oder dort gegründet worden sind, nennen sich orthodoxe Kirchen (von griechisch, richtig oder geradlinig, und, Lehre oder Verehrung). Sie sind nach der katholischen Kirche weltweit gesehen die zweitgrößte christliche Konfession. Das Gräberfeld auf dem Sennefriedhof steht allen Personen orthodoxen Glaubens (serbisch, russisch, griechisch), sowie unter bestimmten Bedingungen auch Moslems und Katholiken aus gemischten Ehen für Bestatn tungszwecke zur Verfügung.

Das jesidische Gräberfeld Die Jesiden leben hauptsächlich im Irak, Syrien sowie in der Türkei. Die meisten der rd. 35.000 – 40.000 in Deutschland ansässigen Jesiden haben ihren Wohnsitz in Niedersachsen

Redaktion: Dipl. Ing. TU Friederike Hennen Abteilungsleiterin Friedhöfe und Bestattungen Stadt Bielefeld - Umweltbetrieb Mail: friederike.hennen@bielefeld.de · www.umweltbetrieb-bielefeld.de

INFORMATION


94 VERSCHIEDENES 100 JAHRE SEN NEFRIE DHOF

BESTATTUNGSVORSORGE SCHÖN, DASS ALLES GEREGELT IST Was steckt dahinter? Dem Wunsch vieler Menschen, für die eigene Bestattung bereits zu Lebzeiten selbst zu sorgen und diese vorab – auch finanziell – zu regeln, kann entsprochen werden. Treuhandverträge oder Sterbegeldversicherungen können mögliche Alternativen sein.

Absicherung der Bestattung angespart werden sollen. „Der Kunde zahlt, ausgehend vom Kostenvoranschlag des Bestatters im Bestattungsvorsorgevertrag, Geld in den Treuhandvertrag ein. Dieses wird als Treuhandvermögen mündelsicher angelegt und ähnlich einem Sparbuch verzinst. Das Geld kann nicht verloren gehen“, erläutert Wirthmann. „Im Todesfall wird dieses Treuhandvermögen dann an den Bestatter zur Erfüllung der des Vertrages ausgezahlt.“

D

Gemeinsam mit dem Kunden werden dann in einem Bestattungsvorsorgevertrag alle Punkte festgehalten, die dereinst für die Bestattung wichtig sein sollen. Beratung und Vorsorgevertrag sind kostenlos, Kosten fallen erst bei der Bestattung

an. Übrigens: Der Vertrag kann nach einer gewissen Zeit inhaltlich revidiert werden. Zu den Punkten, die in einem Bestattungsvorsorgevertrag geklärt werden, gehören unter anderem die Form der Bestattung, der Blumenschmuck, die Trauerfeier und vieles mehr. Zumal, und das ist für Oliver Wirthmann ein sehr wichtiger Punkt, regelt man auch die finanziellen Rahmenbedingungen. „Im Gespräch zeigt sich schnell, wie teuer die Bestattung nach den eigenen Vorstellungen wird. Und manchmal müssen dann Wünsche auch zurückgestellt werden.“ Laut einhelliger Branchenmeinung ist es sinnvoll, langfristig für die Bestattung finanziell vorzusorgen, sobald man mit dem Bestatter seines Vertrauens den Vorsorgevertrag abgeschlossen hat. Dafür gebe es im Grunde mehrere Möglichkeiten. Der Bundesverband Deutscher Bestatter bietet über seine Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand AG die treuhänderische Verwaltung von Geldern an, die zum Zweck der finanziellen

INFORMATION Redaktion: Oliver Wirthmann Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e.V. Volmerswerther Str. 79, 40221 Düsseldorf Fon: 0211-16 00 8-10 · wirthmann@bestatter.de

Foto: Barbara Semper

er heilige Ignatius hat gesagt: „Halte Ordnung, und die Ordnung wird dich halten.“ Für Oliver Wirthmann, Geschäftsführer beim Kuratorium Deutsche Bestattungskultur, gilt diese Beobachtung nicht nur für das Leben, sondern auch für das Sterben. „Man sollte schon frühzeitig den äußeren Rahmen der Bestattung klären. Damit gibt man sich selbst die Sicherheit, dass der eigene Wille Beachtung findet – und man nimmt gleichzeitig auch den Angehörigen die Pflicht, in Zeiten arger Trauer sich auch noch um Bestattungsfragen kümmern zu müssen. So vermeidet man auch das Orakeln über den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen.“ Bestatter bieten dafür sogenannte Bestattungsvorsorgeberatungen an.

Die Alternative dazu ist die Sterbegeldversicherung. Sie biete sich vor allem für Menschen an, die jetzt nicht älter als Mitte 60 seien. Entweder wird ein Einmalbetrag geleistet oder es werden monatlich kleine Beträge in eine Sterbegeldversicherung eingezahlt, damit im Todesfall Geld für die Bestattung sofort zur Verfügung steht. Gerade für Menschen mit kleineren Einkommen sei dies interessant. „Es gibt keine Gesundheitsprüfung, und das Geld wird auch bei Suizid oder Unfalltod ausgezahlt“, sagt Wirthmann, der die Kritik an der Sterbegeldversicherung nicht nach- vollziehen kann. „Es wird gerne behauptet, sie sei unnötig und zu teuer. Das stimmt aber nicht, da es sich um ein Versicherungsprodukt handelt, das den Betroffenen im Todesfall absichert. Es ist natürlich keine Kapitalanlage, mit der man Geld verdient. Fragwürdig sind nur die Fälle, in denen alten Menschen solche Versicherungen verkauft werden. Denn das ist eindeutig zu teuer.“ Der Vorteil sei zudem, dass die Einlage in der Sterbegeldversicherung zum Schonvermögen zähle. Das heißt, dass beispielsweise im Pflegefall dieses Geld nicht angetastet wird. Das gilt übrigens auch für das Treuhandvermögen, sofern es sich um eine angemessene Summe handelt. n


VERSCHIEDENES 95

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF

IN MEMORIAM AN VIER PFOTEN

Foto: jagodka - Fotolia.com (1), Umweltbetrieb, Abt. Friedhöfe (1)

Der Heimtierfriedhof in Bielefeld eröffnete 2008. Während die rituelle Bestattung von Tieren weltweit bereits seit etwa 12.000 Jahren praktiziert wird, ist die Bestattung von Haustieren auf speziell für sie eingerichteten (Heim-)Tierfriedhöfen deutlich jünger und der engen Beziehung zum Haustier geschuldet.

anke für die schöne Zeit, für die Treue und bedingungslose Liebe. Danke, dass es dich gab. Diese Botschaft wird deutlich beim Spaziergang über den seit 2008 bestehenden Heimtierfriedhof in Bielefeld. Am nördlichen Rand des Sennefriedhofes gelegen, ist er vom Südring aus gut zu erreichen und in Höhe der Fußgängerbrücke ausgeschildert. Kleine Tierskulpturen, hier und da ein Grabstein, jedes Grab sorgfältig bepflanzt: Aus den Details spricht die Liebe. Wie groß die Trauer über den Verlust des einstigen Weggefährten ist, lässt sich anhand der individuell gestalteten Gräber leicht erkennen. Auf dem rund 800 qm großen Gelände stehen derzeit 177 Pflegegrabstätten und 200 anonyme Grabstätten zur Verfügung. Bis auf 3.000 qm mit 1.100 Grabstätten kann dieser Heimtierfriedhof, der am 23.04.2008 eröffnete, bei Bedarf erweitert werden.

D

Wenn der geliebte Hund oder die Katze stirbt, ist die Trauer groß – häufig genauso groß, wie bei einem nahen Angehörigen. Für Kinder ist der Verlust des geliebten Haustieres oft die erste Erfahrung mit dem Tod. Fachleute raten dazu, die Trauer um ein Tier ernst zu nehmen, da auch dieser Verlust verarbeitet werden muss. Das gilt für Kinder wie für Erwachsene. Es macht den Abschied ein wenig

leichter, wenn Hund, Katze, Kaninchen und Co. würdevoll beerdigt werden können. Ein Novum unserer Zeit? Weit gefehlt. Wer in die Historie geht, wird feststellen, dass die Trauer um ein Haustier kein neues Phänomen ist. Bereits Friedrich der Große (1712- 1786) ließ seine Lieblingshunde auf der Terrasse von Schloss Sanssouci bestatten, auch Richard Wagner setzte seinen Neufundländer Russ im Garten der Villa Wahnfried in Bayreuth bei. Den ersten Heimtierfriedhof der Welt errichteten die Franzosen 1899. Der Tierfriedhof Cimetière des chiens eröffnete in Asnières, einem Vorort im Nordwesten von Paris. Die Idee hatte Marguerite Durand, eine umschwärmte Suffragette, die La Fronde, die erste feministische Tageszeitung Frankreichs gründete. Madame selbst hielt sich eine Löwin namens „Tiger“, die später in Asnières begraben wurde. Mittlerweile sind Zehntausende hier bestattet: Hunde und Katzen, Pferde, Meerschweinchen, Schafe, Papageien, Löwen, Fische. Sogar ein Spatz. Manche Herrchen und Frauchen kommen täglich, um Blumen zu bringen oder den Marmor zu polieren. Eines der bekanntesten Gräber ist das des berühmten Filmhundes Rin Tin Tin. Ebenfalls hier bestattet ist das Schoßtier von Camille SaintSaëns, dem Komponisten des Karnevals der Tiere. Doch die Geschichte der Tierbestattungen als Zeichen der Verehrung reicht bis ins Alte Ägypten. Im Jahr 1888 stießen abenteuerlustige Entdecker im östlichen Nildelta auf Mumiengräber - in Ägypten an sich keine Seltenheit. In diesem Grab jedoch waren keine Menschen bestattet, sondern Katzen. Und nicht wenige: 180 000 Katzenmumien fanden die Archäologen, säuberlich aufgeschichtet in den unterirdischen Gräbern des antiken Kultortes Bubastis. Die Forscher konnten nachweisen, dass die Tiere vor mehr als 3.000 Jahren mindestens so stark in den Alltag integriert waren wie heute. Nomen est omen: Haustiere sind stetige Begleiter häuslicher Gemeinschaft. Wer sich für das Leben mit einem Tier entscheidet, der geht eine Bindung ein, und das über Jahre. Viele Vierbeiner begleiten ihre Familie zehn Jahre und mehr. Laut Guinness

Buch der Rekorde (2011) ist der älteste Hund der Welt im Alter von 26 Jahren und neun Monaten in Japan gestorben. Eine lange Zeit, um das Leben miteinander zu teilen. Die unverfälschte Freude eines Hundes oder einer Katze zu erleben, sobald Mitglieder der Familie nach Hause kommen, empfinden viele als wohltuend und tröstlich. Tiere appellieren an die sozialen Kompetenzen des Menschen. Kinder lernen durch sie Verantwortung zu übernehmen. Wenn dieser treue Begleiter dann stirbt, ist die Trauer über den Verlust natürlich groß. Der Gedanke, dass eben dieses Haustier, das viele Jahre ein treuer Begleiter war, in der Tierkörperbeseitigungsanstalt entsorgt wird, ist für viele Besitzer unvorstellbar. Es ist daher eine große Erleichterung zu wissen, dass es Alternativen gibt. Seit seiner Eröffnung im April 2008 wurden auf dem Bielefelder Heimtierfriedhof 92 Haustiere bestattet. Betreiber des Heimtierfriedhofs ist der Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld. Die Tierbesitzer kommen aus Bielefeld, Gütersloh Leopoldshöhe und sogar aus dem Kalletal. Waren es 2008 noch 17 Tierbestattungen, nahm die Anzahl seitdem kontinuierlich zu. Tote Kleintiere wie Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Vögel usw. können unter Beachtung gewisser Vorgaben auf dem eigenen Grundstück bestattet werden: So müssen sie in einer Tiefe von mindestens 50 cm begraben werden und das Grundstück darf nicht in einem Wasserschutzgebiet liegen. Ebenfalls verboten ist das Vergraben toter Tiere in unmittelbarer Nähe zu öffentlichen Plätzen und Wegen. Keine Einschränkungen gibt es bei Urnenbestattungen. Die Asche dürfen Tierfreunde mit nach Hause nehmen und bestatten. Wer dies nicht möchte, oder aber über keinen eigenen Garten verfügt, für den kann der Heimtierfriedhof die richtige Alternative sein, denn ein Vergraben außerhalb des eigenen Gartens, bspw. in einem Wald oder Park ist nicht statthaft. Zur Auswahl stehen auf dem Heimtierfriedhof Grabstätten, die von „Herrchen oder Frauchen“ selbst gestaltet und gepflegt werden können, oder aber schlichte Rasengräber, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Friedhofsvern ID waltung unterhalten werden.


96 SCHLUSSWORT 100 JAHRE SENNEFR I E DHOF

IMPRESSUM Herausgeber: punktgenau-media GmbH Auf der Hufe 5 · 33613 Bielefeld Tel.: (0521) 9 89 20 31 Fax: (0521) 9 89 11 6 89 info@punktgenau-media.de HRB: 39067 · Ust.-Nr.: 305-5864-1739 Chefredaktion: Ina-Alexandra Dünkeloh duenkeloh@punktgenau-media.de Tel.: (0521) 9 89 20 33 · Mobil: (0175) 542 68 42 Anzeigenakquise: punktgenau-media GmbH

SCHLUSSWORT „Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt.“ Erich Fried

Anzeigengestaltung, Satz und Layout: Marcel Börs (www.punktgenau-media.de) In Zusammenarbeit mit der Abteilung Friedhöfe (Friederike Hennen) und Öffentlichkeitsarbeit/Marketing (Katrin Beißmann) vom Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld. Weitere Autoren dieser Ausgabe: Ina-Alex. Dünkeloh (ID), Dagmar Giesecke, Wolfgang Held, Dipl. Ing. TU Friederike Hennen, Pfarrerin Ulrike Hollmann-Benide, Heinz-Werner Horn, Pfarrerin Angela Kessler-Weinrich, Renate Leskosek, Prof. Dr. Ute Raute-Kreinsen, Dipl. Ing. Ullrich Richter, Dipl. Ing. FH Babette Schröder, Dr. Gudrun Wessing, Oliver Wirthmann Recherchearbeit: Dipl. Ing. FH Martina Hollmann und Dipl. Ing. FH Gabriele Moritz Bildredaktion: Titelbild: Heike Carstensen Die Namen der Fotografen: Karsten Ahrnke, Auf den Punkt gebracht, Uta Bakowski, Jürgen Bauer, Uwe Bekemeier, Alfred Bosdorf, Heike Carstensen, Detlef Hamann, Jens Hoffie, Krematorium Bielefeld Betriebs GmbH, Patrick Libke, Anne Lücking, Silke Maß, Ralf Neumann, Guido Nobl, Eleonore Pankoke, Harald Sander, Mechthild Schemmer, Barbara Semper, Stadt Bielefeld, Stadtarchiv Bielefeld, Umweltbetrieb - Abt. Friedhöfe, Lutz Volkmann, Heike Welge, Vera Wiehe, PR- und Fotoagenturen Druck: Hans Gieselmann Druck und Medienhaus GmbH & Co. KG Ackerstraße 54 · 33649 Bielefeld

Externe Datenquellen wurden separat gekennzeichnet. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Der Nachdruck, auch auszugsweise, ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Herhausgebers gestattet. Für unverlangt eingereichte Texte und Fotos wird keine Haftung übernommen. Die Redaktion behält sich das Recht vor, eingegangene Texte zu bearbeiten. Die Urheberrechte für die von der punktgenaumedia GmbH konzipierten Anzeigen liegen ebenda. Alle Angaben erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr. Es gelten die AGBs vom 1.1.2012. Hinweis: Alle Informationen in dieser Festschrift wurden, sofern möglich, gewissenhaft recherchiert. Als Quellen dienten Flyer und Broschüren der Stadt Bielefeld, Beiträge aus der hiesigen Tagespresse sowie Beiträge aus den Onlinemedien, insbesondere die Seiten der Stadt Bielefeld mit Verweis auf den Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld. Die von uns recherchierten Fakten wurden nach bestem Wissen und Gewissen aufgearbeitet, jedoch ohne den Anspruch einer wissenschaftlichen Arbeit.

n diesem Jahr feiern wir das 100-jährige Bestehen des Sennefriedhofs. Der Blick zurück zeigt, es hat sich vieles verändert, dem strukturellen und gesellschaftlichen Wandel wurde Rechnung getragen!

I

Der Umweltbetrieb hat sich seit seiner Gründung nachhaltig für den Fortbestand der Friedhofskultur eingesetzt. Er hat umfassende Zielkonzepte entwickelt sowie ein Flächenmanagement erarbeitet, beides richtungweisend für die Zukunft der städtischen Friedhöfe im Allgemeinen und insbesondere für den Sennefriedhof. Als Reaktion auf den Wandel gesellschaftlicher Trends und der Bestattungskultur entstanden beispielsweise zahlreiche neue Grabarten nicht nur auf dem Sennefriedhof. So ist die mit steigenden Bestattungszahlen belegte Baumbestattung einzigartig innerhalb der Bielefelder Friedhöfe. Ich freue mich, dass auch der Betriebsausschuss des Umweltbetriebes seit mehr als einem Jahrzehnt die Veränderungen auf dem Senne-

friedhof wohlwollend unterstützen konnte. Mein Dank gilt den Verantwortlichen im Umweltbetrieb und insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort, die trotz schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen mit ihrem persönlichen Engagement den wunderschönen Waldfriedhof als einen historischen und besonderen Ort in Bielefeld erhalten und behutsam weiterentwickelt haben. Gekennzeichnet durch intensive Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen, wird auch die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen sicherlich für alle Beteiligten ein Leichtes sein. Ich hoffe, dass die begeisternde Veranstaltungsvielfalt des Jubiläumsprogramms ein breites Interesse findet und möchte Sie einladen, den Sennefriedhof kennenzulernen und zu besuchen!

Bielefeld im August 2012

Dorothea Brinkmann Vorsitzende des Betriebsausschusses Umweltbetrieb


FRIEDHOFSÜBERSICHT 97

Karte: Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld

100 J AHR E SEN N E FRI EDHOF


Auch der Tod

www.vemmer-bestattungen.de

gehört zum Leben

Erledigung sämtlicher Formalitäten

TROST Trauerhalle und Verabschiedungssraum im Haus

Tag und Nacht erreichbar Telefon 0521-417110


Thomas Vemmer Bestattermeister Kerstin Vemmer Bestattermeisterin Timo Vemmer Auszubildender Vorsorge schützt vor Sorgen Das Leben genießen, weil alles geregelt ist. Nehmen Sie Abschied – alles andere übernehmen wir. Wir begleiten Sie und haben ein offenes Ohr und Hilfe für Hinterbliebene. Wir sind für Sie da – darauf können Sie sich verlassen. • Vorsorge – Bestattung – Begleitung • Trauerhalle und Verabschiedungsraum im Haus • Erledigung sämtlicher Formalitäten • Tag unH Nacht erreichbar unter: 0521-417110

Hermann Vemmer K.-G. Sauerlandstraße 12 · 33647 Bielefeld Telefon 0521-417110 info@vemmer-bestattungen.de

www.vemmer-bestattungen.de


„Wir sind erst 70, aber wir haben schon für alles gesorgt.” Alle Al le informationen informationen unter: unter:

www.VorsorgeHeute.de www .VorsorgeHeute.de

Unser Unsere e Be Bestattungsvorsorge stattungsvorsorge – ein gut guter er W Weg, eg , den eigenen Abschied ber bereits eits heut heute e nach Ihr Ihren en Wünschen Wünschen zu gestalten gestalten und Ihr Ihrer er FFamilie amilie finanziel finanzielle le Sicherheit zu geben. VorsorgeHeute ist ein Produkt der Deutschen Bestattungsvorsorge Treuhand Aktiengesellschaft .


PROGRAMM TAG DES SENNEFRIEDHOFS AM 9. SEPTEMBER 2012 Alle Einrichtungen und Institutionen, die den Sennefriedhof in den letzten Jahrzehnten begleitet haben, wurden eingeladen an einem Informationsaustausch mitzuwirken. Nutzen Sie die vielfältigen Gelegenheiten im Rahmen des Jubiläumsprogramms um neue Eindrücke von und an diesem besonderen Ort zu gewinnen. BAHN F RE Ab 10.30 I! U kostenlo hr alle Veranstalt s mit der u Mobilba ngsorte hn erreic hen FÜHRUNG „100 JAHRE“ 10.00 bis 12.00 Uhr: Führung mit Gabriele Moritz durch die Historie des Sennefriedhofs. Start: Stand der Friedhofsverwaltung STANDERÖFFNUNGEN 11.00 Uhr: Auf dem gesamten Gelände FÜHRUNG KREMATORIUM 11.00 bis 11.30 Uhr: Begrenzte Teilnehmerzahl. Telefonische Anmeldung unter Tel. 0521/3292620 erforderlich! FREILUFTGOTTESDIENST 11.30 bis 12.15 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst mit Pfr.in Dorothee Seredszus, Ev. Emmaus-Kirchengemeinde Senne und Pfr. Hubert Maus, Leiter Pastoralverbund Bielefeld-Süd, Ort: Alte Kapelle FÜHRUNG KREMATORIUM 12.00 bis 12.30 Uhr: Begrenzte Teilnehmerzahl. Telefonische Anmeldung unter Tel. 0521/3292620 erforderlich! OFFIZIELLE ERÖFFNUNG 12.30 Uhr: durch Schirmherrin und Beigeordnete Frau Anja Ritschel. Ort: Neue Kapelle JUBILÄUMSKONZERT 12.35 bis 13.30 Uhr: Jubiläumskonzert der Bielefelder Philharmoniker zum 100-jährigen Geburtstag des Sennefriedhofs. Ort: Neue Kapelle FÜHRUNG KREMATORIUM 13.00 bis 13.30 Uhr: Begrenzte Teilnehmerzahl. Telefonische Anmeldung unter Tel. 0521/3292620 erforderlich! HUMORVOLL STERBEN 13.00 bis 13.30 Uhr: Vortrag des Religionswissenschaftlers, Philosophs und Autors Harald-Alexander Korp. Ort: Alte Kapelle KUNST IN STEIN UND BRONZE 13.15 bis 14.15 Uhr: Grabmale und Skulpturen. Führung mit Martina Hollmann. Start: Stand Friedhofsverwaltung DA MÜSSEN WIR DURCH! 13.30 bis 14.30 Uhr: Führung mit Heinz Flottmann. Start: Stand der Friedhofsverwaltung FÜHRUNG KREMATORIUM 14.00 bis 14.30 Uhr: Begrenzte Teilnehmerzahl. Karten erhältlich am Stand der Friedhofsverwaltung. CHORAL, KLASSIK UND JAZZ 14.00 bis 16.30 Uhr: Musikalische Darbietungen der Posaunenmission Bethel. Leitung Joachim v. Haebler WOHNT OMA IN DEN WOLKEN? 14.00 bis 14.30 Uhr: Vortrag von Manuela Samotia, Sterntaler – Trauerbegleitung für Kinder e.V. Ort: Alte Kapelle


BESTATTUNGSMÖGLICHKEITEN 14.15 bis 15.15 Uhr: Führung mit Gabriele Moritz zu den Bestattungsmöglichkeiten auf dem Sennefriedhof. Start: Stand der Friedhofsverwaltung FÜHRUNG KREMATORIUM 14.30 bis 15.00 Uhr: Begrenzte Teilnehmerzahl. Karten erhältlich am Stand der Friedhofsverwaltung. KRIEGSGRÄBER 14.30 bis 15.30 Uhr: „Kriegsgräber – Begegnungen heute“, Führung mit Wolfgang Held, Start: Stand: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. BESTATTUNGSVORSORGE 15.00 bis 15.30 Uhr: Grundlagen einer sicheren Bestattungsvorsorge. Vortrag von Dr. Rolf Lichtner, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Bestatter e. V. Ort: Alte Kapelle AUSSTELLUNG SEELENBRETTER 15.15 bis 15.45 Uhr: Einführung in die Ausstellung. Gespräch mit Künstlerin Bali Tollak. Ort: Alte Kapelle KUNST IN STEIN UND BRONZE 15.15 bis 16.15 Uhr: Grabmale und Skulpturen. Führung mit Martina Hollmann. Start: Stand der Friedhofsverwaltung FÜHRUNG KREMATORIUM 15.30 bis 16.00 Uhr: Begrenzte Teilnehmerzahl. Karten erhältlich am Stand der Friedhofsverwaltung . VOGELSTIMMENWANDERUNG 15.30 bis 16.30 Uhr: Führung des NABU mit Bernhard-Georg Heine. Start: Neue Kapelle MULTIMEDIALE LESUNG 15.45 bis 16.15 Uhr: Sprach-Bilder-Reise mit dem Tod. Lesung des RumpelstilzchenLiteraturprojekts zu Bilderschauen von Siegfried Baron. Ort: Neue Kapelle HUMORVOLL STERBEN 16.00 bis 16.30 Uhr: Vortrag des Religionswissenschaftlers, Philosophs und Autors Harald-Alexander Korp. Ort: Alte Kapelle BESTATTUNGSMÖGLICHKEITEN 16.15 bis 17.15 Uhr: Führung mit Gabriele Moritz zu den Bestattungsmöglichkeiten auf dem Sennefriedhof. Start: Stand der Friedhofsverwaltung DA MÜSSEN WIR DURCH! 16.30 bis 17.30 Uhr: Führung mit Heinz Flottmann. Start: Stand der Friedhofsverwaltung DAS LEBEN NACH DEM TOD Aus muslimischer Sicht. 16.45 bis 17.15 Uhr: Vortrag von Dr. Cefli Ademi, ehrenamtlicher Öffentlichkeitsreferent des Bündnisses Islamischer Gemeinden in Bielefeld. Ort: Neue Kapelle VORSORGEREGELUNG 17.00 bis 17.30 Uhr: Vortrag von Thomas Ehnis, SKM Bielefeld e. V. über Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Ort: Alte Kapelle ENDE DER ERANSTALTUNG 18.00 Uhr: Bequem zum Ausgang mit der Mobilbahn bis 18.15 Uhr


Festschrift Sennefriedhof