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Ausgabe 1 / 1€

Jahrgang 2009/ Ausgabe 1/ 'n Euro

es inär g a Im er sive rzimm u l k e in Lehr

G8: Kindheit contra Karriere? + Interview mit dem ehemaligen Kultusminister Jürgen Banzer


Liebe Leserinnen und Leser, Manchmal dauert es etwas länger ans Ziel zu kommen. Erstens muss man planen, zweitens muss man beginnen die Pläne umzusetzen, drittens, und das ist der größte Schritt, muss man sie fertig stellen. Aber wenn man begeistert und nicht alleine ist, dann kann man diese Hürden doch irgendwie irgendwann überwinden. Genauso sieht es mit unserem Resultat nach eben so einem Hürdenlauf aus: eine neue Maresa Geerlings Schülerzeitung für die Diltheyschule. Nachdem wir die Idee über ein Jahr nur punkt. Chefredakteurin theoretisch vor Augen hatten, haben wir sie jetzt endlich real und praktisch vorliegen. Die ganze Redaktion kann jetzt erst einmal einen punkt. setzen, weil jetzt spannende Wartezeit ansteht, in der wir auf das Feedback unserer Leserinnen und Leser warten. Der erste Hauptpunkt. beschäftigt sich mit dem umstrittenen Thema G8, von dem ein Großteil unserer Schüler direkt betroffen ist. Während der Arbeit und Auseinandersetzung mit dem Thema haben wir auch einige unerwartete Facetten und Meinungen entdeckt. Liebe Schülerinnen, liebe Schüler und vielleicht auch manche Lehrerin oder mancher Lehrer, ich hoffe ihr habt/ Sie haben Spaß an der neuen DiltheySchülerzeitung, nachdem es über einen längeren Zeitraum leider keine mehr gegeben hat. Ein großes Dankeschön an den Universum-Verlag von Herrn Lube ist noch auszusprechen, ohne dessen Unterstützung das Erscheinen dieser ersten Ausgabe nicht möglich gewesen wäre. Eure Maresa

1


inhaltsverzeichnis. anfang.

poltik. Geringe Wahlbeteiligung, aber mit Gewinnern und Verlierern

Ein Kommentar zur Landtagswahl 2009 von Nicolas Jacobs

hauptpunkt. Wie schlechte Planung und Überstürztheit zu hohem Stress der Schüler geführt hat

Warum acht Abgeordnete mehr im Landtag sitzen

Ein Interview mit zwei Schülerinnen, die Betroffene der ersten Stunde von G8 sind

Interview mit dem hessischen geschäftsführenden Kultusminister Jürgen Banzer (CDU)

Der punkt.-Psychotest

2


kultur.

kunterpunkt.

Unsere Redakteurinnen Caro und Carla haben sich in Frankfurt näher umgesehen

Geht das KOZ den Schülern verloren?

Über das Frauenwahlrecht Vorstellung des Wiesbadener Kleidungsgeschäftes Was passiert so im Lehrerzimmer?

:

sport.

...packen aus!

Überraschungen, Enttäuschungen und Käse.

Was ist los in der SV und was in der Umgebung?

3

Caro und Carla begaben sich auf eine kleine Reise nach Frankfurt und entdeckten viele tolle Geschäfte. Lesenswert!

Diesmal mit Frau Sarnowksi 3


Die punkt.-Redaktion Maresa Geerlings, Chefredakteurin Man nehme Teamgeist, Fleiß, einen kleinen Schuss Naivität, eine ordentliche Portion Ehrgeiz und ein paar geheime Zutaten und das Resultat ist unsere Chefredakteurin, Maresa Geerlings. Diese Mischung ergibt ein Mädchen, das durchzieht, was sie anpackt, und das Beste herausholt, ob nun im Unterricht, beim Sport oder eben auch bei der Schülerzeitung. Neben all ihren Aktivitäten ist sie auch eine zuverlässige Freundin, die immer ein offenes Ohr für andere hat. Ihre musikalische Ader lebt sie an der Bratsche aus. Markenzeichen: verschiedenfarbige Augen. cp

Carla Petroll, Redakteurin Wenn Carla den Raum betritt, so geht die Sonne auf. Und das ist wirklich so. Denn mit ihrer Ankunft lösen sich alle Sorgen in Luft auf. Neben lustigen Gesprächen kann man sich mit Carla auch über ernste Themen unterhalten. Mit ihrem ganzen Engagement (sie ist Klassensprecherin, spielt eine Musicalhauptrolle und nimmt an fast jedem Wettbewerb teil) und ihren sehr guten Noten kann man Carla quasi als „Allround-Talent“ bezeichnen, denn nebenher spielt sie noch Hockey, macht Taekwando, spielt etwas Gitarre und singt ausgezeichnet. Mit anderen Worten: Jeder, der Carla kennt, möchte sie auf keinen Fall hergeben und dies wollen wir auch nicht! ch

Nikolas Jacobs, Redakteur Nikolas Jacobs, genannt Nickel, schreibt punkt.-Artikel für den Bereich Kunterpunkt und hauptsächlich für die Rubrik Politik, wofür er als außerordentlich engagierter und redegewandter Deutsch-Leistungskursler perfekt geeignet ist. Niceiel ist kommunikativ und setzt sich für mehrere Projekte ein und es dabei auch noch schafft, seine Teamkollegen motivieren. Nicht selten passiert es dabei, dass Nickel am liebsten mit dem Kopf durch die Wand will. Doch gerade dieser impulsiven Ader von Nickel ist die eine oder andere Finesse unserer neuen Schülerzeitung zu verdanken. Und in seiner Freizeit findet er schließlich den Ausgleich zu seinem sonst doch sehr turbulenten Leben. Er rudert sehr gerne und trifft sich oft mit seinen Freunden, bei denen er unter anderem aufgrund seines Humors sehr beliebt ist. Stundenlange Telefonate, bei denen der Humor auch nicht zu kurz kommt, während denen jedoch gerade auch ernstere Themen des Lebens diskutiert werden, gehören genauso zu ihm wie die Euphorie, die aufkommt, wenn alles so richtig glatt läuft. Von dieser Euphorie kann auch unsere Schülerzeitung im Besonderen profitieren. mg

Anja Frisch, Redakteurin Wenn alles nach Plan läuft, dann werden uns in nicht allzu ferner Zeit nicht mehr Tom Buhrow und Claus Kleber allabendlich zu den Tagesthemen oder dem Heute Journal begrüßen. Denn dann wird uns Anja Katharina Frisch aus dem Fernseher entgegenlächeln, charmant und klug. Insofern kann man ihre Tätigkeit bei punkt. durchaus als nur vorübergehendes Sprungbrett auf ihrer Karriereleiter ansehen. Doch vielleicht kommt auch alles ganz anders. Und das liegt gar nicht mal so sehr daran, dass sie von Zeit zu Zeit von unkontrollierbaren Lachanfällen heimgesucht wird, was im Fernsehen vor laufenden Kameras peinlich werden könnte. Nein, es liegt wohl auch an der Tatsache, dass ihre Interessenfelder sehr weit gesät sind, und solche Menschen wissen bekanntlich nicht, welches ihrer zahlreichen Hobbys sie zum Beruf machen sollen. Zugegeben, obwohl sie Tennis spielt und passionierte Radfahrerin ist, erscheinen hier ihre Berufsaussichten eher mau. Doch ihre Leidenschaft für die Malerei, die Literatur und die Musik könnte eines Tages doch in eines dieser kulturellen Berufsfelder führen. Wer nun neugierig geworden ist, wer sich hinter dieser Vorstellung verbirgt, der nimmt die Linie 23 in Richtung Breckenheim. Vier Mal im Jahr, zur Ferienzeit, wird man sie dort jedoch vergeblich suchen; denn dann ist sie mit ihrer Freundin Maresa, der Chefredakteurin dieser Zeitung, in ihrer zweiten Heimat: Bulgarien. nj

Marilena Gimnich, Lektorat Ein Notenschnitt von 13,7 Punkten spricht für sich. Marilena ist ein sehr kluger Kopf mit herausragenden schulischen Leistungen. Doch wer meint sie wäre eine Streberin und würde sich nur für die Schule interessieren liegt komplett falsch. Marilena ist leidenschaftliche JazzTänzerin und liest sehr gerne Bücher. Sie befasst sich am liebsten mit historischen Romanen oder Krimis. Dieser Lesespaß hat sie wohl auch dazu gebracht, in unserer Zeitung das Lektorat zu übernehmen. Auch ein Musikinstrument darf in ihrer Freizeit natürlich nicht fehlen: Marilena spielt schon seit einigen Jahren erfolgreich Bratsche. An Wochenenden mag sie vor allem das lange Ausschlafen, bei Musik entspannen und ihr Lieblingsessen genießen: Spaghetti mit Tomatensoße und Salat. Als humorvoller Mensch kommt sie bei ihren Freunden mit ihrer offenen Art gut an und ist hilfsbereit in jeder Hinsicht. al


René Klausen, Finanzen + Organisation Kleiner Kalender aus Leder, geklauter Kugelschreiber und ein Taschentuch in der Manteltasche, das ist, wenn man so will, das „Markenzeichen“ des René Pascal Klausen – unser Mann für Werbung & Finanzen. Nicht nur sein äußeres Erscheinungsbild macht ihn für diesen Job prädestiniert, sondern auch sein mathematisches Talent, denn er kann größere Rechnungen auch mal schnell im Kopf durchführen und ist nicht der „1+1-in-den- Taschenrechner-Eintipper“ wie manch anderer. Namen seien hier nicht genannt. Wer mit dem Gedanken spielt, dass in Zeiten der Finanzkrise diese Aufgabe einer der schwierigsten ist, liegt nicht ganz falsch, doch auch das wurde bedacht, denn bei René herrscht stets Rhythmus und Harmonie, schließlich spielt neben dem Orchester, der Musical AG und Männer WG die Musik auch in seiner Freizeit eine wichtige Rolle, für die Geige und das Klavier konnte er eine große Leidenschaft entdecken. Neben der Musik haben für René der Sport und das Reisen äußerste Priorität. Mit der Bezeichnung „Weltenbummler“ würde man wohl nicht ganz falsch liegen, denn René reist viel und gerne. Hinzu kommt als „i-Tüpfelchen“ sein ehrenamtliches Engagement, das keine Grenzen kennt. Tätig in einem Café wie auch bei zahlreichen Wettbewerben. Wie könnte er da nicht bei der neuen Schülerzeitung dabei sein? akf

Carolin Heymann, Redakteurin Sie ist der lebende Beweis des Sprichwortes „klein aber fein“ - Carolin Heymann. Da sie immer auf dem neuesten Stand über die Musikszene ist, liegt es nahe, dass sie eine der beiden Kulturredakteurinnen ist. Aber sie ist nicht nur ein Musikarchiv, sondern auch selbst in der Branche aktiv – in der Musical-AG, am Cello, Klavier und E-Bass (ihr Ein und Alles), beim Tanzen und außerdem in ihrem Musikblog gesehengehört im Internet. Wenn es ein Projekt gibt, ist Caro dabei. Neben dem Kultur-allround-Paket engagiert sie sich auch für ihre politsichen Standpunkte. Wenn man traurig ist, zaubert sie einem mit ihrem aufgeweckten, manchmal etwas verplanten Wesen ein Lächeln aufs Gesicht. Sie ist in jedem Falle ein Unikat! cp

Alexander Lauer, Redakteur „Ein Optimist, der dennoch die Realität nicht verdrängt.“ So beschreibt sich unser für den Sportteil zuständige Alexander Lauer, der aufgrund seiner großen Leidenschaft für Fußball und sein Snowboard genau der Richtige für diesen Job ist. Doch damit ist seine Interessenliste noch lange nicht zu Ende, denn er spielt zudem auch noch sehr gerne Gitarre. Trotz seiner zahlreichen freizeitlichen Aktivitäten wirkt Alexander –übrigens im Freundeskreise Ali genannt - immer munter und energiegeladen, weshalb er gerne mit Freunden ausgeht und das Nachtleben genießt. Es ist ihm in der Tat auch ein Leichtes, Menschen zu motivieren und ihnen bei Problemen zu helfen, was ihn dazu anregt, tiefgründige Gespräche mit ihnen zu führen, um eine geeignete Lösung zu finden. Alles in allem ist Ali also ein Junge, den man in vielerlei Hinsicht nicht missen möchte und der mit seiner Tätigkeit als Sportredakteur für unsere Schülerzeitung seinem Hobby Nummer 1 nur mit einem weiteren Stempel versieht, denn doppelt hält bekanntlich besser. sh

Piotr Potega, Layout + Setzung Meist kommt Piotr einem mit Kopfhörern im Ohr, rauchend und mit verschlafenem Blick entgegen. Doch jeder, der den Herrn mit dem Seitenscheitel und den Haaren im Gesicht ein bisschen näher kennenlernen darf, merkt wie aufgeweckt und intelligent der Kerl doch ist. So kann man sich mit Piotr über das Zeitgeschehen unterhalten sowie über etwas abstraktere Themen. Piotrs große Leidenschaft ist die Musik. So gründete er auch vor einem Jahr seine Band „in hope“, die unsere Schule beim Leonardo-Wettbewerb vertreten wird und das sicher würdig. Neben „in hope“ gründet Piotr fast jeden Monat eine neue Combo und so ist es etwas schwer ihm zu folgen, aber es muss gesagt werden, dass alle Projekte von Piotr wirklich gelungen sind. Das Designen liegt ihm übrigens im Blut. Könnten wir uns also jemand Besseren für unsere Designabteilung vorstellen? ch

Silke Heuer, Redakteurin Ein liebes Lächeln auf den Lippen, immer fröhlich, ein bisschen verrückt und sehr hilfsbereit, aber gleichzeitig auch ehrlich und direkt. Wer so viele Dinge gleichzeitig miteinander kombinieren kann? Das ist Silke, die für unsere Kategorie „Teste Dich“ zuständig ist. Mit Silke kann man super viel Spaß haben, aber sich auch über ernsthafte Themen und Probleme unterhalten. Sie besitzt ein gutes Einfühlvermögen, dass ihr bei ihrer Aufgabe bei punkt. besonders zu Gute kommt. In ihrer Freizeit spielt sie gerne Tischtennis, liest, schaut leidenschaftlich gerne Filme, besonders Schnulzen, geht gerne auf Partys, fotografiert viel und hört am liebsten immer und überall Musik. Silke ist auf jeden Fall eine Bereicherung für unser Team, da sie in einer Diskussion in der es mal heiß her geht, meistens durch ihrer nach Harmonie strebenden Ader, den Ernst ein wenig nehmen kann. mgee

5


„Mit ein wenig Geschick kann man sich aus den Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, eine Treppe bauen.“ Verschieden große Steine sind es, die dem Menschen heutzutage in den Weg gelegt werden. Doch in der Jugend bildet sich nach und nach ein Fundament, das die Schule im Wesentlichen mitbestimmt, denn diese ist nun mal ein großer Stein, mit dem ein jeder Jugendlicher konfrontiert wird und von dem aus entschieden wird, in welche Richtung die Treppe weitergebaut wird. „Kindheit oder Karriere?“ - Das scheint die Grundfrage zu sein, die durch das Wort G8, das, wenn man es in den Mund nimmt, nicht so richtig schmecken will, gestellt werden muss.

G8, die Verkürzung der

Gymnasialzeit von 9 auf 8 Jahre, scheint Letzterem den Vortritt zu gewähren. Der Druck auf die Schüler durch die Schule wird immer größer und die freizeitlichen Aktivitäten,

G8: Kindheit contra Karriere?

die

persönliche

für

die

Entwicklung

sehr

entscheidend

sind,

gelangen

immer mehr ins Hintertreffen. Ist G8 nur „gut gemeint“, aber leider nicht gut? Oder ist es doch nur zum Wohle der Kinder und kann mit

der

Erfahrung ein

Zeit,

mit

bekanntlich

zugespielter

Ball

der

die

wächst, werden,

der, wenn man ihn wegwirft, eine vergeudete Chance ist? Eines ist sicher: Es ist ein neuer Stein, der ein anderes Licht auf die Zukunft und den Weiterbau der Lebenstreppe wirft. akf


hauptpunkt. Ein kalter Wintermorgen im Januar, das

Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt

Thermometer

Der

und Mecklenburg-Vorpommern, in denen

Radiowecker geht an und das Update der

12 Schuljahre schon vor der Wende

Rob Green Morning Show von youfm

normal

dröhnt in Paulas Ohren, verschlafen fährt

Komplikationen zu finden. Sogar mehr als

sie hoch. Eine Stunde später um Punkt 8

das,

Uhr

im

Sachsen hat sehr gut bei der letzten

Klassenzimmer der 7b. Paula hat einen

Pisastudie abgeschnitten und befand sich

sitzt

zeigt

sie

auf

-4°C.

ihrem

Platz

waren, das

sind

dort

ostdeutsche

keinerlei

Bundesland

langen Schultag vor sich, noch bis 15 Uhr muss

sie

zusammen

mit

ihren

Klassenkameraden

die

drücken.

sie

Geschichte,

und

Französisch

Nachdem

Doppelstunde hinter

sich

Stunde

Physik gebracht

Pause.

Schulbank

haben,

Sie

ist

eine

verdrücken

das

Mensaessen und „chillen“ während der eigentlichen Hausaufgabenzeit. Als Paula gegen 16 Uhr nach Hause kommt, ist sie ziemlich müde, aber leider muss sie gleich weiterlernen. Turnen lässt sie heute mal wieder ausfallen. Diesmal wegen der bevorstehenden Arbeiten in Englisch,

Mathe

und

Chemie.

Ihre

im deutschlandweiten Vergleich im oberen

Trainerin wird wieder enttäuscht sein.

Mittelfeld. Trotzdem ist G8 besonders in Hessen und

Seit dem Schuljahr 2005/2006, als die

Bayern

jetzigen Achtklässler von der Grundschule

zwischen Schülern, Eltern und Politikern

auf das Gymnasium wechselten, ist die

geworden,

Schulzeitverkürzung

G8

Argumente aufgeführt werden.

Gymnasien

eingeführt

regulär

an

Hessens worden.

zu

einem bei

großen

dem

die

Streitpunkt folgenden

Für die Schulzeitverkürzung sprechen die

Nach den Vorstellungen der damaligen

schon

Bildungsministerin Karin Wolff sollte die

Sachsen<und Thüringen. Dort bestand

Verkürzung der Gymnasialschulzeit ein

die Gymnasialzeit schon vor der Wende

Erfolg werden. Wenn man mit den Neuen

aus nur 8 Jahren. Die Lehrer sind an

Bundesländern

diese Schulzeit gewöhnt und die Schüler

vergleicht,

Sachsen,

erwähnten

G8: Kinder contra Karriere? 7

Beispiele

aus


hauptpunkt.

zufrieden. Außerdem besteht ein großer

Ganztagsschulangebote

Unterschied, von der 5.-10. Klasse haben

Turbo-Abitur-Schülern

sie unverkürzten Unterricht, erst in der

wenn einige Schulen (die Diltheyschule

Oberstufe fällt der Stoff der 11. Klasse

mit einbegriffen) mittlerweile zumindest

weg. So wäre also ein Schuljahr mehr

ein Mittagessen und Hausaufgabenzeit

unnötig. Die Schüler kommen gut zurecht

bieten,

und haben immer noch genügend Freizeit.

Voraussetzungen noch an vielen Schulen.

Eine

Das Erlernen der Fremdsprachen ist auch schwieriger geworden. Denn wo bleibt die

frühere Einstieg in den Arbeitsmarkt und

Zeit um zu üben? Bei einer Klasse von 30

zweitens die damit verbundenen Chancen

Schülern hat jeder einzelne wenig Zeit

ermöglicht.

internationalen

sich mündlich zu beteiligen. Jetzt wurde

Vergleich sind die deutschen Abiturienten

die allgemeine Erlernzeit gekürzt, wo

zu alt.

bleibt Zeit für die praktische Übung im nicht

direkt

im

mit

Schulzeit

diese

ist

Denn

der

selbst

den Auch

unerwünscht, schließlich sind erstens der

Wer

Verlängerung

fehlen

werden geboten.

Studium

oder

Unterricht?

anderem durchstarten will, dem bleibt

Bei 33 Stunden pro Woche bleibt wenig

nach dem Abitur zudem Zeit, einerseits für

Zeit für außerschulische Aktivitäten. Die

ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen

hessischen Vereine melden schon jetzt

Auslandsaufenthalt, andererseits für den

niedrigere Mitgliederzahlen.

Bund oder den Zivildienst.

Nicht nur die Schüler sind gestresst, auch die Eltern fühlen sich oftmals überfordert.

Ein großes Problem ist aber, dass bei uns

Entweder sie büffeln regelmäßig mit ihren

in

anderen

Kindern, zumindest wenn diese noch

Bundesländern, in denen G8 erst seit ein

jünger sind, oder sie bezahlen teure

paar

Nachhilfestunden.

Hessen Jahren

und

in

eingeführt

den

wurde,

die

Lehrpläne nicht ausreichend entschlackt

Das

wurden, obwohl der Stoff der 11. Klasse

Turbo-Abitur ist, dass den Schülern in

wichtigste

nicht weggestrichen wurde. Im Gegenteil,

einer oft schwierigen Entwicklungsphase

die Schüler haben jetzt zwar weniger

des Lebens wenig Zeit für sich selbst

Schuljahre, dafür aber den gleichen Stoff

gelassen wird. Während einer Zeit voller

und mehr Stunden zu bewältigen.

Umstellungen und Veränderungen, der

Tatsächlich hat Karin Wolff vor drei Jahren

Pubertät,

doch

angesagt.

einiges

überstürzt.

Weder

eine

geringere Stoffmenge, noch genügend

G8: Kinder contra Karriere? 8

sind

Argument

Stress

gegen

und

das

Druck


hauptpunkt.

Oftmals haben es Teenager gerade jetzt schwieriger, andere Themen im Leben sind jetzt interessanter und wichtiger. Die Konzentration auf solch ein zukunftverbundenes Thema wie Schule und Abitur ist nicht leicht. Letztendlich gibt die Schulzeitverkürzung gerade diesen Schülern kaum eine Chance, sondern fördert einzig und allein die Elite. Insgesamt lässt sich sagen, dass G8 zu schnell und unbedacht eingeführt wurde. Versuchsklassen, in denen sich Schüler schon vor 2005 für eine kürzere Schulzeit entschieden haben, überspringen die 11. Klasse, die, laut Regierung, ohnehin fast nur aus Wiederholung besteht. Die G8-Klassen von heute sind Versuchskaninchen der CDU-Bildungspolitik, die kaum eine Chance haben sich zu verteidigen, wenn sie das Abitur anstreben. Nachdem Paula am Abend noch einmal Mathe mit der Hilfe ihres Vaters wiederholt hat, ist keine Zeit mehr bei Schülerverzeichnis mit ihrer besten Freundin zu plaudern. Müde und unzufrieden fällt sie ins Bett. mgee

G8: Kinder contra Karriere? 9


Die Betroffenen Sabina und Imke, 14 und 13 Jahre alt, besuchen die Klasse 8d unserer Schule. Sie gehören zum ersten G8-Jahrgang und haben uns als direkt Betroffene Rede und Antwort gestanden.

punkt.: Wie viele Stunden Unterricht

Hausaufgabenüberprüfungen und Tests.

habt Ihr pro Woche? Imke: Jetzt in der 8. Klasse haben wir 33

Wisst

Stunden in der Woche.

durchgenommen wird, das auf dem

Ihr,

ob

immer

alles

Lehrplan steht? Wie viel Zeit verbringt Ihr mit euren

Sabina: Manchmal erwähnen die Lehrer,

Hausaufgaben pro Tag?

dass wir einen Themenbereich nicht mehr

Sabina:

Ungefähr

eineinhalb

Stunden,

schaffen werden. Oftmals ist es auch so,

wenn keine Arbeit ansteht.

dass wir den Stoff aus dem vorherigen Schuljahr

im

nächsten

erst

beenden

Wie verbringt Ihr eure schulfreie Zeit?

können.

Imke: Ich spiele Fußball, mache Aikido,

Imke: Zurzeit sind auch manche Lehrer

treffe mich mit Freunden und lese gerne.

erkrankt,

Sabina: Ich fechte, spiele Klavier, treffe

außerdem haben wir Referendare und die

mich auch mit Freunden und lese viel.

haben uns oftmals nicht so gut unter

da

geht

Stoff

verloren,

Kontrolle, deshalb ist es oft laut und Habt Ihr es eilig die Schule zu beenden,

Unterricht ist fast unmöglich.

was ja dank G8 so sein wird? Sabina: Nein, eigentlich gehe ich gerne in

Denkt Ihr, G8 wird auch einen positiven

die Schule, weil ich dort meine Freunde

Nutzen für euch haben?

treffe und ich möchte noch nicht arbeiten

Imke: Wohl eher nicht, denn wir werden

gehen. : )

zusammen

Imke: Ja genau, arbeiten ist schrecklich

Neuntklässlern

(lacht).

Studienplätze werden sicher überbelegt

mit

sein. Außerdem

den

Abitur haben

jetzigen

machen. wir

nicht

Die die

Habt Ihr viel Stress mit den

Möglichkeit, während der 11. Klasse ein

Hausaufgaben und dem Lernen?

Auslandsjahr zu machen, ohne die Klasse

Imke: Ja, auf jeden Fall. Wir schreiben viele

Arbeiten

und

auch

sehr

danach zu wiederholen.

viele

Die Betroffenen 10


hauptpunkt.

Wie würdet Ihr die Ganztagsversorgung

habe

(Hausaufgabenzeit,

Hausaufgaben weiterzumachen. Viele aus

Essen)

an

der

keine

Lust

Klasse

gleich

mit

klagen

den

Schule bewerten?

unserer

Imke: Die Hausaufgabenzeit nutzen wir

Kopfschmerzen.

über

meistens kaum. Wir reden lieber und

Helfen Eure Eltern Euch beim Lernen?

halten uns auf dem Pausenhof auf, um

Imke: Ja, besonders wenn ich für Arbeiten

auch mal frische Luft zu schnappen.

lernen muss. Aber die Hälfte unserer

Sabina: Das Essen ist jetzt besser, man

Klasse hat Nachhilfe, weil es ihren Eltern

hat mehr Auswahl und es ist gut etwas

zum Beispiel wegen der Arbeit nicht

Warmes zu bekommen, aber wenn man

möglich ist.

mal nicht von der Kantine essen möchte, hat der Kiosk leider meistens nicht mehr

Danke

geöffnet.

Antworten!

Wie fühlt Ihr euch nach dem langen

mgee

Schultag? Sabina: Oft bin ich erst einmal müde und

Die Betroffenen 11

für

Eure

ausführlichen


Der Staat Geschäftsführender Kultusminister Banzer beantwortete uns einige Fragen.

Mit welcher Zielsetzung hat man G8

Die

eingeführt?

außerdem

Wir können und dürfen uns in Hessen

Oberstufe vor. Das macht auch Sinn,

nicht von dem Weg abkoppeln, den die

denn

anderen

gymnasialen

Bundesländer

internationalen

und

Nachbarn

unsere

gehen.

In

Kultusministerkonferenz eine

eine

dreijährige

alleinige

sieht

gymnasiale

Kürzung

Oberstufe,

z.

in

B.

der durch

Wegfall der Einführungsphase, hätte eine

anderen Bundesländern und in den

stärkere Belastung direkt vor dem Abitur

europäischen Nachbarländern besuchen

zur Folge gehabt. Das würde wöchentlich

Schülerinnen und Schüler 12 Jahre die

bis zu 43 Unterrichtsstunden pro Schüler

Schule und sind beim Abschluss ihres

in der Qualifikationsphase bedeuten.

Studiums zwischen 22 und 24 Jahre alt.

Zudem gilt es zu bedenken, dass es

Demgegenüber

Mittelstufenschulen

Schülerinnen

verlassen und

Schüler

deutsche später

die

Schülerinnen

Schule und weisen das

mit

gibt,

und

Schüler

deren nach

der

Mittelstufe in die gymnasiale Oberstufe Abstand

höchste

einer

anderen

Schule

Durchschnittsalter unter den europäischen

(Oberstufengymnasium) wechseln. In der

Hochschulabsolventen auf.

Einführungsphase haben sie Zeit, sich mit der neuen Schule und der Organisation

Aus welchem Grund wurde nicht wie in

vertraut zu machen, bevor ihre Leistungen

anderen Bundesländern die Oberstufe,

in

sondern die Mittelstufe verkürzt?

besonders

Alle Bundesländer, in denen G8 in den

Realschülerinnen

letzten Jahren eingeführt wurde, haben

von der Realschule in die gymnasiale

überwiegend in der Mittelstufe gekürzt.

Oberstufe wechseln.

Auch

die

Verteilung

der

von

Stundenzahl

von

Abitur

einfließen.

Dies

für

ehemalige

und

Realschüler,

gilt die

der

Kultusministerkonferenz verbindlich vorgegebenen

das

Können Sie schon eine Aussage über der

positive bzw. negative Tendenzen seit

Jahrgangsstufe 5 bis zum Abitur wurde

der Einführung von G8 machen?

ähnlich vorgenommen.

Der Staat 12


hauptpunkt. vergangenen Jahres mit einem 11-PunkteProgramm zur Entlastung bei G8 reagiert, das nach den Sommerferien im August in Kraft getreten ist. Unter anderem wurden die

Lehrpläne

überarbeitet,

ein die

weiteres

Mal

Anzahl

der

Klassenarbeiten und die Klassengrößen für G8-Schüler reduziert. G8-Schüler Ich

halte

intensiv

Kontakt

zu

den

Schulgemeinden und bin im letzten Jahr nahezu

jede

Woche

in

einer

sicherlich

zu

Tagen mit Nachmittagsunterricht soll von

Maßnahmen zur Entlastung bei G8 greifen

einem auf dem nächsten Tag nichts mehr

den nötigen Freiraum

aufgegeben werden. Zudem haben die

geben, um G8 so zu organisieren, dass es

Schulen

zur Schulgemeinde passt. An dieser Stelle Entwicklung und

durch

eine

veränderte

Verordnung seit diesem Schuljahr die

möchte ich in aller Deutlichkeit sagen, beobachte

die

hier ein klares Signal gegeben. An den

dass die von mir auf den Weg gebrachten

aufmerksam

Wahrnehmung,

ich im Rahmen des 11-Punkte-Programms

nach Schuljahresbeginn,

diese

eine

großer Unzufriedenheit führte. Daher habe

Die Rückmeldungen zeigten bereits kurz

ich

wenig

Dies war nach der Einführung von G8

auch, um das Gespräch zu G8 zu suchen.

dass

zu

Argument für gerechtfertigt?

oder

mehreren Schulen gewesen, vor allem

und den Schulen

bemängeln,

Freizeit zu haben. Erachten Sie dieses

Möglichkeit, den Unterricht flexibler über

sehr

die Woche zu verteilen, so dass der

weiteren

Nachmittagsunterricht

Anpassungsbedarf sehr sorgfältig prüfen

eingeschränkt

werde.

erheblich

werden

kann.

Die

Schülerinnen und Schüler haben so mehr Zeit für ihre Hobbys, Freunde und die

Wie

erklären

Sie

sich

die

große

Familie.

Unzufriedenheit der Schülerinnen und Schüler, die von G8 betroffen sind?

Auch

Das hatte mit Sicherheit mehrere Gründe.

der höheren Belastung nicht auch noch

Belastungen für die Schülerinnen und

eine

Schüler zu groß waren. Darauf habe ich Amtsantritt

im

Hausaufgabenanteil

des Landes, dafür zu sorgen, dass bei

bei der Umsetzung gezeigt hat, dass die

meinem

hohe

wird beklagt. Ist es nicht die Aufgabe

Der entscheidendste Aspekt war, dass sich

nach

der

Erhöhung

Hausaufgabenanteils erfolgt?

April

Der Staat 13

des


hauptpunkt. Im Vorfeld des 11-Punkte-Programms, das ich

und flächendeckend erweitern zu können, hält

zum Schuljahresbeginn auf den Weg gebracht

die

habe,

nochmals

Investitionsprogramm bereit. Die Schulträger, die

grundlegend überarbeitet und entschlackt, so

für Sanierung und Bau von Schulen zuständig

dass der Stoff nun zu bewältigen ist. Für

sind, können ab 2009 extra dafür bereit gestellte

Hausaufgaben gibt es darüber hinaus feste

Mittel für den Ausbau von Ganztagsschulen

Regelungen in Verordnungen: So sollen Schüler

nutzen.

wurde

der

G8-Lehrplan

Landesregierung

ein

gesondertes

der achten Klasse nicht mehr als eine Stunde

G8

täglich an den Hausaufgaben sitzen.

wird

häufig

als

Eliteförderung

angesehen. Wie stehen Sie zu dieser Haben hier nicht nur Schüler, die zu

Einschätzung?

Hause

Unterstützung

An der Stelle möchte ich darauf Bezug nehmen,

erhalten eine Chance, mit den sich neu

was ich bereits in der Antwort zur ersten Frage

stellenden

die

nötige

umzugehen?

gesagt habe. Die Verkürzung der Schulzeit auf

Ergibt sich nicht zwangsläufig eine

Problemen

12 Jahre ist kein Sonderweg oder gar einer der

Chancenungleichheit

Elitenförderung.

für

sozial

Was

die

Schulzeit

angeht,

schwächere Familien?

dürfen

Um mehr Chancengleichheit zu gewährleisten,

Schülern nicht die Möglichkeit nehmen, ihre

möchten wir bis 2015 ein flächendeckendes

Schulzeit genau in der Zeit zu beenden, wie sie

Angebot an Ganztagsschulen schaffen. Mit der

nationaler und internationaler Standard ist.

Ganztagsschule

können

wir

einer

wir

hessischen

Schülerinnen

und

immer

Schülerschaft

Ist die Einführung von G8 ein noch

bessere Lernerfahrungen sowie eine andere

anhaltender Prozess oder kann sie als

Form des Miteinander in der Schulgemeinschaft

abgeschlossen betrachtet werden?

bieten. Daher werden wir künftig nicht nur mehr,

Durch das 11-Punkte Programm wurde

sondern

von

bereits eine deutliche Entlastung bei G8

Ganztagsschulen fördern. Ab dem Schuljahr

erzielt. Dennoch ist es natürlich wichtig,

2008/09 wurde bereits allen G8-Schulen, die

den

bisher

Lehrern weiter zu verfolgen und G8 weiter

unterschiedlicher

werdenden

auch

kein

Möglichkeit

neue

Formen

Ganztagsangebot gegeben,

eine

hatten,

die

zu begleiten.

pädagogische

akf

Mittagsbetreuung einzurichten. Hierfür hat jede dieser Schulen 60.000 Euro für das Schuljahr 2008/2009 erhalten, um wie die anderen Schulen mit

pädagogischer

Betreuungsangebot

Mittagsbetreuung zu

realisieren.

Um

Dialog

ein das

Angebot der Ganztagsschulen zügig

Der Staat 14

mit

Schülern,

Eltern

und


??? ??? ??? ??? Wie beeinflusst G8 dein Leben?

+ Das hängt ganz von meiner Laune ab und davon, wozu ich Lust habe.

- Es liegt in meinem Interesse, mich auch

- Ich habe meist einen geregelten

außerhalb der Schule weiterzubilden.

Tagesablauf, der mir dabei hilft, meinen

+ Ich gehe am liebsten mit Freunden aus und

Pflichten nachzugehen und dennoch

mache Party.

genug Freizeit zu haben.

° Ich treibe gerne Sport und liebe Abenteuer.

° Ich bin oft erschöpft und folglich fällt

es mir sehr schwer, meine Hausaufgaben zu erledigen, zu lernen und noch andere Termine einzuhalten.

- hauptsächlich die Tatsache, dass ich mich weiterbilde. ° das alltägliche Zusammentreffen mit meinen Freunden + Mögen? Am meisten? Ich hasse Schule!

+ Ich kann mich nicht mehr auf das Wesentliche konzentrieren, bin verzweifelt und gebe schnell auf. - Ich gönne mir eine Pause, atme tief durch und versuche, schnellstmöglich einen Ausgleich zu finden, der mich wieder motiviert und mir Kraft gibt. ° Ich zwinge mich dazu, standhaft zu bleiben und durchzuhalten - es werden auch wieder bessere Tage kommen

° Ich verstehe und lerne schnell, wenn ich nur will. + Ich halte mich bei Weitem nicht für klug und das quält mich. - Ich habe keine Probleme damit, die Aufnahmefähigkeit meiner Mitschüler zu übertreffen.

- aufschlussreich, geistreich, lebendig + stressig, verpflichtend, energieraubend ° regulär, existentiell, prägend


??? ??? ??? ??? - Ich biete ihm an, ihn in den Ferien zu besuchen, wenn ich Zeit habe. + Ich freue mich, sage zu und hoffe darauf, dass ich in der Lage sein werde, den Stoff nachts lernen zu können. ° Ich lehne sein Angebot ab und bin traurig aufgrund der Tatsache, dass ich mich voll und ganz auf die Schule konzentrieren muss.

- Ich sehe den Leistungsdruck als eine Herausforderung an, die ich gerne annehme. + Ich denke, dass der lange Unterricht und der Druck, unter dem viele stehen, dazu beitragen, dass wir Schüler einiges im Leben verpassen und unglücklich werden könnten. ° Ich denke, wenn die PISA-Studien besser ausfallen, wie beabsichtigt, trägt G8 wenigstens zu etwas Positivem bei. Auflösung:

Wow! Du bist wirklich G8-tauglich, gerne in der Schule und hast kein Problem damit, mit dem Druck umzugehen, den die Schule auf viele ausübt. Du bringst leicht Interesse für Dinge auf

und kannst es kaum erwarten, einmal in die große Welt hinauszugehen und all die Chancen zu sehen, die du ergreifen könntest, weil Du mit Freude darauf hingearbeitet hast. Ein Lob für dich!

Du bist Dir deiner Pflichten bewusst und darüber, dass die Schule etwas Grundlegendes und

Wichtiges ist. Wenn Du unmotiviert bist, scheinst du immer einen Weg zu finden, Dich neu zu begeistern und aufzuwecken, um weiterarbeiten zu können. Du bist durchaus bereit und fähig, unter Druck zu arbeiten, um etwas aus Dir zu machen.

Du verbindest mit der Schule nichts Gutes, weil Du unter Druck nicht gut arbeiten kannst und Dich zu viel mit anderen Dingen beschäftigst. Versuche doch einmal, die Schule als etwas

anzusehen, das Dir etwas gibt, nämlich die Grundvoraussetzung, die Du brauchen wirst, um einmal ein glückliches Leben führen zu können. Setz Dich nicht selbst unter Druck und

versuche, deine schulischen Pflichten so in deinen Tagesplan einzubauen, dass Du Dich auch noch mit anderen deiner Interessen beschäftigen kannst. Und wenn das nicht immer

funktioniert, weil Du zu viel lernen musst, dann reiß Dich zusammen und freue Dich auf den nächsten Tag, an dem Du weniger zu erledigen haben wirst. Kopf hoch! sh


Landtagswahl in Hessen 2009 Am 18. Januar wurde in Hessen ein neuer Landtag gewählt – und das, obwohl erst ein Jahr seit der letzten Wahl vergangen ist. Hier haben wir für euch alles Wichtige dieser Wahl zusammengestellt – Ergebnisse, Analysen, Kommentare und Folgen…

+ Die Gewinner +++ Die FDP; sie errang ihr bestes Ergebnis in Hessen seit mehr als fünfzig Jahren, wurde drittstärkste Kraft, ist fast so stark wie die SPD und bildet nun mit der CDU eine Koalition. Die FDP ist der große Sieger dieser Wahl. Wenn sie ihr Ergebnis von 16,2% langfristig halten kann, was nicht völlig auszuschließen ist, wird ihr Einfluss kontinuierlich wachsen. ++ Die Linkspartei; trotz innerparteilicher Querelen vor der Wahl gelang es ihr erneut, in den Landtag einzuziehen und das sogar deutlicher als 2008. Zudem hat diese Partei die politischen Strukturen in Deutschland stark verändert. Ihr Landtagseinzug 2008 führte erst zu den hessischen Verhältnissen und zu der jetzigen Neuwahl. Ohne in der Regierungsverantwortung zu stehen hat sie allein dadurch schon politisch viel verändert.

CDU: 37,2%

+ Die Grünen; sie errangen ihr bestes Ergebnis in Hessen überhaupt und das beste Ergebnis der Grünen in einem Flächenland. Doch trotz einer nun im Vergleich zu 2008 doppelt so großen Landtagsfraktion haben die Grünen nur wenig Grund zur Freude; sie blieben hinter der FDP viertstärkste Kraft und in der Opposition. Und das mit einer so schwachen SPD als Wunschkoalitionspartner auf unabsehbare Zeit.

SPD: 23,7%

+ Die CDU; für Roland Koch und seine CDU sind +0,4% im Vergleich zu 2008 ein zu schwaches Ergebnis, gerade bei einer so schwachen SPD. Doch das wird die CDU nur geringfügig in den kommenden fünf Jahren stören. Denn eine so stabile schwarz-gelbe Koalition hat es in Hessen noch nie gegeben. + Dagmar Metzger; Amt, Mandat und Ruf in der eigenen Partei hat sie zwar verloren. Doch den Dank und den Respekt für ihr aufrechtes Verhalten hat sie gewonnen. Eine breite Mehrheit der Hessen steht hinter ihr. Dass sie für ihr Verhalten von ihrer eigenen Partei abgestraft wurde, hat weder der SPD noch der Demokratie gut getan.

18


politik.

- Die Verlierer --- Die SPD; tiefer kann der Fall einer Partei nicht sein. Bis 1987 regierte die SPD in Hessen seit dem Krieg ohne Unterbrechung. Heute, zwanzig Jahre danach, erreicht sie nicht einmal 24% der Stimmen. Nach der großen Euphorie 2008 nun der bittere Kater danach. Das Schlimmste für die SPD: Dieses Wahlergebnis zeigt, dass die Hessen-SPD auf lange Zeit das Vertrauen bei einem Großteil der Wählerschaft verspielt hat. Eine Regierungsübernahme 2014 rückt somit 13,7% trotz des Hoffnungsträgers Thorsten Schäfer-Gümbel in weite Ferne.

Sonstige: 3,8%

Grüne:

FDP: 16,2%

--- Andrea Ypsilanti; ob es wohl noch Einheiten gibt, um den Fall der Andrea Ypsilanti zu vermessen? Vor einem Jahr rief sie in der Wahlnacht noch: „Die Sozialdemokratie in Hessen ist wieder da!“ Sie war die Hoffnungsträgerin ihrer Partei und sollte die Soziale Moderne nach Hessen bringen. Ein Jahr und einen Wortbruch später musste sie uneinsichtig die Konsequenzen ziehen.

--- Die Demokratie; das einzige, was nach dieser Wahl wohl von niemandem bestritten werden kann, ist die Tatsache, dass die Demokratie in Hessen, aber auch in ganz Deutschland unter diesem Jahr sehr gelitten hat. Das Vertrauen der Bürger in die Politik ist weiter gesunken. Das ist vor allem, aber nicht nur der SPD in Hessen zuzuschreiben, die unter Linke:5,4% Andrea Ypsilanti zuerst Wortbruch beging und danach tatsächlich keinerlei Einsicht und Reue zeigte und stattdessen die eigene Partei mit Angriffen gegen die vier Abweichler spaltete. Diesmal waren es noch 61% Wahlbeteiligung; doch die Politikverdrossenheit hat in solchem Maße zugenommen, dass bald vielleicht nur noch die Hälfte der Wahlberechtigten zur Urne geht. Der aber vielleicht schlimmste Nachgeschmack: Die Parteien scheinen das Signal der Bürger nicht verstanden zu haben; trotz schwacher Erneuerungsversuche zogen sie letztendlich kaum Konsequenzen. nj

Landtagswahlen 2009

19


Standpunkt: Landtagswahlen weil es die Volksparteien immer seltener schaffen, große Teile ihrer Klientel links oder rechts der Mitte an sich zu binden. Hier kommt die CDU ins Spiel. Auch sie ist in der Krise. 37,2% für die stärkere Volkspartei sind wenig und das drittschlechteste Ergebnis für die HessenCDU in ihrer Geschichte. Auch hier gibt es natürlich für diese Wahl spezifische Gründe: Roland Koch ist eine Reizfigur, die für die einen der Grund ist, CDU zu wählen, für die anderen es unmöglich macht, ihr Kreuzchen bei der CDU zu setzen. Doch Roland Koch sollte nicht die Ausrede der Hessen-CDU für ihr Wahlergebnis werden. Denn wenn die eine Volkspartei überhaupt nicht von der Schwäche der anderen profitieren kann und in absoluten Zahlen sogar Wähler verliert, dann ist nicht nur ihr Spitzenkandidat das Problem. CDU und SPD haben bei dieser Wahl zusammen nur etwas über 60% der Stimmen erhalten. Bei einer Wahlbeteiligung von 61%. Zugegeben, diese Wahl und ihre Umstände waren außergewöhnlich. Doch gerade solche Wahlen erfordern Konsequenzen in den Parteien. Dass sich die SPD von Ypsilanti und die CDU von den Studiengebühren getrennt haben, ist zu wenig. Zu wenig, um dem Anspruch einer Volkspartei gerecht zu werden.

Die hessischen Verhältnisse sind beendet, es gibt eine klare schwarz-gelbe Mehrheit, die wohl bis 2014 regieren wird. Das ist sicher die wichtigste Botschaft nach dieser Landtagswahl. Wichtig ist sicher auch der Vorsprung, mit dem CDU und FDP in Hessen gewonnen haben, in einem Bundesland, in dem sonst meist nur sehr knappe Mehrheiten zustande kamen. Doch weniger offensichtlich, aber umso bedeutender ist die Schwäche der Volksparteien CDU und SPD. Das Ergebnis der SPD ist ein sehr tiefer Fall, für den es gleich mehrere Gründe gibt. Dass die Partei sogar weniger als ein Viertel der Stimmen erhielt, ist sicher auf den Wortbruch zurückzuführen. Er hat der SPD gleich doppelt geschadet. Zum einen, weil viele Wähler, die 2008 noch SPD gewählt hatten, Ypsilantis Versprechen, nicht mit der Linkspartei zu kooperieren, geglaubt hatten und sich nach dem Wortbruch enttäuscht von der SPD abwandten. Zum anderen, weil wiederum ein anderer Teil der SPD-Wählerschaft enttäuscht von den vier Abweichlern und dem Scheitern der rot-grünen Minderheitsregierung war. Doch der Wortbruch und die Abweichler sind nur die Gründe für die enorme Tiefe des Falls der Hessen-SPD. Verloren hätte die SPD auch so. Zum einen aufgrund der allgemein pessimistischen Stimmung gegenüber der Großen Koalition im Bund, zum anderen,

Standpunkt. 20


Politik

Begriffserklärungen:

Volkspartei:

¹Hessische Verhältnisse: Da es in Hessen

Volksparteien

schon zwei Mal, einmal in den 1980er

ganzen Land und auf allen Ebenen immer

Jahren

wieder

und

nun

zwischen

der

Parteien

eine

der

werden

wenn

sie

stärksten

Parteien

werden,

2009,

geschäftsführende

drittstärkste Partei, und wenn ohne sie

Landesregierung und somit keine klaren

Regierungsbildungen nicht möglich sind.

Mehrheiten im Landtag gab, nennt man

In Deutschland gibt es traditionell zwei

diesen Zustand hessische Verhältnisse,

Volksparteien,

da es einen solchen Zustand besonders

Demokratische Union Deutschlands) und

häufig in Hessen gab.

die

nur

SPD

mindestens

im

Landtagswahl 2008 und der Neuwahl eine

also

genannt,

die

zweit-

CDU

(Christlich

(Sozialdemokratische

Deutschlands).

Die

oder

CDU

Partei

ist

die

Geschäftsführende Landesregierung: Bei

Volkspartei rechts der Mitte und die SPD

seiner

ist die Volkspartei links der Mitte.

ersten

Landtagswahl

Sitzung muss

der

nach

einer

Landtag

in

Hessen einen neuen Ministerpräsidenten

Absolute Zahlen: In Deutschland werden

und eine neue Landesregierung wählen.

Wahlergebnisse in Prozent angegeben.

Wenn es aber, wie im vergangenen Jahr

Diese

nach der Wahl, keine Mehrheit für einen

Verhältnis der Stimmen einer Partei zu

Kandidaten, also in diesem Fall Roland

den insgesamt abgegebenen Stimmen (à

Koch und Andrea Ypsilanti, gibt, bleibt der

Höhe der Wahlbeteiligung) angegeben.

bisherige

seine

Das heißt, dass eine Partei prozentual

Regierung solange geschäftsführend im

gewinnen oder verlieren kann, obwohl sie

Amt, bis es eine Mehrheit gibt oder es zu

in absoluten Zahlen, also der Anzahl der

Neuwahlen kommt. Letzteres ist 2008 in

Wählerstimmen in Wirklichkeit verloren

Hessen

Ein

oder gewonnen hat. Ein Beispiel ist das

geschäftsführender Ministerpräsident und

Ergebnis der CDU bei dieser Wahl; sie

eine geschäftsführende Landesregierung

gewann 0,4% mehr der Stimmen, aber

haben im Landtag zwar keine Mehrheit

nur weil die Wahlbeteiligung sank. In

und

absoluten

Ministerpräsident

können

und

geschehen.

somit

nur

selten

neue

Prozentzahlen

Zahlen

Gesetze verabschieden, aber sie führen

tausend Stimmen.

die laufenden Geschäfte weiter.

nj

Standpunkt. 21

verlor

werden

sie

als

mehrere


Und auf einmal waren es 118… Warum der neue hessische Landtag acht Abgeordnete mehr hat und was es mit den Überhangsmandaten auf sich hat Es ist erst knapp ein Jahr her, da wurde der neue Plenarsaal des hessischen Landtags in der Wiesbadener Altstadt fertig gestellt und seiner Funktion übergeben. Seitdem können die Fernsehzuschauer des Hessischen Rundfunks bei Übertragungen von Plenarsitzungen am Bildschirm nachvollziehen, wie viel angenehmer es die Abgeordneten in ihrer neuen lichten Umgebung haben. Und wie viel enger. Denn die neue Transparenz und Offenheit hatte ihren Preis. Der neue Plenarsaal ist wesentlich kleiner als sein Vorgänger, doch die Zahl der Abgeordneten blieb bei 110. Doch ab dem 5. Februar, dem Tag, an dem der neu gewählte Landtag zum ersten mal zusammentritt, wird es noch ein wenig enger, müssen die Abgeordneten noch stärker zusammenrücken. Denn der 18. Januar hat Hessen nicht nur klare Mehrheiten gebracht, sondern auch acht Abgeordnete mehr, statt 110 also 118. Der Grund hierfür sind die so genannten Überhangmandate. Diese Mandate gibt es deshalb, weil das deutsche Wahlsystem eine Mischung aus Mehrheitsund Verhältniswahlrecht ist. Deshalb besitz jeder Wahlberechtigte auch zwei Stimmen bei einer Wahl. Mit der Erststimme wählt er direkt einen Kandidaten für seinen Wahlkreis. Da es 55 Wahlkreise in Hessen gibt, ist also genau die Hälfte der Abgeordneten in Hessen direkt gewählt. Die Zweitstimme ist die Landesstimme, mit der man eine Partei wählt. Diese Stimme ist die Stimme, die entscheidet, wie viel Prozent eine Partei bekommt. Das heißt, die CDU hat bei dieser Wahl zum Beispiel 37,2% der Zweitstimmen erhalten. Diese

Prozentzahl gibt an, wie viele Kandidaten einer Partei von der Landesliste, die jede Partei zuvor aufgestellt hat, in den Landtag einziehen. Ein Beispiel: Ein SPDKandidat aus Wiesbaden verliert nach Erststimmen gegen seinen CDUGegenkandidaten. Der CDU man zieht direkt für Wiesbaden in den Landtag, der SPD man wäre dann nicht im Landtag. Wenn dieser Politiker aber zum Beispiel auf Platz 4 der Landesliste der SPD steht, dann kommt er doch in den Landtag. Denn die andere Hälfte der Abgeordneten, also auch 55, zieht über die Landesliste in den Landtag ein. Wenn nun aber eine Partei mehr Direktmandate gewinnt als sie Zweitstimmen bekommen hat, dann entstehen Überhangmandate. Bei dieser Wahl ist genau das geschehen. Nach dem Zweitstimmenergebnis der CDU hätte sie 42 Sitze im Landtag erhalten. Aber sie hat 46 von 55 Wahlkreisen direkt gewonnen. Das heißt, sie entsendet also vier Abgeordnete mehr in den Landtag als eigentlich vorgesehen. Damit die CDU im Landtag aber nicht unverhältnismäßig stark vertreten ist, gibt es die so genannten Ausgleichsmandate. Deshalb erhielten die anderen vier Parteien zusammen auch vier Sitze mehr. Aus diesem Grund sitzen im neuen Landtag zukünftig acht Abgeordnete mehr, also 118 statt 110. Ab dem 5. Februar werden die Abgeordneten also für die nächsten fünf Jahre dicht an dicht sitzen. So werden die Politiker, die sich in Hessen wie in kaum einem anderen Bundesland gegenseitig attackieren, sich zumindest räumlich einander annähern. nj

Und auf einmal waren es 118 22


WIR BRAUCHEN EUCH! Die Schülerzeitung Punkt. sucht noch Unterstützer und Helfer in folgenden Gebieten:

-Redakteure -Organisatoren (Finanzen, Sponsoren, Verkauf, Druck) -Fotografen -Webmaster (Homepage der Schülerzeitung) -…

…Ihr seht, es gibt noch genug zu tun und wir können jede Hilfe gebrauchen. Euch erwartet ein motiviertes und nettes Redaktionsteam! Wenn ihr Lust bekommen habt, dann sprecht uns an, werft einen Zettel in den SV-Kasten oder schreibt eine Mail an punkt.zeitung@web.de. Wir freuen uns auf Euch! Euer Punkt.Team


Frankfurt Nordend - eine Kultur für sich Kälte, Cafés, Läden und zwei Redakteurinnen mittendrin

Ein kalter Tag soll es werden, als wir,

Gegend gestoßen sind, eine Herberge

Carla und Caro vom Kulturteil Eurer neuen

vieler Konzerte und Veranstaltungen. Der

Schülerzeitung punkt., uns am Bahnhof

Innenraum

treffen, um nach Frankfurt zu fahren und

Veranstaltungssaals besitzt neben einem

für

Stehbereich

Euch

eine

Reportage

über

eine

des auch

großen

eine

Tribüne

mit

Gegend zu schreiben, die so einzigartig

Sitzplätzen oben im zweiten Stock, von

ist, dass man ganz genau hinschauen

wo aus man nach unten auf die Bühne

sollte, um die außergewöhnlichen Cafés

schauen kann. Uns beiden fiel dabei

und Läden nicht zu übersehen.

besonders

Der Schnee blendet, die Sonne strahlt

Frankfurter Hof in Mainz auf, den die

trotz etwas grauen Himmels, und wir

Besucher

machen es uns im Regionalexpress gen

vielleicht

Frankfurt Hauptbahnhof gemütlich. Von

Sondervorstellungen der Musicals „Der

dort aus geht es mit der U-Bahn bis zum

kleine Horrorladen“ und „Die Schöne und

Merianplatz und mitten ins Kernstück des

das Biest“ kennen.

Frankfurter Nordends.

Das Schokoatelier ist in Urlaub und so

Da

sind

wir

nun.

Ohne

jeglichen

müssen

die

Ähnlichkeit

der

großen

noch

wir

unser

mit

dem

Musical-AG von

den

Bedürfnis

nach

Routenplan, doch das macht nichts, wenn

Schokolade unterdrücken und es dauert

man sich erst mal einen Blick von der

nicht lange, bis das „Mampf“ oder auch „In

Lage verschaffen will und die Umgebung

The Mood For Jazz“ entdeckt wird. Ein

auf glatten Straßen erst mal wieder ins

Lokal, bei dem draußen einfach zwei

Gedächtnis rufen muss.

Namen ausgehängt sind. Wie der Name

Vorbei geht es am Café Kante, doch von

schon andeutet, kann man es sich dort

der U-Bahn direkt ins Café zu gehen,

mehrmals die Woche abends zu Jazz-

dafür sind wir noch nicht bereit, obwohl die

oder Indie-Konzerten gemütlich machen.

Temperatur uns genügend Grund gegeben

Nach einstündigem Herumstreunen und

hätte. Wir begeben uns

Zurückkehren auf die Berger Straße, die

lieber in die

Waldschmidtstraße,

am

vorbei,

Schokoladenatelier-

einem

Mousonturm

ewig

lange

Straße

voll

bepackt

mit

ausgefallenen Geschäften, einem Kino

Wegweiser folgend.

und

Der Mousonturm ist übrigens der Grund,

eingefroren ins Café Leidenschaft.

vielen

weshalb wir beide überhaupt auf diese

Frankfurt Nordend 24

Cafés,

begeben

wir

uns


Kultur

Das Café Leidenschaft und uns verbindet ein ganz besonderes Verhältnis. Denn im Café Leidenschaft entstand im Oktober 2008 der Entschluss, auf jeden Fall wieder in die Gegend um die Berger Straße herum wiederzukommen. Und so setzen wir uns in das Café, in dem es unserer Ansicht nach den besten Chai Latte der Welt gibt. Caro entscheidet sich für einen Chai Latte Vanille und Carla für die Power Variante. Neben dem besten Chai Latte der Welt hat das Café Leidenschaft außerdem noch eine äußerst sympathische Bedienung vorzuweisen. Bediente uns im Oktober noch ein netter warmer Herr, der nicht aufhören konnte zu lächeln so ist es bei unserem zweiten Mal eine unglaublich charismatische Dame. Unser Herr steht übrigens dieses Mal an der Bar und wirft uns ein breites Grinsen zu. Beim Chai-Latte-Schlürfen kommt endlich Licht in unsere bisher so verworrene Vorgehensweise der Erkundungstour, denn Caro packt ihren Frankfurter Stadtplan und einen Stadtführer einer Jugendzeitschrift aus und Carla bestimmt die Route für den restlichten Tag. Unser erster Anlaufpunkt lautet „Land in Sicht“, ein Buchladen, der etwas abseits der Einkaufsstraßen des Nordends liegt. Ein vielversprechender Name nach unserer anfänglichen Orientierungslosigkeit, finden wir, als wir das Schild lesen. Aus dem Laden scheint warmes, gelbliches Licht auf die Straße

und lädt dazu ein, der nassen Kälte zu entfliehen. Als die Tür hinter uns zufällt wandert der Blick über mit Bücherregalen zugestellte Wände und überfüllte Auslagetische. Wir werden freundlich von einer Verkäuferin begrüßt, die auf die Frage, ob wir Fotos für unsere Schülerzeitung machen dürfen, überrascht, aber interessiert reagiert. Beim Umschauen versinken wir zunächst in die Auswahl von Büchern und müssen der Versuchung widerstehen, die kleinen Sitzecken zum Schmökern zu nutzen. Schließlich haben wir ja noch viel vor! Im Gespräch mit der Verkäuferin erfahren wir, dass sich vor 30 Jahren eine Gruppe zusammenschloss um den Buchladen als ein Projekt zu gründen, das eine Alternative zum üblichen Buchgroßhandel bieten sollte. Etwa um die gleiche Zeit gründeten sich in Frankfurt noch andere Buchhandlungen mit den gleichen Interessen. Heute arbeiten sie zusammen und sind auch im Internet zu besuchen inklusive Buchempfehlungen (kommbuch.com). Man kann davon ausgehen, bei „Land in Sicht“ nicht jedes Buch zu finden, aber jedes, das man findet, hat einen Grund dort im Regal zu stehen. Denn die Buchhändler wählen ihre Ware aus und überdenken jedes Buch. Man wird in diesem Laden zum Beispiel keine Ratgeber oder sämtliche Promi-Biografien finden, denn davon kann man ja auch reichlich im Großhandel

Frankfurt Nordend 25


Kultur bekommen. Man kann sich also auf eine gute und zuverlässige und vor allem sympathische Beratung verlassen. Obwohl oder gerade weil das Konzept sich so von Erfolgsbuchhandlungen wie Buch Habel unterscheidet, lief der Laden in seinen 30 Jahren immer gut. Wir verlassen den Laden schweren Herzens, aber mit der Gewissheit, dass dies nicht unser letzter Besuch war. Draußen werden wir erneut von der Kälte übermannt und machen uns mit eingezogenen Köpfen auf den Weg zu unserer nächsten - diesmal geradezu mythischen - Station, die endlos lang erscheinende Heidestraße hinauf. Wir biegen also rechts in die Höhenstraße ab und erblicken sofort ein blaues Schild, auf dem „Mythos“ steht. Es handelt sich um einen Second-hand-Plattenladen, das heißt, man kann dort Platten kaufen sowie verkaufen. Während Carla draußen noch ein paar Fotos schießt, begibt Caro sich bereits hinein und durchsucht all die Platten, und das sind sehr, sehr viele. Als Carla dann nachkommt, fragt uns der Besitzer, ein schwarzhaariger Mann mit schwarzer Lederjacke und braungebrannter Haut, ob er uns denn helfen könne. Hilfe brauchen wir nicht, dafür aber Fotos für die Schülerzeitung, um die Wände, voll bespickt mit antiken Schallplatten, festzuhalten. Also fragen wir ihn, ob dies denn möglich sei und sofort kommt er uns zuvor und fragt mit einem Augenbrauenzucken ob wir denn nicht ihn fotografieren wollen. Als wir nach kurzem Auflachen es schließlich vorhaben, wehrt der sympathische Herr es galant ab. Gut,

letztendlich weist er uns dann auf die Wände hin. Carla fotografiert und Caro verliert sich in den hinteren Räumen. Auf die Frage hin, ob denn alles verkäuflich sei, antwortet der Besitzer nur mit „Alles, nur nicht ich.“ Schade eigentlich. Nachdem wir uns oberflächlich ein Bild von dem Laden verschafft haben, starten wir eine kleine Befragung des Besitzers, die mit keiner anderen Frage als der nach dem Namen des Plattenladens beginnt. „Mythos“, eigentlich sollte ja so ein Name eher auf einen etwas düsteren oder besser dunklen, wie der Name schon sagt, mythischen Laden hinweisen. Doch weit gefehlt, wie wir nämlich erfahren, haben wir es mit einem Griechen zu tun, der seinen Laden einfach nach einem griechischen Bier benannt hat, ein Rocker wie er im Buche steht. Der Laden existiert übrigens schon seit 30 Jahren und lebt sowohl von Stammkundschaft als auch von Neulingen, so wie uns beiden, die ihren Weg dorthin finden. Dies liegt besonders am derzeitig wieder angesagten Aufschwung der Schallplatte, sie ist sozusagen wieder in Mode. Die machte sich, wie er uns berichtet, zum Beispiel auch an der Erscheinung des neuen ACDC-Albums bemerkbar, das vorher nur in CD-Form erschienen war. Diese Platte gibt es im „Mythos“ übrigens viel billiger als auf dem restlichen Markt. Wieso? „Weil ich Grieche bin“, antwortet er wieder mit seinem Augenbrauenzucken und einem breiten Grinsen.

Frankfurt Nordend 26


Kultur

schon bis hierher gelaufen sind, entscheiden wir uns auch noch einen zweiten Plattenladen zu besuchen, der noch weiter nördlich liegt. Auf dem Weg bringt uns der Aufdruck auf einer Hauswand „Solidarität für Griechenland“ zum Schmunzeln und wir fühlen uns an unseren patriotischen Plattenhändler erinnert. Beim Plattenladen „Lucky Star Records“ angekommen stehen wir zu unserer Enttäuschung vor verschlossenen Türen, können aber durch das kleine Schaufenster in einen sehr bunten und sehr ansprechenden Laden schauen. Wir machen uns auf den Weg zu "Heimspiel", einem Designladen, doch auch hier haben wir kein Glück, denn das Geschäft öffnet nur auf Absprache. Ein Blick ins Schaufenster zeigt bunt gemischte Möbelstücke im 60er/70er/Retro-Stil. Es wird jetzt zunehmend dunkel und wir versuchen uns mit dem Gedanken an das warme gemütliche Café Kante zu erheitern, was unsere Schritte deutlich beschleunigt. In besagtem Café müssen wir feststellen, dass wir wohl nicht die einzigen Frierenden in Bornheim sind, denn das kleine, altmodische Café ist bis auf den letzten Platz voll. Wir geben aber nicht auf und steigen nochmal in die U-Bahn, die uns zur Konstabler-Wache bringt. Nach einem kurzen Marsch auf der Zeil beschließen wir ins Dachcafé zu gehen, dass sich im siebten und obersten Stockwerk des Zeilgalerie befindet. Wir lassen es uns nicht nehmen noch kurz auf

die Aussichtsplattform zu steigen und das bei Nacht üppig beleuchtete Frankfurt zu bewundern. Fünf Minuten und ein paar Erinnerungsfotos später sitzen wir in einer Ecke des Dachcafés und trinken im gemütlichen Halbdunkel der indirekten Beleuchtung einen Tee, während langsam wieder Gefühl Finger und Zehen strömt. Wir lassen den Tag Revue passieren und stellen fest, dass wir es mit offenen, gesprächsfreudigen und warmherzigen Menschen - mit Ausnahme vielleicht der Bedienung im Dachcafé, die merklich nach dem Feierabend lechzte - zu tun hatten und unser Repertoire an interessanten Orten wieder einmal um einige Unikate erweitert haben. ch cp

Frankfurt Nordend 27


Eckpunkt: AiLAIK Für den Kulturteil unserer Schülerzeitung haben wir uns etwas ganz besonderes ausgedacht. In jeder Ausgabe werden wir euch eine ganz besondere Ecke Wiesbadens vorstellen, meist Läden und Geschäfte, die man auf jeden Fall als Wiesbadener besucht haben sollte. In unserer ersten Ausgabe möchte ich euch das

großen

AiLAIK vorstellen, ein wirklich einzigartiger Laden.

hervorbringen.

Ich machte mich also am Samstag, den 17. Januar,

Natürlich ist es für einen Laden, wie das AiLAIK es

auf den Weg in die Webergasse (für alle, die mit

ist, nicht leicht, sich nur mit lokalen Marken über

Straßennamen nichts anfangen können, einfach

Wasser zu halten und so führt das Geschäft auch

die Langgasse bis zum Ende, Richtung Kranzplatz,

größere Marken, wie „Vans“, „Zoo York“, „East

laufen und dann rechts) und betrat kurz vor 18 Uhr

Pak“, „American Apparel“ oder „Cleptomanicx“ aus

den Laden. Gleich wurde ich gefragt, ob man mir

Hamburg.

denn helfen könne und als ich das Interview für die

„Wenn Menschen die Namen großer Marken über

Schülerzeitung

der Ladentür stehen sehen, so kommen sie

ansprach,

war

die

Bereitschaft

Künstlern

auch

politische

Themen

groß.

natürlich eher rein “, erklärt uns Felix, Lindas

Das AiLAIK wurde von den Schwestern Linda und

Freund, der ihr öfters im AiLAIK aushilft, weil Linda

Kathrin Zimmermann gegründet und wird auch von

und Kathrin neben dem AiLAIK noch mit ihrem

ihnen geführt. Wie das kam? Einige Jahre haben

Vater einen Laden in Frankfurt führen und sich so

die beiden in Frankfurt gearbeitet, aber nun zog es

ihre Arbeitszeiten in Wiesbaden aufteilen müssen.

sie zurück nach Wiesbaden und das was in ihrer

Während eine der beiden in Wiesbaden ist, ist die

Heimat gefehlt hat, war einfach ein Laden, der nicht

andere gleichzeitig in Frankfurt.

die ganzen gleichen Sachen, wie man sie auch in

Das AiLAIK ist also nicht einfach nur ein Laden,

der Fußgängerzone findet, verkauft, sondern eine

wie jeder andere, ich hoffe davon konnte ich euch

Bandbreite

von

jetzt etwas überzeugen, sondern er tut auch viel für

Marken, die nicht überall auffindbar sind. Wenn

die Kultur Wiesbadens. So finden dort oft auch

man das AiLAIK also betritt, so fallen einem sofort

Ausstellungen statt (erst jetzt stellten dort zwei 14-

die bunten Farben und die außergewöhnlichen

jährige

Unikate auf, die dort ausgestellt sind. Dies liegt

selbsterstelltes Skatemagazin „In View“ vor), die

daran, weil das AiLAIK unter dem Slogan „Support

auch manchmal von Livemusik unterlegt werden.

Your Locals“ Wiesbadener Künstler unterstützt und

Also was bleibt einem da noch viel zu sagen? Die

ihnen eine Grundlage für ihre Werke bietet. So

Atmosphäre im Laden ist so warm und locker, dass

findet man dort zum Beispiel das Wiesbadener

ich auch noch nach 18 Uhr drinnen saß und etwas

Label „Wemoto“; welches mittlerweile nicht nur in

zu trinken angeboten bekam. Ich kann nur noch

Wiesbaden an Bekanntheit errungen hat, eine

sagen „I like AiLAIK“ und ich denke nicht, dass es

Taschenkollektion zweier junger Frankfurterinnen,

ein besseres Geschäft für die erste Ausgabe der

sowie

„Punkt.“ geben könnte.

an

ausgefallenen

Schmuck

eines

Klamotten

Wiesbadener

Wiesbadener

Skaterjungs

Goldschmiedemeisters. Am meisten hat es mir

www.ailaik.com/

jedoch der Künstler „Auxpeer“ angetan, dessen mit

ww.myspace.com/ailaik_wiesbaden

Streetart besprayten Leinwände hinter dem Tresen

ch

des AiLAIKS hängen und die neben Porträts von

Eckpunkt: AiLAIK

28

ihr


Kinotipp: Der fremde Sohn Eine Filmkritik zu Clint Eastwoods Film mit Angelina Jolie, Michael Kelly und Jeffrey Donavan

Wer die Bilder des amerikanischen Malers Edward Hopper

Vermisstenfall Walter eine überraschende und grausame

mag, wird diesen Film lieben. Man könnte auch sagen:

Wendung…

Regisseur Clint Eastwood hat das Amerika der 1920er und

Der fremde Sohn ist ein irreführender Titel für einen Film, in

1930er Jahre filmisch so dargestellt, wie Hopper genau

dem der fremde Sohn nur eine untergeordnete Rolle spielt.

diese

In diesem Film geht es um etwas ganz anderes. Es geht um

Zeit

in

seinen

Bildern

eingefangen

hat.

Das wird schon in den ersten Filmszenen deutlich, wenn

die Angst und Verzweiflung einer Mutter, die nicht weiß, was

Angelina Jolie, blass geschminkt und mit einem dieser

mit ihrem Sohn geschehen ist. Und es geht um dieses

typischen 20er Jahre Hüte auf dem Kopf, die allein

korrupte und dennoch irgendwie faszinierende Amerika der

erziehende

20er Jahre. Von diesem Film werden einem einige Szenen

Mutter

Christine

Collins

verkörpernd,

die

Leinwand betritt. Wir befinden uns in Los Angelos im Jahr

im

1928. Christine Collins erlebt das, was für jede Mutter wohl

umhergehende Christine Collins, die vor sich einen Jungen

der größte Horror ist. Als sie von der Arbeit nach Hause

sitzen hat, der sie Mama nennt und behauptet, ihr Sohn zu

kommt, ist ihr Sohn Walter spurlos verschwunden. Erst nach

sein. Oder die nackt in der Dusche der Psychiatrie

einiger Zeit erklärt sich die Polizei von LA bereit, der

kauernde Christine Collins, die von brutalen, gefühlslosen

Vermisstenmeldung nachzugehen. Fünf Monate später

Aufseherinnen mit einem kalten Wasserstrahl gepeinigt

scheint der Fall geklärt und Christine Collins ihren Sohn

wird.

wiederzubekommen. Doch es kommt anders. Anstatt ihren

Schauspielleistung von Angelina Jolie im Kopf, von der der

Sohn Walter in die Arme schließen zu können, muss sie vor

Film lebt. Dieses Einfühlungsvermögen in eine verzweifelte

den Pressefotografen mit einem Kind in den Armen

Mutter wurde absolut zu Recht mit einer Oscarnominierung

posieren, von dem sie von Anfang an weiß, dass es nicht

gewürdigt.

Walter ist. Doch obwohl sie eindeutige Beweise hat, dass

Fazit: Dieser Film ist sehenswert. Manchmal können die

dieses Kind nicht ihr Sohn sein kann, denn es ist unter

schönen Bilder zwar nur schwer vertuschen, dass dieser

anderem einen Kopf kleiner als Walter, tut die Polizei

Film kein wirklich herausgestelltes Thema besitzt und das

Christine Collins Bedenken als Spinnereien ab. Langsam

ein oder andere Mal wie eine aneinander gekettete

aber

Dokumentation von Ereignissen wirkt. Doch insgesamt

sicher

ersteht

Christine

Collins,

dass

es

der

Kopf

bleiben.

Vor

allem

Polizeibehörde von LA nicht um ihren Sohn, sondern um

verschwinden

eine

einem

Hauptdarstellerin

engagierten Pfarrer kämpft sie gegen die Korruption bei der

wendungsreichen

positive

Presse

geht.

Gemeinsam

mit

Polizei. Doch die bringt Christine Collins zum Schweigen, nachdem sie mit ihren Anschuldigungen an die Öffentlichkeit geht.

Doch

genau

in

dieser

Situation

nimmt

nj

der

Kinotipp

29

Die

verzweifelt

bleibt

diese

einem

negativen

Jolie und

in

und

ihrer

aber

Punkte

einer

die

enorme

hinter

dennoch

spannenden

Wohnung

der

äußerst Handlung.


Überraschungen und Enttäuschungen Wenn

Fußball-

rangiert Hertha BSC Berlin auf Platz 3, 2 Punkte

Bundesliga-Saison 08/09 zurückblickt, fällt einem

man

auf

hinter der Spitze. Auch Leverkusen und Hamburg

vor allem eine Mannschaft ein - Die TSG 1899

ist nach zeitweise starken Auftritten durchaus noch

Hoffenheim.

Offensivfußball

einiges zuzutrauen. Doch jetzt fragt sich jeder, der

sowie einer hervorragenden Disziplin, schaffte der

ein wenig Ahnung von Fußball hat: Da fehlen doch

Trainer

größte

wichtige Namen? Und diese wichtigen Namen

Überraschung der Saison. 35 Punkte bei 42

stellen auch die größten Enttäuschungen der Liga:

geschossenen Toren aus 17 Spielen sprechen eine

Werder Bremen und Schalke 04. Beide mit dem

klare

unbändigen

Saisonziel Champions-League gestartet, hinken

Siegeswillen der Truppe. Allen voran ein Name, mit

sie auf den Plätzen 8 und 7 weit hinterher. Bremen,

dem

in

Mit

Ralf

Hinrunde

und

der

der

begeisterndem Rangnick

Sprache vor

die

die

zeigen

Saison

bisher

den

niemand

in

Fußball-

der

Defensive

teilweise

mit

gravierenden

Deutschland rechnen konnte: Vedad Ibisevic. Mit

Schwächen (schon 28 Gegentreffer), lässt vor

18 Toren in 16 Einsätzen war der Mittelstürmer der

allem gegen die so genannten „Kleinen“ wichtige

mit Abstand erfolgreichste Spieler der letzten Jahre

Punkte liegen. Bei Schalke ist besonders das

in einer Halbrunde. Umso schmerzhafter ist sein

Nichtzünden

Verlust für die TSG, da er sich in einem Testspiel in

schwerwiegendes Problem. So konnten sowohl

der Vorbereitung einen Kreuzbandriss zuzog und in

Orlando Engelaar (kam von Twente Enschede) als

der Rückrunde mit allergrößter Wahrscheinlichkeit

auch Jefferson Farfan (PSV Eindhoven) kaum

nicht mehr eingesetzt werden kann. Diese Tatsache

Akzente setzen. Doch auch der VFB Stuttgart

und die bessere Einstellung der Gegner auf die

(Platz 10), Meister im Jahr 2007, kann mit dem

Rangnick-Elf,

mit

Bisherigen wohl wenig zufrieden sein. Besonders

könnte dazu

während der Verletzung von Mario Gomez zeigte

führen, dass Hoffenheim einbricht und andere

sich, wie sehr der Verein von diesem Akteur

Vereine in der Lage sind, vorbeizuziehen. Die

abhängig ist. Somit war das Hauptproblem die

ersten, die lauern, sind natürlich wie jedes Jahr die

Gefährlichkeit vor dem Tor, welche die Stuttgarter

Münchner

in den letzten beiden Jahren noch so stark

Sicherheit

welche

in

der

Rückrunde

vorhanden sein wird,

Bayern,

welche

nach

holprigem

der

Millionen-Neuzugänge

ein

Saisonstart punktgleich mit Hoffenheim auf dem

gemacht hatte.

zweiten Platz der Tabelle stehen. Das Konzept

Alles in allem besteht die Hoffnung auf eine

Klinsmann scheint also doch noch aufgegangen zu

spannende Rückrunde und vor allem auf einen

sein, nachdem seine schärfsten Kritiker sich nach

spannenden Meisterschaftskampf, angeführt von

dem miserablen Start der Mannschaft mit Platz 11

Hoffenheim und Bayern. Und vielleicht gibt es ja

nach dem 5.Spieltag bestätigt fühlten. Doch auch

am 33. Spieltag ein echtes Endspiel in der neuen

andere Vereine haben eine gute Hinrunde gespielt,

Hoffenheimer Fußball-Arena. al

von denen man es nicht erwarten konnte. So

Sport

30


Der Trainerwechsel als Schlüssel zum Klassenerhalt? Die Hinrunde der Saison 08/09 war für den SV

bemerkbar. Hatte er einen schlecht Tag, lief es oft

Wehen-Wiesbaden alles andere als erfolgreich:

in der ganzen Mannschaft nicht wie es sollte. Mit

Platz 17, 14 Punkte bei nur 2 Siegen und mit nur

bisher nur vier Treffern kann er persönlich mit

18 geschossenen Toren die dritt schlechteste

Sicherheit

Offensive der 2.Fußball Bundesliga. Im Dezember

besonderen Stärken der letzten Saison konnten

wurde dann der Schlussstrich gezogen: Christian

nicht mehr so gut umgesetzt werden. So wurden

Hock wurde als Cheftrainer entlassen. Direkt im

vor allem die Standardsituationen zu wenig genutzt

Anschluss folgte die Neuvorstellung. Mit Wolfgang

und die Gegner konnten sich besser auf Diese

Frank

international

einstellen. Der neue Trainer Wolfgang Frank will

erfahrener Trainer verpflichtet, welcher bereits als

nun an die Stärken der letzten Saison anknüpfen

Trainer in der Schweiz und Österreich tätig war und

und hat mit den Kaiserslautern-Neuverpflichtungen

in Deutschland zuletzt beim Wuppertaler SV unter

Marcel Ziemer und Fabian Schönheim Spieler, die

Vertrag stand. Doch kann ein Trainerwechsel

in der Lage sind, die Mannschaft zu festigen. Der

alleine die Wende bringen? Die Frage lässt sich

mehrmalige

ziemlich schnell mit „nein“ beantworten. Zu viele

soll Stabilität in die Abwehrkette bringen und

Faktoren waren bisher dafür verantwortlich, dass

Marcel Ziemer soll vorne die Torflaute beenden.

es in dieser Saison noch nicht rund lief. So konnte

Allen im Verein ist klar, dass ein hartes Stück Arbeit

die Mannschaft nicht an die durchaus guten

auf die Mannschaft zukommt, doch nur wenn alle

Leistungen der letzten Saison anknüpfen. Wichtige

ihr Bestes geben, Spieler, Verantwortliche und vor

Stützen,

Schwarz

allem der neue Trainer ist der Klassenerhalt

alleinige

möglich und der SVWW wird Ende Mai nicht mehr

wurde

wie

enttäuschten

ein

zum

national

Beispiel

häufig.

Auch

und

Sandro die

Abhängigkeit von Ronny König machte sich sehr

nicht

zufrieden

sein.

Juniorennationalspieler

Auch

die

Schönheim

unter den letzten Drei der Tabelle stehen. al

Ungewöhnliche Sportarten Teil1:

Käserollen in Gloucester In Gloucester, einer Stadt im Südwesten Englands, findet jedes Jahr eine der wohl ungewöhnlichsten Sportereignisse der Welt statt - das Käserollen. Hierbei wird seit 200 Jahren versucht, einem großen runden Käse nachzujagen und diesen zu fangen. Das Ganze findet an einem sehr steilen Hügel statt, von dessen Spitze der Käse hinuntergerollt wird. Nach Loslassen des Käses stürzen sich nun dutzende Teilnehmer den Hang hinab, mit dem Ziel, den Käse zu erreichen. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat die Veranstalter dazu veranlasst, eine Fülle von Krankenwagen am Fuß des Hanges bereitzustellen um die zahlreichen Knochenbrüche und Platzwunden der Teilnehmer schnellstmöglich zu behandeln. Der Sieger der Veranstaltung ist derjenige, der zuerst den Fuß des Hügels erreicht, denn das eigentliche Ziel, nämlich den Käse zu fangen, wurde in der 200-jährigen Geschichte noch nicht erreicht. Vor den Augen der tausenden von Zuschauern, die das Ereignis begleiten, darf der „Trostsieger“ den begehrten Käse behalten. al

Sport

31


Auf den punkt. gebracht… KOZ In der Geschichte der Diltheyschule haben

Schülern einen Aufenthaltsort abseits der

drei Buchstaben wohl selten für so viel

Pausenhalle zu geben (das Atrium gab es

Kopfzerbrechen gesorgt wie K-O-Z. Schon

damals bekanntlich noch nicht), wurde

rein sprachlich. Mancher Schüler brauchte

also

sicher Jahre, um zu verstehen, dass KOZ

Automaten

eine Abkürzung und keine Beleidigung im

eingerichtet.

Sinne

nutzten

eines

sehr

ähnlich

klingenden

das

KOZ

mit

und

Stühlen,

Tischen,

ähnlichen

Dingen

Die

den

Oberstufenschüler

neuen

Raum

ab

sofort

Wortes ist. Doch selbst die Frage, für was

intensiv; so intensiv, dass in der Folgezeit

KOZ

der Raum des Öfteren zerstört oder

denn

nun

Kommunikationskann

nicht

stehe,

oder

ob

für

Kontaktzentrum,

abschließend

beantwortet

zumindest gezogen

stark wurde.

Sorgenkind.

Dauerproblem. Herr Roeske wie auch überhaupt

Raum

ein

mehr

sein Nachfolger als Schulleiter, Werner

wissen, was das KOZ ist oder einmal war.

Emrich, führten unzählige Gespräche mit

Es ist ein Raum. Etwas kleiner als ein

Generationen

Klassenraum

und

nicht

dieser

gut

dreißig

werden

ist

Mitleidenschaft mittlerweile

werden. Doch auch sonst ist das KOZ ein Viele

Jahren

in Seit

Schülern. Auf

eine

der

Renovierung und das Versprechen auf

Schülerbibliothek zur Apfelbaumwiese hin

Besserung von Seiten der Schülerschaft

gelegen. Als Mitte der 1970er Jahre die

folgte immer wieder eine kurze Zeit der

Schule

Nutzung. Dann wieder Verschmutzung,

aufgrund

von

hinter

von

Raumknappheit

einen Anbau für Musik und Kunst sowie

Zerstörung.

eine Bibliothek erhielt, wurde unter dem

Das KOZ blieb nie dauerhaft in Nutzung.

damaligen Schulleiter Kurt Roeske auch

Dabei wurden von Herrn Emrich die

das

verschiedensten

KOZ

für

Oberstufenschüler

Dann

eine

Renovierung…

Nutzungsmethoden

eingerichtet. 1970 führte die Diltheyschule

ausgetestet; von der Überwachung von

als eine der ersten Schulen bundesweit

Schülern und Lehrkräften bis hin zum

das bis heute bestehende Kurssystem in

Patenschaftsprogramm

der Oberstufe ein. Eine Folge dieses

und Schüler. Die letzten Versuche der

neuen Systems war jedoch, dass die

Schülervertretungen endeten vor wenigen

Schüler nun häufig Freistunden hatten.

Jahren.

Einige heutige Oberstufenschüler werden

anderem angeschafft worden. Doch auch

dieses

er

Phänomen

kennen.

Um

den

Ein hielt

Auf den Punkt gebracht 32

durch

Billardtisch einer

Klassen

war

unter

anonymen,


Kunterpunkt.

zerstörungswütigen Minderheit nicht stand. Seitdem dient das KOZ als Flur zum Requisitenraum der Theater- und Musical-AG. Seit einigen Monaten ist nun klar, wie die Zukunft des KOZ aussieht. Ein weiteres, zweifelsohne nötiges Lehrerzimmer wird in naher Zukunft dort zu finden sein. Was aber wird aus der Oberstufe? Manche Lehrer, die diesen Artikel lesen, werden an dieser Stelle wohl entnervt die Zeitung aus der Hand geben und entnervt sagen: „Mit denen braucht man nun wirklich kein Mitleid zu haben, die hatten ja schließlich lange genug Zeit, aus dem Raum etwas zu machen.“ Das stimmt. Die Schülerschaft hat sich in Sachen KOZ nicht mit Ruhm bekleckert. Es werden auch die wenigsten diesem Raum nachtrauern, denn viele kennen ihn gar nicht mehr in seiner alten Funktion. Doch es ist leider auch eine Tatsache, dass die Oberstufe dringend einen eigenen Raum benötigt. Die Aula ist, wie von der Schulleitung selbst offensiv vertreten, nicht der richtige Aufenthaltsraum. Dasselbe gilt für das Treppenhaus im E-Trakt. Es

müsste ein attraktiver, mit Automaten und zum Beispiel einem Billardtisch eingerichteter Raum sein. Doch eine Alternativlösung zum KOZ scheint nicht in Sicht. Schulleitung und Lehrerschaft scheinen nicht das Problem, sehr wohl aber das KOZ zu sehen. Dann darf es aber auch nicht verwundern, wenn sich ganze Teile der Jahrgänge im Übergang zur Oberstufe von der Diltheyschule in Richtung Niemöller- oder OssietzkyOberstufengymnasien verabschieden. Denn diese Schulen sind, sieht man einmal von der derzeitigen Misere der Niemöller-Schule ab, diesen Punkt betreffend weitaus attraktiver. Dass die Schulleitung keine Räume backen kann, ist einleuchtend. Doch zumindest der offene Dialog mit der Schülerschaft, das ehrliche Bemühen um eine Problemlösung wären wichtige Signale. Die Oberstufe ist immer auch das Aushängeschild einer Schule. Diesem Aushängeschild auch räumlich wieder zu Glanz zu verhelfen bleibt eine der Aufgaben für die Zukunft. nj

Auf den punkt. gebracht 33


90 Jahre Frauenwahlrecht „Die Frau gehört an den Herd und ich

November 1918 ein Ende gesetzt werden.

sorge für das Geld.“ sagt Gregor, ein

"Raus mit die Männer aus'm Reichstag!

schon

(...)

immer

Vorlauter,

und

die

Raus

mit

die

Wir

machen

Männer

aus'm

Herrschaften des männlichen Geschlechts

Herrenhaus.

brechen in ein höhnisches Gelächter aus,

Frauenhaus!" hieß es nun. Am 19. Januar

wobei sie sich zufrieden in ihren Stuhl

1919 war es soweit, die Frauen durften

zurücklehnen.

Freude

wählen gehen und gewählt werden und

währenddessen bei der anderen Spezies,

das taten sie auch. 82 Prozent der Frauen

die mit den Augen rollt, viel sagende,

machten von ihrem hart erkämpften Recht

verständnisvolle Blicke austauscht und

Gebrauch.

teilweise

aus

Seit der Einführung des Wahlrechts für

Unsicherheit, verhalten in das Gelächter

Frauen, 47 Jahre nach der Einführung des

der Herren mit einstimmt. Eine Situation,

allgemeinen, freien Wahlrechts, ist gewiss

die wohl jedem, ganz gleich welcher

ein Fortschritt zu erkennen. Zunehmend

Generation, bekannt sein dürfte.

werden

Führungsrollen

Genau 90 Jahre ist es nun her, dass

besetzt,

sie

Frauen

und

entgeisterten Blicken konfrontiert wie in

gewählt werden dürfen! Was hat sich

der Zeit nach dem ersten Weltkrieg.

seitdem

Dennoch ist es auffällig, wie einer Frau in

Geteilt

sogar,

in

ist

die

vermutlich

Deutschland

geändert,

was

wählen ist

gleich

werden

Führungsposition

geblieben? Der Vorstellung von Adolf Lette,

dem

draus

von

nicht

häufig

ein

Frauen

mehr

mit

Respekt

schenkende Blicke zugeworfen werden.

Vorsitzenden des Vereins zur Förderung

Es hat den Anschein, dass die Rolle der

der

im

Frau innerhalb der Gesellschaft wieder

den

den drei berühmten Ks entspricht: Kinder,

Frauen das Recht zu arbeiten gegeben

Küche, Kirche. Mit dem kleinen, aber

wird,

Demokratie

feinen Unterscheid, dass seit dem 21.

teilzunehmen aber nicht, sollte am 12.

Jahrhundert gerne die Kirche durch die

weiblichen

wilhelminischen das

Recht

Erwerbstätigkeit Preußen, an

der

dass

Frauenwahlrecht 34


Kunterpunkt. Karriere ersetzt wird. Dies ist wohl dem Bedeutungswandel der Institution Kirche zuzuschreiben. Das dritte „K“ ursprünglich für die moralische Verantwortung stehend, die die Frau einnehmen soll, wird heutzutage eher selten mit der Kirche in Verbindung gebracht. Die Tatsache, dass es 86 Jahre lang gedauert hat, bis eine Frau - und auch das hoch umstritten - Bundeskanzlerin werden konnte, zeigt, dass das weibliche Geschlecht noch immer unter dem obsoleten Bild zu Leiden hat. Der Satz von Gregor scheint also nach wie vor tief im Geiste vieler verankert zu sein. Man darf gespannt sein wie lange noch. Mich persönlich, als eine Frau, die bei der Landtagswahl am 18. Januar erstmals an der Demokratie partizipieren konnte, plagt bereits jetzt die Frage, wie man das erste und das dritte „K“ sinnvoll miteinander kombinieren könnte. Doch wie Marilyn Monroe bereits feststellte: „Karriere ist etwas Herrliches, aber man kann sich nicht in einer kalten Nacht an ihr wärmen.“ Genau dieses Fakt ist es, das mich eher dazu bewegt, dem ersten „K“ die Priorität zu geben. Dass ich im Alter von 18 Jahren schon über ein solches Thema nachdenke, ist meiner Ansicht nach ein Indiz dafür, wie viel Druck auf dem weiblichen Geschlecht wegen des dritten Ks - der Karriere - lastet. Und damit bin ich vermutlich weitaus nicht die einzige, denn viele Frauen verspüren, sicherlich durch die Gesellschaft beeinflusst, wie ich das Gefühl von Verantwortung auch für die Kinder. Die Zeit zeigt: Der Geschlechterkampf ist ein andauernder Prozess, denn Frauen wie beispielsweise Alice Schwarzer, die nach wie vor bekannteste Vertreterin der deutschen Frauenbewegung, wird es wohl immer geben und das ist auch gut so!

Frauenwahlrecht 35


Imaginäres Lehrerzimmer Wir schreiben das Jahr 2009 n. Chr.; ganz Deutschland steckt in der von einem PISAVirus verursachten Bildungskrise. Ganz Deutschland. Ganz Deutschland? Nein, ein Kollegium in der Provinz AQUIS MATTIACORUM (lateinisch für Wiesbaden) leidet zwar unter einer hohen Anzahl an Erkältungsviren und den mit diesen verbundenen Krankmeldungen, doch dem gefährlichen PISA-Virus wird mit einer Mischung aus ungebremster Motivation, Schulverfassung, Power-PointPräsentationen, Mind-Maps, Flip-Charts und einem Schuss Pädagogik Einhalt geboten. Werfen wir einmal einen Blick in diese Trutzburg. Es ist halb acht am Morgen. Ein fast kahlköpfiger Mann mit leicht irritiertem Blick schlurft über die noch leeren Gänge der Schule. Vor der Tür zum Lehrerzimmer macht er halt, stellt seine Tasche ab und holt aus seiner mit Kreide bestaubten Hosentasche den Schlüssel. Es ist Herr Dr. phil. Bernhard Schübert, der nun das Lehrerzimmer betritt: „Ich will ja in der NPD Karriere machen. So nach der Parole: Ausländer raus!“ Am anderen Ende des Raums sitzen bereits vereinzelte Gestalten, von denen nun einige entsetzt aufblicken. Eine von ihnen, Frau Dr. Christiane Hofe-Hottan, unterbricht für einen Moment das Bekleben von Biologieklausuren mit dem

lustigen „Viel Glück“-Sticker mit der Abbildung eines glücklich hechelnden Hundes und erwidert Herrn Schübert entsetzt: „Bernd, das hätte ich von dir ja nicht gedacht. Dein Vater, der bei mir ja vor wenigen Jahrzehnten Abitur gemacht hat – ach, wie geht es ihm eigentlich? – würde nicht gerne solchen rechten Unfug hören!“ Herr Schübert, der mittlerweile Platz genommen hat und dessen ganzes Gesicht nun mit Kreidestreifen übersät ist, wird rot und entgegnet verlegen: „Ähm, `tschuldigung, hab ich das gerade laut gesagt? Ich übe doch gerade nur, wie ich meine Klasse vor Extremismus warnen kann…“ Mitten im Satz wird er unvermittelt durch das Schlagen der Tür übertönt. Frau Brigitte Tutz erstürmt den Raum, im Eilen rufend: „Die Essensausgabe ist ein Riesenproblem“, wobei sie das „ie“ in Riesenproblem akzentuiert betont. „Die paar Aushilfskräfte kriegen das überhaupt nicht hin.“ Am Ende des Raums angekommen, bleibt sie erschöpft neben Herrn Carsten Tesk stehen. Dieser, eine Kaffeetasse in der Hand haltend, wendet sich nun Frau Tutz zu: „In meinem Unterricht wird halt angeklopft und dann wartet man halt, bis man hinein gebeten wird halt, bevor man den Raum betritt, ja? Das üben wir dann halt das nächste Mal, halt! Damit du dir das dann halt auch mal einprägst, halt!“

Imaginäres Lehrerzimmer 36


Kunterpunkt. Bevor es zu einer weiteren Kontroverse kommen kann, schaltet sich schnell Herr Jürgen Striebinger in das Gespräch ein, der nur auf seine Chance gewartet hat, endlich Lebensweisheiten von sich zu geben: „Carsten, wir sind hier doch nicht im Kindergarten. Der ist zwei Grundstücke weiter. Aber Frau Tutz, merken Sie sich, was er ihnen gerade gesagt hat. Das ist jetzt Kenntnisstand! Im Übrigen: Mit so einer pessimistischen Arbeitshaltung hätten Sie bei der Deutschen Bank nicht einmal als Putzfrau eine Chance!“ Durch diesen Redebeitrag provoziert, lässt auch Frau Harmann Mind-Map Mind-Map sein und schaltet sich in das Gespräch ein: „Karriere, Karriere, ich höre immer nur Karriere! Das ist sie, die kapitalistische Denkweise!“ Herr Meinerink, der sich bisher dezent im Hintergrund gehalten hat und träumerisch im Bildband „Unser 1968Daten, Fakten, Hintergründe“ blättert, pflichtet ihr bei: „Deshalb sind wir ja vor einundvierzig Jahren angetreten, um den ganzen Mief des Kapitalismus abzuschütteln!“ „Karriere“, wiederholt Frau Tutz, den Finger an den Mundwinkel gelegt und nachdenklich in die Ferne schauend „I think, there is no English word for it!“ „Allah!“, entfährt es da Herrn Heribert Feiga. Dabei stößt er dieses Wort mit solcher Inbrunst hervor, dass jedem im Raum augenblicklich klar wird, welch bahnbrechende Erleichterung Herrn Feiga ergriffen hat. Und tatsächlich, soeben hat er den Rechenfehler in der Mathearbeit eines Siebtklässlers entdeckt.

Herr Dr. phil. Ludger Köreng assoziiert zu Feigas Ausruf mit seinem messerscharfen Verstand den Gründer einer großen Religionsgemeinschaft, die südlich von Russland besonders starke Verbreitung findet und doziert in leicht näselndem Tonfall in überraschendem Tempo: „Allah, - Allah, - Allah! - Wer – hätte – das gedacht?“ und bricht daraufhin in ein undefinierbares glucksen aus. „Kinderrrrrrr, Kinderrrrrrrr, Kinderrrrrrrrr, das kann doch nicht wahrrrrrrrrr sein! >>Allah, Allah, Allah!<<, was ist denn das für eine undifferenziiiiiiiieeerrrrrrrrrte Betrachtung! Geschichtsdidaktisch geht das so: erst Ursache, dann Auslöser, dann Folgen!“ Sichtlich in Rage geraten erteilt Frau Dr. phil. Kerstin Werrner Herrn Köreng eine Lektion. Ihr beipflichtend ergänzt Frau Petra Wohlfad an Herrn Köreng gewand: „Du Schnullerbacke, wie oft muss man dir das denn noch sagen?“ Da sie erkennt, wie angespannt die Spannung in dieser Runde geworden ist, setzt Frau Hofe-Hottan die VolvicHolunderblüten-Wasserflasche vom Mund ab und wendet sich mit einem milden Lächeln Herrn Köreng zu: „Ludger, kannst du mir mal den blau-weißen Römpp aus dem Chemieraum holen und >Acetatanion< nachschlagen?“ Während Herr Köreng bereitwillig und immer noch grinsend den Raum in Richtung Chemiesäle verlässt, finden vor dem Eingang zum Lehrerzimmer tumultartige Szenen statt.

Imaginäres Lehrerzimmer 37


Kunterpunkt.

Mit lauten >Schübi! Schübi!<-Rufen versucht eine Gruppe von Schülern die Aufmerksamkeit von Herrn Schübert zu erlangen, damit dieser ihnen die Hausaufgaben kopiert. Bevor dieser Bettelruf von Herrn Schübert erwidert werden kann, schaltet sich eine messerscharfe Stimme mit den Worten „Was ist denn hier los?“ dazwischen und lässt die plärrenden Schüler mit einem Schlag verstummen. Der nun vollkommen verdutzte Herr Schübert reckt seinen Kopf in Richtung Tür um einen bewundernden Blick auf die Lehrkraft zu erhaschen, die gerade mit ihrem bloßen Auftreten die zuvor nervende Kinderschar nicht nur zum verstummen, sondern nun sogar ein wenig zum wimmern gebracht hat. Im Türrahmen steht Frau Dr. Brauer, die nun das Lehrerzimmer betritt und der etwas eingeschüchterten „Good morning, Mrs. Brauer.“ stammelnden Schülerschar einen zufriedenes Lächeln entgegenwirft. Es folgt nach kurzem Schweigen im gesamten Lehrerzimmer, vermutlich durch die Bewunderung derer bei denen es ein Traum bleibt, die Schülerschaft zum schweigen bringen zu können, ein „Bonjour, Madames et Monsieurs!“. Des plötzlichen Stimmungswechsels kann letztlich die ganze Spannung genommen werden, als im letzten Moment Herr Länge, der kurz zuvor durch die ungewohnte Ruhe in seiner Umgebung aus seinem Nickerchen

aufgeschreckt worden war, einen verlegenen Husten aus den tiefen seiner Lunge hervorkramt. Sich räuspernd bricht er endlich die Stille: „Ahäm, Frau Brauer, ein faszinierendes neues Mittel, diese Disziplin, hä-hä-hä-hä-hä! Ich habe erst vor kurzem….hrchgrchrchr-chr“, wird er mitten im Satz von einem heftigen Husten geschüttelt, „auf SPIEGEL-Online eine interessante Rezension zu Bernhard Buebs Buch >Lob der Disziplin< gelesen…“ Weiter kommt Herr Länge nicht, denn Frau Brauer unterbricht ihn, immer noch lächelnd, mit den Worten: „I can´t understand what you want to tell me“, wobei sie in gespielter Verzweiflung die Hände hinter beide Ohren legt,“You must speak English!“. Während Herr Länge sich nun von Frau Brauer unbeeindruckt abwendet, um eine DVD für die kommende Stunde herauszusuchen, beteuert Frau Tätz gegenüber Herrn Tesk unaufgefordert, dass sie und nicht Frau Brauer es gewesen sei, die den Frankreichaustausch begründet habe. Dem regen Treiben wird durch die Schulklingel und Frau Dr. Pocks auf diese bezogenen Ausruf „Ooooohhhhhhh, es hat gegongt!“, ein jähes Ende bereitet. Und bereits wenige Minuten später hat sich der gesamte Raum geleert und ein ganz normaler Schultag beginnt.

Imaginäres Lehrerzimmer 39


Starportrait Name: Carsten Teske Geburtsort: Osterburg/Altmark Geburtsdatum: 30. Juli Hobbies: Seit vier Jahren habe ich ein neues Hobby: meinen Sohn. Da bleibt weniger Zeit für Fußball, Computer, lesen.

Augenfarbe: blau-grau Haarfarbe: dunkelbraun Motto: Ein Tag, an dem du nicht gelacht hast, ist ein verlorener Tag. Beziehungsstatus: verheiratet Poilitische Richtung: wertkonservativ/linksorientiert Was ich an der Diltheyschule mag: Die Schülerschaft und die Chemieräume. Was ich an der Diltheyschule nicht mag: Die Bedingungen, zum Beispiel G8. Außerdem den vielen Müll an der Schule. Das passt nicht zur ansonsten aufgeschlossenen und freundlichen Schülerschaft. Meine Meinung zu G8: Wie schon erwähnt habe ich eine eher negative Meinung dazu. Obwohl ich selbst mein Abi in 12 Jahren gemacht habe. Meiner Meinung nach macht es keinen großen Unterschied, ob man ein Jahr früher oder später fertig ist, aber es macht schon einen Unterschied für die Schüler, ob sie ein Jahr weniger Zeit haben um den Stoff zu lernen. Und das alles nur, weil ein paar Wirtschaftsleute es für nötig halten. Ort des ersten Kusses: Bei Berlin...ich weiß noch, dass sie Ulirke hieß. (lacht) Aber wir sind nicht mehr zusammen. Schönstes Kindheitserlebnis: Die Frage nach dem schönsten Kindheitserlebnis ist nicht einfach zu beantworten, da es wirklich einige sind. Aber ein frühes schönes Erlebnis war sicher mein erster gewonnener sportlicher Wettbewerb. Und das war bereits im Kindergarten. Es handelte sich dabei um einen Cross-Lauf durch den Wald, den ich gewann. Das hat dann Lust auf mehr gemacht. Schulzeitsünden: Naja, ich habe auch als Schüler schon geraucht und musste mir eben meine Ecken suchen... Peinlichstes Erlebnis des Lehrerdaseins: Die Versuche, die man schon x-mal gemacht hat, und die dann trotzdem nicht klappen. Ich kam zum Beispiel bei einer Kalkwasserprobe mal in Erklärungsnot. Es hat sich herausgestellt, dass sich wohl jemand einen Scherz erlaubt hat und in der Flasche gar kein Kalkwasser war. Dümmste Schülerantwort: Zuerst einmal gibt es keine „dummen“ Antworten… Manche sind allerdings schon bemerkenswert: in der Klasse 9, lineare Gleichungssysteme. Es geht um Schweine und Hühner. Wir haben 6 Köpfe und 18 Beine. Was wäre eine mögliche Fragestellung? Eine Schülerin meldet sich und meint: "Wie viele Beine haben die Hühner?" Was ich schon immer mal sagen wollte: Humor ist manchmal wichtiger als andere Sachen!


Name: Annika Hain Fächer: Deutsch und Sport Geburtsort: Siegen Geburtsdatum: 20.12.1976 Hobbys: Sport (Skifahren, Volleyball,...), Lesen, Filme sehen, Essen Augenfarbe: Blau Haarfarbe: Dunkelblond Motto: „Ich bin insgesamt ein positiver Mensch!“ Beziehungsstatus: Ledig Lieblingsfilm: Das Leben der Anderen/ Tatsächlich Liebe Lieblingsmusik: Coldplay Lieblingsbuch: Aitmatov von Dshamilija v. Tschingis Lieblingsessen: „Ich liebe alles mit Zartbitterschokolade!“ Politische Richtung: liberal Meinung zu G8: „G8 ist an sich nicht verkehrt, es wurde aber überstürzt und meiner Meinung nach falsch eingeführt. Trotzdem sollte es jetzt um ein größeres Chaos zu vermeiden beibehalten werden.“ Was ich an der Dilthey-Schule mag: die enge Zusammenarbeit, das Kollegium, die Schüler und die hohen Ansprüche Was ich nicht an der Dilthey-Schule mag: „Das Atrium sollte kein Raum für alles sein, da dann immer verschiedene Veranstaltungen kollidieren, das stört mich.“ Schönstes Kindheitserlebnis: „Ich hatte im Gesamten eine sehr schöne Kindheit, kann aber kein Erlebnis besonders hervorheben.“ Ort des ersten Kusses: „Mein erster Handkuss war im Kindergarten, den ersten „richtigen“ Kuss hatte ich in der achten Klasse auf einer Ski-Freizeit.“ Schulzeitsünden: „Meine Mutter war Lehrerin an meiner Schule, deshalb war ich eher eine brave Schülerin. Ich habe aber einmal verbotenerweise das Schulgelände verlassen um Gummibärchen zu kaufen und handelte mir damit einen Klassenbucheintrag ein.“ Das peinlichste Erlebnis meines Lehrerdaseins: „Während meines Referendariats bekam ich aufgrund von „Verlesern“ meiner Schüler einen richtigen Lachkrampf vor der jetzigen 13., damals achten Klasse. Es war so schlimm, dass mich eine Schülerin fragte, ob ich nicht einmal vor die Tür gehen wolle.“ Was ich schon immer mal sagen wollte: Was der Diltheyschule bis jetzt fehlte, war eine Schülerzeitung. Ich freue mich, dass es jetzt eine geben wird.


Treffpunkt. Konzerte So. 08.02.2009 Mo. 09.02.2009 Di. 10.02.2009 Di. 10.02.2009 Do. 19.02.2009 Mi. 04.03.2009 Do 05.03.2009 Do. 05.03.2009 Do. 19.03.2009 Mi. 25.03.2009 Fr. 27.03.2009 Mo. 30.03.2009

- The Subways, Schlachthof, Wiesbaden - Travis, Mousonturm, Frankfurt - Kaiser Chiefs, Phoenixhalle, Mainz - Pussycat Dolls, Jahrhunderthalle, Frankfurt - Das Bo, Nachtleben, Frankfurt - Maria Mena, Jahrhunderthalle, Frankfurt - Katy Perry, Batschkapp, Frankfurt - Peter Fox, Jahrhunderthalle, Frankfurt - Mando Diao, Stadthalle, Offenbach - ACDC, Festhalle, Frankfurt - P!nk, Festhalle, Frankfurt - Danko Jones, Schlachthof, Wiesbaden

Theater Rent Musical (jugend-club-theater) Kleines Haus 04.02.09 Clockwork Orange Schauspiel /Wartburg 04.02.09; 26.02.09 Männerhort Komödie /Wartburg 08.02.09; 18.02.09 Die Zauberflöte Oper von Wolfgang-Amadeus-Mozart (Musiktheater)/ Großes Haus 13.02.09 norway.today 14+ (Junges Staatstheater) /Studio 20.02.09 Für Garderobe Keine Haftung Improvisationstheater /Wartburg 22.02.09 Anything Goes Musical (jugend-club-theater) /Kleines Haus 25.02.09; 28.02.09 Zwischen Mitternacht und Morgen: Schwanensee Balett /Großes Haus 27.02.09 Badesalz: Dugi Otok Großes Haus 26.03.09

Neues von der SV Vorab erst mal ein dickes Lob an alle, die so tatkräftig beim Weihnachtsbasar mitgeholfen haben! Wir konnten ganze 975€ an „Zwerg Nase“ spenden! Das ist ein super Ergebnis, auf das wir alle sehr stolz sein können. Ansonsten haben wir uns auch für das 2. Halbjahr ein paar Dinge für euch ausgedacht. Hier schon mal eine kleine Vorschau: Mario-Kart-Turnier (Mittelstufe) - April 09 SV-Seminar - 08.05. - 10.05.09 am Edersee "Schlag die SV" - Juli 09 Eure SV

SV, Treffpunkt. 42


Mitten in einem HighSchool-Film Anstatt das neue Halbjahr nach den Sommerferien wie gewöhnlich an der Diltheyschule zu beginnen, verlässt Manon die Schule nach 2 Wochen schon wieder, um das neue Halbjahr in Texas, genauer gesagt in Baytown bei Houston zu beginnen. Dort lebt sie in einer Gastfamilie und besucht eine HighSchool, genau wie wir sie aus dem Kino kennen. Baytown ist ein kleines Vorstädtchen und Manons Gastfamilie wohnt auch in einem richtig typischen, aber schönen Vorstadthäusschen. Ihre Gastfamilie besteht nur noch aus den Gasteltern, Rick und Melinda, da die Kinder schon ausgezogen sind. Melinda arbeitet bei der Auslandsaufenthaltsorganisation INTU, über die Manon auch nach Texas kommt, Rick ist SecurityMan. Manon besucht die nächstgelegene High-School. 3000 Schüler gehen hier von der neunten bis zur zwölften Klasse zur Schule. Da sie schon um 7:20 Uhr zum Schulbeginn erscheinen muss, steht Manon schon um 5:15 Uhr auf. An der Schule ist es möglich zu frühstücken, allerdings auf die typisch amerikanische Art mit Pancakes, Muffins und jede Menge andere ungesunden Lebensmittel. Unterricht haben die Schüler bis 14:45 Uhr mit einer halbstündigen Lunchtime. Die Fächerwahl an ihrer High-School ist kaum vergleichbar mit der deutschen. Während es die üblichen Fächer wie Mathe und Geschichte gibt, kann man sich auch für Fotografie, Backen oder die ein Fach, dass sich allein mit der Vorstellung und der damit verbundenen Vorbereitung ein Kind zu bekommen beschäftigt, entscheiden. Sportarten wie Basketball, Fußball usw. werden als einzelen Fächer angeboten und man hat viermal in der Woche Sport. Manon nimmt Englisch auf Collegeniveau hat aber keine Probleme damit. Ziemlich schnell gewöhnt sie sich daran nur noch Englisch zu reden, sodass sie in den Mails die sie an ihre Freunde in Deutschland schickt, schon zwischen Deutsch und Englisch wechselt. Zwischen den Arbeiten und den Examen vor denen

es uns immer so sehr graust und den amerikanischen besteht ein sehr großer Unterschied. Meistens hat man die Wahl zwischen a, b oder c und muss nur noch, die Antwort die man für richtig hält, ankreuzen. Manon erzählt, dass sie eigentlich nie für solche Überprüfungen lernen musste. Was die Lehrerschaft angeht sind im Durchschnitt jünger als die unsrigen, um die 40. Manche sind total locker und gelassen, sie lassen die Schüler zum Beispiel während des Unterrichts bei MC Donalds Frühstück für alle holen, andere bestehen darauf, dass man den ID-Badge trägt auf dem der eigene Name und die Nummer der Schule vermerkt sind und ohne den sie einen nicht in den Unterricht lassen wollen. Gegen halb vier kommt Manon wieder zurück in das Vorstadthäusschen. Am Nachmittag bestehen die Gasteltern meistens auf Familienzeit, sie schauen gemeinsam fern oder Manon bekommt die Umgebung gezeigt. An zwei Tagen in der Woche besucht sie die Kirche und sie trifft sich mit ihren neuen amerikanischen Freunden. Die amerikanischen Jugendlichen sind total offen, neugierig und lieb, erzählt Manon, es ist leicht Freunde zu finden. Am Abend wird nicht etwa gekocht und man isst gemeinsam zu Abend, meistens geht man essen. Entweder sie besuchen die uns sehr wohlbekannten Fastfoodketten, wie Buger King, Kentucky Fried Chicken u.a. oder sie essen mexikanisch. Ausgehen ist am Wochenende nur begrenzt möglich, in Discos kommt man erst ab 21 Jahren, deshalb wird viel ins Kino gegangen, geshoppt, außerdem stehen datings auf dem Plan. Football ist hier das Highlight schlechthin, ganz wie aus den bekannten High-School-Filmen. Die Cheerleader, oberflächliche und zickige Girlies, tanzen in kurzen Röcken, bevor die Spieler auftreten, posieren und das Spiel beginnen. Vor

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dem wichtigsten Footballspiel gibt es eine Mottowoche, an der die ganze Schule teilnimmt. Es beginnt montags, alle tragen die Schulfarbe: maroon, der Dienstag ist der Super-Hero-Day, mittwochs kommen alle im Princesslook, Freaks sind sie alle am Donnerstag und beendet wird die Woche mit dem Army-Day. Manon erzählt, dass auch Lehrer sich verkleiden und selbst die Mensa-Bedinung mitmacht. Normalerweise ist die Kleiderordnung während der regulären Schulzeit sehr strikt. Der Rock muss bis eine Hand über das Knie reichen, das Top drei Träger breit sein und die Jungs haben ihre T-shirts in die Hosen zu stecken. Manon trägt einmal zu kurze Short, direkt wird sie von der Aufsicht darauf hingewiesen nach Hause zu gehen und die Kleidung zu wechseln. Ansonsten ist die Kleidung relativ normal, die Jungs sind meistens Gangster und die Mädchen aufgestylt. Ihr Styling findet meistens morgens vorm Unterricht auf der Schultoilette statt. Musikalisch sind uns die Amis aus Texas ähnlich oder besser gesagt, wir sind ihnen ähnlich, denn für viele war es schwer begreiflich, dass wir ihre Rapper gut kennen. Aber das waren nicht die einzigen Unkenntnisse. Mehr als einmal wurde Manon gefragt, ob sie in Germany denn auch German spricht. Andere dachten sie wäre mit dem Auto nach Texas gekommen und waren sich scheinbar nicht darüber im Klaren, dass zwischen us ein großes Gewässer liegt. Interessant ist die Frage, wie Manon den Wahlkampf in Amerika mitbekommen hat! In Texas ist man insgesamt eher konservativ eingestellt, so waren ihre Gasteltern für MC Cain. In der High-School war jedoch die Obama-Begeisterung zu spüren. Alles in allem hat Manon nach ihrem der Texasaufenthalt viel Positives zu berichten. Ihre Englischkenntnisse haben sich verständlicherweise um einiges verbessert, sie hatte jede Menge Spaß mit ihren neuen Freunden und ihre Gastfamilie war sehr nett, sie wurde richtig als „Gast“-Tochter aufgenommen. Die Omas der Familie, die sie während der Zeit auch besucht, darf sie „Nanny“ nennen, der amerikanische Name für Oma. In den Osterferien, also in 8 Wochen wird sie ihnen schon wieder einen Besuch erstatten. „Ich würde es jedem empfehlen, der Interesse hat!“, versichert sie. mgee

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Nikolas Jacobs in England 1.Du hast dich vor einem Jahr entschlossen für ein Halbjahr auf das Mount St. Mary’s College, einem Jesuiten-Internat in England, zu gehen. Was waren deine Beweggründe? Ich wusste schon seit der achten Klasse, dass ich ein Auslandshalbjahr machen wollte. Ich wollte zuerst einmal meine Kenntnisse in Englisch aufbessern, aber natürlich auch einfach mal rauskommen und ein neues Land kennen lernen. Doch zuerst wusste ich nicht, in welchem Land. In die engste Auswahl kamen Südafrika und England. Da ich allerdings ein Internat besuchen und nicht in einer Gastfamilie leben wollte, habe ich mich für England entschieden. Das es nun gerade ein Jesuiten-Internat war, spielte keine Rolle und wirkte sich außer wöchentlichen Gottesdiensten auch nicht aus. Ich hatte die Schule gewählt, weil sie mir von den Broschüren am besten gefiel. 2.Hattest du Befürchtungen was dich dort erwartet und wenn ja, welche und inwiefern entsprachen sie letztlich der Realität? Meine Befürchtung war, dass ich im Unterricht nicht mitkommen würde, weil mein Englisch zu schlecht war. Doch das war gar kein Problem. Am Anfang versteht man vielleicht nicht alles, aber am Unterricht teilnehmen kann man dennoch. 3. Hast du bestimmte Vorkehrrungen getroffen oder dich einfach wie ein Abenteurer ins kalte Wasser fallen lassen? Es waren die üblichen Vorbereitungen, die jeder dafür trifft. Beispielsweise musste ich sämtliche Klamotten mit der Nummer 061 beschriften, denn das war meine Zahl in der schulinternen Wäscherei. Deshalb steht auf vielen meiner Hemden und Socken noch heute 061. Sonst kann man aber glaube ich

auch nicht viel machen. Ich habe eben vor der Abreise noch einige Bücher auf Englisch gelesen, um mein Vokabular etwas aufzufrischen. Das war es dann aber auch schon an Vorbereitungen. 4.Würdest du sagen man sollte sich schon vorher mit dem anderen Schulsystem vertraut machen oder ist es vergleichbar mit der Eingewöhnungsphase nach einem Schulwechsel – es ist sehr schnell für einen zum Alltag geworden? Ich kann nur für England sprechen. Vom Unterrichtsinhalt ist es für einen deutschen Schüler glaube ich gar kein Problem, sofort aufzuschließen. Aber die Art des Unterrichts und vor allem der Ablauf des Schulalltags ist äußerst gewöhnungsbedürftig. Überall gab es feste Zeiten, wer zum Frühstück zu spät kam, bekam Ärger, in den Freistunden musste man in die Bibliothek gehen um zu lernen oder Hausaufgaben zu machen und nach einem achtstündigen Schultag musste man am Abend noch zwei Stunden Hausaufgaben auf dem Zimmer machen, was von einer Aufsicht auf dem Flur kontrolliert wurde. Aber auch die Art des Unterrichts ist nicht mit Deutschland zu vergleichen. Im Grunde doziert der Lehrer vor den Schülern, die nur mitschreiben und Aufgaben erledigen. Diskussionen und Gruppenarbeiten waren in den meisten Fächern die Ausnahme. Dieses Schulsystem erfordert Disziplin. Aber auch hier gilt: Man kann sich eigentlich nicht darauf vorbereiten. 5.Was sind deiner Meinung nach die Vorbeziehungsweise Nachteile des Schulsystems, inwieweit konntest du hier vom anderen System profitieren? Gibt es Dinge woran wir uns ein Beispiel nehmen könnten? Es gibt ganz sicher Vorteile im englischen Schulsystem. Ein Vorteil ist zweifelsohne die Disziplin. Wer jetzt an militärischen

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Kunterpunkt. wiedereingewöhne. Doch eigentlich war die Eingewöhnungsphase nicht schwer und ziemlich kurz. Das lag sicher auch daran, dass ich nicht direkt wieder in die Schule in Deutschland gehen musste, weil gerade Weihnachtsferien waren.

Gehorsam denkt, liegt falsch. Diese Disziplin ist nicht militärisch, sondern führt dazu, dass das Schüler-Lehrer Verhältnis sehr klar abgesteckt ist. Das heißt, im Unterricht sagt der Lehrer, wo es langgeht und dennoch ist das Verhältnis nach dem Unterricht beinahe Freundschaftlich. Beeindruckend ist auch die Traditionspflege und Verbundenheit der Schüler mit ihrer Schule. Dadurch, dass es eine Rugby- und Hockey-Schulmannschaft gibt identifizieren sich die Schüler viel eher mit ihrer Schule. Es gibt viel mehr AG´s und das Sammeln von Spendengeldern war einfach nur beeindruckend, viel kreativer als bei unseren Sammelaktionen. Aber vieles ist an einer Privatschule und Internat auch einfacher umzusetzen als zum Beispiel an der Diltheyschule. Generell würde ich aber jederzeit das deutsche dem englischen Schulsystem vorziehen. Methodisch und didaktisch leben die Engländer noch hinterm Mond. Einmal sollten wir in Geschichte Powerpointvorträge vorbereiten. Die Deutschen in diesem Kurs konnten sich über die Präsentationen der Engländer nur totlachen. Deren Powerpointfolien waren unsinnig und an jeder deutschen Schule hätten diese Schüler null Punkte für diese Vorstellung bekommen. Unser Lehrer kommentierte aber nur „excellent“ und vergab ein A, was der Note 1 entspricht. Und so war es in allen Fächern. Die Deutschen hatten an dieser Schule den Ruf von Strebern, weil wir fast überall Bestnoten bekamen. Das war aber nicht schwer, weil der Anspruch sehr niedrig war. Dazu kam noch, dass man nur drei bis vier Fächer hat. Und die kann man wählen, wie man will. Theoretisch könnte man dort mit Religion, Kunst und Sport das A-Level schaffen, den Abschluss, der oft mit dem Abitur verglichen wird. Aber zwischen Abitur und A-Level liegen Welten. Das kann man nicht vergleichen.

7.Wie würdest du den Aufenthalt im Nachhinein mit drei Wörtern beschreiben? Interessante, einmalige Erfahrung. 8.Zu guter letzt: Was gibst du all denen mit auf dem Weg, die einen Auslandsaufenthalt planen? Überlegt zuerst genau, in welches Land ihr wollt. Und kümmert Euch rechtzeitig um Stipendien und Sponsoren. Am allerwichtigsten ist dann aber die Schulwahl. Am besten ist es natürlich, wenn man persönlich eine Schule empfohlen bekommt. Sonst muss man über das Internet versuchen, die beste Schule zu finden oder eine Agentur nehmen, die einem dann nach den eigenen Schwerpunkten und Interessen verschiedene Schulen zur Auswahl geben. Doch da muss man sehr genau lesen. In der Broschüre von meiner Schule stand, der Ausländeranteil an der Gesamtschülerzahl betrage 3 Prozent. Aber unter den knapp vierhundert Schülern waren neben Chinesen, Spaniern, Franzosen vor allem über zwanzig Deutsche. Und das war natürlich für mein Englisch nicht gerade gut, weil ich nach dem Unterricht vor allem Deutsch gesprochen habe. Außerdem ist es immer besser, wenn man ein reines Internat wählt, wenn man sich für ein Internat entscheidet. Denn dann sind das Wochenendprogramm und die Freizeitaktivitäten viel attraktiver.

6.War der Widereinstieg nach einem halben Jahr England schwierig? Das war zuvor eigentlich meine größte Angst gewesen, dass ich mich nicht in Deutschland

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Impressum und andere Informationen Herausgeber: Schülerzeitung punkt. der Diltheyschule Wiesbaden • Anschrift: Riederbergstraße 54c, 65195 Wiesbaden • Telefon: 0176 - 68198667 • Jahrgang: 1 • Ausgabe: 1 • Auflage: 250 • Redaktion: Anja K. Frisch, Maresa Geerlings (Chefredakteurin), Silke Heuser, Carolin Heyman, Nikolas Jacobs, Alexander Lauer, Carla Petroll • Lektorat: Marilena Gimnich • Layout und Setzung: Piotr Potega (commandersurin.de.vu) • Finanzen und Redaktionsorganisation: René P. Klausen • Betreuende Lehrerin: Annika Hain • Druck: Universum-Verlag mit besonderem Dank Herrn Lube • Ebenfalls ein Dankeschön an Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf/Royalkomm.Design (royalkomm.de) für die Unterstützung beim Layout. Wenn Ihr Anregungen oder Verbesserungsvorschläge habt schreibt uns einfach: punkt.zeitung@web.de Die Redaktionskürzel und -E-Mail-Adressen: Carolin Heymann = ch Carla Petroll = cp Anja Katharina Frisch = akf Maresa Geerlings = mgee Alexander Lauer = al Silke Heuser = sh René Klausen = rk Piotr Potega = pp Marilena Gimnich = mg Nikolas Jacobs = nj


Hallo, mein kleiner, süßer Brecher, ich wollte dir nur sagen, dass du sau die Süße und Liebe bist. Und du bist wohl der Schlaue? Hab dich lieb! Lari


UNZUFRIEDEN? WIR WOLLEN’S WISSEN: Seid Ihr zufrieden mit der ersten Ausgabe der Punkt.Schülerzeitung? Was hat Euch besonders gut gefallen? Was hat Euch weniger gut gefallen? Was hat gefehlt? Was sollten wir anders machen? …und was Ihr uns sonst noch sagen wollt! Schreibt uns das alles bitte an die e-Mailadresse punkt.zeitung@web.de oder werft einen Brief in den SVKasten. Auf Eure Rückmeldungen sind wir angewiesen, um zu wissen, was ihr gut oder weniger gut findet. Schon jetzt vielen Dank für Eure Unterstützung! Euer Punkt.-Team


Was macht eigentlich... Frau Sarnowski? Liebe Frau Sarnowski, wir sind sehr interessiert zu erfahren, wie es Ihnen ergangen ist, nachdem Sie die Diltheyschule verlassen haben. Vorher bitten wir Sie aber für alle Unwissenden über eine kurze Begründung für Ihren früheren Abgang unserer Schule. Waren Sie hier unglücklich? Frau Sarnowski: Nein, ich war nicht unglücklich. Ich war sogar sehr zufrieden. Dennoch hat mein Mann ein gutes Stellenangebot im Theater bekommen und aus diesem Grund sind wir nach Münster gezogen. Sind Sie auch in Münster damit beschäftigt, ihre Schüler mit einem herzlichen SALVETE DISCIPULI ET DISCIPULAE zu begrüßen? Oder haben Sie beschlossen, ihr Lehrerdasein zu beenden? Frau Sarnowski: Ja, diese Art von Begrüßung sorgt dafür, dass meine Schüler aufmerksam sind (sie grinst). Und die zweite Frage muss ich mit nein beantworten, denn ich bin immer noch Lehrerin und inzwischen sogar stellvertretende Direktorin. Ich unterrichte an einem humanistischen Gymnasium Religion, Latein und in einer AG Griechisch. Sind Sie in Münster glücklich? Vermissen Sie die Diltheyschule? Frau Sarnowski: Ich bin hier sehr glücklich. Vor allem kann ich hier meiner großen Leidenschaft, dem Radfahren, nachgehen. Hier gibt es viele begeisterte Radfahrer und dementsprechend gibt es eine entsprechende Verkehrsordnung. Trotz allem vermisse ich meine Kollegen an der Diltheyschule und auch die nette Schülerschaft. Für die nette Zusammenarbeit möchte ich mich noch einmal bedanken. Nun noch eine letzte Frage. Dass Sie verheiratet sind, wissen wir bereits. Aber haben Sie inzwischen Nachwuchs bekommen oder ist geplant, welchen zu bekommen? Frau Sarnowski: Nein, ich habe keine Kinder bekommen und habe auch noch nicht geplant, welche zu bekommen. Vielen Dank für Ihre Anworten und noch viel Glück in Münster und ihrer Zukunft, Frau Sarnowski!

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HUCH!?

Ist DAS das Ende? Ooooooooooooohja! Innerhalb der folgenden Monaten könnt ihr eine neue Ausgabe dieser Gazette in den Händen halten. Dann bombardieren wir Euch mit Fakten über facebook und co. Bis dahin wäre es superfair von Euch, wenn ihr an diesem Magazin beteiligt wäret. Einfach punkt.zeitung@gmx.de anschreiben und mitmachen. Bis dahin ein Ahoi! vom Schreiberling, im Auftrag der Redaktion.


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