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9. Juli 2008

Unfalltote Rentner haben ihre Töffs nicht im Griff

Bern Die Schweizer Bischöfe lehnen ein Gesetz zur organisierten Sterbehilfe, wie es der Bundesrat prüft, kategorisch ab. Organisierte Suizidbeihilfe widerspreche dem christlichen Menschenbild sowie der Bundesverfassung. Gesetzliche Vorschriften wären für die Bischofskonferenz deshalb «untragbar».

Von Jessica Pfister

Tödliche Motorradunfälle nehmen stark zu. Pikant: Immer öfters sind es Selbstunfälle von älteren Fahrern.

Prüfung für alle Das Problem: Die Rentner können mit ihren Boliden nicht umgehen. «Vielen fehlt die Übung und sie können die Risiken nicht einschätzen», sagt Roland Wiederkehr von der StrassenopferVereinigung RoadCross.

Neue Partei im Kanton Glarus angekündigt Glarus Nach Bern und Graubünden

entsteht auch in Glarus eine Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP). Die Gründungsversammlung der Glarner BDP am 28. August bereiten jene acht Landräte vor, die Anfang Juni die SVP-Fraktion verlassen und eine Liberale Fraktion gegründet hatten.

Der 78-jährige Motorradfahrer starb nach diesem selbstverschuldeten Unfall. Bild: Keystone

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Walter Wobmann, Nationalrat und Ex-Motorrennfahrer, fordert nun: «Töfffahren sollte man stu-

Getötete

Entwicklung Strassenverkehrsopfer

schwer Verletzte

Schweizer Motorradfahrer leben gefährlich: 2007 starben rund 20 Prozent mehr Motorradfahrer als im Vorjahr. Dies zeigt die Statistik zu den Strassenverkehrsunfällen 2007 (siehe Box). Genau aufgeschlüsselt sind die Zahlen nicht. Laut dem Bundesamt für Statistik gab es 2007 rund 130 schwerverletzte und tote Töff-Rentner. Schuld an dieser Entwicklung ist laut Experten eine Gesetzesänderung von 2003. Seither können Autofahrer ab 25 Jahren prüfungsfrei auf ein 125-ccm-Motorrad umsteigen. «Es sind vor allem über 65-Jährige, die sich seitdem ihren Freizeittraum von einem rassigen Motorrad erfüllen», sagt Natalie Rüfenacht von der Bundesstelle für Unfallverhütung.

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fenweise lernen. Jeder, der auf ein Motorrad umsteigt, muss eine praktische Prüfung absolvieren.»

Weniger JUnge Die Zahl der Verkehrstoten auf Schweizer Strassen ist 2007 erstmals seit vier Jahren wieder gestiegen. Insgesamt starben 384 Menschen. Steigende Opferzahlen gab es vor allem bei Motorradfahrern, Fussgängern und älteren Personen. Erfreulich ist dagegen der Trend bei den Jungen: Die Zahl der verunfallten jüngeren Erwachsenen ist um 7 Prozent gesunken. (sda)

Minarett-Verbot: Verstoss gegen Völkerrecht? Mit fast 115 000 Unterschriften haben rechtsbürgerliche Politiker gestern die Initiative «Gegen den Bau von Minaretten» eingereicht. Der Bundesrat empfiehlt die Initiative zur Ablehnung (in «.ch»). Laut dem Rechtsexperten Daniel Thür widerspricht die Initiative dem Völkerrecht: «Dass Minarette,

Bischöfe gegen Sterbehilfe-Gesetz

Ulrich Schlüer. Bild: Keystone

egal an welchem Standort, in welcher Grösse und in welcher Funktion, verboten sein sollen, würde einen unverhältnismässigen Eingriff in die Religionsfreiheit darstellen.» Laut Mitinitiant und AltNationalrat Ulrich Schlüer (SVP) trifft dies nicht zu: Die rund 350 000 in der Schweiz lebenden Muslime

könnten ihre religiösen Bräuche problemlos in einer Moschee ohne Minarett ausüben, sagte er. Nur ein Verbot von Moscheen würde gegen Völkerrecht verstossen. Ob die Initiative zulässig ist, muss das Parlament entscheiden. Ob sie bei einer Annahme tatsächlich umgesetzt werden kann, ist fraglich. (sda)

CVP will einheitliche Einbürgerungspraxis Bern Die CVP will die Kriterien bei Einbürgerungen schweizweit vereinheitlichen, um «Einbürgerungstourismus» zu verhindern. Weiter verlangt sie standardisierte Sprach- und Integrationstests. Wie die CVP-Nationalrätin Ruth Humbel (AG) sagte, sollen Sozialhilfebezüger nicht eingebürgert werden.

Sozialhilfebezüger nicht einbürgern: CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. Key

Kadermann entlassen wegen Porno-Bilder Lausanne Das Westschweizer Ra-

dio RSR entlässt den Kadermann, der 2005 pornographische Bilder herunterlud, unter anderem von minderjährigen Mädchen. Gleichzeitig bestätigt der Verwaltungsrat die Entlassung des Informatikers, der den Fall publik machte. (sda)

BE, 09.07.2008  

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