Ersatz. Refugee Open Wear

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Refugee Open Wear Prothese. Ersatz. Erweiterung 1 Refugee Open Wear


Bachelorarbeit Nebenthema 2 Fachhochschule Köln Fakultät 02 Köln International School of Design Betreut von Prof. Andreas Muxel Im Lehrgebiet Interface & Interaction Design Anne Katharina Elisabeth Hegge Bachelorstudiengang Integrated Design März 2015

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Refugee Open Wear Prothese. Ersatz. Erweiterung 1 Die Beweggr端nde 5 1.1 Hintergrund 7 1.2 Fragestellung 9 1.3 Projekt ROW 11 1.4 Methoden 13

2 Das Projekt 14 2.1 Immersion. Eintauchen und verstehen 15 2.2 Point of View. Sichtweisen bilden 30 2.3 Ideation. Ideen generieren 41 2.4 Prototyping. Prototypen entwicklen 45

3 Der Ausblick 49 4 Quellenangaben 51

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PROTOTYPE ( written by Viktoria Modesta & Hero, produced by Roy Kerr )

Another life, filled with parts Circuit board, connecting hearts Nostalgia for the future We‘re playing god And now‘s the time We‘re limitless, we‘re not confined Its our future

I‘m the pro.. i‘m the pro.. i‘m the pro i‘m the pro.. i‘m the pro.. i‘m the pro Im the prototype I‘m the pro.. i‘m the pro.. i‘m the pro i‘m the pro.. i‘m the pro.. i‘m the pro

Provocately i deny your effort, I‘m dedicated Coz im not restricted by your method I aint another project, just messing with your logic Im progressive, not agressive Stop limiting yourself with your ambition Your insults, they just give me ammunition I got a full clip and a hot whip Are you ready coz we going on a guilt trip ahh..

Assemble me, piece by piece Strip away the incomplete, the model of the future Colliding minds, its just a start Feel the sparks, we‘re building art Its the vertigo of freedom ohh.. I‘m the pro.. i‘m the pro.. i‘m the pro i‘m the pro.. i‘m the pro.. i‘m the pro

I‘m the prototype Im the prototype I‘m the pro.. i‘m the pro.. i‘m the pro i‘m the pro.. i‘m the pro.. i‘m the pro I‘m the prototype

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1. Die Beweggründe.


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1.1 Hintergrund

Im Tierreich schenkt der Gewinner einer Auseinandersetzung über Territorium, Futter oder Partnerwahl dem Besiegten die Möglichkeit zur Flucht sowie das Leben. Der Volksmund sagt, dass nur Tauben und Menschen davon abweichen. Sie sind die einzigen, die ihre eigenen Artgenossen nach dem Sieg noch weiterhin verstümmeln, verfolgen oder töten. Neben hoch entwickelter Kriegs-, Folter und Verstümmelungstechniken zum Schwächen oder Vernichten der eigenen Art gibt es – man muss fast sagen folglich - technische Hilfsmittel, um versehrte Körper zu behandeln und Leiden zu mildern. Die Entwicklungen und Erfolge zur Wiederherstellung des verletzen oder verstümmelten Körpers liegen weit hinter den Techniken zum Vertreiben, Verwunden und Töten von Menschen. 7 Refugee Open Wear

Verlieren bestimmte Amphibien, wie Molche oder Axolotl, eine vordere Gliedmaße, so kann diese durch Epimorphose wieder vollständig neu nachwachsen. Der menschliche Körper hat jedoch wie die meisten Wirbeltiere die Fähigkeit verloren, Gliedmaßen, Organe und Gewebe durch biologische Regeneration wiederherzustellen. Ein künstlich geschaffenes, funktionell ähnliches Produkt als Ersatz für eine Gliedmaße sind Prothesen. Diese werden so, Scott Sum1 mit , auch in naher Zukunft nicht exakt das natürliche Gefühl und biologische Aussehen der verlorenen oder fehlenden Gliedmaße imitieren. 1 Industriedesigner und Direktor von Bespoke Products, 3D Systems beim TEDx Talk Cambridge am 11. November 2011 1. Die Beweggründe. Hintergrund


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1.2 Fragegestellung

Im vorliegenden Proposal soll eben diese Möglichkeit des Ersatzes einer verlorenen oberen Gliedmaße durch alternative Prothesen diskutiert werden. Anstatt eines in Massenfertigung hergestellten, hautfarbenen Fremdkörpers für körperbehinderte Menschen könnten Prothesen ebenso als Möglichkeiten zum Ausdruck der Individualität und Identität genutzt werden, wie ich in meiner Arbeit ›Handlungsräume. Eine Interaktion mit dem Unerwarteten‹ erörtert habe. Alternative Herstellungsverfahren, wie etwa der 3D-Druck, könnten die lokale Produktion von Ersatzteilen als individuell angepasste Unikate ermöglichen. Diese würden nicht dem Anspruch unterliegen eine Kopie des menschlichen Körpers zu sein, sondern es dem Träger ermöglichen, Einzigartigkeit, Selbstbestimmtheit und Würde zu demonstrieren anstatt dem Stigma einer Behinderung zu unterliegen. Auf Grundlage dieser Arbeitshypothese agiert das Projekt ROW, in welchem ich ehrenamtlich mitgearbeitet habe. 9 Refugee Open Wear

1. Die Beweggründe. Fragestellung


Durch meine ehemalige Tätigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit ergab sich im vergangenen Jahr auf einer Social Design Konferenz im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg ein Kontakt zum Begründer der Organisation morethanshelters, Daniel Kerber. Ziel der Organisation ist es, soziale Unternehmen in Krisengebieten zu fördern. Dabei werden die Methoden der partizipativen Planung, und des Social Designs angewandt. Der Schwerpunkt der Arbeit von morethanshelters liegt zur Zeit in Zaatari, dem größten und am schnellsten wachsenden Flüchtlingslager Jordaniens. Vier Jahre nach Ausbruch des Syrien-Konflikts haben sich die Bedingungen der insgesamt 3,9 Millionen syrischen Flüchtlinge alarmierend verschlechtert, so eine Pressemitteilung des UNHCR im März 20152. Eines der Projekte von morethanshelters ist ROW, welches im Folgenden näher vorgestellt wird. Das Ziel von ROW ist es, nicht nur Menschen in Kriegs- und Krisengebieten mit einer medizinischen Basisversorgung zu unterstützen, sondern ein würdevolles Leben, welches die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit fördert, zu ermöglichen. 2

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UNHCR 2015

Aus den Erlebnissen vor Ort ergeben sich immer wieder neue Fragestellungen für das Projekt: „It would be great to include someone into the team medium-term that can be able to translate design needs of beneficiaries into the product. One boy for example wanted to have Christiano Ronaldo on his „new hand“. But definitely there are many other ways to explore the customization of designs. This even could lead to a larger scale design and art project.“ Dave Levin, Projektleiter ROW Die zentrale Fragestellung für dieses Proposal ist somit, wie konkrete Herstellungs- und Individualisierungsmöglichkeiten von Prothesen der oberen Gliedmaße in DoItYourself-Verfahren oder Maker communities für kriegsversehrte Menschen in Flüchtlingsgebieten gestaltet werden können. Der Fokus liegt hierbei liegt auf Prothesen für junge Syrer im Flüchtlingscamp Zaatari, Jordanien. Anhand dieses Projektbeispiels soll die Frage diskutiert werden, wie Prothesen individualisiert werden und zu einem würdevollen Leben beitragen können.


1.3 Projekt ROW

„Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ Max Frisch (1911-1991)

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1. Die Beweggründe. Projekt ROW


Teamrolle und Verantwortung: Ausgehend von dem vor Ort formulierten Nutzerbed端rfnis, die Prothese individuell zu gestalten, wurde meine Rolle im Projekt kreiert und definiert. Aufgabe ist es nun zum einen die Nutzerbed端rfnisse aufzudecken und M旦glichkeiten zu finden, ihnen zu entsprechen. Zum anderen gilt es ebenso frei dar端ber nachzudenken, welche Chancen eine Design-Sicht auf die Ausgestaltung der Prothesen bietet.

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1.4 Methoden

“Design should no longer be restricted within the boxes of design, rather it should evolve into design thinking� Tim Brown

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Es wurde nach der Methode des Design Thinking vorgegangen, die sich vor dem Hintergrund der Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams und dem Ziel der Produktinnovation besonders eignet. Da bereits an Design-Thinking-Workshops (d.school) des Hasso-Plattner Instituts und SAP teilgenommen wurde, konnte auf einen Erfahrungsschatz mit diesem Designprozess zurückgegriffen werden. Design Thinking wurde von der Innovationsagentur IDEO entwickelt, um kreative Arbeitsprozesse zu fördern. Ähnlich wie beim User-Centered-Design orientiert sich der Prozess an der Befriedigung der Bedürfnisse der Nutzer. Dabei wurden Methoden, Ansätze und Modelle verschiedener DesignThinker genutzt, die hier ›gekennzeichnet‹ sind. Der iterative Designprozess besteht aus den folgenden Schritten: Immersion. Verstehen Im ersten Schritt geht es darum, ein Verständnis für das Problem zu entwickeln. Die einleitende Immersion besteht hierbei aus ›Desk Research‹3 und einer ›Baseline Studie‹.4 Darauffolgend wurde in der vertiefenden Immersion durch ›Interviews‹ und ›Produktive Meetings‹ das Thema vertieft.5

Ideation. Ideenfindung Als eins der Kernelemente des Design Thinkings besteht dieser Schritt vor allem darin, eine Vielzahl an Ideen statt qualitativ ausgereifte Entwürfe zu liefern. Qualität durch Quantität ist das Motto. Durch die Verbindung verschiedener Ansätze entstehen neue Lösungsansätze. Welche der Ideen, die durch das ›Brainstorming‹8 generiert wurden, weitergeführt werden, wird durch die Nutzung der ›Decision Matrix‹9 vereinfacht. 6 d.school 2010, S. 15 7 Vianna et. al. 2011, S. 85 8 d.school 2010, S.28ff 9 d.school 2010, S.30

Prototyping. Prototypen bauen In diesem Schritt wird eine Idee in die Realität umgesetzt. Dabei geht es nicht darum, ein serienreifes Produkt zu entwickeln, sondern darum, einen Lösungsansatz zu testen. »Fail quickly and cheaply«10 lautet hierbei die Devise. Durch den Prototypen wird die Konversation und Diskussion vereinfacht, Verbesserungsvorschläge können formuliert werden. Testing. Testen »Prototype as if you‘re right but test as if you‘re wrong.«11Beim Testen wird der Prototyp auf seine Nutzerfreundlichkeit untersucht. Durch das Testen entstehen oftmals neue Herausforderungen, die zuvor nicht beachtet wurden. Das kann zu unerwarteten Einsichten führen, sodass nach der Testphase die Fragestellung, oder der Point of View geändert werden muss. Durch das Testen kann die Fragestellung besser eingrenzt oder aber völlig neu beschrieben werden. Der Design-Thinking-Prozess ist somit ein klar definierter Prozess, der sich in iterativen Schleifen aus Einsichten, Ideen und Prototypen vollzieht.

3 Vianna et. al. 2011, S.30

10 d.school 2010, S. 4

4 Vianna e. al. 2011, S.34

11 d.school 2010, S. 5

5 Vianna et. al. 2011, S. 39, 45

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Point of view. Sichtweisen definieren Die einzelnen Beobachtungen werden zusammengetragen und sortiert, sodass relevante Themenbereiche in Cluster zusammengefasst werden können. Unter Zuhilfenahme der ›Empathy Map‹6 wurden die Aussagen und das Verhalten der Nutzer in Bedürfnisse übersetzt werden. Die Ergebnisse des Empathieplans7 sind die Grundlage für den nächsten Schritt, die Ideenfindung.


2.1 Immersion. Eintauchen Der Krieg

»Der Krieg ist sicherlich nicht Vater aller Dinge, doch was die Entwicklung von Prothesen betrifft, kann er elterliche Rechte beanspruchen.«1

1 Tömmel 2014 (2)

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Im Folgenden wird zunächst die Herkunft der Prothese beleuchtet. Der Krieg als Vater der Prothesen hat nicht nur die Entwicklung der Ersatzteile vorangetrieben, sondern auch seine Signatur auf dem Artefakt hinterlassen. Um zu erkennen, warum Prothesen so sind, wie sie heute sind, erfolgt zunächst ein Blick auf die Prothese im Krieg und im Spiel. Menschen bearbeiten ihren Körper. Ziel ist es dabei, eine Wiederherstellung des vorherigen Zustands oder eine Verbesserung zu erreichen. Wie lässt sich die technische Bearbeitung des Körpers historisch einordnen? Verschiedene Versuche, den Verlust der körperlichen Integrität durch funktionalen oder ästhetischen Ersatz aufzuheben scheitern bis heute. Jedoch hat die Prothesentechnik von der kiloschweren eisernen Hand Götz von Berlichingens bis zur heutigen myoelektrischen Armprothese der Firma Otto Bock verschiedene Entwicklungsstufen vollzogen. Entwicklungsschübe verlaufen parallel zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die oftmals Massen von amputierten Kriegsversehrten hinterlassen und somit einen gesteigerten Bedarf an Prothesen erklären. Der folgende kurze Abriss der kulturgeschichtlichen Entwicklung von Prothesen bezieht sich vornehmlich auf Exoprothesen, also äußere Prothesen, der oberen Gliedmaße, also der Hand und des Unterarms. 18 Refugee Open Wear

Im Vordergrund steht hierbei die Einordnung der Entwicklung in den geschichtlichen und sozio-kulturellen Kontext in Bezug auf den Träger oder die Trägerin, den Herstellungsprozesses sowie die Materialien, Materialeigenschaften und funktional-technische Aspekte der Prothese selbst. Ziel dabei ist, einen Überblick zu erhalten, welche Eigenschaften in welchem historischen Kontext von Bedeutung waren, welche Materialien und Funktionstechniken sich etablieren konnten oder als unangepasst vergessen wurden um somit Rückschlüsse für heutige Gestaltung von Prothesen ziehen zu können. Grundlage bilden hierbei, sofern nicht anders vermerkt, die Sonderausstellung des Deutschen Museums »Leben mit Ersatzteilen«12 sowie der zugehörige gleichnamige Ausstellungskatalog. Was wurde also für wen wodurch von wem wie ersetzt?

12 Die Sonderausstellung »Leben mit Ersatzteilen« war im Deutschen Museum für den Zeitraum vom 9. Mai 2004 bis zum 30. Juni 2005 geplant und wurde dann wegen des starken Zuspruchs bis Ende 2005 verlängert. Im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charitè war sie vom 1. 6. 2006 bis zum 25. 2. 2007 zu sehen.


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Der älteste datierte Fund einer Prothese stammt von einer Frau aus dem Alten Ägypten. Um 2000 v.Chr. wurden bereits von den alten Ägyptern einfache künstliche Gliedmaße hergestellt. Eine einfache Zehennachbildung aus Holz und mit Leder überzogen wurde anstatt des fehlenden Hallux im Grab einer Mumie im alten Ägypten gefunden. Gebrauchsspuren des künstlichen Zehs zeigen, dass er keine Grabbeigabe war, sondern von der etwa mit ca. 50 Jahren verstorbenen Frau tatsächlich getragen wurde.13 Im Mittalter ermöglichen einfache Holzstelzen Beinamputierten das Gehen während sich aufgrund der enormen Anpassungsfähigkeit eines Armamputierten noch nicht zwingend die Frage eines prothetischen Ersatzes stellt. Dennoch ist die wohl bekannteste Armprothese aus dem Spätmittelalter die eiserne Hand Götz von Berlichingens (1480-1562). Durch den Krieg verlor er 1504 seine rechte Hand, die Schmiedekunst eines Waffenschmieds schaffte ihm eine mit Zahnrädern fixierbare künstliche Hand, mit der er wieder ein Schwert haltend in die Schlacht ziehen konnte. Die Hand wurde aus dem gleichen Material wie die Waffe hergestellt. 13

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Vgl. Deutsches Museum 2004, S. 85

In der literarischen Epoche des Sturm und Drang erwähnt Götz von Berlichingen im gleichnamigen Schauspiel Goethes die fehlende Eigenschaft des Fühlens, der Rezeption der Prothese: „Und wenn ihr der Kaiser wärt, Ihr müsstet mit dieser Vorlieb nehmen. Meine Rechte, obgleich im Krieg nicht unbrauchbar, ist gegen den Druck der Liebe unempfindlich: sie ist eins mit dem Handschuh; ist seht, er ist aus Eisen.“ Ebenso in die Literatur eingegangen ist Pirat Barbarossa Horuk alias Captain Hook, welcher sich 1517 seine verlorene Hand durch einen Haken ersetzen ließ. Erst 300 Jahre später würde der Träger seine Armprothese aktiv bewegen können. Die starre Hakenhand ermöglichte der Romanfigur zwar nicht, Tinkerbell zu fangen, jedoch wird der bis heute genutzte harmlose Arbeitshaken in den Darstellungen und Verfilmungen zu Peter Pan als grausames Mordwerkzeug dargestellt. Der Verlust der Hand macht den Prothesenträger zu einer rachsüchtigen Figur ohne menschliche Moral.14

Im 16. Jahrhundert tauchen nun zuerst fachmännisch hergestellte Knieruhestelzen, wie die des Chirurg Ambroise Paré (1510-1590) auf. Dieser erwähnt, dass es für Besserverdiener möglich sei, sich vom Instrumentenbauer namens „kleiner Lotharinger“ eine Oberschenkelprothese, die wie damaligen Ritterrüstungen aus Eisenblech hergestellt wurde, anfertigen zu lassen. Durch dieses Ritterbein wurde zwar das Erscheinungsbild eher wiederhergestellt als bei der damals üblichen Holzstelze, jedoch bat es keine besseren Funktionen und beeinträchtigte das Gehen durch das enorme Gewicht.15 Noch bevor die industrielle Fertigung von Beinprothesen – angeregt durch die amerikanischen Sezessionskriegen (1861-65) – beginnt, entwickelt 1812 der Berliner Zahnarzt und Chirurgietechniker Peter Baliff (1775-1831) die erste aktive Handprothese. Mit starken Verrenkungen aber durch die eigene Muskelkraft des Amputationsstumpfes konnten mittels Armzügen an Ellenbogen und Schulter die Finger gestreckt werden. Kriege treiben weiterhin den Fortschritt an.

15 Vgl. Deutsches Museum. Leben mit Ersatzteilen. 14

Vgl. Tömmel 2014

S. 85f


Der Krieg Im Ersten Weltkrieg wird die Prothesenkunde zu einem »Zweig der medizinischen Wissenschaft erhoben«16. Die deutsche Prothesenforschung wurde von 1915-1919 von staatlichen und privaten Geldern finanziert und kann als Versuch einer »technikund gesundheitspolitischen Antwort«17 auf die Verheerungen des Krieges gesehen werden. Die öffentliche Darstellung von neuen Forschungsergebnissen war die patriotische Pflicht der Ingenieure. Die Prothesenforschung wurde zur öffentlichen Forschung eines Volkes, dessen Geschlechterrollen in Wanken geraten waren. Der Mann als erwerbstätiges Oberhaupt der Familie sollte wieder als Arbeiter produktiv sein. Die Medizin, Orthopädie und Sozialpsychologie arbeitete daran, die Kriegsversehrten durch Bereitstellung von Arbeitsarmen und so genannten Sonntagshänden wieder in das Alltags- und Berufsleben zu integrieren. Berufsspezifische Aufsätze wie Haken oder Ösen konnten anstelle der Hand auf den Prothesenarm aufgesetzt werden.

Die Mobilisierung des Körpers stand im Vordergrund der technischen Entwicklungen.18 Produktivität und Unauffälligkeit waren das Ziel. Als kosmetischen Ersatz gab es zusätzlich die Sonntagshand – eine hölzerne Hand, welche der natürlichen Hand nachempfunden war.19 Produktivität und Unauffälligkeit waren das Ziel. Die Hand sollte im Alltag normal erscheinen. D. Die Kriegsversehrten konnten durch social passing20 in der Masse untergehen, die Masse wiederum wurde nicht an die traumatischen Kriegserlebnisse durch ständig präsente, verstümmelte Körper erinnert. Neben dieser Passung fand eine andere Art der Passung in der Gesellschaft sowie der Produktion statt. Unter dem Namen des Normenausschuss der deutschen Industrie wurde 1919 das heutige Deutsche Institut für Normung (DIN) in Berlin gegründet, das war vier Jahre nach der Eröffnung der Prüfstelle für Ersatzglieder. 18 Vgl. Gußmann, Nolte 2014 19 Vgl. Deutsches Museum 2004, S. 89f

Georg Schlesinger hatte zu dieser Zeit einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung des Prothesenkörpers. Schlesinger galt als Fachmann der wissenschaftlichen Betriebsführung des Taylorismus und als Spezialist für die Omierung maschineller Herstellungsverfahren21 Die Prothesen für die Massen der Kriegsversehrten wurden in Massenproduktion nach standardisierten Verfahren und genormten Anschlussstellen hergestellt. Der Körper wurde genauso wie der Mensch als modulares System gesehen. Die Anschlüsse der Arbeitshände und Arbeitsarme wurden genormt und standardisiert und sollten in industrieller Massenproduktion hergestellt werden. Es entstand ein ineinandergreifendes System aus Mensch, Prothese und Maschine, das modular auseinander genommen und deren Komponenten ausgetauscht werden können. Die Bewegungsabläufe dieser Mensch- und Maschinenkinetik beruhen auf normierten Bewegungen, die zu dieser Zeit von Frank und Lilian Gilbreth in ihren tayloristischen time-motion-studies22 im Detail festgelegt wurden.

20 Mit social passing, einem Begriff aus den Gender studies, der von den Disability studies übernommen wurde, ist der Anpassungsprozess gemeint, durch den Menschen unauffällig in

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16 Vgl. Karpa 2005, S.198

der Masse untergehen können ohne aufzufallen.

17 Harrasser 2013, S. 88

Siehe Lindton 1997

21 Zu Schlesingersm Optimierungsverfahren siehe: Peter Berz, 08/15. Ein Standard des 20. Jahrhunderts, München 2001 22 Hierzu: Frank B. Gilbreth, Motion Study for the Handicapped, London 1920 2. Das Projekt. Immersion


Dieses normalistisch-kybernetische Modell des Menschen entspricht Michel Foucaults Mikrophysik der Macht23. Anstatt aus dem Blick des Militärs, der Disziplinierung und des Taylorismus den Kriegsversehrten als reparaturbedürftige Maschine zu sehen, entstand in der Psychologie und Medizin eine Gegenströmung zur Disziplinierung des Körpers. Hier wurde stattdessen im Sinne Foucaults über die Selbstregulierung und Selbstbestimmung des Körpers nachgedacht. Dies geschah auch vor dem Hintergrund, dass 2/3 der Arbeitshände keinen Gebrauch fanden, sodass andere Strategien zur Wiedereingliederung des Kriegsversehrten entwickelt werden mussten.24 Der Konflikt zwischen der Auffassung eines mechanisch-kybernetischen Körpermodell und der Selbstregulierung des mangelhaften, aber zur Selbstverbesserung fähigen Körpers zeigt sich zwischen Georg Schlesinger und seinem Mitarbeiter Ferdinand Sauerbruch in der Prüfstelle für Ersatzglieder. Ebenso in Berlin entwickelte der Chirurg Ferdinand Sauerbruch (1875 – 1951) gut 100 Jahre nach Baliff eine neue Prothesenkonstruktion für Kriegsversehrte. In einer aufwändigen und mit Komplikationen verbundenen Operation, deren Technik heute nur noch sehr wenige Ärzte

beherrschen, wurde bis 1957 durch den Bizeps ein Hauttunnel gelegt, in den ein Elfenbeinstift gezogen wurde. Dieser Stift überträgt die Muskelkraft an die Sauerbruch-Hand, die sich bei Anspannung schließt. Über die Rückmeldung der Zugmechanismus an die Muskelenden erhielt der Prothesenträger eine sensorische Information über die Lage der Prothese im Raum und konnte so kraftsparend und zielgenauer arbeiten. Wenn auch im Arm steckende Stifte sehr gewöhnungsbedürftig aussehen, war die Vorstellung der beweglichen Armprothese 1917 eine Revolution in der Versorgung Kriegsversehrter und ist als wichtiger Entwicklungsschritt in der Geschichte der Armprothesen anzusehen .25

In Schlesingers Modell wurde der Mensch an die Maschine angepasst, sein Bewegungsspielraum verengt und einer Maschine gleichgesetzt. Die Maschine und die Masse sind das Zentrum der Betrachtung. Bei Schlesinger hingegen steht die Selbstständigkeit und Individualität des Arbeitenden im Vordergrund. Es kommt zur Verwischung von Krankheit und Gesundheit. In der Psychologie entsteht eine neue Vorstellung vom Körper. Werkzeuge und Prothesen sind dabei nur verschiedene Ausprägungen von Körpererweiterungen . Körper sind nunmehr ständig verbesserungswürdig.28

Durch die Sauerbruch-Prothese war die Kommunikation zwischen Körper und Prothese möglich, eine empfindsame Verbindung entstand. Während Schlesinger die Empfindsamkeit der Hand als menschliche Schwäche bezeichnete26 nutze Sauerbruch die sensorischen, wie propriozeptiven Fähigkeiten des Organismus, um Rückmeldung über die Umwelt zu erhalten. 27 25 Vgl. Karpa 2005, S.200 26 Vgl. Harrasser 2013, S.94

23 Hierzu: Michel Foucault, Berlin 1976 24 Vgl. Harrasser 2013, S. 92

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27 Zur Propriozeption, siehe: Anne Hegge, Handlungsräume, 2015, S.16

28 Vgl. Harrasser 2013, S. 95


Der Krieg

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2. Das Projekt. Immersion


Bei allein über 44.500 deutschen Kriegsversehrten des Zweiten Weltkriegs, die Arm- oder Beinprothesen benötigen, stieg der Bedarf an funktionellen Prothesen nochmals an. Nun beschäftigten sich Chirurgen, Orthopäden und Ingenieure angeregt damit, amputierte Kriegsverletzte wieder an die Arbeit zu bringen. Die massenhafte berufliche Wiedereingliederung durch Prothesen sollte durch zahlende Krankenversicherungen und dem Verein „Krüppelfürsorge“ stattfinden. Anstatt in Heimen versorgt zu werden, bleibt weiterhin das Ziel, Kriegsversehrte in ihr gewohntes Umfeld und Beruf zurückzubringen.29 Mit dem Berliner Orthopädiemechaniker Otto Bock beginnt in Deutschland durch die Serienproduktion von Prothesenteilen die Basis der heutigen modernen industriellen Orthopädie.30 Parallel dazu patentiert Becker die Becker-Hand in den Vierzigerjahren. Die bis heute kontinuierlich verbesserte Prothese ist mit 600 $ kostengünstig, robust und funktionell, in Deutschland jedoch aufgrund der starken Marktvorherrschaft Otto Bocks nicht bekannt. Otto Bock bleibt bis heute Marktführer. 1984 kam es zur Entwicklung der ersten Fremdkraftprothesen. Anders als bei den biherigen Eigenkraftprothesen wird ein Motor

über das elektrische Muskelpotenzial des Armstumpfes gesteuert. Die anfangs schweren Elektromotoren, die einen einfachen Zangengriff ermöglichten, wurden bei der „Karlsruher Fluidhand“ durch Luft oder Flüssigkeit ersetzt. Drei unabhängig voneinander bewegliche Finger und niedriges Gewicht zeichnen die bionische Fluidhand des Karlsruher Instituts für Technologie von 2002 aus.31 Seit dem Ausbruch des Irakkriegs 2003 wird wieder verstärkt an intelligenten Prothesen und Implantaten geforscht, da trotz kugelsicheren Schutzwesten die Gliedmaßen verwundbar bleiben. Im Irak und Afghanistan hinterlässt der Krieg doppelt so viele Amputierte wie im Vietnamkrieg (1955 – 1975). Technische Innovationen bezeichnen nun die Entwicklung der Handprothese, die in ihre Form als Abbildung der Hand erhalten bleibt. Neue Kunststoffe und Materialien wie Silikon bieten höheren Tragekomfort, kleinere und leichtere Motoren ermöglichen präzises Greifen und längere Tragezeiten. Aktive Fremdkraftprothesen bieten verschiedene Steuerungsmöglichkeiten, von der myoelektrischen Steuerung über die Muskelspannung restlicher Muskelenden über Steuerungsmöglichkeiten

29 Vgl. Deutsches Museum 2005 30 Vgl. Deutsches Museum 2005

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über das Smartphone, die Vielzahl ein Eingabeoptionen ermöglicht. Während die Zahl der Amputierten in den Industrieländern zurückgeht, da die Sicherheitsvorkehrungen am Arbeitsplatz Unfälle verhindern, steigt weltweit die Zahl der Amputierten. Dies lässt sich auf die Minen- und Bombenopfer der Krisen- und Kriegsgebiete zurückführen. Hier sind z.B. 98% der Streubombenopfer aus der Zivilbevölkerung, 27% der Betroffenen sind Kinder unter 18Jahren.32 Diese Masse an amputierten Menschen hat aufgrund der politischen Lage oftmals keinen Zugang zu medizinischer Versorgung oder finanzielle Möglichkeiten, eine Prothese zu erwerben.33 Heute wird weltweit wird die Zahl der Menschen, die an den oberen Gliedmaßen amputiert wurde, auf etwa 650 000 Menschen geschätzt.34 Neue Entwicklungen bei Handprothesen zeichnen sich besonders durch die Einbettung neuer aber störanfälliger Technologien wie etwa Drucksensoren, leichterer aber kostspieliger Materialien wie Karbon aus. Weitere Nutzerbedürfnisse jedoch finden keinen Eingang.

32 Handicap International 2015 33 Vgl. Handicap International 2015

31 Vgl. Aschoff 2013

34 Shared Design Alliance 2015


Der Krieg

Schlussfolgerung

Der geschichtliche Überblick zur Entwicklung und Verwendung von Prothesen zeigt, dass die Prothetik ihren Ursprung in der Gewalt zwischen Menschen hat. Nicht körperliche Fehlentwicklungen oder Unfälle führten zum Fehlen der Gliedmaße, sondern die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Menschen. Der Kampf wird traditionellerweise mit physischer Arbeit und dem männlichen Geschlecht konnotiert. Daraus erklärt sich die Entwicklung der Prothese in ihrer Form und Funktion. Als mechanischer Ersatz wurde über Jahrhunderte versucht, die körperliche Integrität und Kraft des Körpers wieder herzustellen. Der Fokus lag daher auf der Basisfunktion der Hand, das Greifen. Durch das Greifen wurde Kampf oder Arbeit ermöglicht. Vor der dem Ersten Weltkrieg sind Prothesen handgefertigte, technische oder künstlerische Unikate, die für einzelne Individuen angefertigt wurden und zum charakteristischen Element des Individuums wurden (wie z.B. Götz mit der eisernen Hand). Mit der Industrialisierung und nach dem zweiten Weltkrieg nimmt die Verrichtung körperlicher Tätigkeiten und Handarbeiten einen geringeren Stellenwert ein, Massenfertigung wird Standard. Unter den Opfern der humanitären Krisen und Kriege befinden sich heute Kinder und Frauen, die aufgrund von Minen oder Bomben eine Gliedmaße verloren. 25 Refugee Open Wear

Die Amputation verliert den Charakter des Heroischen. Dennoch ist die Prothese ein Symbol und Metapher für etwas, was in der Vergangenheit geschah35 und somit eine Erinnerung an das Trauma. Um das kollektive Trauma des Krieges zu überwinden, scheint es nah, Prothesen so menschenähnlich zu gestalten, dass sie nicht mehr an das Vergangene erinnern, also nicht im Alltag auffallen. Kosmetische Hände als Abbild der menschlichen Hand sollen die Unauffälligkeit im Alltag, das social passing, ermöglichen. Während Prothesesn für die Bedürftigen in Kriegs- und Krisengebieten oftmals unerreichbar sind, wird in Industrieländern an der Entwicklung von High-Tec Prothesen geforscht. Individuelle Prothesen bleiben zahlungskräftigen Individuen vorbehalten. Wie können jedoch Menschen in Kriegs- und Krisengebeten Zugang zu Prothesen bekommen? Welche Herstellungsverfahren bieten sich neben der traditionellen Orthopädie und industriellen Massenfertigung an? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Project ROW.

35

Vgl. Tömmel 2014

2. Das Projekt. Immersion


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Das Spiel Neben den klassischen Prothesen, die aus der Geschichte des Krieges entstanden sind, gibt es Alternativen zu medizintechnischen Orthopädieprodukten. Diese entwickelten sich nicht aufgrund des Bedarfs, sondern aufgrund der Möglichkeit für Einzelpersonen, computergenerierte Modelle zu entwerfen, über die Vernetzung im Internet zu verbreiten und durch generative Herstellungsverfahren, wie dem 3D-Druck zu produzieren. Die Bewegungen und Projekte Open Bionics36 , E-nable37, oder Open Prosthetics38 widmen sich der Verbreitung und Entwicklung von Prothesen aus dem 3D-Druck. Die bekanntesten Modelle sind die RaptorHand und FlexyHand. Diese robotorähnlichen Handprothesen sind auf Open-Source-Portalen wie etwa Thingiverse39 oder Instructables.com (noch) frei verfügbar.40 Die Modelle RaptorHand und FlexyHand sind auf dem gleichen mechanischen Prinzip aufgebaut. 36 Openbionics.com 37 Enableingthefurture.org 38 Openprosthetics.org 39 Thingiverse.org 40 Thingiverse sowie Instructables bieten zunehmend kostenpflichtige Downloads an.

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2. Das Projekt. Immersion


Durch die Flexion des verbliebenen Handstumpfes unterhalb des Handgelenks lassen sich die Nylonfäden oder Gummibänder, die die Hand auf Spannung hält, zusammenziehen. Dadurch ziehen sich die Fingerspitzen zusammen, die Hand formt sich zum Griff. Es ist eine Greifbewegung möglich. Die Finger sind nicht einzeln kontrollierbar. Auf der Seite der E-nable Community spielen weiße, nordamerikanische Kinder mit diesen Prothesen und präsentieren die Vorzüge der Plastikhand beim Spielen mit dem Hund, vor dessen Biss man sich nun nicht mehr fürchten muss, oder beim Schwimmen im Pool, ohne die Prothese abnehmen zu müssen. Variationen in feuerrotem Kunststoff mit eingebauter Lichtquelle werden stolz von Ironman-Fans präsentiert. Amputierte Kinder werden als Superhelden dargestellt. Im Kleingedruckten wird dann empfohlen, das Kind nur lediglich 5-10min täglich mit der 3D-gedruckten Hand spielen zu lassen. Dies und der Hinweis, dass die vorgestell28 Refugee Open Wear

ten Hände kein Ersatz einer orthopädischen Prothese seien, lässt darauf schließen, dass die Kunststoffprothesen eher als Spielzeug denn als medizintechnische Prothese gestaltet wurden. In den etwas versteckten Safety Guidelines wird ebenso darauf hingewiesen, dass sich Enable jeglicher Produktverantwortung entzieht. Es wird somit keine Verantwortung bei einem Schaden übernommen, der durch die Prothese verursacht wurde. Dennoch bewegen die Bilder der glücklichen Kinder und die mediale Präsenz der E-nable community, sodass der Versuch nahe liegt, diese Modelle auf den Kontext der syrischen Flüchtlingskrise übertragen zu wollen. Nach diesem einleitenden Teil der Immersion wurde als vertiefende Immersion eine Studie zur Situation der Prothesenversorgung durchgeführt.41 41

Vianna et. al. 2011, S. 38


Baseline Studie

Der anhaltende Konflikt in Syrien hat bisher 200.000 syrische amputierte Kriegsversehrte hinterlassen. Die Hälfte davon sind Minderjährige. Circa 75% von ihnen sind an den unteren Gliedmaßen amputiert worden, 25% an den oberen Gliedmaßen.42 Im Oktober 2014 wurden zusammen mit dem Sozialunternehmen morethanshelters in Hamburg im Rahmen einer Baseline-Studie des Projekts ROW zehn Kliniken und Hospitäler in Jordanien und Amman zur Versorgung von amputierten Patienten mit Prothesen befragt. Alle zehn Einrichtungen gaben an, dass aufgrund des hohen Bedarfs eine Unterversorgung von Prothesen der unteren sowie oberen Gliedmaße besteht. Eine herkömmliche Unterarmprothese kostet in Jordanien den Patienten ca. 2.400 US$. Dieser Preis ist aufgrund der speziellen Umstände der Flüchtlinge oftmals zu hoch oder der Nutzen im Vergleich zu den Kosten zu gering. Da in Jordanien und Syrien derzeit nicht ausreichend Prothesen hergestellt werden können, dauert es bis zu sechs Wochen, bis eine Handprothese von einer Hilfsorganisation importiert wurde und den Menschen im Krisengebiet erreicht. Um eine herkömmliche Prothese an den Armstumpf anzupassen, muss ein Orthopäde einen Abdruck nehmen und in einem aufwändigen Verfahren einen Schaft herstellen, der individuell an den Körper des Versehrten angepasst ist. Ein Fachkräftemangel im Orthopädiewesen verlängert den Herstellungsprozess. Dazu werden generell in keinem der befragten Krankenhäuser und Hospitäler Patienten mit Prothesen der oberen Gliedmaße versorgt, die noch nicht ausgewachsen sind. Der aufwändige Herstellungsprozess wiegt gegenüber der begrenzten Tragedauer bis zum nächsten Wachstumsschub des Patienten nicht auf. Daher gibt es keine Prothesen-Versorgung für Kinder mit amputierten oberen Gliedmaßen. Die verfügbaren Prothesen sind Hand- und Oberarmprothesen, die mit einem Silikonhandschuh überzogen werden, um so wie eine natürliche Hand zu erscheinen. Da es keine spezielle Anpassung an den natürlichen Hautton des Patienten gibt und die Form der Hand nicht der des Patienten entspricht, wird die künstliche Hand vom Träger oftmals nicht akzeptiert, da er sie als abstoßend empfindet. Es gibt keine Möglichkeit der Personalisierung durch den Träger. 42

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UNHCR 2015 2. Das Projekt. Immersion


Needs

Anfassen,

Fühlen,

Streicheln,

Hal-

ten, Hand Schütteln, Fangen, Greifen, Ziehen,

Fingerspitzengefühl

zeigen,

Drücken, Wärmen, Ziehen, Kraulen, Drachenschnur aufwickeln, eine Dose Öffnen, Werfen, Hände falten, Turnen, Blindenschrift lesen, Gestikulieren, Malen, Schlagen, Reißverschluss öffnen, Auto fahren, Umarmen, etwas wegschnipsen, mit einer Schere schneiden, Fahrrad fahren, Berühren, Anziehen, die Hände vors Gesicht halten, ein Buch lesen, Hände auflegen, auf etwas zeigen, den Ehering tragen, Drücken, Grüßen, Waschen, Stricken, eine Faust machen, Fangen,

36 Refugee Open Wear

Kratzen,

Händchen

halten


Auf Grundlage der identifizierten Bedürfnisse lassen sich Erkenntnisse definieren, die in diese Themenbereiche zusammengefasst werden können:

Key Insights

Unabhängigkeit Lebensfreude

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2. Das Projekt. Point of View


Unabhängigkeit durch Funktionalität

Der Greifarm Greifen und begreifen, fassen und anfassen, halten und anhalten, werfen und fangen, geben und nehmen, ziehen und drücken sind Tätigkeiten, die wir täglich bewusst und unbewusst verrichten. Die Hand ist in ihrer Funktion ein Werkzeug. Produkte sind für Menschen mit zwei Händen konzipiert. Auf ihre grundlegende Funktion reduziert ist die Hand durch ihren Daumen zu einem Greifer geworden. Fehlt der komplette Arm oder nur ein paar Finger, verliert die Hand ihre Funktion und der Mensch seine Tätigkeit. Das ist bei Erwachsenen überwiegend die Arbeit, bei Kindern das Spiel. Die Hand mobilisiert und ermöglicht Aktion. Der Mensch gewinnt Unabhängigkeit.

Dieses Konzept der Hand als gestaltendes Organ kann mit der Auffassung Georg Schlesingers beschrieben werden. Als Universalwerkzeug und äußere Gehirn des Menschen ist sie das Werkzeug der Werkzeuge aber selbst kein Werkzeug. Mit Bezug auf Kant beschreibt Georg Schlesinger die Hand als das Organ, durch das der Mensch sich zum vernünftigen Tier macht.44 Der Griff und die Fingerfertigkeit zweier Hände im Zusammenspiel sind elementare Grundfertigkeiten des Menschen. Sind diese nicht mehr vorhanden, ist vernünftige Handarbeit nicht möglich. Die Hand wird als gestaltendes Organ verstanden, eine Handhabung ist reine Mechanik. 44 Vgl. Harrasser 2013, S. 93

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Lebensfreude und Empfindsamkeit

Das sensible Körpermodell Konträr zur Modell der Hand als greifendes Werkzeug werden die Hände als Ausdruck der Emotion und Individualität verstanden. Die Hand ist das Gesicht des Menschen. Durch die Gestik sprechen wir mit den Händen. In jeder Kultur findet der Ausdruck des Individuums durch ornamentalen Besatz wie etwa ein Ehering, durch lackierte Nägel, Handschuhe oder (Henna-)Tätowierungen statt. Durch das Fehlen der Hand fehlt diese Information. Das symmetrische Körperbild ist gestört. Die (Wieder-)Herstellung der Empfindsamkeit der Hand im kulturellen Kontext führt zum gesteigerten Selbstwertgefühl statt Stigmatisierung.

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2. Das Projekt. Point of View


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2.3 Ideation. Ideen entwickeln Ideation Matrix Auf Grundlage der Erkenntnisse des Point of View lassen sich die folgenden Gegens채tze definieren:

Krieg

Spiel

Narbe Schmuckst체ck Stigma Kunst Less

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Superheld Natur is more

2. Das Projekt. Ideation


Krieg – Spiel Der Ernst des Krieges wird der Leichtigkeit des Spiel entgegengesetzt. Der starren, schmerzenden und gruseligen Prothese oder Narbe wird ein modulares Spielzeug entgegengesetzt. Aufsätze können ausgetauscht und aufgebaut werden. Anhand eines Adapters ist es möglich, vom Legobausatz bis zum Wii-Controller die Prothese spielerisch zu erweitern.

Narbe – Schmuckstück Die Hand der Fatima ist ein Schmuckstück und gleichzeitig Abwehr gegen das Böse. Die Hand mit ihrer Gestik ist wie das Gesicht mit seiner Mimik Ausdruck der Persönlichkeit. Diese wird mit Schmuck und Schminke, Tätowierungen mit Henna und Gravuren in Eheringen geschmückt. Die Körpersymetrie und -ästhetik findet hierbei besondere Aufmerksamkeit.

Stigma – Superheld Vom Stigma des being disabled zu superabled. Der Vakuum des Körpers wird zur technischen Erweiterung. Als »Baumeister des eigenen Selbst«45 kann eine Superpower identitätsstiftend sein. Hierbei liegt der Fokus auf der Ausarbeitung einer spezifischen Funktion anstatt des Unversalwerkzeug Hand gerecht zu werden. Entwicklungen im Bereich Wearables und Augmentation fallen unter diesen Bereich. 45 Eickelpatsch, Rademacher 2004, S.7

42 Refugee Open Wear


Ideation

Kunst – Natur Die Hand in seiner natürlichen Funktion und Aussehen wiederherzustellen, wird durch kosmetische Prothesen versucht. Im Bereich der Fazialprothetik gibt es beindruckende Prothesen aus dem 3D-Druck. Anstatt die Natur künstlich nachzuahmen, bietet die Bionik zahlreiche Ansätze, Greifen, Haftung und Halten zu ermöglichen. Auch die Zusammenarbeit mit Haustieren, wie etwa bei einem Blinden und einem Blindenhund, ist denkbar.

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Less is more Unter dem Punkt less is more fallen alle Ideen, die anstatt einer Prothese zu betrachten sind. Hierbei ist die These, dass der Mensch sich nicht an die Produkte der Zweihändigen anpassen sollte, sondern Produkte für Menschen gestaltet sind. In der Versorgung von Schlaganfallpatienten, die einseitig gelähmt sind, genauso wie bei Lifestyleprodukten steht die einhändige Bedienbarkeit im Fokus der Produktentwicklung.

2. Das Projekt. Ideation


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2.4 Prototyping. Prototypen entwickeln

Trotz und wegen der Vielzahl der Ergebnisse der Ideation-Phase wurde zunächst aussortiert, welche Ideen nicht nachhaltig oder nicht innerhalb der nächsten acht Wochen realisierbar sind. Um kurzfristig erste Ergebnisse liefern zu können, wurde die Personalisierung auf Grundlage bestehender Open-Source Modelle (RaptorHand und FlexyHand) ausgewählt. Diese Option war auf der Entscheidungsmatrix46 die Idee mit dem größten erwarteten Impact. Auch bei geringem Innovationsgehalt schien diese Idee nötig, um zunächst Menschen mit Prothesen zu versorgen, sowie das Projekt publik und gleichzeitig die Modelle auf ihre Verwendbarkeit und Nutzerfreundlichkeit im spezifischen Kontext hin testen zu können. 46

45 Refugee Open Wear

Vgl. Vianna et. al. 2011, S. 111

So wurden zunächst die genauen Maße der Patienten abgenommen, um daraus die Maße der Prothesenteile zu konfigurieren. Im weiteren Verlauf des Projekts wurden – ermöglicht durch eine Spende – ebenso mit einem 3D-Scanner die gesunde Hand sowie der amputierte Stumpf vermessen. Die Daten zusammen mit den Personalisierungswünschen der Patienten gelangten zu mir. Anhand der CAD-Programme Rhino sowie Grashopper wurden die individuellen Prothesen gestaltet und gerendert. Die fertigen .stl Dateien wurden exportiert und mit dem zugehörigen slice-code versehen. Anhand dieser Dateien konnte mit dem entsprechenden Material und 3D-Drucker die Prothese hergestellt werden. Die Testprothesen wurden in Köln sowie Amman gedruckt. Durch den Orthopäden vor Ort wurde die Prothese dem Patienten übergeben und angepasst. 2. Das Projekt. Prototyping


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Ergebnisse

Die Prototypen sind nur bedingt im genannten Kontext nutzbar. Sie zeigen nur wenige Möglichkeiten der Individualisierung auf. Die roboterähnliche RaptorHand wurde von keiner Frau angenommen. Die natürlicher aussehende Flexyhand ist aufgrund der flexiblen Gelenke aufwändig herzustellen. Die vorgegebene starre Form der Modelle lässt sich nur bedingt an die individuellen Amputationsstümpfe anpassen. Generell sind die Prototypen nur für Menschen brauchbar, bei denen noch ein beweglicher Rest des Handgelenks vorhanden ist. Durch die aktive Personalisierung durch Kunden konnten oberflächliche Variationen gestaltet werden. Auch Farbvariationen sind möglich. Durch diese Art der Individualisierung wurden jedoch die Nutzerbedürfnisse nicht gedeckt. Nach einer anfänglichen Euphorie des spielerischen 47 Refugee Open Wear

Austestens der Prototypen findet keine dauerhafte Verwendung im Alltag statt. Die verwendeten Kunststoffe können Reizungen auslösen. Durch die statische Aufladung des Materials zieht es Staub und Kunststoffe wie Vorhänge oder Tischdecken an. In den Gravuren sammelt sich Dreck, der nur schwer zu entfernen ist. Während ein Kunststoff (ABS) brennbar ist und ein hohes Sicherheitsrisiko birgt, neigt ein anderer getesteter Kunststoff (PLA) zu Verformungen ab 80°C. Die Funktion des Greifens ist sehr beschränkt. Es kann durch Flexion des Handgelenks ein leichter Gegenstand für einige Sekunden gehalten werden. Feinmotorik ist nicht möglich. Durch das Testen der Prototypen wurde deutlich, dass durch diesen Lösungsansatz die Key Insights ›Lebensfreude‹ und ›Unabhängigkeit‹ nicht abgedeckt werden. 2. Das Projekt. Prototyping


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3. Ausblick

Rückblickend wurde deutlich, dass für eine bestehende Lösung ein passendes Problem gesucht wurde. Durch die Mitarbeit des leitenden Experten der e-nable Community wurde die Nutzung und Weiterentwicklung der e-nable Modelle stark vorangetrieben anstatt alternative Lösungsansätze im Ideation-Prozess nachzugehen. Die Personalisierung wurde durch ornamentale Gravuren und Farbvariationen auf ein Minimum reduziert und konnte mit geringem Aufwand durchgeführt werden. Durch diese Art der aktiven Kundenpersonalisierung ergab sich kein signifikanter Mehrwert für den Nutzer. In der nächsten Iterationsschleife muss demnach der Point of View neu definiert werden. Die Frage, wie Prothesen personalisiert werden können ist demnach nicht die eigentliche Problematik. Die Personalisierung eines Produkts setzt voraus, dass das Produkt in seiner Funktion und Form bereits den Nutzerbedürfnissen ent49 Refugee Open Wear

spricht und lediglich durch die Personalisierung an die Parameter des Nutzers angepasst wird. Beim Modell FlexyHand und RaptorHand werden jedoch wesentlichen Nutzerbedürfnisse nicht gedeckt. Beide Hände sind in ihrer Mechanik und in ihrem Aussehen auf die Funktion des Greifens ausgerichtet und beschränkt. Dies ist jedoch nur sehr begrenzt möglich. Gesundheitliche Risiken überwiegen den Nutzen des grobmotorischen Greifens leichter Objekte. Dennoch hat die Herstellung mit dem 3D-Druck positive Ergebnisse erzielt. Die Nutzung von offenen Quellen und die Zusammenarbeit in globalen Netzwerken birgt enormes Potenzial, um Menschen in Gebieten mit unzureichender (medizinischer) Versorgung zu erreichen und zu verbinden. Ebenso wird durch die individuelle Anfertigung lokal vor Ort die Unabhängigkeit gegenüber globalen Handelsmächten gestärkt. Im weiteren Verlauf der Arbeit soll also weiterhin mit der generativen Fertigungstechnik des

3D-Drucks experimentiert werden. Der Fokus liegt hierbei auf der Suche nach und dem Experiment mit geeigneten Materialen. Von besonderem Interesse sind hierbei Filamente, die sensorische oder fluide Charakteristiken aufweisen, um die Verbindung mit dem Prothesenträger zu stärken. Als zweiter Aspekt soll die Nutzung der Prothese als Greifarm überdacht werden und ein alternatives Konzept der Ideation-Phase ausgearbeitet werden. Während die bewegungseinschränkenden, mechanisch-kybernetischen e-nable Modelle aus der Hand Schlesingers kommen könnten, so soll im weiteren Verlauf über ein Prothesenkonzept nachgedacht werden, welches in besonderer Rücksicht auf das Körpermodell Sauerbruchs eingeht. Die sensible Verbindung zwischen Körper und Prothese stehen dabei im Zentrum der Betrachtung

3. Ausblick


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4. Quellenangaben Literaturverzeichnis

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4. Quellenangaben


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4. Quellenangaben Abbildungsverzeichnis

Sofern nicht anders angegeben, handelt es sich um eigene Abbildungen oder Abbildungen von Projekt ROW Seite 4 Priscilla Leg www.thealternativelimbproject.com/project/ priscilla Seite 5 Viktoria Modesta http://esentatare.com/en/2015/01/30/ viktoria-modesta-the-sexy-pop-star-with-anamputated-leg/ Seite 6 Embryo http://upload.wikimedia.org/wikipedia/ commons/5/53/9-Week_Human_Embryo_ from_Ectopic_Pregnancy.jpg Seite 7 Molch www.sonja1506.wordpress.com Seite 19 Eiserne Hand http://upload.wikimedia.org/wikipedia/ commons/0/06/Berlichingen_Eiserne_ Hand_1.jpg Seite 20 53 Refugee Open Wear

Arbeitshaken http://www.anthropofakte.de/objekte/ arbeitshaken Seite 22 Operation nach Sauerbruch http://issuu.com/bodypolitics/docs/heft_1_ issuu_ Seite 23 Sauerbruch Prothese http://www.merkur-online.de/ lokales/region-tegernsee/tegernsee/ ausstellung-ingolstadt-hand-tegernseerhandwerkers-3434372.html Pr端stelle f端r Ersatzglieder http://kareneliot.de/thesis_virtualidentity. html Seite 25 I-Limb Ultra Prothese http://www.otwolf.de/fachbereiche/ orthopaedietechnik/prothetik/arm/touchbionics/ Seite 27 Captain America Prothese

https://plus.google.com/u/0/ communities/102497715636887179986 Seite 28 Iron Man http://masterherald.com/civil-war-is-noiron-man-4-says-robert-downey-jr/12945/ Seite 35 Empathy Map d.school 2010, S. 15 Seite 39 Teddy http://picture.yatego.com/ images/50f5794e4aa990.1/0150210_ohne1_ bea-kqh/steiff-teddy-wrmfl--1908.jpg Seite 42 Lego https://metrouk2.files.wordpress. com/2014/02/10667_front_11.jpg Gecko http://www.spektrum.de/fm/912/ thumbnails/Geckofu%C3%9F_ dreamstime6854609_EricIsselee. png.1528852.png 4. Quellenangaben


Nike Flex Run Prothese http://pixgood.com/dload.php?i=http:// www.dorset-ortho.com/wp-content/uploads/ Flex-Run-with-NIKE-Sole.jpg Edward mit den Scherenh채nden https://www.stanwinstonschool.com/blog/ edward-scissorhands-scissor-hands Fingerh체te https://www.pinterest.com/ pin/466544842622100770/ Fatima Hand https://www.pinterest.com/isiscat/hamsahands-other-charms/ Seite 43 Einh채ndige Trinkflasche http://i.ebayimg.com/t/ContigoGrace-Trinkflasche-mit-Autoseal-750ml-cobalt-/00/s/NjAwWDQwMA==/ z/484AAOSwZjJU8Hrr/$_12.JPG Blindenhund http://www.radio-mk.de/typo3temp/ pics/0fc3cd85b3.jpg

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Versicherung Hiermit versichere ich, Anne K. E. Hegge, dass ich die Arbeit selbstständig angefertigt habe und keine anderen als die angegebenen und bei Zitaten kenntlich gemachten Quellen und Hilfsmittel benutzt habe.

Anne K. E. Hegge KÜln, im März 2015

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