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20 | PULSTREIBER MAG Frühjahr 2017

TRAINING

Fokussierte Zugkraft Isometrisches Training mit dem Isokinator

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ür Kraft- und Muskelzuwachs braucht es einen Widerstand, gegen den der Muskel arbeiten kann. Dies ist zumeist die Schwerkraft, wenn z.B. Klimmzüge ausgeführt werden oder ein Gewicht gehoben wird. Auch Gummibänder oder Trainingsmaschinen können den notwendigen Widerstand bilden. Wichtig ist dabei, dass der Widerstand bzw. das Gewicht ausreichend schwer sein muss, um Hypertrophie (Muskelvergrößerung) oder Kraftzuwachs zu stimulieren. Bei zu leichtem Widerstand steigt sonst nur die Kraftausdauer bzw. die kardiovaskuläre Ausdauer. Wäre dies nicht so, dann hätten Tischtennisspieler muskulösere Arme als Turner. Allerdings ist es auch möglich, den Muskel ohne dynamische Bewegungen zu fordern, indem der Körper gegen einen unbeweglichen bzw. fast unbeweglichen Widerstand mit maximaler bzw. submaximaler Kraft arbeitet. Dies nennt man isometrisches Training. Forscher fanden dies schon vor Jahrzehnten heraus, in dem sie das Bein eines Frosches mit einem Band fixierten und merkten, dass dieses Bein durch den

Versuch, sich gegen den unbeweglichen Widerstand frei zu machen, stärker wurde. Möglichkeiten, diese Methode praktisch umzusetzen, gibt es viele. Ob man nun versucht, einen Ziegel zu »zerquetschen« oder einen Gartenschlauch zu »zerreißen« – das Prinzip ist dasselbe. Neben den provisorischen Hilfsmitteln gibt es zudem ein besonderes Trainingsgerät, welches ausschließlich für diese Trainingsform gedacht ist: den »Isokinator«. Genau diesen haben wir uns näher angeschaut und ihm auf den Zahn gefühlt.

Aufbau und Prinzip Der Isokinator ist ein kleines Gerät, welches an eine Platine erinnert und kaum größer als ein Smartphone ist. Geliefert wurde es zusammen mit einer detaillierten Trainingsanleitung und zwei Broschüren, in denen zahlreiche Fitnessmodels und Lobpreisungen abgebildet sind. Hier stellten sich mir die Nackenhaare auf. Hätte man nicht sachlich bleiben können? Müssen immer aalglatte Muskelschönlinge und

Bikinimodels als Ideal herhalten? Mann oh Mann. Aber gut, zumindest ich bleibe sachlich. Widmen wir uns weiter dem eigentlichen Trainingsgerät. Der Isokinator ist aus Edelstahl gefertigt und komplett elektronikfrei. Er hat links und rechts zwei Schlaufen und in der Mitte eine Skala, die anzeigt, auf welcher Position der Regler steht, der die links und rechts angebrachten Stäbe verbindet. Auf Hebelwirkung basierend, lässt sich hierüber der Widerstand einstellen. Gegen diesen kann man arbeiten, indem man die Schlaufen auseinanderzieht. Der Zielwiderstand ist erreicht, wenn die zwei goldenen Kugeln jeweils auf Position der zwei oben gebohrten Löcher stehen. Beiliegende Trainingsanleitung zeigt jeweils sieben Grundübungen und dazu auch Alternativen. Je nach Übung werden unterschiedliche Muskelpartien gekräftigt. Der Übende muss nur vor dem erstmaligen Training für jede Übung durch Ausprobieren ermitteln, mit welcher Widerstandsstufe er zehn Wiederholungen schafft. Die Ausführung ist überall gleich: Zug an den Bändern, bis die Kugeln in der richtigen Position sind (und dort bleiben). Zehn Wiederholungen, drei Sätze.

Fotos: Stefan Mothes, PR

Besonderheiten und Praxistest Da der Isokinator immerhin 175 Euro kostet, stellt sich natürlich die Frage, ob nicht der angesprochene Gartenschlauch oder ein Seil eine preiswertere Option darstellen. Für gelegentliches Trainieren sicherlich ja. Der Isokinator bringt jedoch den Vorteil mit, dass man mit ihm genau die notwendigen 70 Prozent der Maximalkraft ansteuern und den Widerstand progressiv (und protokollierbar) steigern kann. Zudem zeigt die Position der Kugeln genau an, ob man während der Übung die notwendige Zugkraft aufrechterhält. Gerade dies beeinflusst die Effektivität des Trainings

PULSTREIBER Dresden Ausgabe 39 - Frühling 2017  

Frühlings-Ausgabe des Dresdner Sportmagazins PULSTREIBER

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