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PULSTREIBER MAG Frühjahr 2017

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INTERVIEW

auf einem Mountrainbike und in einem anderen Video auf einem Rennrad. Wie stellst du dich auf die unterschiedlichen Radtypen ein? Es ist jedes Mal eine Herausforderung, das Rad zu wechseln. Zum Glück bin ich früher viel auf größeren Trialrädern und Mountainbikes gefahren. Im Clip »Wee Day Out« bin ich komplett mit einem vollgefederten »Santa Cruz 5010« durch die schottische Hügellandschaft gerast. Die Anpassung dauerte eine Weile, besonders aufgrund der Federung dieses Rades. Ein Rennrad ist nochmal eine andere Geschichte. Es war damals Martyn Ashton’s Idee, dass ich zur Abwechslung auf dem Rennrad das Video zu Ende bringe, welches er vor seinem folgenschweren Unfall begonnen

hatte. Klar sagte ich da zu und fühlte mich geehrt. Trotzdem hatte ich meine Zweifel, ob sich mein Fahrstil auf das Rennrad übertragen lässt. Rahmen und Reifen sind für Geschwindigkeit und nicht für Sprünge gemacht. Zur Belustigung aller Beteiligten musste ich mir dafür auch die Beine rasieren, was mit der schwierigste Part war. Mit dem Rad bin ich nach ein paar Versuchen klargekommen, aber ich werde nicht so bald wieder auf einem Rennrad zu sehen sein. Leider gibt es Fahrer wie den erwähnten Martyn Ashton und deinen Manager Tarek Rasouli, die durch schwere Stürze mit dem Rad an den Rollstuhl gefesselt sind. Wie verarbeitest du das? Es ist immer sehr, sehr traurig, wenn ein Sportler oder Freund einen lebensveränderten Unfall, wie hier eine Querschnittslähmung, erleidet. Die Kenntnis von Martyns Unfall war eine der härtesten Nachrichten, die ich jemals verdauen musste. Es gab mir zumindest etwas Hoffnung, dass ich wusste, dass Tarek Rasouli Ähnliches durchgemacht hat und wie er damit umgeht. Tarek hat eine unglaublich positive Lebenseinstellung und genießt weitaus mehr Lebensqualität als die meisten Menschen, die ich kenne. Mir selbst ist bewusst, dass jeder Sport, auch meiner, Risiken unterliegt. Schwere Verletzungen sind jedoch nichts, in das ich mich gedanklich vertiefe. Risiken muss man abschätzen und entsprechend in sein Handeln einkalkulieren. Am Ende wissen wir nie, was uns erwartet. Wie oft hast du dich schon verletzt?

Da gab es schon so einige Verletzungen in der Vergangenheit. Man darf nicht vergessen, dass ich seit mehr als 20 Jahren fahre. Verletzungen sind ein Päckchen, das man in diesem Sport tragen muss. Ich bereite mich immer sehr sorgfältig vor und lasse die Finger von Sachen, bei denen ich ein ungutes Gefühl habe. Fehler können jedoch immer passieren. Eine Frage zum Schluss sieht man dich vielleicht auch mal in Deutschland? Wir sind in der Schweiz mit der »Drop and Roll«-Tour unterwegs, vielleicht ergibt sich da auch mal ein Abstecher nach Deutschland. Wäre eine coole Sache. Interview Stefan Mothes

BUCHTIPP: Auch ein Interview kann eine Person und sein Leben nicht vollständig beleuchten. Wer mehr über Danny MacAskill wissen möchte, dem empfehlen wir seine Biografie, die bei Erscheinen dieser Ausgabe auch als deutsche Übersetzung mit dem Titel »Biken am Limit« erhältlich ist (Malik Verlag, ISBN: 978-3-89029-478-0, Preis: 16,99 Euro).

PULSTREIBER Dresden Ausgabe 39 - Frühling 2017  

Frühlings-Ausgabe des Dresdner Sportmagazins PULSTREIBER

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