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PULSTREIBER MAG Frühjahr 2017

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INTERVIEW

Fotos: Go Pro, Fred Murray, Red Bull Content Pool

Danny MacAskill

D

anny MacAskill ist wahrscheinlich einer bekanntesten Radprofis der Welt und definitiv der spektakulärste Trial-Fahrer, den es je gegeben hat. 2009 wurde er mit seinem Video »Inspired Bicycles«, welches innerhalb von 40 Stunden mehr als 350.000 mal bei Youtube aufgerufen wurde, quasi über Nacht zum Star. Die Stunts des gebürtigen Schotten überschreiten jedes Mal aufs Neue die Grenze dessen, was auf einem Bike machbar ist. Im Interview erzählt uns der heute 31-Jährige, wie er als hyperaktives Kind erstmals mit dem Bike in Berührung kam, welche Vorbilder seinen Stil maßgeblich beeinflussten, wie er sich auf die härtesten Sprünge vorbereitet und was das Geheimnis seiner atemberaubenden Videoproduktionen ist.

Du bist in dem kleinen Ort Dunvegan auf der Isle of Skye aufgewachsen. Wie bist du mit Trial in Berührung gekommen? Ich bin schon sehr früh mit dem Rad zu Schule gefahren und habe mit meinen Kumpels probiert, was man mit einem Bike alles anstellen kann. Das Rad habe ich schon von Kindesbeinen an geliebt. Für den älteren Bruder eines Kumpels, der mit seinen Freunden mit dem Mountainbike das Dorf unsicher gemacht hat, war ich allerdings nicht mehr als ein nerviger Junge, der ihnen dauernd gefolgt ist und versucht hat, alles nachzumachen, was die Großen so anstellen. Da war ich vielleicht acht oder neun Jahre alt. Später habe ich begonnen, regelmäßig die Bike-Zeitschrift »Mountain Biking UK« zu lesen und die hatten immer auch ein wenig die Trialszene rund um Martyn Ashton und Martin Hawyes im Blick. Deren Einfluss habe ich es zu verdanken, dass ich mit dem Trial begonnen habe. Wie sind deine Eltern mit deiner grenzenlosen Energie und der Missachtung möglicher Gefahren umgegangen? Meine Eltern haben mir glücklicherweise sehr viel Freiheit gelassen. Darüber habe ich auch in meinem Buch geschrieben. Ich habe mit meinen Freunden ständig verrückte Sachen gebaut, wir sind auf Bäume und Dächer geklettert und natürlich war da immer auch das Rad. Manchmal habe ich ihre Geduld aber auch überstrapaziert. Sicherlich waren sie alles andere als erfreut, als ich von der Polizei mehrmals heim »begleitet« werden musste, weil ich meine Tricks an einer Wand in der Nähe eines Einkaufszentrums probiert habe. Ich vermute, für den zuständigen Polizisten war das mehr eine persönliche Fehde, denn im Grunde genommen habe ich niemanden gestört und nichts kaputt gemacht Hattest du Vorbilder, die dich maßgeblich inspiriert haben? Auf alle Fälle! Die hat jeder, der sich

in jungen Jahren für einen Sport oder ein Hobby begeistert. Auch ich hatte meine Helden. Wie erwähnt, waren es Fahrer wie Martyn Ashton und Martin Hawyes, die mich schon sehr früh begeistert haben. Ryan Leech wiederum animierte mich dazu, mehr Balanceakte in meine Tricks einzubauen. Zusammen mit Hans Rey und Steve Peat zu fahren, war ebenfalls etwas, was mir einen ordentlichen Schub gegeben hat. Hans Reys Einfluss hat meinen Stil sehr stark beeinflusst. Er war einer der Pioniere des Sports. Er hat Großes vollbracht und ist ein wertvoller Mentor, auch abseits des Sports. Als Wettkämpfer warst du nie groß aktiv. Warum? Ich bin in Skye aufgewachsen, was sehr abgelegen von der damaligen Trialszene in Großbritannien war. Als ich jünger war, habe ich an ein paar kleineren, lokalen Wettkämpfen teilgenommen, aber das war´s dann auch schon. Trial bedeutete für mich schon immer Freiheit und Formlosigkeit. Alleine oder mit Freunden, ohne Regeln und festgelegtem Rahmen. An dieser Einstellung hat sich bis heute nichts verändert. Bei manchen deiner Stunts kann man sich gar nicht vorstellen, wie das Rad sowas überhaupt aushält. Wie viele Bikes hast du schon zerlegt? Du würdest dich wundern, was die Räder heutzutage aushalten. Aber klar, das ewige Leben haben sie nicht, ich belaste sie schließlich fast täglich sehr hart. 2009 bist du durch den Videoclip »Inspired bikes« quasi über Nacht berühmt geworden. Wie hast du das damals wahrgenommen? Ich konnte es am Anfang nur schwer realisieren. Mein Mitbewohner Dave Sowerby und ich hatten das Video in erster Linie aus Spaß gedreht. Ich war hauptsächlich glücklich, dass mir alle Tricks und

PULSTREIBER Dresden Ausgabe 39 - Frühling 2017  

Frühlings-Ausgabe des Dresdner Sportmagazins PULSTREIBER

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