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1-Q4 Praxisleitfaden Oberflächengüten im Trockenbau / Verspachteln von Gipsplatten Ergänzend zum Merkblatt Nr. 2 – Hinweise und Richtlinien für Trockenbauarbeiten mit GipsplattenSystemen der Industriegruppe Gipsplatten im Bundesverband der Gips- und Gipsbauplattenindustrie e.V. Herausgegeben von der PUFAS Werk KG.

In Kooperation mit:

Mappe

Die Malerzeitschrift


Editorial Im April 2003 veröffentlichte die Industriegruppe

Aus diesem Grund stellte sich der Malerbedarfs-

Gipsplatten im Bundesverband der Gips- und Gips-

spezialist PUFAS Ende 2006 die Aufgabe, Licht ins

bauplattenindustrie e. V. das sogenannte „Merk-

Dunkel um die Qualitätsstufen zu bringen und das

blatt 2 – Hinweise und Richtlinien für Trockenbau-

ganze Thema komplett neu aufzurollen. Zur Be-

arbeiten mit Gipsplatten-Systemen“. Dieser Leitfa-

wältigung dieser sehr komplexen Aufgabe bat uns

den, der in Zusammenarbeit mit dem Deutschen

das PUFAS Werk um Unterstützung. Wir, das iba-

Stuckgewerbebund, dem Hauptverband Farbe Ge-

INSTITUT Gottfried & Rolof, begleiteten so als an-

staltung Bautenschutz sowie weiteren Verbänden,

erkannte, öffentlich bestellte und vereidigte Berufs-

Fachgruppen und Ausschüssen aus ganz Deutsch-

sachverständige das Projekt. Ferner konnte man mit

land, Österreich und der Schweiz entstand, sollte

Lothar Steinbrecher und Ralf Nolte, Anwendungs-

die Verspachtelungsqualität im Trockenbau ein

technik Marburger Tapetenfabrik, sowie Dr. Roland

für alle mal klar definieren und die immer wieder-

Wahl, Berufsschullehrer für Maler und Lackierer und

kehrenden Streitigkeiten zwischen allen Baubetei-

Fachautor der Malerzeitschrift »Mappe«, drei Bran-

ligten endlich beilegen.

chenkenner und technisch versierte Kollegen gewinnen, die ebenfalls ihren Beitrag zum Erfolg des

Die Praxis jedoch zeigt, dass nach wie vor Unsi-

Projektes beitrugen.

cherheit im Bezug auf die Qualitätsstufen Q1 bis Q4 herrscht. Auch wenn Auftraggeber in ihren Aus-

Das Ergebnis: Eine sehr aussagekräftige Beitragsrei-

schreibungen statt Formulierungen wie „malerfertig“

he in der Malerzeitschrift »Mappe« – erschienen in den

„streichfertig“ oder „oberflächenfertig“ zunehmend

Februar-, März- und Aprilausgaben 2007 – die das

in Q1- bis Q4-Oberflächen- und Ebenheitsqualitäten

Thema im wahrsten Sinne des Wortes von Grund auf

klassifizieren, gibt es mitunter Diskussionen bei der

thematisiert. Das vorliegende Schriftstück beinhaltet

Abnahme der Spachtelarbeiten. Dies liegt nicht nur

diese drei Teile ebenso wie detailgetreues Bildmate-

an den wechselnden Lichtverhältnissen, die natur-

rial als echte Praxishilfe. Nutzen Sie daher diesen Leit-

gemäß niemals konstant sind, sondern auch an den

faden für Ihre tägliche Arbeit, damit sich auch unsere

nicht immer eindeutigen Formulierungen der De-

Mühen gelohnt haben!

finitionen der Oberflächengüten nach Q1 bis Q4 im Merkblatt, die dann Spielraum für Interpretationen lassen. Auch fehlen fotografische Referenzaufnahmen, die eindeutig erkennen lassen, was gemeint

Ihr Hans-Joachim Rolof,

ist, denn: ein Bild ersetzt viele Worte.

Berufssachverständiger und geschäftsführender Gesellschafter des iba-INSTITUTs Gottfried & Rolof

3


Spätestens zur Abnahme treffen dann zwei Welten

Bauteilen des Roh- und Ausbaus ohne Anpass- und

aufeinander. Auf der einen Seite der Kunde, ein im

Nacharbeiten zu ermöglichen (…)«. Die DIN 18 202

Baugeschehen normalerweise weitgehend unbe-

und die DIN 18 203 heben also in erster Linie auf die

darfter Zeitgenosse, vielleicht der in »hundertstel

Funktion von Bauwerken und Bauteilen ab. Was ge-

Toleranz« denkende Maschinenbauingenieur, viel-

nau jedoch mit »Funktion« gemeint ist – z. B. tech-

leicht der exakt im Wortgebrauch denkende Mana-

nische Funktion oder optischer Geltungsnutzen als

ger und auf der anderen Seite ganz sicher jedoch

Funktion –, verschweigt die DIN 18 202 und bietet

der Praktiker am Bau – der Handwerksunternehmer.

so den Nährboden für unterschiedliche Auslegungs-

Der Handwerker kennt seine Toleranzen, weiß, was

weisen und Streitigkeiten.

geht, und wie man es vor Ort zusammenfügen und

4

herstellen kann. Aber häufig sind ihm die umfas-

Sinn und Zweck der DIN-Normen 18 202 und 18 203

senden gestalterischen Überlegungen des Archi-

ist eine wirtschaftliche Optimierung des Bauablaufs

Wie eben ist glatt?

tekten im Detail gar nicht bekannt, und er erhält nur

durch einen hohen Vorfertigungsgrad. Die »Massen-

die sein Gewerk betreffenden Leistungsverzeich-

herstellung« von Standardbauteilen wirkt sich auf

nisse mit seitenlangen juristischen Vertragsklauseln

den Preis aus oder auf gute Passung und damit ver-

anstelle definierter Anforderungsprofile. Dann sind

kürzte Bauzeiten. Daraus folgen geringere Kosten

Die Güte und Qualität von Oberflächen ist häufiger Grund von Mei-

bei der Abnahme die Wogen kaum noch zu glätten,

für die Baustelleneinrichtung und die frühere Nut-

nungsverschiedenheiten zwischen Auftraggebern und Handwerks-

weil die Erwartungshaltung des Bauherrn nach Fer-

zung des Bauwerks – bei gleichzeitig höherer Quali-

unternehmen.

tigstellung des Bauvorhabens enttäuscht wurde.

tät. Soll dies erreicht werden, müssen schließlich die vorgefertigten Bauteile – z. B. aus der Stahlbauwerk-

Realistische Sichtweise ist gefragt

statt, der Zimmerei oder dem Betonfertigteilewerk –

Bei der Betrachtung von Toleranzen, Maß- und Ni-

auf der Baustelle schließlich zusammenpassen oder

Welches Idealbild haben Bauherren von Boden,

haben wird von beinahe künstlerischen Entwürfen

veauabweichungen im Hochbau muss vom häufig

als Untergrund für Bodenbelagarbeiten bestimmten

Wand und Decke, beim Innenausbau und an der

und Darstellungen der Architekten, Farbdesignern

übersteigerten optischen Geltungsnutzen gespro-

Anforderungen genügen. Wenn erst noch umfang-

Fassade? Dipl.-Ing. (FH) Hans-Joachim Rolof, Be-

oder Materiallieferanten geprägt. Auch Hochglanz-

chen werden, der oft dann gestört ist, wenn aus

reiche Arbeiten zur Einpassung der Bauteile erfor-

rufssachverständiger und geschäftsführender Ge-

prospekte von Werkstoffen, Bauelementen, Boden-

der Konsequenz bestimmter Maßtoleranzen vor Ort

derlich werden, ist das Ziel des wirtschaftlichen Bau-

sellschafter des iba-Instituts in Koblenz, erörtert in

belägen oder Tapeten tragen dazu bei, dass sich

schließlich ein optisches Erscheinungsbild resultiert,

ens verfehlt. Durch den in den DIN-Normen der VOB

diesem Beitrag die komplexen Zusammenhänge –

der Bauherr ein ideales Bild vom späteren Aussehen

das den Bauherrn nicht zufriedenzustellen vermag.

Teil C fast ausnahmslos enthaltenen (Standard-)Satz

auch bezüglich der technischen Richtlinien, Fach-

machen kann und entsprechend begeistert ist. Da-

Daher sind Planungsgespräche im Beisein beteilig-

»Bei Streiflicht sichtbar werdende Unebenheiten in

normen und sonstiger Vorgaben. Im zweiten Teil geht

bei hat jeder beteiligte Dritte oftmals nicht mehr das

ter Handwerksunternehmen durch nichts zu erset-

den Oberflächen von Bauteilen sind zulässig, wenn

es um die unterschiedlichen Qualitätsanforderungen

Ganze im Blick, sondern nur das eigene Gewerk und

zen, weil sie das Anforderungsprofil des gesamt-

die Toleranzen von DIN 18 202 eingehalten worden

von Putzoberflächen, während wir sich der dritte

die eigenen Produkte vor Augen.

en Bauvorhabens und gestalterischer Ansätze für

sind« entsteht vor allem beim Nicht-Fachmann –

alle Beteiligten transparent machen. So kann jeder

Bauherr, Rechtsanwalt – der Eindruck, die DIN 18 202

Gipskartonplatten als Untergrund für nachfolgende

Modelle ohne Maßtoleranzen

Werkunternehmer und Materiallieferant wissen, was

enthalte Regelungen, um das einwandfreie optische

Beschichtungen und Tapezierungen widmet.

Genau hier liegt der Denkfehler: Modelle kennen

der Bauherr zur Abnahme erwartet.

Erscheinungsbild von Bauteiloberflächen zu sichern.

und letzte Teil exemplarisch der Oberflächengüte bei

Die Tatsache, dass die DIN 18 202 eine Passungs-

wenige Details und meistens keine MaßtoleranUnterschiedliche Erwartungshaltungen

zen, sie sind Idealbilder. Farbentwürfe sind künst-

Was ist gemeint: Optik oder Funktion?

norm ist, gerät dabei in Vergessenheit. Regelmäßig

Enttäuschte Erwartungshaltungen der Bauherren

lerisch gestaltet oder am Computer entstanden,

Nach der DIN 18 202 dient die Einhaltung von Tole-

wird die DIN 18 202 von findigen Bauherren oder

sind häufig der eigentliche Anlass für die Beauftra-

entbehren jedoch häufig der Realität. Einflüsse des

ranzen dazu, »(…) trotz unvermeidlicher Ungenauig-

Rechtsanwälten jedoch dazu benutzt, Handwerkern

gung eines Gutachters, um Meinungsverschieden-

Untergrunds oder auch produktionsbedingte Farb-

keiten beim Messen, bei der Fertigung und bei der

die Vergütung zu kürzen oder mit dem Hinweis ein-

heiten bezüglich des Arbeitsergebnisses zu klären.

tonabweichungen und zulässige Toleranzen bei der

Montage die vorgesehene Funktion und das funkti-

zubehalten, die allgemein anerkannten Regeln der

Die Vorstellungswelt der Auftraggeber von Bauvor-

Ausführung vor Ort bleiben gänzlich unberücksichtigt.

onsgerechte Zusammenfügen von Bauwerken und

Technik seien nicht eingehalten worden, obwohl

5


Normen, Richtlinien, Merkblätter, Literatur

sich durch geringe Abweichungen von der Norm keine Einschränkungen der Funktion – sei es nun technisch oder optisch – ergeben. Die grundlose Überprüfung von Maßtoleranzen mit dem Zweck

Diese Auflistung normativer Regelwerke, geltender Richtlinien und Merkblätter zeigt, wie sich die

der Einbehaltung oder Minderung des Werklohnes

Anforderung an die Oberfläche von den allgemein anerkannten Regeln der Technik bis zum Stand

wird in der Fachwelt jedoch mit Recht als Normen-

der Technik bei der Verspachtelung von Gipsplatten bis zum heutigen Tage entwickelt hat.

Missbrauch bezeichnet!

6

Unpräzise Begriffe

• DIN 18 202 »Toleranzen im Hochbau – Bauwerke«, • »Strukturierte

Die DIN 18 202 lässt grundsätzlich zu, dass andere

Anforderungen an Maßtoleranzen vertraglich ver-

• DIN

einbart werden, wenn diese technisch und handwerklich möglich und auch wirtschaftlich auszufüh-

Oktober 2005

Putzoberflächen – Visuelle Anfor-

derungen«, November 2001, Hauptverband Far-

18 203-1 »Toleranzen im Hochbau – Teil 1:

be, Gestaltung, Bautenschutz, Bundesinnungs-

Vorgefertigte Teile aus Beton, Stahlbeton und

verband des Deutschen Maler- und Lackierer-

Spannbeton «, April 1997

handwerks, Frankfurt, und Deutscher Stuckge-

ren sind. Vor allem, wenn planmäßig mit Streiflicht zu

Lothar Steinbrecher betreute das PUFAS-Praxispro-

• E DIN 18 203-2 »Toleranzen im Hochbau – Teil 2:

werbebund im Zentralverband des Deutschen

rechnen ist, z. B. durch indirekte Beleuchtung, wie

jekt aus Sicht der Tapetenindustrie: Letztendlich zählt

Baugewerbes, Berlin, u. a.

nächtliche Leuchtreklame, oder wenn Oberflächen

nur das Endergebnis. Den Betrieben wurden keine

• DIN

von Fußböden, Wänden, Fassaden besonderen re-

Vorgaben hinsichtlich der Art der Ausführung, der An-

Bauteile aus Holz und Holzwerkstoffen«,

stufen für abgezogene, glatte und gefilzte Put-

präsentativen Zwecken dienen (z. B. Empfangshalle,

zahl der Spachtelschichten oder des Aufwands beim

August 1984

ze«, November 2003, Industriegruppe Baugipse

Festsaal), sollten durch den Planer erhöhte Anforde-

Schleifen gemacht.

• VOB

im

Darmstadt, Deutscher Stuckgewerbebund im

Zentralverband des Deutschen Baugewerbes,

Berlin

Vorgefertigte Teile aus Stahl«, November 2004 18 203-3 »Toleranzen im Hochbau – Teil 3:

Teil C, ATV DIN 18 340 »Trockenbauarbei-

• »Putzoberflächen

im Innenbereich – Qualitäts-

Bundesverband

der

Gipsindustrie e. V.,

rungen an die Maßtoleranzen gestellt werden. Und

zwar in der Ausschreibung und nicht erst dann, wenn

• VOB

die Erwartungen des Bauherrn nicht erfüllt werden!

Begriffe in Leistungsverzeichnissen wie »malerfertig«,

• VOB Teil C, ATV DIN 18 363 »Maler- und Lackier- • Merkblatt

»streichfertig«, »oberflächenfertig« oder »streiflicht-

frei« sind diffuse Aussagen zu den Anforderungen

• DIN

an die Ebenheit und sollten vermieden werden, da

sie von Bauherren, Planern und Ausführenden je-

• DIN EN 13 963 »Materialien für das Verspachteln • »Technisches

weils subjektiv und damit zwangsläufig unterschied-

von

lich interpretiert werden. Die VOB Teil A meint im § 9 ,

rungen und Prüfverfahren«, August 2005

Abs. 1 und Abs. 4, Nr. 1 dazu: »(…) 1. Die Leistung

• »Toleranzen

ist eindeutig und so erschöpfend zu beschreiben,

DIN 18 202«, August 2000, Herausgeber: Zen-

2. Auflage 2004, Deutscher Stuckgewerbebund

dass alle Bewerber die Beschreibung in gleichem

tralverband des Deutschen Baugewerbes, Ber-

im Zentralverband des Deutschen Baugewer-

Sinne verstehen müssen und ihre Preise sicher und

lin, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

bes, Berlin

ohne umfangreiche Vorarbeiten berechnen können.

e. V., Berlin, Bundesverband Deutsche Beton-

• Bludau,

(…) 4. (1) Bei der Beschreibung der Leistung sind die

und Fertigteilindustrie e. V., Bonn

verkehrsüblichen Bezeichnungen zu beachten (…)«.

• »Ebenheitstoleranzen

Während des Auswertungstreffens (siehe Seite 13) wurden die Detailausschnitte festgelegt, die anschließend von einem Berufsfotografen maßstabsgetreu fotografiert wurden.

ten«, Oktober 2006 Teil C, ATV DIN 18 350 »Putz- und Stuck-

arbeiten«, Oktober 2006

arbeiten«, Oktober 2006 V 18 550 »Putz und Putzsysteme – Ausfüh-

rung«, April 2005

Gipsplattenfugen

-

Begriffe,

Anforde-

im Hochbau nach DIN 18 201 und

nach DIN 18 202«, 2000,

Technische

Informationsstelle

des

deutschen

Maler- und Lackiererhandwerks Stuttgart

Nr. 2 »Verspachtelung von Gipsplat-

ten, Oberflächengüten«, April 2003, Industrie-

gruppe Gipsplatten im Bundesverband der Gips-

und Gipsbauplattenindustrie e. V., Darmstadt Handbuch Putz Stuck Trocken-

bau«, 2. Auflage, Landesinnungsverband für das

Stuckateurhandwerk Baden-Württemberg

• Merkblattsammlung

»Ausbau

und

Fassade«,

Ertl, Weber: »Maßgerechtes Bauen«,

5. Auflage 2002, Rudolf Müller Verlag

• Oswald,

Abel »Hinzunehmende Unregelmäßig-

keiten bei Gebäuden«, 3. Auflage 2005,

Bauverlag

7


Eindeutig zweideutig?

8

Maßnahmen erforderlich; Ebenheit nach DIN 18

den Malerbetrieb nach sich ziehen, wie ein Beispiel

202, Tabelle 3, Zeile 6 (s. DIN V 18 550, An-

aus der Praxis zeigt: Im Neubau einer Universitäts-

Je nachdem, ob und welche Beschichtungen oder Wandbeklei-

hang B); z. B. Untergrund für dekorative Ober-

bibliothek mit verglaster Fassade waren Decken-

dungen auf den Innenputz aufgebracht werden sollen, muss der

putze ≥ 1,0 mm, feinstrukturierte Wandbeklei-

und Wandflächen aus Gipsplatten in der Bücherei

Untergrund unterschiedliche Qualitätsanforderungen erfüllen.

dungen,

und die geputzten Decken- und Wandflächen im

tungen

matte,

fein

strukturierte

Beschich-

Flurbereich vom Maler deckend weiß zu beschich-

• Q4: Geglättete Putze – entspricht höchsten

ten – Anforderung »schlagschattenfrei«. Das Er-

Anforderungen an die Putzoberfläche; zusätz-

gebnis war für den Bauherrn nicht befriedigend: Die

Im Fokus der Branchendiskussion stehen die Qua-

• Q1: Einfache Putze – keine Anforderungen an

liche, über Q3 hinausgehende Maßnahmen er-

Decken- und Wandflächen im Flurbereich und die

litätsstufen Q1 bis Q4 nach dem Merkblatt »Putz-

das optische Erscheinungsbild und die Eben-

forderlich (Unterputzprofile, Putzleisten); Eben-

Deckenflächen in der Bücherei waren wohl weiß

oberflächen im Innenbereich – Qualitätsstufen für

heit; geschlossene Oberfläche ist ausreichend;

heit nach DIN 18 202, Tabelle 3, Zeile 7

beschichtet – erschienen allerdings je nach Blick-

abgezogene, glatte und gefilzte Putze«, Ausgabe

z. B. Bestich, Rapputz

(s. DIN V 18 550, Anhang B); z. B. Untergrund für

richtung und Lichteinfall scheckig oder wolkig, ob-

November 2003, mit unterschiedlichen Qualitätsan-

• Q2:

Standardqualität,

Metall-, Glattvinyl- oder Hochglanzoberflächen-

wohl eine deckend weiße Beschichtung fehlerfrei

forderungen an die Oberfläche von Innenputzen.

Ebenheit nach DIN 18 202, Tabelle 3, Zeile 6

tapeten, Lasuren oder Beschichtungen bis zum

ausgeführt war. Ursache: Ungenügende, weil lü-

Grundsätzlich gilt, dass mit steigender Anforderung

(s. DIN V 18 550, Anhang B); keine Anforde-

mittleren Glanz, Spachtel- und Glättetechniken

ckenhafte

an die spätere Putzoberfläche auch das Anforde-

rungen an das optische Erscheinungsbild; z. B.

rungsprofil an den Handwerker steigt. Aber nicht

Untergrund für dekorative Oberputze Größtkorn

Für gefilzte Putze werden die Qualitätsstufen Q2 bis

telung

jeder Betrieb ist in der Lage, jede Qualitätsstufe aus-

≥ 2,0 mm, Wandbeläge aus Keramik, Natur- und

Q4 wie folgt unterschieden:

worden und auch nicht vorhanden – allerdings hat

zuführen. Mit steigender Anforderung an die Putz-

Kunststein)

oberfläche steigt auch das Anforderungsprofil an die

• Q3: Eben abgezogene Putze – keine Anforde-

• Q2: Gefilzte oder abgeriebene Putze – Stan-

wendigen Bedenken wegen des einfallenden Ta-

spätere Gestaltung – sei es Wandbelag, Beschich-

rungen an das optische Erscheinungsbild; er-

dardqualität, genügt üblichen Anforderungen an

geslichts durch die raumhohen Verglasungen gel-

tung oder Einfluss durch Beleuchtungsverhältnisse.

höhte Anforderungen an die Ebenheit nach

Wand- und Deckenflächen; strukturlose Stellen

tend gemacht. Es gilt nun einmal: Vertrag ist Vertrag,

Diese Detailfragen müssen zwischen dem Bauherrn

DIN 18 202, Tabelle 3, Zeile 7 (s. DIN V 18 550,

(»Glatzen«) möglich; Ebenheit nach DIN 18 202,

da hilft dann auch die Einrede nicht, »bei Streiflicht

bzw. Planer und dem Auftragnehmer bzw. Malerbe-

Anhang B); z. B. Untergrund für dekorative Ober-

Tabelle 3, Zeile 6 (s. DIN V 18 550, Anhang B);

sichtbar werdende Unebenheiten sind hinzunehmen,

trieb kommuniziert werden. Bei Q3 soll, bei Q4 muss

putze Größtkorn ≥ 2,0 mm, Wandbeläge aus

grob strukturierte Wandbekleidungen (z. B. Rau-

wenn diese Maßtoleranzen innerhalb der DIN 18 202

der Ausschreibende genaue Angaben zum vorge-

Fein-Keramik, großformatige Fliesen, Glas, Na-

faser), matte, nicht strukturierte Beschichtungen

liegen«. Schließlich wurde dem Auftraggeber eine

sehenen Wandbelag oder zur geplanten Beschich-

tur- und Kunststein

• Q3: Gefilzte Putze – genügt erhöhten Anforde-

»schlagschattenfreie« Oberfläche von gestrichenen

rungen an die Putzoberfläche; Ebenheit nach

Decken- und Wandflächen vom Auftragnehmer

Für geglättete Putze werden die Qualitätsstufen

DIN 18 202, Tabelle 3, Zeile 6 (s. DIN V 18 550,

ohne Widerspruch zugesichert. Es gelten die verein-

Q2 bis Q4 wie folgt unterschieden:

Anhang B); z. B. Untergrund für matte, nicht

barten Beschaffenheiten, ohne Wenn und Aber!

strukturierte Beschichtungen

Abgezogene

Putze

tung sowie zur Beleuchtungssituation machen. Qualitätsstufen nur für Innenputze Putzflächen, die im Streiflicht absolut eben sind bzw.

für

Trocken-

bau- und Malerarbeiten. Eine ganzflächige Spachder

Gipsplatten

war

nicht

gefordert

weder der Trockenbauer, noch der Maler die not-

optisch so erscheinen, sind handwerklich nicht her-

• Q2: Geglättete Putze – Standardqualität, ge-

• Q4: Geglättete Putze – entspricht höchsten An-

stellbar und stellen keine handwerkliche Fehlleistung

nügt üblichen Anforderungen an Wand- und

forderungen

dar (vgl. VOB, Teil C, ATV DIN 18 350 »Putz- und

Deckenflächen; Ebenheit nach DIN 18 202, Ta-

gleichmäßige Filzstruktur; zusätzliche, über Q3

Stuckarbeiten«). Sind vertraglich keine besonderen

belle 3, Zeile 6 (s. DIN V 18 550, Anhang B);

hinausgehende Maßnahmen erforderlich (Un-

Anforderungen an die Qualität der Putzoberfläche

z. B. Untergrund für dekorative Oberputze

terputzprofile,

festgelegt, gilt Q2 (= Standardqualität) als vereinbart.

> 1,0 mm, mittel bis grob strukturierte Wandbe-

DIN 18 202, Tabelle 3, Zeile 7 (s. DIN V 18 550,

Entscheidend ist, dass die Qualitätsstufen für Putz-

kleidungen (z. B. Raufaser), matte, gefüllte Be-

Anhang B).

oberflächen nur für Innenputze gelten. Mit abgezo-

schichtungen, die mit grober Lammfell- oder

genen Putzen sind nur die Qualitätsstufen Q1 bis Q3

Strukturrolle aufgetragen werden

erzielbar. Dabei sind die Qualitätsstufen folgender-

• Q3: Geglättete Putze – genügt erhöhten Anfor-

Unwissen und Fehlinterpretation der Anforderungs-

maßen zu unterscheiden:

profile und Normen können gravierende Folgen für

derungen an die Putzoberfläche; zusätzliche

Leistungsbeschreibung

an

die

Putzoberfläche;

Putzleisten);

Ebenheit

absolut

nach

Ein unmöglicher Auftrag?

9


Risiken reduzieren.

tualitäten bedacht werden, gibt es nachher Streit, wenn sich bestimmte Fugen markieren oder Plat-

Bei der Verspachtelung von Gipsplatten werden die Qualitätsstufen

tenumrisse abzeichnen. Wie tolerant der Bauherr

Q1 bis Q4 unterschieden. Für das spätere optische Erscheinungs-

dann sein muss, entscheidet nicht selten ein Richter.

bild von gespachtelten Gipsplatten mit Beschichtung ist insbeson-

Dies kann vermieden werden, indem man vorher für

dere die Saugfähigkeit des Untergrunds von Bedeutung.

Klarheit sorgt. Der Maler sollte die Lichtverhältnisse vorfinden, die der späteren Nutzung entsprechen. Alles andere ist ein Versuch, der später zum Scheitern verurteilt ist.

10

Für die technische Ausführung des Verspachtelns

> 1,0 mm, mittel- bis grobstrukturierte Wandbeklei-

Was aber, wenn der Bauherr solche Verhältnisse

von Gipsplatten ist das Merkblatt Nr. 2 »Verspachte-

dungen (z. B. Raufaser, Strukturprofiltapete), matte,

nicht schaffen kann, weil Beleuchtungskörper noch

lung von Gipsplatten, Oberflächengüten«, Ausgabe

gefüllte Beschichtungen, die mit grober Lammfell-

fehlen oder der Sonnenschutz noch nicht mon-

April 2003, der Industriegruppe Gipsplatten im Bun-

oder Strukturrolle aufgetragen werden, geeignet.

tiert ist? Einfach weiter mit Spachteln, Tapezieren

desverband der Gips- und Gipsbauplattenindustrie

Abzeichnungen, insbesondere bei Streiflichtsituati-

und Streichen, es wird schon gehen? Besser nicht!

e. V. maßgeblich. Zur Ausschreibung gelten analog

onen sind bei dieser Qualität bzw. Oberflächenbe-

Auch in diesem Fall gilt, dass dann eine Risikosensi-

die Hinweise aus dem zweiten Teil unserer Serie in

schaffenheit nicht auszuschließen.

Auch bei dieser Oberflächenbeschaffenheit sind

bilisierung stattfinden muss. Werden anspruchsvolle

Heft 3/2007. Wird keine besondere Qualität vertrag-

Bei erhöhten optischen Anforderungen an die ge-

Oberflächeneffekte bei Streiflichtsituationen nicht

Oberflächen unter anderen Lichtverhältnissen fertig

lich festgelegt, gilt Q2 als Standardverspachtelung

spachtelte Fläche ist nach der Standardverspachte-

auszuschließen. Für glänzende Beschichtungen, La-

gestellt, als die spätere Nutzung dies erwarten lässt,

als vereinbart. Ein ungleichmäßig saugender Un-

lung (Q2) ein breites Ausspachteln der Fugen sowie

ckierungen oder Lacktapeten sind gegebenenfalls

so entstehen spätestens dann Probleme, wenn

tergrund, z. B. die Kartonoberfläche bei einer Gips-

ein scharfes Abziehen der übrigen Plattenober-

weitere Maßnahmen erforderlich.

der Bauherr seine Lichtquellen einschaltet oder das

platte und der Spachtelmasse, ergibt ein uneinheit-

fläche, d. h. ein Porenverschluss der Kartonoberflä-

liches Erscheinungsbild der späteren beschichteten

che der Gipsplatten, durchzuführen, um die Quali-

Entscheidend ist, was vereinbart wurde

Oberfläche, insbesondere bei Streiflichtsituationen.

tätsstufe Q3 zu erzielen. Auch mit dieser Maßnahme

Alle Klarheiten beseitigt? Unsere Erläuterungen be-

Nach oben erwähntem Merkblatt umfasst das Ver-

sind im Streiflicht sichtbar werdende Abzeichnungen

legen, dass mit den bekannten Normen keine hin-

Vorsicht Falle!

spachteln von Oberflächen nach Qualitätsstufe Q1

nicht völlig auszuschließen, sie werden jedoch gegen-

reichenden Anforderungen an die Oberfläche von

Die Neufassung der VOB, Teil C, ATV DIN 18 363

das Füllen von Stoßfugen der Gipsplatten sowie das

über Q2 weiter minimiert. Oberflächen der Qualitäts-

Gipsplatten definiert sind. Auch weitere Richtlinien

enthält Aussagen, die bei der Ausführung erhebliche

Überziehen der sichtbaren Teile der Befestigungs-

stufe 3 sind als Untergrund für dekorative Ober-

helfen nicht weiter, da Planer und Ausführende wie

Probleme nach sich ziehen können. In der überar-

mittel mit Spachtelmasse, die sogenannte Grund-

putze Größtkorn ≤ 1,0 mm, feinstrukturierte Wand-

Trockenbauer oder Maler keine exakten Vorgaben

beiteten Fassung der ATV DIN 18 363 heißt es un-

verspachtelung. An die resultierenden Oberflächen

bekleidungen, matte, nicht strukturierte Beschich-

an die Hand bekommen.

ter Abschnitt 3.2.1.2: »(…) Haarrissüberbrückende

werden keine optischen Anforderungen gestellt.

tungen geeignet.

Mit welchem Ergebnis und welcher Oberflächen-

Beschichtungen auf Flächen aus Gipsplatten- und

Diese Oberflächenbeschaffenheit ist für die Bele-

Die Qualitätsstufe Q4 ist nur über ein vollflächiges

beschaffenheit kann nun der Kunde rechnen, wenn

Gipsfaserplatten sind vor der Beschichtung ganzflä-

gung der Oberfläche mit Fliesen und Platten oder als

Spachteln oder Abstucken der Oberfläche zu errei-

Q1 bis Q4 als Anforderungen vorgegeben wurden?

chig mit einem Vlies zu armieren (…)«.

Untergrund für dickschichtige Putze ausreichend.

chen. Diese Oberflächenqualität soll dann höchs-

Entscheidend ist, was vereinbart wurde! Für fer-

Für Planer und Ausführende sind hier Fallstricke

Als Standardverspachtelung wird die Qualitätsstufe

ten Anforderungen genügen. Hierzu werden zu-

tige Oberflächen gespachtelter, gestrichener oder

vorprogrammiert, denn eine notwendige Unter-

Q2 bezeichnet. Diese entspricht der Qualitätsstufe

nächst die Arbeitsschritte bis Q3 ausgeführt und

tapezierter Wandflächen gilt, dass man als Auf-

grundvorbereitung im Sinne der Qualitätsstufen Q1

Q2 für (Innen-)Putzoberflächen mit den üblichen An-

anschließend die gesamte Oberfläche mit Spach-

tragnehmer mit dem Kunden genau vereinbaren

bis Q4 wird hier nicht gefordert. Jedoch muss wohl

forderungen an Wand- und Deckenflächen. Die Ver-

telmasse (< 3 mm Schichtdicke) überzogen. Nur

sollte, welche Lichtverhältnisse der späteren Nut-

eine gespachtelte Oberfläche auf den Gipsplatten

spachtelung nach Q2 umfasst die Grundverspachte-

Oberflächen der Qualitätsstufe Q4 sind für glatte

zung entsprechen. Indirekte Beleuchtung, z. B.

hergestellt werden, bevor ein Vlies oder Gewebe

lung (Spachtelung nach Q1) sowie ein anschließendes

oder strukturierte Wandbekleidungen mit Glanz –

erzeugt durch Wandlampen und Deckenfluter,

tapeziert werden kann. Also gilt es, die Quali-

Nachspachteln der Fugenbereiche. Die Oberfläche

z. B. Metall- oder Vinyltapeten –, Lasuren oder Be-

oder Streiflicht bodentiefer Fenster bei einfallendem

tätsstufe Q3 einzuhalten, bevor eine vollflächige

der Qualitätsstufe Q2 (Standardverspachtelung) ist

schichtungen mit mittlerem Glanz, Stuccolustro

Tageslicht? Welcher Sonnenschutz verändert da-

Gewebearmierung

als Untergrund für dekorative Oberputze Größtkorn

oder andere hochwertige Glätt-Techniken geeignet.

bei das einfallende Tageslicht? Falls nicht alle Even-

vorgenommen und eine haarrissüberbrückende

durch den Sonnenschutz einfallende Tageslicht auf die Wandflächen fällt.

oder

Tapezierung

mit

Vlies

11


Das Praxisprojekt

Beschichtung appliziert werden kann. Achtung, auf-

ausschnitte im Format DIN A4 fest, die nach über-

gepasst: Das BFS-Merkblatt Nr. 12, Teil 1 »Verarbeitung

einstimmender Meinung dem geforderten Standard

von Gipskartonplatten« (November 1995) und Teil 2

von Q1 bis Q4 am ehesten entsprechen.

»Oberflächenbehandlung von Gipskartonplatten«

Von diesen Referenzflächen wurde eine Bilddoku-

Ausgangssituation war, dass bisherige Dokumenta-

spachtel für innen ausgewählt. Die zu bearbeitenden

(November 1995) sowie BFS-Merkblatt Nr. 10 »Be-

mentation angefertigt, aus der das Projektteam eine

tionen zu den Oberflächengüten Q1 bis Q4 nur ge-

Musterflächen wiesen stumpfe Fugen und Platten-

schichtungen, Tapezier- und Klebearbeiten auf In-

Broschüre für Handwerker erstellt hat. Diese fotogra-

ringfügige Hilfestellungen leisten. Auch die in dem

versprünge auf, die bewusst eingebaut wurden. Es

nenputz« (März 1998) und BFS-Merkblatt Nr. 16

fischen Vergleichsmuster im Originalmaßstab 1:1 mit

Merkblatt Nr. 2 zur Verspachtelung von Gipsplat-

galt, keine künstlichen Laborbedingungen zu schaf-

»Technische Richtlinien für Tapezier- und Klebear-

positiven Beispielen und analog hierzu Negativbei-

ten bzw. zu den Oberflächengüten beschriebenen

fen, sondern soweit wie möglich die Baustellenpra-

beiten« (Februar 2002), Bundesausschuss Farbe

spielen mit typischen fehlerhaften Oberflächen sol-

Zusammenhänge sind relativ pauschal gehalten.

xis zu simulieren. Auf jeweils ca. 20 m2 sollte jeder

und Sachwertschutz e. V., sind nicht mehr alleine als

len dabei helfen, bei der Bewertung die hergestellte

Konkrete Ausführungs- und Bildbeispiele zur jewei-

Betrieb verschiedene Teilflächen in Q1 bis Q4 unter

Stand der Technik anzusehen!

Oberflächengüte besser beurteilen zu können, als

ligen Untergrundsituation gibt es nicht. Auf Initiative

Baustellen- und Objektbedingungen ausführen und

Durch die Anforderungen im Merkblatt Nr. 2 »Ver-

dies alleine mit dem Text der Definition möglich ist,

der PUFAS Werk KG, Lothar Steinbrecher von der

die Kalkulation seiner Arbeit offenlegen - inklusive

spachtelung von Gipsplatten, Oberflächengüten«

um einen einheitlichen Standard bei der Umsetzung

Marburger Tapetenfabrik und der Redaktion der

der üblichen Vor- und Nacharbeiten, z. B. Grundver-

(April 2003) der Industriegruppe Gipskartonplatten im

von Q1 bis Q4 zu ermöglichen. Die Bilddokumenta-

»Mappe« wurde ein Projektteam ins Leben gerufen,

spachtelungen, Zwischen- und Endschliff. Bezüglich

Bundesverband der Gips- und Gipsbauplattenindus-

tion ist auf den Seiten 14 bis 17 zu finden.

um diese bebilderte und kommentierte Handrei-

der einzusetzenden Werkzeuge und weiterer Hilfs-

chung als Orientierungshilfe zu erstellen.

mittel wurden keine Vorgaben gemacht. Es wurde

trie e. V. und im Merkblatt »Putzoberflächen im Innenbereich – Qualitätsstufen für abgezogene, glatte und

12

darauf geachtet, dass die ausführenden Betriebe

gefilzte Putze« (November 2003), Industriegruppe

Nahe an der Realität

unabhängig voneinander und zeitlich versetzt arbei-

Baugipse im Bundesverband der Gipsindustrie e. V.,

Drei Handwerksbetriebe – Maler, Stuckateur und

ten, damit keine Abstimmung zwischen den Hand-

Darmstadt und Deutscher Stuckgewerbebund im

Trockenbauer – wurden zur Abgabe eines Angebots

werkern möglich ist und die Ergebnisse als authen-

Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, Ber-

aufgefordert. Der Kundenauftrag bezog sich auf

tisch bezeichnet werden können. Schließlich sollte

lin, wurden weitergehende Anforderungen an die

die Ausführung von eigens montierten Referenz-

jeder Betrieb seine eigene Interpretation der Quali-

Oberfläche von Innenputzen und gespachtelten

Untergründen, um eine vermeintlich neue Spachtel-

tätsanforderungen nach Q1 bis Q4 liefern können.

Gipsplatten definiert, die dementsprechend bei der

masse auf bereits gestellten Gipskartonflächen zu

Nur das Merkblatt wurde vorgegeben, damit die

Planung und Ausführung von solchen Werkleistun-

testen. Tatsächlich wurde ein bewährtes Spachtel-

Anforderungen auch allen Ausführenden bekannt

gen zu berücksichtigen sind.

produkt in neutral gehaltenen Säcken bereitgestellt –

waren.

Konfliktträchtig: Bei Streiflicht auffällige Unebenheiten

die kunstharzvergütete Gipsspachtelmasse Pufa-

Praktische Hilfe

können vom Kunden reklamiert werden. Die Ausgangs-

mur Super-Haftspachtel SH 45 für innen. Sie wur-

Die Kosten für die Ausführung der Handwerksarbei-

Aufgrund der komplexen Zusammenhänge und

bedingungen und Lichtverhältnisse bei der Abnahme

de aufgrund ihres Eignungsprofils exemplarisch für

ten und für die Begutachtung durch das iba-Institut

mangelnder Hilfestellungen zum Thema wurden in-

sollten daher im Vorfeld geklärt bzw. vereinbart werden.

die Produktgattung der gipshaltigen Füll- und Glätt-

übernahm PUFAS.

nerhalb eines Praxisprojekts (siehe Kasten rechts) drei Handwerksbetriebe verschiedener Gewerke beauftragt, auf Musterflächen aus Gipsplatten Ver-

Ralf Nolte:

Dietmar Böttger:

Arne Weiß:

spachtelungen der Qualitätsstufen Q1 bis Q4 im Be-

»Nur Oberflächen der

»Der vorliegende

»Die Spachtelarbei-

reich der Fugen und der Flächen vorzunehmen. Die

Qualitätsstufe Q4 sind

Praxisleitfaden ori-

ten wurden in sehr

gespachtelten Gipsplatten wurden anschließend

für glatte oder struktu-

entiert sich an den

unterschiedlichen

von einem Projektteam in Augenschein genommen

rierte Wandbekleidungen mit

technischen Anforderun-

Qualitäten ausgeführt. Das

und bewertet.

Glanz, z. B. Metall- oder Vinyl-

gen. Die fotografischen Ver-

Projektteam wählte im Kon-

Nach eingehender Betrachtung der handwerklich

tapeten, Lasuren oder Be-

gleichsmuster im Maßstab

sens aus insgesamt 12 Teil-

unter Praxisbedingungen gespachtelten Gipsplatten

schichtungen mit mittlerem

1:1 bieten konkrete Anhalts-

flächen diejenigen aus, die den geforderten Oberflä-

legte das Projektteam an den zwölf hergestellten

Das Projektteam bei der Besichtigung der Testflächen

Glanz, Stuccolustro oder an-

punkte

Musterflächen aus der Gesamtheit solche Flächen-

(v. l.): Hans-Joachim Rolof, Lothar Steinbrecher, Ralf

dere hochwertige Glätt-Tech-

Handwerker und Auftrag-

chengüten

Nolte, Dietmar Böttger, Arne Weiß und Dr. Roland Wahl.

niken geeignet.«

geber.«

entsprechen.«

für

ausführende

am

ehesten

13


Q1

Grundverspachtelung bei der Qualitätsstufe Q1: Füllen von Stoßfugen der Gipsplatten sowie das Überziehen der sichtbaren Teile der Befestigungsmittel mit Spachtelmasse. An die resultierenden Oberflächen werden keine optischen Anforderungen gestellt.

Q2

Grundverspachtelung (Spachtelung nach Q1) sowie ein anschließendes Nachspachteln der Fugenbereiche. Die Oberfläche der Qualitätsstufe Q2 (Standardverspachtelung) ist als Untergrund für dekorative Oberputze Größtkorn > 1,0 mm, mittel- bis grobstrukturierte Wandbekleidungen (z. B. Raufaser), matte, gefüllte Beschichtungen, die mit grober Lammfell- oder Strukturrolle aufgetragen werden, geeignet.

14

Negativbeispiel: Die Spachtelmasse

Negativbeispiel: Die Plattenstöße sind

ist aus den Stoßfugen, wahrscheinlich

in Teilen unzureichend verspachtelt und

durch zu steile Haltung der Glättkelle,

offen. Die Übergänge zu den Gipskar-

herausgekratzt, und Übergänge zeich-

tonflächen liegen erhaben auf und sind

nen sich deutlich ab. Beschädigungen

nicht auf Null ausgezogen bzw. unzu-

der Kartonoberfläche sind zu vermeiden.

reichend beigeschliffen.

15


Q3

16

Bei erhöhten optischen Anforderungen an die gespachtelte Fläche ist nach der Standardverspachtelung (Q2) ein breites Ausspachteln der Fugen sowie scharfes Abziehen der übrigen gesamten Plattenoberfläche, d. h. ein Porenverschluss der Gipsplatten, durchzuführen.

Q4

Wie ein Blatt Papier: Die Qualitätsstufe Q4 ist nur über ein vollflächiges Spachteln oder Abstucken der Oberfläche zu erreichen. Diese Oberflächenqualität soll dann höchsten Anforderungen genügen.

Negativbeispiel: Spachtelgrate, Kel-

Negativbeispiel:

lenschläge und Riefen sind nicht gründ-

Stellen mindern das einwandfreie Finish,

lich bearbeitet, d. h. die Fehlstellen sind

das gefordert ist. Durch den sichtbaren

durch punktuelles Schleifen oder Nach-

Kartonuntergrund ergibt sich eine un-

spachteln auszugleichen.

terschiedliche Saugfähigkeit und ein

Durchgeschliffene

optisch uneinheitliches Bild. Beide Mängel können sich bei anschließenden Beschichtungs- und Tapezierarbeiten negativ auswirken.

17


Damit läuft’s glatt ...

Neues Merkblatt zur Untergrundvorbereitung

Wenn es um ein Finish nach den Qualitätsansprü-

Die Industriegruppe Gipsplatten im Bundesverband

melpilzbefall und Korrosion der Befestigungs-

chen „Q4“ geht, trennt sich die sprichwörtliche

der Gipsindustrie e. V. hat ein neues Merkblatt zum

mittel

Spreu vom Weizen. Hier muss mehr denn je auf

Thema herausgegeben. Titel: »Merkblatt 6: Vorbe-

nis müssen entsprechend empfohlene Maß-

die Beschaffenheit der Spachtelmasse geachtet

handlung von Trockenbauflächen aus Gipsplatten

nahmen ergriffen werden.

werden. Nur mit einem Produkt aus sehr feinteili-

zur weitergehenden Oberflächenbeschichtung bzw.

gen Rohmaterialien und entsprechender Kunst-

-bekleidung«. Es dient Planern und Ausführenden

Das Merkblatt gibt außerdem Tipps zur Auswahl von

harzvergütung plus Faserverstärkung lassen sich

und enthält:

Grundbeschichtungsstoffen: Als Grundierung sind

herausragende Ergebnisse erzielen. Der im Pro-

Innenspachtelmasse und ideal zum Herstellen hoch-

• Hilfestellungen

jektversuch eingesetzte PUFAS pufamur Super-

wertiger Wand- und Deckenflächen. Hier die wich-

Haftspachtel SH 45 ist eine solche erstklassige

tigsten Produktfeatures auf einem Blick ...

Innenspachtelmasse in Premiumqualität

• Extrem standfest, kein Einsinken, kein Aufbrennen, kein Kreiden

18

• Bindet in allen Schichtstärken rissfrei und gleichmäßig ab • Optimale Haftung auf allen mineralischen Untergründen • Ideal zum vollflächigen Glätten sowie zum Ausfugen von

Gipskarton- und Faserzementplatten

• Auf null ausziehbar (ansatzfreie Spachtelarbeiten der

Oberflächengüten Q1 bis Q4)

Herausgeber des Praxisleitfadens:

Text:

PUFAS Werk KG

Hans-Joachom Rolof, Lothar Steinbrecher, Dr. Roland Wahl

Im Schedetal 3 | 34346 Hannoversch Münden Telefon: +49 (0) 55 41 - 70 03 01

Fotos:

Fax :

+49 (0) 55 41 - 70 03 50

PUFAS, iba-INSTITUT Gottfried & Rolof, BHB, aboutpixel.de

E-Mail:

info@pufas.de | www.pufas.de Gestaltung und Gesamtrealisierung:

mittelhaltige oder wässrige Grundiermittel geeignet.

Grundierung

Pigmentierte Grundiermittel eignen sich besser, da

• Vorschläge

Gipsplatten

grundieren.

(iba-INSTITUT Gottfried & Rolof), Dr. Roland Wahl (Die Mappe)

immer

vorzubehandeln

bzw.

zu

19

Zu beachten ist weiterhin:

• Der Untergrund darf nicht vollständig abgesperrt

Grundierung ist notwendig, um gleichmä-

werden.

ßige Saugfähigkeit zu erreichen, sonst entste-

• Transparente

hen Hell-Dunkel-Effekte, die optisch störend

wirken und von zu schnellem, ungleichmäßigem

• Die

Trocknen oder ungleichmäßigem oder man-

gelndem

• Klimatische

herrühren.

Deckvermögen

der

Beschichtung

Grundierung dient ebenso als Feuchte-

Grundiermittel dürfen nach der

Trocknung keinen glänzenden Film bilden. Grundierung muss vor weiteren Arbeits-

schritten vollständig getrocknet sein. Verhältnisse und Angaben dazu im

technischen Merkblatt der Grundierung beachten.

• Bürsten-,

Roll- oder Spritzauftrag möglich (AusGipskartonlochplatten

schutz bei späterer Entfernung der Wandbeklei-

nahme:

dung bzw. Tapete.

gespritzt werden), bei Spritzauftrag pigmen-

tiertes Grundiermittel nachrollen.

• In

Räumen keine lösemittelhaltigen Grundiermit-

dürfen

nicht

tel verwenden!

• Verdünnungsangaben

beachten, da sonst Ge-

Trotz allem gilt: Auch bei ordnungsgemäß gespach-

fahr der Rissbildung der Verspachtelung wegen

telten bzw. hergestellten Flächen kann es bei Be-

nicht eingehaltener Trocknungszeiten (Beachte:

schichtungen mit wässrigen Stoffen zu optischen

ATV DIN 18363, 10/2006) besteht.

Beeinträchtigungen kommen (z. B. wegen unter-

• Bevor

ichwill@allefreiheit.de | www.allefreiheit.de

setzt werden.

• Vor weiterer Beschichtung oder Bekleidung sind

E-Mail:

Vermischung der Grundiermittel mit Dispersionsfarbe ist nicht zulässig. Allerdings dürfen transparenten

Wichtig sind die Ausführungen zur Grundierung:

Telefon: +49 (0) 221 - 719 59 81

Ralf Nolte (Marburger Tapetenfabrik), Hans-Joachim Rolof

für zusätzliche Maßnahmen für den

Grundiermitteln max. 5% Dispersionsfarbe zuge-

Lichtstraße 45 | 50825 Köln

Dietmar Böttger, Arne Weiß (PUFAS), Lothar Steinbrecher,

sie einen geringeren Wasseranteil haben und eine bessere farbliche Angleichung ermöglichen. Eine

Fall der fehlenden Abstimmung

iba-INSTITUT Gottfried & Rolof, Die Mappe (Callwey Verlag)

+49 (0) 221 - 719 59 86

für die Schnittstelle Trockenbau/

Maler- und Lackierarbeiten

alle freiheit werbeagentur gmbh

Fax:

Ergeb-

Ausführung der notwendigen, fachgerechten

In Kooperation mit:

Projektteam:

nach

• Die

Impressum

Je

grundsätzlich transparente oder pigmentierte, löse-

• Die

• Geschmeidiges, angenehm leicht zu verarbeitendes Material

werden.

zur Auswahl, Festlegung und

• Hilfestellungen • Gipsbasierende, kunstharzverstärkte und ergiebige

geprüft

grundiert wird, muss der Untergrund

schiedlicher Struktur in der Beschichtung oder

augenscheinlich auf Oberflächengüte Feuch-

unvermeidbaren Rissbildungen im Bereich der

tigkeit,

Plattenstöße). Es bleibt dabei: Bedenken besser

des Kartons, Verschmutzung, Risse, Schim-

Haftung

des

Kartons,

Vergilbung

schriftlich formulieren!


Einer für alle!

alle freiheit.de

Für alle Oberflächengüten - von Q1 bis Q4!

Egal welche Trockenbauqualität gefordert ist - pufamur Super-Haftspachtel SH 45 ist immer und überall die erste Wahl und ein treuer Gefährte für jede Herausforderung: • Standfeste Innenspachtelmasse für alle Oberflächengüten und Schichtstärken • Zum Verkleben, Ausfugen und vollflächigen Glätten bis zur Güteklasse Q4 • Für Gipskarton- und Gipsfaserplatten sowie alle mineralischen Untergründe • Leicht zu verarbeiten, kein Reißen, Einsinken oder Aufbrennen • Ansatzlose Spachtelergebnisse - auf null ausziehbar

pufamur SH 45 gibt´s im Fachhandel, mehr Infos unter www.pufas.de


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