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Oesterweg MAI 2010 Stillstand Friederike Lenz


Inhalt 01 Einleitung 02

Verlassene Orte

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Der TIWA Markt

18 Vahlenkamp, Oesterwegs Stammkneipe 22 Margenau, Oesterwegs Tante Emma Laden 28

Der Bauernhof

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Am Wasser

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Ländliche Orte

Einfach mehr als Leere und Einsamkeit.

Stillstand. Ich fürchte mich davor. Es bedeutet Machtlosigkeit. Es heißt sich eingeengt fühlen, keine Luft mehr zu bekommen, der Situation völlig unterlegen zu sein. Kein Ton. Kein Bild. Keine beflügelten Visionen vom Leben, Lieben und Leiden. Einfach nur Leere und Stillstand. Hier an den Orten meiner Foto-Arbeiten bin ich das einfach nicht mehr gewohnt. In meiner neuen Heimat Berlin pulsiert das Leben. Hier schreit es aus allen Richtungen laut „neu“ und „modern“. Fortschritt wird hier groß geschrieben und sowas wie Stillstand gibt es hier nicht. Ich genieße das. Liebe es. Und lasse mich von dem Strom der Innovationen und Neuheiten mitreißen und treiben. Von allen den Menschen hier. Von der U- und S-bahn. Der Industrie. Von den ganzen Möglichkeiten und der großen Auswahl. Überall blinkt es und blitzt es bunt auf. Ich lebe ständig mit dem Gefühl, hinterher zu hinken, etwas zu verpassen und versuche immer wieder aufzuholen. Es ist ein Wettlauf mit dem Stadt und dem Fortschritt. Das ist sowohl aufregend, wie anregend zugleich. Doch ich kann nur dann meinen Profit aus diesem „Bann der Großstadt“ ziehen, wenn ich weiß, dass es einen Zufluchtsort gibt, der sich vollkommen von dem reizüberfluteten Leben unterscheidet. Ein Ort der Stille, wo ich Luft holen und Gesehenes und Erlebtes verarbeiten kann. Dieser Ort ist das westfälische Dorf „Oesterweg“ für mich. Er lebt von eben jenem Stillstand, der mir eigentlich bedrohlich erscheint. Doch hier genieße ich die Leblosigkeit únd die Stagnation. Ich brauche ab und an eben einen Platz, wo sich nicht ständig alles verändert, wo alles bleibt, wie es immer war. Hier steht die Zeit still. Jedes Mal, wenn ich hierhin zurückkehre, fühle ich mich direkt geborgen und heimatlich. Alles ist wie immer, auch wenn ich mich über die Jahre ständig weiterentwickelt habe. Diese „Festgefahrenheit“ der Orte in Oesterweg habe ich versucht mit meinen Fotos festzuhalten. Eine verlassene Bushalte ziert das Cover dieses

Buches und belegt meine Aussage über dieses Dorf besser als Worte es könnten. Die Bushaltestelle ist doch eigentlich ein markantes Symbol des Aufbruchs. Dennoch hat man bei diesem Foto Zweifel, ob an dieser Haltestelle überhaupt noch ein Bus halten wird. Objektiv betrachtet spiegelt sich hinter den Bildern lediglich der Stillstand der Zeit und die Einsamkeit der (fehlenden) Menschen, die dort leben, wieder. Man erhält einen Einblick in das rückwärtsgewandte Leben der Oesterweger Landbewohner. Landleben muß keineswegs „Idylle“ bedeuten.. Auch umgeben von der Natur ist die Welt nicht unbedingt „in Ordnung“. Deutlich werden soll ein Bruch zwischen der Idylle und der reinen Funktionalität. Hier schmückt keine Kunst, kein Design, keine Individualität den Alltag und das Leben. Vieles erfüllt nur seinen Zweck und ist lediglich ein Nutzobjektt, sei es beispielsweise für die Landwirtschaft. Auf der anderen Seite birgt die ländliche Natur so viel Schönheit, dass diese einen interressanten, aber auch pitoresken Kontrast zu dem funktionellem Alltag bildet. Wirklich bewusst ist mir das erst geworden, als ich die Fotos geschossen habe. Die Einsamkeit und Verlassenheit, die mir in Oesterweg so vertraut ist, habe ich vorher nie recht bemerkt. Ich habe die Einsamkeit genossen und die Stille als Ruhepol für mich gesehen und genutzt. Für mich persönlich steckt eben auch hinter den Bildern viel mehr als nur der „Stillstand der Zeit“. Ich sehe mich selber hinter diesen vertrauten Bildern wieder. Ich sehe einen Teil meiner Vergangenheit. Und meiner Zukunft. An diesen Orten habe ich viel Zeit in meiner Kindheit an Wochenenden und in den Ferien verbracht. Hinter fast jedem Bild steht eine Geschichte. Man sieht einen Teil von mir. Es würde mich freuen, wenn der ein oder andere Betrachter dieser Fotoarbeiten auch ohne diese individuellen Erfahrungen in den Aufnahmen etwas Ähnliches für sich findet. 01


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Verlassene Orte

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Der TIWA Markt

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Vahlenkamp, Oesterwegs Stammkneipe

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Margenau, Oesterwegs Tante Emma Laden

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Der Bauernhof

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Am Wasser


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Impressum Friederike Lenz GroĂ&#x;beerenstraĂ&#x;e 26 10963 Berlin Tel.:030/25049749 Mobil: 015202081484 email:FriederikeL@gmx.de

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Friederike Lenz

Oesterweg  

Its a documentation about a quiet and countrified village in the west of germany.

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