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Lust auf eine Fahrradtour und noch keine Idee, wohin es gehen könnte? Mit dem zweiten THE PUBLIC ART WORKER laden wir euch zu einer Architektur-Entdeckungstour durch Halle ein! Mit diesem Heft könnt ihr losziehen und spannende Gebäude im Stadtraum entdecken und erforschen! Tipps, Infos, Aktionen und Fragen zu jedem Bauwerk zeigen Euch, dass Architektur oft mehr ist als die Planung von Wänden, Dächern und Türen. Architektur kann auch Fragen an die Gesellschaft stellen oder Zukunftsvisionen entwickeln: Wie und wo kommen Menschen zusammen, wie soll ihr Arbeits- und Lebensumfeld aussehen, was lässt sich dabei verbessern und wie kann man das Ganze umweltgerecht umsetzen? Auf unserem Trip wollen wir nicht nur beobachten – sondern eigene Feldforschung betreiben! Was fällt euch auf, was gefällt euch und was findet ihr merkwürdig? Und wie sähe eure eigene Vision für das Museum, die Schule, das Haus der Zukunft aus? Viel Spass auf der Public Art Worker Fahrradtour wünschen euch eure Public Art Worker! P.S.: Einen Stadtplan zur Orientierung findet ihr in der Mitte des Heftes.

MITNEHMEN

n, auf der Tour Es kann nicht schade zu haben: ein paar Dinge bei sich – Stift und Papier on oder Kamera – Handy mit Fotofunkti – Lunchpaket umpe – Flickzeug und Luftp


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Hausmannstürme Marktkirche Unser Lieben Frauen ERRICHTET: 1529 –1554 ARCHITEKTEN: Entwurf Ratsbaumeister Casper Krafft 1530 –1539, Fertigstellung durch Nickel Hoffmann 1540 –1554 STANDORT: Marktplatz INFO: ca. 60 m hoch, Verbindungsbrücke auf 43 m Höhe

Kennt ihr die zwei großen Türme auf dem Marktplatz oder habt ihr sogar schon einmal alle Stufen bis ganz nach oben erklommen? Eine Turmbesteigung lohnt sich allemal, denn aus 60 m Höhe kann man so einiges entdecken! Der Ausblick ist der perfekte Start für eine Architekturrallye: Aus dieser erhöhten Perspektive sieht die Stadt aus wie eine Miniaturlandschaft, so dass Straßenverläufe und strategisch wichtige Gebäude besonders gut erkennbar sind. Die Hausmannstürme gehören zur Marktkirche, die auch Marienkirche genannt wird. Diese entstand ursprünglich aus zwei sehr alten, spätromanischen Kirchen, St. Gertruden (11. Jahrhundert) und St. Marien (12. Jahrhundert). Diese wurden aber abgerissen und dann zu einer großen Kirche mit vier Türmen umgestaltet. Ihre Türme bilden zusammen mit dem Roten Turm, der direkt gegenüber steht, das Wahrzeichen von Halle, der Stadt der fünf Türme. Die zwischen den Turmpaaren eingebaute neue Kirche ist ein großer Hallenbau in sogenannter obersächsischer Spätgotik* errichtet, und zählt zu den bedeutendsten Bauten dieses Architekturstils in Mitteldeutschland.

*Spätgotik (1350 - ca. 1550) ist eine

Epoche der europäischen Architektur und Kunst des Mittelalters. Besonders charakteristisch für diesen Baustil sind Hallenkirchen. Durch die Umleitung der Deckenlast auf die Außenstreben war es möglich, auf die Verwendung von Stützpfeilern zu verzichten und immer höher und eleganter zu bauen. Von der Frühgotik bis zur Hochgotik wurde die Idee mehr und mehr verfeinert, so dass die Gebäude nicht nur immer höher gebaut werden konnten, sondern auch mit immer größeren Fenstern. Die Rundbögen wurden zunehmend verzierter, bis schließlich riesige Fenster und Rundfenster mit feinsten Verzierungen für die Spätgotik charakteristisch sind.


INFO Was ist ein Türmer? Der Name der Hausmannstü rme geht auf die Funktion der Türme zurück. Hier befanden sich die sogenannt en „Türmerstuben“, die Wohnr äume des „Türmers“ oder „Hausmannes“. Die Türmer gehörten der stä dtischen Wache an und hat ten die Aufgabe, die Stu ndenglocken zu läuten, Fei nde zu erspähen und vor Feuer und anderen Gefahren zu warnen. Seit dem 16. Jah rhundert wohnte der Türmer sogar dor t oben. Der letzte „Türmer“, Otto Zie gler, lebte dor t mit seiner ach tköpfigen Familie bis 1916. Für die Kinder wu rde angeblich eine Schaukel zw ischen den beiden Türmen auf der Brücke zwisc hen dem Nord- und Süd-Turm angebracht, damit sie zum Spielen nicht immer die vielen Stufen hinunterlauf en mussten. Damit wohl war das wohl der höchst e Spielplatz Halles! Wieviele Stufen sind es bis ganz nach oben — hat jemand mitgezählt?

FRAGE Könnt ihr den Dom sehen — wo ist er? Entdeckt ihr auch die Moritzburg oder die Franckeschen Stiftungen? Wer weiß, wo Halle-Neustadt liegt? Und wer weiß welche Gebäude diesen Stadtteil markieren?

· Wikipedia: „Marktkirche Unser Lieben Frauen“ · Wikipedia : Gotik · www.halle.de > s. Kultur+Freizeit/Hausmannstürme · www.mz-web.de/halle-saalekreis/halle-ueber-den-daechern-von-halle · www.sachsen-anhalt-wiki.de/index.php/Hausmannst%C3%BCrme_der_Marktkirche_Unser_Lieben_Frauen · www.aki-halle.de/thema/markt/hb12/tuerme.htm · www.region-halle-saale.de/de/veranstaltungen/halle_hausmannstuerme.html


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Moritzburg ERRICHTET: 1484 -1503 / 2008 ARCHITEKTEN: 1448 Peter

Hanschke, 1533 Andreas Günther, 2005 – 2008 Enrique Sobejano und Fuensanta Nieto, Madrid STANDORT:

Friedemann-Bach-Platz 5

Erzbischöfe Die Moritzburg wurde als Residenz der htet. Sie war erric ik von Magdeburg im Stil der Spätgot um die Stadt , den als Festungs-Schloss konzipier t wor m und Ruhe orsa besser im Überblick zu haben und Geh urg im Dreißigzu erhalten. Zerstört wurde die Moritzb t- und Nordflügel jährigen Krieg (1618-16 48) als der Wes gesprengt wurde. ausbrannten und eine der Bastionen hergestellt, der Nur die Kirche im Innern wurde wieder e, die manchmal als Rest blieb jahrhundertelang eine Ruin wurde. Lager oder auch als Brauerei genutzt useum unterstm Kun e Seit 190 4 ist hier das hallesch eum für Kunst Mus ches gebracht, das 1885 als „Städtis Moritzburg Die de. und Kunstgewerbe“ gegründet wur gesamte die um bot als Museum aber nie genug Platz,

chitekturinternationaler Ar ein 03 20 e rd wu b eis gewann zeigen. Deshal ben. Den ersten Pr rie ch Kunstsammlung zu es sg au au Idee n Erweiterungsb ue Sobejano. Ihre wettbewerb für de nta Nieto und Enriq sa en d Fu un ar t pa el hi en er kt ite eteile das spanische Arch storischen Gebäud hi e di rt sie sie da ba f d, ur en tw r En erzeug szwecke nutzte. Ih war besonders üb um se Mu und r tfü es al W r tim De Idee: zburg op architektonischen dennoch die Morit n te er d ni un ffi n ra e de wi un rb fachen ch ve inium gedeckten Da auf einer ebenso ein um Al ht em Lic r ein eh it m m fällt werden alte Mauerkrone. So e Nordflügel der Burg di er üb r k fü üc um St Ra r s meh hebt sich ein erk entstanden, da kw eine Fensterreihe oc St s ue ne und es ist ein in die Innenräume fft. ha Ausstellungen sc

Vom Innenhof aus kann ma n das besonders gut sehen: Die Außenmauern der Burg mit ihren alten Steinen sind original belassen und erinner n an die alte Burgruine, wohingegen die modernen, großen Glasoberlichter und das unregelmäßig gefaltete Aluminiumdach einen interes santen Kontrast durch Mater ial und Form setzen. Mit dieser Gestaltung entsteht ein spannungsreiches Wechs elspiel kleiner und großer, moderner und historischer Räu me. Nicht nur von außen ist die Moritzburg eine tolle Kombination aus alten und neuen Elementen — es lohnt sich allemal reinzugehen, selbst die Toiletten im Kellerg ewölbe sind ein architektonis ches Erlebnis. Und oben von der Galerie aus hat man einen faszinierenden Ausblic k übe r Halle mit seinen fünf Türmen wie auch auf Hal le-Neustadt mit seinen Platte nbauten.


FRAGE Welches geometrische Element fällt euch in der modernen Erweiterung auf und erscheint immer wieder an verschiedenen Stellen in der neuen Architektur? Wie gefällt euch die Kombination aus zeitgenössischen und alten Materialien? Denkt ihr, es sollte besser alles auf alt gemacht sein oder ist es spannender, auch moderne Elemente und verschiedene Baustile zu kombinieren?

AKTION Werdet selbst zu Architekt*innen und versucht euch an einem modernen Entwurf: Nehmt eine Postkarte von einem historischen Gebäude und klebt sie auf einem Blatt Papier auf. Stellt euch nun vor, dieses Bauwerk soll umgebaut oder erweitert werden — wie und wo würdet ihr etwas anbauen? Und was soll es beherbergen? Nun ist es an euch, Freihand oder mit Lineal und Zirkel Formen und Räume zu erfinden und sie hinzuzeichnen! · www.stiftung-moritzburg.de/moritzburg/baugeschichte · www.stiftung-moritzburg.de/moritzburg/erweiterungsbau · www.de.wikipedia .org/wiki/Moritzburg_(Halle) · www.nietosobejano.com


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Neuwerk 11, Neubau der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt ERRICHTET: 1924 / 2011 ARCHITEKTEN:

Umbau 2011 Architekturbüro Arnke Häntsch Mattmüller, Berlin STANDORT: Neuwerk 11

INFO

de nach Das ehemalige Wohnhaus wur nde 2011 We der langem Leerstand nach Häntsch ke Arn durch das Architekturbüro früher Wo . aut Mattmüller um- und ausgeb die Genun eine Familie lebte, befindet sich des Lan des schäftsstelle der Kunststiftung in rie, ale Sachsen-Anhalt und eine Kunstg gezeigt st Kun e isch öss gen der junge, zeit Hallenser wird. In Zusammenarbeit mit der das GebäuKünstlerin Judith Runge erhielt sade. Sie Fas ete talt de zudem eine neu ges amikKer en zeln ein setzt sich aus vielen, t und Lich en den Elementen zusammen, auf Schatten spielen.

· www.kunststiftung-sachsenanhalt.de/web/neuwerk-11/ stiftungssitz/index.html · Bild: www.ahm-architekten. de/340.html

FRAGE Seht euch einmal im Gebäude um und versucht herauszufinden, was die Archite kt*innen während des Umbaus verändert hab en! Teilweise wurde dem Haus etwas hinzug efügt und an anderer Stelle wurde etwas weg genommen — zum Teil ganze Wände! Warum den kt ihr, haben die Architekten das gemacht? Vie lleicht kommt ihr selbst drauf, wenn ihr überleg t, was euch in der Wohnung, in der ihr lebt, wichtig ist. Und was wäre andererseits wichtig , wenn ihr eine Ausstellung präsentieren möcht et, in der es meterhohe Skulpturen und gro ße Fotografien oder Malereien zu sehen gäbe.


Ursprünglich stand an der Stelle des imposanten Ne ubaus des Fachbereichs für Industriedesign der Kunsthochschule Burg Giebichen stein ein einfacher, grauer Putzbau aus den 50er Jah ren. Den Industriedesignern in der Jugendstilvilla nebena n diente er als Labor. Die Architekten erhöhten den Flachbau um ein Geschoss und ergänzten ihn durch ein en dreigeschossigen Erweiterungsbau. Studenten und Lehrende haben dadurch wesentlich mehr Pla tz: 2.500 qm bieten Raum für einen Hörsaal, große Ate liers und Büroräume. Das Auffälligste an diesem Neubau ist wohl die Fassade: Eine goldfarbene, dreidimensionale Struktur. Sie besteht aus relativ sim plen, industriell gef ertigten Aluminiumelementen, die immer wieder versetzt

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Campus Design der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle PLANUNGS- UND BAUZEIT:

2004 - 2007 ARCHITEKT: Anderhalten Architekten, Berlin KOSTEN: 6,1 Mio. Euro STANDORT: Neuwerk 7

angeordnet zu einem ziemlichen Blickfang werden. Versucht einmal herauszufinden, aus wievielen unterschiedlichen Elementen die Fassade besteht. Ein Tipp: Die Lösung liegt zwischen 1 und 5.

chule tein Kunsthochs Burg Giebichens uwerk, Anbau; Ne am n sig De Halle, Campus ne Most essestelle / Yvon Foto: Hochschulpr

RECHERCHE Findet den Spitznamen des Gebäudes heraus! Interviewt Passant*innen, wie sie den Neubau nennen. Sicher gibt euch eine/r der Student*innen einen Tipp !

AKTION · www.anderhalten.com

Welche Formen würdet ihr verwenden, um eine Fassade dreidimensional aussehen zu lassen? Wie kann man sie anordnen? Und vergesst die Fenster nicht! Macht eine kleine Skizze!


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Quelle: www.openstreetmap.org

10. Neubau der Kulturstiftung des Franckeplatz 2

Bundes,

nau), 8. Fosterhof (ehem. Bürohaus Ser Fosterstraße 29 lde / 9. Freiraumgalerie, Halle Freiimfe ße Stra r Areal um die Landsberge

6. Halle-Neustadt ß), 7. New Yorker (ehem. Kaufhaus Wei Leipziger Straße 105/106

schule 4. Campus Design der Kunsthoch 7 k wer Neu ein, nst Burg Giebiche traße 12 5. Grabungsstaedte, Erich-Kästner-S

1. Hausmannstürme, Marktplatz Platz 5 2. Moritzburg, Friedemann-BachLandes 3. Neuwerk 11, Kunststiftung des Sachsen-Anhalt, Neuwerk 11

ADRESSEN

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PLATZ FÜR SKIZZEN UND NOTIZEN


wohnung Typ nungsbau, 3-Raum Sozialistischer Woh rchreiche zur mer mit Essecke, Du T2, 55 qm, Wohnzim er, Kinderzimwanne, Schlaf zimm Küche, Bad mit Bade g freigegeben. kostenlosen Nutzun mer — möbliert zur eilen ein und das brio“ lädt zum Verw Ein „Plattenbau Ca Bodenskulptur dieser begehbaren in rd wi te iva Pr nz ga f 36 x 12 Metern sstaedte“ zeigt au ng bu ra „G h: lic nt fe öf Raum-Platgesamt sechs Dreiins n vo n be le en Inn das für den Originale Künstlerin hat da Di n. ge un hn wo au tenb Wohnhauses e eines ehemaligen eil dt an W d un iss grundr in zeitgemäßem mit Beton-Möbeln sich in den verwendet und sie cher*innen können su Be t. tte ta es sg Wohn- und Design au eschossers in eine sg ch Se es ein n er fmodell Grundmau wischen ein Auslau inz die , en hl fü ein Lebensform rschwinden von ts darstellt. Das Ve des 20. Jahrhunder oblematik des ten, aber auch die Pr Gebäuden und Städ d hier in Gussbeton sozialen Raumes sin en nd er nd rä ve h sic festgehalten.

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Grabungsstaedte ERRICHTET: 2005 KÜNSTLERIN: Dagmar Schmidt MATERIAL: Grundmauern Plattenbau, Gussbeton STANDORT:

Erich-Kästner-Straße 12, Halle Silberhöhe

TIPP

Wie wäre es mit einem Ausflug in eine verschwin ch, Tis dende Randstadt? Picknick im Stühle und Sofas laden zum ick auf einen Plattenbau ein, mit Ausbl großen umliegenden Wald der Zukunft. Aus den den Abriss ganzer WohnBrachflächen, die durch den nächsten Jahren blocks entstanden, soll in e“ werden: ein Laubwald die „Waldstadt Silberhöh die nach und nach mit 20.000 neuen Bäumen, angepflanzt werden.

AKTION

· www.dagmarschmidt.eu · Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung; Stadt Halle · www.sozialestadt.de.

Stellt euch die Umgebung in 30 Jah ren vor! Wie denkt ihr, sieht es hier dann aus? Gibt es den Nachbar wohnblock dann noch? Ist das alles schon ein gesunder, dichter Wald? Und was ist mit der Skulptur von Dagmar Schmidt, in der ihr gerade sitzt. Sie ist jetzt schon neun Jah re alt — wie wird sie weiter altern und in der Zukunf t aussehen?


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Halle-Neustadt Neustädter Passage mit Hochhausscheiben ERRICHTET: 1964 – 1990, 2005 – 2010 große Teile saniert und umstrukturiert im Rahmen der Internationalen Bau Ausstellung 2010 ARCHITEKTEN: Richard Paulick, Joachim Bach, Horst Siegel, KarlHeinz Schlesier, Sigbert Fliegel, Harald Zaglmaier u. a. STANDORT: Halle-Neustadt EINWOHNER: 1981: 93.000 2010: 45.157

Wohnungsknappheit in Auf Grund der generellen Jahren, aber auch um der Region in den 1960er enden Chemiewerke, Arbeitskräfte für die umlieg in pau und die Leunawerke die Buna-Werke in Schko f au t tad and Halle-Neus Leuna, anzusiedeln, entst der Plattenbau-Wohnlt dem Reißbret t. Die Vielfa iedenen Stilen errichtet komplexe, die hier in versch g Einblicke in die Entwicklun wurden, bieten wichtige aus der DDR von den des modernen Wohnungsb Jahre. 1960er bis in die 1980er t“ war konzipier t ad rst ite Die „Chemiearbe adt und ausgeals sozialistische Modellst er, mit Krankenlegt für 100.000 Einwohn gär ten und einer häusern, Schulen, Kinder ustädter Passage Einkaufspassage, der Ne

FRAGE

bauten Was denkt ihr: Gehören die Platten Sollte man dt? Sta r zum historischen Erbe eine eißen? abr ach die Blöcke, die leer stehen, einf derne -Mo DDR Oder sind manche Gebäude der zu utz lsch schützenswer t und unter Denkma stellen?

TIPP

dter PassaSchaut euch einmal in der Neustä sogar Eis man n kan ge um. Auf einer Scheibe essen! Welche ist es?


nnten „Scheiben“. mit den markanten, sogena als in sich selbstHalle-Neustadt, dereinst wurde 1967 zur eiständige Stadt konzipier t, erklär t. Heute ist sie genständigen Kreisstadt nach der politischen ein Stadtteil Halles, denn als 26 Jahre junge Wende 1990 wurde die dam prachlich auch kurz Halle-Neustadt, umgangss rund 1.2 00 Jahre alHa-Neu genannt, mit der lle zusammengelegt. ten Universitätsstadt Ha „Doppelstadt“ mit Seitdem ist Halle eine Art Charakter. Während recht widersprüchlichem algerecht sanier t in der Altstadt alles denkm unter Wohnungswird, leidet die Neustadt ächig Wohnblöcke leerstand, so dass großfl abgerissen werden.

AKTION Halle-Neustadt bekam 198 4 sogar ein eigenes Stadtwappen. Wisst ihr, wie es aussah? Versucht es aus der Erin nerung zu zeichnen oder noch besser: Erfindet euer eigenes Stadtwapp en für eine Stadt der Zukunf t!

FRAGE · Amt für Bürgerservice der Stadt Halle · www.iba-stadtumbau.de siehe Halle (Saale) · www.shrinkingcities.com/halle_leipzig.0.html · www.gwg-halle.de s.Neustadt_entdecken · Wikipedia: Halle-Neustadt

Wisst ihr was diese sogenannten Scheiben sind? Wie sehen sie aus und was ist das besondere an ihnen? Wisst ihr, wo genau sie sich befinden?


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New Yorker ehem. Kaufhaus Weiß ERRICHTET: 1908, Fassadensanierung in den 60ern, saniert 2008 ARCHITEKTEN: Albert und Ernst Giese STANDORT:

Leipziger Straße 105/106

Das Kaufhaus, in dem heute der New Yorker untergebrach t ist, hat eine bewegte Geschi chte. 1908 errichtet, gehört e das Kaufhaus der Familie des jüdischen Kaufmanns Salomon Weiß. Mit 15 großen Schaufenstern und 4.2 00 qm Verkaufsfläche war es eines der modernsten Kaufhäuse r in der Region. Am 5. Mai 1936 wurde die Fam ilie Weiß im Zuge der nationalsozialistischen Arisierun g* enteignet und das Gebäud e ging “in arischen Besitz” übe r, das heißt es wurde der Firma Krauß aus Berlin übe rtragen. Weiß‘ ältester Soh n Theodor und dessen Frau Cha rlotte wurden 194 2 im KZ Sobibor (Polen) von den Nat ionalsozialisten ermordet. Zu DDR-Zeiten nannte man den viergeschossigen Stahlbetonskelettbau Herrenkau fhaus. In den 60er Jahren wurde die ursprüngliche Fas sade durch eine Aluminium -

die historische Vorhangfassade ersetzt. Bis heute sind — allerdings muss lten erha thof Treppenanlage und der Lich Kleiderständern man vor lauter Angebots-Plakaten und rativen Elemente deko die schon sehr genau hinschauen, um ecken. Dieser entd zu ur der Jugendstil/A rt Deco*-A rchitekt gegründete 9 187 die Stil war in Halle vor allem auch durch präsent. sehr in Kunstgewerbeschule Burg Giebichenste e Form des

ten eine bestimmt *Arisierung nannten die Nationalsozialis Minderheit, den Menschen jüdischen

Raubes an Eigentum und Besitz einer , im Deutschen Reich 1933 bis 1945 Glaubens oder Abkömmlingen von ihnen Ländern. tzten bese und und allen angeschlossenen ierende Künste“)

, etwa: „verz *Art Déco (frz. Abkürzung von arts décoratifs te der 1920er und 1930er Jahre,

AKTION Fragt doch einmal vorbeieilende Passant*innen nach der Geschichte des Kaufhauses! Was wissen sie zu erzählen? Wisst ihr noch mehr über den Nationalsozialismus? Mit wem habt ihr darüber bisher gesprochen?

ist eine Bewegung in der Designgeschich in allen Lebensbereichen wie Ardie die Formgebung von Gegenständen de, Schmuck oder Gebrauchsartikel chitektur, Möbel, Fahrzeuge, Kleidermo umfasste.

· Mirjam Frank: Halle um 1900: Kaufhausbauten von Albert und Ernst Giese. · www.kulturfalter.de/index.php?id=kaufhaus_halle · www.stadtgeschichte-halle.de/index php?id=304064 · www.mz-web.de/halle-saalekreis/rheinlaender-besuchthalle,20640778,18186760.html · www.de.wikipedia.org/wiki/Jugendstil · www.de.wikipedia.org/wiki/Arisierung · www.zeit-geschichten.de/th_01_v_56.html

st Motzkus 1910, Fotograf: Ern Kaufhaus Weiß um lle Ha iv ch tar ad St elle: (1867– 1917), Qu


AKTION

überhaupt ne arbeiten? Gäbe es da Wie und wo würdest du ger Was würer drinnen oder draußen? einen Schreibtisch? Wäre Mach eine was benötigst du dafür? dest du dor t machen und splatzes! Skizze deines Traumarbeit

INFO In der Architektur der Vorkriegsjahre, z. B. dem Jugendstil und Art Déco (> Kaufhaus Weiß) wurde viel mit Ornamenten und hierarch isierenden Gestaltungsmomenten gearbeitet. Von Außen wusste man gleich, wo die Chefetage zu finden ist (Stichwort Bel Étage, das schöne Geschoss!). Dem entgegen verzichtet die Fosterho f-Fassade gänzlich auf solche stilistischen Mitt el: sachlich eben!

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Fosterhof ehem. Bürohaus Sernau ERRICHTET: 1921/22 ARCHITEKTEN: Alfred Gellhorn, Martin Knauthes STANDORT: Fosterstraße 29

Spielwarenul Edgar Sernau, ein Pa te ag ftr au be 1921 gen Archirteur, die beiden jun po Ex eltik ar rz he und Sc es mit der und Martin Knauth n or llh Ge d fre Al tekten tstandene gebäudes. Der so en ro Bü es ein g un ier Projekt realisier ten s eines der wenigen „Forsterhof“ gilt al in Deutschn „Neuen Bauens“* Zeugnisse des frühe chitektur und im Bewegung in der Ar land. Das war eine Ersten Weltkrieg r Zeit von vor dem Städtebau, die in de tiv war. Mittels eimarer Republik ak bis in die Zeit der W durch eine Typisierung*, sowie d un ng hu ac inf re Ve wollte man eine Innenausstattung, te ich hl sc hlic ch sa die vor allem Bauens entwickeln, s de rm Fo ue ne g völli Blick hatte: von Architektur im e kt pe As le zia so auch t Mietsht wie möglich stat Lic d un ft Lu e, nn So Soviel fe und enge Räume. kasernen, Hinterhö · Zu Adaption und Demontage von Architekturgeschichte im „Neuen Bauen“ der Weimarer Republik. Annette Bußmann. Marburg 2003. · Die Route der Moderne. Architektur 1900– 1930. Wüstenrot Stiftung. Jovis Verlag. 2009. · Architekturführer Halle an der Saale. Brülls, Holger und Dietzsch, Thomas. Berlin 2000. · www.de.wikipedia.org/wiki/Neues_Bauen 9

ns war te des Neuen Baue erimentelle Lehrstät exp dazu: te hr tes Me nn . ka zog be um Die * später nach Dessau s da ar, im We in s das Bauhau au.de www.bauhaus-dess ukasten, ist mit dem Lego-Ba rt, die vergleichbar ua Ba e ein ist s Da * s andere passt. wo jedes Teil auf da


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Freiraum Galerie STANDORT: Halle Freiimfelde /

Areal um die Landsberger Straße sberger r Gegend um die Land In Halle Freiimfelde, de hen Wohho h lic itt überdurchschn en ein es t gib e, raß St nderung r massenhaften Abwa de d un Gr . nd ta ers sle nung ung vieler lkerung war die Schließ großer Teile der Bevö r Region de In e* nach der Wende. volkseigenen Betrieb af t eine ch rts ß der Umbau der Wi Halle/Leipzig hinterlie hlt Halle zä e über 20 Prozent. Heut Arbeitslosenrate von r DDR 1989. de hr weniger als zum Ende land ab, da es dort me fast 70.000 Einwohner eu en nach Westd tsch ch ns Me erle ttl vie mi es ten er ht Damals wand so: Die Menschen zie s ist heute nicht mehr enheimsiedlungen. Arbeitsplätze gab. Da dort entstehenden Eig die in d un d lan Um rgessene Viertel“ weile vermehrt ins ie das so genannte „ve ler ga um ira Fre die t tand kreativ Seit 2012 versuch ubeleben und den Leers erz ed wi ße tra ers erg t lokale und rund um die Landsb gestaltungen — und läd nd Wa e hig läc ßf gro ndliche zur zu nutzen — z. B. durch innen, Kinder und Juge er* hn wo Be , en nn r*i internationale Künstle nde ein. alle freigegebenen Wä Gestaltung dieser für sse des Elisabeth-Gym ER waren mit einer Kla RK WO t T lbs AR se IC BL en PU elt Auch die tiv und entwick Landsberger Straße ak ) zum Thema „Großnasiums in und um die (Schablonen-Technik nik ch -Te cil en St r de t r Freiraumgalerie zu Street-A rt mi e sind heute noch in de iss bn ge Er ige Ein n“. stadtchimäre raumgalerie.com besichtigen! det ihr unter: ww w.f rei fin ie ler ga um ira Fre r Das Programm de

it atzungszone und dam in der sowjetischen Bes der Volkse n Weltkriegs wurden Ide Die eite t. Zw ich des atl e sta End *Nach dem en enteignet und ver mus t alle Privatunternehm nzipien des Kommunis in der späteren DDR fas em Land nach den Pri ein in um Menschen, ent Eig ihr nt das r, Ken . wa rte B) nie (VE e ktio fun eigenen Betrieb tem, das nur bedingt oder zu verteilen — ein Sys Vielleicht eure Eltern auf alle Bürger*innen VEB gearbeitet haben? em ein in erungen cht änd llei Ver vie die r und übe ebt hr gel R me die in der DD können euch sicher ihnen einmal nach, sie Großeltern? Fragt bei ten. nach der Wende berich · www.shrinkingcities.com/halle_leipzig.0.html · www.de.wikipedia.org/wiki/Volkseigener_Betrieb


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Neubau der Kulturstiftung des Bundes auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen ERRICHTET: 2012 ARCHITEKTEN: Büro Dannheimer & Joos Architekten, München STANDORT: Franckeplatz 2

n ke aus dem zweite In einer Bombenlüc in Franckeplatz Weltkrieg steht am chaf t zu den Fran direkter Nachbars ch n ein futuristis ckeschen Stiftunge ude, wie man es anmutendes Gebä nce-Fiction Filmen vielleicht aus Scie doch anders, als im kennt. Et was ist je e itier t die historisch Film: Das Haus im erg ba ch ur der Na Fachwerkarchitekt it ganz zeitgenössi m gs bäude, allerdin l. ah St d wie Glas un schen Materialien, der ge der Bauherrin, fla Eine wichtige Au ich Ar e s Bundes, an di Kulturstif tung de ch tis s Gebäude op tekten war, dass da udebestand passt. zum übrigen Gebä fache Aufgabe, da Eine gar nicht so ein ten denkmalgeschütz die Baulücke mit Gebäuden aus dem

diesen umgeben ist und 17. Jahrhunder t e. ow stehlen sollt auch nicht die Sh chFa s de t r Hoch-Zei Während man zu d un Linie mit Lehm werks in erster enössetzt diese zeitg Holz gebaut hat, e, um ur auf helle Rä sische Architekt n lie ernste Materia klare Linien, mod ltige ha ffiziente, nach und eine energiee mit , it Lüftungstruhen Technologie — m rü zu ck retende Wärme denen man aust ovoltasowie einer Phot gewinnen kann, Dach. ikanlage auf dem

· www.francke-halle.de/ · www.gewissheit-vision.de/gruswort.php · www.dabonline.de/2013/01/01/stahlgeflecht-in-franckes-welt-fassade/ · www.mz-web.de/kultur-medien/halle-neubau-der-bundeskulturstiftung-fesselt-die-blicke,20642198,21222770.html · www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Neubau_der_Bundeskulturstiftung_in_Halle_von_Dannheimer_und_Joos_2986587.html


FRAGE

nau e gan z g e s G eb äud a d au h B c u r e e hd S ch a u t heidet sic c rs te n n u u g e b g? an: Worin in der Um n e d u ä b e ein Ufo v o n d en G euch wie r fü u a B m g e b u n g? W irkt der r gu t z u r U as s der e t s s a p r od e ist, d s p a n n end und damit Besonders s t vergla t t le p m o k man v on B au A b e r ka n n t. is ll e h en Büros s eh r schen in d ? Seht n e M n e d a u ß en h gucken h en chreibtisc rschiedlic a u f d en S te n u s u a H aus eu ch d a s ufen an. und im L a n e n io it s o P

INFO Die benachbarten Franckeschen Stiftungen zu Halle wurden 1698 gegründet und sind ein einzigar tiges Beispiel sozialer und pädagogischer Architektur bürgerlichen Ursprungs. Der Gründer August Hermann Francke hatte die Idee einer Schulstadt, in der Kinder unabhängig ihres sozialen Standes gefördert werden und eine Schulausbildung erhalten sollten, was damals alles andere als selbstverständlich war. Neben einer Bibliothek, Unterrichtsräumen, Schulgärten und einer Kunst- und Naturalienkammer gab es in dem großen Fachwerkkomplex auch ein Waisenhaus, in welchem Kinder, die keine Eltern mehr hatten, untergebracht wurden.

Entdeckt ihr, welchen Trick die Architekt*innen angewendet haben?


RADTOUR 2013 In den Sommerferien 2013 waren viele fleißige PUBLIC ART WORKER eine Woche lang auf PUBLIC ART Radtour. Dabei wurde nicht nur die Route für dieses Heft erprobt, sondern wir versuchten uns auch als Performer*innen und wurden zu Street-Artists! Vielen Dank an die Begegnungsstätte Dornröschen in Halle-Neustadt, die unser Gastgeber war!


IMPRESSUM Herausgeber*innen: Andrea Günther und Julia Kurz, PUBLIC ART WORKER Redaktion: Andrea Günther, Katrin Hanusch und Julia Kurz Lektorat: Franziska Herbst Grafik: Katrin Hanusch Fotos (wenn nicht anders gekennzeichnet): das PUBLIC ART WORKER Team und die Teilnehmer*innen Auflage: 200 Halle, 2014 Wir danken allen Teilnehmer*innen unserer PUBLIC ART WORKER goes Architecture Projektreihe, dem Team der Begegnungsstätte Dornröschen HaNeu, besonders Karsten Klohs, als auch den Schüler*innen des Elisabeth-Gymnasiums Halle mit Irmela Gertsen sowie Daniel Herrmann, Karl von der Freiraumgalerie, dem Leiter des Stadtarchivs Ralf Jacob, dem Vorsitzenden des Vereins für Stadtgeschichte Halle Holger Zaunstöck und seiner Mitarbeiterin Andrea Thiele, Michael Berninger (Culturtraeger GmbH), Olaf Kabelka (ADDmission GmbH) und dem Team der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt.

Die PUBLIC ART WORKER sind ein interdisziplinäres Kunstvermittlungsprojekt, das überall und immer wieder realisiert werden kann. Mehr Infos findet ihr unter: www.publicartworker.de Kontakt: post@publicartworker.de

PUBLIC ART WORKER goes Architecture wurde gefördert von der


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THE PUBLIC ART WORKER #2 Halle (Saale)