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$IE 'ESCHICHTE DER 0SYCHOANALYSE WURDE BISHER MEIST IN &ORM VON IDEALISIERENDEN "IOGRAFIEN IHRES "EGR~NDERS ERZiHLT WiH REND -AKARI DIESE EINZELNEN 3TIMMEN ZU EINEM VIELSCHICHTIGEN 0ANORAMA VERBIN DET %R BETTET &REUDS FR~HE !RBEIT IN DEN +ONTEXT DER GROย†EN 6ERiNDERUNGEN EIN

DIE DIE EUROPiISCHEN 7ISSENSCHAFTEN DES SPiTEN  *AHRHUNDERTS ERSCH~TTERTEN UND ZEIGT &REUD ALS KREATIVEN 3YNTHESEFINDER

Revolution der Seele

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'EORGE * -AKARI

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'EORGE * -AKARI

Revolution der Seele

Die Geburt der Psychoanalyse

'EORGE -AKARI -$ IST 0ROFESSOR F~R 0SYCHIATRIE AM 7EILL #ORNELL -EDICAL #OLLEGE ,EITER DES 4HE $E7ITT 7ALLACE )NSTITUTE FOR THE (ISTORY OF 0SYCHIATRY AUย†ERORDENTLICHER 0ROFESSOR F~R 0SYCHIATRIE AM #OLUMBIA 5NIVERSITY #OLLEGE OF 0HYSICIANS AND 3URGEONS UND AN DER 2OCKEFELLER 5NIVERSITY &~R SEINE 6ERyFFENTLICHUNGEN ZUR 'ESCHICHTE DER 0SYCHOANALYSE ERHIELT ER ZAHLREICHE 0REISE %R LEBT IN .EW 9ORK #ITY

WWWPSYCHOSOZIAL VERLAGDE

ISBN 978-3-8379-2039-0

0SYCHOSOZIAL 6ERLAG

648 Seiten, Rรผckenstรคrke: 53 mm


George Makari Revolution der Seele


'EORGE -AKARI

2EVOLUTION DER 3EELE $IE 'EBURT DER 0SYCHOANALYSE

!US DEM !MERIKANISCHEN VON !NTJE "ECKER

Psychosozial-Verlag


»Revolution in Mind: The Creation of Psychoanalysis« Copyright © 2008, George Makari All rights reserved Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Deutsche Erstveröffentlichung © 2011 Psychosozial-Verlag Walltorstr. 10, D-35390 Gießen Fon: 06 41 – 96 99 78 – 18; Fax: 06 41 – 96 99 78 – 19 E-Mail: info@psychosozial-verlag.de www.psychosozial-verlag.de Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Umschlaggestaltung & Satz: Hanspeter Ludwig, Wetzlar www.imaginary-art.net Printed in Germany ISBN 978-3-8379-2039-0


F端r Arabella, Gabrielle und Jack my kind of wonderful


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)NHALT

0ROLOG



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%PILOG $ANKSAGUNG !BDRUCKRECHTE !BBILDUNGEN ,ITERATUR .AMENSREGISTER 3ACHREGISTER

      


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0ROLOG

Als der 29-jährige Doktor im Herbst 1885 aus dem Zug stieg, war er ein Versager. Ehrgeizig, aber arm, hatte er sich an einer Reihe von Wissenschaften versucht und hatte doch immer noch nichts, um seine Zukunft zu sichern. Während er sich zu den Boulevards von Paris aufmachte, hinterließ er eine sich auftürmende Welle von Kontroversen über seine Behauptungen hinsichtlich einer neuen Wunderdroge namens Kokain. Unter der Last der erhofften Heirat mit seiner Verlobten akzeptierte der Doktor, was jetzt unvermeidlich schien: Er würde kein Universitätsgelehrter werden, sondern würde eine medizinische Praxis eröffnen müssen, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Vielleicht würde er gezwungen sein, nach England, Australien oder Amerika auszuwandern. Aber zuvor würde er versuchen, seinen Lebensunterhalt in seiner Heimatstadt Wien zu verdienen. Vor diesem unausweichlichen Schicksal, in einem letzten Aufbäumen edlen wissenschaftlichen Strebens, hatte er sich um ein Stipendium für eine Studienreise nach Paris beworben und es erhalten. Was er in dieser Stadt entdecken sollte, würde ihn auf eine lange, schwierige Reise schicken, die zu einer der großen geistigen Revolutionen des 20. Jahrhunderts führte. Oder vielleicht auch nicht. Heute sind die Identität und das Erbe dieses jungen Mannes höchst umstritten. Sigmund Freud war ein Genie. Sigmund Freud war ein Betrüger. Sigmund Freud war wahrhaftig ein Gelehrter, vielleicht auch ein Philosoph oder Kryptobiologe. Sigmund Freud entdeckte die Psychoanalyse, indem er sich tief gehend mit seinen eigenen Träumen befasste und in die Geheimnisse seiner Patienten vordrang. Sigmund Freud stahl das meiste seiner guten Ideen von anderen und erfand den Rest aus seiner eigenen skurrilen Vorstellungskraft


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heraus. Freud war der Erschaffer einer neuen Wissenschaft des Geistes, die den Westen für einen Großteil des 20. Jahrhunderts dominierte. Freud war ein unwissenschaftlicher Zauberer, der eine Massentäuschung ins Leben rief. Wer war Freud? Wer sind die Freudianer, die freudianischen Psychoanalytiker und die Psychoanalytiker anderer Schulen? Und wer sind wir, diejenigen von uns in der westlichen Welt, die erkannt haben, dass die Begriffe und Konzepte der Psychoanalyse unsere Alltagssprache durchziehen, auf den intimsten Ebenen die Art und Weise verändern, in der wir über uns nachdenken, und uns in dem umgeben, was der Dichter W. H. Auden »ein ganzes Meinungsklima« nannte (1976, S. 49)? Viele Jahre lang schien es, als seien diese Fragen beantwortet. Die Geschichte der Psychoanalyse war von Freuds Landsleuten überliefert worden. Sie stellten den Vater ihres Fachgebiets als Mann von überwältigender Originalität, großer Rechtschaffenheit und als schier unermessliches Genie dar. Freud entdeckte ewige Wahrheiten über die Psyche, sagte man, und diese Wahrheiten wurden von seinen Anhängern gut gewahrt. Im Nachkriegsamerika und in Teilen der westlichen Welt wurde dieser Freud zu einer wesentlichen »Währung« des geistigen Lebens. Im Verlauf der letzten 30 Jahre stellte man diese übliche Darstellung jedoch zunehmend infrage. Neue Dokumente, neue Quellen und neue Darstellungen kratzten an der Wahrscheinlichkeit des älteren, verehrenden Bildes. Als Freuds Genie und Rechtschaffenheit in Zweifel gezogen wurden, kämpften zeitgenössische Psychoanalytiker mit zahlreichen Kräften, die ihr Vorhaben zu unterminieren schienen – sie reichten von verbesserten Pharmazeutika über den Aufstieg der kognitiven Neurowissenschaft bis hin zu den Anforderungen der Versicherungsgesellschaften. Bald war eine neue Währung im Umlauf. Darauf stand: »Freud ist tot.« Mit dem Übergang ins 21. Jahrhundert müssen wir uns offenbar entscheiden: Freud als ewiges Genie oder Freud als Relikt und Betrüger? Das vorliegende Buch bietet eine Alternative und eine andere Art der Darstellung. In dem ganzen Aufruhr über Freud in der jüngsten Zeit blieb häufig unbemerkt, dass diese scheinbar gegensätzlichen Auffassungen zwei Seiten der gleichen Medaille sind. Sowohl die inbrünstigsten Bewunderer als auch die schärfsten Gegner Sigmund Freuds gehen davon aus, dass sich die Antworten auf die von der Psychoanalyse gestellten kritischen Fragen in der Biografie des jungen Mannes finden lassen, der 1885 in Paris aus diesem Zug stieg. Somit ist bislang – während auf beiden Seiten hunderte von Freud-Studien und -Biografien geschrieben wurden – keine umfassende Darstellung des Aufstiegs der Psychoanalyse an ihrer Geburtsstätte geliefert


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worden: in West- und Mitteleuropa.1 Infolgedessen ist ein breites Spektrum an Ideen, Erfahrungen, Beurteilungen und ErĂśrterungen verloren gegangen. Wir haben einen groĂ&#x;en Teil der Logik und Unlogik eines sehr menschlichen Unterfangens verloren, mehr noch: Wir haben eine Welt verloren, eine Welt, die nicht allzu weit zurĂźckliegt, die aber durch die europäischen Massaker des 20. Jahrhunderts weiter in die Ferne gerĂźckt wurde. Es war eine Welt, die Freud, die Freudianer und die Psychoanalytiker schuf, und es war eine Welt, die zum Teil von ihnen geschaffen wurde. Die Psychoanalyse bildete sich zwischen 1870 und 1945 in europäischen Gemeinschaften heraus, die letztlich dezimiert und versprengt wurden. Während die Psychoanalyse im Ausland Ăźberlebte, wurde sie von ihrer Vergangenheit abgeschnitten. Die Ăœberbleibsel einer bedeutenden Auseinandersetzung mit dem Wesen der menschlichen Psyche und ihrer StĂśrungen wurden in diesen neuen Ländern ohne die Zusammenhänge weiterentwickelt, die diese Auseinandersetzung frĂźher im weiteren Sinne definiert hatten. Das reiche Mitteleuropa war auseinandergerissen und Deutschland lag in TrĂźmmern, sodass es einfacher wurde, sich vorzustellen, eine unsterbliche Figur zeichne fĂźr diese merkwĂźrdige neue Art des Verständnisses verantwortlich – ob es nun eine Wissenschaft oder eine Massentäuschung war. 1993 griff das TIME Magazine diesen sonderbaren Zustand auf, als es eine Titelstory mit der makaberen Schlagzeile ÂťIst Freud tot?ÂŤ brachte. In gegenseitiger Ăœberbietung erklärte die Titelseite der Newsweek 13 Jahre später: ÂťFreud ist nicht totÂŤ (s. ÂťIs Freud Dead?ÂŤ TIME, 29. November 1993; und ÂťFreud Is Not DeadÂŤ, Newsweek, 27. März 2006). Seit er an einem Herbsttag 1939 die Welt verlassen hatte, wanderte ein geisterhafter Freud noch immer umher, losgelĂśst von der Zeit, so schien es; und doch war Sigmund Freud ein seiner Zeit sehr verhafteter Mensch. Wie zahlreiche Historiker gezeigt haben, hingen viele Aspekte von Freuds Denken von Ideen ab, die in der Medizin, Politik, Theologie, Literaturwissenschaft, Philosophie und Naturwissenschaft von anderen hervorgebracht wurden und sich von der Antike bis zu seiner Zeit erstrecken. Diese revisionistische Arbeit ist derart ergiebig, reichhaltig und in ihren Schlussfolgerungen gelegentlich derart verworren, dass es schwierig ist, sie darzustellen. Wenn wir einen Schritt zurĂźcktreten und alle Aspekte betrachten, die ihr zugeschrieben werden, kann es so erscheinen, als wĂźrden  *~NGSTE 6ERyFFENTLICHUNGEN ZUR 'ESCHICHTE DER 0SYCHOANALYSE DARUNTER *OSEPH 3CHWARTZ´ #ASSANDRA´S $AUGHTER  UND %LI :ARETSKYS &REUDS *AHRHUNDERT  HABEN DIESE ,~CKE NICHT GEF~LLT


12 · Prolog

sie sich gegenseitig ausschließen. Wenn Sigmund Freud die Psychoanalyse tatsächlich von Aristoteles, Sophokles und der Bibel sowie von Shakespeare, Wordsworth, Goethe und Nietzsche ableitete, nicht zu vergessen Johann Herbart, Ernst Brücke und Pierre Janet (um nur einige zu nennen), dann scheint die Folgerung, dass diese seltsame Mischung ganz allein sein Werk war, einfach angemessen zu sein. Das ist jedoch nicht der Fall. Die Psychoanalyse bildete sich zu einer Zeit heraus, als die Europäer ihre Sichtweisen von sich selbst drastisch veränderten. Sie entstammte einer Masse miteinander konkurrierender Theorien, die alle aus richtungsweisenden Veränderungen in der Philosophie, den Naturwissenschaften und der Medizin hervorgegangen waren. Dieses Buch stellt einen Versuch dar, diese gewaltigen Veränderungen zu erfassen und die genaue Herkunft der Psychoanalyse als eine Sammlung von Ideen und als eine Bewegung zu lokalisieren. Um die genauen Einflüsse einzugrenzen, die die Psychoanalyse definiert haben, ist ein breit angelegter Ansatz notwendig, denn Sigmund Freud leitete die zentralen Grundsätze des Fachgebiets nicht von einem einzigen Denker oder Fachgebiet ab. Er bündelte vielmehr neue Ideen und wissenschaftliche Beweise aus einer Reihe von Bereichen, um eine neue Disziplin aufzubauen. Ziel war es, das traditionelle Objekt der humanistischen Kultur für die Wissenschaft zu gewinnen – das Seelenleben des Menschen. Befreit von religiösen Lehren über die Seele, kämpften viele Europäer des späten 19. Jahrhunderts damit, ihre eigenen inneren Erfahrungen mit den Anforderungen des wissenschaftlichen Positivismus, dem mechanistischen Universum Isaac Newtons und der Evolutionsbiologie Charles Darwins zu vereinbaren. Sie versuchten, neben all dem zu verstehen, was es bedeutete, eine Innenwelt, ein Geistesleben zu haben, bewusst und psychologisch ein Mensch zu sein. Freud war einer von vielen Intellektuellen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die auf diese Verwirrung reagierten, indem sie eine neue Wissenschaft des Seelenlebens zu formen versuchten. Die Richtlinien für diese neue Hybridwissenschaft entstammten nicht allein der Evolutionsbiologie oder der Newton’schen Physik, denn dieses Unterfangen hatte etwas Eigenartiges und offenkundig Problematisches an sich. Wie konnte man aus Subjektivität eine objektive Wissenschaft machen? Seit Jahrhunderten hatte die westliche Wissenschaft große Fortschritte gemacht, indem sie darauf pochte, dass zuverlässiges Wissen nur dann ermöglicht wurde, wenn sich das Studienobjekt beobachten ließ oder quantifizierbar war. Was aber war mit dem Geistesleben, einem Bereich, der nichts davon war? Ein solch irritierendes Feld hätte einfach als irreal abgetan werden können, wenn nicht jeder bereits gewusst


Prolog ¡ 13

hätte, dass der seelische Bereich existierte – wenn auch nur fĂźr sich selbst im eigenen Bewusstsein. Dies war ein entscheidendes Rätsel, dem die angehenden Wissenschaftler der Psyche gegenĂźberstanden. Sigmund Freud war einer von vielen Denkern, die dieses Rätsel zu lĂśsen versuchten, und letztendlich brachten seine LĂśsungen ihm Anhänger und eine groĂ&#x;e Zukunft. Freud wird – so, wie es sein muss – das gesamte Buch hindurch eine wichtige Rolle spielen. Es ist jedoch weniger die Geschichte eines einzelnen Mannes als die Geschichte einer Reihe hitziger intellektueller Auseinandersetzungen. Im Verlauf dieser Kämpfe schlossen sich Einzelne zusammen, bildeten Allianzen und gingen auf Konfrontation. Am Ende definierten diese offenen Dispute eine Denkweise, die eng mit dem Namen Freud verknĂźpft wurde. Neben dem Doktor aus Wien werden wir auf kreative Männer und Frauen stoĂ&#x;en, die in hohem MaĂ&#x; zu dieser neuen Denkweise Ăźber die Seele beigetragen haben. Einige waren skeptisch und pessimistisch, andere waren innovativ und wurden später an den Rand gedrängt, diffamiert oder schlicht vergessen. Mit der Zeit wurde Freud zur Bezeichnung fĂźr eine ganze Gemeinschaft von Suchenden. Infolgedessen ist es schwierig, die wesentlichen Ăœberlegungen zu erkennen, die in die Entstehung der Psychoanalyse Einzug hielten. Oft schienen sie nur eine Frage der Biografie eines einzelnen Mannes zu sein. Wenn wir unser Augenmerk weniger auf Freud richten, erkennen wir jedoch, wie sich eine neue Geschichte abzeichnet. Die Entstehung der Psychoanalyse lässt sich in drei eng miteinander verwobene, aufeinanderfolgende Phasen unterteilen. Als Erstes entwarf Sigmund Freud auf der Grundlage seiner Beschäftigung mit drei bereits bestehenden Denkgemeinschaften eine wissenschaftlich haltbare Theorie der Psyche und ein Modell einer psychischen Therapie.2 Freud vertiefte sich in diese unterschiedlichen Forschungsgebiete und Ăźbernahm dabei von allen viele Aspekte voll und ganz, wobei er entscheidende Elemente nebenbei umbenannte und neu konzeptualisierte. Er schlug kreative LĂśsungen fĂźr seit Langem bestehende Probleme vor, die diese älteren Gebiete spalteten; und dann, 1905, fĂźhrte er alles in einer Ăźbergreifenden Synthese zusammen, die seine vorherige Arbeit zu einem neuen freudianischen Fachgebiet verdichtete. Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte wechselten Männer und Frauen aus diesen anderen Disziplinen zu Freud Ăźber. So kann gesagt werden, dass Sigmund Freud weniger die Art und Weise revolutionierte, wie Männer und Frauen ihr Seelenleben auffassten, sondern vielmehr die FĂźhrung von bereits im Gange befindlichen Revolutionen Ăźbernahm.  :U $ENKGEMEINSCHAFTEN VGL ,UDWIK &LECK  UND 4HOMAS 3 +UHN  


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Die zweite Phase begann in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, als sich eine größer werdende Gruppe Freudianer formierte und damit begann, ihre Ideen in Europa und Amerika zu verbreiten. Nach nur einem Jahrzehnt durchzogen Risse diese Gemeinschaft und sie zerbrach unter den Vorwürfen, autoritär und unwissenschaftlich geworden zu sein. Die Spaltungen, die zum Weggang von Eugen Bleuler, Carl Gustav Jung, Alfred Adler und anderen führten, deckten die äußerst schwache Beschaffenheit der Wissensansprüche auf, die die Freudianer hätten zusammenhalten sollen. Die dritte und letzte Phase dieser Entwicklungsgeschichte war die Folge dieser Spaltungen. Nach dem Ersten Weltkrieg bildete sich eine neu gegründete Gemeinschaft heraus, die weniger freudianisch und eher allgemein psychoanalytisch war. In dem Versuch, ihr Forschungsgebiet zu stabilisieren und mit der ständig bohrenden Frage danach, wie sich die dunkelsten Winkel der Seelenwelt einer anderen Person erkennen lassen, besser umzugehen, stellte diese pluralistische Gemeinschaft in den 1920er und 1930er Jahren verschiedene Grenzen und zentrale Verpflichtungen auf. Die Fragen, auf die sie sich einigten, würden dabei helfen, die Psychoanalyse für die nächsten 50 Jahre zu prägen. Am Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es zwingende Gründe, auf die großen Auseinandersetzungen zurückzukommen, die die Psychoanalyse definierten. Derzeit herrscht Unruhe im Fach. Seine Zukunft gilt als unsicher. Einige glauben, die Psychoanalyse sei eine hoffnungslose Pseudowissenschaft. Andere wollen sie retten, indem sie ihre wissenschaftlichen Ansprüche stützen. Wieder andere glauben nur dann an eine Rettung, wenn die Psychoanalytiker erkennen, dass ihr Bestreben nicht naturwissenschaftlich ist, sondern ihre Arbeit den Geisteswissenschaften ähnelt; und dennoch – trotz dieses Durcheinanders, trotz ihrer extravaganten Schwächen bleibt die Psychoanalyse die detaillierteste allgemeingültige Darstellung des Seelenlebens, die wir haben. Liest man bei Biografien, Romanen, journalistischen Porträts und Drehbüchern zwischen den Zeilen, findet man Erklärungen des menschlichen Wesens, die dieser Geschichte zutiefst und untrennbar geschuldet sind. Spricht man mit den Menschen, die sich in rekordverdächtiger Zahl in irgendeiner der aus der Psychoanalyse abgeleiteten Therapieformen befinden, wird man den Nachhall dieser Vergangenheit hören. Wenn wir darüber reden, wer wir sind, verwenden wir – ob wissentlich oder nicht – häufig die Sprache der Psychoanalyse. Revolution der Seele ist eine geschichtliche Untersuchung der Kernfragen, die das Herzstück dieser einflussreichsten Theorie des menschlichen Seelenlebens bilden. Viele dieser Fragen sind bis heute unbeantwortet, denn


Prolog · 15

es ist die unvollendete Geschichte eines komplexen, vielleicht unmöglichen Unterfangens. Es ist die Geschichte einer Gruppe von Ärzten, Philosophen, Wissenschaftlern und Schriftstellern, die versuchen, dieses flüchtigste und doch zum Verrücktwerden offensichtlichste Etwas zu erfassen: die Psyche. Es ist auch die Geschichte einer politischen Welt, die Männern und Frauen für einen kurzen, ergiebigen Augenblick die Freiheit ermöglichte, die potenziell brisanten Fragen nach dem, was uns menschlich macht, zu untersuchen; und es ist die Geschichte davon, wie einige im Verlauf dieses Prozesses scheiterten, einige verzweifelten, während andere versuchten, ihre Methoden zu verfeinern und immer wieder versuchten, diesen Ort zu kartieren, den wir alle in unseren Köpfen verbergen.


4EIL 

$IE %NTSTEHUNG DER &REUD´SCHEN 4HEORIE


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$IE 7ISSENSCHAFT IM 3INN ÂťEs ist falsch zu sagen: Ich denke: man mĂźĂ&#x;te sagen: Es denkt mich. [‌] Ich ist ein anderer.ÂŤ Arthur Rimbaud (1979, S. 12)

) Als die Aufklärung den wissenschaftlichen Rationalismus nach oben auf die HimmelskĂśrper ausdehnte und nach unten auf das Gewusel mikroskopischen Lebens, da gab es einen Gegenstand, zu dem scheinbar unmĂśglich vorgedrungen werden konnte: die Psyche. Der franzĂśsische Verfechter der Wissenschaft und des rationalen Skeptizismus, RenĂŠ Descartes, begrĂźndete dies in seiner Abhandlung Ăźber die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung, indem er erklärte, dass das Ich jenseits einer rationalen PrĂźfung liege, denn es sei nichts anderes als die von den Kirchenvätern beschriebene immaterielle Seele (1637, S. 31–32). ReligiĂśse Ăœberzeugungen bezĂźglich des Seelenlebens erwiesen sich als langlebig und einflussreich, doch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen solche Vorstellungen etwas an GlaubwĂźrdigkeit zu verlieren, und in dem verloren gegangenen Grund und Boden schlug eine Wissenschaft des Geisteslebens Wurzeln. Als Sigmund Freud 1885 in Paris eintraf, hatte sich Frankreich als Zentrum fĂźr innovative Forschung zu psychologischen Fragestellungen etabliert. In Berlin und Wien bemĂźhten sich wenige Wissenschaftler um die Erforschung der Psyche, des Ichs, der Seele, des Selbst oder des Geistes – Bereiche, die mit Religion oder spekulativer Metaphysik behaftet waren. In Paris jedoch wurden die Wissenschaftler dank einer neuen Methode vom Studium des Seelenlebens angezogen. Diese Methode, die Âťpsychologie nouvelleÂŤ, verwandelte Frankreich in eine Brutstätte des Studiums des Somnambulismus, menschlicher Automatismen, der multiplen PersĂśnlichkeit, des doppelten Bewusstseins und des zweiten Selbst sowie von Dämonismus, Dämmerzuständen, Wach-


20 ¡ Teil 1 ¡ Die Entstehung der Freud’schen Theorie

träumen und dem Gesundbeten. Die Wunderlichen und die Wundertätigen fanden den Weg von abgeschiedenen DĂśrfern, KlĂśstern und Jahrmärkten, von Exorzisten, Scharlatanen und betagten Heilmagnetiseuren in die Hallen der franzĂśsischen Wissenschaft. Die Geburt dieser neuen Psychologie fand statt, als Frankreich selbst wiedergeboren wurde. Fast ein Jahrhundert nach der Revolution unterlagen die Franzosen 1870 schmachvoll den PreuĂ&#x;en, was zum Sturz Kaiser Louis Napoleons III. und zur GrĂźndung der Dritten Republik fĂźhrte. Viele gaben die Schuld fĂźr dieses militärische Debakel der franzĂśsischen Wissenschaft, da diese mit den Fortschritten, die in deutschen Ländern gemacht worden waren, nicht Schritt gehalten hatte. Der franzĂśsische Republikanismus verband den Antiklerikalismus mit der Verpflichtung, die Wissenschaft neu zu beleben. Als die Autorität der franzĂśsischen katholischen Kirche hinsichtlich der Bestimmung des Denkens Ăźber die Seele schwand, bildete sich eine kĂźhne, neue wissenschaftliche Psychologie heraus. Zur damaligen Zeit wurde die Psychologie als ein Ableger der Philosophie betrachtet und nicht als Naturwissenschaft, doch der Vorkämpfer der Âťpsychologie nouvelleÂŤ, ThĂŠodule Ribot, schickte sich an, dies zu ändern (Nicolas & Murray 1999, 277–301). ThĂŠodule wurde 1839 als Sohn eines Kleinstadtapothekers geboren und später von seinem Vater gezwungen, in den Staatsdienst zu gehen. Nach drei Jahren Plackerei kĂźndigte er an, dass er nach Paris gehen und versuchen wĂźrde, an der Elitehochschule École normale supĂŠrieure aufgenommen zu werden. Zwei Jahre später erhielt Ribot einen Platz an dieser Universität, wo er schnell eine Abneigung gegen die vorherrschende, von Victor Cousin vertretene spiritistisch orientierte Philosophie entwickelte. Cousins Psychologie – eine seltsame Mixtur aus Vernunft und Glauben – vermischte Vorstellungen von der Seele und von Gott mit naturalistischen Darstellungen des Geistes. Ribot konnte das nicht ertragen. Trotz der Anprangerung durch den ortsansässigen Klerus machte er sich auf die Suche nach einer Methode, durch die die Psychologie fĂźr wissenschaftliche Untersuchungen voll zugänglich wĂźrde. Ribot tauchte in die Schriften britischer Denker ein und erschien 1870 mit La Psychologie anglaise contemporaine (ĂŠcole expĂŠrimentale)1 auf der Bildfläche. Ungeachtet des nĂźchternen Titels wurde das Buch von einem kĂźhnen Manifest eingeleitet, das die Psychologie in Frankreich Ăźber Jahrzehnte bestimmen wĂźrde.  $IE ENGLISCHE 0SYCHOLOGIE DER 'EGENWART EXPERIMENTELLE 3CHULE 


1 Die Wissenschaft im Sinn · 21

Konventionelle Vorstellungen sowohl der Philosophie als auch der Naturwissenschaft machten das objektive Studium des Geistes unmöglich, erklärte Ribot. Er attackierte Philosophien wie die von Descartes und Cousin und beharrte darauf, dass sich die Psychologie von der Metaphysik und Religion befreien müsse. Psychologen könnten nicht zu metaphysischen Fragen Stellung nehmen oder offen von der Seele sprechen; und sie könnten sich nicht auf die praxisfernen Methoden der Philosophie stützen, sondern müssten die naturwissenschaftlichen Methoden anwenden (ebd., S. 21–22). Für all das hatte Ribot ein begieriges Publikum. Viele seiner Zeitgenossen waren bereit, ältere Philosophien der Seele zugunsten der naturwissenschaftlichen Erforschung über Bord zu werfen. Doch wie sollte die Psychologie in eine Wissenschaft umgearbeitet werden? Um diese Frage zu beantworten, griff Ribot eine andere Gruppe Kritiker auf, angeführt von Auguste Comte, dem glühenden Vordenker der Wissenschaft (Guillin 2004, S. 165–181). Obwohl er ein unstetes Leben als gesellschaftlicher Außenseiter führte, errang Auguste Comte außerordentlichen Einfluss auf die Intellektuellen, Politiker und Wissenschaftler des späten 19. Jahrhunderts. 1855 legte der Franzose einen Werdegang der gesamten menschlichen Erkenntnis dar und erklärte, dass Theologie, Mythen und Belletristik das primitivste Stadium bildeten, welches sich dann zum zweiten Stadium weiterentwickelte, das der metaphysischen Abstraktion. Schließlich würden die philosophischen Vorstellungen vom vollendeten Wissensstand übertroffen, der wissenschaftlich und »positiv« war. Comtes Konzept erhielt daher die Bezeichnung »Positivismus« (s. Comte 1855). Mit dem Aufkommen der Dritten Republik im Jahr 1870 wurde Comtes Vorstellung von der Entwicklung der politischen Elite Frankreichs als Muster sowohl für die Wissenschaft als auch für die soziale Reform angenommen. Comtes Denken brachte Ribot in eine schwere Zwickmühle, denn der Begründer des Positivismus glaubte, dass der psychologischen Erkenntnis ein unlösbares Problem zugrunde lag. Psychologen bauten auf Selbstbeobachtungen, um Dinge wie Gedanken, Gefühle und Begehren aufzudecken. Genau solche innere Beobachtungen – das Wissen, das von einem sich selbst beobachtenden Geist stammte – erzeugten Subjektivität. Daher kam Comte zu dem Schluss, dass die Psychologie niemals objektiv sein könne, und seine kurze Bestandsaufnahme früherer Bemühungen schien diese vernichtende Feststellung zu stützen: »Nach zweitausend Jahren des psychologischen Strebens ist kein einziges für ihre Anhänger befriedigendes Theorem aufgestellt worden. Bis zum heutigen


22 · Teil 1 · Die Entstehung der Freud’schen Theorie

Tag spalten sie sich in eine Vielzahl von Schulen auf und streiten sich noch immer über die absoluten Grundbegriffe ihrer Lehre. Diese innere Beobachtung lässt fast so viele Theorien entstehen, wie es Beobachter gibt« (ebd., S. 33).

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts musste jeder, der versuchte, die Grundlagen für eine wissenschaftliche Psychologie zu schaffen – John Stuart Mill in England, Franz Brentano in Österreich und William James in den Vereinigten Staaten eingeschlossen –, gegen Auguste Comtes niederschmetternde Anklage antreten. Comte wies den Positivisten den einzigen vertretbaren Weg, den er für die Psychologie sah: Das Fachgebiet sollte sich auf beobachtbare Hinweise wie die Physiognomie oder das Verhalten beschränken. Zur Beschämung seiner Bewunderer prognostizierte Comte somit, dass die Zukunft der Psychologie in der Phrenologie lag. Ursprünglich als Studium der Lokalisierung im Gehirn konzipiert, war die Phrenologie zur Quacksalberei und zum Studium der kranialen Wölbungen und Rundungen verkommen und beruhte auf der Überzeugung, dass diese Höcker geistige Fähigkeiten und Defizite widerspiegelten. Zu dem Zeitpunkt, als Ribot zu schreiben begann, war Comtes Vorschlag lächerlich. Zudem war Ribot nicht bereit, der Psychologie das Denken, die Emotionen und alle anderen inneren Erfahrungen zu nehmen. Stattdessen regte er eine andere Art der Wissenschaft des Geistes an, in der legitime Behauptungen über dieses dunkle und sich wandelnde Feld aufgestellt werden konnten. Die Psychologie musste Introspektion und äußere Beobachtung sorgfältig miteinander verbinden. Die Introspektion war entscheidend, um geistige Phänomene aufzudecken, aber diese subjektiven Eindrücke mussten in unzähligen Verfahren gefestigt und bestätigt werden, unter anderem durch »die Wahrnehmung von Hinweisen und Gesten, die Interpretation von Hinweisen, die Induktion von Ursachen aus Auswirkungen, die Deduktion, die Schlussfolgerung durch Analogien« (Ribot 1870, S. 23). Streitereien zwischen subjektiven und objektiven Methoden waren unproduktiv: Ribots wissenschaftliche Psychologie benötigte beides (ebd., S. 30). Das war Ribots Hybridmethode, aber er musste sein Studienobjekt noch abgrenzen. Wenn nicht manifestes Verhalten oder Schädelhöcker, was dann würde in seiner Psychologie die Psyche definieren? Statt einen bestimmten Ansatz zu wählen, stellte Ribot drei zusammenhängende Perspektiven auf. Das innere Erleben ließ sich durch eine schlichte Analyse dessen untersuchen, wie Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle verknüpft, gebildet und ins


1 Die Wissenschaft im Sinn · 23

Bewusstsein überführt wurden. Der Weg für eine solche »Assoziationspsychologie« war im 17. Jahrhundert in England von John Locke und David Hume geebnet worden, den Philosophen, die auch die wissenschaftliche Empirie begründet hatten. Die beiden Denkansätze ähnelten sich. Die Empirie versuchte zu erklären, wie der Mensch die Welt um sich herum erfährt, und betonte dabei die Beobachtung sowie die kausalen, künstlichen Verbindungen, die durch die menschliche Erfahrung (sogar inszenierte menschliche Erfahrungen oder Experimente) geformt werden konnten. Versuche zu erklären, wie der Mensch die Außenwelt erfährt, brachten diese Philosophen zwangsläufig dazu, das Modell unserer Wissensmaschine zu entwickeln, den Geist, und führten damit die Assoziationspsychologie ein. Später von David Hartley, James Mill, John Stuart Mill und Alexander Bain ausgebaut, räumte der Assoziationismus mit den angenommenen angeborenen Fähigkeiten wie Vernunft, Einbildungskraft oder Moral auf und versuchte stattdessen zu zeigen, wie derartig komplexe Funktionen allein aus der Verbindung grundlegender psychischer Elemente wie Ideen und Sinneswahrnehmungen heraus entstehen konnten. Sie betrachteten den Geist als Webstuhl, der Gesehenes, Geräusche, Ideen und Gefühle zu einem einzigen Ganzen verwob. Natürlich konnte bei diesem Prozess vieles schieflaufen; Fehlassoziationen waren für menschliches Fehlverhalten, Sinnestäuschungen und Wahnvorstellungen verantwortlich. John Locke (1690, S. 314) hielt solche falschen Verknüpfungen für so normal wie die Unvernunft, so normal wie die Kindheit, so normal wie den alltäglichen Wahnsinn der »meisten Menschen«. Der Assoziationismus bot der wissenschaftlichen Psychologie große Vorteile, denn er sprach nicht von der Seele und beharrte nicht auf hypothetischen Fähigkeiten, die letztendlich häufig willkürlich wirkten. Stattdessen ermöglichte das in theoretischer Hinsicht minimale Instrument die genaue Analyse der flüchtigen Strömungen des inneren Erlebens. Diese Theory of Mind harmonierte darüber hinaus wunderbar mit dem (implizierten) Geist in der empirischen Wissenschaft. Um die Innenwelt einer anderen Person zu verstehen, genügte es, ihre Assoziationen zu erforschen und die eigenen Assoziationen zu diesen zu betrachten. Ribot prophezeite – und hatte recht, wie sich herausstellte –, dass der Assoziationismus einen soliden Rahmen für die Durchführung psychologischer Experimente liefern würde. Diese britische Lehre hatte jedoch auch ihre Grenzen. In Bezug auf Emotionen stellten die Assoziationisten nur einen einfachen Grundsatz auf: Der Mensch strebe nach Lust und der Vermeidung von Schmerz. Lust


24 · Teil 1 · Die Entstehung der Freud’schen Theorie

und Schmerz, so argumentierten sie, konnten als die Bausteine komplexer menschlicher Leidenschaften wie Liebe, Hass, Hoffnung und Leid dienen. Trotz dieser überzeugenden Auffassung führte der Assoziationismus grundsätzlich, wie Ribot hervorhob, zu einer Konzentration auf das innere Spiel der Ideen, eher ein Spiel aus »den Empfindungen, den Gefühlen, affektiven Phänomenen im Allgemeinen« (1870, S. 72–73). Zum Zweiten setzte ein Großteil der Assoziationspsychologie voraus, dass einzig die Erfahrung einen ansonsten kahlen Geist ausstattete. Als Ausgleich für dieses Vorurteil schlug Ribot einen zweiten Schwerpunkt für die Psychologie vor: Vererbung. 1873 veröffentlichte Ribot L’hérédité: étude psychologique: sur ses phénomènes, ses lois, ses causes, ses conséquences (Die Erblichkeit. Eine psychologische Untersuchung ihrer Erscheinungen, Gesetze, Ursachen und Folgen), worin er die Auffassung vertrat, dass die Evolution und die biologischen Anlagen zum großen Teil für die psychologischen Befindlichkeit verantwortlich waren. Damit entwarf Ribot einen soliden Rahmen, an dem sich die psychologischen Untersuchungen in Frankreich in den nächsten 30 Jahren ausrichten würden. Der psychologische Inhalt wurde anhand assoziationsbezogener Grundsätze erforscht, während sich Behauptungen hinsichtlich psychischer Fähigkeiten und Funktionen auf Vererbungstheorien stützten. Zudem fügte er diesem Forschungsprogramm ein abschließendes Standbein hinzu. Da Laborexperimente zu Gehirn und Geist nur schwer durchgeführt werden konnten, schlug Ribot vor, dass die Geisteskrankheit als der experimentelle Zweig der Psychologie dienen sollte: »[D]ie krankhaften Verwirrungen des Organismus, der die Störungen des Verstands auslöst; die Anomalien, die Monster der psychischen Ordnung, sind für uns wie von der Natur bereitete Experimente und umso wertvoller, da Versuche selten sind« (1870, S. 31). Théodule Ribots Lösungskonzepte wurden von vielen übernommen und es dauerte nicht lange, bis er zum Mittelpunkt einer wachsenden interdisziplinären Gemeinschaft psychologischer Forscher geworden war. Vor neuen Ideen sprühend und umringt von einer Schar brillanter Kollegen, rief er aus: »Welch eine zerebrale Orgie!« (Lenoir 1957, S. 13). 1876 zum Herausgeber der Revue philosophique de la France et de l’étranger berufen, fuhr Ribot damit fort, die »psychologie nouvelle« über ein Netzwerk aus Psychiatern, Ärzten, Philosophen und Wissenschaftlern in Europa und den Vereinigten Staaten zu verbreiten. Zwischen 1881 und 1885 veröffentlichte er Les maladies de la mémoire, Les maladies de la volonté und Les maladies de la personnalité. Alle Publikationen waren sehr gefragt und erzielten allein in Frankreich 36 Auf-


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lagen.2 1888 erhielt Ribot am angesehenen Collège de France den Lehrstuhl fĂźr experimentelle Psychologie. Als er 14 Jahre später emeritierte, lobte sein Nachfolger Pierre Janet (1902) ihn als den Mann, der fĂźr die Definierung der franzĂśsischen Psychologie am meisten verantwortlich zeichnete und ihr eine in hohem MaĂ&#x;e originäre, fruchtbare Orientierung verliehen hatte. Janet Ăźbertrieb nicht. Zwischen 1870 und 1900 formte Ribot eine wissenschaftliche Psychologie, die Frankreich berĂźhmt machte. Doch sein Ruhm sollte von einem Mediziner verdunkelt werden, der Ăźber Jahre hinweg keinen Respekt vor der Psychologie zu haben schien. 1884 berichtete Ribot ahnungslos, dass er eine einfache MĂśglichkeit gefunden habe, an neue Artikel fĂźr die Revue zu kommen (Lenoir 1975, S. 157): ÂťCharcot und seine Studenten (die Schule der SalpĂŞtrière) wĂźrden sehr gerne einen Ausflug in die physiologische Psychologie unternehmen. Da ich sie laufend treffe und mit ihnen auf gutem FuĂ&#x; stehe, habe ich dort einen guten Stand.ÂŤ *** Der Franzose Jean-Martin Charcot war einer der berĂźhmtesten Mediziner in Europa, vor 1884 hatte er an Ribots Arbeitsrichtung aber wenig Interesse gezeigt. Als Arzt, Neurologe und strenger Positivist glaubte er, dass die Psyche einfach eine Begleiterscheinung der Hirnfunktionen sei, nicht mehr als Schaum, den das Meer aufwĂźhlt (Fouille 1891). Doch wie Ribot selbst herausfand, war der berĂźhmte Neurologe gezwungen, diese Annahmen zu Ăźberdenken, und im Verlauf dieses Prozesses begann er, auĂ&#x;ergewĂśhnliche Behauptungen Ăźber das psychische Leben aufzustellen, die Medizinerkreise in der gesamten westlichen Welt fesselten. Geboren und ausgebildet in Paris, nahm Charcots Karriere 1862 ihren Lauf: Er wurde als Mediziner an die SalpĂŞtrière berufen, einer ausgedehnten Anlage, in der etwa 5.000 Frauen untergebracht waren, von denen viele wahnsinnig, verrĂźckt oder mittellos waren oder als unheilbar galten.3 Als Anhänger Comtes machten sich Charcot und sein Ă„rzteteam daran, das Durcheinander von Leiden, das sie vorfanden, zu studieren. Während viele Mediziner hofften, dass Laboruntersuchungen von erkranktem Gewebe die Medizin wissenschaftlicher machen wĂźrde, Ăźbernahm Charcot positivistische  $IE DEUTSCHEN eBERSETZUNGEN DIESER 4ITEL 2IBOTS DER *AHRE   UND  SIND IM ,ITE RATURVERZEICHNIS AUFGEF~HRT :UM %RFOLG DER 7ERKE VGL .ICOLAS  -URRAY   eBER #HARCOT S 'OETZ "ONDUELLE  'ELFAND  3 ÂŻ 


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Methoden fĂźr die klinische Medizin und verfocht die genaue Beobachtung der Patienten, um Krankheiten neu zu klassifizieren. Bis 1870 war es Charcot und seinen Kollegen gelungen, mustergĂźltige Beschreibungen der amyotrophen Lateralsklerose und der multiplen Sklerose zu liefern, und sie leisteten wichtige Beiträge zur Erforschung von Rheumatismus, Gicht, Arthrose und RĂźckenmarksschwindsucht. Charcot begab sich dann auf das zwielichtige Terrain der ÂťnĂŠvrosesÂŤ oder ÂťneurosesÂŤ, wie die Engländer sie nannten. Bestimmt dadurch, was sie nicht waren, definierte man ÂťNĂŠvrosesÂŤ als Nervenleiden, bei denen sich keine Verletzungen am Gehirn oder RĂźckenmark zeigten. Dem Wirrwarr schwierig zu definierender Symptomkomplexe und StĂśrungen gehĂśrte eine der ältesten und mysteriĂśsesten Erkrankungen an: die Hysterie. Laut seinem Assistenten Pierre Marie begann Charcot aus einem rein zufälligem Grund, diese rätselhafte Krankheit zu untersuchen. Die Krankenhausverwaltung musste eine heruntergekommene Einrichtung instand setzen, weswegen Epileptiker auf eine Station voller psychisch kranker Frauen verlegt wurden. PlĂśtzlich bekamen die Hysterikerinnen Anfälle. Die Ă„rzte steckten nun in dem Dilemma, hysterische Anfälle von echten Anfällen unterscheiden zu mĂźssen. Damit waren Charcot und seine Kollegen gezwungen, sich einer noch verzwickteren Frage zu stellen: Was war Hysterie?4 Man glaubte lange, die vor Ăźber 2500 Jahren zum ersten Mal diagnostizierte Hysterie sei eine Frauenkrankheit. Wie die Etymologie des Wortes zeigt, wurde dieses Leiden zunächst als Umherwandern der Gebärmutter angesehen, und noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Hysterie mit der weiblichen Sexualität verbunden. Dies begann sich zu ändern, als der Pariser Mediziner Paul Briquet 1859 eine bahnbrechende Studie verĂśffentlichte. Er untersuchte Ăźber 400 Erkrankungsfälle und stellte fest, dass die Hysterie hauptsächlich, aber nicht ausschlieĂ&#x;lich bei Frauen auftrat; auf zwĂślf erkrankte Frauen kam nach Briquets Beobachtungen ein erkrankter Mann. Der Mediziner berichtete auch von einer geringen Verbreitung der Krankheit bei Nonnen und einer hohen Verbreitung bei Prostituierten, was die alte Vorstellung widerlegte, dass sexuelle Frustration diese Krankheit verursachte. Die Hysterie, so folgerte er, war eine Neurose des Gehirns, die den GefĂźhlsausdruck stĂśrte. Briquet hob auĂ&#x;erdem hervor, dass eine schlechte Erbanlage zusammen mit heftigen Emotionen die Krankheit auslĂśste. Während viele Gynäkologen weiter darauf beharrten, dass die Hysterie auf einer Âťchose gĂŠnitaleÂŤ beruhe, ermĂśglichte  :UR 'ESCHICHTE DIESER SCHWER ZU FASSENDEN 3TyRUNG S 6EITH  UND -ICALE 


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Briquet (1859) den Neurologen und Psychiatern, die Krankheit unter diesen neueren Gesichtspunkten zu sehen. Im Anschluss an Briquet und andere nahm sich Charcot diesen Krankheits-Proteus vor. Als veränderliches Kaleidoskop verwirrender Symptome, die Klassifikationsversuche lange scheitern ließen, schien die Hysterie kein objektives Muster zu haben. Viele glaubten, dass sie gar keine Krankheit sei, sondern vielmehr eine weibliche List und Vortäuschung. Jean-Martin Charcot entdeckte eine Ordnung, wo kein anderer sie sah. Nach eingehenden Untersuchungen kam er zu dem Schluss, dass Hysterikerinnen unter Anfällen litten, die eigenständige pathophysiologische Stadien aufwiesen. In ihrem reinsten Zustand war die »grande hystérie« durch die »grande attaque« gekennzeichnet, während der die Leidtragenden eine komplizierte Abfolge von vier Stadien durchliefen. Die Symptome konnte man leicht beobachten; der Grund war eine schlechte Erbanlage. Über die Gedanken oder Gefühle der Hysterikerin, ihre Psychologie, ihre subjektive Welt musste nichts gesagt werden. Die Hysterie ließ sich allein durch objektiv beobachtbare äußere Anzeichen erkennen (Charcot 1982a, S. 96–99). Charcots Leistung sprach sich herum. Erstaunte Schaulustige standen im Auditorium der Salpêtrière Schlange, wo sich Hysterikerinnen während ihrer komplizierten Anfälle krümmten, schüttelten und erstarrten. In der Hoffnung, dies wäre ein wissenschaftlicher Beweis, sozusagen eine Version des mikroskopischen Objektträgers des Pathologen, begannen Charcot und sein Team damit, Hysterikerinnen in den verschiedenen Stadien ihrer Krankheit zu fotografieren (Bourneville & Regnard 1879–1880). Charcots Studie reichte über medizinische Kreise hinaus. Er stand Posi- %INE (YSTERIKERIN IM :USTAND §AUSGE tivisten und Reformern der Regierung LySTEN 3CHLAFWANDELNS¦ (xPITAL 3AL nahe und teilte die Auffassung, dass es PoTRInRE 0ARIS UM  Fortschritt geben würde, wenn sich die Religion der Wissenschaft beugte. In den ersten Jahre der Dritten Republik, als geistliche Kräfte noch immer einen festen Stand in politischen Kreisen


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hatten, berichteten Spione, die Charcots Unterricht besuchten, von seinen vielen kirchenfeindlichen Witzen (Goldstein 1987, S. 360). Um die politischen Auswirkungen einer Forschung zu erkennen, die ekstatische und göttliche Visionen pathologisierte, brauchte es jedoch keinen Spion. Man musste nur die Schriften von Charcots Kollegin Désiré-Magloire Bourneville lesen, die prophezeite, dass sich sowohl diejenigen, die Wunder, als auch diejenigen, die Dämonen sahen, schon bald als schlicht hysterisch erweisen würden (Goetz, Bonduelle & Gelfand 1995, S. 183). Entmystifizierende, kirchenfeindliche Ansichten mögen Charcot auch in seiner nächsten schicksalhaften Wendung bestärkt haben. 1878 nahm der Neurologe seine Untersuchungen zur Hypnose auf. Ein Jahrhundert zuvor war ein Arzt namens Franz Anton Mesmer unter dem Vorwurf der Quacksalberei und des sexuell ungebührlichen Verhaltens nach der Flucht aus Wien in Paris eingetroffen. Mesmer wurde mit dramatischen Heilungen, die der unsichtbaren Kraft des animalischen Magnetismus zugeschrieben wurden, eine Sensation in Paris, die Französische Akademie der Wissenschaften aber berief ein Gremium ein, um den Gehalt seiner Behauptungen zu bewerten. Sie verurteilten ihn als Verführer und Betrüger und legten damit in Frankreich die Erforschung veränderter Geisteszustände für Jahrzehnte auf Eis (s. Gauld 1992 und Crabtree 1993). Der berühmte französische Physiologe Charles Richet entfachte in den 1870er Jahren erneut das allgemeine Interesse an hypnotischen Zuständen. Richet verwendete die Bezeichnung des britischen Arztes James Braid und führte die »Hypnose« auf eine physiologische Funktionsstörung zurück. 1878 brachte Charcot seinen guten Namen in die Untersuchung dieser bizarren Zustände ein, und fünf Jahre später trat er vor eben die Akademie der Wissenschaften, die Mesmer verurteilt hatte, um zu veranschaulichen, wie anders seine eigene Erforschung der Hypnose war. Die Hypnose sei eine physiologische und neuropathologische Störung, nicht irgendeine spukhafte heilmagnetische Kraft (Charcot 1883, S. 149). Zwei Verbündete Charcots, Alfred Binet und Charles Féré, erläuterten, dass sie sich im Gegensatz zu früheren Experimentatoren erst gar nicht mit »komplexen psychischen Phänomenen« aufhielten, denn diesen mangele es an materiellen Eigenschaften, die sie unstrittig machen würden. Somit wurde die Erforschung der Hypnose dank dieser strikten Betonung körperlicher Symptome wissenschaftlich legitim (Binet & Féré 1887, S. 85). Als er vor der Akademie sprach, beschrieb Charcot (1892b, S. 95–100) detailliert die dramatischen Kontrakturen und Anfälle des »grand hypnotisme«, die allesamt bewiesen, dass die Hypnose weder übernatürlich noch


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Quacksalberei war, sondern schlicht das traurige Resultat eines abnormalen nervĂśsen Zustands. In bemerkenswertem Tempo hatte Charcot zwei monumentale medizinische Rätsel bezwungen: die Hysterie und die Hypnose. Währenddessen wahrte er geflissentlich die Distanz zu magischen zwischenmenschlichen Kräften oder obskuren psychologischen EinflussmĂśglichkeiten, die in irgendeiner Weise auf immaterielle, unsichtbare Kräfte hinweisen kĂśnnten. Alle diese Geisteszustände waren die Folge neurologischer StĂśrungen. Die Ursächlichkeit verlief in nur einer Richtung, vom KĂśrper zum Geist. So glaubte Charcot jedenfalls. Die Wandlung von Jean-Martin Charcot begann recht einfach. Er und seine Kollegen entdeckten, dass es zu einer Lähmung kam, wenn sie einer hypnotisierten Hysterikerin suggerierten, ihr Arm sei gelähmt. Unglaublicherweise schien die Vorstellung einer Lähmung in diesem seltsamen Zustand eine Lähmung zu erzeugen. Um zu erklären, wie das mĂśglich sein konnte, brauchten sie ein Modell dafĂźr, wie sich eine Vorstellung auf den KĂśrper auswirken konnte. Das heiĂ&#x;t, Charcot benĂśtigte eine Psychologie. Damit begaben sich der berĂźhmte Positivist und seine Anhänger direkt in August Comtes verbotenen Garten. *** Sigmund Freud traf 1885 an der SalpĂŞtrière ein, als Charcot und sein Team bereits in das Studium der unbewussten Vorstellung und Emotionen, und wie sie neurologische Symptome hervorrufen konnten, vertieft waren. Der franzĂśsische Neurologe Ăźbernahm Ribots Modell und verwendete die Assoziationspsychologie neben hereditären Erklärungen. Eine hypnotische Suggestion, so folgerte er, ermĂśgliche es einer Vorstellung, in abgespaltenem, unbewusstem, recht isoliertem Zustand in den Geist einzudringen. Suggestionen fielen in einen Bereich, der sich von der verwobenen Ansammlung von Assoziationen unterschied, die normalerweise das Bewusstsein bildeten. In dieser unbekannten Region schienen die abgespaltenen Vorstellungen unbehindert und unwillkĂźrlich auf den KĂśrper zu wirken (Charcot 1886, S. 274).5 Im späten 19. Jahrhundert war die Vorstellung unbewussten physiologischen Handelns alltäglich. Einige, zum Beispiel William Carpenter in England  %INE DER UNGELySTEN HISTORISCHEN &RAGEN IST DIE NACH DEM 'RAD ZU DEM #HARCOT VON SEINEM JUNGEN 3CH~TZLING 0IERRE *ANET BEEINFLUSST WURDE $IESER BEGANN ETWA ZUR GLEICHEN :EIT WIE #HARCOT ~BER UNBEWUSSTE PSYCHOLOGISCHE (ANDLUNGEN UND $ISSOZIATION ZU PUBLIZIEREN


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und William James in Amerika, mutmaßten sogar, dass der Mensch vielleicht ein Automat und von der unbewussten Physiologie völlig beherrscht sein könnte. Doch Charcots Erörterung der hypnotischen Suggestion stützte sich nicht auf die Physiologie sondern vielmehr auf die Psychologie. Unbewusste Vorstellungen konnten von einem Körper Besitz ergreifen. Man suggeriere einer hypnotisierten Hysterikerin, dass ihr Bein gelähmt ist, et voilà: Ohne zu wissen, wie ihr geschieht, wird ihr Bein leblos. Die Ärzte der Salpêtrière entwickelten eine besondere Faszination für den seltsamen Fall zweier Männer, die sie Pin und Porcen nannten. Die beiden französischen Arbeiter zeigten Lähmungen, die anatomisch betrachtet unmöglich waren. Gleichzeitig schienen Pin und Porcen ihre Krankheit nicht vorzutäuschen. Vielleicht waren sie Hysteriker unter dem Einfluss unbewusster Vorstellungen. Doch die zwei Männer ließen sich nicht hypnotisieren, und für Charcot bedeutete dies, dass sie keine Hysteriker sein konnten. Er glaubte, alle Hysteriker seien hypnotisierbar; das war eines ihrer auffälligsten Merkmale. Pin und Porcen hatten Erschütterungen an den Armen erlitten, aber diese Verletzungen waren zu geringfügig, um echte Nervenschädigungen zur Folge zu haben. Die beiden Männer rappelten sich auf und wandten sich ihrem normalen Leben zu, nur um Tage später unter Lähmungserscheinungen zu leiden. Fasziniert untersuchte Charcot die Männer und kam zu dem Schluss, dass ihr Trauma auf ihre Psyche wie auch auf ihren Körper gewirkt hatte. Er begann seine Untersuchungen und war verblüfft, als er entdeckte, dass ein harter Schlag auf den Arm eines Hysterikers unter Hypnose die gleichen Symptome auslösen konnte, die Pin und Porcen plagten. Der Schlag allein hatte gewirkt wie eine verbale Suggestion. Charcot folgerte, dass dies alles psychische Lähmungen oder Lähmungen infolge von Vorstellungen waren (ebd., S. 273). Im Fall von Pin und Porcen argumentierte er, dass der Schock des anfänglichen Traumas ihr Nervensystem in etwas wie einen hypnotischen Zustand verfallen ließ, und an diesem Punkt hegten beide Männer die Vorstellung: Ich kann meinen Arm nicht bewegen. Diesem beunruhigenden Gedanken würde normalerweise eine ganze Reihe begleitender Vorstellungen entgegenschlagen, darunter auch beruhigende Gedanken, die sich nach einer Prüfung des Arms und der Feststellung, dass er in Ordnung zu sein scheint, einstellen könnten. Aber die vom traumatischen Schock erzeugte »Vernichtung des Ichs« ließ diese beängstigende Vorstellung – ich kann meinen Arm nicht bewegen – isoliert, unbewusst zurück. Von dort aus wurde sie wirksam, ungehindert wie ein hypnotischer Befehl (ebd., S. 288–290). Die Angst der Männer vor


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der Lähmung wirkte als Autosuggestion, und die Lähmung wurde Realität (s. Charcot & Marie 1892). Es schien, als könne die Einbildungskraft einen Menschen krankmachen, allerdings nur im Falle eines Traumas. Aus dem chirurgischen Wortschatz übernommen, kam das Trauma in der Psychiatrie und Neurologie des 19. Jahrhunderts auf, um Nervenschocks wie die Eisenbahnkrankheit (»railway spine« und »railway brain«) zu erklären. Man ging davon aus, dass sie von den holprigen Fahrten in diesem neuen Monster, der Lokomotive, ausgelöst wurde (vgl. hierzu Caplan 1995). Es war allgemein anerkannt, dass ein traumatischer Schock die assoziativen Prozesse im Gehirn unterbrechen konnte. Charcots Konzentration auf die Autosuggestion jedoch war neuartig und schuf Verwirrung. Wenn die Autosuggestion der eigenen Psyche des Patienten entsprang, wie gelangte diese Vorstellung in den Bereich außerhalb der Bewusstseinsgrenzen (Binet & Féré 1888, S. 182)? Die Hypnose veranschaulichte, wie Suggestionen von außen im Unbewussten landen konnten, aber wie konnte das mit den eigenen Vorstellungen geschehen? Charcot schlussfolgerte, dass eine traumatisierte Psyche anfällig für Dissoziationen war, sodass Vorstellungen von der stabilen Matrix bewusster Assoziationen abblätterten. Zudem behauptete er, dass starke Emotionen wie Wut oder schreckliche Furcht als Trauma dienen und zu Dissoziation und Autosuggestion führen konnten (Charcot 1886, S. 325–326). Die sich entwickelnde psychologische Theorie Charcots barg faszinierende therapeutische Konsequenzen. Wenn eine Vorstellung eine Lähmung schaffen konnte, dann konnte sie vielleicht auch eine Lähmung heilen. Von 1885 bis 1886 versuchten Charcot und seine Kollegen, Pin und Porcen mit Gesprächen zu behandeln: »Zunächst haben wir versucht und versuchen fortwährend, auf ihre Vorstellungen einzuwirken, indem wir ihnen auf’s nachdrücklichste versichern, wovon wir übrigens selbst fest überzeugt sind, dass ihre Lähmung trotz ihres langen Bestandes keineswegs unheilbar ist, und dass sie im Gegentheil mit Hilfe einer geeigneten Behandlung sicherlich […] heilen wird, wenn sie uns dabei behilflich sein wollen« (ebd., S. 292; s. auch S. 278).

Die therapeutische Suggestion zielte darauf ab, Autosuggestionen entgegenzuwirken und Symptome zu lindern, obwohl das keine Heilung war. Charcot wich nie von seiner Überzeugung ab, dass die traumatische Neurose nur Personen treffen konnte, die von degenerativen Erbanlagen belastet waren. Das konnte kein Gespräch heilen (vgl. z.B. Charcot 1877, S. 449).


32 ¡ Teil 1 ¡ Die Entstehung der Freud’schen Theorie

Als Freud in Paris eintraf, beschäftige sich eine ganze franzÜsische Psychologen- und Medizinergemeinschaft damit, das Seelenleben nachzuvollziehen, indem sie Assoziationen, Dissoziationen und die Rolle der Anlagen untersuchte sowie das Licht, das die Psychopathologie auf normale mentale Funktionen werfen kÜnnte. Hatten Jean-Martin Charcot und seine Kollegen zunächst die Hysterie und die Hypnose bezwungen, ohne sich auf das wissenschaftlich zweifelhafte Feld der 3IGMUND &REUD  IN DEM *AHR IN DEM ER NACH Psychologie zu begeben, 0ARIS REISTE UM VON #HARCOT ZU LERNEN fanden sie sich inmitten von Diskussionen ßber die Rolle unbewusster Geisteszustände bei psychischen Automatismen, doppeltem Bewusstsein, multipler PersÜnlichkeit und Dämmerzuständen wieder. Ärzte aus ganz Europa strÜmten nach Paris, um verblßffende Fälle von Hypnose, seltsame, von Hysterikerinnen aufgefßhrte Tänze und bizarre, von Vorstellungen hervorgerufene Beschwerden mitzuerleben. Sie erfuhren von Studien, die sich auf die wissenschaftliche Methode der psychologie nouvelle stßtzten; Studien, fßr die die Autorität von Männern wie Ribot und Charcot garantierte; Studien, die sich auf vieles stßtzten, das im Begriff war zu brÜckeln, denn es war etwas furchtbar schief gelaufen.

)) Als Sigmund Freud vom Jubiläumsfonds der Universität Wien ein Stipendium fßr eine Studienreise erhielt, hatte er sich an einer Reihe von MÜglich-


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keiten fĂźr seine Zukunft versucht, und keine hatte richtig gepasst.6 Nachdem er eine Laufbahn in der Zoologie, dann in der Physiologie und der Neuroanatomie angestrebt hatte, hatte er sich der Medizin zugewandt, wo er Spezialgebiete wie die Neurologie und die Psychiatrie ins Auge fasste. Mit 29 war er noch immer arm, nicht mehr sonderlich jung und hatte keine Aussichten auf eine Stellung an der Universität. Seine Verlobte wartete darauf, dass er sich eine Heirat leisten konnte. Er wartete verzweifelt auf eine Chance, hatte seine Hoffnungen auf eine neue histologische Methode zur Einfärbung von Nervenzellen gesetzt und dann auf einen neuen pharmakologischen Wirkstoff namens Kokain vertraut. Doch die erstaunliche Wirkung von Kokain zeigte bald seine dunkle Seite, und so kam Freud, der von Charcots Forschungsarbeiten Ăźber die Neurosen gehĂśrt hatte, fĂźr einen neuen Anlauf nach Paris. Am 6. Mai 1856 in Freiberg/Mähren als Sohn jĂźdischer Eltern geboren, lautete sein eigentlicher Name Sigismund Freud. Als der Junge vier war, zog seine Familie in die Hauptstadt des Ăśsterreichisch-ungarischen Reichs, nach Wien. Dort besuchte ÂťSigmundÂŤ das Leopoldstädter Gymnasium, wo er sich als auĂ&#x;ergewĂśhnlicher SchĂźler erwies. Er war bewandert in Latein, Griechisch und Klassikern wie Ovid, Horaz, Cicero, Virgil, Sophokles, Homer und Plato und hatte in seiner Klasse bald einen vorderen Platz. Als Jude war er Mitglied einer schlecht behandelten, an den Rand gedrängten Minderheit, doch es war eine Zeit der Liberalisierung im Habsburgischen Reich. Kaiser Franz Josef hatte die BĂźrgerrechte der Juden erweitert und sogar einige jĂźdische Minister in sein Kabinett aufgenommen. FĂźr Freud und seine jungen jĂźdischen Freunde waren diese Männer Helden. Der Junge fĂźhlte sich zu historischen PersĂśnlichkeiten wie Brutus und Hannibal hingezogen, malte sich aus, wie er die Tyrannei bekämpft, und dachte an eine Zukunft als Jurist. Er bezeichnete sich selbst als einen antiaristokratischen, antiklerikalen Republikaner und Ăźberzeugten Materialisten. Nachdem sich der junge Mann im Herbst 1873 an der Universität von Wien eingeschrieben hatte, erwies er sich als jemand, der kein Blatt vor den Mund nahm, auch wenn dies bedeutete, in der Opposition zu stehen. Obwohl er von vielen unterstĂźtzt wurde, begegnete er Ăźberall um sich herum dem Antisemitismus und musste sich einmal einer kleinen Meute entgegenstellen, die sich gegen den Âťelenden JudenÂŤ formiert hatte (Freud 1960a, S. 76–77).  5NTER DEN VIELEN &REUD "IOGRAFIEN IST NOCH IMMER *ONES ÂŻ OBWOHL VOLLER &EHLER DIE UMFASSENDSTE 3IEHE AUCH 'AY 


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  !MERICAN )NSTITUTE FOR 0SYCHOANALYSIS  !MERICAN 0SYCHOANALYTIC !SSOCIATION 

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  F  !RCHIVES DE 0SYCHOLOGIE    !SCHAFFENBURG 'USTAV ^ AUF DEM +ONGRESS IN !MSTERDAM  F ^ UND DAS AMERIKANISCHE )NTERESSE AN &REUD  ^S +RITIK AN &REUD FF "LEULER VERTEIDIGT DIE PSYCHOANALYTISCHES 3TANDPUNKTE GEGEN ^  7ORTASSOZIATIONSTESTS VON ^   !SSOCIATION FOR THE !DVANCEMENT OF 0SYCHO ANALYSIS 

" "ABINSKI *OSEPH   "ACHOFEN *OHANN *AKOB  "AGINSKY !DOLF 


$IE 'ESCHICHTE DER 0SYCHOANALYSE WURDE BISHER MEIST IN &ORM VON IDEALISIERENDEN "IOGRAFIEN IHRES "EGR~NDERS ERZiHLT WiH REND -AKARI DIESE EINZELNEN 3TIMMEN ZU EINEM VIELSCHICHTIGEN 0ANORAMA VERBIN DET %R BETTET &REUDS FR~HE !RBEIT IN DEN +ONTEXT DER GROย†EN 6ERiNDERUNGEN EIN

DIE DIE EUROPiISCHEN 7ISSENSCHAFTEN DES SPiTEN  *AHRHUNDERTS ERSCH~TTERTEN UND ZEIGT &REUD ALS KREATIVEN 3YNTHESEFINDER

Revolution der Seele

ยง"RILLIANT %INE FESSELNDE REICHHALTIGE 'E SCHICHTE VOLLER FASZINIERENDER #HARAKTERE UND BUNTER 3CHAUPLiTZEยฆ 4HE .EW 9ORK 0OST

DESSEN 6ERWURZELUNG IN BEREITS VORHAN DENEN 3TUDIENGEBIETEN ZUR %RSCHAFFUNG DER &REUDยดSCHEN 4HEORIE F~HRTE 'EST~TZT AUF NEUES !RCHIVMATERIAL UND ZEHN *AHRE INTENSIVER &ORSCHUNG LiSST ER DIE :EIT VON  BIS  VOR DEM GEISTIGEN !UGE DES ,ESERS WIEDER AUFLEBEN ยฏ VON DER 'EBURTS STUNDE DER 0SYCHOANALYSE IN 7IEN BIS ZU IHRER 6ERTREIBUNG AUS %UROPA DURCH DEN &ASCHISMUS !USGEZEICHNET MIT DEM 'RADIVA !WARD  ALS BESTE HISTORISCHE !RBEIT UND DEM (EINZ (ARTMANN !WARD  ALS HERAUSRA GENDSTE 0UBLIKATION STICHT 2EVOLUTION DER 3EELE ALS DAS ERSTE GESCHICHTLICHE 7ERK HE RAUS DAS DIE ZENTRALEN $ILEMMATA IN EINER ZUSAMMENHiNGENDEN %RZiHLUNG DARSTELLT

DIE DIESE ANGEHENDE 7ISSENSCHAFT DER 0SY CHE WiHREND IHRER %NTSTEHUNG DEFINIERTEN

STRUKTURIERTEN UND SPALTETEN

'EORGE * -AKARI

ยง'EORGE -AKARI HAT NICHTS 'ERINGERES GE SCHRIEBEN ALS EINE 'ESCHICHTE DES MODERNEN 'EISTESยฆ 0AUL !USTER

'EORGE * -AKARI

Revolution der Seele

Die Geburt der Psychoanalyse

'EORGE -AKARI -$ IST 0ROFESSOR F~R 0SYCHIATRIE AM 7EILL #ORNELL -EDICAL #OLLEGE ,EITER DES 4HE $E7ITT 7ALLACE )NSTITUTE FOR THE (ISTORY OF 0SYCHIATRY AUย†ERORDENTLICHER 0ROFESSOR F~R 0SYCHIATRIE AM #OLUMBIA 5NIVERSITY #OLLEGE OF 0HYSICIANS AND 3URGEONS UND AN DER 2OCKEFELLER 5NIVERSITY &~R SEINE 6ERyFFENTLICHUNGEN ZUR 'ESCHICHTE DER 0SYCHOANALYSE ERHIELT ER ZAHLREICHE 0REISE %R LEBT IN .EW 9ORK #ITY

WWWPSYCHOSOZIAL VERLAGDE

ISBN 978-3-8379-2039-0

0SYCHOSOZIAL 6ERLAG

648 Seiten, Rรผckenstรคrke: 53 mm

George Makari, Revolution der Seele  

»Revolution der Seele« ist die erstmals zusammenhängend dargestellte Geschichte der Psychoanalyse von ihren Anfängen 1870 bis zu ihrer Vertr...

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