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Inhalt

HEFT 35

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L EBEN SKO MPETENZEN I

L E B E N S KOMPE TE N Z E N I I

Ein starkes Selbst

Den Alltag bewältigen

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Selbstachtung: Einverstanden sein mit sich selbst

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SU S I E R E INH A RDT

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Handlungskompetenz: Wie Sie umsetzen, was Sie sich vorgenommen haben

U R S U L A N UB E R

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A NN E OT T O

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Selbstdistanz: Bitte Abstand halten! Selbsttäuschung: Sich selbst in ein mildes Licht rücken

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Selbstgespräche: Öfter mal auf sich selbst hören E VA T E NZ E R

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Entscheidungskompetenz: Nicht zu viel auf einmal! R O Y B A U M E I S T E R , J O H N T I E R N EY

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U LL A G OS MANN

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Konfliktkompetenz: Sich den Problemen stellen T HO MA S E S T E R MA N N , B A R B A R A L E U

A ND RE A S HU BER

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Stresskompetenz: „Ich schaff das schon!“

Medienkompetenz: Entspannter Umgang mit den neuen Medien K AT H A R I N A S I E C K MA N N

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Zeitkompetenz: Time is on my side E LMA R H AT Z E L MA N N , M A RT I N H E L D

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I M P R E S S U M

REDAK TION

Werderstraße 10, 69469 Weinheim Postfach 100154, 69441 Weinheim Telefon: 06201/6007-0 Telefax: 06201/6007-382 (Redaktion), 6007-310 (Verlag) W W W.PSYCHOLOGIEHEUTE.DE HERAUSGEBER UND VERLAG

Julius Beltz GmbH & Co. KG, Weinheim Geschäftsführerin der Beltz GmbH: Marianne Rübelmann CHEFREDAKTEUR

Heiko Ernst REDAKTION

Ursula Nuber (stellvertr. Chefredakteurin) Redaktionsassistenz: Nicole Coombe, Doris Müller LAYOUT, HERSTELLUNG Johannes Kranz

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Standhalten 66

Risikokompetenz: Mit Unsicherheit sicher leben können URS ULA N U BER

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Rückzugskompetenz: Allein sein als Schlüssel zur Selbsterkenntnis HE IKO E R NS T

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Skeptisches Denken: „Zweifeln ist fruchtbar“ A ND RE A S URS S O M M ER I M G ES PR ÄCH

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Durchsetzungskompetenz: Klein beigeben ist keine Lösung! HE IKO E R NS T

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Gefühlskompetenz: Der intelligente Umgang mit Emotionen HE IKO E R NS T

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Selbstschutz: Raus aus dem Hamsterrad

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Claudia Klinger c/o Psychologie Heute Postfach 100154, 69441 Weinheim Telefon: 06201/6007-386 Telefax: 06201/6007-9331 DRUCK Druckhaus Kaufmann, 77933 Lahr VERTRIEB ZEITSCHRIF TENHANDEL

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SU S IE R E INHA RDT

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Editorial

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Impressum

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Markt

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Cartoon

Best.-Nr.: 47222 ISBN 978-3-407-47222-9 5


Susie Reinhardt

Selbstachtung Einverstanden sein mit sich selbst „Ich bin in Ordnung, und andere mögen mich!“ Mit dieser Einstellung ist man auf der Sonnenseite des Lebens. Doch vielen gelingt dieser positive Blick auf sich selbst nicht. Kann man lernen, sich selbst mehr zu achten?

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Fennell, die kognitive Verhaltenstherapie an der Universität Oxford lehrt, fand heraus, dass eine geringe Selbstachtung sich nicht nur in den Gedanken widerspiegelt. Auch das Verhalten und die Gefühle sind davon beeinflusst; ebenso die Art und Weise, wie wir mit anderen Menschen in Kontakt treten und wie wir mit unserem Körper umgehen. Hinweise auf eine geringe Selbstachtung sind: • Starke Selbstkritik steht im Vordergrund. In Gedanken beschäftigen sich die Betroffenen vorwiegend mit ihren Unzulänglichkeiten, ihre guten und starken Seiten sehen sie dagegen kaum. • Selbstwertschwache Personen können eigene Bedürfnisse nur schwer äußern, und sie haben Schwierigkeiten, für sich selbst einzutreten. Sie entschuldigen sich oft und vermeiden Herausforderungen. Die Körperhaltung ist eher gebeugt, der Blick gesenkt, Augenkontakt wird vermieden. Im Gespräch sind solche Menschen eher zurückhaltend. • Traurigkeit und Angst herrschen vor. Viele, denen es an Selbstwertschätzung mangelt, haben Schuldgefühle, sind frustriert oder wütend. Körperempfindungen, die auf geringe Selbstachtung hinweisen, sind Erschöpfung, Lustlosigkeit oder nervöse Anspannung. • Mit dem eigenen Körper wird eher lieblos umgegangen. Menschen mit mangelnder Selbstachtung schleppen sich trotz Krankheit zur Arbeit, gehen selten zum Arzt. Ihr PS YCH OLO G IE H EU TE com p a c t

F O T O S : G A B Y G E R ST E R

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elbstachtung, was ist das eigentlich? Kaum jemand kann diesen Begriff aus dem Stand definieren, doch die meisten Menschen verbinden damit eine wertvolle Fähigkeit. Selbstachtung ist ein Spiegel des Gesamturteils, das wir über unsere Person fällen. Darin drückt sich aus, was wir von uns halten und wie sehr wir mögen und annehmen können, was wir sehen. Es geht um das rein subjektive Empfinden. Und das fällt bei Menschen ganz unterschiedlich aus. Manche können sich selbst grundsätzlich gut leiden und finden sich in Ordnung. „Ich bin ein guter Mensch, und andere mögen mich“, so beschreibt die Psychotherapeutin Melanie J. V. Fennell das Grundgefühl, mit dem Selbstwertstarke durchs Leben gehen. Menschen mit einem positiven Bild von sich selbst wissen, dass sie über bestimmte Fähigkeiten verfügen, sie trauen sich zu, Neues zu lernen und Herausforderungen zu bewältigen, sie sind überzeugt, dass sie in manchen Lebensbereichen – sei es im Beruf, im Privatleben oder auf einem Interessensgebiet – etwas richtig gut können, sie besitzen Frustrationstoleranz und Durchhaltevermögen und lassen sich von Misserfolgen und Fehlern nicht aus der Bahn werfen. Doch leider hat nicht jeder das Glück, sich im Leben derart aufgehoben und anerkannt zu fühlen. So mancher hat eine Menge an sich auszusetzen und würde sich selbst eher ein mangelhaftes Zeugnis ausstellen. Im Extremfall, so Fennell, haben selbstwertschwache Menschen die Überzeugung: „Ich bin schlecht, ich kann nichts.“


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Anne Otto

Handlungskompetenz Wie Sie umsetzen, was Sie sich vorgenommen haben Sport treiben. Gesünder essen. Ein wichtiges Projekt endlich anfangen. Die Dinge anzupacken, die uns wirklich wichtig sind, ist oft gar nicht so leicht. Wir können die Hindernisse zum Ziel aber überwinden, wenn wir sie verstehen. Aktuelle psychologische Erkenntnisse helfen dabei

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andeln tut gut. Wer sein Leben aktiv gestaltet, setzt sich nicht nur beherzter für persönliche Wünsche und Ziele ein, sondern fühlt sich oft auch im Alltag entspannter. Denn wenn wir spüren, dass wir etwas bewirken können, macht uns das in der Regel froh und zufrieden. Selbstwirksamkeit – also das Wissen darum, dass man die meisten Situationen im eigenen Leben meistern kann – halten Psychologen wie Ralf Schwarzer von der FU Berlin für „eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass wir ein neues Verhalten auch wirklich durchhalten“. Dieser Zusammenhang gilt nicht nur für Sport und Fitness, sondern für nahezu jeden Bereich, in dem Menschen etwas aktiv verändern können und wollen. Das klingt einfach. Warum aber scheitern unsere Vorsätze dennoch so oft, warum lassen wir wichtige Projekte häufig nach einer gewissen Anfangseuphorie schleifen? „Einer der Hauptgründe fürs Scheitern ist, dass wir nicht wahrhaben wollen, dass Veränderungen eben doch schwierig sind. Wir überschätzen unsere Willenskraft“, sagt die Motivationspsychologin Wendy Wood von der University of Southern California. Das Prinzip Willenskraft versagt, weil man Stolpersteine auf dem Weg gar nicht erst wahrnimmt und berücksichtigt. Wenn wir etwas verändern und regeln wollen, müssen wir aber mit Fallen und Stolpersteinen rechnen. Je besser wir diese kennen, desto eher können wir ihnen ausweichen. Motivationspsychologen haben die sechs wichtigsten Hindernisse identifiziert: • Alte Gewohnheiten sind hartnäckiger, als wir denken • Wer große Veränderungen anvisiert, bekommt leicht Angst und lässt das Vorhaben fallen • Argumente wie „Du musst“ und „Du sollst“ bauen nur kurzfristig Motivation auf • Nicht zu wissen, welche konkreten kleinen Schritte als Nächstes anstehen • Stress bestimmt das Leben so stark, dass man nur noch reagiert und für aktive Veränderung kaum Zeit bleibt • Es fehlt ein unterstützendes Umfeld. 15


Eva Tenzer

Selbstgespräche Öfter mal auf sich selbst hören Menschen, die Selbstgespräche führen, gelten immer noch als skurril. Dabei ist diese Form der Kommunikation sinnvoll: Sie erhöht die Selbstkontrolle, reduziert Stress und hilft beim Lösen kniffliger Aufgaben

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ährend einer Spielpause bei den Australian Open 2007 redete der Weltklassetennisspieler Tommy Haas deutlich hörbar mit sich selbst. Anfangs merklich unzufrieden mit seiner schwachen Leistung, tadelte sich Haas, baute sich dann jedoch im Laufe seines Selbstgesprächs immer stärker auf. Gegen Ende des Monologs sprach er sich dann wieder siegesgewiss frischen Mut zu. Die Mikrofone am Rande des Spielfelds nahmen jeden Satz auf, so können Zuschauer bis heute auf YouTube (www.youtube.com; Stichwort: Tommy Haas talking to himself) den Verlauf eines typischen Selbstgesprächs mitverfolgen. Im Grunde ein echter Glücksfall, denn die meisten Menschen vermeiden es nach Kräften, bei Selbstgesprächen beobachtet zu werden. Während diese Neigung bei Kindern noch als völlig normal gilt, fürchten Erwachsene, als sonderbar, verschroben oder gar verrückt zu gelten. Mit sich selbst sprechende Menschen hinterlassen leicht einen psychisch angespannten Eindruck. „Der hat wohl niemanden zum Reden“ oder „Bei der ist bestimmt eine Schraube locker“, so lauten nur einige der Vorurteile. So halten wir meistens bei inneren Dialogen tunlichst den Mund. Möglich allerdings, dass uns mit diesem selbstauferlegten Verzicht einige durchaus positive psychologische Effekte entgehen, wie neuere Studien nahelegen. Gerade Menschen, die viel zu denken hatten, wie Philosophen, Schriftsteller oder Wissenschaftler, sahen die Selbstkommunikation immer schon positiv. Sokrates etwa führte nicht nur intensive Dialoge mit seinen Schülern auf dem Athener Marktplatz, sondern soll auch dem Dialog mit der eigenen inneren Stimme großen Wert beigemessen haben, wie sein Schüler Platon berichtet. Und auch der betrachtete das Denken generell als „Selbstgespräch der Seele“. Viele Philosophen spekulierten darüber, wie Selbstgespräche effizient gelenkt und gestaltet werden können, um dem Denken auf die Sprünge zu helfen. Auch Schriftsteller wie Goethe, Kleist oder Oscar Wilde sollen das Selbstgespräch zur Präzisierung der eigenen Texte geschätzt haben. Wilde etwa gestand: „Ich höre mich gerne reden. Es ist eines meiner größten Vergnügen.“ Einem Exzentriker wie ihm dürfte es auch kaum peinlich gewesen sein, dabei beobachtet zu werden. Worte auszusprechen dauert etwas länger, als sie still zu denken. Wer laut mit sich selbst spricht, nimmt seine Gedanken direkter und intensiver wahr. Im Stillen formuliert, sind sie dagegen oft eher diffus und unstrukturiert. Rein durch die Artikulation vollständiger Sätze kann das hörbare Aussprechen hier schon für Klarheit sorgen. 31


Ursula Nuber

Stresskompetenz „Ich schaff das schon!“ Alle reden vom Stress. Und die meisten leiden unter ihm. Dennoch sind wir ihm nicht hilflos ausgeliefert. Wir können entscheiden, was wirklich stressig ist – und was nicht

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ch bin im Stress“, sagen wir, wenn wir mal wieder zu viel auf einmal erledigen wollen. Wir klagen „Das stresst mich!“, wenn eine Prüfung ansteht oder ein schwieriges Gespräch. Und wir bezeichnen jemanden als „gestresst“, der ungeduldig oder unfreundlich auf uns reagiert. Stress und seine Symptome sind allgegenwärtig in unserem Alltag. Doch wissen wir eigentlich, wovon wir da reden? Ist wirklich alles Stress, was wir als solchen bezeichnen? Und wäre es möglicherweise hilfreich, wenn wir nicht alle Belastungen mit diesem Negativetikett belegen würden? Möglicherweise. Denn schon der Mediziner Hans Selye, der 1936 als Erster das Phänomen definierte, meinte, der Stress sei „zu bekannt und zu wenig verstanden“. Was also ist Stress? Zunächst: Stress ist universal, er kommt in allen Kulturen der Welt vor und ist eine völlig normale und sinnvolle Reaktion des Körpers auf erschütternde oder unvorhergesehene Ereignisse. Wann immer wir das innere Gleichgewicht verlieren (oder zu verlieren drohen), versetzt unser Körper uns in einen Zustand der Bereitschaft, erklärt der Psychiater Jonathan S. Abramowitz, Direktor der Klinik für Angst- und Stresserkrankungen an der University of North Carolina in Chapel Hill. Die durch die Bedrohung automatisch ausgelöste Stressreaktion versorgt uns dann schnell und automatisch mit allem, was wir brauchen, um uns schützen oder verteidigen zu können. Gern verwiesen wird in diesem Zusammenhang auf die wichtige Funktion des Stresses für unsere Vorfahren. Er sorgte dafür, dass sie nicht arglos vor der Höhle sitzen blieben, wenn der gefährliche Tiger 38

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Ursula Nuber

Risikokompetenz Mit Unsicherheit sicher leben können Wie gehen wir damit um, dass so viele Bereiche unseres Lebens fragil sind, bedroht von Veränderungen oder gar plötzlichen Zusammenbrüchen? Können wir uns fit machen für das Ungewisse? Welche Fähigkeiten brauchen wir dazu?

I

n den letzten hundert Jahren sind so viele fundierte Überlieferungen zusammengebrochen, Überlieferungen im familiären und sozialen Leben, in Regierungsformen, in wirtschaftlicher Hinsicht und im religiösen Glauben. Im Laufe der Jahre scheinen die Felsen immer weniger zu werden, an die wir uns klammern können – weniger auch die Dinge, die wir als absolut richtig, wahr und allzeit gültig betrachten können.“ Diese Zeilen schrieb der Religionsphilosoph Alan Watts – Anfang der 1950er Jahre. Seiner Analyse nach hatten die Menschen damals das Gefühl, „in Zeiten ungewöhnlicher Unsicherheit“ zu leben. Was würde Watts wohl heute sagen? Käme unsere Zeit besser weg, weil es nicht die Folgen des Zweiten Weltkrieges zu verarbeiten gilt und die westlichen Gesellschaften in Frieden und Wohlstand leben? Wohl kaum. Die Unsicherheiten und Risiken sind nicht weniger geworden, sie haben nur ihr Erscheinungsbild verändert. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der ständig alles im Fluss zu sein scheint, in der sich Veränderungen mit einer so hohen Geschwindigkeit vollziehen, dass wir den Überblick zu verlieren drohen“, schreibt ein Psychologenteam um Ernst-Dieter Lantermann von der Universität Kassel: „Moderne Lebensverhältnisse sind unsichere Lebensverhältnisse.“ Noch vor wenigen Jahrzehnten begannen Menschen ihre berufliche Karriere in der Überzeugung, dass sie in dem

gewählten Job alt werden könnten. Heute starten sehr viele junge Leute mit extremer Unsicherheit in ihr Berufsleben. Nicht wissend, ob der Arbeitsplatz sicher ist, nicht wissend, ob er sie ernähren kann, nicht wissend, ob sie ihn im nächsten Jahr noch haben werden. Die berufliche Karriere ist nur noch begrenzt planbar, und somit verläuft auch der Weg zu Partnerschaft, Familie, Kindern auf unsicherem Terrain. Konnte man bislang darauf vertrauen, dass das Geld auf der Bank sicher ist und akzeptable Zinsen abwirft, so müssen wir uns heute Sorgen machen, ob wir nicht durch die Eurokrise und gierige Märkte um unser Erspartes gebracht werden. Und auch die Angst, im Alter nicht ausreichend abgesichert zu sein, nimmt dramatisch zu. Laut einer Studie der Postbank fürchtet sich jeder fünfte Berufstätige unter 30 Jahren vor Altersarmut, und jeder zweite Berufstätige weiß nicht, was er persönlich gegen die Entwicklung tun könnte. Keine der angebotenen Anlageformen erscheint den Menschen sinnvoll. Auch in anderen Bereichen herrscht Verunsicherung: Wird die Ehe halten? Wird mein Kind einen Studienplatz bekommen? Werde ich die alten, pflegebedürftigen Eltern versorgen können? Soll ich einer Organspende zustimmen? Soll ich zur Krebsvorsorge gehen oder nicht? „Für den Einzelnen ist eine Situation riskant, die ihn in einer bestimmten Angelegenheit zu einer Entscheidung mit jeweils schwer 67


Heiko Ernst

Rückzugskompetenz Allein sein als Schlüssel zur Selbsterkenntnis Allein sein erscheint vielen Menschen bedrohlich: Es hat den Beigeschmack von Einsamkeit und Isolation. Aber die Fähigkeit, zu sich zu kommen und sich dem eigenen Innenleben zu stellen, ist lebenswichtig. Ohne solche Alleinzeiten verkümmern unsere Persönlichkeit und unsere Kreativität. Und auch unsere Beziehungen gedeihen besser, wenn wir uns von Zeit zu Zeit aus ihnen zurückziehen können

D

er Mensch, so definierte Aristoteles, ist „das soziale Tier“: Er kann nicht allein existieren. Die Beziehungen zu anderen Menschen sind die Grundlage seines Überlebens, seines Wohlbefindens und, im günstigen Falle, auch seines Glücks. Die Psychologie sieht den Menschen ebenfalls in erster Linie als Beziehungswesen – von Geburt an angewiesen auf den engen Kontakt zu anderen und eingebunden in mehr oder weniger dichte soziale Netze: Ein Mangel an sozialer Bindung ist zu jedem Lebenszeitpunkt problematisch, und die Unfähigkeit oder gar Unwilligkeit, sich auf andere einzulassen, erregt Misstrauen und gilt als tendenziell pathologisch. Ein Rückzug in selbstgewählte Einsamkeit wird zwar besonderen Menschen zugestanden, etwa den großen Religionsgründern wie Buddha, Jesus oder Mohammed. Gottund Selbstsucher und Künstler „dürfen“ für eine begrenzte Zeit selbstgenügsame Eigenbrötler sein, wenn es denn ihrer Produktivität hilft. Aber für alle anderen gilt: Bleib in Kontakt! Dass viele Menschen unter Einsamkeit leiden, bestätigt nur das mächtige Urbedürfnis nach Kontakt und Bindung. Unfreiwillige Isolation schmerzt, und wer allein sein muss, versucht alles, um diesen Zustand zu überwinden. 72

Das auf Sozialkontakten gründende Menschenbild verstellt den Blick auf eine völlig unterschätzte, viel zu oft ignorierte Tatsache: Das Alleinsein ist ein gleichrangiges, ebenso vitales Bedürfnis wie das nach sozialem Kontakt und Bindung. Wir brauchen lebensnotwendig Auszeiten vom sozialen Leben – und müssen uns aus psychischen und biologischen Gründen von der Außenwelt distanzieren können. Ohne die Gelegenheit und ohne die Fähigkeit, „in uns zu gehen“ und von Zeit zu Zeit ganz für sich und ganz bei sich zu sein, können wir kein stabiles Selbst entwickeln. Das Allein-sein-Können ist die notwendige Voraussetzung für Selbsterkenntnis und Selbstregulierung, für seelisches Wachstum und Kreativität. Mehr noch: Gute und dauerhafte soziale Beziehungen gelingen uns nur, wenn wir unser tief verwurzeltes Bedürfnis nach Gemeinschaft und Kontakt in Balance bringen zur ebenso wichtigen Alleinzeit. Ein Mangel an Alleinzeit macht uns auf lange Sicht unzufrieden, unglücklich und krank. Viele Zeitkrankheiten – allen voran Depressionen und Hyperaktivität – entstehen, weil wir permanent von den Wünschen und Zumutungen der Mitmenschen umzingelt sind. Aus Erschöpfung und Zeitmangel kommen wir nicht mehr dazu, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Der Sozialpsychologe Kenneth GerPS YCH OLO G IE H EU TE com p a c t


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Skeptisches Denken „Zweifeln ist fruchtbar“ Zweifeln ist lästig, wir haben es gerne eindeutig. Wer unsicher ist oder zögert, bekommt Probleme, denn kritisches Innehalten ist nicht erwünscht, wo Entschlossenheit als Tugend gilt. Für den Philosophiehistoriker Andreas Urs Sommer ist eine gesunde Portion Skepsis jedoch wichtig für die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung

Es wird heute doch genügend bezweifelt, misstraut, vermutet, unterstellt, herumgekrittelt. Warum finden Sie es da überhaupt noch wichtig, das Zweifeln zu fördern? A N D R E A S U R S S O M M E R Sicher, es wird viel misstraut und gezweifelt. Aber dieser Zweifel bleibt doch oberflächlich; er ist destruktiv, lähmt und führt in Verzweiflung. Ich habe eine andere Art des Zweifels im Blick: ein skeptisches Denken, das kultiviert und entwickelt werden muss. Zweifel soll kein eigenständiges Urteil ersetzen. Vielmehr ist der Zweifel die Voraussetzung dafür, dass man sich ein solches Urteil bilden kann. Darin liegt eine Lebenskunst, die in unserer auf Gewissheit versessenen Zeit in Vergessenheit geraten ist. Erst das Zweifeln eröffnet durch seine Vorläufigkeit neue Freiräume des Urteilens und Handelns. Zweifeln ist fruchtbar – und diese Fruchtbarkeit sollten wir nutzen. P H Das klingt recht positiv, aber der Zweifel wird von vielen als unangenehm und mitunter schwer erträglich empfunden. S O M M E R Unsere Kultur sieht Wissen als etwas Feststehendes an, als etwas, das über alle Zeit gültig zu sein hat. Jeder strebt danach, so viel Wissen wie möglich anzuhäufen, und strengt sich dafür an. Wissensgesellschaft heißt das gedankenlose Stichwort, wo es letztlich nur um Informationsanhäufung geht. Arbeit und Anstrengung sind eng miteinP S YCHOLOGIE HEUTE

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ander verbunden. Wer viel Wissen anhäuft, möchte auch sicherstellen, dass dieses Bestand hat. Deshalb wird der Zweifel oft als Bedrohung empfunden. Zweifel scheint Wissen zu vernichten; im Wissen aber sehen wir den Schatz unserer Kultur. Diesen Schatz wollen wir auf keinen Fall verlieren. Kulturen, die nicht wie die unsrige so sehr auf Wissensaneignung und Wissensbesitz ausgelegt sind, haben nicht solche Probleme damit, etwas wieder infrage zu stellen. Zum Beispiel gehört es im Buddhismus einfach dazu, Sachverhalte unter einem anderen Blickwinkel auszuleuchten, weil das Wissen über die empirische Welt nicht für derart entscheidend gehalten wird. Es könnte in der Welt für den Buddhisten auch alles ganz anders sein, ohne dass dies seine Seelenruhe beeinträchtigen müsste. Dank des Zweifels bekommt man neue Einblicke, sammelt Erfahrung, erweitert den Horizont, eignet sich Fertigkeiten an – das alles ist aber immer auch vorübergehend und verändert sich mit der Zeit. All unser Wissen ist vorläufig, provisorisch und vergänglich, so wie das Leben selbst. P H Worin besteht für Sie der Unterschied zwischen Skepsis und Zweifel? S O M M E R Skeptisch ist im allgemeinen Sprachgebrauch PS YCH OLO G IE H EU TE com p a c t


jemand, der eine bestimmte Ansicht oder Aussage nicht unbedingt für glaubhaft hält. Man kann skeptisch sein im Hinblick auf bestimmte Wahl- oder Wetterprognosen oder misstrauisch sein, ob der Rasenmäher, den man auf dem Flohmarkt kaufen möchte, auch wirklich funktioniert. Ein philosophischer Skeptiker jedoch ist nicht, wer irgendwann an irgendetwas zweifelt, sondern ist derjenige, der das Zweifeln zum allgemeinen Prinzip macht. Also auch mal schwankt, Ungewissheit aushält, der „jein“ sagt und vorschnell festgezurrte Gewissheiten infrage stellt. Was den Zweifel betrifft, muss man unterscheiden. Es gibt verschiedene Arten. Der theoretische Zweifel zum Beispiel betrifft Tatsachen, Sachverhalte und Aussagen. Er hinterfragt Dinge, glaubt nicht sofort, dass sich etwas so verhält, wie es scheint. Der praktische Zweifel dagegen bezieht sich auf Handlungen, handlungsrelevante Überzeugungen, Lebenskonzepte, er kann sich darüber hinaus auf religiöse Glaubensvorstellungen und sogar auf den Sinn des Daseins erstrecken. Es gibt auch den methodischen Zweifel, der genutzt wird, um problematisches Wissen beiseite zu schieben und neues zu schaffen. Zweifel bricht Schemen und Starrheiten auf und dynamisiert das Leben. Wenn ich mich zum Beispiel frage, was mir wichtiger ist: Kind oder Karriere? Oder beides? Zweifel ermöglicht die Suche nach Alternativen und eröffnet neue Möglichkeiten. Das ist nicht nur wichtig, sondern kann auch Spaß machen. Dazu möchte ich ermuntern: den eigenen Verstand schärfen und die Urteilskraft schulen! P H Sokrates war der Auffassung, dass es gut wäre, alles infrage zu stellen unter dem Motto: „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ S O M M E R Wenn man alles anzweifelt, läuft man Gefahr, sich selbst den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Woran soll man sich halten, was soll man glauben? Wer sich nur treiben lässt und den Zweifel verabsolutiert, dem fehlt die Orientierung im Leben. Es bedarf eines Ausgleichs zwischen den Dingen. Der Zweifel muss mit Verlässlichkeit, an die wir uns halten können, ins Verhältnis gesetzt werden. Deshalb habe ich in meinem Buch Die Kunst der Seelenruhe versucht, die philosophischen Angebote der Selbstabsicherung zu erproben. Wie kann man ein Gleichgewicht zwischen Zweifel und Selbstabsicherung herstellen? Wie kann man sich immer wieder infrage stellen lassen, ohne daran zu verzweifeln? P H Und woran sollte man zweifeln? An grundsätzlich allem oder vor allem auch an sich selbst? S O M M E R Nehmen wir etwa die ökonomische Ordnung unserer Gesellschaft, da kommen doch erhebliche Zweifel 79


Heiko Ernst

Durchsetzungskompetenz Klein beigeben ist keine Lösung!

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amstagabend, die Schwiegereltern sind zu Besuch. Carsten ist ein wenig angespannt, er hat die Eltern seiner Frau seit der Hochzeit nicht mehr gesehen, und es fällt ihm noch schwer, sie zu duzen. Trotzdem verläuft das Abendessen einigermaßen harmonisch, bis der Schwiegervater eine mächtige Zigarre entzündet. Carsten erstarrt, dann versucht er verzweifelt, Blickkontakt mit seiner Frau Birgit aufzunehmen. Die neuen Gardinen, die neuen Möbel! Überhaupt ist das kleine Apartment eine Nichtraucherwohnung, und einen Balkon, auf den man den Schwiegervater hinausbitten könnte, gibt es nicht. Carstens Erregung nähert sich einer Panik. Was soll er tun? Birgit weicht seinem Blick aus, sie ist keine Hilfe. Und die Schwiegermutter zieht zwar die Augenbrauen hoch, scheint aber ihren Gatten gewähren zu lassen. Die erste große blaue Wolke füllt das Esszimmer, der Schwiegervater lehnt sich mit Behagen zurück. Ist das ein spöttischer Blick, mit dem er nun Carsten fixiert? Oder bildet er sich das nur ein? Er räuspert sich, steht auf, murmelt, etwas aus der Küche holen zu wollen, und geht hinaus. Er steht einige Mi-

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nuten schwitzend in der Küche, als Birgit hereinkommt: „Was ist los mit dir, stört dich das Rauchen?“ „Das fragst du? Ich gehe jetzt rein und sag ihm, er soll sofort damit aufhören! Oder besser: Du sagst es ihm!“ Birgit wirft ihm einen „Das-glaubst-du-doch-selbst-nicht-Blick“ zu und geht wieder ins Wohnzimmer. Unser Alltag ist gespickt mit solchen kleinen und oftmals auch großen Übergriffen, Machtspielchen und Respektlosigkeiten: ein pampiger Verkäufer, der uns warten lässt und dem wir jede Information über das Produkt aus der Nase ziehen müssen. Die Bevorzugung eines weniger kompetenten Kollegen bei einer Beförderung. Der Nachbar, der bis in die frühen Morgenstunden hinein sehr laut seine Stereoanlage dröhnen lässt. Der Vermieter, der partout keine Reparaturkosten übernehmen will. Der Schüler, der immer wieder unseren achtjährigen Sohn mobbt und bedroht. Der Kollege, der uns eine gute Idee klaut und in der nächsten Konferenz stolz als seine präsentiert … . Je nach Temperament und Lebenserfahrung reagieren wir auf solche kleinen und großen Herausforderungen im Alltag unterschiedlich: PS YCH OLO G IE H EU TE com p a c t

I L L U S T RAT I O N E N : N I KL A S H U G H E S

Sich nicht kleinmachen. Nicht schweigen, wo man seine Meinung sagen müsste. Sich nicht alles gefallen lassen: Wie können wir lernen, unsere Interessen in angemessener Weise zu vertreten und uns selbst zu behaupten?


• Wir verteidigen unser gutes Recht und unser Interesse offensiv, indem wir den Grenzverletzer mehr oder weniger aggressiv zur Rede stellen. • Wir können, zweitens, nichts tun und unterwerfen uns um des lieben Friedens willen, vielleicht auch aus Furcht vor dem Zorn des anderen, den wir zurechtweisen müssten. • Wir können, drittens, versuchen, das Problem auf dem Verhandlungswege und auf Augenhöhe zu lösen, indem wir unsere Interessen klar artikulieren. Wir bitten um Einsicht, lassen dem anderen dabei die Möglichkeit, sein Gesicht zu wahren, und greifen ihn nicht aus einer Emotion heraus an. D IE M EHRHEI T N EI GT ZUM NAC HG E BE N Entgegen der verbreiteten Meinung, dass moderne Zeitgenossen sich nichts mehr gefallen ließen und als aufgeklärte und gut informierte Bürger sehr wohl über ihre Rechte und Ansprüche Bescheid wüssten, stellte der amerikanische Sozialpsychologe Thomas Moriarty in mehreren Experimenten fest, dass die Mehrheit sich selbst in ganz banalen Alltagssituationen unglaublich viel gefallen lässt. Moriarty testete in immer neuen Situationen, wie viele Unverschämtheiten oder Zumutungen Menschen hinnahmen, ohne sich zu wehren oder auch nur zu murren: In einem Kino platzierte er zwei seiner Mitarbeiter hinter einzeln sitzenden Personen und ließ sie laute Gespräche während der Filmvorführung führen. In den allerwenigsten Fällen wandte sich der Zuschauer um und bat um Ruhe. In einer besonders gemeinen Variation seiner Zumutungsexperimente passte ein Mitarbeiter vor Telefonzellen die Heraustretenden ab, um sie dann so anzusprechen: „Ich habe eben in dieser Zelle telefoniert und einen Ring liegenlassen, haben Sie ihn eingesteckt?“ Alle Versuchspersonen verneinten wahrheitsgemäß, aber der Frager insistierte: „Manchmal steckt man solche Sachen ein, ohne es zu bemerken. Könnten Sie mir einmal zeigen, was Sie in Ihren Taschen haben?“ Nur ein einziger der Telefonzellenbenutzer (die meisten waren Berufspendler und Geschäftsleute) schob den frechen Frager

zur Seite und bedeutete ihm, er sei nicht ganz dicht. Drei weitere weigerten sich, den Inhalt ihrer Taschen zu zeigen, rechtfertigten sich aber wortreich. Die meisten jedoch waren bereit, den Inhalt ihrer Taschen vorzuzeigen. Auch weitere Studien belegen, dass viele Menschen nicht den Mut oder die Energie aufbringen, sich angesichts ungerechter oder unfairer Praktiken zu wehren. So stellten amerikanische Wissenschaftler fest, dass fast 95 Prozent der unzufriedenen Kunden sich nicht gegen fehlerhafte Lieferungen, defekte Geräte, schlechte Bedienung oder Beratung wehren. Als Konsumenten sind Menschen offensichtlich wenig selbstbewusst, sie verschenken jeden Tag buchstäblich Millionensummen, weil sie sich ziemlich viel gefallen lassen. In kritischen Alltagssituationen wägen wir alle immer wieder ab, ob es sich lohnt, „ein Fass aufzumachen“, eine laute Auseinandersetzung im Restaurant oder in der Warteschlange zu riskieren, vielleicht sogar mit heftigen Reaktionen des Gerügten rechnen zu müssen. Wir möchten kein Aufsehen erregen, uns nicht ärgern (obwohl wir längst schon verärgert sind). Und so geben wir immer mehr Boden preis, wir lassen die Unhöflichen, die Frechen, die Übergriffigen, Zudringlichen oder Gedankenlosen schalten und walten und verzichten darauf, angemessen zu reagieren. Das Nachgeben wird zur Gewohnheit. Doch wenn wir Dinge tun, die wir nicht tun wollen, wenn wir schweigen, wo wir protestieren sollten, wenn wir unsere Rechte und Interessen nicht verteidigen, dann ist das keine Kleinigkeit. Auf Dauer ist dieser Verzicht nicht nur frustrierend und ärgerlich, wir verlieren auch immer mehr an Selbstvertrauen, wir schwächen uns selbst und werden allmählich defensiv, misstrauisch und vielleicht fatalistisch und depressiv. Was hindert uns daran, offen und selbstbewusst unsere Rechte zu wahren? In den meisten Fällen mangelt es uns an Selbstbehauptung. Uns fehlt die Fähigkeit, uns effektiv auszudrücken und durchzusetzen – weil wir zu schüchtern und zu leise sind. Aber auch wenn wir aggressiv und laut auftreten, erreichen wir unsere Ziele kaum. Denn Selbstbehauptung ist deutlich zu unterscheiden von aggressiver Durchset83


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Susie Reinhardt

Selbstschutz Raus aus dem Hamsterrad Resilienz ist die Fähigkeit, trotz widriger Umstände und mancher Schicksalsschläge psychisch gesund zu bleiben und diese Krisen sogar für die eigene Entwicklung zu nutzen. Resilienz hilft aber auch, den täglichen Stress ohne Bournout zu bewältigen

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ersönliche Schicksalsschläge, Krankheiten und Wirtschaftskrisen – das Leben war schon immer unberechenbar. Wir leiden, wenn ein geliebter Mensch stirbt oder eine Beziehung in die Brüche geht, unser Leben wird auf den Kopf gestellt, wenn wir plötzlich den Job verlieren oder die Diagnose einer schlimmen Krankheit bekommen. Wie soll es nun weitergehen? Diese Widrigkeiten, die wir alle vermeiden möchten, beuteln die Menschheit seit ihrem Beginn. Mit ungeahnten Brüchen und Schicksalsschlägen, Naturkatastrophen und sogar Kriegen mussten frühere Generationen sich arrangieren. Es könnte aber sein, dass unser Leben heute noch eine Spur unkalkulierbarer geworden ist, meinen manche Experten. Es liegt zum einen an der Globalisierung, die die Welt „geschrumpft“ hat; wegen der stärkeren Vernetzung landen nun die Folgen von Ressourcenengpässen oder Finanzkrisen blitzschnell vor unserer Haustür – auch wenn die Auslöser am anderen Ende der Welt wurzeln. Ständig müssen wir daher auf Neues gefasst sein, flexibel reagieren und dazulernen. Hinzu kommen höhere Belastungen durch die Arbeitsverdichtung: Im Beruf müssen wir in derselben Zeit immer mehr Aufgaben erledigen. Gleichzeitig werden die Kommunikationswege immer schneller und vernetzter: Die meisten sind über mehrere Telefone, per SMS und E-Mail erreichbar, und das im Prinzip rund um die Uhr. Manch einer droht dabei in der Flut von Informationen unterzugehen. Schließlich kommt dazu, dass die Technologien sich immer schneller wandeln und wir ständig dazulernen müssen, um sie bedienen zu können.

Weltweite Vernetzung, Informationsvielfalt, Arbeitsverdichtung und rasanter technischer Wandel – hier mitzuhalten fällt vielen zunehmend schwer. Sie stöhnen über gestiegene Anforderungen, fühlen sich erschöpft und ausgebrannt. Nicht wenige wähnen sich am Ende ihrer Kraft und finden sich im Bild vom „Hamsterrad“ wieder, in dem sie ihr Leben „im Dauerlauf“ erledigen. Einigen gelingt der Ausstieg aus der Lauftrommel immer seltener, sie sind dauernd unter Druck, kommen weder abends noch am Wochenende, nicht einmal mehr im Urlaub richtig zur Ruhe. Bei diesem Bild vom „Hamsterrad“ setzt Sylvia K. Wellensiek in ihrem neuen Buch Fels in der Brandung statt Hamster im Rad an. Die Autorin arbeitet seit vielen Jahren als Trainerin und Coach. Sie urteilt: Die Kraftlosigkeit ihrer Seminarteilnehmer sei erschütternd. Nach ihrer Beobachtung befindet sich jeweils rund ein Drittel der Teilnehmer „am Anschlag der Kräfte“; sie erleben sich als leer, ausgepresst, manche überdreht und von sich selbst abgeschnitten. Die eigenen Batterien aufzuladen schaffen sie nicht mehr. Etwas besser geht es einem zweiten Drittel: Diese Menschen fühlen sich zwar auch „anhaltend unter Druck“, ihnen gelingt es aber immer wieder, zu Kräften zu kommen. Nur rund ein Drittel der Kursbesucher ist „im Vollbesitz der Kräfte“, sie strahlen Energie und Lust an der Arbeit aus – „nur mit ihnen kann ich während des Seminars professionell arbeiten“, schreibt Wellensiek. Bei dieser Dauererschöpfung, die sie bei etwa zwei Drittel feststellte, setzt die Trainerin mit ihrem Buch an, das als Selbsttraining zur Stärkung der Resilienz gegen den Alltagsstress aufgebaut ist. 91


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