Page 1


4 In diesem Heft

Titelthem a

Dem Glück auf die Sprünge helfen Manchmal fällt uns das Glück in den Schoß: der Treffer im Lotto, die unerwartete Erbschaft. Häufiger aber ist es die Ernte eigener Vorarbeit: Die attraktive Stelle und der Wunschpartner sind einem schließlich nicht von ungefähr zugeflogen. Zwar lässt sich das Glück nie erzwingen – doch es gibt wirkungsvolle Strategien, um ihm auf die Sprünge zu helfen.

20

Heiko Ernst

Glück haben: Wie sehr bestimmen Zufälle unser Leben? ■

30

Ingrid Glomp

Das Midlife-Gehirn: Da geht noch was!

40

60

Eva Tenzer

Neurodidaktik: Zwischen Kernspin und Curriculum

66

Birgit Schreiber

70

Das neue Aids ■

46

Gerhard Bliersbach im Gespräch

„Straftaten sind eine sprachlose Form des Sprechens“

36

Siegfried Preiser im Gespräch

Macht der Glaube an Gerechtigkeit ungerecht?

Gespräch mit Elaine Aron

Von Natur aus dünnhäutig ■

27

Dieter Riemann im Gespräch

„Hoffentlich klappt es heute mit dem Einschlafen!“ ■

20

Richard Wiseman im Gespräch

„Zufälle treten nicht in Serie auf“ ■

Ernst Augustin im Gespräch

„Wenn ich schreibe, habe ich niemals Angst“

PSYC H O LO G I E H EUTE

76

A pri l 2012


In diesem Heft 5

Endlich ruhig durchschlafen!

Das Midlife-Gehirn

Viele Menschen kennen die Tortur von Nächten, in denen sie kaum Schlaf finden. Psychologische Schlaftrainings sind wirksam, aber sie wirken keine Wunder. Jetzt ist die Forschung auf einer frischen Spur. Erprobt werden unkonventionelle Therapien, um das rastlose Hirn der Schlaflosen zu beruhigen.

Die schlechte Nachricht für Menschen in den besten Jahren: Ihr Gehirn altert – und es schrumpft um zwei Prozent pro Jahrzehnt! Die gute Nachricht: Ihrer geistigen Leistungsfähigkeit tut das lange keinen Abbruch. In komplexen Situationen, in denen Erfahrung gefragt ist, kommen Ältere sogar besser zurecht.

30

8 Themen & Trends

40

52 Gesundheit & Psyche

Gedächtnis: Erinnern funktioniert nur solo

Wohlbefinden: Sich selbst schönreden

Einbrecher: Aus Schaden Wert schöpfen

Psychosomatik: Die Leiden der Türken

Patriotismus: Nation statt Ethnie

Aversionsessen: Schmeckt nicht? Na und!

Lernen: Anstrengung zahlt sich aus

Anatomie: Orgasmus à la Bonaparte

Und weitere Themen

Und weitere Themen

80 Buch & Kritik Rubriken 6 8 52 80 91 92 93

Briefe Themen & Trends Gesundheit & Psyche Buch & Kritik Im nächsten Heft Impressum Markt

Eine Systemfrage: Kindesmissbrauch und Reformpädagogik

Psychoanalyse: Eifersucht in der Literatur

Facebook & Co: Wer braucht schon Privatsphäre?

Nocebo: Der böse Bruder des Placebo

Und weitere Bücher


8

Themen & Trends R E DA K T I O N : U R S U L A N U B E R

Weißt du noch? Im Team erreicht man normalerweise mehr, als wenn jeder für sich allein kämpft. Doch wenn es um Erinnerungen geht, stimmt das nicht immer. Beim Gedächtnis ist die Summe der einzelnen Teile oft mehr als das Ganze Ein Liebespaar erinnert sich an die aufregenden Momente des ersten Zusammentreffens. Ehemalige Studienkollegen gedenken nostalgisch der guten alten Zeit. – Viele bedeutsame Momente erleben wir zusammen mit anderen und denken später gemeinsam mit ihnen daran zurück. Doch die Vergangenheit mit anderen wiederaufleben zu lassen klappt häufig schlechter, als wenn man beim Rückblick auf sich allein gestellt ist. Das „kollektive Gedächtnis“ hilft dem eigenen Gedächtnis in vielen Fällen nicht auf die Sprünge. Das Gegenteil ist oft der Fall, wie Suparna Rajaram von der Stony Brook University und andere Psychologen in Laborstudien feststellten. Die Teilnehmer dieser Studien mussten sich beispielsweise eine Liste von Wörtern einprägen. Anschließend sollten sie sich diese im Alleingang oder gemeinsam wieder ins Gedächtnis rufen. Wie erwartet trug die Gruppe mehr Informationen zusammen als ein Einzelner. Rechnete man aber die Antworten der Einzelkämpfer zusammen, erinnerten sich diese in der Summe an mehr Wörter als eine zahlenmäßig gleich große Gruppe, die beim Rückblick zusammenarbeitete. Dieses Phänomen findet sich in den verschiedensten Bereichen, nicht nur beim Memorieren von Wortlisten im

Labor. Auch der Rückblick auf emotional aufwühlende Ereignisse kann durch Teamwork beeinträchtigt werden. So waren etwa in einer israelischen Studie die Erinnerungen einer Probandengruppe an die Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin weniger detailliert als die aufsummierten Antworten von einzelnen Freiwilligen. Anderen beim Rückblick zuzuhören, stört ganz offensichtlich die individuelle Strategie, Informationen im Gedächtnis zu organisieren und abzurufen. Davon geht zumindest eine mittlerweile gängige psychologische Theorie aus. Entwickelt wurde sie von Forschern um die Psychologin Barbara Basden von der California State University in Fresno. Da jeder Mensch über unterschiedliches Wissen verfügt, so die Annahme, ordnet er das Material beim Einprägen auf seine eigene Weise. Später, beim Austausch der Erinnerungen, beeinträchtigen die Aussagen anderer die eigene Herangehensweise, das gespeicherte Wissen abzurufen. Noch ein weiteres Phänomen ist Psychologen aufgefallen: Wenn wir uns bestimmte Dinge ins Gedächtnis rufen, kommen uns automatisch damit zusammenhängende Aspekte in den Sinn. Damit das Erinnern erfolgreich ist,

müssen wir diese konkurrierenden Gedanken unterdrücken. Hält diese innere „Zensur“ nun länger an, so die wissenschaftliche Entdeckung, kann es später schwerfallen, die zuvor unterdrückten Ideen wieder abzurufen. Das gleiche Phänomen findet sich auch in sozialen Situationen, wie eine Studie des Psychologen Alin Coman von der New School for Social Research in New York zeigt. Coman und seine Kollegen baten Probanden, in einem Fragebogen ihre Erinnerungen an die Terroranschläge vom 11. September 2001 mitzuteilen. Anschließend sollten sie sich gegenseitig in Zweiergruppen ihre Erlebnisse an diesem dramatischen Tag schildern. Wie sich zeigte, konnten die Probanden individuelle Erinnerungen, von denen im Zweiergespräch nicht die Rede war, später kaum ins Gedächtnis zurückzurufen. Dinge zu vergessen oder gerade nicht abrufen zu können ist eine Sache. Eine andere Sache ist, sich an Geschehnisse zu erinnern, die nicht (oder so nicht) stattgefunden haben. Gedächtnisinhalte können sich tatsächlich unter sozialem Einfluss ändern. Das offenbarte eine Studie von Forschern um den Neurobiologen Micah Edelson vom Weizmann-Institut für Wissenschaften in Rechovot, Israel. Die Wissenschaftler PSYC H O LO G I E H EUTE

A pri l 2012


Themen & Trends 9

Gemeinsames Erinnern hilft dem Gedächtnis nicht unbedingt auf die Sprünge

zeigten ihren 20 Probanden eine Dokumentation und befragten sie in regelmäßigen Abständen, was sie davon noch im Gedächtnis behalten hatten. Bei einigen Laboraufenthalten versuchten sie das Gedächtnis einiger Personen zu manipulieren, indem sie ihnen falsche Antworten unterjubelten, die vermeintlich von anderen Teilnehmern stammten. Wie sich herausstellte, passten die Probanden häufig ihre ursprünglich richtigen Erinnerungen an die falschen an. Selbst als sie erfuhren, dass die Antworten nicht vertrauenswürdig waren, blieben manche falschen Gedächtnisinhalte hartnäckig bestehen. Das soziale Moment war hier durchaus entscheidend.

Denn von vorgegebenen Antworten des Computers ließen sich die Probanden viel seltener in ihren eigenen Erinnerungen beeinflussen. Wenn das gemeinsame Erinnern solche Nachteile zeigt, sollten wir dann nicht aufhören, zusammenzuarbeiten? Sind beispielsweise Lerngruppen in der Schule oder an der Universität überhaupt sinnvoll? Glücklicherweise, so Rajaram, können gewisse Vorzüge gemeinsamer Gedächtnisanstrengungen die Nachteile aufwiegen. Anderen beim Erinnern zuzuhören, kann einen vor so manchem Streich des Gedächtnisses bewahren. Zudem dient Gruppenarbeit der Wiederholung und dem Trainieren

des bereits Bekannten. Wo und wann genau letztlich (versteckte) Kosten und Nutzen gemeinsamen Erinnerns entstehen, wird die Wissenschaft aber voraussichtlich erst in Zukunft zeigen. ■

Christian Wolf

M. Edelson u.a.: Following the crowd: Brain substrates of long-term memory conformity. Science, 333/2011, 108–111 S. Rajaram, L.P. Pereira-Pasarin: Collaborative memory: Cognitive research and theory. Perspectives on Psychological Science, 5/6, 2010, 649–663 S. Rajaram: Collaboration both hurts and helps memory: A cognitive perspective. Current Directions in Psychological Science, 20/2, 2011, 76–81


20 Titel

Glück haben Wie sehr bestimmen Zufälle unser Leben? Es gibt offenbar Menschen, die ihrem Glück auf die Sprünge helfen können. Was unterscheidet sie von anderen, denen der Zufall weniger in die Karten spielt? Und gibt es Strategien, mit denen wir günstige Fügungen und glückliche Zufälle wahrscheinlicher machen?

W

enn wir vom „Glück“ reden, können wir zwei Arten davon meinen: zum einen das Glück, das wir uns erarbeiten oder verdienen – durch kluge Entscheidungen und gelingende Lebensgestaltung, durch Freundschaften und Liebe, durch bewussten Genuss, durch Arbeit und Erfolg und viele andere Dinge, die uns Erfüllung und Zufriedenheit bringen. Zum anderen gibt es das Glück, das uns buchstäblich zufällt, unverdient, aber hochwillkommen: der Sechser im Lotto. Die unerwartete Erbschaft. Der glückliche Zufall, der uns die ideale Wohnung finden lässt. Diese Glücksform, im Englischen luck, im Französischen fortune, lässt sich auf Deutsch mit „Massel“ oder „Dusel“ umschreiben, und sie schützt uns mitunter auch vor Unglück: Wegen Überbuchung können wir ein Flugzeug nicht besteigen, und eine Stunde später stürzt es ab. Zwischen diesen beiden Glücksformen erstreckt sich ein Niemandsland, in dem die Menschen auf unterschiedlichste Weise versuchen, ihrem Glück nachzuhelfen. Sie füllen einen Systemlottoschein aus und hoffen, dadurch ihre geringen Chancen wenigstens etwas

zu verbessern. Oder sie beschwören das Glück durch Rituale, esoterische Praktiken oder mit Bitten an eine höhere Macht. Oder sie versuchen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und die richtigen Leute kennenzulernen. Und viele haben auch die Maxime verinnerlicht: „Glück hat auf Dauer nur der Tüchtige.“ Religiöse und philosophische Systeme unterscheiden sich unter anderem auch dadurch, ob sie einem mehr oder weniger vorbestimmten Schicksal (einem Fatum) die wichtigste Rolle im Leben einräumen oder ob sie umgekehrt auf Selbstbestimmung und Freiheit setzen. Zwischen Bestimmung und Freiheit gibt es eine dritte, schillernde Größe, den Zufall. Der Philosoph Odo Marquard meint, dass unser Leben eher eine Reihe von Zufällen und „Widerfahrnissen“ sei als eine gezielte und geplante Abfolge von gewollt herbeigeführten Ereignissen. Wir sind, aufs Ganze gesehen, doch eher die Kugeln in einem Flipperautomaten als die captains of our life. In diese Zone der Zufälle haben sich seit kurzem auch Psychologen vorgewagt, aus mindestens zwei Gründen. Erstens: Was wir über das Glück glauben,

Heiko Ernst

prägt unser Denken und Handeln maßgeblich. In einer Art selbsterfüllender Prophezeiung wird das tatsächlich erlebte Glück durch Überzeugungen über das Zufallsglück beeinflusst. Und zweitens: Möglicherweise gibt es rationale oder lebenspraktische Möglichkeiten, um die Zahl glücklicher Zufälle im eigenen Leben zu erhöhen. Die Psychologie hatte sich zuvor schon intensiv mit Kontrollillusionen und Attributionsfehlern beschäftigt – also mit den subjektiven Vermutungen über Zusammenhänge, die unser Leben beeinflussen und prägen. Beispielsweise schreiben wir Erfolge in der Regel der eigenen Tüchtigkeit zu, Misserfolge aber lieber den ungünstigen Umständen oder dem „Pech“. Oder wir glauben, durch bestimmte Praktiken, etwa auch durch abergläubische Rituale, den Gang der Dinge beeinflussen zu können. Denn es behagt uns einfach mehr, die Kontrolle über das eigene Leben zu haben als der Spielball eines blinden Schicksals zu sein. Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass es zumindest einige Möglichkeiten gibt, die Zahl der glücklichen Zufälle zu erhöhen, auch wenn sich das PSYC H O LO G I E H EUTE

A pri l 2012

I L L U S T R AT I O N E N : M I CH E L M E Y E R


Titel 21


30 Schlafstörungen

„Hoffentlich klappt es heute mit dem Einschlafen!“ Ein- und Durchschlafstörungen zählen zu den häufigsten psychischen Leiden. Auf der Suche nach den Ursachen und Mechanismen dieser Störung ist die Forschung auf einer frischen Spur. – Ein Gespräch mit dem Schlafwissenschaftler und -therapeuten Dieter Riemann


Schlafstörungen 31

„Mit der einsetzenden Morgendämmerung scheine ich endlich einzudösen. Aber man kann es nicht wirklich als Schlaf bezeichnen. Mit meinen Fingerspitzen berühre ich gleichsam den äußersten Rand des Schlafes. Doch sofort ist mein BeAus der Erzählung Schlaf von Haruki Murakami wusstsein zur Stelle.“

F O T O S : S T E FA N B L U M E

P S YC H O L O G I E H E U T E Was der japanische Schriftsteller Haruki Murakami da beschreibt, kennen wohl viele Menschen aus schlaflosen Nächten: Man spürt schon, wie man halb hinübergeglitten ist in den Schlaf, doch in diesem Augenblick setzt im Kopf irgendein vertrackter Mechanismus ein, der einen wieder zurückholt – obwohl man doch eigentlich hundemüde ist. Was geht da im Körper und im Bewusstsein vor sich, was sabotiert da das Einschlafen? D I E T E R R I E M A N N Chronisch schlafgestörte Menschen versuchen, bewusst einzuschlafen. Das ist natürlich ein Unding, weil Schlaf eben ein unwillkürliches Verhalten ist: Man fühlt die Müdigkeitssignale des Körpers, liest vielleicht noch zehn Seiten – und dann löscht man das Licht und schläft ein. Schlafgestörte aber setzen sich unter Druck, einschlafen zu müssen. Von einer inneren Beobachterebene aus überwachen sie, was da in ihnen vorgeht, wenn sie im Bett liegen und einzuschlafen versuchen. Gerade dadurch aber wird der unwillkürliche Vorgang des Einschlafens gestört, und dieser unbestimmte Zwischenzustand des Dösens und Wegdämmerns, den Murakami da beschreibt, wird abrupt unterbrochen. Man ist auf einen Schlag wieder hellwach. Hinzu kommt: Schlafgestörte grübeln viel. Tagsüber sind sie abgelenkt und können diese Grübeleien wegdrängen. Doch in der Situation des Zubettgehens – ringsum ist es dunkel, still und reizarm – schießen diese Grübeleien dann hoch und machen sich im Bewusstsein breit. Und je mehr sich die Betreffenden nun über diese fruchtlosen Gedankenschleifen ärgern und dagegen ankämpfen, desto weniger gelingt ihnen das Einschlafen. PS YC H O L O G I E H E U T E

Ap r il 2 0 1 2

P H Grübeleien haben ja normalerweise einen Anlass: Man befindet sich in einer Lebenssituation, die einem Sorgen macht. Das geht einem dann im Kopf herum, und man schläft schlecht. Machen sich chronisch Schlafgestörte demnach chronisch Sorgen? R I E M A N N Ich denke schon. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit gestörtem Schlaf tatsächlich mehr grübeln und sich mehr Sorgen machen als Gesunde. P H Welche Art von Gedanken sind besonders schlimme Schlafsaboteure? R I E M A N N Natürlich die üblichen Alltagssorgen, wie wir sie alle kennen. Doch den breitesten Raum nimmt bei chronisch Schlafgestörten das Thema Schlaf selbst ein: „Warum kann ich nicht einschlafen? Da liegt meine Frau und schlummert friedlich – was hat sie, was ich nicht habe?“ Ein zentraler Punkt ist das ständige Auf-die-Uhr-Schauen, mit dem sich die Betreffenden zusätzlich unter Druck setzen: „Jetzt ist es schon zwei Uhr nachts, und ich schlafe immer noch nicht.“ Dazu kommen dann die Sorgen um den nächsten Tag, und im Kopf läuft der übliche Film ab: Man sieht sich schon total zerschlagen am Schreibtisch sitzen und mit Streichholzaugen gegen die Müdigkeit ankämpfen. Viele Menschen mit Insomnie malen sich solche negativen Konsequenzen ihres Schlafmangels sehr plastisch aus, sie spielen immer gleich das Worst-CaseSzenario durch. Dieses katastrophisierende Denken ähnelt dem von depressiven Patienten. P H Wie kann man diesen Gedankenteufelskreis durchbrechen? R I E M A N N Man kann zum Beispiel Situationen rekapitulieren, in denen das Worst-Case-Szenario eben nicht einge-


36 Hochsensibilität

Von Natur aus dünnhäutig Manche Menschen sind sehr empfindsam und reizempfänglich. Sie brauchen Zeit, das Wahrgenommene zu verarbeiten, und reagieren selten spontan. Doch ist „Hochsensibilität“ tatsächlich ein biologisch verankertes Persönlichkeitsmerkmal? Ein Gespräch mit Elaine Aron, der Begründerin des umstrittenen Konzepts

V

or 15 Jahren brach die amerikanische Psychologieprofessorin und Psychotherapeutin Elaine Aron eine Lanze für die Hochsensiblen. Ihr Buch The Highly Sensitive Person über Leid und Begabung der besonders Empfindsamen wurde schnell zum Bestseller. Im Juli 2000 traf Psychologie Heute mit einer Reportage zum Thema bei vielen Lesern einen Nerv. Bald entstanden Selbsthilfegruppen; Arons Buch erschien 2005 auch in deutscher Übersetzung. Aber ist Hochempfindlichkeit als psychologisches Persönlichkeitsmerkmal wirklich nachweisbar? Und welches neue Wissen gibt es darüber, wie Hochsensiblen am besten geholfen ist? Wolfgang Streitbörger traf Elaine Aron an ihrem Wohnort Tiburon in Kalifornien. P S YC H O L O G I E H E U T E Als ich vor einem Dutzend Jahren in Psychologie Heute erstmals über Hochsensibilität berichtete, hörte ich von Persönlichkeitsforschern unterschiedliche Meinungen. Jerome Kagan verwahrte sich gegen Ihre Behauptung, mit seiner Forschung an der Harvard-Universität über Schüchternheit habe er Hochempfindsamkeit

gemessen, ohne es zu wissen. Sein Schüler Marcel Zentner, damals an der Universität Zürich, vermutete bei Ihnen mehr Philosophie als Psychologie. Philip Zimbardo erkannte indes durchaus Übereinstimmungen mit seinen eigenen Forschungen zur Schüchternheit an der Stanford-Universität. Und Jens Asendorpf von der Humboldt-Universität mutmaßte, Sie seien als Betroffene vielleicht persönlich etwas zu sehr ins Thema verwickelt, sagte aber: „Wenn andere Forscher dies aufgreifen, könnte dabei vielleicht Wichtiges entstehen.“ War das der Fall? Und wie betrachten Sie Hochsensibilität heute? EL A I N E A RO N Als Psychotherapeutin und in der Tat persönlich Betroffene ist für mich zunächst einmal völlig klar: Was immer es sein mag, viele Menschen erkennen es in sich sofort! Wie ich die Sache heute sehe, handelt es sich um eine Strategie von Menschen und Tieren vieler Arten, um eine angeborene Präferenz, Informationen sorgfältiger als andere ihrer Gattung zu verarbeiten, bevor sie handeln. Diese besondere Informationsverarbeitung wird angetrieben durch erhöhte emotionale Emp-

fänglichkeit für subtile Reize. Diese Definition ist eine wissenschaftliche. Die eher praktische lautet: Hochsensible Menschen werden durch Reize stärker angesprochen. Sie sprechen mit ihren Gefühlen stärker als andere auf Dinge in ihrem Umfeld an. Vor allem aber ziehen sie es vor, die Dinge zu beobachten und nachzudenken, bevor sie zur Tat schreiten. Daraus ergibt sich leider auch, dass Hochsensible durch Überreizung leicht überwältigt werden und besonders stark auf negative Dinge reagieren. P H Das klingt ja wie ein Leiden. Ist Hochsensibilität eine Krankheit, eine Störung? A R O N Gewiss nicht! Der Sinn fürs Unterschwellige ist sehr nützlich. Hochsensible bewegen sich umsichtiger durchs Leben. Sie sehen die Konsequenzen ihres Handelns im Voraus. Deshalb sollte man Hochsensibilität auch nicht mit Schüchternheit oder Gehemmtheit verwechseln. Hochsensible handeln sehr wohl, dies auch kraftvoll und durchsetzungsstark, aber oftmals mit einer ganz kurzen Verzögerung. Die brauchen sie eben, um die Reize besonders tief und gründlich zu verarbeiten. Nichtbetrof-


Hochsensibilität 37

fene empfinden das vermeintliche Zaudern und Zögern manchmal als befremdend oder missdeuten es vielleicht sogar als Dummheit. PH Aus Alltagsbeobachtungen mag dies ja plausibel sein. Wo aber bleibt die wissenschaftliche Untermauerung für die Behauptung, Hochsensibilität sei eine biologische Anlage, die bei 15 bis 20 Prozent aller Menschen vorhanden sein soll? Die wissenschaftliche Psychologie erkennt ein solches unverrückbares Persönlichkeitsmerkmal bisher nicht an. A R O N Vor zwölf Jahren hatten wir dafür viele, aber nur lose miteinander verbundene Indizien. Inzwischen gibt es aus der Grundlagenforschung bessere Belege für meinen Ansatz. An erster Stelle nenne ich einen Landsmann von IhPSYCHOLOGIE HEUTE

Ap r il 2 0 1 2

nen, den Biologen Max Wolf in Berlin. Er forscht über Persönlichkeit bei Tieren und fand heraus, dass eine erhöhte Empfindsamkeit gegenüber der Umwelt in vielen Tierarten bei einer Minderheit der Individuen auftritt (siehe S. 38: Solche und solche – auch bei Tieren). Was Max Wolf ermittelt hat, deckt sich recht genau mit meinen eigenen Beobachtungen. P H Und wie steht es mit der Forschung beim Menschen? A RO N Auch da kommen wir gut voran. Mein Ehemann Arthur Aron, er ist ebenfalls Psychologieprofessor, betreut an der Universität Stony Brook im Staat New York mehrere Forschungsarbeiten zu diesem Thema. Seine Doktorandinnen stellten unter anderem mit bildgebenden Verfahren fest, dass Hochsen-

sible bei Reizen andere Hirnregionen als die Bevölkerungsmehrheit aktivieren und dass auch die zeitlichen Abläufe im Gehirn anders sind. Hochsensibilität geht also tatsächlich mit Unterschieden in den Hirnstrukturen und -prozessen einher. Erkennbar ist bereits, dass die Amygdala oder andere für Furchtreaktionen zuständige Hirnareale eine untergeordnete Rolle spielen, dass wir es eben nicht mit Angst oder Gehemmtheit zu tun haben, wie Kagan es sehen würde. Und wir wissen jetzt, dass es sich auch nicht um einen negativen Affekt handelt. Damit stehe ich quer zum Establishment in der psychologischen Forschung. Wenn ich Fachaufsätze bei Verlagen einreiche, werden sie im Prüfverfahren in der Begutachtung durch Kollegen regelmäßig verrissen. Und zwar nicht wegen ihrer Qualität, sondern wegen ihres Inhalts, der offenbar nicht sein darf. Allein schon dass ich ein erfolgreiches populäres Buch geschrieben habe, ist manchen Wissenschaftlern Makel genug. P H Sprechen wir über Ihre Arbeit als Psychotherapeutin: Haben Sie viele Klienten, die Sie für hochsensibel halten? A R O N Das ist in der Tat so. Es hat sich halt herumgesprochen, dass ich für das Thema sensibel bin. P H Behandeln Sie also Hochsensibilität? A R O N Keineswegs! Da gibt es nichts zu behandeln, denn wir haben es eben gerade nicht mit einer Störung zu tun. Die Menschen kommen in aller Regel zu mir aus demselben Grund wie die Klienten anderer Therapeuten, nämlich weil sie Probleme haben. Zwar meinen sie oft, der Grund für ihr Leiden sei die Hochsensibilität. Dann aber stellt sich fast immer heraus, dass es andere Themen sind, etwa ungelöste Mutter-Tochter-Konflikte, auch Depression oder Angespanntheit. Psychische Probleme drücken sich bei Hochsensiblen nur anders aus; sie reagieren nun einmal auf alles tiefer. Und sie brauchen deshalb eine andere Behandlung. P H Wie sollte die aussehen?


40 Gedächtnis

Das Midlife-Gehirn: Da geht noch was! Werbefachleute, auf der Suche nach neuen Zielgruppen, nennen Menschen zwischen 50 und 65 manchmal gönnerhaft Best Agers. Was die Leistung des Gehirns angeht, trifft diese Bezeichnung in vielerlei Hinsicht zu. Wie neue Forschungsergebnisse zeigen, sind Menschen zwischen 40 und 65 und oft noch darüber hinaus geistig tatsächlich im besten Alter ■

I

m Jahr 1956 begann K. Warner Schaie für seine Promotionsarbeit die sogenannte Seattle Longitudinal Study und leitet sie noch heute. Alle sieben Jahre testen die Wissenschaftler um Schaie die kognitiven Fähigkeiten von Tausenden von Probanden, die mehreren Generationen angehören. Besonders aussagekräftig ist die Studie, weil sie die Werte im Längsschnitt vergleicht, das heißt die kognitive Entwicklung derselben Menschen im Laufe ihres Lebens erfasst. Die erhobenen Daten sind geeignet, die Angst vorm Älterwerden zu mindern. Denn nach den bislang vorliegenden Erkenntnissen, „nehmen die kognitiven Fähigkeiten im Durch-

schnitt vom jungen Erwachsenenalter bis durch die Mitte des Lebens hindurch etwas zu“, erklärt Schaie. „Jeder, der vor einem Alter von 60 Jahren eine Verminderung zeigt, leidet vermutlich unter irgendeiner Art von neurologischer Krankheit.“ Von den Aspekten, welche die Studie erfasst, wie logisches Denken, räumliches Denken oder Wortschatz, lässt einzig die Wahrnehmungsgeschwindigkeit bereits in mittleren Jahren nennenswert nach. Ab 60, teilweise auch einige Jahre später, geht es im Durchschnitt mit der Kognition erst langsam, dann schneller bergab. „Wir glauben“, schreibt Schaie, „dass vorwiegend solche speziellen Fähigkeiten ver-

Ingrid Glomp

schwinden, bei denen man keine Gelegenheit oder keinen guten Grund hatte, sie zu üben.“ Trotz dieser guten Nachrichten steht fest, dass das Gehirn wie der übrige Körper altert. Das Gehirnvolumen beispielsweise schrumpft bei Erwachsenen um circa zwei Prozent pro Jahrzehnt, die Synapsen, also die Kontakte zwischen den Nervenzellen, werden weniger, und die Durchblutung verschlechtert sich. „Die Hirnstrukturen, die sich in den Wachstumsphasen des Organismus zuletzt entwickeln, sind die ersten, die dem altersbedingten Abbau erliegen“, erklärt Elkhonon Goldberg, Professor für Neurologie an der New York PSYC H O LO G I E H EUTE

A pri l 2012


Ged채chtnis 41


Psychologie Heute. Jetzt abonnieren.

Interview 51

Jahresabo 10%

Geschenkabo

Studentenabo 20% günstiger

günstiger

jährlich 12 x Psychologie Heute + Geschenk € 69,90 (statt € 78,–)

Machen Sie einem wertvollen Menschen ein sinnvolles Geschenk: 1 Jahr Psychologie Heute = 12 Ausgaben + Geschenk für Sie

jährlich 12 x Psychologie Heute + Geschenk € 62,90 (statt € 78,–)

+ Begrüßungsbrief an den Beschenkten € 69,90 (statt € 78,–)

Abo plus

3x

compactHeft

Sie möchten keins der monothematischen Sonderhefte von Psychologie Heute verpassen? 3 x PH compact nur zusammen mit Jahres-, Geschenk-, Studentenabo für P€S Y14,– (statt € 20,70) C H O L O G I E H E U TE Mär z 2 0 1 2

Testabo 3x testen

3 Ausgaben Psychologie Heute zum Sonderpreis* + regelmäßig weiter lesen, wenn’s gefällt € 13,– (statt € 19,50) *nur einmal im Jahr bestellbar


Neu: Archivzugang im Abo kostenlos. 52 Interview

Ihr Geschenk: Eine Prämie nach Wahl

2-Jahresabo Sichern Sie sich Ihr ganz besonderes Geschenk, indem Sie sich gleich für ein 2-Jahresabonnement entscheiden!

€ 139,80 (statt € 156,–)

A. Schäfer Menschenbilder 20 große Persönlichkeiten der Psychologie, ihr Leben, ihr Werk

Sie haben das Denken unserer Zeit maßgeblich beeinflusst – und manchmal sogar die Sprache des Alltags: Zwanzig große Psychologinnen und Psychologen geben Auskunft über ihren inneren Antrieb, ihren Werdegang und ihre Arbeit.

LorryBag – Die praktische Tasche aus LKW-Plane mit Organizer-Elementen innen und bequemem Schultergurt außen bietet Platz für Ihre Unterlagen (31 x 29 x 13 cm). (Bestell-Nr. 901341)

(Bestell-Nr. 47207)

Mit ExklusivPrämie

Mit einem Abo sparen Sie Geld – und Sie bekommen zur Begrüßung sogar noch etwas Schönes geschenkt. Danach landet Psychologie Heute pünktlich und regelmäßig in Ihrem Briefkasten. Sie verpassen kein Heft und können als Abonnent via www.psychologie-heute.de sämtliche Artikel aus bereits erschienenen Ausgaben kostenlos aus unserem Archiv herunterladen. Hier haben wir unsere beliebtesten Abovarianten für Sie zusammengestellt. Welches Abo passt zu Ihnen?

Was kann Psychologie? Das Funkkolleg Psychologie präsentiert den aktuellen Stand des Wissens der modernen Psychologie über den Menschen auf 9 Hör-CDs! (Bestell-Nr. 47204)

PSYCHOLOGIE HEUTE Was uns bewegt.

www.abo-psychologie-heute.de PSYC H O LO G I E H EUTE M ä rz 2012


52

Gesundheit & Psyche R E DA K T I O N : T H O M A S S A U M - A L D E H O F F

„… und daran bin ich gewachsen!“ Unser Wohlbefinden hängt auch davon ab, wie „positiv“ wir unser Leben erzählen Wir wissen viel mehr darüber, was uns krank macht, als darüber, was uns gesund erhält. Spielt außer dem Lebensstil – gesunde Ernährung, Bewegung und so weiter – auch die innere Einstellung, die psychische Verfassung eine Rolle? Der 1994 verstorbene israelische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky war davon überzeugt. Seiner Auffassung nach verfügen Menschen in unterschiedlichem Ausmaß über einen seelischen Schutzmechanismus, der etwa gegen Depressionen und Süchte, aber auch psychosomatische Krankheiten und Stoffwechselstörungen wirksam sei. Dieser Schutz bestehe in einer Grundhaltung des Welt- und Selbstvertrauens, die Antonovsky „Kohärenzgefühl“ (sense of coherence) taufte: Gefestigt ist, wer sein Leben als verstehbar, sinnhaft, bewältigbar und auch bewältigenswert erlebt. Doch wie stellen es Menschen an, ihrem Leben Sinn zu geben? Indem sie dieses Leben immer wieder still und laut vor sich selbst und anderen erzählen, behauptet der amerikanische Sozialpsychologe Dan McAdams, Nestor der „narrativen Psychologie“. Nach seiner Theorie erwirbt ein Mensch eine immer reifere Identität, indem er fortwährend die Ereignisse seines Lebens zu einer biografischen „Erzählung“ integriert. Dadurch erhält sein Dasein einen Bezugsrahmen und eine Richtung.

Diese Selbsterzählung braucht einerseits Kontinuität – sonst erkennen wir uns selbst nicht wieder. Andererseits braucht sie aber auch Veränderung, denn sonst würden wir auf der Stelle treten. Entscheidende Wegmarken sind für McAdams jene Ereignisse, die von uns rückblickend als Veränderungsanstöße auf unserem Lebensweg interpretiert werden. Sie signalisieren Wandlung und Wachstum: Seht her, so bin ich zu der Person geworden, die ich heute bin! Wer also mehr über das erzählerische Selbstbild eines Menschen herausfinden will, muss darauf achten, in welcher Weise er Schlüsselereignisse seines Lebens schildert. „Wenn wir unsere Lebensgeschichten austauschen, wird die Darstellung vergangener Ereignisse oft von unserer Interpretation begleitet, welche Rolle diese Ereignisse beim Formen unseres gegenwärtigen Selbst gehabt haben“, schreiben McAdams und seine Kollegin Jennifer Pals Lilgendahl. Zum Beispiel schildert eine Frau, wie die schwere Krankheit ihrer kleinen Schwester bei ihr seinerzeit die Entscheidung reifen ließ, Kinderärztin zu werden. Oder ein Mann erzählt davon, wie der Erfolg seines Basketballteams in der A-Jugend ihn lehrte, dass hartes Training sich im Leben auszahlt. Ein anderer führt seine anhaltenden Schwierigkeiten mit Frauen darauf zu-

rück, dass seine Jugendfreundin ihm einst das Herz gebrochen habe. In einer Studie sind Pals Lilgendahl und McAdams nun der Frage nachgegangen, auf welche Weise diese Erzählund Interpretationsmuster des Vergangenen das heutige Wohlbefinden und die seelische Gesundheit beeinflussen. 40 Frauen und 44 Männer im Alter zwischen 34 und 68 Jahren stellten sich am Telefon einem ausführlichen Interview. Sie wurden aufgefordert, ihr Leben in Kapitel einzuteilen und die wichtigsten Ereignisse und Charakteristika jedes Kapitels zu beschreiben. Sie sollten ferner den Höhepunkt und den Tiefpunkt ihres bisherigen Lebens markieren und laut darüber nachdenken. Schließlich sollten sie noch jene zwei oder drei Menschen charakterisieren, die ihre Lebensgeschichte am stärksten beeinflusst haben. In einem Fragebogen, der sie per Post erreichte, gaben sie dann unter anderem Auskunft über ihre körperliche und mentale Gesundheit. Die Ergebnisse bestätigten, dass die individuelle Art, wie die Probanden die Weichenstellungen in ihrem Leben bewerteten, einiges darüber aussagte, wie wohl sie sich gegenwärtig in ihrer Haut und ihrem Umfeld fühlten. Zweierlei Faktoren spielten dabei eine Rolle. Zum einen kam es schlicht darauf an, wie optimistisch die Betreffenden die Geschehnisse rückblickend interpre-


Gesundheit & Psyche 53

Der Positivste unter den Selbsterzählern: Hans Albers als Baron Münchhausen

tierten: „Menschen, die vornehmlich positive Geschichten darüber erzählten, wie vergangene Ereignisse ihr persönliches Wachstum beeinflusst haben, egal wie negativ diese Ereignisse gewesen sein mögen, punkteten höher im Wohlbefinden.“ Wohl fühlte sich also, wer davon sprach, wie das Erlebte zu seiner Persönlichkeitsentwicklung beigetragen, wie es ihn weitergebracht habe. Solcherlei „positive Verarbeitung“ signalisiert nach Ansicht der beiden Forscher psychische Gesundheit. Eine pessimistische Interpretation der Vergangenheit – ein „depressogener“ Erklärungsstil – hingegen stehe in Verbindung mit „Neurotizismus“ und einem „negativen emotionalen Tonus“. Zum zweiten spielte es aber auch eine Rolle, wie differenziert die Befragten ihre erzählerischen Selbstbegutachtungen vornahmen. Die Auswerter protokollierten, wie umfassend die Teilnehmer über die Auswirkungen der Geschehnisse auf ihren weiteren LebensPSYCHOLOGIE HEUTE

Ap r il 2 0 1 2

weg ref lektierten: im Hinblick auf identitätsstiftende Werte und Überzeugungen, auf die Tiefe ihrer Beziehungen und Freundschaften und auf richtungweisende Einsichten. Ein Mann etwa sprach darüber, wie seine Frau und er über Jahre hinweg vergeblich versucht hatten, Kinder zu bekommen. Schließlich adoptierten sie Zwillinge, die beide an zerebraler Kinderlähmung litten. Das habe seinem Leben ein neues Ziel gegeben, berichtete der Mann, und ihn bewogen, eine Betreuungseinrichtung zu gründen. Interessanterweise profitierten die Interviewten aber nur dann von einer differenzierten Bewertung, wenn es um negative Ereignisse in ihrem Leben ging, denen sie beim Erzählen dann doch vielerlei positive Fernwirkungen abgewannen. Das ist nach Ansicht der beiden Forscher kein Zufall: Sich etwas von der Seele zu reden oder zu schreiben habe sich gerade nach negativen Erlebnissen als erfolgreiche Bewältigungsstrategie

erwiesen. Menschen profitierten davon, wenn sie sich belastenden Erinnerungen stellen, statt sie zu meiden. Wie man sich in der Gegenwart fühlt, hängt nicht primär davon ab, wie viel Schönes oder Schlimmes einem in seinem bisherigen Leben widerfahren ist, sondern eher davon, „wie man diese Geschehnisse zu einer Erzählung des persönlichen Wachstums verwebt, die vornehmlich positiv ist, aber auch die lebensgestaltenden Möglichkeiten negativer Ereignisse offen erkundet“, resümieren Pals Lilgendahl und McAdams. Ihrer Ansicht nach weist die Richtung einer guten Lebenserzählung also stets auf „Wachstum“. Und wenn nicht, dann muss wohl etwas grundlegend schiefgelaufen sein. So wie bei jenem Interviewten, der erzählte, wie er damals sein Studium schmiss und in die Versicherungsbranche ging – eine Laufbahn, die nach seinen Worten nur „Loser“ einschlagen. „Jahrzehnte nach diesem Negativereignis“, tadeln die Forscher da kopfschüttelnd, „interpretiert dieser Mann dessen Auswirkungen noch immer in einer ausdrücklich wachstumshemmenden und negativen Weise.“ Doch ist das nicht sein gutes Recht? Ist der Mann nicht einfach nur ehrlich gegenüber sich selbst? Und muss man das eigene Leben unbedingt durch eine Schau-nur-was-aus-mir-geworden-istBrille begutachten, um sein psychisches und physisches Gleichgewicht zu finden? Kann man sich nicht durchaus wohl in seiner Haut fühlen, wenn man sich ein- und zugesteht, ein mit Fehlern behafteter, ziemlich wachstumsresistenter Mensch zu sein – und es wohl auch bis ans Lebensende zu bleiben? ■

TSA

J. Pals Lilgendahl, D.P. McAdams: Constructing stories of self-growth: How individual differences in patterns of autobiographical reasoning relate to well-being in midlife. Journal of Personality, 79/2, 2011, 391–428


60 Was macht eigentlich ‌

PSYC H O LO G I E H EUTE

A pri l 2012


... ein psychologischer Gutachter ?

61

„Straftaten sind eine sprachlose Form des Sprechens“

FOTOS: PE TER K AHRL

Gerhard Bliersbach schreibt seit zehn Jahren regelmäßig Gutachten über Straftäter, die als psychisch krank gelten. Aufgrund seiner Arbeit entscheiden Richter, wie groß der Bewegungsspielraum eines Verurteilten sein darf oder ob er schon bereit für die Freiheit ist. Psychologie Heute traf den psychoanalytisch orientierten Diplompsychologen zum Gespräch über seine Arbeit in Köln

P S YC H O L O G I E H E U T E Herr Bliersbach, Sie erstellen sogenannte Prognosegutachten für den Maßregelvollzug. Was muss man sich darunter vorstellen? G ERHA RD B L IERSBAC H Wir haben in Deutschland ein zweigliedriges Rechtssystem. Zum einen gibt es den Strafvollzug. Dort, im Gefängnis, landen die meisten Menschen, die für eine schwere Straftat verurteilt werden. Anders sieht es aus, wenn das Gericht zu dem Schluss kommt, dass jemand für eine Tat nicht voll verantwortlich ist. Juristen sprechen dann von nicht oder vermindert schuldfähig. Das ist der Fall, wenn jemand eine Straftat im Zustand einer schweren psychischen Erkrankung begeht. Diese Täter kommen nicht in den Strafvollzug, sondern werden zu einer psychiatrischen Behandlung im Maßregelvollzug verurteilt. Sie sitzen nicht im Gefängnis ein, sondern werden in spezialisierten, besonders gesicherten Abteilungen psychiatrischer Krankenhäuser untergebracht. P H Sie verfassen diese Gutachten, in denen die Schuldfähigkeit eines Menschen geprüft wird? B L I E R S B AC H Eher selten. Ich erstelle hauptsächlich Prognosegutachten, die

im weiteren Verlauf der Behandlung dieser forensischen Patienten, wie sie auch genannt werden, erstellt werden müssen. Diese fallen immer wieder an, denn für jeden Einzelnen wird regelmäßig mithilfe von Gutachten geprüft, ob Therapie und Unterbringungsart noch richtig sind. Hier gibt es widerstreitende Anliegen und Interessen: Während die Öffentlichkeit vor gefährlichen Menschen geschützt werden will, möchte der Patient meist so schnell wie möglich frei und unkontrolliert leben. Der gesetzliche Auftrag an den Maßregelvollzug lautet „Besserung und Sicherung“, die psychiatrische Behandlung soll den Patienten auf ein Leben ohne erhebliche Straftaten vorbereiten. P H Wie oft werden diese Prognosegutachten fällig? B L I E R S B AC H Das ist in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich geregelt. In Nordrhein-Westfalen, wo ich arbeite, schreibt das Maßregelvollzugsgesetz vor, dass alle drei Jahre ein externer Gutachter oder eine externe Gutachterin überprüft, ob der forensische Patient entlassen werden kann. Der Auftrag beinhaltet auch die Überprüfung der Diagnose und der therapeuti-

schen Strategien. Was den Bewegungsspielraum des Patienten angeht, so geht es um konkrete Fragen nach den Lockerungen, wie dies im Juristendeutsch genannt wird. Beispiele wären: Kann der Patient seine Station mit oder ohne Begleitung verlassen? Ist es möglich, dass er seine Eltern über das Wochenende besucht? Darf er einer Arbeit außerhalb der Klinik nachgehen, allein eine Wohnung beziehen? P H Dann entscheiden Sie, ob ein psychisch kranker Straftäter entlassen wird? B L I E R S B AC H Nein, so ein Gutachten hat immer nur einen Empfehlungscharakter. Natürlich mit einem gewissen Gewicht: Es wird vor allem von den Richtern zur Kenntnis genommen, die die Unterbringung des Patienten und seinen Behandlungsprozess im Auge behalten. Außerdem wird es von den Klinikkollegen ins Auge gefasst, die für die Behandlung verantwortlich sind. Und schließlich lesen es die Landesbeauftragten des Maßregelvollzuges sowie die zuständigen Mitarbeiter des Kostenträgers der Klinik. Ob eine geschlossene Unterbringung noch gerechtfertigt ist, entscheiden allein die Richter. Das


66 Neurodidaktik

Neurodidaktik: Zwischen Kernspin und Curriculum Seit Jahren streiten Experten über die Bedeutung der Hirnforschung für einen besseren Schulunterricht. Doch interdisziplinäre Teams aus Pädagogen, Psychologen und Hirnforschern haben neuste neurobiologische Erkenntnisse bereits erfolgreich in die Praxis umgesetzt ■

G

Eva Tenzer

ute Lehrer brauchen keine Hirnforschung“, so überschrieb kürzlich die Süddeutsche Zeitung ausgerechnet die Vorstellung des neuen Buchs von Gerhard Roth, der als einer der renommiertesten deutschen Hirnforscher gilt. In Bildung braucht Persönlichkeit erklärt der Bremer Professor, wie guter Unterricht aus seiner

Sicht funktionieren kann. Natürlich war die Überschrift provokativ gemeint, denn ein anerkannter Experte seiner Zunft wird deren Erkenntnisse kaum pauschal für nutzlos erklären. Dass die Neurowissenschaft aus pädagogischer wie didaktischer Sicht eine irrelevante Disziplin sei, wurde in den vergangenen Jahren jedoch häufiger ge-

äußert. Mit ihren bunten Bildern liefere die Neuroforschung zwar faszinierende Einblicke in das menschliche Denken, für den Schulalltag seien diese aber wenig zu gebrauchen, so das Hauptargument der Kritiker, zu denen auch die Lehr- und Lernforscherin Elsbeth Stern von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich zählt. Sterns Argu-


Neurodidaktik 67

mentation: „Ich halte es für problematisch, wenn von manchen Hirnforschern unreflektiert Ratschläge für das schulische Lernen gegeben werden. Gute Lehrer wissen, wie Schüler lernen. Es ist zwar schön, wenn sie auch etwas über die Amygdala wissen, es ist aber entscheidender, dass sie wissen, wie sie Schülern den Stoff sinnvoll vermitteln.“ Die Neurobiologie liefere zwar durchaus interessantes Wissen – nur eben nicht in erster Linie für die Schule. Lernen sei ein vielschichtiger Prozess, der nicht auf das Feuern von Neuronenverbänden reduziert werden könne. Viele Kritiker monieren zudem, dass die Hirnforschung Dinge fordere, die PSYCHOLOGIE HEUTE

Ap r il 2 0 1 2

die Reformpädagogik seit jeher auf der Agenda hat – nichts Neues also. Und Praktiker an den Schulen betonen, dass die meisten Erkenntnisse der Neurowissenschaftler für konkrete Lernkonzepte letztlich nicht brauchbar, weil praxisfern seien. Komplexe Faktoren wie Emotion, Motivation, Bindung oder Kommunikation seien für Neurowissenschaftler schwer zu fassen, hätten jedoch einen enormen Einfluss auf die Qualität von Lehre und Lernen. Auch Gerhard Roth macht keinen Hehl daraus, dass das meiste relevante Wissen über Lernprozesse aus der Psychologie komme, nicht aus Hirnscannern. Schließlich erforschen Kognitions- und

pädagogische Psychologen schon seit Jahrzenten in empirischen Studien die Voraussetzungen für optimales Lernen. Ihre umfangreichen Daten basieren auf dem Verhalten unzähliger Versuchspersonen, und die didaktischen Konzepte können direkt auf ihre Wirksamkeit hin überprüft und weiterentwickelt werden. Für den Lernerfolg, so argumentiert auch Roth, komme es ohnehin stark auf die individuelle Persönlichkeit von Lehrern und Schülern an, was allein durch Synapsen und Hirnbotenstoffe nicht erklärt werden könne. Andererseits – und das macht den unwiderstehlichen Reiz der Neurobiologie aus – scheinen ihre Erkenntnisse erfrischend objektiv. Dass Lernen anschaulich, aktiv, eigenmotiviert und praxisnah sowie frei von Zwang sein soll, wussten gute Pädagogen zwar schon immer, dafür braucht es keine spektakulären Hirnbilder. Nur: Neuroforscher können heute eben auch neuartige Nachweise zur Untermauerung dieser Thesen liefern. Das trägt zur Faszination der Disziplin bei. Zwei Beispiele: Pädagogen und leidgeplagte Eltern wussten immer schon, dass die Vernunft von Teenagern in der Pubertät oft leidet. Doch erst seit Hirnforscher auf die enormen Umbauprozesse im jugendlichen Gehirn hingewiesen haben, sehen viele Erwachsene die jugendliche Konfusion in einem neuen Licht. Auch die Erkenntnis, dass fleißiges Lernen bestimmte Areale des Gehirns messbar verändern kann, verhalf der alten Forderung „Üben! Üben! Üben!“ zu mehr Autorität. Dass die Fronten einander nicht zwangsläufig unversöhnlich gegenüberstehen müssen, beweisen zunehmend Forschungsinstitute, die auf die Integ-


70 Das neue Aids


Das neue Aids 71

Das neue Aids Nach 30 Jahren intensiver Forschung hat die Medizin das Virus im Griff. Aber nun zeigt sich: Die Angst vor Aids ist schwerer zu bekämpfen als die Krankheit selbst ■

I L L U S T R AT I O N E N : CH R I S T I A N S A N D E R S

E

igentlich hat Evelin Tschan allen Grund, zufrieden zu sein. Sie muss ihren Klienten nur noch ganz selten beim Sterben zusehen. Sie muss sie nicht pflegen, versorgen, sie trösten, weil Angehörige und Freunde sich abwenden. Sie muss nur noch selten Krankenschwestern beruhigen, die sich vor ihren Patienten fürchten, vor Ansteckung und vor dem Tod. Schon lange geht sie nicht mehr zwei, dreimal im Monat auf eine Beerdigung. Evelin Tschan, Beraterin der Aids-Hilfe in Konstanz, beschäftigt sich heute mit anderen Problemen. Die 57-Jährige bereitet Aidskranke nicht mehr auf das Sterben vor, sondern auf das Leben, auf ein Leben mit dieser Krankheit, die nicht mehr tödlich ist, aber oft genug existenzielle Probleme bringt und die Lebensplanung der Kranken bedroht. Heute hilft Tschan Infizierten, ihren Kinderwunsch zu verwirklichen, Konf likte mit einem nichtinfizierten Partner zu lösen, und sie berät Menschen, die sich fragen, ob sie ihrer neuen Liebe, ihren Freunden, den Kollegen von ihrer Infektion erzählen sollen. Aids, vor 30 Jahren entdeckt und damals gebrandmarkt als moderne Variante der Pest, gilt Medizinern heute als chronische Krankheit. Das ist die gute P S YC H O L O G I E H E U T E

Ap r il 2 0 1 2

Nachricht. Die weniger gute lautet, dass auch das „neue“ Aids mit einem Stigma belegt ist, das es Infizierten schwer macht, ein normales Leben zu führen. Konditormeister Jan Volkers* ist 30 Jahre alt und hat schon viel erreicht. Volkers ist Führungskraft in einer Großbäckerei, er unterrichtet und prüft Lehrlinge und wird von Mitarbeitern und dem Chef geschätzt. Was niemand ahnt: Jan Volkers ist HIV-positiv, und seine gute Stellung ist für ihn nur zweite Wahl. Als er beim Blutspenden vor drei Jahren die Diagnose hörte, rückten seine beiden großen Lebensträume in weite Ferne: „Leben und Arbeiten in den USA waren für mich unmöglich geworden – als HIV-Infizierter bekam ich keine Greencard.“ Auch die eigene Konditorei konnte er nicht eröffnen: „Ich wäre dann privat versichert und müsste monatlich vier- bis sechstausend Euro für meine HIV-Medikamente vorstrecken. Das ist in der Gründungsphase ganz unmöglich.“ Nun hofft er, dass an seiner Arbeitsstelle nie jemand von der Infektion erfährt. Nicht wegen der „dummen Jungs im Betrieb und wegen ihrer Schwulenwitze“, sondern weil ein Outing auch diesen Job gefährden könnte. Bei Helga Müller*, Mutter von drei Kindern, veränderte die HIV-Diagnose

Birgit Schreiber

nicht nur ihr eigenes Leben. Sie erfuhr davon nach einer Fehlgeburt. Wenig später stellten Ärzte fest: Auch ihr vierjähriger Sohn Niklas ist HIV-positiv, sein Immunsystem ist anfällig, und er muss täglich Medikamente nehmen. Die Gewissheit, ihr jüngstes Kind infiziert zu haben, quält Helga Müller. Außerdem leidet sie unter ihrem Doppelleben. In ihrem Dorf darf niemand von der Infektion wissen, die eigenen Eltern denken, sie nimmt Tabletten wegen ihres Asthmas. Das Geld ist knapp, sie kann nicht voll arbeiten – wegen der vielen Arzttermine. Allen Schwangeren, die sie trifft, rät sie: Lasst euch unbedingt auf HIV testen, dann erspart ihr euren Kindern vielleicht ein Leben mit der Infektion. Ein harter Schlag war die HIV-Diagnose auch für Heiner Boden*. Im Alter von 13 Jahren steht sein Berufswunsch fest: Er will Offizier werden, bei der Bundeswehr. Er will als Soldat Unschuldige schützen und helfen, Zivilgesellschaften aufzubauen. Ein idealistischer Traum vielleicht, aber ein paar Jahre geht alles nach Plan. Er beendet die Schule, verpflichtet sich für mehrere Jahre, beginnt bei der Bundeswehr eine Ausbildung. Dann folgt die Diagnose des Bundeswehrarztes, die alle Pläne zunichte *Namen von der Redaktion geändert


91

Im nächsten Heft T I T E LT H E M A

Das Prinzip „Durchwursteln“ Warum Umwege und Improvisation heute gute Lebensstrategien sind Die Komplexität unseres Lebens nimmt ständig zu. Die Folgen vieler Entscheidungen überschauen wir nicht mehr, und manche Probleme lassen sich nicht endgültig lösen. Was bleibt uns anderes übrig, als immer wieder aus Fehlern zu lernen, Zwischenlösungen zu finden, auf Umwegen zum Ziel zu kommen und uns irgendwie durchzuwurschteln? Dass wir damit meist ganz gut fahren, bestätigt die Kognitions- und Entscheidungsforschung: „Gut genug!“ ist ein sinnvolles Leitmotiv für das Leben in unübersichtlichen Zeiten.

„Die meisten Menschen sind nicht überfordert“ Hyperaktive und computersüchtige Kinder, überforderte und gestresste Eltern, ausgebrannte Arbeitnehmer und von Depression und Ängsten gebeutelte Erwachsene: Der Eindruck, dass die Menschen in dieser Gesellschaft den Anforderungen des Lebens nicht mehr gewachsen sind, scheint nicht von der Hand zu weisen. Der Frankfurter Soziologe und Psychologe Martin Dornes stellt nun die weitverbreitete pessimistische Sicht infrage. Seine Botschaft: Den Kindern und Erwachsenen in diesem Land geht es besser, als wir gemeinhin denken.

Wozu schlechte Manieren gut sind Niemand möchte unhöflich oder rüde behandelt werden. Das belastet nicht nur das zwischenmenschliche Klima, sondern auch das seelische Wohlbefinden. Dennoch können wir auf unhöfliches Verhalten nicht gänzlich verzichten: Wir brauchen es, um andere aufzurütteln, als klare Kommunikationsform in heiklen Situationen und als Motor für den gesellschaftlichen Fortschritt.

Psychosomatische Eiertänze Mindestens jeder fünfte Patient in einer Arztpraxis leidet unter Beschwerden, für die sich keine plausible körperliche Ursache finden lässt. Oft vermutet der Arzt oder Therapeut dann einen psychosomatischen Hintergrund und deutet dies vorsichtig an. Viele Patienten reagieren darauf zurückhaltend, gekränkt oder irritiert. Die Kommunikation gleicht einem Eiertanz.

D I E M A I AU SG A B E VON P S YCHOLOGIE HEUTE E R S C H E I N T A M 11. A P R I L

Außerdem: ■ Grimms Märchen: Das Geheimnis der Erzähltechnik ■ Warum Reisen oft krank macht


92 Impressum

Service

http: / / www.shop-psychologie-heute.de REDAKTION SANSCHRIFT

FRAGEN ZUM ABONNEMENT

Werderstraße 10, 69469 Weinheim Postfach 10 01 54, 69441 Weinheim Telefon 0 62 01/ 60 07-0 Fax 0 62 01/ 60 07-382 (Redaktion) Fax 0 62 01/ 60 07-310 (Verlag)

Deutschland: Beltz Medien-Service Postfach 10 05 65, 69445 Weinheim Telefon: 0 62 01/60 07-330 Fax: 0 62 01/60 07-9331

HERAUSGEBER UND VERLAG

Umfangreiche Buchauswahl zu den Themen von Psychologie Heute Mit ausführlichen Rezensionen Versandkostenfrei per Post ins Haus Die Buchtipps des Monats

Immun gegen Krisen Campus Verlag 2011 297 Seiten Gebunden ISBN 978-3-593-39081-9

€ 22,99 Für wache Nächte Orell Füssli 2011 192 Seiten Gebunden ISBN 97-3-280-05412-3

€ 19,90 Schlafen lernen Hogrefe 2010 160 Seiten Kartoniert ISBN 978-3-801-72292-0

€ 16,95

Jetzt bestellen www.shop-psychologie-heute.de

E-Mail: medienservice@beltz.de

www.psychologie-heute.de

Julius Beltz GmbH & Co. KG, Weinheim Geschäftsführerin der Beltz GmbH: Marianne Rübelmann

Studentenabos (Vollzeitstudium) gegen Vorlage der Studienbescheinigung (per Fax, E-Mail-Anhang oder Zusenden einer Kopie)

C H E F R E D A K T E U R Heiko Ernst

EINZELHEFTBESTELLUNGEN

R E D A K T I O N Ursula Nuber (stellvertr.

Chefredakteurin), Katrin Brenner, Anke Bruder, Thomas Saum-Aldehoff REDAKTIONSASSISTENZ

Olive Müller, Doris Müller KORRESPONDENTEN IN DEN USA

T George Harris, Dr. Annette Schäfer L AY O U T, H E R S T E L L U N G Johannes Kranz A N Z E I G E N Claudia Klinger

Postfach 10 01 54, 69441 Weinheim Telefon 0 62 01/ 60 07-386, Fax 0 62 01/ 60 07-93 86 Anzeigenschluss: 7 Wochen vor Erscheinungstermin GESAMTHERSTELLUNG

Druckhaus Kaufmann, 77933 Lahr VERTRIEB ZEITSCHRIFTENHANDEL

ASV Vertriebs GmbH, Süderstraße 77 20097 Hamburg, Telefon 0 40 / 34 72 92 87

Copyright: Alle Rechte vorbehalten, Copyright © Beltz Verlag, Weinheim. Alle Rechte für den deutschsprachigen Raum bei Psychologie Heute. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion. Nachdruck, Aufnahme in Onlinedienste und Internet sowie Vervielfältigung auf Datenträger wie CD-ROM, DVD-ROM etc. nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung der Redaktion. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder. Für unverlangt eingesandtes Material übernimmt die Redaktion keine Gewähr. Der Verlag übernimmt für unverlangt eingereichte Manuskripte keine Haftung. Rückgabe erfolgt nur, wenn Rückporto beigefügt ist. Aufbewahrungsfrist maximal ein Jahr. Die Annahme zur Veröffentlichung behält sich der Verlag vor; sie bedarf einer ausdrücklichen schriftlichen Annahmeerklärung durch den Verlag. Die in dieser Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Übersetzung, Nachdruck – auch von Abbildungen –, Vervielfältigungen auf fotomechanischem oder ähnlichem Wege oder im Magnettonverfahren, Vortrag, Funk- und Fernsehsendung sowie Speicherung in Daten verarbeitungsanlagen – auch auszugsweise – bleiben vorbehalten. Von einzelnen Beiträgen oder Teilen von ihnen dürfen nur einzelne Kopien für den persönlichen und sonstigen Gebrauch hergestellt werden. Hinweis zu § 52a UrhG: Weder das Werk noch seine Teile dürfen ohne eine solche Einwilligung eingescannt und in ein Netzwerk eingestellt werden. Dies gilt auch für Intranets von Schulen und sonstigen Bildungseinrichtungen. Titel: SIGN Kommunikation. S. 3, S. 5 links, S. 30, 31, 32, 33, 34: Stefan Blume. S. 4, 21, 22, 23, 25, 27: Michel Meyer. S. 5 rechts, S. 9, 12, S. 15 unten, S. 17, 40, 41, 42, 43, 58 rechts, S. 66, 67, 68, 69: Corbis.: Stefan Blume. S. 6, 11, 14, 15 oben, 16, 18, S. 46, 47, 48, 91: Getty Images. S. 10: Oliver Weiss. S. 13: Ullstein Bild. S. 19: Peter Thulke. S. 28: www.richardwiseman.com. S. 35: Privat. 37, 38 Wolfgang Streitbörger. S. 49: Privat. S. 53: Cinetext. S. 54 oben: DGPM. S. 54 unten, S. 80: dpa Picture Alliance. S. 56: Mauritius Images. S. 57: Imagno. S. 58 links: Agentur Focus. S. 60, 62, 63, 64: Peter Kahrl. S. 70, 71, 72, 73, 74: Christian Sanders. S. 77, 78: Regina Schmeken/SZ-Photo

Deutschland: Beltz Medien-Service bei Rhenus 86895 Landsberg, Telefon: 0 81 91/9 70 00-622 Fax: 0 81 91/9 70 00-405, E-Mail: bestellung@ beltz.de., www.shop-psychologie-heute.de

Schweiz, Österreich, Rest der Welt: Adressen wie unter „Abonnement“ Einzelheftpreis: % 6,50 (Schweiz 12,50 sFr.); bei Zusendung zzgl. Versandkosten. Abonnementpreise: Jahres-/Geschenkabo: Deutschland % 69,90, Österreich, Schweiz % 71,90 (jeweils inkl. Versand); alle anderen Länder % 63,90 zzgl. Porto (auf Anfrage). Jahres-/Geschenkabo plus: Deutschland % 83,90, Österreich, Schweiz % 85,90 (jeweils inkl. Versand); alle anderen Länder: % 77,90 zzgl. Porto (auf Anfrage). Studentenjahresabo: Deutschland % 62,90, Österreich, Schweiz % 64,90 (jeweils inkl. Versand); alle anderen Länder % 56,90 zzgl. Porto (auf Anfrage). Studentenabo plus: Deutschland % 76,90, Österreich, Schweiz % 78,90 (jeweils inkl. Versand); alle anderen Länder: % 70,90 zzgl. Porto (auf Anfrage). Kennenlernabo: EU-Länder, Schweiz % 13,–, andere Länder auf An frage. Kennenlernabo plus: EU-Länder, Schweiz % 17,–, andere Länder auf Anfrage. Die Berechnung in die Schweiz erfolgt in sFr. zum tagesaktuellen Um rechnungskurs. Nähere Infos unter http://psychologie-heute-abo.kohlibri.de Psychologie Heute kann im Abonnement oder als Einzelheft beim Buchhandel oder direkt beim Verlag bestellt werden. Zahlungen bitte erst nach Erhalt der Rechnung. Das Abonnement ist nach der Laufzeit von 6 Monaten jederzeit kündbar. Zu viel bezahlte Beträge erhalten Sie zurück. Erfolgt keine Abbestellung, verlängert sich das Abonnement automatisch um ein weiteres Jahr. Psychologie Heute kann aus technischen Gründen nicht in den Urlaub nachgeschickt werden. B E I L A G E N H I N W E I S Der Aboauflage Inland liegt eine Beilage der spring Messe Management GmbH & Co.KG,68159 Mannheim, der Herder Verlags GmbH, 79104 Freiburg und der RSD Reise Service Deutschland GmbH in 85551 Kirchheim bei. Der kompletten Aboauflage liegt eine Beilage des ZeitVerlags, 20095 Hamburg und des Harvard Business Managers bei. Wir bitten unsere Leser um freundliche Beachtung.

BILDQUELLEN

ISSN 0340-1677

PSYC H O LO G I E H EUTE

A pri l 2012

Psychologie Heute 04/2012 Leseprobe  

Psychologie Heute 04/2012 Leseprobe