Page 1

JUNI 2016

lands gr ch

JUNI 2016

e

ul

A

ut

te öß

Deuts

! b i e r Sch ! n i e D ! h c u B 1 orensch

Schule-des-Schreibens.de

www.

Gekonnt schreiben, erfolgreich publizieren

Entdecken Sie Ihre Begabung! Das vielleicht aufregendste Abenteuer Ihres Lebens wartet auf Sie. Sie entdecken eine neue Welt, Ihre Kreativität und Persönlich-

Hier abtrennen, ausfüllen und unfrankiert einsenden!

Fordern Sie jetzt Ihr GRATIS-Infopaket an!

GRATIS-Gutschein

für Psychologie heute-Leserinnen und -Leser (ab 18 Jahre)

JA,

schicken Sie mir bitte das Gratis-Informationspaket.

Ich interessiere mich für Die Große Schule des Schreibens – eine umfassende Gesamtausbildung Belletristik Kompaktkurs Kreatives Schreiben Kreatives Schreiben für Fortgeschrittene Roman-Werkstatt

Kinder- und Jugendliteratur Drehbuchautor/in Biografisches Schreiben Sachbuchautor/in Journalismus

Das Porto zahlt die Schule des Schreibens

NEU!

Alle Lehrgänge geprüft und zugelassen von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht.

Infos mobil Name

Postleitzahl/Wohnort Beruf

Geburtsdatum

NG 850

Straße/Hausnummer

Schule des Schreibens Doberaner Weg 18 Postfach 73 02 80 22122 Hamburg

anfordern

Vorname

Schule-des-Schreibens.de

www.

✆ 0800 242 0800 gebührenfrei +49 (40) 675 70 9001 (aus dem Ausland)

D6940E

Wollen auch Sie mehr aus Ihrer Neigung zum Schreiben machen? Dann fordern Sie jetzt das Informationspaket der Schule des Schreibens an. Sie erhalten es kostenlos und unverbindlich.

SFR 10,90

Kostenlos: Ihr wertvolles Informationspaket

DRÜBER STEHN! Sich weniger aufregen, nicht alles persönlich nehmen, gelassen bleiben

€ 6,90

Mit zehn Schreiblehrgängen bietet die Schule des Schreibens Ihnen eine bisher im

keit. Warten Sie also nicht auf die große Inspiration – fangen Sie einfach an! Unsere Erfahrung zeigt: Wer den Wunsch hat zu schreiben, besitzt auch die Fähigkeit, erfolgreich zu schreiben!

HEFT 6

So entwickeln Sie Ihr Schreibtalent:

deutschen Sprachraum einzigartige Schreibausbildung per Fernstudium. Das Lehrmaterial kommt zu Ihnen nach Hause – so können Sie ganz entspannt lernen, wann und wo Sie wollen. Sie werden dabei individuell durch unsere Studienleiter – alles erfahrene Autoren und Lektoren – betreut. Sie stehen Ihnen als ständige Ansprechpartner zur Seite und fördern Ihr Talent und Ihre Stärken. Zusätzlich können Sie Ihre Manuskripte im Laufe Ihres Schreibstudiums durch unseren exklusiven Lektoratsdienst kostenlos begutachten lassen.

43. JAHRGANG

Wenn Sie gern schreiben möchten, können Sie es in der Regel auch erfolgreich tun – vorausgesetzt Sie haben es gelernt. Wie Sie das wichtige, professionelle Handwerkszeug eines Autors erlernen, das erfahren Sie mit dem Gratis-Informationspaket der Schule des Schreibens. Fordern Sie es kostenlos mit dem Gutschein unten an. Mit der Schule des Schreibens haben bereits Tausende das kreative Schreiben gelernt und sich ihren Traum vom Schreiben erfüllt! Viele von ihnen sind heute haupt- oder nebenberuflich als Autoren oder Redakteure tätig.

DICKES FELL • PHILOSOPHIE • SPORTSUCHT • TERRORISMUS • NARZISSMUS

Erfüllen Sie sich jetzt Ihren Traum!

DOKTORSPIELE

Frühreif durchs Internet?

PHILOSOPHIE

Was Sokrates zu Ihren Sorgen sagt

SPORTSUCHT

Trainieren bis zum Umfallen


IN DIESEM HEFT

TITELTHEMA

18

Nicht immer sind die anderen nett zu uns: Der Kollege stichelt mal wieder, von der Tochter hagelt es Vorwürfe, der Kunde brüllt ins Telefon. Wie oft wünschen wir uns in solchen Situationen: „Ach hätte ich doch ein dickeres Fell!“ Aber ist das überhaupt erstrebenswert? Wie können wir uns vor Kränkungen und Stress schützen, ohne unsensibel zu werden?

4

PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016


62 Trainieren bis zum Umfallen Sie kennen keine Grenzen und rennen selbst mit blutigen Füßen: Für manche Menschen wird Sport zu einer Suchterkrankung

Von Thomas Müller

66 „Integration ist der beste Schutz

gegen Terrorismus“ Ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Andreas Bock über seine These, dass der „Krieg gegen den Terror“ den Islamismus

34

Schon im Vorschulalter haben Jungen und Mädchen heute übers Internet Zugriff auf eindeutigstes pornografisches Material. Und was sie dort sehen, hat durchaus Auswirkungen auf ihr Verhalten. Wie sollen Eltern und Erzieher reagieren, wenn Kinder die Szenen nachspielen oder Sätze sagen wie „Komm, wir ficken“?

stärkt

70 „Du nutzloses Stück Dreck!“ Leben im digitalen Zeitalter, Teil vier: Im Internet wird beleidigt, gehetzt, gedroht. Was steckt hinter dem Hass?

Von Jochen Metzger

RUBRIKEN

44

„Nehmen Sie doch Platz auf der philosophischen Couch!“ Philosophie ist populär wie selten zuvor. Bestsellerautoren verbreiten Sinnstiftendes von Sokrates & Co für alle Lebenslagen. Manche Philosophen eröffnen sogar Praxen und preisen ihr Fach als Alternative zur Psychotherapie. Was sollen wir davon halten?

16 Therapiestunde Angst vor der Leere

Von Margarethe Schindler

32 Psychologie nach Zahlen Sieben Mythen rund um das Alter

Von Thomas Saum-Aldehoff

76 Der Psychotest Wie logisch denken Sie?

Von Jochen Metzger

78 Pehnts Alltag Lob und Wahrhaftigkeit

Von Annette Pehnt

3 Editorial 6 Themen"&"Trends 52 Körper"&"Seele 57 Schilling & Blum: Irgendwas mit Menschen 80 Buch"&"Kritik 91 Medien 92 Leserbriefe 93 Impressum 94 Im nächsten Heft 95 Markt 106 Noch mehr Psychologie Heute PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016

5


IM FOKUS

„Eine Masse ist nicht zugänglich für Vernunft“ In Clausnitz belagert ein wütender Mob einen Flüchtlingsbus und skandiert „Holt sie da raus“. In Bautzen feiert eine grölende Horde den Brand einer Aufnahmeeinrichtung. Was passiert mit Menschen, wenn sie zu einer Masse werden? Ein Gespräch mit dem Systemwissenschaftler Thomas Brudermann

Herr Dr. Brudermann, Sie beschäftigen sich wissenschaftlich mit Situationen, in denen Menschen in der Gruppe ihre Individualität zu verlieren scheinen und zu einer gesichtslosen wütenden Masse, zu einem Mob werden. War das in Clausnitz und Bautzen der Fall?

Ich kann das, was dort vorgefallen ist, auch nur anhand der Medienberichte und Videos im Internet beurteilen und habe daher ein unvollständiges Bild. Doch diese Bilder und Berichte legen nahe, dass wir es hier mit einem aggressiven Mob zu tun haben, wie wir ihn in Deutschland zumindest in der jüngeren Vergangenheit nicht oft gesehen haben.

Die Rohheit und Aggressivität erinnern mich zum Beispiel an den inszenierten Volkszorn in Libyen und anderen arabischen Ländern im Jahr 2012. Ein schlecht gemachtes YouTube-Video, das man als Schmähung des Propheten Mohammed empfand, war damals der Initialzünder für Ausschreitungen, in denen unter anderem Botschaften attackiert und Fahnen verbrannt wurden. Der politische Hintergrund war ein anderer, aber die psychologischen Mechanismen sind ähnlich. Um mal ein unpolitisches Beispiel zu nehmen: Inwiefern ähnelt und unterscheidet sich der Mob in Clausnitz von einer Horde aufgebrachter Fußball-

Fallen Ihnen andere Begebenheiten ein, die dem

fans, die fäusteschwingend den Mannschaftsbus

vergleichbar sind, was da in Sachsen passiert ist?

belagern?

12

PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016


Auf den ersten Blick überwiegen Gemeinsamkeiten: Es gibt ein Feindbild, die Horde besteht ausschließlich oder überwiegend aus Männern, vorwiegend jungen Männern, man sieht kollektive Wut, oft auch unter dem Einfluss von Alkohol. Allerdings ist ein Mob à la Clausnitz vielschichtiger und alarmierender, denn er ist aus meiner Sicht Folge einer schleichenden Entwicklung in der Gesellschaft und Politik über die letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinweg. Die Psychologen Thomas Fenzel und Constantin Malik nennen diese unterschwelligen gesellschaftlichen Entwicklungen „Phänomene erster Ordnung“. Sie bereiten den Boden für die „Phänomene zweiter Ordnung“, nämlich die kurzen explosiven, sichtbaren Ausbrüche, wie wir sie in Clausnitz erlebt haben.

Diese Emotion sorgt für eine Gleichrichtung der Masse, sie dominiert alles, alles ist ihr untergeordnet. Sie haben die psychologische Ansteckung in einer Masse am Computer simuliert. Wie sind Sie da vorgegangen?

Man definiert wie in einem Computerspiel Regeln, die das Verhalten und das Wechselspiel der virtuellen Akteure beschreiben, und programmiert die Akteure mit diesen Verhaltensregeln. Dann startet man das Programm, lässt die Akteure agieren und interagieren und beobachtet quasi gottgleich, was passiert. Diese virtuellen Akteure entsprechen den Menschen in einer Masse?

Genau. Man versucht hier, einfache Mechanismen zu identifizieren, die Gültigkeit haben für Massenphänomene. Natürlich lassen sich diese Modelle nicht einfach auf die menschliche Realität übertragen, aber sie sind hilfreich, um diese Realität zu verstehen.

Hat sich da unterschwellig schon seit langem eine politisch gleichgesinnte, latent aggressive Masse gebildet, die viel größer ist als der sichtbare Mob?

Die Möglichkeit ist zumindest nicht von der Hand zu weisen, dass sich in Teilen der Bevölkerung eine entsprechende Stimmungslage ausgebreitet hat.

Eine Frage, die Sie auf diese Weise untersucht

Was passiert in dem Moment, in dem sich solche

Teilnehmern, damit sie sozusagen zündet und zu

Gleichgesinnten zusammenfinden? Entsteht da

einem Mob wird?

eine Eigendynamik, die sie von einer Ansamm-

In unseren Modellen konnten wir keine solche Mindestanzahl von „infizierten“ Teilnehmern identifizieren, die zur Massenbildung notwendig sind. Manchmal reichte bei bis zu 10 000 Akteuren schon ein einzelner Initialagent aus, um ein Massenphänomen zu begründen. Dieser Initiator infizierte dann einen zweiten, einen dritten und diese dann wiederum zehn und so fort. Eine „kritische Masse“, analog zu einer nuklearen Kettenreaktion, war da nicht erforderlich. Es ist ohnehin ein oft untaugliches Unterfangen, Konzepte aus der Physik auf die Sozialpsychologie zu übertragen. Isaac Newton soll, nachdem er in einer der ersten Spekulationsblasen am Finanzmarkt viel Geld verloren hatte, resignierend gesagt haben: „Ich kann zwar die Bewegung der Himmelskörper berechnen, aber nicht die Verrücktheit der Menschen.“

haben, ist: Braucht eine Menschenansammlung eine bestimmte Größe, eine „kritische Masse“ an

FOTO: K ATHARINA LEV Y!/!PHOTOCASE.DE

lung von Individuen zu einem Mob werden lässt?

Aus den Polizeiberichten geht meines Wissens nicht genau hervor, auf welche Weise sich diese Menschen zusammengerottet haben. Aber mir scheint plausibel, dass da zunächst Leute zusammenkamen, die eine ablehnende, negative Grundstimmung gegen die Aufnahme von Flüchtlingen einte, die noch nicht notwendigerweise Gewaltbereitschaft umfasst haben muss. Aber aus der Gruppe heraus kann es – vielleicht auch angestachelt von lauten Wortführern – zu Verhaltensweisen kommen, die die meisten Teilnehmer einzeln niemals zeigen und wagen würden. In einer psychologischen Masse herrschen ganz schlichte Verhaltensregeln: Man tut, was die anderen tun, schreit, wenn sie schreien, schaukelt sich gegenseitig auf. Das Verhalten der Einzelnen synchronisiert sich. Eine psychologische Masse kennt dann nur noch eine Meinung, ein Ziel. Da gibt es keinen Widerspruch, keine Diskussion, keine Reflexion. Das Ausmaß an Gewalttätigkeit, das aus dieser Dynamik entstehen kann, ist schwer vorauszusagen. Welche Rolle spielen Emotionen in diesem Prozess des Hochschaukelns?

Massen sind charakterisiert durch eine einzige einfache, starke Emotion, die alle vereint. Das kann auch Euphorie sein, etwa der Investoren an der Börse, die dann zu Spekulationsblasen führt. Es kann Angst sein, etwa bei einer Massenpanik. Oder eben Wut. PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016

Auch wenn man es nicht berechnen kann: Was trägt dazu bei, dass Menschen zur Masse werden?

Thomas Brudermann ist Assistenzprofessor an der Universität Graz. Er schrieb das Buch Massenpsychologie (Springer 2010).

Es hängt vor allem von der Anfälligkeit des Einzelnen und der Bevölkerung insgesamt ab. Bestimmte Rahmenbedingungen machen uns empfänglicher für psychologische Ansteckung. Dabei sind zwei Faktoren entscheidend: emotionale Erregung und Unsicherheit. Die Psychologen Stanley Schachter und Jerome Singer haben schon in den 1960er Jahren in Experimenten gezeigt, dass ängstliche oder euphorische Erregung einerseits und Orientierungslosigkeit andererseits Menschen anfälliger machen für Sug13


TITEL

18

PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016


TITEL

Drüber stehen!

Stress ist unvermeidbar. Ungerechtigkeiten passieren. Wir können nicht verhindern, dass andere Menschen uns verletzen. Ein dickeres Fell könnte helfen, die kleinen und großen Kränkungen des Lebens besser zu ertragen. Nur: Was tun, wenn man eher zu den Dünnhäutigen und Sensiblen gehört? VON BIRGIT SCHÖNBERGER

ILLUSTR ATIONEN: HELENA PALL ARÉS

D

as Seminar Gesprächsführung geht zu Ende. Die Trainerin hat ein gutes Gefühl. Es war lebendig und intensiv, immer wieder löste sich die Spannung durch befreiendes Lachen. Bei der Abschlussrunde blickt sie in offene Gesichter. Die Rückmeldungen sind positiv, manche sogar überschwänglich. Guter Aufbau, tolle Übungen, viele Aha-Momente. Sie freut sich schon auf einen Espresso und ein Stück Kuchen in ihrem Lieblingscafé. Da platzt die Bombe. „Sie haben es sich ja verdammt leicht gemacht“, schimpft der letzte Teilnehmer mit hochrotem Kopf. „Wir mussten alles selbst machen. So, wie Sie arbeiten, möchte ich mal Urlaub machen. Das hat mir alles gar nichts gebracht. Ich werde mich beschweren.“ Die Trainerin sackt innerlich in sich zusammen, die guten Rückmeldungen sind vergessen. Selbstzweifel tauchen auf. „Was habe ich falsch gemacht? Bin ich eine schlechte Trainerin? Werde ich weitere Aufträge bekommen?“ Noch Ta-

PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016

ge später geht sie die demütigende Szene immer wieder in Gedanken durch. Und sie wünscht sich: „Hätte ich doch nur ein dickeres Fell, an dem destruktive Kritik, gemeine Spitzen, nervende Jammertiraden, stressige Situationen und die täglichen Katastrophenmeldungen einfach abperlen wie Wassertropfen!“ „Mir fehlt ein dickes Fell.“ Dieser Satz fällt regelmäßig, nicht nur in Psychotherapien und Coachings, auch in Gesprächen mit Freunden und Kollegen. Variationen sind: „Ich möchte nicht mehr so empfindlich sein“, „Ich will nicht alles persönlich nehmen“, „Ich wünsche mir, dass Kritik an mir abperlt“, „Ich will nicht so kränkbar sein“. Häufig ist die Sehnsucht nach einem dicken Fell verbunden mit der Vorstellung, andere seien im Besitz dieser beneidenswerten Schutzschicht, nur man selbst sei vergessen worden, als die Felle verteilt wurden. Doch die Vorstellung vom dicken Fell, das in allen Lebenslagen zuverlässig vor Kränkungen, Vorwürfen, kritischen Bemerkungen und anderen unangenehmen Dingen schützt, hat 19


In Liebe verschränkt Wie müssen zwei Liebespartner beschaffen sein, damit ihre Beziehung gedeiht? Franz Neyer und Christine Finn haben erforscht, welche Persönlichkeitszüge zu einer glücklichen Partnerschaft beitragen und wie das Zusammenleben die beiden reifen lässt

26

PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016


Wieso haben Menschen überhaupt das Bedürfnis, eine überdauernde, oft bis zum Tod währende Partnerschaft einzugehen? Man könnte sich ja auch von Affäre zu Affäre hangeln, aber das tun und wollen doch die wenigsten.

Neyer: Der Wunsch nach sozialem Anschluss, Vertrautheit und Bindung ist ein menschliches Grundbedürfnis. Menschen suchen enge Beziehungen, auch und vor allem in einer romantischen Partnerschaft. Ob diese Beziehung allerdings auf die Dauer des ganzen Lebens angelegt sein muss, ist die Frage. Zu anderen Zeiten und in anderen Kulturen war und ist das nicht so selbstverständlich. Und auch hier im Westen gibt es durchaus viele Menschen, die nach eher kurzfristigen Liebesbeziehungen suchen. Sie gehen dann eben nicht die eine Ehe, sondern mehrere aufeinanderfolgende Partnerschaften ein.

Franz J. Neyer ist Professor und Direktor des Instituts für Psychologie an der FriedrichSchiller-Universität Jena.

Was machen Menschen, die sich ihrer selbst sicher sind, ohne sich ins Grandiose zu überhöhen,

Nicht selten brechen Beziehungen aber ausein-

im Beziehungsalltag anders und besser als unsi-

ander, obwohl die beiden eigentlich für lange

chere Menschen?

oder sogar für immer zusammenbleiben wollten.

bestimmt und dominant auftreten – und den Part-

Finn: Selbstbewusste Menschen vertrauen sich dem Partner an und holen sich bei ihm emotionalen Rückhalt, zum Beispiel wenn sie auf der Arbeit Probleme haben oder bei den Kindern etwas nicht rundläuft. In der Partnerschaft selbst sind sie nicht so verletzlich und so fixiert auf Dinge, die schiefgehen könnten. Und sie sind überzeugt, eine Lösung zu finden, sobald Unstimmigkeiten aufkommen. Man traut sich, gegenüber dem Partner auch heikle Dinge an- und auszusprechen. Neyer: In einer Partnerschaft bleibt es ja nicht aus, dass man sich hin und wieder Kränkungen zufügt oder dass man dem anderen mal nicht die Aufmerksamkeit schenkt, die er sich wünscht. Eine Person mit einem gesunden Selbstwertgefühl kann damit umgehen und gerät nicht gleich aus der Fassung. Jemand mit einem schwachen Selbstwertgefühl erlebt solche Situationen jedoch gleich als bedrohlich und denkt sich zum Beispiel: „Er ignoriert mich, denn er mag mich nicht mehr. Und er hat ja auch recht – ich bin einfach nichts wert!“

ner damit nicht zur Geltung kommen lassen?

In der Forschung sprechen Sie von einem rela-

Finn: Diese extreme Art von Selbstbewusstsein ist damit nicht gemeint. Es geht um Menschen, die mit sich selbst zufrieden und im Reinen sind. Sie strahlen dies auch nach außen aus, und diese Sicherheit wirkt sich positiv auf den Partner und die Partnerschaft aus. Selbstwertgefühl ist also gut für eine Beziehung, aber eine glückliche Beziehung ist auch gut für das Selbstwertgefühl. Dieses Merkmal ist sogar eine Art Gradmesser dafür, wie sehr man sich in der Beziehung aufgehoben und vom Partner gemocht fühlt. Doch natürlich schadet es der Partnerschaft,

tionship-specific interpretation bias, einer Denk-

In Ihren Langzeitstudien haben Sie nachgewiesen, dass es auch von der Persönlichkeit der beiden Beteiligten abhängt, wie überdauernd und glücklich ihre Beziehung wird. Welche Merkmale bringt ein idealer Beziehungsmensch mit?

Finn: Den „idealen Beziehungsmenschen“ gibt es nicht. Beziehungsglück hängt von so vielen Einflüssen ab. Aber man kann festhalten: Menschen, die von ihrem Wesen her verträglich sind und nach Harmonie und Ausgleich streben, führen in der Regel eine glücklichere Beziehung. Ein wichtiger Faktor ist aber auch emotionale Stabilität. Gute Voraussetzungen haben also Menschen, die nicht zu Ängstlichkeit oder Depressivität neigen und ein hohes Selbstwertgefühl haben, also sich ihrer selbst sicher sind und sich so mögen, wie sie sind. Besteht denn nicht die Gefahr, dass Männer und Frauen mit einem hohen Selbstwertgefühl in der Beziehung die Hosen anhaben wollen, also sehr ILLUSTR ATIONEN: KL AUS MEINHARDT / dieKLEINERT.de

wenn jemand übersteigert selbstzentriert ist bis hin zum Narzissmus, denn diese Menschen sind unsensibel für die Bedürfnisse ihres Partners. Neyer: Ein gesundes Selbstwertgefühl zeichnet sich tatsächlich durch eine leichte Form der Selbstüberschätzung und Selbstüberhöhung aus: Man findet sich selbst etwas besser, als man ist. Das ist durchaus günstig und tut nicht nur dem Betreffenden, sondern auch der Beziehung gut. (Siehe auch Heft 5/2016: Ich finde mich prima!) Dies gilt aber nicht für Menschen, bei denen diese Eingenommenheit von sich selbst ins narzisstische Extrem geht. Sie sind gerade in einer Partnerschaft ausgesprochen anstrengend und reagieren wütend, wenn der Partner sie mal nicht so grandios findet wie sie sich selbst (siehe Seite 58).

PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016

Christine Finn, wurde für ihre Doktorarbeit über die persönlichkeitstypischen Interpretationsverzerrungen in Partnerschaften mit dem Dissertationspreis der Universität Jena ausgezeichnet.

falle, die selbstunsicheren Menschen das Beziehungsleben schwermacht.

Finn: Das betrifft vor allem Menschen mit hohem „Neurotizismus“, die emotional nicht sehr stabil sind. Sie nehmen vieles im Leben eher negativ wahr und reagieren daher oft unsicher oder gekränkt. Im Zweifel interpretieren sie harmlose oder allenfalls vieldeutige Verhaltensweisen ihres Partners zu ihren Ungunsten. Wenn der Partner ihnen etwa in einer hektischen Situation sagt, es gebe da noch etwas, was er später in 27


Doktorspiele 2.0 Kindliche Sexualität ist ein Tabuthema. Mütter und Väter blenden es am liebsten aus. Zugleich haben Jungen und Mädchen heute schon im Vorschulalter Zugriff aufs Internet – und können an eindeutiges Material gelangen VON SYLVIA MEISE

34

PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016


ILLUSTR ATIONEN: MAGDA WEL

K

ita geschlossen. Krisenstab. Fristlose Kündigung der Mitarbeiter. Die Gründe für diese drastischen Maßnahmen schienen triftig. Über Wochen hinweg sollte es in der Mainzer Kindertagesstätte „Maria Königin“ zu aggressivem und sexuell übergriffigem Verhalten gekommen sein. Und zwar unter den Kindern, und ohne dass Erwachsene eingeschritten wären. Als besorgte Eltern diese Vorwürfe im vergangenen Jahr öffentlich machten, war die mediale Aufmerksamkeit groß, die Fassungslosigkeit überregional. Doch einige Monate später eröffneten die Ermittler: Belastbare Indizien fehlen. Die Eltern hätten überreagiert, heißt es in den nun weniger zahlreichen Berichten. Kein Skandal, keine Story. So ungreifbar diese Geschichte ist: Sie verdeutlicht das Spannungsfeld, in dem sich kindliche Entwicklungs- und erwachsene Erziehungsaufgaben heute befinden. Einerseits sollen Mädchen und Jungen einen entspannten und selbstbewussten Umgang mit ihrem Körper lernen. Andererseits denken ihre Eltern bei kindlicher Sexualität schnell an Missbrauch. Das hat die Kölner Psychologin Elisabeth Raffauf registriert. Sie berichtet, Mütter und Väter würden bei diesem Thema zuerst auf das böse Ende schauen, auf mögliche Gefahren. Dabei sei kindliche Sexualität „neugieriges Forschen und Entdecken – also etwas Schönes!“. Jungen und Mädchen erkunden ihren Körper genauso wie einen neuen Raum oder ein neues Spielzeug. Erwachsene müssten verstehen, dass dieses neugierige Explorieren zur gesunden Entwicklung eines Kindes gehört, meint Raffauf. Im Nachhinein hat sich die Schließung der Mainzer Kita als überzogen herausgestellt. Ob Eltern und Betreiber mit mehr Hintergrundwissen umsichtiger gehandelt hätten? Um die Grenzen zwischen normaler Entwicklung und Missbrauch deutlich zu machen, hält die Psychologin Raffauf ein sexualpädagogisches Konzept für sinnvoll: „Nur damit gibt es Klarheit. Dann kann das Team jederzeit erklären, dass und warum es Kuschelecken gibt oder wie mit Nacktheit umgegangen wird.“ In der Realität fehlen solche Leitlinien jedoch meist, mehr noch: Mütter, Väter, Erzieher und Erzieherinnen klammern das tabubesetzte Thema lieber aus. Raffauf jedoch meint, es sei enorm wichtig, dass die Erziehungspartnerschaft zwischen Kindertagesbetreuung und Eltern auch das Thema Sexualität umfasst. Ein transparenter Umgang mit dem sensiblen Gegenstand sollte eigentlich selbstverständlich sein. Schließlich gehört Sexualerziehung gemäß den Bildungs- und Erziehungsplänen für Grundschulen und

PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016

Kindergärten sowie den Lehrplänen der weiterführenden Schulen zum institutionell verankerten Bildungsauftrag. Doch in der Praxis ist das oft schwierig. Nicht immer liegt die Schuld dafür bei der Einrichtung. Manchmal verweigern sich auch die Eltern dem Dialog, etwa wegen strenger religiöser Vorschriften. Im Kindergarten treffen daher zum Bereich Sexualität die unterschiedlichsten Einstellungen von entspannt über verklemmt bis überfordert oder nachlässig aufeinander. „Komm, wir ficken“

Am Beispiel der evangelischen Kita Rosengarten, die in einem sozialen Brennpunkt in Frankfurt-Nied liegt, lässt sich ablesen, welche Herausforderungen aus diesem Mix erwachsen. Zu den immer wiederkehrenden Aufgaben gehört hier der Umgang mit sexuell aufgeladenen Spielen und Vokabular. Es sei nicht ungewöhnlich, dass Vorschulkinder den Geschlechtsakt nachspielen, berichtet Leiterin Ulrika Ludwig: „Da sehen wir einen Jungen und ein Mädchen unter dem Tisch. Die sind natürlich angezogen, ziehen sich aber dennoch eine Decke über, und der Junge führt entsprechende Bewegungen durch.“ Letztlich spielten sie altersgemäße Rollenspiele – aber in einer eben nicht altersgemäßen Variante. Explizit sexuelles Vokabular wird in der Kita Rosengarten nicht geduldet. Trotzdem musste das Team lernen zu verstehen: „Die Kinder spielen nach, was sie beschäftigt, und geben wieder, was sie gehört haben. Also auch Sätze wie ‚Komm, wir ficken‘“, sagt die Leiterin. Der Umgang mit Sexualität habe sich auch gegenüber Kindern stark verändert, hat die 61-Jährige beobachtet: „Wörter auszusprechen wie ‚ficken‘ war für meine Generation noch undenkbar. Bis vor ein paar Jahren konnte man davon ausgehen, dass Kindergartenkinder solche Vokabeln nur nachplappern, ohne zu wissen, was sie bedeuten.“ Heute dagegen verstehen Kinder den Inhalt ebenso – und sie merken, dass sie bei Erwachsenen damit unterschiedliche Reaktionen auslösen können. Doch woher kennen Jungen und Mädchen solche Begriffe? Ulrika Ludwig vermutet, dass die Vorlagen von älteren Geschwistern stammen, aus den Medien oder „durch einen Umgang der Eltern mit diesem Thema, den ich als lax bezeichnen würde“. Darauf angesprochen reagierten manche Mütter und Väter erschrocken, andere wischten das Thema zur Seite. Es gebe sogar Eltern, die anböten, mal einen Porno auszuleihen. Zwar bringt Ulrika Ludwig nach 30 Jahren Berufserfahrung so schnell nichts aus der 35


„Wir sind abgeschnitten vom Rest der Menschheit“ Sechs Menschen, zwölf Monate, eine Mission: Das amerikanische Forschungsprogramm HI-SEAS simuliert das Zusammenleben in einer Marsstation. Unter den Teilnehmern des aktuellen Projekts ist auch die Deutsche Christiane Heinicke. Ein Gespräch über den Einsatz als Versuchsperson, das eigene Leben als Experiment – und ungeahnte Sehnsüchte

Das kuppelförmige Habitat am Hang des Mauna Loa dürfen die „Astronauten“ nur in Raumanzügen verlassen

38

PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016


Frau Dr. Heinicke, Sie leben seit August 2015 in einer besonderen Wohngemeinschaft: Zusammen mit fünf anderen Wissenschaftlern bevölkern Sie für ein Jahr eine simulierte Marsstation auf Big Island, der größten hawaiianischen Insel. Wie außerirdisch fühlt sich Ihr Leben derzeit an?

Nun, es fühlt sich nicht an, als wären wir auf einem anderen Planeten, denn wie in Deutschland gibt es hier Wolken, Wind und blauen Himmel, die wir auch aus unserem einzigen Fenster sehen können. Dafür wirkt die vegetationslose Vulkanlandschaft von Hawaii umso fremdartiger. Dazu kommt die geografische und soziale Isolation: Wir sind definitiv weit weg von allem Geschehen daheim. Da macht es keinen Unterschied, ob 50 Millionen oder nur 50 Kilometer dazwischen liegen – wir sind abgeschnitten vom Rest der Menschheit.

Christiane Heinicke, 30, ist promovierte Physikerin. Die Bitterfelderin studierte in Ilmenau und Uppsala. Bevor sie sich für die Teilnahme bewarb, arbeitete sie an der Aalto University in Helsinki. Über ihr Leben im Habitat schreibt sie auf www.scilogs.de/ leben-auf-dem-mars

der Zeit ändert. Dazwischen haben wir im Prinzip Freizeit, die wir unter unseren eigenen wissenschaftlichen Projekten, Sport und Hobbys aufteilen. Das Abendessen ist eines der wichtigsten Ereignisse, da kommen wir alle zusammen und reden über unseren Tag. Anschließend unternehmen wir oft etwas gemeinsam; mittwochs ist Spiele-, freitags Filmabend. Jeder hat einen Tag Küchendienst, samstags ist Resteessen, und am Sonntag putzen wir. An etwa zwei Tagen in der Woche haben wir Außeneinsätze, sogenannte EVAs. Wie weit dürfen Sie sich bei diesen Ausflügen vom Habitat entfernen?

chen Bedingungen leben, wie es Astronauten auf

Etwa zwei Kilometer. Das klingt wenig, aber auf dem Lavagestein und im Anzug kommt man nur langsam vorwärts, sodass wir für diese Distanz etwa eine Stunde brauchen. In der Regel dauern unsere Außeneinsätze zwei bis drei Stunden, und das schließt die Arbeit selbst ein, den Weg dorthin und fünf Minuten in der Luftschleuse beim Ein- und Ausstieg.

Marsmission tun würden. Was bedeutet das?

Sie sind sonst seit mehreren Monaten umgeben

Wir wohnen in einem kuppelförmigen Habitat, das wir nur in Raumanzügen verlassen können. Das Habitat steht am Hang des Vulkans Mauna Loa inmitten ausgedehnter, praktisch vegetationsloser Lavafelder, fernab der Zivilisation. Jeglicher Kontakt mit der Außenwelt ist auf E-Mails beschränkt, die wegen des großen Abstands zwischen Mars und Erde 20 Minuten lang zu uns unterwegs sind. Die letzte Person, die wir von uns einmal abgesehen in natura gesehen und gehört haben, ist die Studienleiterin, die im August die Tür hinter uns geschlossen hat.

von immer denselben Menschen, denselben Din-

Sie und Ihre fünf Mitbewohner sollen über die Dauer Ihres Aufenthalts unter möglichst ähnli-

Wie sieht Ihr Alltag derzeit aus?

Es gibt sieben Fragebögen, die wir jeden Tag ausfüllen, dazu kommen weitere wöchentliche und monatliche. An ausgewählten Tagen führen wir Gruppenexperimente durch, die unter anderem untersuchen sollen, wie sich der Zusammenhalt im Team im Lauf

gen, auf begrenztem Raum. Wie erleben Sie das?

Wir suchen uns abwechslungsreiche Beschäftigungen. Ich zum Beispiel lerne Französisch und Mundharmonika. Einige von uns arbeiten an wissenschaftlichen Projekten. Wenn das Neue nicht mehr zu uns kommen kann, erschaffen wir eben Neues. Wie hat sich die Beziehung zu Ihren Mitbewohnern seit dem Einzug verändert?

Im Großen und Ganzen haben sich Tendenzen, die sich am Anfang schon abgezeichnet haben, verstärkt. Diejenigen Crewmitglieder, mit denen ich beim Einzug auf gutem Fuß stand, sind heute enge Freunde, während ich die, mit denen es gleich Reibereien gab, bestenfalls als Kollegen oder Mitbewohner bezeichnen würde. Wie gehen Sie mit dem Thema Sex um? Ist Sex „erlaubt“, sind Beziehungen gar erwünscht?

FOTOS: CYPRIEN VERSEUX

WAS IST HI-SEAS? Das Programm Hawai‘i Space Exploration Analog and Simulation (HI-SEAS) ist ein Projekt der Universität von Hawaii. Mit Unterstützung der US-Raumfahrtbehörde NASA erforschen Wissenschaftler seit 2012, wie sich das isolierte Zusammenleben auf eine Gruppe auswirkt. Dafür werden je sechs freiwillige „Astronauten“ ausgewählt, die gemeinsam mehrere Monate in einer simulierten Marsstation zubringen. Die Forscher erhoffen sich unter anderem Erkenntnisse über die ideale Zusammensetzung künftiger Astronautenteams. Die aktuelle vierte Mission ist die erste mit einer Länge von einem Jahr. www.hi-seas.org PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016

Vonseiten der Studienleitung ist Sex weder verboten, noch wird er gefördert. Wir wurden nur darauf hingewiesen, dass Beziehungen problematisch werden können, wenn sie zerbrechen – man kann dem oder der Ex hier schließlich nicht aus dem Weg gehen. Crewintern waren wir uns alle von Beginn an einig, dass Beziehungen akzeptabel sind, solange sie die Mission nicht beeinträchtigen. Zu den Situationen, die wir uns vorgenommen haben zu vermeiden, zählen lautstarke Konflikte, Eifersüchteleien, aber auch das Gegenteil: allzu öffentliches Herumgeknutsche. Klappt das?

Bisher ja – zumindest habe ich noch keine der eben 39


Was Sokrates zu Ihren Sorgen sagt Philosophie ist populär wie selten zuvor. Aristoteles und Kollegen liefern Antworten für jede Lebenslage. Klassische Texte werden zur Fundgrube für Wohlfühltipps. Manche Philosophen preisen ihr Fach sogar als Alternative zur Psychotherapie. Was sollen wir davon halten? VON BORIS HÄNSSLER

44

PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016


ILLUSTR ATION: CHRISTIAN BARTHOLD

W

er bin ich – und wenn ja, wie viele? Werde ich gelassener, wenn ich älter werde? Warum ist die Liebe so schwierig, und wie gelingt sie dennoch? Das sind einige der Fragen, mit denen sich die deutschen Philosophen Richard David Precht und Wilhelm Schmid in ihren Sachbüchern beschäftigen. Offenbar sprechen sie damit ein großes Publikum an: Allein Prechts Buch Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? hat sich bis heute mehr als zwei Millionen Mal im deutschsprachigen Raum verkauft. Nicht nur philosophische Bücher sind gefragt: Viele Menschen haben auch das Bedürfnis, über Philosophie zu reden. In den vergangenen Jahren haben sich verschiedene Angebote etabliert, die unter den Begriff „philosophische Praxis“ fallen, sei es in Form von Einzelgesprächen oder Gruppendiskussionen. Die deutschsprachige Internationale Gesellschaft für Philosophische Praxis zählt etwa 150 Mitglieder, der amerikanische Verband National Philosophical Counseling Association hat etwa 400 Mitglieder – doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren. Es gibt in Deutschland philosophische Cafés, Philosophieren für Kinder, philosophische Reisen und philosophische Publikumszeitschriften wie das Philosophie Magazin und Hohe Luft. Wie kommt es, dass sich so viele Menschen für Philosophie interessieren, ein Fach, das lange Zeit als zu abstrakt, als zu fern von den alltäglichen Sorgen galt? Hilft Philosophie denen, die sich innerlich leer fühlen? Hat die Psychologie keine Antworten auf ihre Fragen? Sind Philosophen dafür ausgebildet, sich um solche Menschen zu kümmern? Oder versprechen sie mit der Popularisierung der Philosophie etwas, was das Fach nicht zu leisten vermag? Richard David Precht jedenfalls sagt, dass das Interesse der breiten Bevölkerung an philosophischen Fragestellungen kein wirklich neues Phänomen sei. Precht hat kürzlich den ersten Band seiner dreiteiligen Geschichte der Philosophie veröffentlicht und vergleicht darin unsere Gegenwart mit jener Zeit, in der griechische Denker wie PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016

Epikur und die sogenannten Stoiker tätig waren – die ersten Philosophen, die ihr Sujet explizit als Lebenshilfe begriffen. Precht nennt sie die Gründer der Selbstmanagement- und der Ratgeberliteratur. „Epikur war eine Art spiritueller Guru, der eine Kommune aufbaute und in ihr das richtige, gute Leben vorleben wollte“, sagt Precht. „Dafür wurde er von den akademischen Philosophen angefeindet. Aber die Sinnsuche war eine logische Reaktion auf die eher optimistische, politische Philosophie von Platon und Aristoteles, die noch große Utopien des menschlichen Zusammenlebens entwarfen. Ihnen folgte eine Phase der Ernüchterung, da die Gesellschaftsentwürfe nicht griffen, und in einer solchen Phase befinden wir uns erneut.“ Sie begann nach Prechts Einschätzung in den 1970er Jahren, als viele Menschen erkannten, dass die Proteste der 1960er dem Kapitalismus langfristig nichts anhaben konnten. Die Hoffnung auf eine bessere und gerechtere Welt war verflogen,

„Philosophie ist die Kunst, über das Leben reflektiert nachzudenken – also über das Leben, nicht mein Leben“ R I C H A R D DAV I D P R E C H T

die ehemaligen Aktivisten waren ernüchtert. Sie wandten sich ab von gesellschaftlichen Problemen und begannen, sich mit ihrem eigenen Glück zu beschäftigen. „Zunächst wandten sich viele Leute den Philosophien des Fernen Ostens oder der Esoterik zu“, sagt Precht. „Die klassische abendländische Philosophie galt als zu schwierig für die Allgemeinheit aufzubereiten, aber das ändert sich allmählich, und seither steigt das Interesse an ihr.“ Ein Grund dafür sei auch der Bedeutungsverlust der Kirchen und Religionen. Wilhelm Schmid sieht es ähnlich: „Die Menschen haben keine Normen mehr, die bislang von der Religion erlassen, von der Tradition überliefert oder durch die Konvention vorgegeben wurden. Also müssen sie sich selbst orientieren.“ Ratgeber, die ihren Lesern das Denken abnehmen, befriedigen viele Menschen nicht. Schmid sagt, seine Bücher seien für Menschen, die selbst denken können und wollen. Während der Glauben für große Bevölkerungsschichten an Relevanz verloren hat, lässt sich zugleich ein zunehmender religiöser Fundamentalismus beobachten. Der Philosoph Michael Hampe, der an der ETH Zürich lehrt, sieht auch darin einen Grund für das neue Interesse an westlicher Philosophie. Man wende sich bewusst den Wurzeln und Idealen der abendländischen Aufklärung zu. Manche Philosophen gehen so weit, dass sie die Philosophie als Alternative zur Psychologie – genauer: zur Psychotherapie – bewerben. Der kanadische Autor Lou Marinoff, der Bücher wie Plato, Not Prozac! (auf Deutsch: Bei Sokrates auf der Couch) geschrieben hat, geht davon aus, dass viele Probleme unserer Seele ihre Ursachen darin hätten, dass wir am Sinn des Lebens zweifeln. Psychologen und Psychiater schlössen zu schnell auf eine psychische Störung und verordneten Therapien oder Medikamente. Dabei seien die meisten mentalen Probleme weder emotional noch biochemisch zu lösen, sondern philosophisch. Alain de Botton veröffentlichte 1998 ein Buch, in dem er die Philosophie, Literatur und Kunst mit den gängigen For45


PSYCHOLOGIE HEUTE JETZT ABONNIEREN und alle Vorteile genießen:

12X R IM JAH

ARCH IV ZUGA NG INKLU SIVE

IHR WILLKOMMENSGESCHENK: eine Prämie nach Wahl BUCH, 200 SEITEN

BUCH, 192 SEITEN

Die persönlichste Globalisierungskritik, die Sie je gelesen haben. Und eine Anleitung zum kritischen Denken und pragmatischen Handeln. Denn Fairplay ist möglich, jeden Tag neu!

Glänzend organisiert im ersten Job! Das Buch beantwortet alle Fragen des Zeit- und Selbstmanagements von »Wie organisiere ich meinen Posteingang?« und »Wie setze ich Prioritäten?« bis zu »Welche Rolle spiele ich im Team?«. Pfiffige Motivationstricks, lässige Stress-Ausschalter und 1A-Networking-Tipps gibt es inklusive.

Online finden Sie alle Aboarten und eine größere Prämienauswahl. WWW.PSYCHOLOGIE-HEUTE.DE BELTZ MEDIEN-SERVICE TELEFON 06201/6007-330


PSYCHOLOGIE HEUTE JETZT ABONNIEREN und alle Vorteile genießen: JAHRESABO PLUS 12 Hefte + 4 Compact-Hefte

% 1Ü6 ER T S N IG

G

nur € 95,90 (statt € 113,80)

JAHRESABO 12 Hefte

2-JAHRESABO Sichern Sie sich Ihr ganz besonderes Geschenk, indem Sie sich gleich für ein 2-Jahresabo entscheiden:

7%

GÜ NS

TIGER

nur € 76,90 (statt € 82,80)

STUDENTEN-ABO 12 Hefte

20 %

GÜNSTIGER

nur € 66,90 (statt € 82,80)

TESTABO 3 Hefte

NUR

€ 15

nur einmal im Jahr bestellbar

GESCHENKABO Der Beschenkte erhält 1 Jahr lang Psychologie Heute inklusive Archivzugang und App-Nutzung. Sie erhalten dafür von uns ein kleines Geschenk!

APP zuzüglich zu Ihrem Abo erhalten Sie für nur 1 € mehr je Ausgabe den Zugang zu allen in Ihrem Abo erschienenen Ausgaben in der App.

E ALL UCH S A RO B A VE ZUM NKEN E H SC

NUR

€ 1,–

IHRE SIVEXKLU IE PRÄM Entspannt lesen: Dieser schöne Buchhalter aus kanadischer Erle sorgt für eine entspannte Haltung beim Lesen, egal ob am Tisch, als Konzepthalter neben dem Computer oder für das Kochbuch in der Küche. Die Neigung ist dreifach verstellbar. Zusammengeklappt können Sie ihn bequem transportieren und er nimmt nicht mehr Platz in Anspruch als ein Buch. BUCHHALTER, ERLE, B 34 CM, T 24 CM, H 2 CM


W

ladimir Putin sitzt mit nackter, stolzgeschwellter Brust auf einem Pferd, beugt sich über einen erlegten Tiger oder blickt entschlossen aus dem Cockpit eines Kampfjets. Der Milliardär Donald Trump, der gern US-Präsident werden würde, bezeichnet sich selbst als „wahrhaft großartigen Führer“ und beleidigt weibliche Kritiker gern mal als hässlich. Von Silvio Berlusconi, Nicolas Sarkozy und Gerhard Schröder bleiben vor allem die Posen zur Schau gestellter Großartigkeit in Erinnerung. In der Politik ist es seit jeher üblich, machtvolle Männlichkeit zu inszenieren: Narzissmus regiert die Welt. Nirgendwo zeigt sich so deutlich wie in der Politik, wohin ein aufgeblähtes Ego führen kann: an die Spitze und in die Katastrophe. Höhenflug oder Absturz – diese Ambivalenz begleitet Narzissten im Beruf ebenso wie im Privaten. 58

DIE DUNKLE SEITE DES NARZISSMUS

Ich XXL Jeder Mensch braucht Narzissmus, doch eine Überdosis davon kann zum Problem werden. Können Menschen mit einem übergroßen Ich lernen, dass weniger mehr sein kann VON MICHAEL KRASKE

PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016


„Ob sich narzisstische Eigenschaften als Vorteil erweisen oder in die Sackgasse führen, kommt sehr auf die Umstände an“, sagt Stefan Röpke, Leiter des Bereichs Persönlichkeitsstörungen am Centrum für Psychiatrie der Berliner Charité. „In Extremsituationen kann der unbedingte Führungsanspruch eines Narzissten erwünscht sein, während die gleiche Rücksichtslosigkeit in ruhigeren Zeiten möglicherweise im Gefängnis endet.“ Narzissmus werde heute als Persönlichkeitsmerkmal verstanden, das bei jedem Menschen angelegt, allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt sei. Problematisch werde Narzissmus allein durch die Dosis. Fantasien von Macht und Erfolg

ILLUSTR ATIONEN: DANIEL BALZER

„Kern des Narzissmus ist ein Selbstwertproblem“, meint Röpke. „Dieses geringe Selbstwertgefühl versucht der Narzisst zu stabilisieren, indem er zum Beispiel sich aufwertet und andere abwertet.“ Seit 1982 wird die narzisstische Persönlichkeitsstörung im Diagnosemanual DSM als eigenständiges Störungsbild erfasst. Im DSM-5 von 2013 werden diverse Merkmale aufgelistet – vom übertriebenen Selbstwertgefühl über andauernde Fantasien von Macht und Erfolg bis hin zu Neid und arrogantem Verhalten. Um den Grad einer Störung zu erreichen, müssen Kognition, Affektivität, Impulskontrolle und Beziehungen dauerhaft von der Norm abweichen. Doch „entscheidend dafür, ob eine narzisstische Persönlichkeitsstörung vorliegt, ist der Leidensdruck des Betroffenen“, sagt Röpke. Demnach kann man sich also permanent für den Größten und Besten halten und sich suchtartig nach Bewunderung verzehren, ohne dass sich daraus per se dringender therapeutischer Behandlungsbedarf ergibt. In einigen Milieus und Berufen ist der Egotrip geradezu ein Erfolgsrezept und kann dabei helfen, in die Chefetagen aufzusteigen. Überall, wo Durchsetzungsvermögen und Entscheidungsstärke gefragt sind, kann der Narzisst glänzen und die Bewunderung aufsaugen, die er so sehnlich begehrt. Etwa beim Militär, in Behörden oder Konzernen mit einer autoritätsfixierten Unternehmenskultur. „Das narzisstische Bedürfnis nach sozialer Anerkennung deckt sich mit gesellschaftlichen Werten wie Ehrgeiz, Leistungsstreben und Erfolg“, sagt Sabine C. Herpertz, Direktorin für Allgemeine Psychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg. „Wo es deutliche Hierarchien gibt und Führung erwartet wird, kann ein narzisstischer Persönlichkeitsstil erfolgreich sein. Wenn kooperatives Verhalten gefragt ist, bereitet dieser Stil allerdings Probleme.“ Denn PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016

der Narzisst ist ein miserabler Teamspieler. Er neigt dazu, soziale Kontakte danach auszuwählen, ob sie ihm nützen. Gern buckelt er nach oben und tritt nach unten. Auf Kritik reagiert er hochempfindlich. Vergleichsweise harmlose Auslöser könnten Wut, Hass, ja sogar Gewalt bewirken, so Stefan Röpke. Narzissten sind denkbar schlecht dafür ausgestattet, dauerhaft tiefe und erfüllende Beziehungen zu führen. „Zwischenmenschlich ist nämlich nicht Durchsetzungsfähigkeit gefragt, sondern Kompromissfähigkeit“, sagt Herpertz. „Um mit einem Partner gleichberechtigt zusammenzuleben, müsste der Narzisst einen deutlich anderen Stil pflegen als im Beruf.“ Dieses Defizit, emotionale Gleichberechtigung herzustellen, hält auch Röpke für gravierend. Solche Partnerschaften litten daher langfristig an einem Mangel an Empathie und Wärme. In der ersten Beziehungsphase wird der narzisstische Partner noch als reizvoll und aufregend erlebt. Studien belegen eine Art Blendereffekt. In ersten Begegnungen kann der Narzisst seine Gesprächspartner mit Charme, Witz, Intelligenz und attraktivem Selbstbewusstsein betören. Seine Selbstbezogenheit wird erst nach mehreren Treffen als störend empfunden. In Liebesbeziehungen womöglich noch später, weil der Partner anfangs idealisiert und negative Facetten eher ignoriert werden. „Erst wenn die rosarote Brille einer realistischen Sichtweise weicht, erkennt man die narzisstischen Eigenschaften“, sagt Röpke. „Dann ist man aber möglicherweise schon eine tiefe Beziehung eingegangen, hat geheiratet oder ein gemeinsames Kind. Dem Angehörigen bleibt als letzte Möglichkeit nur, mit der Konsequenz zu drohen: Wenn wir uns keine Hilfe suchen, bin ich weg.“ Psychiaterin Herpertz rät Angehörigen, sich nicht zu unterwerfen oder unterzuordnen. Darauf reagiere der Narzisst nur mit Abwertung. Stattdessen sollten eigene Interessen und Autonomie nicht aufgegeben werden. Viele, die in einer Partnerschaft dauerhaft nicht wahrgenommen werden oder etwa durch narzisstisch motivierte Seitensprünge tief verletzt werden, leiden heftig an der Seite eines Menschen, der sich selbst mehr als alle anderen liebt. „Therapie? Ich bin perfekt!“

Doch auch wenn daheim Konflikte und Streit zum Dauerzustand werden – von sich aus wird ein Narzisst keine Hilfe suchen. Nicht mal, wenn sein Verhalten offenkundig dazu beiträgt, die Familie zu zerrütten oder Partnerschaften regelmäßig in die Brüche gehen. Das liegt an der Ich-Syntonie seiner Persönlichkeit: Er selbst empfindet sich ja nicht als 59


Trainieren bis zum Umfallen Sie steigern ständig ihr Training und leiden unter Entzug, wenn sie es absetzen. Für gar nicht so wenige Menschen wird Sport zur Sucht. Mit der Zeit ruinieren sie damit nicht nur ihren Körper VON THOMAS MÜLLER

D

ie junge Frau konnte es nicht fassen: Die Blasen an den Füßen wollten einfach nicht verschwinden, dabei rannte sie kaum noch, ja machte fast gar keinen Sport mehr, nur noch etwas Radfahren. Aber das belaste den Fuß doch kaum, sagte sie ihrem Arzt. Der fragte, wie viel sie mit dem Rad täglich unterwegs sei. „Nicht viel, nur drei bis vier Stunden am Tag. Und wenn es nicht regnet, auch in der Mittagspause.“ Mit diesem Beispiel macht der Psychiater Karl-Jürgen Bär auf ein Phänomen aufmerksam, das immer noch unterschätzt wird: Sport als Suchtmittel.

62

„Ein Problem für die Suchtentwicklung ist die hohe gesellschaftliche Akzeptanz von Sport“, erläutert Bär, stellvertretender Direktor der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Jena. Wer viel Sport treibt und es schafft, regelmäßig seinen inneren Schweinehund zu überwinden, der wird häufig bewundert, erhält ein positives Feedback. Noch in den 1970er Jahren wurde die Sportsucht glorifiziert. Der US-Psychiater William Glasser sprach von einer positive addiction – einer positiven Abhängigkeit. Er sah darin einen „wichtigen und neuen Weg für Sportler, mental noch stärker zu werden“. Kein Wunder, dass sich so mancher Ausdauersportler damit brüsPSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016


tet, den Sport zu brauchen, sich nicht wohlzufühlen, wenn er nicht trainiert, ja süchtig danach zu sein. Was Psychologen und Psychiater unter Sportsucht verstehen, geht jedoch noch viel weiter: Für sie beginnt die Abhängigkeit, wenn das Training zum Zwang wird, wenn es jedes Maß sprengt, wenn Schmerzen und Verletzungen ignoriert werden und keine Zeit mehr für Freunde und Familie bleibt. Dann, so Bär, lassen sich oft auch Merkmale beobachten, wie sie für andere Suchterkrankungen typisch sind: Entzugserscheinungen mit Reizbarkeit, Ängsten und Depressivität sowie eine steigende Toleranz, die immer weitere Strecken erforderlich macht, damit sich eine positive Stimmung einstellt. Schließlich fühlen sich die Athleten zunehmend fremdbestimmt und verlieren die Kontrolle über ihr Verhalten. Sie haben dann zwar den Wunsch, ihr Pensum zu reduzieren, solche Versuche scheitern aber regelmäßig. Andere Aktivitäten geraten zunehmend in den Hintergrund, auch Freizeit und Urlaub stehen nur noch im Zeichen des Trainings. Oft geht das so lange gut, bis schwere Verletzungen auftreten. Manche laufen auch, bis sie buchstäblich tot umfallen.

ILLUSTR ATIONEN: RÜDIGER TREBELS

Auf Bewegung fixiert

Wie sehr eine Sportsucht das Leben dominieren kann, erläuterte Bär vor kurzem auf dem Psychiatriekongress in Berlin am Beispiel einer Profischwimmerin. Die Frau erinnert sich daran, schon als Jugendliche „auf Bewegung fixiert“ gewesen zu sein. Sie spielte Basketball, nahm an Crossläufen teil, wobei sie das Trainingspensum mit der Zeit immer mehr steigerte. Irgendwann stand sie bereits morgens um vier Uhr auf, damit sie das viele Laufen, Schwimmen und Fitnesstraining überhaupt noch in ihren Tagesablauf integrieren konnte. „Ich bin auf vier bis fünf Stunden Training gekommen, und zwar sieben Tage die Woche. Einmal habe ich 91 Tage ohne Pause durchtrainiert.“ Die harte Arbeit zahlte sich aus: Sie wurde gut im Schwimmen und nahm an Weltcups teil, belegte dabei vordere Plätze. Genießen konnte sie es aber nicht. „Es war eine Art Hassliebe, ich war ständig gehetzt und getrieben, der Sport hat mich völlig absorbiert.“ Für eine vernünftige Ernährung war da keine Zeit mehr. Abends verschlang sie drei Nutellabrote im Stehen. Sie ignorierte Schmerzen, trainierte trotz Sehnenscheidenentzündung weiter, brach einmal nach dem Training zusammen. Ihre Stimmungsschwankungen nahmen drastisch zu. Irgendwann sagten ihre Freunde: „Du bist sportsüchtig.“ PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016

Letztlich half aber keine Einsicht, sondern ein medizinischer Befund, der ihre Karriere beendete: Sie bekam Herzrhythmusstörungen und war dadurch für lange Zeit zur Bewegungslosigkeit verurteilt. Inzwischen darf sie wieder schwimmen, aber mit hartem Training ist nun Schluss. Nicht immer kriegen die Betroffenen noch die Kurve. Bär kann auch von Sportsüchtigen berichten, die nach einem Unfall Suizid begingen – weil sie nicht mehr trainieren konnten. Wie viele Menschen betroffen sind, lässt sich nur schwer feststellen. Jedenfalls wird seit den 1990er Jahren von einer steigenden Zahl Sportsüchtiger berichtet. Psychologen um Simone Breuer und Jens Kleinert von der Deutschen Sporthochschule in Köln vermuten, dass etwa jeder Hundertste Sportler Auffälligkeiten zeigt, jeder Tausendste ernsthafte Symptome hat und einer von Zehntausend behandelt werden muss. Eine Untersuchung von Sportwissenschaftlern um Heiko Ziemainz von der Universität Erlangen-Nürnberg kommt zu einem deutlich höheren Anteil. Die Forscher hatten über 1000 Teilnehmer von Ausdauersportveranstaltungen mithilfe eines speziellen Fragebogens interviewt. Bei rund fünf Prozent stellten sie ein erhebliches Risiko für ein Suchtverhalten fest. Jüngere Sportler waren öfter betroffen als ältere, Frauen ebenso häufig wie Männer. Allerdings sagt das Trainingspensum allein wenig über die Suchtgefahr aus. „Wer als Leistungssportler zehnmal die Woche trainiert, ist nicht unbedingt süchtig, der hat zunächst einmal eine starke Bindung an den Sport“, erläutert Thomas Schack von der Universität Bielefeld. Mit einer Sportsucht hingegen ruinierten Betroffene schnell ihren Körper, so der Vizepräsident der Internationalen Gesellschaft für Sportpsychologie. Daran kann ein Leistungssportler kein Interesse haben. Auch Breuer und Kleinert gehen davon aus, dass eher Freizeitsportler gefährdet sind, die Kontrolle über das Training zu verlieren. Körpereigenes Drogenlabor unter Verdacht

Doch wie kommt es, dass manche sich nach einem Knochenbruch den Gips selbst abnehmen, um wieder laufen zu können, trotz Herzklappenfehler an Ultramarathons teilnehmen oder lieber ihre Ehe riskieren, als ihr Kilometerpensum einzuschränken? Lange Zeit verdächtigten Forscher das körpereigene Drogenlabor. So werden unter starker Belastung Substanzen ausgeschüttet, die mit Opium- und Cannabiswirkstoffen verwandt sind. Zunächst galt β-Endorphin als Favorit. Die Substanz wurde verdächtigt, rauschartige Zustände wie das Runner’s 63


„Integration ist der beste Schutz gegen Terrorismus“ Nach den Anschlägen von Paris und Brüssel signalisierten Politiker mit dem Satz „Wir sind im Krieg“ Kampfbereitschaft. Doch der islamistische Terror ist durch militärische Aktionen nicht zu schwächen, wie der Politikwissenschaftler Dr. Andreas Bock belegt. Was aber können wir dann tun, damit Terrorangst nicht unsere Seelen auffrisst?

66

PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016


Paris: 130 Tote, 350 zum Teil Schwerverletzte.

annahmen und Vorurteilen über die soziale Welt und ihrer Akteure, die durch eigene Erfahrungen, aber auch kollektive Erinnerungen oder mediale Berichterstattung geprägt werden und die uns helfen, die Informationsflut einer überkomplexen sozialen Realität zu bewältigen. Damit erfüllen Mindmaps eine kognitiv entlastende Funktion, sie führen aber auch zu einer Wahrnehmungsbeeinflussung oder, wie es der Politikwissenschaftler Robert Jervis formuliert hat: „People perceive what they expect to be present“, also: „Menschen nehmen wahr, was sie erwarten.“ Entsprechend schätzen wir das Bedrohungspotenzial von radikalislamischen oder islamistischen Organisationen wie dem Daesh heute so hoch ein, weil sie scheinbar breite Unterstützung, auch in den westlichen Gesellschaften, genießen. Der Verfassungsschutz rechnet aktuell etwa 1000 Menschen zum „islamistisch-terroristischen“ Spektrum. Darunter sind etwa 420 sogenannte Gefährder, denen die Polizei Terroranschläge oder andere schwere politisch motivierte Gewalttaten grundsätzlich zutraut.

Brüssel: 31 Tote, über 300 Verletzte. Der islamistische Terrorismus versetzt Europa in Angst und Schrecken. Wie schätzen Sie als Terrorismusforscher die Gefahr ein?

Zunächst einmal ist die öffentliche Fokussierung auf den sogenannten Islamischen Staat – oder Daesh*, wie man besser sagen sollte – ganz im Sinne der Terroristen. Denn das Ziel terroristischer Gewalt ist, unser Denken zu besetzen, die Terroristen stärker und gefährlicher erscheinen zu lassen, als sie eigentlich sind. Heißt das, die Bedrohung, die wir angesichts der Bilder von Brüssel und Paris empfinden, ist unbegründet?

FOTO (LINKE SEITE): PATT Y 197 1!/!PHOTOCASE.DE

Nein. Die Bedrohung durch Terrorismus ist natürlich real, sie war es auch in den Jahren vor 9/11 oder vor den Anschlägen von Paris und Brüssel. Die Global Terrorism Database (GTD) der Universität von Maryland zählt allein für 2014 mehr als 16 800 terroristische Anschläge weltweit; seit 1970 kommt die GTD sogar auf mehr als 140 000 Anschläge. Was sich mit den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon 2001 verändert hat, ist unsere Wahrnehmung. Terrorismus, genauer: der islamistische Terrorismus erscheint uns heute als unmittelbare und existenzielle Bedrohung. Eine Tendenz, die die Anschläge von Paris und Brüssel nur noch verstärkt haben. Dass das Risiko, in Europa Opfer eines Terroranschlags zu werden – darauf hat der Risikoforscher Ortwin Renn hingewiesen –, geringer sei, „als die Gefahr, an einer Pilzvergiftung zu sterben“, spielt dabei keine Rolle. Unsere Bedrohungswahrnehmung hängt wesentlich von der medialen Repräsentation der terroristischen Bedrohung und der staatlichen Reaktion auf den Terrorismus ab: Gerade weil man dem islamistischen Terrorismus solche Aufmerksamkeit schenkt und massiv, etwa durch militärische Gewalt, auf ihn reagiert, erscheint er so gefährlich. Das ist Teil des terroristischen Kalküls.

Da dem so ist – haben dann die Mindmaps nicht auch eine schützende Funktion? Sie erhöhen die Wachsamkeit und können unter Umständen vielleicht sogar Anschläge vereiteln?

Wollen Sie sagen: Würden die Medien und die Politik den terroristischen Anschlägen weniger Aufmerksamkeit schenken, wäre die Bedrohung geringer?

Die Bedrohungswahrnehmung sicherlich. Denn das Bedrohungspotenzial – also die Gefährlichkeit, die wir mit einem sozialen Akteur verbinden – ist eine psychologische Kategorie, die mit der öffentlichen Wahrnehmung terroristischer Gewalt korreliert und von der sozialen Konstruktion sogenannter Mindmaps terroristischer Organisationen und ihrer Unterstützer profitiert. Mindmaps sind Sätze von VorPSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016

Dr. Andreas M. Bock ist Professor für Politikwissenschaft, internationale Notund Katastrophenhilfe an der AkkonHochschule für Humanwissenschaften in Berlin und Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg.

Nicht unbedingt. Wie Mindmaps eine terroristische Bedrohung konstruieren, zeigt das Beispiel jenes Mannes, der am 22. Januar 2016 in einem Kölner Baumarkt Chemikalien gekauft hat, „aus denen man mit entsprechenden Kenntnissen ein explosionsfähiges Gemisch herstellen kann“, wie es die Kölner Polizei formulierte. Offensichtlich aber war nicht nur die Menge gekaufter Chemikalien für die Alarmierung der Polizei verantwortlich, sondern das Aussehen des Mannes als „aus dem Nahen Osten stammend“. Das Problem an solchen Mindmaps ist, dass sie praktisch nicht falsifizierbar sind: Jede Information kann so interpretiert werden, dass sie mit den Vorannahmen zusammenpasst. Darum muss die Tatsache, dass es in Deutschland seit 1945 einen einzigen Anschlag mit islamistischem Hintergrund gab – im März 2011 tötete ein 21-jähriger muslimischer Kosovo-Albaner am Frankfurter Flughafen zwei USSoldaten und verletzte zwei weitere schwer –, nicht zu einer Korrektur der Bedrohungswahrnehmung führen. Ebenso gut kann man das Ausbleiben islamistischer Anschläge als Indiz für die Effektivität des staatlichen Sicherheitsapparates werten – und an der Grundannahme eines bedrohlichen Islams festhalten. Eine analoge Bedrohungswahrnehmung durch einen rechtsextremen Terrorismus ist – trotz 67


SERIE: LEBEN IM DIGITALEN ZEITALTER (4)

„Du nutzloses Stück Dreck!“ Im Internet wird beleidigt, gehetzt, gedroht. Sogenannte Trolle attackieren Politiker und Journalistinnen, aber auch den Nachbarn, dessen Meinung ihnen nicht passt. Was steckt hinter dem Hass im Internet? Und was kann man dagegen tun? Fünf Thesen und der Versuch einer Antwort

ILLUSTR ATIONEN: MICHEL STREICH

VON JOCHEN METZGER

70


S

o eine hohle Frucht! Gleich in das Mähwerk von einem Mähdrescher werfen!“ „Ich schlage keine Frauen, aber bei dir würde ich eine Ausnahme machen.“ „Du fette, dämliche Ratte.“ „Du ekelhaftes, fettes Schwein.“ Das sind Beiträge, die auf Facebook geschrieben wurden. Sie landeten alle auf der Seite von Katrin Göring-Eckardt; die Grünen-Politikern zitiert sie in einem YouTube-Video, mit dem sie dokumentieren will, welcher Ton gerade herrscht in einigen Teilen des Internets. Was die Thüringerin zur Zielscheibe der Hassbeiträge werden ließ, war im Grunde eine Bagatelle: Sie hatte sich im Bundestag einen selbstironischen Scherz über Flüchtlinge und Ostdeutsche erlaubt. Noch schlimmer liest sich der Fall von Caroline Criado-Perez. Der britischen Publizistin war aufgefallen, dass auf den heimischen Geldscheinen außer der Queen bald nur Männer zu sehen sein würden. Also startete sie eine Kampagne, die vor allem zwei Dinge bewirkte: Erstens, dass ab 2017 ein Porträt der Dichterin Jane Austen die Rückseite der neuen ZehnPfund-Note zieren wird. Und zweitens, dass CriadoPerez’ Twitter-Account zur Zielscheibe heftigsten Hasses wurde. Innerhalb weniger Wochen erhielt sie mehrere Zehntausend Posts – im Durchschnitt dauerte es stets nur drei Sekunden bis zur nächsten Nachricht. Mehrere Hundert davon gingen weit über den Tatbestand der Beleidigung hinaus („Stirb, du nutzloses Stück Dreck!“ „Ich werde dich finden!“ „Ich schätze, manche Frauen brauchen von Zeit zu Zeit einfach ’ne tüchtige Vergewaltigung“). Zwei der Drohbriefschreiber wurden später von einem britischen Gericht zu Haftstrafen verurteilt.

Was passiert da im Internet? Woher kommt der Hass? Fünf Thesen und der Versuch einer Antwort. Schuld an allem ist die Anonymität

Das ist zum Teil richtig. Es gibt zu diesem Punkt mehrere Studien, die sich methodisch alle ähneln. Man nimmt eine Reihe von Kommentaren, die unter Klarnamen ins Netz gestellt wurden. Dann vergleicht man deren Inhalt und Sprache mit anonymen Kommentaren. Die Statistik offenbart, was jeder vermuten würde: Die anonymen Posts enthalten mehr Provokationen, mehr Beleidigungen, mehr unzivilisiertes Verhalten. Warum ist das so? Die meisten Psychologen sehen einen Prozess am Werk, den man „Deindividuation“ nennt. In der Welt außerhalb des Internets ereignet er sich dort, wo Menschen aufhören, selbstverantwortliche Personen zu sein: in der Fankurve während eines Fußballspiels; in Gruppen, die Uniformen tragen – oder wenn man am 14. Juli 1789 in Paris gerade dabei ist, die Bastille zu stürmen und dadurch die Französische Revolution loszutreten. In all diesen Situationen tun wir Dinge, die wir als Einzelmensch niemals tun würden – wir werden Teil eines wütenden Mobs. Einige der inspirierendsten Stücke psychologischer Literatur wurden über dieses Phänomen geschrieben: Gustave Le Bons Psychologie der Massen oder Freuds Massenpsychologie und Ich-Analyse (siehe auch Seite 12). Doch wird tatsächlich alles gut, wenn man die Anonymität im Netz beseitigt? Genau das dachten Politiker in Südkorea und erließen ein entsprechendes Gesetz. Anlass dafür war ein tagespolitisches Ereignis: Eine bekannte Schauspielerin hatte sich nach Wochen perfider (und anonymer) Internethetze erhängt. Doch drei Jahre später erklärten Koreas Verfassungsrichter den Erlass für nichtig. Ihr Hauptargument: Die Anonymität im Netz sei ein wesentlicher Beitrag zur Meinungsfreiheit. Man kritisiert Missstände einfach offener, wenn man keine persönlichen Konsequenzen befürchten muss. Mit anderen Worten: Eine umfassende Klarnamenpflicht schwächt die Demokratie eines Landes. Doch es gab noch ein zweites Argument: Eine Studie hatte nämlich gezeigt, dass die Anzahl der Pöbeleien unter dem neuen Gesetz praktisch nicht zurückgegangen war. Wer Hassbotschaften versendet, ist ein schlechter Mensch

Da könnte etwas dran sein. Zumindest dort, wo es sich bei den Pöbeleien um sogenanntes Trolling handelt. Trolling geschieht nicht aus einem Impuls der Wut heraus oder aus der Hitze einer heftigen DisPSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016

71


IM NÄCHSTEN HEFT DIE JULIAUSGABE ERSCHEINT AM 8. JUNI 2016

TITELTHEMA

WENN DER GROSCHEN FÄLLT Lange grübelt man über ein Problem oder eine Aufgabe nach – und plötzlich weiß man die Lösung. Warum sie auf einmal auftaucht? Das ist oft unklar. Doch Geistesblitze sind nicht so mysteriös, wie wir glauben. Und schon gar nicht sind sie Zufall.

PROBIER’S MAL MIT MUSIK! Wir Menschen sind zutiefst musikalische Wesen. Von der Wiege an sind wir empfänglich für Melodien. Musik hilft uns, den inneren Stress herunterzufahren oder aus einer miesen Stimmung herauszufinden, und sie tröstet uns in der Trauer. Aber das ist längst nicht alles. In einem Forschungsprojekt wurde der Werdegang von Kindern verfolgt, die gezielt ein Instrument erlernten – mit erstaunlichen Ergebnissen.

DOSSIER: „TRUGBILD TRAUMJOB“ Wenn die Arbeit nervt, träumen viele von einer neuen Tätigkeit – in der Hoffnung, dass sie mit ihr zufriedener sein werden. Doch die hohen Erwartungen lassen sich oft nicht erfüllen: Alte Probleme treten auch im Traumjob wieder auf, ungeahnte neue kommen hinzu. Welche Schwierigkeiten lassen sich ohne Wechsel lösen? Wie finden wir Sinn in einer Arbeit, die uns zunehmend sinnlos erscheint? AUSSERDEM ●

UNSICHERE ZEITEN Terroranschläge, Flüchtlinge, die umstrittene Geldpolitik der EZB – die täglichen Nachrichten taugen nicht dazu, uns in Sicherheit zu wiegen. Auch unser privates Leben ist widersprüchlich und kompliziert. Viele Fragen lassen sich auf ganz unterschiedliche Weise beantworten, und oft muss man sich in unvertraute Situationen begeben, ohne zu wissen, was einen erwartet. Welche Auswirkungen hat diese Vielfalt an Ungewissheit auf uns? Wie halten wir die Unsicherheit aus? Welche psychischen Voraussetzungen brauchen wir dafür? Und können wir lernen, ein gutes Leben im unsicheren zu führen?

94

Über die Liebe, den Zweifel und andere wichtige Dinge des Lebens: Der Heidelberger Psychotherapeut Arnold Retzer im Gespräch Bett statt Strand: Warum wird man ausgerechnet in der Freizeit krank? Fußball-EM: Die Psychologie der Fan-Gesänge

PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016


FÜR LANGDUSCHER UND VIELLESER. + mit dem Shower Coach bis zu 20.000 Liter Wasser pro Jahr sparen + kuscheliges Handtuch aus Bio-Baumwolle + 12 x »Psychologie Heute« + Kostenfreier Archivzugang + Nur € 66,90 im Jahr

Studentenabo 20% GÜNSTIGER

+

+ ALLE PRÄMIEN AUF WWW.ABO-PSYCHOLOGIE-HEUTE.DE


NOCH MEHR Psychologie Heute digital lesen Unsere Hefte gibt es auch als App. Lesen Sie Psychologie Heute am PC, auf dem Smartphone, iPad, Kindle oder Android-Tablet. www.psychologie-heute.de/ph-digital

Über 180 000 Fans! Besuchen Sie uns auf Facebook! Hier finden Sie die neuesten Nachrichten aus der Redaktion, wertvolle Buch- und Filmtipps, kostenlose Leseproben und vieles mehr. Über 180 000 Fans freuen sich darüber – und wir freuen uns, wenn Sie auch bald dazugehören.

Neues aus der Wissenschaft Neuigkeiten aus der psychologischen Forschung stellen wir Ihnen jede Woche in unseren Onlinenews vor. Lesen Sie mehr über Familie & Erziehung, Gesundheit & Psyche, Arbeit & Freizeit und andere Themen. www.psychologie-heute.de/news

Immer informiert Wenn Sie kein wichtiges Thema verpassen wollen, dann brauchen Sie den Psychologie Heute-Newsletter. Er informiert Sie zuverlässig jeden Monat über unsere Themen, bietet kostenlose Leseproben, berichtet über Neues auf der Website und vieles mehr. Hier können Sie unseren Newsletter bestellen: www.psychologie-heute.de/service/newsletter

20!%

Günstiger

106

Lust auf ein Studentenabo? Studenten erhalten unser beliebtes Abonnement 20 Prozent günstiger – eine Prämie und den kostenlosen unbeschränkten Zugriff auf unser Onlinearchiv gibt es obendrauf. Sie können wählen zwischen dem „normalen“ Studentenabo mit 12 Monatsheften und dem Abo Plus inklusive unseren vier jährlichen Compact-Heften. www.psychologie-heute-abo.kohlibri.de/ PSYCHOLOGIE HEUTE

06/2016


GENUSS trรถstet die Seele. Alles, was sie beruhigt

IST KEINE SรœNDE.

ALS H C U A APP

DAS BEWEGT MICH!

PSYCHOLOGIE HEUTE

WWW.PSYCHOLOGIE-HEUTE.DE

Psychologie Heute 06/2016 Leseprobe  

Leseprobe der Ausgabe 06/2016 // Titelthema: "Drüber stehn!" Wir alle hätten gern ein dickes Fell. Kränkungen und Kritik würden wir am lieb...

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you