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PSYCHOLOGIE HEUTE

264 Seiten, gebunden im Schutzumschlag € 19,95 D | ISBN 978-3-407-86436-9 Auch als erhältlich

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In der Altersmedizin läuft heute einiges schief: schädliche Therapien, zu viele Medikamente, zu wenig Zeit und Beratung. Der Journalist Raimund Schmid deckt die fatalen Mechanismen im deutschen Gesundheitssystem auf, gleichzeitig zeigt er aber auch an Beispielen, wie eine auf die spezifischen Bedürfnisse alter Menschen ausgerichtete Gesundheitsleistung aussehen kann. Er benennt klar, was angesichts des demografischen Wandels nicht nur jeder Einzelne, sondern die Gesellschaft praktisch, politisch und präventiv tun muss.

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P S YC H O LO G I E H E U T E

Alt und krank – ein Albtraum?

Nr. 48

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264 Seiten, i broschiert. b hi ISBN 978-3-407-85756-9 erhältlich. Auch als

164 Seiten, i gebunden. b d ISBN 978-3-407-86425-3 erhältlich. Auch als

320 Seiten, gebunden. ISBN 978-3-407-86402-4 erhältlich. Auch als

H E F T 48 2017

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I CH B I N I C H

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Leseproben auf www.beltz.de

Ich bin ich Was Sie prägt – Was Sie antreibt Was noch in Ihnen steckt


Inhalt

HEFT 48

WER BIN ICH?

WIE BIN ICH?

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Ich will endlich ich sein! HE I KO E RNST

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Das Ich auf Lebenswanderschaft

T H O MA S S A U M- A L D E H O F F

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WERNER GREVE

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Identität ist eher Werden als Sein

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Ich! Großartig!

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Selbstsuche – Eine kurze Geschichte des Ich

Sind Sie ein Ablenker oder ein Alarmist? T H O MA S S A U M- A L D E H O F F

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Leicht neben der Spur U R S U L A N UB E R

SIL KE PFERS D O RF

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Ständig auf Empfang S U S I E R E I N H A R D T U N D AX E L W O L F

E VA J A E GG I I M GES P RÄC H

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Die verkannten Stillen ANNA ROMING

PAU L V E R HAE GH E

26 „Ist das noch der alte Adam?“

Typenlehre

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F R I T Z BRE I T H AU PT

Unsere blinden Flecken HEIKO ERNST

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Test: Sehen Sie hier auch eine Fledermaus? JO C H E N M E T Z GE R

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I M P R E S S U M

REDAK TION

Werderstraße 10, 69469 Weinheim Postfach 100154, 69441 Weinheim Telefon: 06201/6007-0 Telefax: 06201/6007-382 (Redaktion), 6007-310 (Verlag) W W W.PSYCHOLOGIE-HEUTE.DE HERAUSGEBER UND VERLAG

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Ursula Nuber REDAKTION

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Claudia Klinger c/o Psychologie Heute Postfach 100154, 69441 Weinheim Telefon: 06201/6007-386 Telefax: 06201/6007-9331 FRAGEN ZU ABONNEMENT UND EINZELHEFTBESTELLUNG

KANN ICH ANDERS? 70

Erproben Sie Ihr Anti-Ich! AXE L WOL F

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Mal bin ich so, mal so INGR I D G L O M P

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„Eine Partnerschaft prägt die Persönlichkeit“ FR A NZ NEYER UND CH R I S TI NE F I NN I M G E S P R Ä C H

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DRUCK Druckhaus Kaufmann, 77933 Lahr VERTRIEB ZEITSCHRIF TENHANDEL

(Fast) Jeder kann aus seiner Haut ANNE TT E S C H Ä F ER

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Beltz Kundenservice Postfach 10 05 65, 69445 Weinheim Telefon: 06201/6007-330 / Fax: 06201/6007-9331 E-Mail: medienservice@beltz.de www.psychologie-heute.de

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Magazin

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PSYCHOLOGIE HEUTE 43254

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Impressum

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Editorial

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Fotos: suze, Stihl024, inkje / photocase.de

BILDQUELLEN

Ich bin ich Was Sie prägt – Was Sie antreibt Was noch in Ihnen steckt

Best.-Nr.: 47235 ISBN 978-3-407-47235-9 5


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ICH WILL ENDLICH ICH SEIN! Wir alle haben die Sehnsucht, wir selbst zu sein, ohne die Heuchelei, die Selbstdarstellung, bei der wir uns ständig ertappen. Doch so paradox das klingt – „authentisch“ leben, also einfach nur ich sein ist gar nicht so leicht VON HEIKO ERNST

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ie Suche nach dem authentischen oder wahren Ich begleitet den Menschen ein Leben lang: Nachdem wir als Kinder erstmals erkannt haben, dass wir selbst das Wesen sind, das uns aus dem Spiegel anguckt, wollen wir es immer genauer kennenlernen. Entwicklung ist auch die Entfaltung dieses Selbst, das heißt: all der Eigenschaften, Talente, Möglichkeiten, die in uns angelegt sind. Aber schon früh ist die Authentizität gefährdet, wenn sie rigorosen und ausschließlich fremdbestimmten Erziehungs- und Bildungszielen unterworfen wird. Als Jugendliche wollen und müssen wir herausfinden, wer wir wirklich sind, indem wir uns von den Eltern lösen, mit unterschiedlichen Rollen experimentieren und unsere Grenzen testen. Später versuchen wir, den Beruf zu finden, der zu unseren Talenten und Temperamenten passt. Und auch im Privatleben streben wir nach Echtheit: Wir schätzen wahre Freundschaften, und in Partnerschaften wollen wir um unserer selbst willen geliebt werden. Kurz: Wir wollen so leben, dass wir uns selbst treu bleiben können. Und wir leiden, wenn wir uns verbiegen und derart an Verhältnisse oder Menschen anpassen müssen, dass wir dies als Verrat an unserem Selbstbild empfinden.

Was es braucht, um authentisch zu sein Die Sozialpsychologen Michael Kernis und Brian Goldman haben in mehreren Studien untersucht, wie sich das Streben nach Authentizität auf das Wohlbefinden und die psychische 15


„Ist das noch der alte Adam?“ In unserer sich schnell verändernden Zeit ist es eine große Herausforderung, mit sich identisch zu bleiben. Ein Gespräch mit der Psychologin Eva Jaeggi

Neulich habe ich geträumt, ich verreise und mein Koffer kommt nicht an. Steckt dahinter die Angst, fern der Heimat ein Stück meiner Identität zu verlieren? Nun, Träume haben für mich als Psychoanalytikerin nie eine allen Menschen gemeinsame Bedeutung, es kommt dabei immer auf die privaten Assoziationen des Träumers an. Es könnte sich aber auch um einen Traum von verlorener Heimatidentität handeln. In einer Zeit großer räumlicher Mobilität haben viele Menschen wenig Heimatgefühl und sind im Laufe ihres Lebens oft in mehreren Heimaten zu Hause. Identität, was ist das eigentlich? Sehr vage formuliert: Es ist das Gefühl, das ein Mensch für seine Besonderheiten hat. Das wichtigste Merkmal ist seine Dynamik. Identität ist ein Prozess, der sich aus vielen Facetten zusammensetzt und sich im Laufe eines Lebens immer wieder verändert. Man muss sich diese Veränderung natürlich nicht so vorstellen, als würde man ein gänzlich anderer und neuer Mensch. Es gibt diesbezüglich 26

zwei Seiten, die sich dabei durchkreuzen. Die eine Seite sagt: Ich bin doch letztlich immer noch der, der ich war. Die andere sagt: War ich das wirklich, damals vor 20 oder 30 Jahren? Und es gelingt wohl niemandem, der sich selbst gegenüber ehrlich ist, eine endgültige Antwort zu finden. Es bleibt – bei aller Einsicht und wie sehr man sich auch gewandelt hat – das vorherrschende Gefühl, man sei letztlich stets dieselbe Person geblieben. Wie man diese dann beschreibt, das verändert sich. Gibt es weitere charakteristische Grundzüge? Identität bildet sich im sozialen Umfeld. Von Geburt an wird ein Mensch von anderen als jemand gesehen, der so oder so ist, zum Beispiel niedlich, klug oder trotzig. Es liegt in der Natur der Sprache, dass situative Zustände, in die ein Mensch hineinwächst oder hineingerät, sich oft verselbständigen – so wird ein kleines Mädchen, das sich widerborstig auf den Boden schmeißt, weil es das grüne T-Shirt nicht anziehen will, eben kleiner Trotzkopf genannt. Solche Bezeichnungen sind dann PS YCH OLO G IE H EU TE com p a c t


Foto: David-W- / photocase.de

auch wichtige Bestandteile der Art und Weise, wie wir uns selbst sehen. Da wir im Laufe unseres Lebens mit sehr unterschiedlichen Menschen konfrontiert sind, ändert sich auch das Bild, das wir von uns selbst haben – und das alles trotz des Gefühls, dass wir bei all den Veränderungen auch die Gleichen geblieben sind. Wann beginnt eigentlich das Bewusstwerden der eigenen Persönlichkeit? Die Kindheit spielt von Anfang an eine wichtige Rolle bei der Identitätsbildung. Wir empfinden uns zu Beginn unseres Lebens jedoch vor allem als ein Wesen, das in den Augen der wichtigsten Bezugspersonen gespiegelt wird. Von daher empfangen wir Botschaften darüber, wer wir sind. Aber gleichzeitig – das haben Säuglingsforscher beobachtet – entsteht bereits beim kleinsten Menschenwesen ein verschwommenes Gefühl dafür, dass es etwas Eigenes ist, etwas, das sich auch irgendwie wehren kann gegen das andere. Also, wie wir Psychologen sagen, dass es selbstwirksam sein kann. Das ist dann der Kern

dessen, was wir auch als Erwachsene in der Selbstreflexion empfinden: Ich bin anders als die anderen. Wie sehr können Alter und Krankheiten, aber auch Liebe, Orts-, Berufswechsel das Gefühl für sich selbst verändern? Natürlich sind all diese Erfahrungen bestimmend für unsere Identität, manchmal kann das Gefühl entstehen, man sei durch bestimmte Ereignisse ein ganz neuer Mensch geworden. Es kann aber auch geschehen, dass sich der Prozess dann wieder umkehrt und man spürt, dass es doch noch der „alte Adam“ ist, der sich bemerkbar macht. Es ist übrigens persönlichkeitsspezifisch, ob ein solcher Prozess sich schnell oder langsam vollzieht. Bei Konversionen aller Art lassen sich diese Prozesse besonders gut beobachten. Der Konversion, etwa zu einer anderen Religion, geht oft ein Weg der Irrungen und Unklarheit voraus, bis dann eine Art Damaskuserlebnis eintritt. Können Sie das näher erläutern? Das Damaskuserlebnis ist ein Schlüsselerlebnis, das zu einer einschneidenden Selbsterkenntnis führt, dazu, dass ein Mensch 27


ICH! GROSSARTIG! Schon immer neigten Menschen dazu, sich in Szene zu setzen. Doch nie war Selbstdarstellung so allgegenwärtig wie im Zeitalter von Facebook & Co VON SILKE PFERSDORF

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isa in der U-Bahn, in einem teuren Versace-Mini in der Umkleidekabine, gedankenverloren am Strand. Die Freunde der 22-jährigen Hamburger BWL-Studentin wissen immer, was sie gerade tut, wo sie war, wohin sie will. Sie postet weltmännisch „Off to New York“, wenn sie in den Urlaub fliegt. Macht einen Schnappschuss von sich selbst, ein Selfie, von ihren sandigen Zehen in irgendeinem angesagten Beachclub oder einen mit Flüchtlingskindern, denen sie ein paar Spielzeuge vorbeigebracht hat. 87-mal Daumen hoch, 87 „Likes“ also heimste sie von ihren 542 Freunden für ihr letztes Bild ein. Außerdem jede Menge Komplimente wie „Du siehst so süß aus!“ oder „Bist meine Heldin!“. Natürlich postet Lisa nur bildschöne Selbstporträts, die sie notfalls per Photoshop noch schöner macht; natürlich überlegt sie sich genau, was sie postet. „Macht doch jeder so“, sagt Lisa. Und natürlich hat sie recht. 67 Prozent aller deutschen Internetnutzer sind laut einer Bitkom-Studie in sozialen Netzwerken aktiv – laut IpsosUmfrage im Durchschnitt 2,4 Stunden täglich. Die meisten haben eine eigene Seite mit Profilfoto, posten Links, Likes und ein Stück ihres Lebens – den Teil, den die anderen von ihnen sehen sollen, versteht sich. Sorgfältig wird da am eigenen Image herumgezupft, schadhafte Stellen werden ausgebessert, Schatten überschminkt: die hohe Kunst der Selbstdarstellung. Keine Generation war je narzisstischer als die der heutigen Hauptnutzer von Facebook, ist Psychologieprofessorin Jean Twenge von der San Diego State University überzeugt. Sie glaubt auch: Facebook macht alles noch schlimmer. Na gut, die Menschheit neigte noch nie zu Bescheidenheit, das gockelhafte Federspreizen liegt ihr im Blut: „Alle Menschen definieren sich in ihrem

Selbstbewusstsein auch darüber, wie sie vom anderen wahrgenommen werden“, bestätigt Uwe Hasebrink, Direktor des Instituts für Medienforschung am HansBredow-Institut der Universität Hamburg. Auch ein gewisser Hang zur Überheblichkeit und Selbstüberschätzung ist uns in die Wiege gelegt, weiß Sozialpsychologe Hans-Werner Bierhoff von der Universität Bochum. Wir wollen uns im besten Lichte präsentieren. „Soziale Medien“, erklärt Jan-Hinrik Schmidt, Experte für digitale interaktive Medien am Hamburger Hans-BredowInstitut, „eröffnen Kommunikationsräume, die vorher nicht so leicht verfügbar waren.“ Heißt alles in allem: Der Acker ist zwar größer geworden, die Saat aber ist offenbar noch dieselbe. Es gibt allerdings ein Problem: Der Boden, auf den die Saat fällt, hat sich komplett geändert.

Broadcast yourself! Lange Zeit über galt allzu dreist zur Schau gestellte Selbstbeweihräucherung immerhin noch als peinlich. „Bei den Leuten, die sich trotzdem eine große Öffentlichkeit suchten, um sich zu produzieren, haben wir leicht gesagt: Meine Güte, was für ein Selbstdarsteller“, erinnert sich Jan-Hinrik Schmidt. Jährliche Weihnachtsrundbriefe, in denen die Schreiber ihren Freunden und entfernten Verwandten ausgiebig von ihren liebreizenden und gut geratenen Sprösslingen vorschwärmten, vom schicken Auto und Umzug ins größere Haus, nötigten die Empfänger schon mal zu Augenrollen. „Heute“, so Jan-Hinrik Schmidt, „ist das so normal, dass es uns nicht mehr negativ auffällt.“ Aber warum hat die Selbstdarstellung so rasant zugenommen? „Böse könnte ich sagen: Es fing mit der Unterhaltungsshow Wetten, dass? an“, sagt Schmidt. Bis dahin unauffällige Bürger schafften es mit seltsamen Hobbys ins 31


TYPENLEHRE Jeder Mensch ist einzigartig. Und doch gibt es ein Ordnungssystem, mit dem man die Grundeigenschaften eines jeden zuverlässig einsortieren kann: die Big Five, die fünf großen Achsen der Persönlichkeit VON THOMAS SAUM-ALDEHOFF

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Foto: Gestaltbar / photocase.de

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in Gedankenexperiment: Schicken Sie mal versuchsweise einige ihrer Freundinnen und Freunde über einen imaginären Laufsteg. Nun inspizieren Sie die Ausgewählten, einen nach dem anderen. Wie bewegen sie sich, welchen Gesichtsausdruck haben sie, wie stellen sie sich dar? Ist da zum Beispiel eine, die zaghaft daherschleicht, dem Publikum mit verlegenen Blicken begegnet und sich sichtlich wegwünscht an einen weniger exponierten, vertrauteren Ort? Und flaniert dort eine andere vorüber, die ihren Auftritt völlig unbekümmert absolviert und es sichtlich genießt, sich so in Szene zu setzen? Menschen unterscheiden sich. Das ist banal. Nicht banal ist, dass sie sich auf eine durchaus regelhafte, kategorisierbare Weise unterscheiden. Das Gewimmel der Eigenarten ist nicht so beliebig, wie es scheint. Die Vielfalt hat ein Gerüst, einen verborgenen Ordnungsrahmen. Inspiziert und vergleicht man die persönlichen Eigenarten Tausender von Individuen einer Bevölkerung, so stößt man auf Muster. Manche Merkmale gehören zusammen. Wer gesellig ist, ist auch oft fröhlich, wen oft Ängste plagen, der neigt auch zu Depressionen, und wer Fantasie hat, hat zumeist auch Intellekt. Inzwischen hat sich in der weltweiten Gemeinde der Persönlichkeitsforscher ein Konzept durchgesetzt: das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit, kurz: die Big Five. Die Persönlichkeit eines Menschen lässt sich ziemlich treffsicher anhand von fünf Säulen dingfest machen: Extraversion versus Introversion, Neurotizismus (auch „emotionale Labilität“ genannt), Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Neues. Die Big Five bilden die Grundachsen der Persönlichkeit. Jede beschreibt ein Kontinuum zwischen zwei extremen Eigenschaftspolen, zum Beispiel zwischen Extraversion und Introversion. Und jeder Mensch hat einen für ihn typischen Punkt auf jeder dieser fünf Achsen. Es gibt also nicht bloß extravertierte und introvertierte „Typen“, sondern beliebig

viele Abstufungen dazwischen: sehr extravertiert, ziemlich extravertiert, eher introvertiert und so fort. Um einem Menschen gerecht zu werden, sind diese Nuancen wichtig. Doch wenn man das jeweils Charakteristische an diesen Persönlichkeitszügen herausstellen will, konzentriert man sich am besten auf die Extreme, also eben auf die „typisch“ extravertierten und die „typisch“ introvertierten Vertreter, auf sehr neurotische und sehr ausgeglichene, sehr verträgliche und sehr unverträgliche, sehr gewissenhafte und sehr chaotische Menschen, auf solche, die sehr offen, und solche, die höchst reserviert gegenüber allem Neuen sind.

1. Extraversion und Introversion „Jedermann kennt jene verschlossenen, schwer zu durchschauenden, oft scheuen Naturen, die den denkbar stärksten Gegensatz bilden zu jenen anderen offenen, umgänglichen, öfter heiteren oder wenigstens freundlichen und zugänglichen Charakteren.“ So führte Carl Gustav Jung 1921 in seiner Schrift über Psychologische Typen jenes Gegensatzpaar ein, das es zu so großer Popularität bringen sollte. Was Extravertierte und Introvertierte laut Jung unterscheidet, ist die Ausrichtung ihrer „psychischen Energie“. Extravertierte sind dem zugewandt, was um sie herum passiert. Introvertierte richten ihr Augenmerk hingegen auf ihr eigenes Erleben. Extravertierte haben ihre Schokoladenseite außen, Introvertierte innen (siehe auch den Beitrag auf Seite 46). Das Gegensatzpaar von Extraversion und Introversion ist so etwas wie die Mutter der Big Five. Kein anderer Persönlichkeitszug ist im Verhalten so offensichtlich, kein anderer so sehr zum Allgemeingut geworden, kein anderer so gut erforscht. Er setzt sich zusammen aus diesen Eigenschaften: Herzlichkeit. Extravertierte Frauen und Männer haben ein Talent, zwischenmenschliche Nähe herzustellen. Sie werden mit wildfremden Menschen rasch vertraut, sind verbindlich und zugewandt. Introvertierte Menschen dagegen wirken beim 41


DIE VERKANNTEN STILLEN Mit ihrer wortkargen, zurückhaltenden Art haben es introvertierte Menschen schwer in dieser marktschreierischen Zeit. Sie wirken schüchtern, gehemmt, sogar abweisend – doch nichts davon stimmt VON ANNA ROMING

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eht es Ihnen auch so? Sie sind gerne allein. Wenn Sie tagelang keine Zeit finden, um in Ruhe ein Buch zu lesen, Musik zu hören, sich dem Garten zu widmen oder ganz einfach nur Ihren Gedanken nachzuhängen, werden Sie nervös und geraten unter Stress. Gerne treffen Sie sich mit einem Kollegen oder einer Freundin zum Gedankenaustausch; in einer größeren Gruppe aber fühlen Sie sich oft fehl am Platze. Vor großem Publikum eine Rede halten, das können Sie. Aber danach sind Sie froh, wenn Sie nicht noch allzu viele Fragen beantworten und mit den Veranstaltern einen trinken gehen müssen. Partys sind Ihre Sache nicht, Sie hassen Small Talk, und Sie sind nicht begierig darauf, mit wildfremden Menschen Kontakt zu knüpfen. Wenn all das auf Sie zutrifft, dann sind Sie möglicherweise in den Augen so mancher Zeitgenossen ein seltsamer Mensch: kontaktscheu, schüchtern, menschenfeindlich und arrogant. Ein Eigenbrötler eben, von dem man nie so genau weiß, woran man mit ihm ist. Doch Sie sind nicht schüchtern, Sie sind kein Einzelgänger, Sie sind auch nicht arrogant und schon gar nicht menschenfeindlich. Sie sind schlicht ein introvertierter Typ. Anders als die eher Extravertierten unter ihren Mitmenschen brauchen Sie Zeit für sich allein. 46

Introvertierte und extravertierte Menschen wirken, als kämen sie von verschiedenen Planeten. Introvertierte sind unauffällig, machen nicht viel Lärm um sich, halten sich zurück. Extravertierte dagegen ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Oberflächlich gesehen wirken introvertierte Menschen schüchtern. Aber der Schein trügt. Schüchterne Menschen wünschen sich soziale Kontakte, fürchten aber, den Begegnungen mit anderen nicht gewachsen zu sein. Sie haben Angst, den Ansprüchen ihrer Mitmenschen nicht genügen zu können, sich danebenzubenehmen, etwas Falsches zu sagen. Schüchterne beobachten sich selbst mit Argusaugen, wenn sie in der Öffentlichkeit sind – und kommen dabei im eigenen Urteil schlecht weg. Introvertierte dagegen kennen solche Ängste nicht. Sie sind nicht ungerne mit anderen zusammen, sie besuchen ohne Scheu größere gesellschaftliche Ereignisse. Dort stehen sie aber selten im Mittelpunkt, sondern eher am Rande. Das aber macht ihnen nichts aus. Sie halten sich gerne abseits und beobachten das Geschehen. So wenig introvertierte Menschen schüchtern sind, so wenig sind sie menschenfeindlich. Allerdings ermüden sie schneller als andere in Gesellschaft und suchen dann nach Rückzugsmöglichkeiten. Wenn ein Gespräch zu lange dauert, wenn ein Abend mit Freunden gar nicht enden will, dann sehnen sie sich PS YCH OLO G IE H EU TE com p a c t


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LEICHT NEBEN DER SPUR

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Normal sein, das heißt durchschnittlich, realitätsorientiert zu leben. Wer auffällt, sich unangepasst verhält, gilt schnell als verrückt. Doch so klar ist die Sache nicht VON URSULA NUBER

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in ich normal? Das fragt sich die Frau, die, wie ihre Umgebung meint, schon viel zu lange um ihren Mann trauert. Das fragt sich der Geschäftsreisende, der immer einen Schluck Whiskey braucht, ehe er in ein Flugzeug steigt. Das fragt sich die Mutter, die sich nicht richtig um ihr Kind kümmern kann, weil sie unter einem Putzzwang leidet. Das fragt sich der Ehemann, der mal wieder seiner Frau gegenüber die Fassung verloren hat. Das fragt sich die junge Frau, die unter quälender Niedergeschlagenheit leidet. Und das fragt sich der Mann, der sich an keine Frau binden kann. Bin ich normal? Neue wissenschaftliche Ansätze definieren Normalität nicht mehr als Entweder-oder-Kategorie (entweder man ist normal oder verrückt), sondern betrachten sie als ein Kontinuum. An dessen einem Ende steht Verrücktheit und am anderen Ende psychische Gesundheit – mit zahlreichen Abstufungen dazwischen. So gesehen, ist die Linie zwischen normalem und nicht normalem Verhalten viel dünner, als uns lieb ist. John Ratey, Psychiater an der Harvard Medical School, geht sogar so weit zu sagen: „Wahrscheinlich ist niemand von uns normal – normal in dem Sinne, ein Gehirn zu besitzen, in dem alle einzelnen Bestandteile und alle Systeme gleichermaßen gut funktionieren und alle Funktionen deutlich innerhalb eines optimalen Spektrums liegen.“ Schwierige Lebensumstände, Stress, Sorgen verursachen nach Rateys Theorie im Gehirn einen mentalen Lärm, ein „weißes Rauschen“ und stören die normalen Gehirnfunktionen. Wie realer Lärm hat auch dieses Geräusch schädliche Wirkungen. Es wird schwierig, einen Gedanken festzuhalten, die Reaktionen erfolgen automatisch und direkt. Die Folge sind dann leichte Verrücktheiten wie Aufmerksamkeitsstörungen, Wutanfälle, Fressattacken, milde Depressionen oder Angstzustände. Diese ganz normalen Probleme normaler Menschen seien Schattensyndrome von voll ausgeprägten psychischen Krankheiten, meint John Ratey. Das bedeutet: Jeder Mensch kann unter bestimmten Bedingungen

ein bisschen verrückt werden. Damit bestätigt der Psychiater, was Sigmund Freud bereits 1937 wusste: „Jeder Normale ist eben nur durchschnittlich normal, sein Ich nähert sich dem des Psychotikers, in größerem oder geringerem Ausmaß …“

Das Hilfreiche an Verrücktheiten Wenn aber jeder Mensch zumindest ein bisschen verrückt werden kann, ist dann nicht Verrücktheit eine völlig normale Erscheinung? Wenn sich die Grenzen zwischen Normal und Anormal auflösen, ermöglicht das nicht neue Normalitäten? Es gibt inzwischen eine Reihe von Wissenschaftlern, die das Phänomen aus diesem optimistischeren Blickwinkel betrachten. Sie halten wenig davon, alle Menschen zu pathologisieren, indem selbst leichte Störungen als nicht normal etikettiert werden. Stattdessen fragen sie, ob bestimmte verrückte Verhaltensweisen unter bestimmten Umständen nicht völlig normal sein können. Müssen Anwälte vor Gericht nicht aggressiv auftreten? Braucht eine Schauspielerin nicht eine gehörige Portion Narzissmus? Ist es nicht beruhigend, wenn ein Buchhalter zwanghafte Züge und einen ausgeprägten Perfektionismus aufweist? Diese positive Sicht auf die Persönlichkeit ordnet menschliches Verhalten nicht mehr in die Kategorien „pathologisch“ und „nicht pathologisch“ ein, sondern trägt der Vielfalt menschlicher Verhaltensweisen Rechnung. Am Beispiel der im Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-5) aufgeführten zehn Persönlichkeitseigenschaften wird diese Sichtweise deutlich. Dort, in der Bibel der Psychiater, werden paranoide, schizoide, schizotype, antisoziale, narzisstische, histrionische, vermeidendselbstunsichere, dependente, zwanghafte und Borderline-Verhaltensweisen (siehe Kasten Seite 60) als Störung bezeichnet, wenn verschiedene Kriterien erfüllt sind. Persönlichkeitszüge werden aber nur dann als Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, wenn sie unflexibel, unangepasst und überdauernd sind und in bedeutsamer Weise funktionelle Beeinträchtigungen oder subjektives Leiden verursachen. Zunehmend betonen Wissenschaftler die Wichtigkeit, zwischen Persönlichkeitsstilen (oder -zügen) und Persönlichkeitsstörungen zu unterscheiden. Sie gehen davon aus, dass jede Art des Denkens, Fühlens und Handelns sich als gesunder Persönlichkeitsstil, aber auch als diagnostizierbare Störung äußern kann. Dabei sollten die Ausprägung der Symptome, die Stressbelastung, die Flexibilität der Person und ihr Lebenskontext berücksichtigt werden. Ausprägung: Die Person denkt, fühlt oder handelt in einer Art und Weise, die am äußersten negativen Ende des Kontinuums zwischen Normalität und Abnormalität liegt. Flexibilität: Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung sind in ihrem Verhalten festgefahren und unfähig, auf veränderte Bedingungen zu reagieren. 59


UNSERE BLINDEN FLECKEN Wir glauben, uns selbst ganz gut zu kennen. Wie kommt es nur, dass die Menschen um uns oft einen vรถllig anderen Eindruck haben? VON HEIKO ERNST 62

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Unser Selbstbild ist nie vollständig, denn manche Winkel unserer Person sind uns nicht einsichtig

Foto: inkje / photocase.de

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ach der Notenkonferenz sitzen einige aus dem Lehrerkollegium noch bei einem Kaffee zusammen. Als Charlotte S. erklärt, wie schwer es ihr manchmal falle, die Aufmerksamkeit der Schüler zu gewinnen und den Stoff durchzukriegen, äußern alle Kollegen ihr Erstaunen: „Du? Du bist doch der Star! Die Schüler bewundern dich! Die fressen dir doch aus der Hand! Wir hören immer nur: Die Frau S. – die ist toll, die ist super!“ Charlotte S. versucht zu erklären, wie deprimiert und fertig sie nach manchen Unterrichtsstunden ist – aber das halten die Kollegen für Koketterie. Offenbar ist uns nicht immer bewusst, wie wir im Alltag agieren und welchen Eindruck wir dabei auf andere machen. Und fast jeder Mensch erlebt von Zeit zu Zeit, dass sich eine Kluft auftut zwischen seiner Selbsteinschätzung und den Urteilen, die andere über ihn fällen. Es ist eine gut gesicherte psychologische Tatsache: Unser Selbstbild ist nie vollständig, denn unsere Selbstwahrnehmung ist durch blinde Flecken beeinträchtigt, Bereiche, die uns nicht einsichtig sind. Eine psychologische Forschungsrichtung, die Theorie vom self-enhancement, geht davon aus, dass wir unser Selbstbild

systematisch zu unseren Gunsten schönen und verzerren: Über 85 Prozent aller deutschen Autofahrer halten ihre Fahrkünste für überdurchschnittlich. Selbsttäuschung ist demnach der Normalfall: Wir sehen uns nahezu immer besser, als es der Wirklichkeit entspricht. Die Sozialpsychologin Shelley Taylor spricht von „positiven Illusionen“. Eine zweite Forschungsrichtung hingegen betont die Bedeutung der anderen: Unser Selbstbild komme durch „sozial geteilte Realität“ zustande. Wir beobachten, wie andere auf uns reagieren – und schließen daraus, wie wir sind. Und wir beobachten uns selbst „wie ein Fremder, vor allem wenn unsere inneren Hinweise schwach, zweideutig oder unverständlich sind“, meint der Sozialpsychologe Daryl J. Bem, Begründer der Selbstwahrnehmungstheorie. Das heißt: Wir leiten und lesen aus unserem Verhalten ab, welche Eigenschaften wir haben: Ich bin das, was ich tue, und ich bin so, wie ich es tue. Diese Theorien sind nicht falsch, aber unvollständig. Es gibt für beide genügend Gegenbeispiele in der Wirklichkeit: Viele Menschen neigen eben nicht zur „Selbstvergrößerung“, sondern eher dazu, sich zu verkleinern, sie unterschätzen ihre Fähigkeiten oder ihre Beliebtheit. Wieder andere achten wenig darauf, wie sie wirken oder „rüberkommen“, sie ignorieren selbst wohlwollendes Feedback und pflegen in der Tat eine systematische Selbstüberschätzung. Fest steht inzwischen: Bestimmte Persönlichkeitseigenschaften, etwa Narzissmus oder Depressivität, beeinflussen maßgeblich, wie wir uns selbst einschätzen und die „Daten“ über unsere Performance verwerten.

Was können wir über uns wissen? Woher wissen wir überhaupt, wie wir sind und wie wir wirken? Wie entsteht unser Selbstbild? Es gibt vier Zugänge, aber nicht alle stehen uns offen: Erstens sind da relativ eindeutige und allseits ersichtliche Informationen, die wir weder vor uns selbst noch vor anderen verbergen können oder wollen: Als „öffentliche Person“ sind wir sichtbar und wissen meist ziemlich genau, welche Dinge wir mitteilen – etwa Meinungen, Überzeugungen, Vorlieben. Für uns selbst kaum zu ignorieren und für andere deutlich sichtbar sind meist auch Temperamentseigenschaften (lebhaft, lethargisch, ängstlich). Manche Wahrheiten über uns liegen offen zutage, auch wenn einige davon uns unangenehm sind. Zweitens gibt es Wahrheiten über uns selbst, die wir nicht erkennen können oder wollen – das sind die blinden Flecken in unserer Selbstwahrnehmung: Wir bemerken nicht, dass wir manchmal unnötig aggressiv, etwas geschwätzig, schnell beleidigt, sehr defensiv oder lange nachtragend sind. Die anderen wissen es wohl, sie erkennen also einen wichtigen Teil unserer Persönlichkeit, den wir selbst nicht sehen. „Die Sünden der anderen liegen offen vor uns, unseren eigenen wenden wir den Rücken zu“, schrieb der römische Philosoph Seneca. 63


(FAST) JEDER KANN AUS SEINER HAUT Manchmal wäre es gut, sich ganz bewusst anders zu verhalten, als es der eigenen Persönlichkeit entspricht. Aber geht das überhaupt? Ja – doch es hat seinen Preis VON ANNETTE SCHÄFER

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uthentizität ist heute ein hohes Gut. Keine Rollen spielen, aus sich heraus agieren, sich so verhalten, wie es der eigenen Natur entspricht: Wer so handelt, heißt es, wird im Leben erfolgreich und glücklich sein. Ohne Zweifel ist es wichtig, im Großen und Ganzen im Einklang mit sich selbst zu leben. Doch viele Menschen stellen fest, dass der Versuch, ganz „echt“ zu sein, nicht immer weiterführt – und einem manchmal sogar handfeste Probleme einbringt. Da ist zum Beispiel die introvertierte Krankenhausärztin, deren Fähigkeit zuzuhören die Patienten äußerst schätzen, die aber im Kollegenkreis selten mit ihrer Einschätzung durchdringen kann. Oder der sanfte Teenager, dem der Schulpsychologe ein hohes Maß an Verträglichkeit attestiert, der sich aber nicht gegen die Bullys in seiner Klasse wehren kann. Und dem Diabetiker, der gerne fünf gerade sein lässt, bringt sein „authentisches 70

Verhalten“ Schwierigkeiten ein, weil er auch bei der Blutzuckerbestimmung nicht der Gewissenhafteste ist. Wäre es nicht besser, wenn die stille Ärztin bei der Chefvisite mehr aus sich herausginge, wenn der nette Schüler den anderen auch mal die Zähne zeigte und der schlampige Diabetiker im Hinblick auf seine Gesundheit wie ein Buchhalter agierte, auch wenn jeder von ihnen sich dazu verstellen müsste? In bestimmten Situationen, bestätigen Psychologen, ist es vorteilhaft, wenn man sich ganz bewusst anders verhält, als es der eigenen Persönlichkeit entspricht. Sich immer und überall treu zu bleiben halten sie für zu kurz gesprungen. „Ich bin jedes Mal bestürzt, wenn ich höre, dass Leute anderen raten: ‚Sei einfach du selbst‘“, betont der Arbeits- und Gesundheitspsychologe Ben Fletcher von der Universität Hertfordshire in seinem Buch Flex, das er zusammen mit der Entwicklungspsychologin Karen Pine geschrieben hat. Die durch die Per-

sönlichkeit geprägten Gewohnheiten eines Menschen, so argumentieren die beiden, passen oft schlecht mit der vielschichtigen Umwelt, in der er lebt, zusammen. Es sei nicht vorteilhaft, wenn sich ein Mensch immer gleichartig verhält, insbesondere in unserer dynamischen Welt. Je statischer die Persönlichkeit eines Menschen ist, warnen sie, umso schwerer wird er es finden, sich an neue Umstände anzupassen, und umso stressanfälliger wird er sein. Deshalb sei es manchmal besser, das zu tun, was einem gerade nicht „im Blut liegt“. Um das Beste aus sich zu machen, müsse man in manchen Situationen gegen seine natürlichen Tendenzen gehen und sich anders zeigen. Fletcher benutzt das Verb to flex, was sich mit dehnen oder biegen übersetzen lässt. Er sei überzeugt, schreibt er, dass jeder Mensch die Kapazität hat, unterschiedliche Personen zu sein: „Inwieweit man diese Fähigkeit entwickelt, bestimmt darüber, wie erfolgreich man im Leben ist.“ PS YCH OLO G IE H EU TE com p a c t


untypisches Verhalten psychisch und körperlich anstrengend ist. Little weiß aus eigener Erfahrung, wovon er spricht. Der in Kanada aufgewachsene Wissenschaftler gilt als begnadeter Lehrer. Als er noch an der HarvardUniversität arbeitete, waren seine Vorlesungen dort legendär. Er wirbelte auf der Bühne herum, erzählte Witze und stimmte auch schon mal ein Liedchen an. Die Studenten liebten seine von Energie und Esprit sprühenden Auftritte, und die Stunden endeten oft mit stehenden Ovationen. Sogar mit dem renommierten 3M Teaching Fellowship, das manchmal als Nobelpreis für die Universitätslehre bezeichnet wird, wurde er ausgezeichnet. Doch wer nun glaubt, der Professor sei von Natur aus extravertiert, irrt. Jenseits des Lehrerpults ist er ein extrem ruhiger, nach innen gekehrter Mensch, versichert die Autorin Susan Cain, die

Manchmal ist es besser, das zu tun, was einem gerade nicht im Blut liegt

Foto: kallejipp / photocase.de

Auch der Persönlichkeitspsychologe Brian Little, Leiter einer Forschungsgruppe an der britischen Universität Cambridge, ist davon überzeugt, dass man sich manchmal out of character verhalten sollte, wie es im Englischen heißt. „Uncharakteristisches“ Verhalten kann beinhalten, dass sich ein extravertierter Student unter der Woche im stillen Kämmerlein auf seine Bücher konzentriert und nur am Wochenende um die Häuser zieht. Oder dass sich eine Frau, die zu Ungeduld und Widerstreit neigt, sanftmütig gibt, wenn sie mit dem kleinen Sohn spielt. Diese Art von strategischem Handeln ist der Inhalt von Littles Free Trait Theory. Der Einsatz sogenannter freier Eigenschaften eröffne Pfade zu persönlichem Wachstum, die verschlossen blieben, wenn man sich allein auf seine genetische und kulturelle Grundausstattung beschränke. Little verschweigt aber auch nicht, dass

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dentität ist biegsam“, meint Sam Sommers, „und persönliche Vorlieben entstehen im jeweiligen Moment.“ Wer die menschliche Natur verstehen will, müsse sich der Macht der äußeren Gegebenheiten bewusst sein. Sommers, Psychologieprofessor an der Tufts University, legt in seinem Buch Situations Matter dar, dass das, was wir in einem bestimmten Augenblick tun, oft weniger durch unseren Charakter bestimmt wird als – zum Beispiel – durch die Gesellschaft, in der wir uns befinden, und ob wir gut gelaunt oder in Eile sind. So konnten Wissenschaftler der Universität Princeton zeigen, dass Hilfsbereitschaft nicht allein eine Frage der Persönlichkeit ist, sondern davon abhängt, ob der Helfer unter Zeitdruck steht oder nicht. Die Forscher schickten ihre Probanden quer über den Campus der Universität zu einem Gebäude, um dort einen kurzen Vortrag zu halten. Am Rande des Wegs hatten die Forscher einen schäbig gekleideten Schauspieler platziert, der stöhnte und hustete und eindeutig Hilfe brauchte. Von den Teilnehmern, die gesagt bekommen hatten, sie sollten sich beeilen, weil sie spät dran seien, boten nur zehn Prozent dem Mann Hilfe an. Von denen, die glaubten, sie hätten jede Menge Zeit, waren es 63 Prozent. Der Clou war jedoch: Die Forscher machten diesen Test nicht mit irgendwelchen Studenten, sondern mit angehenden Priestern, und das Thema des Vortrags, den sie halten sollten, war „Der gute Samariter“. Zeitdruck allein reicht offenbar aus, um durchaus hilfsbereite Menschen im Nu in solche zu verwandeln, die nur noch auf die eigenen Probleme fixiert sind. Andere Studien bestätigen den Einfluss ganz trivialer Faktoren auf die Hilfsbereitschaft: In einer davon waren 60 Prozent der Passanten bereit, Geld zu wechseln, wenn man sie vor einem Geschäft fragte, aus dem der Duft frischgebackener Plätzchen strömte, jedoch weniger als 20 Prozent derjenigen, die vor einem Kleidungsgeschäft angesprochen wurden. Der Geruch frischen Gebäcks oder auch gerösteten Kaffees versetzt Menschen in eine bessere Stimmung, und wer glücklich ist, ist hilfsbereiter.

In einer Gruppe sind wir anders Von anderen Menschen umgeben zu sein ist „der vielleicht stärkste situationsbedingte Einfluss von allen“, so Sommers. In einer Menge nimmt die Hilfsbereitschaft ab. Denn taucht ein Problem auf, denkt man automatisch: Es wird sich schon jemand anderes drum kümmern. Sommers erwähnt eine Studie, bei der die Teilnehmer in Großraumbüronischen saßen und glaubten, sie wären über Gegensprechanlagen mit Kommilitonen verbunden, mit denen sie über ihre Erfahrungen im Studium sprechen sollten. 76

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Doch dann hörten sie, wie ein Student, der bereits Gesundheitsprobleme erwähnt hatte, würgte und immer größere Probleme mit dem Sprechen hatte, bis nur noch Wörter wie „Anfall“, „sterben“ und „Hilfe“ zu verstehen waren. Glaubten die Probanden, sie seien der einzige Gesprächspartner des Betroffenen, verließen 85 Prozent die Bürozelle, um Hilfe zu suchen. Wähnten sie sich in einem Dreiergespräch, taten dies nur 62 Prozent, und glaubten sie, einer Runde von fünf Teilnehmern anzugehören, sank der Anteil auf 31 Prozent. Weder das Geschlecht noch die Persönlichkeit hatte einen Einfluss auf das Verhalten.

Die Lehren aus dem Milgram-Experiment

Hilfsbereit oder egoistisch, still oder gesellig: Wie wir uns verhalten, ist nicht nur eine Frage der Persönlichkeit. Es kommt immer auch auf die Situation an. Bisweilen haben ganz banale Dinge großen Einfluss VON INGRID GLOMP

In der Anwesenheit anderer fühlt man sich weniger verantwortlich, und andererseits steigt das Risiko, sich zu blamieren. Doch das ist es nicht allein. „Inmitten einer Menge ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass wir Notfälle als solche erkennen“, sagt Sommers, denn wir orientieren uns am Verhalten der anderen, die vielleicht mehr Informationen besitzen als wir. Der Einfluss der Mitmenschen kann aber nicht nur ein Handeln verhindern, er kann auch umgekehrt zum Tun verleiten. Berühmt geworden ist die klassische Studie des amerikanischen Psychologen Stanley Milgram, bei der er in den 1960er Jahren ganz normale Mitbürger dazu brachte, anderen Menschen scheinbar qualvolle elektrische Schläge zu verabreichen. Der jeweilige Proband sollte als „Lehrer“ fungieren. Jedes Mal, wenn es dem „Lernenden“ (in Wirklichkeit einem Schauspieler) nicht gelang, sich ein Wortpaar zu merken, sollte er ihn mit Stromschlägen von zunehmender Stärke bestrafen. Trotz Schmerzensschreien des Lernenden, der außerdem angeblich unter Herzproblemen litt, und Äußerungen, dass er das Experiment beenden wolle, gingen 65 Prozent der Teilnehmer bis zur höchsten Stufe von 450 Volt. Alles, was dazu nötig war, war, dass der anwesende „Wissenschaftler“ widerstrebende Teilnehmer mit Sätzen ermunterte wie „Bitte machen Sie weiter“ oder „Es ist absolut entscheidend, dass Sie weitermachen“. Milgram testete in weiteren Varianten seines Gehorsamsexperiments den Einfluss verschiedener Situationen: s6ERLEGTEERDEN6ERSUCHIN"ÓROSINEINEM'EBØUDEAU ßerhalb der Yale-Universität, gingen nur noch 47,5 Prozent der Probanden bis zur höchsten Voltzahl. s7ENNDER7ISSENSCHAFTLERSEINE!NWEISUNGENTELEFONISCH gab, gingen nur 22,5 Prozent bis zum stärksten Stromschlag. s.AHMENZWEIWEITEREu,EHRERhIN7IRKLICHKEIT3CHAUSPIE ler) teil, die sich zu einem früheren Zeitpunkt weigerten, weiterzumachen, so verabreichten nur noch 10 Prozent den stärksten Stromschlag. 77


CHARAKTER ZEIGEN Was macht mich unverwechselbar? Was sind meine besonderen Merkmale? Die Psychologie hat sechs Bereiche definiert, die über uns Auskunft geben VON AXEL WOLF

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harakter, so hat der Psychotherapeut und Philosoph James Hillman definiert, ist die Form unserer Psyche, zu der wir unser Leben lang hinstreben, zu der wir uns hinentwickeln. Er geht dabei von einem mehr oder weniger angeborenen Charakterkern aus, den wir sozusagen im Laufe unseres Lebens „erfüllen“: Wir werden, was wir sind. Andere Auffassungen vom Charakter betonen eher die Einflüsse von Umwelt, Erziehung und Schicksal auf die Persönlichkeit: Wir sind (auch) das Produkt dessen, was uns zustößt. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Charakter das Ensemble von Eigenheiten und Eigenschaften, die einen Menschen unverwechselbar machen. Manchmal meinen wir mit „Charakter“ vor allem den „schlechten Charakter,“ wenn die Schattenseiten eines Menschen zum Vorschein kommen. Und manchmal benutzen wir das Wort, um eine gewisse Stärke und Widerständigkeit zu loben: „Da hat sie aber Charakter gezeigt!“ 82

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