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PSYCHOLOGIE HEUTE

Nr. 47

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Das Glück, nicht immer glücklich sein zu müssen


Inhalt

HEFT 47

INNEHALTEN

SPÜREN

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Ermutigung zum Coming-out HANNE LORE HI PPE

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„Nicht gefährdet sind Tatmenschen“ ROBE RT BU RTO N

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Was macht einen Menschen zum Melancholiker?

ANNETTE SCHÄFER

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Ein Keim von Widerstand

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Die schöne Kunst der Kopfhängerei E IN GESPRÄCH M I T UL RI CH HO RS TM ANN

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Befreundet mit der Melancholie WILHE LM SCHM I D

„Virtuelle Standleitung nach Hause“ E I N G E S P R Ä C H MI T W I L F R I E D S C H U MA NN

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P ET ER D. KRAM ER

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Sehnsucht – dieses bittersüße Gefühl KLAUS WILHELM

DÖRTHE BIN KERT

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Nostalgie: Warum ein bisschen Wehmut guttut

„Unsere Stimmungen sind an Jahreszeiten gebunden“ E I N G E S P R Ä C H MI T H U B E RT U S H I MME R I C H

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Wer liebt, trauert URSULA NUBER

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„Trauer ist ein Versprechen“ E I N G E S P R Ä C H MI T B U R K H A R D L I E B S C H

60

Botschaften aus dem Schattenreich K E T O V O N WA B E R E R

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PS YCH OLO G IE H EU TE com p a c t


I M P R E S S U M

REDAK TION

Werderstraße 10, 69469 Weinheim Postfach 100154, 69441 Weinheim Telefon: 06201/6007-0 Telefax: 06201/6007-382 (Redaktion), 6007-310 (Verlag) W W W.PSYCHOLOGIE-HEUTE.DE HERAUSGEBER UND VERLAG

Julius Beltz GmbH & Co. KG, Weinheim Geschäftsführerin der Beltz GmbH: Marianne Rübelmann CHEFREDAKTEURIN

Ursula Nuber REDAKTION

Thomas Saum-Aldehoff, Katrin Brenner-Becker, Anke Bruder, Eva-Maria Träger Redaktionsassistenz: Nicole Coombe, Doris Müller LAYOUT, HERSTELLUNG Johannes Kranz, Gisela Jetter ANZEIGEN

Claudia Klinger c/o Psychologie Heute Postfach 100154, 69441 Weinheim Telefon: 06201/6007-386 Telefax: 06201/6007-9331 DRUCK Druckhaus Kaufmann, 77933 Lahr VERTRIEB ZEITSCHRIF TENHANDEL

ASV Vertriebs GmbH, Süderstraße 77 20097 Hamburg, Telefon 040/34729287

ZULASSEN 68

Melancholie als Lebensform P HILIP P T HO M AS

74 „Das Glück, nicht immer glücklich sein zu müssen“ EIN GESP R Ä C H M I T W I L H E L M S C H M I D

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Geschärfte Sinne VOLKER F RI EDRI CH

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„Es lohnt sich, ein bisschen traurig zu sein“ E IN GESPRÄCH M I T J O S EPH F O RGAS

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Tränen trösten T HERESIA M ARI A DE J O NG

EINZELHEFTBESTELLUNGEN

Beltz Medien-Service bei Rhenus 86895 Landsberg, Telefon: 08191/97000-622, Fax: 08191/97000-405, E-Mail: bestellung@beltz.de www.shop-psychologie-heute.de COPYRIGHT: Alle Rechte vorbehalten. © Beltz Verlag, Weinheim.

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Editorial

PSYCHOLOGIE HEUTE 43254

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Medien

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Markt

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Cartoon

Melancholie S FR 12 ,9 0

Magazin

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R 7,9 0

Impressum

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2016

Fotos: Manuel Ferrigato

Titel, Silke Weinsheimer, S. 3 oben: Gaby Gerster Photography/ Feinkorn. S. 3 links, 6, 7, 8, 9, 10 rechts, 19, 48, 79, 80, 84, 86, 89: Getty Images. S. 4, 5, 12, 13, 34, 35, 66, 67: Manuel Ferrigato. S. 10 links, 14, 15, 16, 17, 20, 21, 22, 24, 26, 28, 30, 31, 32, 36, 37, 38, 39, 50, 52, 53, 54, 56, 58, 68, 69, 70, 71, 73, 74, 76, 82: Photocase. S. 11: Rose-Lynn Fisher. S. 42, 45, 88, 89, 91: plainpicture. S. 60, 61, 63, 64: Keto von Waberer. S. 86: privat. S. 92: Gräfe und Unzer Verlag/Julia Hoersch. S. 93: Universum Film. S. 92: Katharina Greve

Das Glück, nicht immer glücklich sein zu müssen

Best.-Nr.: 47234 ISBN 978-3-407-47234-2 5


ERMUTIGUNG ZUM

COMINGOUT

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Melancholiker passen nicht in diese Zeit. Sie können mit der Oberflächlichkeit und Pseudofröhlichkeit der Konsumgesellschaft wenig anfangen. Viele ziehen daraus den falschen Schluss: Sie glauben, mit ihnen sei etwas nicht in Ordnung. Dabei wären gerade sie für Nichtmelancholiker ein Vorbild VON HANNELORE HIPPE

Fotos: Jeannine Jirak / photocase.de

D

er Philosoph Demokrit wunderte sich stets über das Betragen seiner Mitmenschen, nahmen sie doch alles und besonders sich selbst sehr ernst. Das fand er lächerlich. Doch war es nicht Spott, der ihn über die anderen lachen ließ, sondern das Befremden darüber, dass sie Nebensächlichkeiten des Lebens einen so großen Stellenwert einräumten und das eigentlich Menschliche darüber vergaßen. Demokrit war Melancholiker und nach Aussagen des Hippokrates „der einzig heile Mensch“ unter seinen Mitmenschen, die er nicht verstehen konnte und wollte. Die Melancholie hatte in der Antike noch einen guten Ruf, war sie doch die hervorragende Charaktereigenschaft der Philosophen, weisen Herrscher, Wissenschaftler, Dichter und Künstler. Ohne die Kontemplation, die Muße, das Grübeln, den Zweifel, das war dem Menschen der Antike völlig einsichtig, war kein bedeutendes Werk, kein tieferer Gedanke, kein weitreichendes Planen und Handeln des Menschen möglich. Die Melancholie war neben dem heißblütigen, lebensfreudigen Sanguinus, dem aufbrausenden und aggressiven Cholerikus und dem lahmen Phlegmatus eine der vier Humores, der 15


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DIE SCHÖNE KUNST DER KOPFHÄNGEREI PS YCH OLO G IE H EU TE com p a c t


Foto: Yvonnes_photos / photocase.de

Man kann sich nicht aussuchen, wie man tickt. Aber man kann sich entscheiden, im Einklang mit seiner Veranlagung zu leben, meint der Philosoph und Literaturwissenschaftler Ulrich Horstmann

Herr Horstmann, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Thema Melancholie und schrieben 1987 einen Essay für den Spiegel zum Thema „Rückzugsgefecht für die Melancholie“. Darin ging es unter anderem darum, dass die Melancholie in unserer Gesellschaft keine Chance hat. Hat sich diesbezüglich etwas verändert? Melancholie ist nie mehrheitsfähig gewesen und wird es nie sein. Es gab Zeiten, die ihr gegenüber relativ gastfreundlich waren wie die Romantik oder der Beginn der Neuzeit. Der verdanken wir Ikonen wie Dürers Kupferstich Melencolia I, den Hamlet oder Robert Burtons Anatomie der Melancholie. Die Gegenwart bringt diese Toleranz nicht auf. Wie so viele andere Epochen hat sie eine Mission: Fortschritt und Vernetzung. Sie verehrt Computer und Smartphone als Heiligen Gral, einen plattgestampften viereckigen Kelch, der um Himmels willen an niemandem vorübergehen soll und auf offener Straße endlos befingert und betätschelt wird. Wo sich das Heil so schamlos breitmacht, hat die Schwermut nichts verloren. Wann eigentlich werden wir melancholisch? Sind es überzogene Ansprüche an das Leben, die nur schwer in Erfüllung gehen können? Um hier Klarheit zu gewinnen, begibt man sich am besten an die Rückzugsorte und in die Widerstandsnester der schönen Kunst der Kopfhängerei. Wo also kann man Melancholie sehen, hören, riechen, schmecken? Ich war im vergangenen Jahr in der irischen Hafenstadt Cobh, wo die Titanic 1912 ihre letzten Passagiere an Bord nahm. Die Abfertigungshalle steht noch. Wer sie betritt, reagiert mit allen Sinnen – und weiß augenblicklich Bescheid. Oder man klicke im Internet urbex, urban exploration an, und Bildergalerien sogenannter Ruinenkultur, verwaister Liegenschaften mitten im quirligen Großstadtbetrieb erscheinen. Auch die Literatur ist auskunftsfreudig. Nach Günter Grass’ Tagebuch einer Schnecke riecht man die Melancholie in Rübenmieten und Waschküchen. Die Schwermut lässt keinen unserer Sinne aus. Musik sperrt mit Fado und

Blues die Ohren auf; und was ist der Nachgeschmack einer verzehrten Delikatesse anders als melancholisch, wenn man den Löffel abgeben muss? All diese Eindrücke und Erfahrungen haben eins gemeinsam: das Erlebnis der Ohnmacht, des Nichtfesthalten-Könnens, der Flüchtigkeit, das quersteht zum grassierenden Machbarkeitswahn. Melancholie lediglich als Kater der Überanstrengten zu begreifen grenzt an Karikatur. Die beim Wort genommene abgrundtiefe Ent-Täuschung trifft es schon eher, weil Desillusionierung doch etwas Positives und Begrüßenswertes ist. Wir sind umzingelt von Aufforderungen zum Glücklichsein, trübe Gedanken und Niedergeschlagenheit dürfen nicht sein. Woher kommt die Aversion? Gestatten Sie mir eine drastische Formulierung. Unsere Gattung besteht aus Götzendienern des Mehr. Wir wollen immer mehr von uns – im doppelten Sinn inzwischen explosionsartiger Vermehrung und einer erbarmungslosen Hochleistungsideologie –, wir wollen immer mehr von der Welt für uns. Glück verstehen wir als Erfüllung. Die Evolution hat uns so programmiert, mit dem Erfolg, dass schon die eiszeitlichen Sammler und Jäger die Kontinente jenseits von Afrika eroberten und dort das Großwild ausgerottet haben. Man wollte eben schon damals mehr Schlaraffenland für mehr Stammesgenossen. Und wer dem Häuptling und seinem Schamanen mit einem wehmütigen Kopfschütteln bedeutete, dass diese Strategie auf Dauer nicht aufgehen kann, für den war an den Fleischtöpfen eben kein Platz. Folglich landen die Kritiker der Völlerei und des unbegrenzten wirtschaftlichen Wachstums bis heute am Katzentisch. Worin besteht der Unterschied zwischen Depression und Melancholie? Gibt es einen fließenden Übergang? Seit mehr als zwei Jahrtausenden wird die Melancholie angegriffen und diffamiert: Von der Theologie sieht sie sich unter der Bezeichnung acedia als Todsünde gebrandmarkt, von der aufklärerischen Philosophie der Leugnung jeglicher Vervoll27


BEFREUNDET MIT DER

MELANCHOLIE Dass es im Leben auf und ab geht, ist eine Binsenweisheit. Dennoch akzeptieren wir nur die Hรถhen, aus Tiefs wollen wir mรถglichst schnell herauskommen. Dabei bewahrt gerade die Melancholie eine Ahnung davon, wie klein die menschliche Existenz ist VON WILHELM SCHMID

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Foto: kallejipp / photocase.de

as ist der wahre Weg zum Glück? Die hysterische Beschwörung des Glücks sicher nicht. Menschen machen sich unglücklich, wenn sie glauben, immer glücklich sein zu müssen. Denn Glück bedeutet nicht, nur eine Seite des Lebens, nämlich die des Angenehmen, Lustvollen und Positiven anzuerkennen und allein zu betonen. Wer immer nur auf diese Weise glücklich sein will, versteht nichts vom Glück. Das größere Glück, das Glück der Fülle, umfasst immer auch die andere Seite, das Unangenehme, Schmerzliche und Negative, mit dem zurechtzukommen ist. Niemand sucht dieses andere, aber auszuschließen ist es nicht. Im besten Fall lässt es sich mäßigen, und die beste Voraussetzung dafür ist, das andere des Lebens in seinem Recht auf Existenz grundsätzlich anzuerkennen.

Zu beobachten ist, dass das Leben sich grundsätzlich in Polarität abspielt, zwischen Gegensätzen und Widersprüchen. Das moderne Welt- und Menschenbild ging davon aus, dass immer alles nur positiv sein kann, aber es ist nun mal so, dass es negative Dinge gibt, die nicht verschwinden, unabhängig davon, wie viele Schönheitsoperationen unternommen, Medikamente erfunden, politische Maßnahmen ergriffen werden. Hartnäckig fordert das Leben seine Polarität ein, denn so entsteht die Spannung, die es braucht. Entscheidend ist die Frage: Ist es mir möglich, die Polarität des Lebens grundsätzlich zu akzeptieren? Kann ich einverstanden sein mit dem gesamten Leben? Erscheint mir das Leben in aller Gegensätzlichkeit dennoch von Grund auf schön und bejahenswert? Dann kann ich mich eingebettet wissen in einen größeren Zusammenhang, in dem das eine wie das andere Platz hat. Das erfüllte Leben ist dann gleichsam ein Atmen zwischen den Polen des Positiven und Negativen: Mit dem, was guttut, neuen Atem zu schöpfen, gerade in einer problematischen Zeit, in der das Leben eng wird – und auf einer Höhe des Lebens darauf vorbereitet zu sein, dass es noch andere Zeiten geben wird. Die gesamte Weite der Erfahrungen zwischen Gegensätzen vermittelt erst den Eindruck, wirklich zu leben und das Leben voll und ganz zu spüren. Es ist nicht die Bestimmung des Menschen, immer nur zufrieden zu sein, sonst säßen wir noch immer zufrieden auf den Bäumen. Die Geschichte der Künste und der Wissenschaften zeigt hinreichend, zu welch bemerkenswerten Entwicklungen Menschen in der Lage sind, aber viele von denen, die dazu beitrugen, haben nicht aus Zufriedenheit ihre Werke geschaffen und ihre Entdeckungen gemacht. Was wäre gewesen, wenn Entdecker wie Galilei und Einstein nicht immer wieder tief ins Grübeln verfallen wären, Forscherinnen wie Madame Curie nicht ihr Leben aufs Spiel gesetzt hätten? Hätte Vincent van Gogh den Pinsel so heftig über die Leinwände geschwungen, wenn er sich und seine Kunst entspannt betrachtet hätte? Der Maler farbenfroher Bilder, Emil Nolde, bemerkte einmal, dass „Künstlernaturen“ eben „nie glücklich“ sein könnten. Edith Piaf, die zum Weinen schöne Lieder sang, führte kein glückliches Leben. Astrid Lindgren, der so lebensfrohe Gestalten wie Pippi Langstrumpf zu verdanken sind, kämpfte lebenslang mit Depressionen. Das andere Glück umfasst sogar das Unglücklichsein. Das ist die Paradoxie des Glücks der Fülle: Dass ein Glücklichsein möglich ist, bei dem das Unglücklichsein nicht ausgeschlossen werden muss, sondern einbezogen werden kann. Das ist ja auch der Kontrast, der ein Glücklichsein überhaupt erst fühlbar macht. Daher können diejenigen am glücklichsten sein, die ein Unglücklichsein erfahren haben. Häufig geht das Unglücklichsein damit einher, traurig zu sein, bedrückt und niedergedrückt, depressiv zu sein. Aber das ist keine Krankheit, sondern 31


NOSTALGIE WARUM EIN BISSCHEN WEHMUT GUTTUT

Ein Musikstück, ein Duft, ein Foto, ein wiedergefundener Brief – wehmütig und melancholisch erinnern wir uns an damals, an wichtige Menschen und schöne Erlebnisse. Lange galt solche Rückwärtsgewandtheit als lähmende Fluchtreaktion. Heute aber weiß man: Nostalgie ist ein äußerst wertvolles Gefühl VON ANNETTE SCHÄFER 36

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Es wird ein bisschen gefachsimpelt, man tauscht Erfahrungen über das Leben im Ausland aus und diskutiert über Politik. Für mich, die Journalistin aus Deutschland, ist es ein Privileg, dabei zu sein. Nicht nur an diesem Abend, sondern schon den ganzen Tag begleite ich die Forschergruppe. Wer sich für das Thema Nostalgie interessiert, ist in Southampton am richtigen Ort. Lange, sehr lange Zeit wurde die sentimentale Sehnsucht nach vergangenen Zeiten als lähmende, gar dysfunktionale Emotion angesehen. Seitdem der Schweizer Arzt Johannes Hofer den Begriff im 17. Jahrhundert erstmals verwendete, um die körperlichen und psychischen Leiden von Söldnern zu beschreiben, betrachteten Psychologen Nostalgie als Fluchtreaktion von Menschen, die den Anforderungen des Lebens nicht gewachsen sind und Angst vor der Zukunft haben. Diese Einschätzung gilt heute nicht mehr. Nostalgie wird nunmehr als eine Erfahrung angesehen, die durchaus schmerzliche Anteile hat, aber insgesamt äußerst nützlich ist. Diese Neubewertung ist zu einem nicht unerheblichen Teil Sedikides und seinem Team zu verdanken. Als ich in den Veröffentlichungen der Wissenschaftler blätterte, war ich verblüfft, wie viele positive Wirkungen sie und andere Forscher identifiziert haben: Nostalgie beeinflusst danach die Stimmung, das Selbstbewusstsein, die Sozialbeziehungen, den Blick aufs Leben, selbst das körperliche Wohlbefinden (siehe Kasten auf Seite 40).

Fotos: elmue / photocase.de

Der nostalgische Professor

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onstantine Sedikides und einige seiner Mitarbeiter treffen sich zum Dinner bei „Ceno“, einem beliebten Lokal in der Nähe ihrer Universität. Es ist eine internationale Truppe, die sich am runden Tisch gegrillten Wolfsbarsch, Schmorbraten und andere Leckereien schmecken lässt: Der Professor für Sozialpsychologie ist gebürtiger Grieche, sein langjähriger Mitarbeiter Tim Wildschut kommt aus den Niederlanden, ebenso wie Joost Leunissen, der erst seit ein paar Monaten dabei ist. Neben ihm sitzen Jacob Juhl aus den USA und VerBon Cheung, die aus Hongkong nach England kam.

Gebäude 44 auf dem Highfield Campus ist eine nüchterne Flachdachkonstruktion aus den 1960er Jahren: außen uniforme Fensterreihen, innen lange Gänge mit zahllosen roten Türen. Das Geografie- und das Psychologieinstitut teilen sich den Bau. Die Nostalgiegruppe residiert in Stockwerk vier. Eine Ecktür direkt am Treppenaufgang, an der „Forschungszentrum für Selbst und Identität“ steht, führt zu vier verbundenen Büros: einem kleinen Zimmer für die Sekretärin, zwei etwas vollgestopft wirkenden Räumen mit mehreren wissenschaftlichen Arbeitsplätzen, einem Einzelbüro für den Chef. Den Gang runter befinden sich weitere Mitarbeiterbüros und die Labors. Sedikides, ein schwungvoller Mittfünfziger mit vollem Grauschopf und charmantem griechischem Akzent, hat sich eineinhalb Stunden Zeit für ein Interview genommen. Er lächelt viel und ist auf angenehme Art direkt. Im Prinzip, erzählt er, habe alles bei einem Mittagessen begonnen: „Ich saß mit einem befreundeten Kollegen, einem klinischen Psychologen, beim Lunch und sprach von der tiefen Wehmut, die ich empfand, wenn ich an Chapel Hill dachte.“ Nach sechs Jahren an der Universität North Carolina war der Professor 1999 mit seiner Familie in das englische Southampton gezogen. Er vermisste das nette Unistädtchen im Osten der USA, das sonnige Wetter und leckere Essen, Basketball, die dortigen Freunde. Er 37


SEHNSUCHT DIESES BITTERSÜSSE GEFÜHL

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Hat Sehnsucht einen Sinn? Durchaus, sagen Psychologen, die sich für das schmerzhafte Ziehen in der Brust interessierten VON KLAUS WILHELM

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as denn wohl seine größte Sehnsucht sei, fragten die Psychologen vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung einen ihrer Probanden. Da dachte der 60-jährige Mann sofort an seinen ältesten Sohn, der vor langer Zeit gestorben war. Und berichtete von einer heftigen Sehnsucht, mit ihm vereint zu sein, „damit unsere Familie wieder glücklich sein kann.“ Und er erinnerte sich an die einstigen gemeinsamen Ausflüge, die, wie er sagte, für die guten Zeiten stünden. Jahrelang hatte der Mann einen tiefen Schmerz über den Verlust gespürt, die Sehnsucht hielt ihn lebendig. Ach, die Sehnsucht! Ein mitunter sehr trauriges und dennoch der Deutschen liebstes Gefühl: Im inoffiziellen Wettbewerb von Spiegel Online um das schönste deutsche Wort brachte es die Sehnsucht auf das Siegertreppchen – Bronzemedaille. Keine Frage: Die Sehnsucht treibt uns um. Und sie ist ein urdeutsches Konzept in Literatur, Kunst und Geisteswissenschaften. In der Psychologie hingegen gilt die Sehnsucht als nicht erforscht. Der Tenor: Es ist kaum in Zahlen und Studien zu pressen, dieses komplexe, komplizierte Gefühl. Den 2006 verstorbenen Professor Paul Baltes vom Berliner MPI kümmerte derlei Skepsis wenig. Lange schon vermutete er einen Sinn hinter der Sehnsucht und erkor sie zu seinem letzten wissenschaftlichen Projekt. Seine damaligen Mitarbeiter Susanne Scheibe, Alexandra Freund und Dana Kotter-Grühn setzen Baltes Sehnsuchtsforschungen in eigenen Studien fort, mit ersten Ergebnissen: Manche Menschen nutzen ihre Sehnsucht, um ein blockiertes Ziel mental zu verarbeiten oder um ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Und: Selten nur geht es bei Sehnsüchten um konkret Fassbares wie etwa Geld, sondern um die großen Grundmotive menschlichen Lebens. Im amerikanischen Kulturkreis berichten die Menschen von ähnlichen Sehnsüchten wie Deutsche, obwohl ihnen das Konzept in seiner ganzen Breite unbekannt ist. „Amerikaner entwickeln zwar auch Sehnsüchte“, sagt die Psychologin Susanne Scheibe von der Universität in Groningen, „aber diese sind für sie weniger stark utopisch geprägt.“ Zudem haben Amerikaner eher unklare Vorstellungen von dem Begriff Sehnsucht – tatsächlich gibt es im Englischen keine wirklich passende Übersetzung dafür. Konkrete Sehnsüchte allerdings können Amerikaner genauso wie Deutsche aufzählen. Auch die Inhalte ähneln sich, wenngleich Amerikaner häufig religiöse Sehnsüchte angeben – anders als Probanden in Deutschland. Wer Sehnsucht empfinden will, braucht dafür bestimmte geistige Fähigkeiten. Studien aus Skandinavien haben gezeigt: Kleinkinder können mit Sehnsucht nichts anfangen. Ihnen fehlen noch die nötigen kognitiven Voraussetzungen für Sehnsucht, die mit emotionaler Intelligenz und dem Selbst verknüpft ist – beispielsweise das Sinnieren über die eigene Bio43


WER LIEBT, TRAUERT Der Tod eines geliebten Menschen, eine schmerzhafte Trennung, der Verlust der Gesundheit – wie weitermachen, wenn sich im Leben etwas grundlegend geändert hat? VON URSULA NUBER

Foto: Maria Vaorin / photocase.de

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enn ein geliebter Mensch gestorben ist, wenn eine Beziehung durch Trennung endete, wenn ein wichtiges Ziel aufgegeben werden musste, kurz: wenn schwere Verluste im Leben zu verkraften sind, spüren die Betroffenen früher oder später die Erwartung: Nun ist genug getrauert, nun muss das Leben wieder normal weitergehen. Stillschweigend wird dabei Bezug genommen auf ungeschriebene Gefühlsregeln, die man zwar nirgendwo explizit lernt, die man aber dennoch nur allzu gut kennt. Ob es sich um einen Todesfall, das Ende einer Beziehung, einen Terroranschlag oder eine Naturkatastrophe handelt: Früher oder später taucht die Forderung auf, die Betroffenen müssten das, was geschehen ist, „abschließen“. Es wird der Eindruck erweckt, man könnte hinter schrecklichen, schockierenden Erfahrungen, hinter Gefühlen der Verzweiflung die Tür schließen und dann befreit von dannen schreiten. Konkreten Ausdruck findet das Konzept „Abschließen“ in Ratschlägen wie: nach dem Ende einer Beziehung die Liebes-

briefe verbrennen; einen Hassbrief an einen untreuen Menschen schreiben und diesen Brief dann rituell beerdigen; einen Baum pflanzen zur Erinnerung an einen Verstorbenen; nach einer Affäre die Eheringe einschmelzen und neue daraus schmieden lassen. Von der Möglichkeit des „Abschließens“ ist aber auch die Rede, wenn nach einem Unglück die Toten geborgen und ihren Angehörigen übergeben werden können. Sobald sie die Opfer begraben und beweinen können, ist ein Abschluss möglich – so jedenfalls die weitverbreitete Annahme, welche die psychologische Wissenschaft durchaus unterstützt. Die Soziologin Nancy Berns hat sich intensiv mit dem Konzept „Abschließen“ (closure) beschäftigt, und das Fazit, das sie zieht, ist ernüchternd: Closure gibt es nicht. „Es werden falsche Hoffnungen geweckt, wenn man Betroffenen in Aussicht stellt, dass sie durch bestimmte Handlungen und Rituale für ihr Leid ein definiertes Ende finden könnten.“ Neben den Trauerphasen oder den Zeitangaben zur angemessenen Dauer von Trauergefühlen ist auch das closure-Konzept eine weitere Regel, die Menschen ein falsches Bild vom Trauerprozess vermittelt. Diese Gefühlsregeln gaukeln den Betroffenen etwas vor, was der Realität nicht entspricht. Denn Trauer lässt sich nicht regeln, Trauer ist nicht genormt, und schon gar nicht lässt sie sich durch allgemeine Gesetze abkürzen oder gar in Schach halten. Trauer muss jeder Betroffene auf seine ganz individuelle Weise durchleiden. Es gibt keine Abkürzungen, kein Ausweichen, und letztlich gibt es auch kein Ende. Muss es auch nicht. Der irische Schriftsteller C. S. Lewis schrieb über den Tod seiner geliebten Frau: „Der Schmerz, den ich jetzt fühle, ist das Glück, das ich davor hatte.“ Wenn man liebt, wenn man sich einlässt auf andere Menschen, dann muss man trauern, wenn man sie verliert. „Trauer ist der Preis, den wir für die Liebe zu zahlen haben“, soll Königin Elisabeth als Reaktion auf die Terroranschläge des 11. September gesagt haben. Diesen Preis will nicht zahlen, wer an der Vorstellung festhält, dass Trauer enden muss. Nur „anhaltende Trauer“, so argumentiert der Philosoph Burkhard Liebsch, ist ein Versprechen, „das Betrauerte, den Betrauerten nicht dem Vergessen preiszugeben“ (siehe Interview Seite 56). Auch Sigmund Freud hielt es offensichtlich für unausweichlich, dass ein Mensch nach einem schweren Verlust auf Dauer „ungetröstet“ bleiben wird, wie er in einem Brief an Ludwig Binswanger schrieb, der seinen Sohn verloren hatte: „Man weiß, dass die akute Trauer nach einem solchen Verlust ablaufen wird, aber man wird ungetröstet bleiben, nie einen Ersatz finden. Alles, was an die Stelle rückt, und wenn es sie auch ganz ausfüllen sollte, bleibt doch etwas anderes. Und eigentlich ist es recht so. Es ist die einzige Art, die Liebe fortzusetzen, die man ja nicht aufgeben will.“ PHc 55


BOTSCHAFTEN AUS DEM

SCHATTENREICH

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Vier Monate verbrachte die Schriftstellerin Keto von Waberer in einer psychiatrischen Klinik. Diagnose: Depression. Sie durchlief das ganze Programm – Medikamente, kognitives Training, Beschäftigungstherapie –, beobachtete die anderen Patienten und kam doch erst nach ihrer Entlassung den Gründen ihrer Depression auf die Spur

Illustrationen: Keto von Waberer

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nde Februar werde ich entlassen. Ich bin so gerne zu Hause. „Keine Dämonen“, sage ich meinen Freundinnen, die behutsam nachfragen, wie es mir gehe wieder so allein. Ich fühle mich nicht mehr allein. Ich wünsche mir keinen Ehemann mehr an meiner Seite. Ich kehre nicht zurück zu meinen Kursen. Ich langweile mich nicht mehr. Ich genieße meine vertraute stille Wohnung. Ich schlafe gut und wache ohne Ängste auf. Im Halbschlaf streife ich durch meine Seelenlandschaft. Da sind Bäume, grüne Bäume, ein glitzernder Fluss und Vögel am Himmel. Viele Tiere gibt es hier, ich sehe sie überall herumstreifen, äsen, balzen, jagen und fressen. Löwen, Büffel, Rehe, Füchse, Schildkröten. Auch Hyänen sind unter ihnen, ganze Rudel, aber sie kümmern mich nicht. Sie gehören eben dazu in dieser meiner Welt. An diesem Morgen, zu Hause in meinem Bett, im Halbschlaf, sehe ich H. Ich sehe ihn zwischen den Yanomami umherlaufen, mit nackter Brust, wilden schwarzen Haaren und lachendem Gesicht. Er hatte mir einmal gesagt, der Stamm der Yanomami sei für ihn wie eine gute Mutter. Ich sehe ihn in der Tür meiner Küche stehen, ich sehe ihn so auf mich zukommen, lachend, lebendig, wie so oft. Immer wenn ich ihn auf mich zukommen sehe, bin ich voller Freude und Zärtlichkeit. Erwarte ihn, will ihn umarmen. Es ist Sommer und heiß, und er zieht, sobald er die Wohnung betritt, sein Hemd aus. Er kommt auf mich zu, so aufrecht und eilig, wie er es immer tut, um mich zu umarmen. Die Wärme seiner Wange an meiner. 61


„Das Glück, nicht immer glücklich sein zu müssen“ 74

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Fotos: xenia_gromak / photocase.de

Das Glück ist für jeden machbar, das ist die große Verheißung unserer Zeit. Aber die Jagd nach dem Glück macht müde, und sie verläuft häufig enttäuschend. Wahrhaft glücklich ist, wer gelernt hat, das Leben zu akzeptieren, wie es ist. Ein Gespräch mit dem Philosophen Wilhelm Schmid über Glück, Unglück und Melancholie.

Der Glückshype scheint zu Ende zu gehen. War Glück ein Modethema – oder werden wir auch das nächste Jahrzehnt über das Glück lesen, nachdenken, es jagen? Man kommt an keiner Straßenecke mehr vorbei, ohne dass einen das Glück überfällt. Je mehr dieser Hype überzeichnet wird, umso schneller ist er auch wieder zu Ende. Es wäre ja nicht schlimm, wenn die Diskussion über das Glück dazu führen würde, dass viele Menschen glücklicher würden. Meine Erfahrung ist jedoch immer mehr, dass das genaue Gegenteil geschieht, dass Menschen, die vorher mit ihrer Lebenssituation einigermaßen zufrieden waren, sich mittlerweile Vorwürfe machen: Warum bin ich nicht glücklich? Alle anderen sind es doch! Das ist jedenfalls der subjektive Eindruck vieler, und nur sie persönlich haben es mal wieder nicht geschafft. Sie fühlen sich als Versager, die sie vorher gar nicht waren. Das gehört wohl zu den Paradoxien des Glücks: Schon der Philosoph John Stuart Mill meinte, dass man in dem Moment, in dem man fragt: „Bin ich glücklich?“, es nicht mehr sein kann. Ist Glück nur im Rückblick erkennbar? Ist die Bewusstmachung der Glücksfrage schon kontraproduktiv? Nein, ich erlebe viele Glücksmomente, und ich bin mir ihrer auch sehr bewusst, wenn ich sie erlebe. Die dauern dann eine bestimmte Zeit, darüber kann ich

nicht bestimmen – manchmal ist es eine Sekunde oder ein Abend oder ein Wochenende. Ich freue mich, wenn sie da sind, und ein bisschen weiß ich auch, wo ich sie finden und bekommen kann, aber es wäre völlig absurd, anzunehmen, man könne das Glück auf Dauer haben. Da scheiden sich die Geister. Die vielen Glücksratgeber verstärken doch den Irrtum, das Glück ließe sich festhalten. Das ist aber nicht möglich. Psychologen benutzen eine sehr gedämpfte Glücksdefinition: Glück sei „anhaltendes subjektives Wohlbefinden“ – ich bin also glücklich, wenn mir nichts weh tut und ich mich einigermaßen gut fühle. Die Philosophen kennen noch ein ganz anderes Glück, von dem heute überhaupt nicht mehr die Rede ist – und ich bin überzeugt davon, dass es das eigentliche Glück ist: nämlich das Glück, das daraus entsteht, dass ich einverstanden bin mit meinem gesamten Leben, mit all seinen Widersprüchen, Höhen und Tiefen. Wer erwartet, dass ihm das Leben immer nur Freude macht, der kann nur scheitern. Es ist nun mal nicht so, dass wir jeden Tag Lebensfreude haben können. Wer damit grundsätzlich einverstanden sein kann, der hat das Glück, das ich gerne das „Glück der Fülle“ nenne. Philosophen haben seit Sokrates, Aristoteles, Epikur oder Seneca davon gesprochen, dass dieses Glück mit Heiterkeit und Gelassen75


„Es lohnt sich, ein bisschen traurig zu sein“ Der Psychologieprofessor Joseph Forgas ist überzeugt: Sogenannte negative Emotionen schützen uns vor gefährlicher Leichtgläubigkeit

Herr Professor Forgas, manche Leute halten Sie für einen Propheten des Trübsinns! Ach was! Ich bin ganz sicher kein Prophet des Trübsinns, das will ich gleich klarstellen. Was ich allerdings sage: Es ist nett, glücklich zu sein. Aber emotionale Schwankungen gehören nun mal dazu. Das hat evolutionäre Gründe und wirkt sich täglich auf die Entscheidungen aus, die wir treffen. Das sehen viele Ihrer Kollegen aber anders, vor allem die Fans der positiven Psychologie. Ja, die erzählen uns, dass es immer und überall das Beste ist, wenn wir glücklich sind. Am besten rund um die Uhr. Aber Sie können den Menschen doch nicht vorwerfen, dass sie glücklich sein wollen! 82

Das mache ich ja auch nicht. Es ist die natürlichste Sache der Welt, dass wir lieber glücklich als unglücklich sind. Die Suche nach Glück ist eine der grundlegenden Eigenschaften des Menschen. Aber wenn ich die Ergebnisse der modernen Psychologie betrachte, kann ich eines sagen: Die Natur hat uns ganz sicher nicht dazu gemacht, vorwiegend glücklich zu sein. Beispielsweise hat der Neurowissenschaftler António Damásio nachgewiesen, dass es das gesamte emotionale Repertoire braucht, um als Mensch sozial zu funktionieren. Es ist doch auffallend, dass unser emotionales Repertoire trotz der steten Suche nach Glück stark verzerrt ist in Richtung negative Emotionen. Nur zwei der sechs Basisemotionen des Menschen sind positiv: Glück und Über-

raschung. Dem stehen vier negative Emotionen gegenüber: Angst, Wut, Ekel und Trauer. Die gehören einfach zu uns. Die Menschen früherer Epochen haben das intuitiv akzeptiert. Vielleicht sogar kultiviert? O ja, die Leute haben die negativen Emotionen als wertvollen Teil der menschlichen Erfahrungswelt anerkannt. Viele der größten Errungenschaften des menschlichen Geistes wurden geboren aus Trauer, Missstimmung und sogar Depression. Unzählige Werke der klassischen westlichen Literatur handeln davon, wie negative Gefühle heraufbeschworen werden. Seit der griechischen Antike gibt es mehr Tragödien als Komödien. Schauen Sie nur auf Shakespeare. In Kunst und Literatur wird Fröhlichkeit locker von der Ernsthaftigkeit abgehängt. PS YCH OLO G IE H EU TE com p a c t


Fotos: Shuwal | Leuchtspur.at / photocase.de

Man kann ja irgendwie begreifen, dass Angst, Wut und Ekel eine Funktion im Sinne der darwinschen Evolution erfüllen. Dass sie den Menschen also einen Überlebensvorteil sichern. Aber was ist mit Trauer? Stimmt: Angst bereitet den Organismus vor, zu fliehen,Wut, zu kämpfen, und Ekel, gefährliche Krankheitserreger zu vermeiden. Aber lange Zeit wussten wir einfach nicht, was es mit der Traurigkeit auf sich hat, der vielleicht am weitesten verbreiteten unserer negativen Emotionen. Wozu dient Traurigkeit? Erst in den vergangenen Jahren haben wir gelernt, dass milde und vorübergehende Traurigkeit adaptiv im Sinne der Evolutionstheorie sein kann. Inwiefern? Wir gehen davon aus, dass Traurigkeit wie ein automatisches unbewusstes Warnsignal fungiert, dass auf ungewöhnliche, neue oder problematische Herausforderungen hinweist. Der Effekt ist verblüffend: Sie löst in unserem Gehirn einen Verarbeitungsmodus aus, der nach außen gerichtet ist. Das heißt: Wir achten verstärkt und effektiver auf Informationen aus der Außenwelt und nicht so sehr auf interne, bereits im Gehirn vorhandene Informationen wie Erinnerungen und so weiter. Stellen Sie sich vor, Sie gehören einer Gruppe an, haben aber das Gefühl, dass Sie nicht wirklich akzeptiert sind. Das macht Sie traurig. Und das ist dann wie ein Signal: „Pass genau auf!“ Traurigkeit kann also in ganz konkreten Situationen sehr nützlich sein? Ja, denn unsere Studien zeigen: In vielen Situationen lohnt es sich, ein bisschen traurig zu sein und nicht im Glücksgefühl zu baden. Die Stimmung beeinflusst die Art des Denkens. Warum? Wie funktioniert dieser Zusammenhang? Je mehr und je länger und je intensiver Sie über eine Situation nachdenken, desto mehr nutzen Sie Informationen aus Ihrem Gedächtnis, um sie zu bewerten. Das haben wir in unseren Laborstudien festgestellt. Wir bringen unsere Probanden

gezielt in eine gewünschte Stimmung. Sie sehen lustige oder traurige Filme. Sie sollen sich an schlimme oder glückliche Momente in ihrem Leben erinnern, oder sie erhalten ausgezeichnete oder miserable Bewertungen auf Tests, die wir sie machen lassen. In der darauffolgenden Phase testen wir sie bei bestimmten Aufgaben – zu Aspekten, die uns interessieren. Und schauen nach, wie sich die unterschiedlichen Stimmungen auf ihre Leistungen, ihr Verhalten und ihre Entscheidungen auswirken. Zum Beispiel auf ihre sprachliche Überzeugungskraft. Wie sieht es da aus? Können wir das besser, wenn wir weniger gut drauf sind? Ja. Wir haben das sehr klar gezeigt. Die negativer Gestimmten überzeugen andere leichter als Menschen, die in positiver Stimmung sind, und liefern unter diesen Umständen die besseren Argumente. Warum? Weil sie sich mehr auf konkrete Details konzentrieren, die sie aus der Situation heraus wahrnehmen. Bei allen Leistungen, bei denen Umweltinformationen wichtig sind, sind die Negativen im Vorteil. Zum Beispiel? Wir haben zum Beispiel den Effekt der Stimmung auf die Skepsis der Menschen überprüft. Sie sollten angeben, welche gängigen Mythen sie für wahr oder falsch halten. Etwa ob die CIA Kennedy ermordet hat. Probanden in Glücksstimmung zeigten sich deutlich leichtgläubiger als die negativ Gestimmten. Glück kann also unaufmerksam und verführbar machen. Melancholisch Gestimmte erfassen auch bestimmte Situationen besser. In einer Studie haben wir unsere Probanden gebeten, auf einen Monitor zu starren und so schnell wie möglich mit einem Joystick zu schießen, falls sie sich durch das Geschehen auf dem Bildschirm in Gefahr glaubten. Einige der dort präsentierten Personen trugen muslimische Kopfbedeckungen. Die glücklichen Teilnehmer schossen deutlich öfter auf diese Menschen als die traurigen Probanden – auch wenn die Leute mit den „typi-

schen“ Kopfbedeckungen keine Waffe in der Hand hielten, sondern nur eine Coladose. Die Glücklichen gaben eher ihren inneren Vorurteilen nach und konnten die äußere Gefahr schlechter einschätzen. Melancholiker urteilen genauer, lassen sich weniger von irrelevanten Informationen manipulieren. Sie sind auch die zuverlässigeren Augenzeugen mit einem besseren Gedächtnis für unbewusst wahrgenommene Szenen des Alltags. Ich mache auch immer wieder die Erfahrung, dass sich die Glücklicheren egoistischer benehmen. Können Sie das bestätigen? In unseren Laborstudien benehmen sie sich tatsächlich egoistischer. In bestimmten Situationen, in denen Gemeinsinn gefragt ist, verhalten sich die Traurigen fairer. Und sie sind die empathischeren Menschen. Erst negative Gefühle wie Scham und Schuldbewusstsein motivieren uns, uns mehr um die Umwelt und die sozialen Normen zu kümmern, uns sozialer zu benehmen und an unseren schlechten Seiten zu arbeiten. Ihre Kollegen von der positiven Psychologie sind da aber ganz anders unterwegs. Das ist ja auch das, was mich an den Vertretern der positiven Psychologie etwas stört: Die wollen uns Glück verkaufen und definieren sogar, was Glück ist. Für mich ist das fragwürdig. Das schürt nur falsche Erwartungen unter den Menschen. Die sehnen sich dann so sehr nach Glück, dass der Schuss nach hinten losgeht und sie möglicherweise noch unglücklicher werden. Wir müssen den Leuten vielmehr sagen, dass sie lernen sollten, mit ihrem gesamten emotionalen Repertoire umzugehen. PHc Interview: Klaus Wilhelm

Der gebürtige Ungar Joseph Forgas, Psychologieprofessor an der University of New South Wales in Sydney, flüchtete Ende der 1960er Jahre in den Westen. Seitdem ist er auch Deutschland verbunden, war Professor an der Universität Gießen, Gastprofessor an den Universitäten Mannheim und Heidelberg und erhielt den Alexander-von-Humboldt-Forschungspreis.

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TRÄNEN TRÖSTEN Tränen sollten wir nicht unterdrücken. Sie haben eine heilende Funktion für Körper und Geist und sind ein mutiges Bekenntnis zum eigenen Erleben VON THERESIA MARIA DE JONG

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n Gegenwart weinender Menschen fühlen wir uns unwohl. Weinen ist uns unangenehm, es macht uns hilflos. Mit Tränen verbinden wir Trauer, Depression, Verlust. Negativ gefärbte Emotionen. Deshalb gilt es, Tränen in der Öffentlichkeit möglichst zu vermeiden, selbst wenn uns „zum Heulen“ ist. Wolfgang Rost, Psychotherapeut und Buchautor, macht unter anderem die unheilvolle Allianz von Tränen und Schwäche für das Heultabu in unserer Gesellschaft verantwortlich. Das gängige Ideal heißt Ausgeglichenheit, Gelassenheit. Extreme Gefühlsausbrüche verunsichern. Ein weinender Mensch verstößt gegen die ungeschriebenen Regeln und macht uns schmerzlich die eigenen unterdrückten Gefühle bewusst. Es kann regelrecht weh tun, andere Menschen weinen zu sehen. „Einer der Gründe, warum wir es so schwierig finden, mit weinenden Menschen umzugehen, ist, dass diese uns an unser eigenes Gefühl der Hilflosigkeit erinnern. Wir möchten, dass andere Stärke zeigen, weil es uns in unserer eigenen inneren Kraft bestätigt“, erklärt Jeffrey Kottler, Professor für Psychologie an der California State University in Fullerton. „Wenn ich mit jemandem zusammen bin, der weint, fühle ich mich oft genauso hoffnungslos. Ich möchte, dass die andere Person aufhört zu weinen, damit es mir wieder besser geht.“ Sogar Eltern fällt es häufig schwer, das Weinen ihres Kindes auszuhalten. Kindliche Tränen wecken unter Umständen Gefühle des Versagens und der Schuld, und sie erinnern an die eigene Verletzbarkeit und an vergangene Verletzungen. Deshalb muss das Kind möglichst schnell mit dem Weinen aufhören. Wolfgang Rost verweist darauf, dass Weinen nicht überall auf der Welt ein Manko darstellt. Beim kalifornischen Indianerstamm der Quechan beispielsweise wird erwartet, dass Trauernde in Tränen ausbrechen. Auch in anderen Kulturen ist Weinen ein Zeichen von Menschlichkeit. In Zeiten großer Trauer nicht zu weinen wird dort als Zeichen schändlicher Hartherzigkeit gewertet. In Südamerika bedeuten Tränen eine natürliche und aufrichtige Reaktion. Dort weinen auch Machos ganz ungeniert. „Machismo“ wird verbunden mit leidenschaftlichen, lebendigen, explosiven Gefühlen. Selbst bei uns war Weinen nicht immer tabu. In den Zeiten der deutschen Empfindsamkeit und Romantik brachen alle,

die als kultiviert gelten wollten, gerne und oft in Tränen aus. Erst mit der preußischen Ausrichtung aufs Militärische, auf Sachlichkeit und Emotionslosigkeit machte sich ein weinen der Mann unmöglich und verdächtig. Frauen durften weiterhin „Heulsusen“ bleiben. Da sie als das „schwache Geschlecht“ galten, war es ihnen erlaubt, den Tränen freien Lauf zu lassen. Die traditionelle Meinung „Frauen weinen gern und viel, Männer nie oder wenn, dann nur selten in schrecklichen Ausnahmefällen“ (weshalb weinende Männer auch so auffallen und ernst genommen werden) hat sich bis heute gehalten. Die Erlaubnis zum Weinen ist – zumindest in unserer Gesellschaft – eng verknüpft mit der Geschlechterfrage. Wenn Männer weinen, dann nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nur zu leicht, so befürchten Männer, laufen sie sonst Gefahr – ebenso wie weinende Frauen – als emotional instabil zu gelten.

Weinen wird bei Männern mehr akzeptiert als bei Frauen Nach einer Studie von Susan Labott ist diese Sorge allerdings überflüssig. Nach ihren Forschungsergebnissen werden Männer, die vor Fremden weinen, als sympathisch, nett und einfühlsam eingeschätzt – und zwar sowohl von Frauen als auch von ihren eigenen Geschlechtskollegen. Darüber hinaus galten weinende Männer nicht als femininer als ihre beherrschten Testpartner. Susan Labott resümiert: „Das soziale Ansehen von Personen, die ihre Emotionen ausdrücken – speziell durch Weinen –, hat sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert. Weinen wird keineswegs mehr als vorwiegend weibliches Verhalten gesehen, es wird gegenwärtig sogar bei Männern mehr unterstützt als bei Frauen.“ Denn auch das war ein Ergebnis ihrer Studie: Weinende Frauen schnitten bei den Sympathiewerten deutlich schlechter ab als ihre tränentrockenen Testkolleginnen. Offenbar werden weinende Frauen immer noch in die Kategorie „hilfloses Weibchen“ gesteckt, bei Männern hingegen scheint das Image von Kompetenz und Stärke auch durch fließende Tränen nicht gefährdet. Frauen, die Erfolg in männlich geprägten Berufsfeldern haben wollen, meinen oft, als „Überlebensstrategie“ ihre Emotionen abspalten zu müssen. Selbst in Helferberufen, in denen 85


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