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Meine Kirche!

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Seite 10 mehr auf

reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

3 reformiert 2012 Juni Juli August

n e b e l r e Kind


Kinderleben „Die Arbeit ist kindS. 4

zentrierter geworden“

„Wer betet, schaut sich S. 6

sein Leben genau an“

Seite 4 „Jedes Kind ist kompetent“ Kindergärten sind evangelische Bildungseinrichtungen Seite 6 Kinder beten Fragen an Bernhard Schmeing

Seite 8 Zwei Gesichter einer Reise Seite 10 Gemeindewahlen am 18.11.2012 Seite 12 Langer Atem S. 12

Foto: Andre Berends

Seite 13 Ein Dorf ist stolz auf seine Orgel Seite 14 „Diese sinnlose Tat hat uns alle überfordert“

2

S. 13

Foto: Sebastian Bete

3 reformiert 2012

Seite 16 Reformierter Reisetipp: Friedensstadt Osnabrück Seite 17 Personen

Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Reformiert, Konto-Nr. 90 60 08 Sparkasse LeerWittmund, BLZ 285 500 00 Spendenquittung wird zugesandt. Titelbild: Claudia Paulussen - Fotolia.com

Seite 18 Aktuelles, Impressum Seite 20 Position: „Günter Grass geht es um den Weltfrieden“


Berichte und Bilder über Kinder und Kirche

Foto: Richard Irmer

Kinderleben im Michaelskindergarten in Neuenkirchen bei Bremen

Liebe Leserin, lieber Leser, „Lasset die Kinder zu mir kommen, ...“ berichten Matthäus, Markus und Lukas übereinstimmend in ihren Evangelien über die Segnung von Kindern durch Jesus. Mehr als 15.000 Kinder leben in den Kirchengemeinden der Evangelisch-reformierten Kirche. Wie leben sie, wie beten sie, darum soll es in dieser Ausgabe von „reformiert“ gehen - zwei Blickrichtungen auf das Kinderleben. Freuen Sie sich mit mir auch über die schönen Bilder von Kindern in der Gemeinde. Und in der nächsten Ausgabe berichten wir über Pastoren, die für ihre Kinder „Elternzeit“ hatten. Mit dieser Ausgabe von „reformiert“ startet eine kleine Kampagne zu den Gemeindewahlen im November. Am 18.11. haben Sie die Gelegenheit, mit Ihrer Stimme Kirche zu gestalten. Sie sind aufgerufen, Ihren Kirchenrat oder Ihr Presbyterium zu wählen und sich damit demokratisch am Gemeindeleben zu beteiligen. Auch hier ein Blick auf die nächste Ausgabe: Sie steht ganz im Zeichen der Wahlen – mit dem Ziel, dass Sie sich dann möglichst an den Wahlen in Ihrer Kirchengemeinde beteiligen. Der Einstieg dazu auf den Seiten 10 bis 11. Ich wünsche Ihnen eine gute Sommerzeit und hoffe auf eine inspirierende Lektüre. Ihr

Ulf Preuß - Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

3 3 reformiert 2012


„Jedes Kind ist „ ... jeder kommt einen Schritt auf seinem Lebensweg voran.“ Sylvia Jahn

Kindergärten sind evangelische Etwa 3000 Kinder besuchen die 44 Kindergärten reformierten Kirche. Der neueste steht in Neuen schon seit 41 Jahren gibt. Ende November sind gezogen. In Bayreuth setzt man schon seit 40 85 Kinder in Neuenkirchen haben in diesem Jahr richtig Glück gehabt. Sie durften aus ihrem alten Michaelskindergarten, auf dem Kirchenge-

„ ... manchmal beißt man sich

lände direkt neben dem Gemeindehaus, in einen Neubau direkt nebenan umziehen. Anfang Mai

vor Lachen auf die Zunge.“

war die offizielle Eröffnung. Auf jetzt 700 qm sind

Heike Ahlers

ihnen in einer L-Form, so wie es sich die Erzie-

helle, freundliche Räume entstanden, viele von herinnen im Planungsprozess gewünscht hatten. „Diese Form bietet gute Möglichkeiten, für die Kinder in einem Raum auch Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen“, erzählt die Kindergartenleiterin Heike Ahlers. Auch die Kinder durften bei der Planung mithelfen. Sie malten ihren Wunschkindergarten und wünschten sich dabei, so Heike Ahlers, helle Räume und viele Treppen. Und das ist auch in Erfüllung gegangen. Besonders das Treppenhaus haben die Kinder als Spielplatz entdeckt. „Das ist so beliebt, dass wir inzwischen dort manchmal eingreifen müssen.“ Mit den neuen Räumen ließ sich auch das Konzept der Kindergartenarbeit in Neuenkirchen auf die Wünsche des Erzieherinnenteams umstellen. So gibt es jetzt sechs Themenräume, die die Kinder nach ihren Wünschen und Begabungen selbständig aufsuchen können: Bauen und Logisches Denken, Sprache und Kreativität, Musik und Rollenspiel, Bewegungsraum und Kuschelraum. Besonders beliebt ist der Forscher- und Experimentierraum. „Wir sehen jedes Kind als kompetentes Kind“, meint Heike Ahlers und man spürt, dass in Neuenkirchen diese Haltung gegenüber dem Kind in die Kindergartenarbeit einfließt. Der Kindergarten im fränkischen Bayreuth ist kleiner, 19 Kinder kommen hier jeden Tag und davon sind fünf behindert. Damit ist schon beschrieben, was den Kindergarten auszeichnet.

Fotos: Richard Irmer


kompetent“ Bildungseinrichtungen in den Kirchengemeinden der Evangelischkirchen bei Bremen, obwohl es ihn auch 85 Kinder mit ihren zwölf Erzieherinnen umJahren auf integrative Arbeit

INFO

Von einer Elterninitiative gegründet, gab es 1971

Die meisten der 44 Kindergärten liegen in der Grafschaft Bentheim

den Aufnahmeantrag von Eltern eines behinder-

und in Ostfriesland. Etwa 260 pädagogische Fachkräfte arbeiten in

ten Kindes. Das, was heute überall gesetzlich

den 117 Kindergarten- und 11 Krippengruppen. Die wichtigste Finan-

geregelt ist, dass nämlich behinderte Kinder in

zierungsquelle sind Zuschüsse der Bundesländer und der Kommunen

den Kindergartenalltag integriert werden müssen,

sowie die Elternbeiträge. Das Diakonische Werk der Evangelisch-

wurde in Bayreuth schon vor 40 Jahren mit Willen

reformierten Kirche zahlt jedes Jahr 430.000 Euro für die Kindergar-

aller Eltern umgesetzt. „Auch heute tragen alle El-

tenarbeit.

tern den Gedanken der Inklusion mit“, sagt Sylvia Jahn, seit neun Jahren Leiterin in Bayreuth. Und

Adressen der Kindertagesstätten:

auch noch immer spielt die Elternarbeit eine we-

www.diakonie.reformiert.de/index.php/Unsere_Mitglieder.html

sentliche Rolle. Einmal im Monat ist Elternabend und alle Eltern verpflichten sich, zwei Wochen pro

Kindergarten Neuenkirchen:

Jahr Elterndienst im Kindergarten zu leisten. Das

www.neuenkirchen.reformiert.de/michaelskindergarten.html

ist so erfolgreich, dass es sogar Väter gibt, die dafür Urlaub nehmen, sagt Sylvia Jahn. Und wenn

Kindergarten Bayreuth:

Besuchern des Kindergartens gar nicht auffällt,

www.kita-bayern.de/bt/erlangerstrasse/index.htm

dass von den Kindern fast ein Viertel behindert ist, spricht auch das für den Erfolg des Konzepts der Inklusion.

Kindergartenkinder aus Bayreuth auf dem Außengelände

Heike Ahlers aus Neuenkirchen und Sylvia Jahn aus Bayreuth stehen beide stellvertretend für eine Entwicklung in der Kindergartenarbeit. Die Kinder sind immer noch zwischen drei und

5

sechs Jahren alt, aber der Blick der Erzieherinnen auf die Kinder hat sich gewandelt. „Die Arbeit ist kindzentrierter geworden“, sagt Ahlers. Und die Kinder seien in der Lage, sich intensiv einzubringen. Früher hätten die Erzieherinnen Bilderbücher vorgelesen, Singspiele und Bastelangebote gemacht, heute entscheiden die Kinder mit, womit und wie sie sich beschäftigen. Sylvia Jahn formuliert es so: „Die Frage ist immer, wie kann ich alle erreichen, so dass vom Angebot alle profitieren und jeder auf seinem Lebensweg ein Stück vorankommt.“ von Ulf Preuß

3 reformiert 2012 Foto: privat

Neuenkirchener Kinder führen ein Singspiel beim Festakt zur Kindergarteneröffnung auf. Zuvor gestalteten sie auch den Gottesdienst in der Michaelskirche mit. Einmal im Monat leiten Pastorin und Pastor im Kindergarten einen Aktionstag zu einer biblischen Geschichte an.


Kinder beten Fragen an Bernhard Schmeing, Landesjugendpastor der Evangelisch-reformierten Kirche und Beauftragter für die Kindergottesdienstarbeit Welche Rolle spielt das Beten mit Kindern in Ih-

Wir beten zusammen mit unseren Kindern am

ren Augen heute?

Tisch; dabei haben sich unsere Kinder eine Zeit

Wer betet, weiß wie es ihm geht! Das heißt: Wer

lang selbst ein Gebet aus einem Büchlein mit Ge-

betet, wird sich seiner Wünsche, seiner Ängste,

beten von Erwin Grosche ausgesucht und gespro-

seiner Hoffnungen bewusst. Und das gilt in glei-

chen.

chem Maße für Erwachsene und Kinder. Wer betet, schaut sich sein Leben genau an!

Was ist bei der Auswahl und Formulierung von

Erwachsene und Kinder machen sich in unseren

Gebeten wichtig?

Kirchengemeinden gemeinsam auf die Spurensu-

Ein Gebet kann kurz oder lang sein, im Stillen ge-

che nach dem, was uns trägt und was uns tröstet.

sprochen oder in der Öffentlichkeit. Das richtige

Dabei hören sie biblische Geschichten von Men-

Gebet gibt es nicht.

schen, die Erfahrungen mit Gott gemacht haben.

Für mich sollte ein Gebet vor allem ehrlich sein

Und sie hören dabei von Menschen, die sich im

– ich kann im Gebet auch das sagen, was mir an

Gebet an Gott gewendet haben. Wir dürfen und

mir selbst nicht gefällt. Vor Gott im Gebet darf ich

können also von den Vorfahren des Glaubens ler-

so sein, wie ich bin; darf ich so reden, wie mir

nen, wie man beten kann. Wir müssen, Gott sei

gerade zumute ist. Gebete müssen nicht hoch-

Dank, das Beten nicht „neu erfinden“.

kompliziert formuliert werden. Gerade wenn ich mit Kindern bete, kann ich das gut einüben.

Wie haben Sie mit Ihren Kindern gebetet? Meine Frau und ich haben unseren Kindern, als

Wo können Eltern für ihre Kinder Gebete finden?

sie klein waren, abends am Bett ein Gebetslied,

Ich persönlich finde die Gebetbücher von Erwin

eine leicht veränderte Fassung des Wiegenlieds

Grosche sehr ansprechend. Grosche geht in sei-

von Brahms vorgesungen:

nen Gebeten immer wieder auf alltägliche Gefühle

„Guten Abend, gute Nacht, mit Rosen bedacht, mit

ein. Seine Gebete sind einfach und schön formu-

Blümlein bedeckt, schlüpf unter die Deck! Morgen

liert. Die Gebetsbücher sind liebevoll illustriert.

früh, weil Gott will, wirst du wieder geweckt.“

6 3 reformiert 2012

INFO Einige Bücher von Erwin Grosche: Du bist für uns da - 250 Kindergebete Hier ist noch Platz für dich - 50 Tischgebete

Der Magen knurrt,

Ich sag dir Danke - 50 Dankgebete

der Magen knurrt,

Internet: www.kinderkirche.de/themen/gebet/div-gebete.htm

er will zu essen haben. Doch danken wir erst Gott dafür und preisen seine Gaben. aus: Erwin Grosche, Hier ist noch Platz für dich


7 3 reformiert 2012

Foto: epd-Bild/Jรถrg Stipke


Zwei Gesichter einer Reise Mit „Brot für die Welt“ in Mexiko „Siembre nuestra Milpa“ – „Sät unsere Milpa aus“ – so prangt es auf einem gro-

ten. Firmen versprachen den Kleinbauern große Ertragssteigerungen beim Grundnahrungsmittel

auf ihrem Feld zeigt. „Milpa“, ein Begriff,

Mais, wenn sie nur ihr Saatgut kauften, heute

sind unterwegs mit „Brot für die Welt“ durch Mexiko. Als Mitglieder der zuständigen Gremien wollen wir uns über geförderte Projekte in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft informieren. Es wird eine Reise mit zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern: Das Staunen und Entsetzen lie-

3 reformiert 2012

te alt, doch fast wäre es in Vergessenheit gera-

ßen Wandgemälde, das eine Kleinbäuerin

der uns auf unserer Reise begleitet. Wir

8

Kleinbauern. Das Wissen darum ist Jahrhunder-

zumeist gentechnisch verändert. Eine Ertragssteigerung war allerdings nur mit Hilfe des teuren Kunstdüngers möglich, den die Firmen gleich mit verkauften. Hatten sie Saatgut früher selbst gewonnen, mussten die Bauern nun in jedem Jahr Saatgut und Dünger kaufen. Da die Felder mehr und mehr auslaugten, musste es immer mehr Kunstdünger sein. Die Familien der Kleinbauern gerieten in einen Kreislauf, an dessen Ende sie nicht mehr genug hatten, um sich zu ernähren – Mangel und Hunger waren die Folge.

gen auf dieser Reise ganz dicht beieinander: Wie

Kleinbauernorganisationen suchten einen Weg,

Menschen mit Hilfe von „Brot für die Welt“ ihre

der aus diesem Teufelskreis herausführte. „Brot

Lebensbedingungen grundlegend verändern und

für die Welt“ unterstützte sie dabei. Am Anfang

Unrecht und Gewalt, die Menschen in diesem Land

dieses Weges stand die Wiederentdeckung vieler

widerfahren.

traditioneller Methoden der Kleinbauern, im Zen-

Für die erste Erfahrung ist „Milpa“ so etwas

trum dabei „Milpa“. In dieser Mischkultur wird

wie ein Schlüsselbegriff. Er bezeichnet die alte

Mais gemeinsam mit Bohnen und Kürbis auf ei-

traditionelle Mischkultur auf den Feldern der

nem Feld ausgesät. Die Bohnen ranken am Mais,

Kleinbäuerinnen erklären mit einem Bild, wie ein Familienbetrieb aussehen sollte


Fotos: Dietmar Arends

die großen Blätter der Kürbispflanzen schützen

ganz wesentlich zu einem schonenden Umgang

den wertvollen Ackerboden. Ausgesät wird nun

mit den natürlichen Ressourcen bei. Nicht um-

wieder die ganze Vielfalt traditioneller Maissor-

sonst wurde der Gründer einer der Kleinbauernor-

ten. Anstatt Kunstdünger zu verwenden, lernen

ganisationen, Jesús León Santos, mit dem Gold-

die Kleinbauern Gründüngung und Herstellung

man Umweltpreis ausgezeichnet. Das Programm

von organischem Dünger. Zahlreiche andere Maß-

wird ständig weiterentwickelt und ist längst zu

nahmen zur Tierhaltung und zum Anlegen von

einem Vorbild geworden, wie die Situation von

Gemüse- und Kräutergärten ergänzen das Pro-

Kleinbauern verbessert werden kann - nicht nur

gramm. Immer ist es verbunden mit Maßnahmen

in Mexiko, sondern weit darüber hinaus.

zu Wiederaufforstung, um der dramatischen Bo-

Leider ist in manchen Bundesstaaten Mexikos

denerosion entgegenzutreten. Hunderttausende

diese positive Entwicklung immens gefährdet.

von Bäumen wurden so schon gepflanzt. Aber

Und das ist das andere Gesicht dieser Reise: Das

auch das Nachdenken über die Rolle von Frau-

organisierte Verbrechen bedroht die Menschen

en und Männern, Maßnahmen gegen häusliche

und ihre Lebensgrundlage. Ihr Land wird ihnen

Gewalt und der Kampf gegen HIV/Aids gehören

genommen. Sie werden eingeschüchtert, vertrie-

dazu. Zum Gelingen trägt ganz wesentlich die Me-

ben, verschwinden einfach oder werden ermordet.

thode bei, dass die Kleinbauern und Kleinbäue-

Tief erschüttert lauschen wir den Schilderungen

rinnen ihre gewonnenen Erkenntnisse und Erfah-

von Mitgliedern einer anderen Kleinbauernorga-

rungen miteinander teilen. Von „Bauer zu Bauer“

nisation, die all das aus eigenem Erleben berich-

heißt die Methode ganz offiziell.

ten. Und wir bewundern ihren Mut, dass sie trotz

Im Ergebnis hat sich die Ernährungssituation

allem nicht aufgeben wollen. Sie, die anderen

der Kleinbauernfamilien enorm verbessert. Meist

Kleinbauernorganisationen und die Menschen-

verbleibt ein Überschuss, den sie auf den Märk-

rechtsorganisationen in Mexiko brauchen unser

ten verkaufen können. Zudem trägt das Programm

Gebet und unsere Unterstützung.

Vielfalt traditioneller Maissorten

Kleinbauern tauschen sich über den Anbau von Chili aus

9 3 reformiert 2012

von Dietmar Arends

Dietmar Arends ist Pastor für Diakonie und Ökumene in der Evangelisch-reformierten Kirche. Er vertritt seine Kirche im Ausschuss für ökumenische Diakonie beim Diakonischen Werk und war im März dieses Jahres im Rahmen einer Informationsreise in Mexiko und hat dort von „Brot für die Welt“ geförderte Projekte besucht.


Gemeindewahlen am 18.11.2012

„Wenn Sie sich an den Wahlen in Ihrer Kirchen-

„Mir gibt der in der Gemeinde gelebte Glaube Kraft

gemeinde beteiligen, ist das auch eine Aus-

für den Alltag. Dafür möchte ich der Gemeinde gern

zeichnung für die vielen Ehrenamtlichen. Ohne

etwas zurückgeben. Ich übernehme gerne Verant-

ihr Engagement wäre das kirchliche Leben nicht

wortung, um unseren Pfarrer in der Organisation

denkbar.“

und Leitung der Gemeinde zu unterstützen.“

Kirchenpräsident Jann Schmidt

Annette Brand, Lüneburg

Am 18. November* sind etwa 150.000 Menschen aus den Kirchengemeinden der Evangelisch-reformierten Kirche aufgerufen, ihre Leitungsgremien neu zu wählen. Dabei sind rund 520 Personen für die Kirchenräte/Presbyterien zu bestimmen, rund 640 für die Gemeindevertretungen. Wahlberechtigt sind alle konfirmierten oder als Erwachsene getauften Gemeindeglieder. Neu zu besetzen ist jeweils die Hälfte der Plätze in den Kirchenräten oder Presbyterien sowie in den Gemeindevertretungen der 146 Kirchengemeinden. Die Neugewählten sind dann für sechs Jahre im Amt. Im Anschluss an diese Gemeindewahlen werden auch die Synodalverbandssynoden und die Gesamtsynode neu gewählt. Diese treten dann erstmals zu Beginn des Jahres 2013 neu zusammen. * in einigen Kirchengemeinden weicht der Wahltag aus regionalen Gründen ab.

10 3 reformiert 2012

INFO Informieren Sie sich über

Scannen Sie diesen QR-Code ein.

die Mitarbeit in Ihrer Kirche.

So haben Sie die Internetadresse

Die Faltbroschüre erhalten

www.gemeindewahlen.reformiert.de

Sie in Ihrer Gemeinde.

auf Ihrem Handy.

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18.11 Kirche gestalten - ich mache mit !

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Lydia Lödden - bad bentheim

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Langer Atem Der erste evangelisch-reformierte Posaunenchor entstand 1887 in Gildehaus Es waren junge Männer, die vor 125 Jahren frischen Wind in den Gottesdienst der Kirchen-

Dem Posaunenchor Gildehaus gehören im Ju-

nachbarten Westfalen von einer anderen, neuen

biläumsjahr 18 Musiker an. Das jüngste Mitglied

Form der Kirchenmusik gehört: Dort wurde der

ist Maren Lankhorst. Die Elfjährige spielt im Tenor

Gottesdienst nicht mehr nur mit der Orgel, son-

das Euphonium. Der 80-jährige Ludwig ter Horst

dern auch mit Posaunen, Hörnern und Trompe-

ist am längsten dabei. Er spielt seit 64 Jahren im

ten begleitet. „Das war damals schon ziemlich

Bass die Tuba und wird dabei von seinen Enkeln

revolutionär“, sagt

Markus (Tuba) und Sandra (Euphonium) tatkräftig

Landesposaunen-

unterstützt. Es sei in Gildehaus eigentlich immer

wartin Helga Hoog-

schon so gewesen, dass ganze Familien im Po-

land aus Veldhau-

saunenchor aktiv waren, berichtet Frank Holke

sen.

und fügt hinzu: „Das ist wie in einem Fußballverim

Gottesdienst – das

ein.“ Die Gruppe besteht etwa zu gleichen Teilen aus Schülern und Erwachsenen.

machte die Män-

Musikalisch habe sich der Posaunenchor Gilde-

ner des evangeli-

haus in den vergangenen 20 Jahren wieder stark

schen

Jünglings-

an seine Wurzeln erinnert, sagt Helga Hoogland:

vereins Gildehaus

„Das Kirchliche steht heute eindeutig im Vorder-

neugierig. Sie hat-

grund, auf eine sehr zeitgemäße Art.“ Der älteste

ten sich 1875 zu-

Posaunenchor in der Landeskirche sei damit einer

sammengeschlossen und gründeten zwölf Jahre

der modernsten, meint sie. „Wir spielen zu 80, 90

später den ersten Posaunenchor in der heutigen

Prozent kirchliche Lieder, gehen dabei aber auch

evangelisch-reformierten

Damit

in Rock, Pop und Swing“, erklärt Frank Holke,

war die christliche Posaunenmusik, die 1843 in

der Rest sei weltliche Musik. In Gildehaus komme

Bielefeld ihren Anfang genommen hatte, auch in

die ehrenamtliche Arbeit der Musiker sehr gut an,

die Grafschaft Bentheim geschwappt. In die Sta-

sagt er. Der Posaunenchor habe mit seiner Form

tuten des Vereins schrieben die Musiker damals:

der Verkündigung in der Kirchengemeinde seit

„Der Posaunenchor Gildehaus ist gegründet im

langem einen festen Platz.

Foto: Andre Berends

3 reformiert 2012

Holke, seit 2004 Chorleiter.

gemeinde Gildehaus brachten. Sie hatten im be-

Blasmusik

12

meinde.“ Das gelte auch heute noch, sagt Frank

Landeskirche.

Jahre 1887 zur Ehre Gottes, zur Erbauung und christlichen Freude seiner Mitglieder und der Ge-

von Andre Berends

INFO Das Jubiläum des Posaunenchores wird mit einem Landesposaunenfest mit mehr als 500 Musikern vom 6. bis 8. Juli in Gildehaus gefeiert. Es beginnt am Freitag mit den Jungbläsertagen. Am Samstagabend gibt das hochkarätige Ensemble „German Brass“ ab 20 Uhr ein Konzert. Am Sonntag beginnt um 11 Uhr ein Festgottesdienst mit Kirchenpräsident Jann Schmidt. Nachmittags ist ein Gemeindefest geplant. Bei einer Sonderbriefmarke zum Jubiläum, erhältlich im Landeskirchenamt

Diskussion soll es um den „Gemeindegesang im 21. Jahrhundert“ gehen. Gegen 17.30 Uhr endet das Fest mit einer Abschlussandacht mit mehreren Posaunenchören. Zum Jubiläum erscheint die Festschrift „125 Jahre Posaunenchöre in der Evangelisch-reformierten Kirche“.


Das Dorf ist stolz auf seine Orgel 555 Jahre gotische Orgel in Rysum Der Schatz steht direkt im Zentrum, auf dem

Feier, bewahren ihr historisches Erbe und packen

höchsten Punkt der Rundwarf. Ein kulturelles

mit an. „Es gibt einen großen Pool an Menschen,

Erbe, ein wahres Vermächtnis von Weltrang. Denn

die das Dorfleben aktiv mitgestalten“, freut sich

die Orgel in der Rysumer Kirche gehört zu den

Holger Balder. Diese starke Gemeinschaft ist ei-

vier ältesten auf der ganzen Welt, in Nordeuropa

nes der vielen Pfunde, mit denen die Rysumer

gibt es keine, die früher gebaut wurde und heu-

wuchern können. Und genau diese Verbundenheit

te noch so gut erhalten und bespielbar ist. 1457

sorgt auch dafür, dass man das wuchtige Fest-

wurde das Instrument in Groningen gefertigt und

programm überhaupt auf die Beine stellen kann.

nach Rysum gebracht – vor genau 555 Jahren. Ein

Rund 40 Veran-

Grund für die Evangelisch-reformierte Kirchenge-

staltungen haben

meinde, nun ausgiebig zu feiern: Das internatio-

die

nale Jubiläum „555 Jahre – die gotische Orgel in

für das Jubiläum

der Rysumer Kirche“.

organisiert – unter

Die Vorbereitungen für das Festjahr haben

Krummhörner

anderem Konzerte

bereits 2009 begonnen. „Wir haben uns vorge-

und

nommen, ein Jubiläum zu feiern, von dem auch

Musiktheater und

alle Rysumer etwas haben“, erzählt Pastor Hol-

ein internationales

ger Balder. Gesagt, getan. Heißt: Es soll nicht nur

Symposium.

ein kleiner Kreis von Orgelexperten dabei sein,

April wurde begon-

nicht nur wenige Kenner von Kirchenmusik bei

nen, am 1. Advent

Konzerten nach Rysum kommen. Ganz im Gegen-

endet das Festjahr

teil. „Wir möchten bei uns für viele etwas bieten,

mit einem NDR-Radiogottesdienst. Auch viele

nicht nur für einen speziellen Kreis“, sagt Balder.

junge Leute sind bei den Aktionen dabei, gestal-

Doch um groß zu feiern, war den Rysumer

ten unter anderem ein Mittelalterwochenende im

schnell klar, dass man Unterstützung benötigt.

Juli. „Sie nähen zum Teil die historische Kleidung

Man machte sich auf die Suche nach Kooperati-

selbst“, sagt Balder und ergänzt: „Viele Rysumer

onspartnern – und die waren schnell gefunden.

bringen sich hier mit ein.“

Führungen,

Im

Die Ländliche Akademie Krummhörn und das

Aber warum wurde nicht schon früher gefeiert?

Organeum in Weener, die Ostfriesische Land-

„Zum 500. Jubiläum war hier noch niemandem

schaft und die Stichting Groningen Orgelland, der

bekannt, was für einen Schatz wir besitzen“, er-

Krummhörner Orgelfrühling und das Musikfest

zählt der Pastor, „und zum 550. Geburtstag wur-

Bremen – alle sind mit im Boot, gestalten das

de die Kirche gerade restauriert. Also haben wir

Jubiläum gemeinsam. „Aber“, sagt Balder, „wir

uns für die 555-Jahr-Feier entschieden.“ Ein gro-

waren uns auch sicher, dass wir im Ort sehr viel

ßes Fest für ein Kulturerbe von Weltrang.

Fotos: Sebastian Bete

13 3 reformiert 2012

Unterstützung bekommen.“ Denn man habe in dem rund 700 Einwohner zählendem Dorf einen

von Sebastian Bete

„starken Zusammenhalt“. Die Rysumer sind stolz auf ihre Orgel, darauf, dass Menschen aus der ganzen Welt anreisen, um sie zu sehen, um ihren einzigartigen Klang zu hören. Und deshalb beteiligen sich viele an der

www.rysum.reformiert.de

Pastor Holger Balder (links) mit dem Organisten Prof. Wolfgang Zerer, der an der Rysumer Orgel im Rahmen der Festveranstaltungen ein Konzert gab.


„Gibt es im Himmel Erdbeereis?“ „Natürlich gibt es im Himmel Erdbeereis. Sogar Himbeereis, wenn das heißt, dass es denen, die dort sind, gut geht!“ Pastor Manfred Meyer

„Diese sinnlose Tat hat Pastor Manfred Meyer begleitet die Familie der am 24. März in Emden Die letzten sechs Wochen stand Meyer an der Seite der Familie, Dabei ging es auch darum, die Familie bei ihrem Wunsch, ganz allmählich

14 3 reformiert 2012

Er hat gar nicht erst versucht, irgendeinen Sinn

Forderungen nach Selbstjustiz zu wenig nachge-

in dem Mord an der elfjährigen Lena zu sehen.

dacht haben“. Emden sei „völlig zu Unrecht“ als

„Dieser Tod war nicht Gottes Wille. Er machte

„Stadt des Hasses“ bezeichnet worden. Aber Em-

keinen Sinn“, sagt Manfred Meyer, Pastor der

den sei auch nicht die heile Welt. Das war schon

Kirchengemeinde Emden. Er begleitet seit dem

vor dem Mord an Lena der Fall, das wird auch

24. März, dem Tag, an dem die elfjährige Lena

hinterher so bleiben. Es waren ungeheuer schwe-

im Emder Parkhaus starb, die Familie des Opfers.

re Schicksalsschläge, die die Familie ereilten. Erst

Mit vielen anderen versucht er, der Familie „jeden

der Tod des Kindes, dann die Gewissheit, dass

Tag ein ganz kleines Stückchen mehr“ den Weg

die Tat sexuell motiviert war. Letztlich das Wis-

zurück in den Alltag zu ebnen. Es sei ausdrücklich

sen darum, dass Fehler geschehen sind. Ob der

Wunsch der Familie, allmählich den Weg zurück

Fehler nun bei der Polizei, den Psychologen oder

ins Leben zu finden. Wie, wann und wo immer

den Jugendbehörden lag: „Die Familie hat ein

das auch gelingen mag.

Recht auf eine schnelle, lückenlose Aufklärung“,

Die Suche nach dem Sinn, nach einer Erklärung

sagt der Pastor. Der Prozess werde die Wahrheit

für das, was geschehen ist, fällt auch dem Pastor,

ans Licht bringen, wobei es ein weiterer Schlag

dem ausgebildeten Notfallseelsorger, schwer. Er

für die Familie wäre, wenn alle Einzelheiten des

hat keine Antwort. Aber er kann im Alltag helfen,

Verbrechens in der Öffentlichkeit ausgebreitet

„das Leid aushalten, an der Seite sein“. Das sei

würden. Aber das sei Sache der Juristen, darauf

und bleibe ureigenste Aufgabe der Kirche. „Wenn

zu achten, sagt Meyer. Die offensichtlichen Pan-

wir angesichts des Todes nichts mehr zu sagen

nen behinderten auf jeden Fall die Trauerarbeit

haben, ja wann denn dann?“, fragt Meyer.

„in großem Umfang“, machten es Meyer schwer,

„Diese sinnlose Tat hat uns alle überfordert“, sagt Meyer. Die Familie, die Polizei, die Stadt Emden, den Pastor. Auch diejenigen, „die mit ihren

der Familie den Trost zu spenden, „dass sie in keinem Moment von Gott verlassen ist“. So ein Moment, in dem die Familie sich nicht


Foto: Heiner Schröder

uns alle überfordert“ ermordeten Lena. In ganz Deutschland ist über den Mord berichtet worden. hat ihr Leid ausgehalten und ihr im Alltag geholfen. wieder in den Alltag zurück zukommen, zu unterstützen.

verlassen fühlte, war der 13. April. An diesem

mit Fragen konfrontiert zu werden, die einfach zu

Abend trauerte Emden, entschuldigte sich, ge-

beantworten sind. Darauf hofft auch Lenas Fami-

dachte würdevoll der Geschehnisse der 14 Tage

lie, „sich zu erlauben, irgendwann mal wieder zu

zuvor. Dieser Moment hätte früher kommen kön-

lachen“. Kinder finden diesen Weg zur Normalität

nen. Aber er kam noch früh genug, um in das Be-

manchmal etwas einfacher zurück, sind direkter.

wusstsein der Familie einzudringen. „Für diesen

Meyer war auch an der Emsschule, in die Lenas

13. April bin ich dankbar“, sagt Meyer. Seitdem

Bruder seit einigen Wochen wieder geht. Es gibt

kehre etwas Ruhe ein. Jetzt sind wieder Kleinig-

die unangenehmen, kindlich direkten Fragen, wie

keiten möglich, die das Weiterleben etwas erträg-

denn Lena nun gestorben ist. Fragen, mit de-

licher gestalten. Und sei es die Gewissheit, dass

nen Lenas Bruder umzugehen gelernt hat. Aber

die Familie in Ruhe auf den Friedhof zu Lena ge-

es gibt auch die Fragen, ob denn Lena im Him-

hen kann, ohne Angst, beobachtet, verfolgt, be-

mel Eis essen kann – Meyer hatte daraufhin den

fragt zu werden. Vorher war das kaum möglich.

Schülern von einem Buch mit dem Titel „Gibt es

Sogar die von Meyer ausdrücklich gelobten Kon-

im Himmel Erdbeereis?“ erzählt. Natürlich gibt es

taktbeamten der Polizei, die die Familie betreu-

im Himmel Erdbeereis. Sogar Himbeereis, wenn

ten, hatten ihre liebe Mühe und Not, den überre-

das heißt, dass es denen, die dort sind, gut geht,

gionalen Fernsehteams zu entkommen.

erzählt der Pastor. Und dann seien die Kinder

Auch Manfred Meyer möchte wieder den ganz

in der Emsschule zufrieden, sagt der 51-Jährige,

normalen Alltag erleben. Während des Gesprächs

denn sie wissen, dass es Lena jetzt gut geht, wo

über den Mord und die Opfer ruft jemand aus

sie ist. Vielleicht ist es das, was Meyer mit Hoff-

der Kirchengemeinde an, der ein Detail zu einer

nung meint.

Gemeindefahrt wissen möchte. Meyer nimmt sich Zeit, antwortet ruhig, fast heiter. Auch in der Gemeinde wird er gebraucht und genießt es jetzt,

von Heiner Schröder

15 3 reformiert 2012


REFORMIERTES REISEZIEL

Osnabrück ist Friedensstadt Der 1648 in Osnabrück und im benachbarten

Von der Bergkirche gelangt der Besucher durch

Münster geschlossene Westfälische Frieden prägt

das Heger Tor und die Altstadt zum Marktplatz. Er

die Stadt bis heute. Er war auch ein Friedens-

wird umsäumt von alten Giebelhäusern, der Ma-

schluss der Konfessionen. Heute ist die Ökume-

rienkirche, der Stadtwaage und dem Rathaus des

ne in Osnabrück längst selbstverständlich. Sie

Westfälischen Friedens. Letzteres steht in diesem

spiegelt sich im Stadtbild wieder. Der katholische

Jahr besonders im Mittelpunkt. Der spätgotische

Dom, die lutherische Marienkirche und die refor-

Bau wird 500 Jahre alt. Osnabrück feiert den Ge-

mierte Bergkirche liegen in Reichweite. Die Berg-

burtstag mit einem umfangreichen Programm ab

kirche wartet seit kurzem mit einer Besonderheit auf.

dem 23. Juni.

Nach zweijähriger Renovierungsphase erstrahlt

Im Friedenssaal wurden die Verhandlungen um

ihr Inneres wieder in altem Glanz: Den Bogen

den Westfälischen Frieden geführt. Im Stil dieser

über der Orgel schmücken bunte Malereien. En-

Zeit präsentiert er sich auch heute. Am auffälligs-

gel, Löwe, Stier und Adler - die Symbole der vier

ten ist der mehrfach gegliederte Leuchter aus der

Evangelisten ziehen den Blick des Besuchers un-

ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die Wände

weigerlich an. Die Kapitelle der Säulen leuchten

zieren 42 Porträts der „Friedensmacher“, die zwi-

golden. Diese ursprünglichen, in den 50er Jahren

schen 1643 und 1648 den Westfälischen Frieden

jedoch übertünchten Malereien wurden wieder

ausgehandelt haben. An der Wand gegenüber der

freigelegt. Die Bergkirche war vor rund 120 Jah-

Eingangstür sieht man die drei bedeutendsten

ren der erste reformierte Kirchenneubau in Osna-

Persönlichkeiten: den französischen Sonnenkönig

brück. Architekt war 1892/93 der damals berühm-

Ludwig XIV., den Kaiser Ferdinand III. und Königin

te Berliner Regierungsbaumeister Otto March. Er

Christina von Schweden.

brach mit dem in der reformierten Kirche streng beachteten Bilderverbot und malte das Innere mit

von Martina Schwager

Blumenmustern, Schriftzügen und Bildern aus.

INFO Tourist Information Osnabrück Bierstraße 22-23 49074 Osnabrück

1

Tel.: 0541 / 323-22 02 Fax: 0541 / 323-27 09 E-Mail: tourist-information@osnabrueck.de www.osnabrueck.de Bergkirche Die Bergkirche ist täglich mindestens von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag ist um

2 (1) Türgriff Rathaus (2) Deckenmalerei Bergkirche (3) Rathaus Osnabrück (4) Schlüsselübergabe nach Renovierung der Bergkirche

3 4

19 Uhr eine kurze Abendandacht. Adresse: Bergstr. 16, 49076 Osnabrück


Verena Hoff ist neue Pastorin der Kirchengemein-

Karl Friedrich Ulrichs ist jetzt am Evangelischen

de Lingen, die 30-Jährige wird am 3. Juni in ihr

Predigerseminar, einer Ausbildungsstätte für Vi-

Amt eingeführt. Zuvor war sie persönliche Refe-

karinnen und Vikare, in Wittenberg tätig. Ulrichs

rentin von Kirchenpräsident Jann Schmidt und als

(45) war von 2000 bis 2010 Pastor in den Kir-

Pastorin in den Gemeinden südlich von Leer tätig.

chengemeinden Eddigehausen und Reyershausen bei Göttingen.

Christoph Rehbein ist neuer Pastor der Kirchengemeinde Hannover. Der 53-Jährige wechselt von

Daniel Metelerkamp (33) ist der erste Kranken-

Göttingen in die Landeshauptstadt und wird dort

hausseelsorger am Krankenhaus Rheiderland in

die dritte Pfarrstelle neben Elisabeth Griemsmann

Weener. Die Errichtung der Pfarrstelle am Kran-

und Martin Goebel besetzen.

kenhaus in Weener wurde möglich, weil sich der

PERSONEN

Neu im Amt

Krankenhausverein Rheiderland, das Klinikum Jörg Schmid ist neuer Pastor der Kirchengemein-

Leer und das Wohnheim Haus Fresena etwa zur

de Aurich, er wechselt von Wybelsum und Logu-

Hälfte an den Personalkosten beteiligen.

mer Vorwerk nach Aurich. Der 46-Jährige stammt aus Murrhardt in Württemberg. Er kam 1995 als Vikar nach Ostfriesland.

Antje Bracht und Felix Willert

Reinhard Hegewald

Ehrenamtliche der Jugendkirche Osnabrück

Landtagsabgeordneter ist als Organist tätig

Die 23-jährige Theologiestudentin Antje Bracht

Der CDU-Landtagsabgeordnete aus Emden Rein-

und der 20-jährige Politikstudent Felix Willert

hard Hegewald ist wahrscheinlich der einzige niedersächsische Politiker, der als Organist für die evangelisch-reformierte Kirche tätig ist. Der 47-Jährige spielt derzeit in wechselnden Kirchen in Emden und Umgebung.

Annette Kurschus Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen Mit Annette Kurschus steht seit dem Frühjahr erstmals eine Frau an der Spitze der viertgrößten Landeskirche in Deutschland. Die 49-jährige Theologin war zuvor Superintendentin im reforsind zum Finale des Eurovision Song Contest mit

miert geprägten Siegerland und ist auch Mitglied

dem Auto nach Aserbaidschan gereist. Ihr „Road-

im Reformierten Bund, dem Dachverband der Re-

trip to Baku“ führte sie über 5.000 Kilometer

formierten in Deutschland.

durch sieben Länder und 16 Städte. „Mich hat begeistert, dass sich in Baku ganz Europa für ei-

Judith Riefel-Lindel

nen kurzen Moment an einem Ort trifft - nicht für

Orgellehrerin in Ostfriesland

irgendwelche Krisengipfel, sondern um Musik zu

Die gebürtige Amerikanerin Judith Riefel-Lindel

machen und zu feiern“, sagte Antje Bracht vor

ist von der Kulturorganisation Ostfriesische Land-

der Reise.

schaft für ihre langjährige Ausbildung von Orgel-

www.facebook.com/Roadtrip.to.Baku

schülern ausgezeichnet worden. Sie erhielt das

www.eurovision.de

Totius-Frisiae-Siegel in Bronze.

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AKTUELLES

Kloster Frenswegen wiedereröffnet

Neuer Name für Berliner Bibelwochen

Das Kloster Frenswegen bei Nordhorn hat nach

Die Berliner Bibelwochen treten jetzt unter dem

über einjähriger Bauphase wieder geöffnet. Zum

neuen Titel „Europäische Bibeldialoge“ auf. Die

einem Festakt kam Anfang April der niedersächsi-

nächste Tagung vom 11. bis 15. Juli steht unter

sche Ministerpräsident David McAllister . Er nann-

der Überschrift „Heimat – Home: Wohin ich ge-

te die ökumenische Besinnungs-, Bildungs- und

höre – Where I belong“. Die Bibeldialoge verste-

Begegnungsstätte „ein modernes Kloster in der

hen sich als eine Art europäische Denkwerkstatt

heutigen Zeit, das allen offen steht ohne Frage

für Gemeinden, in denen Bibeltexte und Fragen

nach Herkunft oder Religion“. Das 600 Jahre alte

unserer Zeit diskutiert werden. Sie richten sich an engagierte Gemeindeglieder. Veranstalterin ist die Union Evangelischer Kirchen (UEK). Die Berliner Bibelwochen wurden 1953 als Reaktion auf die deutsche Teilung eingerichtet. Seitdem haben mehr als 40.000 Menschen an 1.300 Begegnungstagungen teilgenommen. www.eaberlin.de/europaeische-bibeldialoge.php

Foto: Gerold Meppelink

Anbau des Klosters Frenswegen

Neuer Posten für Weusmann

Gebäude erhielt einen komplett neuen Anbau mit

Der Vizepräsident der Evangelisch-reformierten

neuer Küche, neuen Speise- und Tagungsräumen

Kirche, Johann Weusmann, ist neuer Schatzmeis-

sowie modernen Gästezimmern. Außerdem wur-

ter der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen

den die bestehenden Räume saniert. Das Kloster

(WGRK). Das Exekutivkomitee des Dachverbands

Frenswegen wird von den sechs in der Grafschaft

aller Reformierten wählte den 46-jährigen Juristen

Bentheim ansässigen christlichen Kirchen getragen.

am 11. Mai auf Nordsumatra, Indonesien.

Förderung für Emden Die Johannes a Lasco Bibliothek und die Neue Kirche in Emden werden aus Bundesmitteln zum „Reformationsjubiläum 2017“ gefördert. Die Johannes a Lasco Bibliothek erhält 128.000 Euro und die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Emden 60.000 Euro für die Neue Kirche. Der Bund

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fördert in dem Programm Substanzsicherungsund Restaurierungsarbeiten an Orten und Stätten der Reformation mit nationaler Bedeutung. Foto: Ulf Preuß

EKD gegen Rechtsextremismus

Neuer Schatzmeister des WGRK Johann Weusmann

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat

Das Leitungsgremium beriet dabei auch über eine

rechtsextreme Gewalt scharf verurteilt. Das christ-

Verlegung des Sitzes der Organisation von Genf

liche Gebot der Nächstenliebe verlange es, sich

in die Eurozone. Wegen des ungünstigen Wech-

in aller Klarheit gegen solche menschenverach-

selkurses des Schweizer Franken zum Euro verlie-

tenden Einstellungen und Taten auszusprechen,

ren die Spendeneinnahmen seit Jahren beträcht-

heißt es in einer Erklärung anlässlich des Endes

lich an Wert. Der größte Teil der Einnahmen der

des Zweiten Weltkrieges. Der Rat der EKD ruft

WGRK stammt aus Kirchen in Ländern Europas.

auf neonazistischen, rassistischen, antijüdischen

Die WGRK vereint rund 80 Millionen Christinnen

und islamophoben Äußerungen auf allen Ebenen

und Christen in der ganzen Welt in 230 Mitglieds-

energisch entgegenzutreten. (epd)

kirchen.


30 Jahre Partnerschaft nach Südafrika Mit einem Partnerschaftsfest in Schüttorf feiern neun Kirchengemeinden das 30-jährige Bestehen der New World Foundation in Lavender Hill. Mit Unterstützung aus Deutschland gründete die Schwarze Reformierte Kirche Südafrikas in dem Township bei Kapstadt 1981 das Sozial- und Trainingszentrum, um den Bewohnern in der Zeit der Apartheid Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen. „Ohne die anhaltende Unterstützung des Evangelischen Entwicklungsdienstes und der Kirchengemeinden hätte es die NWF nie gegeben“, sagt der südafrikanische Direktor der NWF, Jan de

Foto: Ulf Preuß

v.l.: Ursula von Lessen (Diakonisches Werk), Wolfgang Wagenfeld (Geschäftsführer des Diakonischen Werkes), Diakoniedirektor Antonio Maiandi, Rev. Jeronimo Panda und Diakoniepastor Dietmar Arends nach dem gemeinsamen Erfahrungsaustausch.

Waal. Er wird auch beim Partnerschaftsfest erwar-

Landes kämen beim Großteil der Bevölkerung

tet. Das Fest beginnt am 10. Juni um 11 Uhr mit

nicht an. Panda bezeichnete es als eine Aufgabe

einem Gottesdienst.

der Kirchen in Angola, sich bei der Regierung des Landes immer wieder für eine verantwortungsbe-

„Kirche muss Social-Media-fähig werden“

wusste Führung des Landes einzusetzen.

Der Greifswalder Theologe Roland Rosenstock hat

Läufer für Ostfriesischer Kirchentag

an die Kirchen appelliert, „Social-Media-fähig“ zu

Etwa 50 Läuferinnen und Läufer aus der evan-

werden. Die Kirche müsse sich fragen, wie sie

gelisch-lutherischen und evangelisch-reformierten

sich in soziale Netzwerke einbringen könne, sag-

Kirche werben beim Auricher Citylauf für den 6.

te er im westfälischen Villigst. Rund 90 kirchliche

Ostfriesischen Kirchentag. Sie treten am 16. Juni

Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter diskutierten

in der Auricher Innenstadt im Kirchentagslaufshirt

darüber, wie Kirche sich im Internet und sozialen

an. Der 6. Ostfriesische Kirchentag wird am 13. Juli

Netzwerken präsentieren kann. Der Hamburger

mit einem Gottesdienst eröffnet. Am Sonnabend

Kommunikationsexperte Wolfgang Lünenburger-

finden zahlreiche Veranstaltungen in und um die

Reidenbach betonte bei einer Fachtagung: „Einen

Innenstadtkirchen statt. Der Kirchentag endet mit

Computer einzuschalten und online zu sein, ist

einem Gottesdienst am Sonntag, 15. Juli, in dem

heute völlig normal.“ Die Kirche müsse lernen,

Kirchenpräsident Jann Schmidt in plattdeutscher

die „kulturellen Codes“ in den sozialen Netzwer-

Sprache predigt.

ken zu entschlüsseln.

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Zu einem Erfahrungsaustausch waren zwei reformierte Kirchenvertreter aus Angola im Mai Gäste der Evangelisch-reformierten Kirche. Pastor Jeronimo Panda aus der Kirchenleitung und Diakoniedirektor Antonio Maiandi besuchten diakonische Einrichtungen und Gemeinden. Nach zehn Jahren Frieden im Land seien die Folgen des 30-jährigen Bürgerkriegs noch immer nicht überwunden, sagte Maiandi in einem Gespräch mit Kirchenpräsident Jann Schmidt. Ganze Landstriche Angolas seien von großer Armut geprägt. Die hohen wirtschaftlichen Wachstumsraten des rohstoffreichen

Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitung der Evangelisch reformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Verantwortlich: Jann Schmidt Redaktion: Ulf Preuß, Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Jann Schmidt, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner, Leer, www.projektpartner.info Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

IMPRESSUM

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Erfahrungsaustausch mit Angola


Werner Keil ist Pastor der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Bremerhaven. Im aktuellen Bremerhavener Gemeindebrief schreibt er unter der Überschrift „Worum es geht“ über das aktuelle Gedicht von Günter Grass „Was gesagt werden muss“. Der Dichter meldete sich damit Anfang April zum Konflikt zwischen Israel und Iran zu Wort und stieß eine breite Debatte um seine Person an.

Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Fragen an Werner Keil

„Günter Grass geht es um den Weltfrieden“ Sie haben sich in der Debatte um Günter Grass‘ Gedicht „Was gesagt werden muss“ in Ihrem Gemeindebrief zu Wort gemeldet, warum? Meiner Ansicht nach ist die Debatte um Grass nur eine Ablenkung von den eigentlichen Fragen, die der Dichter aufwirft und die uns beschäftigen sollte. Sie erinnert mich an die Diskussion um Margot Käßmanns Äußerung „Nichts ist gut in Afghanistan“ und die anschließende Debatte, ob sie so etwas in der Öffentlichkeit sagen darf. Auch seinerzeit haben wir nicht über die Lage in dem Land am Hindukusch geredet und uns den Fragen nach unserer Rolle und Verantwortung gestellt. Es war leichter über die Bischöfin zu reden und heute ist es leichter über Günter Grass zu reden Was ist in Ihren Augen die wichtigste Aussage von Grass? Grass geht es um die Debatte über die Gefährdung des Weltfriedens. Das klingt groß, aber um nicht weniger geht es. In einer Region, die vieles ist, aber nicht friedlich, wird von allen Seiten mit verdächtigten, geplanten und vor allem echten Waffen gerasselt. In einer Region, in der die Waffen nie wirklich schweigen, reden sowohl demokratische Politiker als auch unberechenbare Diktatoren über Gewalt und Krieg, als ginge es nicht um Menschen, die dabei getötet werden. Und diese Gewalt kann sich schneller als wir ahnen können zu einem beängstigend großen Krieg ausweiten. Und wenn wir wirklich glauben, dass Krieg nach Gottes Willen nicht sein darf, dann werden wir die Angst, die sich in Grass‘ Gedicht ausdrückt, teilen.

POSITION

Fühlen Sie sich von Günter Grass in seinem Gedicht auch persönlich angesprochen? Ganz deutlich: Ja. Warum habe ich nicht früher gesprochen? Das ist Grass‘ Frage an sich selbst in dem Gedicht. Diese Frage kann sich jede und jeder selbst stellen, der zu den bedrohlichen Entwicklungen in der Welt schweigt, auch wenn man jünger als 85 Jahre ist. Nutzen wir die Chance, auch uns diese Frage zu stellen, und fangen wir an, über das zu reden, worum es wirklich geht. Und dann werden wir zu allererst über die Rolle reden müssen, die unser Staat und unsere Gesellschaft in diesem Konflikt spielen. Welche Rolle spielt unsere Regierung, welche Mittel setzt sie ein, um nach echten Friedensschritten zu suchen, und nicht nach Beweisen für einen Krieg. Zu jung sind die Erfahrungen mit vermeintlichen „Beweisen“ und deren tödlichen Folgen. Welche Rolle spielt unsere Wirtschaft in einer Rüstungsspirale, die jeden kleinen Funken zu einem Inferno werden lassen kann? Und welche Rolle spielt eine Gesellschaft, die lieber über einen Dichter debattiert, als sich den eigentlichen Fragen zu stellen? Und nicht zuletzt, welche Rolle spielt eine Kirche, die zu alldem schweigt? Ich denke, darum geht es.


reformiert 3.2012