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Reformierte in Deutschland.

Ei n Au s bli ck zum Reformationsjubiläum 2017


Reformationsjubiläum 2017

Ei n Au s bli ck zum Reformationsjubiläum 2017

Das R als Skulptur/Stehtisch mit einer Höhe von 110 cm kann für Veranstaltungen ausgeliehen werden. ulf.preuss@reformiert.de Titelfoto: Ulf Preuß, Bearbeitung Designagentur projektpartner


Vorwort

Vorwort Liebe Leserin, lieber Leser, „Ohne die Reformierten wäre die Reformation unvollständig.“ Dieses Urteil des Historikers Rudolf von Thadden ist eine gute Überschrift für das Jahr 2017. Sind die Reformierten in Deutschland eine evangelische Minderheit, so ist das im weltweiten Horizont ganz anders. Mit weit über 80 Millionen Mitgliedern repräsentiert die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) mehr Christenmenschen als der Lutherische Weltbund. Dieser weite Horizont wird im Jahr 2017 auch dadurch anschaulich, dass die Generalversammlung der WGRK mit ihren Delegierten und Gästen aus über 100 Ländern in Leipzig tagt. Der reformierte Zweig der Reformation hat Wichtiges in das Reformationsjubiläum einzubringen: Dass Glaube und Weltverantwortung zusammengehören. Dass Migranten um Gottes Willen Schutzbefohlene sind. Dass es in der Kirche keine Hierarchie geben darf. Und dass die Kirche nicht sich selber feiert, sondern „den Namen, der über allen Namen ist“.

Was tun wir also 2017? Das, was wir ohnehin tun aber bewusster, zielgerichteter, mit einer besonderen Erwartung: Über die Bibel neu ins Gespräch kommen. Gott neu suchen, ihn neu denken, neu von ihm erzählen. Gemeinsam mit anderen Antworten suchen auf die großen Fragen des Glaubens und des Lebens. Die historischen Grundlegungen und Begriffsklärungen, die praktischen Anregungen und Bausteine, die Hinweise und Termine in diesem Heft sollen Sie und Ihre Gemeinden ermuntern, Ihren eigenen Weg durch das Jahr 2017 zu finden – und dabei vielleicht auch neue Wege mit anderen zu entdecken. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und ein gesegnetes Jubiläumsjahr!

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Dr. Martin Heimbucher, Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche

Sven Kramer, Beauftragter für das Reformationsjubiläum 2017


Reformationsjubiläum 2017

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95 Themen


Inhalt

Inhalt 5

Zur Diskussion

Vorwort 38

Reformierte Reformatoren und die Juden

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Leipzig: Weltweiter Treffpunkt der Reformierten 2017

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„ungeniert reformiert“Anregungen zum Gespräch

Reformation in den Regionen 8

Ostfriesland

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Grafschaft Bentheim Emsland

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Bremen Göttingen

11

Die Hugenotten Bayern

Bausteine für die Gemeindearbeit 50

„Ich bin fremd gewesen“

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Reformation und Migration als Schwerpunktthema für das Jahr 2017

53

ChurchNight

Bibelarbeit 2017 14

Bible Sharing - Bibel-Teilen

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Bibel in gerechter Sprache

Eine Festwoche

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Die Bibel entdecken zusammen mit Jugendlichen

Zitate pflücken

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Tag des offenen Denkmals

Schlagt die Pauke, führt den Reigen Personen der Reformation

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Johannes Calvin

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Marie Dentière

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Jan Hus

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John Knox

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Martin Luther

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Huldrych Zwingli

Anhang 54

Termine 2017

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Adressen und Kontakte Autorinnen und Autoren

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Impressum

95 Themen zur Reformation von A bis Z. Verzichtet wurde auf Namen und Orte. Gewählt wurden Begriffe, die zur Beschäftigung mit reformatorischen Themen anregen möchten - von A wie Abendmahlstisch bis Z wie Zukunft.

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Reformationsjubiläum 2017

Reformation in den Regionen der Evangelisch-reformierten Kirche Die Geschichte der Reformation ist regional unterschiedlich und vielfältig. Sie ist auch eine Geschichte von Dörfern und Städten, von Reformatoren und Bürgermeistern, von Bischöfen und einfachen Christen, von weltlicher und geistlicher Macht und Ohnmacht. 6

95 Themen

Johannes Calvin

1. Abendmahlstisch Neben oder unter der Kanzel steht nach reformiertem Verständnis ein Abendmahlstisch. Es ist kein Altar (= Opfertisch). In vielen reformierten Gemeinden wird um den Tisch herum stehend oder sitzend das Abendmahl gefeiert. Auf dem Abendmahlstisch liegt eine offene >Bibel.

2. Abendmahlsverständnis Das Abendmahl ist eines der beiden >Sakramente der reformierten Kirche. Über das Verständnis des Abendmahls gab es zwischen Martin Luther und Huldrych Zwingli Streit, den sie auch auf dem >Marburger Religionsgespräch nicht klären konnten. Nach reformiertem Verständnis ist das Abendmahl ein Erinnerungsmahl. Es findet keine Verwandlung der Elemente statt.

Christus ist geistig gegenwärtig. Brot und Wein beim Abendmahl führen uns vor Augen, was am >Kreuz für uns geschehen ist. 3. Ablass Den Gläubigen wurde von der Kirche eingeredet, dass sie für ihre Sünden buchstäblich bezahlen müssten: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt“. Vor


Reformation in den Regionen

Landesgrenze Ostfriesland Grafschaft Bentheim Emsland / Osnabrück

Bremen Göttingen Bayern

allem gegen diesen Handel mit dem Ablass veröffentlichte Martin Luther >95 Thesen - mit weit reichenden Folgen. 4. allein/solus Reformatorische Theologie wird oft in vier Exklusivpartikeln zusammengefasst. Sola fide: allein durch den Glauben wird der Mensch gerechtfertigt. Sola gratia: allein durch die Gnade Gottes wird der

Mensch errettet. Solus christus: allein Christus ist das Heil. Sola scriptura: allein die Schrift ist die Grundlage des christlichen Glaubens. Alle vier Aussagen zielen auf soli deo gloria – allein Gott gebührt die Ehre. 5. Amtskleidung Der schwarze Talar, das ehemalige Gelehrtengewand, wurde die Amtstracht der evangelischen

Geistlichen. Am „Beffchen“, dem weißen Stoffstreifen am Kragen, erkennt man die >Konfession: offen = lutherisch, halboffen = uniert, geschlossen = reformiert. 6. Angst Angst vor dem strafenden Gott beherrschte das Lebensgefühl der Menschen im Mittelalter. Darum war die reformatorische Erkenntnis und Entdeckung des gnädigen

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Reformationsjubiläum 2017

Beginn der reformierten Reformation Mit dem Anschlag der 95 Thesen durch Martin Luther an die Wittenberger Schlosskirche gilt das Jahr 1517 gemeinhin als Beginn der Reformation. Die reformierte Reformation nahm ihren Ausgang in der Schweiz. 1522 fand im Haus des Buchdruckers Christoph Forschauer in Zürich ein demonstratives Wurstessen in der Fastenzeit statt. Diesem ersten Verstoß gegen das Fastengebot folgen in den darauffolgenden Tagen weitere. Das Ganze wird schnell in Zürich bekannt. Der Zürcher Priester Huldrych Zwingli verteidigte das Essen: Das Fastengebot sei ein menschliches Gesetz und deshalb nicht unbedingt gültig. Nur göttlichen Gesetzen müsse der Mensch unbedingten Gehorsam leisten. Die göttlichen Gesetze findet Zwingli in der Bibel. Hier zeigt sich eine Eigenart reformierter Theologie: die Betonung des biblischen Zeugnisses für Glauben und Leben.

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Im Laufe der 1520er Jahre werden auch andere Schweizer und süddeutsche Städte evangelisch. Doch zum Augsburger Reichstag 1530 werden diese Evangelischen nicht eingeladen. Es dauert noch bis zum Ende des 30-jährigen Kriegs 1648, dass auch die Reformierten offiziell als Konfession anerkannt werden.

Reformierte in Ostfriesland Ab dem Jahr 1519 zeigen sich in Ostfriesland erste reformatorische Aktivitäten, die von der kirchlichen Reformbewegung „devotio moderna“ beeinflusst waren. Graf Edzard I. Cirksena lässt den Anhängern der neuen Lehre in seiner Grafschaft freie Hand. Unterstützung erhalten die reformatorisch Gesonnenen in den größeren Orten wie Emden, Norden, Aurich und Leer - und durch einzelne Angehörige des Häuptlingsadels. Ulrich von Dornum sorgt 1526 durch das „Oldersumer Religionsgespräch“ für eine öffentlichkeitswirksame Auseinandersetzung zwischen reformatorischen Ansätzen und der römisch-katholischen Theologie. Bis in die 1570er Jahre bemühen sich die Gräfinnen und Grafen um ein friedliches Miteinander der verschiedenen Evangelischen. Doch auch der erste Superintendent für alle Evangelischen in Ostfriesland, Johannes a Lasco, scheitert mit seinem Vermittlungsversuch. Ostfriesland teilt sich unter verfeindeten Grafenbrüdern in lutherische (Edzard II.) und reformierte Gebiete (Johann). Johannes a Lasco

Die wohl bedeutendste Gestalt im reformierten Protestantismus des 16. Jahrhunderts war der Genfer Reformator Johannes Calvin. Mit seiner Darstellung des reformierten Glaubens in seinem Buch „Institutio Christianae Religionis“ prägte er die reformierten Kirchen für Jahrhunderte.

95 Themen

Foto: Johannes a Lasco Bibliothek

Gottes für sie wie die Befreiung aus einer Gefangenschaft. 7. Aufbruch Die Reformatoren nahmen sich die Freiheit, die Autoritäten ihrer Zeit und gängige Vorstellungen von Gott, Glauben und Kirche infrage zu stellen. Ihr reformatorischer Aufbruch polarisierte. Damals entstanden neue Spielarten des westlichen Christentums. Refor-

mation bedeutet eine Abkehr von Gewohnheiten und damit einen mutigen Aufbruch. 8. Austausch Einen schnellen und regen Austausch über die neue evangelische Lehre gab es in Deutschland bereits ab 1517. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts festigten Reformatoren der zweiten Generation die Reformation

theologisch – unter ihnen waren viele Reformierte. 9. Bannbulle Sie ist eine meist päpstliche Urkunde, die eine Lehrverurteilung oder eine Exkommunikation ausspricht. Zu den bekanntesten gehört die Bannandrohungsbulle „Exsurge Domine“, die 1520 von Papst Leo X. als Antwort auf Martin Luthers >95 Thesen


Reformation in den Regionen

Reformierte in der Grafschaft Bentheim Im Jahr 1544 wurde die Grafschaft Bentheim zunächst evangelisch-lutherisch. Der Bentheimer Graf Arnold hatte die Priester der Grafschaft Bentheim zu einem Konvent auf sein Schloss eingeladen. Dort bekannte er ihnen seinen evangelischen Glauben und forderte dazu auf, künftig den Gottesdienst evangelisch zu feiern. Als Grundlage galt das Augsburger Bekenntnis (Confessio Augustana). Als der Graf stirbt, übernimmt nach einigen Umwegen sein Sohn Arnold II. 1577 die Regentschaft. Der hatte 1573 die evangelischreformierte Magdalena von Neuenahr geheiratet und wird 1575 offiziell reformiert. Im Herbst 1587 lädt er reformierte Prediger aus der Grafschaft und einige andere nach Tecklenburg ein, um eine neue reformierte Kirchenordnung zu beraten und den Heidelberger Katechismus einzuführen. Beides wird 1588 offiziell in Tecklenburg beschlossen, gilt aber auch für die Grafschaft Bentheim.

Reformierte im Emsland Die Grafschaft Lingen gehörte seit 1496 zur Herrschaft des Grafen von Tecklenburg. Konrad von Tecklenburg führte 1541 die lutherische Reformation ein. Doch Konrad verlor die Herrschaft über Lingen. 1578 kam die Grafschaft Lingen an das evangelisch-reformierte Haus Oranien. Prinz Moritz von Nassau-Oranien reformierte ab 1597 die Gemeinden. Durch die Eroberung Lingens beginnt ab 1605 eine Phase der Rekatholisierung der Grafschaft, bis 1634 wieder das Haus Oranien die Macht übernimmt und reformierte Gottesdienste in Lingen gefeiert werden. Oranierwappen an der Orgel Freren, Calvinbuch Emsland

Burg Bentheim

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Foto: Wikipedia

verabschiedet wurde. 1521 wurde Luther exkommuniziert. 10. „Bauernkriege“ Die sozialen Erhebungen ab 1524 werden heute immer noch als Deutsche Bauernkriege bezeichnet. Dabei wurden sie nicht allein vom Stand der Bauern getragen, auch Bewohner der Städte und Angehörige des Adels sympathisierten mit den Aufständischen. Man wehrte

Foto: Emslandmuseum Lingen

sich gegen die ungerechte Machtaneignung der Landesherren. Die Reformatoren gaben den Forderungen eine religiös-rechtliche Legitimation: Alle weltlichen Zustände bedürfen der biblischen Begründung. Der Reformator Thomas Müntzer wurde zu einer Leitfigur der Aufständischen.

11. Bekenntnisschrift Zum christlichen Glauben gehört das Bekenntnis. Es ist zum einen die persönliche Aussage des Glaubens an Jesus Christus. Zum anderen wird es sichtbar im Leben eines Christen. Zum dritten findet es in der Form von Urkunden seinen Niederschlag, die in einer bestimmten Situation entstanden und legitimiert wurden (= Bekenntnisschriften). Nach


Reformationsjubiläum 2017

Reformierte im Norden von Bremen Die evangelische Lehre kam 1523 nach Bremen. Reformierte Gemeinden im Bereich der Unterweser nördlich von Bremen und im Amt Bederkesa gibt es, weil sie dem Rat der Stadt Bremen unterstanden und nicht dem Bremer Erzstift. Deshalb verläuft ihre Entwicklung parallel zu Bremen. Dort wurde 1534 Luthers Lehre in eine Kirchenordnung übernommen, bei der auch Vertreter der von Zwingli und den Oberdeutschen beeinflussten Tradition mitwirken konnten. Ab 1581 führte der Superintendent Christoph Pezel, Schwiegersohn Melanchthons, in Bremen eine reformierte Kirchenordnung und das reformierte Bekenntnis ein. Der Übergang vom Luthertum zum reformierten Bekenntnis wurde 1595 mit dem Consensus Bremensis abgeschlossen.

Reformierte im Raum Göttingen Die sogenannten Plesse-Gemeinden im Göttinger Umland wurden 1534 reformiert. Die Herren von Plesse waren um 1500 in die Abhängigkeit des hessischen Landgrafen geraten. Diese hatten sich früh der evangelisch-reformierten Prägung der Reformation angeschlossen. Zur Plesse-Herrschaft gehören die Gemeinden: Bovenden, Angerstein, Reyershausen, Spanbeck, Oberbillingshausen, Holzerode und Höckelheim - sowie die in der Nachbarschaft gelegenen Kirchengemeinden des Amtes Neuengleichen: Sattenhausen, Mackenrode, Etzenborn.

Christoph Pezel

Burg Plesse von 1650

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95 Themen

Foto: Wikipedia

reformiertem Verständnis steht ein Bekenntnis unter dem Vorbehalt besserer Einsicht in die Heilige Schrift. Darum kann der Prozess der Bekenntnisbildung nicht abgeschlossen sein. Die altkirchlichen Bekenntnisse, der >Heidelberger Katechismus (1563) und die Barmer Theologische Erklärung (1934) haben in der Reformierten Kirche den Rang von Bekenntnisschriften.

Foto: Wikipedia

12. Bibel >Allein die Schrift ist die Grundlage des christlichen Glaubens. Das ist eine wichtige Erkenntnis aller Reformatoren. Die Bibel als von Menschen geschriebenes und zusammengestelltes Buch ist selbst nicht Gegenstand des Glaubens. Gott hat sich in menschlichem Reden und Handeln, vor allem in dem Menschen Jesus von Nazareth offenbart. Davon zeugen

die Texte der Bibel. Deshalb kann das >Lesen der Bibel Glauben wecken und stärken. 13. Bilderverbot Die meisten reformierten Kirchen haben keine Bilder. Dies ist im Verständnis der Zehn Gebote begründet. Im 2. Gebot heißt es: Du sollst dir kein Bildnis machen. Die Bilderverehrung ist problematisch, weil Gott nicht in


Reformation in den Regionen

Die Hugenotten Hugenotten werden die französischen Reformierten genannt. Die französischen Könige, die an der alten katholische Lehre festhielten, ließen die Befürworter der Reformation als Ketzer verfolgen. Die Hugenotten blieben von Anfang an eine Minderheit. Ihre erste Synode traf sich 1559 in Paris. Die heftigen Spannungen zwischen den reformierten und katholischen Adligen führten ab 1562 zu den sogenannten Hugenottenkriegen, bei denen die Reformierten unterlagen. In der Folge dieser und anderer Ereignisse emigrierten viele in andere Länder.

Einzug der Hugenotten in Erlangen, Glasfenster am Rathaus

Reformierte in Bayern Die evangelisch-reformierten Gemeinden in Bayern haben eine sehr unterschiedliche Geschichte. Meist sind sie durch Zuwanderung von reformierten Gemeindegliedern entstanden. Etliche Gemeinden gehen auf hugenottische Traditionen zurück. Doch eine Ausnahme gibt es: 1559 ließen die Herren Philipp und Wolfgang von Pappenheim in ihrem kleinen Territorium im Allgäu das reformierte Bekenntnis Schweizer Prägung zu - in den Ortschaften Herbishofen und Bad Grönenbach. Die reformierte Gemeinde in Nürnberg hingegen entstand 1650, nachdem sich bereits seit 1625 Flüchtlinge aus der Pfalz und Kaufleute aus den Niederlanden dort angesiedelt hatten. 1989 schließt sich die Evangelisch-reformierte Kirche in Bayern mit ihren zehn Gemeinden (Bayreuth, Erlangen, Bad Grönenbach, Herbishofen, Marienheim, München I, II, III, Nürnberg und Schwabach) mit der Evangelischreformierten Kirche zusammen.

Regionale Reformationsgeschichte - warum und wie?

Bei uns war Luther nie! Aber: Das Reformationszeitalter hat unsere Kirchen, Städte und Dörfer und unsere Gesellschaft verändert. Es lohnt sich auf Spurensuche zu gehen. Anregungen zur Arbeit an der regionalen Reformationsgeschichte finden Sie unter: www.reformiert.de/ regionale-reformationsgeschichte.html Foto: Stadtarchiv Erlangen

Bilder gefasst werden kann. Die Reformierten halten sich an das lebendige >Wort Gottes (HK, Frage 98). Sie sind nicht kunstfeindlich. 14. Bildung Zugang zur Bildung ist eine Folge der reformatorisch verstandenen christlichen >Freiheit. Überall in Europa entstehen neben dem Katechismus-Unterricht, der zur >Konfirmation führt, allgemeinbil-

dende Schulen für Mädchen und Jungen. Das Erziehungsprogramm der Reformation beruht auf dem >Lesen der >Bibel. Dies erklärt sich aus der Lehre vom >Priestertum aller Gläubigen: Jeder Christ soll durch die Bibel die Wahrheit des Evangeliums verstehen und verkündigen können.

15. Christus Christus ist kein Eigenname, sondern ein Hoheitstitel. „Christos“ ist das griechische Wort für „Gesalbter“ (hebräisch „Messias“). Jesus Christus ist der verheißene König und Retter der Welt. Die Reformatoren wehrten sich gegen die Idee, dass anderen Menschen die gleiche Ehre zusteht.

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Reformationsjubiläum 2017

Bibelarbeit 2017 Die Reformation war auch eine Wiederentdeckung der Bibel und ihrer Botschaft. Vier Methoden zur Wieder- und

95 Themen

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Neu-Entdeckung der Bibel.

16. Denken Selber denken, fragen und verstehen sind reformatorische Anliegen. Und sie sind bis heute wichtig gegen jede Form von Fundamentalismus. quer denken – frei handeln – neu glauben: So lautet in der Schweiz die Botschaft zu „500 Jahre Reformation“.

17. Devotio moderna Die devotio moderna (neue Frömmigkeit) ist die wirksamste religiöse Reformbewegung des 14. und 15. Jahrhunderts, getragen von der Gemeinschaft der Brüder vom gemeinsamen Leben. Als Hauptwerk gilt „De imitatione Christi“ (Von der Nachfolge Christi) von Thomas von Kempen. Es betont die unmittelbare Beziehung des Gläubigen mit Gott. Ein Gedanke,

der später von den Reformatoren stark hervorgehoben wurde. Zur Reformation gab es viele inhaltliche Berührungen, wie die Kritik an der Veräußerlichung spätmittelalterlicher Frömmigkeit und neue Formen von Laienfrömmigkeit. 18. Diakonie Unter Diakonie (griechisch „diakonia“) versteht man alle Aspekte des Dienstes am Menschen im


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Foto: Ulf Preuß

kirchlichen Rahmen. Sie ist ein Wesensmerkmal der Kirche. Mit der Aufhebung des klösterlichen Lebens durch die Reformation musste die Versorgung der Armen neu geordnet werden. Sie sollte nicht mehr an die individuelle Barmherzigkeit oder das Wohlwollen der Reichen geknüpft sein. Sie sollte auch nicht länger durch den Gedanken der >Werkgerechtigkeit bestimmt sein.

19. Ekklesiologie Die Ekklesiologie ist im Christentum die Lehre von der Kirche (griechisch „ekklesia“). Kirche ist - wörtlich übersetzt - die von Gott „herausgerufene Versammlung“. Nach Auffassung der römischkatholischen Kirche ist nur sie selbst die Kirche Christi in voller Wirklichkeit. Nach dem Verständnis der Reformatoren ist „eine christliche Kirche die Versammlung

aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die >Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden.“ 20. Erneuerungsbewegung Das lateinische Wort „Reformation“ kann mit Erneuerung oder Wiederherstellung übersetzt werden. Es bezeichnet heute die religiöse Erneuerungsbewegung des 16. Jahrhunderts. Die


Reformationsjubiläum 2017

Bible Sharing - Bibel-Teilen Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, gemeinsam mit ökumenischen Partnern aus Süd und Nord, Ost und West die Bibel zu lesen und dabei ihren Reichtum zu entdecken. Eine in der Ökumene weit verbreitete Methode ist das Bibel-Teilen (Bible Sharing). Bald stellt sich heraus, dass diese Methode eine ungeahnte spirituelle Tiefe hat. Bible Sharing wurde in den 1970er Jahren am Lumko-Pastoralinstitut in Südafrika entwickelt. Es nimmt ernst, dass Jesus im Wort und in der Gemeinschaft gegenwärtig ist. Das Anleiten kann mit etwas Erfahrung jede/r in der Gruppe übernehmen. Ein Wechsel im Anleiten hat sich bewährt. Vom Rahmen her sollte die Gruppe beim Bibel-Teilen in einem Kreis sitzen, dessen Mitte eine aufgeschlagene Bibel bildet. Bibel-Teilen gliedert sich in die folgenden sieben Schritte, hier auf Deutsch und Indonesisch:

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1. Wir laden den Herrn zu uns ein Mengundang Tuhan Allah datang kepada kita Wir dürfen uns auf Jesu Zusage verlassen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. Das soll den Versammelten bewusst werden. Darum liegt in der Mitte auch eine aufgeschlagene Bibel. „Wir werden uns bewusst, dass Christus in unserer Mitte ist. Wer möchte Christus mit eigenen Worten (einem freien Gebet) begrüßen?“

95 Themen

2. Wir lesen den Text Kita membaca teks Alkitab Bewährt hat sich das zweifache Lesen des Textes. So kann der Text auch in verschiedenen Übersetzungen oder Sprachen gelesen werden.

„Wir schlagen in der Bibel das Buch/das Evangelium/ den Brief … auf, Kapitel …“ „Wer möchte die Verse von … bis … vorlesen?“ „Wer möchte die Bibelstelle noch einmal lesen?“ 3. Wir verweilen beim Text Berteduh di dalam teks Worte oder Satzteile, die einem wichtig sind, werden laut vorgelesen. Das dreimalige ruhige Sprechen dient dem „Einsinken lassen“ der Schrift. „Wir sprechen jetzt Worte oder kurze Satzteile, die uns berührt haben, dreimal wie im Gebet aus. Zwischen den Wiederholungen lassen wir eine kurze Stille.“ 4. Wir lassen Gott in der Stille zu uns sprechen Di dalam saat teduh kita biarkan Tuhan Allah berbicara kepada kita Die anleitende Person liest den Text noch einmal im Zusammenhang. Dann folgt Schweigen, das ausdrückliche Stillwerden vor Gott, das Hinhören auf das, was er mir sagt - auch in den Gedanken, die mir durch den Kopf gehen und in denen sich vielleicht ein Muster oder ein wichtiger Gedanke abzeichnet. Die Leitung sagt die Länge des Schweigens an (etwa zwei oder drei Minuten bei Ungeübten) und achtet auf die Uhr. Das entlastet die anderen. „Wir halten jetzt ... Minuten Stille und versuchen zu hören, was Gott uns sagen will.“ 5. Wir teilen mit, was uns besonders berührt hat Kita sampaikan apa yang paling menyentuh hati kita Es geht darum, dass die/der Einzelne der Gruppe mitteilt, was sie/er in der Stille erfahren und gespürt hat. Welche Stelle sie/ihn wie angesprochen hat. Das Wort „Teilen“ hat hier auch die Bedeutung von „den Anderen beschenken“. Wir „predigen“ nicht und „diskutieren“ keinen der Beiträge.

geplante Erneuerung führte zur Spaltung der westlichen Kirche. Die östlichen orthodoxen Kirchen hatten sich bereits 1054 von Rom getrennt.

Huldrych Zwingli und Johannes Calvin. Insbesondere reformierte Theologen der zweiten Generation übten einen europaweiten Einfluss auf den Protestantismus aus.

21. Europa Die Reformation ist eine europäische >Erneuerungsbewegung an vielen Orten. Sie wird getragen von vielen Männern und Frauen - nicht nur von Martin Luther,

22. Evangelische / Protestanten „Evangelische“ ist die ursprüngliche Bezeichnung der „Protestanten“. Sie macht deutlich: Alle Glaubenssätze werden nur aus dem Evangelium abgeleitet

und nicht aus der Tradition. Die Reformatoren bezogen den Begriff Evangelium auf die gesamte Bibel. Der Begriff „Protestant“ geht zurück auf den Reichstag zu Speyer (1529). Dort protestierten die evangelischen Stände gegen die Aufhebung der Rechtssicherheit in ihren Ländern und Städten. Heute werden mit diesem Begriff alle Angehörigen der christlichen >Konfessionen bezeichnet, die


Bibelarbeit 2017

Foto: CAP Camp 2016

Europäisch-afrikanische Jugendbegegnung CAP in Johannesburg 2016

„Welches Wort hat mich angesprochen? Wir teilen einander mit, was uns im Herzen berührt hat. Jede/r spricht von sich in der ersten Person. Keine Diskussion, kein Vortrag.“ 6. Wir besprechen, was der Herr von uns will. Kita membicarakan apa yang Tuhan Allah kehendaki dari kita Bei regelmäßigen Treffen einer Gruppe wird geschaut, was in ihrer Nachbarschaft konkret anliegt: Im sozialen Bereich (Was muss getan werden? Ist jemand krank und muss besucht werden? Welche Herausforderung stellt sich augenblicklich in unserem Lebensumfeld?). Und auch kirchlich (Welche Aufgabe stellt sich uns als Teil der Gemeinde? Woran müssen wir mitwirken?). Konkrete Schritte vereinbaren. In Gruppen, die sich nicht regelmäßig treffen oder momentan keine gemeinsame Aufgabe sehen: Was ist für mein Leben wichtig geworden und was nehme ich mir nun vor?

„Wir tauschen uns darüber aus, was wir in unserem Umfeld wahrnehmen. Welche Aufgabe fordert uns heraus? Was wollen wir konkret angehen?“ Christus handelt durch uns in der Welt. Wer tut was – mit wem – bis wann?“ 7. Wir beten Kita berdoa Dieser Schritt hebt noch einmal ins Bewusstsein, dass Christus in der Mitte der Bibel-Teil-Gemeinschaft gegenwärtig ist. Wir können ihn direkt im Gebet ansprechen, vor ihn tragen, was uns bewegt, was mich bewegt: Bitten, Dank, Lob, Unsicherheit, Freude – auch das, was Thema in Schritt 5 oder 6 war, hat hier Platz. Danach kann man mit einem Gebet oder Lied schließen, das alle auswendig können. „Wir beten miteinander. Wer möchte, kann jetzt ein freies Gebet sprechen.“ Von Thomas Fender

durch die Reformation des 16. Jahrhunderts entstanden sind.

setzte sich sehr für die Versorgung der Flüchtlinge ein.

23. Flüchtlinge Um ihres Glaubens willen mussten bereits im 16. Jahrhundert viele Menschen ihre Heimat verlassen. Zu denken ist hier an die >Hugenotten in Frankreich, aber auch an die niederländischen Glaubensflüchtlinge. Calvin, selbst Glaubensflüchtling,

24. Frauen Die Tauftheologie der Reformatoren hatte weitreichende Folgen: Wenn „jeder, der aus der >Taufe gekrochen ist, Priester, Bischof und Papst ist“, dann gilt das auch für jede getaufte Frau. Dennoch sind >Reformatorinnen weitgehend unbekannt. Wer kennt Wibran-

dis Rosenblatt, Elisabeth Bucer, Katharina Jonas oder Caritas Pirckheimer? 25. Freiheit Freiheit ist für die Reformatoren der Hauptinhalt des Evangeliums. Durch Jesus Christus werden wir aus den gottlosen Bindungen dieser Welt befreit (Gal 5,1). Doch ist christliche Freiheit nicht mit Beliebigkeit zu verwechseln. Zu

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Reformationsjubiläum 2017

Bibelarbeit in gerechter Sprache 2016 wird die Bibel in gerechter Sprache (BigS) am Reformationstag zehn Jahre alt. Begeisterung und Empörung hat sie ausgelöst. Die Bibel in gerechter Sprache möchte Menschen mit der biblischen Botschaft in Kontakt bringen. Sie bietet die „Chance, die bekannten Texte neu zu hören, im ungewohnten Wortlaut überraschende Aspekte wahrzunehmen und Denkgewohnheiten zu überprüfen“. Sie erhebt nicht den Anspruch, dass ihre Übersetzung „gerecht“ ist, andere aber ungerecht sind. Sie will neugierig machen auf die biblische Botschaft und Frauen und Männer darüber ins Gespräch bringen. Ziel der Bibelarbeit Im Sinne der reformatorischen Erkenntnis vom Priestertum aller Getauften werden die Teilnehmerinnen (TN) ermutigt und bestärkt, mit Hilfe verschiedener Übersetzungen des Psalm 23 eine persönliche Fassung zu erstellen.

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Material • Verschiedene Bibelübersetzungen (Luther, Gute Nachricht, BigS, Einheitsübersetzung, Zürcher Bibel) • Gesprächsimpulse für alle sichtbar aufschreiben (eventuell per Flipchart oder Beamer präsentieren) • Kopien: Psalm 23 aus der BigS (M1) und aus der Lutherbibel • Für die gestaltete Mitte: bunte Tücher, Blumen, Kerze • Die TN im Vorfeld bitten, möglichst ihre persönliche Bibel mitzubringen • Stifte

95 Themen

Runde 1: Meine Erfahrungen mit der Bibel Bibelübersetzungen entdecken Die Frauen stellen ihre mitgebrachten Bibeln in einer ersten Gesprächsrunde unter Beantwortung folgender Impulse vor:

ihrem Profil gehört die Bereitschaft, Verantwortung füreinander und für den Weg der Kirche zu übernehmen. Aus der erfahrenen Befreiung folgen Taten der Befreiung. Freiheit verwirklicht sich in Solidarität, im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung. 26. Gemeinde Die Reformatoren haben die Gemeinde am Ort in den Vorder-

• Welche Bibelübersetzung habe ich mitgebracht? • Diese Bibel ist mir persönlich wichtig, weil… • Mein Lieblingsvers oder meine Lieblingsgeschichte daraus ist… Anschließend legt jede Frau ihre Bibel in die Mitte. Runde 2: Psalm 23 in verschiedenen Übersetzungen Psalm 23 vorlesen Der 23. Psalm wird zuerst in der Luther- und danach in der Übersetzung der Bibel in gerechter Sprache vorgelesen. Die TN werden gebeten, ihre Augen zu schließen und intensiv zuzuhören. Anschließend folgt ein unkommentiertes Blitzlicht: Jede Frau sagt einen spontanen Gedanken, was ihr beim Zuhören aufgefallen ist. Inhaltlicher Impuls durch die Leitung Der 23. Psalm ist Ihnen bekannt. Auswendig konnten Sie ihn vielleicht mitsprechen. Kraftvolle, berührende Worte eines Menschen sind das. 3000 Jahre alt und bis heute aktuell. Worte für Krisenzeiten. Worte, die Halt und Trost geben. Eine Kraftquelle fürs Leben sind sie. Martin Luthers Übersetzung des 23. Psalms haben Menschen in ihren Herzen verinnerlicht. Diese Worte „gehören für mich in das Handgepäck unseres Lebens“, sagte einmal Margot Käßmann. Wenn Luthers Übersetzung eine solche Wirkkraft im Leben hat, warum hören wir dann die Übersetzung der Bibel in gerechter Sprache? Die Bibel in gerechter Sprache will die Lutherübersetzung nicht ersetzen oder besser sein. Sie kann mir allerdings helfen, mich von einem vertrauten Text neu ansprechen zu lassen. Ich bin überrascht von anderen Worten, die mich berühren, die mich vergewissern oder auch verunsichern. Ich gewinne

grund gestellt und ihre Mündigkeit/Selbständigkeit behauptet. Die Kirche Jesu Christi ist die Gemeinschaft der Glaubenden, die sich in der Gemeinde am Ort konkretisiert. Das war neu! Die katholische Kirche vertrat die Lehre, die Kirche sei da, wo der Bischof ist.

27. Gewissen Das Gewissen wird als eine Instanz im menschlichen Bewusstsein angesehen. Es bestimmt, wie man urteilen und handeln soll. Der Begriff kommt in der Bibel bei Paulus vor (Röm 2,14f ). Für viele Protestanten hat die individuelle Gewissensentscheidung im Glauben mehr Gewicht als die Unterwerfung unter kirchliche Autoritäten.


Bibelarbeit 2017

eine neue Sichtweise auf den vertrauten Psalm, und Anregungen zum Weiterdenken. Textarbeit in Kleingruppen - Vergleichendes Lesen Lesen Sie beide Übersetzungen des 23. Psalms Vervollständigen Sie folgende Satzanfänge: • Mich spricht an, wie … • Mich stört, dass … • Neu ist für mich … • Ich verstehe nicht ... Austausch im Plenum über die Ergebnisse in der Kleingruppe Gedanken und Einsichten vorstellen und für alle sichtbar machen (Aufhängen oder in die Mitte legen). Eventuell den persönlichen Psalm 23 vorlesen lassen. Abschluss Was nehme ich heute für mich mit? Rückfragen, Anregungen für die Weiterarbeit mit der Bibel in gerechter Sprache Segen Gott des Lebens, du begleitest uns durch Tage und Nächte, durch Wachen und Schlafen, durch Handeln und Ruhn Du bist gegenwärtig. Gott des Lebens (von E. Domay)

Psalm 23 in der Bibel in gerechter Sprache Adonaj weidet mich, mir fehlt es an nichts. Auf grüner Wiese lässt Gott mich lagern, zu Wassern der Ruhe leitet Gott mich sanft. Meine Lebendigkeit kehrt zurück. Gott führt mich auf gerechten Spuren – so liegt es im Namen Gottes. Wenn Finsternis tief meinen Weg umgibt, Böses fürchte ich nicht. Ja, du bist bei mir. Dein Stab und deine Stütze – sie lassen mich aufatmen. Du bereitest einen Tisch vor mir, direkt vor denen, die mich bedrängen. Mit Öl salbst du mein Haupt. Mein Becher fließt über. Nur Gutes und Freundlichkeit werden mir alle Tage meines Lebens folgen, und zurückkehren werde ich in das Haus Adonajs für die Dauer meines Lebens.

17 Weitere Informationen und Material „Bibel in gerechter Sprache“, Arbeitshilfe aus dem Frauenwerk Heft 4, Haus kirchlicher Dienste der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers www.bibel-in-gerechter-sprache www.die-bibel.de Von Gretchen Ihmels-Albe

Abschlusslied Wir strecken uns nach dir (EG 664)

28. Glaube Die Reformatoren sind sich darin einig: Gerecht vor Gott bin ich >allein durch Glauben an Jesus Christus. Durch den Glauben erfasse ich, dass Gott mir Gerechtigkeit aus >Gnade schenkt. Der Glaube befreit mich von der >Werkgerechtigkeit. 29. Gnade Wir können uns Gottes Liebe nicht verdienen. Das ist die schlechte

Nachricht. Die gute Nachricht ist: Wir brauchen es auch nicht. Gott schenkt sie - aus Gnade. Gerechtfertigt aus Gnade bedeutet: Geliebt trotz allem, was an mir nicht liebenswert ist - angenommen, trotz aller Unzulänglichkeiten. Die Reformatoren haben dazu gesagt: Gott rechtfertigt den Sünder (nicht die Sünde).

30. Gottesdienst In den Kirchen der Reformation wurde und wird die zentrale Stellung des Gottesdienstes für das Leben der Kirche betont. Er ist zugleich Dienst Gottes an den Menschen und Dienst des Menschen an Gott. Er ist Wort Gottes und Antwort der Gemeinde. Der Hauptbestandteil des Gottesdienstes in reformierter Tradition ist die Predigt. Die >Liturgie ist einfach.


Reformationsjubiläum 2017

Die Bibel entdecken - zusammen mit Jugendlichen Jugend und Bibel – passt das zueinander? In der Bibel berichten Menschen von ihren Erfahrungen mit Gott – betrifft das auch junge Menschen? Einen Versuch ist es wert, die beiden zusammen zu bringen! Jugendliche sollen erfahren, dass die Texte der Bibel immer in die jeweilige Gegenwart hineinsprechen. Jugendliche brauchen nicht zuerst lernen, welche Erkenntnisse andere aus den biblischen Geschichten gezogen haben. Sondern sie sollen selbst Erfahrungen machen. Zwei Methoden eignen sich besonders gut dafür: Bibelentdecken mit Symbolen • Der Bibeltext wird in „Stillarbeit“ gelesen. • Die Jugendlichen „beschriften“ den Text mit folgenden Symbolen:

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das rührt mich an

!

das überrascht mich

?

das verstehe ich nicht richtig

ϟ

das ärgert mich

☺ das gefällt mir

• Die Jugendlichen übertragen ihre Symbole auf den Text an der Wand. • Die Gruppe tauscht sich über das Ergebnis des Beschriftens aus. Zunächst werden die Fragen geklärt. Dafür sollte der Leiter / die Leiterin der Gruppe sich auf mögliche Fragen vorbereitet haben. Im nächsten Schritt wird besprochen, an welchen Stellen im Text es mehrere Kennzeichnungen mit Symbolen es gibt. Das Arbeiten mit den Symbolen ermöglicht es Jugendlichen, ihre Fragen an den Bibeltext zu artikulieren. Mit Hilfe der Symbole können sie spontane Empfindungen, die die Geschichte bei ihnen auslöst, wahrnehmen. Die Jugendlichen erfahren, dass es bei einem Bibeltext nicht um richtig und falsch geht. Sie lernen, dass der eigene, persönliche Zugang zum Text eine entscheidende Rolle spielt. Material • Kopien vom Bibeltext (für neutestamentliche Texte oder Psalmen ist die Übersetzung der BasisBibel sehr geeignet) • Stifte zum Beschriften • großes Blatt, auf dem die Symbole für alle sichtbar aufgezeichnet sind • Bibeltext auf großem Blatt • Eddings in den fünf Farben der Symbole

95 Themen

• Dabei können einzelne Worte und Begriffe oder auch Satzteile markiert werden. • Der Text wird als große Kopie an die Wand gehängt und vorgelesen.

31. Gute Werke Die wichtigste reformatorische Wiederentdeckung war: Ein Christ wird nicht durch gute Werke, sondern durch Gottes >Gnade gerettet. Ein Christ muss nicht Gutes tun, um sich die Liebe Gottes zu verdienen. Er will Gutes tun, aus >Glauben/aus Dankbarkeit für die geschenkte Gnade.

32. Handeln Die Reformation ist für Christen untrennbar mit der Aufforderung zum gesellschaftlichen Engagement verbunden. Es gilt, sich einzumischen und Verantwortung vor Gott und der Welt wahrzunehmen. Dieses Handeln ist eine „Frucht der Dankbarkeit“, die dem Gnadenhandeln Gottes folgt (HK, Frage 64).

33. Heidelberger Katechismus Der Heidelberger Katechismus (HK) wurde 1563 in Heidelberg auf Veranlassung des Kurfürsten Friedrich III. hauptsächlich von Zacharias Ursinus erstellt und diente als Unterrichtsbuch in Kirche und Schule. In 129 Fragen und Antworten erklärt er das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Unser Vater, die Sakramente und die Zehn Gebote. Für die Evangelisch-


Bibelarbeit 2017

Bibelarbeit mit Elfchen Ein „Elfchen“ ist ein Gedicht, das sich aber nicht reimen muss. Das Wort „Elfchen“ sagt, aus wie vielen Worten das Gedicht besteht, nämlich aus elf Wörtern (verteilt auf 5 Zeilen). Als Orientierungshilfe hat jede Zeile eine eigene Ausrichtung:

1. Zeile, 1 Wort Ein Gedanke, ein Gegenstand, eine Farbe, o.ä. 2. Zeile, 2 Wörter Was macht das Wort aus Zeile 1? 3. Zeile, 3 Wörter Wo oder wie ist das Wort aus Zeile 1? 4. Zeile, 4 Wörter Was meinst du? 5. Zeile, 1 Wort Fazit: Was kommt dabei heraus?

Gedichtet wird nach folgendem Schema _______ _______ _______ _______ _______ _______ _______ _______ _______ _______ _______

Ablauf der Arbeit mit den Elfchen • Erklären der Methode mit Hilfe eines Arbeitszettels (siehe den Beispieltext oben) • Elfchen schreiben in Einzelarbeit • Vorstellen der Ergebnisse im Plenum; alle Elfchen werden auf einem großen Plakat aufgeschrieben • Austausch über die verschiedenen Elfchen im Plenum • Die Arbeit mit den Elfchen kann den Jugendlichen dabei helfen herauszufinden, was ihnen am Bibeltext wichtig ist. Im Elfchen kann das Grundgefühl, das der Text bei jeder/jedem auslöst, konzentriert benannt werden. Material • Kopien vom Bibeltext (für neutestamentliche Texte oder Psalmen ist die Übersetzung der BasisBibel sehr geeignet) • Arbeitszettel für jede/n Teilnehmer/in • Kugelschreiber • großes Plakat und Edding zum Aufschreiben der Elfchen

Ein Beispiel zu Psalm 100 Schaf grasend labend Werk Wunder Wahnsinn nur so da sein jauchzen

reformierte Kirche hat er den Rang einer >Bekenntnisschrift. 34. Hugenotten Schon im 16. Jahrhundert wurden die >Evangelischen in Frankreich in ihrer Glaubensausübung behindert und herabsetzend Hugenotten genannt. Aufgrund von Verfolgung flohen vor allem Ende des 17. Jahrhunderts viele Hugenotten in andere Länder, auch nach

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Von Bernhard Schmeing

Deutschland. Einige reformierte Gemeindegründungen gehen auf die Hugenotten zurück (z.B. Celle, Erlangen, Schwabach). 35. Individualismus Renaissance und Humanismus lösten im 15. und 16. Jahrhundert einen Individualisierungsschub aus. Im Rückgriff auf die griechische Antike entdeckte der Mensch sich selbst, seine Individualität

Basisbibel und Lutherbibel gibt es auch als App

und Einzigartigkeit. Diese Geisteshaltung wurde durch den Protestantismus vorangetrieben, indem er betont: Jeder einzelne kann sich an Gott wenden, unmittelbar, ohne Mittler und ohne die Institution der Kirche. Das reformatorische Geschehen setzte damit der Macht der Autoritäten ein Ende. Die Menschen wurden mündig gegenüber Kirche und Staat.


Reformationsjubiläum 2017

Schlagt die Pauke, führt den Reigen Kreative Zugänge zum Genfer Psalter Zum Reformationsjubiläum soll der Vielfalt des biblischen Gotteslobes zu neuem Durchbruch verholfen werden – ganz im Sinne Jesu, der sich im Gleichnis vom „verlorenen Sohn“ kein echtes Fest ohne Singen, Tanzen vorstellen konnte, und ganz im Sinne der reformierten Psalmdichter:

chen: Sammeln und Zerstreuen, Fallen und Aufrichten, seinen Weg finden und verlieren, nachfolgen und umkehren. Ist es nicht Zeit, dem, was uns innerlich bewegt, auch eine äußere Bewegung zuzugestehen?

Psalm 26 / Der Flüchtling liebt dein Haus Kanon für 4 Gruppen

„Singet seiner Ehr / rühret froh die Saiten, gebt die Pauken her! Harf und Lautenklang müssen den Gesang freudevoll begleiten.“ Psalm 81, Str. 2, Matthias Jorissen 1793 „...Schlagt die Pauken, führt den Reigen, klingen lasst der Flöte Ton....“ Psalm 150, Str. 2, Matthias Jorissen 1793

Der Psalter als Kanon und als Tanzchoreografie Wird der Psalter zum Kanon entsteht nicht nur die einfache Mehrstimmigkeit. Er hebt zudem pointierte Zeilen besonders heraus. 20

Eine Besonderheit sind die Bewegungsumsetzungen in unterschiedlichen Tänzen: Schreit-Tänze für den Ein- und Auszug, Kreis-Tänze für Chorraum und Gemeindefest, Schlichtes und Komplexes, Ruhiges und Lebhaftes. Die Bewegungsumsetzungen verstehen sich als Ausgestaltungen der besungenen Inhalte. Text, Ton und Tanz beleuchten sich gegenseitig, zahlreiche Bilder und Symbole des Psalmliedes finden ihre bewegte Entsprechung.

95 Themen

Wer erst einmal begonnen hat, biblische Texte und die ihnen folgenden Lieder auf Bewegungsvokabeln abzuklopfen, wird Entdeckung um Entdeckung ma-

36. Jubiläum Während in früheren Jahrhunderten Reformationsjubiläen national und in konfessioneller Abgrenzung begangen wurden, soll das Reformationsjubiläum 2017 von Offenheit, >Freiheit und >Ökumene geprägt sein. Die gegenwärtige Reformationsforschung dekonstruiert das allzu vertraut Scheinende der vergangenen Jahrhunderte: Luther als alleiniger Vorkämpfer

Unterlegt ist die erste Hälfte der vierten Strophe, auf der Grundlage der fünften ergibt sich als weiterer bzw. alternativer Kanontext: Greif ein mit deiner Huld, so geh ich frei von Schuld, ein Mensch, der wieder Boden fasst, der wieder Boden fasst

Tanz (Gavotte) zu Psalm 26 Variante A: Jeder für sich frei durch den Raum. Variante B: Den Kanoneinsätzen folgend in Reihen vom jeweiligen Ersten geführt. Beginn auf „Herr“...; Zählzeit der Schritte ist die halbe Note; die Hände der Nachbarn in der Reihe werden locker herabhängend gefasst.

von Freiheit und Toleranz. Das ist heute keine ernstzunehmende Position mehr. 37. Katechismus Katechismus bedeutet „Unterricht“ oder „Lehre“. Das Wort ist zu einem festen Begriff für die Zusammenfassung und Erklärung der zentralen Inhalte des Glaubens geworden. Calvin hat 1542 den Genfer Katechismus geschrieben,

der später zur „Institutio Christianae Religionis“ (Unterweisung in der christlichen Religion) ausgebaut wurde. Für die lutherischen Kirchen sind Luthers Kleiner und Großer Katechismus wichtig, für die reformierten Kirchen der >Heidelberger Katechismus. 38. Kirchbau Die meisten reformierten Kirchen wurden vor der Reformation


Bibelarbeit 2017

Zählzeit 1, 2, 3, 4

Bewegung Li vor, re vor, li vor, re ran ohne Gewicht (Tipp)

Kürzel Double = Doppelschritt vorwärts

5, 6,

Re vor, li ran ohne Gewicht (Tipp);

2 Simple = Einfachschritte vorwärts

7, 8

Siegfried Macht

li vor, re ran ohne Gewicht (Tipp)

Schlagt die Pauke, führt den Reigen

Diese 8 Schritte werden nun „gegengleich“, d.h. mit dem anderen Fuß (rechts) beginnend wiederholt. ZurKreative dritten Zeile beginnt zum entsprechend links, Zugänge Genferwieder Psalter zur vierten rechts (usw. ganz von vorn).

Tänze

Musik und Tanz: Siegfried Macht 2016 (nach Genf 1551) Text: Jürgen Henkys 1992

Kanons, Bicinien, Quodlibets

und einfache Ostinati zum Singen und Begleiten

Psalm 60 / Sieh wie die Erde bebt und wankt inkl. 2 CDs Kanon für 2

Musik: Siegfried Macht 2016 (nach Genf 1551), Text: Alfred Rauhaus 1990

Als Möglichkeit einfacher Mehrstimmigkeit, aber auch zur Beziehungsstiftung zu anderen Texten laden Quodlibets ein: „Vom Aufgang der Sonne...“, Pachelbels berühmter aber nicht textierter Kanon kann sich Worte aus dem Genfer Psalter leihen, ebenso die Glockenmelodie von Westminster. „Schalom Schaverim“ erklingt zusammen mit Psalmworten, die den „Frieden über Israel“ (Ps 128) ersehnen. Von Siegfried Macht

2017 gibt es zwei Einführungskurse in die kreativen Zugänge zum Genfer Psalter: Schlagt die Pauke, führt den Reigen: 10. bis 12 März, Kloster Frenswegen und 13. bis 14. März Stephansstift Hannover Teilnehmergebühr: 90 bis 120 Euro Information: www.reformiert.de/termine Anmeldung: loga@reformiert.de Von der Titelseite „Schlagt die Pauke, führt den Reigen“ Strube Edition 6958

gebaut. Sie sind in der Regel als Langbau gestaltet, der den Blick auf den vorn stehenden Altar ausrichtet. Die erste reformierte Kirche wurde 1564 in Lyon gebaut. In ihr stand die Kanzel im Mittelpunkt. Die Bänke wurden kreisförmig darum herum konstruiert. Damit stand der Kirchbau im Dienst der Predigt. Dies wurde bei späteren reformierten Neubauten aufgegriffen, z.B. in Amsterdam. Die

Neue Kirche in Emden ist die erste reformierte deutsche Predigtkirche. 21.10.16 13:17

39. Kirchenlieder Die frühe Reformationsbewegung war eine Singebewegung. Vor der Reformation war der Gesang der Gemeinde im Gottesdienst nicht vorgesehen. Die Reformatoren schrieben selbst deutsche Liedertexte und haben sie auch vertont. „Gemeindegesangbuch“ heißt

das erste geistliche Wittenberger Liederbuch von 1529. Mit den Liedern wollten die Reformatoren das Evangelium unter die Leute bringen. Die neuen evangelischen Kirchenlieder wurden zugleich zu Protestliedern. Für Calvin war Singen eine Form des Gebetes, weshalb er zunächst nur die >Psalmen singen ließ. Heute steht der >Reimpsalter am Anfang der reformierten Ausgabe des „Evan-

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Reformationsjubiläum 2017 Reformationsjubiläum 2017

Personen der Reformation

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Die Reformation war ein europäisches Ereignis. Der 31. Oktober 1517 gilt gemeinhin als ihr Ausgangspunkt. Dass Martin Luther an diesem Tag seine 95 Thesen an die Schlosskirche nagelte, ist eher eine Legende als historisch belegt. Klar ist aber, dass der Wunsch nach Veränderung der Glaubenspra22

xis und Erneuerung der Kirche eine ganze Epoche prägte und die Welt veränderte. Wir stellen hier sechs Persönlichkeiten stellvertretend für diese Epoche vor. Sie machen deutlich, Reformation ereignete sich schon vor 1517 und fand an vielen Orten in

95 Themen

Europa statt.

gelischen Gesangbuchs“, dessen Stammteil alle evangelischen Gemeinden gemeinsam haben, die zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gehören. 40. Kirchenmusik Martin Luther hat sich nie negativ zu Musik im Gottesdienst geäußert. Anders die Schweizer Reformatoren Zwingli und Calvin. Sie hatten Sorge, dass die Musik

im Gottesdienst das Wort Gottes verdrängen könnte. Sowohl in Zürich als auch in Genf wurde der Psalmengesang lange Zeit nicht von der Orgel begleitet. Das hat sich nicht durchgesetzt. 41. Kirchenordnung Kirche und Gemeinwesen bedurften im 16. Jahrhundert einer politischen und religiösen Neuordnung. Die Neuordnung sollte dem Frie-

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John Knox, Edinburgh

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Martin Luther, Wittenberg

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Jan Hus, Prag

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Huldrych Zwingli, Zürich

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Johannes Calvin Marie Dantière, Genf

den dienen und war ein Mittel zur Herrschaftssicherung, aber auch der Demokratisierung. Die Landesherren beauftragten ihre Theologen mit der Abfassung von neuen Ordnungen, die das Gemeinwesen regeln sollten: Schulbildung, Armenfürsorge, Bekenntnisstand, Gottesdienst und vieles mehr. So erarbeitete Johannes a Lasco die Emder Kirchenordnung von 1571, die das Selbstverständnis und die


Seitentitel

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Huldrych Zwingli

presbyterial-synodale Kirchenordnung der Reformierten Kirche bis heute prägt. 42. Kirchenzucht In Teilen der reformierten Tradition ist die Kirchenzucht (neben der Wortverkündigung und der Sakramentsverwaltung) ein drittes Merkmal der Kirche. Diese Hochschätzung geht auf Martin Bucer und Johannes Calvin zurück. Ihre

theologische Begründung wurzelt in Matthäus 18,15–18. Calvin sieht darin vor allem ein Instrument der Seelsorge. Auch der >Heidelberger Katechismus spricht davon (Frage 85). 43. Konfessionen Konfession (lateinisch confessio ‚Bekenntnis‘) bezeichnet im heutigen Sprachgebrauch eine Untergruppe innerhalb einer Religion,

die sich in Lehre, Organisation oder Praxis von anderen unterscheidet. Durch die Reformationsbewegung entstanden verschiedene Konfessionen im Sinne von „Kirchengemeinschaften“. Die drei Hauptkonfessionen sind die römisch-katholische Kirche, die orthodoxe Kirche und die evangelische Kirche. Die evangelische Kirche spaltete sich bereits in der Reformationszeit zunächst in


Reformationsjubiläum 2017

Johannes Calvin: Gott die Ehre geben „Wir wissen […] sehr wohl, dass die ganze Erde Gott eigen ist, und wenn wir auch überall vertrieben werden, doch nicht außerhalb seines Herrschaftsbereiches sind.“ (Calvin, Vorwort zur französischen Bibel, 1535) Johannes Calvin gehört zu den Reformatoren der zweiten Generation. Er hat zur Fortdauer und Bewährung der Reformation beigetragen.

95 Themen

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Geboren am 10. Juli 1509 in Noyon (Frankreich), studierte Calvin zunächst freie Künste in Paris und Rechtswissenschaften in Orléans und Bourges bei den berühmtesten Rechtsgelehrten seiner Zeit. Noch während des Studiums wendet er sich dem Humanismus zu und richtet sein Interesse auf Texte des griechischen und römischen Altertums, der Kirchenväter und der Bibel. Am Ende eines längeren Prozesses schließt sich Calvin gegen 1533 der Reformation an. Prägendes Erlebnis und eines der Grunddaten der Reformation in Frankreich ist die sogenannte „Plakat-Affäre“ im Oktober 1534. In und um Paris wird auf Flugblättern drastisch auf die „schwerwiegenden Missbräuche“ der päpstlichen Messfeier hingewiesen: Sie wiederhole das einmalige Opfer Christi und verdunkle die heilbringende Bedeutung der Abendmahlsfeier. Infolge der „Plakat-Affäre“ werden die evangelisch Gesinnten in Frankreich erbarmungslos verfolgt. Calvin flieht nach Basel und gerät unfreiwillig nach Genf. Hier wirkt er zunächst von 1536 bis 1538, muss die Stadt aber infolge von Konflikten mit dem Rat verlassen. Er nimmt einen Ruf als Seelsorger der Flüchtlingsgemeinde in Straßburg an, zu der Zeit ein bedeutendes Zentrum des Protestantismus. Die Zusammenarbeit insbesondere mit Martin Bucer, die Einführung des Psalmenge-

eine lutherische, eine reformierte und eine täuferische Konfession; im Laufe der Jahrhunderte kamen unter anderem die Anglikaner, Baptisten und Methodisten hinzu. 44. Konfirmation Die evangelische Konfirmation geht auf den Straßburger Reformator Martin Bucer zurück. Anstöße zur Entwicklung der Konfirmation kamen durch die Täuferbewegung.

sangs und die dortige Kirchenordnung sind prägend für Calvins späteres Wirken. 1540 heiratet er Idelette de Bure, die ihn in seiner Sorge um die Glaubensflüchtlinge tatkräftig unterstützt. 1541 wird Calvin erneut nach Genf berufen. Ein Jahr darauf stirbt im Alter von nur vier Wochen der gemeinsame Sohn Jacques. Der Tod Idelettes 1549 stürzt Calvin in tiefe Trauer. Scheint er als Mensch eher spröde und wenig zugänglich und kann in theologischen Auseinandersetzungen konsequent bis zur Unerbittlichkeit wirken, begegnet uns Calvin in seinen Briefen als einfühlsamer Seelsorger. Er wirkt in Genf bis zu seinem Tod am 27. Mai 1564. Seine Theologie ist geprägt von der Situation der französischen Glaubensflüchtlinge, die nach Straßburg und Genf strömen, von den Missständen in der römischen Kirche sowie vom Studium der Bibel, den Schriften der Kirchenväter und Martin Luthers wie auch anderer Reformatoren. Calvin betont die Zusammengehörigkeit des Alten und Neuen Testaments und den Zusammenklang der in Christus geschehenen Versöhnung mit der Gestaltung des christlichen Lebens. Calvin möchte mit seinen Schriften die Kirche gestalten, „das alte Gesicht der Kirche endlich wiederherstellen“ und damit Gott die Ehre geben. Der von ihm theologisch herausgestellte Zusammenhang von Botschaft und Ordnung der Kirche ist bis heute für evangelisch-reformierte Kirchen prägend. Das schließt eine Mehrzahl der Ämter in der Kirche ein – und den Vorrang eines Amtes über ein anderes aus. Wie kein Zweiter streitet Calvin für die Einheit der Kirche. Von Reiner Rohloff

Sie verstand die Taufe als persönliches Bekenntnis zum Glauben und lehnte die Kindertaufe als unbiblisch ab. Als Kompromiss entwickelte Martin Bucer das Modell der Konfirmation: Die Kindertaufe wurde beibehalten. Die Heranwachsenden sollten zu einem Katechismusunterricht geschickt werden, der in einer symbolischen Handlung vor der Gemeinde gipfelte. Dadurch könn-

ten sie nachträglich „Ja“ zu ihrer >Taufe sagen. 45. Kreuz In den meisten reformierten Kirchen gibt es kein Kreuz. Dies hängt mit dem > Bilderverbot zusammen. Da sich die Abbildung Gottes verbietet, ist damit auch die Abbildung Jesu verboten. Die Reformierten lehnen vor allem das Kruzifix, das Kreuz mit dem daran hängenden Jesus ab.


Personen der Reformation

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Foto: Reformierter Bund

Johannes Calvin, kolorierter Kupferstich von René Boyvin, 1562

46. Landeskirchen Aus der reformatorischen Volksbewegung wurde ab etwa 1525 eine landesherrliche Bewegung. Es entstand eine Vielzahl von Landeskirchen unterschiedlicher >Konfessionen und Profile. Der Augsburger Religionsfriede besiegelt 1555 die konfessionelle Spaltung. Erst der Westfälische Friede von 1648 bezog auch die Reformierten in die

konfessionsrechtlichen Bestimmungen mit ein. 47. Leistung Die Reformatoren bestritten, das Seelenheil hinge von Leistung oder Besitz ab. Der Mensch entdeckt den Lebenssinn nicht in erster Linie in seinem Geld und in seinem Können – sondern darin, dass er sein Leben und diese Welt als Geschenk Gottes wahrnimmt.

48. Lesen Lesen ist eine Schlüsselqualifikation – auch des Glaubens. Vor dem Hintergrund der reformatorischen Vorstellung des >Priestertums aller Gläubigen, sollte jeder Christ die >Bibel und zum Heil förderliche Schriften in seiner eigenen Sprache lesen können – Männer und Frauen. Dies führte zur Einrichtung von Schulen für Mädchen und Jungen.


Reformationsjubiläum 2017

Marie Dentière: Eine der ersten Reformatorinnen Die Reformation war eine Männerbewegung: Luther, Zwingli, Calvin, Melanchthon. Zwar waren alle verheiratet und man weiß auch ein wenig über ihre Frauen – reformatorisch hervorgetreten sind diese wenig bis kaum.

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Also: Reformation – reine Männersache? Weitgehend ja. Aber immerhin ist auf dem 1917 errichteten Genfer Reformationsdenkmal ein Frauenname zu finden: Marie Dentière. Er wurde aber erst 2002 hinzugefügt. Wer war Marie Dentière? Geboren um 1495 in Tournai (im heutigen Belgien) wurde sie zunächst Priorin im Augustinerinnenkonvent. Aber schon um 1520 floh sie aus dem Kloster, schloss sich der reformatorischen Bewegung an und zog nach Straßburg. 1528 heiratete sie den Prediger und früheren Priester Simon Robert. Beide ziehen in die Schweiz, Simon Robert stirbt schon 1532. Bald danach heiratet sie Antoine Froment, der Pastor in Genf wurde. Von 1535 an ist sie als aktive Mitstreiterin der Reformation deutlich erkennbar. Sie versucht, letztlich vergeblich, die Nonnen im Klarissen-Konvent vom Auszug aus dem Kloster zu überzeugen – auch mit dem Hinweis auf die eigene Biographie. 1536 veröffentlicht sie ihre erste Studie: „Krieg und Befreiung der Stadt Genf“. Sie beschreibt hier unter Pseudonym, weil sie als Frau nicht veröffentlichen durfte, die Kämpfe um das ursprünglich zu Savoyen gehörende Genf bis zur Einführung der Reformation, die sie als göttlich verursacht versteht.

95 Themen

1539 schreibt sie einen offenen Brief an die Königin von Navarra, die auch als Schutzherrin für die Reformierten in Frankreich tätig war. Sie setzt sich hier für das Recht der Frauen ein, selber denken und verste-

49. Leuenberger Konkordie Im März 1973 beschlossen fast alle europäischen evangelischen Kirchen in der Leuenberger Konkordie Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. „Denn wir sind Gäste und Christus selber ist unser Gastgeber.“ Das heißt nicht, alle haben das gleiche >Abendmahlsverständnis. Aber die verschiedenen Auffassungen trennen die Kirchen nicht mehr. Auch

hen zu dürfen und fragt polemisch: „Haben wir zwei Evangelien, eins für die Männer und eins für die Frauen? ... Sind wir nicht eins in unserm Herrn?“ Dentière ist selber theologisch gebildet und verweist immer wieder auf Frauen, die in der Bibel wichtige Funktionen innegehabt hätten. Und sie verweist auf die auch Frauen gegebenen göttlichen Gaben: „Weil das, was Gott euch gegeben hat, und was er uns Frauen offenbart hat, wir ebenso wenig wie die Männer verbergen und in der Erde begraben dürfen“. Sie spricht sich nicht öffentlich für das Predigtamt für Frauen aus – argumentativ liegt das aber in dieser Linie. Mit Calvin gerät sie einmal aneinander, weil sie Anstoß an seiner langen Robe nimmt – sie ist ihr für einen Prediger zu vornehm. Später gibt sie in ihrem Todesjahr 1561 eine Predigt von Calvin heraus. Auch in dieser Schrift ist sie nicht nur Herausgeberin, sondern auch engagierte Theologin, deren hoher Bildungsstand deutlich erkennbar wird. So hat sie in diesem letzten Werk auch Auszüge des Kirchenvaters Cyprian aus dem Lateinischen übersetzt. Auch organisatorisch ist sie tätig: Sie gründet ein Pensionat für Mädchen, um ihnen (auch theologische) Bildung zu ermöglichen. Eine ihrer Töchter verfasst eine kleine hebräische Grammatik. Marie Dentière – eine der wenigen Reformatorinnen in der Reformationszeit, eine engagierte und argumentierende Theologin mit eigenem Standpunkt. Sie hatte scheinbar keine Scheu, diesen auch deutlich gegen andere zu behaupten. Wie gut, dass die Reformation keine reine Männersache war – und wie schade, dass es so wenige Frauen wie Marie Dentière gab. Von Georg Plasger

die Ordination wurde gegenseitig anerkannt. So wurde Kirchenspaltung überwunden und Kirchengemeinschaft möglich zwischen den lutherischen, reformierten und den aus ihnen hervorgegangenen unierten Kirchen, sowie den ihnen verwandten vorreformatorischen Kirchen der Waldenser und der Böhmischen Brüder.

50. Liturgie Die Liturgie eines reformierten >Gottesdienstes ist schlicht. Sie baut auf dem oberdeutschen Prädikantengottesdienst auf. In ihr stehen ein Votum (häufig Psalm 124,8), die Begrüßung sowie ein Psalm oder Lied am Anfang. Darauf folgen Eingangsgebet, Bibellesung, Predigtlied (mit Sammlung für die Diakonie), Predigt und Lied. Der Gottesdienst


Personen der Reformation

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Foto: Reformierter Bund

Reformationsdenkmal in Genf von 1917, v.l.: Guillaume Farel, Johannes Calvin, Theodor Beza, John Knox. Seit 2002 erinnert hier der Namenszug von Marie Dentière an sie.

schließt mit Abkündigungen, Fürbittengebet, Unser Vater, Ausgangslied und (Bitte um) Segen. Die Schweizer Reformatoren legten Wert auf eine kontinuierliche Bibelauslegung und auf das Singen von >Psalmen. 51. Marburger Religionsgespräch Dieses Gespräch war 1529 ein wichtiger Teil der theologischen Auseinandersetzung zwischen dem

lutherischen und dem reformierten Zweig der Reformation. Das direkte Gespräch zwischen Martin Luther und Huldrych Zwingli sollte insbesondere den Streit um das >Abendmahlsverständnis beilegen. Es scheiterte. Luther betonte: Wer glaubt, dem wird das Brot zum Leib und der Wein zu Blut. Zwingli verstand es anders: Brot bleibt Brot und Wein bleibt Wein. Aber beides verweist auf das Kreuzes-

geschehen. Erst die >Leuenberger Konkordie überwand die gegenseitigen Lehrverurteilungen. 52. Marienverehrung Maria, die Mutter Jesu, kommt im evangelischen Glauben kaum vor - außer in Krippenspielen. Das ist eine Folge reformatorischer Grundentscheidungen. Gegen den ausufernden Heiligen- und Marienkult betonten die Reformatoren:


Reformationsjubiläum 2017

Jan Hus: Die Wahrheit wird siegen Jan Hus (1372 – 1415) ist der Reformator Böhmens. Er ist Priester und hoch gelehrt. 1402 wird er Professor und Rektor der Prager Universität. Hus führt evangelische Reformen durch: Das Singen und Predigen in der Landessprache, die Übersetzung der Bibel, die „Kirche von unten“. Hus kritisiert Ablasshandel, Reliquienkult und Bilderverehrung. Hus ist populär. Zu seinen Predigten kommen bis zu 3000 Menschen. Eine Zeitlang wird Hus von seiner Popularität getragen, doch wird er ein Opfer der Machtwirren seiner Zeit. Auf dem Konstanzer Konzil wird Hus als „hartnäckiger und unbelehrbarer Ketzer“ zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt und am 6. Juli 1415 hingerichtet.

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Die Evangelischen in Böhmen kennen Jan Hus als „ihren“ Reformator. Sie lehnen es ab, Hus lediglich als „Vorreformator“ zu bezeichnen. Und sie haben Recht. In der Leipziger Disputation bekennt sich Luther 1519 zu Hus. Alle Artikel des Jan Hus, die das Konzil zu Konstanz verdammt habe, seien ganz christlich. Und 1520 schreibt Luther an einen Freund: „Kurz, wir alle sind Hussiten.“ Angeblich soll Hus kurz vor seinem Tod prophezeit haben: „Heute bratet ihr eine Gans (husa heißt auf Tschechisch Gans), aber

>Allein auf Christus, die Heilige Schrift, den Glauben und die göttliche Gnade sollte der evangelische Glaube gründen. 53. Männer Die Reformatoren schafften das Priesterzölibat ab und verneinten den sakramentalen Status der Ehe. Dies führte zur Aufwertung von Ehe, Familie und Sexualität. Allerdings war für >Frauen nun die Ehe

aus der Asche wird ein Schwan entstehen“. Luther kennt diese Prophezeiung und bezieht sie auf sich. Ebenso macht das Bugenhagen in seinem Nachruf auf den Wittenberger Reformator. Wo immer Lutherabbildungen zusammen mit einem Schwan zu sehen sind, erinnern sie an die Prophezeiung des Jan Hus und daran, dass die Reformation „international“ ist. Auch bei jedem evangelischen Abendmahl ist Hus „dabei“. Denn das Symbol der hussitischen Bewegung ist der „Laienkelch“. „Laienkelch“ heißt: Auch „der einfache Mann“ darf beim Abendmahl aus dem Kelch trinken, nicht nur der Priester. Die Umwandlung einer Priesterkirche in eine Gemeindekirche hat im „Laienkelch“ ihr Symbol - ein revolutionäres Element mitten im evangelischen Gottesdienst! Hus sei Dank! Von Klaus Bröhenhorst

die einzige wirtschaftliche Absicherung. Zugleich wurde die Stellung des Hausvaters - verantwortlich für die religiöse Hauszucht - hervorgehoben. Die patriarchale Arbeitsteilung zwischen Ehemann (Existenzsicherung) und Ehefrau (Familie und Haushalt) wurde betont und blieb lange unverändert.

54. Märtyrer Am 1. Juli 1523 wurden Hendrik Voes und Johannes Esch auf dem Großen Markt in Brüssel lebendig verbrannt. Sie waren die ersten Märtyrer der Reformation in Europa. Viele weitere Männer und Frauen wurden aufgrund ihres Glaubens getötet. Die Bartholomäusnacht (23./24. August 1572) war ein Massaker in Paris an französischen Protestanten (>Hugenotten).


Personen der Reformation

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Foto: Wikipedia

Jan Hus, Gemälde von Johann Agricola, 1562

55. Medien Das reformatorische Geschehen war ein Medienereignis: Flugschriften, illustrierte Flugblätter, Bibelübersetzungen, Predigten, Singen und Aktionen. Besonders der Buchdruck verhalf der Reformation zum Durchbruch - und umgekehrt half sie der damaligen Spitzentechnologie aus der Krise. Denn durch die reformatorische Hervorhebung der >Bibel wechselte das

heilsvermittelnde Medium vom geistlichen Stand auf den Buchdruck. Das gebildete >Priestertum aller Gläubigen wurde möglich. 56. Messe Luther folgte bei seiner Gottesdienstreform der westlich-römischen Messordnung (Deutsche Messe). Er betonte die Stellung der in deutscher Sprache gehaltenen Predigt und den Gemein-

degesang. Im Einflussbereich der Schweizer Reformation entwickelte sich ein Prädikantengottesdienst mit einfacher >Liturgie. Allen Reformatoren war wichtig, dass die Gläubigen den Inhalt und Verlauf des Gottesdienstes nachvollziehen können. Sie verfolgten mit dem >Gottesdienst auch den Anspruch auf >Bildung.


Reformationsjubiläum 2017

John Knox: Reformator von Schottland „Der erste Trompetenstoß gegen eine entsetzliche Weiberherrschaft“ – so lautet der Titel der 1558 verfassten berühmtesten Schrift des schottischen Reformators John Knox. Ein deutliches Wort, gerichtet gegen die drei Marias, die Großbritannien rekatholisieren wollten: Maria de Guise war stellvertretend für die noch minderjährige Maria Stuart Regentin Schottlands und Maria Tudor hatte 1553 den englischen Thron bestiegen.

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John Knox wird um 1514 geboren. Über seine Jugendzeit wissen wir nichts, nur dass er 1536 oder 1539 zum Priester ordiniert wird. Auch sein Weg zum Evangelisch-Sein ist unbekannt. 1546 sehen wir seine Spuren zum ersten Mal: George Wishart wird 1538 wegen seiner evangelischen Auffassungen der Ketzerei angeklagt und flieht auf den Kontinent. John Knox begleitet ihn, als er 1546 in der Hoffnung auf Reformen nach Schottland zurückkehrt – doch Wishart wird verhaftet und in St. Andrews verbrannt. Kurz danach kommt es dort zum Aufstand, in dem auch der Erzbischof und Kardinal David Beaton umkommt. Er gilt als Urheber der Gewalt gegen die Evangelischen. Daraufhin wird John Knox zum Prediger in St. Andrews berufen. Wenig später wird der Aufstand niedergeschlagen, Knox wird 1547 gefangengenommen und zu Haft als Galeerensklave verurteilt – er bleibt dabei seiner evangelischen Überzeugung treu. Anfang 1549 kommt Knox frei und wird Prediger im englischen Berwickupon-Tweed. 1551 wechselt er nach Newcastle. Er arbeitet mit am „Book of Common Prayer“ und gilt als einer der wichtigen evangelischen Theologen. Als

57. Migration Straßburg entwickelte sich bis in die 1540er-Jahre zu einem wichtigen Zentrum des Exils für europäische Protestanten, vor allem zur Regierungszeit von Maria Tudor auf dem englischen Thron (1553-1558). Sie versuchte, die Reformation in England, Schottland und Irland rückgängig zu machen. Reformierte Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden prägten die Gemein-

aber Maria Tudor den englischen Thron besteigt und das evangelisch gewordene England wieder römischkatholisch machen will, flieht Knox. Er kommt 1555 nach Genf und wirkt dort als Pastor der englischen Flüchtlingsgemeinde, studiert bei Calvin und ist Mitarbeiter einer neuen englischen Bibelübersetzung. Nachdem die evangelische Bewegung in Schottland zunehmend Rückhalt bekam, wird Knox von führenden Adligen nach Schottland gerufen, um dort die Reformation zu stärken. Von 1559 bis zu seinem Tod 1572 ist Knox in Schottland als streitbarer Kämpfer für die evangelische Kirche tätig. Maria Stuart wird 1559/60 gestürzt, die Franzosen werden aus Schottland vertrieben und ein Parlament wird eingerichtet. Knox wird Pfarrer in Edinburgh. Er ist maßgeblich am Schottischen Bekenntnis von 1560 beteiligt – und gerät immer wieder in Konflikte mit der Königin: Er setzt sich vehement dafür ein, dass die Kirche eine staatsunabhängige und selbständige Organisation wird. In seinem anfangs genannten „Trompetenstoß“ rechtfertigt er die Rebellion gegen die politische Herrschaft. Taktisch war das vermutlich eher unklug, weil er damit auch die künftige evangelische Königin Elisabeth zu seiner Feindin machte. Aber John Knox war eben kein Taktiker. Von Georg Plasger

de in Emden. Etliche reformierte Gemeinden in Deutschland sind durch Migration der aus Frankreich vertriebenen >Hugenotten entstanden. Hintergrund der Flucht war die Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV. im Jahre 1685. Darin war Glaubensfreiheit für die Protestanten und deren Gleichberechtigung mit den Katholiken im gesellschaftlichen Leben gewährt worden.

58. Mut Mut ist die >Freiheit, sich nicht abhängig zu machen von den Anpassungs- und Sachzwängen dieser Welt. Ohne Mut gibt es keine Veränderungen. Eine Formel reformatorischen Selbstverständnisses könnte lauten: Mut zur Freiheit und Mut zur Verantwortung. Denn die Bindung an Jesus Christus befreit aus den gottlosen Bindungen dieser Welt.


Personen der Reformation

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Foto: Kim Traynor, Wikipedia

Bildnis von John Knox, Haddington

59. Nächstenliebe Humanitärer Dienst am Mitmenschen gründet in der Liebe Gottes zu den Menschen und dem daraus folgenden Gebot der Nächstenliebe. In reformatorischer Kurzform: Begnügt euch nicht mit frommen Worten. 60. Ökumene Die Reformation wird auch als ein ökumenisches Ereignis bezeich-

net. Denn die Reformation hat keine Spaltung der westlichen Christenheit intendiert, sondern die Erneuerung der gesamten Kirche aus dem Geist des Evangeliums. Die Einstellungen zur Reformation und die Erfahrungen mit den Folgen der Reformation aber sind unterschiedlich. Wenn das Christentum seine Stimme im Dialog der Weltreligionen profiliert einbringen will, wird die inner-

christliche Ökumene eine neue Dynamik bekommen müssen. 61. Prädestination Prädestination bedeutet Vorherbestimmung. Es ist ein theologisches Konzept, demzufolge Gott von Anfang an das Schicksal der Menschen vorherbestimmt hat. Calvin hat die Lehre der doppelten Prädestination (zum Heil und zum Unheil) vertreten. Unter Hinweis


Reformationsjubiläum 2017

Martin Luther: Reformator in Mitteldeutschland „Herr, ich bin deine Sünde, du meine Gerechtigkeit, darum bin ich fröhlich und triumphier unerschrocken.“ Dieser Satz aus einer Tischrede Martin Luthers zeigt sein Grundanliegen: Weil Gott mir meine Sünde vergeben hat, darum ist Fröhlichkeit und Unerschrockenheit die Lebensmelodie. Dabei kannte Luther die Traurigkeit und die Anfechtung sehr wohl. Und die stellten sich bei ihm immer dann ein, wenn er zu wenig darauf Acht gab, dass Gott selber am Kreuz meine Schuld vergeben hat. Oder, wie er betont hat: Mich gerechtfertigt hat. Gott hat mich frei gemacht – und darum suche ich in meinem Leben auch diese Freiheit zu leben. Unerschrocken.

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Der 1483 in Eisleben geborene Martin Luther wurde nach einem begonnenen Jurastudium Mönch, studierte Theologie und wurde dann zunächst Priester und Theologieprofessor für Bibelwissenschaften in Wittenberg. 1517 sorgt er mit Reformthesen für Aufruhr. Seine auch von Fürsten erzwungene Verteidigung auf dem Wormser Reichstag 1521 endet mit der über ihn verhängten Reichsacht. Die darin schon erkennbare Vermischung von Kirche und Staat setzt sich fort: Der Kaiser und einige Fürsten (von denen nicht wenige auch Bischöfe sind) versuchen die von Luther angestoßene Bewegung zu verhindern. Andere Fürsten schließen sich der Bewegung an und sehen in der Reformation auch die Chance zu größerer Selbständigkeit. Luther selber wird in Wittenberg der führende Kopf der Reformation, die sich schon zu seinen Lebzeiten (erst gegen, dann auch mit seinem Willen) lutherisch nennt. Er ist Autor zahlreicher Schriften. In seinem Hauptberuf aber bleibt er Bibelausleger und bildet viele Pastoren aus. Martin Luther verstirbt 1546.

Martin Luther gilt als der Reformator schlechthin – auch in deutschen reformierten Kreisen. Schon in der Grundschule steht er auf dem Lehrplan. Und in der Tat war er einer der wesentlichen Auslöser der Reformation. Mit seiner Weigerung, die Institution der Kirche als letzte Autorität anzuerkennen („Konzilien können irren“), mit seiner Übersetzung der Bibel in verstehbares Deutsch, mit seinen die Bildung vorantreibenden Katechismen und vielem anderem mehr hat er der evangelischen Kirche insgesamt bleibende Impulse gegeben. Und dafür und für manch anderes mehr sind ihm auch die Reformierten dankbar. Mit manch anderem haben wir heute vielleicht etwas Mühe: Mit seinem Fürstenvertrauen, mit seiner Zurückhaltung bei Kirchenreformen, mit seiner Zentralstellung des Teufels und auch mit seinen Juden verunglimpfenden Worten, die später leicht, zu leicht aufgegriffen werden konnten. Luther selber war der Differenz zwischen Lehre und Leben bewusst: „Lehre und Leben soll man wohl unterscheiden und voneinander sondern.“ So hat er in einer anderen Tischrede gesagt. Deshalb ist es gut, diesen Ton zu hören und die beiden Grundtöne zu hören, die ihn biographisch prägten, dass Gott in Jesus Christus selber dafür gesorgt hat, dass die Sünde nicht mehr die bestimmende Größe im Leben eines Menschen sein darf. Auch nicht die Angst, die aus der Sünde immer wieder erwächst. Sondern dass Zuversicht und Unerschrockenheit das Leben prägen dürfen. Und wenn Menschen ängstlich sind oder eben nicht unerschrocken, dann darf ihr Blick, ihre Zuversicht immer wieder auf den Gekreuzigten gelenkt werden: Da hängt meine Sünde. Ich bin Gott recht.

95 Themen

Von Georg Plasger

auf den universalen Heilswillen Gottes lehnen viele Christen die Prädestinationslehre grundsätzlich ab. Die Gefahr von Missverständnis und Missbrauch ist groß: Als von Gott für das Heil vorher bestimmte Volk sahen sich viele weiße Sklaventreiber in den USA und viele weiße Buren bis zum Ende der Apartheid in Südafrika.

62. Priestertum aller Gläubigen / Getauften Damit wird gesagt: Alle Christen haben durch >Glaube und >Taufe einen unmittelbaren Zugang zum göttlichen Heil, ohne auf priesterliche Vermittlung angewiesen zu sein. Daraus folgt auch die Wahrnehmung priesterlicher Aufgaben durch die Gläubigen. Weil das Recht, priesterlich vor Gott zu treten, in der Taufe

gründet, spricht man theologisch vom „Priestertum aller Getauften“. Weil dieses Recht im Glauben in Anspruch genommen wird, kann man auch vom „Priestertum aller Gläubigen“ sprechen. Das Priestertum aller Gläubigen war der Ursprung vieler Beteiligungsmöglichkeiten von Laien in der Kirche.


Personen der Reformation

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Martin Luther, Gemälde von Lucas Cranach, 1528

63. Psalmen Das auch Psalter genannte biblische Buch hat seinen Namen nach dem griechischen Ausdruck für ein Saiteninstrument („Psalterion“), das häufig in den Psalmen erwähnt wird. Die Reformation schuf die Gattung des volkssprachlichen >Kirchenlieds, für das auch Psalmen in Reim- und Strophenform gebracht wurden. In Genf entstand der >Reimpsalter. In

der reformierten Tradition galt das Psalmensingen lange als einzig legitime Form des Gesangs im Gottesdienst. 64. Rechtfertigung Bei der Rechtfertigung geht es um die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Die Kernfrage ist: Wie kommt die gestörte Beziehung zwischen Mensch und Gott wieder in Ordnung? Die refor-

matorische Rechtfertigungslehre betont: Der Mensch kann sich vor Gott nichts verdienen. >Allein von Gott wird die Beziehung wieder hergestellt. Er wendet sich dem Menschen gnädig zu. Die >guten Werke eines Menschen sind die Frucht und Folge des >Glaubens. (HK, Frage 64)


Reformationsjubiläum 2017

Huldrych Zwingli: Reformator der Schweiz „Nichts ist wahr als das, was Gott zeigt; und alles, was nicht in dem Wort Gottes seinen Grund hat, wird nicht als wahr erfahren, denn der Mensch ist lügenhaft.“

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Huldrych Zwingli ist der Reformator der deutschsprachigen Schweiz – und hat weit darüber hinaus gewirkt. Unabhängig von Luther ist er zum Reformator geworden – aus Protest gegen Missstände in der Kirche und im Stadtstaat Zürich. Geboren wurde Zwingli am 1.1.1484 in Wildhaus im Toggenburg, studiert Theologie und wird 1506 Priester. Er entdeckt, auch aufgrund intensiver Studien der Bibel, dass kirchliche und biblische Gebote nicht deckungsgleich sind. Ab 1518 wirkt Zwingli in Zürich und unterstützt 1522 das „Wurstessen“ in der Fastenzeit: Das Gewissen der Glaubenden darf nicht durch Gebote gebunden werden, die die Bibel nicht vorschreibt. Die christliche Freiheit ist entscheidend. Sie arbeitet aber weniger mit Ge- und Verboten, sondern mit der Einsicht, dass Freiräume zu gestalten sind und hier die Verantwortung vor Gott und den Nächsten zählt. Letzter Maßstab ist allein die Bibel. Diese Einsicht setzt sich zunächst in Zürich durch und dann auch in anderen Städten wie St. Gallen, Schaffhausen, Basel und Bern. Äußerlich erkennbar ist das im Alltag: Die Klöster leeren sich, viele Priester heiraten, die gottesdienstliche Liturgie wird stark vereinfacht. Ab 1523 mehren sich bilderstürmerische Aktivitäten. Zwingli vertieft unterdessen die theologische Grundlegung der neuen Einsichten: Er verfasst einen Kommentar über die falsche und richtige Gottesverehrung und organisiert eine wöchentliche Pflichtfortbildung für alle Pastoren, in der die Bibelauslegung eingeübt wird. Später entstehen die großen Werke, die Grundlagen einer evangelischen Theologie sein können. Aber seine Theologie bleibt nicht ohne

65. Reformbewegung Die Reformbewegung des 16. Jahrhunderts nennt man seit dem 18. Jahrhundert Reformation - im Unterschied zu anderen spätmittelalterlichen Reformbewegungen. Die „de-formierte“, die aus der Form geratene Kirche, brauchte „Re-Formation“, die Rückführung in die richtige Form.

Widerspruch. Einmal gibt es in Zürich die sogenannten Täufer. Sie lehnen die Kindertaufe ab und streben eine reine Gemeinschaft an. Leider werden sie etwas später von Stadt und Kirche unrühmlich blutig verfolgt. Zwingli setzt sich trotz mancher eigener Zweifel an der Kindertaufe für sie ein. Aber er richtet sich auch gegen die römisch-katholische Auffassung, nach der die Taufe ein Gnadenmittel sei. Zwingli entwickelte auch ein eigenes Abendmahlsverständnis und gerät so mit Martin Luther in einen Streit. Der wird auch im Marburger Religionsgespräch zwischen Luther und Zwingli 1529 nicht gelöst – ein wesentlicher Grund, dass sich lutherische und reformierte Kirchen lange Zeit auseinander entwickelt haben. 1531 kommt es zum kriegerischen Konflikt zwischen Zürich und der katholischen gebliebenen Innerschweiz. Auf dem Kappeler Schlachtfeld stehen 3500 Zürcher gegen doppelt so viele Innerschweizer – in weniger als einer Stunde fallen 500 Zürcher, darunter auch Zwingli. Zwingli war ein streitbarer Theologe. Er setzte seine theologische Zuversicht nicht auf die irdischen Dinge – nicht auf Brot und Wein und Wasser. Auch nicht auf die menschlichen Gebote. Und auch nicht auf den, wie er es nannte, lügenhaften Menschen. Er erwartete von Gott alles: Einsicht in Gerechtigkeit, Gnade, Glaube, Wahrheit - für den Einzelnen, für die Kirche und für die Gesellschaft. Dieser Impuls ist bleibend wichtig – und der reformierten Kirche bis heute in Fleisch und Blut übergegangen. Hoffentlich. Von Georg Plasger

66. Reformator/in Im Namen Gottes traten immer wieder Frauen und Männer durch Wort und Beispiel mahnend für die Erneuerung der Kirche auf. Oft gerieten sie dabei mit geistlichen und weltlichen Führern in Konflikt. Dennoch wurden etliche von ihnen später als Heilige verehrt. Im 14. Jahrhundert rief Birgitta von Schweden die Päpste zur Umkehr auf. Sie trug dazu bei, das

Papsttum in Avignon zu beenden. Die Männer und Frauen, die zur Reformation gehörten, wollten das Evangelium von Jesus Christus neu zur Sprache zu bringen. 67. Reformation und Region Die Reformation war keine zusammenhängende Bewegung unter der Leitung einer einzelnen Person mit einem einheitlichen Programm. Darum sprechen viele auch von


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Huldrych Zwingli, Gemälde von Hans Asper, 1549

Reformationen. Die verschiedenen reformatorischen Proteste hatten aber in aller regionalen Unterschiedlichkeit gemeinsame Orientierungspunkte: Die >Bibel galt als Basis des Glaubens und Handelns. Die Autorität des Papstes und die Unterscheidung zwischen Priestern und Laien wurden verworfen. Die Kirche sollte erneuert werden.

68. Reformationstag Feiern zum Reformationsgedenken gab es bereits im 16. Jahrhundert. Allerdings waren die Termine noch regional unterschiedlich. Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen setzte ab 1667 einheitlich den 31. Oktober fest. Am Abend vor Allerheiligen 1517 soll Martin Luther der Legende nach in Wittenberg >95 Thesen veröffentlicht haben. In der reformierten Schweiz gilt

der erste Sonntag im November als Reformationstag. Im Jahr 2017 ist der 31. Oktober einmalig ein arbeitsfreier Feiertag in ganz Deutschland. 69. Reichstag zu Worms Auf dem Reichstag zu Worms sollte Luther 1521 nach dem Willen der Kirche und des Kaisers seine Lehren widerrufen. Luther weigerte sich. Über ihn wurde daraufhin die


Reformationsjubiläum 2017

Zur Diskussion Reformation im 16. Jahrhundert bedeutete stets auch Ringen um 36

den richtigen Weg. Daran knüpft dieses Kapitel an und will zur Diskussion anregen. Wie standen die Reformatoren zu den Juden, besonders die reformierten? Reformation inspiriert und wirft Fragen auf. Sechs Thesen zur Reformation aus reformierter Sicht. „Lebendiger Gott, erneure und verwandle uns.“ 1000 Reformierte aus aller

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Welt diskutieren dieses Motto 2017 in Leipzig.

Reichsacht verhängt: Er war jetzt ein Rechtloser. Seine Schriften durften nicht gelesen und verbreitet werden. Die in diesem Zusammenhang viel zitierten Worte „Hier stehe ich und kann nicht anders!“ hat Luther nie gesagt. 70. Reimpsalter Reimpsalter meint die in Reime gefassten 150 >Psalmen des Alten Testaments, die auf Anregung

von Johannes Calvin ab 1539 in Genf entstanden sind. Die alten Genfer Melodien verbinden die reformierten Kirchen in der ganzen Welt und sind kulturgeschichtlich der besondere Beitrag der Reformierten zum evangelischen >Kirchenlied. 1793 schuf Matthias Jorissen die bis heute vor allem in den deutschen reformierten Gemeinden gesungene Fassung des Reimpsalters.

71. Rituale Die Reformatoren erlebten die Frömmigkeit ihrer Zeit vielfach als erschreckend inhaltslos: Gebete, Rituale und sakramentale Handlungen bezogen nicht aus dem >Glauben ihre Kraft, sondern aus dem bloßen Vollzug - und bewusst geschürter >Angst. Dies wurde von ihnen radikal kritisiert.


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n i e t r e i m r o f e R Foto: rawpixel / shutterstock.com

72. Rückbesinnung Die Renaissance ist die europäische Kulturbewegung einer gebildeten Elite im 15. und 16. Jahrhundert. Man ist selbstbewusst, begreift sich als Künstler und Schöpfer und interessiert sich für die Werke und Ästhetik der Antike. Der Humanismus ist die dazugehörige Geisteshaltung. Der Mensch rückt in den Mittelpunkt von Kunst, Kultur und Wissen-

schaft - in Rückbesinnung auf das antike Menschenideal. Das Gesellschafts- und Bildungsideal will jedem Menschen die beste Persönlichkeitsentfaltung ermöglichen. Die Reformation des 16. Jahrhunderts forderte eine Rückbesinnung auf die Bibel. Die Epochenbegriffe wurden von den Zeitgenossen noch nicht benutzt. Sie sprachen allgemein von „reformatio“.

73. Sakramente Die Zahl und ihr Verständnis sind in den Kirchen verschieden. Die katholische Kirche kennt sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Ehe, Weihe, Krankensalbung. Die evangelische Kirche kennt zwei: Taufe und Abendmahl. In der reformierten Tradition sind die Sakramente Zeichen oder Symbole der verborgenen Heilswirklichkeit Gottes. Sie


Reformationsjubiläum 2017

Reformierte Reformatoren und die Juden Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat sich 2015 in einer öffentlichen Stellungnahme sehr kritisch zur Haltung Martin Luthers gegenüber dem Judentum geäußert. „Luther verknüpfte zentrale Einsichten seiner Theologie mit judenfeindlichen Denkmustern“ heißt es dort. Achim Detmers hat sich mit der Haltung der reformierten Reformatoren beschäftigt.

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Die Judenschriften Luthers von 1543 wurden bereits von Zeitgenossen sehr kritisch gesehen. So schrieb z.B. der Zürcher Reformator Heinrich Bullinger im Dezember 1543: „Ich werde nicht mit wenigen Worten aufgezählt haben das Widersinnige, Falsche und Verdrehte, das sich in dieser Ansicht Luthers zeigt. (…) Ja, bald wird nicht von ›Hebräischer Wahrheit‹, sondern von ›jüdischem Wahn‹ die Rede sein. So weit ist es nämlich mit dem maßlosen Charakter dieses Menschen dadurch gekommen, dass alle Amtskollegen und Diener der Kirchen selbst jede beliebige Schrift [Luthers] als Orakel anbeten (...). Wahrhaftig muss aufgrund des bisher Vorgefallenen befürchtet werden, dass dieser Mensch noch einmal großes Unglück über die Kirche bringen wird.“ Diese deutlichen Worte könnten vermuten lassen, dass die Reformatoren in Zürich und Straßburg eine grundsätzlich andere Haltung gegenüber dem Judentum eingenommen haben. Doch dieser Eindruck täuscht, wie im Nachfolgenden gezeigt werden soll.

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Die Zürcher Reformatoren Zwingli und Bullinger Der Erfinder der oberdeutsch-schweizerischen These von der Einheit des Alten und Neuen Bundes ist Huldrych Zwingli (1484-1531). Er markierte damit einen Kontrapunkt zur Wittenberger Lehre von

machen eine geistliche Wirklichkeit anschaulich, bewirken sie jedoch nicht (HK, Frage 66). 74. Selbstkritik Luther war immer wieder enttäuscht über die mangelhafte sittliche Wirkung der Reformation im eigenen Lager. Zugleich schrieb er Hetzschriften gegen Bauern und Juden. Hans Sachs, Handwerker und Meistersinger,

›Gesetz und Evangelium‹. Gleichwohl setzte auch er voraus, dass das Judentum nach Christus verworfen sei. Zudem glaubte Zwingli, dass das Judentum in seiner Religionsausübung auf Äußerlichkeiten fixiert sei und dadurch Gott und seine Gerechtigkeit verfehle. Weil die Juden Christus verkannt und ans Kreuz geliefert hätten, seien sie zu Recht verdammt worden. Diese Auffassung führte Zwingli allerdings nicht dazu, diskriminierende Maßnahmen zu fordern. In auffallender Weise verzichtete er sogar darauf, den Juden Vorwürfe wie Gotteslästerung oder Feindschaft gegenüber dem christlichen Glauben zu machen. Auch mit dem Vorwurf des Wucherns war Zwingli zurückhaltend. Zudem glaubte er an die Möglichkeit, dass auch außerhalb der Kirche eine Erwählung möglich sei, und er warnte davor, überheblich zu werden und die Juden verächtlich zu behandeln. Die jüdische Bibelauslegung kannte Zwingli allerdings nur aus antijüdischen Schriften. Im Ganzen beurteilte er sie als wenig hilfreich. Er kritisierte, dass die jüdischen Ausleger eine ›fleischliche‹ Vorstellung von der messianischen Erlösung hätten und deshalb auch die auf Christus vorausweisenden Verheißungen nicht verstünden. Andererseits konnte Zwingli aber auch positive Aspekte der jüdischen Religion hervorheben. So lobte er die Heiligung des Gottesnamens und die strenge Einhaltung des ersten Gebotes.

prangert 1524 die „neuen Evangelischen“ an, die den Kalbsbraten am Freitag als ihr wichtigstes Bekenntnis zur lutherischen Lehre betrachten. Und er plädiert für ein gewaltfreies Verhalten gegenüber den Mitbürgern, die den neuen Glauben noch nicht angenommen haben. Die Entdeckung der >Freiheit des Evangeliums wurde vom gnadenlosen Kampf um die Wahrheit begleitet. Insofern bietet

das Jahr 2017 auch Anlass zu selbstkritischer Besinnung. 75. „semper reformanda“ Die Formel „ecclesia semper reformanda“ (die Kirche muss sich ständig erneuern) stammt aus der Tradition der >Hugenotten - ein Jahrhundert nach der Reformation. In reformatorischer Sicht ist die Kirche der Ausgangspunkt und Gegenstand der Veränderung. Es


Zur Diskussion

Interessant ist auch Zwinglis Bericht von der Begegnung mit einem Juden: Zusammen mit anderen Gelehrten hatte er nämlich 1522 Kontakt aufgenommen zu dem jüdischen Arzt Mosche von Winterthur. Dieser besuchte zweimal die Hebräisch-Vorlesungen in Zürich. Als Zwingli 1524 verdächtigt wurde, er habe seine ganze reformatorische Theologie bei Juden gelernt, wies er diesen Vorwurf zurück, verteidigte aber den Kontakt mit Juden als legitim. Im Unterschied zu Zwingli hat sein Nachfolger Bullinger (1504-1575) wahrscheinlich nur Juden gekannt, die zum Christentum konvertiert waren. Er teilte im Wesentlichen die theologischen Auffassungen Zwinglis. Allerdings konnte er sich in sehr abschätziger Weise über die Juden äußern. Besonders deutlich wird dies in

Titelbild zur Schrift, in der Bucer seinen Judenratschlag gegen Kritik zu rechtfertigen versuchte, Straßburg 1539

geht nicht um eine unendliche Reform. Es geht um eine geistliche Erneuerung: Die immer wieder neue Umkehr zu Gott, zum gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus, zu seiner Verheißung und zu seinem Gebot. 76. Spaltung Katholiken betonen bei der Reformation meist die Kirchenspaltung. Darum wollen sie der Reformation

einem Gutachten von 1572. Bullinger lehnte darin eine Duldung der Juden ab und verwies auf Erfahrungen der Geschichte: Die Juden seien durch den Talmud verblendet, würden durch Wucher die sozialen Probleme verschärfen und einfache Christen in ihrem Glauben verunsichern. Selbst durch Gesetze könne man sie nicht von ihrem gotteslästerlichen Tun abhalten. Deshalb sei eine Aufnahme von Juden in einem christlichen Gemeinwesen nicht zu verantworten. Wenn dies dennoch an manchen Orten geschehe, dann weil die Juden es bekannterweise verstünden, sich durch Bestechungsgelder und finanzielle Abhängigkeiten Vorteile zu verschaffen. Bullingers Ablehnung einer Duldung von Juden gleicht hier ähnlichen Argumenten Luthers von 1536/37. Vergleicht man Bullingers Aussagen jedoch mit den späten Judenschriften Luthers, so ist nicht zu übersehen, dass der Zürcher Reformator zwar die Aufnahme von Juden ablehnte, anders als Luther aber keine Vertreibung forderte. Und auch die Judenschutzrechte des Kaisers stellte er nicht in Abrede. Luther dagegen hielt es nicht nur für angemessen, Juden totzuschlagen, sondern forderte auch von der Obrigkeit, die Synagogen und jüdischen Schulen zu verbrennen. Außerdem regte Luther an, Häuser von Juden zu zerstören, ihr Vermögen zu konfiszieren und sie zu Zwangsarbeiten heranzuziehen. Von solchen judenfeindlichen Maßnahmen ist Bullinger in seiner Stellungnahme weit entfernt. Die Straßburger Reformatoren Capito und Bucer Ein ungewöhnlich aufgeschlossenes Verhältnis zum Judentum hatte der Straßburger Reformator und Hebraist Wolfgang Capito (1478-1541). Als einziger Reformator ging er davon aus, dass am Ende der Zeit einige erwählte (aber derzeit verblendete) Juden ins Land Israel zurückkehren würden. Zudem kannte Capito jüdische Schriftauslegungen und pflegte Kontakte zu dem Juden Josel von Rosheim (1476-1554). Dieser besuchte sogar

gedenken, sie aber nicht feiern. Aber sie sagen auch: Wir müssen endlich ernst machen mit der Tatsache, dass uns in der Tiefe mehr verbindet, als uns an der Oberfläche trennt. Anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation favorisieren etliche Katholiken und Protestanten darum ein gemeinsames „Christusfest“, das die Schuld an der Kirchenspaltung auf beiden Seiten anerkennt und die

Errungenschaften der Reformation benennt, um auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen voranzuschreiten. 77. Sprache Der Ruf der Humanisten „ad fontes“ (zu den Quellen) zielte auf die Erneuerung der Sprachwissenschaften, um die antiken Schriften studieren zu können. Die Reformatoren interessierten

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Reformationsjubiläum 2017

einige Vorlesungen Capitos. Und Capito verfasste für ihn 1537 ein Schreiben, in dem er Luther bat, Josel zu unterstützen, beim sächsischen Kurfürsten die Vertreibung der Juden von 1536 rückgängig zu machen. Luther weigerte sich jedoch, Josel zu empfangen und unterstrich in seinem Antwortbrief, dass er eine Duldung in keiner Weise unterstütze, weil von Juden soziale, politische und religiöse Gefahren ausgingen (Wucher, Türkenspionage, Proselytenmacherei). Während Capito also ein freundliches Verhältnis zum Judentum hatte, kann dies von seinem Straßburger Kollegen Martin Bucer (1491-1551) nicht behauptet werden. Bucer entwickelte sich zu einem zentralen Gegner Josels neben Luther. Dies ist umso erstaunlicher, da Bucer wie alle ›reformierten‹ Reformatoren die substantielle Einheit des Alten und Neuen Bundes voraussetzte und im Blick auf die endzeitliche Wiederannahme ganz Israels von einem Rest erwählter Juden ausging.

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Bucer machte aber schon 1534/35 keinen Hehl daraus, dass er das Judentum in religiöser und ökonomischer Hinsicht als eine Gefahr für die christliche Bevölkerung betrachtete. Deshalb drängte er darauf, die Juden als Ungläubige aus dem christlichen Gemeinwesen auszugrenzen. Wenn Bucer sich dennoch bereit zeigte, die Juden aufgrund ihrer biblischen Wurzeln zu dulden, dann nur zum Zweck ihrer Missionierung und nur unter harten Bedingungen. Vor allem forderte er, ihre Erwerbstätigkeit auf die Sicherung des Existenzminimums zu beschränken und ihrer religiösen Betätigung enge Grenzen zu setzen. Für den Fall, dass Juden Christen in ihrem Glauben verunsicherten oder bloßstellten, drohte er mit Enteignung und Vertreibung.

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Vor diesem Hintergrund sind die harten Maßnahmen, die Bucer 1538 in seinem ›Judenratschlag‹ für die Landgrafschaft Hessen empfahl, keineswegs überra-

die Sprachen, um die >Bibel aus dem Hebräischen, Griechischen oder Lateinischen in die Volkssprache übersetzen zu können. Alle Vollzüge des kirchlichen und alltäglichen Lebens sollten in der Volkssprache geschehen – für alle verständlich. Die Sprache befreite – nicht nur vom Klerus.

schend. Die Maßnahmen basierten auf der Grundannahme Bucers, dass die Obrigkeit im Dienste der wahren Religion alle Ungläubigen aus dem christlichen Gemeinwesen auszugrenzen habe. Unter dieser Prämisse kam er zu dem Ergebnis, dass von der jüdischen Gemeinschaft zahlreiche Gefahren ausgingen – vor allem für ärmere und ungebildete Kreise. Angesichts dieser Gefahren betrachtete der Ratschlag die Vertreibung der Juden als angemessene Lösung; nur unter härtesten Bedingungen sei überhaupt eine Duldung zu verantworten. Und das bedeutete: Handels- und Wucherverbot für Juden, Ausschluss von öffentlichen Ämtern, Schutzgeldbestimmungen, Enteignung reicher Juden, Zwangsarbeit mit den allerniedrigsten Verrichtungen, Verbot des Baus neuer Synagogen, Verbot talmudischer Schriften, Verpflichtung zum Judeneid und zur Teilnahme an judenmissionarischen Predigten. Ein Verstoß gegen diese Bestimmungen wurde mit Vertreibung bzw. Todesstrafe bedroht. Die reformierten Reformatoren und die Judenschriften Luthers Insgesamt ist also festzuhalten, dass die Reformatoren Zwingli, Bullinger, Capito und Bucer gemeinsam die reformierte Position einer Einheit des Alten und Neuen Bundes vertreten haben. Um die Kontinuität zum Alten Bund zu sichern, war es für sie wichtig zu unterstreichen, dass einige Juden bleibend erwählt seien und zum Glauben an Christus gelangen würden. Zugleich wurde das Judentum aber mehr oder weniger als verworfen und durch die Kirche ersetzt betrachtet. Bei den Konsequenzen für das zeitgenössische Judentum kamen die genannten Reformatoren zu keinem einheitlichen Ergebnis. Die Auffassungen reichten von einem Eintreten für die Duldung (Capito) über ein weitgehendes Desinteresse an judenpolitischen Maßnahmen (Zwingli) bis hin zum Abraten von

78. Staat Das Verhältnis von Kirche und Staat hat die Geschichte stark bestimmt. Weil in Deutschland meist die Landesfürsten die Reformation durchführten und die >Konfession ihrer Untertanen bestimmten, entstand eine neue Allianz von „Thron und Altar“. Obrigkeit wurde häufig als Setzung Gottes legitimiert - nicht als Abbild der Christusherrschaft gesehen.

79. Streit Die Reformatoren waren zeitweilig mehr mit dem Streit untereinander beschäftigt als mit dem Streit gegen die sogenannten Altgläubigen. Der reformatorisch qualifizierte Streit beendete die Regel „roma locuta. causa finita“ (Rom (d.h. der Papst) hat gesprochen, die Sache ist entschieden!). Streit war der Motor der Reformation. Akademische >Streitgespräche


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einer Duldung (Bullinger) und massiven antijüdischen Maßnahmen (Bucer). Vor allem das Beispiel Bucers zeigte, dass massive antijüdische Ausfälle bis zur Androhung von Vertreibung schon vor Luthers späten Judenschriften präsent waren. Der Unterschied lag jedoch darin, dass Luther im Grunde zum Landfriedensbruch aufrief, wenn er zur Zerstörung von Synagogen, jüdischen Schule und Häusern aufforderte und sogar die Tötung von Juden als Vergeltung auf die angebliche Ermordung Christi und den angeblichen Ritualmord an Kindern für angemessen hielt. Die Reaktionen von reformierter Seite auf Luthers

Judenschriften zeigen, dass diese eindeutig als eine Grenzüberschreitung empfunden wurden. Sogar Bucer sprach von „überaus bitteren und abstrusen Schriften Luthers“. Hinzukam, dass Luther nicht nur gegen Juden polemisierte, sondern auch die reformierten Hebraisten in Zürich, Basel und Straßburg angriff. In einer besonders geschmacklosen Passage warf Luther ihnen vor, sie würden den Rabbinern zu viel nachgeben. Stattdessen sollten sie ihm lieber dabei behilflich sein, das Alte Testament von der „Judaspisse“, von den rabbinischen Verfälschungen, zu reinigen.

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Titelbild von Martin Luthers „Von den Jüden und iren Lügen“ 1543

hatten eine lange Tradition. Aber dass aus ihnen ein praktisches Handeln folgte, das war neu – und es war das Charakteristikum des reformatorischen, auch des innerreformatorischen Streits. Aber: Der Streit muss heute einen Weg zum Kompromiss kennen. 80. Streitgespräch Ein Religionsgespräch ist eine Unterredung oder ein Streit-

gespräch zwischen Menschen verschiedener Religionen oder >Konfessionen über religiöse Streitfragen. Die Gesprächsund Organisationsformen sind unterschiedlich. Dagegen sind Disputationen akademische Streitgespräche zwischen zwei Kontrahenten nach klaren Regeln. Sie waren zu Beginn der Reformation das bevorzugte Mittel, die neue Lehre zu verbreiten. In der

Schweiz öffnete Zwingli erstmalig die Disputationen für die Öffentlichkeit. 81. Taufe Für Luther war das Taufwasser zunächst ein Symbol der Heilsgewissheit. Erst im Kampf gegen die Täufer betont er dessen Heilsamkeit. Zwingli und Calvin positionieren sich dagegen: Die Taufe ist kein Gnadenmittel. Sie


Reformationsjubiläum 2017

Für den Zürcher Reformator Bullinger war hiermit eine Grenze überschritten. Sein Verhältnis zum Wittenberger Reformator war damals bereits nachhaltig gestört. Nicht nur der Abendmahlsstreit hatte tiefe Narben hinterlassen, auch der gehässige Kommentar, mit dem Luther auf die Zusendung der Zürcher Bibelübersetzung reagierte, wurde in Zürich als ein beispielloser Affront empfunden. Es ist darum nicht verwunderlich, wenn Bullinger den Veröffentlichungen Luthers mit großem Vorbehalt gegenüberstand. Überraschend ist jedoch, mit welchem Nachdruck Bullinger die Judenschriften Luthers als unsachgemäß zurückwies. Im eingangs zitierten Brief an Bucer schrieb er:

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„Die meisten Menschen beten sogar jene bissige und ekelhafte Beredsamkeit [Luthers] an. Folglich fährt jener fort und versucht, sich geradezu selbst an Gehässigkeit zu überbieten. Er schreibt gegen die Juden und predigt zugunsten unseres heiligen, christlichen Glaubens weder gänzlich unpassend noch unnütz, aber er hat durch seine dortigen schändlichen Sprüche und durch ein leichtfertiges Gerede, das niemandem, geschweige denn einem bejahrten Theologen ansteht, den nutzbringenden Gegenstand in einen unerfreulichen verkehrt. Aber auch wenn wir einräumen, dass man wegen des vielen Nützlichen und Brauchbaren, das in diesem Buch enthalten ist, unberücksichtigt lassen soll, dass einiges außerordentlich ungeeignet ist, wer, bitte, könnte das in überaus abscheulicher Weise geschriebene Buch ertragen oder gutheißen? (...) Wenn heute jene herausragende Autorität Reuchlin wiedererstünde, würde er sagen, in dem einen Luther seien die [Inquisitoren] Tongern, Hochstraten und Pfefferkorn wieder lebendig geworden, mit so mörderischem Hass greift er die hebräischen Kommentatoren an und verreißt sie. Davon einmal abgesehen mag man sich jenes unbändige Wüten gefallen lassen, wenn er in dieser Abhandlung nur das ehrwürdige Anse-

bewirkt nicht die Abwaschung der Sünden, sondern weist äußerlich auf das innere, geistgewirkte Heilsgeschehen hin. Sie ist ein Bundeszeichen, das die Zugehörigkeit des Getauften zu Gott zeigt. Die Betonung des Bundesgedankens in der Tauflehre, der Altes Testament und Neues Testament verknüpft, bestimmt bis heute Verständnis und Praxis der Taufe in reformierten Kirchen. Die Täufer

hen der biblischen Schriften unangetastet ließe. Er bestreitet sogar, dass die Biblia Hebraica zuverlässig sei; er bestreitet, dass diesen [Schriften] ein genuin christlicher Sinn entnommen werden könne. Er fügt hinzu, dass sie von den Rabbinen verfälscht seien. Er gibt zu, dass er die Deutsche Bibel nicht unvoreingenommen genug übersetzt habe, bloß zieht er diese Übersetzung nicht zurück. Bedenke, verehrter Bruder Bucer, wie viel Anstoß er dadurch auch bei sehr erfahrenen Lesern erregen dürfte.“ Auch wenn Bullinger hier den Judenschriften manches Nützliche attestiert, so ist doch deutlich zu erkennen, was seine Reaktion herausgefordert hat: das kontraproduktive Vorgehen Luthers, dessen theologisch und philologisch unredlicher Umgang mit der Hebräischen Bibel und die verantwortungslose Stimmungsmache. Auch wenn Bullinger vor allem die gegen Zürich gerichteten Anfeindungen im Blick gehabt haben dürfte, so wird doch deutlich, dass Bullingers Kritik nicht nur durch die persönliche Abneigung gegen Luther motiviert war, sondern auch in der anders gelagerten Auffassung von der Einheit des Alten und Neuen Testamentes ihren Grund hatte. Von Achim Detmers

Dieser Text ist eine gekürzte Fassung eines Aufsatzes von Achim Detmers aus dem Jahr 2015. Die ausführliche Fassung ist über den Reformierten Bund erhältlich.

praktizieren die Taufe ausschließlich als Bekenntnistaufe nach einer bewussten Entscheidung. In der täuferisch-mennonitischen Tradition wird sie auch nicht als Sakrament aufgefasst. 82. 95 Thesen Ende Oktober 1517 schrieb Luther an seine kirchlichen Vorgesetzten und einige Freunde Briefe gegen den missbräuchlichen Handel mit

dem >Ablass. Den Briefen legte er 95 Thesen bei, die als Grundlage für eine Disputation dienen sollten. Dass er seine Thesen mit lauten Hammerschlägen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt habe, ist eine Legende. Er erhielt auch nicht sofort eine Reaktion. Doch Ende 1517 waren Drucke seiner Thesen bereits in Leipzig, Nürnberg und Basel im Umlauf.


Zur Diskussion

Leipzig: Weltweiter Treffpunkt der Reformierten 2017 Vom 27. Juni bis zum 7. Juli 2017 tagt die Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen in Leipzig. Der Reformierte Bund hatte für das Jahr des Reformationsjubiläums eine Einladung nach Deutschland ausgesprochen. Über 1000 Delegierte aus den Mitgliedskirchen auf allen Kontinenten treffen sich unter dem Motto „Lebendiger Gott, erneuere und verwandle uns“. Ein Interview mit Jerry Pillay, dem Präsidenten der Weltgemeinschaft. Herr Prof. Pillay, spielt das Thema Reformationsjubiläum 2017 in Ihrer Heimat, in den Kirchen Südafrikas eine Rolle? Ja, das Reformationsjubiläum spielt bei uns eine wichtige Rolle, allerdings eher im universitären Bereich als in den Gemeinden. Die Zurückhaltung in den Gemeinden liegt wohl daran, dass Pastoren dies nicht unbedingt zum Thema machen, trotz reformierter Zugehörigkeit und Tradition, bewerben sie das Jubiläum nicht aktiv. Möglicherweise ist dies auch ein Zeichen, wieviel Kirchenmitgliedern ihr Reformiert-Sein bedeutet. In unserem Kontext geht es eher grundsätzlich darum, welche Rolle die Kirche an sich in der Gesellschaft spielt. An den Unis ist das anders: Da gibt es akademische Dialoge, da gibt es jede Menge Publikationen zur Vorbereitung von 2017. Es gibt einige wenige Kirchen, die das Thema engagiert aufnehmen, wie die Niederländisch-Reformierte Kirche oder die Vereinigende Presbyterianische Kirche, aus der ich komme. Aber alles nicht in dem Ausmaß wie hier in Europa. Welche Rolle spielt das Jubiläum für die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, deren Präsident Sie sind? Das ist absolut wichtig für uns und unsere Arbeit wird

83. Tradition Vor dem Hintergrund der >Ökumene stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Reformation und Tradition. In der katholischen Kirche wurde die Tradition stark auf die direkte Nachfolge der Priester und Bischöfe auf die Apostel fokussiert. Demgegenüber wurde in der reformatorischen Tradition der Akzent auf die prinzipielle Über-

darum kreisen. Wir haben bereits ein Thema gewählt, das mit diesem Jubiläum verbunden ist, das Jahr 2016 wird ganz im Zeichen der Vorbereitung von 2017 stehen. Wir fragen, was Erneuerung und Reformation für uns als Gemeinschaft bedeuten, was es heute heißt, reformiert zu sein. Aus diesem Grund haben wir entschieden, in Deutschland, in Leipzig, zu unserer Generalversammlung zusammenzukommen, als Teil der Gesamtfeiern des Jahres 2017. Sie werden in Leipzig unter dem Motto tagen: „Lebendiger Gott, erneuere und verwandle uns!“ Man kann dieses Motto ja auch als eine Art Programm für die nächsten 500 Jahre verstehen. Was bedeutet es für die WGRK heute? Wir als WGRK wollen danach suchen, wie wir reformierte Theologie und christliches Leben zusammenbringen, und wie wir damit diese Reformation weiterleben können. „Lebendiger Gott, erneuere und verwandle uns!“ ist ja eine demütige Bitte um Erneuerung, die sich zunächst an uns selbst als Kirche richtet - und erst danach an die Welt. Dabei wird es auch darum gehen, wie wir als reformierte Christen größere Relevanz erlangen können und mehr Einfluss nehmen können in der Welt. Das war in der Vergan-

ordnung des Evangeliums über die Kirche gelegt. Als reformatorische Kurzformel: Nachfolger der Apostel sind nicht die Bischöfe, sondern die Bibel. 84. Trost Im 14. Jahrhundert war der Kult der „Vierzehn Nothelfer“ aufgekommen. Das waren Heilige, die in verschiedenen Nöten angerufen wurden, von Zahnschmerzen bis

zur Todesangst. Hier suchten die Menschen Trost. Die Reformatoren leiteten dazu an, Trost in Gottes Wort zu suchen und zu finden. Dabei standen die >Psalmen als Trostbuch für sie an erster Stelle. 85. Unmittelbarkeit Ein Grundanliegen der Reformatoren war: Die Verbindung zwischen Mensch und Gott geschieht unmittelbar. Es braucht keine

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Reformationsjubiläum 2017

genheit eins unserer großen Anliegen, hat aber aus verschiedenen Gründen nachgelassen. Das wollen wir wieder ändern. Dafür bitten wir um unsere Verwandlung, damit durch uns die Welt verwandelt werden kann. Also ja, ein Thema für einen weiten Zeitraum. Somit betrachten wir das Motto jetzt als den Beginn einer neuen Bewegung.

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Sie haben gerade von der Relevanz der Kirchen gesprochen. Die Kirchen Europas haben deutlich mit ihrer Relevanz in der Gesellschaft zu kämpfen. Wie sieht das bei den Kirchen des Südens aus? Ich würde sagen, dass reformierte Kirchen überall das gleiche Problem haben und die Erfahrung einer Erneuerung brauchen. Sicher sieht das je nach Zusammenhang unterschiedlich aus, aber die reformierten Kirchen haben allgemein zu kämpfen, da gibt es keine Unterschiede zur Situation in Südafrika oder in Afrika überhaupt. Wir beobachten, dass unsere Kirchen Mitglieder verlieren, dass besonders junge Menschen zu charismatischen Kirchen oder Pfingstkirchen wechseln, weil sie andere Erfahrungen als Christen machen wollen. Ich habe vorhin schon davon gesprochen: Der Fokus vieler Kirchen liegt mehr darauf, Kirche zu sein und eine relevante Kirche in ihrem Umfeld zu sein als reformiert zu sein. Eben deshalb müssen wir uns fragen, wie wir uns erneuern können: theologisch, im Blick auf Mission, in unseren Gottesdiensten. Was können wir tun, um weiterhin wichtig zu sein.

95 Themen

Es gab eine Zeit in Südafrika, in der war das ganz anders: Während der Zeit der Apartheid waren wir die ersten, die sich in gesellschaftliche Prozesse eingemischt haben und Verwandlung angestrebt haben. Reformierte Kirchen standen in dieser Zeit auf gegen die Apartheid – nicht die Niederländisch-Reformierte Kirche, die das System gerechtfertigt hat - aber die ökumenischen Bewegungen und die reformierten Kirchen als Teil davon. Jetzt nach Abschaffung der

Mittler und Fürsprecher, wie den Papst, Maria oder Heilige. Wort und Schrift halten den Zugang zu Gott offen. Das war eine radikale Emanzipation von der Kirche als Gnadenvermittlerin. 86. Verantwortung Die Einsicht, dass sich aus dem Evangelium politische Entscheidungen nicht eindeutig ableiten lassen, darf nicht davon abhalten,

Apartheid haben die reformierten Kirchen das Problem, ihre neue Rolle zu finden. Längst haben uns andere Kirchen mit ihren Visionen und ihrem Engagement in der Gesellschaft überholt. Deshalb müssen wir ganz deutlich nach unserer Rolle und unserer Erneuerung fragen. Die Menschen schließen sich Kirchen an, die aktiv sind, die einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten und Dinge verändern wollen. Unser Problem ist, dass unser Mitgliederschwund den Fokus sehr auf unser kirchliches Überleben lenkt und uns weniger fragen lässt, was draußen in der Welt zu verändern wäre. Dies ist für mich eine falsche Haltung: Wer nur an die eigene Existenzsicherung denkt, wird schnell irrelevant. Kommen wir noch mal zurück zur Generalversammlung, an der etwa 500 Delegierte und insgesamt an die tausend Menschen teilnehmen werden. Was genau erwartet die Menschen in Leipzig? Natürlich wollen wir, dass dies eine große Feier wird, mit der unser reformiertes Erbe angemessen begangen wird. Und das soll in vielerlei Aktivitäten zum Ausdruck kommen, damit Menschen das wirklich erleben und nachspüren können. Aber es geht nicht nur ums Feiern: Wir werden unser Augenmerk auch darauf legen, was die großen Fragen und Probleme unserer Zeit sind. Zu diesen Fragen zähle ich Menschenhandel und Migration, HIV/Aids besonders in Afrika, religiöser Fundamentalismus und religiöse Intoleranz. Dazu zähle ich auch die Frage nach Sexualität und wie diese Frage Kirchen spaltet, besonders uns Reformierte. Ich meine, dass wir uns dazu verhalten müssen. Ich wünsche mir für unsere Generalversammlung auch einen „Wow-Moment“. Die Leute sollen nicht einfach nur dasitzen. Ich möchte, dass sie inspiriert

sich der politischen Verantwortung zu stellen.

als tätige Selbstkritik und als Versuch, sich zu bessern.

87. Vergebung Die Reformatoren wandten sich gegen Buß-Leistungen und den missbräuchlichen Handel der Kirche mit dem >Ablass. Für sie ist das ganze christliche Leben ein Übergang von der Reue über die Sünde zum Glauben an Gottes Vergebung. Sie verstanden Buße

88. Vielfalt Vielfalt ist ein typisches Merkmal der Kirchen der Reformation, das sich auch in der Meinungsvielfalt zeigt: Sollen alle religiösen Bilder aus der Kirche entfernt werden? Soll man für Unterdrückte Partei ergreifen? Sollen Kinder getauft werden oder Erwachsene? Wie


Zur Diskussion

und bewegt und motiviert werden. Wenn sie wieder nach Hause fahren, sollen sie das Gefühl haben, es ist gut, dass ich hier war. Ich gehöre zu einer großen Gemeinschaft und kann als Teil von ihr an meinem Ort etwas bewegen. Wir wollen, dass die Weltgemeinschaft global und lokal präsent ist. Die Menschen sollen gern dazugehören und wissen, dass sie wichtig sind und Wichtiges tun können. Interview: Ulf Preuß Übersetzung: Sabine Dreßler

Jerry Pillay ist Pfarrer und Generalsekretär der Uniting Presbyterian Church in Southern Africa. Präsident der Weltgemeinschaft ist er seit deren Gründungsversammlung 2010 in Grand Rapids (USA).

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Foto: WGRK

ist das Abendmahl zu verstehen? Da niemand allein die Richtung vorgeben kann und die bindende Bedeutung der Tradition entfällt, ist das Ringen um eine Einigung schwierig. Es zählt der >Glaube, der sich auf die >Bibel beruft - und das im Glauben geschärfte >Gewissen. 89. Vier-Ämter-Lehre Kennzeichen der Theologie Calvins war seine Absicht, die Reformation

auch in der Struktur der Kirche erkennen zu lassen. In der Genfer >Kirchenordnung von 1541 entwickelte er seine Vierämterlehre. Sie sah neben Pastoren auch Lehrer, Diakone und Älteste (Presbyter) vor, die vom Rat der Stadt gewählt wurden und mit den Pastoren für die Ausübung der >Kirchenzucht zuständig waren.

90. Volksnähe Die reformatorische Bewegung war anfangs nicht nur von studierten Theologen geprägt. Die Verwendung der Volkssprache förderte die Nähe zum Volk. Aber auch Flugschriften und illustrierte Flugblätter, die in ihrer Bild-TextKombination sehr deutlich waren, brachten die neuen Ideen unters Volk. Nach 1525, im Stadium der obrigkeitlich durchgesetzten und


Reformationsjubiläum 2017

„ungeniert reformiert“ – Anregungen zum Gespräch

Reformation inspiriert. Von dieser Überzeugung geleitet ist eine Erklärung der Gesamtsynode vom November 2015 zum Reformationsjubiläum. Sie hat den Titel „ungeniert reformiert“. Aus dieser Erklärung sind sechs Thesen mit anschließenden Fragen entstan-

Reformation heißt: Sich verändern lassen und verändern. • Was in Ihrer Gemeinde und/oder in der Kirche empfinden Sie als unnütz, überholt und erneuerungsbedürftig? • Was erwarten Sie an Verlässlichem, das Sie nicht verändert haben möchten? • Wo sollte die Kirche/Ihre Gemeinde in der Gesellschaft auf eine Veränderung hinwirken?

den. Eine Anregung zum Gespräch über Reformation gestern und heute.

Die Heilige Schrift lesen, auf sie hören und zu einem mündigen Glauben finden. • Welche Bibelworte oder biblischen Geschichten haben Sie in Ihrem Leben bewegt und begleitet? • Welche biblischen Vorstellungen, Erzählungen und Worte empfinden Sie als irritierend?

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95 Themen

• Welche kirchlichen oder gesellschaftlichen Entwicklungen stehen aus Ihrer Sicht im Widerspruch zur biblischen Botschaft?

stabilisierten Reformation, ebbte diese Produktion ab. 91. Wahrheit Die Reformatoren haben die Wahrheit wiederentdeckt, dass >allein dem Wort Gottes religiöse Autorität zukommt und die Erlösung allein in Jesus Christus zu finden ist. Dies haben sie mutig allem Volk gepredigt.

92. Weltweit Über 400 Millionen Protestanten weltweit verdanken ihre geistigreligiöse Existenz dem reformatorischen Geschehen. Dies zeigt die globale Dimension des damaligen Geschehens. 93. Widerstand Die Bibel erzählt von Gottes Liebe. Sie gilt den Unterdrückten und den Unterdrückenden gleicherma-

ßen. Die einen erfahren >Freiheit von ihrer Unterdrückung, die anderen werden aus ihrer Rolle der Unterdrückenden befreit. So stiftet die >Bibel zu Widerspruch und Widerstand an. 94. Wort Gottes Das Wort Gottes ist frei. Es duldet keine Fesseln durch menschliche Vorschriften. Dieses Wort verstanden die Reformatoren als „Gesetz“


Zur Diskussion

Nicht einen Reformator in die Mitte stellen, sondern Jesus Christus.

Unterschiede aushalten und den Zusammenhalt suchen.

• Wie würden Sie einem Nicht-Christen erklären, dass Jesus Christus für Sie wichtig ist?

• Jeder Mensch lebt und denkt und glaubt auf seine eigene Weise. Wo und wie begegnen Sie Menschen, die anders geprägt sind und anders leben als Sie?

• Bedeuten für Sie „Glaube“ und „Nachfolge“ dasselbe, und wie verhalten sich Beten und Tun zueinander? • Dass Jesus „für uns gestorben“ und dass er von den Toten „auferstanden“ ist, bereitet manchen Menschen Schwierigkeiten. Was können Sie mit diesen Aussagen anfangen?

• Wo sind für Sie Grenzen Ihrer Toleranz erreicht? • Was wäre für Sie ein „christliches Zeugnis“ im Miteinander unterschiedlicher Menschen?

Sich an die christliche Freiheit erinnern. Sich in der Gesellschaft als Christin/als Christ bewähren. • Kennen Sie Anfeindungen oder Widerstände, denen Sie als Christenmensch ausgesetzt sind? • Wir leben in einer Gesellschaft, in der der Ehrliche (oft) der Dumme ist. Ärgert Sie das? Und: Wie lässt sich das ändern? • Sind Sie bereit, Vorbild zu sein?

• Ängste, Drohungen und Moralisierungen gab und gibt es auch in der Kirche. Wo haben Sie Glauben und Kirche als bedrängend oder unfrei erlebt? • Es gibt aber auch banale oder kindische Formen der Verkündigung. Wann fühlen Sie sich nicht ernstgenommen? • Wen würden Sie gern mit dem Geist christlicher Freiheit anspornen? Und: Haben Sie dazu eine Idee?

Zur Erklärung im Wortlaut: www.reformiert.de, > Aktuelles, > Aktuelles von der Gesamtsynode, > Herbstsynode 2015

und als „Evangelium“. Die reformierte Tradition unterscheidet zwischen dem Evangelium, das von dem redet, was Gott für uns will - und dem Gesetz, das sagt, was Gott von uns will. Gesetz und Evangelium sind eine Einheit, bei der das Evangelium an erster Stelle steht.

95. Zukunft Die Reformation hat mit ihrer Theologie eine Religion mündiger Christinnen und Christen begründet. Mit der Lehre vom >Priestertum aller Gläubigen hat sie ihre Anhänger mobilisiert. Mit der >Bibel in ihrer >Sprache wurde ihnen eine Autorität in die Hand gegeben, die einen direkten Zugang zum Heil ermöglichte. Durch den Zugang zur >Bildung

wurden sie sprach- und argumentationsfähig gegenüber anderen. Durch all das konnte sich die >Reformbewegung etablieren und ihre Zukunft sichern. Von Sven Kramer

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Reformationsjubiläum 2017

Bausteine für die Gemeindearbeit Wie kann das Reformationsjubiläum 2017 lebendig werden? Vorschläge für die praktische Gemeindearbeit: für eine Gemeindeveranstaltung, für die 48

Gestaltung eines Themenjahrs, als kleine Aktion, als neue Veranstaltungsform, als Festwoche.


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Foto: akiyoko / shutterstock.com


Reformationsjubiläum 2017

„Ich bin fremd gewesen“ Bausteine für eine Gemeindeveranstaltung

Einstimmung

Materialien au slegen oder ve rteilen, die für Wanderschuhe, „Unterwegssei Landkarten, G n“ stehen: PS-Gerät, Koffe Nationalflagge r, Rucksack, Pa , Bahn- oder Fl ss, ugtickets und mehr

Lieder Meine engen Grenzen … (EG 600) Der Himmel der ist … (EG 153) Der Himmel geht über allen auf … (EG 611) Du bist da, wo Menschen leben … (Mennonitisches Gesangbuch 331) Gott liebt diese Welt … (EG 409) Du stellst meine Füße auf weiten Raum … (Das Liederbuch, Hg. Eißler/ Heinzmann, 125)

Bibelverse

s 31,9b) eiten Raum. (P w f au ße Fü ne (Hebr 13,14a) Du stellst mei eibende Stadt. bl e ) in ke er hi el ist. (Ps 36,6 Wir haben weit der Himm so , ht t. (Jes 9,1) ic re ch Li e großes n ei t Herr, deine Güt eh si , rt ande . (Mt 35,35c) im Finstern w aufgenommen h ic m bt Das Volk, das ha r und ih der gewesen Ich bin ein Frem


Bausteine für die Gemeindearbeit

ose 12,10) Gründen (1. M n he lic ft ha sc chtet aus wirt (1. Mose 26,1) Abraham – flü en geflüchtet nd rü G n he lic irtschaft 27,41-43) Isaak – aus w ruder (1. Mose B em in se r vo t Jakob – flüchte e 2,11-15) htling (2. Mos üc Fl er ch is lit 4) Mose – po 17,6 und 24,1 en (1. Kön 19) en (2. Könige ligiösen Gründ irr re w s gs au ie t Kr eh 3) ch fli 13-2 Elia – verschleppt na olgung (Mt 2, els und Juda – politischer Verf en eg w n te Bewohner Isra ch Ägyp sus – Flucht na Josef, Maria, Je gt (Apg 8,1) religiös verfol – n te ris Ch Die ersten

Bibelarbeit

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Fragen für Gru ppen

Die Teilnehmen den (TN) könn en die Position unterschiedliche von n Personen au s den Geschicht en einnehmen : Ich muss weg . Was bedeutet es, die Heimat Was nehme ic zu verlassen? h mit, was lass e ich zurück? Was erhoffe ic h am neuen O rt? Da kommen N eue. Warum si nd die hier? Was bringen di e mit? Wie verhalte ic h mich? Was wird sich ändern?

Fotos: pixelwolf2/fotolia.com Gresei/foltolia.com Sashkin/fotolia.com Maksym Yemelyanov/fotolia.com mozZz/fotolia.com Nataly-Nete/fotolia.com


Reformationsjubiläum 2017

„Ich bin fremd gewesen“ Reformation und Migration als Schwerpunktthema für das Jahr 2017

indebrief Serie im Geme

uns an? der Bibel üchtlinge bei Fl en m Flüchtlinge in ka n wan r Stadt? ichte: Wie und s im Dorf/in de un i Gemeindegesch be u ne t rstellen: Wer is Geflüchtete vo

In Gottesdienst und Kindergo ttesdie Predig

nst treihe: Biblisch e Flucht- und Integrationsge Augenzeugenb schichten erichte: Fremds ein - Wie war Gottesdienste es , al s ich hierher ge in der Sprache zogen bin? der Flüchtlinge

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Für Gemeindegruppen Aus der Geschichte lernen: Unsere Gemeinde und Flüchtende - damals und heute Erzählte Geschichte(n): Gespräch über Migrations- und Hilfeerfahrungen zwischen Flüchtlingen und Gemeindegliedern Biblische Geschichten: Vom Umgang mit Fremden und Fremdsein (Kirchen)musik und Begegnung: Musizieren und Singen - Gefühl und Kultur Gemeindefest (ökumenisch) als Fest der Kulturen: Gemeinsam kochen und essen

rbeit

a Konfirmanden

einde, im Ort el, in der Gem ib B r de In n: de Leben mit Frem unft üchtlingsunterk Fl r Besuch eine e verschenken ilf H Zeit und t: gu t tu n tu Gutes Gäste einladen

Im Kirchenrat

Das Profil unse rer Gemeinde: Schafft Migratio „Geben und N n Entwicklungs ehmen“: Die Ro perspektiven? lle der Ehrena Suchen wir de m tli chen und ihre r Stadt Bestes? Qualifikation – Wer sucht m it?

Fotos: jaacartoon/fotolia.com


Bausteine für die Gemeindearbeit

ChurchNight Das Reformationsjubiläum soll auch den Blick in die Zukunft öffnen: Was bedeuten die Errungenschaften der Reformation für die Kirche heute und morgen? Im Rahmen einer ChurchNight wird die Reformation mit allen Sinnen erlebt und deren Bedeutung in den Alltag unserer Kirchen und Gemeinden transportiert: Was hat die reformatorische Entdeckung eines lieben-

den Gottes mit dem (Gemeinde-)Leben im Hier und Jetzt zu tun? Wo gibt es bei uns heute Reformbedarf? Das Format ChurchNight ist vielfältig und richtet sich an junge Menschen. Auf www.churchnight.de gibt es über 300 Bausteine und Entwürfe für eine ChurchNight.

Eine Festwoche Einmalig ist der Reformationstag 2017 ein bundesweiter Feiertag. Die Dichte freier Tage und Feiertage um den Reformationstag 2017 bietet beste Rahmenbedingungen, das Reformationsjubiläum in Gemeinden und Synodalverbänden in ökumenischer Gemeinschaft als einen mehrere Tage umfassenden Weg mit modularen Aktionen und Angeboten zu gestalten.

So, 29.10.2017 Christus mitten unter uns Familiengottesdienst zum Reformationsjubiläum

Fr, 27.10.2017 Christus im Klang Kirchenmusikalische Angebote

Im Anschluss findet ein Empfang mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens statt. Denkbar ist im Anschluss auch ein ökumenisches Gemeindefest mit dem Thema „Erneuerung“.

Sa, 28.10.2017 Christus im Bild Angebote aus der bildenden oder darstellenden Kunst

Mo, 30.10.2017 Christus im Nächsten Präsentation diakonischen Wirkens Di, 31.10.2017 Erneuerung durch Christus Ökumenischer Reformationsgottesdienst

Mi, 01.11.2017 Christus unsere Hoffnung Ökumenisches Zeugnis vom Auferstandenen

Zitate pflücken Auf kirchlichen und/oder öffentlichen, mit dem Ordnungsamt abgestimmten Plätzen, werden an Leinen prägnante reformatorische Einsichten, Zitate, Liedverse oder Gedichte zum Mitnehmen aufgehängt. Im Vorfeld wird über die Presse und kirchliche Veröffentlichungen dazu aufgerufen, Lieblingsworte, reformatorische Kernworte, Zitate u.ä. einzureichen. Diese können durch eigenes Textmaterial ergänzt werden. Das A6-Format wird ebenso vorgegeben wie die Schriftgröße (aber auch handschriftliche Texte können willkommen sein), damit die Zitate leicht auf karton-

starkes Papier kopiert werden können. Jeder Aushang sollte mit dem Logo der Kirchengemeinde(n) und mit dem „R“-Logo versehen sein. Die Wäscheleinen werden gespannt und die Kärtchen mit Wäscheklammern daran befestigt. Eine verantwortliche Person sorgt innerhalb des klar begrenzten Zeitraums für Nachschub.

Tag des offenen Denkmals Immer am zweiten Sonntag im September findet der europaweite Tag des offenen Denkmals statt. Historische Bauten und Stätten, die sonst nicht oder nur teilweise zugänglich sind, öffnen ihre Türen. Am 10. September 2017 steht der Tag des offenen Denkmals unter dem Motto „Macht und Pracht“. Die meisten Denkmale sagen aufgrund ihrer Ausführung oder Ausstattung viel über die jeweils herrschenden kirch-

lichen und gesellschaftlichen Machtverhältnisse aus. Auch in Gärten und Parks oder auf Friedhöfen finden sich Hinweise auf „Macht und Pracht“. Das Jubiläumsjahr 2017 bietet Gelegenheit, für reformatorische und ökumenische Schwerpunkte am Tag des offenen Denkmals. www.tag-des-offenen-denkmals.de

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Reformationsjubiläum 2017

Termine 2017 ab LUTHER! – REBELL WIDER WILLEN. 21. Jan. Rock-Oratorium Landesbühne Nord Orte: 24 Aufführungen in Nordwestdeutschland alle Termine unter www.landesbuehne-nord.de/stueck/724 3. Feb. Jan Hus Vortrag von Benigna Carstens, Direktionsmitglied der Evangelischen Brüder Unität Ort: Kloster Frenswegen, Nordhorn www.kloster-frenswegen.de 8. - 10. „Die ‚andere Reformation‘ im Nordwesten: Feb. Bremen und Westeuropa“ Wissenschaftliche Tagung zum ganz eigenen reformatorischen Weg Bremens in der Reformation 54

14. Mai- Zusammen – Leben. Migration und Konvi5. Nov. venz. Emden im 16. Jahrhundert Ausstellung im Ostfriesisches Landesmuseum und in der Johannes a Lasco Bibliothek Emden www.jalb.de www.landesmuseum-emden.de 20. Mai- „Reformationssommer in Wittenberg 10. Sep. Tore der Freiheit“ Im Reformationssommer 2017 präsentieren Kirchen aus aller Welt, internationale Institutionen, Initiativen und viele Kulturschaffende ihre aktuelle Sicht auf die Reformation: Sieben sogenannte Tore der Freiheit an den Wallanlagen um die Wittenberger Altstadt und damit verbundene Themenbereiche öffnen den Blick für die Zukunft: Spiritualität, Jugend, Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, Globalisierung, Eine Welt, Kultur sowie Ökumene und Religion.

Ort: Domkapitelhaus der St. Petri Domgemeinde Bremen 19. - 21. 11. Internationale Tagung zur Geschichte Mär. des reformierten Protestantismus „Wir sollen menschlich sein“ (Jean Calvin) Diakonie im reformierten Protestantismus Ort: Johannes a Lasco Bibliothek Emden www.jalb.de 29. - 31. Europäischer Stationenweg zum ReforMai mationsjubiläum in Emden (siehe Seite 55) „Ich bin fremd gewesen – 500 Jahre Reformation – 500 Jahre Migration“

Karte: Daniel Leyva/r2017

www.r2017.org


Anhang

29. - 31. März 2017

Europäischer Stationenweg zum Reformationsjubiläum in Emden

In Emden geht es um Geschichten von Migration und Reformation. Denn die Geschichte der Stadt ist eng mit Glaubensflüchtlingen verbunden, die nicht nur im 16. und 17. Jahrhundert kamen. Emden wird an diesem Tag zur Bühne für Geschichten und Erinnerungsstücke um Migration und Reformation. Erzählt und gesammelt werden diese auf dem „Schepken Christi“ am Ratsdelft und im Geschichtenmobil der EKD am Emder Hafentor.

Der Europäische Stationenweg zum Reformationsjubiläum führt von Genf nach Wittenberg von November 2016 bis Mai 2017 durch 67 Städte in 19 Ländern.

Hafentor in Emden, Anlegeplatz des Schepken Christi

Emden Karte: Daniel Leyva/r2017

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Karte: Designagentur projektpartner

Schepken Christi an der Großen Kirche Emden

Hamburg Emden Oldenburg

Bremen

HUNTE Küstenkanal EMS

ELBE

WESER MittelLandKanal

Osnabrück

Hannover Braunschweig

Magdeburg Wittenberg

Seetjalk Anne, Schepken Christi im Jahr 2017

Reiseroute des Schepken Christi im Jahr 2017

Im Mai reist das „Schepken Christi“ mit den Geschichten und Erinnerungsstücken Richtung Magedeburg und Wittenberg. Haltepunkte sind geplant in Leer, Oldenburg, Bremen, Minden und Wolfsburg. www.reformiert.de/stationenweg-emden.html www.r2017.org/europaeischer-stationenweg


Reformationsjubiläum 2017

20. Mai- denkbar. Der Laden 10. Sep. Kommunikation in der Collegienstraße 30 Ein Ladenlokal in der Wittenberger Innenstadt ist der Beitrag der Evangelischreformierten Kirche zusammen mit der Oldenburgischen und Bremischen Kirche zum Reformationssommer in Wittenberg: denkbar. Der Laden. Ein offener und gastfreundlicher Ort, der einlädt: zum Nachdenken über Reformation gestern und heute, zu Fragen über Gott und die Welt, zur Diskussion über Kirche und Glauben - untergebracht in einem ehemaligen Friseursalon.

24. - 28. Kirchentag in Berlin und Wittenberg und Mai Kirchentage auf dem Weg vom 25. - 27. Mai Neben dem großen Kirchentag in Berlin laden kleinere „Kirchentage auf dem Weg“ in die Städte Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Jena/Weimar, Dessau-Roßlau und Halle/Eisleben ein. Von Donnerstag bis Samstag feiert jede Stadt 500 Jahre Reformation mit ihrem eigenen Programm Alle Orte werden an Christi Himmelfahrt, dem 25. Mai, mit einem zeitgleichen, ökumenischen Gottesdienst verbunden. www.dekt.de

www.denkbar-der-laden.de

56 Karte: Daniel Leyva/r2017

Foto: Jens Schulze


Anhang

27. - 28. Festwochenende zum ReformationsjubiläMai um in Wittenberg 27. Mai: Nacht der Lichter am Abend auf den Elbwiesen 28. Mai: Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum und Abschlussgottesdienst des Kirchentags auf den Elbwiesen vor Wittenberg Zeit: 12 Uhr 14 - 18. „KonfiCamps“ in Wittenberg Jun. trust and try - Vertrauen und Mut Konfirmandinnen und Konfirmanden sind eingeladen, im Reformationssommer 2017 in die Lutherstadt Wittenberg zu kommen. Zehn fünftägige KonfiCamps zwischen Juni und September eröffnen 12.000 Jugendlichen die Möglichkeit, die Gemeinschaft Gleichgesinnter zu erleben. Die Evangelisch-reformierte Kirche fährt zusammen mit der Bremischen und Oldenburgischen Kirche die Woche vor den niedersächsischen Sommerferien mit insgesamt 1000 Konfirmanden nach Wittenberg. 28. - 30. Migration und Fluchtbewegungen im Jun. Europa der frühen Neuzeit Wissenschaftliche Tagung der Johannes a Lasco Bibliothek mit der Freien Universität Amsterdam, der katholischen Universität Leuven und der Hochschule Emden-Leer Ort: Johannes a Lasco Bibliothek, Emden www.jalb.de 29. Jun. Lebendiger Gott. - 7. Jul. Erneuere und verwandle uns 26. Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen Orte: Messe Leipzig, Evangelisch-reformierte Kirche zu Leipzig, Wittenberg, Berlin www.wcrc.ch/de Aug. Trans(Re)formation - Okt. Klöster als transitorische Räume Kooperationsausstellung der Stichting Groninger Kerken, Klosterstätte Ihlow, Kloster ter Apel, Universität Oldenburg, kath. Gemeinde Emden, Diözese Osnabrück, Johannes a Lasco Bibliothek Ort: Johannes a Lasco Bibliothek, Emden www.jalb.de

26. Aug. Scivias – Wisse die Wege. Eine Nacht im Leben der Hildegard v. Bingen und der Katharina v. Bora Theateraufführung des Ensemble Theatrum Hohenerxleben Ort: Kloster Frenswegen, Nordhorn Zeit: 19.30 Uhr www.kloster-frenswegen.de 27. Aug. Ökumenischer Gottesdienst mit Bischof Bode, Kirchenpräsident Heimbucher und Landesbischof Meister Ort: Innenhof des Kloster Frenswegen oder Alte Kirche am Markt, Nordhorn Zeit: 10 Uhr 15. Sep. ReFORMation in der christlichen Bilderwelt - 19. Jan. Temporäres Kunstprojekt Ort: Bremer Kulturkirche St. Stephani 26. Okt. 500 Jahre – Wir gestalten Reformation! Schüler-Projekttag als Abschluss eines Schülerwettbewerbs Ort: Lingen, Emslandhalle und Emslandarena www.wir-gestalten-reformation.de 31. Okt. 500 Jahre Reformation Gesetzlicher Feiertag in Deutschland Ein zentraler Gottesdienst mit Festakt in Wittenberg und viele dezentrale Festgottesdienste bilden den Abschluss des Jubiläumsjahrs. Alle Bundesländer haben den 31. Oktober 2017 einmalig zu einem gesetzlichen Feiertag erklärt. Neben dem Abschluss der EKD-Aktivitäten bildet der Tag auch den Auftakt zu weiteren Jubiläumsjahren: • 2019 feiert Zürich 500 Jahre Reformation • 2021 Emden 450 Jahre Emder Synode

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Reformationsjubiläum 2017

Adressen und Kontakte Sven Kramer Beauftragter der Evangelisch-reformierten Kirche für das Reformationsjubiläum Saarstraße 6 26789 Leer Tel 0491 - 977 67 292 sven.kramer@reformiert.de www.reformiert.de/reformationsjubilaeum-2017.html Informationen zu den Aktivitäten der Evangelischreformierten Kirche www.r2017.org Zentrale Internetadresse für alle Aktivitäten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) www.ref-500.ch/de Zentrale Internetadresse für alle Aktivitäten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (sek)

www.reformation-niedersachsen.de Internetportal der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen mit Veranstaltungsdatenbank und interaktiver Karte www.freiheitsraumreformation.de Kooperationsprojekt der Universität Oldenburg von Kultur, Wissenschaft, Kirchen und Zivilgesellschaft in Oldenburg und im Nordwesten www.frauen-und-reformation.de Zentrale Internetseite von Evangelische Frauen in Deutschland e.V. (EFiD) über reformatorische Impulse von Frauen von der Reformationszeit bis ins 20. Jahrhundert www.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/ BKM/2012-11-19-positionspapier-reformationsjubilaeum.pdf?__blob=publicationFile Die Bundesregierung und das Reformationsjubiläum 2017

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Autorinnen und Autoren Klaus Bröhenhorst – Pastor der Evangelisch-reformierten Gemeinde Hildesheim

Dr. Georg Plasger – Professor für Systematische Theologie Universität Siegen

Dr. Achim Detmers – Generalsekretär des Reformierten Bundes (Dachverband der Reformierten in Deutschland)

Ulf Preuß – Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

Thomas Fender – Pastor für Diakonie und Ökumene der Evangelisch-reformierten Kirche

Reiner Rohloff – Evangelisch-reformierter Moderator (Studienleiter) in der Bildungsstätte Kloster Frenswegen

Gretchen Ihmels-Albe – Pastorin für Frauenarbeit der Evangelisch-reformierten Kirche

Bernhard Schmeing – Landesjugendpastor der Evangelisch-reformierten Kirche

Sven Kramer – Beauftragter der Evangelisch-reformierten Kirche für das Reformationsjubiläum

Hartmut Smoor – Persönlicher Referent des Kirchenpräsidenten

Dr. Siegfried Macht – Professor für Kirchenmusikpädagogik an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth


Impressum Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche SaarstraĂ&#x;e 6 26789 Leer, www.reformiert.de Redaktion: Ulf PreuĂ&#x; (verantwortlich) Pressesprecher Tel 0491 - 91 98 212 presse@reformiert.de Sven Kramer, Hartmut Smoor Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner www.projektpartner.info info@projektpartner.info


Logo „500 JAHRE REFORMATION“

Mit diesem Logo stellen die Evangelisch-reformierte Kirche und der Reformierte Bund ihre Aktivitäten unter ein gemeinsames Zeichen. Seinen Ausgangspunkt hat das R beim Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK): Er hat für seine Veranstaltungen und Feierlichkeiten ein grünes R - 500 Jahre Reformation als Dachmarke entwerfen lassen. Jede Region der Schweiz hat ihr eigenes R.

• Unser R steht für bunte Vielfalt, aufeinander bezogen, dynamisch und zentriert.

Die Evangelisch-reformierte Kirche und der Reformierte Bund haben in Absprache mit dem SEK das R für die Reformierten in Deutschland weiterentwickelt:

• Das R geht über 2017 hinaus: in der Schweiz bis zum Jahr 2036, in Emden bis zum Jahr 2021.

• Das R steht für Feierlichkeiten in der Vielfalt der Kirchen und doch einheitlich im Zeichen eines gemeinsamen Jubiläums. • Das R verbindet mit allen Orten der Reformation. • Das R ist ein Zeichen für eine Gemeinschaft.

• Das R holt unsere Kirche in eine weltweite Bewegung. • Mit dem R sind wir ein Teil von „500 JAHRE REFORMATION“.

Das Logo zum Download: www.reformiert.de/reformationsjubilaeum-2017.html

Reformierte in Deutschland.

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Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt Saarstraße 6 26789 Leer

EinAusblick 2017  

„Ohne die Reformierten wäre die Reformation unvollständig.“ Dieses Urteil des Historikers Rudolf von Thadden ist eine gute Überschrift für d...

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