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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

Sollen si e das dür fen?

Zum Themenjahr 2013 „Reformation und Toleranz“

4 reformiert 2013 2013September Oktober November


Reformation und Toleranz „Denn es ist ein freies Werk um den Glauben, zu dem man niemand zwingen kann.“

Seite 4 Reformation und Toleranz Seite 7 Theater um Toleranz - Oldersumer Religionsgespräche in Szene gesetzt Seite 8 Durchs wilde Kurdistan

Martin Luther

Seite 10 Test: Wie tolerant sind Sie?

S. 4

Seite 12 Moderne Antworten auf alte Fragen

Im Gottesdienst ein Fünfjähriger

S. 10

Test

läuft etwa

Seite 14 Evangelisch mit Leidenschaft - Martin Heimbucher wird neuer Kirchenpräsident Seite 16 Reformierter Reisetipp: Detmold Seite 17 Personen Seite 18 Aktuelles

2 4 reformiert 2013

Seite 19 Impressum

S. 14 Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Reformiert, Konto-Nr. 90 60 08 Sparkasse LeerWittmund, BLZ 285 500 00 Spendenquittung wird zugesandt. Titelfoto: : Sebastian Gauert/shutterstock

Seite 20 Position: „Ist die Kirche in Sachen Ehe auf dem Rückzug?“


Zum evangelischen Themenjahr 2013

Foto: : Lisa F. Young/shutterstock

Liebe Leserin, lieber Leser, nein, es geht in dieser Ausgabe nicht um die Segnung oder Trauung homosexueller Partnerschaften, auch wenn das Titelbild und das Bild oben das nahelegen. „Reformation und Toleranz“: Unter diese Überschrift hat die Evangelische Kirche in Deutschland das Jahr 2013 gestellt, ein Grund genug, das Thema Toleranz zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe zu machen. Und dann kommt man eben an dem Thema, wie die Kirche mit homosexuellen Partnerschaften umgeht, nicht vorbei. Gerade sorgt die kirchlich beurkundete Trauung eines schwulen Paares in einer Gemeinde der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau für heftige innerkirchliche Diskussionen. Der Beauftragte für das Reformationsjubiläum in der Evangelisch-reformierten Kirche, Pastor Sven Kramer, spricht im Interview ab Seite 4 über Toleranz von einem Prozess, der in jedem Menschen abläuft. Ich wünsche mir, dass viele Mitchristen mit mir sagen können: „Jeder Schritt Richtung Normalität ist für Homosexuelle ein richtiger Schritt.“ Aber, wie schon geschrieben – in diesem Heft geht es nicht um die Segnung oder Trauung homosexueller Paare. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr

Ulf Preuß - Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

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Reformation und Toleranz

Foto: Basti Arlt/ekd.de

Ein Themenjahr in den evangelischen Kirchen

Jedes der zehn Jahre vor dem Reformationsjubilä-

Beginnen wir mit einer Begriffsklärung. Woher

um 2017 hat die Evangelische Kirche in Deutsch-

kommt der Begriff Toleranz und was bedeutet er?

land (EKD) unter eine Überschrift gestellt. 2012

Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen ab und

war das Themenjahr „Reformation und Musik“,

bedeutet zunächst Standhaftigkeit und Duldung.

um die musikalischen Impulse, die durch Re-

In der Naturwissenschaft umschreibt der Begriff

formationszeitalter gesetzt wurden, zu betonen.

„Toleranzbereich“ die Schwankungsbreite, die ein-

2013 steht unter Überschrift „Reformation und

gehalten werden muss, um die Funktionsfähigkeit

Toleranz“. Fragen an den Beauftragten unserer

eines Gesamtsystems zu gewährleisten. Entspre-

Kirche für das Reformationsjubiläum, Sven Kra-

chendes gilt für soziale Systeme. Ohne Toleranz

mer.

können plurale Gesellschaften nicht funktionieren. Als Einzelne und in Gruppen sind wir darauf

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Warum ist der Begriff „Toleranz“ im Zusammen-

angewiesen, dass Spielräume eingeräumt werden.

hang mit der Reformation so wichtig, dass die

Aber tolerant sein gegenüber Neuem und Frem-

EKD aus ihm ein Themenjahr macht?

den ist leichter gesagt als getan. Tolerant sein ist

Das Thema Toleranz beinhaltet eine wichtige

eher ein tolerant werden. Denn Toleranz ist Bezie-

selbstkritische Dimension. Denn die evangeli-

hungsfähigkeit. Und die kann ich ausprobieren,

sche Kirche zeichnet in den letzten 500 Jahren

trainieren, aktualisieren und weiterentwickeln.

ein spannungsreiches Verhältnis zu diesem Thema aus. Die Reformatoren warben darum, das

Welche Bedeutung hat „Toleranz“ für Kirche und

Evangelium allein durch das Wort zu verkünden

Theologie?

und nicht durch Gewalt. Aber ihre Geduld nahm

Bereits im Urchristentum gab es unterschiedliche

im Lauf der Auseinandersetzungen und Wider-

Meinungen bei vielen Themen. Denn diese Ge-

stände ab. Ihre Haltung wurde vielfach intolerant.

meinschaft von Juden und Griechen, Sklaven und

Zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017

Freien, Männern und Frauen fand zwar durch den

gehört es darum auch, sich dieser langen und

Glauben zusammen, war aber durch ganz unter-

schmerzvollen Lerngeschichte in Sachen Toleranz

schiedliche Traditionen geprägt. Und besonders in

bewusst zu werden.

rituellen Fragen, also wenn es um die sichtbare


„Denn es ist ein freies Werk um den Glauben, zu dem man niemand zwingen kann.“ Martin Luther

„Kurz und einfach gesagt: Willst du gerne fasten, dann tue es! Willst du dabei auf Fleisch verzichten, dann iss auch kein Fleisch! Lass mir aber dabei dem Christen die freie Wahl!“ Ulrich Zwingli

Seite der Religion geht, steckt viel Streitpotential.

sollen die Laien theologisch zu einer eigenständi-

Wie halten wir es denn mit der Beschneidung?

gen Urteilsbildung befähigt werden.

Was darf beim Abendmahl gegessen werden? Welche Schriften gehören in die Bibel? Dem Urchris-

Mit welchen großen Ereignissen der Kirchenge-

tentum gelang es, mit einer Pluralität in rituellen

schichte verbinden Sie die Frage nach Toleranz?

Fragen zu leben: Die Beschneidung der Juden-

Innerhalb kurzer Zeit wurde der Glaube der ehe-

christen wurde akzeptiert, bei Heidenchristen wur-

mals verfolgten Gemeinde im 4. Jahrhundert zur

de darauf verzichtet; bei Speisefragen wurde nie-

Staatsreligion. Anfangs sieht man das biblische

mand gezwungen, andere Sitten zu übernehmen;

Liebesgebot noch darin erfüllt, dass man bei

es wurden mehrere Evangelien und Apostelbriefe

Lehrdifferenzen einander in Toleranz erträgt. Nur

kanonisiert. Es gelang also, sich auf andere Sicht-

bei Gewalttaten soll der Staat eingreifen. Aber

weisen einzulassen. Diese Aufgabe, die jeweiligen

diese Sicht verändert sich. Andersgläubige wer-

Grenzen und mögliche Verbindungspunkte wahr-

den auch theologisch kriminalisiert. Ein trauriger

und ernstzunehmen ist bis heute geblieben. Bei

Höhepunkt ist im 14. Jahrhundert der „Ketzertod“

den Themen Familien- und Eheverständnis oder

des tschechischen Reformtheologen Johannes

der Segnung homosexueller Partnerschaften ge-

Hus. Auch in der Folgezeit werden die religiösen

hen die innerkirchlichen Meinungen aktuell weit

Meinungsverschiedenheiten oft kriegerisch aus-

auseinander. Die Frage, ob ein Kopftuch oder eine

getragen. Im Augsburger Religionsfrieden von

Ordenstracht in Ausübung eines öffentlichen Am-

1555 werden dann Regeln für den gleichberech-

tes getragen werden darf, wird unterschiedlich

tigten Umgang der Konfessionen aufgestellt. Man

beantwortet. Beim Thema Beschneidung wird mit

wollte endlich Frieden und Rechtssicherheit ha-

den Menschenrechten die Religionsfreiheit einge-

ben. Der Westfälische Friede von 1648 beendet

schränkt. Toleranz bleibt ein wichtiges Lernziel. Es

den letzten Religionskrieg im Deutschen Reich.

setzt eine kritische Prüfung der eigenen Einstel-

Nun erhalten auch die Reformierten konfessionel-

lungen voraus. Dies entspricht einer reformatori-

le Gleichberechtigung. Der Staat ist nicht mehr

schen Grundeinsicht: Die Kirche muss sich ständig

für die dogmatische Lehrauslegung verantwort-

reformieren. Damit dies fundiert geschehen kann,

lich. Friedhelm Wilhelm von Brandenburg macht

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„Denn es ist den Kindern Gottes wohl erlaubt, sich vielen Dingen unterzuordnen, die sie nicht billigen. Das Wichtigste ist nur, zu wissen, wie weit diese Freiheit gehen soll.“ Johannes Calvin

„Das Wesentliche unseres Glaubens liegt im Frieden und in der Einmütigkeit. Diese aber könnte bestehen, wenn wir das Definieren auf das mindeste beschränken und in vielen offenen Fragen jedem sein freies Urteil lassen.“ Erasmus von Rotterdam

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dann 1662 die religiöse Toleranz zur Grundlage

heißt es: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

des öffentlichen Rechts. Davon profitieren 23 Jah-

Also muss ich mich auch mit fremden Überzeu-

re später viele Hugenotten. Die erste Verfassung

gungen befassen. Eine Kirche, die nicht nur nach

nach der Französischen Revolution benennt die

innen gerichtet sein will, muss tolerant sein. Die

Religionsfreiheit als ein Grundrecht. In der Leu-

Grenzen der Toleranz sind allerdings dort erreicht,

enberger Konkordie wurde 1973 eine über 450

wo die Toleranz selbst in Frage gestellt wird. Die

Jahre währende Kirchentrennung in Europa über-

Dialektische Theologie war davon überzeugt: Die

wunden. Lutherische, reformierte und unierte Kir-

Wahrheit und das Gute sind intolerant. Denn

chen sowie die vorreformatorischen Kirchen der

sonst besteht die Gefahr des Relativismus. To-

Waldenser und Böhmischen Brüder gewähren

leranz braucht die persönliche Parteinahme. Mir

einander Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft

hilft dabei ein anderer biblischer Gedanke: Gott

und erkennen gegenseitig die Ordination an. Die

liebt den Sünder, nicht die Sünde. Toleranz gilt

Bereitschaft zur Toleranz entschied über die Es-

den Menschen mit anderer Überzeugung, nicht

kalation oder Deeskalation von Konflikten in den

aber allen ihren Taten und Zielen.

sich ausdifferenzierenden Gesellschaften. Interview: Ulf Preuß Wo stößt Toleranz an ihre Grenzen? Nicht alles, was ein Staat legal zu regeln und zu ordnen hat, muss für Christen legitim sein. Darum haben junge Männer zu Zeiten der allgemeinen Wehrpflicht jeglichen Kriegs- und Zivildienst verweigert und gingen dafür ins Gefängnis. Nicht alles, was Kirchen regeln und ordnen, muss ich persönlich gut finden. Toleranz beginnt immer an Grenzen. Wie entgehe ich der Selbstaufgabe der eigenen Person oder Position? Was muss ich ertragen, was ist theologisch sachgemäß? In der Bibel

Sven Kramer ist seit Sommer 2012 in der Evangelisch-reformierten Kirche Beauftragter für das Reformationsjubiläum und begleitet dabei bis 2017 die Themenjahre. In diesem Jahr „Reformation und Toleranz“, im nächsten Jahr „Reformation und Politik“. Er ist auch Studienleiter der Arbeitsstelle für Religionspädagogik in Ostfriesland (ARO).


Foto: Silke Arends

Theater um Toleranz Oldersumer Religionsgespräche in Szene gesetzt

Der kleine Ort Oldersum in Ostfriesland wurde im 16. Jahrhundert zu einem Schauplatz für praktizierte religiöse Toleranz. Der Junker Ulrich von Dornum hatte 1526 – neun Jahre nach dem Thesenanschlag in Wittenberg - Vertreter des katholischen Glaubens und der reformatorischen Lehre aus Ostfriesland und den Niederlanden eingeladen, um zwischen ihnen eine Verständigung zu erreichen – und scheiterte. Die Ergebnisse fasste er auf Plattdeutsch zusammen, ließ sie drucken und in Ostfriesland verteilen. Das Oldersumer Religionsgespräch und seine gedruckte Dokumentation haben entscheidend zur Verbreitung und zur schnellen Durchsetzung der Reformation in Ostfriesland beigetragen.

Das für die ostfriesische Kirchengeschichte be-

Sven Kramer, evangelisch-reformierter Beauftrag-

deutsame Ereignis wurde bereits 2001, 475 Jahre

ter für das Reformationsjubiläum, der zusammen

später, zu einem Bühnenstück: „De Glovenstriet

mit Jakob Janshen, Landeskirchenmusikdirektor

van Ollersum“. Anders als der historische Aus-

Winfried Dahlke, dem Chorbeauftragten Edzard

gang endet das Stück versöhnlich. „Es sollte kei-

Herlyn und Vertretern der reformierten Gemeinde

nen verhärteten Fronten im Ort geben aufgrund

das Musik- und Theaterprojekt vorbereitet.

des Stückes“, sagt der Oldersumer Jakob Jan-

So formuliert zum Ende des Stückes der ka-

shen, Vorsitzender der ostfriesischen Volksthea-

tholische Doktor Laurentius: Nee, wi Christen, de

ter und lange Jahre Vorsitzender des evangelisch-

Katholschen und de Evangelischen, willen keen

reformierten Kirchenrats. Die tragenden Rollen

neej Feindbild meer in de Welt setten… Wenn wi

des plattdeutschen Theaterstücks sind Ulrich von

ut de „Aufklärung“ wat leernt hebben, denn ist

Dornum als Initiator der Gespräche, der Prior des

da wol Toleranz.“

Jakobiner-Klosters Groningen, Doktor Laurentius,

Für die Oldersumer Theaterspieler spiegelt die-

und einige seiner Anhänger für die katholische

ses Ende die konfessionelle Realität heute wider.

Seite sowie für die protestantische Seite Magister

„Mit der Ökumene läuft das hier gut“, meint No-

Jürgen Aportanus aus Emden und Pastor Henricus

bert Halm, ehrenamtlicher Diakon in der katho-

Arnoldi aus Oldersum.

lischen Gemeinde, der den katholischen Doktor

Jetzt, im Themenjahr Reformation und Toleranz,

Laurentius darstellt. Für einiges, was vor 500

kommt das Stück erneut auf die Bühne. Diesmal

Jahren verhandelt wurde, habe man aus heutiger

steht die Musik im Vordergrund, die im Verlauf

Sicht kein Verständnis mehr.

des erbitterten Diskurses zwischen Katholiken und Protestanten versöhnt und für Harmonie

von Ulf Preuß

sorgt. Sie wird dargestellt von der neuen Figur der „Frau Musica“, die zwischen der Orgel- und Chormusik und der Historie vermittelt „Sie soll das Verbindende zwischen den Konfessionen deutlich machen und in die heutige Zeit weisen“, erklärt

Aufführungstermin: Sonntag 17. November 2013, 16.00 Uhr, Evangelisch-reformierte Kirche in Oldersum, Am großen Tief 32, 26802 Moormerland

Dokumentation des Glaubensstreits von Oldersum

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Durchs wilde Kurdistan Die Gemeinde Celle pflegt Kontakte zu einer der ältesten monotheistischen Religionen

Rund 5000 Eziden leben in der Region Celle - in Europa die größte Gruppe dieser nicht-christlichen Religionsgemeinschaft. Sie lebten ursprünglich vor allem in der östlichen Türkei, in Syrien, dem Irak und dem Iran. Dabei handelt es sich um Kurden, die wegen der Unterdrückung durch die Mehrheit der Muslime ihre Heimat verlassen haben. Evangelisch-reformierte Christen und Eziden in Celle kommen seit einigen Jahren häufiger zusammen, um sich näher kennenzulernen.

Gemeindepraktikantin Rojin Geyikci verteilt vor dem Gottesdienst Liederzettel

8 4 reformiert 2013

“Greifen Sie zu,

mit ihnen über die Besonderheiten der ezidischen

heute

es

Religion. “Es gibt viele Eziden in Celle, doch ich

Kara-Ben-Nemsi-

kannte vorher niemanden von ihnen. Für uns wa-

Torte und Had-

ren das ja alles Türken und Moslems. Sie kommen

schi-Halef-Omar-

zwar aus der Türkei, sind aber Kurden. Die meis-

Kuchen.” Andreas

ten Kurden sind Moslems, die Eziden aber haben

Flick, Pastor der

eine eigene Religion. Die ist aber nicht so einfach

Gemeinde im nie-

zu verstehen”, sagt Jablonski. Dann diskutiert sie

dersächsischen

an ihrem Tisch über die Stellung der Frau bei den

Celle, preist den

Eziden. “Im Islam zählt die Frau nicht so viel wie

15 Besuchern des Gemeindecafés die Kalorien-

der Mann, das ist bei den Eziden anders”, meint

bomben auf dem Kuchenbuffet an. Hinter den

eine. “Aber die Eziden dürfen nur untereinander

blumigen Bezeichnungen verbergen sich zwar

heiraten und dann auch nur innerhalb ihrer Kas-

nur Obsttorten, doch Flick versucht so, scherzhaft

te”, entgegnet eine andere. Gudrun Jablonski ruft

zum Thema des heutigen Treffens überzuleiten:

Rojda zu sich und will es genau von ihr wissen.

gibt

Es geht um Karl Mays 1892 erschienenes Buch

“Meine Eltern überlassen die Entscheidung mir

“Durchs wilde Kurdistan” und seine Schilderung

und hätten kein Problem damit, wenn ich einen

der Eziden. Eine kleine religiöse Gruppe, die von

Nicht-Eziden heiraten würde. Aber ich könnte mir

den Muslimen als Teufelsanbeter verachtet wurde

das derzeit selber nicht vorstellen”, lautet ihre

und die Karl May vor diesen Vorurteilen durch

Antwort. “Wo die Liebe hinfällt!”, ruft Beyaz Süme

seinen Helden Kara Ben Nemsi in Schutz nimmt.

lachend aus dem Hintergrund. Die 31-jährige Ezi-

Rojda Agirman hört interessiert zu. Die 15-Jäh-

din kam mit neun Jahren nach Deutschland. Sie

rige ist in Deutschland geboren und gehört zu

vermittelt ihren Kinder, was den meisten Eziden

den rund 5000 Eziden, die im Raum Celle leben.

in Celle wichtig ist: Heiratet untereinander. Lernt

Anfang des Jahres hat sie ein dreiwöchiges Schul-

und sprecht eure Muttersprache Kurdisch. Res-

praktikum in der Gemeinde gemacht und dabei

pektiert die Älteren und seid gastfreundlich. “Ich

Kontakt zu Konfirmanden und ihren Eltern ge-

fühle mich zuerst als Kurdin und dann als Ezidin.

habt, den Gottesdienst und den Bibelgesprächs-

Für andere steht die Religion an erster Stelle”,

kreis besucht. Seitdem nimmt die Realschülerin

sagt Süme. Sie leitet zusammen mit Flick das ein-

an Veranstaltungen teil, in denen Eziden und Re-

mal monatlich stattfindende Montagscafé. Dane-

formierte miteinander ins Gespräch kommen.

ben veranstaltete die reformierte Gemeinde seit

Gudrun Jablonski sitzt mit vier anderen Rent-

2010 mehrere Konzerte mit Gospel-Chören und

nerinnen am Tisch gegenüber und unterhält sich

kurdischer Musik und lud Kurden ezidischen und

-


-

Gäste des Montagscafés

Fotos: Andreas Flick

muslimischen Glaubens zu einem gemeinsamen

ber nicht frei bekam. Drei ezidische Jugendliche

Gottesdienst ein. Die reformierte Frauengruppe

zogen daraufhin ihre Anmeldung zurück. Flick:

besuchte die Frauengruppe des ezidischen Kul-

“Es gibt ezidische Eltern, die ihren Kindern die

turzentrums.

Teilnahme an solch einer Fahrt nicht gestatten.

“Musik und gemeinsames Essen schaffen eine

Für deutsche Eltern ist das kein Problem.“ Es

lockere Atmosphäre für eine Begegnung. Der

gebe aber auch in der Celler Gemeinde Berüh-

theologische Austausch ist dagegen schwierig,

rungsängste, auch wenn dies nicht so offen ge-

weil auf ezidischer Seite das Gegenüber fehlt. Das

sagt werde. „Wir brauchen Geduld, um Barrieren

Wissen über ihre Religion ist nicht sehr verbreitet.

zu überwinden.“

Allerdings haben auch viele Christen Probleme, die Grundlagen ihres Glaubens zu erklären”, sagt

von Joachim Göres

Flick, der betont: “Hugenotten und Eziden haben wichtige Gemeinsamkeiten.” So seien sowohl die Hugenotten als auch die Eziden in ihrer Hei-

INFO

mat verfolgt worden, konnten ihre Religion nur im Geheimen ausüben und mussten schließlich

Eziden (in anderen Schreibweisen auch Yeziden oder Jesiden)

den Weg des Exils wählen. Nach ihrer Flucht aus

gehören einer der ältesten monotheistischen Religionen an, deren

Frankreich hätten die Hugenotten in Deutschland

Wurzeln im altbabylonischen Planetenkult und in der Sonnenvereh-

in den ersten drei Generationen auch nur unterei-

rung liegen. In den Glauben wird man hineingeboren, ein Eintritt ist

nander geheiratet, bevor andersgläubige Partner

nicht möglich. Die Glaubensgrundsätze werden weitgehend mündlich

akzeptiert wurden. “Es wird sich auch bei uns än-

weitergegeben. Der höchste Feiertag ist Ida Ezi im Dezember kurz

dern. Man muss sich in der Fremde anpassen”, ist

vor Weihnachten. Vorher fasten Eziden auf freiwilliger Basis jeweils

Luksiya Agirman überzeugt, die Mutter von Rojda.

dreimal drei Tage mit einem Tag Pause. In Deutschland leben mehr

Bis heute brechen Familien meist den Kontakt zu

als 45 000 Eziden, davon viele im Raum Celle, in und um Olden-

ihren Kindern ab, wenn diese mit einem nicht-

burg, Kleve sowie in Ostwestfalen.

ezidischen Partner zusammenleben. Andreas Flick versucht, den Kontakt zwischen

Über die Eziden informiert eine Sonderausstellung des Deutschen

jungen Leuten aus seiner Gemeinde mit gleichalt-

Hugenotten-Museums: „Die Eziden – Glaubensflüchtlinge in Deutschland“.

rigen Eziden zu fördern. Das ist nicht so einfach.

Eröffnung ist am Sonntag, 8. September um 15.00 Uhr

Anfang August hatte er zu einer Jugendfahrt nach

Öffnungszeiten: Di - Fr 10 bis 17 Uhr, Sa – So 11 bis 18 Uhr

Osnabrück eingeladen, die er zusammen mit der

Deutsches Hugenotten-Museum, Hafenplatz 9, 34385 Bad Karlshafen

Kurdin Dilevin Emer leiten wollte. Die musste

www.hugenottenmuseum.de

kurzfristig absagen, weil sie von ihrem Arbeitge-


Im Gottesdienst

läuft ein

etwa Fünfjähriger während

der Predigt

Wie tolerant sind Sie? Im Gottesdienst läuft ein etwa Fünfjähriger während der Predigt den Mittelgang auf und ab und singt dabei leise ein Kindergottesdienstlied. Während eines Gebetes vorher rief er laut in den Kirchraum. Was denken Sie?* - Toll, fröhliche Kinder sind so schön! Schon Jesus sagte, lasset die Kinder zu mir kommen. Der Gottesdienst ist für alle da. (9) - Ich fühle mich gestört und wünsche mir, dass die Eltern ihr Kind lieber in den Kindergottesdienst schicken. (6) - Ich bitte die Pastorin beim Ausgang, mit den Eltern zu reden und sie darauf hinzuweisen, dass die Erwachsenen einen Anspruch auf einen störungsfreien Gottesdienst haben. (3)

den Mittelgang auf

und ab und singt dabei leise

Vor der Kirche Ihrer Gemeinde sehen Sie ein frisch vermähltes Paar, das sich herzhaft küsst. Es sind zwei Männer, die geheiratet haben. Was geht Ihnen durch den Kopf? - Klasse: Wer sich liebt, soll auch heiraten dürfen, egal wen! (9) - Ich finde das nicht richtig. In der Bibel steht im 3. Buch Moses 18,22: „Kein Mann darf mit einem anderen Mann geschlechtlich verkehren.“ Daran sollte sich die Kirche halten. (3)

- Erste Reaktion: Das muss nicht sein. Zweite Reaktion: Warum nicht? Ich muss da noch an mir arbeiten. (6) Ihr Sohn möchte unbedingt mit seinem türkischen Freund in die Moschee gehen und dort den Gottesdienst besuchen. Erlauben Sie das? - Zur Sicherheit würde ich mein Kind begleiten. (6)

ein Kindergottesdienstlied.

- Na klar! Ich unterstütze das. Ich finde es toll, wenn die Kinder von klein auf die Kultur und den Glauben anderer Länder kennen lernen. (9) - Nein, ich möchte, dass mein Kind christlich aufwächst und nicht durch ungewohnte Erfahrungen verunsichert wird. (3)

Während eines

So wie viele Jugendliche von heute kommuniziert Ihre 15-jährige Tochter über ihr Smartphone und bei facebook. Dabei verbringt sie viel Zeit vor ihren Bildschirmen. Wie verhalten Sie sich gegenüber Ihrem Kind?

Gebetes vorher rief er laut

in

den Was denken Sie?

- Zuviel Fernsehen schadet schon, da müssen die Jugendlichen nicht auch so viel Zeit vor dem Bildschirm sitzen. Im Internet lauern so viele Gefahren. Den Zugang zu facebook verbiete ich ihr. (3) - Ich finde das o.k., möchte nur genau wissen, mit wem mein Kind kommuniziert und worüber. (6)

keine Kritik an deren Entscheidungen oder Lebensentwürfen kommen würden. Steckt hinter dieser liberalen Haltung manchmal auch die Angst, sich fest zulegen, sich gegen etwas auszusprechen und bei anderen anzuecken? Ihre Haltung birgt die Gefahr, dass über Ihren Kopf hinweg entschieden wird. Trauen Sie sich ruhig mal, eine eigene Haltung einzunehmen. Die Anlehnung an eigene Werte schafft auch Sicherheit.

4 reformiert 2013

Kirchraum.

wandelt. Sie prüfen sich darum regelmäßig, ob sie etwas nur akzeptieren, es tolerieren oder doch ablehnen. Dabei besteht die Gefahr, kopflastig zu werden und dabei zögerlich zu wirken. Vertrauen Sie manchmal einfach Ihrer Intuition. Typ C: (43 bis 54 Punkte) „Toleranz als Wert an sich!“ Sie wirken sehr tolerant und tragen diese Liberalität offen mit sich herum. Neue Ideen, andere Lebensweisen oder schräge Ideen – Sie haben damit keine Probleme. Genau das mögen Freunde und Familie an Ihnen, weil sie wissen, dass von Ihrer Seite meistens

10

- Die Gesellschaft wandelt sich. Ich unterstütze mein Kind und melde mich auch bei facebook an. (9)


Bei

der

Beerdigung

Nachbarin,

Ein Freund nimmt Sie mit und brettert mit 130 über die Autobahn, wo nur 100 km/h erlaubt sind. Sie sprechen ihn darauf an, er lacht nur und meint, das sei doch nicht der Rede wert. Was meinen Sie? - Geschwindigkeitsbeschränkungen gibt es nicht ohne Grund. Warum kann man sich nicht einfach daran halten, es drohen doch auch empfindliche Strafen. (6)

- Von wegen Kavaliersdelikt! Dadurch gefährdet er andere Menschen - ich fahre bei ihm nicht wieder mit. (3) - Recht hat er. Die vielen Tempolimits in Deutschland nerven nur. (9)

Ihrer

die

nach einer

schweren

Die Pastorin Ihrer Kirchengemeinde lebt unverheiratet mit ihrem Freund im Pfarrhaus. Wie stehen Sie dazu?

Erkrankung

- Eine Pastorin ist auch nur ein Mensch, sie wird sicher bald heiraten. (6)

mit

- Ich finde es gut, wenn auch das kirchliche Personal modern lebt. (9) - Ich finde das nicht gut. Eine Pastorin muss Vorbild sein – und dies auch in ihrem Privatleben. (3)

In dem Kindergarten, in den Ihr Kind geht, soll eine muslimische Erzieherin eingestellt werden. Wie reagieren Sie? - Ich versuche mein Kind in einem anderen Kindergarten anzumelden. (3) - Wir leben in einer multireligiösen Gesellschaft, es wird für alle Kinder eine Bereicherung sein. (9)

56 Jahren

starb

erklingt ,

zu

des Trauergottesdienstes

Beginn

- Ich bin mir unsicher, ob es gut ist, wenn im christlichen Kindergarten Menschen anderen Glaubens beschäftigt sind. (6)

Bei der Beerdigung Ihrer Nachbarin, die nach einer schweren Erkrankung mit 56 Jahren starb, erklingt zu Beginn des Trauergottesdienstes „Geboren um zu leben“ von der Band Unheilig. Bei der anschließenden Kaffeetafel sagen Sie:

von

- Jede Zeit hat ihre eigene Musik, so ändern sich eben auch Trauergottesdienste. (9) - Wie soll man denn bei diesem rockigen Musiktitel richtig trauern können. (3)

„Geboren um zu leben“

- Wenn sie es sich gewünscht hat, o.k. - mein Geschmack ist es aber nicht. (6)

der Band Unheilig. 11

* Wählen Sie eine Antwort aus und zählen für die Auswertung die Punkte zusammen. Dann drehen Sie die Zeitschrift auf den Kopf und finden heraus, welcher Typ Sie sind.

4 reformiert 2013

Bei

der

AUSWERTUNG: Typ A: (18 bis 30 Punkte) „Toleranz üben fällt schwer!“ Sie sind nicht bei allem tolerant - und dazu stehen Sie auch! Sie richten sich nach Ihrer genauen Vorstellung von richtig und falsch und erwarten dies auch von anderen. Würden sich die Menschen an die gesellschaftlichen Richtlinien halten, hätten wir weniger Probleme, meinen Sie. Wenn alles in geregelten Bahnen verläuft, fühlen in Ihrem Leben Sicherheit. Fremdes und Unbekanntes verunsichert Sie. Aber: Sind diese klaren Regeln nicht manchmal auch

anschließenden

Kaffeetafel

sagen

Sie:

nur ein Schutz? Seien Sie doch etwas neugieriger und versuchen Sie, sich in Menschen hineinzuversetzen. Nicht jede Andersartigkeit ist tatsächlich eine Bedrohung. Typ B: (31 bis 42 Punkte) „Toleranz hat ihre Grenzen!“ Weil Sie neugierig sind, haben Sie Spaß daran, sich ständig weiterzuentwickeln und zu lernen. Darum sind Sie tatsächlich tolerant und können andere Denk- und Sichtweisen akzeptieren. Sie kennen aber auch die Grenzen, die Ihr Wertesystem Ihnen setzt – und wissen, dass dieses sich im Laufe eines Lebens


Moderne Antworten Göttinger Konfirmanden interpretieren den

1

Fotos: Sven Pförtner

(1) Mika Linnemann, Sjamne Gohde, Magdalene Becker, Ellea Liedtke und Eunike Ebener vor dem „keıju:Cat“ (2)„Dein Wille geschehe, Beschützer. (3) Pastor Michael Ebener zeigt seine Studienausgabe des Katechismus

12 4 reformiert 2013

Gott als Surfbrett, das uns durchs Leben trägt?

ten sich die Jugendlichen aber kaum eingehender

„So glauben vierzehnjährige Jungs“, meint der

damit befasst“, meint der Pastor. Er ließ sie also

Göttinger Pastor Michael Ebener. Zum Abschluss

erst über ihren eigenen Glauben nachdenken,

der Konfirmandenzeit hatte er während einer Frei-

dann las er ihnen alle 129 Katechismusfragen vor

zeit seinen Konfirmanden die Frage gestellt, worin

– „Das hat fast zwanzig Minuten gedauert!“ Nun

ihr denn Christentum bestehe. Auf einer DIN-A4-

sollten sie intuitiv wählen, auf welche alte Frage

Seite sollten sie die Antwort gestalten. Max Rö-

sie mit ihrer Arbeit die Antwort gegeben hätten.

ver stellte die Verknüpfung mit dem Sportgerät

Alle 28 Konfirmanden wurden fündig. Resultat:

her: Das Leben begriff er als Welle, durch deren

der „keıju:Cat“ (engl. für „KU-Katechismus“), eine

Höhen und Tiefen uns Gott trägt, dazu dann das

moderne, in Buchform gestaltete Interpretation

entsprechende Bild vom wilden Surfer. „Minima-

der historischen Glaubensschrift. Auf 28 Dop-

listisch, aber treffend“, findet Ebener.

pelseiten findet sich links eine Frage aus dem

Die Aufgabe war der Auftakt einer ausführlichen Auseinandersetzung mit dem Heidelberger

Heidelberger, rechts eine persönliche Glaubensbeschreibung.

Katechismus, im Jubiläumsjahr der Schrift beson-

„Zusammenhalt, Geborgenheit und Bindung,

ders naheliegend. „Ich hätte auch ein Referat hal-

das ist für mich Christentum“, erläutert Magda-

ten können, Bilder zeigen, sonst was. Dann hät-

lene Becker ihre gestaltete Seite in dem Buch.


auf alte Fragen Heidelberger Katechismus nennst du ihn ‚unseren Herrn‘?“. Im Gebet spreche sie Gott eben als „unseren Herrn“ an, erläutert sie. Ellea Liedtke hat für ihre Katechismusseite von zu Hause bunte Perlen und Bilder mitgebracht und dann Worte aus der Schöpfungsgeschichte zu ihrer Collage geschrieben. „Gott sah, dass es gut war“, davon ist die Vierzehnjährige überzeugt und stellt deshalb Frage 22 daneben: „Was ist für einen Christen notwendig zu glauben?“. Die Hand Gottes, die die Erde schützt, bringt für Mika Linnemann seinen persönlichen Glauben auf den Punkt. Da er aber erfahren hat,

2

dass im Leben nicht immer alles glatt läuft, fragt er

3

mit dem Heidelberger: „Was bedeutet die dritte Bitte: Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden?“ Besonders häufig haben sich die Konfirmanden für die Fragen 1 und 21 entschieden; „Was ist den einziger Trost im Leben und im Sterben?“ und „Was ist wahrer Glaube?“. Erstaunlicherweise lassen sich viele der Antworten der Jugendlichen im 450 Jahre alten Glaubensbuch der Reformierten wieder finden, findet Michael Ebener. „Der Heidelberger ist moderner, als wir denken“, sagt er. „Manchmal bricht aber an den Antworten der wie im Himmel so auf Erden“ - Mika Linnemann sieht Gott als

Jugendlichen auch ein starker Kontrast auf“, sagt der Pastor und erzählt von einer Jugendlichen. Marisa Mundkowski hatte mehrfach eine muslimische Freun-

Bilder darauf zeigen unter anderem Hände, ein

din zum „Konfer“ mitgebracht, die einfach dabeisaß.

kleines Kind und ein Brautpaar. Auf der gegen-

Ebener schlägt nun die von der Konfirmandin gestal-

überliegenden Seite steht die Katechismusfrage:

tete Seite auf: Sie zeigt drei Mädchen, die sich an den

„Woher erkennst du dein Elend?“ – „Elend bist

Händen halten und auf der Weltkugel stehen. Darun-

du, wenn du einsam bist. Keine Geborgenheit

ter der muslimische Halbmond, der jüdische David-

und keinen Zusammenhalt erfährst“, sagt die

stern und das christliche Kreuz und das Bekenntnis

14-Jährige. Hier ist der Sinn doch voll getroffen,

von Marisa: „Egal, ob Christ, Moslem oder Jude – wir

meint ihr Pastor.

glauben alle.“ Auf der anderen Seite steht Frage 21:

Eunike Ebener findet ihren persönlichen Glau-

„Was ist wahrer Glaube?“ „Die drei Mädchen auf der

ben am besten durch das regelmäßige Gebet

Weltkugel lachen uns an“, staunt Ebener: „Die Vision

ausgedrückt. Sie hat ihr bekannte Gebetstexte,

einer Vierzehnjährigen!“

die sie auf ihrem Lebensweg selbst oder mit den Eltern gesprochen hat, mit einer Gestaltung der drei Kirchentüren verbunden, die in ihrer Biographie bisher wichtig waren: Celle, Lüneburg und Göttingen. Auf der gegenüberliegenden Seite steht Frage 34 aus dem Heidelberger: „Warum

von Carsten Albert

13 4 reformiert 2013


Foto: Jens Schulze

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Foto: Ulrich Hacke/EKD

Evangelisch mit Leidenschaft Martin Heimbucher wird im November neuer Kirchenpräsident Am 21. Juni hat die Gesamtsynode der Evange-

künftigen Amtssitz, hat er bereits eine Wohnung

lisch-reformierten Kirche in Emden einen neuen

gefunden. Der Ortswechsel nach 14 Jahren in Göt-

Kirchenpräsidenten gewählt. Martin Heimbuch-

tingen fällt ihm nicht leicht, aber: „Die Freunde

er, Oberkirchenrat bei der Union Evangelischer

werden bleiben“, ist er sicher. „Außerdem gefällt

Kirchen (UEK), erreichte im ersten Wahlgang 49

mir Leer gut – und Göttingen hat weder Hafen

Stimmen und wird damit Nachfolger von Jann

noch Meerblick, ein echter Pluspunkt für den Nor-

Schmidt, der in den Ruhestand geht. Heimbucher

den.“ Angesichts der Ortswechsel in Heimbuchers

wird damit wichtigster Repräsentant der Kirche

bisherigem Leben mutet Leer rein geografisch als

und Leiter des Landeskirchenamtes. Ein Besuch

logischer Zielpunkt seiner Biografie an: Geboren

an seinem Noch-Arbeitsplatz in Hannover.

im Südosten der Republik, in Regensburg, aufgewachsen in Kassel, Theologiestudium in Mainz

14 4 reformiert 2013

Martin Heimbucher mag das Gebäude, in dem

und Göttingen, Gemeindepastor in Leopoldshöhe,

er arbeitet. Die Gänge, die sich Brücken gleich

Pfarrer in Bovenden bei Göttingen und schließlich

über die Stockwerke ziehen, einer Reling nach-

Hannover – der Weg Richtung Nordwesten scheint

empfundene Geländer, dazu spannende Sichtach-

vorgezeichnet. Und auch der Zeitpunkt passt in

sen – all das erinnert an ein Schiff. Im übertrage-

seinen Lebensrhythmus: „Alle sieben Jahre hat

nen Sinne an ein Kirchenschiff. „Ich komme jeden

sich in meiner beruflichen Laufbahn etwas geän-

Tag gern hierher“, sagt der promovierte Theologe

dert. Anscheinend muss das so sein“, lacht der

über seinen Arbeitsplatz, das Amt der UEK im Ge-

künftige Kirchenpräsident.

bäude der EKD. Dennoch freut er sich nun auf seine neue Aufgabe.

Erst nach dem Studium hatte sich Heimbucher ganz bewusst für die reformierte Kirche entschie-

Seit 2007 ist Heimbucher Theologischer Refe-

den. „Lutherisch getauft, uniert konfirmiert, refor-

rent der UEK. Nun geht er aus dem Elfenbein-

miert ordiniert – evangelisch mit Leidenschaft“,

turm der Theorie zurück in die Kirchenpraxis. Was

nennt er es selbst. Durch seine Frau lernte er

bedeutet dieser Schritt für den 57-Jährigen? „Die

die Besonderheiten der Evangelisch-reformierten

Nähe zu den Menschen, zum kirchlichen Alltag

Kirche kennen. „Ich fühlte schnell, dass ich dort

reizt mich sehr“, sagt er. „Und ich freue mich dar-

hingehöre“, sagt er. „Einen großen Ausschlag ha-

auf, wieder häufiger zu predigen.“ In Leer, seinem

ben die Friedensdebatten gegeben, an denen die


Foto: Jens Schulze/epd

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4

Foto: Gerold Meppelink

(1) Martin Heimbucher an seinem alten Arbeitsplatz (2 + 3) Das Kirchenamt der Evanglischen Kirche in Deutschland/Hannover (4) Jann Schmidt gratuliert zur Wahl zum Kirchenpräsidenten - Jann Schmidt, Martin Heimbucher, Präses Norbert Nordholt

Reformierten in den Achtzigerjahren besonders

terschiede der Konfessionen zu stärken, um die

intensiv beteiligt waren.“ Die Struktur der Kirche

Vielfalt zu erhalten. „Es gibt sehr unterschiedli-

und ihre klare Ausrichtung haben ihn überzeugt.

che Kulturen in unserer Kirche. Sie miteinander

Insbesondere die Konzentration auf das Wesent-

ins Gespräch zu bringen, ist eine wichtige Auf-

liche sei eine Stärke der Reformierten, findet er.

gabe.“ Die UEK sei innerhalb der EKD nicht nur

„Gerade in unserer Welt voller Ablenkungen su-

eine Interessenvertretung, sondern bringe einen

chen viele Menschen Geradlinigkeit. Die finden

wahren Schatz an theologischen Erfahrungen mit,

sie hier.“ Auch die ausgeprägte Mitbestimmung

betont Martin Heimbucher. Symbolträchtig sitzt

in den kirchlichen Gremien ist für ihn ein gro-

er mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

ßes Plus. „Für den Gemeindepastor ist das nicht

im „Ökumene-Würfel“, wie der Anbau auf dem

immer einfach; aber wenn diese Mitbestimmung

EKD-Gelände flapsig genannt wird: Nach außen

gelingt, ist das großartig.“ Und noch einen dritten

zeigt das Gebäude Ecken und Kanten, innen aber

Aspekt wirft er in die Waagschale: „Die Refor-

präsentiert es sich rund und verbindlich. Hier

mierten haben, anders als die Lutheraner, in der

diskutieren sie, analysieren die Entwicklung der

Gestaltung des Lebens und des Zusammenlebens

Konfessionen, geben Anstöße. „Diese Arbeit hat

immer eine theologische Aufgabe gesehen. Wir

meinen Horizont sehr erweitert“, zieht Heimbuch-

müssen Rechenschaft ablegen darüber, was wir

er Bilanz. „Wir haben hier großartige Vorausset-

tun, wie wir leben – und auch darüber, worauf wir

zungen für unsere Arbeit.“ Doch er schiebt ein

verzichten. Hier eine Orientierung zu geben, ohne

großes Aber nach: „Oft ist es ein ziemlich wei-

zu maßregeln, ist etwas, das viele Menschen von

ter Weg von unserer Arbeit bis zu den Menschen

der Kirche erwarten.“

vor Ort. Das, was wir tun, ist nicht immer ganz

Der Vergleich mit den Lutheranern ist für ihn

einfach vermittelbar.“ Ein Grund mehr für Martin

keine Wertung, sondern nüchterne Betrachtung,

Heimbucher, sich den Gemeindegliedern wieder

die sein Amt in der UEK mit sich bringt. Zwölf

zu nähern. Als Kirchenpräsident wird er dazu vie-

evangelische Landeskirchen aller Konfessionen

le Gelegenheiten haben.

sind Mitglied in der UEK, hinzu kommen vier Gastkirchen. Ziel der UEK ist es, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und gleichzeitig die Un-

von Anke Brockmeyer

15 4 reformiert 2013


REFORMIERTES REISEZIEL

Detmold im Land des Hermann „Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder.“

dem Besucher eine überraschende Vielfalt an Kul-

An diesen Ausruf von Kaiser Augustus musste ich

turangeboten und Besichtigungsmöglichkeiten in

denken, als ich kürzlich in Nordrhein-Westfalen

und um die am Teutoburger Wald gelegene Stadt

die Stadt Detmold besuchte. Allgegenwärtig wa-

angeboten: die historische Altstadt mit mehr als

ren die historisierenden oder kindlichen Plastik-

500 Baudenkmalen, das Fürstliche Residenz-

figuren des germanischen Feldherrn Arminius, in

schloss im Stil der Weserrenaissance, das Frei-

Ostwestfalen-Lippe besser bekannt als Hermann,

lichtmuseum Detmold mit seinen über 100 histo-

der im Jahre neun nach Christus die Römer ver-

rischen Gebäuden, das Lippische Landesmuseum

nichtend schlug. Da man einst annahm, dass die

mit einer bemerkenswerten Kostümsammlung, in

Varusschlacht im Teutoburger Wald stattfand,

der auch Abendmals- und Konfirmationstrachten

wurde 1875 auf einer 386 m hohen Anhöhe das

gezeigt werden. Den Mittelpunkt der Altstadt bil-

Hermannsdenkmal errichtet, zweifellos eins der

det der Marktplatz, an dem auch die Erlöserkirche

bekanntesten deutschen Ausflugsziele.

steht. Sie zählt zu den „offenen Kirchen“. Diese

Die ehemalige Residenzstadt des reformierten

möglicherweise schon um 800 gegründete Kirche

Fürstentums Lippe mit ihren über 70.000 Einwoh-

ist seit dem Jahr 1605, als vom lippischen Fürsten-

nern hat weitaus mehr zu bieten als dieses Nati-

haus das reformierte Bekenntnis eingeführt wur-

onaldenkmal oder die unweit gelegenen Extern-

de, eine evangelisch-reformierte Kirche. Dass Det-

steine. Es lohnt ein Besuch im Rathaus, wo die

mold bis heute zu den reformierten Kerngebieten

Tourist Information untergebracht ist. Dort wird

in Deutschland gehört, lässt sich auch an der Zahl weiterer evangelisch-reformierter Kirchengebäude wie auch dem Sitz des Landeskirchenamtes der Lippischen Landeskirche ablesen. Ihr gehören 69 mehrheitlich reformierte Kirchengemeinden mit rund 175.000 Gemeindegliedern an. von Andreas Flick

INFO Tourist Information Lippe & Detmold Foto: Daniel Schwen/Wikepedia

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Rathaus am Markt, 32756 Detmold Foto: Andreas Flick

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Tel.: 05231/ 977328 E-Mail: tourist.info@detmold.de www.stadtdetmold.de Lippische Landeskirche, Leopoldstr. 27 32756 Detmold, Tel.: 05231/976-60 E-Mail: LKA@lippische-landeskirche.de www.lippische-landeskirche.de

(1) Hermannsdenkmal (2) Die evangelisch-reformierte Erlöserkirche am Markt in Detmold (3) Residenzschloß Foto: Ihater/Wikepedia


Birte Engelberts Neue Fachberaterin für Kindertagesstätten Birte Engelberts ist seit Mitte Juli beim Diakonischen Werk tätig. Die 38-jährige Sozialpädagogin ist für die Begleitung der Leitungskräfte und Träger der Kindertagesstätten zuständig.

Foto: Ulf Preuß

Tobias Jung (Neuenhaus), Dr. Hans Peltner (Göttingen), Kirchenpräsident Jann Schmidt (Leer), Präses Norbert Nordholt (Schüttorf), Jakobus Baumann (Weener), Reinhild Gedenk (Emden), Thomas Allin (Nordhorn), Wilhelm Neef (Westerhusen), Hartmut Smoor (Meppen)

Hermann Weber

Das kirchenleitende Moderamen der Gesamtsy-

Pastor der Kirchengemeinde Weenermoor

node wurde im Mai in Emden neu gewählt. Es ist

Hermann Weber ist zum 1. Juli dieses Jahres in

bis 2018 im Amt.

den Ruhestand getreten. Der 65-Jährige war fast

PERSONEN

Das neue Moderamen

29 Jahre Pastor der Gemeinde im Rheiderland.

Frauke Laaser Pastorin der Gemeinde Schüttorf

Magdolna Menke

Frauke Laaser ist nach neun Jahren in der Graf-

Pastorin für Ungarisch-Reformierte

schaft an den Niederrhein gewechselt. Die 38-Jäh-

Magdolna Menke hat am 1. August ihren Dienst

rige ist seit August in Krefeld Pastorin beim Ge-

aufgenommen. Die 51-jährige gebürtige Ungarin

meindedienst für Mission und Ökumene.

ist Nachfolgerin von Dániel Csákvári, der dieses Amt des evangelisch-reformierten ungarischen

Gottfried Peters

Seelsorgedienstes in Norddeutschland acht Jahre

Ehemaliger evangelisch-reformierter Moderator

lang ausübte.

im Kloster Frenswegen

Winfried Stolz Ehemaliger Chefjurist der Evangelisch-reformierten Kirche Winfried Stolz starb am Sonntag, dem 23. Juni, im Alter von 81 Jahren in Leer. Stolz war von 1970 bis 1993 leitender Jurist seiner Kirche, zu dieser Zeit Foto: Iris Kersten

war Landessuperintendent Gerhard Nordholt leitender Theologe. In Stolz‘ Amtszeit fiel auch der

Gottfried Peters ist in den Ruhestand gegangen.

Zusammenschluss der damaligen Evangelisch-

Fast 13 Jahre lang prägte er von 1996 bis 2009 die

reformierten Kirche in Nordwestdeutschland mit

ökumenische Bildungsstätte bei Nordhorn. Er bleibt

der Evangelisch-reformierten Kirche in Bayern,

weiterhin Vorsitzender der Classis, der Vereinigung

verbunden mit einer neuen Kirchenverfassung.

reformierter Predigerinnen und Prediger der Grafschaft Bentheim.

Delila Jochum Jugendreferentin in der Plesse Delila Jochum hat den Synodalverband Plesse bei Göttingen nach zwei Jahren verlassen. Die 27-jährige Religionspädagogin wechselte im August zum CVJM.

17 4 reformiert 2013


AKTUELLES

Frankreich: Protestanten gehen zusammen

Diakonie drängt auf Verbesserung bei Pflege

Die reformierte und lutherische Kirche in Frank-

Die Pflegesätze in Niedersachsen reichen nicht

reich haben sich zusammengeschlossen. Nach

aus, um in der Altenpflege die Pflegestandards

langjähriger Vorbereitung wählten sie auf einer

zu erhöhen. Das sagte der Geschäftsführer des

Synode in Lyon den bisherigen Vorsitzenden der

Diakonischen Werks der Evangelisch-reformierten

Reformierten Kirche, Laurent Schlumberger, zu

Kirche, Wolfgang Wagenfeld, nach einem Ge-

ihrem Vorsitzenden. Die neue Kirche heißt nun

spräch mit der niedersächsischen SPD-Fraktions-

Vereinte Protestantische Kirche von Frankreich.

vorsitzenden Johanne Modder im Juli.

Schlumberger sagte, heute gebe es keine theologischen Unterschiede mehr zwischen Lutheranern und Reformierten, nur noch unterschiedliche Stile. Die neue Kirche umfasst 400.000 Mitglieder, davon sind etwa zehn Prozent Lutheraner.

Neues Logo für Kindergottesdienst Die Evangelisch-reformierte Kirche hat für die Kindergottesdienstarbeit ein Logo eingeführt. In dem Logo werde sehr schön deutlich, wie er sich Kirche mit Kindern vorstelle, so der Beauftragte für Kindergottesdienstarbeit, Landesjugendpastor

Wolfgang Wagenfeld (links) mit Johanne Modder und dem Vorsitzenden des Diakonischen Werkes, Dietmar Arends.

Bernhard Schmeing. „In der Gemeinde sind die

18

Kinder ‚mit im Boot‘, damit alle gemeinsam, alt

Die Pflegesätze in Niedersachsen seien im bun-

und jung, den Glauben immer wieder neu ent-

desweiten Vergleich viel zu niedrig. „Wir haben

decken können.“ Mit dem Schiff und den Wellen

zur Zeit immer noch das Problem, dass viele di-

tauchten zudem im Logo Symbole für die beiden

akonische Pflegedienste ihre Leistungen im Mi-

grundlegenden biblischen Geschichten der Arche

nutentakt absolvieren müssten, da die Zahlungen

Noah und der Sturmstillung auf, die regelmäßig

der Pflegekassen nicht ausreichen, um das Lohn-

im Kindergottesdienst erzählt würden.

niveau in der Diakonie zu refinanzieren.“ Es sei

Die Evangelisch-reformierte Kirche hat das Logo

ein grundlegendes Anliegen diakonischer Pflege,

vom Kindergottesdienstverband der Evangeli-

eine gute Pflegequalität zu leisten und gleich-

schen Kirche in Westfalen übernommen, wo es

zeitig Fachkräfte zu beschäftigen, die ordentlich

schon seit vielen Jahren verwendet wird.

bezahlt werden. Die sei mit einer chronischen Unterfinanzierung nicht möglich.

4 reformiert 2013

Kirche und Pfarrhaus als Drehort Die evangelisch-reformierte Kirche in Marienchor im Rheiderland und das Pfarrhaus in Pilsum bei Emden werden Schauplätze einer Filmproduktion. Der deutsch-niederländische Kinofilm „Nena“ entsteht zur Zeit. Er spielt an der deutsch-niederländischen Grenze im Jahr 1989. Die sechzehnjährige Nena muss sich darin mit der schweren Krankheit ihres Vaters auseinandersetzen. Es Etwa 40 Kindergottesdienstmitarbeiter erarbeiteten in einem Seminar auf Borkum verschiedene Methoden, wie das Logo im Kindergottesdienst eingesetzt werden kann.

geht um große Themen wie Krankheit, Tod und Sterbehilfe. Nenas Vater wird gespielt von Uwe Ochsenknecht.


Alt werden in Deutschland und Afrika

Erinnerungen an die Kindheit

Eine Tagung der Norddeutschen Mission beschäf-

Helmut Pante, ehemaliger Pastor in Meppen, hat

tigt sich mit den Herausforderungen der alternden

ein Buch über seine Kindheit in der Grafschaft

Gesellschaft in Deutschland sowie in Ghana und

Bentheim veröffentlicht. „Knollen. Erinnerung an

Togo. Experten aus den drei Staaten beleuchten

meine Kindheit in Brandlecht“ blickt auf 19 erleb-

das Thema auch vor dem kirchlichen Hintergrund

nisreiche Jahre zwischen 1942 und 1961 zurück

der jeweiligen Gesellschaften. Die Tagung findet

und wie diese Zeit den Autor geprägt hat. Be-

vom 16. bis 20. September im Kloster Frenswegen

zugshinweis über die Redaktion.

bei Nordhorn statt. Zuvor absolvieren die afrikanischen und asiatischen Teilnehmer ein Besuchs-

Haustürbrand am Pfarrhaus

programm in diakonischen Einrichtungen. Die Norddeutsche Mission mit Sitz in Bremen hat Mitgliedskirchen in Ghana und Togo sowie in Deutschland, darunter die Evangelisch-reformierte Kirche. www.norddeutschemission.de

Gottesdienst erinnert an Ende der Kirchentrennung

Die Eingangstür zum Pfarramt der evangelisch-

Der braunschweigische Landesbischof Friedrich

Brand zerstört worden. Dabei verbrannten die

Weber hat sich für ein Ende „des Rechtes des

Holztür und Teile des Eingangsbereichs komplett,

Stärkeren“ ausgesprochen. Weber predigte am

es entstand ein Schaden von mehreren tausend

18. August in Emden in der Johannes a Lasco Bib-

Euro. Pastor Martin Hoffmann zeigte sich erleich-

liothek anlässlich des 40-jährigen Bestehens der

tert über den relativ geringen Schaden. „Die Situ-

Leuenberger Konkordie. Das theologische Doku-

ation war brenzlig, weil sich das Feuer auch auf

ment begründete 1973 die Kanzel- und Abend-

das Gemeindehaus und die Kirche hätte ausbrei-

mahlsgemeinschaft zwischen den reformierten

ten können.“ Ein Zeitungsbote hatte das Feuer

und lutherischen Kirchen und beendete ihre Kir-

kurz nach vier Uhr nachts bemerkt und umge-

chentrennung. Es gilt als Gründungsdokument

hend die Einsatzkräfte informiert. „Er hat unsere

der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Eu-

Kirche gerettet“, sagte Hoffmann. Das Pfarramt in

ropa (GEKE), deren Präsident Weber ist. Weber

Hameln steht seit einigen Wochen leer, da Hoff-

bezeichnete die Konsolidierung des Sozialstaates

mann wegen seines baldigen Ruhestands in eine

und Bekämpfung der Armut als Aufgaben der

andere Wohnung gezogen ist.

reformierten Gemeinde in Hameln ist durch einen

europäischen Kirchengemeinschaft. Der Gottes-

19

dienst war der Auftakt der Reformierten Sommerthek. Etwa 50 Studierende aus Deutschland und den Niederlanden tagten dort zum Thema „Theologie der Leuenberger Konkordie“.

Landesbischof Friedrich Weber

Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelisch-reformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Verantwortlich: Jann Schmidt Redaktion: Ulf Preuß, Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Georg Rieger, Steffi Sander, Jann Schmidt, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner, Leer, www.projektpartner.info Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

IMPRESSUM

4 reformiert 2013

universität in der Emder Johannes a Lasco Biblio-


Georg Rieger (49) ist Pfarrer im Ehrenamt in Nürnberg, Mitinhaber eines Geschäfts für Hörgeräte und Beauftragter des Reformierten Bundes für Internetarbeit (reformiert-info.de).

Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Fragen an Georg Rieger

„Ist die Kirche in Sachen Ehe auf dem Rückzug?“

POSITION

Im Juni hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit: Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ veröffentlicht. Seitdem gibt es eine rege Diskussion, in der Vertreter von evangelikalen Verbänden, emeritierte Theologieprofessoren und sogar Bischöfe sich kritisch bis polemisch äußern und der EKD vorwerfen, sie verabschiede sich mit dem Papier von der Ehe

Was stört Sie an der momentanen Diskussion um die Orientierungshilfe der EKD? Ich bin froh, dass das Thema endlich in der Diskussion ist. Schon lange stört mich die Unklarheit bezüglich des evangelischen Ehe- und Familienbildes. Jetzt dominieren leider erst einmal Evangelikale und konservative Theologen lautstark das Feld und behaupten, die Kirchen wären zu schwach, sich dem Zeitgeist entgegen zu stellen. Ist es denn nicht so? Der Eindruck entsteht leider auch durch die Art, wie das Papier formuliert ist. Aber der Sache nach ist genau das Gegenteil der Fall. Wir kommen in dieser Frage endlich dahin, wo wir als protestantische Kirchen längst sein müssten. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Segen Gottes gilt nicht der Institution Ehe, sondern den Menschen, die in verlässlichen Beziehungen leben wollen. Was ist denn die Ehe dann? Die Ehe ist „ein menschlich Ding“, wie Martin Luther richtig erkannt hat. Leider hat sich dann in den Kirchen doch die Rede von der Ehe als „Stiftung Gottes“ eingebürgert. Als sei das Leben von Mann und Frau mit einem Trauschein ein Schutzgebiet, in dem andere Regeln gelten als sonst im Leben. Das ist aber eine irrige Idee, die zudem leider immer wieder dazu missbraucht worden ist, Frauen in unerträglichen Beziehungen zu verhaften. Die Reformation hat uns die Freiheit von jeglicher Gesetzlichkeit erkämpft. Wir sind also befreit von dem Druck, uns vor Gott beweisen zu müssen. Das müssen wir auch nicht dadurch, dass wir eine unglückliche Beziehung aushalten. Wir sind als Menschen oft zu schwach, zu nachlässig, stur oder lieblos und damit für das Scheitern von Beziehungen verantwortlich oder mitverantwortlich. Das ist klar. Entlastet in so einer Situation nicht ein vor Gott gegebenes Versprechen? Mehr als meinem eigenen Versprechen würde ich in so einem Fall dem Versprechen Gottes trauen. Wie in jeder anderen Situation darf ich mich mit meiner Schwäche und vielleicht sogar Boshaftigkeit von ihm angenommen fühlen und aus seiner Gnade neue Kraft gewinnen. In dieser Freiheit gelingt es dann vielleicht auch, die verfahrene Situation noch einmal mit anderen Augen zu sehen, das eigene Verhalten zu überdenken und einen Rosenkrieg zu vermeiden. Um es positiv zu sagen: Es ist schön, wenn Menschen eine verlässliche Beziehung suchen und füreinander Verantwortung übernehmen. Das passiert heute, obwohl es kaum mehr ökonomische oder andere Zwänge gibt, immer noch sehr häufig. Und die vielen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften zeigen uns doch, dass die Ehe attraktiv ist. Die Kirche hat die Aufgabe, Menschen die solchen Willens sind, darin zu stärken und ihnen die Werte zu vermitteln, die es in jeder Partnerschaft braucht: Rücksicht, Respekt, Verlässlichkeit und Verantwortung füreinander.

4 reformierte 2013  

"Reformation und Toleranz": Unter dieser Überschrift hat die Evangelische Kirche in Deutschland das Jahr 2013 gestellt, ein Grund genug, das...