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Meine Kirche!

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n 4 - 11 den Seite mehr auf

reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

Gemeindewahlen am 18.11.2012

18.11 Kirche gestalten - ich mache mit!

4 reformiert 2012 September

e n i e M ! e h c Kir

Oktober November


Gemeindewahlen Die letzten Gemeinden wurden 1971 gedrängt, das Verbot des FrauenS. 6

stimmrechts aufzugeben.

„Wir funktionieren noch gut als Gemeinde.“

S. 8

Seite 4 „Ich freue mich über jeden, der zur Wahl kommt“ Seite 6 Aller Anfang ist schwer Seite 8 Lebendige Gemeinde – aber ohne Pastor Seite 10 „Traut euch in die Welt hinaus!“

Seite 12 3 Stationen von „Kirche klingt 2012“ Seite 14 Neue Väter braucht das Land S. 12

Foto: Andreas Schoelzel

Seite 15 Reformierter Glaube: presbyterial- synodale Ordnung Seite 16 Reformierter Reisetipp: Schwabach - fränkisch und französisch

2 4 reformiert 2012

S. 14

Foto: Privat

Die Zeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Reformiert, Konto-Nr. 90 60 08 Sparkasse LeerWittmund, BLZ 285 500 00 Spendenquittung wird zugesandt. Titelbild: Wahlplakat zu den Gemeindewahlen 2012

Seite 17 Von Personen Seite 18 Aktuelles, Impressum Seite 20 Position: Flüchtlingspolitik braucht ein Korrektiv


Berichte und Bilder zu den Wahlen am 18.11.2012

Foto: Ulf Preuß

Liebe Leserin, lieber Leser, jetzt sind es noch etwas mehr als zehn Wochen, dann sind Sie aufgerufen Ihre Gemeindegremien neu zu wählen. Längst sind die Vorbereitungen angelaufen, Kandidatinnen und Kandidaten wurden gefragt, Wählerlisten geprüft, Informationsmaterialien erstellt. Viel Arbeit für die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen, die die Geschicke der Kirchengemeinden leiten. Arbeit, die sich lohnt. Denn mir persönlich reformierten Kirchengemeinde bestimmen

bedeutet es viel, dass ich weiß: In der evangelischnicht der Pastor oder die Pastorin. So lässt sich für

mich viel leichter sagen: „Meine Kirche“. Diese Ausgabe will Sie einstimmen auf soll Sie natürlich motivieren, sich daran Wir versuchen das, indem wir Ihnen vorstellen, die ihr Portrait für diese

Meine Kirche!

die Wahlen am 18. November und zu beteiligen.

Gemeindewahlen am 18.11.2012 www.gemeindewahlen.reformiert.de

stellt hat. Durchaus kritisch ist der

Lydia Lödden aus Bad Bentheim Titelseite zur Verfügung geBlick auf die Geschichte der

Wahlen in der Evangelisch-reformierten Kirche, und wir stellen Ihnen den hoch engagierten Kirchenrat aus Großwolde vor. Die Geschichte über Antje Bracht und Felix Willert zeigt, was in einer Gemeinde alles entstehen kann. Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre – und: Jede Stimme zählt und jede Stimme motiviert für die Arbeit. Ihr

Ulf Preuß - Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

3 4 reformiert 2012


„Ich freue mich über jeden, Lydia Lödden aus Bad Bentheim wirbt für Gemeindewahlen Wie hat Ihre Familie reagiert, als sie von Ihrer

Lydia Lödden ist seit neun Jahren Kirchenratsmitglied in Bad Bentheim. Die

Kandidatur erfuhr? Meine Familie war zuerst überrascht, dann haben

Nordhornerin zog 1985 mit ihrer Familie

mein Mann und meine Kinder mir zugeraten und

nach Bad Bentheim, dort wurde sie 2003

Mut gemacht. Sie meinten, dass ich sicher etwas

gefragt, ob sie für den Kirchenrat kandidieren wolle. Mit dem Slogan „Meine Kirche“ wirbt die 54-Jährige für die

aktiv war.

rat erreichen? Wir haben eine wichtige Aufgabe zu erfüllen.

weil ihr die Zukunft ihrer Kirche am Herzen liegt. Ein Interview.

Meine Kirche!

Frau Lödden, wie war es, als Sie geIhrer Gemeinde zu kandidieren?

schon vorher in verschiedenen anderen Gremien

Was möchten Sie mit Ihrer Mitarbeit im Kirchen-

Teilnahme an den Gemeindewahlen,

fragt wurden, für den Kirchenrat in

zu den Aufgaben beitragen könnte. Zumal ich

Immer mehr Menschen wenden sich von der Kirche ab und wir wollen versuchen, diese Kirche und ihre Aufgaben zeitgemäß und zukunftsfä-

Gemeindewahlen am 18.11.2012 www.gemeindewahlen.reformiert.de

Ich wurde von einem damaligen

hig darzustellen. Viele, vor allem junge Menschen, wissen nicht, was die Kirche alles leistet –

Kirchenratsmitglied aus der Nachbarschaft ge-

sei es für junge Familien mit den Kindergärten

fragt. Er hatte mich bei verschiedenen Veranstal-

oder für ältere Menschen. Hier arbeitet die Kirche

tungen kennengelernt und meinte, ich könnte in

häufig zu leise und unsichtbar. Ein wenig mehr

den Kirchenrat passen. Neben der männerlasti-

Werbung in eigener Sache würde uns gut tun.

gen Zusammensetzung sollte noch eine weitere Frau zu dem Gremium gehören.

4 4 reformiert 2012

Am 18. November sind etwa 150.000 Menschen aus den Kirchengemeinden der Evangelisch-reformierten Kirche aufgerufen, ihre Leitungsgremien neu zu wählen. Dabei sind rund 520 Personen für die Kirchenräte/Presbyterien zu bestimmen, rund 640 für die Gemeindevertretungen. • Wahlberechtigt sind alle konfirmierten oder als Erwachsene getauften Gemeindeglieder. • Die Wahlen finden alle drei Jahre statt. • Die Stimmabgabe ist geheim. • Oft besteht die Möglichkeit zu einer Briefwahl. • Die Hälfte der Mitglieder wird für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt.

• Gewählt werden dürfen alle Gemeindeglieder, die am Wahltag mindestens 18 Jahre alt sind. • Eine Wiederwahl ist möglich. • Wahlvorschläge können auch von Gemeindegliedern eingebracht werden, mit je zehn Unterschriften. • Im Anschluss an diese Gemeindewahlen werden auch die Synodalverbandssynoden und die Gesamtsynode neu gewählt. • In einigen Kirchengemeinden weicht der Wahltag aus regionalen Gründen ab, in Hamburg hat die Wahl bereits Ende 2011 stattgefunden.


der zur Wahl kommt“ Welche Themen waren Ihnen in Ihrer Amtszeit im

Welche Rolle spielen Kirche und Glauben in Ih-

Kirchenrat besonders wichtig?

rem Alltag und im Alltag Ihrer Familie?

Zusammen mit anderen habe ich mich an der

In meiner Kindheit waren zum Beispiel Tischge-

Neugestaltung der Gemeindenachrichten betei-

bete selbstverständlich. Auch die kirchlichen Fei-

ligt. Die Gemeindenachrichten erreichen auch die

ertage haben wir bewusst gefeiert. Das haben

Gemeindeglieder, die nicht in den Gottesdienst

wir in unserer Familie versucht weiterzugeben.

kommen, deswegen liegen sie mir besonders

Unsere Kinder haben den evangelischen Kinder-

am Herzen. Denn auch diese Gemeindeglieder

garten besucht und sind auch eine Zeit lang zum

gehören dazu. Im Ausschuss für Gemeindeper-

Kindergottesdienst gegangen. In der „Familien-

spektiven haben wir uns Gedanken über den

phase“ haben wir unregelmäßig den Gottesdienst

Konfirmanden-Unterricht und die Gottesdienstzei-

besucht.

ten gemacht. Auch hier gab es in den letzten Jahren Änderungen und Anpassungen an veränder-

Bei dieser Wahl kandidieren Sie ja nicht, da Ihre

te Lebensrhythmen. Es ist besonders erfreulich,

Amtszeit noch drei weitere Jahre läuft, was wün-

dann positive Rückmeldungen zu erhalten.

schen Sie sich für die Wahlen? Auch wenn es wohl wieder eine Blockwahl ge-

Gibt es etwas, was Sie sich für die nächsten Jahre

ben wird, bei der es so viele Kandidatinnen und

vorgenommen haben?

Kandidaten wie zu besetzende Plätze gibt, wäre

Wie inzwischen viele Gemeinden, sollten wir auch

es schön, wenn möglichst viele Gemeindeglieder

eine Homepage mit allen Informationen rund um

zur Wahl kommen. Ich freue mich über jeden. Ich

unsere Kirche anbieten. Außerdem verändert sich

verstehe wählen gehen auch als ein Zeichen, den

auch in kleinen Städten wie Bad Bentheim die

zu wählenden Personen das Vertrauen auszuspre-

Friedhofskultur. Dafür müssen wir neue Angebote

chen.

ausarbeiten. Interview: Ulf Preuß

5 4 reformiert 2012

Foto: Richard Irmer

Ulf Preuß im Gespräch mit Lydia Lödden aus Bad Bentheim


Aller Anfang ist schwer Die Geschichte des Wahlrechts der Evangelisch-reformierten Kirche „Unsere reformierte Kirche unterscheidet sich

konfirmierte und über 24 Jahre alte männliche

dadurch von anderen, dass sie demokratischer

„Selbständige“ mit eigenem Hausstand, einem

organisiert ist als andere evangelische Kirchen“,

öffentlichen Amt oder einem eigenen Geschäft

ist eine gängige Antwort auf die Frage, was die

wahlberechtigt. Frauen, Angestellte und Arbeiter

Reformierten auszeichnet. Die weiteren Erläu-

haben in der Gemeinde nichts zu melden. Ausge-

terungen imponieren dann auch meistens: Die

schlossen sind aber z.B. auch diejenigen, „welche

Gemeinden wählen ihre Pfarrerinnen und Pfarrer

im Konkurse sich befinden“ oder „welche durch

selbst. Die frei gewählten Presbyterien regeln die

Verachtung des göttlichen Wortes oder unehrba-

Angelegenheiten einer Gemeinde weitge-

ren Lebenswandel ein Ärgernis gegeben haben“.

hend selbständig. Schon jugendliche Kon-

Bei der Pfarrwahl gab es teilweise noch strik-

firmierte haben das volle Stimmrecht.

tere Regeln: Bis 1922 wählte zum Beispiel in

Allerdings ist das keineswegs schon immer so. Und ein parlamentarischdemokratisches Wahlrecht haben wir – genau genommen – auch nicht. Wie kommt das? Die protestantischen Kirchen, lutherische wie reformierte, haben

manchen ländlichen Gegenden nicht die Gemein-

Meine Kirche!

de ihren Pfarrer, sondern „die Interessenten“. Das waren die Grundeigentümer, die auch für den Unterhalt der Pfarrer sorgten – frei nach dem

Gemeindewahlen am 18.11.2012 www.gemeindewahlen.reformiert.de

Grundsatz „Wer zahlt, wählt“.

sich, was ihre Ordnungen angeht,

Erst nach dem Ersten Weltkrieg, nachdem die Könige

immer an den vorherrschenden politischen Ge-

und Fürsten entmachtet waren, fand die Demo-

gebenheiten orientiert. Das reformatorische Ge-

kratie langsam auch den Weg in die Evangelisch-

dankengut mag zwar der Demokratie den Weg

reformierte Kirche: Das allgemeine Wahlrecht

bereitet haben, aber in den reformierten Gemein-

schloss nun auch Frauen, Arbeiter und Angestell-

den selbst herrschte lange Zeit ein eher elitäres

te mit ein. Gemeinden hatten allerdings immer

Wahlrecht.

noch die Möglichkeit, das aktive wie das pas-

Von wegen „Alle dürfen wählen“: In der Kir-

sive Wahlrecht von Frauen „durch statuarische

chenordnung der Evangelisch-reformirten Kir-

Bestimmung“ auszusetzen. Und sie haben davon

che in der Provinz Hannover von 1882 sind nur

auch Gebrauch gemacht. Die letzten Gemeinden

6

Das passive Wahlrecht wird auf 21 gesenkt. In den letzten Gemeinden wird das Verbot des Frauenstimmrechts abgeschafft.

1956

Einführung des allgemeinen Wahlrechts.

1988

Wahlberechtigt sind 18-Jährige, wählbar 25-Jährige.

1922

Nur über 24 Jahre alte, männliche „Selbständige“ mit eigenem Hausstand, einem öffentlichen Amt oder einem eigenen Geschäft sind wahlberechtigt.

1971

1969

1882

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Absenkung des Wahlalters auf 21.

Auch Konfirmierte dürfen wählen.


wurden 1971 gedrängt, das Verbot des Frauen-

Gemeinde zu bestimmen. Gewählte müssen dagegen

stimmrechts aufzugeben.

immer noch volljährig sein.

In der Zeit des Dritten Reichs zeigten sich die Kir-

In manchen freien reformierten Gemeinden hiel-

chenräte der Evangelisch-reformierten Kirche relativ

ten sich als undemokratisch empfundene Gepflo-

gewappnet gegen die Versuche der Nationalsozialis-

genheiten dagegen noch länger. Bis vor nicht allzu

ten, Parteigänger in die Gemeindeorgane einzuschleu-

langer Zeit gab es vereinzelt Presbyterien, deren

sen. Wo es doch gelang, wurde meist gegen das

Mitglieder auf Lebenszeit bestimmt waren und die

Wahlrecht verstoßen und wurden die verbliebenen

sich ihre Nachfolger selbst aussuchten.

Kirchenältesten eingeschüchtert. So beschwerte sich

Im eigentlichen Sinn lassen sich Kirchenordnun-

ein altgedienter Nürnberger Presbyter, der zugunsten

gen auch nicht an einem parlamentarisch-demokra-

eines

NSDAP-getreuen

Kandidaten

tischen System messen.

kurzerhand

Die

presbyterial-syno-

vom Wahlaufsatz gestri-

dale Ordnung sieht zum

chen wurde, lediglich da-

Beispiel keine Gruppen

rüber, dass man ihm das

oder Parteienbildung vor,

nicht unverzüglich mitge-

die im Staat ein tragen-

teilt habe. Nach dem Krieg wur-

des Element ist. Auch Gesetz- und Verordnungsblatt von 1884

sind nicht Kampfabstim-

den die Regeln für die Wahlen nach und nach weit-

mungen die Regel, sondern das Bestreben, einen

gehend so angepasst, wie wir sie heute kennen.

für alle gangbaren Weg zu finden. Die Kirchen müs-

Insbesondere das Mindestalter für Wählerinnen und

sen jeweils das in Ordnungen und Gesetze gießen,

Wähler sowie für Gewählte wurde nach und nach ge-

was dem Evangelium gerecht wird. Das wurde in

senkt. 1988 wurde im Zuge des Zusammenschlusses

unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich gesehen

von Bayern und Nordwestdeutschland eine ganz neue

und das wird auch in kommenden Zeiten vermutlich

Kirchenverfassung erarbeitet, in der nun auch das ak-

noch einmal anders gestaltet werden, als wir uns

tive Wahlrecht ab der Konfirmation hinzukam – also

das heute vorstellen können.

das Zutrauen, dass auch schon 13- oder 14-jährige Gemeindemitglieder mündig genug sind, die Leitung der

von Georg Rieger

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Fotos: Ulf Preuß


Lebendige Gemeinde –

In Großwolde organisiert der

Eine Gemeinde ohne Pastor oder Pastorin

verzichten müssen, bedingt dadurch, dass die

– wie soll das gehen? Es geht. In Groß-

Gemeinden Ihrhove, Ihrenerfeld, Großwolde und

wolde im Landkreis Leer sogar schon seit anderthalb Jahren. Hier übernehmen seit dem Ruhestand ihres Pastors die acht Kirchenratsmitglieder viele Aufgaben in der Gemeinde, tatkräftig unterstützt von den vier Pastorinnen und Pastoren

sonderes Engagement erwartet – das schlägt sich auch auf die Kirchenrats-

Kandidaten, auf die wir uns in die-

ve. Mit einem für Wochen im Voraus ausgeklügelten Predigtplan werden nun sechs Predigtstellen der Gemeinden versorgt, die eine oder andere weitere allerdings bleibt überwiegend verwaist. „Wir funktionieren noch gut als Gemeinde. Doch was an Arbeit dahintersteckt, bleibt für die chenratsmitglied Johann Ulrichs. Die Gesprächs-

Von den Kirchenräten wird nun be-

chen natürlich Kandidatinnen und

fünf Pastorenstellen haben, zwei davon in Ihrho-

meisten Gemeindeglieder unsichtbar“, sagt Kir-

der Nachbargemeinden.

wahl im November nieder. „Wir brau-

Papenburg gemeinsam nur noch vier statt bisher

Meine Kirche!

kreise und Gruppen müssen organisiert werden, Kirchenratssitzungen vorbereitet, Protokolle geschrieben, Küster und Organisten eingeteilt

Gemeindewahlen am 18.11.2012 www.gemeindewahlen.reformiert.de

ser Ausnahmesituation wirklich

werden. Dazu kommen Abkündigungszettel,

Gemeindebriefe

und viele Regularien mehr,

verlassen können und die bereit sind, verstärkt

und auch der evangelisch-reformierte Kindergar-

Verantwortung zu übernehmen“, betont die Kir-

ten will mit seinen Anliegen berücksichtigt sein.

chenratsvorsitzende Gerda Bohlmann. „Dass eine

„Jeder von uns macht das, was er zeitlich und

Stelle mal ein Jahr lang vakant ist, kommt vor.

terminlich am besten leisten kann“, erklärt Thors-

Aber bei uns wird dieser Zustand länger anhal-

ten Frey, mit 32 Jahren zweitjüngstes Mitglied des

ten“, beschreibt Kirchenrat Heijo Strenge die

Kirchenrates. Er kümmert sich unter anderem um

ungewöhnliche Situation. Bis 2018 werden die

den Gemeindebrief. „Das kann ich abends noch

Großwolder auf einen hauptamtlichen Theologen

nach der Arbeit erledigen“, sagt er.

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Fotos: Anke Brockmeyer

Thorsten Frey, Johann Ulrichs, Heijo Strenge und Gerda Bohlmann vor dem Gemeindehaus Großwolderfeld, das von den Gottesdienst-Kürzungen betroffen ist.


– aber ohne Pastor Kirchenrat den Gemeindealltag Die Fäden der Gemeinde laufen jetzt bei Gerda

„Zum Glück verfügen wir über eine sehr akti-

Bohlmann zusammen. Die patente 69-Jährige hat

ve Gemeinde“, sagt Heijo Strenge. Ob ein Floh-

den Vorsitz des Kirchenrates vom bisherigen Pas-

markt organisiert wird, ob die Renovierung der

tor Diedrich Bode übernommen, von Ruhestand

Küsterwohnung finanzieren werden muss, oder

ist seither bei ihr keine Spur mehr. Zum Glück ist

ob Freiwillige gesucht werden, um Pflasterarbei-

Gerda Bohlmann ein „alter Hase“ im Kirchenrat,

ten am Friedhof zu übernehmen – „in solchen

seit fast 30 Jahren engagiert sie sich hier. „Und

Momenten hält die Gemeinde zusammen.“ Und

Pastor Bode hat uns auch gut auf die Aufgabe

auch das Pastorenteam steht zu seinem Wort,

vorbereitet, es stand ja lange genug fest, dass

Gottesdienste am Sonntag zu übernehmen. Um

seine Stelle nicht wieder besetzt würde“, betont

für den Weg von einer Predigtstelle zur nächsten

die Vorsitzende. Dennoch, räumt sie lachend ein,

genügend Zeit zu haben, wurden sogar Andachts-

„habe ich mir nicht träumen lassen, was da auf

zeiten verändert.

mich zukommt.“ Es sei einfacher, wenn ein Pas-

2018 heißt es für die Großwolder Aufatmen.

tor den Kirchenratsvorsitz innehabe. Durch seine

Dann wird der Pastor aus Ihrenerfeld in den Ru-

tägliche Arbeit ergebe sich vieles nebenbei, er

hestand gehen, für vier Jahre bleibt dann diese

kenne die richtigen Ansprechpartner, wisse, wer

Gemeinde ohne Pastor, und Großwolde bekommt

in der Verwaltung wofür zuständig sei. Zu den

wieder einen. Und wenn 2022 eine Pensionierung

Verwaltungsaufgaben kommen auch die seelsor-

im mit zwei Stellen besetzten Ihrhove ansteht,

gerischen: In Todesfällen in der Gemeinde ist sie

normalisiert sich der Zustand wieder: Dann wird

mittlerweile erste Ansprechpartnerin für die Fa-

jede der vier Gemeinden eine Pfarrstelle haben.

milienangehörigen und Bestattungsunternehmen.

Aber bis dahin kommt noch viel Arbeit auf den

„In traurigen und fröhlichen Fällen“, wie sie es

Kirchenrat zu. „Eine Teestunde sind unsere Sit-

nennt, ist sie Mittlerin zwischen den Gemein-

zungen bis dahin ganz sicher nicht“, ist Heijo

degliedern und den Pastorinnen und Pastoren.

Strenge überzeugt.

„Uns war vorher nicht so bewusst, wie sehr die Gemeinde den eigenen Pastor als ‚Kirche‘ wahr-

von Anke Brockmeyer

nimmt“, erklärt Gerda Bohlmann.

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Kirche in Gr0ßwolde


„Traut euch in die Zwei Betreuer der Osnabrücker Jugendkirche sind mit Begonnen hat alles in der Osnabrücker

Damals hatte die evangelisch-reformierte Ge-

Jugendkirche mit einer „eigentlich total

meinde drei ihrer fünf Kirchen verkauft, die

verrückten Idee“. Am Ende waren die Jugendbetreuer Antje Bracht (23) und Felix Willert (21) froh, dass sie sich auf

Bergkirche zu ihrem geistigen Zentrum und die Friedenskirche zur Jugendkirche gemacht. Felix kümmert sich meistens um Website und Veranstaltungstechnik. Aber auch Jugendgruppen hat er schon betreut. Das Politologie-Studium hat er

das Abenteuer eingelassen hatten. Mit

abgebrochen. Jetzt sucht er eine Ausbildungsstel-

einem 26 Jahre alten Audi waren sie

le als Veranstaltungs-Kaufmann. Antje, die aus Ostfriesland stammt, stieß 2009 dazu. Sie hatte

drei Wochen lang unterwegs. Von

bei der Norddeutschen Mission in Bremen von

Osnabrück zum Eurovision Song Contest nach Baku in Aserbaidschan. „Road Trip to Baku“. Übernachtet haben sie jeweils bei Menschen, die ihnen völlig fremd, aber fast immer auf Anhieb sym-

der Jugendkirche in Osnabrück gehört. Pastor

Meine Kirche!

Herbert Sperber hat die Theologiestudentin gleich beim ersten Besuch für das Team angeworben.

Gemeindewahlen am 18.11.2012 www.gemeindewahlen.reformiert.de

pathisch waren. Per Internet hat-

Und wie kam es nun zum „RoadTrip to Baku“? „Wir saßen Ende 2011 in der Kirche in einer Gruppe zusammen und haben uns

ten sie sich unter www.couchsurfing.org jeweils

über den Eurovision Song Contest unterhalten“,

ihre Schlafplätze gesucht. Es gab zahlreiche War-

erinnert sich Antje. „Ich habe dann ein bisschen

nungen vor und auch noch während der Reise.

rumgesponnen, dass man doch eigentlich nach

„Sie haben sich alle nicht bestätigt“, sagen die

Baku fahren müsste - um den Contest 2012 zum

beiden. Deshalb geben sie allen jungen Men-

Anlass zu nehmen, sich eine ganz unbekannte

schen den Tipp: „Probiert´s auch mal und traut

Stadt näher anzuschauen. Aber eigentlich war

euch in die Welt hinaus.“

das gar nicht ernst gemeint“, beteuert die 23-Jäh-

Felix, der gebürtige Osnabrücker, ist seit

rige lachend. Das sah Felix von Anfang an ganz

Gründung der Jugendkirche Anfang 2008 dabei.

anders. Eine Stunde lang hat er sich in seinen

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Fotos: Privat

Antje Bracht (l.) ist in den Osnabrücker Kirchenrat berufen worden

Osnabrück Jugendkirche


Welt hinaus!“ dem Auto 5.000 Kilometer durch Europa gefahren Laptop vertieft, und schon waren Route, Einreise-

mit Familienanschluss. Weil die Idee einst von

bestimmungen und Spritkosten gecheckt. Sogar

Studenten stammte, sind auch heute noch die

ein Blog, ein Internet-Tagebuch, hatte er einge-

meisten Anbieter und Nutzer Studenten.

richtet.

„Ein wenig Bedenken hatten wir schon“, gibt

Antje war beeindruckt. Dennoch waren sie sich

Antje zu. „Aber alle waren unheimlich herzlich, ha-

monatelang unschlüssig, ob sie das Abenteuer

ben uns eingeladen, für uns gekocht.“ Sich jeden

wagen sollten. Schließlich machten die beiden

zweiten Tag auf eine neue Begegnung einzulas-

es vom Sponsoring abhängig - und schrieben

sen, war das Aufregendste und auch das Schönste

ihre Idee an den für den Song-Contest zuständi-

an ihrer Reise. Da sind sich Theologie-Studentin

gen Norddeutschen Rundfunk. Von dort gab es

und Veranstaltungs-Kaufmann in spe einig.

prompt eine Zusage und den Auftrag, von der

In Baku selbst haben sie dann eine Woche

Reise ein Blog für die Seite „www.eurovision.de“

verbracht. Sie haben die Proben und die Halbfi-

zu schreiben. Der „Road-Trip to Baku“ nahm kon-

nals und natürlich das Finale miterlebt. Ein echter

krete Formen an. Auch ein robustes Auto war bald

Song-Contest-Fan ist aus Antje Bracht dennoch

gefunden: ein alter Audi 80.

nicht geworden. Eher ein Reisefan: Mittlerweile

Drei Wochen ließen sie sich Zeit. In größeren

hat sie dreieinhalb Wochen Studienaufenthalt in

Städten wie Wien, Budapest oder Belgrad gönn-

Indonesien und drei Wochen Missions-Camp in

ten sie sich jeweils zwei Tage Aufenthalt. „Wir

Ruanda hinter sich.

wollten nicht einfach nur durchrauschen, son-

Die guten Erfahrungen mit der Gastfreund-

dern auch ein wenig von der Atmosphäre mitbe-

schaft möchte sie sich gerne bewahren: „Wenn

kommen“, sagt Felix. Dazu gehörte auch, nicht

man das mal erfahren hat, geht man selbst auch

in anonymen Hotels zu übernachten, sondern

sensibler damit um.“ Außerdem hat sie überlegt,

bei Einheimischen. Geradezu ins Schwärmen ge-

ob sie die Osnabrücker Jugendkirche bei Couch-

raten die beiden über die Gastfreundschaft der

Surfing anmelden sollte. „Aber das ist erst mal

Couchsurfing-Gemeinde. Über das Internet-Portal

nur so eine Idee, die mir im Kopf rumspukt“, sagt

werden international Schlafplätze gehandelt: Wer

sie und blickt Felix verschmitzt lächelnd an.

einen übrig hat, stellt ihn demjenigen zur Verfügung, der gerade einen sucht - ohne Miete, dafür

von Martina Schwager

11 4 reformiert 2012


3 Stationen von „Kirche klingt Im Juni machte die Konzertreihe 366plus1 Station in der Evangelisch-reformierten Kirche. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) startete zum Jahr der Kirchenmusik 2012 das Projekt mit 366 Konzerten an 366 Orten. Das besondere

166

Konzert „+1“ erklang in der Osternacht, um von der Osterbotschaft zu erzählen. Die Konzertreihe begann am 1. Januar in Augsburg, das klingende Schaltjahr endet am 31. Dezember in Zittau.

Das Projekt 366+1 wird veranstaltet vom Kulturbüro der EKD und gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung

170

für Kultur und Medien. Alle 367 Konzerte in Deutschland werden durch eine Chronik miteinander verbunden, die über jeden Veranstaltungsort und sein Konzert berichtet. Sie wird vom Veranstalter eines Konzertes an den Veranstalter des folgenden überreicht und wandert mit durch das Jahr und das Land. Am Ende dokumentiert sie die Stationen der Konzertreise durch Deutschland. Donnerstag, 14. Juni - Kreuzkirche in Pilsum Unter dem Motto „Singet und spielet dem Herrn“ gestalten Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker der evangelischen Kirchen Ostfrieslands zusammen mit Gästen eine geistliche

12 4 reformiert 2012

166

Abendmusik mit Chorgesang, barocker Kammermusik und Orgelklängen. Freitag, 15. Juni - Reformierte Kirchen Esklum, Driever, Grotegaste Das 167. Konzert findet als Wandelkonzert in den evangelisch-reformierten Kirchen in Esklum, Driever und Grotegaste statt. Das romantische Abendliedersingen beginnt vor der Kir-

167

che in Esklum mit “Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen” (EG 272), setzt sich fort in Driever und endet in Grotegaste. Montag, 18. Juni - Alte Kirche in Nordhorn Gewaltige Klänge von etwa 500 Sängerinnen und Sängern aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim erfüllen das Gotteshaus. Sie werden begleitet von der Orgel und einem ökumenisch besetzten Bläserensemble

170


2012“

167

Die Konzerte von September bis Dezember Nordkirche Sa 01.09. 18:00 So 02.09. 10:00 Mo 03.09. 17:00 Di 04.09. 20:00 Mi 05.09. 20:00 Do 06.09. 20:00 Fr 07.09. 20:00 Sa 08.09. 20:00 So 09.09. 17:00 Mo 10.09. 10:00 Di 11.09. 14:00 Mi 12.09. 12:00 Do 13.09. 20:00 Fr 14.09. 20:00 Sa 15.09. 10:00 So 16.09. 17:00 Mo 17.09. 9:30 Di 18.09. 18:30 Mi 19.09. 19:00 Do 20.09 19:00 Fr 21.09. 9:00

Lüdershagen, Dorfkirche Grimmen, St. Marien Velgast-Starkow, St. Jürgen Gingst auf Rügen, St. Jacobi Bergen auf Rügen, St. Marien Altenkirchen auf Rügen, Pfarrkirche Sagard auf Rügen, St. Michael Stralsund, St. Nikolai Gristow, Dorfkirche Greifswald, Universität, Aula des Instituts für Kirchenmusik und Musikwissenschaft Greifswald-Wieck, Bugenhagenkirche Greifswald, Dom St. Nikolai Wolgast, St. Petri Heringsdorf auf Usedom, Kirche im Walde Usedom auf Usedom, St. Marien Anklam, St. Marien Ueckermünde, Marienkirche Torgelow, Christuskirche Pasewalk, St. Marienkirche Friedland, St. Marien Neubrandenburg, St. Johannis

Brandenburg Sa 22.09. 16:00 Gartz/Oder, St. Stephanskirche Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz So 23.09. 14:00 Klosterfelde, Evangelische Kirche Mo 24.09. 19:30 Prenzlau, St. Sabinen Di 25.09. 19:00 Marwitz, Dorfkirche Mi 26.09. 19:30 Gransee, St. Marienkirche Do 27.09. 9:30 Oranienburg, St. Nikolaikirche Fr 28.09. 19:30 Wittenberge, Evangelische Stadtkirche Sa 29.09. 17:00 Zehdenick, Evangelische Stadtkirche So 30.09. 7:30 Jüterbog, St. Nikolai Mo 01.10. 19:00 Bardenitz und Pechüle, Dorfkirchen Di 02.10. 19:30 Luckau, St. Nikolai Mi 03.10. 9:00 Lübben, Paul-Gerhardt-Kirche Do 04.10. 19:00 Neuzelle, Evangelische Kirche zum Heiligen Kreuz Fr 05.10. 19:00 Fürstenwalde, Dom St. Marien Sa 06.10. 18:00 Kloster Lehnin, Klosterkirche St. Marien So 07.10. 16:00 Brandenburg, St. Katharinen Mo 08.10. 19:00 Potsdam, Friedenskirche Di 09.10. 19:00 Havelberg, Dom St. Marien Mi 10.10. 19:00 Wusterhausen (Dosse), Stadtkirche St. Peter und Paul Do 11.10. 19:00 Neuruppin, Klosterkirche St. Trinitatis Berlin Fr 12.10. 19:00 Berlin-Mitte, Nikolaikirche Brandenburg Sa 13.10. Sachsen So 14.10.

15:00 Heiligengrabe, Stiftskirche

6:00 Görlitz, Kreuzkirche

Berlin Mo 15.10. 19:30 Di 16.10. 19:00 Mi 17.10. 19:00 Do 18.10. 19:00 Fr 19.10. 19:00 Sa 20.10. 7:00 So 21.10. 17:00 Mo 22.10. 19:30 Di 23.10. 19:00 Mi 24.10. 19:00 Do 25.10. 19:00 Fr 26.10. 19:30 Sa 27.10. 18:00 So 28.10. 17:00

Berlin-Spandau, St. Nikolai Berlin-Charlottenburg, Evangelisches Gemeindezentrum Plötzensee Berlin-Marienfelde, Dorfkirche Berlin-Mitte, Französische Friedrichstadtkirche (Französischer Dom) Berlin-Mariendorf, Martin-Luther-Gedächtniskirche Berlin-Mitte, St. Marienkirche Evangelische Kirche in Mitteldeutschland Mügeln, Evangelische Kirche Bad Liebenwerda, Nikolai.Kirche Eilenburg, Bergkirche St. Marien Halle an der Saale, Pauluskirche Querfurt, Stadtkirche St. Lamperti Naumbur, Stadtkirche St. Wenzel Sömmerda, Petri-Kirche Burg, St. Nicolaikirche

Mo 29.10. 19:30 Salzwedel, St. Lorenzkirche Di 30.10. 19:30 Osterburg, St. Nikolaikirche Mi 31.10. 19:00 Wolmirstedt, St. Katharinen Do 01.11. 19:00 Magdeburg, Hoffnungskirche Fr. 02.11. 19:00 Calbe, St. Stephanikirche Sa 03.11. 19:30 Wernigerode, Liebfrauenkirche Evangelische Landeskirche Anhalts So 04.11. 09:30 Dessau, Pauluskirche Mo 05.11. 19:00 Neudorf im Harz, St. Petrus und Paulus Di 06.11. 11:30 Köthen, St. Jakobs-Kirche Mi 07.11. 19:30 Bernburg, Schloßkirche St. Aegidien Do 08.11. 19:30 Dessau, St. Johannis Fr 09.11. 19:00 Zerbst, St. Bartholomäi Sa 10.11. 11:00 Dessau, Georgenkirche Evangelische Kirche in Mitteldeutschland So 11.11. 18:00 Nordhausen, St. Blasii-Kirche Mo 12.11. 19:30 Sondershausen, Trinitatiskirche Di 13.11. 12:00 Mühlhausen, Divi-Blasii-Kirche Mi 14.11. 19:00 Erfurt, Luther-Augustinerkirche Do 15.11. 19:30 Gotha, Margaretenkirche Fr 16.11. 19:30 Waltershausen, Stadtkirche Zur Gotteshilfe Sa 17.11. 16:00 Eisenach, Georgenkirche So 18.11. 17:00 Bad Salzungen, Stadtkirche Mo 19.11. 19:30 Meinigen, Stadtkirche Di 20.11. 19:30 Suhl, Hauptkirche St. Marien Mi 21.11. 18:00 Eisfeld, Dreifaltigkeitskirche Do 22.11. 19:30 Arnstadt, Bachkirche Fr 23.11. 19:30 Sonneberg, Stadtkirche Sa 24.11. 18:00 Rudolstadt, Lutherkirche So 25.11. 16:00 Bad Berka, Evangelische Kirche Mo 26.11. 19:00 Stotternheim, Evangelische Kirche St. Peter und Paul Di 27.11. 18:00 Jena-Göschwitz, Evangelische Kirche Mi 28.11. 19:30 Eisenberg, Stadtkirche St. Peter Do 29.11. 19:00 Wünschendorf, St. Veit Fr 30.11. 19:00 Zeulenroda, Dreieinigkeitskirche Sa 01.12 16:00 Gräfenwarth, St. Martinskirche Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens So 02.12. 17:00 Reichenbach, St. Trinitatiskirche Mo 03.12. 19:30 Treuen, St. Bartholomäuskirche Di 04.12. 19:30 Auerbach, St. Laurentiuskirche Mi 05.12. 17:30 Zwickau, Dom St. Marien Do 06.12. 19:30 Werdau, Marienkirche Fr 07.12. 19:30 Glauchau, St. Gerogenkirche Sa 08.12. 16:00 Hohenstein-Ernstthal, St. Christophorikirche So 09.12. 17:00 Eibenstock, Stadtkirche Mo 10.12. 19:30 Annaberg, St. Annenkirche Di 11.12. 19:30 Marienberg, St. Marienkirche Mi 12.12. 19:30 Seiffen, Bergkirche Do 13.12. 19:30 Dippoldiswalde, Stadtkirche St. Marien und Laurentius Fr 14.12. 19:30 Freiberg, Petrikirche Sa 15.12. 19:30 Flöha, Georgenkirche So 16.12. 10:30 Rochlitz, Petrikirche Mo 17.12. 19:00 Zwenkau, St. Laurentius Di 18.12. 18:00 Borna, Stadtkirche Mi 19.12. 17:00 Leipzig, Nikolaikirche Do 20.12. 19:30 Leipzig, Thomaskirche Fr 21.12. 19.30 Grimma, Kirchen Hohenstädt Sa 22.12. 16:30 Leisnig, St. Matthäi So 23.12. 19:00 Dresden, Frauenkirche Mo 24.12. 22:00 Struppen, Dorfkirche Di 25.12. 09:30 Dresden-Neustadt, Dreikönigskirche Mi 26.12. 17:00 Dresden-Eschdorf, St. Barbara Do 27.12. 19:30 Meißen, St. Afra-Kirche Fr 28.12. 16:00 Oybin, Bergkirche Sa 29.12. 18:00 Bautzen, Maria-und-Martha-Kirche So 30.12. 17:00 Herrnhut, Kirchensaal der Herrnhuter Brüdergemeine Mo 31.12. 17:00 Zittau, St. Johanniskirche

weitere Infos unter: www.ekd-366plus1.de


Neue Väter braucht das Land Immer mehr Väter beziehen nach der Geburt

die Elternzeit mitten in die Advents- und Weih-

ihres Kindes Elterngeld und nutzen damit die

nachtszeit fiel. Sievers ist noch heute für die Un-

Möglichkeit, für eine Zeit lang ihren Beruf ruhen

terstützung dankbar, die er im Kirchenrat und von

zu lassen. Für etwa jedes vierte Kind nehmen Vä-

den Kolleginnen und Kollegen, die ihn vertreten

ter die staatliche Leistung in Anspruch. Dabei set-

haben, erfahren hat.

zen die meisten Männer zwei Monate aus. Auch Pastoren gehören zu den neuen Vätern.

In Bayreuth war die Sache mit der Vertretung schwieriger, denn die nächsten Gemeinden Erlan-

Simon Froben aus Bayreuth und Ulf Sievers aus

gen und Nürnberg sind 70 und 85 km entfernt.

Emlichheim (Grafschaft Bentheim) sind die ersten

Simon Frobens Überlegungen vorher, wie seine

Pastoren in der Evangelisch-reformierten Kirche,

Entscheidung für die Elternzeit sich mit der Ge-

die von dieser Möglichkeit gemacht haben und

meinde vereinbaren ließe, erleichterte aber der

die Gemeindearbeit auf Zeit ruhen ließen. Dabei

Zeitraum. Ein Monat Elternzeit für seine Tochter

sind sie ganz im Trend, denn auch Froben und

Smilla fiel in die Urlaubspause im August 2008.

Sievers setzten je zwei Monate aus.

Auf seine Entscheidung habe auch er positive Re-

Ulf Sievers nahm Elternzeit im November 2007

aktionen in Gemeinde und Kirchenrat erhalten, im

direkt nach der Geburt seiner Tochter Juliane und

Kirchenrat sei man aber auch so ehrlich gewesen

war in dieser Zeit vor allem für seinen jetzt sechs-

zu sagen, „das müssen wir jetzt regeln“.

jährigen Sohn Paul da. „Nach der Geburt von Paul

Jetzt, einige Jahre später, sind sich beide Pastoren

wollte ich meine Frau nach der zweiten Geburt

einig, dass die Entscheidung für die Elternzeit rich-

deutlich unterstützen“, erinnert sich Sievers.

tig war. Simon Froben fragt sich manchmal, warum

Darum habe er beim Kirchenrat den Antrag auf

er sich nicht länger seiner Familie gewidmet habe.

Elternzeit gestellt. „Ich war vorher unsicher, wie

Die Zeit habe eine neue Qualität in das Zusammen-

der reagiert, habe mich aber über die Reaktion

sein mit Kind und Frau gebracht. Ulf Sievers schätzt

gefreut“, weiß er noch heute. Einer habe sogar

besonders das besonders Verhältnis zu seinem

gesagt: „Ach hätte es das zu unserer Zeit doch

Sohn. „Das prägt bis heute.“

auch gegeben.“ Dabei war der Zeitpunkt für eine Auszeit für die Gemeinde denkbar ungünstig, da

von Ulf Preuß

14 4 reformiert 2012

Foto: Privat

Simon Froben mit seiner Tochter Smilla, heute vier Jahre alt

Foto: Privat

Ulf Sievers mit seinen Kindern Paul und Juliane


Reformierter Glaube

Matthias Lefers ist Pastor in Neermoorpolder (Ostfriesland) und arbeitet im Beirat der Zeitschrift mit.

Matthias Lefers über die „presbyterial-synodale“ Kirchenordnung

Mit den Älteren auf dem Weg Die presbyterial-synodale Kirchenordnung gehört zur Evangelisch-reformierten Kirche wie die Luft zum Atmen. Mit Blick auf die griechische Herkunft der beiden Begriffe kann man frei übertragen: Ein Zeichen der Evangelisch-reformierten Kirche ist es, dass man mit den Älteren (Presbyter) gemeinsam auf dem Weg (Synode) ist. In der Gegenwart lässt sich der Begriff „Ältester“ aber nicht mehr in Lebensjahren messen.

Eine

23-jährige Frau aus der Grafschaft kann mindestens genauso „Älteste“ sein wie der 85-jährige Mann aus Oberbayern. Wann immer Menschen freiwillig ihre Gaben und Talente mit Engagement und Verantwortung in ihre Gemeinde einbringen und als Kirchenälteste oder Presbyter gewählt werden, sind sie Teil der Kirchenleitung. Einen Bischof, also einen, der alles überblickt und schaut, dass alles richtig läuft, gibt es nicht. Die Gründe dafür liegen vor allem in der Reformation durch Johannes Calvin. Er prägte eine besondere Kirchen- und Ämterordnung. Darin haben bestimmte Personen bestimmte Funktionen, die sie gleichberechtigt nebeneinander ausüben. Im Genf Calvins leiteten der Älteste, der Pastor, der Lehrer und der Diakon gemeinsam. Die presbyterial-synodale Kirchenordnung besteht aus zwei Teilen. Zuerst ist jede Kirchengemeinde vor Ort eigenständige Kirche. Dabei sind die Gemeinden wie die erwachsenen Geschwister eines großen Familienclans. Sie führen ein selbstbestimmtes Leben, doch von Zeit zu Zeit ist es nötig und wichtig, den Familienrat einzuschalten und Entscheidungen zu treffen, die mehrere oder alle Familienmitglieder betreffen. Die presbyterial-synodale Kirchenordnung lebt von der Entscheidungsfreudigkeit vieler Menschen. Es sind theologische Gründe, die dafür sprechen, auch heute noch an dieser Ordnung festzuhalten, nicht etwa politische oder zeitgeistige: Gott hat seinen Heiligen Geist vielen gegeben und nicht etwa einzelnen. Zuerst in Jerusalem zu Pfingsten. Und genauso heute. Darum wird die Kirche auch nicht durch Einzelne geführt und verwaltet, sondern eben durch Viele.

15 4 reformiert 2012

Die 30-jährige Jennifer Kaminski ist seit einigen Jahren Presbyterin der Kirchengemeinde Celle, sie stammt aus Hagen/Westfalen. Die Germanistin und Soziologin arbeitet beim Landkreis Celle.

Goeke Janssen Kruse (1867-1928). Der Gärtner und Landwirt war wie auch schon seine Vorfahren Kirchenrat der Gemeinde Borssum bei Emden. Das Bild entstand 1912.

Foto: Andreas Flick

Foto: Privat


REFORMIERTES REISEZIEL

Schwabach fränkisch und französisch Wussten Sie schon, dass Luthers Bibelüber-

hugenottischen Kirchbaues sind zwei Gobelins

setzung in Schwabacher Schrift gedruckt wurde?

aus der Manufaktur von Michel Clarveaux, die

Doch dieses ist nicht der einzige überregional

die Kanzel flankieren. Goldgestickt auf schwar-

bedeutsame Bezug zur Reformation. 1529 trafen

zem Grund, präsentieren sie in französischer

sich im heute noch existenten Gasthof „Goldener

Sprache die Zehn Gebote, das Unser-Vater, das

Stern“ am Marktplatz die führenden Theologen

Apostolische Glaubensbekenntnis sowie weitere

der protestantischen Fürstenopposition und for-

Bibeltexte. Weitere Häuser im „Franzosenviertel“

mulieren die „Schwabacher Artikel“, eine der frü-

sowie das nach dem letzten Hugenottenpfarrer

hesten lutherischen Bekenntnisschriften. Unweit

benannte Gässchen „Pujolsberg“ erinnern an die

befindet sich die 1495 errichtete Stadtkirche, die

reformierten Zuwanderer.

zurzeit umfassend saniert wird.

Doch es lohnt sich auch, Schwabach ungeach-

Doch auch als reformiertes Reiseziel lohnt sich

tet aller kirchengeschichtlichen Bezüge zu besu-

ein Besuch in Schwabach, der kleinsten kreisfrei-

chen. So wird vom Jüdischen Museum Franken in

en Stadt Bayerns in der Metropolregion Nürnberg.

Schwabach eine Führung rund um das jüdische

1685 nahm der Ansbacher Markgraf Johann Fried-

Zentrum der Stadt angeboten, durch die Altstadt

rich reformierte Glaubensflüchtlinge aus Frank-

mit ihren zahlreichen restaurierten Fachwerkhäu-

reich auf. 1687, also vor genau 325 Jahren, wird

sern führt der Kunstwanderweg „Goldene Meile“,

die „Franzosenkirche“ fertiggestellt, in der bis

und das Stadtmuseum besitzt die weltweit größte

heute alle 14 Tage die kleine örtliche Evangelisch-

Spezialsammlung von Spielwaren und Modellei-

reformierte Kirchengemeinde zum Gottesdienst

senbahnen der Firma Fleischmann.

zusammenkommt. Ein besonderer Schatz des von Andreas Flick

INFO Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Reichswaisenhausstr. 8a 91126 Schwabach

1

Wasserstraße 1b 91126 Schwabach Tel. 09122 / 52 40 www.reformiert-bayern.de 2

3

Tourismus-Büro (Rathaus)

(1) Straßenschild (2) Fleischmann Spur N (3) Evangelisch-reformierte Kirche Schwabach

Königsplatz 1 91126 Schwabach Tel.: 09122 / 86 02 41 E-Mail: tourismus@schwabach.de www.schwabach.de Hier kann eine Führung zum Thema „Hugenotten in Schwabach“ gebucht werden.

Foto: Andreas Flick


David McAllister

Beauftragter für das Reformationsjubiläum

Niedersächsischer Ministerpräsident David McAllister hat sich zu seinen reformierten Wurzeln bekannt. Sein Vater sei schottischreformiert, sagte der Ministerpräsident in seinem Grußwort zur Eröffnung des Ostfriesischen Kirchentags. „Noch strenger als ihr hier.“ Seine Mutter hingegen sei lutherisch.

PERSONEN

Sven Kramer

Pastor Sven Kramer (links im Bild) ist seit August für die Koordinierung der Aktivitäten zum Reformationsjubiläum 2017 zuständig. Es gehe darum, die reformierten Aspekte des Reformationszeitalters herauszustellen, so Kirchenpräsident Jann Schmidt zu der neu geschaffenen halben Stelle. Bis August war Kramer noch mit halber Stelle Geschäftsführer des Ostfriesischen Kirchentags. Er bleibt weiterhin evangelisch-reformierter Studienleiter bei der Arbeitsstelle für Religionspädagogik

Ministerpräsident David McAllister (M.) isst zusammen mit Kirchenpräsident Jann Schmidt (l.) und dem evangelischlutherischen Landesbischof Ralf Meister (r.) „reformierte Kraftbrühe“ am Kirchentagsstand der evangelisch-reformierten Gemeinde Leer.

Ostfriesland (ARO).

Jan Fragel Neu im Amt

Kirchenratsmitglied der Kirchengemeinde Boven-

Annelen Rosenboom ist neue Pastorin der Kir-

den bei Göttingen

chengemeinden Dykhausen-Neustadtgödens und Accum bei Wihelmshaven. Die Gemeinden wählten die 30-jährige Theologin am 17. Juni. Sie wird zu Beginn des nächsten Jahres in ihr Amt eingeführt. Christine Oberlin ist neue Pastorin der Gemeinde Bützow. Die 50-Jährige wechselte von Uelsen (Grafschaft Bentheim) nach Mecklenburg-Vorpommern. Der Journalist Jan Fragel hat das Kochbuch „Ich

Hinrich de Vries

bin hin und weg“ veröffentlicht. In dem „Küchen-

Posaunenchorbläser aus Simonswolde (Ostfriesland)

buch für Freizeiten“ stellt der 39-jährige Autor nachhaltiges Kochen auf Kinder- und Jugendfreizeiten vor und will zeigen, dass dieses nichts mit Verzicht zu tun hat. Das Buch ist bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej) erhältlich.

Ingrid Gieschen Der 86-Jährige ist der dienstälteste Bläser in der Evangelisch-reformierten Kirche. Landesposaunenwartin Helga Hoogland würdigte ihn beim Landesposaunenfest in Gildehaus für 66 Jahre Mitarbeit im Posaunenchor seiner Gemeinde.

Ehrenamtliche in Neuenkirchen bei Bremen Die 70-Jährige ist mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Sie erhielt die Auszeichnung für ihr großes ehrenamtliches Engagement bei der Arbeiterwohlfahrt und in der Kirchengemeinde für unter anderem 16 Jahre im Kirchenrat.

17 4 reformiert 2012


AKTUELLES

15.000 feierten Ostfriesischen Kirchentag Aurich. 15.000 Menschen haben am größten regionalen Kirchentag Norddeutschlands vom 13. bis 15. Juli in Aurich teilgenommen. Im Abschlussgottesdienst auf dem Auricher Marktplatz waren mehr als 2000 Besucher. Zeitgleich feierten 250 Kinder Kindergottesdienst. Der Kirchentag stand unter dem Motto „Vertrauen wagen – Ik bün bi di“. Die Veranstalter zogen eine positive Bilanz. „Kirchentage stärken die Gemeindearbeit und das Gemeinschaftsgefühl unter uns Christen,“ sagte die Sprecherin der evangelisch-reformierten Gemeinden Ostfrieslands, Präses Hilke Klüver. „Das war auch in Aurich so.“ In 300 Einzelveranstaltungen und fünf thematischen Zentren diskutierten die Besucher über Themen wie Entwicklungspolitik, „die Achterbahn Familienleben“ oder den Klimawandel. Musikalischer Höhepunkt war am späten Sonnabend ein Open-Air-Konzert mit dem Rock-Poeten Heinz Rudolf Kunze vor mehreren Tausend Fans.

Fotos: Ulf Preuß

Musik und Gesang dominierten trotz der immer wieder einsetzenden Regenschauer das Christentreffen. Links: Regenschirme beim Eröffnungsgottesdienst, rechts oben: Konzert des Gospelchors „Free Spirit“, rechts unten: Kirchenpräsident Jann Schmidt bei seiner plattdeutschen Predigt im Abschlußgottesdienst.

18 4 reformiert 2012

Wird Orgellandschaft Weltkulturerbe?

Diakonie und EED gehen zusammen

Rysum. Die Orgellandschaft in Ostfriesland und

Berlin. Die beiden großen Hilfsorganisationen

dem benachbarten Groninger Land hat Chance,

der EKD, der Evangelische Entwicklungsdienst

zum Weltkulturerbe zu werden. Anlass für einen

(EED) und das Diakonische Werk, verschmelzen

entsprechenden Antrag war das 555-jährige Be-

zu einer Einheit. Das neue „Evangelische Werk

stehen der Orgel im ostfriesischen Rysum. Nieder-

für Diakonie und Entwicklung“ bezieht im Okto-

sächsische Politiker und auch die Landesregie-

ber mit knapp 600 Mitarbeitern im Zentrum Ber-

rung sagten zu, gemeinsam mit niederländischen

lins ein neu errichtetes Gebäude. Damit werden

Partnern sich bei der Unesco dafür einzusetzen,

die Arbeitsfelder Sozialarbeit in Deutschland und

sagte der Rysumer Pastor, Holger Balder.

Armutsbekämpfung weltweit zusammengeführt. Bislang gehörte das Hilfswerk „Brot für die Welt“ zum Diakonischen Werk mit Sitz in Stuttgart, der EED hatte seine Zentrale in Bonn.


Musikfestival Klassik für Kinder

Bläsertreffen auf dem Mühlenberg

Leipzig. Zum siebten Mal veranstaltet die Gemeinde Leipzig das Musikfestival „Klassik für Kinder“. Dabei können Kinder selber musizieren, einfach nur wie Konzertbesucher zuhören, professionellen Musikern begegnen und für selbst komponierte Musik ein Podium finden. Etwa 200 Kinder nehmen aktiv teil, 1500 kommen als Zuschauer zu den Konzerten. Das Festival findet in diesem

Fotos: Ulf Preuß

Jahr vom 28. bis zum 30. September in der reformierten Kirche statt. www.klassik-fuer-kinder-leipzig.de

Evangelischer Denker am Puls der Zeit Freiburg. Passend

zum 70. Geburtstag von

Wolfgang Huber im August ist die erste Biographie über den ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland erschienen. Wirken eines der bekanntesten protestantischen

Der Posaunenchor Gildehaus spielte im Vorprogramm am Samstag.

Theologen der Gegenwart nachgezeichnet. Er be-

Gildehaus. Etwa 400 Bläserinnen und Bläser ha-

leuchtet die Stationen Hubers als Wissenschaftler,

ben am Landesposaunenfest vom 6. bis 8. Juli

erster „Nach-Wende“-Bischof in Berlin und EKD-

in Gildehaus teilgenommen. Anlass war der 125.

Ratsvorsitzender. Das Buch ist im Kreuz-Verlag

Geburtstag des ältesten Posaunenchors in der

unter dem Titel „Wolfgang Huber. Ein Leben für

Evangelisch-reformierten Kirche. Höhepunkt war

Protestantismus und Politik“ erschienen.

der Festgottesdienst am Sonntag, der von allen Bläsern musikalisch gestaltet wurde. Die Predigt im Gottesdienst hielt Kirchenpräsident Jann Schmidt. Zum Jubiläum hat die Bläserarbeit eine Chronik herausgegeben.

19 4 reformiert 2012 Reformiert: ,reformiert’ ist die Zeitschrift der Evangelisch reformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Verantwortlich: Jann Schmidt Redaktion: Ulf Preuß, Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Jann Schmidt, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner, Leer, www.projektpartner.info Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

IMPRESSUM

Der Journalist Philipp Gessler hat das Leben und


Johann Weusmann ist Vizepräsident der Evangelisch-reformierten Kirche. Mehr als fünf Jahre war er für die evangelischen Kirchen Mitglied der niedersächsischen Härtefallkommission für Flüchtlinge. Dieses Gremium, das der Innenminister einsetzt, bearbeitet Fälle, in denen Flüchtlinge nach geltendem Recht abgeschoben werden müssten, dies jedoch für sie eine übermäßige Härte bedeuten würde. In der Regel wenden sich von Abschiebung bedrohte Menschen an Mitglieder der Kommission. Weusmann hat seine Mitarbeit im Juni abgebrochen, da er humanitäre Gründe bei der Anerkennung als Härtefall nicht ausreichend berücksichtigt sieht.

Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Fragen an Johann Weusmann

„Ausländerrecht braucht ein Korrektiv“ Warum ist es wichtig, dass es eine Härtefallkommission für Flüchtlinge gibt? Viele Flüchtlinge leben seit Jahren oder Jahrzehnten in Deutschland, ohne ein Aufenthaltsrecht erhalten zu haben. Sie werden „geduldet“, weil eine Ausweisung aus unterschiedlichsten rechtlichen Gründen nicht möglich ist. Während ihres Aufenthalts schließen sie hier Freundschaften, gehen hier zur Arbeit oder zur Schule und engagieren sich in Vereinen. Damit diese Menschen ein Bleiberecht in Deutschland erhalten, gibt es die Härtefallkommissionen. Ist es eine Aufgabe der Kirchen, in einer solchen Kommission mitzuarbeiten? Die Bibel ermahnt an vielen Stellen dazu, die „Fremdlinge“ zu beschützen. Deshalb sind alle Landeskirchen und deren Diakonischen Werke in der Flüchtlingsarbeit aktiv. Die Härtefallkommissionen der Länder haben die Möglichkeit, vollziehbar ausreisepflichtigen Ausländern den Weg zu einem Bleiberecht zu ebnen, um persönliche oder humanitäre Härten zu vermeiden. Es ist ein wichtiges Anliegen der Kirchen, dort zu menschlichen Entscheidungen zu kommen, wo dies auf dem Verwaltungsweg nicht möglich ist. Deshalb haben die Kirchen seinerzeit die Einrichtung der Härtefallkommissionen gefordert. Warum haben Sie Ihr Amt im Juni niedergelegt? Es reicht nicht aus, dass nur wirtschaftlich gut integrierte Ausländer ein Bleiberecht erhalten. Auch Alte, Kranke, Behinderte, alleinerziehende Mütter und auseinandergerissene Familien müssen trotz Sozialhilfebezug eine Chance bekommen. Gerade sie würde eine Ausweisung besonders hart treffen.

POSITION

Deshalb gibt das Aufenthaltsgesetz den Härtefallkommissionen die Möglichkeit, „aus dringenden humanitären Gründen“ ein Aufenthaltsrecht zu vermitteln. Obwohl die Zahl dieser Fälle gering ist, werden sie in Niedersachsen regelmäßig negativ beschieden. Dies ist aus kirchlicher Sicht nicht akzeptabel. Im Juni erhielt der Fall einer Familie aus Bad Bentheim keine ausreichende Mehrheit, die vor fünf Jahren durch Abschiebung getrennt worden war. Der Fall unterstreicht, dass die Kommission ihrer humanitären Aufgabe nicht gerecht wird. Wie erfahren von Abschiebung bedrohte Menschen von der Arbeit und den Möglichkeiten der Härtefallkommission? Inzwischen werden sie von den niedersächsischen Ausländerbehörden darauf hingewiesen.

reformiert 4.2012  

Dies ist die vierte Ausgabe von „reformiert für alle“. Wenn Sie die Zeitschrift zum ersten Mal lesen, heiße ich Sie als Leserin und Leser he...

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