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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

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Foto: Anke Brockmeyer

v.l.: Kinder der „Arche“ Visquard Der alte Friedhof Gildkamp in Nordhorn

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Seite 6 Die Gemeinde ist stolz auf ihre Jugendlichen Jugendkirche wünscht sich bald wieder hauptamtliche Unterstützung Seite 8 Friedhofsspaziergang In Nordhorn entsteht auf einem ehemaligen Friedhof ein innerstädtisches Kleinod

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Alltagsgeschichten

Seite 4 Ein Haus voller Kinderlachen Jeden Donnerstag gehört das Gemeindehaus in Visquard den „Arche-Kindern“

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Seite 10 Krieg und Armut in Europa Diakonieausschuss besucht Rumänien, Slowakei und Ukraine Seite 12 Gemeindepastor aus Leidenschaft Zwischen traurigen und heiteren Momenten in der Gemeinde Gildehaus Seite 14 Weitermachen für eine neue Generation Die presbyterianische Gemeinde Aleppo betreibt die Al-Nash‘ al-Jadeed Schule

Seite 16 App für Handys und Tablets Seite 17 Reformierter Reisetipp: Französisch predigen bis 1913 Seite 18 Personen / Aktuelles / Impressum Seite 20 Gemeindewahlen 2015

Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Evangelisch-reformierte Kirche Stichwort: reformiert Sparkasse LeerWittmund IBAN: DE94 2855 0000 0000 9060 08 SWIFT-BIC: BRLADE21LER Spendenquittung wird zugesandt Titelbild: Matthias Wulff (Kirche) / rvlsoft, Fotolia.com (Hand mit Handy) Bildmontage: Designagentur projektpartner

Foto: Günter Plawer


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Foto: Werner Keil

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.

Foto: Ulf Preuß

v.l.: Kinderheim der Diakonie in der Westukraine Mit der Kirchen-App unterwegs

Gott nahm in seine Hände meine Zeit. Hanns Dieter Hüsch

Liebe Leserin, lieber Leser, ein Kirchenführer für Smartphone und Tablet: damit Sie unterwegs im Urlaub gut informiert sind. Wie komme ich zur nächsten Kirche, wann wird dort Gottesdienst gefeiert, wann kann ich die Kirche besichtigen, was gibt es Wissenswertes? Dieser digitale Kirchenführer für die Westentasche ist seit kurzem online und wir stellen ihn hier vor. Ein anderer kleiner Kirchenführer – oder besser Gemeindeführer ist auch diese Ausgabe von „reformiert“. Quer durch die Landeskirche und

darüber hinaus führen wir Sie in verschiedene Kirchengemeinden und erzählen Geschichten aus deren Alltag: ermutigende, engagierte, heitere – aber auch erschütternde. So der Bericht aus der evangelischen Gemeinde Aleppo in Syrien, zu der die Evangelisch-reformierte Kirche seit dem Frühjahr Verbindungen hat. Ich hoffe, Sie sind gut durch den Sommer gekommen. Gute Lektüre wünscht

Ihr Ulf Preuß

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

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Ein Haus voller Jeden Donnerstag gehört das Gemeindehaus Aus der Küche klingen fröhliche Kinderstimmen. Es duftet nach Backofenkartoffeln und Hühnchen. Auf dem Himbeertraum, den es zum Nachtisch geben soll, werden gerade die letzten Früchte verteilt. Es ist Donnerstagnachmittag, Arche-Tag in Visquard. Seit fünf Jahren bietet die evangelisch-reformierte Gemeinde in der kleinen ostfriesischen Gemeinde diesen Treffpunkt für Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis elf Jahren an. Wer „Arche“ hört, denkt schnell an gleichnamige Projekte in Hamburg und Berlin, an triste Betonwüsten, trostlose Hochhaussiedlungen, Verwahrlosung, Anonymität. Ganz sicher aber nicht an das üppige Grün einer Dorfwiese, an deren Rand sich ein Bach vorbeischlängelt, an Obstbäume, Schafe und den Wind, der den salzigen Duft vom Meer herüberträgt. Doch auch in Visquard ist die Zeit nicht stehengeblieben. „Es fehlen Betreuungsmöglichkeiten und Hausaufgabenhilfe für die Kinder, deren Eltern ganztags berufstätig sind – das ist auf dem Land viel schwieriger als in der Großstadt. Und natürlich gibt es auch hier Kinder, die zu Hause nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen“, erzählt Pastorin Heike Schmid. „Aber unsere Arche wendet sich mit ihrem Angebot an alle Kinder von Visquard und den umliegenden Gemeinden, und tatsächlich kommen sie aus ganz unterschiedlichen familiären Strukturen.“ Die Arche ist für die Kinder ein Ort, an dem etwas los ist, wo es spannende Angebote gibt, einen Nachmittag mit Freunden und Erwachsene, die richtig viel Zeit für sie haben. „Uns ist es wichtig, möglichst viele Ehrenamtliche dabei zu haben, um den Kinder intensive 1:1-Gespräche zu ermöglichen“, sagt die Pastorin, die gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern auch immer wieder ein abwechslungsreiches Programm für die ArcheKinder auf die Beine stellt: Sie fahren in den Kletterwald oder ins Mitmachmuseum nach Aurich, machen Picknicks oder Ausflüge ins regionale Umweltzentrum „Ökowerk“ in Emden. Und auch die Vereine und Institutionen der Region werden mit ins Boot geholt. Einmal im Monat kochen die Arche-Kinder zusammen, und dazu gehört auch,

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Ein Haus voller Kinder – das funktioniert nur mit vielen Ehrenamtlichen. Fotos: Anke Brockmeyer


Kinderlachen in Visquard den „Arche-Kindern“ über die Lebensmittel zu sprechen. Denn selbst auf dem Land ist es für viele Kinder nicht mehr selbstverständlich zu wissen, woher ihre Nahrung kommt. Wachsen Kartoffeln auf dem Baum? Woher kommen die Himbeeren für die Nachspeise, ehe sie im Gefrierbeutel landen? Wie riecht Zitronenmelisse? Ehe sie verarbeitet werden, nehmen die Kinder die Zutaten – möglichst regional und saisonal – unter die Lupe. Der Erfolg hat viele Väter, sagt man. In diesem Fall aber gibt es einen, der ganz konkret den Anstoß gegeben hat: Wolfgang Hildebrandt. Frisch im Ruhestand war der ehemalige technische Leiter der Werft Nordseewerke in Emden auf der Suche nach einer neuen Aufgabe und wollte ganz konkret etwas für Kinder tun. „Mit diesem Anliegen hat er sich an mich gewandt“, blickt Heike Schmid zurück. „Da hat mir der liebe Gott einfach jemanden auf die Türschwelle gestellt“, lacht sie. „Ich wusste zwar noch nicht, was daraus werden sollte, aber mir war klar, dass ich mir diese Chance nicht entgehen lassen wollte.“ Den Ausschlag zur Gründung der Arche schließlich gab ein TV-Beitrag über die Arbeit der Arche in Hamburg-Jenfeld. „Da dachte ich: ‚Das machen wir auch!‘“ Durchschnittlich zehn bis 15 Kinder kommen regelmäßig zur Arche in Visquard. Eine, die selbst Arche-Kind war und sich jetzt ehrenamtlich engagiert, ist Sina. „Ich habe es genossen, hierher zu kommen, und es macht mir Spaß, jetzt hier zu helfen“, sagt sie. Als die Grundschule im benachbarten Pewsum eine Ganztagsbetreuung bis 15.30 Uhr anbot, war für Heike Schmid klar: Das ist das Ende der Arche. „Aber die Kinder flitzen vom Schulbus aus direkt hierher“, sagt sie strahlend. „Das zeigt uns, wie gern sie dieses Angebot annehmen.“ Die Arche habe keineswegs einen missionarischen Auftrag, betont sie. „Wir möchten einfach da sein für die Kinder. Gleichzeitig erleben sie Kirche als verlässlichen Ort. Und das ist uns wichtig.“ Mittlerweile haben auch die Senioren in Visquard erkannt, wie schön ein solcher regelmäßiger Treffpunkt ist. Jeweils dienstags versammeln sie sich zum Mittagstisch „Pott up Füer“, was

1. Die Dorfwiese ist ein beliebter Platz zum Auszutoben. 2. Netter Zufall: die Nachbarstraße heißt „An der Arche“. 3. Selbst zubereitetes Essen gehört in der Arche in Visquard dazu.

auf Hochdeutsch so viel heißt wie „Topf auf dem Herd“. Und weil es viel netter ist, in einer großen Runde zu essen, kochen sie für die Kinder des benachbarten Kindergartens gleich mit. „So finden die Generationen zusammen – und beide Seiten genießen das“, weiß Heike Schmid. Denn Geselligkeit, das Gefühl, gut aufgehoben und geborgen zu sein, ist keine Frage des Alters – und in Visquard auch nicht anders als in Berlin. Von Anke Brockmeyer

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Die Gemeinde ist stolz Jugendkirche Osnabrück wünscht sich

Gemeinsames Essen der Mitarbeiter in der Jugendkirche.

Töpfe mit Grünpflanzen stehen vor den Kirchenfenstern. Scheinwerfer sind an der Brüstung der hölzernen Empore angebracht. Base Drum, Becken und andere Teile eines Schlagzeugs sind im Raum verteilt, ebenso schwarze Koffer für TonEquipment, ein paar Stehtische, Stühle, Sitzpolster. Nils Unterderweide (19), Josy Landgraf (21) und ein paar andere rollen die letzten Kabel auf, verstauen Mikros in den Koffern.

Noch sind die Spuren des vergangenen TenSing-Konzertes im Inneren der Osnabrücker Jugendkirche nicht ganz beseitigt. Doch die jungen Leute haben es nicht eilig. Sie müssen den Raum nicht etwa für den nächsten Sonntagsgottesdienst der Gemeinde aufräumen. „Die ehemalige Friedenskirche in der Klöntrupstraße gehört ganz ihnen“, sagt Steffen Tuschling, Bezirksjugendpastor. Sie ist noch immer die einzige reine Jugend-

Fotos: Uwe Lewandowski

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Die Jugendkirche Osnabrück gibt es seit 2008. Im Zuge einer Umstrukturierung löste die Gemeinde ihre Gemeindebezirke auf, verkaufte drei Kirchen und konzentrierte ihre Arbeit im Gemeindezentrum Bergkirche in der Osnabrücker Innenstadt. Gleichzeitig gründete sie in der Friedenskirche nicht weit vom Hauptbahnhof die Jugendkirche. Diese dient oft auch als Standort für landeskirchliche Jugendveranstaltungen. Ort: Friedenskirche (Jugendkirche), Klöntrupstraße 6, 49082 Osnabrück www.jugendkirche-osnabrueck.de

kirche der Reformierten Kirche in Deutschland. „Die Gemeinde ist stolz auf ihre Jugendkirche“, betont Tuschling. „Die Mitglieder haben verstanden, dass Jugendarbeit ihren Wert an sich hat, auch wenn Jugendliche im Gemeindeleben der Älteren nicht andauernd auftauchen.“ Bestes Zeichen: Umgekehrt besuchen immer auch Erwachsene den Jugendgottesdienst, der am zweiten Sonntag im Monat gefeiert wird. Nicht alles wurde umgesetzt, was bei der Gründung der Jugendkirche 2008 Vision war. Das Jugendcafé öffnet nicht täglich, sondern nur einmal in der Woche, immer donnerstags. Dann treffen sich einige der rund 30 Ehrenamtlichen zum Abendessen, Klönen, Spielen. Die Wohngemeinschaft im ehemaligen Pfarrhaus existiert tatsächlich - wenn auch nicht als spirituelle Ge-


auf ihre Jugendlichen bald wieder hauptamtliche Unterstützung meinschaft. Dort wohnen junge Menschen, Studenten zumeist, von denen auch immer einige in der Jugendkirche mitmachen, wie zum Beispiel Josy Landgraf. Gerade ist sie dabei, die lange Tafel direkt unter der Kanzel zu decken. An diesem Donnerstag verabschieden die Jugendlichen Pastor Sugi aus Sri Lanka. Drei Jahre lang hat er als ökumenischer Mitarbeiter die Jugendkirche unterstützt. In wenigen Tagen wird er mit seiner Familie in seine Heimat zurück reisen. Die Jugendlichen haben Reis gekocht, dazu eine Soße mit Hackfleisch und Pilzen. Das gemeinsame Essen ist ihnen wichtig. Es vermittelt ein Gefühl von Zuhause-Sein: „Das ist hier wie eine Familie“, sagt Kimberly Keevill (19). Und Josy Landgraf ergänzt: „Hier wird jeder so genommen, wie er ist. Niemand wird ausgeschlossen.“ Für Nils Unterderweide ist die Jugendkirche ein Ort der Freiheit: „Hier können wir tun und lassen, was wir wollen. Wir müssen nicht andächtig und still sein, sondern können uns ausleben. Und keiner stellt Fragen.“ Heute klingt ihnen das Ten-Sing-Konzert mit Chorgesang, Bandmusik, Theater und Tanz noch in den Ohren. „Das waren bestimmt 250 Zuschauer“, sagt Josy stolz. Sie leitet den Chor. Ein Jahr lang haben sich rund 30 junge Leute auf das Konzert vorbereitet. Das ist der Kern von Ten Sing, einer ursprünglich aus Norwegen stammenden Form christlicher Jugendarbeit. Das Konzept wird seit 1994 in Deutschland vom CVJM verantwortet. Die Teilnehmer treffen sich regelmäßig, meist einmal pro Woche in verschiedenen Gruppen, und proben für ein Bühnenprogramm. Nach dem Konzert ist vor dem Konzert. „Also treffen sich alle nach den Sommerferien wieder in ihren Gruppen“, sagt Nicole Matheus (27). Die Erzieherin leitet derzeit die Aktivitäten in der Jugendkirche - ehrenamtlich. „Ohne Nicole wären wir aufgeschmissen“, sagt Josy. Dabei macht auch die Studentin neben ihrer Ten-Sing-Chorleitung noch im Vorbereitungsteam für den Jugendgottesdienst mit. „Fast jeder der etwa zehn regelmäßig mitmachenden Ehrenamtlichen hat hier Doppelfunktionen“, sagt Ana Baumbusch. Die 18-jährige Schülerin unterstützt Matheus in der Leitung.

Grund für das besondere Engagement der Jugendlichen: Die Stelle des Jugendpastors ist schon seit längerem nicht besetzt. Die kürzlich ausgeschiedene Jugendreferentin war zuvor lange Zeit krank. „Wir genießen es zwar, dass wir so viele Freiheiten haben und uns so viel Verantwortung zugetraut wird“, sagt Nicole Matheus. Auch die Konfirmandengruppen leiten die Jugendlichen gemeinsam mit einer Vikarin. Den Jugendgottesdienst bereiten sie ganz allein vor. Selbst die Büroarbeit mit Abrechnungen und Bestellungen haben sie bis vor kurzem ehrenamtlich geleistet. Sie wünschen sich dennoch bald wieder hauptamtliche Unterstützung. „Wir brauchen jemanden, der frischen Wind reinbringt und Ideen umsetzt, zum Beispiel in der Konfirmandenarbeit“, betont Nicole Matheus. Doch sie schiebt gleich hinterher: „Dieser Jemand soll uns aber auch nicht gleich alles wieder wegnehmen. Wir wollen, dass er ein offenes Ohr, ein großes Herz und Lust hat auf uns junge Menschen.“ Von Martina Schwager Gemeinsames Tischgebet vor dem Essen.

Gruppenfoto vor der Jugendkirche.


Friedhofsspaziergang In Nordhorn entsteht auf einem ehemaligen Friedhof ein innerstädtisches Kleinod Sie stehen etwas unsicher am Tor des Alten Friedhofs Gildkamp in Nordhorn und blicken verwundert auf eine kahle Fläche. „Kommen Sie ruhig herein und schauen Sie sich um. Wenn wir hier sind, ist das möglich“, fordern Pastor Gerfried Olthuis und Steinmetz Thomas Lindner die beiden Frauen auf. Elke Holthuis und Hildegard Hans lassen sich nicht lange bitten. Neugierig schauen sie sich auf dem Gelände um, das zurzeit noch abgesperrt ist.

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„Wie ein Friedhof sieht das hier aber nicht mehr aus“, stellt Elke Holthuis erstaunt fest. Die meisten Flächen sehen aus wie gerodet. Nur an fünf Zentimeter tiefen Furchen im Erdreich kann man erkennen, dass hier schon etwas bearbeitet wurde: Magerrasen mit Wildblumen wurde eingesät. Ganz pflegeleicht, denn so eine Wiese muss nur drei- bis viermal im Jahr gemäht werden. Alte Grabplatten liegen in langen Reihen sorgfältig aufeinandergestapelt. Mittendrin noch ein vollkommen verwilderter Abschnitt, von einem Metallzaun umgeben. Seit 1976 gab es auf dem alten reformierten Friedhof in der Nordhorner Innenstadt keine Bestattung mehr. Immer mehr verwilderte das Areal. Irgendwann musste die Kirchengemeinde den Friedhof sogar absperren, weil es zu gefährlich wurde. „Auf jeden Fall geschieht hier etwas, das ist gut“, meint Elke Holthuis und lässt den Blick kreisen. Gerfried Olthuis klärt gerne weiter auf: „Hier wird sogar eine ganze Menge gemacht. Wir haben extra einen Förderverein gegründet, der den alten Friedhof wieder herrichtet. Zusammen mit der Naturschutzstiftung des Landkreises und der Stadt schaffen wir ein Kleinod, von dem alle in Nordhorn was haben.“ Die Naturschutzstiftung sorgt dafür, dass sich in einem Bereich die Tier- und Pflanzenwelt weiterhin frei entfalten kann. Dort bleiben die alten Grabsteine stehen, eingewachsen wie sie sind. Die Stadt Nordhorn errichtet die Wege neu und stattet sie mit Beleuchtung aus, so dass jeder auch nachts sicher zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs sein kann. Um den mittleren Teil kümmert sich die Kirchengemeinde. Hier werden die Grabsteine, die jetzt noch gestapelt liegen, wieder aufgestellt. Nicht alle an ihrem ursprünglichen Ort, aber in einer ordentlichen Rei-

he. Restauriert werden sie nicht. „Wir hübschen sie so auf, dass Sie anschließend die Inschriften lesen können“, erklärt Steinmetz Lindner den Besucherinnen. „Das Alter darf man ihnen ruhig ansehen.“ Wenn die Grabmäler dann wieder stehen, zeigen sie nicht nur, wer dort beerdigt wurde. Am verwendeten Material lässt sich auch ablesen, ob derjenige arm oder reich war. Denn Arme konnten sich nur einen einfachen Sockel leisten, Reiche verwendeten gerne den Bentheimer Sandstein. Und wer gar nichts hatte, bekam das Grabmal von Nachbarn oder Kollegen gespendet, erkennbar an einem kleinen Schild an der Seite mit einem Hinweis auf die Spender. Auf dem Friedhof stehen auch wertvolle Grabsteine. Sie erinnern an Menschen, die einmal wichtig für die Stadt und ihre Bewohner waren. Politiker oder Fabrikbesitzer, Lehrer oder Pastoren. Selten sind Frauen dabei, die Männer dominierten zu den alten Zeiten. Diese Geschichten von den großen und den kleinen Leuten soll nach der Fertigstellung weiter erzählt werden, berichtet Olthuis. Dann soll es richtige Führungen geben unter fachkundiger Leitung. Vielleicht sogar zur Nacht, wenn alles dunkel ist und es auch ein bisschen unheimlich ist. „Gucken sie mal!“ Hildegard Hans zeigt beim Weitergehen auf eine kleine Grabplatte. „Geboren und gestorben an einem Tag. Das ist ja schlimm. Mein Opa ist hier auch beerdigt worden, ein Wassink war das. Aber der ist richtig alt geworden.“ Die vier schweigen. Ein Friedhof erzählt eben auch von vielen Tragödien und von Tränen und Trauer. „Wenn das alles fertig ist, werden wir bestimmt öfter hierherkommen. So eine Ruhe findet man ja nicht überall in der Stadt“, freuen sich die beiden Frauen, als sie am Ende des Friedhofs angekommen sind. „Aber vormittags wird hier schon bald richtig was los sein“, warnt Gerfried Olthuis die beiden vor. „Der Alte Friedhof mit den Pflanzen und den Tieren wird das grüne Klassenzimmer der Altendorfer und der Maria-Montessori-Schule werden. Die haben hier sogar schon einen Baum gepflanzt.“ „Wunderbar“, sagt Hildegard Hans. „Dann ist hier ja richtig Leben.“ Von Günter Plawer


Fotos: Günter Plawer

Der alte Friedhof während der Aufräumarbeiten.

INFO Der Alte Friedhof Gildkamp diente der Evangelischreformierten Kirchengemeinde Nordhorn über 100 Jahre als Begräbnisstätte und lag seit 1976 brach und verwahrloste zusehends. Zuletzt musste das Gelände aus Sicherheitsgründen verschlossen bleiben. 2013 gründete die Kirchengemeinde einen Förderverein, der den Friedhof wieder öffnen wollte. Gemeinsam mit der Naturschutzstiftung des Landkreises Grafschaft Bentheim und der Stadt Nordhorn soll auf dem Gelände bis 2016 eine ökologisch wertvolle Grünflache mit kulturhistorisch bedeutsamen Grabmalen und Grabflächen entstehen. Einen Teil der laufenden Finanzierung trägt die Naturschutzstiftung, die die Fläche pachtet. Die Stadt Nordhorn übernimmt den Ausbau der Wege und die Baumpflege. Für dieses urbane Natur-Projekt erhält die Kirchengemeinde Nordhorn den Umweltpreis der Evangelisch-reformierten Kirche. Er ist Bestandteil des Projektes „Ökumenischer Schöpfungstag 2015“, zu dem die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Niedersachsen aufgerufen hatte. Der Preis wird am 20. September im Rahmen eines Schöpfungsgottesdienstes durch Kirchenpräsident Martin Heimbucher vergeben.

1 2 3 4 Foto: Gerfried Olthuis

1. Elke Holthuis und Hildegard Hans 2. Gerfried Olthuis und Thomas Lindner 3. Alte Grabsteine auf dem Friedhof 4. Der Friedhof vor Beginn der Aufräumarbeiten


Krieg und Armut in Europa Delegation des Diakonieausschusses in Rumänien, der Slowakei und der Ukraine Im Juni hat eine Delegation des Diakonieausschusses reformierte Partnerkirchen in der Slowakei, in der Ukraine und in Rumänien besucht. Seit Jahren gibt es dorthin Kontakte, über die auch zahlreiche diakonische Hilfsprojekte unterstützt werden. Kirchengemeinden pflegen intensive Partnerschaften dorthin. Eine Gespräch mit Thomas Fender, Pastor für Diakonie und Ökumene, und Heiko Buitkamp, Pastor der reformierten Gemeinde Rinteln. Was ist Ihr erster Eindruck, wie geht es den Menschen in Osteuropa? Thomas Fender: Einer ganzen Reihe von Menschen in Osteuropa geht es inzwischen relativ gut, auch wenn der Lebensstandard bei weitem nicht so hoch ist wie bei uns. Viel hängt davon ab, ob jemand Arbeit hat oder nicht. Es gibt Menschen, denen es richtig schlecht geht. Zum Beispiel die vielen Roma, die in sehr schwierigen sozialen Verhältnissen leben müssen. Heiko Buitkamp: Finanziell betrachtet ist das Leben in Osteuropa hart. Im Kinderheim in Alesd (Rumänien) verdient eine Betreuerin umgerechnet 160 Euro im Monat, ein Pastor in der Slowakei (einem Land der Eurozone!) zwischen 330 und 450 Euro – und das bei Lebenshaltungskosten, die den unseren sehr nahe kommen. Auf der anderen Seite ist der familiäre Zusammenhalt stark und auch die Solidarität in den Kirchengemeinden groß. Zu spüren ist in vielen Bereichen der Diakonie eine Aufbruchstimmung, weil vieles im Entstehen und im Aufbau ist.

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Das Land mit dem momentan größten Interesse für uns ist die Ukraine, wo seit zwei Jahren im Osten des Landes Krieg herrscht. Ist der Krieg im Westen des Landes, wo die Reformierte Kirche der Karpato-Ukraine ihren Sitz hat, spürbar? T. F.: Dort, wo wir mit Menschen gesprochen haben, war der Krieg sofort spürbar. Fast alle sind direkt oder indirekt vom Krieg betroffen. So werden zurzeit alle Männer zwischen 18 und 60 Jahren zur Armee eingezogen. H. B.: Ich fand es erschreckend, welches Ausmaß der Krieg hat, von dem wir hier kaum mehr etwas mitbekommen. Viele junge Menschen versuchen, der Einberufung in die Armee zu entgehen, und wandern aus. Weil der Krieg so viel Geld kostet, ist der Staat nicht mehr in der Lage, seiner sozialen Verantwortung nachzukommen. Was haben Ihre ukrainischen Gesprächspartner zu dem Krieg im eigenen Land gesagt? H. B.: Anfangs haben wohl viele den Kampf unterstützt und sich sogar freiwillig zur Armee gemeldet. Heute ist das Vertrauen in die eigene Regierung abhandengekommen. Unsere Gesprächspartner sahen keinen Sinn mehr in den Kämpfen. Die Mehrheit der Bevölkerung im Osten sei sowieso russisch. T. F.: Der Bischof der Reformierten Kirche der Karpato-Ukraine, Sandor Zan Fabian, sagte zu uns: „Das ist nicht unser Krieg.“ Er wirft der NATO vor, durch Truppenstationierungen nahe der russischen Grenze etwa in den baltischen Staaten, Putin zu provozieren. Somit trage der Westen Mitverantwortung.

Bischof Sandor Zan Fabian (r.) und Diakoniechef Bela Nagy. Treppenhaus eines ukrainischen Wohnhauses.

Fotos: Albertus Lenderink und Werner Keil


Wie wirkt sich der Krieg auf den Alltag der Menschen aus? H. B.: Alle haben mit der dramatisch schlechter werdenden wirtschaftlichen Lage im Land und der Inflation zu kämpfen. Da auch berufstätige Männer eingezogen werden, fehlen auf einmal Lehrer in den Schulen, Pastoren in den Kirchengemeinden oder Mechaniker in den Werkstätten. Auf den Straßen gibt es Kontrollstellen der Armee, wo sie nach Männern fahndet, die sich der Einberufung entziehen wollen. T. F.: Viele Familien leben in der ständigen Angst um den Vater oder den Sohn, die eingezogen worden sind und sich im Kriegsgebiet befinden. Andere blicken ihrer Einberufung sorgenvoll entgegen, was die ganze Familie belastet. Und wieder andere Familien müssen damit leben, dass die Männer ins Ausland gegangen sind und jetzt fehlen. Was kann denn die Reformierte Kirche in der Ukraine gegen diese Armut tun? T. F.: Die Reformierte Kirche versucht mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen. Die Diakonie verteilt Nahrungsmittel an Bedürftige, unterhält Kinderheime, Altenheime und ein Heim für ledige Mütter, stellt eine Feuerwehr und bietet Krankentransporte an. Dadurch wird diese kleine Kirche sichtbar und setzt ein Zeichen in der Gesellschaft.

Noch ein Blick auf Rumänien: Neben Bulgarien gilt das Land als das Armenhaus der EU, beide sind seit 2007 Mitglied. Stimmt dieser Eindruck? T. F.: Ich war überrascht, wie viel sich in Rumänien seit meinem letzten Besuch vor 15 Jahren zum Besseren verändert hat. Trotzdem gehört das Land weiterhin zu den ärmsten Ländern Europas.

Eine Mitarbeiterin der Diakonie teilt in der westukrainischen Stadt Beregszasz Essen an Arme aus.

H. B.: In Rumänien wurde mir am deutlichsten, welche Auswirkungen die Armut bis zu uns nach Deutschland hat: Die reichen Länder der EU werben die qualifizierten Fachkräfte wie Ärzte oder Krankenschwestern ab. Diese fehlen in ihrer Heimat. Und viele ungelernte Rumänen lassen sich aus Unkenntnis auf ausbeuterische Arbeitsverhältnisse in den reichen EU-Ländern ein, auf Baustellen oder in Bordellen. Nach dem Verschwinden des Eisernen Vorhangs zwischen Ost und West vor 25 Jahren startete die Evangelische Kirche die Hilfsaktion „Hoffnung für Osteuropa“. Als bundesweite Spendenaktion wurde sie vor fünf Jahren eingestellt. Ist eine neue Welle der Unterstützung für die Menschen in den Ländern des ehemaligen Ostblocks nötig? T. F.: Die Menschen in den Ländern Osteuropas brauchen weiter unsere Solidarität. Der Eindruck unserer Reise ist, dass wir unsere Hilfe in den drei Ländern Ukraine, Slowakei und Rumänien dringend fortsetzen müssen. Interview: Ulf Preuß

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Gemeindepastor aus Leidenschaft Zwischen traurigen und heiteren Momenten in der Gemeinde Gildehaus Gerhard Kortmann macht mir die Haustür auf. „Komm rein, magst du einen Kaffee? Lass uns mal ins Wohnzimmer gehen, in meinem Arbeitszimmer sieht es noch wüst aus.“ Doch als wir uns an den Tisch setzen wollen, springt er gleich wieder auf. „Nee, erst muss ich noch eine qualmen.“ Also gehen wir auf den Balkon und Gerd steckt sich eine an und fängt an zu erzählen. Von seinem Kontaktstudium in Göttingen, seinem rummligen Schreibtisch und den vielen Mails, die sich während seiner Abwesenheit angesammelt haben. „Ich habe schon mal geguckt, ich glaub das meiste der E-Mails hat sich wohl schon von selbst erledigt.“ Drei Monate lang war er jetzt nicht in seiner Gemeinde. In Göttingen an der Universität absolvierte er das Kontaktstudium, eine Art theologische Frischzellenkur. Das hat ihm gut getan. Theologie nicht nur praktisch zu betreiben, sondern auch mal wieder über alles nachdenken können und von neuen Ideen zu hören. Kortmann ist überzeugt: „Ich kann das nur jedem empfehlen.“ Es muss natürlich gut geplant und die Vertretung muss geregelt sein. „Ich hatte Glück, dass Hen-

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Gerhard Kortmann in seinem Büro.

ning Kraft mich als P. coll. (Pastorenstelle nach dem 2. Examen, d. Red.) vertreten konnte.“ Auch der Kirchenrat gab ihm grünes Licht und schenkte ihm einen Präsentkorb mit Studentenfutter, Kaffee und natürlich einer Schachtel Zigaretten. „Das sind die kleinen Inseln, die tragen, auch wenn‘s schwierig wird.“ „Mein Leben als Pastor in einer Gemeinde ist ganz normal. Es ist wie bei allen anderen auch“, stellt Kortmann zunächst ganz nüchtern fest. „Der Alltag ist das normale, die traurigen Momente bleiben lange in der Erinnerung und die heiteren Momente sind eher selten.“ Schlimm wird es, wenn es um Kinder geht. Kinder, die sterben müssen. Aber, so Kortmann, da geht es wohl allen gleich. „Aber auch hier gibt es immer wieder Momente, wo Du eine Nähe erlebst, die dich selbst trägt.“ Das hat er erlebt, als eine Familie ihn mit ans Sterbebett des Kleinen nahm. Nachdenklich schaut er in seinen großen Pfarrgarten: „Da war so viel Liebe in dem Raum und ich war dabei. Das war unglaublich.“ Dagegen stehen dann die Momente, in denen es eher heiter zugeht. Als er stolz seinen neuen Bose-Lautsprecher im Gottesdienst vorführen wollte, spielte ihm die Technik einen Streich. „Ich hatte alles genau vorbereitet. Es sollte „Eine Geschichte von Gott“ von Hermann van Veen zu hören sein. Die Box stand auf dem Abendmahlstisch und ich drückte ganz lässig auf die Fernbedienung. Aber irgendwie drückte ich vergeblich auf die Tasten. Nichts passierte. Doch plötzlich dröhnte ein fettes Rockstück von Aerosmith durch die Kirche.“ Gut erinnern kann sich Kortmann an eine Situation während der Fußballeuropameisterschaft 2012. In einem Taufgottesdienst am Pfingstsonntag nahm sich der begeisterte Fußballfan ausgerechnet den portugiesischen Nationalspieler Ronaldo vor. Als er in seiner Predigt über den Portugiesen sagte, er sei vor allem in sich selbst verliebt, hörte er von unten nur: „Dann haben sie von Fußball keine Ahnung.“ Vollkommen verblüfft versuchte Kortmann sich zu rechtfertigen, aber der Mann schüttelte nur mit dem Kopf. Kortmann konnte die Situation schließlich für beide Seiten retten: „Kann es sein, dass Sie Portugiese


Fotos: Günter Plawer

sind?“ Das klare „Ja“ erklärte alles. „Ich bot ihm natürlich an, dass er auch gehen könne, wenn ich ihn zu sehr beleidigt hätte.“ Aber der Mann blieb bis zum Schluss und genoss auch ein bisschen die Situation und die Spannung, die in der Kirche zu spüren war. „Als ich dann nach dem Segen zur Kirchentür ging, kam ich an ihm vorbei. Wir schauten uns kurz in die Augen und umarmten uns dann spontan. Und das Beste: Die ganze Gemeinde applaudierte.“ Gerd Kortmann und ich stehen immer noch auf dem Balkon, er hat sich eine weitere Zigarette angezündet. „Schlimm ist das, aber ich komm nicht davon weg.“ Als gebürtigem Grafschafter ist ihm das Platt seiner Region vertraut - und daher kennt er auch die Schwierigkeiten, die mancher mit Fremdwörtern hat. Er erinnert sich an eine Eternitstation, auf der einer lag oder die Knochenfraktion, die der Bettnachbar hatte. Oder an das Diagnostische Werk, den Sensorenkreis und die eukalyptischen Anfälle. Auch das gehört zu einem Gemeindepastor und macht dann manches wieder leicht. „Aber was trägt?“ Gerd Kortmann schweigt einen Moment und zitiert dann Hans Dieter Hüsch. „Was macht das ich so fröhlich bin? Ich bin vergnügt, erlöst befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit…“ Von Günter Plawer

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit, mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen, mein Triumphieren und Verzagen, das Elend und die Zärtlichkeit.

Die Kirche von Gerhard Kortmanns Gemeinde in Gildehaus.

Was macht, dass ich so fröhlich bin in meinem kleinen Reich. Ich sing und tanze her und hin vom Kindbett bis zur Leich. Was macht, dass ich so furchtlos bin an vielen dunklen Tagen. Es kommt ein Geist in meinen Sinn, will mich durchs Leben tragen. Was macht, dass ich so unbeschwert und mich kein Trübsal hält, weil mich mein Gott das Lachen lehrt wohl über alle Welt.

Hanns Dieter Hüsch

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Weitermachen für eine Die presbyterianische Gemeinde Aleppo betreibt

Foto: KIRCHE IN NOT/Melkitische Erzdiözese von Aleppo

Jean-Clement Jeanbart, Erzbischof der melkitischen griechisch-katholischen Kirche von Aleppo, besucht beschädigte Häuser im christlichen Viertel von Aleppo.

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Wegen der in Aleppo zerstörten Infrastruktur ist es nicht mehr möglich, hochaufgelöste, druckfähige Fotos per Datentransfer zu übermitteln.

Kaum eine andere Stadt leidet so sehr unter dem syrischen Bürgerkrieg wie Aleppo. Was einst die Wirtschaftsmetropole des Landes war, gleicht heute in weiten Teilen einem Trümmerfeld. Trotzdem hat die Evangelische Schule in Aleppo im Herbst wieder ihren Betrieb aufgenommen. Seit Ende 2012 kämpfen Regierungs- und Rebellentruppen um die Vorherrschaft in der nordsyrischen Stadt. Die Regierung kontrolliert den Westen der Stadt, im Osten haben sich die Rebellen festgesetzt. Erst Anfang Juli haben diese wieder eine Offensive gestartet, um auch den Westen der Stadt zu erobern. Die syrische Armee konterte mit den international geächteten Fassbomben. Die mit Metallteilen gefüllten Behälter töteten mindestens 28 Menschen, darunter drei Kinder. Jeden Tag fallen irgendwo in Aleppo Bomben. Jeden Tag gibt es Tote. Das Leben in der Stadt ist ungemein schwer geworden. Die Preise für Dinge des alltäglichen Bedarfs sind ins Unermessliche gestiegen. Für Trink- und Brauchwasser, das nur noch in Kanistern besorgt werden kann, zahlt eine fünfköpfige Familie mittlerweile 300 US-Dollar im Monat. Wer fliehen kann, geht – es gibt viele Gründe, Aleppo zu verlassen. Es gibt aber auch Gründe zu bleiben. Die presbyterianische Gemeinde in Aleppo hat letzten

Sommer sogar beschlossen, ihre vom Krieg stark beschädigte Schule nach zwei Jahren wieder zu eröffnen. Jeder Finanzmensch hätte davon vermutlich dringend abgeraten. Die Schule ist nicht nur stark vom Krieg zerstört, sie sitzt auch auf einem immens hohen Schuldenberg. Doch seit jeher ist die Al-Nash‘ Al-Jadeed-Schule aber das Herzstück der Gemeindearbeit. Ihr Name bedeutet „die neue Jugend“. Und genau um die geht es den Schulträgern. Wie viele andere christliche Schulen im arabischen Raum ist auch sie für die hohe Unterrichtsqualität bekannt gewesen, gerade auch bei muslimischen Familien. In guten Zeiten waren 1200 bis 1400 Schülerinnen und Schüler eingeschrieben. Doch bereits vor dem Bürgerkrieg waren die Schülerzahlen gesunken. 2010/2011 kamen nur noch 420 Kinder und Jugendliche. Nicht die Qualität war gesunken, die Konkurrenz war übergroß geworden. Einige Jahre vor dem Bürgerkrieg lockerte die syrische Regierung die Bedingungen für die Gründung von Privatschulen, was vor allem islamische Sponsoren nutzten. Rund um Aleppo entstanden viele neue Schulen, die vom arabischen Ausland und von islamischen Organisationen großzügig unterstützt werden. Mit Stipendien und niedrigen Gebühren konnten sie einen Großteil der muslimischen Schüler abwerben. Eine Folge: Die Einnahmen der Al-Nash‘ Al-Jade-


neue Generation die Al-Nash‘ al-Jadeed Schule Der Pfarrer der evangelischen Gemeinde, Ibrahim Nasir.

ed-Schule sanken drastisch, zumal viele Eltern der verbleibenden Schüler das Schulgeld von 200 US-Dollar im Jahr nicht mehr zahlen konnten. Der Lehrkörper dagegen blieb gleich groß. Aus rechtlichen Gründen darf die Schule die überzähligen Lehrer nicht einfach entlassen. Hinzu kamen Mietschulden. Die Gemeinde hatte aus finanziellen Erwägungen die eigenen Schulgebäude vor einigen Jahren aufgegeben und war zur Miete unterkommen. Der Vermieter hatte die Miete allerdings kurz darauf um das Sechsfache erhöht. Auf 100.000 US-Dollar beliefen sich zuletzt die Mietschulden. Ende 2012 zogen schließlich die Rebellen in Aleppo ein, beschossen das Schulgebäude, nahmen einen Teil der Einrichtung mit und zerstörten die Schulbusse. Die Schule musste schließen. Kriegsschäden, rückläufige Schülerzahlen, hohe Betriebskosten und ein Berg von Mietschulden – finanztechnisch gesehen ist die evangelische Al-Nash‘ Al-Jadeed-Schule ein hoffnungsloser Fall. Trotzdem hat sich die Gemeinde im vergangenen Sommer dazu entschlossen, den Betrieb wieder aufzunehmen, und seit Herbst kommen 535 Schülerinnen und Schüler zum Unterricht. Mehr als 90 Prozent von ihnen sind Muslime. Und genau die gilt es zu erreichen. Seit ihrer Gründung verfolgt die Schule das Ziel, „eine gebildete, nicht-extremistische Gesellschaft aufzubauen, eine Generation mit weitem Horizont heranzuziehen, die den anderen akzeptiert.“ Das ist genau das, was Syrien heute dringender denn je braucht. Hätte die Gemeinde sich anders entschieden und die Schule endgültig dicht gemacht, hätten nicht nur die 535 Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit verloren, in einer weltoffenen Einrichtung groß zu werden. Dann hätten nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer ihren Job endgültig verloren. Dann hätte vor allem die evangelische Gemeinde ihre Hoffnung verloren, dass es sich lohnt weiterzumachen – trotz aller Verzweiflung, die in Aleppo in diesen Tagen herrscht. Von Katja Dorothea Buck Katja Dorothea Buck ist Religionswissenschaftlerin und Politologin und lebt in Tübingen. Sie vielen Jahren arbeitet sie als freie Journalistin zum Thema Christen im Nahen Osten und schreibt dazu für verschiedene Publikationen.

Foto: privat

Foto: KIRCHE IN NOT

Syrische Flüchtlinge stehen in Al-Nabak für eine Suppe an, Al-Nabak liegt 80 km nordöstlich von Damaskus.

INFO Die kleine evangelische Gemeinde in Aleppo feiert ihren Gottesdienst seit drei Jahren im fünften Stock eines Wohnblocks. Jeden Sonntag steigen 150 Leute die mehr als hundert Treppenstufen hinauf. Gleich zu Beginn der Kämpfe in Aleppo im November 2012 wurde die historische Evangelisch-Arabische Kirche in der Altstadt zerbombt. Pfarrer Ibrahim Nasir lebt nach wie vor mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Aleppo. „In diesen Tagen Pfarrer zu sein, hat wenig mit Predigen zu tun“, sagt er. „Täglich muss ich mich um die Folgen kümmern, die der Krieg mit sich bringt. Selbst wenn wir kein Geld verteilen oder praktische Hilfe leisten können, so können wir doch für sie beten oder wenigstens versuchen, ihnen Trost zu geben.“ Die Evangelisch-reformierte Kirche beschloss bei ihrer Gesamtsynode im Frühjahr, die Evangelische Schule Aleppo mit einer Soforthilfe von 10.000 Euro zu unterstützen. Für die weitere Hilfe richtete sie eine Kollekte ein, die 2016 am 28. Februar im Gottesdienst in allen Gemeinden eingesammelt werden soll.


App für Handys und Tablets Seit einigen Wochen gibt es eine App für evangelische Kirchen. Bislang finden sich darin über 2600 Kirchen. Aus der Evangelisch-reformierten Kirche sind zurzeit alle eingetragen, die als Offene Kirche bekannt sind, die also auch außerhalb der Gottesdienstzeiten geöffnet sind. Ebenfalls sind in der Kirchen-App die Kirchen von etwa 30 Auslandsgemeinden der EKD zu finden. Die Kirchen-App bietet zunächst eine Deutschlandkarte mit den eingezeichneten Kirchen. Hierbei kennzeichnen die roten Stecknadeln Kirchen, die mit einem Datenblatt aufgenommen sind. Kirchen mit

einer gelben Stecknadel haben zusätzlich einen Audioguide, das sind im Moment 50. Etwa 20 Gemeinden führen mit einem Video durch ihre Kirche. Klicken Sie auf eine Nadel, so erscheinen Name und Ort der Kirche. Klicken Sie rechts auf das „i“ in diesem Feld, so gelangen Sie zum Datenblatt oder, soweit vorhanden, zum Audioguide der Kirche. Klicken Sie links im Feld auf das Papierschwalben-Symbol, so erhalten Sie in der Navigations-App eine Route von Ihrem aktuellen Standort zur Kirche. Sie können in der Landkarte mit dem Lupensymbol nach Kirchen suchen oder mit der Kompassnadel zu der eigenen Position springen. Sie können mit dem Globussymbol zwischen Karten- und Satellitenansicht umschalten, wobei letztere längere Ladezeiten braucht. Über das „Menü“ finden Sie weitere Optionen, zum Beispiel das umfangreiche Glossar oder die FAQ. Auf dem Datenblatt zu jeder Kirche sehen Sie die Adresse und die Website des Kirchengebäudes. Es folgen Öffnungszeiten, Gottesdienstzeiten und eine Beschreibung. Unten rechts sehen Sie die Kontaktdaten zu der Kirchengemeinde. Hier können Sie eine E-Mail absenden oder einen Telefonanruf tätigen. Falls sich einmal ein Fehler eingeschlichen haben sollte, so können Sie über „Fehler melden“ eine Nachricht senden. Über die Ortsmarke auf dem Foto können Sie die Kirche für sich als besucht markieren. Über das Wort „Ansicht“ in der Kopfzeile gelangen Sie, soweit vorhanden, zum Audioguide.

INFO Die App steht kostenlos für IOS-Geräte und für Android zur Verfügung: www.Kirchen-App.de/download Im klassischen Browser: ekd.kirchenlandkarte.de Alle Kirchen der Evangelisch-reformierten Kirche in der App finden Sie unter: ekd.kirchenlandkarte.de/ReformierteKirche/


REFORMIERTES REISEZIEL

Französich predigen bis 1913 Gegründet wurde die im Taunus gelegene Stadt Friedrichsdorf im Jahr 1687. Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg lud französische Glaubensflüchtlinge ein, sich auf der Gemarkung eines verlassenen Dorfes anzusiedeln. Im Jahr 1771 erhielt die „colonie française“ entsprechend ihrer zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung Stadtrechte. Nirgendwo anders wurde in einer deutschen Hugenottenkolonie so lange französisch gesprochen wie in Friedrichsdorf. Selbst die Gottesdienste in der reformierten Kirche wurden bis 1913 ebenfalls in Französisch gehalten. 1890, also vor genau 125 Jahren, wurde in der südhessischen Stadt auch der Deutsche HugenottenVerein (heute Deutsche Hugenotten-Gesellschaft) gegründet. Friedrichsdorf ist sich seiner französisch-reformierten Geschichte bis heute sehr bewusst, wie es nicht nur der Name der wichtigsten Straße im Stadtzentrum, der „Hugenottenstraße“,

INFO

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belegt. Bei der Stadtverwaltung kann man sieben unterschiedliche Stadtführungen buchen, die den Besuchern die Geschichte des Ortes näherbringen, darunter eine Führung zum Thema „Die evangelische Kirche in Friedrichsdorf und das hugenottische Erbe“. Friedrichsdorf mit seinen rund 25.000 Einwohnern ist zwar kein klassischer Touristenort, und die heutige Stadt im Speckgürtel Frankfurts definiert sich bei weitem nicht nur durch die Hugenotten. So zeigt das Philipp-Reis-Haus und Hugenottenmuseum eine abwechslungsreiche Ausstellung über das Leben und Schaffen des Telefonerfinders Philipp Reis (1834-74). Auch ist Friedrichsdorf traditionell die „Stadt des Zwiebacks“ und heutzutage zudem der Mormonen, da dort einer der beiden deutschen Mormonentempel steht. Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen stehen in allen Preisklassen zur Verfügung. Von Andreas Flick

1. Stadtführung in Friedrichsdorf. 2. Friedrichsdorfer Jungfrauenverein in der sogenannten Hugenottentracht, um 1904. 3. Die ev. (früher: französisch-reformierte) Kirche wurde 1834 bis 1837 errichtet.

Magistrat der Stadt Friedrichsdorf Sport- und Kulturamt Hugenottenstraße 55 61381 Friedrichsdorf Tel: 06172 731-1296 stadtverwaltung@friedrichsdorf.de www.friedrichsdorf.de

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Foto: Stadtarchiv Friedrichsdorf

Foto: Stadtarchiv Friedrichsdorf

Foto: A. Flick


PERSONEN

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Michael Beintker, Direktor des Seminars für reformierte Theologie an der Universität Münster, ist Ende Juli in den Ruhestand gegangen. Der 68-Jährige war seit 1992 Professor für systematische Theologe in Münster. Dort wird er weiterhin einige Lehrveranstaltungen übernehmen. Weiterführen wird er seine zahlreichen wissenschaftlichen Tätigkeiten unter anderem in der Nordrhein-Westfälischen und Europäischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, als Vorsitzender des Theologischen Ausschusses der Union Evangelischer Kirchen (UEK) sowie als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Johannes a Lasco Bibliothek. Beintker bleibt auch im Rat der EKD. [2]

Egbert Zager, Pastor der Evangelisch-reformierten Gemeinde Möhlenwarf (Rheiderland), ist am 31. Juli in den Ruhestand gegangen. Der 63-Jährige war 34 Jahre lang Pastor seiner Gemeinde, wo er zuvor auch schon sein Vikariat absolvierte. Zagers Augenmerk galt besonders der diakonischen Arbeit. Im Rheiderland brachte er Arbeitslosenprojekte und den Brotkorb auf den Weg. Über seine Gemeinde pflegte er intensive Kontakte nach Rumänien zum Kinderheim in Alesd. Zager war viele Jahre im Diakonieausschuss der Landeskirche aktiv.

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Sugirtharaj Thiruchelvanesam ist als Ökumenischer Mitarbeiter der Gemeinde Osnabrück verabschiedet worden. Der 45-jährige Pfarrer der Ev.methodistischen Kirche in Sri Lanka kam 2010 über die Vereinte Evangelischen Mission (VEM) mit seiner Familie nach Deutschland. In der Gemeinde arbeitete er in der Jugendkirche mit, gestaltete den Konfirmandenunterricht, hielt monatlich einen Abendgottesdienst in englischer Sprache und übernahm die Seelsorge an Tamilen, die in Osnabrück leben. „Sugi“ kehrt nach Sri Lanka zurück, da seine Heimatkirche ihn früher als erwartet benötigt. [3]

Doris Sparringa ist neue Fachberaterin für die 50 Kindertagesstätten bei der Evangelisch-reformierten Kirche. Die 40-jährige Frühpädagogin hat ihre Stelle am 1. Juli 2015 angetreten, angesiedelt ist diese im Diakonischen Werk. Sparringa war lange Jahre Erzieherin im evangelischreformierten Kindergarten Hundertwelten in Leer, bevor sie ein Studium der Frühpädagogik absolvierte. Danach war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Emden/Leer und Fachberaterin der Kindertagesstätten im evangelischlutherischen Sprengel Ostfriesland-Ems. Sie ist Nachfolgerin von Birte Engelberts, die bis zum Mai die Stelle innehatte.

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Foto: Ulf Preuß

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Foto: Diakonie in Niedersachsen

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Reformierte eröffnen Woche der Diakonie Die niedersächsische Eröffnung der Woche der Diakonie wird in diesem Jahr von der Evangelisch-reformierten Kirche ausgerichtet. Die Woche steht unter dem Motto „Zusammen besser leben“, das Diakonische Werk will dabei das Augenmerk auf das Thema Flüchtlinge richten. Im Eröffnungsgottesdienst am 6. September in der reformierten Kirche in Veldhausen (Grafschaft Bentheim) predigt Diakoniepastor Thomas Fender. Am Abend vorher ist um das Gemeindehaus ein Abend der Begegnung mit Information und Film geplant. Mit der bundesweit organisierten Woche der Diakonie richten die Kirchengemeinden besonderes Augenmerk auf ihr diakonisches Engagement. Sie ist verbunden mit einer Spendensammlung. 300 Jugendliche nach Wittenberg Die Evangelisch-reformierte Kirche beteiligt sich im Jahr 2017 an einem KonfiCamp in der Lutherstadt Wittenberg. Etwa 300 jugendliche Konfirmanden aus den reformierten Gemeinden im Alter zwischen 12 und 16 Jahren werden daran teilnehmen. Landesjugendpastor Bernhard Schmeing: „Das KonfiCamp ist eine besondere Chance, Glauben gemeinsam zu erleben. Die reformierten Konfirmandinnen und Konfirmanden können sich in Wittenberg mit der Frage beschäftigen: Was sollte heute in unserer Kirche reformiert werden?“ Das KonfiCamp ist eines der Angebote der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Reformationsjubiläumsjahr 2017. Von Mai bis September 2017 sind in einer Zeltstadt vor den Toren von Wittenberg zehn Camps geplant, die jeweils Platz für etwa 1.500 Jugendliche bieten. Ein Camp dauert jeweils fünf Tage. [2]

CD-Produktion: „Sein Lob wird euch entflammen“ Die Evangelisch-reformierte Kirche hat eine CD mit modern arrangierten Psalmen herausgegeben. Auf der CD mit dem Titel Foto: privat

Foto: privat Foto: privat


AKTUELLES / IMPRESSUM

Küchenleiter André Breker und Hauswirtschafterin Conny Aaker präsentieren das Dessert des Tages

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Meine Kirche! Gemeindewahlen am 08.11.2015 www.gemeindewahlen.reformiert.de

Foto: Ulf Preuß

„Sein Lob wird euch entflammen“ spielt das Landesbläserensemble zusammen mit verschiedenen Chören und Solisten insgesamt 17 Psalmen. Die Titel, zunächst entstanden in der Reformationszeit, wurden durch den bekannten Kirchenmusiker und Komponisten Michael Schütz bearbeitet und erhielten so den Klang des 21. Jahrhunderts. Insgesamt waren etwa 70 Musiker an der CD-Produktion beteiligt. Kirchenpräsident Martin Heimbucher bezeichnete die CD-Produktion als einen Beitrag der Evangelisch-reformierten Kirche zum Reformationsjubiläum 2017. „Das Experiment, alte Psalmen mit Popmusik zu verbinden, ist gelungen“, sagte er. Angestoßen wurde das Projekt durch Landesposaunenwartin Helga Hoolgand. Sie beauftragte Schütz, die Psalmenmelodien des Reformationszeitalters dem Klang des 21. Jahrhunderts anzupassen. Bereits im Herbst 2014 legten die beiden dazu sieben Notenhefte für alle kirchenmusikalischen Bereiche vor. Auf der jetzt produzierten CD befinden sich alle 17 von Michael Schütz neu arrangierten Psalmenmelodien, dabei wird das Landesbläserensemble bei jedem Titel von unterschiedlichen Chören oder Solisten begleitet. Hörbeispiele: www.reformiert.de/seinlob-wird-euch-entflammen.html Bestellung von CD und Notenheften: www.reformiert.de/bestellshop.html Gottesdienste in Englisch Die Gemeinde Hannover bietet seit dem Sommer einmal im Monat einen Gottesdienst in englischer Sprache an. Entstanden ist das Angebot auch, um den internationalen Mitarbeitern der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK), die seit 2014 ihren Sitz in Hannover hat, ein gottesdienstliches Angebot zu machen. Zielgruppe sollen auch die zahlreichen englischsprachigen Studenten der Universität Hannover sein. Die Gottesdienste werden gestaltet von Gretchen Schoon-Tannis, die mit Ihrem Mann Phil

Tannis, dem Kommunikationsbeauftragten der WGRK, nach Hannover kam. www. reformiert-hannover.de [3]

Gemeindewahlen im November In den 145 Kirchengemeinden der Evangelisch-reformierten Kirche finden am Sonntag, dem 8. November, Gemeindewahlen statt. Neu zu besetzen ist jeweils die Hälfte der Plätze in den Kirchenräten oder Presbyterien sowie in den Gemeindevertretungen der Kirchengemeinden. Zu den Wahlen aufgerufen sind alle konfirmierten oder als Erwachsene getauften Gemeindeglieder. Die Neugewählten sind dann für sechs Jahre im Amt. Kirchenpräsident Martin Heimbucher ruft die Wahlberechtigen auf, sich an der Wahl zu beteiligen. „Mit Ihrer Stimme können Sie kirchliches Leben mitgestalten.“ Nach evangelisch-reformiertem Verständnis leiten nicht Pastorinnen und Pastoren die Geschicke einer Kirchengemeinde, sondern sie werden von Ehrenamtlichen gleichwertig unterstützt. Der Kirchenrat oder das Presbyterium ist das Leitungsorgan einer Kirchengemeinde, hier werden alle wesentlichen Entscheidungen über die Gestaltung des kirchlichen Lebens getroffen. Zusammen mit der Gemeindevertretung stellt der Kirchenrat den Haushaltsplan auf, entscheidet über kirchliche Baumaßnahmen und stellt Mitarbeiter ein. Die Wahllokale in den Kirchengemeinden sind in der Regel am Wahlsonntag im Anschluss an den Gottesdienst in der Kirche oder im Gemeindehaus geöffnet. Insgesamt sind etwa 153.000 Menschen aus allen Kirchengemeinden der Evangelisch-reformierten Kirche aufgerufen, ihre Leitungsgremien neu zu wählen. Hinweis der Redaktion Beim „Kleinen Ratgeber für den Trauerfall“ in der letzten Ausgabe entstand der Eindruck, dass Matthias Lefers an den Antworten aller Fragen mitwirkte. Er ist lediglich für Antwort 9 verantwortlich.

Foto: Joachim Künstner

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Haus Blinkfüer: Erster Umbau abgeschlossen Die Familienferienstätte Blinkfüer auf Borkum ist in einem ersten Abschnitt umfangreich saniert worden. Der Speiseraum und die Küche wurden vergrößert und neu gestaltet, so dass nun auch Essen in Buffetform möglich ist. Der Eingangsbereich im Haupthaus wurde modernisiert. In einem zweiten Bauabschnitt erhält das Haupthaus eine Veranda, in der Villa Gerhards wird ein Medienraum eingerichtet. Als letzter Sanierungsschritt ist die Modernisierung der Zimmer vorgesehen. Die Einrichtung des Diakonischen Werks mit ihren drei Häusern dient vielen kirchlichen Gruppen als Unterkunft für Seminare und Freizeiten, kann aber auch von Familien und Einzelreisenden als Urlaubsunterkunft gebucht werden. www.blinkfuer-borkum.de

IMPRESSUM Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Redaktion: Ulf Preuß (verantwortlich), Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Herbert Sperber, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.projektpartner.info Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer

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Maike Böttcher: „Die Möglichkeit zu wählen, das Recht zu wählen nehme ich gerne wahr. Ich wähle eine politische Partei auf Landes- oder Bundesebene, ich gebe meine Stimme bei der Kommunalwahl ab und ich beteilige mich natürlich an unseren Kirchenrats- und Gemeindevertretungswahlen. Mit meiner Stimmabgabe nehme ich Einfluss. Mit meiner Stimme gebe ich meine Meinung ab und trage so zur Meinungsbildung in unserer Gemeinde bei.“

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Annette Brand: „Demokratische Strukturen gehören für mich in jede Institution, in der Menschen zusammen leben und arbeiten, und natürlich auch in die Kirche. Jede abgegebene Stimme steht für ein Gemeindeglied, dem es nicht egal ist, was in der Gemeinde läuft und wie die Gemeinde geführt wird. Ich kann meine Wertschätzung ausdrücken für die geleistete Arbeit, die Zeit, das Mitdenken, Kümmern, Sorgen, Beraten, Entscheiden und Umsetzen zum Wohle der Gemeinde und ihrer Glieder.“ Konstantin Winkel: „Ich werde wählen gehen. Die Gemeindewahl ist für mich ein Ausdruck dafür, dass alle Gemeindeglieder zu einer mitverantwortlichen Teilhabe am Auftrag und Dienst der Gemeinde durch Christus berufen sind.“

Maike Böttcher Leer

Annette Brand Lüneburg

nkel Konstantin Wi Osnabrück

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ein Kirchenführer für Smartphone und Tablet: damit Sie unterwegs im Urlaub gut informiert sind. Wie komme ich zur nächsten Kirche, wann wi...

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