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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

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Wie du mir, so ic h dir? W Voie n lรถ Mseennscw hiernKuonndflikte Konflikten


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Seite 4: Guido Nyhoff aus Georgsdorf erzählt seinen Bibelvers.

Foto: Georg Meppelink

Seite 10 Krisen gehören zum Leben Beratungsstellen bieten in Konfliktsituationen Hilfe und Begleitung

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Thema: Wie du mir, so ich dir? Von Menschen und Konflikten

Seite 6 Ohne geht‘s nicht Konflikte gehören zum Menschsein

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Seite 13 Konfliktberatung: Mediation Seite 14 Von Fronten und Freundschaften Wie werden aus Menschen, die im Krieg Feinde waren, wieder Nachbarn? Seite 16 Auch Beten ist aktive Friedensarbeit Gemeindedelegation besuchte Evangelische Kirche in Syrien und dem Libanon

Seite 4 Mein Bibelvers Seite 18 Personen / Aktuelles / Impressum Seite 20 POSITION Kirchenpräsident: Entscheidung der Humanität

Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Evangelisch-reformierte Kirche Stichwort: reformiert Sparkasse LeerWittmund IBAN: DE94 2855 0000 0000 9060 08 SWIFT-BIC: BRLADE21LER Spendenquittung wird zugesandt Titelgrafik und alle andern Grafiken: Zdenek Sasek / shutterstock.com


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Foto: Karin Meixner

Seite 16: Besuch einer evangelischen Schule nahe eines Flüchtlingslagers im Libanon.

Liebe Leserin, lieber Leser, so heftig wie auf unserem Titelbild geht es ja zum Glück nicht immer zu. Aber: Konflikte und ihre Bewältigung gehören zum Alltag der Menschen dazu. Unsere Geschichten in dieser Ausgabe erzählen allesamt von interessanten Konflikten und wie Menschen diese bewältigt haben oder glauben, sie bewältigen zu können. Und welche Rolle ihr Glauben – bewusst oder unbewusst - dabei spielt.

Aus dem Alltag der Menschen berichten auch die kleinen biblischen Erzählungen, die wir den Geschichten hinzugefügt haben. Sie geben Aufschluss, wie lebensnah die Bibel ist. Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre.

Ihr

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Ulf Preuß

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche


Mein Bibelvers Guido Nyhoff, Tischler

Guido Nyhoff, 44 Jahre, lebt mit seiner Frau Hanne und den Söhnen Caspar und Jenke in Georgsdorf, einem Dorf mit ungefähr 1300 Einwohnern in der Grafschaft Bentheim. Seit 28 Jahren arbeitet er als Tischler. Wie für die meisten Georgsdorfer gehört die reformierte Kirche zu seinem Leben, dort ist er getauft, zum Kindergottesdienst gegangen, konfirmiert und hat dort auch geheiratet. Seit sechs Jahren wurde er in den Kirchenrat gewählt und kümmert sich dort um die Reparatur und Instandhaltung der Gebäude. Jedes Jahr wirkt er beim „Tag der Georgsdorfer“ mit. An diesem Tag ziehen alle im Dorf an einem Strang und bauen gemeinsam an Straßen und Plätzen. Er unterstützt die Arbeit des kirchlichen Kindergartens im Kuratorium, fährt regelmäßig zu den landeskirchlichen Fortbildungen für Kirchenräte und Presbyter und ist seit März auch Delegierter seiner Kirchengemeinde in der Synode.


Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. Das Buch Josua, Kap 1, Vers 5

Das Versprechen Gottes, immer zu mir zu stehen, hat etwas sehr Beruhigendes: Nicht davon abhängig zu sein, was andere über mich denken, ob ich in deren Augen etwas wert bin. Und ich bin auch nicht auf das angewiesen, was ich selber leisten kann. Ich muss nicht auf mich aufpassen. Natürlich: An der Kreissäge und im Straßenverkehr muss ich die Augen offenhalten. Das wäre ja sonst Leichtsinn. Aber im Leben gibt es ja vieles, was ich nicht beeinflussen kann, was ich nicht in der Hand habe. Da ist die Zusage „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht“ schon sehr gut. Ich glaube, nicht mal von einem Menschen, der mir sehr nahe ist, kann ich das so erwarten.

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Meine Frau und ich haben diesen Bibelvers als Taufspruch für unseren ältesten Sohn Caspar ausgesucht. Wenn Gott unsere Kinder fest an sich hält, dann kann die Zukunft kommen.

Foto: Karlheinz Krämer


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Ohne geht‘s nicht Konflikte gehören zum Menschsein

Konflikte lassen etwas zerbrechen, hinterlassen einen Scherbenhaufen. Auch in der Bibel ist die Liste der zwischenmenschlichen Konflikte lang: Kain und Abel, Jakob und Esau, David und Goliath, die römischen Besatzer und die jüdischen Einheimischen, Jesus und Judas, Krach in Antiochia... Schon in der Bibel ist festgehalten: Der innere Konflikt, die innere Zerrissenheit zwischen A und B, der Streit in der Familie, die Auseinandersetzung am Wohnort und der Konflikt zwischen Staaten gehören zum menschlichen Leben dazu. Leider sind die Lösungen oft nicht einfach. Aber: Scherben können gekittet werden.

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INFO „Wie du mir, so ich dir.“ Die Redensart besagt: Was du mir antust, tue ich dir an, zahle ich dir heim. Dabei war sie ursprünglich mal anders gemeint. 1827 schrieb Johann Wolfgang von Goethe sein Gedicht:

Krach in Antiochia Paulus und Petrus streiten sich in Antiochia. Es geht um die Frage, was gehört zum Christsein unbedingt dazu. Muss man, um ein Christ zu sein, die jüdischen Speisegebote beachten? Eine Gruppe, die aus Jerusalem kommt und die Gemeinde in Antiochia besucht, sieht das so. Und Petrus schließt sich ihr an. Plötzlich sieht Petrus das auch so. Paulus widerspricht heftig.

Wie du mir, so ich dir Mann mit zugeknöpften Taschen, Dir tut niemand was zulieb: Hand wird nur von Hand gewaschen; Wenn du nehmen willst, so gib!

nach: Die Bibel, Brief des Paulus an die Galater, Kap.12

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Konflikte im Jahr 2017 auf natinonaler und internationale r Ebene

Intensität Krieg begrenzter Krieg heftig

heftige Krise

gewaltfrei

gewaltfreie Krise Auseinandersetzung kein Konflikt

Barometer 2017, Weltkarte der Konflikte, Quelle: Conflict iktforschung Konfl ale Heidelberger Institut für Internation

ischen Nachbarn 500.000 Klagen zw igkeiten wer-

streit en zu Nachbarschafts Rund 500.000 Klag rhandelt. Dabei schen Gerichten ve ut de r vo r Jah o pr den illgerüche, Äste und Lärmbelästigung, Gr geht um Fälle wie Weg stehende tücksgrenze und im ds un Gr r de an r he Sträuc i oft Egoismus oder nen. Hintergrund se Autos oder Müllton ein Richter. Rechthaberei, meint /zeit.de Quelle: finanzen.de

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2017: 20 Kriege – 38 5 Konflike

Weltweit 20 Kr iege und 385 Konflikte hat da Heidelberger In s stitut für Intern ationale Konflik forschung im tvergangenen Ja hr gezählt. Dam waren es zwei it Kriege mehr al s im Jahr zuvor, fast 20 Konflik ab er te weniger. Meh r als die Hälfte 385 Konflikte der würden jedoch nach wie vor ge sam ausgetrage w al tn, heißt es in dem Konfliktb ter 2017 des In ar om estituts.

Quelle: Conflict Barometer 2017 , Heidelberger Internationale Institut für Konfliktforschun g

Bauch sagt z u Kopf ja, doch Kopf sa gt zu Bauch nein zwischen de n Beiden ste h ich zwischen de n Beiden ste h ich Sänger Mark Forster

rster ark Fo Foto: M

„Jesus Christus ist eine Konfliktperson ersten Ranges“

sagt der Tübinger Theologieprofessor Eber hard Jüngel. Das Leben Jesu zeige unüb ersehbar den Konflikt aller Menschen mit Gott. „In der Pers on des gekreuzigten Christus ist dieser Konflikt zwar zu unseren Gunsten ausgetragen. Als ausgetragene r darf er jedoch nicht verschwiegen, kann und muss er vielmehr erst recht zur Sprache gebracht werden.“ Eberhard Jüngel: Ganz werden, S. 101


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Der 12-jährige Jesus

im Tempel Der 12-jährige Jesus fä llt aus der Familien-R olle. Er ist nicht bei Maria und Josef, al s die nach einer Wallfa hrt Jerusalem wieder verlassen. Er ist ve rschwunden. Einen Ta g lang suchen Maria und Josef nach ihrem Sohn. Dann finden sie ih n im Tempel. Dein Vater und ich haben di ch mit Schmerzen gesu ch t, sagt Maria. Jesus antwortet: Bei meine m Vater bin ich hier! Da s erste Wort, das Jesus im Lukasevangelium spricht. nach: Die Bibel, Evange

lium des Lukas, Kap. 2,

Verse 41-52

Im Pubertier-Biotop Carla ist sehr gut im Chillen, Relaxen, Entspannen, Ausruhen, Runterkommen, Zeittotschlagen und einfach mal nix machen. Es handelt sich dabei übrigens nicht um dieselbe Tätigkeit in sieben Varianten, sondern laut Carla um unterschiedliche Verrichtungen, für die mein Verständnis jedoch allmählich schwindet. Carla ist aber der Meinung, dass nicht sie, sondern ich nicht ganz normal sei. Vielleicht hat sie recht. Ich werde mit zunehmendem Alter immer tüchtiger. Eigentlich schrecklich, denn ich kann mich durchaus an Gespräche mit meinen eigenen Eltern erinnern, in denen diese mir «sinnlose Faulheit», «mangelndes Interesse» und «pflanzenartiges Herumlungern» vorwarfen. Ich nahm dies 1980 müde zur Kenntnis und kochte mir einen Tee, um runterzukommen. Ich war mindestens so schlimm wie Carla. Aber das würde ich ihr gegenüber nie zugeben. Natürlich weiß ich, dass das alles wieder mit den Hormonen und diesem ganzen Entwicklungsterror zu tun hat. Aber es ist momentan kaum vorstellbar, dass sich aus unserer lethargischen Amphibie eines Tages eine engagierte und flinke Person pellen soll, die der Gesellschaft zum Nutzen und der eigenen Natur zum Trotz Dinge anfängt und zu Ende führt. Neulich teilte sie mit, sie könne kein Ei kochen, da sie nicht wisse, wann man es ins Wasser gebe. Ich sagte ihr, man könne es sowohl ins kalte als auch ins kochende Wasser legen. Nach einer Viertelstunde kam sie zurück und fragte, wann denn so ’n Wasser koche. Ich sah nach und stellte dann erst einmal den Herd an. Ich dachte eigentlich, wir wären schon mal weiter gewesen. Ein befreundeter Arzt klärte mich dann darüber auf, dass es sich um ein Paradebeispiel nicht miteinander verknüpfter Synapsen handele. Alles völlig normal.

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Text aus: Jan Weiler, Das Pubertier, S. 13-14, Copyright © 2014 Rowohlt-Verlag, Reinbek bei Hamburg


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Der Partner soll nicht nur bester Freund sein, sondern auch Vater der Kinder, starke Schulter und ein Gegenüber in der Sexualität. „In Beziehungen schwingen oft viele Erwartungen mit“, sagt die promovierte Psychologin Ute Schulewski. Sie leitet die Evangelische Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen in Leer. „Das kann Probleme mit sich bringen.“

Ute Schulewski (li), Leiterin der Beratungsstelle in Leer, und Mitarbeiterin Christina Nölling-Moeck

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Helfen kann Paaren dann ein Termin in einer Beratungsstelle. Sie ist nicht nur offen für Menschen für Beziehungskrisen, sondern für jeden Menschen, der ein Problem hat, dem er sich alleine nicht gewachsen fühlt. Zum Angebot gehört außerdem Erziehungsberatung. „Wir verstehen das Leben als einen Entwicklungsprozess, zu dem Veränderungen und auch Krisen gehören“, sagt Schulewski. Viele versuchen zunächst einmal, Probleme selbst in den Griff zu bekommen. „Jeder Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens gute Mechanismen, um Probleme zu lösen“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin Christina Nölling-Moeck, die in der Beratungsstelle arbeitet. Manchmal helfen diese aber nicht weiter – und dann tut Hilfe von außen gut, bei der Menschen sich angenommen fühlen und jemand ihnen zuhört. Die Beratungsstelle ist in kirchlicher Trägerschaft, ist aber auch offen für Menschen anderer Religionen und ohne Religionszugehörigkeit. „Ich verstehe Beratung als eine Begleitung“, sagt Schulewski. „Es geht darum, herauszufinden, was der andere Mensch will und braucht.“ Das sei wie bei Jesus, der Menschen gefragt habe, „Was willst du, das ich dir tue?“, so Nölling-Moeck. Was in der Beratungsstelle besprochen wird, dringt nicht nach außen. „Es ist ganz wichtig, dass wir einen geschützten Raum bieten“, betont Schulewski. Manchmal geht es bei der Beratung um Probleme, die sich schnell besprechen und lösen lassen. Die Zahl der Gespräche ist nicht begrenzt. Viele Menschen finden allerdings nach fünf bis zehn Terminen eine Lösung für sich. Das kann bei einem Paargespräch

Krisen gehören Beratungsstellen bieten in

Wer ist der Größte? Im Jüngerkreis Jesu bricht die Frage auf, wer denn wohl der Größte von ihnen sei. Jesus beantwortet diese Frage. Er beantwortet sie, indem er


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zum Leben dazu

auch bedeuten, dass beide erkennen, dass eine Trennung die bessere Option ist. „Manchmal geht Konfliktsituationen Hilfe und Begleitung es einfach nicht mehr weiter“, sagt Schulewski. „Auch das erkennen wir dann an und begleiten das Paar bei der Trennung.“ Der Bedarf an Beratung ändert sich mit der Gesellschaft: „Wir beraten zuletzt häufiger ältere Paare“, sagt Schulewski. Sie führt das zum einen darauf zurück, dass insgesamt die Hemmungen abnehmen, sich Hilfe zu holen. Zum anderen bringt das Alter Veränderungen mit sich, die ein Paar vor Herausforderungen stellen: „Wird ein Partner gebrechlich, ist das eine sehr belastende Situation für beide“, sagt die Psychologin. Im Alter kommen zudem häufig frühere Enttäuschungen auf den Tisch. „Das ist vor allem bei Frauen ein Thema, die ihre eigenen Lebenswünsche nicht verwirklichen konnten, weil sie sich um die Kinder gekümmert haben.“ Auch der Übergang zur Rente wie auch Sexualität im Alter sind Themen, die bei älteren Paaren häufig in der Beratung wichtig werden. Beraten lassen kann sich jeder, bei Suizidgefahr und bei Wahnvorstellungen verweisen Mitarbeiter in der Regel auf entsprechende Fachstellen, weil Betroffenen dann mit einer intensiven Betreuung oft besser geholfen ist. „Uns ist wichtig, dass wir die Menschen so annehmen, wie Jesus sie angenommen hat“, sagt Schulewski. „Sie sind wichtig und wertvoll – ganz gleich, wie sie sich in Krisen womöglich selbst erleben.“ Von Maria Berentzen

INFO

seine Jünger beschämt und ein Kind in ihre Mitte stellt: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. nach: Die Bibel, Evangelium des Matthäus, Kap. 18, Verse 1-3

Foto: Maria Berentzen

Die Evangelische Beratungsstelle in Leer wurde vor 40 Jahren gegründet. Sie wird gemeinsam getragen vom evangelisch-reformierten Synodalverband Südliches Ostfriesland und den evangelischlutherischen Kirchenkreisen Leer-Emden und Rhauderfehn. Die Erziehungsberatung nach SGB VIII ist kostenlos. Für einen Termin in der Eheund Lebensberatung erbittet die Beratungsstelle ein Prozent des Nettogehaltes beziehungsweise mindestens zehn Euro pro Stunde. Die Wartezeit für einen Termin hängt davon ab, wie dringend Hilfe benötigt wird. Über das Portal www.evangelische-beratung. info finden sich evangelische Beratungsstellen in ganz Deutschland.

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Und was sagt die Bibel? Fragen an Hartmut Smoor. Er ist seit 31 Jahren Pastor und zurzeit persönlicher Referent des Kirchenpräsidenten. Konflikte prägen den Alltag der Menschen. Welche Beratung liefert uns die Bibel dazu? Es gibt die sogenannte Goldene Regel, die sich auch in nicht-christlichen Religionen und Philosophien findet, sie lautet in gereimter Form: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!“ So hilfreich dieser Grundsatz im persönlichen Leben oder für die Rechtsprechung sein mag, ich empfinde seinen Ansatz als Begrenzung. Diese Regel ermahnt zum Lassen. Jesus hat eine andere Leitlinie formuliert: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!“ (Evangelium des Matthäus, Kap. 7, Vers 12) Jesus ermahnt zum Handeln, zum Geben, fordert Fantasie. Seine Leitlinie sieht den anderen als Partner, nicht als Gegner. Sie bietet damit gute Startmöglichkeiten für eine kreative Lösung von Konflikten.

Darf man denn überhaupt streiten, darf man einen Konflikt offen austragen? Wo Menschen miteinander leben gibt es Konflikte. Jeder hat seine Meinung, seinen Blick, seine Interessen. Da kommt man sich unweigerlich in die Quere. Dies zu verschweigen, schürt Ängste und schafft Probleme. Leid und Ärger kommt oft von unglücklichen Menschen, die sich ungeliebt empfinden. Letztlich geht es gerade im Streit darum, wem ich vertraue, auf wen ich baue. Wenn ich glaube, dass Gott in Jesus bei mir ist, mich liebt, für mich da ist, brauche ich keinen Konflikt zu scheuen und kann Auseinandersetzungen leichter offen benennen.


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Konfliktberatung: Mediation Fragen an die professionelle Mediatorin Susanne Galsterer aus Erlangen. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Streitberaterin, Coach und Trainerin. Warum kommen Menschen zu Ihnen? Im besten Falle, weil sie merken, dass sie sich in einer Argumentationsspirale befinden, aus der sie alleine nicht herauskommen. Ich habe mich auf Paarberatungen oder Eltern-Kind-Konflikte spezialisiert. Auch das Thema der Prävention beschäftigt mich stark. Natürlich gibt es auch die Fälle, in denen eine oder beide Parteien vom Arbeitgeber geschickt werden oder die Mediatorin ins Haus holen. Dazu kommen außergerichtliche Einigungen bei Erbstreitigkeiten, Scheidungen und Kindeswohl-Entscheidungen über Familiengerichte und Sozialämter. Was machen Sie mit den Konfliktparteien? Mein persönlicher Schwerpunkt liegt auf dem freiwilligen persönlichen Gespräch: mit einer Konfliktpartei als Konflikt-Coaching oder mit beiden Parteien, dann als eine klassische Konfliktmediation. Ich versuche die Parteien im geschützten Rahmen an ihre eigenen Bedürfnisse zu führen und diese zum Ausdruck bringen zu lassen. Oft geht es darum, dass bislang übereinstimmend geglaubte Wertvorstellungen oder die Planung von Lebenswegen nicht mehr passen. Manchmal entsteht in den Gesprächen ein Patt, für das ein weiterer Berater hinzugezogen werden muss, ein Rechtsanwalt oder ein Steuerberater. Seit einigen Jahren beteilige ich mich an der Initiative „Marriage Week“ - Gutes für Paare. In diesem kirchlichen Rahmen halte ich Paarseminare zur Streitvermeidung.

Gibt es typische Fälle? Ein Fall aus meiner Praxis: Ein Mann im Ruhestand zog nach fünf Jahren der Pendelei über 200 km zu seiner Partnerin. An zwei Nachmittagen pro Woche plante diese, ihre Kinder zu unterstützen und die Enkelkinder zu betreuen. Nach einem Jahr war davon wenig übrig. Die Frau verbrachte einen Großteil ihrer Zeit mit ihren Kindern und den Enkelkindern. Der Mann war höchst unzufrieden, war er doch wegen viel gemeinsamer Zeit und einem gemeinsamen Leben zu seiner Partnerin gezogen. Zudem hatte er seine eigenen Kinder zurückgelassen und sah sie nur einmal im Monat. Für ihn war es sehr schwierig, seiner Partnerin sein Anliegen nahe zu bringen. In einem Mediationsprozess fanden beide einen Weg, den sie bereit waren für ein paar Monate zu testen. Danach wollten sie erneut prüfen, ob sie so zusammenleben wollten. Spielt Ihr christlicher Glaube eine Rolle bei Ihrer Arbeit? Ja, in der Tat. Orientierung bietet mir mein Konfirmationsspruch „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes heißen“. Er liefert mir die immerwährende Aufforderung, stets auf Perspektivwechsel zu achten. Diese Haltung hat mich schon frühzeitig unbewusst bei Auseinandersetzungen in meinem Leben beeinflusst. Die Rolle der Mittlerin ist passgenau für mich gemacht. Ich versuche immer wieder die andere Seite und deren Handlungsmotivation zu sehen. Interview mit Ulf Preuß

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Wie sieht die gute Lösung eines Konfliktes aus? Die gibt es im landläufigen Sinne nicht. Die Mediatorin ist nicht verantwortlich für eine gute Lösung. Vielmehr hat sie die Aufgabe, die Parteien so durch einen schwierigen Prozess zu leiten, dass diese selbst eine gute Lösung für sich finden. Das kann auch bedeuten, dass die Konfliktpartner erstmals wieder ins Gespräch kommen und offen füreinander werden. Wenn sie eine Win-Win-Situation gestalten können, ist das der größte Erfolg.

INFO Es gibt viele Richtungen der Mediation: etwa Wirtschaftsmediation, Familienmediation, politische Mediation, Erbmediation. Bei privaten Anliegen wird der Mediator/die Mediatorin selber honoriert, mitunter zahlt ein Unternehmen für seine Mitarbeiter. Auftraggeber können aber auch das Sozialamt oder ein Gericht sein, das eine außergerichtliche Einigung empfiehlt. Mediatoren werden an Akademien und privaten Ausbildungsinstituten, aber auch über Rechtsanwaltskammern ausgebildet, neuerdings gibt es auch ein Universitätsstudium.


Von Fronten zu Wie werden aus Menschen, die im Krieg Feinde

Mitten im Landesinnern lässt sich diese Frage einfach ausblenden, im Grenzgebiet ist sie Alltag. Und die Antwort darauf scheint gar nicht so schwer: Nicht nur die Staaten schließen Frieden, sondern auch die Menschen selbst – mit der Vergangenheit, mit dem, was im Ausnahmezustand des Krieges geschehen ist. Als deutscher Pastor in den Niederlanden? „Kein Problem!“ Das Gespräch suchen hilft. Das hat Berthold Bloemendal als deutscher Pastor einer altreformierten Kirchengemeinde im niederländischen Frieschepalen immer wieder erlebt. 13 Gemeindeglieder wurden am 3. Mai 1943 im Nachbardorf Marum von den deutschen Besatzern erschossen. Zwei Monumente erinnern an dieses schreckliche Geschehen. Erträgt eine Gemeinde, in der bis heute am Jahrestag eine Schweigeminute für diese Ermordeten gehalten wird, einen deutschen Pastor? Ertragen ihn deren Hinterbliebene? „Als die Berufungskommission der Kirchengemeinde an mich herantrat, habe ich dieses Thema gleich angesprochen“, erzählt der 36-Jährige. „Die Gemeinde hat mir signalisiert: Das ist kein Problem.“ Auch den Sohn eines Jenseits von Eden der Ermordeten hat Bloemendal noch vor seinem Amtsantritt beDer eine ist Ackerbauer. Der sucht. „Ich wollte da nicht einfach so drüber hinweggehen – es andere Hirte. Das kann nicht war mir wichtig zu signalisieren, dass ich mir der Geschichte gut gehen. Hinzu kommt: bewusst bin.“ Von keiner Seite habe er Ressentiments erlebt, betont BloeJeder hat seinen eigenen mendal. Im Gegenteil: Die Gemeindemitglieder hätten das AngeAltar, seinen eigenen Kult. bot zum Gespräch gern angenommen. Man differenziere hier ganz Der Ackerbauer erschlägt den genau: „Mit den Deutschen im Ort gab es teilweise gute BeziehunHirten. Kain erschlägt Abel und gen. Für Angst und Schrecken sorgte ein Befehlshaber von außen.“ verscharrt die Leiche. Aber Gott Sehr nahe sei ihm während des Studiums in seiner Praktikumsgehört, wenn Blut schreit: Wo ist meinde in Zwolle der Besuch bei einem Ehepaar am Befreiungstag dein Bruder Abel? Soll ich meines gegangen. Beide hatten einen Bruder verloren, der von den Nazis zum Arbeitseinsatz eingezogen wurde und dabei starb. „Ich habe Bruders Hüter sein?, fragt Kain mit ihnen gebetet, und mir kamen die Tränen. Daraufhin tröstete zurück. Diese Frechheit wird ihm mich die Frau und sagte, ich könne doch nichts dafür. Das war nicht durchgelassen. Er hätte es für mich ein ganz persönlicher Befreiungstag“, sagt er, und besser wissen können. Ein elennoch immer schwingt Rührung in seiner Stimme mit. des Leben muss er nun fristen. Viel häufiger als mit der deutschen Vergangenheit werde nach: Die Bibel, Das erste Buch Mose, er mit seiner Haltung zum Fußball konfrontiert, lacht BloeKap. 4, Verse 1- 16 mendal. „Bei der WM oder der EM bin ich für Deutschland – schließlich wechselt man ja als Werder-Fan auch nicht er in zu Bayern München, nur weil man nach Süddeutschland or in se tscher Past hepalen. dal als deu sc en ie umzieht.“ Fr em lo en B ndisch erthold B iederlä einde im n Kirchengem

Fotos: Anke Brockmeyer


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Freundschaften waren, wieder Nachbarn? Kopje koffie oder Tasse Tee? Im Wohnzimmer von Gré Oosterhuis im ostfriesischen Bunde steht die große Kanne schon auf dem Tisch. „Een kopje koffie“, die Tasse Kaffee, gehört für jeden Niederländer ultimativ dazu, wenn Besuch kommt. Und deshalb gibt es heute für Wilhelm Vennegeerts keinen Ostfriesentee, sondern Kaffee. Er weiß es zu schätzen – der altreformierte Pastor im Ruhestand hat selbst jahrelang in den Niederlanden gelebt und ist nach dem Studium eher zufällig nach Deutschland zurückgekommen. Oosterhuis, Jahrgang 1943, ist in der Provinz Groningen aufgewachsen und 1971 mit ihrem Mann nach Meppen im Emsland gezogen, wo ihre Schwiegereltern einen Bauernhof gepachtet hatten. Vennegeerts, Jahrgang 1940, stammt aus Emlichheim in der Grafschaft Bentheim. Weil das nächstgelegene Gymnasium in den Niederlanden lag, machte er dort sein Abitur und studierte anschließend in Amsterdam. „Die entspannte Art der Holländer hat mir immer gut gefallen“, sagt er. Gré Oosterhuis nickt zustimmend. Für sie war es in den 70er Jahren nicht einfach, mit der holländischen Offenheit in Deutschland anzukommen. „Mal eben unangekündigt eine Nachbarin zum Kaffee zu besuchen, war damals hier undenkbar“, lacht sie. Er habe sich willkommen gefühlt in den Niederlanden, sagt Wilhelm Vennegeerts. An zwei Ereignisse, die dies untermauern, denkt er gern: „Als ich auf dem Gymnasium erwischt wurde, weil ich meine Hausaufgaben nicht gemacht hatte, schimpfte der Lehrer heftig – zu Recht, wie ich fand. Aber meine Mitschüler haben sofort für mich Partei ergriffen. Das hat mich gerührt.“ Und an den Geschichtslehrer, der – anders als zu jener Zeit in Deutschland – den Zweiten Weltkrieg thematisierte und einräumte, auch Niederländer hätten mit den Nazis zusammen gearbeitet, erinnert er sich mit Hochachtung.

Als sich Gré Oosterhuis und ihr Mann entschlossen, nach Deutschland zu gehen, stieß das bei ihren holländischen Freunden auf Unverständnis. „Doch nachdem unsere Entscheidung feststand, ist sie akzeptiert worden“, erinnert sich die 74-Jährige. Lange pendelte das Paar zwischen beiden Ländern – auch, weil es in Meppen keine altreformierte Gemeinde gab und die Söhne deshalb in den Niederlanden getauft wurden. Bis heute ist Gré Oosterhuis gern in Holland, besucht Geschwister und Freundinnen, zu denen der Kontakt nie abgerissen ist. Dennoch sagt sie: „Ich werde immer Holländerin bleiben. Doch mein Zuhause ist jetzt hier.“ Als sie mit ihrem Mann 1980 vom katholischen Meppen nach Jemgum in Ostfriesland zog, um dort einen Hof zu übernehmen, war sie voller Zuversicht. „Dort gab es eine reformierte Gemeinde, und darauf freute ich mich“, erinnert sie sich. Aber während man das Ehepaar in Meppen offen aufgenommen hatte, blieben sie anfangs in Jemgum fremd. „Der Grund war aber nicht, dass wir Holländer waren, sondern dass wir nicht aus dem Ort kamen. Zugezogene hatten es dort schwer – unabhängig von der Nationalität“, betont sie. Grenzgänger sind Vennegeerts und Oosterhuis bis heute. Gern fahren sie über die nur gut fünf Kilometer entfernte Landesgrenze, nach Nieuweschans oder bis nach Groningen. „Das ist ja kein Problem mehr. Früher waren die Grenzbäume von Mitternacht bis sechs Uhr morgens geschlossen – da musste man aufpassen, dass man noch rechtzeitig rüberkam“, lacht Gré Oosterhuis. Von Anke Brockmeyer

Gré Oosterhuis und Wilhelm Vennegeerts im ostfriesischen Bunde.

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1. Die deutsche und die syrisch -libanesische 2. Delegation au 2. Eingang de f dem Dach de s „wilden“ Flü s griechisch-or chtlingscamps thodoxen Klos in der Nähe vo 3. Die Schule ters in Dhour n Zahle. der Evangelis Shweir. chen Kirche in Syrien und de 4. Florian Ihle m Libanon in nfeldt bekomm der Nähe des t vor einer Be Flüchtlingslage wohnerin des rs. Die Kirche Flüchtlingslage hat dafür Räum rs einen Pfirsich e in dem Ort geschenkt. Zahle angemie tet.

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Auch Beten ist Gemeindedelegation besuchte

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„Die Menschen in Syrien wünschen sich nichts sehnlicher als den Frieden.“ Diese Worte hörten die zwölf Mitglieder der evangelisch-reformierten Gemeindedelegation, die im Juni sieben Tage im Libanon war, unzählige Male. Unter der Leitung von Ökumenepastor Thomas Fender und der Menschenrechtsreferentin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Sabine Dressler, besuchten sie die Evangelische Kirche in Syrien und dem Libanon mit Sitz in Beirut. In den Gesprächen sei es vor allem um Wege zum Frieden gegangen, so Fender. In Syrien gebe es Kämpfer aus 80 bis 90 Nationen, von denen viele gar nichts über das Land wüssten. „Oft haben wir die Sorge gehört, dass der Syrienkrieg Auslöser eines Dritten Weltkriegs werden könnte, da inzwischen so viele Nationen an dem Bürgerkrieg beteiligt sind“, berichtet er.

„Die Christen im Libanon und Syrien haben uns darum aufgefordert, dass wir uns mehr in unser politisches System einmischen sollen, damit Krieg und Gewalt beendet werden können“, sagt Florian Ihlenfeldt aus der Gemeinde Uelzen-Lüneburg. Saudi-Arabien, das auf Seiten der Kämpfer des IS stehe, solle nicht mehr unterstützt werden. Es gebe die Hoffnung, dass die Kirchen in Europa Einfluss auf ihre Regierungen nehmen könnten. Ein syrischer Theologe habe dazu aufgerufen, Waffenlieferungen einzustellen. Wo immer die Waffen hingelangten, würden sie Unfrieden stiften. Zu der Bitte der Menschen aus dem Kriegsgebiet um Solidarität gehöre auch der Wunsch, um den Frieden zu beten, betonte Christine Kimmich, Ruhestandspastorin aus der Kirchengemeinde Leer-Loga. „Auch Beten ist aktive Friedensarbeit: Diesen Satz habe ich mehrere Male gehört.“ Die Delegation besuchte auch ein Flüchtlingslager etwa 50 Kilometer von Beirut entfernt auf halber Strecke nach Syrien. Dort leben etwa 200 syrische


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Neidlos teilen Abraham find et einen Weg für das neidlo seinen Hirten se Teilen, als und den Hirte es zwischen n Wer erhält vo Lots, Abraha n den abgeern ms Neffen, zu teten Feldern Streit kommt. Herden? Abra die noch best ham sagt zu L e n F lächen für se ot: Suche du Rechten. Geh ine aus! Gehst du st du zur Rec z u r L in hten, gehe ic k e n , g wählt. Abrah e he ich zur h zur Linken. am verlässt si Du hast die W c h d a ra a u h f, l. Und Lot dass Gott ihn nach: Die Bibe l, 1. Buch Mos weiterhin vers e, Kap. 13, Ve orgen wird. rse 5-18

Fotos: Helmuth Bruns und Karin Meixner

aktive Friedensarbeit Evangelische Kirche in Syrien und dem Libanon Flüchtlinge in einem „wilden“ Camp auf einer Schafund Pfirsichfarm. „Hier herrschen katastrophale hygienische Zuständen“, so Fender. Dennoch haben die Menschen uns dort von dem Wenigen, was sie haben, etwas geschenkt, erinnert sich Florian Ihlenfeldt. Insgesamt leben in dem kleinen Staat Libanon mit etwa vier Millionen Einwohnern rund eine Million Flüchtlinge in offiziellen Camps, eine unbekannte Anzahl in solchen nicht registrierten Camps. In der Nähe des Camps betreibt die Evangelische Kirche in Syrien und dem Libanon eine Schule für Flüchtlingskinder. Seit Jahrzehnten schon gehöre Bildungsarbeit zum Programm der kleinen christlichen Kirche, so Fender. Dabei habe die Religionszugehörigkeit nie eine Rolle gespielt. Die christlichen Schulen würden vorwiegend von muslimischen Schülern besucht. So ist es auch in der Flüchtlingsschule. Die Leiterin der Schulen habe gesagt: „Die Religion gehört zu Gott. Das Land gehört allen Menschen.“ Die Religion sei wichtig in Syrien, aber sie sei es nie für die nationale Identität gewesen. Erziehung zum

Frieden könne nur dann gelingen, wenn Kinder schon früh das Miteinander verschiedener Konfessionen und Religionen erfahren könnten, sei die einhellige Meinung in der syrischlibanesischen Kirche. „Den Menschen ist wichtig, dass wir im Kontakt bleiben und sie im Gebet und unserem politischen Engagement unterstützen“, betonte Christine Kimmich, die als Kirchenälteste die Delegation begleitet hatte. Darum wollten nun alle Reiseteilnehmer ihre Erfahrungen bei Gemeindeveranstaltungen weitergeben und um Unterstützung werben. Seit knapp vier Jahren unterhält die reformierte Kirche Beziehungen zu der kleinen Evangelischen Kirche in Syrien und dem Libanon. Zu der Kirche gehören in beiden Ländern zusammen 12.000 Mitglieder in 43 Kirchengemeinden, unter anderem in den Bürgerkriegsstädten Aleppo und Homs. Von Ulf Preuß

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REFORMIERTES REISEZIEL

PERSONEN

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Reformierte in Deutschland.

Ich bin fremd gewesen Ausstellung in Hannover vom 13.08. - 28.09.18 Öffnungszeiten: Mo bis Do von 8 - 16.30 Uhr, Fr von 8 - 15 Uhr im Foyer der EKD - Evangelische Kirche in Deutschland

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Heinz-Hermann Nordholt, Pastor der Gemeinde Nordhorn, ist Ende August in den Ruhestand getreten. Der 65-jährige Theologe war bis Juni als Präses des Synodalverbands das reformierte Gesicht der Grafschaft Bentheim. In dieser Funktion war er auch Vorsitzender der ökumenischen Begegnungsstätte Kloster Frenswegen. Bevor der gebürtige Schüttorfer 1991 in die Grafschaft zurückkehrte, war er Pastor in Erlangen. In der Grafschaft war er zunächst Studienleiter im Kloster Frenswegen und dann 17 Jahre lang Religionslehrer. 2009 wurde er zum Präses gewählt. Hans-J. Kretzmer-Janßen, Pastor der Kirchengemeinden Uphusen und Bedekaspel, ist seit dem 1. August im Ruhestand. Der 64-jährige Theologe war 27 Jahre für die beiden Kirchengemeinden zuständig. Bis April dieses Jahres war er zudem mehr als zehn Jahre lang Präses des Synodalverbands Nördliches Ostfriesland und damit auch für zahlreiche diakonische Einrichtungen in der Region um Emden zuständig. [2]

Im Reformationsjubiläumsjahr 2017 hat die Evangelischreformierte Kirche an das Thema „Reformation und Migration“ erinnert. Viele reformierte Gemeinden in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Ihre Gründer waren Glaubensflüchtlinge aus England und den Niederlanden oder Hugenotten aus Frankreich. „Ich bin fremd gewesen. 500 Jahre Reformation – 500 Jahre Migration.“ Im Sommer 2017 war diese Ausstellung im Emder Hafen zu sehen. Untergebracht auf einem historischen Segelschiff, dem „Schepken Christi“, schlug sie eine Brücke in die Gegenwart. In acht persönlichen Filmportraits erzählt sie von Flucht aus der Heimat und Ankunft in der Fremde. Wir freuen uns sehr, dass wir Ihnen diese Ausstellung nun in Hannover zeigen können, im Foyer des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland. Veranstaltungsort: Kirchenamt der EKD Herrenhäuser Str. 12 30419 Hannover-Herrenhausen

Frank Wessels, Pastor in Suurhusen und Marienwehr, ist neuer Präses des Synodalverbands Nördliches Ostfriesland. Ab April nahm er dieses Amt bereits kommissarisch wahr, im Juni wählte die Synode den 45-jährigen Theologen. Wessels ist Pastor der Kirche mit dem schiefen Turm - die Alte Kirche Suurhusen hat laut Guinness-Buch der Rekorde den schiefsten Turm der Welt. [3]

Steffen Tuschling, Pastor der Gemeinde Osnabrück, wird neuer Studierendenseelsorger in Potsdam. Der 49-jährige Theologe wechselt zum 1. September. Tuschling war seit 2003 Pastor der Gemeinde. In der Evangelisch-reformierten Kirche war er für die Kontakte zur orthodoxen Kirche zuständig. Einen Teil seines Theologiestudiums absolvierte er in Sibiu in Rumänien.

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Ilse Viet ist neue Fachberaterin für Kindertagesstätten bei der Evangelisch-reformierten Kirche. Die 55-jährige Kindheitspädagogin und Erzieherin hat ihre Stelle am 1. Juli 2018 angetreten. Aufgabe der Fachberaterin ist es, die Qualität in den Kindertageseinrichtungen der Evangelisch-reformierten Kirche zu fördern. Viet ist zuständig für 50 Kindergärten und Kinderkrippen in Ostfriesland, der Grafschaft Bentheim, im Bremer Umland und in der Nähe von Göttingen. Hier werden etwa 3.500 Kinder von 270 hauptamtlichen pädagogischen Fachkräften betreut. [5]

Linda Janssen ist neue Pastorin der Gemeinde Osnabrück. Die Gemeinde wählte die 33-jährige im Juni. Sie wird Nachfolgerin von Günter Baum, der im Mai seinen Ruhestand angetreten hat. Linda Janssen ist gebürtige Ostfriesin und arbeitete zuletzt in der Gemeinde Braunschweig. Sie studierte Theologie unter anderem in Kiel und Berlin und absolvierte ihr Vikariat in Hannover. [6]

Udo Groenewold, ehemaliger Pastor der Gemeinde Leer, ist für sein Engagement im christlich-jüdischen Dialog ausgezeichnet worden. Am 12. August erhielt der 82-jährige den „Blickwechselpreis 2018“ des Vereins „Begegnung Christen und Juden Niedersachsen“. Die Begegnung mit jüdischen Überlebenden und schließlich die große Bedeutung des Staates Israel für die Shoa-Überlebenden hätten sein Wirken bestimmt. Er habe in der Kirche und der Gesellschaft die Frage des Verhältnisses und der Begegnung von Juden und Christen beharrlich und unermüdlich zur Sprache gebracht, hieß es. [7]

Heidrun Oltmanns, Pastorin der Gemeinde Schüttorf, ist neue Präses des Synodalverbands Grafschaft Bentheim. Die 43-jährige Theologin ist Nachfolgerin von HeinzHermann Nordholt. Sie vertritt damit den mit mehr als 40.000 Kirchenmitgliedern mitgliederstärksten Synodalverband in der Evangelisch-reformierten Kirche.


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Foto: privat

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Foto: privat

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Foto: Bärbel Recker-Preuin

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Friedensgottesdienst in Osnabrück Mit einem Friedensgottesdienst in Osnabrück will die Evangelisch-reformierte Kirche die öffentliche Friedensdiskussion fördern. Der Gottesdienst wird am 9. September in der Osnabrücker Bergkirche gefeiert. Er vertiefe Fragen aus dem Diskussionspapier „Um Gottes Willen: Frieden fördern. Gewalt unterbinden“, so Kirchenpräsident Martin Heimbucher. Der Ausschuss für Friedensarbeit hatte das Papier Ende April der Gesamtsynode vorgelegt. 13 Theologen und Nicht-Theologen formulieren darin theologische Antworten zu aktuellen Friedensfragen.

vor waren es 175.076. Wesentlich für den Mitgliederrückgang ist der demografische Wandel. Den 2.209 Verstorbenen stehen nur rund 1.300 Taufen gegenüber. Seit längerer Zeit konnten erstmals wieder mehr Taufen gezählt werden, 2017 wurden rund 200 Kinder mehr getauft als 2016. Die Zahl der Kirchenaustritte bleibt mit 1.109 auf einem niedrigen Niveau. Im Jahr 2015 traten noch 1.381 Menschen aus der reformierten Kirche aus. Die Jahresstatistik weist 345 Kirchenübertritte und 110 Wiedereintritte aus. Klassik für Kinder in Leipzig Zum 13. Mal veranstaltet die Evangelischreformierte Kirche zu Leipzig ihr Musikfestival „Klassik für Kinder“. Es lädt Kinder ein, klassischer Musik zu erleben: Einfach nur zuhören, selber musizieren, professionellen Musikern begegnen oder für selbst komponierte Musik ein Podium erhalten. In diesem Jahr findet das Festival vom 21. bis 23. September statt. Auf dem Programm stehen Mozarts „Zauberflöte“ und ein Venedig-Krimi um Vivaldis „Gloria“ sowie frische Kinderkompositionen für Klavier. Johann Sebastain Bach ist mit dem „harmonischen Labyrinth“ und der h-Moll-Ouvertüre dabei.

Es sei sein persönliches Anliegen, eine neue Diskussion zum kirchlichen Engagement für den Frieden anzustoßen, so Heimbucher. „Das scheinbar unaufhaltsam weitergehende Morden in Syrien raubt uns den Atem.“ Das Zusammenleben von Gruppen, Staaten und Völkern sei in vielfältiger Weise gestört und bedroht. Die Evangelisch-reformierte Kirche wolle eine Diskussion im öffentlichen Raum führen, kündigte Heimbucher an. Über den Herbst werden auch andere Kirchengemeinden das Osnabrücker Konzept eines Friedensgottesdienstes umsetzen.

Mitwirkende sind in diesem Jahr unter anderem das Pantomime-Duo Bodecker und Neander, das Orchester der Musikalischen Komödie der Oper Leipzig sowie hochklassige Solisten. Alle Konzerte finden in der evangelisch-reformierten Kirche in Leipzig am Tröndlinring statt.

Termin: Sonntag, 9. September 2018 – 10.00 Uhr

www.klassik-fuer-kinder-leipzig.de

Foto: privat

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Foto: Ulf Preuß

Ort: Evangelisch-reformierte Bergkirche, Bergstraße 16, 49076 Osnabrück

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Weniger Mitglieder Die Evangelisch-reformierte Kirche hat im vergangenen Jahr rund 1.700 Mitglieder verloren. Zum Ende des Jahres 2017 gehörten 173.305 Christinnen und Christen zu den 145 Kirchengemeinden zwischen Ostfriesland und dem Allgäu. Ein Jahr zu-

IMPRESSUM Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Redaktion: Ulf Preuß (verantwortlich), Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Mitarbeit an dieser Ausgabe: Klaus Bröhenhorst Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Herbert Sperber, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: dpp - Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.dpp-leer.de Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Kirchenpräsident: Entscheidung der Humanität Abschiebepraxis in Bayern bleibt nach Ende des Bayreuther Kirchenasyls im Fokus Kirchenpräsident Martin Heimbucher hat sich über das Ende des Kirchenasyls in der Evangelisch-reformierten Gemeinde Bayreuth sehr erfreut gezeigt. „Das bayerische Innenministerium hat im Sinne der humanitären und christlichen Verpflichtung gehandelt“, kommentierte er die Entscheidung, dass der 22-jährige Afghane Danial M. in Deutschland bleiben kann.

Pfarrer Simon Froben (rechts) zusammen mit Danial M. vor der Evangelischreformierten Kirche Bayreuth

Im Juli hatte sich Heimbucher in einem Brief an Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Hermann (beide CSU) dafür eingesetzt, dass der gut integrierte Afghane nicht in sein Heimatland abgeschoben werden dürfe. Heimbucher schrieb damals: „Ihn abschieben zu lassen und von seiner Familie zu trennen, wäre eine Härte, die an Willkür grenzt. Eine solche Entscheidung widerspräche gerade jenen Werten, die unsere Gesellschaft prägen und deren Achtung wir zu Recht auch von denen fordern, die bei uns Zuflucht finden.“ Am Montagabend, 13. August 2018, hatte die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Bayreuth mitgeteilt, dass der seit 2015 in Deutschland lebende Afghane von

der Ausländerbehörde Oberfranken eine sogenannte Ermessensduldung erhalte. Dies habe das bayerische Innenministerium entschieden. Danial M. hatte Anfang Juli in der Kirchengemeinde um Kirchenasyl gebeten, um der unmittelbar bevorstehenden Abschiebung zu entgehen. Zweimal bereits hatte die Polizei ihn nicht angetroffen. Sein Fall hatte bundesweites Medieninteresse und Unterstützung von vielen Seiten hervorgerufen, nicht zuletzt weil sein Fall beispielhaft für die Abschiebepraxis in Bayern stand. Anders als seine Eltern und minderjährigen Geschwister durfte er nach Ablehnung seines Asylantrags nicht in Deutschland bleiben. Heimbucher kündigte an, sich beim Bayerischen Innenminister für die Entscheidung zugunsten einer weiteren Duldung zu bedanken. „Dies ist ein sehr schöner Tag für Danial M. und die Bayreuther Kirchengemeinde.“ Gleichwohl gelte es weiterhin, die bayerische Abschiebepraxis zu beobachten, die sich von der anderer Bundesländer unterscheide. Der Fall des Bayreuther Kirchenasyls zeige, dass es Fälle gebe, in denen der Vollzug der staatlichen Rechtsprechung einer erneuten Überprüfung bedürfe.

POSITION

Foto: Gemeinde Bayreuth

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4 reformiert 2018  

Konflikte und ihre Bewältigung gehören zum Alltag der Menschen dazu. Unsere Geschichten in der Ausgabe 4 reformiert 2018 erzählen allesamt v...

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Konflikte und ihre Bewältigung gehören zum Alltag der Menschen dazu. Unsere Geschichten in der Ausgabe 4 reformiert 2018 erzählen allesamt v...

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