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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

4 reformiert 2017 201620September Oktober November

Weltversammlung:

Bundespräsident trifft Reformierte


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Seite 4: Ein Reformierter spricht zu Reformierten: Bundespräsident Steinmeier bei der Weltversammlung in Leipzig.

Seite 10: Die Münchner Gemeinde stellte ihre Kirche im Ramadan Muslimen für ihr Freitagsgebet zur Verfügung.

Foto: Anna Siegelkow

Seite 4 Freiheit ist die Frucht reformatorischen Glaubens Bundespräsident Steinmeier spricht bei der Weltversammlung der Reformierten Seite 6 Die eigene Persönlichkeit entwickeln Diakonisches Werk verabschiedet Freiwillige

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Seite 8 Ute und Charlie auf Kurs Flusskreuzfahrt zum Reformationsjubiläum als Hochzeitsreise Seite 10 Gebets-Asyl bei den Reformierten Münchner Gemeinde öffnet Kirche für muslimisches Freitagsgebet Seite 12 1517 bis 2017 - 500 Jahre Reformation Ein Quiz. Sechs Fragen mit sieben Antworten

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Seite 15 Vormerken: Gemeindewahl 2018 Seite 16 Mein Bibelvers Seite 18 Personen / Aktuelles / Impressum Seite 20 Gebet Lebendiger Gott. Erneure und verwandle uns.

Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Evangelisch-reformierte Kirche Stichwort: reformiert Sparkasse LeerWittmund IBAN: DE94 2855 0000 0000 9060 08 SWIFT-BIC: BRLADE21LER Spendenquittung wird zugesandt Titelseite: Der Generalsekretär der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, Chris Ferguson, begrüßt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Leipzig, in der Mitte der damalige Präsident der Weltgemeinschaft, Jerry Pillay. (Foto: Anna Siegelkow)

Foto: Antje Dechert


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Foto: wikepedia

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Seite 12: Ein Quiz zum Reformationsjubiläum Seite 15: Die nächste Gemeindewahl findet am 11. März 2018 statt

Liebe Leserin, lieber Leser, es war sicher nicht selbstverständlich, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine Zusage, die er als Bundesaußenminister gegeben hatte, einhielt. So kam der 61-Jährige am 30. Juni als Staatsoberhaupt zum Eröffnungsgottesdienst der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen. Ein prägendes Erlebnis: für die Gemeinde in Leipzig, die Musiker des Landesbläserensembles und die vielen Menschen, die die Versammlung vorbereitet haben. Ermutigende Worte fand der Evangelisch-Reformierte aus dem Lipperland.

Grafik: gobasil

Ermutigend finde ich auch, wie sich junge Menschen Jahr für Jahr in einem Freiwilligenjahr engagieren und dort etwas für ihre Leben mitnehmen. Da ist es auch richtig, diese würdig zu verabschieden. Und ebenso ermutigend finde ich das Angebot der Evangelisch-reformierten Gemeinde München an Muslime der Stadt: Ihr könnt in unserer Kirche euer Freitagsgebet abhalten. Brauchen wir nicht solche Signale in unserer Zeit? Ich wünsche mir, dass auch Sie durch die Lektüren dieser Ausgabe Ermutigung finden.

3 Ihr Ulf Preuß

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

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Freiheit ist die Frucht reformatorischen Bundespräsident Steinmeier spricht bei der Weltversammlung Er war der höchstrangige Gast der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Am 30. Juni nahm er am Eröffnungsgottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche teil und sprach anschließend zu den rund 800 Delegierten und Gästen. Schon als Außenminister hatte der evangelisch-reformierte Christ seine Teilnahme zugesagt und diese Zusage auch nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten eingehalten. Auszüge aus der Ansprache von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Wortlaut: „Im Jahr des großen Jubiläums der Reformation nun sind Sie hier zusammengekommen – hier, in dem Land, von dem aus die Reformation ihren allerersten Anfang genommen hat. Aber wirklich nur den allerersten, denn wie schnell wurden dann auch schon die reformierten Bekenntnisse in anderen Ländern Europas artikuliert, in der Schweiz, in Holland, in Schottland und anderswo. Martin Luther selber hat seine Hauptwirkung zunächst im deutschsprachigen Raum entfaltet. Zu einer mächtigen europäischen Bewegung ist die Reformation vor allem durch Zwingli und Calvin geworden. Die reformierten Kirchen sind von Anfang an eine machtvolle internationale Bewegung gewesen; (…)

Sie haben sich hier in Leipzig versammelt und wir haben den Gottesdienst hier in der Nikolaikirche gefeiert. Diese Kirche hat in ihrer Geschichte viele bedeutende Stunden erlebt – wir Deutschen von heute haben vor allem lebendig im Gedächtnis, was 1989 von hier ausgegangen ist. Die Friedliche Revolution wäre ohne die Friedensgebete in der Nikolaikirche und das, was sie dann auf den Straßen Leipzigs in Bewegung gesetzt haben, anders verlaufen. Evangelischer, reformatorischer Glaube, der in dieser Kirche lebendig war, dieser Glaube hat damals Suchenden ein Obdach gegeben, Zweifelnden Mut gemacht, Verzagten Hoffnung gegeben. Hier haben Menschen den Mut gefunden, gegen Unterdrückung und Lüge aufzustehen. Hier haben Menschen die Freiheit erfahren, die zum aufrechten Gang ermächtigt. Ja, die Freiheit! Sie ist vielleicht die schönste Frucht reformatorischen Glaubens. Die religiöse Freiheit, die Freiheit des Gewissens und dann auch die politische Freiheit und die politische Selbstbestimmung. In vielen Ländern der Welt kann man von der Freiheit, die 1989, gerade auch hier von Leipzig aus, für ganz Deutschland und für ganz Europa erkämpft worden ist, nur träumen. Wir sollten mit klarer Stimme Stellung beziehen: Als Deutsche und als Europäer ist und bleibt es unser Ziel,

Das Landesbläserensemble unter der Leitung von Helga Hoogland im Eröffnungsgottesdienst. Das Ensemble gestaltete auch das musikalische Programm eines ZDF-Fernsehgottesdienstes im Berliner Dom mit, der zum Programm der Weltversammlung gehörte.

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Glaubens der Reformierten dass sie auch dort Wirklichkeit wird, wo noch immer oder wieder neu Zensur, Unterdrückung und Missachtung der fundamentalen Menschenrechte herrschen. Stellung beziehen sollten wir auch dort, wo Menschen wegen ihres Glaubens, wegen ihres Bekenntnisses verfolgt werden. Das trifft Menschen vieler Konfessionen, aber es trifft mit neuer Härte gerade auch Christen im Nahen Osten. Unsere Aufmerksamkeit dafür kann nicht jedes Unrecht aufhalten. Aber wir können und wir müssen die Einschüchterung oder schlimmer die Gewalt als Unrecht benennen! Die Freiheit des Glaubens ist unveräußerliches Menschenrecht! (…) Das Wichtigste aber haben wir gerade bereits gemeinsam getan: nämlich miteinander gebetet, gesungen und Gottesdienst gefeiert. Was immer wir innerhalb der Kirchen sonst noch tun, was immer wir als Christen politisch, ökonomisch oder ökologisch vornehmen: Das Wichtigste ist und bleibt, das ist meine tiefe Überzeugung als evangelischer Christ und als Angehöriger einer reformierten Kirche: Lob und Dank zu sagen dem Schöpfer, der es gut mit uns meint.“

Frank-Walter Steinmeier wuchs in Brakelsiek in der Nähe von Detmold auf, das zur Lippischen Landeskirche gehört. Der 61-Jährige gehörte viele Jahre zum Präsidium der Evangelischen Kirchentags und sollte Kirchentagspräsident in Dortmund (2019) werden. Doch dann wurde er am 12. Februar 2017 zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt.

INfo Alle sieben Jahre tagt die Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen. Das höchste beschlussfassende Gremium der Gemeinschaft von rund 80 Millionen Christen aus Kirchen mit reformierter Tradition fand im Jahr des Reformationsjubiläums vom 30. Juni bis 7. Juli in Leipzig und Wittenberg statt. Etwa 800 Delegierte und Gäste aus 200 Kirchen in aller Welt nahmen teil. Eingeladen hatten die Evangelisch-reformierte Kirche, die Lippische Landeskirche und der Reformierte Bund.

Tagungsort für die 800 Delegierten und Gäste war das Messezentrum in Leipzig Fotos: Anna Siegelkow

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Die eigene Persönlichkeit Diakonisches Werk verabschiedet Freiwillige Ein Jahr lang freiwillig in sozialen oder kirchlichen Einrichtungen arbeiten: 96 Jugendliche sind diesen Schritt gegangen und wurden jetzt vom Diakonischen Werk feierlich verabschiedet.

Der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes, Volker Hans, überreicht Urkunden an die Freiwilligen.

Foto: Werner Westdörp

„Es war eine coole und unvergessliche Zeit“, zieht Milan Meyer aus Uelsen Bilanz. Der 19-Jährige hat in den vergangenen sieben Monaten in der Oberschule Uelsen ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert. Er und 58 weitere FSJler sowie 34 Bundesfreiwilligendienstleistende (BFDler) und drei BFDler mit Flüchtlingsbezug wurden im Kloster Frenswegen in Nordhorn vom Diakonischen Werk Grafschaft Bentheim verabschiedet. „Der Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug ist in diesem Jahr neu dazu gekommen“, erklärt Arne Bergmann, Fachbereichsleiter Freiwilligendienst des Diakonischen Werkes. In diesem Bereich waren entweder selbst Menschen mit Migrationshintergrund in einer sozialen Einrichtung tätig oder die BFDler kamen in der Flüchtlingshilfe zum Einsatz. Auch die übrigen Jugendlichen konnten Einblicke in soziale Berufsfelder gewinnen, etwa in Schulen, Kitas, Seniorenheimen, Kinder- und Jugendhäusern oder Hospitälern. „Das soziale Jahr

soll in erster Linie ein Bildungs- und Orientierungsjahr für die jungen Erwachsenen sein“, sagt Bergmann. Gemeinsam mit seinem Team vom Diakonischen Werk betreute er die Jugendlichen während ihrer Arbeit, aber auch auf 25 Bildungstagen. In Rollenspielen, Liedern und Fotos ließen die FSJler und BFDler ihr soziales Jahr Revue passieren: Überwiegend als lächerlich empfundene Spiele auf den Seminaren oder „das Mädchen für alles“, das einige ab und zu sein mussten. Aber sie zeigten auch auf, dass sich Freundschaften und die eigenen Persönlichkeiten entwickelt haben. „Der schönste Satz, den ich in diesem Jahr in einem Gespräch mit den Jugendlichen gehört habe, war: ‚Ich kann jetzt einkaufen und kochen‘“, erzählt der Fachbereichsleiter weiter und lacht. Christin Heils‘ Wunsch, im Kindergarten zu arbeiten, bestätigte sich durch ihr Freiwilligenjahr in der Kindertagesstätte Sperberstraße in Bad Bentheim. „Während meiner Ausbildung zur Sozialassistentin war ich immer nur ein paar Wochen im Praktikum im Kindergarten im Einsatz. Jetzt konnte ich ein ganzes Jahr miterleben und durfte schon viele Aufgaben übernehmen. So habe ich das Frühstück und Mittagessen vorbereitet, mit


entwickeln den Kindern gespielt, aber auch Feste mit organisiert“, erzählt die 20-Jährige. Auch Milan Meyer möchte jetzt aufgrund seiner Erfahrung in der Oberschule Uelsen ab Oktober Lehramt studieren: „Ich war mir vorher nicht ganz sicher, ob die Arbeit mit Jugendlichen etwas für mich ist oder ob ich überhaupt vor einer Klasse stehen und reden kann. Doch ich wurde super von den Schülern angenommen“, sagt der 19-Jährige. Aber er musste auch erschreckende Erfahrungen machen. Während seines Einsatzes mit dem Sozialarbeiter der Schule führte er oft Gespräche mit Schülern, die hilflos waren und nach Rat suchten. „Ich hätte nicht gedacht, dass es solche Probleme auch bei uns in der Grafschaft gibt“, erzählt er. Während er mit den 381 Euro Vergütung gut auskam, empfand die 20-jährige Jil Nyman den Standardlohn als zu gering. Sie unterstützte im vergangenen Jahr die Krankenschwestern auf der Entbindungsstation der Euregio-Klinik. „Im Krankenhaus hatte ich Nachtschichten und arbeitete am Wochenende. Dazu musste ich jeden Tag von Emlichheim nach Nordhorn fahren. Ich finde es

unfair, dass man dafür nur den gleichen Lohn wie andere Freiwillige bekommt.“ Als sie im vergangenen Sommer mit der Schule fertig war, hatte sie den Wunsch, im medizinischen Bereich zu arbeiten - im BFD wollte sie erfahren, ob dieser Bereich auch wirklich ihren Neigungen entspricht. Jetzt ist sie sicher: „Mir hat die Arbeit mit den Menschen zwar unglaublich viel Spaß gemacht, aber Schichtarbeit ist einfach nichts für mich. Ich habe mich für ein Lehramtsstudium entschieden.“ Der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes der Grafschaft Bentheim, Volker Hans betonte die Unverzichtbarkeit des freiwilligen Einsatzes für die Gesellschaft. „Mit Ihrem Engagement waren Sie ein Gewinn für alle Einrichtungen. Sie waren dort, wo Menschen Hilfe brauchten“, sagt Hans. In den unterschiedlichen Darbietungen erkannte auch er die Motivation und Lebensfreude der Jugendlichen, zu helfen. „Viele Einrichtungen wären ohne die Hilfe von Freiwilligen nicht in der Lage, ihre Arbeit anzubieten. Dieser Dienst an der Gesellschaft verdient großen Respekt.“ Von Larissa Rehbock

INfo Etwa 100 Freiwillige im Alter zwischen 16 und 26 vermittelt das evangelisch-reformierte Diakonische Werk der Grafschaft jedes Jahr an etwa 80 Einsatzstellen in der Grafschaft, im Emsland und in Ostfriesland. Dazu gehören Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Senioren- und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, Kirchengemeinden und Kultureinrichtungen. Das Freiwilligenjahr beginnt in der Regel am 1.8. oder 1.9. und dauert ein Jahr. Die Freiwilligen sind in dieser Zeit krankenund sozialversichert und erhalten ein monatliches Taschengeld von 300 Euro. Zum Freiwilligenjahr gehören 25 Bildungstage, die das Diakonische Werk organisiert. Kontakt: Freiwilligendienste bei Diakonischen Werk der Grafschaft Bentheim Telefon: 05921 – 81 111 15, freiwilligendienste@diakonie-grafschaft.de www.diakonie-grafschaft.de

Fotos: Larissa Rehbock

Von links: Milan Meyer aus Uelsen, Jil Nyman aus Emlichheim und Christin Heils aus Engden

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Ute und Charlie auf Kurs Flusskreuzfahrt zum Reformationsjubiläum als Hochzeitsreise N 53° 33.728‘, E 006° 44.842‘ – kaum jemand kennt wohl die Koordinaten seines Standesamtes so gut wie Ute Hoppe und Achim „Charlie“ Ranter. Im Mai haben sie auf dem Feuerschiff Borkumriff geheiratet, und nach kurzem „Landgang“ geht es im September auf dem Wasser weiter: Seine Hochzeitsreise macht das Paar auf der MS Princess.

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Ute Hoppe und Charlie Ranter haben auf dem Feuerschiff Borkumriff im Borkumer Hafen geheiratet. Die MS Princess startet am 19. September mit etwa 100 Gästen ihre ReformationsKreuzfahrt. Ziel ist am 27. September Wittenberg.

Vom 19. bis 27. September ist das Passagierschiff auf einer Fluss-Kreuzfahrt zum Reformationsjubiläum auf den Spuren des Jahres 1517 unterwegs. Nach dem Reisesegen in der ehemaligen „Moederkerk“ in Emden, der heutigen Johannes a Lasco Bibliothek, geht es über Dörpen, Bremen, Minden, Hannover, Calvörde und Magdeburg nach Wittenberg. „Wir haben die Ankündigung im Magazin ‚reformiert‘ gelesen und fanden die Idee einer solchen Kreuzfahrt sofort toll“, erzählt Ute Hoppe. „Das verspricht ein optimales Maß an Entschleunigung.“ Außerdem, fügt sie hinzu, komme sie dann in den Genuss, Wittenberg in Ruhe und mit einer Führung zu sehen. „Ich war auf dem Kirchentag, aber eigentlich habe ich von der Stadt selbst kaum einen Eindruck bekommen“, sagt sie. Seit 2009 ist die Lingenerin auf jedem Kirchentag dabei. Seit anderthalb Jahren engagiert sie sich auch im Kirchenrat. Obwohl sie mittlerweile im Stadtgebiet wohnt, ist sie dabei „ihrer“ Kirchengemeinde Baccum vor den Toren Lingens treu geblieben. „Es gibt da ein besonders gutes, harmonisches und menschliches Miteinander – ich fühle mich dieser Gemeinde einfach verbunden.“ Die Hochzeit auf Borkum war gleich in vielerlei Hinsicht auch ein symbolischer Akt. Hier haben Ute Hoppe und Charlie Ranter 1999 ihr Herz füreinander entdeckt, „nachdem Freunde uns schon ein halbes Jahr vorher zusammenbringen wollten. Aber da hat’s noch nicht gefunkt“, lacht das Paar. „Nach 18 Jahren ‚Bewährung‘ haben wir uns jetzt für ‚lebenslänglich‘ entschieden“, bringt es die Kriminalhauptkommissarin fachmännisch auf den Punkt. Im Februar hatten sie einen Urlaub auf Borkum gebucht, um die Details ihrer Hochzeit zu planen. Dabei stießen sie auf das Feuerschiff und die Möglichkeit, hier jeweils am dritten Freitag im Monat zu heiraten. „Meine Schwester ist

vor einigen Jahren am 14. Mai gestorben, seitdem machen wir jedes Jahr mit der ganzen Familie um diesen Tag herum eine Reise zu ihrem Gedenken. Das passte vom Datum so perfekt, dass für uns schnell feststand: Hier wollen wir heiraten, und zwar am 19. Mai“, erzählt die 58-Jährige. Mit einem alten Bus ging es über die Insel. „Das war quasi ein Signal: Die Oldtimer haben geheiratet“, lacht Ute Hoppe und spielt damit darauf an, dass sie kein ganz junges Brautpaar mehr sind: Auch ihr Mann ist schon 53. Für eine direkt anschließende Hochzeitsreise war nach der Trauung keine Zeit, deshalb wird sie im September nachgeholt. Das Programm, das auf der Kreuzfahrt angeboten wird, hat das Paar komplett mitgebucht. „So bekommen wir ganz konzentrierte Informationen und haben dann wieder frei, um sie zu verarbeiten und die Seele baumeln zu lassen“, erklärt Ute Hoppe. „Wir können es durchaus genießen, wenn mal gar nichts passiert“, ergänzt ihr Mann. Gleichzeitig freuten sie sich auf Begegnungen und Gespräche mit den anderen Reisenden. „Das wird garantiert ein Kontrastprogramm zu den herkömmlichen Donau- und Mittelmeer-Kreuzfahrten“, ist Charlie Ranter überzeugt. Auf solch eine Art Urlaub zu machen, wäre definitiv nichts für das bodenständige Paar. Sie mögen’s eher sturmerprobt als superschick. Insofern hat sie auch das graue, windige Wetter an ihrem Hochzeitstag nicht gestört. „Uns gefällt das raue Klima an der Nordsee“, sagt Charlie Ranter. Die Inseln sind ihr bevorzugtes Urlaubsziel, und auch mit den Schiffen der Hurtigruten waren sie schon unterwegs – bekanntlich ebenfalls nichts für Schönwetter-Kreuzfahrer. Wenn Ute Hoppe und Charlie Ranter von ihrer Hochzeitsreise zurückkehren, wartet vielleicht schon eine besondere Erinnerung zu Hause auf sie: Eines ihrer schönsten Hochzeitsbilder bannt die Borkumer Inselmalerin Nicole Wenning gerade als Motiv auf Leinwand. Dass es kein statisch-perfektes Foto ist, versteht sich beinahe von selbst: Der Wind zerrt an den roten und weißen „Just married“-Luftballons und an Ute Hoppes Hochzeitskleid, im Hintergrund liegt das Feuerschiff in den Wellen. Sturmerprobt eben. Von Anke Brockmeyer


Foto: privat

Foto: privat


Gebets-Asyl bei Münchner Gemeinde öffnet Kirche Wenn Kirchen schließen müssen, dann in der Regel deshalb, weil ihnen die Mitglieder davonlaufen. In München dagegen müssen aktuell Moscheen schließen, weil sie aus allen Nähten platzen - vor allem zum traditionellen Freitagsgebet. Viele Moscheevereine in der Innenstadt mussten schließen. Für Muslime im Münchner Zentrum gibt es derzeit keinen Gebetsraum mehr. Die reformierte Kirchengemeinde bot ihnen im Ramadan Gebets-Asyl an.

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Die Kirche ist frei geräumt. Die Stühle stehen ordentlich gestapelt an der Wand neben der Orgel. Die Kanzel und der Tisch mit den Gesangbüchern sind beiseitegeschoben. Neben der Eingangstür steht Pfarrerin Heike Blikslager und begrüßt zwei junge Männer, die gerade die Kirche betreten haben. Jeder von ihnen trägt etwas unter den Arm geklemmt. Was nach Stoffbündeln aussieht, ist je ein Gebetsteppich. Beide rollen die kleinen Teppiche auf dem Boden aus in Richtung Osten und knien darauf nieder. Eine Szene, die sich in der folgenden halben Stunde wiederholt. Immer wieder geht die Tür auf, Männer und Frauen mit Gebetsteppichen betreten die Kirche, nehmen auf dem Boden Platz. Heike Blikslager schüttelt Hände. „Letzte Woche waren es bestimmt 100 Menschen“, sagt sie. Und auch dieses Mal wird es voll. Es ist kurz vor eins, der letzte Freitag im Juni – kein normaler Freitagmittag für die evangelischreformierte Kirchengemeinde im Münchner Stadtzentrum und auch nicht für die muslimischen Gläubigen, die dort gerade eintrudeln. Für sie ist es der letzte Freitag im Fastenmonat Ramadan, ein Tag, an dem viele das traditionelle Freitagsgebet besonders wichtig nehmen. Dafür hat ihnen, wie schon in der Woche zuvor, die reformierte Gemeinde die eigene Kirche überlassen. Denn viele der Münchner Muslime, die in der Innenstadt leben und arbeiten, sind derzeit Gebetsnomaden. Im gesamten Stadtkern gibt es keinen einzigen muslimischen Gebetsraum mehr. Einer nach dem anderen hatte in der ersten Jahreshälfte dicht machen müssen - wegen Überfüllung: Das klingt erstmal paradox, wenn man bedenkt, dass es 47 Moscheevereine in der bay-

Muslimisches Freitagsgebet in der Evangelisch-reformierten Kirche München


den Reformierten für muslimisches Freitagsgebet erischen Landeshauptstadt gibt – allerdings fast alles klassische Hinterhofmoscheen in ehemaligen Garagen oder Lagerhallen. Die hohen Mieten haben einen Moscheeverein nach dem anderen von der Innenstadt in die Außenbezirke gedrängt. Die Gläubigen im Zentrum aber, die sind geblieben. Vor allem beim traditionellen Freitagsgebet platzten die wenigen Gebetsräume im Stadtkern aus allen Nähten. Bald konnten sie Sicherheitsauflagen wie den Brandschutz nicht mehr garantieren und mussten schließen. Den Muslimen in dieser Situation auszuhelfen - das ist für Pfarrerin Heike Blikslager und ihre Gemeinde selbstverständlich: „Wir können nicht immer nur über interreligiösen Dialog reden, sondern müssen auch entsprechend handeln“, sagt sie. „Da waren wir uns im Kirchenrat schnell einig.“ Dass muslimische Gläubige dort beten, wo sonst evangelische Gottesdienste stattfinden, sei theologisch kein Problem, betont sie. „Denn die Kirche ist für uns erst ein Sakralraum, wenn der Gottesdienst beginnt.“ Es gehe ihrer Gemeinde darum, sich für ein vernünftiges Miteinander der Religionen in der Stadt einzusetzen. „Es sind junge, liberale Muslime, die das Freitagsgebet hier organisieren. Der Imam predigt auf Deutsch. Das wollen wir unterstützen.“ Der Imam, der auch in dieser Woche wieder auf Deutsch predigt, heißt Ahmad Popal, 27 Jahre alt und Student der Wirtschaftswissenschaften. Wie viele der Muslime, die in der reformierten Kirche mit ihm beten, ist er Mitglied der Initiative Münchner Unabhängige Muslime, kurz MUM. Darunter sind Studenten, Kulturschaffende, Journalistinnen, Bloggerinnen – viele ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert. „Wir sind einfach Ottonormalmuslime“, sagt Ahmad Popal. Die meisten bei MUM gehören keinem der traditionellen muslimischen Dachverbände wie der Ditib oder Milli Görüs an. Im Gespräch mit Politikern aller Fraktionen, Kulturschaffenden und Religionsvertretern suchen Ahmad Popal und seine Mitstreiter von MUM nach einer langfristigen Lösung für das Freitagsgebet in der Münchner Innenstadt. Ihre Vision: ein repräsentatives und liberales Islamzentrum in der Landeshauptstadt, eben keine Hinterhofmoscheen mehr.

„Es ist auch die beste Prävention, die man eigentlich haben kann. Hier werden Muslime sich begegnen, werden sich in deutscher Sprache unterhalten und es werden auch Ressentiments abgebaut, unter Muslimen wie unter Nichtmuslimen“, meint Erkan Inan, der ebenfalls zum Freitagsgebet in die reformierte Kirche gekommen ist. Die Realisierung eines solchen Projekts ist allerdings erst im vergangenen Jahr gescheitert. Für Ahmad Popal, Erkan Inan und die Münchner Unabhängigen Muslime kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. „Wir bekommen viel Unterstützung aus den anderen Religionsgemeinschaften“, sagt Erkan Inan. „Dass man dadurch mehr miteinander als übereinander redet, das ist eine sehr große Chance.“ Von einer Chance spricht an diesem Freitag, dem letzten im Ramadan, auch Heike Blikslager beim Abschied. Von der Chance, die Gläubige ihrer eigenen Gemeinde rund um die Freitagsgebete hatten: nämlich den muslimischen Gläubigen zu begegnen, sie kennenzulernen, sich mit ihnen auszutauschen. Diese Möglichkeit hätten viele genutzt, sagt sie. „Sie waren eine Bereicherung für uns.“ Von Antje Dechert

Heike Blikslager bedankt sich zum Abschied bei den Muslimen Erkan Inan (links) und Imam Ahmad Popal (rechts)

Fotos: Antje Dechert


1517 bis 2017 - 500 Jahre Ein Quiz. Sechs Fragen mit sieben Antworten Es wird nach sieben (!) richtigen Antworten aus den sechs Fragen gesucht, die jeweils zu einem Buchstaben führen. Die in der Reihenfolge der Antworten kombinierten Buchstaben ergeben als Lösungswort den Namen eines Reformators, der zeitgleich mit Luther wirkte und ihm 1527 schrieb: „Ich fürchte, Deine Unduldsamkeit hat sich in Raserei verwandelt.“ Luther war über diesen Brief „not amused“.

1. Was geschieht 1517? 1. Luther veröffentlicht 95 Thesen gegen den Ablass. [Z] 2. Luther heiratet Katharina von Bora. [U] 3. Luther übersetzt das Neue Testament auf der Wartburg. [B]

2. Was geschieht 1617? 1. Die lutherische Universität Wittenberg regt eine Reformationsfeier an – in Konkurrenz zur reformierten Pfalz. [W] 2. Johannes a Lasco gründet eine Bibliothek in Emden. [E] 3. Der Dreißigjährige Krieg bricht aus. [N]

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3. Was geschieht 1717? 1. Klaus Störtebeker wird in Hamburg von einer bunten Kuh umgerannt. [R] 2. Der Papst hält auf seiner Reise von Polen nach Rom kurz an Luthers Grab inne. [L] 3. Das Reformationsjubiläum wird scharf antikatholisch als „Jahr 200 nach dem Offenbarwerden des Antichristen“ gefeiert. [I]

Fotos: wikepedia


Reformation

4. Was geschieht 1817? 1. Napoleon dankt ab und wird nach Elba verbannt. [U] 2. Studenten treffen sich auf der Wartburg zum Wartburgfest unter dem Motto „Ehre, Freiheit, Vaterland“. [N] 3. Goethe wünscht sich das Reformationsjubiläum als „ein Fest der reinsten Humanität“. [G]

5. Was geschieht 1917? 1. Der Tierpark Hagenbeck wird in Hamburg-Stellingen eröffnet. [I] 2. Der Krieg verhindert eine geplante protestantische Weltfeier

mit Beteiligung aus den USA, Kanada, Australien und Europa. [L]

3. Wilhelm Busch stirbt in Mechtshausen. [S]

6. Was geschieht 2017? 1. Jogi Löw sagt auf dem Sportplatz zu Wittenberg: „Ich bin ein Lutheraner.“ [N]

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2. Der Reformationstag ist einmalig gesamtdeutsch ein arbeitsfreier Feiertag. [I] 3. Der Kleine Katechismus Luthers wird wieder Pflicht im Konfirmandenunterricht. [T]

Das Lösungswort:

Auflösung S. 14


Quizauflösung

Das Lösungswort: ZWINGLI

Wissenswertes über 500 Jahre Reformation

Was geschah 1517?

Was geschah 1817?

Antwort 1 ist richtig.

Hier sind die Antworten 2 und 3 richtig.

Martin Luthers Thesen gelten als Beginn der Reformation, deswegen feiern wir dieses Jahr 500 Jahre Reformation. Ob er seine Thesen wirklich an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg nagelte, ist historisch umstritten. Auch ob dies genau am 31. Oktober, dem Reformationstag geschah. Seine Frau, die Ordensschwester Katharina von Bora, heiratete er 1525. Mit seiner Bibelübersetzung begann er 1522.

Auf der Wartburg trafen sich 1817 Studenten, um den 300. Jahrestag der Reformation und den 4. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig zu feiern. Die von der Idee eines deutschen Nationalstaates begeisterten Studenten führten eine schwarz-rot-goldene Fahne mit sich. Beobachter sprachen von einer Mischung aus protestantischem Gottesdienst und politischer Kundgebung. Dichterfürst Goethe wünschte sich das Reformationsjubiläum humanistisch. „Unter uns gesagt, ist an der ganzen Sache nichts interessant als Luthers Charakter, und es ist auch das einzige, was einer Menge wirklich imponiert. Alles Übrige ist ein verworrener Quark, wie er uns noch täglich zur Last fällt.“ Die Verbannung Napoleons nach Elba fand 1814 statt. Er erhielt die Insel als Fürstentum und eine jährliche Pensionszahlung von zwei Millionen Franken.

Was geschah 1617? Antwort 1 ist richtig. Tatsächlich sollte das Reformationsjubiläum im Jahr 1617 die Reihe des lutherischen Lagers schließen und stärken. Johannes a Lasco lebte etwa zehn Jahre in Emden, die nach ihm benannte Bibliothek hat er nicht gegründet, wohl aber den Coetus reformierter Prediger 1544. Der Dreißigjährige Krieg beginnt ein Jahr später als 1617, er wird im Mai 1618 durch den Prager Fenstersturz ausgelöst.

Was geschah 1717?

Was geschah 1917? Antwort 2 ist richtig. Tatsächlich war eine protestantische Weltfeier geplant. Der Tierpark Hagenbeck wurde schon 1907 eröffnet und Wilhelm Busch („Ein Bock ist jenes Tier, welches auch als Bier getrunken werden kann“) starb 1908.

Antwort 3 ist richtig. In der Tat war das Reformationsjubiläum 1717 scharf antikatholisch ausgerichtet. Klaus Störtebeker lebte viel früher. 1401 wurde er in Hamburg hingerichtet, nachdem ihn das Schiff „Bunte Kuh“ als Gefangenen in die Hansestadt gebracht hatte. Heute wird die Störtebeker-Erzählung historisch in Frage gestellt. Reformationsgeschichtlich wirkungsvoll ist, dass die meisten Hansestädte später dem Schmalkaldischen Bund angehören und evangelisch-lutherisch geprägt sind. Von einer Papstreise an Luthers Grab ist nichts bekannt. Allerdings kamen katholische Heerführer ein Jahr nach Luthers Tod 1546 in die Schlosskirche zu Wittenberg. Auf Befehl des Kaisers („Ich führe keinen Krieg mit den Toten, sondern mit den Lebenden“) blieb Luthers Grab unangetastet.

Was geschah 2017? Antwort 2 ist richtig. Der Reformationstag ist 2017 ein Feiertag in ganz Deutschland – allerdings in den meisten Bundesländern einmalig. 2017 waren viele Prominente in Wittenberg, Jogi Löw war nicht darunter. Er hat einmal über seinen Glauben gesagt: „Bin katholisch – aber man kann aus jeder Religion lernen.“ Der Kleine Katechismus Luthers wird im Konfirmandenunterricht so gut wie nicht mehr verwendet, daran konnte auch das Reformationsjubläumsjahr 2017 nichts ändern.


Vormerken: Gemeindewahl 2018 Am 11. März 2018 wird in allen Gemeinden der Evangelisch-reformierten Kirche der Kirchenrat oder das Presbyterium neu gewählt.* In allen Kirchengemeinden mit mehr als 1000 Mitgliedern wird zudem eine Gemeindevertretung bestimmt. Viele wichtige Entscheidungen zum Thema „Wie sieht kirchliches Leben bei uns vor Ort in Zukunft aus?“ wollen getroffen werden. Sie sind eingeladen, an den Wahlen mitzuwirken und so Kirche mitzugestalten. Beteiligen Sie sich, indem Sie den Kandidatinnen und Kandidaten Ihre Stimme geben oder indem Sie selbst kandidieren und auf diese Weise Verantwortung für Ihre Kirchengemeinde übernehmen! Wahlberechtigt sind alle Konfirmierten oder erwachsen Getauften, Sie können sich zur Wahl aufstellen lassen, wenn Sie über 18 sind.

W IR K E N . JE T Z T M I T M AC H E N . L E IT E N . D IS K U T IE R E N. VER ÄNDER N. L E ID E N . G E S TA LT E N . G L AU B E N . G O T T. FÜHLEN. E N T S C H E ID EN. B E S T IM M E N . S T R E IT E N . B E G L E IT E N .

Werden Sie Kan didatin / Kandid at für das Ehrena mt als Mitglie d im Kirchenrat/P resbyterium. Gestalten und organisie ren Sie Ihre Kir chen­ gemeinde akt iv mit. Weitere Inform ationen erhalt en Sie unter: ww w.kirchemitm ir.de

Informationen zur Wahl: www.kirchemitmir.de * In einigen Kirchengemeinden wird der Wahltermin aus regionalen Gründen auf einen anderen Tag verschoben.

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Grafiken: gobasil


„Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Psalm 139)

Sabrina Tastler ist 22 Jahre alt und studiert seit drei Jahren Kindheitspädagogik in Hildesheim. Nach ihrem Abitur in Sachsen, wo sie wie die meisten ohne Kontakt zur Kirche aufwuchs, absolvierte sie dort ein Praktikum in einem evangelischen Kindergarten. In weiteren Praktika in christlichen Einrichtungen kam sie wiederholt mit dem Glauben in Kontakt und in ihr reifte die Entscheidung, sich taufen zu lassen. Im Juni dieses Jahres wurde sie in der Gemeinde in Hildesheim getauft und in die christliche Gemeinschaft aufgenommen.


Mein Bibelvers Sabrina Tastler, Studentin

An Psalm 139, meinen Taufspruch und zugleich Wegbegleiter für glückliche aber auch schwierige Zeiten, muss ich in vielen Situationen denken. Sich nach 21 Jahren ohne Glauben für ein Leben mit Gott zu entscheiden, kam für den Großteil meiner Familie und Freunde überraschend. „Hey, ich glaube jetzt übrigens an Gott!“ ist wohl kein Satz, der im Alltag allzu häufig zu hören ist. Demzufolge gab es die unterschiedlichsten Reaktionen von „Herzlichen Glückwunsch“ bis hin zu „Warum das denn?“ oder gar „Ach herrje!“ Doch wie kann ich diesen Wandel erklären? Leider nicht in Form eines spannenden Dreizeilers. Dafür war mein Weg zu ereignisreich und zu widersprüchlich. Was ich allerdings sagen kann: Auf Gott vertrauen zu können und die Sicherheit zu haben, dass immer auf ihn Verlass ist, ist eines der schönsten Gefühle und eine der wertvollsten Erkenntnisse, die ein Mensch erleben kann.

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Foto: Ingo Jung


PERSONEN

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Najla Kassab ist neue Präsidentin der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK). Die Generalversammlung in Leipzig wählte die 52-jährige Theologin der Evangelischen Kirchen in Syrien und dem Libanon als Nachfolgerin des Südafrikaners Jerry Pillay. Kassab leitet in ihrer Kirche die Bildungsabteilung und wurde erst vor vier Monaten Pfarrerin, da die Ordination vor Frauen erst im Januar eingeführt wurde. Kassab steht jetzt für sieben Jahre an der Spitze der Organisation. Sie ist verheiratet mit Joseph Kassab, dem Generalsekretär der Synode der Evangelischen Kirchen in Syrien und dem Libanon, und hat drei Kinder. [2]

Manfred Gerke, Pastor der Evangelisch-reformierten Gemeinde Stapelmoor (Rheiderland), ist am 31. Mai in den Ruhestand gegangen. Gerke war 37 Jahre lang Pastor seiner Gemeinde, 1980 wurde er in Stapelmoor gewählt. Schon sein Vikariat absolvierte er dort. Viele Jahre lang war der 65-jährige Theologe auch Präses des Synodalverbands Rheiderland. In Stapelmoor hat Gerke zusammen mit seiner Frau eines der ältesten Pfarrhäuser Deutschlands bewohnt. [3]

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Berend Rosendahl, Pastor der Evangelisch-reformierten Gemeinde Bentheim, ist Ende Mai in den Ruhestand gegangen. Rosendahl war seit 1997 Pastor in Bad Bentheim. Der 63-jährige gebürtige Leeraner war nach seinem Studium

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Vikar unter anderem in Uelsen und wurde er dort 1984 von der Gemeinde zu ihrem Pastor gewählt. Von 1992 bis 1997 war er Pastor in der Gemeinde Schapen (Emsland), bevor es ihn danach erneut in die Grafschaft zog. Kestutis Daugirdas wird neuer wissenschaftlicher Leiter der Johannes a Lasco Bibliothek in Emden. Der 44-jährige habilitierte Kirchengeschichtler tritt im November die Nachfolge von Marius Lange van Ravenswaay an. Der gebürtige Litauer Daugirdas studierte Theologie in Frankfurt und Mainz, er gilt als Experte für die Kirchengeschichte der frühen Neuzeit. Daugirdas wurde 2009 in Emden für seine Dissertation mit dem J.F.-Gerhard-Goeters-Preis der Gesellschaft für die Geschichte des reformierten Protestantismus ausgezeichnet. [4]

Millicent Botsio ist neue Referentin für Brot für die Welt. Die 50-jährige Ghanaerin soll in den Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen die entwicklungspolitische Arbeit stärken. Die Politikwissenschaftlerin verfügt über umfangreiche berufliche Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland und in Westafrika. Ihre neu eingerichtete Stelle wird gemeinsam von der Evangelisch-reformierten Kirche, der Oldenburgischen Kirche und der evangelischen Hilfsorganisation getragen.

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[1] Karl Barth

Ökumenisches Fest in Bochum „Wie im Himmel, so auf Erden“ ist das Leitwort eines Ökumenischen Festes in Bochum am 16. September. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, der Evangelische Kirchentag, die Deutsche Bischofskonferenz und die EKD laden dazu gemeinsam ein. Die Eröffnung gestalten der Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck, die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Ein ökumenischer Gottesdienst mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich BedfordStrohm und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, beschließt das Ökumenische Fest. www.oekf2017.de [1]

Karl-Barth-Jahr 2019 Im Jahr 2019 wollen der Reformierte Bund und die Evangelische Kirche in Deutschland mit einem Themenjahr an den Schweizer Theologen und Kirchenmann Karl Barth erinnern. Barth starb am 10. Dezember 1968. Im Januar 1919 erschien sein Römerbriefkommentar. 2019 erinnert somit an seinen 50. Todestag und das 100-jährige Jubiläum des Erscheinens seines bedeutenden Kommentars. [2]

Foto: Anna Siegelkow

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Foto: Ulf Preuß

Foto: privat

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Foto: Kerstin Kempermann

Foto: Joachim Schäfer-ÖkumenischesHeiligenlexikon

„from…“ - App für Reformierte Eine neue App bietet geistliche Impulse für den täglichen oder gelegentlichen Gebrauch an. „‘from…‘ ist eine Fundgrube. Texte, Bilder und Töne für jeden Tag sollen Anstöße geben für die persönliche Besinnung oder eine Andacht, zum Beispiel zu Beginn einer Sitzung“, so Achim Detmers, Generalsekretär des Reformierten Bundes, der die App zusammen mit der Reformierten Kirche des Kantons Zürich entwickelt hat.


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Foto: Ulrich Hirndorf

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Foto: Ulf Preuß

Startseite der App „from...“

Für jeden Tag gibt es acht Kategorien, vier davon wechseln täglich, die anderen wöchentlich. Mit einer einfachen Wischbewegung gelangen die Nutzer von einer Seite zur anderen. Es gibt ein Bild des Tages, eine Anleitung zur regelmäßigen Bibellektüre, vertonte Psalmen zum Anhören sowie Fragen und Antworten des Heidelberger Katechismus – jedoch mit Beiträgen unserer Zeit. www.fromapp.org [3]

Hoch hinaus Kirchenpräsident Martin Heimbucher hat bei seinem Besuch des KonfiCamp bei Wittenberg das Motto des Treffens ganz wörtlich erlebt: „Trust and Try“. Bei seinem ersten Versuch des Crowdsurfings musste er den ihn tragenden Jugendlichen großes Vertrauen entgegenbringen. „Es war großartig, dieses Vertrauensspiel“, meinte er hinterher. Vertrauen und Mut seien zentrale Begriffe der Reformation vor 500 Jahren gewesen und seien es auch heute im täglichen Leben, so die Organisatoren des KonfiCamps. Von Ende Mai bis zum 10. September haben etwa 15.000 Jugendliche aus ganz Deutschland an einem der größten Projekte anlässlich des Reformationsjubiläums in der Lutherstadt teilgenommen. Etwa 300 Konfirmanden aus reformierten Gemeinden waren im Juni dabei. Sie lebten für fünf Tage in einer Zeltstadt am Rande Wittenbergs und erlebten dort einen Konfirmandenunterricht der anderen Art. Heimbucher besuchte die reformierte Gruppe dort und informierte sich bei den zahlreichen mitgefahrenen Pastorinnen und Pastoren und ehrenamtlichen Teamern.

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Foto: Helmuth Bruns

Kirchenpräsident Martin Heimbucher beim Crowdsurfing mit reformierten Konfirmanden

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Diakonie und Caritas unter einem Dach In Nordhorn ist im Juni ein einzigartiges Pilotprojekt offiziell eröffnet worden. Die Diakonie und Caritas der Region haben ihre komplette Sozialberatung unter einem Dach zusammengefasst. „Compass“, wie das neue Haus heißt, bündelt in 30 Büros auf vier Etagen alle Beratungsangebote der drei Kirchen nach Fachgruppen und nicht nach Konfessionen. Dazu gehören die Freiwilligendienste, die Schuldner- und Insolvenzberatung, Suchtberatung und Schwangeren- sowie Schwangerschaftskonfliktberatung und Unterstützung von Migranten. Die allgemeine Sozialberatung, die Wohnungslosenhilfe und eine Altentagesstätte runden das Angebot ab. Die Mitarbeiter der drei kirchlichen Wohlfahrtsorganisationen wirken trägerübergreifend zusammen. In der fünfeinhalbjährigen Planungs- und Bauzeit wurden insgesamt etwa drei Millionen Euro investiert. Träger des neuen Beratungshauses sind das evangelisch-reformierte Diakonische Werk der Grafschaft Bentheim, das evangelischlutherische Diakonische Werk EmslandBentheim und der katholische Caritasverband der Grafschaft. Heinz Hermann Nordholt (Foto oben 2.v. links) nahm für den Synodalverband Grafschaft Bentheim als Bauträger symbolisch den Schlüssel entgegen. Zuvor hatten Kirchenpräsident Martin Heimbucher (links), Bischof Franz Josef Bode (Mitte) und Regionalbischof Detlef Klahr (rechts) das neue Kompetenzzentrum „Compass“ mit einem Segensgebet eröffnet.

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„Vielfalt verbindet“ Die niedersächsische Eröffnung der Interkulturellen Woche findet in diesem Jahr in Celle statt. Kirchenpräsident Martin Heimbucher wird in dem ökumenischen Eröffnungsgottesdienst in der evangelisch-reformierten Kirche predigen. Beginn ist am Sonntag, dem 24. September, um 9.45 Uhr. Anschließend sind die Gottesdienstbesucher zu einem interkulturellen Fest auf dem Kirchhof eingeladen. Jedes Jahr rufen die evangelische, katholische und orthodoxe Kirche mit einem gemeinsamen Wort zu einer Interkulturellen Woche auf. Sie steht in diesem Jahr unter dem Motto „Vielfalt verbindet“. www.interkulturellewoche.de

IMPRESSUM Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Redaktion: Ulf Preuß (verantwortlich), Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Herbert Sperber, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: dpp - Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.dpp-leer.de Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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Lebendiger Gott. Erneure und verwandle uns.* Möge Gott, die Quelle des Lebens, Schöpfer von Himmel und Erde, freundlich unser Leben neu machen. Möge Jesus Christus, der Weg, die Wahrheit und das Leben, uns ein Leben in Fülle schenken.

G ebet

Möge der Heilige Geist, Atem des Lebens, uns stark machen, für andere zu leben, dass wir das Lied des Lebens singen, auf immer, zur Ehre des lebendigen Gottes. Amen.

Segenswort eines Morgengottesdienstes bei der Weltversammlung der Reformierten in Leipzig. * Motto der Generalversammlung

4 reformiert 2017  

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kam am 30. Juni zum Eröffnungsgottesdienst der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter...