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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

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Foto: WGRK

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Foto: Ulf Preuß

Ökumene – ganz fern – ganz nah Seite 4 Von Genf nach Hannover Ein Besuch bei Setri Nyomi, Generalsekretär der WGRK Seite 6 Ich möchte mehr erfahren! CAP erstmals in Deutschland – Gemeinsames Projekt mit Belgien, Ruanda und Südafrika Seite 8 Erzähl mal ... Fragen an Partner aus einem anderen Land

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Seite 10 Zwei Gemeinden – eine Kirche St.-Fabian-Kirche gehört evangelisch-lutherischer und evangelisch-reformierter Gemeinde Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Evangelisch-reformierte Kirche Stichwort: reformiert Sparkasse LeerWittmund IBAN: DE94 2855 0000 0000 9060 08 SWIFT-BIC: BRLADE21LER Spendenquittung wird zugesandt Titelbild: CAP-Begegnung in Ruanda 2012

Seite 12 Reformierte Pfarrer predigten für Krieg Konferenz zur Rolle der Reformierten im Ersten Weltkrieg Seite 14 Nach dem Brand: Nürnberg plant Wiederaufbau Seite 15 Reformierter Glaube „Was glaubst du eigentlich… von der Ökumene?“ Seite 16 Reformierter Reisetipp Erinnerung ans Leben im Exil Seite 17 Personen Seite 18 Aktuelles / Impressum Seite 20 Position: Brauchen wir kirchliche Entwicklungshilfe?


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Foto: Yvonne Gotthardt

Foto: David Ganek

Ökumenische Bewegung - der Dialog und die Zusammenarbeit zwischen christlichen Konfessionen aus Wikipedia

Liebe Leserin, lieber Leser, das war am 5. Juni ein Schock: Die St.-MarthaKirche der evangelisch-reformierten Gemeinde in Nürnberg ist abgebrannt. Mitten in der Nacht brach vermutlich im Dachstuhl ein verheerendes Feuer aus, das großen Schaden anrichtete. Die Feuerwehr konnte im Grunde genommen nur noch dafür sorgen, dass die benachbarten Gebäude nicht in Brand gerieten. Zum Glück gab es keine Verletzten. Noch in der Juni-Ausgabe Ihrer Zeitschrift „reformiert“ hatten wir über das erfolgreiche Fundraising-Projekt der Nürnberger berichtet, mit dem sie die Restaurierung ihrer über 600 Jahre alten Kirche finanzieren wollten. Alles ist jetzt wieder auf Null gestellt – und wir mussten unseren Reporter wieder nach Nürnberg schicken. Lesen Sie auf Seite 14 den Bericht von David Ganek, wie eine Gemeinde fest zusammensteht.

ins Kloster Möllenbeck und Kloster Frenswegen brachte (Seiten 6-9). Über die Grenzen von Kirchengemeinden in dem kleinen Dorf Ringstedt bei Bremerhaven, wo die lutherische und die reformierte Kirchengemeinde eine ehemals katholische Kirche gemeinsam nutzen (Seiten 10-11). Und über alle Grenzen der Erde hinweg bei der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen an ihrem neuen Sitz in Hannover, die mehr als 200 Kirchen in 108 Staaten dieser Erde vereint (Seiten 4-5). Ökumene ganz praktisch – ganz nah und ganz fern - jeden Tag wieder spannend und jeden Tag mit neuen Erfahrungen. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre.

Ihr Daneben verblasst das eigentlich geplante Thema dieser Ausgabe: Ökumene – ganz fern – ganz nah. Wie funktioniert ökumenische Zusammenarbeit ganz praktisch? Über die Grenzen von Ländern und Kontinenten bei der Jugendbegegnung CAP, die im Juli und August 40 junge Erwachsene aus vier Ländern und zwei Kontinenten

Ulf Preuß

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

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Vom Genf nach Hannover Ein Besuch bei Setri Nyomi, Generalsekretär der WGRK Zum Ende seiner zwölfjährigen Amtszeit musste er eine besondere Aufgabe managen. Setri Nyomi ist noch Generalsekretär der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) und organisierte zum Jahreswechsel den Umzug seiner Organisation aus dem schweizerischen Genf ins niedersächsische Hannover. Aus der Weltstadt der internationalen Beziehungen in die Landeshauptstadt an der Leine, aus der Stadt des Ökumenischen Rates der Kirchen, des Lutherischen Weltbundes und einst der WGRK jetzt in die Hauptstadt des deutschen Protestantismus, Sitz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Sitz der größten evangelischen Landeskirche, der Evangelisch-lutherischen Kirche Hannovers.

Setri Nyomi, Generalsekretär der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK)

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Hier in der Knochenhauerstraße hat der Weltbund Räume im Calvin-Zentrum gefunden, Büro an Büro mit dem Reformierten Bund, dem Dachverband der Reformierten in Deutschland. Nur noch wenige Wochen amtiert der 61-jährige Theologe aus Ghana, dann wird er vom Kanadier Chris Ferguson abgelöst, der im Mai vom Exekutivkomitee der WGRK zu seinem Nachfolger gewählt wurde. Wie erklärt der langjährige Weltreisende des Reformiertentums einem Gemeindeglied seine Organisation? „Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen ist die Dachorganisation der Reformierten in der Welt, es ist ihre Aufgabe, die Einheit der Reformierten in ihrer Verschiedenheit darzustellen.“ Damit spielt Nyomi auf die 230 Mitgliedskirchen in 108 Staaten auf allen Kontinenten an. Ein Thema sei stets der Einsatz für Gerechtigkeit gewesen, bereits seit Gründung des Reformierten Weltbundes 1875. So habe die Überwindung des Kolonialismus die Arbeit im 19. Jahrhundert geprägt, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Positionierung gegen den Nationalsozialismus mit der Unterstützung der Bekennenden Kirche. Die Ablehnung von Rassismus und Apartheid sei das Thema in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewesen. So sei in dieser Zeit die reformierte Kirche der Weißen Südafrikas, die Nederduitse Gereformeerde Kerk, aus dem Weltbund ausgeschlossen worden. Die aktuellen Gerechtigkeitsthemen seien die Geschlechtergerechtigkeit, die ökonomische und die Klimagerechtigkeit. „Making a difference in the world“, formuliert der Ghanaer in Englisch den Auftrag, den er für seine Organisation verspürt. Die biblischen Worte vom Salz der Erde und vom Licht der Welt stecken dahinter.

Dieses Bemühen, sich für Gerechtigkeit einzusetzen, fand 2004 Ausdruck in dem sogenannten „Bekenntnis von Accra“. Bei seiner Generalversammlung im ghanaischen Accra richtete der Reformierte Weltbund einen dramatischen Appell an die Weltöffentlichkeit und forderte die Kirchen auf, angesichts wirtschaftlicher Ungerechtigkeit und ökologischer Zerstörung in der Welt ein „Bündnis für Gerechtigkeit und für das Leben auf der Erde zu schließen“. Eine Erklärung, die nicht in allen Kirchen ungeteilte Zustimmung fand, die aber, so Setri Nyomi, so wichtig ist wie eh und je. Jetzt, zehn Jahre später, wünscht er sich eine weitergehende Beschäftigung mit dem Papier. So gebe es in diesem Jahr mehrere Konferenzen zu Accra, eine davon mit 30 Delegierten aus fünf Kontinenten im November in Hannover. „Wenn in der Folge des Accra-Bekenntnisses unser Leben sich nicht ändert, bleiben wir ein Teil des Problems“, erklärt Nyomi. Setri Nyomi fühlt sich inzwischen in Hannover heimisch, er sei am neuen Standort ebenso angekommen wie sein Team. Er habe zwar auch wahrgenommen, dass die ökumenischen Partner in Genf über den Umzug der Reformierten nicht glücklich waren und die Trennung nach 50 Jahren bedauert hätten. Aber jetzt gelte es, neue Verbindungen in Deutschland aufzubauen und dafür den guten Standort Hannover zu nutzen. Und die alten Verbindungen zum ÖRK, zum Lutherischen Weltbund und zu den Vereinten Nationen müssten gepflegt werden. Wichtige Partner in Hannover seien die EKD, die Union Evangelischer Kirchen (UEK), der Reformierte Bund und die Evangelisch-reformierte Kirche. Die hat sogar eigens eine Stelle geschaffen, die die kirchliche


Fotos: WGRK

Arbeit in Deutschland mit der Weltgemeinschaft verknüpfen soll und die jetzt beim Reformierten Bund angesiedelt ist. Seit Anfang des Jahres ist die ehemalige Pastorin der Gemeinde Braunschweig, Sabine Dreßler, dort Referentin für Ökumenische Theologie. Erste Anfänge sind gemacht. Sie organisierte im Mai unter der Überschrift „Reformierte Welt zu Besuch“ den Besuch von Mitgliedern des Leitungsgremiums der WGRK in Kirchengemeinden und ihren Sonntagsgottesdiensten. Die Gäste aus aller Welt hielten die Predigt oder sprachen ein Grußwort und trugen so dazu bei, bekannt zu machen, wie Reformierte in anderen Ländern leben. Am 19. September organisiert Dreßler, dass die Weltgemeinschaft bei der Langen Nacht der Kirchen in Hannover mitmacht. Zusammen mit deren Kommunikationschef Phil Tanis stellt sie die WGRK in der Reformierten Kirche vor, und Setri Nyomi sorgt für einen ghanaischen Chor. Fast jeden Sonntag, wenn er in Hannover ist, besucht Setri Nyomi den Gemeindegottesdienst in der Kirche an der Lavesallee. „Leider verstehe ich fast kein Wort“, muss er einräumen. Darum wünscht er sich sehr, dass die reformierte Gemeinde einen englischsprachigen Gottesdienst anbietet. Dieser Wunsch ist auch schon bei der Gemeinde angekommen, die das Anliegen aber mit anderen Gemeinden in Hannover einvernehmlich klären möchte. „Wir würden uns freuen, wenn das klappt“, sagte Karin Kürten, Presbyteriumsvorsitzende der Gemeinde. Überhaupt sei die Gemeinde sehr zufrieden, die Weltgemeinschaft am Ort zu haben. Die bisherigen drei englischsprachigen Gottesdienste mit der Weltgemeinschaft seien tolle Erlebnisse gewesen.

Und Setri Nyomi hat noch ein Ereignis im Kopf, das dem Ankommen der Weltgemeinschaft in Deutschland dient. Im Juni 2017 hält sie ihre Generalversammlung auf Einladung des Reformierten Bundes in Erfurt: 400 Delegierte aus allen Mitgliedskirchen, fast 1.000 Teilnehmer insgesamt. Setri Nyomi freut sich sehr, dass die Versammlung im Jahr des Reformationsjubiläums in Deutschland stattfindet. Provozierend sagt er: „Wir wollen die Deutschen davor bewahren, dass das Reformationsjubiläum ein deutsches oder europäisches Ereignis wird.“ Die Konferenz im Juni solle für alle Mitgliedskirchen auch der Auslöser sein, im Oktober 2017 zu feiern, dass vor 500 Jahren die Erneuerung der Kirche begonnen habe. Setri Nyomi wird im Oktober mit seiner Frau in sein Heimatland Ghana zurückkehren, er wird Gemeindepastor in der Hauptstadt Accra und will von dort aus weiter die Welt beobachten. Internationale Verbindungen wird er allem durch seine Kinder behalten. Seine Tochter lebt in Dallas (USA), der ältere Sohn in Grand Rapids (USA), und der jüngste Sohn beendet gerade die Schule in Genf.

Gottesdienst zur Begrüßung der WGRK in der reformierten Kirche Hannover

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von Ulf Preuß

INFO Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) Tel: 0511 8973 8310, E-Mail: wcrc@wcrc.eu, www.wcrc.ch/de Sabine Dreßler, Reformierter Bund Tel: 0511 473 99 374 E-Mail: dressler@reformierter-bund.de Calvin-Zentrum, Knochenhauerstr. 42, 30159 Hannover


Ich möchte mehr erfahren! CAP erstmals in Deutschland – Gemeinsames Projekt mit Belgien, Ruanda und Südafrika

Gana

Südafrika

Südafrika

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Deutschland

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Belgien

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Foto links: Von Löwen, Elefanten und Giraffen erzählt Phumzile den staunenden Kindern im Comenius-Kindergarten. Foto Mitte: Workshop im Kloster Möllenbeck

„Wir möchten als Christen zusammen sein, uns mit all unseren Unterschieden kennen- und verstehen lernen“, bringt Marian Knetemann das Ziel Ruanda der internationalen Jugendbegegnung CAP auf den Punkt. Die Belgierin ist eine von knapp 40 Teilnehmern aus Ruanda, Südafrika, Belgien und Deutschland, die drei Wochen lang gemeinsam lebten und arbeiteten. Standort in der ersten WoBelgien Gana Südafrika Ruanda che war das Kloster Möllenbeck bei Rinteln, vom Weserbergland ging es dann ins Kloster Frenswegen in Nordhorn. Die Ruanda Evangelisch-reformierte Gana Südafrika Kirche ist seit 2010 Mitglied der Jugendbegegnung, die in den 1980er Jahren von Belgien und Ruanda ins Leben gerufen wurde. Im Turnus von zwei Jahren werden die Besuche ausgerichtet, zum ersten Mal war jetzt Deutschland Gastgeber. In Gesprächen und Workshops, bei gemeinsamen Bibelabenden und unterschiedlichen Aktionen hatten die jungen Menschen Gelegenheit, mehr über die verschiedenen Länder zu erfahren. „Gibt es bei euch Löwen? Und Affen?“, wollen die Kinder in der Comenius-Kindertagesstätte wissen. Sie haben sich im Kreis zusammengesetzt und sehen sich mit großen Augen die Fotos an, die Phumzile auf ihrem Handy herumzeigt. Die junge Südafrikanerin ist für einen Tag Praktikantin in der Rintelner Einrichtung, um den Alltag in einem deutschen Kindergarten kennenzulernen. Deutsch und Englisch gehen hier munter durcheinander, die Erzieherinnen übersetzen. Auf dem Globus hat Phumzile vorher gezeigt, woher sie kommt. Afrika – das ist spannend für die Kids. Da spielt es auch keine Rolle, dass die Löwen, Elefanten und Giraffen in einem Reservat in Johan-

nesburg fotografiert worden sind. Doch nicht nur die Südafrikanerin hat sich auf die Begegnung mit den Kindern vorbereitet, auch die Kleinen können ihren Gast überraschen. Sie singen das „Tropfenlied“ für Phumzile: „Wo ein Mensch den anderen sieht, nicht nur sich und seine Welt, fällt ein Tropfen von dem Regen, der aus Wüsten Gärten macht.“ Jackson hört interessiert zu. Menschen mit Behinderungen, die in ihren Fähigkeiten bestärkt und zu einem möglichst selbstständigen Leben ermuntert werden, das gibt es in Ruanda nicht. „Wir haben ein einziges staatliches Heim, behinderte Menschen bewegen sich eigentlich gar nicht im öffentlichen Raum“, erklärt er. Mittlerweile finde zwar auch in seiner Heimat ein Umdenken statt. „Aber es wird dauern, bis tatsächlich die Akzeptanz da ist“, meint er. Gemeinsam mit Anja – sie ist aus dem Allgäu für das CAP-Projekt nach Norddeutschland gekommen – erlebt er einen Tag bei der Lebenshilfe Rinteln. Verwundert zeigt er auf die Pferde, die auf einer angrenzenden Koppel weiden, und erfährt, dass sie zum therapeutischen Reiten eingesetzt werden. Was das sei, möchte Jackson wissen und lässt sich erklären, wie wohltuend und fördernd sich die sanften Bewegungen der Pferde auf die behinderten Reiterinnen und Reiter auswirken.


CAP 2014

Teilnehmer der CAP Begegnung vor dem Kloster Fotos: Anke Brockmeyer

„Ich habe noch nie persönlich mit Menschen aus Afrika gesprochen“, erzählt Felix. Der Rintelner ist für einen Abend der Begegnung ins Kloster Möllenbeck gekommen, im Gepäck hat er jede Menge Fragen. „Mich interessiert, wie die Jugendlichen in Ruanda und Südafrika leben, welche Interessen und Probleme sie haben – einfach, wie man dort unter ganz anderen Bedingungen aufwächst als bei uns.“ Jonathan aus Franken hat nach dem Abitur Neuseeland, Australien und Asien bereist, in Afrika aber war er noch nie. „Ich möchte mehr erfahren über den Kontinent, und das geht natürlich am besten über persönliche Kontakte“, beschreibt er seine Motivation, an der dreiwöchigen Jugendbegegnung teilzunehmen. Dana war vor zwei Jahren schon beim CAP-Austausch in Ruanda dabei. „Dieses Projekt ist eine großartige Gelegenheit, die Kultur eines Landes zu erfahren und zu sehen, wie die Menschen dort ihren Glauben leben“, sagt die junge Deutsche. Eva aus Belgien will nach der Schule ein Studium als Sozialpädagogin beginnen. „Allein schon deshalb ist es toll, an dieser Begegnung teilzunehmen“, findet

sie. CAP hat sie begeistert. Und auch Clarisse ist überzeugt von dem Projekt. „Ich war noch nie mit so vielen Jugendlichen aus ganz unterschiedlichen Ländern zusammen“, erzählt sie. „Es ist spannend, so viel über das Leben dort zu erfahren.“ Aber nicht nur junge Menschen lernen sich bei CAP kennen. In einem der Workshops haben die Jugendlichen ein Frühstück für Bedürftige im Rintelner Gemeindehaus ausgerichtet und zu einem besonderen Fest gemacht. Als sich Emanuel aus Ruanda ans Klavier setzt und die anderen dazu singen, steht für die Gäste des Frühstücks fest: Das wollen wir jetzt immer so! Und auch für Meike Dewitz war der Tag mit Matheo und Ofentse aus Südafrika und Clarisse aus Ruanda eine Bereicherung. Die 77-Jährige arbeitet ehrenamtlich im Eine-Welt-Laden in Rinteln, wo die CAP-Teilnehmenden ebenfalls einen Tag verbringen können. „Ich habe mich richtig gefreut auf die Jugendlichen, und es ging wunderbar“, zieht sie Bilanz. Für Thomas Fender, Vorsitzender des Ausschusses für Partnerschaft und Mission, und Mitorganisatorin Antje Bracht ist es „eine ganz wichtige Sache, junge Menschen über Länder- und Kontinentgrenzen in Verbindung zu bringen“. Durch die lange gemeinsame Zeit werde die Begegnung zu einer intensiven Erfahrung. „Letztendlich werden wir erleben, dass es viel mehr gibt, was uns verbindet, als Trennendes“, ist Fender überzeugt.

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Von Anke Brockmeyer Foto: Ulf Preuß

„Hier gibt es ja sogar Produkte aus Ruanda“, freut sich Clarisse. Sie hat gemeinsam mit Ofentse (links) und Motheo bei Meike Dewitz im Eine-WeltLaden gearbeitet.


Erzähl mal, ... Ofentse Ronald Ruele fragt Marie-Line Demeuse:

Marie Line Demeuse fragt Ofentse Ronald Ruele:

..., welche Herausforderungen musst du als Jugendlicher in der Kirche meistern? In meiner Kirchengemeinde sind wir nur vier Jugendliche, die zum Gottesdienst kommen. So ist es zunächst die Herausforderung, überhaupt Jugendliche zu finden, mit denen man etwas zusammen machen kann. Manchmal gestalten wir die Zeit nach dem Gottesdienst mit gemeinsamen Aktivitäten, wie Kajakfahren oder Kartenspielen.

..., gibt es viele junge Menschen, die in Südafrika in die Kirche gehen? Warum gehen sie dahin? Ja, es gibt viele junge Leute. Wir genießen die Gottesdienste, und wir lieben es zu Gott zu beten. Wir treffen uns oft in kirchlichen Zusammenkünften.

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..., was denkst du über das Land Südafrika? Südafrika ist ein tolles Land mit einer Menge Herausforderungen. Mich haben die vielen Sozialprogramme für Arme und HIV-Positve beeindruckt. Es ist fantastisch, wenn die Kirche alle Menschen willkommen heißt.

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..., welche Veränderung wünschst du für beide Länder, damit die Kirchen wachsen können? Ich wünschte mir, dass mehr Menschen sich zur Kirche zugehörig fühlen und diese sich auch in der Gesellschaft engagieren.

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..., was hast du bei der CAP-Begegnung erlebt und erfahren? Im CAP-Camp habe ich erfahren, dass wir etwas bewegen können, wenn wir etwas unternehmen.

..., in deinem Land gibt es viele Sprachen. Wie bekommt ihr es hin, dass sich alle verstehen und die Einheit des Landes erhalten bleibt? Wir lernen einander kennen. Wir nehmen uns Zeit, uns gegenseitig zu verstehen, und wir versichern uns, dass wir uns respektieren. Auf diesem Weg erfahren wir die Kultur der anderen.

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..., was sind die Aufgaben der Kirchenältesten, sicherzustellen, dass die Kirche wächst und die Jugend vom kirchlichen Leben begeistert wird? Bei uns gibt es einen Unterschied zwischen den Kirchenältesten und den Älteren der Gemeinde. Die Kirchenältesten möchten gern den jungen Menschen interessante Angebote machen. Aber die Älteren bevorzugen das Traditionelle und stoppen so die Einführung neuer Ideen. Ich hoffe, dass wir es mit der Hilfe der Kirchenältesten schaffen, dass ein Wandel gelingt und mehr junge Menschen zur Kirche kommen.

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..., warum habt ihr keine jungen Menschen in der Kirche? Der Gottesdienst findet am Sonntagvormittag statt, wenn die meisten noch schlafen. Sie mögen nicht geweckt werden, um einer Predigt zuzuhören. Wenn wir allerdings eine Abendaktivität mit einem gemeinsamen Essen und einer Bibelarbeit verbinden, kommen mehr als vier – und wir haben Freude daran.

..., triffst du andere junge Christen während der Woche? Gibt es Möglichkeiten, zusammen zu sein? Während der Woche treffen wir uns zweimal zum Singen und hre, Rust 28 Ja enb zum Bibelstudium. Am le, ur e u Wochenende erneuern wir unseren Glauben durch Gebete und Gottesdienste.

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..., wie sieht es mit dem Studium aus? Ist es in Südafrika schwierig, den Weg auf eine Universität zu schaffen? Nein, es ist nicht schwierig. ..., ist es schwierig, das Land zu bereisen? Können sich die jungen Menschen leicht miteinander treffen? Es ist einfach, durch Südafrika zu reisen. Wegen der vielen kirchlichen Aktivitäten ist es auch leicht, anderen jungen Menschen zu begegnen. ..., was ist der schönste Ort in Südafrika? Die vielen Kulturen in unserem Land machen es überall schön.


CAP 2014

Fragen an Partner aus einem anderen Land

Fragen

..., wie stehen junge Menschen in Deutschland zu Kirche und Religion? Wo ich lebe, gehen die wenigsten jungen Menschen in die Kirche, bis auf Weihnachten. Es gibt viele alte, einige „mittelalte“ und sehr wenige junge Menschen im Gottesdienst. Die jungen kommen nicht, weil ihre Eltern nicht gehen oder weil sie es langweilig finden. In einer Gemeinde in der Grafschaft ist das anders. Da kommen viele Junge, die Gottesdienste sind anders und die Musik ist moderner. e, 22 Jahre, M c u us Do an ro ..., was erwartest du vom CAP-Camp? Ich möchte neue Menschen kennen lernen und möglicherweise neue Freunde finden. Ich möchte etwas über andere Länder, deren Kultur und ihren Umgang mit Gott und der Bibel erfahren. In den Projekten möchte ich gern anderen helfen. R trict - uanda Dis ze

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Melissa Mahoro Douce fragt Samira Christin Beuker:

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..., was ist dein Traumberuf und was ist ,U e in r ist der Traumberuf vieler Beuker, 19 Jah junger Deutscher? Ich möchte gerne als Krankenschwester oder Medizinerin im Krankenhaus arbeiten; viele Deutsche streben aber einen Business- oder Management-Job an.

Samira Christin Beuker fragt Melissa Mahoro Douce: ..., was ist euer Nationalgericht – und zu welchen Gelegenheiten esst ihr es? Reis ist bei uns ein ganz wichtiges Gericht. Je nach Region wird er dann unterschiedlich zubereitet – und abends gegessen, denn die Hauptmahlzeit in Ruanda wird abends eingenommen. ..., gibt es besondere Festtage in Ruanda und wie feiert ihre diese? Weihnachten ist ein wichtiges Fest für die Christen in Ruanda, nicht für die Muslime im Land. Neujahr feiern wir alle. ..., wie wichtig sind die Kirche und das Leben des eigenen Glaubens in eurer Gesellschaft? Die Kirche ist für die Menschen, die sich zum Christentum bekennen, sehr wichtig. Sie müssen jeden Sonntag den Gottesdienst besuchen. ..., wie lange gehen junge Menschen zur Schule – und wie sieht der Schulalltag aus? Die Kinder werden mit sieben Jahren eingeschult und gehen dann sechs Jahre in die Grundschule. Dem folgen sechs Jahre in der weiterführenden Schule. Die CollegeZeit dauert vier Jahre.

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..., welche Haltung haben junge Menschen in Deutschland zu Sex außerhalb der Ehe? Die meisten Christen in Deutschland haben eine lockere Haltung: Sex vor der Ehe ist o.k. Das liegt wohl auch daran, dass viele erst nach der Ausbildung und wenn sie richtig Geld verdienen heiraten.

..., welchen Studienabschluss streben die meisten jungen Menschen an? Viele streben einen Masterabschluss an, es gibt aber auch viele Berufe, die einen Masterabschluss erfordern, wie zum Beispiel der Lehrerberuf.

..., wie sind die Berufsaussichten für junge Menschen? Es ist manchmal nicht einfach. Je umfangreicher man studiert, desto spezieller werden die Berufsvorstellungen. ..., was machen junge Menschen in ihrer Freizeit? Geht ihr auch abends zu Partys aus? Viele junge Leute in den Städten gehen aus: für ein Bier, zum Tanzen und zum Fußball. Fernsehen nimmt auch eine wichtige Rolle ein.

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Zwei Gemeinden – St.-Fabian-Kirche gehört evangelisch-lutherischer Die Fenster einer Seite des Kirchengebäudes tragen schlichtes Fensterglas, die andere Seite zeigt bunte Farben: Jesus am Kreuz oder das Motiv des Guten Hirten. Auf dem Altar stehen Kerzen, ein Kreuz fehlt jedoch. In der Simultankirche in Ringstedt bei Bremerhaven sind zwei Gemeinden beheimatet – eine evangelisch-reformierte und eine evangelisch-lutherische. Eine Gratwanderung, die jedoch gut funktioniert.

Andreas Maack und Dietrich Meier vor dem Schriftaltar

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„Natürlich gibt es auch einmal Unstimmigkeiten“, gibt der reformierte Pastor Dietrich Meier unumwunden zu. Doch die räumten er und sein lutherischer Kollege Andreas Maack schnell aus. Das Gemeindegefühl ist trotz der unterschiedlichen evangelischen Glaubensrichtungen groß. „Das mag mancher vielleicht nicht gerne hören“, sagt Dietrich Meier. Doch es bleibe im Miteinander des Alltag gar nicht aus, hat mitunter auch einen ganz praktischen Nutzen. „Wir vertreten einander“, sagt Meier darüber, dass die beiden Pastoren ihren Urlaub aufeinander abstimmen. Die Gottesdienste finden im wöchentlichen Wechsel statt. Die beiden Pastoren folgen einer langen Tradition des Simultaneums in Ringstedt, denn die alten Mauern der St.-Fabian-Kirche haben Geschichte erlebt: die römisch-katholisch geprägte Zeit vor der Reformation, den Bildersturm durch die Anhänger Calvins in der Zeit der Reformation, dann die Herrschaft des Schwedenkönigs, der den lutherischen Glauben von seinen Untertanen einforderte. Für das Kirchengebäude, das um 1200 gebaut wurde, und die hartnäckige reformierte Gemeinde gab es einen Sonderweg: Bereits 1706 wurde es zur Simultankirche. Dass sich zwei Gemeinden das Kirchengebäude teilen, macht sich nicht nur an den Fenstern und den Altarkerzen fest, an anderer Stelle ist es ebenfalls sichtbar. Rote und blaue Gesangbücher liegen nebeneinander, die einen enthalten neben dem identischen Mittelteil die reformierten Psalmengesänge, die anderen die lutherischen Lieder. Besonders augenfällig ist der imposante Schriftaltar, auf dem sich keine Bilder finden,

sondern lediglich Bekenntnistexte und Bibelworte wie die Zehn Gebote in biblischer Zählung. Der Altar folgt somit der reformierten Tradition: Du sollst dir kein Bild von Gott machen, das du anbetest oder dem du dienst. Ein dauerhaftes Altarkreuz gibt es nicht. „Aber ich habe die Freiheit, für unsere Gottesdienste ein Kreuz aufzustellen“, sagt Andreas Maack. Im Normalzustand der Kirche heiße es: Kerzen ja, Kreuze nein – so der „Ringstedter Kompromiss“. In der Historie war es hingegen nicht immer so einfach wie in jüngster Zeit. So gab es in den 1930-er Jahren Unstimmigkeiten im aufkommenden Nationalsozialismus, die als „Ringstedter Kirchenkampf“ in die Ortsgeschichte eingingen. Danach rückten die Gemeinden jedoch wieder näher aneinander. Seit Jahrzehnten gibt es gemeinsame Gottesdienste und Abendmahle. Die beiden Pastoren stimmen sich ab. „Dazu sitzen wir einmal in der Woche zusammen“, sagt Andreas Maack. Auch der reformierte Kirchenrat und der lutherische Kirchenvorstand tagen gemeinsam. „Es ist eine gute Gemeinschaft“, sagt Meier. Ein paar Dinge hat die reformierte Gemeinde von der lutherischen übernommen: etwa die Tradition einer Taufkerze. „Der Wunsch danach kam auf“, sagt Dietrich Meier, der daraufhin Taufkerzen fertigen ließ. „Das ist so unreformiert, aber mitunter sitzt man zwischen den Stühlen“, sagt der mit einem Schmunzeln. Mitunter brauche es etwas für die Hand und für das Auge. „Symbole haben auch etwas, auch wenn erwartet wird, dass ich das Reformierte in Szene setze.“ Weckten die lutherischen Taufkerzen bei den reformierten Christen Begehrlichkeiten, kam bei der lutherischen Gemeinde der reformierte Abendmahlstisch gut an. „Das ist ein besonderes Erlebnis für sie“, sagt Dietrich Meier über die den Lutheranern unbekannte Form des Beieinandersitzens beim Abendmahl. Zwar verfügen beide Gemeinden über ein Gemeindehaus, doch wird häufig gemeindeübergreifend gearbeitet, etwa wenn es um den gemeinsamen Kirchengemeindebrief geht oder um gemeinsame Kinder- und Jugendgruppen. Gemeinsam wird auch über die Instandhaltung der Kirche beraten. Die evangelischen Jugendlichen beider Konfessionen betreiben gemeinsam eine Möbelkiste: Dort arbeiten sie zusammen alte,


– eine Kirche und evangelisch-reformierter Gemeinde abgegebene Möbel auf und geben sie zu einem günstigen Preis wieder ab. „Ich habe dort auch schon etwas gekauft“, sagt Dietrich Meier, der die Jugendlichen gerne in ihrem Engagement unterstützt und Werbung für die gute Sache macht. Im Dorf ist der gemeinschaftliche Gedanke der Simultankirche fest verankert. Das zeigt sich an einer Backware, die es nur in Ringstedt gibt. „Im Ringstedter Dorfladen gibt es das ,Simultanbrötchen‘ zu kaufen“, verrät Dietrich Meier. Es ist ein besonders großes Brötchen, das aus zwei Teilen besteht. Das gute Miteinander der Gemeinden zeigt sich somit sogar auf dem Frühstückstisch. von Yvonne Gotthardt

INFO Eine Simultankirche, auch Simultaneum genannt, bezeichnet einen von mehreren christlichen Konfessionen gemeinsam genutzten Kirchbau. In der Regel finden die Gottesdienste getrennt statt. Die erste Simultankirche während und nach der Reformation war vermutlich die Kirche St. Petri zu Bautzen. Hier wurde bereits 1524 das Kirchenhaus geteilt, das Langhaus, die Sakristei sowie die Orgelempore waren seitdem evangelisch, der Chor und die erste Empore wurden von den römisch-katholischen Gläubigen benutzt. In der Kurpfalz wurde 1698 von der Obrigkeit das Simultaneum eingeführt. Die Reformierten mussten ihre Kirchen für den katholischen Gottesdienst öffnen, die Katholiken behielten jedoch ihre Kirchen allein. Die Regelung galt bis 1707. In Deutschland gibt es 65 Simultankirchen, die meisten davon in Rheinland-Pfalz. Eine der größten Simultankirchen ist der Altenberger Dom in der Nähe von Köln, der evangelisch und katholisch genutzt wird. Die wohl berühmteste Simultankirche ist die Grabeskirche in Jerusalem, in der Hand von sechs christlichen Konfessionen.

In der Simultankirche St.-Fabian in Ringstedt bei Bremerhaven sind zwei Gemeinden beheimatet – eine evangelisch-reformierte und eine evangelisch-lutherische.

Fotos: Yvonne Gotthardt


Reformierte Pfarrer Konferenz zur Rolle der Reformierten im Ersten Weltkrieg Ganze 22 Kriegserklärungen gab es im Jahr 1914. Wie alles begann und wie grausam dieser tatsächlich weltweit geführte Krieg vielerorts war, bekamen wir dieser Tage in den Medien gut aufbereitet. Doch wie verhielten sich die Kirchen – und nicht nur die in Deutschland? Eine Konferenz Anfang Juli in Siegen mit Vertretern aus neun europäischen Ländern und aus den USA thematisierte die Rolle der Reformierten im Ersten Weltkrieg. Die Gesellschaft für die Geschichte zur Erforschung des Reformierten Protestantismus, die Johannes-aLasco-Bibliothek und die Universität Siegen hatten eingeladen. Der Heidelberger Universitätspfarrer Hans-Georg Ulrichs (Foto) und die Siegener Kirchengeschichts-Professorin Veronika AlbrechtBirkner initiierten und leiteten die Tagung.

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Das Besondere der Tagung war ihre internationale Besetzung. Die Berichte aus anderen kriegsbeteiligten und auch – unbeteiligten Ländern enthüllten, dass die Begeisterung für den Krieg, der Pathos und die Begründungsmuster auf beiden Seiten der Front sehr ähnlich – ja teilweise gleichlautend waren. Der Münsteraner Professor für Kirchengeschichte, Martin Greschat, spricht überall in Europa den offiziellen Kirchen eine ähnliche kriegstreiberische Rolle zu. Ob in Deutschland, Frankreich, England oder Russland – der Nationalismus habe auch in kirchlichen Verlautbarungen teilweise exzessive Ausmaße angenommen. Martin Laube, Inhaber des reformierten Lehrstuhls an der Uni Göttingen, konnte auch die theologischen Schulen dieser Zeit nicht freisprechen: So wie die liberalen Theologen ein ungebrochenes Vertrauen in den kulturellen Fortschritt der Gesellschaft gepflegt hätten, setzten die Konservativen auf die Kirche als vereinende Kraft. Auf je unterschiedliche Weise hätten beide Seiten dem Nationalismus gehuldigt und der Kriegsbegeisterung nichts entgegengesetzt. Fast jeder der in den drei Tagen folgenden Vorträge sollte mit der Bemerkung beginnen, dass die Rolle der Kirchen in der Zeit des Ersten Weltkriegs bisher so gut wie nicht untersucht worden sei. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Diese Zeit ist für Theologie und Kirche – auch für die Reformierten – kein Ruhmesblatt. Der überbordende Nationalismus hatte auch die theologisch geschulten Köpfe dermaßen vernebelt, dass grundlegende Einsichten einfach vergessen wurden. Gegnerische Länder und ihre Bevölkerungen wurden diffamiert, der eigene Kampf als gottgefällige Verteidigung des Christentums interpretiert. Bis hin zum Aufruf zur Vernichtung der verhassten Nationen gingen die Pfarrer in ihren Predigten. Genau diese Predigten waren der Gegenstand der Untersuchung für die meisten Referenten.

Denn sie sind fast die einzigen Quellen und lebendige Zeugnisse der damaligen Denkweise. Außerdem zeigen sie die Stimmung in den Gemeinden, die sich scheinbar wenig von der in der restlichen Gesellschaft unterschied. Überall war die Stimmung aufgeheizt. Das ging laut einem Bericht so weit, dass junge Männer, die nicht an der Front waren, von Frauen angespuckt wurden. So gleichlautend die patriotische Stimmung in fast allen Ländern war, so unterschiedlich waren freilich die Umstände für die Reformierten: Die Minderheit der Protestanten in den französischsprachigen und überwiegend katholischen Ländern war beispielsweise in einer gewissen Zwickmühle. Sie galten als Abkömmlinge der deutschen Reformation und waren daher suspekt. Was sie wiederum dazu verleitete, in Sachen Patriotismus erst recht keinen Zweifel aufkommen zu lassen. So gab es auch in den Vereinigten Staaten unter reformierten Predigern je nach Herkunft durchaus Unterschiede in der Beurteilung der Kriegsbeteiligten, nicht aber in der patriotischen Haltung zu Amerika. Als eine Ausnahme darf ein Prediger der Dutch Reformed Church gelten, dem der Fahnenkult vor und in den Kirchen irgendwann zu weit ging. Er ließ das Sternenbanner in seiner Kirche entfernen und handelte sich damit erheblichen Ärger ein. Auch die politisch neutrale Schweiz war in ihrem Innersten gespalten in den eher deutschfreundlichen und -sprachigen Teil und den „welschen“ der französischen Schweizer. Für einen osteuropäischen Gürtel von Helsinki bis Belgrad war der Weltkrieg selbst weit weniger prägend als die Folgen einer neuen Grenzziehung. Professor Laszlo Levente Balogh aus Debrecen zog Verbindungen zum neuen ungarischen Nationalismus, der auf sehr emotionalisierende Weise das ungarische „Trauma“ des Friedensvertrages und das Ende des Großungarischen Reichs wieder belebe.


predigten für Krieg Hans-Georg Ulrichs kam in seinem Vortrag über die Beiträge in der Reformierten Kirchenzeitung (RKZ) der Kriegsjahre immerhin zu dem Schluss, dass es im reformierten Bereich keine so exzessiven theologischen Verirrungen gegeben habe wie die Bezeichnung von Soldaten als Vollstrecker Gottes. Ansonsten könnten die Reformierten jedoch nicht von sich behaupten, generell kritischer dem Krieg gegenüber eingestellt gewesen zu sein. Als Resümee bleibt: Einzelne Versuche des Aufbegehrens gegen die Kriegsbegeisterung hat es zwar gegeben, diese sind aber in allen kriegsbeteiligten Ländern Einzelfälle geblieben. Ab 1917 und mit den absehbar hohen Verlusten kamen zur Begeisterung auch Klagen und teilweise eine Interpretation des Krieges als Strafe Gottes, doch eine Abkehr von nationalem Egoismus und dessen religiöser Verbrämung oder gar eine Ethik des Friedens ließ noch auf sich warten. von Georg Rieger Zum Ende des Jahres erscheint im Neukirchener Verlag der Titel „Der Erste Weltkrieg in der reformierten Welt“ mit allen Referaten der Veranstaltung.

„Verrat, schnödester Vertrauensmißbrauch ist es, was Deutschlands Kaiser von seinen sogenannten Freunden erfahren mußte. (...) . Nun wohl: sie werden erfahren, was furor teutonicus ist! Das Volk steht auf, der Sturm bricht los. Wir haben ein gutes Gewissen in diesem Krieg … Gott wird mit uns sein!“ Theodor Lang (1870-1931), Herausgeber der Reformierten Kirchenzeitung und Pfarrer in Wuppertal, im August 1914

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ages/A Quelle: akg-im


Nach dem Brand: Nürnberg plant Wiederaufbau Anfang Juni ist die St.-Martha-Kirche der Gemeinde Nürnberg bis auf ihre Grundmauern niedergebrannt. Die Brandursache konnte bislang nicht geklärt werden und wird wohl auch nie restlos aufgeklärt werden können. Während nun der Schutt aus der Kirche geräumt wird, überlegt die Kirchengemeinde, wie St. Martha nach ihrem Wiederaufbau aussehen könnte.

Foto: Georg Rieger

Fotos: David Ganek

Kohlschwarz verdeckt die Asche des Dachgebälks den vor wenigen Wochen noch hellen Sandsteinboden der Nürnberger St.-Martha-Kirche. Als Pfarrer Dieter Krabbe am Abend des 5. Juni aus seiner Kirche nach einer Sitzung nach Hause ging, da hätte der Brand im Dachgebälk schon schwelen können, dessen meterhohe Flammen in der Nacht das Kirchenschiff verschlangen. Die Ursache des Brandes? Pfarrer Dieter Krabbe erklärt in seinem Pfarrbüro: „Was es genau war - alles Vermutung!“ Die Ursache werde wohl nie vollständig geklärt werden können. Umso wichtiger ist Pfarrer Krabbe: „Die Kirche wird wieder aufgebaut.“ Freilich wird die Kirche nicht mehr dieselbe sein: Die Orgel ist geschmolzen und muss ersetzt werden, neue Fluchttüren werden eingebaut, um modernen Bauvorschriften zu genügen, eine historische Glocke aus der Anfangszeit der Kirche, von der zunächst gehofft wurde, dass sie gerettet werden könne, zersprang bei ihrer Bergung in zwei Teile. Ob sie wiederhergestellt werden kann, bleibt unklar. Durch den Brand ist auch die Kirchengemeinde selber näher zusammengerückt, berichtet Pfarrer Krabbe: „Nach dem Gottesdienst sind die Gemeindemitglieder immer besonders gespannt darauf zu hören, welche Fortschritte bei den Aufräumarbeiten gemacht werden.“ Bis zur Wiedereröffnung feiert die Gemeinde in der benachbarten katholischen St. Klara-Kirche Gottesdienst. Die Anteilnahme, welche der Gemeinde und ihrer Kirche aus der Stadt und der ganzen Republik zuteil wird, lässt Pfarrer Dieter Krabbe selber fragen: Tut St. Martha genug für andere? Die Kirche lag zu ihren Anfangszeiten außerhalb der Stadtmauern, war ein Asylort für Obdachlose, Kranke, Gestrandete. Heute steht die Kirche unweit des Bahnhofs: „Es wäre überfällig, dass wir uns gerade hier neben dem bisherigen Schwerpunkt als Kultur- und Konzertkirche mehr um die Armen unserer Stadt kümmern.“ „Der Sommer wird wohl darüber vergehen, dass die Schäden genauer unter die Lupe genommen werden“, sagt Georg Rieger. Er koordiniert im Auftrag des Presbyteriums den geplanten Wiederaufbau. Über den Winter soll ein Notdach die Kirche vor Frost und Kälte schützen. Währenddessen werden im Oktober und November die Gemeindemitglieder zu Workshops eingeladen: Die Gemeinde soll selber entscheiden, wie der Wiederaufbau vonstatten gehen soll, und worauf die Gemeinde mit ihrer Kirche in Zukunft Wert legen will. Dankbar ist die Gemeinde auch, dass gerade zu Beginn der Aufbauarbeiten alles so schnell ging und die Notmaßnahmen von der Versicherung unterstützt wurden: „Dinge, bei denen uns Spezialisten gesagt hatten, dass sie ein Jahr bräuchten, kamen innerhalb von Wochen.“ Binnen Tagen stand ein Kran, die Stadt erteilte Genehmigungen. „Aber das ist nicht die Regel“, weiß Rieger. „Wir gehen nicht davon aus, dass uns jeden Tag ein neues Wunder geschieht, es wird auch Rückschläge geben.“ „Die enorme Solidarität verstehen wir als Aufgabe, die Kirche auch den Bürgern der Stadt bald wieder öffnen zu können“, sagt Pfarrer Dieter Krabbe. „‚Baustelle betreten verboten!‘ ist ja nun keine christliche Botschaft. Das Schild sollte bald wieder überflüssig sein.“ von David Ganek


REFORMIERTER GLAUBE

„Was glaubst du eigentlich… von der Ökumene?“ serer Kirche dieses ökumenische Verständnis der Schade. Ganz genauso steht die Frage leider Gemeinde Jesu Christi deutlich unterstrichen. Als nicht im Heidelberger Katechismus. Aber in Frage Kirche, die sich selber „der Mission Gottes ver54 geht es um die Sache der Ökumene: Jesus dankt und in der Kraft der Geistes lebt, gehört Christus selbst sammelt immer („von Anbeginn die missionarische und ökumenische Existenz der Welt bis ans Ende“) und aus allen Völkern zum Wesen jeder Gemeinde“. („aus dem ganzen Menschengeschlecht“) MenAllerdings stellt dieses ökumenische Wesen schen, die zu ihm, zu seiner Gemeinde gehören. die Christen auch ständig vor die Aufgabe, die Deshalb nennt das Glaubensbekenntnis die KirEinheit der Kirche zu leben, um die Zusammenche Christi auch eine allgemeine. Das bedeutet, gehörigkeit aller zu zeigen. Das geschieht auf dass die Gemeinde Jesu Christi weit über Kirchenunterschiedlichen Ebenen: in Partnerschaften von grenzen hinaus reicht. Zugleich ist es eine Absage Kirchen und Gemeinden über an jegliches Kirchturmdenken, Ländergrenzen hinweg, auf jeglichen Lokalpatriotismus der Ebene der Arbeitsgemeinund Konfessionalismus. Natürschaften Christlicher Kirchen lich sind Kirchen und Konfes(ACKs) und zwischen verschiesionen Teil der Gemeinde Jesu denen Konfessionen vor Ort. Christi. Aber keine Kirche ist „Ökumenische Gemeinschaft allein mit ihr identisch. Thomas Fender gewinnt Gestalt, wo einander Die vom Sohn Gottes beüber die Ökumene geholfen, voneinander gelernt rufene Gemeinde ist immer und miteinander Gottesdienst ökumenisch ausgerichtet, als gefeiert wird“, heißt es in der Synodenerklärung. weltweite Gemeinde. In aller Unterschiedlichkeit Die Missionserklärung ordnet auch das Verhälthaben die Gesammelten gemeinsam, dass der nis zu Israel der Ökumene zu. Weil Israel für die Glaube an Jesus Christus, der Heilige Geist und Kirche Zeuge Gottes bleibt, „gehört zur ökumenidas Wort Gottes sie einen und dass Jesus Christus schen Existenz der Kirche Christi die Beachtung sie alle zum ewigen Leben erhält. So sagt es der des einzigartigen Verhältnisses zu Israel“. Heidelberger Katechismus. In der Erklärung „Mission – Ökumene – Partnerschaft“ von 1996 hat die Gesamtsynode un-

Reformierter Glaube

Thomas Fender ist ab Mitte September neuer Pastor für Diakonie und Ökumene der Evangelisch-reformierten Kirche. Bis dahin war er Pastor der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Schüttorf, Vorsitzender des Ausschusses für Partnerschaft und Mission und Südafrikabeauftragter.

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Grafik:

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REFORMIERTES REISEZIEL

Erinnerung ans Leben im Exil Was macht ein kleines, aber feines Museum über die Waldenser in Ötisheim, einer kleinen Stadt nahe Pforzheim? Man kennt Waldenser heutzutage eigentlich nur noch als Mitglieder einer kleinen reformierten Kirche aus dem 16. Jahrhundert, die in einigen Tälern im Piemont alle Verfolgungen überlebt hat und nun in ganz Italien verbreitet ist. Oder man weiß, dass diese Waldenser sich auf den Lyoner Kaufmann (Petrus) Waldes zurückführen, der sich im 12. Jahrhundert für Laienpredigt einsetzte. Das Museum in Württemberg geht zurück auf Henri Arnaud, der sich selbst als „Pfarrer und Oberst der Waldenser“ bezeichnete. Mit ihm zusammen fanden zahlreiche Waldenser 1699 nach ihrer Vertreibung aus dem Piemont in Württemberg eine neue Heimat. Arnaud baute sich 1702 ein Haus in einer kleinen neuen Siedlung, die damals „Les Mûriers“ (Maulbeerbäume) genannt wurde, weil die Waldenser versuchten, hier Seide zu produzieren – sein Haus ist heute das Museum. Im lutherischen Württemberg war es den Waldensern bis 1823 erlaubt, ihre reformierte Reli-

gion beizubehalten. Danach wurden sie in die Landeskirche integriert. Die Nachfahren der Waldenser vergaßen jedoch ihre Herkunft nicht und gründeten 1936 die Deutsche Waldenservereinigung. Diese Vereinigung kaufte 1937 das alte Pfarrhaus von Arnaud, das inzwischen Bauernhof geworden war, und richtete dort ein Museum, eine Bibliothek und einen Begegnungsraum ein. Damit wollte die Vereinigung die Erinnerung an die waldensische Geschichte wach halten. Insbesondere im Sommer ist der Besuch des Waldensermuseums ein Erlebnis. Das braun-weiße Fachwerkhaus liegt eingebettet im satten Grün der Bäume. Hinter dem Haus liegt der „Garten der Erinnerung“; hier sind Grabsteine mit waldensischen Nachnamen aufgestellt. Im Museum selbst führt eine einfache, von Ehrenamtlichen betreute liebevolle Ausstellung in die Geschichte der Waldenser und ihr hartes Leben im deutschen Exil ein. Das Haus mit seinen vielen Winkeln und Ecken strahlt eine besondere, besinnliche Atmosphäre aus. von Albert de Lange

Fotos: (1) Die Vorderseite des Henri-Arnaud-Hauses. Rechts das Waldenserwappen. (2) Waldenserpfad

INFO Waldensermuseum Henri-Arnaud-Str. 27 75443 Ötisheim Tel: 07041 7436 Öffnungszeiten Dienstag- und Sonntagnachmittag jeweils von 14 Uhr bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, der Verein bittet aber um eine Spende zum Unterhalt des Museums.

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Fotos: Wim Eradus

Am Museum führt der internationale Waldenser- und Hugenottenpfad vorbei, über den reformiert 2-2013 berichtete. www.waldenser.de


PERSONEN

Hannelore Mundt aus Emden ist nach vielen Jahren aus dem Ausschuss für Frauenarbeit und der Frauenkonferenz ausgeschieden. 2001 wurde die heute 65-Jährige in den Ausschuss berufen, von 2007 bis 2010 war sie dessen Vorsitzende. Bis Juni dieses Jahres blieb sie stellvertretende Vorsitzende und zieht nun nach Nordrhein-Westfalen um. Frauenpastorin Gretchen Ihmels-Albe würdigte Hannelore Mundts Engagement. Sie habe mehr als zehn Jahre lang der Frauenarbeit ihren Stempel aufgedrückt und sich besonders in der Bildungsarbeit engagiert. [1] Derk Vos, Kirchenmusiker in Schüttorf, ist von seiner Gemeinde in den Ruhestand verabschiedet worden. Der 65-Jährige war 28 Jahre für die Musik in der Kirchengemeinde zuständig. Viele Jahre war er neben der Kirchenmusik für die Musikakademie Obergrafschaft in Bad Bentheim und Schüttorf tätig. Zuletzt war er mit einer Zwei-Drittel-Stelle für die Musik in der Gemeinde und für die Organistenausbildung im Synodalverband verantwortlich. [2] Jürgen van Wieren ist neuer Pastor der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Burg bei Magdeburg. Der 53-jährige Theologe trat dort seinen Dienst am 1. Juli an, seine vorherige Gemeinde Ditzumerverlaat verabschiedete ihn im Juni. Jürgen van Wieren war 21 Jahre Pastor in Ditzumerverlaat, er wurde dort 1993 von der Gemeinde gewählt. Zuvor war er als Vikar und Pastor in Veenhusen (Landkreis Leer) tätig. Die Gemeinde in Burg bei Magdeburg ist eine der fünf evangelisch-reformierten Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), diese fünf sind dort im Reformierten Kirchenkreis zusammengeschlossen. Die Gemeinde Burg hat starke hugenottische Wurzeln, sie bildete sich 1812 durch den Zusammenschluss der deutsch-reformierten und der französisch-reformierten Gemeinden.

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Foto: Albrecht Dennemann

Foto: Ulf Preuß

Foto: privat

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Foto: WGRK

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[3] Friedrich Knoop, Pastor der Gemeinde Lage (Grafschaft Bentheim), hat den Einzug ins Rathaus von Neuenhaus knapp verpasst. Dem 47-Jährigen fehlten bei der Wahl zum Samtgemeindebürgermeister nur 228 Stimmen zur Mehrheit. Lage ist ein Ort der Samtgemeinde Neuenhaus. Der parteilose Knoop erhielt als Kandidat der SPD 48,2 Prozent der Stimmen, sein Gegenkandidat Günter Oldekamp (CDU) 51,8 Prozent. Die Wahl fand am 25. Mai, dem Tag der Europawahl, statt.

[4] Christopher Ferguson ist neuer Generalsekretär der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK). Der 61-jährige Pfarrer der United Church of Canada trat sein Amt am 1. August in Hannover an. Im Juni wurde er vom Exekutivausschuss der Organisation gewählt. Er ist Nachfolger des Ghanaers Setri Nyomi, der nach zwei Amtsperioden ausschied. Ferguson war Pfarrer in Kanada, im Nahen Osten sowie in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern.

[5] Michael Groothues, erster Militärpfarrer der Evangelisch-reformierten Kirche, ist aus dem Dienst der Bundeswehr ausgeschieden. Der 55-Jährige war zwölf Jahre lang für die evangelische Militärseelsorge tätig. Er war der erste Theologe aus der Evangelisch-reformierten Kirche, der als Militärpfarrer zur Bundeswehr wechselte, inzwischen sind zwei weitere Pfarrer für die Militärseelsorge tätig. Während seiner Zeit bei der Bundeswehr war er dreimal zu mehrmonatigen Auslandseinsätzen in Afghanistan, zuletzt in Feyzabad, wo während seines Aufenthaltes mehrere Soldaten bei Anschlägen getötet wurden. Von 2011 bis 2013 bildete sich Groothues als Trauma-Seelsorger weiter und gehört seit 2011 zum Trauma-Seelsorge-Kompetenz-Team der Bundeswehr. Ab 1. September übernimmt er für sechs Monate in der Gemeinde Uelsen (Grafschaft Bentheim) eine Vertretungsstelle. Foto: Michael Groothues (li) bei seinem letzten Auslandseinsatz in Feyzabad, Hinnerk Schröder, ehemaliger Präses der Gesamtsynode, ist am 29. Juli 75 geworden. 22 Jahre war er Vorsitzender der reformierten Landessynode, zunächst als Kirchenpräsident, dann als Präses der Gesamtsynode. In seine Zeit fiel der Zusammenschluss der Evangelisch-reformierten Kirche in Nordwestdeutschland mit den bayerischen Reformierten. Auch an der Annäherung an die Altreformierte Kirche war er maßgeblich beteiligt. Schröder begann seine theologische Laufbahn als Assistent an der Universität, entschied sich später jedoch für den Gemeindedienst. Er lebt heute in Nordhorn, nahe seiner ersten Pfarrstelle Uelsen.

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AKTUELLES

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Arrangiert von Michael Schütz in Zusammenarbeit mit Helga Hoogland

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Die Tagung wurde am 29. Mai mit einem bunten Kulturprogramm und prominenten Gästen in den Westfalenhallen eröffnet. Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der EKD und Schirmherr der Veranstaltung, berichtete von seinen Erfahrungen als junger Kindergottesdienst-Mitarbeiter. Auch der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau zeigte sich überzeugt: „Wenn man im Kindergottesdienst Glauben lernt, kann einen das durchs Leben führen.“ Die Chefin der gastgebenden westfälischen Landeskirche, Präses Annette Kurschus, sagte, Kindergottesdienst sei keine Vorstufe zum Gottesdienst mit Erwachsenen, sondern habe seine eigene Bedeutung und Würde. Wichtiger als ausgefeilte Pädagogik und perfekte Technik sei: „Die Kinder merken: Du bist echt, du bist bei ihnen und nimmst sie ernst.“ Drei Tage lang lernten und arbeiteten die überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen im Kindergottesdienst gemeinsam in über 120 Arbeitsgruppen und vielen Bibelarbeiten. Eine davon bestritt ein reformiertes Team aus der Grafschaft Bentheim. Es begeisterte zweimal mehrere hundert Besucher in der Ev. Nicolaikirche mit der Bibelarbeit „Einmal Jerusalem - Emmaus und zurück, ein 90-minütiges Lachmuskelaufbautraining“. Jutta Behmenburg, Friedhilde Nordholt, Friedrich Behmenburg und Gerhard Kortmann boten eine abwechslungsreiche und originelle Darstellung und Auslegung der Ostergeschichte. Immer wieder sah man Besucher, die ihre Stifte zückten und Ideen notierten. Das musikalische Programm bestritt die Brandlechter Band Hope Solo. Die Gesamttagung Kindergottesdienst in der EKD findet alle vier Jahre statt. In Deutschland gibt es jährlich etwa 260.000 evangelische Kindergottesdienste an Sonn- und Feiertagen, hinzu kommen zahlreiche weitere Gottesdienste mit Kindern, zum Beispiel in Kindergärten und Schulen, in Krabbelgruppen oder im Rahmen von Kinderbibelwochen. Die Evangelisch-reformierte Kirche gehörte in diesem Jahr mit zu den ausrichtenden Kirchen.

[2] Psalmen der Reformationszeit neu arrangiert Zum Reformationsjubiläumsjahr 2017 hat die Bläserarbeit 17 Psalmen der Reformationszeit neu arrangieren lassen. „Die Psalmen haben durch den bekannten Kirchenmusiker Michael Schütz ein musikalisches Gewand des 21. Jahrhunderts erhalten“, sagt Landesposaunenwartin Helga Hoogland. Die Lieder erscheinen in sieben Heften, einer Gesamtausgabe und Noten für Orgel, Chor, Band und Bläser. Das Landesbläserensemble unter der Leitung der Landesposaunenwartin stellt die populär arrangierten Psalmen am 12. Oktober mit einem Konzert in der Neuen Kirche in Emden vor. Mitbeteiligt sind die capella cantorum aus Nordhorn unter der Leitung von Rushnija Salakhova sowie Landeskirchenmusikdirektor Winfried Dahlke an der Orgel. Das Konzert beginnt um 17 Uhr. 25 Jahre Hilfe für Schwangere Der Verein „Hilfe für Schwangere“ in Celle hat im Sommer sein 25-jähriges Bestehen gefeiert. Zurzeit unterstützen zehn Frauen und ein Mann ehrenamtlich schwangere Frauen mit der Ausleihe von Schwangerschaftskleidung und Babyausstattung, mit der Begleitung bei Behördengängen oder der Hilfe beim Umzug. „Wenn ein Kind in Celle durch das Hilfsangebot leben darf, hat sich der ganze Einsatz gelohnt“, war eins der Ziele bei der Vereinsgründung 1989. Bis zu 240 Anrufe pro Jahr hätten die Mitarbeiter in Empfang genommen. Bei den Beratungsgesprächen sei auffällig, dass die Ratsuchenden in den letzten Jahren immer jünger geworden seien. Zur Jubiläumsfeier überbrachte der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes, Wolfgang Wagenfeld, den Ehrenamtlichen den Dank der Landeskirche für ihr langjähriges Engagement. www.hfscelle.de

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Arrangiert von Michael Schütz in Zusammenarbeit mit Helga Hoogland Heft 7 zusätzliche s Stimmenheft in B und Es

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Arrangiert von Michael Schütz in Zusammenarbeit mit Helga Hoogland Heft 6 Stimmenhe ft Gitarren / Schlagzeug

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Die sieben Liederhefte mit den neu arrangierten Psalmen

[1] „DORT wird unser MUND voll Lachens sein“ Mehr als 70 Reformierte, darunter auch Gäste aus der Schweiz und Österreich, haben im Mai an der Tagung des KindergottesdienstGesamtverbands teilgenommen. Insgesamt kamen etwa 2.500 Teilnehmer aus ganz Deutschland unter dem Motto „DORT wird unser MUND voll Lachens sein“ nach Dortmund.

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Heft 4 Orgelstimm e

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Arrangiert von Michael Schütz in Zusammenarbeit mit Helga Hoogland

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Chorsatz mit Klavierstim me

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Psalmenmelodien

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Psalmenmelodien der Reformat ion populär arrangier für Bläser, Band, t Chor und Orgel ad lib.

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Arrangiert von Michael Schütz in Zusammenarbeit mit Helga Hoogland

Fotos: Ulf Preuß

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Heft 2 Bläserparti tur

inklusive Demo-CD

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Heft 1 Gesamtpar titur

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Foto links oben: Vor der Eröffnungsveranstaltung begrüßten die veranstaltenden Landeskirchen Westfalen, Schaumburg-Lippe, Lippe und die Evangelisch-reformierte Kirche die Teilnehmer vor der Westfalenhalle. Die Reformierten empfingen die Besucher mit Neujahrskuchen, gebacken in Schüttorf, und Bio-Äpfeln. Foto links unten: Bibelarbeit des reformierten Teams in der Dortmunder Nicolaikirche


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AKTUELLES / IMPRESSUM

Foto unten: Pastor Jörg Voget und die Architekten Gerwin Bangen und Friederieke Klever Fotos rechts: Die reformierte Kirche in Aurich Logo: Reformationsstadt Emden

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E RCH KI Landesbläsere nsemble der Evange lisch-reformierten capella cantor um, Nordhorn Kirche - Leitung: Rushn An der Orgel: ija Salakhova Landeskirchen musikdirektor Gesamtleitung: Winfried Dahlke Landesposaun enwartin Helga Hoogland

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Vorstellung von Psalmenmelodie n der Reforma populär arrangie tion rt von Michael Schütz für Bläser, Ban d, Orgel und Cho r ad lib.

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Neue Kirche Em den So. 12.10.201 4 17 Uhr Neue Kirche Emde n, Brückstr. 103, 26721 Emden

Plakat für das Konzert am 12.10.2014

15.200 Euro von der GlücksSpirale Das Evangelisch-reformierte Diakonische Werk Grafschaft Bentheim erhält von der GlücksSpirale einen Zuschuss von 15.200 Euro. Die Lotterie fördert damit die Beschaffung und Einführung einer neuen Klientendokumentations- und Verwaltungssoftware im Arbeitsbereich psychiatrische Nachsorge. Die neue Software erleichtere die tägliche Arbeit deutlich, steigere deren Qualität und nütze so den psychisch erkrankten Menschen, sagte Volker Hans, Geschäftsführer der Grafschafter Diakonie. Kleiner Hugenottentag in Hameln Die Deutsche Hugenottengesellschaft lädt zu ihrem Mitgliedertag am Sonnabend, 8. November, nach Hameln ein. Der kleine Hugenottentag bietet nach Angaben der Veranstalter die Gelegenheit, die größte Hugenottenkolonie auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsens kennen zu lernen. Sie gründete sich 1690 und umfasste 500 bis 600 Mitglieder. Veranstaltungsort ist das Gemeindezentrum der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Hameln-Bad Pyrmont. www.hugenotten.de/gesellschaft/veranstaltungen.php Diakonische Konferenz zum Thema Sterben Die Diakonische Konferenz der Evangelisch-reformierten Kirche widmet sich diesen Herbst dem Thema Sterben. Sie steht unter der biblischen Überschrift „Am Ende des Lebens – Herr, lehre uns bedenken…“ (Psalm 90, 12). Das Diakonische Werk erwartet dazu etwa 150 ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter der Diakonie in Wybelsum bei Emden. Die Tagung beginnt am 11. Oktober um 10 Uhr. Die Diakonische Konferenz tagt einmal pro Jahr jeweils zu einem Schwerpunktthema. Im vergangenen Jahr stand in Braunschweig das Thema „Toleranz“ auf der Tagesordnung.

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Foto: Thomas Nerlinger

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Fotos: Jörg Schmid

[3] Neues Gemeindehaus „Die Brücke“ Die Gemeinde Neuenhaus (Grafschaft Bentheim) hat ihr neues Gemeindehaus eröffnet. Zu einem Festgottesdienst Ende Juli kamen 400 Besucher, die Predigt hielt Kirchenpräsident Martin Heimbucher. Nur durch eine Brücke von der Kirche getrennt entstand ein Neubau, der modernen Nutzungsbedingungen entspricht. „Insbesondere die Kirchenmusik mit Chorarbeit und Kinderchorarbeit findet jetzt optimale Bedingungen“, so Pastor Jörg Voget, Das Erdgeschoss kann jetzt auch von großen Gruppen genutzt werden, im Obergeschoss sind Räume für Jugend- und Konfirmandenarbeit. Das alte Gemeindehaus aus den 60er Jahren war zu klein und sollte bereits 2004 erneuert werden. Der Neubau kostete rund 700.000 Euro, von denen die Landeskirche 300.000 übernahm. 300.000 Euro erbrachte der Verkauf des alten Gebäudes, 70.000 Euro kamen durch Spenden zusammen.

richtete der Architekt und Baumeister Conrad Bernhard Meyer die Kirche im Stil eines antiken Tempels mit vier Säulen am Vorbau. Die Kirche ist der einzige klassizistische Zentralbau im Weser-EmsGebiet. Auslöser für den Kirchbau war eine Schenkung Napoleons in Höhe von 15.000 Franc mit der Bestimmung, einen „der Stadt zur Zierde gereichenden Tempel“ zu errichten. Der Bau kostete schließlich fast 15-mal so viel und brachte die Gemeinde an den Rand des Ruins. Das Festprogramm beginnt am 7. September mit einem Gottesdienst und der Eröffnung der Fotoausstellung „Bemerkenswerte Kirchengebäude aus aller Welt“. Zum Programm gehört auch die Lesung „Bekannte und unbekannte Auricher tragen Bekanntes und Unbekanntes der Bibel vor“.

[4] Emden soll 2017 zum „Stationenweg“ gehören Die Stadt Emden soll eine wichtige Rolle im Jahr des Reformationsjubiläums 2017 spielen. Kirchenpräsident Martin Heimbucher kündigte bei der im Kloster Möllenbeck tagenden Gesamtsynode an, dass die Evangelisch-reformierte Kirche sich dafür einsetzen wolle, dass Emden ein Ort des „Stationenweges“ werden soll. Mit diesem Weg will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) Städte miteinander verbinden, die prägend für das Reformationszeitalter waren. „Emden ist eine Reise wert, insbesondere auch für Reformierte aus allen Himmelsrichtungen“, sagte Heimbucher.

IMPRESSUM

[5] 200 Jahre reformierte Kirche Aurich Mit einem umfangreichen Jubiläumsprogramm feiert die Evangelisch-reformierte Gemeinde Aurich das 200-jährige Bestehen ihrer Kirche. Von 1812 bis 1814 er-

Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Redaktion: Ulf Preuß (verantwortlich), Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Herbert Sperber, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.projektpartner.info Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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Hannes Menke (56) ist seit 2003 Generalsekretär der Norddeutschen Mission. Der Bremer Theologe war sechs Jahre lang als Pastor der Evangelisch-Presbyterianischen Kirche in Togo tätig.

Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Fragen an den Generalsekretär der Norddeutschen Mission, Hannes Menke

Brauchen wir kirchliche Entwicklungshilfe?

POSITION

Zur Norddeutschen Mission (NM) gehören aus Westafrika die Evangelisch-Presbyterianischen Kirchen in Togo und Ghana. Deutsche Mitgliedskirchen sind die Bremische Evangelische Kirche, die Lippische Landeskirche, die EvangelischLutherische Kirche in Oldenburg und die Evangelisch-reformierte Kirche. Die NM wurde 1836 als gemeinsames Missionswerk von reformierten und lutherischen Missionsvereinen gegründet.

Herr Menke, brauchen wir kirchliche Entwicklungshilfe? Ganz eindeutig: Ja, denn kirchliche Entwicklungshilfe ist ganz nah bei den Menschen. So werden Entwicklungsprojekte nicht von Expertinnen und Experten hier in Deutschland als Hilfe für Menschen ganz weit weg, in Afrika, konzipiert, sondern von den Menschen in den Dörfern und Stadtvierteln in Ghana und Togo selbst entwickelt. Sie wissen, welche Herausforderungen sie besonders betreffen, und sie können am erfolgreichsten Strategien zur Verbesserung ihrer Lebensumstände entwickeln und in Form von konkreten Projekten umsetzen. Aber: Zur Entwicklung gehört in allen Gesellschaften neben den konkreten Initiativen vor Ort auch das Eintreten für gerechte soziale, wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen. Hierfür gemeinsam einzutreten ist ebenso Teil unseres gemeinsamen Auftrags im Norden wie im Süden. Zum Selbstverständnis einer kirchlichen Partnerschaft zwischen Europa und Afrika gehört auch der Transfer von Geld- und Sachleistungen von Nord nach Süd. Warum eigentlich? Es ist eine Form praktischer Solidarität, denn durch ungerechte Handels- und Zollbedingungen, Zins- und Zinseszinszahlungen oder Kapitalflucht aus Diktaturen fließen ungleich höhere Geldmengen aus den Ländern des Südens in den Norden. Im Übrigen: Nur Worte machen nicht satt, und den „Brüdern und Schwestern in Not“ zu helfen ist eine christliche Tugend, seit es eine unterschiedliche Verteilung von Wohlstand in Gemeinden gibt. Die Kollekte für Jerusalem, für die der Apostel Paulus warb, war heiß diskutiert und dann ein wichtiges Zeichen der solidarischen Gemeinschaft der Christen. (2. Kor. 8+9)

Widerspricht nicht der Geldtransfer in nur eine Richtung der Vorstellung einer Partnerschaft, in der alle Partner gleichrangig dastehen? Nein, denn die Einseitigkeit ist bei uns schon lange aufgehoben. Afrikanische Kirchen sammeln für Flutopfer an der Elbe, nach dem Brand eines Gemeindezentrums in Bremen und beteiligen sich an der Finanzierung des Netzwerks der NM. Außerdem darf sich aus der Transfer-Richtung kein Machtgefälle ergeben. In der Norddeutschen Mission wissen wir: Wir sind den Spendern, aber viel mehr noch dem Spendenempfänger gegenüber verantwortlich. Darum entscheiden in allen Gremien afrikanische und deutsche Kirchen gemeinsam. Was unterscheidet die Förderung eines Projektes beispielsweise der Norddeutschen Mission von der Entwicklungshilfe, wie sie die Bundesregierung leistet? Zum einen sicher der Umfang – unsere Projekte werden mit 3.000 bis höchstens 50.000 Euro gefördert. Dadurch wird der Verwaltungsaufwand unkompliziert. Und – wir sind gemeinsam mit den afrikanischen Kirchen direkt gegenüber der Bevölkerung verantwortlich, während staatliche Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland wie in Afrika den jeweiligen politischen Strömungen und Machtverhältnissen unterworfen ist. Grundsätze kirchlicher Entwicklungsarbeit sind: Solidarität ohne Ansehen der Person, gemeinsame Verantwortung für Konzeption, Durchführung und Evaluierung und ein besonderer Schwerpunkt für die Menschen, die am Rande leben und von anderen übersehen werden.

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Thema dieser Ausgabe: Ökumene – ganz fern – ganz nah. Wie funktioniert ökumenische Zusammenarbeit ganz praktisch? Über die Grenzen von Lände...

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