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Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

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4 reformiert 2016 201620September Oktober November


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Foto: Jens Schulze

v.l.: Reformierte beim Deutschen Evangelischen Posaunentag in Dresden

Mittagsgebet in der Kirche auf dem Gelände der Ordensgemeinschaft in Taizé

Seite 4 Heute noch ergriffen Wenn Musik ins Herz geht – 20.000 Posaunen in Dresden Seite 6 Wie zeige ich meinen Glauben Ein Gespräch über Spiritualität Seite 8 Ruhe und Gemeinschaft finden Premiere für Taizé-Andachten im ostfriesischen Jemgum

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Seite 10 Ikonen sind das Fenster zum Himmel Steffen Tuschling erlebt orthodoxe Spiritualität Seite 12 ... reif für den Himmel Ein Frömmigkeitstest

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Foto: Hanno Gutmann / epd

Seite 14 Das Gefüge kann kippen Erfahrungen von einem Jahr in Kairo Seite 16 Marie Dentière Die weibliche Stimme der Genfer Reformation Seite 18 Personen / Aktuelles / Impressum Seite 20 Anzeige: Vom Fluss aus gesehen Kreuzfahrt zum Reformationsjubiläum 2017

Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Evangelisch-reformierte Kirche Stichwort: reformiert Sparkasse LeerWittmund IBAN: DE94 2855 0000 0000 9060 08 SWIFT-BIC: BRLADE21LER Spendenquittung wird zugesandt Titelgrafik: Designagentur projektpartner


Foto: Bärbel Recker-Preuin

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Foto: Gert Mothes

v.l.: Farbtupfer in der reformierten Bergkirche in Osnabrück. Pastor Steffen Tuschling zeigt die Ikone mit der Darstellung Johannes des Täufers. Das Festival „Klassik für Kinder“ findet auch in diesem Jahr in Leipzig statt.

Liebe Leserin, lieber Leser, fromm sein für Christen, oder? Das sollte doch eigentlich selbstverständlich sein. Aber mal ehrlich: Wie würden Sie antworten, wenn Sie gefragt werden, „Sind Sie fromm?“ Im Religionsmonitor 2013 der Bertelsmann-Stiftung erklärten 54% der Befragten, dass Religion für sie sehr wichtig ist, aber nur 32% hielten Spiritualität für sehr wichtig. Religion ist wichtig, fromm sein aber viel weniger. Die Zahlen zum Beten bestätigen das: 2013 haben 24% der Befragten in Westdeutschland gesagt, dass sie täglich beten, 12% in Ostdeutschland. 25 % der befragten in Westdeutschland beten nie, in Ostdeutschland sogar 66%.

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Die Geschichten in dieser Ausgabe von „reformiert“ erzählen von Menschen, die kein Problem damit haben, fromm zu sein. Von ihnen gehören bestimmt die meisten zu den 24%, die täglich beten, zu den 32%, die Spiritualität wichtig finden und zu den 54%, die Religion für wichtig halten. Alle haben ihre Art, ihren Glauben zu leben, alle haben eine andere Geschichte und alle würden sicher anders antworten auf die Frage: „Wie fromm sollte man sein?“ Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Ulf Preuß

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

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Die 1.913 Posaunenchöre wählten ihre Lieblingstitel: „Herr, Du bist meine Hilf auf Erden“, Psalm 71 im Arrangement von Michael Schütz belegte dabei den vierten Platz in den Top Ten der Posaunenchor-Hits. Zu finden ist der Titel im Liederbuch „Sein Lob wird euch entflammen“, das die Posaunenarbeit der Evangelisch-reformierten Kirche 2014 herausgab. Die Musiker oben zeigen das Buch und die dazugehörige CD.

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Heute noch ergriffen Wenn Musik ins Herz geht – 20.000 Posaunen in Dresden

Im Juni trafen sich in Dresden mehr als 20.000 Bläserinnen und Bläser zum 2. Deutschen Evangelischen Posaunentag. Drei Tage lang prägten die Musiker das Bild der Elbmetropole und setzten dort ein kirchliches Bekenntnis. „Beim Eingangslied, extra für den Posaunentag komponiert, musste ich mein Horn absetzen, weil es so überwältigend war“, erzählt Insa Watermülder. Auch drei Wochen nach dem Posaunentag ist sie ganz ergriffen, wenn sie von Dresden berichtet. Mit ihrem kompletten Posaunenchor aus Bunde ist die 43-Jährige nach Dresden gereist und hat mit 450 evangelisch-reformierten und altreformierten und mehr als 17.500 anderen Bläsern im Gottesdienst musiziert. Weltrekord. So viele Bläser haben noch nie zusammen gespielt. Hilke Preukschat erinnert sich noch an ihre Gänsehaut, die sie beim letzten Lied, dem „Gloria sei dir gesungen“ von Johann Sebastian Bach, hatte. Die 21-Jährige stammt aus einer echten Bläserfamilie. So war es für die Heilerziehungspflegerin fast selbstverständlich, mit zehn Jahren beim Posaunenchor der altreformierten Gemeinde Emlichheim einzusteigen, den ihr Vater mitgründete. Auch ihre Schwester spielt dort Trompete. Inzwischen spielt sie im Jungen Posaunenchor Grafschaft Bentheim mit. Für Insa Watermülder aus Bunde ist die Kirchenmusik ein richtiger Lebensinhalt geworden. Seit über 33 Jahren spielt sie: erst Flügelhorn, dann Trompete und jetzt Horn. Begonnen hat alles mit einem Erlebnis auf


Fotos: Jens Schulze

dem Balkon ihrer Eltern. Da hörte sie, wie der Posaunenchor Bunde bei den Nachbarn zum Geburtstagsständchen auftrat, und beschloss: Das will ich auch können. Drei Jahre später bei der Goldhochzeit ihrer Großeltern war sie mit dabei. Und es ist nicht beim Blasinstrument geblieben. Mit 14 Jahren bekam sie ein Jahr Orgelunterricht als Weihnachtsgeschenk und feierte vor kurzem in der Kirche ihr 25-jähriges Orgeljubiläum. Ein Leben ohne Musik kann sich Insa Watermülder nicht mehr vorstellen. Genauso wie die Musik in den Gottesdienst gehört. „Wenn ich die Musik spiele und die Menschen mitsingen, ist es ein gutes Gefühl.“ An der Orgel begeistert sie zudem, dass sie darauf einen eigenen Klang erzeugen kann. Besonders liebt sie einen Choral von Joachim Neander (EG 327): „Wunderbarer König, Herrscher von uns allen, lass dir unser Lob gefallen. Hilf uns noch, stärk uns doch…“ Auch Hilke Preukschat spürt beim Musizieren eine große Kraft, fühlt sich selber durch die Musik gestärkt und glaubt, dass die Musik auch die Zuhörer stärkt. “Wenn ich den Applaus höre, weiß ich, dass wir die Menschen berührt haben.“ Ein besonderes Erlebnis beim Posaunentag in Dresden war das eigene Konzert der reformierten Bläser in der Himmelfahrtskirche. Dort haben das Landesbläserensemble, der Jugenposaunenchor Grafschaft Bentheim und Gesangssolisten sieben neu arrangierte Psalmen aufgeführt. Seit Herbst 2014 gibt es 17 in modernen Rhythmen arrangierte Psalmen der Reformationszeit, Titel, die

Insa Watermülder besonderen Spaß machen. Die Psalmen, so wie sie im Gesangbuch stehen, fand sie eher langweilig, „jetzt macht es Freude mitzusingen“. Und die Texte gewinnen mit der neuen Musik eine neue Bedeutung, meinen Watermülder und Preukschat übereinstimmend. Das müssen wohl auch die Konzertbesucher so empfunden haben, denn der Gemeindegesang war überwältigend, so die beiden. Die Menschen berühren will auch Volkhard Bublies. Der 49-jährige Bassposaunist aus Osnabrück erlebte in Dresden nach Leipzig 2008 auch seinen zweiten Posaunentag. Nach dem Abitur überlegte er eine Zeit lang, Theologie zu studieren. Er blieb dann aber bei der Musik, da er, wie er von sich selber sagt, kein großer Redner sei. Am Posaunenchor schätzt er besonders, dass dort die 70-Jährige zusammen mit Jugendlichen Musik macht. „Wir sind eine Gemeinschaft in der Gemeinde“, meint er. Besonders freut er sich über die konfessionelle Zusammensetzung seines Osnabrücker Chores. Dort spielen Reformierte zusammen mit Lutheranern und Katholiken. „Unser Auftritt im katholischen Gottesdienst war ein schöner Schritt Richtung Ökumene“, hebt er hervor. Ob es im Jahr 2020 wieder einen Deutschen Evangelischen Posaunentag gibt, steht noch nicht fest. Insa Watermülder, Volkhard Bublies und Hilke Preukschat sind sich aber einig: Wir können nur jedem Bläser empfehlen, dorthin mitzufahren. Von Ulf Preuß

Sie waren beim Deutschen Evangelischen Posaunentag mit dabei: Insa Watermülder aus Bunde (Ostfriesland), Hilke Preukschat aus Ringe (Grafschaft Bentheim) und Volkhard Bublies aus Osnabrück.

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Wie zeige ich meinen Glauben? Ein Gespräch über Spiritualität Beide sind Pastoren, beide sind evangelischreformiert, beide verstehen sich gut – und sind doch ganz unterschiedlich. Ein Gespräch mit Antje Donker und Herbert Sperber. Wann haben Sie zum letzten Mal gebetet – und mögen Sie auch sagen, worum es dabei ging? Herbert Sperber: Vorgestern Abend zum Abschluss unserer Kirchenratssitzung. Ich habe gebetet, dass die Presbyter gut behütet nach Hause kommen. Antje Donker: Bei mir war es gestern Abend. Das Nachtgebet ist für mich eine Art Ritual geworden. Den Tag Revue passieren zu lassen. Was waren die schönen Momente, für die ich dankbar bin? Gestern war das zum Beispiel die Freude über das Wiedersehen mit einem Kollegen. Aber es gibt natürlich auch traurige Momente, die mir dann durch den Kopf gehen. Oder Dinge, die mich wütend machen. Gestern war es ein Gespräch mit einem Mann, der von seiner Chefin schlecht behandelt wird. Ist für Sie das Gebet eher ein nach innen gerichteter Ausdruck des Glaubens?

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AD: Das Nachtgebet ist schon eine Konzentration auf das, was mich bewegt. Der Blick ist in der Tat nach innen gerichtet, eben auch ein sehr intimer Moment. Ein Gespräch unter vier Augen sozusagen. Beim Unser Vater im Gottesdienst ist das anders. Da ist es faszinierend zu wissen, dass es auf der ganzen Welt in allen Sprachen gebetet wird. HS: Für mich sehe ich das Gebet eher nach außen gerichtet. Reden mit Gott. Erzählen von dem, was mich bewegt. Im Gebet vergewissere ich mich und die Menschen, mit denen ich bete, dass Gott mich, uns hört. Dass sein Wille geschieht und dass er das Gute mit uns will und auf den Weg bringt. Für einen schwer verunfallten jungen Mann, den Gefährten einer meiner ehemaligen Jugendlichen, bin ich tagelang immer wieder in der Kirche gegangen und hab um Heilung gebetet. Und nach seinem Tod noch einmal. Für ihn und für seine Freundin und alle seine Lieben. Dass für

alle das Leben gut weitergehe. Auch wenn wir alle trauern und fragen, warum es nicht gemeinsam weiter gehen konnte. Verstehe ich es richtig, dass Beten damit für Sie auch ein Zeichen an andere ist, seht: Ich bin ein Christ und darum bete ich? HS: Es kann für mich ein Zeichen sein, um sich gegenseitig zu vergewissern: Wir vertrauen Gottes Liebe in unserem Leben. Es kann ein „Training“ sein, um dieses Vertrauen zu stärken, auch gegen den äußeren Anschein: „Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht“ (Julie Hausmann, Gesangbuch 376). Mönche und Kommunitäten „trainieren“ täglich gemeinsam mit ihren Stundengebeten und stärken sich und glauben, damit auch die Welt zu stärken. Beten heißt für mich besonders: sich öffnen für die Welt mit Gottes Liebe in ihr und für die Menschen mit Gottes Liebe in ihnen. In dieser Ausgabe von „reformiert“ geht es darum, wie die Menschen ihren Glauben ausdrücken, was gibt es da bei Ihnen neben dem Gebet? HS: „Ora et labora“, heißt ja eine benediktinische Regel. „Bete und arbeite.“ „Arbeiten“ bedeutet für mich: wirken. Mit Menschen gut und in Frieden leben. Gehilfe zur Freude sein. Der Stadt und der Menschen Bestes suchen (Jeremia 29,7). Wenn ich meine ehemaligen Jungs und Mädels von der Jugendkirche bei der letzten TEN SING Show tanzen und singen sehe, mit Freude und Liebe: In solchen Augenblicken fühle ich mich Gott nah. Und seinem Ja und seinem Segen für alle Welt. Und es tut gut, diesen Segen in Gottes Namen weiterzugeben. Mit Handauflegen, im Segnungsgottesdienst. Am Krankenbett. Mit Umarmen und Halten. Mit vielfältigem Zusagen: Gut, dass du da bist. Und Segen auf deinen Wegen. AD: Gemeinsam Fürbitte zu halten ist wichtig, Auch das Unser Vater verbindet Menschen als Christen zu einer Gemeinschaft. Mit anderen öffentlichen Gebeten und Glaubensbekundungen tue ich mich eher schwer. Segnungsgottesdienste, Handauflegen, den Glauben tanzen - mir liegt


das nicht. Es gibt sicher Menschen, für die das wichtig ist, um Zugang zum Glauben zu finden. Mir begegnen aber überwiegend Menschen, die das für Gedöns halten. Die den Sinn solcher Gesten nicht oder nicht mehr verstehen. Denen solche Zeichen den Weg zu Gott eher versperren als öffnen. Ich selbst bin auch froh, dass ich meinen Verstand nicht an der Kirchentür abgeben muss. Glaube und Verstehen gehören zusammen, sagt der Heidelberger Katechismus in Frage 21. Ihnen geht es also nicht darum, den Glauben zu zeigen, damit auch andere ihn verstehen und empfinden können? Und wie ist es damit, Gott seinen eigenen Glauben zu zeigen, um ihm ganz nahe sein zu können? AD: Niemand muss Gott sein Vertrauen beweisen. Glücklich ist der, der immer wieder über seinen Willen nachdenkt, so Psalm 1. Wer Respekt vor Gott hat, wer sich an seinem Willen messen lassen will, dem will Gott nahe sein. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln. Auch dann nicht, wenn wir seine Nähe nicht spüren. Die Sonne scheint ja auch, wenn es regnet, obwohl wir sie nicht sehen, weil Wolken uns den Blick versperren. Segenshandlungen und gottesdienstlicher Tanz mögen das fromme Gefühl stärken. Aber ein frommes Gefühl allein macht noch keinen Glauben. Glaube ist für mich lebenslanges Fragen und Lernen, Vorund Nachdenken. Das hört sich schwerer an als es ist: Es macht Mut und Freude zum Leben. Und das spüren hoffentlich auch andere. HS: Das sehe ich auch so: Es geht nicht darum, anderen oder Gott oder sich selber den Glauben zu beweisen. Aber ich glaube auch, dass geistliche Meditationen, liturgische Gesten, „betendes Nahesein“ und „anrührendes Segnen“ für manche vertraute Frömmigkeit darstellt. Und für einige ist es eben spürbares, Vertrauen stärkendes Zeichen für Gottes bewahrende, tröstende, aufrichtende Hand in ihrem Leben. Allerdings: Gottes Segen wird, glaube ich, nicht nur durch Handauflegen erfahrbar, sondern auch durch Alltagszeichen, etwa ein mit Liebe von Oma gestrichenes Butterbrot. Und natürlich auch beim gemeinsamen Fragen und Suchen und Nachdenken, über Gott und die Welt.

Fotos: privat

Antje Donker (52) ist Pastorin für Verstreute Reformierte und Theologische Referentin der Schwerhörigenseelsorge der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie stammt aus der Grafschaft Bentheim. Nach dem Vikariat in Hamburg und der Hilfspredigerzeit in Lüneburg/Uelzen arbeitete sie beim Christuspavillon auf der EXPO und einige Jahre als Beraterin in einer Personalagentur.

Fotos: privat

Herbert Sperber (52) ist seit 2013 Pastor der Evangelischreformierten Gemeinde Marienheim (Oberbayern), vorher war er viele Jahre in Osnabrück und dort unter anderem für die Jugendkirche zuständig. Seine Mutter war griechischorthodox, sein Vater römisch-katholisch. Nach ausgiebigen Gesprächen mit einem reformierten Theologiestudenten über Gott und die Welt hat er sich als vorher freundlichdistanzierter Katholik mit 21 Jahren die reformierte Kirche in Nürnberg angeschaut. Und ist da dann geblieben.

Interview Ulf Preuß

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Ruhe und Gemeinschaft finden Premiere für die Taizé-Andachten im ostfriesischen Jemgum Was anderswo schon eine echte Fangemeinde hat, feierte in der kleinen Kirche in Jemgum im Sommer Premiere: Zum ersten Mal richtete die ostfriesische Kirchengemeinde eine Taizé-Andacht aus – und stieß damit auf eine Resonanz, die Mut zur Wiederholung macht.

v.l.: Jürgen Neerhut, Karin Scheffermann und Monika Fricke gestalteten die Taizé-Andacht.

Nein, da bleibt Hiltrud Hartmann eisern. Keine Kerzen in der Kirche. 2004 ist der historische Bau ausgebrannt, ein Schock für die Gemeinde, und deshalb muss es bei dieser Taizé-Andacht ohne die besondere Stimmung des Kerzenlichts gehen. „Das Risiko ist uns einfach zu groß“, erklärt die Organisatorin. Und es scheint so, als hätte sie gute Verbindung nach oben: Die Abendsonne, die durch die schlicht verglasten hohen Fenster fällt, taucht den Raum in ein warmes, goldenes Licht. Schon eine halbe Stunde vor der Andacht füllt sich der Hof der alten Backsteinkirche mit Besuchern – Taizé-Anhänger sind darunter, aber auch viele, die zum ersten Mal eine Taizé-Andacht erleben wollen. „Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, aber ich bin gespannt“, fasst einer der

Gäste in Worte, was viele hier empfinden. Die drei Musiker, die diese Andacht begleiten, sind Taizéerfahren: Gitarrist Jürgen Neerhut, Querflötistin Karin Scheffermann und Altistin Monika Fricke gestalten seit mehreren Jahren Taizé-Andachten in der Petruskirche in Leer. Dort hat auch Hiltrud Hartmann sie mehrfach erlebt und beschlossen, diese besondere Form des Gottesdienstes in ihre Gemeinde zu holen. „Die Atmosphäre durch den gemeinsamen Gesang und das stille Gebet ist eine ganz besondere – man ist plötzlich völlig gelöst“, beschreibt sie. Hiltrud Hartmann ist Mitglied im Kirchenrat, dort stellte sie ihre Idee vor und konnte auch die anderen Mitglieder begeistern. „Und auch unser neuer Vikar, den wir nach einer längeren Vakanz jetzt haben, war sofort bereit mitzumachen“, freut sie sich. Jürgen Neerhut hatte die Initiative zu den Taizé-Andachten ergriffen. 1971 war er als 19-Jähriger in Taizé. „Es war eine Zeit des Aufbruchs, die 68er-Bewegung wirkte noch nach, und in Taizé trafen sich insbesondere junge Menschen aus aller Welt“, erzählt der pensionierte Polizeibeamte.

Foto: Anke Brockmeyer

Taizé Die Taizé-Bewegung hat ihre Wurzeln in dem kleinen französischen Ort Taizé. Hier hatte der evangelisch-reformierte Schweizer Theologe Roger Schutz – Frère Roger – 1940 ein Haus gekauft, in dem er eine Gemeinschaft gründen wollte. Heute zählt die Communauté von Taizé an die hundert Brüder – Katholiken und Mitglieder verschiedener evangelischer Kirchen. Sie stammen aus mehr als fünfundzwanzig Ländern. Regelmäßig gibt es wöchentliche Jugendtreffen, zu denen Tausende junger Menschen aus aller Welt zusammenkommen. Ziel der Bruderschaft ist es, zu Frieden und Versöhnung unter den Völkern beizutragen. Die Communauté lebt ausschließlich von dem Geld, das sie selbst erarbeitet, und nimmt keine Spenden an. www.taize.fr/de

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„Diese Gemeinschaft, die dort entstand, hat mich sofort gepackt.“ Ende der 70er Jahre fuhr er noch einmal in das französische Kloster, hielt lange mit einem der Brüder dort Kontakt. Über all die Jahre hat Taizé ihn nicht losgelassen, und als er begann, mit Karin Scheffermann und Monika Fricke im Hospizhuus in Leer Musik zu machen, entstand die Idee, gemeinsam Taizé-Andachten zu gestalten. Jahreszeitlich oder thematisch werden Texte und Lieder jedes Mal neu kombiniert, die eingängigen Melodien, die mehrfach wiederholt werden, geben der Andacht einen fast meditativen Charakter. „Wer hierher kommt, möchte zur Ruhe kommen, Stille finden“, weiß Monika Fricke. Ebenso wie Neerhut und Scheffermann ist auch sie nicht aus dem binnenkirchlichen Bereich: Karin Scheffermann ist Kulturamtsleiterin in Leer, Monika Fricke leitet die Stabsstelle Hochschule beim Landkreis Leer. Doch Taizé hat alle drei in den Bann gezogen. Die besondere Stimmung, die Gemeinschaft, die beim Singen entsteht, hat es ihnen angetan. Und auch die Besucher sind ergriffen nach der rund einstündigen Andacht, deren

ruhige Atmosphäre nachhallt. „Schöner als ein normaler Gottesdienst“, ziehen die Konfirmandinnen Marika und Wenke Bilanz. „Durch das intensive gemeinsame Singen ist eine Gemeinschaft entstanden, das hat man gespürt“, sagen sie. Und auch dass mehrere Beteiligte Texte von verschiedenen Positionen im Kirchraum vorgetragen haben, gefällt ihnen. „Ich hätte nie gedacht, dass es bei dem schönen Wetter so voll wird“, ist Volker Kraft überrascht. Er besucht regelmäßig Taizé-Andachten, ist extra aus Weener ins 15 Kilometer entfernte Jemgum gekommen. „Ich brauche diese Entspannung zwischendurch.“ Von diesem völligen Abschalten zehre er im Alltag, sagt Kraft. „Eine sehr emotionale Angelegenheit“, fasst es Wolfgang Phillips zusammen. „Das ist auf jeden Fall eine Bereicherung des Angebots in der Gemeinde.“ Dass auch aus den Nachbargemeinden Besucher gekommen sind, freut ihn. „Jetzt hoffen wir auf gute Mundpropaganda.“ Denn dass diese Taizé-Andacht nicht die letzte in Jemgum gewesen ist, wünschen sich viele der Premierenbesucher. Von Anke Brockmeyer

„Nacht der Lichter“ mit der ökumenischen Bruderschaft von Taizé beim Katholikentag 2012 in Mannheim. 4000 Christen verwandelten die Mannheimer Maimarkthalle in ein Meer aus Klang und Licht.

Foto: Friedrich Stark / epd

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Ikonen sind Steffen Tuschling „Ich wollte die orthodoxe Kirche von innen kennenlernen.“ So fasst Steffen Tuschling zusammen, warum er nach Rumänien reiste und dort ein Studiensemester der orthodoxen Theologie belegte. Der Pastor der evangelisch-reformierten Gemeinde in Osnabrück tauschte für vier Monate die schlichte Sachlichkeit des reformierten Protestantismus mit der überschwänglich spirituellen Üppigkeit orthodoxen Glaubens. Auch ein Ikonenmalkurs gehörte zu den Innenansichten. Alles zusammen brachte ihm ungewohnte und neue Erfahrungen für sein privates und berufliches Glaubensleben.

Fotos: Steffen Tuschling / privat

Ganz anders als die Bergkirche in Osnabrück - die orthodoxe Kirche in Sibiu.

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Seit ihrer Sanierung vor zwei Jahren erstrahlt die Bergkirche in Osnabrück in neuem Glanz, schlicht und schön, in schmuck- und bilderloser Klarheit - so, wie es sich für eine reformierte Kirche gehört. Es ist offensichtlich: Hier werden Schrift und Wort unverschnörkelt an die Gemeinde gebracht. In dieser Bergkirche präsentiert Pastor Steffen Tuschling Johannes den Täufer, eine Ikone auf Lindenholz gemalt, vor goldenem Hintergrund, in sattgrünem Gewand, Lockenpracht und mit dem Blick eines Heiligen. „Mein Christus kommt auch noch“, kündigt Steffen Tuschling an. Die Christus-Ikone ist gewissermaßen sein Meisterstück und das Ergebnis des Ikonenmalkurses in Siebenbürgen. „Der Christus muss noch lackiert werden. Im Herbst wird die Ikone sicherlich einmal im Mittelpunkt einer Predigt stehen“, sagt Steffen Tuschling. Die Begeisterung, die orthodoxes Glaubensleben bei ihm entfacht hat, ist deutlich zu spüren. Seit 13 Jahren ist Steffen Tuschling Pastor der Gemeinde in Osnabrück. Im Frühjahr nutzte er die Gelegenheit zu einem Studiensemester. Sein Wunsch, im rumänischen Hermannstadt als Gast an der Orthodoxen Theologischen Fakultät zu studieren, ging in Erfüllung. Seine Berufsjahre in Osnabrück hatten ihm gute Kontakte zu Rumänien und orthodoxen Christen, außerdem perfekte Sprachkenntnisse gebracht. Die orthodoxe Theologie sei ganz und gar nicht katholisch, räumt der 47-Jährige gleich mit einer weitverbreiteten Meinung auf. Sein Vergleich: „Westliches Christentum bedeutet trocken schwimmen - orthodox sein ist, wenn man ins Wasser fällt.“


das Fenster zum Himmel erlebt orthodoxe Spiritualität Bei seinem „Schwimmkurs“ Orthodoxie startete Steffen Tuschling in mehreren Disziplinen. Auf dem Studienplan standen klassisch theologische Themen wie Kirchengeschichte und Liturgie, vor allem aber die Glaubenspraxis. Zum Beispiel rund um das Osterfest, das höchste Fest der orthodoxen Christen. Das gesamte Alltagsleben wird von der Hoffnung auf die Auferstehung beherrscht. Es wird acht Wochen lang streng gefastet, mit dem ganzen Körper gebetet, religiöse Rituale gehören zum Tagesablauf. „Ostern explodiert dann die Freude. Das Leben kehrt zurück und wird überschwänglich gefeiert“, berichtet Steffen Tuschling. Eben ganz anders als in seiner Kirche: „Wir sollten auch den Glauben mehr in unser Leben einbeziehen, mit allen Sinnen. Dann fällt Glauben wohl leichter.“ Er selbst hat sich vorgenommen, das Ritual des Fastens an jedem Mittwoch und Freitag in seinem Leben zu verankern. „Manche spirituellen Praktiken wie das Fasten helfen innezuhalten“, versichert der Osnabrücker. Gelebte Spiritualität erfuhr Steffen Tuschling auch bei einer Rundreise zu Klöstern. Er ist beeindruckt von der lebensbejahenden Quirligkeit des Klosterlebens. „Hier ist man auch mit Leib und Seele Christ. Deshalb beten die rumänischen Christen am liebsten in Klöstern, weil sie hier die Nähe zu Gott am intensivsten spüren.“ Dann spricht Steffen Tuschling über die Glaubenserfahrung „Ikonenmalerei“. Johannes den Täufer legt er dabei zur Seite und zeigt eine

doppelseitig bemalte Ikone – auf einer Seite die Gottesmutter Maria, auf der anderen die Auferstehung. Beides ist bildschön und mit viel Gold gestaltet. „Gold ist die Farbe des Himmels“, erläutert der Pastor. Pinselstrich für Pinselstrich tastete sich Steffen Tuschling an die Bedeutung der Ikonographie heran. Ikonen werden nach festen Regeln gemalt, in sieben Grundierungen, mit eigens gemischten Naturfarben und häufig goldenem Hintergrund. An den Tagen, an denen die Gesichter nach ursprünglichen Vorgaben entstehen, wird gefastet. Ikonen sind keine Dekoration, sie sind Glauben zum Anfassen. Nach reformiertem Verständnis lenken doch Bilder vom Glauben ab, oder? „Jawohl“, antwortet Steffen Tuschling, “nur die Schrift und die Predigt führen zu Gott. Aber die Ikonen der Orthodoxen sind das Fenster zum Himmel.“ Nach den Berichten von bunter spiritueller Frömmigkeit kommt Steffen Tuschling dann auf den „großen Reichtum“ der evangelischen Kirche zurück: die Seelsorge, die Zuwendung, die Nächstenliebe. „Für manche Niederungen des alltäglichen Lebens sind die Orthodoxen wohl schon zu nahe am Himmel“, überlegt Steffen Tuschling.

Steffen Tuschling besuchte das Kloster Cozia in der Walachei, eines der ältesten Klöster der RumänischOrthodoxen Kirche. Er traf sich dort mit Alexandru Ionitâ, orthodoxer Leiter des Ökumene-Semesters Sibiu.

Von Bärbel Recker-Preuin Der reformierte Pastor beim Ikonenmalen mit seiner Lehrerin Maria Fulea.


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Hannes Brüggemann ist seit Juni als Pastor collaborans in der Lüneburger Christuskirche, im Hintergrund das Schepken Christi als Fensterbild. Hannes Brüggemann (32) hat als Vikar 13 Monate in Kairo verbracht.

Das Gefüge kann kippen Erfahrungen von einem Jahr in Kairo Eine Kommode und ein Schreibtisch. Das ist alles, was Hannes Brüggemann an Möbeln besitzt - untergestellt im Keller bei seiner Mutter. Sein Zuhause ist gerade eine möblierte Ferienwohnung. Der Grund für seine spartanische Ausstattung: Hannes Brüggemann lebt er erst ein paar Wochen in seiner neuen Gemeinde und hat das Jahr zuvor 5000 Kilometer entfernt von hier verbracht: in der deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde in Kairo.

v.l.: Openairgottesdienst im Wadi Degla in Kairo. Hannes Brüggemann im Karnak-Tempel in der Nähe von Luxor

Geboren in Göttingen und dort in der evangelisch-reformierten Gemeinde aufgewachsen, hat Hannes Brüggemann evangelische Theologie in Göttingen, Leipzig und Berlin studiert. Zwischen Grund- und Hauptstudium machte er den ersten beruflichen Abstecher ins Ausland: Acht Monate studierte er in Ankara islamische Theologie. „Seither wusste ich: Das will ich nochmal. Ich will nochmal ins Ausland, und zwar ins muslimische Ausland“, sagt der junge Mann in Jeans und Troyer in seinem neuen Büro in Lüneburg - aber dazu später. Er trägt die braunen Haare raspelkurz, nicht viel länger als seinen Bart, ist 32 Jahre jung und hat so viel erlebt vom christlich-muslimischen Zusammenleben wie die meisten nicht, die doppelt so alt sind wie er. „Schon in Ankara habe ich ge-

Fotos: privat

merkt: Die Auseinandersetzung mit dem Anderen, die Konfrontation, das Erklären, all das hat mich in Theologie und Religion viel klarer gemacht und dazu gebracht, noch einmal selbst ganz anders darüber nachzudenken und zu sprechen. Das hat mich fasziniert. Außerdem wusste ich: Der christlich-muslimische Dialog, die Debatte, wird immer wichtiger werden. Ich wollte daran substanziell teilhaben können.“ Nach Studienabschluss in Berlin und zweieinhalb Jahren Vikariat kurz vor der ostfriesischen Küste in Leer, Gesprächen mit der EKD, dem Landeskirchenamt und der betreffenden Gemeinde hatte Hannes Brüggemann endlich die Perspektive, auf die er seit Jahren gewartet hatte: ein Flugticket Richtung Südosten. Und viel wichtiger natürlich: ein Ziel. Das Ziel hieß Kairo, sein erster Anlaufpunkt war das deutsche Pastorenehepaar aus dem Wendland (Landkreis Lüchow-Dannenberg), das für sechs Jahre dorthin entsandt ist. Die erste Überraschung kam schnell: Das war die Überraschung darüber, wie präsent die Christen in Ägypten sind. „Gefühlt steht dort an jeder dritten Ecke eine Kirche“, sagt Hannes Brüggemann und wirkt selbst nach 13 Monaten vor Ort noch etwas ungläubig darüber, was er dort erlebt hat. „Von den 90 Millionen Ägyptern sind sieben bis acht Mil-


Foto: Carolin George

lionen Christen, 95 Prozent von ihnen Kopten. Anders als in der Türkei sind Christen in Ägypten allerdings allgegenwärtig, gehören zum alltäglichen Bild der Stadt.“ In Kairo gebe es so ziemlich alles an christlichen Strömungen, die die Welt bereithält: römisch-katholische, etliche Orthodoxe mit einem unterschiedlichen Präfix, Anglikaner, Pfingstler, Adventisten – und die kleine deutschsprachige Evangelische Gemeinde. Im Vergleich zur größten evangelischen Gemeinde, der Nil-Synode mit etwa 300.000 Mitgliedern, ist sie mit ihren weniger als 100 Gliedern eine Gemeinde im Miniaturformat. „Aber unglaublich aktiv“, hat der junge Mann festgestellt und aus dieser Erfahrung Mut mit zurück nach Deutschland genommen: „Wir müssen uns nicht von Zahlen einschüchtern lassen. Auch mit wenigen Leuten lässt sich ein intensives Gemeindeleben führen, wenn es Menschen gibt, die es tragen und gestalten.“ Die Gemeinde ist Trägerin der Deutschen Evangelischen Oberschule, an der hat der Vikar unterrichtet und gemerkt: Eine Atheismus-Debatte wie in Deutschland spielt in Ägypten keine Rolle. „Die Religion ist unverrückbarer Teil des Alltags, auch bei den Jugendlichen.“ Gleichzeitig ist ihm klar geworden, wie wenig Wissen bei Christen und Muslimen übereinander herrscht, denn an den staatlichen Schulen läuft der Religionsunterricht getrennt.

Und wo die Ökumene schon unter den christlichen Gemeinden außer einem monatlichen Lunch auf Einladung der Anglikaner kaum stattfindet, kann von einem Dialog zwischen Christen und Muslimen im Prinzip keine Rede sein, sagt Hannes Brüggemann. „Mir als Ausländer sind die Menschen zwar allesamt freundlich, hilfsbereit und neugierig begegnet. Ansonsten sieht die Realität dort aber seit Jahrhunderten so aus, dass man nebeneinander her lebt, sich in Ruhe lässt und über Religion nicht spricht.“ Das funktioniere zwar auf eine Weise, sagt der junge Pastor in spe. „Aber wenn wenig Wissen da ist über den anderen, kann das auch gefährlich sein. Hetzer haben dann leichtes Spiel, und das Gefüge kann kippen. Ein Dialog ist daher unglaublich wichtig.“ 13 Monate hat Hannes Brüggemann mit 20 Millionen Menschen, Hitze, schlechter Luft, Lärm, angsteinflößendem Verkehr und Müll gelebt, nach der Ankunft in Berlin und einem Tag bei seiner Mutter in Göttingen lebt er seit Anfang Juni in seiner neuen Gemeinde in Lüneburg – und kann es kaum fassen, wie viel Fahrrad er fährt und wie es leise es nachts ist. „Manchmal wache ich auf und denke, da stimmt doch was nicht, so ruhig wie es ist.“ Von Carolin George

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Reformation – eine europäische

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113 Reformatoren in 57 Städten

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Vor rund 500 Jahren beginnt in Europa mit der Reformation eine kirchliche Erneuerungsbewegung. Ihr Beginn wird allgemein auf 1517 datiert, als Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll, Reformation ist aber deutlich mehr als Martin Luther, Johannes Calvin und Huldrych Zwingli. Die Reformation war eine Epoche an vielen Orten und getragen von vielen Männern und Frauen. In einer kleinen Reihe stellen wir Ihnen Reformatoren des reformierten Zweigs vor.

17 Marie Dentière – Die weibliche Stimme der Genfer Reformation „Gab es eine größere Predigerin als die Samariterin, die sich nicht scheute, Jesum und sein Wort zu predigen?“ - diese rhetorische Frage, die Marie Dentière in ihrem „Höchst dienlichen Sendschreiben“ (Epistre très utile (1539) stellt, beinhaltet ihr Modell und ihr Programm: die Verkündigung der Frohen Botschaft durch Frauen. Wie aus ihrem kleinen Werk - im Übrigen der ersten von einer Frau verfassten Darlegung reformierter Theologie - hervorgeht, hatte die in Tournai (im heutigen Belgien) geborene und in der Hauptsache in Genf wirkende, umfassend gebildete Marie Dentière (1490/95-1561) zwei Anliegen: zum einen die reformierte Lehre gegenüber den Dogmen und Riten der katholischen Kirche durchzusetzen und zu verteidigen und zum zweiten den Frauen im Leben der Kirche und der Gesellschaft eine angemessene Stimme zu geben. In Genf arbeitete Marie Dentière eng mit ihrem zweiten Ehemann, dem Prediger Antoine Froment, zusammen, der gemeinsam mit Guillaume Farel und Pierre Viret eine entscheidende Rolle bei der Einführung der Reformation in Genf gespielt hatte. Aber ihre Einmischung in eine vermeintlich männliche Domäne wurde nicht immer wohlwollend aufgenommen: Johannes Calvin, für dessen reformatorisches Anliegen sie sich aktiv mit Stimme und Feder einsetzte, fand nur abschätzige Worte für diese für ihre Zeit so ungewöhnliche Frau.

Indessen war sie nicht die einzige Frau der Reformationsepoche, die mit Luthers Lehrsatz vom Priestertum aller Gläubigen Ernst machte und sich mündlich wie schriftlich zu religiösen Themen zu Wort meldete. Zu ihren Zeitgenossinnen gehörten die reformatorisch wirkende „Kirchenmutter“ Katharina Schütz Zell, die Marie Dentière während ihres Aufenthalts in Straßburg möglicherweise persönlich kennengelernt hatte, und die unerschrockene Argula von Grumbach. Allerdings blieb das Wirken dieser mutigen und so unzeitgemäßen Frauen ohne unmittelbaren Nachhall. Konsequenter als andere Frauen ihrer Zeit forderte Marie Dentière eine Aufwertung der Rolle der Frau in der Gemeinde. Sie setzte sich aktiv für die Bildung von Mädchen ein und beanspruchte für sich das Recht, öffentlich ihre Stimme zu erheben. Mit ihren mündlichen Äußerungen zog sie den Spott und die Verachtung ihrer Zeitgenossen auf sich; ihre Schrift wurde als zu polemisch konfisziert und der Vergessenheit anheimgegeben. Bereits vor ihrem Tod wurde es still um Marie Dentière, bis ihr Werk im späten 19. Jahrhundert zunächst zögerlich - wiederentdeckt wurde. Erst gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts fanden Leben und Werk von Marie Dentière die verdiente wissenschaftliche Würdigung; zu Recht gilt sie als eine der ersten Theologinnen der französischsprachigen Reformation und ist somit „Ahnfrau“ heutiger reformierter Theologinnen und Pfarrinnen. Von Christina L. Griffiths

Seit 2002 erinnert der Namenszug von Marie Dentière auf dem Genfer Reformationsdenkmal an die mutige und streitbare Verkünderin der Frohen Botschaft. Foto: Christina L. Griffith

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Epoche

Reformierte in Deutschland.

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1. Alsfeld Johannes Pistorius der Ältere 2. Amsterdam Jacobus Arminius 3. Augsburg Bonifacius Wolfhart Wolfgang Musculus Michael Cellarius 4. Baden-Baden Matthias Erb 5. Basel Simon Sulzer Johannes Oekolampad Oswald Myconius Simon Grynaeus Thomas Erastus Johann Buxtorf der Ältere Andreas Bodenstein von Karlstadt 6. Bern Erasmus Ritter Sebastian Meyer Franz Kolb Berchtold Haller Benedictus Aretius 7. Biel Jakob Funkelin 8. Bremen Christoph Pezel Albert Hardenberg 9. Cambridge Thomas Cartwright 10. Chur Philipp Gallicius Johannes Fabricius Montanus Johannes Comander Ulrich Campell 11. Edinburgh John Knox 12. Emden Johannes Zuidlareus Georg Aportanus Menso Alting Johannes a Lasco 13. Esslingen am Neckar Jakob Otter 14. Franeker Sibrand Lubbert 15. Frankenthal Petrus Dathenus 16. Frankfurt am Main Valérand Poullain Johann Bernhard 17. Genf Marie Dentière Johannes Calvin Théodore de Bèze 18. Gien Lambertus Danaeus 19. Gloucester John Hooper 20. Groningen Ubbo Emmius Johannes Acronius 21 Habrovany (nicht auf der Karte) Jan Dubcansky von Zdenín 22. Heidelberg Girolamo Zanchi Zacharias Ursinus Immanuel Tremellius Bartholomäus Pitiscus David Pareus Caspar Olevian Bartholomäus Keckermann 23. Heppenheim Johannes Adam 24. Herborn Wilhelm Zepper Bernhard Textor Johannes Piscator Johannes Gottsleben 25. Isny Paul Fagius 26. Jena Johann Stössel 27. Kalabrien (nicht auf der Karte) Luigi Pasquali

28. Kassel Johannes Kymaeus 29. Konstanz Ambrosius Blarer 30. Küsnacht Konrad Schmid 31. Laudenbach an der Bergstraße Anton Praetorius 32. Lausanne Pierre Viret 33. Leiden Franciscus Gomarus 34. Lindau Thomas Gassner 35. London Jan Utenhove 36. Marburg Franz Lambert von Avignon Adam Krafft Andreas Hyperius 37. Memmingen Gervasius Schuler Christoph Schappeler 38. Metz Jean Taffin 39. Montbéliard Peter Tossanus 40. Neuchatel Pierre-Robert Olivétan Guillaume Farel 41. Neustadt a. W. Franz Junius der Ältere 42. Norden Micronius (Marten de Cleyne) 43. Norwich Robert Browne 44. Oppenheim Albert Molnár 45. Paris Hubert Languet 46. Saumur Philippe Duplessis-Mornay 47. Schaffhausen Sebastian Hofmeister 48. St. Andrews Andrew Melville 49. St. Gallen Joachim von Watt 50. Straßburg Katharina Zell Petrus Martyr Vermigli Johannes Sturm Konrad Hubert Kaspar •21 Hedio Francisco de Enzinas (Dryander) Wolfgang Capito Martin Bucer 51. Tournai Guido von Bray 52. Tübingen Paul Phrygio 53. Ulm Konrad Sam 54. Vilnius (nicht auf der Karte) Andreas Volanus 55. Wesel François Peruçel de la Rivière 56. Zürich Johann Wolf Johann Jakob Wick Johannes Stumpf Josias Simler Konrad Pelikan Kaspar Megander Leo Jud Rudolf Gwalther Johannes Frisius Rudolf Collinus Theodor Bibliander Huldrych Zwingli Heinrich Bullinger 57. Zweibrücken Kunemann Flinsbach Pantaleon Candidus

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Zusammenstellung: Achim Detmers


PERSONEN

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Meret Manderfeld aus dem Posaunenchor Isterberg (Grafschaft Bentheim) hat am Fernsehgottesdienst zum Abschluss des Deutschen Evangelischen Posaunentags in Dresden mitgewirkt. Die 15-Jährige sprach dort ein Fürbittengebet. Meret spielt im Posaunenchor Isterberg und im Jugendposaunenchor der Grafschaft Bentheim Horn und absolviert zurzeit die Ausbildung zur Chorleiterin. Sie war eine von 450 Teilnehmern aus der Evangelisch-reformierten Kirche.

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Foto: Kurt-Werner Schuppener

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Anne Ulferts ist neue Pastorin der Gemeinden Möhlenwarf, St. Georgiwold und Weenermoor im Rheiderland. Die Gemeinden wählten die 49-jährige Theologin im Juni. Ulferts war zuvor Pastorin in den evangelisch-lutherischen Gemeinden Wiesmoor und Ostgroßefehn. Ihr Examen legte sie aber bei der Evangelisch-reformierten Kirche ab und wurde Vikarin und Hilfspredigerin in den evangelischreformierten Gemeinden Hildesheim, Oldersum und Borssum. [3]

Henning Kraft ist neuer Pastor der Gemeinde Schüttorf. Die Gemeinde wählte den 33-jährigen Theologen im Juni dieses Jahres, im August wurde er in sein Amt eingeführt. Kraft hatte bereits ein Jahr zuvor als Vertretungskraft in der Gemeinde angefangen. Er studierte Theologie in Bethel und Leipzig und absolvierte sein Vikariat in Gildehaus. [1]

18 Foto: privat

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Foto: Holger Szyska/Rheiderlandzeitung

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Foto: privat

1. Der neue Rettungsring über dem Portal der Kirche in Erlangen.

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Rettungsring abgeschnitten Unbekannte haben einen Rettungsring abgeschnitten, der über dem Haupteingang der Erlanger Hugenottenkirche hing. Mit dem Ring, der die Aufschrift „Ja! Zum Flüchtlingsschutz“ trug, hatten Konfirmanden der evangelisch-reformierten Gemeinde auf die vielen Flüchtlinge hingewiesen, die auf der Flucht sterben. Pfarrer Johannes Mann hofft, dass es sich lediglich um einen Dumme-Jungen-Streich und nicht um einen Akt der Intoleranz handelt. Konfirmanden der Kirchengemeinde, die selbst von Hugenottenflüchtlingen gegründet worden war, waren im Konfirmandenunterricht auf die Idee mit dem Rettungsring gekommen, weil im Mittelmeer nach wie vor Tausende Menschen auf der Flucht ihr Leben verlieren. Inzwischen hängt über dem Portal ein neuer Ring. [2]

Klassik für Kinder in Leipzig Zum neunten Mal veranstaltet die Evangelisch-reformierte Kirche zu Leipzig ihr Musikfestival „Klassik für Kinder“. Ausgerichtet auf Kinder lädt das Festival diese ein, Konzerten einfach nur zuzuhören, selber zu musizieren, professionellen Musikern zu begegnen oder für selbst komponierte Musik ein Podium zu erhalten. In diesem Jahr findet das Festival vom 23. bis 25. September statt. Auf dem Programm stehen Richard Wagners „Holländer“ mit dem Orchester der Musikalischen Komödie der Oper Leipzig und Gustav Holsts „Planeten“ mit der Sächsischen Bläserphilharmonie. Eine besondere Form erhält Mozarts Requiem, das Gerno Knall vom Knalltheater in krimihafter Weise moderiert. Außerdem werden die Preisträgerstücke des Kinderund Jugendkompositionswettbewerbs Leipzig 2016 gekürt und aufgeführt. Die musikalische Leitung des Festivals hat die Leipziger Kirchenmusikerin Christiane Bräutigam. Alle Konzerte finden in der evangelisch-reformierten Kirche in Leipzig am Tröndlinring statt.

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Musikprojekt zu neuen Psalmen Mehr als 100 Musiker haben an einem Chorprojekt der Evangelisch-reformierten Gemeinde Neermoor teilgenommen. Unter der Leitung der Kirchenmusikerin Frauke Tillmann probten Sänger, Bläser und eine Band an vier Abenden für einen musikalischen Gottesdienst. Dort präsentierten sie eine Auswahl der zum Reformationsjubiläum 2017 modern arrangierten Psalmen. Im vergangenen Jahr hatte die Bläserarbeit die Liedersammlung mit den Neukompositionen der Melodien der Reformationszeit vorgestellt. Zur Eröffnung des Gottesdienstes in Neermoor spielten und sangen die Musiker Psalm 150 mit Posaunenchor, dreistimmigem Chor, Sologesang und Band als rhythmischem Fundament. Nach viel Applaus, Lob, Anerkennung wurde eine Wiederholung des Projekts angekündigt. Europäischer Kirchentag in Sicht Vertreter von Kirchen und Laienorganisationen aus verschiedenen europäischen Ländern haben im Juni in Kappel in der Schweiz den Verein „European Christian Convention“ gegründet. Damit hätten die Pläne für ein europaweites Treffen der Christen Fahrt aufgenommen, erklärte der Deutsche Evangelische Kirchentag, der Gründungsmitglied des neuen Vereins ist. Der Vereinigung seien zehn Organisationen aus ganz Europa beigetreten. In den kommenden Wochen rechne sie mit dem Beitritt von zehn bis 15 weiteren Mitgliedern, sagte Silke Lechner vom Kirchentags-Büro in Fulda dem epd. Sie wurde mit dem Grünen-Europapolitiker und Präsidiumsmitglied des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Sven Giegold, und der Präsidentin des Kirchentages 2017, Christina Aus der Au, in den Vorstand des Vereins gewählt. Wann und wo genau das ökumenische Treffen stattfinden solle, stehe noch nicht fest, sagte Lechner. Angestrebt werde ein Termin zu Beginn der 2020er Jahre.


AKTUELLES / IMPRESSUM

Foto: Gert Mothes

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Foto: Bodo Wolters

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Foto: Claudia Kurrelvink

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Foto: Bernd Mehrwald

2. Beim Festival „Klassik für Kinder“ im Jahr 2015. 3. Alle Musiker beim Gottesdienst in Neermoor. Inschrift der Larrelter Taufschale. 4. Die Evangelisch-reformierte Kirche in Lübeck.

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Taufschale wieder aufgetaucht Die Evangelisch-reformierte Gemeinde Larrelt (Ostfriesland) hat ihre vor etwa 40 Jahren gestohlene Taufschale zurückerhalten. Ein Kunsthändler hatte die historische Schale aus Zinn vor vielen Jahren auf einem Antikmarkt in Hannover erworben und sie im vergangenen Jahr zusammen mit Schenkungen an andere Museen an die Johannes a Lasco Bibliothek in Emden gegeben. Dort gibt es eine größere Sammlung historischer Taufschalen und Abendmahlsgefäße. Spätere Untersuchungen ergaben dann, dass die Taufschale aus dem Jahr 1714 der Gemeinde Larrelt gehören muss. Dort war der Diebstahl von vor über 35 Jahren fast in Vergessenheit geraten. Die Schale soll nun in einer Vitrine in der Kirche ausgestellt werden, Pastorin Claudia Kurrelvink hat sie auch bereits in einem Gottesdienst verwendet. Karl-Barth-Preis an Michael Welker Der Theologe Michael Welker ist im Juli mit dem Karl-Barth-Preis der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) ausgezeichnet worden. Sie würdigt damit das theologische Gesamtwerk des 68-jährigen Seniorprofessors an der Universität Heidelberg. Welker habe sich, so die Jury in ihrer Begründung, „den Herausforderungen von Postmoderne und Pluralismus unter Bewahrung eines reformierten Profils“ gestellt. Wie kaum ein anderer habe Michael Welker das Gespräch mit anderen Wissenschaften gesucht und die Theologie international vernetzt. Welker war unter anderem von 1987 bis 1991 Inhaber des Lehrstuhls für Reformierte Theologie in Münster und 1991 bis 2013 Professor für Systematische Theologie/Dogmatik an der Uni Heidelberg. Der Karl-Barth-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird seit 1986 alle zwei Jahre an Persönlichkeiten verliehen, deren theologisches Werk oder öffentliches Wirken in Politik und Gesellschaft durch Karl Barth oder die von ihm maßgeblich for-

mulierte Barmer Theologische Erklärung geprägt ist. Die Union Evangelischer Kirchen (UEK) ist ein Zusammenschluss von zwölf unierten und reformierten Kirchen in der EKD. [5]

Jubiläum in Lübeck Die Evangelisch-reformierte Gemeinde Lübeck feiert in diesem Herbst ihr 350-jähriges Bestehen. Am 26. August 1666 feierten Reformierte aus den Niederlanden im lutherischen Umfeld ihren ersten Gottesdienst. Noch jahrzehntelang danach fand das Gemeindeleben zwischen Verbot und Duldung statt. Erst 1815 verfügte Napoleon, dass den Reformierten innerhalb der Stadtmauern „Unterkunft und Bleiberecht“ zu gewähren sei. 1824 wurde das Palais eines Weinhändlers zur Kirche umgebaut. Hier trifft sich die Gemeinde bis heute zu Gottesdienst und Gemeinschaft. Heute gehören zur Gemeinde Lübeck 830 Mitglieder, die teilweise aus dem nördlichen Schleswig-Holstein kommen. Zum Jubiläumsjahr ist die Kirche, mitten in der Lübecker Altstadt gelegen, umfangreich saniert worden. www.luebeck.reformiert.de Mehr Geld gesammelt Brot für die Welt hat im vergangenen Jahr 660.000 Euro Spenden aus der reformierten Kirche erhalten. Das ist das zweitbeste Ergebnis aus den vergangenen zehn Jahren und eine deutliche Steigerung zum Vorjahr (2014: 488.000 Euro). In dieser Summe sind alle Kollekten aus den evangelisch-reformierten Gottesdiensten für Brot für die Welt sowie Spenden aus den evangelisch-reformierten Regionen enthalten. Das Spendenergebnis zeige, welch hohes Vertrauen die Hilfsorganisation in den Gemeinden genieße, sagte Thomas Fender, Pastor für Diakonie. „Ich wünsche mir, dass die Menschen auch in Zukunft den fernen Nächsten nicht vergessen.“

Bundesweit haben Spenderinnen und Spender die Arbeit von Brot für die Welt im vergangenen Jahr mit 57,5 Millionen Euro unterstützt. Das sind 1,8 Millionen Euro mehr als im Vorjahr (55,7 Mio.). Mit mehr als 3,60 Euro pro Kirchenmitglied gehören die Reformierten auch in Jahr 2015 mit zu den Spendenfreudigsten im Vergleich aller evangelischen Landeskirchen.

IMPRESSUM Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Redaktion: Ulf Preuß (verantwortlich), Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Herbert Sperber, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.projektpartner.info Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Reformierte in Deutschland.

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Vom Fluss aus gesehen Kreuzfahrt zum Reformationsjubiläum 2017 vom 19. bis 27. September 2017

Hamburg Emden ELBE

Bremen Dörpen

HUNTE Küstenkanal

EMS Minden

Osnabrück

WESER

MittelLandKanal Hannover

Calvörde

Magdeburg Wittenberg Halle (Saale)

Foto: privat

Die Evangelisch-reformierte Kirche bietet im Jahr des Reformationsjubiläums eine Schiffsreise an. Los geht’s in Emden, in der „Moederkerk“, der heutigen Johannes a Lasco Bibliothek, mit einem Empfang durch die Landeskirche und dem Reisesegen. Stationen der Kreuzfahrt: ▪ Dörpen: Die Emslandlager. Informationsvortrag an Bord ▪ Bremen: Begrüßung durch die Bremische Kirche, Stadtbesichtigung ▪ Minden: Hier begann die Reformation Westfalens, Stadtführung ▪ Hannover: Empfang Ref. Bund / Weltgem. Ref. Kirchen, Stadtrundgang ▪ Calvörde: Gedenkstätte deutsche Teilung Marienborn ▪ Magdeburg: Dom, reformierte Wallonerkirche, Stadtrundgang ▪ Wittenberg: Führungen zu den Wirkungsstätten Luthers Rückfahrt per Bus mit Aufenthalt in Halle/Saale: Stadtrundgang und Besuch des reformierten Doms. Während der Fahrtzeiten gibt es ein vielfältiges Programm mit Gesprächsangeboten, Vorträgen, einem Gottesdienst und Zeit, um die Landschaft zu genießen.

Foto: Jürgen Howaldt / Wikepedia

Bremen

Foto: Prinz Wilbert / Wikepedia

Magdeburg

Preis 899 Euro pro Person / Doppelkabine inkl. Vollpension und Bordprogramm. Die Teilnahme an den Ausflügen kostet extra.

Anmeldeschluss: 15.10.2016 Informationen und Anmeldung: Evangelisch-reformierte Kirche, Paul Kluge, Saarstraße 6, 26789 Leer, Tel.: 0491 91980, paul.kluge@reformiert.de www.reformiert.de/flusskreuzfahrt.html

Foto: M H DE / Wikepedia

Wittenberg

4 reformierte 2016  

Fromm sein für Christen, oder? Das sollte doch eigentlich selbstverständlich sein. Aber mal ehrlich: Wie würden Sie antworten, wenn Sie gefr...

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