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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

Weg in den Sommer

3 reformiert 2013 2013Juni Juli August


„Weg in den Sommer“ „Zu Hause komme ich nicht dazu, in die Kirche zu gehen. Im Urlaub besuche ich jede Kirche und gehe auch in den Gottesdienst.“ S. 4

(Eine Urlauberin aus Düsseldorf )

Seite 4 Sommer, Sonne, Strand und Kirche Seite 6 „Die schönste Zeit des Jahres“ Religiöser Tourismus boomt Seite 8 Ab in den Sommer - Freizeiten 2013 Seite 10 Ermittlungen mit Gottvertrauen Seite 12 So schmeckt der Sommer

Seite 14 Wahl des Kirchenpräsidenten Zwei Kandidaten am 21. Juni 2013

S. 10

Foto: Anke Brockmeyer

Seite 16 Kirchenpräsident - Kirchenleitung zwischen Theologie und Verwaltung Seite 17 Personen

2

Seite 18 Aktuelles

3 reformiert 2013

S. 18

Foto: Gerold Meppelink

Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Reformiert, Konto-Nr. 90 60 08 Sparkasse LeerWittmund, BLZ 285 500 00 Spendenquittung wird zugesandt. Titelfoto: Moser/pixelio.de

Seite 19 Impressum Seite 20 Position: „Fracking ist keine Lösung“


Berichte und Bilder zu Kirche und Sommer

Foto: Carsten Wittwer

Open-Air-Gottesdienst am Alten Leuchtturm auf der Nordseeinsel Borkum

Liebe Leserin, lieber Leser, „Weg in den Sommer“ – das lässt sich als Aufforderung verstehen oder als Hinweis, wohin der Weg führt. Der Sommer steht jetzt – Anfang Juni – in jedem Fall kurz vor der Tür. Für viele ist er die schönste Jahreszeit: die Zeit mal auszuspannen, die Zeit für neue Erfahrungen, die Zeit für interessante Begegnungen, die Zeit für den Urlaub. Wir wollen Sie mit dieser Ausgabe in diese Zeit begleiten. Und dabei wollen wir auch Lust auf kirchliche Angebote machen: auf schöne Kirchenkonzerte im Sommer, auf schöne Kinder- und Jugendfreizeiten, auf coole Gemeindefeste und auch auf interessante Predigtreihen, die es in vielen Kirchengemeinden in der Sommerzeit gibt. Oder machen Sie es so wie viele andere auch: Nutzen Sie Ihren Sommerurlaub und besuchen Sie wieder mal einen Gottesdienst – an einem anderen Ort sammeln Sie dabei ganz neue Erfahrungen. Ich wünsche Ihnen eine tolle Sommerzeit!

Ihr

Ulf Preuß - Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

3 1 reformiert 2013


Sommer, Sonne, Strand -Die Kirchengemeinde Borkum hat sich auf Urlauber eingestellt 250.000 Urlauber kommen jedes Jahr auf die Nordseeinsel Borkum, die Einwohnerzahl der Insel wächst in den Sommerferien von 5000 auf über 25.000. Für die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde bedeutet das, dass sie eine Pastorenstelle allein für die Betreuung der Touristen unterhält. Pastorin Margrit Tuente und ihr Mann, Pastor Carsten Wittwer, sind hauptsächlich für die Urlauber zuständig, Pastor Joke Janssen für die Insulaner.

Die evangelischreformierte Kirche in Borkum

Lagerfeuerandacht vor der Kirche

An einem Donnerstagvormittag sind 60 Be-

Margrit Tuente und Carsten Wittwer kamen

sucher gekommen. Schauplatz: die evangelisch-

2001 nach Borkum, damals mit der ausdrückli-

reformierte Kirche auf der Nordseeinsel Borkum.

chen Aufgabe, sich um die Urlauber zu kümmern.

„Pastoren, Pannen und Piraten“ heißt der Vortrag

Urlauberseelsorge heißt der kirchliche Fachbegriff

von Pastor Carsten Wittwer. Alle 14 Tage lädt die

für ihren Aufgabenbereich. Die lutherische und

Gemeinde Borkum Touristen ein,

katholische Nachbargemeinde organisieren die

auf unterhaltsame Art und Weise

übrigens anders. Hier kommen in der Sommer-

etwas über die Borkumer Kirche,

zeit meist pensionierte Pastoren auf die Insel, die

die Kirchengemeinde und ihre Ge-

dann zwei oder drei Wochen lang für die Urlauber

schichte zu erfahren. „Sie haben

da sind. „Unser Modell bietet die Chance, dass

diesmal gar nichts über die Orgel

sich über die Jahre Beziehungen zu Urlaubern ent-

erzählt“, bemerkt eine Urlauberin

wickeln“, sagt Margrit Tuente. Ihr ist es wichtig,

zum Schluss. Sie ist bereits zum

dass den Urlaubern signalisiert wird: „Ihr seid

dritten Mal in die Kirche gekom-

nicht Gäste, sondern wir sind jetzt hier zusam-

men. „Es kommt häufig vor, dass

men Gemeinde.“ Das ist jedes Mal eine interes-

Urlauber zwei-, dreimal den Vor-

sante Mischung aus zu Hause sehr Engagierten

trag besuchen“, erzählt Carsten

und aus vielen kirchlich Distanzierten. Darunter

Wittwer. An diesem Morgen erzählt

sind viele Jüngere und viele Familien - die dann

er ausführlich, wie es dazu kam,

auf die Ortsgemeinde treffen. Im Sonntagsgottes-

dass die reformierte Inselgemein-

dienst sitzen schon mal 350 Gottesdienstbesu-

de Ende des 19. Jahrhunderts auf

cher. Und so gehört besonders in der Sommerzeit

freier Fläche eine neue Kirche be-

der Kindergottesdienst jeden Sonntag zum festen

kam. Den ersten, gut betuchten

Angebot. Dabei sei es, so berichtet Margrit Tuen-

Kurgästen gefiel die Enge der al-

te, nicht immer einfach, für jeden Sonntag genü-

ten Inselkirche am Leuchtturm

gend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden.

nicht. „Die Damen der feinen

Die Kirchengemeinde Borkum hat sich mit vie-

Gesellschaft fielen regelmäßig in

len Angeboten auf die Urlauber und ihre Bedürf-

Ohnmacht.“ Und so sammelten

nisse eingestellt. Als „Renner“ bezeichnen Witt-

die Badegäste für einen Neubau,

wer und Tuente die Open-Air-Abendandachten am

der dann mit seinen Jugendstilele-

Alten Leuchtturm, Lagerfeuerandachten vor der

menten innen und außen nicht so

reformierten Kirche, den Kirchenvortrag „Pasto-

reformiert, sachlich und nüchtern

ren, Pannen und Piraten“, die Kinderkirchenfüh-

ausfiel. Somit entsprach er auch

rung und die ökumenische Andacht „Dreiklang“,

den Vorstellungen der Kurgäste.

die von Kirche zu Kirche wandert. Natürlich ge-

120.000 Goldmark kostete der

hören auch die Kirchenkonzerte dazu, die re-

Neubau 1897.

gelmäßig tolle Musiker in die reformierte Kirche


-- und Kirche

Fotos: Ulf Preuß

bringen. So findet dort seit einigen Jahren die Er-

Margrit Tuente und Carsten Wittwer arbeiten

öffnung des Borkumer Jazz-Festivals statt. In den

gern auf der Nordseeinsel. Wichtig ist beiden,

Sommermonaten weist die Kirchengemeinde mit

dass es gelingt, die Interessen der Urlauber und

einem eigenen Programmheft auf ihre Angebote

die der Insulaner zusammen zu bringen. So gibt

hin. Dort findet sich dann auch, was man auf ei-

es stets Veranstaltungen, bei denen die Kern-

ner Nordseeinsel erwartet: Strandandacht auf der

gemeinde unter sich ist, wie die Krabbelgruppe

Promenade und Strandgottesdienst mit Taufen.

oder der Seniorenkreis. Beide sagen ganz klar:

Gefordert sind Tuente und Wittwer auch in ihrem ureigensten Sinn: als Seelsorger. Und zwar

Anke-Simone und Marko Erdmann aus Troisdorf informieren sich nach dem Vortrag „Pastoren, Pannen und Piraten“.

„Wir profitieren als Gesamtgemeinde von den Touristen.“

häufiger als man annimmt. „Die Schwelle ist niedriger“, so Margrit Tuente. Oft reiche eine Pre-

von Ulf Preuß

digt als Auslöser. „Die Leute trauen sich eher als zu Hause, mit ihren Sorgen zu uns zu kommen“, meint Carsten Wittwer. Bei Eheproblemen sei oft

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die Pastorin gefragt. Ganz schwierig ist es schon mal in Todesfällen, so Wittwer. „Da stirbt der Ehepartner im Urlaub, die Ferienwohnung wird zum Tatort, die nächsten Angehörigen sind weit weg und es ist keine andere Hilfe da.“ Die Hoteliers und Vermieter sind für die seelsorgerliche Hilfe der Pastoren sehr dankbar und melden sich auch bei ihnen. Er habe schon so manches Bier mitten in der Nacht an der Hotelbar trinken müssen, um die ersten Stunden nach dem Todesfall zu begleiten.

www.borkumer-kirchengemeinden.de

Pastorenehepaar <Margrit Tuente und Carsten Wittwer


„Die schönste Zeit des Jahres“ Religiöser Tourismus boomt Fragen an den Tourismusforscher Hans Hopfinger

oder spirituelle Motive verfolgen und entsprechende Ziele ansteuern, wie bei einer Pilgerreise

Warum

interessieren

sich

Tourismusforscher

überhaupt für Kirche und Religion?

zum Beispiel, dann ist die Bezeichnung durchaus berechtigt.

Religion erlebt derzeit eine Renaissance! Seit zwei, drei Jahrzehnten lässt sich beobachten,

Welche Motive haben Urlauber, religiöse Ange-

dass ihre Bedeutung deutlich angestiegen ist und

bote im Urlaub wahrzunehmen – und ist das Be-

zwar weltweit. Das mag überraschend klingen,

dürfnis dazu im Urlaub anders als im Alltag?

denn bei uns ist die Zahl der Kirchenbesuche seit

Urlaub ist immer eine Gegenwelt zum Alltag, ein

Jahren rückläufig. Daneben gibt zunehmend Men-

Ausnahmezustand, in welchem unsere normalen

schen, die eine innere Sehnsucht antreibt. Sie

sozialen Verpflichtungen und Verhaltensweisen in

suchen nach Erlebnissen und Erfahrungen, die

gewisser Weise außer Kraft gesetzt sind. Da steht

sie ganzheitlich ansprechen, also zugleich Kör-

uns eine größere Vielfalt an Verhaltensmöglich-

per, Geist und Seele. Wir sprechen in der Touris-

keiten als im Alltag offen – und das gilt auch

muswissenschaft von einem Trend weg von der

für religiöse Angebote. Wir können eine Reise auf

„Spaßgesellschaft“ hin zur „Sinngesellschaft“.

den Spuren der Bibel buchen, Urlaub im Kloster

Interessanterweise schließt sich hier in gewisser

verbringen, uns auf den Jakobsweg begeben, um

Weise ein Kreis, denn in den Tourismuswissen-

beim Wandern zu uns zu finden oder über „Gott

schaften wird gerne das Bild verwendet, dass der

und die Welt“ nachzudenken…

Urlaub als „schönste Zeit des Jahres“ viele Merkmale habe, die man auch einer Reise ins Paradies

Gibt es Erkenntnisse, welche kirchlichen Angebo-

zuschreiben würde.

te Urlauber besonders ansprechen? Es gibt eine erstaunlich große Zahl kirchlicher

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Ist die klassische Kirchenbesichtigung am Ur-

Angebote. Sie sprechen

laubsort schon religiöser Tourismus?

nisse nach religiöser oder spiritueller Erfahrung

Es gibt aus wissenschaftlicher Sicht keine ein-

an, sondern auch die nach Ruhe, Erholung, Ab-

deutige und allgemein gültige Definition von

wechslung vom Alltag, Zusammensein mit Familie

religiösem Tourismus. Der Kontext einer Rei-

oder Freunden und vieles mehr. Systematisch er-

se ist wichtig. Nicht jeder Tourist, der an sei-

arbeitete wissenschaftliche Erkenntnisse, welche

nem Urlaubsort – mehr oder weniger zufällig

kirchlichen Angebote Urlauber in besonderer Wei-

oder auch ganz gezielt – eine Kirche besich-

se ansprechen, gibt es nicht. Religiös – und viel-

tigt, kann als religiöser Tourist bezeichnet wer-

leicht mehr noch: spirituell motiviertes Reisen ist

den. Aber wenn es sich um eine Reise handelt,

in jedem Fall ein Megatrend. Biblisch Reisen als

bei der die Teilnehmer überwiegend religiöse

Pauschalangebot erlebt hier genauso einen Boom

Prof. Dr. Hans Hopfinger ist Inhaber des Lehrstuhls für Kulturgeographie an der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt. Er betreut dort in Forschung und Lehre den Schwerpunkt „Freizeit, Tourismus, Umwelt“. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Beiträge zum Thema und Mitherausgeber der „Zeitschrift für Tourismuswissenschaft“.

nicht nur die Bedürf-

wie eine besinnliche Einkehr im Kloster oder das spirituelle Erlebnis einer Nachtwanderung. Wie gelingt es Ihrer Meinung nach den großen Kirchen, ihre Angebote auf die Bedürfnisse der Touristen auszurichten? Hier ist in den letzten Jahren eine Vielzahl von Angeboten entstanden. Doch die großen Kirchen haben eher auf die Nachfrage reagiert und diesen


Bereich nicht systematisch, zum Beispiel in enger Zusammenarbeit mit der Tourismuswissenschaft, bearbeitet. So fehlt in allen großen Kirchen eine Organisation, die zentral den Bereich Tourismus und Kirche abdeckt. Dabei setzen die Kirchen tendenziell eher auf klassische religiöse Angebote. Ein riesiger Markt wird zu wenig bearbeitet: spirituelle Reisen und dies in einem ganz weit verstandenen Sinn. Es sind Reisen, die von Menschen unternommen werden, die zunächst einmal mit Kirche und Religion im engeren Sinne „nichts am Hut haben“, die aber über geschickte Angebote, die sensibel auf ihre Bedürfnisse eingehen, wieder stärker an die Kirchen herangeführt werden könnten. Eine dritte große Baustelle ist die gezielte und intensive Pflege bereits bestehender Marken. Gerade im spirituellen Tourismus verdient jeder Zielort eine besondere Würdigung: Jerusalem, Rom, Mekka, Santiago de Compostela, die italienischen Renaissance-Städte und vor allem die vielen kleinen, nur lokal oder regional bekannten Orte, die mit spiritueller und religiöser Bedeutung aufgeladen sind. Gibt es auf Seiten der vom Tourismus geprägten Städte und Regionen ein besonderes Interesse, dass Kirchen und Kirchengemeinden sich auch auf Urlauber und deren Bedürfnisse ausrichten? Generell gibt es dort ein Interesse daran, den Strom an Touristen und Besuchern zu verstärken. Wenn Kirchen und Kirchengemeinden sich auch auf Urlauber und deren Bedürfnisse ausrichten, so kann eine Win-win-Situation entstehen, von der alle Beteiligten profitieren. Dabei gilt es jedoch, auf eine nachhaltige Entwicklung zu achten, was gerade für den religiösen beziehungsweise spirituellen Tourismus im Sinne der Bewahrung der Schöpfung von besonderer Bedeutung ist. Tourismus darf nicht zerstörend wirken. Interview: Ulf Preuß

Pilgerer auf dem Weg nach Santiago

Foto: bepsy/shutterstock


Freizeiten 2013 und ihre Ziele Zeltfreizeit an der Italienischen Adria Gemeinden Hinte und Westerhusen: 45 Teilnehmer zwischen 14 und 17 Jahren 27. Juni bis 10. Juli 2013 Leitung: Pastor Sebastian Schneider Jugendfreizeit nach Ligurien Synodalverband Nördliches Ostfriesland: Freizeit nach Cavi di Lavagna bei Genua. Teilnehmer von 14 bis 17 Jahren. 19. bis 31. Juli 2013 Leitung: Johannes Saathoff Camp Lanterna in Kroatien Gemeinde Bunde: Campingfreizeit zwischen den Städten Novigrad und Porec bei dem kleinen Dorf Tar. 25 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren 8. bis 20. Juli und 18. bis 30. Juli 2013 Leitung: Andreas Klinkenborg Kinderfreizeit bei Vechta Gemeinde Uelsen: 45 Kinder von neun bis 13 Jahren 6. bis 13. Juli 2013 Leitung: Andreas Asman Jugendfreizeit nach Dänemark Gemeinde Neuenhaus: Hobro am Mariagerfjord in Jütland. Teilnehmer von 14 bis 17 Jahren. 13. bis 20. Juli 2013 Leitung: André Gosselink Kinderfreizeit an der Hunte Gemeinden Lünne und Freren: Unterkunft im romantischen Landschulheim im Künstlerdorf Dötlingen, 48 Teilnehmer von sieben bis 14 Jahren, dazu acht erwachsene und acht jugendliche Mitarbeiter 1. bis 7. Juli 2013 Leitung: Pastor Joachim Korporal/ Pastor Friedbert Schrader

Ab in den „Freizeit ist immer auch eine


Sommer christliche Gemeinde auf Zeit“

Landesjugendpastor Bernhard Schmeing

Campingfreizeit am Mittelmeer Gemeinde Braunschweig: 30 Teilnehmer von 14 bis 16 Jahren 26. Juni bis 10. Juli 2013 Leitung: Jugendreferentin Susanne Stamer Schlauchbootfahrt auf der Weser Gemeinde Rinteln: Jährliche Schlauchbootfreizeit von Hannoversch-Münden nach Rinteln die Weser abwärts 26 bis 30 Teilnehmer (Mindestalter 12) 30. Juni bis 10. Juli 2013 Leitung: Pastor Heiko Buitkamp Jugendfreizeit auf Spiekeroog Gemeinde Möllenbeck: Jugendliche von 12 bis 15 Jahren 7. bis 14. Juli 2013 Leitung: Pastorin Ute Schulz

Gemeinde Synodalverband

Sommerfreizeit nach Finnland

Kerngebiet

Ev.-ref. Jugend Süddeutschland: Teilnehmer von 14 bis 25 Jahren 3. bis 19. August 2013 Leitung: Jugendreferent Matthias Peterhoff

9

Kinderfreizeit der Gemeinde Uelsen im Teutoburger Wald im Jahr 2012

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INFO Bei den dargestellten Freizeiten handelt es sich nur um eine Auswahl von Gemeindefreizeiten. Eine Übersicht über (fast) alle Freizeiten in der Evangelisch-reformierten Kirche im Jahr 2013 bietet die aktuelle Freizeitbroschüre. Dort finden sich auch alle notwendigen Anmeldedaten.

http://reformiert.de/jugendarbeit.html


Kriminalistische Sommerlektüre:

Ehemaliger Gemeindepastor „Gnadenlose Engel“ heißt der erste Roman von Manfred Brüning, evangelisch-reformierter Pastor im Ruhestand. Klar, dass der passionierte Krimileser seine eigene Geschichte auch in diesem Genre angesiedelt hat – mit beachtlichem Erfolg: „Gnadenlose Engel“ ist gerade in der dritten Auflage gedruckt worden. Im Herbst soll Brünings zweiter Roman erscheinen. Ein Krimi, natürlich. Sex and crime, Zwangsprostitution, Rachemorde – und das aus der Feder eines Pastors? Manfred Brüning lacht. „Die Reaktion kenne ich schon“, sagt der 68-Jährige. „Aber es gibt keine Abgründe in meinem Leben – ich habe die Hintergrundinformationen, die ich für mein Buch brauchte, einfach im Internet recherchiert.“ 2008 habe er begonnen, sich mit Frauenhandel aus Osteuropa zu beschäftigen, nachdem er beruflich mit dieser Problematik in Berührung gekommen sei, erzählt der Autor. „Als mir bewusst wurde, was Menschen angetan werden kann, hat mich das nicht mehr losgelassen.“ Nach der Pensionierung erfüllte er sich den langgehegten Wunsch, ein Buch zu schreiben, und schickte Kommissar Adi Konnert und sein Team an Tatorte in und um Oldenburg. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind durchaus kein Zufall: In dem Kommissar, seiner ruhigen, bedächtigen Art und seinem unerschütterlichen Glauben an Gott steckt viel von Manfred Brüning selbst. Nur in einem ist der Autor seinem Alter Ego einen Schritt voraus: Brü-

Foto: Anke Brockmeyer

Die Polizeiinspektion in Oldenburg, wo Autor Manfred Brüning Kommissar Konnert ermitteln lässt.

ning hat sich vor einigen Jahren das Pfeiferauchen abgewöhnt, Konnert dagegen wird immer wieder rückfällig. „Wenn sie überhaupt thematisiert werden, kommen Kirchen und Gemeinden in Krimis normalerweise immer schlecht weg. Ich wollte keinen ‚frommen’ Krimi schreiben, aber mir war es wichtig, einen bekennenden Christen als Kommissar zu haben, der seinen Glauben im Alltag lebt“, sagt Brüning, der fast dreißig Jahre lang seine


Ermittlungen mit Gottvertrauen wird Krimiautor Gemeinde in Emden-Larrelt betreut hat. Seit der

für Autoren unbedingt empfohlen wird, hat er

Pensionierung lebt er mit seiner Frau Christa in

deshalb verzichtet. „Wahrscheinlich war ich da-

Apen. Hier, in der dörflichen Idylle des Ammerlan-

für einfach zu faul“, räumt er lachend ein. „Beim

des, entstand seine Geschichte von misshandel-

Arbeiten selbst allerdings bin ich wirklich diszip-

ten Frauen, die wie Sklavinnen von einem Mann

liniert“, schiebt er dann nach. Jeden Morgen nach

an den nächsten weitergereicht werden, und von

dem Frühstück hat er an seinem Computer geses-

Morden, die anfangs scheinbar nichts miteinan-

sen. Was er noch lernen musste, war loszulassen,

der zu tun haben.

auch wenn an manchen Details sein Herz hing.

Manfred Brüning ist ein guter Erzähler. Er will

Hundert Seiten mehr hatte sein Roman ursprüng-

das auslösen, was er „das Kino im Kopf“ nennt.

lich. „Aber da waren Handlungsstränge dabei,

„Ich bin noch ohne Fernseher aufgewachsen,

die absolut verzichtbar waren. Meine Lektorinnen

da war es wichtig, spannend erzählen zu kön-

haben mir ganz wunderbar geholfen, das zu er-

nen“, sagt er. Später, als Jugenddiakon, hat er

kennen.“

auf Freizeiten mit seinen Geschichten die Kinder

Nachdem er seinen ersten Roman beendet hat-

in seinen Bann gezogen. Er weiß, wie eine gute

te, war für Manfred Brüning klar, dass er weiter

Story funktioniert, beherrscht die Struktur und

schreiben wollte. Musste. Und so war es für ihn

behält den roten Faden im Blick. Und so ist ihm

wie ein Ritterschlag, als er in seinem ersten Werk

mit „Gnadenlose Engel“ ein Buch gelungen, das

über den Autor las: „Mit ‚Gnadenlose Engel‘ legt

sich von vielen Regionalkrimis wohltuend ab-

er seinen ersten Kriminalroman vor, dem weitere

hebt. Überhaupt wollte er nicht unbedingt einen

folgen werden.“ - „Diese Formulierung hat der

Oldenburg-Krimi schreiben. „Aber es lag nahe,

Verlag eingefügt, das war so nicht abgesprochen

die Story an einem Ort anzusiedeln, in dem ich

– aber es hat mich natürlich sehr gefreut.“ Jetzt

mich auskenne.“ Und so wandern die Leser mit

ist der zweite Krimi fast fertig. Dieses Mal gehe es

Adi Konnert durch die Lindenallee auf dem Neuen

um Wohnungslose, verrät Brüning.

Friedhof in Oldenburg, dessen Eingang nahe der Polizeiinspektion liegt, bergen eine Leiche aus

von Anke Brockmeyer

der Hunte, diskutieren über das Heimspiel der EWE Baskets. Sein Kommissar Konnert ist ein ruhiger Mann, der alte Wolf unter jüngeren Kollegen, die ihn schätzen und so akzeptieren, wie er ist – auch

INFO 11 Manfred Brüning, Gnadenlose Engel, Oldenburg Krimi Originalausgabe Nov. 2012, 349 Seiten, 12,95 Euro

wenn sie seinen festen Glauben nicht unbedingt teilen. „Konnert ist ein guter Kommissar, und deshalb wird er ernst genommen“, erklärt Manfred Brüning. Wenn der Autor erzählt, spürt man sofort, wie sehr ihm die Figuren des Romans ans Herz gewachsen sind. „Mit einem Buch gibt man ein Stück von sich selbst“, sagt er. „Für mich leben die Personen, daraus ergibt sich dann die Geschichte.“ Auf ein detailliertes Stufen- und Zeitdiagramm für jede Szene, wie es in Ratgebern

Hörprobe unter: www.youtube.com

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So schmeckt der Sommer Rezepte für ein (fast) perfektes Gemeindefest

Gemüsespieße vom Grill

Zutaten: Mittelgroße Pilze (Portabellapilze/Champignons); 1 rote , 1 gelbe, 1 grüne Paprikaschote; 20 Kirschtomaten; kleine süße Zwiebeln oder 1 rote, scharfe, größere Zwiebel, kleingeschnitten; 1 frische Ananas in Quadrate geschnitten (ca. 1 1/2 bis 2 cm).

Alkoholfreier Cocktail ALICE

3 EL Olivenöl, 1 EL Balsamico, Salz und Pfeffer frisch gemahlen; 1 EL Paniermehl; 3 Knoblauchzehen, zerdrückt; Estragon, frisch oder getrocknet, etwas gemahlene Chilischote. Zubereitung: Alle Zutaten putzen und in mundgerechte Stücke teilen. In einer Schüssel Olivenöl darüber gießen, ebenso ein paar Spritzer Balsamico. Mit Salz, reichlich frisch gemahlenem Pfeffer und dem Chilipulver würzen. Knoblauch, Estragon und das Paniermehl sparsam darüber streuen. Gut durchmischen. 30 Minuten durchziehen lassen. Ggfs. die Ananas nicht mit in die Marinade geben. Anschließend auf kleine Holzspieße verteilen. Die restliche Marinade in eine kleine Tasse abfüllen und während des Grillens ab und zu damit bepinseln. Wer auf Fleisch nicht verzichten mag: Dazu passen Schweine- oder Geflügelwürfel (gern Biofleisch). Thorsten Hansen aus Leer

Zutaten pro Glas: 80 ml Ananassaft 80 ml Orangensaft 20 ml Sahne Grenadine crushed ice (wahlweise 20 ml Coconut Cream) ausprobiert im Gute-Nacht-Café der Evangelischreformierten Jugend Hamburg beim Kirchentag Anne Kroll / Catherine Wulftange aus Hamburg


Sommerliches Rezept für einen Gottesdienst Ein erfolgreiches Gemeindefest lässt sich prima auch dadurch aufwerten, dass neben guten Rezepten für das Buffet auch der dazugehörige Gottesdienst mit neuen Rezepten gestaltet wird. Dieses Rezept braucht folgende Vorbereitung, die anschließende Zubereitung ist einfach: - Ein Thema, das von unterschiedlichen Seiten bedacht werden kann und zu dem leicht Zugänge zu schaffen sind. - Menschen, die über Aspekte dieses Themas nachdenken und sich trauen, ihre Gedanken auch zu äußern. - Eine Gottesdienst-Gemeinde, die sich dafür öffnen lässt, dass die Predigt auch mal anders ablaufen kann. Wer das Rezept aufpeppen möchte, nimmt dafür einfach mal nicht die Heimatgemeinde. - Pastoren und Gemeindeleitende, denen es wichtig ist, dass Gottesdienste lebendige Veranstaltungen sind. Mit folgenden Zutaten klappt die Zubereitung: Sie führen im Rahmen einer Freizeit einen Bibel-Workshop durch. Ziel ist es, die Sonntagspredigt mitzugestalten. Es geht um das Thema „Schöpfung“ – die Teilnehmer formulieren ihre Gedanken zum Thema. Am Ende stehen acht bis zehn ganz unterschiedliche Schöpfungs-Statements da. Eins voller Staunen und Dankbarkeit für die Schönheit der Schöpfung, ein anderes sagt, wie wunderbar jeder einzelne Mensch von Gott gemacht wird. Eins spricht über das Verhältnis von Schöpfungsglauben und Naturwissenschaft. Ein anderes gibt handlungsorientiert Impulse zum Thema Schöpfungsverantwortung und Lebensmittel. Und schließlich gehört in diese Reihe auch die Einsicht, dass Gott selbst Verantwortung für seine Schöpfung und sein Geschöpf übernimmt und sich auch vom Menschen daran erinnern lässt. Ausprobiert habe ich das Rezept zusammen mit Freizeitteilnehmern aus dem CVJM Neermorpolder und der Lingener Pastorin Verena Hoff-Nordbeck. Matthias Lefers, Pastor in der Kirchengemeinde Neermoorpolder

Mais- und Bohnensalat

24 Stunden-Salat

Zutaten: 400 g Dose Kidney Bohnen aus der Dose, gut abgetropft und abgebraust; 330 g Dose Mais, ebenfalls abgetropft; 1 grüne Paprikaschote, entkernt und gehackt; 1/2 Bund Frühlingszwiebeln, gehackt; 1 Bund Koriander oder ersatzweise Petersilie, gehackt.

Zutaten: 1 kl. Eisbergsalat, 1 gelbe Paprika, 1 rote Paprika, 2 Tomaten, 1 Zwiebel, 1 Dose Mais, 1 Tasse gefrorene Erbsen, 1 Tasse Miracel Whip, 1 Teel. Zucker, 1 Tasse gestiftelter Käse.

Dressing: Limonenscheiben und Petersilie zum Dekorieren; Limonendressing aus 60 ml Olivenöl; Saft einer Limette (je nach Geschmack etwas mehr); 1 gepresste Knoblauchzehe. Zubereitung: Bohnen, Mais, Paprika, Frühlingszwiebeln und Koriander/Petersilie in eine Schüssel geben. Dressing zubereiten und über den Salat gießen. Gut durchziehen lassen und mit Limonenscheiben und Petersilie dekorieren. (Angaben für 4 Pers.) Elke Schauer aus Bovenden

Zubereitung: Eisbergsalat, Paprika, Tomaten und Zwiebel kleinschneiden. Zusammen mit dem Mais in eine große Salatschüssel schichten. Miracel Whip, Zucker, Erbsen und Käse verrühren und über die Salatzutaten streichen. Mit Frischhaltefolie abdecken und den Salat für 24 Stunden in den Kühlschrank stellen. Direkt vor dem Servieren umrühren. Super frischer Salat, den man praktischerweise schon einen Tag vorher zubereitet. Alide Schütman aus Nordhorn


Wahl des Kirchenpräsidenten Zwei Kandidaten am 21. Juni 2013

Martin Heimbucher ... ist seit 2007 Theologischer Referent der Union Evangelischer Kirchen (UEK) im Kirchenamt der EKD in Hannover. Zuvor war er sieben Jahre lang Pastor der Evangelisch-reformierten Gemeinde Eddigehausen (bei Göttingen). Der 57-jährige promovierte Theologe ist in Kassel aufgewachsen, er studierte in Göttingen und Mainz und absolvierte sein Vikariat in der Lippischen Landeskirche. Dort wurde er auch ordiniert und war bis 1999 als Gemeindepastor tätig. Als Theologischer Referent der UEK ist er mit aktuellen theologischen Fragestellungen, insbesondere dem innerprotestantischen Dialog befasst. Dabei ist er für die Geschäftsführung der Gremien und Einrichtungen der UEK zuständig. Für die UEK hat Heimbucher das Jubiläumsjahr „450 Jahre Heidelberger Katechismus“ mit vorbereitet und in diesem Zusammenhang zwei Publikationen herausgegeben.

 Wie geht´s? Danke – sehr gut!  Was ist für Sie das grösste Glück? Mit vertrauten Menschen zusammen und zugleich ganz bei mir selber zu sein.  Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? Beim Singen vom Tenor in den Bass zu springen.  Was schätzen Sie bei anderen Menschen besonders? Wenn sie zur rechten Zeit das rechte Wort sagen – aber auch einmal schweigen können. 

Wann sind Sie ungeduldig? Wenn jemand anfängt, zu monologisieren.

 Was möchten Sie in der Welt gern ändern? Das skandalöse Gefälle zwischen „reich“ und „arm“.  Was muss ein Kirchenpräsident besonders können? Er muss die Zusammengehörigkeit der Verschiedenen in einer Kirche deutlich machen.  Was ist Ihre Lieblingsstelle in der Bibel? Psalm 27,1: „Der Herr ist

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mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?“ (mein Ordinationsspruch)  Worüber haben Sie zuletzt gepredigt? „Von der Dankbarkeit“ - das Leitwort aus dem Heidelberger Katechismus.  Wer ist Ihre Lieblingsfigur in der Kirchengeschichte? Franz von Assisi.  Welche biblische Person mögen Sie gar nicht? Herodes.  Was sollte sich in der Kirche nicht ändern? Ihre Offenheit für alle Menschen.  Was beschäftigt Sie zur Zeit? Es ist schon aufregend, sich neben einem turbulenten Alltag in Hannover (und Berlin und Wittenberg und Heidelberg…) auf die mögliche Perspektive als „KP“ in Leer einzustellen.  Was lesen Sie zur Zeit? Die Biographie über Desmond Tutu.  Was sehen Sie gern im Fernsehen? Kabarett mit Jürgen Becker und Co.  Wo verbringen Sie Ihren Sommer? Auf einer Radtour mit meiner Frau.


Am 21. Juni wählt die Evangelisch-reformierte Kirche einen neuen Kirchenpräsidenten - als Nachfolger für den amtierenden, Jann Schmidt, der im Herbst in den Ruhestand geht. Das Moderamen schlägt der Gesamtsynode für die Wahl zwei Kandidaten vor: Oberkirchenrat Dr. Martin Heimbucher und Oberkirchenrat Dr. Werner Weinholt. „reformiert“ porträtiert die beiden.

Werner Weinholt ... gehört als Oberkirchenrat der Leitung für die Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr mit Sitz in Berlin an und leitet das Büro des Evangelischen Militärbischofs Martin Dutzmann. Der 43-jährige promovierte Theologe stammt aus der Lippischen Landeskirche, wo er vier Jahre lang als Gemeindepastor in Bösingfeld (bei Detmold) tätig war. Sein erstes Leitungsamt übernahm er in der Lippischen Landeskirche von 2006 bis 2008 als Superintendent des Kirchenkreises Bösingfeld. In dieser Zeit gehörte er auch der Lippischen Landessynode an. Seit 2008 ist er für die Evangelische Militärseelsorge tätig. Für seine Lippische Landeskirche war er 2009 als Beauftragter für das Calvinjahr zuständig und begleitet seitdem die Themenjahre der Reformationsdekade, in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt „450 Jahre Heidelberger Katechismus“.

 Wie geht´s? Gut, ich schaue gespannt auf die nächsten Wochen.  Was ist für Sie das größte Glück? Geliebt zu werden und lieben zu können.  Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? Ein Musikinstrument spielen zu können, ohne üben zu müssen.  Was schätzen Sie bei anderen Menschen besonders? Verlässlichkeit und Treue.  Wann sind Sie ungeduldig? Wenn Absprachen nicht eingehalten werden.  Was möchten Sie in der Welt gern ändern? Ich würde gern die Armut abschaffen und allen Menschen gleichen Zugang zu Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Bildung ermöglichen. 

Was muss

ein Kirchenpräsident besonders können? Er muss hinhören, Menschen beraten und begleiten können. Er sollte das rechte Wort zur rechten Zeit sagen können. 

Was ist ihre Lieblingsstelle in der Bibel?

„Und er zog seine Straße fröhlich.“ (Apostelgeschichte 8, 39). Mit diesem Lebensgefühl mag der Glaube ins Leben ziehen. 

Worüber haben Sie zuletzt gepredigt? In meiner lippischen Heimat über die

Speisung der 5000 mit fünf Broten und zwei Fischen unter dem Aspekt des letzten Kirchentagsmottos: „Soviel du brauchst“.  Wer ist Ihre Lieblingsfigur in der Kirchengeschichte? Unter anderen Johannes Calvin: Er tritt für die Mühseligen und Beladenen ein und lenkt den Blick auf die Armen in der Gemeinde.  Welche biblische Person mögen Sie gar nicht? König Ahab und seine Frau Isebel, die in ihrer Selbstsucht und in ihrem Machtwillen über Leichen gehen.  Was sollte sich in der Kirche nicht ändern? In der Kirche sollten weiterhin viele verschiedene Gaben zusammenkommen können, die die Kirche bunt machen, so wie viele Blumen eine bunte Wiese.  Was beschäftigt Sie zur Zeit? Wie sich Gegenwart und Zukunft der Reformierten in Deutschland gestalten lassen, und an welchem Ort ich am besten mitwirken kann. 

Was lesen Sie zur Zeit? Arno Geiger, Der Alte König in seinem Exil. Geiger

beschreibt, wie die Demenz des Vaters die Perspektive auf das eigene Leben verändert.  Was sehen Sie gern im Fernsehen? Talkshows, in denen gesellschaftlich relevante Themen mit dem Ziel diskutiert werden, sie ein Stück weiterzubringen.  Wo verbringen Sie Ihren Sommer? Nach getaner Arbeit werden meine Frau und ich Urlaub machen. Unser Ziel ist die Nordseeküste.

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Kirchenpräsident Kirchenleitung zwischen Theologie und Verwaltung Seit 2004, also mit dem Amtsantritt von Jann Schmidt, ist der leitende Theologe der Evange-

Leitende Theologen von 1882 bis heute

lisch-reformierten Kirche auch Leiter der landes-

1882 bis 1903 D. Petrus Georg Bartels

kirchlichen Verwaltung mit Sitz in Leer. Dies war

(Generalsuperintendent)

nicht immer so: Bis zur Änderung der Kirchenverfassung 2003 gab es eine theologische und juristische Doppelspitze, mit dem Landessuperintendenten als leitendem Theologen und dem Präsidenten als leitendem Juristen und Chef der Verwaltung. Nach reformiertem Verständnis leitet jedoch die Gesamtsynode die Kirche, und wenn sie nicht zusammentritt, das Moderamen - die Leitung liegt damit nicht bei einer einzelnen Person. Dennoch ist der Kirchenpräsident oder die Kirchenpräsidentin das Gesicht der Kirche: bei allen Kontakten nach außen, bei Gesprächen mit der Politik, bei Medienanfragen. Er vertritt die Evangelisch-

1903 bis 1918 D. Hermann Wilhelm Müller (Generalsuperintendent) 1918 bis 1927 Gerhard Cöper (Generalsuperintendent bis 1925, danach Landessuperintendent) 1927 bis 1951 Dr. Walter Hollweg (Landessuperintendent) 1951 bis 1963 D. Walter Herrenbrück (Landessuperintendent)

reformierte Kirche in der Öffentlichkeit und nimmt

1963 bis 1987 Dr. Gerhard Nordholt

ihre Interessen in zahlreichen kirchlichen Gremien

(Landessuperintendent)

wahr, gegenüber den anderen evangelischen Kirchen in Niedersachsen, auf der Ebene der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und auch darüber hinaus. Auch weil er Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche ist, wählte die Synode der EKD Jann Schmidt in den Rat der

1987 bis 2004 Walter Herrenbrück (Landessuperintendent) 2004 bis heute Jann Schmidt (Kirchenpräsident)

EKD, als eine Stimme des reformierten Protestantismus in Deutschland.

16 3 reformiert 2013

Zudem ist der Kirchenpräsident Dienstvorgesetzter aller Pastorinnen und Pastoren und damit auch für deren pastoralen Dienst in den Gemeinden zuständig. Er ist für die Einhaltung des Haushaltsplans verantwortlich, aktuell mit einem Volumen von etwa 34 Millionen Euro. Er leitet die Sitzungen des Moderamens, bereitet diese vor und setzt zusammen mit den Mitarbeitern des Landeskirchenamtes die Beschlüsse der Kirchenleitung um. Für die 57 Synodalen gilt es am 21. Juni, unter zwei Kandidaten auszuwählen. Der dann Gewählte ist für zwölf Jahre im Amt, eine Wiederwahl ist möglich.

Kirchenpräsident Jann Schmidt (2004 bis heute) Landessuperintendent Walter Herrenbrück (1987 bis 2004) Der Titel der leitenden Theologen hat sich in den 131 Jahren, seit der Gründung der „evangelischreformirten Kirche der Provinz Hannover“ im Jahr 1882, nach kirchlichen Neuordnungen mehrfach geändert.


Garrelt Duin und Norbert Nordholt

Neue Geschäftsführerin bei Aktion Sühnezeichen

Alter und neuer Präses der Gesamtsynode Während ihrer ersten Sitzung hat die Gesamtsynode der Evangelisch-reformierten Kirche am 23. Mai Norbert Nordholt aus Schüttorf zu ihrem neuen Präses gewählt. Der 58-jährige Schüttorfer ist damit Nachfolger von Garrelt Duin (76) aus Hinte, der dieses Amt mehr als zwölf Jahre lang inne hatte. Zukünftig wird Nordholt die Tagungen der

Foto: ASF

PERSONEN

Dagmar Pruin

Gesamtsynode leiten. Damit wählten die Synodalen erneut einen ehrenamtlichen Presbyter zu ih-

Dagmar Pruin (links) und Jutta Weduwen

rem Vorsitzenden. Das neu gewählte Moderamen Die evangelisch-reformierte Theologin Dagmar

wird in der nächsten Ausgabe vorgestellt

Pruin wird neue Geschäftsführerin bei Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF). Ab September 2013 teilt sie sich diese Aufgabe mit Jutta Weduwen, die bereits seit 2012 diese Funktion hat. Pruin stammt aus Ostfriesland, zur Zeit leitet sie noch das deutsch-amerikanisch-jüdische Begegnungsprogramm der Bundesregierung. Sie gehört

Foto: Ulf Preuß

Garrelt Duin (links) mit Norbert Nordholt

dem Theologischen Ausschuss der Evangelisch-

Margret Heckmann

reformierten Kirche an.

Verabschiedung der Nordhorner Kirchenmusikerin

Heiko Buitkamp

Die Gemeinde Nordhorn hat am Ostermontag

Neuer Präses im Synodalverband X

Kirchenmusikdirektorin Margret Heckmann (65) in den Ruhestand verabschiedet. Genau vor 37 Jahren, am 1. April 1976, begann sie ihren Dienst. Pastor Thomas Allin sprach von einer Ära, die zu Ende gehe. Der Vorsitzende des Ausschusses für Kirchenmusik, Pastor Ingo Brookmann aus LeerLoga, sagte, Heckmann habe die Kirchenmusik in Nordhorn und in der Grafschaft geprägt und damit das Gemeindeleben bereichert.

Foto: Dietrich Lange

Heiko Buitkamp (links) und Klaus Bröhenhorst

Herbert Sperber Neuer Pastor in Marienheim Herbert Sperber aus Osnabrück wird neuer Pfarrer

Heiko Buitkamp aus Rinteln ist neuer Präses des

der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Ma-

Synodalverbands X der Evangelisch-reformier-

rienheim in der Nähe von Ingolstadt. Sperber (49)

ten Kirche. Zum Synodalverband gehören rund

kommt gebürtig aus Nürnberg, zur Zeit ist er noch

14.000 evangelisch-reformierte Christen in acht

Pastor der Gemeinde Osnabrück, wo er auch die

Kirchengemeinden im östlichen Niedersachsen.

Jugendkirche betreut. In Marienheim wird er Nach-

Buitkamp (45) löst den langjährigen Präses Klaus

folger von Hartmut Dusse, der im letzten Sommer

Bröhenhorst aus Hildesheim ab, der nicht wieder

in den Ruhestand verabschiedet wurde. Zur Mari-

kandidierte. Heiko Buitkamp ist seit 2003 Pastor

enheimer Pfarrstelle gehört mit der Neuausschrei-

der Evangelisch-reformierten Gemeinde Rinteln

bung auch eine Beauftragung für die Öffentlich-

im Weserbergland.

keitsarbeit der Reformierten in Süddeutschland.

17 3 reformiert 2013


AKTUELLES

Treffpunkt Ferdinandstraße: Drei Tage guter Besuch Es waren keine 114.000 Besucher, aber doch mehrere tausend, die während des Kirchentags in Hamburg den Weg in den „Treffpunkt Ferdinandstraße“ fanden. Darunter viele Bremer, Oldenburger und Reformierte. In unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs lud das Gemeindezentrum der Evangelischreformierten Gemeinde Hamburg zum Treffen, zum Café und ins Italienische Abendrestaurant ein. Jeden Abend gab es ein Kulturprogramm mit anschließendem Gute-Nacht-Café. Am Freitagnachmittag, 3. Mai, diskutierten Kirchenpräsident Jann Schmidt, der Oldenburger Bischof Jan Janssen und der stellvertretende Schriftführer der Bremischen Kirche, Bernd Kuschnerus, unter der Fragestellung: „Was brauche ich wirklich - Glaube im Alltag“. Sie waren sich einig, dass es für Kirchen wichtig sei, einladend zu sein. Es müsse fröhlicher vom Glauben geredet und gepredigt werden. Anschließend feierten mehr als 450 Besucher im Kirchsaal des Gemeindezentrums ein Feierabendmahl. Der „Treffpunkt Ferdinandstraße“ war ein gemeinsames Angebot der Bremischen, der Oldenburger und der Reformierten Kirche.

Foto: Ulf Preuß

18 3 reformiert 2013

Foto: Gerold Meppelink

Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag in Hamburg stand unter der Losung „Soviel du brauchst“ (2. Mose 16,18).

Kirchenpräsident Jann Schmidt stand im Podiumsgespräch der Hamburger Journalistin Anja Würzberg Rede und Antwort.

Hotline bei sexuellem Missbrauch

Reformierte Sommeruniversität

Die Evangelisch-reformierte Kirche bietet jetzt

Die Reformierte Sommeruniversität in Emden

eine Hotline für Fälle des sexuellen Missbrauchs

widmet sich in diesem Jahr dem Jubiläum der Leu-

an. Sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und

enberger Konkordie. Die Johannes a Lasco Biblio-

Jugendlichen mache auch vor Kirchengemein-

thek in Emden und das Seminar für Reformierte

den und diakonischen Einrichtungen keinen

Theologie der Uni Münster laden insbesondere

Halt, schreibt Kirchenpräsident Jann Schmidt in

Studierende zu der einwöchigen Veranstaltung

einem Rundbrief an alle Mitarbeiter. Die bisher

ein. Acht Lehrende aus fünf Ländern beleuchten

in Deutschland bekannt gewordenen Fälle hät-

das Gründungsdokument der Gemeinschaft Evan-

ten deutlich gemacht, dass die Anstrengungen in

gelischer Kirchen in Europa (GEKE), das 1973 auf

diesem Bereich auch in der evangelischen Kirche

dem Leuenberg bei Basel unterzeichnet wurde.

erheblich verstärkt werden müssten. Die Evange-

Damit beendeten die reformierten und lutheri-

lisch-reformierte Kirche kooperiert bei der Hotline

schen Kirchen ihre Kirchentrennung und verein-

mit der Ansprechstelle für Opfer sexualisierter

barten Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Die

Gewalt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche

Sommeruniversität findet vom 18. bis 23. August

Hannovers. Dort ist an zwei Tagen pro Woche ein

statt.

Beratungstelefon freigeschaltet. Es richtet sich an

www.jalb.de

alle in der Evangelisch-reformierten Kirche, die aktuell Opfer sexualisierter Gewalt oder sexueller Belästigung sind oder in der Vergangenheit waren. Die Hotline ist unter der folgenden Nummer zu erreichen: 0511 - 700 88 16. www.reformiert.de/hilfe-bei-missbrauch.html


Festakt 450 Jahre Heidelberger Katechismus

Theater spielt in der Bergkirche

Mit einem Festakt in der Heidelberger Heilig-

nabrück. Das Theaterensemble inszenierte ge-

geistkirche haben prominente Politiker und Kir-

meinsam mit der Hochschule für Musik, Kunst

chenvertreter die Bedeutung der reformierten

und Medien aus Hannover das Oratorium „Der

Bekenntnisschrift gewürdigt. Der baden-württem-

aus der Löwengrube errettete Daniel“ von Georg

bergische Ministerpräsident Winfried Kretsch-

Philipp Telemann. „Wir waren sehr zufrieden und

mann sagte, die Ambivalenz in der Wirkungsge-

freuen uns auf mehr Kooperationen dieser Art“,

schichte des Heidelberger Katechismus werfe ein

resümierte Pastor Günter Baum die fünf Vorstel-

wichtiges Licht auf unser heutiges Staat-Kirche-

lungen. Rund um das biblische Theaterstück bot

Verhältnis. Kirchen und Religionen seien wichti-

die Gemeinde Osnabrück zusammen mit Partnern

ge Gestaltungskräfte der Gesellschaft und würden

weitere Veranstaltungen an, darunter auch eine

staatlichem Handeln bedeutsame Impulse für das

Predigtreihe zu Daniel.

Erstmals war die evangelisch-reformierte Bergkirche in Osnabrück Spielort des Theaters Os-

gesellschaftliche Miteinander geben. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider würdigte den Heidelberger Katechismus als ein Bekenntnis, das keine Dogmatik verordne. Ohne Zwang und Gewalt, allein mit dem Wort und dem guten Argument sollte der Glauben vermittelt werden. Das Festwochenende zum Jubiläum wurde am

Foto: Uwe Lewandowski

Donnerstag, den 9. Mai, mit einem ARD-Fernsehgottesdienst zu Christi Himmelfahrt eröffnet. Im

Organeum mit neuem Programmheft

Abschlussgottesdienst am Sonntag, dem 12. Mai

Das Organeum in Weener hat sein Jahrespro-

predigte der badische Landesbischof Ulrich Fi-

gramm 2013/14 vorgelegt. Darin finden sich auf

scher. Er sagte, für den Heidelberger Katechismus

52 Seiten Hinweise auf 150 Orgelveranstaltungen

sei die Kirche „nichts anderes als eine Wohn-

in Ostfriesland und den Niederlanden.

gemeinschaft Gottes und des Heiligen Geistes“.

Das Heft informiert über alle Organeum-Angebote,

Heidelberg gehört heute zur badischen Landes-

darunter Orgelexkursionen, Programme für Schul-

kirche. Am gleichen Wochenende wurde die in-

klassen und enthält Hinweise auf Fortbildungen.

ternationale Ausstellung „Macht des Glaubens“

www.organeum-orgelakademie.de

im Kurpfälzischen Museum und im Heidelberger

19

Schloss eröffnet.

Foto: Norbert Neetz/epd

Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelisch-reformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Verantwortlich: Jann Schmidt Redaktion: Ulf Preuß, Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Georg Rieger, Steffi Sander, Jann Schmidt, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner, Leer, www.projektpartner.info Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

IMPRESSUM

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Joachim Korporal (52) ist Pastor der Kirchengemeinden Lünne und Salzbergen und arbeitet in der Bürgerinitative gegen Fracking mit.

Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Fragen an Joachim Korporal

„Fracking ist keine Lösung“ Fracking heißt eine Fördermethode für Schiefergas, über die zur Zeit gestritten wird. Dabei wird mit hohem Druck unter Einsatz von Wasser, Sand und Chemikalien das Gestein so aufgebrochen, dass das Gas daraus entweichen kann. Kritiker bemängeln unter anderem den Einsatz von Chemikalien. Noch gibt es für diese Methode keine gesetzliche Regelung, ein Gesetzentwurf der Bundesregierung, der eine Förderung unter bestimmten Auflagen vorsieht, liegt bis zur Bundestagswahl auf Eis. Ein mögliches Fördergebiet liegt im südlichen Emsland.

Warum wollen Sie das Fracking bei Ihnen im Emsland verhindern? Fracking ist eine rückwärtsgewandte Form der Energie-Gewinnung auf Grundlage fossiler Vorkommen, die nach eigener Berechnung nur 13 Jahre vorhalten sollen. Wir haben unsere Erde schon fast der gesamten fossilen Stoffe beraubt und wissen um die negativen Auswirkungen aufs Weltklima! Nun sollen quasi die letzten Reserven herausgequetscht werden, und dafür scheut man weder Geld, Natur, Boden und Wasser, Know-how, Zeit und Kraft, die doch wesentlich sinnvoller in zukunftsträchtigere Formen der Energiegewinnung investiert werden müssten. Neben der Energieeinsparung ist das der Weg für die Zukunft! Was befürchten Sie konkret für den Ort und die Menschen, die dort leben? Man benötigt für das Fracking viele Bohrtürme. Man benötigt hohe Fracking-Fluidmengen, die vor allem mit Trinkwasser hergestellt werden. Hinterher sind dies alles Sondermüll-Abwässer, die kaum entsorgt werden können und daher in aufgelassenen Erdölschächten verklappt werden sollen. Durch den Druck, den der Wasser-Sand-Chemikalien-Mix zur Aufsprengung des Gesteins erzeugt, können für unsere Gegend ungewohnte Erdbeben entstehen. Bei der großen Anzahl von Anlagen steigt zudem die Wahrscheinlichkeit von Unfällen, besonders Lecks im Rohr- und Leitungssystem. So können gefährliche Substanzen in die Umwelt gelangen. Zudem entstehen große Mengen an flüchtigem Methan, das bis zu hundertmal klimaschädlicher wirkt als CO2. Und da sowieso alles im dunklen Bereich unter Tage pas-

POSITION

siert, geben selbst die Konzerne zu, eben nicht genau zu wissen, was dort “vor der Hacke” geschieht. Was antworten Sie denen, die sagen, dass unser hoher Energiebedarf die Erschließung neuer Fördermethoden erfordert? Wir können nicht mit einer so aufwendigen, anfälligen und umweltschädlichen Energie-Gewinnungsform von vorgestern unsere gegenwärtigen und zukünftigen Energiefragen lösen wollen. Fracking ist eine überflüssige Ausbeutung, die auf Dauer nicht hilft und nur für die Energieriesen Höchstgewinne abwirft. In Kanada, wo aus ähnlichen Gründen Ölschiefer (Bitumen) im Tagebau abgebaut wird, droht ein gewaltiger Kollaps: Verlust von Wäldern, Aussterben von Tierarten, dauerhafte Vergiftung der Böden, nicht klärbare und hochtoxische Abwässerbecken in freier Natur. Und der Gewinn: weit unter zehn Prozent Bitumen gemessen am bewegten Gestein. Nein, wir müssen nachhaltig denken und handeln, wir müssen unseren Energiehunger zügeln und unserer Menschheit mit regenerativen Methoden die Würde als “Krone der Schöpfung” zurückgeben, weil unser biblischer Auftrag nach Gottes Ratschluss so lautet: Bebaut und bewahrt diese eine Erde so, dass sie Lebensraum für alle bieten kann, heute und auch noch übermorgen!


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