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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

Zwischen Himmel 3 reformiert 2015 2013Juni Juli August

und

Erde


Foto: Gemeinde Nüttermoor

v.l. Friedhof der Gemeinde Nüttermoor Naturfriedhof Fürstenzell

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Seite 6 Zwischen Naturfriedhof und Patchwork-Ritualen Perspektiven der Bestattungs- und Erinnerungskultur im frühen 21. Jahrhundert Seite 9 Bestattung in Westafrika Bildergeschichte einer Beerdigung in Ghana

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Foto: Norbert Fischer

Zwischen Himmel und Erde -

Seite 4 „Ich will keine Ratschläge erteilen“ Brigitte Schroven ist Krankenhausseelsorgerin in der Euregio-Klinik Nordhorn

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Seite 10 Wie ist es im Himmel? Auskunft über eine Heimat, in der noch niemand war

Seite 12 Den Toten sehen ist die beste Trauerbewältigung Der Bestatter: Handwerker und Seelsorger Seite 14 Begleitet im Leben und im Sterben In Leer ruht der Hospizgedanke auf drei tragfähigen Säulen

Seite 16 Kleiner Ratgeber für den Trauerfall Seite 17 Reformierter Reisetipp: Museum für Sepulkralkultur Seite 18 Personen / Aktuelles / Impressum Seite 20 Position: Solidarität mit Christen im Nahen Osten

Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Evangelisch-reformierte Kirche Stichwort: reformiert Sparkasse LeerWittmund IBAN: DE94 2855 0000 0000 9060 08 SWIFT-BIC: BRLADE21LER Spendenquittung wird zugesandt Titelbild: Bruce Rolff / shutterstock.com


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Foto: Jan Fragel

- zum Thema Sterben und Tod

Foto: Hospizhuus Leer

v.l. Bestatter Stefan Huhs Im Hospizhuus in Leer

Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Psalm 34, 19

Liebe Leserin, lieber Leser, geht das eigentlich – ein Magazin zum Thema Sterben und Tod mitten im Sommer? Das haben wir uns im Redaktionsbeirat auch gefragt und haben gesagt: Ja, das geht. Denn der Tod findet zu jeder Jahreszeit statt und nimmt keine Rücksicht, in welcher Stimmung die Betroffenen gerade sind.

Liebe Leserin nen und Lese r, auch Konfirm anden haben sich mit dem Thema Sterben und Tod beschäftigt. Da es schwer fä llt, über das Thema zu sprechen, ha ben sie Briefe geschr iebe der Vater eine n: „Stellt euch vor, s guten Freu ndes von euch ist gest orben. Ihr w ollt eurem Freund etwas sagen.“ Lese n Sie auf den folg enden Seiten, was die Konfis zu sagen haben.

Die Auseinandersetzung mit Fragen um Sterben und Tod beginnt oft ganz unvermutet: Weil ein Bekannter oder eine Nachbarin gestorben ist, weil die Eltern in einem entsprechenden Altern sind, weil Sie einen schrecklichen Unfall miterlebt haben. Wir können uns dem Thema nicht entziehen – und sind dabei oft sehr sprachlos. Diese Ausgabe will helfen, die Sprachlosigkeit, die jeder bei diesem Thema schon erlebt hat, zu überwinden. Und dafür muss es ja nicht unbedingt ein trüber Herbst- oder Wintertag sein. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre – und einen schönen Sommer

Ihr Ulf Preuß

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

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„Ich will keine Ratschläge erteilen“ Brigitte Schroven ist Krankenhausseelsorgerin in der Euregio-Klinik Nordhorn Ärzte, Pfleger, Angehörige – sie alle wollen von Hans Müller wissen: Wie geht’s? Was macht das Herz? Gibt es noch Beschwerden? Das ist nur allzu verständlich. Immerhin liegt der 70-Jährige in einem Krankenzimmer der Euregio-Klinik in Nordhorn. Da stellt man solche Fragen. Was er darauf antworten soll, weiß Hans Müller gar nicht so genau. Geht wohl. Was man halt so sagt, wenn man Patient in einem Krankenhaus ist. Er ist seit gestern zur Beobachtung da.

Der Patient Hans Müller freut sich, dass er mit Brigitte Schroven nicht über Medizinisches reden muss, sondern sich mit ihr auch über andere Gedanken austauschen kann, die ihn bewegen

Liebe Anne , ich habe ge hört, dass dein Papa gestorben ist. (…) Nur dass du’s weißt, ich b in für dich da. Deinem Vater geht es best immt gut im Him mel und er m ö chte sicher auch nicht, dass du traurig bist , das finde t er bestimm t auch doof. (…)

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Brigitte Schroven will auch wissen, wie es Hans Müller geht. Sie schnappt sich einen Stuhl und setzt sich zu ihm ans Bett. Die Sache mit den Herzbeschwerden ist schnell abgehakt. Medizinische Fachgespräche sind nicht die Kernkompetenz der Pastorin. Und doch schätzt Hans Müller gerade ihren Besuch. „Mit ihr kann ich auch mal über andere Dinge reden, die mich bewegen“, sagt er. Denn sein Körper bereitet ihm seit einiger Zeit Sorge. Herzinfarkt, Schlaganfall. War nicht immer al-


les ganz einfach. „Aber ich schöpfe meine Kraft aus dem Glauben“, erzählt Hans Müller. Und ein Fachgespräch darüber – das ist die Kernkompetenz von Brigitte Schroven. Die 61-jährige promovierte Theologin ist Krankenhausseelsorgerin. Sie arbeitet bereits seit 1996 in der Euregio-Klinik. Sie macht diesen Job nicht alleine. Von der evangelisch-lutherischen Kirche ist Pastorin Martina Sievers-Gotthilf dabei. Das Team ergänzen der katholische Pastoralreferent Ludger Pietruschka sowie die Gemeindereferentin Helena Witschen-Schulze-Berndt. Brigitte Schroven hat in der Euregio-Klinik ein eigenes Büro. Es liegt am Eingang zur Kapelle im Erdgeschoss des Krankenhauses. Aber dort ist die Theologin gar nicht so oft anzutreffen. Brigitte Schroven ist viel unterwegs auf den Stationen. Sie besucht regelmäßig Patienten wie Hans Müller, spricht aber auch mit Angehörigen – und mit den Mitarbeitern der Euregio-Klinik. „Das hat sich zu meinem Schwerpunkt entwickelt“, erklärt sie. Brigitte Schroven hat immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte des Krankenhauspersonals. Und zwar völlig unabhängig: „Ich bin Pastorin der Evangelisch-reformierten Kirche und keine Angestellte der Euregio-Klinik.“ Als Brigitte Schroven 1996 ihren Dienst antrat, hieß die Euregio-Klinik noch Kreiskrankenhaus. Und der Alltag war ein ganz anderer: „Die Liegezeiten der Patienten waren damals noch doppelt so lang wie heute“, erinnert sich die Pastorin und sagt: „Inzwischen wird viel mehr ambulant gemacht. Die Kontakte zu den Patienten sind entsprechend kürzer und einmaliger. Es ist außerdem viel unruhiger geworden.“ Dass sie heute noch ein Schild an die Tür hängen kann, mit der Bitte nicht gestört zu werden, sei gar nicht mehr denkbar. Die Taktfrequenz im Krankenhaus ist hoch. Eine Ausnahme bildet die Palliativstation. Dort liegen Patienten, deren Lebensweg zu Ende geht. „Meine Begleitung ist hier oft intensiver“, erklärt

Brigitte Schroven. Worüber spricht sie mit einem Menschen, der bald stirbt? „Manchmal nur übers Wetter“, sagt die Pastorin. „Ich bin nur diejenige, die begleiten kann. Ich will keinen Weg vorgeben, keine Ratschläge erteilen. Ich höre zu.“ Im Laufe der Jahre hat Brigitte Schroven viele Menschen sterben sehen. „Das geht auch an mir nicht spurlos vorüber. Vor allem bei jüngeren Menschen. Wenn der Tod dem Leben keine Chance mehr gibt. Das nimmt mich schon mit“, berichtet die Nordhornerin. Menschen, die in einem Krankenhaus liegen, sind immer in einer persönlichen Ausnahmesituation. „Die Bereitschaft, sich hier auf ein Gespräch einzulassen, ist hoch“, sagt Brigitte Schroven. Sie kann sich bei ihrer Tätigkeit voll auf die Seelsorge konzentrieren. Vielleicht mehr, als dies beim Dienst in einer Gemeinde möglich wäre. Und genau das macht für die Pastorin den Reiz aus: „Ich schätze die Seelsorge sehr. Ich kann die Menschen mit dem erreichen, was mir wichtig ist.“ Eine zentrale Position nehmen dabei Fragen zum Glauben ein. Wenn Brigitte Schroven das Gefühl hat, dass ein Gebet oder eine Lesung ein guter Abschluss für ein Gespräch wäre, schlägt sie dem Patienten das vor. „Und ich habe noch nie erlebt, dass das jemand abgelehnt hätte“, sagt sie. Die Krankenhausseelsorge genießt in der Euregio-Klinik eine hohe Wertschätzung, meint Brigitte Schroven. Das macht sie unter anderem am Dialog mit der Krankenhausleitung fest. „Ich fühle mich als Teil des Teams“, sagt die Pastorin und betont: „Die Krankenhausseelsorge ist ein Bestandteil des Gesundheitswesens.“ Und die Stimmung sei trotz der oft schweren Kost keineswegs nur bedrückend. „Es wird auch viel gelacht – zum Glück“, erzählt Brigitte Schroven, schmunzelt und schiebt lakonisch hinterher: „Es stirbt ja nicht jeder hier.“ Von Andre Berends

Zum Personal auf der Palliativstation der EuregioKlinik hält Brigitte Schroven engen Kontakt. Es geht um die Patienten, aber auch um die Sorgen und Nöte der Schwestern und Pfleger. (links) In der Kapelle der Euregio-Klinik halten Brigitte Schroven und ihre Kollegen sonntags um 9 Uhr eine Andacht. Diese wird per KrankenhausFernsehen in die Zimmer übertragen.


Zwischen Naturfriedhof Perspektiven der Bestattungs- und

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Foto: Norbert Fischer

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Konfirm us dem Brief a


und Patchwork-Ritualen Erinnerungskultur im frühen 21. Jahrhundert Kirch- und Friedhöfe sind seit Jahrhunderten die zentralen Orte der Erinnerung und des Gedächtnisses gewesen. Mit Grabsteinen und Bauten berichten sie über den historisch wechselvollen Umgang mit Verstorbenen. Dies ändert sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts. Derzeit verliert der klassische Friedhof an Bedeutung, an seine Stelle treten zunehmend Bestattungsplätze in der freien Natur. Zugleich driften Bestattungsort und Trauer- und Erinnerungsort auseinander. Wir sprechen von PatchworkMustern, die Bestattung, Trauer und Erinnerung prägen. Seit wenigen Jahren liegt der Anteil der Einäscherungen deutschlandweit erstmals deutlich über 50 Prozent. Die Feuerbestattung ist von eminenter Bedeutung für die aktuelle Entwicklung der Friedhofskultur. Sie ermöglicht im Gegensatz zum Erdgrab prinzipielle Mobilität und Flexibilität. Theoretisch kann die Asche – im Gegensatz zu einem toten Körper – an jeden beliebigen Platz mitgenommen werden. Die Einäscherung ist zur Grundlage neuer Varianten der Bestattungskultur geworden, etwa für Bestattungen im öffentlichen Raum und der freien Natur. Im Bundesland Bremen kann erstmals in Deutschland die Asche auch im eigenen Garten oder auf ausgewiesenen Flächen im öffentlichen Raum verstreut oder beigesetzt werden. In allen anderen Bundesländern herrscht nach wie vor der so genannte „Friedhofszwang“: Wer hier eingeäschert wird, dessen Asche muss normalerweise auf einem regulären Friedhof beigesetzt werden. Aber auch auf den Friedhöfen selbst zeigt sich Wandel. Die Einzel- oder Familiengrabstätte wird abgelöst von zumeist naturnahen Gemeinschafts- und Themenfeldern. Dadurch entsteht ein vielfältiges Mosaik modellierter Miniaturlandschaften. Zu den Pionieranlagen gehört der 2001 eingerichtete „Garten der Frauen“ auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg. Statt der klassischen familien- oder ehebezogenen Grabstätte entwickeln sich Anlagen, die von neuen sozialen Gruppierungen mit eigener gesellschaftlicher Identität geprägt sind – in diesem Fall der Frauenbewegung. Der „Garten der Frauen“ vereinigt Grabstätten für Mitglieder des gleichnamigen Vereins mit museal aufgestellten

Grabdenkmälern bedeutender Hamburgerinnen. Ein wichtiges Beispiel für solche gemeinschaftsbezogenen Anlagen sind Begräbnis- und Gedenkstätten für totgeborene Kinder. In der Regel dienen sie – beispielsweise dank regelmäßiger Gedenkfeiern – auch für jene als Erinnerungsort, die dort keine Beisetzung durchgeführt haben. Zu den größten und bedeutendsten dieser Anlagen gehört der 2004 eingeweihte „Sternengarten“ auf dem Hauptfriedhof Mainz. Der Name dieser Grabanlage geht zurück auf eine Passage aus dem Roman „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Eine ähnliche Erinnerungslandschaft für Kinder ist auf dem Zentralfriedhof Wien zu finden: der so genannte „Babyfriedhof“. Die Inschrift auf der Hinweistafel lautet: „Hier ruhen die Babys, die viel zu kurz bei uns waren“. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts haben sich weitere Formen allgemeiner Gemeinschaftsgrabstätten entwickelt. Diese können an einer besonderen Blumensprache orientiert sein: Eine durch Rosenbepflanzung oder Rhododendren hervorgehobene Grabanlage. Auch symbolische Gestaltungen in Form von Tierkreiszeichen-Anlagen sind bekannt (Hauptfriedhof Saarbrücken). Eine besondere Initiative ist dem Hauptfriedhof Karlsruhe zu verdanken, der einen Spielplatz in seine Anlage integrierte. Dieses Projekt „Kinderwelten“ wurde 2012 ins Leben gerufen. Dabei kann die eine Hälfte des Spielplatzes ganz normal genutzt werden, die andere Hälfte ist gleichsam „stillgestellt“ – spiegelbildliche Symbolik für Leben und Tod. Auf anderen, neueren Friedhofsanlagen zeigt sich eine gänzliche Auflösung der traditionellen

Bestattung im Ruhewald im Ohlsdorfer Friedhof Hamburg (links), Urne in Form eines Fußballes

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Foto: Norbert Fischer

Foto: Mitteldeutscher Feuerbestattungsverein

Foto: Norbert Fischer Foto: Norbert Fischer

Friedhofsstruktur. Dies gilt beispielsweise für die Aschenbeisetzungsanlage des „Friedgartens Mitteldeutschland“ in Kabelsketal bei Halle/Saale. Es ist ein homogen gestalteter Natur- und Kulturraum, in den Einzel- und Gemeinschaftsgrabstätten gleichsam hinein komponiert sind. Durch spezielle Namensgebungen erhalten die einzelnen Bereiche eine spezielle Atmosphäre und Bedeutung. Diese Formen der Naturbestattung sind Reaktionen auf die seit Beginn des 21. Jahrhunderts in Deutschland aufgekommenen Baumbestattungen in freien Waldgebieten. Diese werden zumeist von privatwirtschaftlichen Unternehmen wie „Friedwald“ und „Ruheforst“ vermarktet. Dabei ist der Baum mit seinem Wurzelwerk in einem möglichst naturbelassenen, freien Waldgebiet Grabstätte und Grabzeichen zugleich. Dort ist es möglich, schlichte Zeichen von Trauer und Erinnerung zu positionieren. Dabei bleibt die Umgebung des Waldes bewusst naturnah, die Bestattungsflächen sind nur bei genauerem Hinsehen zu erkennen. Andere Formen der Naturbestattungen sind Seeoder Almbestattungen, die ebenfalls neue, speziell inszenierte Orte von Tod, Trauer und Erinnerung hervorbringen. Der neue Umgang mit dem Tod hat zum „Bestattungsritual im Übergang“ geführt. Dieses äußert sich in der Auflösung traditioneller Rituale bei gleichzeitiger Entfaltung neuer Muster. Entstanden sind Patchwork-Zeremonien, in denen selbstbestimmte Elemente einen höheren Stellenwert gewinnen. Manche Zeremonien gleiten nahezu ins Experimentelle ab: Es gibt ein persönlich gestaltetes und angelegtes Totenkleid, der Sarg wird individuell bemalt, eigene Reden und eigene musikalische Darbietungen gestalten die Trauerfeier. Nicht zuletzt ist im frühen 21. Jahrhundert ein Auseinanderdriften von Bestattungsort einerseits, Erinnerungsort andererseits festzustellen. Trauer, Abschied und Erinnerung wandern ab von den Friedhöfen und Leichenhallen in den öffentlichen Raum. Zu denken wäre an jene immer zahlreicher werdenden Kreuze am Straßenrand, die an den Verkehrstod erinnern und bisweilen mit persönlichen Attributen versehen und wie kleine Altäre gestaltet sind. Die Straße ist ein Raum, der wie nur wenige andere als Symbol der mobilen Gesellschaft gilt. So sind die Kreuze an der Straße ein individueller und kreativer Akt der Trauer- und Erinnerungsarbeit in der mobilen Gesellschaft. Ein anschauliches Beispiel ist auch das virtuelle Gedenken. Das Medium Internet hat seit den 1990er Jahren neue Ausdrucksformen von Tod und Trauer hervorgebracht. Die wachsende Zahl der Internet-Gedenkseiten zeigt, wie rasch sich der Umgang mit Tod und Trauer auch den neuen Medien der postindustriellen Gesellschaft anzupassen vermag. Von Norbert Fischer

1 1. Babyfriedhof in Wien 2 3 2. Friedgarten bei Kalbesketal 4 3. Stein für Sternenkinder, Neuer Friedhof Westerland 4. Unfallkreuz bei Cuxhaven

Der Sozial- und Kulturhistoriker Norbert Fischer ist Professor am Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie der Universität Hamburg und Privatdozent am Historischen Seminar der Universität Hamburg


Bestattung in Westafrika Bildergeschichte einer Beerdigung in Ghana Matthias Lefers, Pastor in Neermorpolder, war im Fr端hjahr 2014 f端r mehrere Wochen im Rahmen eines Austauschprogramms zu Gast bei der Evangelisch-presbyterianischen Kirche in Ghana. Dort hat er in der Gemeinde Peki-Blengo mitgearbeitet und auch eine Beerdigung begleitet.

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Fotos: Matthias Lefers


Wie ist es im Himmel?Was ist mit Auskunft über eine Heimat, in der noch niemand war Was lässt sich verlässlich vom Himmel sagen? Nicht viel, meinte einst Friedrich Schleiermacher. „Liebe Jette,“ schreibt er an Henriette von Willich, die jung Witwe geworden war und nach Auskunft verlangte, „was kann ich Dir sagen? Gewissheit ist uns über dieses Leben hinaus nicht gegeben. Wir können nur dichten.“ Ob das die junge Witwe getröstet hat? Schleiermacher mag ganz offensichtlich über das, was er sich nicht vorstellen kann, keine Auskunft geben.

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Für Albert Schweitzer ist der Himmel von einer anderen Seite her problematisch. Schweitzer will nicht mit lauter „Rechtgläubigen“ zusammen sein. „Im Himmel treffe ich sicher eine ganze Gesellschaft, die ich nicht mag: St. Loyola, St. Hieronymus und ein paar preußische Oberkirchenräte. Mit diesen allen freundlich tun und den Bruderkuss austauschen? Nein, ich verzichte.“ Schweitzer will noch nicht mal mehr dichten. Ihm reicht eine diesseitsverändernde Jesus-Frömmigkeit. Andere waren da auskunftsfreudiger, ja geradezu himmelskundig. Emanuel Swedenborg, ein religiöser Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, beschreibt den Himmel sehr genau als eine Art zweite, verbesserte Welt. Und auch Philipp Melanchthon, der engste Mitarbeiter Luthers, weiß, wie er sich den Himmel vorzustellen hat. Er ist wie eine Akademie, in der es klug und gesittet zugeht. Alle theologischen Streitereien hat er dort hinter sich. Ein merkwürdiger Befund! Die einen wollen gar nichts sagen, um nichts Falsches zu sagen. Die anderen formulieren ihre persönlichen Wunschbilder, die das Geschmäckle einer ungebrochenen „Fortsetzung (folgt)“ haben. Gibt es noch etwas Drittes dazwischen, zwischen Schweigen und einem allzu Ich-bezogenem Jenseitsentwurf? Es gibt etwas Drittes. Es gibt Hoffnungsbilder. In der Bibel stehen viele davon: Das neue Jerusalem, das geschmückt wie eine Braut auf die Erde kommt. Der Umzug aus einer verfallenen Hütte in ein schönes festes Haus. Der Chor der Vollendeten, die im Lobpreis Gottes ihre Heimat haben. Der Tisch im Reich Gottes, an dem viele Platz finden.

Gewiss: Wir können nur dichten. Aber dieses Dichten ist nicht nichts. Die Poesie der Hoffnung macht uns sprachfähig. Von den biblischen Hoffnungsbildern sind mir persönlich der Tisch im Reich Gottes und das Heimat-Finden im Lob Gottes am nächsten. Aber lieb sind mir auch Worte, die nicht in der Bibel stehen. Marie-Luise Kaschnitz beginnt eine Gedicht-Meditation mit den Worten: „Glauben Sie, fragte man mich, an ein Leben nach dem Tode? Und ich antwortete: Ja. Aber dann wusste ich keine Auskunft zu geben.“ Die Dichterin will sich nichts ausmalen. Was ihr reicht, ist: „Und deine Hand wieder in meiner.“ Kaschnitz schließt mit den Worten: „Mehr also, fragen die Frager / Erwarten Sie nicht nach dem Tode? / Und ich antworte / Weniger nicht.“ Ich finde das schön. Das Zärtliche finde ich schön. Ein weiteres Wort, das mir lieb ist, sagte Dietrich Bonhoeffer als Vikar einem kleinen Jungen, der über den Tod seines Schäferhundes trauert. Bonhoeffer sagt dem Jungen: Weißt du, was sich lieb gehabt auf Erden, wirklich lieb gehabt, das bleibt auch bei Gott zusammen. Denn Sich-Liebhaben ist ein Stück von Gott. Wenn auch Sie eines der Hoffnungsbilder tröstet, dann halten Sie es fest. Gewiss: Gottes Neuschaffen wird alle Hoffnungsbilder überholen. Denn wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild, dann aber von Angesicht zu Angesicht. So sagt es Paulus im 1. Korintherbrief. Insofern ist alles Vorschnelle schlecht. Aber die Poesie der Hoffnung darf sein. Sie ist nicht vorschnell. Sie ist in gutem Sinne vorläufig. Von Klaus Bröhenhorst

Foto: Ollyy / shutterstock.com


den Jesiden? Lieber Jacko , ich habe ge hört, dass d ein Papa ge ben ist un d stor ich wollte d ir sagen, da du nicht tra ss urig sein so llst, denn er im mer im G ist eiste bei dir un d lebt be Gott un d Je i sus im Him m el in Frie de Gerechtigke n un d it. Mach dir a uch nicht so viele Ge dank en darüber, da Gott es so gewollt h at un d du ka nnst ihn ja sow ieso se hen, wenn d u auch im Him mel bist. (…)

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Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige allgemeine christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Schlussabschnitt des Apostolischen Glaubensbekenntnisses


Den Toten sehen ist die Der Bestatter: Handwerker und Seelsorger Wer zu ihm geht, kommt nicht freiwillig. Er muss. Eigentlich will er nicht. Er konnte sich das nie vorstellen. Dann aber war alle Hoffnung aufgezehrt und es passierte das Unvermeidliche; manchmal schnell, mal lange ersehnt, mal unerwartet. Und nun muss er Abschied nehmen von einem geliebten Menschen, der Ehefrau, dem Freund, der Mutter. Das Herz ist schwer, der Kopf bleiern und die Augen voll Tränen und Trauer. Wenn der Tod in die Familie kommt, stehen einen Tag später die Gespräche mit dem Bestatter an. Ihm kommt eine besondere Bedeutung bei der Bewältigung des Todesschmerzes zu.

Kapelle des Bovender Friedhofs

Wer ins Bestattungshaus von Stefan Huhs in Bovenden bei Göttingen kommt, durchschreitet zuerst ein stilisiertes Omega. „Ein Symbol für das Ende des Lebens“, sagt der 50-Jährige. Am Ende des Gesprächs sollen die Angehörigen das Omega wieder hinter sich lassen und durch das „Alpha“, das Symbol für den Anfang und das Leben, wieder hinausgehen.

Ruhig und einfühlsam heißt er die Trauernden willkommen. „Die Menschen kommen mit vielen Fragezeichen und wissen nicht, wie sie sie beantworten sollen.“ Da ist es wichtig, dass sie sich gut aufgehoben fühlen. In braunen Clubsesseln bittet er, Platz zu nehmen. Darin lassen sich die Trauernden fallen und ihr Blick fällt unweigerlich durch ein großes Schaufenster in den parkähnlichen Eingangsbereich des angrenzenden Bovender Friedhofs. Zwischen Bäumen und Büschen flattern Gartenvögel. Alles deutet auf das Leben hin und nicht den Tod. Hier bespricht er alles, was mit der anstehenden Beerdigung zusammenhängt. „Am Ende sind die Menschen dankbar - und glücklicher. Die Fragezeichen vom Anfang sind beantwortet“, sagt Huhs. „Das Helfen, das macht mir Spaß in meinem Beruf“, sagt Huhs, der schon früh Kontakt zu dem Lebensbereich hatte, der heute weitgehend verbannt ist aus dem Alltag. Sein Vater war Friedhofsgärtner in Bremen auf dem Osterholzer Friedhof. „Das war ein riesiger Friedhof, wir sind dort

Fotos: Jan Fragel

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Lieber Max, ich habe gehört, Ich mochte ihn audass dein Papa gestorben ist. nett zu mir. Gott ch sehr gerne. Er war immer is habe ich gelernt, t immer bei ihm. Im Kuffi das wie ein zweites Ls man im Himmel sowas eben immer so vor, das hat. Ich stell mir das sm ein Konzert feiert an z.B. mit Elvis .O Michael Jacksonder mit . (…)

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beste Trauerbewältigung

viel spazieren gegangen und er hat mich dort auch zum ersten Mal zu einer öffentlichen Aufbahrung mitgenommen, da war ich fünf.“ Später mit 16 hat er in einer Tischlerei gejobbt. „Die haben dort auch Särge eingerichtet und bestattet. Irgendwann hab ich den Chef gefragt, ob ich mal bei einer Beerdigung mithelfen könne.“ Der habe zwar anfangs etwas schräg geschaut, ihm aber eine Chance gegeben. „Ich brauchte ja auch das Geld für meinen Führerschein.“ Nach Abitur und Zivildienst lernte er zunächst Tischler. Mit dem Gesellenbrief in der Hand zog es ihn Richtung Süden, an die Uni Göttingen, wo Huhs Theologie studierte. Noch vor dem ersten Examen merkte er, dass die Theologie doch nicht das Richtige für ihn ist. Fortan bemühte sich Huhs, in einem Bestattungsunternehmen zu arbeiten. 1999 wurde daraus etwas. Endlich. „Ich hatte das immer im Kopf.“ In Bovenden suchte „Bestattung Wolff“ einen Geschäftsführer. „Dort bin ich dann eingestiegen.“ Mittlerweile hat er das Institut übernommen, den Namen hat er behalten. Zwischen 2004 und 2006 drückte Huhs noch einmal die Schulbank, seitdem ist er Bestattungsmeister. Seine erwartungsfrohen Augen leuchten, während er davon erzählt. Huhs ist Bestatter mit Leib und Seele. Er sieht sich dabei auch als Seelsorger, als Schlüssel für eine gelingende Trauerarbeit. Huhs mahnt zur Geduld und empfiehlt den Angehörigen immer eine Aufbahrung, wo sie und Freunde persönlich Abschied nehmen können. Vor der Aufbahrung waschen er und seine Mitarbeiter den Toten, ziehen ihm seine Lieblings-

kleidung an - manchmal den Hochzeitsanzug, manchmal die Jogginghose. Das Waschen sei wichtig für die Hygiene bei der Aufbahrung. „Den Toten noch einmal zu sehen, seinen kalten Körper zu spüren, ihn vielleicht noch einmal zu umarmen, das ist der beste Weg um zu verstehen, was passiert ist.“ Daher verzichtet er auch auf das Schminken der Leichen, um die eindeutigen Zeichen des Todes nicht zu verstecken. „So wird den Angehörigen die Vergänglichkeit des Lebens bewusster.“ Aber längst nicht alle Trauernden nehmen die Aufbahrung in Anspruch, zwei von drei verzichten darauf. Manche hätten schon an dem Ort Abschied genommen, wo die Menschen verstorben sind, andere wollen bewusst darauf verzichten. An seine Grenzen ist er noch nie gestoßen. Schwer ist es aber, gibt er zu, wenn Kinder gestorben sind. „Wenn die dann auch noch das Alter der eigenen Kinder haben“, seine Kinder sind drei und 16, „dann ist man selbst am Ende.“ Nur ein professioneller Umgang mache solche katastrophalen Schicksale für ihn erträglich. Die Sonne scheint an diesem Tag über Südniedersachsen, als Huhs durchs symbolische „Alpha“ seines Bestattungsinstitutes geht und die Tür abschließt. Er muss zur Friedhofskapelle und die letzten Vorbereitungen für die Beerdigung am Nachmittag treffen. Ob er selbst Angst hat vor dem Tod? „Nein“, sagt der Bestatter. „Der Tod ist zwar ein ständiger Begleiter in meinem Leben. Aber ich bin Christ, daher habe ich keine Angst. Ich bin dankbar, jetzt zu leben.“ Von Jan Fragel

Der Bestatter Stefan Huhs bereitet eine Beerdigung vor.

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Begleitet im Leben und Sterben In Leer ruht der Hospizgedanke auf drei tragfähigen Säulen In der Diskussion pro und contra aktive Sterbehilfe wird eine Forderung immer wieder laut: Es muss mehr Möglichkeiten geben, todkranken Menschen in ihrer letzten Phase ein würdiges, liebevolles und möglichst schmerzfreies Leben zu bieten. Die Hospiz-Initiative in Leer geht diesen Weg bereits seit fast zwanzig Jahren. 1997 gab es den ersten Weiterbildungskurs für Ehrenamtliche, die sich in der ambulanten Hospizarbeit engagieren wollten. Zwei Jahre später wurde ein Verein gegründet, der sich neben der ambulanten Begleitung ein Ziel auf seine Fahnen geschrieben hat: ein stationäres Hospiz für Ostfriesland. Mit der Hospizstiftung, die sich um die finanzielle Unterstützung kümmert, der HospizInitiative als ambulantem Dienst und dem 2009 eingeweihten Hospizhuus in Leer ruht der Hospizgedanke hier auf drei tragfähigen Säulen.

Das Hopizhuus Leer in Ostfriesland „Ein Hospiz wie dieses müsste es in jeder Stadt geben“, wünscht sich Helga Lund-Ziegler (links).

Es ist eine freundliche, warmherzige Atmosphäre, die einen im Hospizhuus empfängt. Schon von außen wirkt das Gebäude einladend: Holz und rote Ziegel, ein grüner Innenhof. Von der kleinen Halle gehen Einzelzimmer und Gemeinschaftsräume ab. An einem langen Tisch werden die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen. Wer sich nicht in sein Zimmer zurückziehen möchte, sucht sich einen Platz im Wintergarten, in dem im Winter ein Kaminfeuer prasselt. So sieht Sterben aus? Auch. Aber natürlich nicht nur. Selbstverständlich kann die gemütliche Atmosphäre nicht darüber hinwegtäuschen, dass die hier Wohnenden dem Tod jeden Tag ins Auge blicken. Es gibt Tage und Nächte voller Verzweiflung, Schmerz und Angst. Aber es gibt immer auch eine liebevolle Beglei-

tung, schnelle Hilfe, Fürsorge. „Im Krankenhaus habe ich manchmal eine halbe Stunde oder länger warten müssen, bis jemand Zeit hatte, sich um mich zu kümmern“, erzählt Helga LundZiegler. „Hier ist sofort jemand für mich da.“ Die 66-Jährige leidet an Bauchspeicheldrüsen-Krebs, seit knapp zwei Monaten lebt sie im Hospizhuus. Ursprünglich wollte sie die weitere Behandlung nach einem Klinikaufenthalt gemeinsam mit ihrer Hausärztin allein regeln. Mit der Möglichkeit, in ein Hospiz zu gehen, hatte sie sich zuvor noch nicht auseinandergesetzt. Heute ist sie froh, sich dafür entschieden zu haben. „Hier sind immer alle so nett.“ Noch immer schwingt Erstaunen darüber in ihrer Stimme mit.

INFO

Fotos: Hospizhuus Leer Fotos: Anke Brockmeyer

Bundesweit gibt es derzeit 214 stationäre Hospize für Erwachsene und 14 Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. Üblich ist eine Hausgröße mit acht bis 16 Betten. Rund 30.000 Menschen pro Jahr werden hier bis zu ihrem Tod begleitet. Um im Hospiz aufgenommen zu werden, müssen Patienten eine Notwendigkeitsbescheinigung des Hausarztes vorlegen. Die Kosten für den Aufenthalt werden vollständig übernommen: 90 Prozent der Kosten tragen Kranken- und Pflegekasse, die restlichen zehn Prozent werden vom Hospiz oder dessen Träger gezahlt. Auch wer einen der deutschlandweit rund 1.500 ambulanten Hospizdienste in Anspruch nimmt, muss die Kosten nicht selbst tragen. Hier zahlen ebenfalls die Krankenversicherung und der Träger des Hospizdienstes. Deutscher Hospiz- und Palliativverband: www.dhpv.de


Archivfoto: Hospizhuus Leer

„Weit über 90 Prozent der Schmerzen lassen sich eindämmen. Diese relative Schmerzlosigkeit bietet eine große Lebensqualität“, erklärt Pflegedienstleiter Heiko Meier. 25 hauptamtliche Kräfte arbeiten im Hospizhuus Leer, 16 davon in der Pflege. Daran, dass die Atmosphäre hier gastlich und freundlich sein kann, sind aber noch viele weitere helfende Hände beteiligt: Von den insgesamt 80 Ehrenamtlichen engagieren sich 30 im Hospizhuus. Wenn jemand ins Hospiz komme, falle oft ein Druck von ihm ab, ist die Erfahrung von Meier. Die Angst, im Krankenhaus sterben zu müssen oder den Angehörigen zur Last zu fallen, sei vorher häufig immens. „Natürlich möchten die Menschen am liebsten in ihrer vertrauten Umgebung sterben, aber das ist für viele Familien über längere Zeit kaum zu leisten“, so die Erfahrung von Sabine Zeretzke, Koordinatorin der HospizInitiative. Familien, die sich dennoch für diesen Weg entscheiden, können ambulante Hilfe von der Hospiz-Initiative erhalten. Die ehrenamtlich Mitarbeitenden wissen, was sie erwartet: Ehe sie aktiv in der Hospiz-Initiative mitarbeiten, werden sie intensiv geschult. Dazu gehöre immer auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben, so Sabine Zeretzke. „Nur wer für sich selbst einen Weg gefunden hat, damit umzugehen, kann in der Hospizarbeit bestehen.“ Die Ehrenamtlichen unterstützen die pflegenden Angehörigen, übernehmen Nachtwachen, helfen in organisatorischen Fragen und sorgen dafür, dass die Familie sich einfach mal wieder auf sich selbst besinnen kann. „Das Interesse für das Hospiz war von Anfang an riesig“, erinnert sich SabiBri

ne Zeretzke. 2,2 Millionen Euro sind für den Bau des Hauses gespendet worden. Am ersten Tag der offenen Tür kamen 5.000 Besucher. Und auch die Nachbarn, betont Zeretzke, seien offen gewesen für den Neubau in dem idyllischen Wohngebiet. Nicht nur dem Leben will man im Hospiz Huus eine möglichst gute Qualität geben, sondern auch dem Tod. Die Angehörigen haben Zeit, sich von dem Verstorbenen zu verabschieden. Für jeden Bewohner, der gegangen ist, wird ein Gong im Haus geschlagen – eines von mehreren Ritualen, die Trost geben können. Regelmäßig werden Trauergruppen im Hospiz angeboten. Für Helga LundZiegler ist es mittlerweile undenkbar, allein zu Hause zu sterben. „Ein Hospiz wie dieses müsste es in jeder Stadt geben“, wünscht sie sich.

Besuch ist im Hospizhuus jederzeit willkommen.

Von Anke Brockmeyer

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Liebe Gisela , ich habe geh ört, dass dein Papa gestorben ist. Das muss ein sch w er er Schlag für dich gewesen sein. Ich hoff e, dass du den Schmerz irge ndwie verarb eiten kannst Mein Beileid . . Du musst je tzt stark sein. Ich bin immer für dich da. (…)

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Kleiner Ratgeber für den Trauerfall Wenn ein Angehöriger in der Familie gestorben ist, wen muss ich dann benachrichtigen? Inzwischen ist es allgemein üblich, dass zunächst der Bestatter informiert wird und der nimmt dann Kontakt mit der Pastorin oder dem Pastor auf. Dieser Weg ist aber nicht zwingend: Es ist auch ohne weiteres möglich, als erstes Kontakt zum Pastor aufzunehmen. Wer legt eigentlich fest, wie ein Verstorbener beerdigt wird? Wenn der Verstorbene vorher nichts verfügt hat, entscheiden das die Angehörigen. Dabei geben die Pastorin oder der Pastor gern Entscheidungshilfe. Darf jemand, der aus der Kirche ausgetreten ist, kirchlich bestattet werden? In evangelisch-reformierten Gemeinden entscheidet darüber der Kirchenrat/das Presbyterium. Die meisten Kirchenräte werden sich auf ein Verfahren geeignet haben. Bei Beerdigungen geht es auch immer um Seelsorge an den Angehörigen. Von daher ist es schwierig, die Beerdigung eines Ausgetretenen abzulehnen, wenn die Angehörigen darum bitten.

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Welche Aufgaben hat ein Pastor/eine Pastorin und welche der Bestatter? Pastorin oder Pastor sind für die Gestaltung und Durchführung der Trauerfeier zuständig sowie für die Seelsorge der Hinterbliebenen vor und nach der Trauerfeier. Die Bestatter organisieren die Beerdigung und wissen auch, welche behördlichen Erledigungen notwendig sind. Muss ich bei einer Beerdigung schwarze Kleidung tragen? Schwarze Kleidung ist schon längst kein „Muss“ mehr bei Beerdigungen. Gerade in größeren Städten sieht man immer mehr Menschen, die in ganz normaler Kleidung an Beerdigungen teilnehmen. Zu bedenken ist: Mit der dunklen oder schwarzen Kleidung wird eine Trauerhaltung ausgedrückt.

Wie wird eine kirchliche Beerdigung vorbereitet? Die Angehörigen treffen sich mit der Pastorin/ dem Pastor und bereiten gemeinsam die Beerdigung vor. Wenn der Verstorbene selber Wünsche geäußert hat, etwa zu den Liedern oder zu den Bibeltexten, werden die natürlich berücksichtigt. Ansonsten verständigen sich Angehörige und Pastorin/Pastor über Lieder und Bibeltexte, die bei der Beerdigung vorkommen sollen. Außerdem schaut man gemeinsam auf das Leben des Verstorbenen zurück und verständigt sich über einen Rahmen der Traueransprache. Muss für die kirchliche Trauerfeier etwas bezahlt werden? Für eine kirchliche Trauerfeier muss nichts bezahlt werden, wenn der Verstorbene Mitglied in der Kirche war. War er kein Kirchenmitglied, dann kann es sein, dass Gemeinden einen Betrag für die Beerdigung nehmen. Für wen ist der Trauergottesdienst? Der Trauergottesdienst hat die zentrale Aufgabe, den Angehörigen und Freunden beim Abschiednehmen zu helfen. Dabei soll die Trauer nicht unterdrückt werden, vielmehr darf ihr Ausdruck verliehen werden. Wie verhalte ich mich Trauernden gegenüber? Vielen wird erst nach der Trauerfeier und den Behördengängen der Verlust eines Menschen richtig bewusst. Jetzt kann es wichtig sein, dass Sie signalisieren: Ihr könnt mit mir rechnen. Gut ist es auch, selber aktiv zu sein und bei den Trauernden vorbei zu schauen. Dabei: Schweigen Sie lieber und warten darauf, dass die Betroffenen erzählen. Vermeiden Sie Floskeln wie „Das Leben muss weiter gehen!“ Die einfache Frage: „Wie geht es dir?“ ist eine gute Frage. Achten Sie auf die Bedürfnisse der Trauernden. Jeder Mensch trauert auf unterschiedliche Weise und auch in ganz eigenem Zeitrahmen.

Am kleinen Ratgeber haben mitgewirkt: Matthias Lefers (Pastor in Neermorpolder), Thomas Fender (Pastor für Diakonie und Ökumene)


REFORMIERTES REISEZIEL

Museum für Sepulkralkultur Passend zum Thema dieser Ausgabe ist der Reisetipp, der diesmal <kein wirklich reformiertes Reiseziel beschreibt. In Kassel widmet sich ein ganzes Museum der Kultur des Todes, des Sterbens und Bestattens: das Museum für Sepulkralkultur. Der Begriff hat seinen Ursprung in dem lateinischen Wort sepulcrum, das Grab. Das in Deutschland einzigartige Museum zeigt in seiner ständigen Sammlung kulturhistorische und zeitgenössische Zeugnisse der Bestattungs-, Friedhofs- und Trauerkultur. Der Schwerpunkt liegt im deutschsprachigen Raum vom Mittelalter bis heute. Gezeigt werden aber auch Einblicke in andere Kulturen und deren Bestattungsriten. Zu der Schausammlung und den wechselnden Sonderausstellungen bietet das Museum verschiedenste Führungs- und Bildungsangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Am 6. Juni eröffnet die nächste Sonderausstellung „Post Mortem & Hinter den Kulissen der Rechtsmedizin“. Und wenn Sie mögen, können Sie anschließend die kleine, als Hugenottentempel erbaute Karlskirche in Kassels Innenstadt besuchen.

INFO Museum für Sepulkralkultur Weinbergstraße 25–27 34117 Kassel Tel: 0561 91893-0 info@sepulkralmuseum.de www.sepulkralmuseum.de Öffnungszeiten Dienstag 10 bis 17 Uhr Mittwoch 10 bis 20 Uhr Donnerstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr Fotos: Museum für Sepulkralkultur Kassel

Eintrittspreise 6 Euro, ermäßigt 4 Euro

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Fotos: 1. Hahn in Sargform, Ghana, 2003 2. Außenansicht Museum für Sepulkralkultur 3. Rindinger Kutsche, Holz lackiert, 19. Jh., Deutschland


PERSONEN

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Martin Engels aus Wuppertal ist neuer Moderator (Vorsitzender) des Reformierten Bundes. Die Hauptversammlung wählte den 34-jährigen Theologen der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die größte Herausforderung für den Reformierten Bund besteht Engels zufolge darin, das reformierte Profil innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) lebendig zu halten. Engels ist Nachfolger von Peter Bukowski. [1]

Peter Bukowski Er war 25 Jahre lang Inhaber des Ehrenamtes. Hauptberuflich ist der 65-Jährige noch bis 30. Oktober Direktor des Predigerseminars der Rheinischen, Westfälischen sowie Reformierten Kirche. [2]

Reinhard Sell, Pastor der Evangelisch-reformierten Gemeinden Northeim und Angerstein, ist am 31. Mai in den Ruhestand gegangen. Der 65-Jährige war fast 38 Jahre lang im Synodalverband Plesse tätig. Am 14. Juni wird er in einem Gottesdienst von seinen Gemeinden verabschiedet. Viele Jahre lang war Sell über die Gemeindearbeit hinaus im Finanzausschuss und in der Gesamtsynode aktiv.

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70er Jahren politisch bekannt durch sein Engagement für die DKP. Vor dem Studienabschluss als Theologe studierte er auch Soziologie und Pädagogik. Nach dem Ausscheiden aus dem Pfarramt will er eine mobile Beratungsstelle für Menschen in Konflikten und seelischen Notlagen gründen. Adelheid Kramer ist für die Evangelisch-reformierte Kirche Geschäftsführerin des 7. Ostfriesischen Kirchentags. Die 51-jährige Theologin aus Aurich ist zusammen mit ihrer lutherischen Kollegin Marion Steinmeier für die Organisation des größten Christentreffens der Region Ostfriesland zuständig. Der erste Ostfriesische Kirchentag fand 1992 in Aurich statt. Seitdem veranstalten ihn der Evangelisch-lutherische Sprengel Ostfriesland und die Evangelischreformierte Kirche alle vier Jahre. 2016 findet er erstmals in Rhauderfehn im südlichen Ostfriesland statt.

Karl-Wilhelm ter Horst, Pastor der evangelisch-reformierten Gemeinde Schüttorf, geht im Juni in den Ruhestand. Der 65-Jährige war dann 20 Jahre lang Pastor seiner Gemeinde. Ter Horst wurde in der Grafschaft Bentheim in den

Martin Engels (links) und Peter Bukowski

Adelheid Kramer (links) zusammen mit Marion Steinmeier

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Foto: Ulf Preuß

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Foto: Hannegreth Grundmann

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Foto: privat Foto: privat

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[4] Barbara Schenck, evangelisch-reformierte Theologin aus Rinteln, wird neue Referentin für Theologie und Öffentlichkeitsarbeit bei der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen mit Sitz in Hannover. Die 44-Jährige bleibt weiterhin beim Reformierten Bund für die Internetseite reformiert-info.de zuständig. Die Konföderation ist die Vertretung der fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen insbesondere gegenüber dem Land Niedersachsen.

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Pastor Frank Wessels vor dem schiefen Kirchturm

Foto: privat

Foto: privat

„Friesische Freiheit und die Reformation“ Über die Reformationszeit in Ostfriesland hat der pensionierte evangelischreformierte Theologe Paul Kluge ein kleines Buch vorgelegt. Unter dem Titel „Friesische Freiheit und die Reformation in Ost-Friesland“ berichtet er über die Zeit, als Johannes a Lasco im Nordwesten Deutschlands wirkte. Nach Angaben Kluges ist das Büchlein ideal für den Infotisch einer offenen Kirche oder fürs Reisehandgepäck. Das Buch erscheint im Verlag Heibers Schmöker Böker und kostet 3,95 Euro. [1]

ZDF dreht am schiefen Turm Das ZDF hat im Mai an der Alten Kirche Suurhusen umfangreiche Dreharbeiten für die Sendung „TerraXpress“ vorgenommen. Für die Sendereihe entstehen zur Zeit Sommerspecials mit dem Titel „Reise ins Spitzen-Deutschland 2015“. TerraX wird im ZDF am Sonntagabend um 18.30 Uhr ausgestrahlt. Der genaue Sendetermin steht noch nicht fest. Der Turm der Alten Kirche im ostfriesischen Suurhusen im Norden von Emden wird im Guinnessbuch der Rekorde als schiefster Turm der Welt geführt. [2]

Unterstützung für „Sea-Watch“ Vertreter des Borkumer „Forums für Flüchtlinge“ haben die Crew des für eine Flüchtlings-Hilfsaktion umgebauten Fischkutters „Sea-Watch“ unterstützt. Das Schiff machte im Mai während seiner Überführungsfahrt von Hamburg zum Mittelmeer im Borkumer Hafen fest. „Wir finden gut, was ihr macht, und möchten Euch gerne unterstützen“, sagte die evangelisch-reformierte Borkumer Pastorin Margrit Tuente für das Forum. Sie überreichte der Crew eine große Geldspende, die diese für Schiffsdiesel verwenden wird. Die Organisation „Sea-Watch“ um ihren Gründer Harald Höppner will durch die Veröffentlichung von Berichten und Bildmaterial das Schicksal der flüchtenden


AKTUELLES / IMPRESSUM

„Sea-Watch“ im Borkumer Hafen

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Die umgestürzte Buche im Pfarrgarten

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Foto: privat

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Foto: Holger von Stuckrad

arrangements

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Der Entwurf des Architektenbüros Florian Nagler

für bläser, chor, band und orgel ad lib.

Sein Lob wird euch entflam men

Psalmenmelo dien der Refo rmation popu für Bläser, Ban lär arrangiert d, Chor und Orge l ad lib. 17 arrangements eingespielt vom landesbläserense der evangelisch-re mble formierten Kirch e und gästen

Arrangiert von Michael Schütz in Zusammenarb eit mit Helga Hoog land

CD-Hülle „Sein Lob wird euch entflammen“ Grafik: Architektenbüro Florian Nagler

Menschen im Mittelmeer in die Öffentlichkeit rücken. Vordringliche Aufgabe der „Sea-Watch“, so verschiedene Medienberichte, sei es nicht, Flüchtlinge aus Seenot aufzunehmen. Als eine Art schwimmende Telefonzelle solle das Schiff Boote der Küstenwache und private Schiffe per Funk um Hilfe rufen. Große Aufmerksamkeit erlangte Schiffseigner Höppner, als er in der ARD-Sendung „Günther Jauch“ zu einer Schweigeminute für ertrunkene Flüchtlinge aufrief. [3]

Tornado über Bützow Der Tornado, der am 5. Mai in Bützow in Mecklenburg-Vorpommern große Zerstörungen anrichtete, hat auch umfangreiche Schäden an den Gebäuden der Evangelisch-reformierten Gemeinde Bützow verursacht. Personen wurden nicht verletzt. „Wir sind - Gott sei Dank - wohlbehalten und bewahrt geblieben“, berichtet Pastorin Christine Oberlin. Der Tornado verbunden mit einem schweren Gewitter beschädigte das Pfarrhaus am Dach, an den Fenstern und am Wintergarten. Betroffen sind auch der Carport, Autos und alles im Garten. Dort wurde eine große, 260 Jahre alte Blutbuche entwurzelt. Das Kirchengebäude der Reformierten Kirche am Ellernbruch weist Schäden am Giebel und am Dach auf. Zur Begleichung der Schäden und zur Unterstützung von Bedürftigen hat die Gemeinde ein Spendenkonto eingerichtet: Ev.-reformierte Kirchengemeinde Mecklenburg-Bützow, Stichwort „Tornado“ IBAN DE03 1406 1308 0000 0101 03, BIC: GENODEF 1 GUE [4]

St.-Martha-Kirche entsteht neu Ein Architektenwettbewerb hat über das Wiederaufbaukonzept der ausgebrannten St.-Martha-Kirche in Nürnberg entschieden. Das Presbyterium der Gemeinde entschied sich im April einmütig für den Entwurf eines Münchner Architekturbüros. Zuvor hatte bereits eine Jury aus Fachleuten und Gemeindevertretern dem gleichen

Büro den ersten Preis zugesprochen. Der Entwurf des Architekturbüros Florian Nagler gehe vorsichtig mit dem übriggebliebenen Mauer- und Tragwerk um und lassen dennoch einen neuen Raum entstehen, so Georg Rieger, der für die Kirchengemeinde den Wiederaufbau koordiniert. Inzwischen ist die Kirchengemeinde in die engere Planungsphase eingetreten, in der architektonische, statische, energietechnische und akustische Fragen geklärt werden müssen. Parallel dazu werden weiter die Schäden an den Säulen und Giebelwänden der Kirche untersucht und repariert. An dem Architektenwettbewerb hatten sich sieben Büros beteiligt. Deren Entwürfe zur Neuinterpretation des Kirchenschiffs hätten unterschiedlicher nicht sein können, so Georg Rieger. Von neugotischen Spitzbögen, lichtdurchfluteten Decken, selbsttragenden Holzkonstruktionen bis hin zu sehr pragmatischen und auch radikalen Lösungen sei alles vertreten gewesen. Die Gemeinde hatte bereits im Herbst in Workshops den Rahmen für einen Wiederaufbau der Kirche beschrieben. Wesentliche Maßgaben waren dabei mehr Flexibilität in der Nutzung und trotzdem eine Raumwirkung, die zum Verweilen einlädt. Daneben formulierte die Gemeinde hohe Anforderungen an die Musikalität. Fast genau vor einem Jahr, in der Nacht des 5. Juni 2014, zerstörte ein Brand im Dachstuhl die aus dem 14. Jahrhundert stammende Kirche. Mehr Informationen zum Wiederaufbau: www.stmartha.de [5] CD: Sein Lob wird euch entflammen Das Landesbläserensemble hat eine CD mit neu arrangierten Psalmenmelodien eingespielt. Auf der CD finden sich insgesamt 17 Psalmen der Reformationszeit modern arrangiert durch den Komponisten Michael Schütz. Dazu gibt es 17 Bonus-Tracks, die zeigen, wie die Lieder in Kombination mit Chor, Band und weiteren

Instrumenten in der Kirchenmusik eingesetzt werden können. An der CD-Aufnahme waren der Nordhorner Chor „capella cantorum“, der Kinderchor der Gemeinde Neuenhaus sowie verschiedene Soloinstrumentalisten beteiligt. Bereits im Herbst des vergangenen Jahres hatte Landesposaunenwartin Helga Hoogland sieben Notenhefte für unterschiedliche Instrumente mit den modern arrangierten Psalmenmelodien vorgelegt. „Die Lieder der Reformationszeit erhalten durch die Komposition Michael Schütz´ den Klang des 21. Jahrhunderts“, so Hoogland. Das Landesbläserensemble und die weiteren Musiker der CD-Aufnahme stellen die Lieder der CD am Sonntag, 28. Juni in einem öffentlichen Konzert in der Alten Kirche in Nordhorn vor. Bezug: www.reformiert.de/bestellshop

IMPRESSUM Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Redaktion: Ulf Preuß (verantwortlich), Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Herbert Sperber, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.projektpartner.info Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Brief an den Höchsten Rat der Evangelischen Kirchen in Syrien und dem Libanon

Solidarität mit Christen im Nahen Osten

POSITION

Die Evangelisch-reformierte Kirche hat sich in einem Schreiben der Solidarität an die Christen im Nahen Osten gewandt. In dem Brief an den Höchsten Rat der Evangelischen Kirchen in Syrien und dem Libanon heißt es: „Wir wollen Sie nicht vergessen!“ Der Brief ist eine Antwort auf einen Appell, den die evangelischen Kirchen in Syrien und im Libanon im Herbst des vergangenen Jahres an alle evangelischen Kirchen weltweit gerichtet hatten. In diesem „Urgent Appeal“ riefen die evangelischen Christen im Nahen Osten den Notstand aus und baten dringend um humanitäre Hilfe und politische Unterstützung. Ein völliges Verschwinden der Christen und ihrer Gemeinden aus dem Nahen und Mittleren Osten sei zu befürchten, hieß es. „Wir hören in diesem Appell an uns: ‚Geschwister im Glauben, unser Leben und unser Überleben ist bedroht!‘“ betonen Kirchenpräsident Martin Heimbucher und Präses Norbert Nordholt in dem Brief. Neben der Zusage der Solidarität fordern sie politische Initiativen zur Verbesserung der Situation der Christen in der Region. „Wir wollen es nicht zulassen, dass unsere Politiker angesichts anderer Brandherde in der Welt Ihr Schicksal aus den Augen verlieren.“

Konkret heißt es, dass den IS-Terroristen Nachschub und Finanzquellen entzogen werden müssten. Dazu gehörten der Handel mit Erdöl und Antiquitäten sowie das Geschäft mit Geiselnahmen. Gewaltbereiten islamistischen Fanatikern aus Europa solle die Einreise in den Nahen Osten verweigert werden können. Langfristig müssten Bildungseinrichtungen in der Region gefördert werden, die Kindern und Jugendlichen jeder sozialen und religiösen Herkunft offen stehen. In dem Brief unterstützt die Evangelisch-reformierte Kirche ausdrücklich die Bemühungen der Christen im Nahen Osten um ein friedliches Zusammenleben. „Mit großem Respekt nehmen wir wahr, dass es Ihnen in Ihrem Appell nicht allein um das Überleben der Christen und ihrer Gemeinden in der Region geht. Die Liebe Gottes treibt Sie (…) zu Ihrem gesellschaftlichen Engagement für ein verbindliches Zusammenleben mit Menschen anderen Glaubens.“ Als Zeichen der praktischen Solidarität beschloss die Evangelisch-reformierte Kirche bei ihrer Gesamtsynode, eine evangelische Schule in Aleppo, im Norden Syriens, mit 10.000 Euro zu unterstützen.

3 reformierte 2015  

Die Auseinandersetzung mit Fragen um Sterben und Tod beginnt oft ganz unvermutet: Weil ein Bekannter oder eine Nachbarin gestorben ist, weil...

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