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view Seite 12: Inter Ăśw mit Joachim L

reformiert Berichte

Ein Heft zur FuĂ&#x;ball-

und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

WM in Russland

3 reformiert 2018 201620Juni Juli August


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Seite 4: Silke Koopmann aus Groß-Midlum erzählt ihren Bibelvers.

Seite 6: Die Fußball-WM ist ein guter Anlass, auf ein unbekanntes Land Russland zu blicken.

Foto: Karlheinz Krämer

Seite 6-15 Die Kirchen im Land der Fußball-WM

Seite 10-13 Orthodoxie im Land der Fußball-WM

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Thema: Zur Fußball-WM in Russland

Seite 8 Evangelisch in St. Petersburg 1.000 Evangelische im Radius von 1.500 km

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Foto: fifg/shutterstock.com

Seite 14 Der weite Weg zum deutschen Fußball Nelly und Eduard Heilmann kamen aus Usbekistan nach Freren

Seite 4 Mein Bibelvers Seite 16 Wo winzige Kügelchen zum Aha-Erlebnis werden Die Glaubenskurse in der Gemeinde Schüttorf Seite 18 Personen / Aktuelles / Impressum Seite 20 „Um Gottes Willen“Ein Schritt für den Frieden Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Evangelisch-reformierte Kirche Stichwort: reformiert Sparkasse LeerWittmund IBAN: DE94 2855 0000 0000 9060 08 SWIFT-BIC: BRLADE21LER Spendenquittung wird zugesandt Titelbild: WM-Ball vor der Basilius-Kathedrale am Roten Platz in Moskau, Foto: fifg/shutterstock.com


Foto: E. Kryshanivskyi / sutterstock.com

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„Das Geheimnis des Fußballs ist ja der Ball.“

Foto: Ulf Preuß

Seite 12: Gottesdienst in einer orthodoxen Kirche. Seite 19: Gemeindewahl am 11. März: Mehr Menschen kamen zur Wahl.

Uwe Seeler

Liebe Leserin, lieber Leser, was ist eigentlich das Verbindende zwischen Fußball und Glauben? Ist es nicht das Dramatische? Es ist doch kein Zufall, dass in diesem Sport das religiöses Vokabular zu Hause ist. Im Fußball lassen sich Dramen erleben. Ein Tor ist wie eine „Erlösung“. Eine Mannschaft wird aufgefordert, wieder an sich zu „glauben“. Ein ganzes Stadion singt: „You never walk alone“. Irgendwer „rettet“ irgendwen in letzter Minute. Und auch in aussichtsloser Lage wird noch auf das „Wunder“ gehofft.

Da ist doch die Fußball-Weltmeisterschaft ein guter Anlass, genauer hinzugucken. Bei der Vorbereitung auf das Thema „Fußball und Russland“ ist mir dann schnell deutlich geworden, dass Russland als Land des Glaubens bei uns relativ unbekannt ist. So ist für Sie, wenn Sie nicht an Fußball interessiert sind, auch etwas dabei. Ich wünsche Ihnen eine dramatische Fußball-WM, tolle Spiele und wünsche mir, dass mal einer der Kleinen Weltmeister wird.

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Ihr

Ulf Preuß

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche


Er zog aber seine Straße fröhlich. (Apostelgeschichte 8,39)

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Dieser Vers ist bei meiner Familie schon seit Generationen ein beliebter Taufspruch. Wir haben ihn auch unserem Sohn für seinen Lebensweg mitgegeben. Mir gefallen der Gedanke und die damit verbundene Vorstellung besonders gut, dass da einer nach seiner Taufe fröhlich seines Weges zieht. Jemand, der von Herzen fröhlich, mit sich im Reinen und zufrieden ist, der fühlt sich wohl. Diese positive Grundhaltung ist eine gute Lebenseinstellung. Dabei verläuft der Weg auf meiner Straße nicht immer fröhlich. Aber es ist gut für mich zu wissen, dass Gott mich darauf begleitet und meine Familie auch: Dass Jesus uns an seiner Hand hält, er mit uns geht auf der Straße unseres Lebens und er uns nicht alleine lässt, was immer auch geschehen mag.


Mein Bibelvers Silke Koopmann, Landwirtin

Silke Koopmann, 46 Jahre, ist verheiratet mit einem Landwirt und hat zwei Kinder. Die gelernte hauswirtschafliche Betriebsleiterin bewirtschaftet mit ihrem Mann einen Milchviehbetrieb in der Gemeinde Hinte (Ostfriesland). In den Kirchengemeinden Groß Midlum und Freepsum gestaltet sie seit über 15 Jahren den Kindergottesdienst. Für den Synodalverband Nördliches Ostfriesland ist sie Beauftragte für die Kindergottesdienstarbeit und besucht einmal im Jahr die Mitgliederversammlung des Gesamtverbandes für Kindergottesdienst in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Foto: Karlheinz Krämer


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Die Kirchen im Land Zehn Themenseiten nicht nur für Fußbaalfans

Russland: Eishockey - 70 Jahre Kommunismus. Aber nicht Fußball und Kirche. Doch: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erlebte die orthodoxe Kirche im neu entstehenden Vielvölkerstaat Russland eine neue Blüte. Und auch den anderen Kirchen geht es heute besser. Die Fußball-WM im Lande Putins ist eine gute Gelegenheit, auf eine Seite eines Riesenlandes zu blicken, die nicht in unserem Blickwinkel ist. Und um Fußball geht´s auch.

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Foto: Dmitry Galaganov shutterstock.com

Die Kirchen heute Seit dem Niedergang der Sowjetunion erlebt die Russisch-Orthodoxe Kirche eine Renaissance. Damit verlief die Kirchenentwicklung nach dem Ende des Sozialismus dort ganz anders als im Gebiet der ehemaligen DDR. 100 Mill. Mitglieder zählt man heute in Russland, andere Schätzungen gehen

von noch mehr Kirchenmitgliedern aus. Fast 30.000 Kirchen sind wiedereröffnet worden, davon allein 5.000 zwischen 2009 und 2016. Mehrere große Kathedralen wurden wiederaufgebaut oder neu gebaut. 2010 verabschiedete das russische Parlament ein Gesetz zur Rückgabe von 1917

enteignetem Kircheneigentum. Die Anzahl der Diözesen stieg von 2009 bis 2016 von 159 auf 296. Seit 2009 ist Patriarch Kyrill I. Kirchenoberhaupt. Kritiker werfen ihm und seiner Kirche vor, Seite an Seite mit Präsident Putin zu agieren, der sich betont kirchennah präsentiert.


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der Fußball-WM

INFO Die Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau ist das größte russisch-orthodoxe Kirchengebäude. Sie steht am linken Ufer der Moskwa westlich des Kremls. Ursprünglich 1883 erbaut, wurde sie während der Stalin-Zeit 1931 zerstört und von 1995 bis 2000 originalgetreu wiederaufgebaut. Die Geschichte der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale begann im frühen 19. Jahrhundert. Anlass für ihren Bau war der Sieg Russlands über Napoleon im sogenannten Vaterländischen Krieg von 1812. Mit der Errichtung einer monumentalen Kathedrale, die in ihren Ausmaßen alle bisherigen russischen Kirchenbauten in den Schatten stellen sollte, wollte der damalige Zar Alexander I. die Dankbarkeit für den verlustreich errungenen Sieg ausdrücken und zugleich die Macht des russischen Kaiserreiches demonstrieren.

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Foto: Sergey Kelin shutterstock.com

Religionszugehörigkeit der 144 Millionen Einwohner Russlands

Foto: fifg shutterstock.com

20 Mill. ohne Religionszugehörigkeit 1,4 Mill. Evangelische

Quelle: Fischer Weltalmanach 2017

1,4 Mill. Katholiken

100 Mill. Orthodoxe

20 Mill. Muslime

1,4 Mill. Juden


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Evangelisch in St. Petersburg 1.000 Evangelische im Radius von 1.500 km Seit 2013 lebt Michael Schwarzkopf (56) in St. Petersburg. Er ist von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dorthin als Auslandspfarrer entsandt worden. In St. Petersburg ist er Propst der Nordwestregion der Evangelisch-lutherischen Kirche in Russland und Vertreter des Erzbischofs. Die Region mit den Städten St. Petersburg, Nowgorod, Archangelsk und Syktywkar, für die er zuständig ist, hat einen Radius von 1.500 km. Insgesamt wohnen dort 1.000 Evangelische. Wie lebt es sich als evangelischer Deutscher in St. Petersburg? Gut - nicht nur den evangelischen Deutschen geht es hier gut, sondern allen, die an oft wichtigen Stellen in deutschen Firmen hier arbeiten. Wie unterscheidet sich das Leben in einer evangelischen Gemeinde in Russland von einer Kirchengemeinde in Deutschland? Die evangelische Gemeinde ist hier eine kleine Minderheitsgemeinde, sie hält ihre Leute zusammen, fast alle kommen sonntags zum Gottesdienst - das Gemeindeleben ist für die Mitglieder sehr wichtig und identitätsstiftend. Welche Themen beschäftigen die evangelischen Russen?

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Neben dem Gemeindeleben ist das Berufsleben sehr wichtig - um sich in der großen Stadt zu behaupten, ist es wichtig, einen Beruf auszuüben, der die Lebensgrundlage sichert. Und die Kultur: St. Petersburg gilt als die Kulturhauptstadt Russlands - viele Gemeindeglieder nehmen sehr intensiv am Kulturleben der Stadt teil, das sich auch hier in der Petrikirche abspielt. Mit den Orgelkonzerten haben wir ein wichtiges kulturelles Angebot mitten in der City.

Evangelische kommen nach Russland Den evangelischen Glauben brachten deutsche Auswanderer ins Zarenreich. Bereits im 16. Jahrhundert kamen die ersten nach Russland, ab 1763 immer mehr. Den Kolonisten war von Katharina der Großen Glaubensfreiheit zugesichert worden. Von Anfang an siedelten überwiegend

Welche Rolle spielt für Ihre Kirchenmitglieder deren deutsche Herkunft heute? Vor allem als Erinnerung an die deutschen Vorfahren, auch an das, was sie Schweres erleben mussten. Unsere Gottesdienste sind zweisprachig - deutsche Sprache und Kultur werden in der Petrikirche gepflegt. In Deutschland agieren die Kirchen unabhängig vom Staat, wie ist das Verhältnis der Evangelischlutherischen Kirche in Russland zum russischen Staat? Das Verhältnis ist gut - zurzeit wird die Kirchenfassade der Petrikirche vom Staat renoviert, der das wertvolle Baudenkmal schützt. Der russische Staat steht in der Tradition konfessioneller Toleranz, die ja in St. Petersburg schon seit der Stadtgründung für die Zusammenarbeit von Menschen verschiedener Herkunft wichtig war. Die Mehrheit der Russen fühlt sich der orthodoxen Kirche angehörig, welche Rolle spielt Religiosität Ihrer Meinung nach im Alltag der Menschen? Religiosität spielt für die mehrheitlich traditionell orthodoxen Russen eine große Rolle. Nicht immer drückt sie sich im sonntäglichen Kirchgang aus viele religiöse Bräuche bestimmen das Leben. Jetzt noch zwei Fußballfragen: Gibt es in Ihren Gemeinden zur Fußball-WM ein Public-Viewing? Nein - die Public-Viewing-Zone ist 50 Meter von der Petrikirche entfernt, das ist der Vorteil unserer Lage im Stadtzentrum. Und zu welchem Team halten Sie bei der WM? Ich hoffe, dass die WM ein Fest des Sports wird, das zur Verständigung von Menschen aus vielen Ländern dient. So sehen es auch die Gemeindeglieder - natürlich sind bei uns die deutsche und die russische Mannschaft besonders im Blick.

evangelisch-lutherische Christen in Russland, 1897 gehörten 76 Prozent der Deutschen im Zarenreich der evangelisch-lutherischen Konfession an, 3,6 Prozent waren Reformierte. Pietistische Gruppierungen wie die Herrnhuter Brüdergemeine spielten eine bedeutende Rolle. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es

kaum noch Russlanddeutsche und lutherische Christen in der Sowjetunion. So wurden 1975 nur vier kleine Gemeinden mit zehn bis zwanzig Mitgliedern im Wolgagebiet genannt. Aber während und nach der Perestroika wurden zahlreiche Gemeinden in Städten neu gegründet, oft aus russlanddeutschen Kulturvereinen heraus.


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INFO Die St.-Petri-Kirche in Sankt Petersburg ist die größte lutherische Kirche Russlands, sie wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut. 1917, im Jahr der bolschewistischen Oktoberrevolution, verstaatlicht, diente die Kirche zu Sowjetzeiten ab 1962 als Schwimmbad. Das Schwimmbecken wurde im Zuge der Sanierung und Wiedereröffnung der Kirche in den 1990er Jahren im Gebäude belassen, der Kirchraum befindet sich jetzt über dem alten Betonbecken. Die Petrikirche ist heute Bischofskirche der Evangelisch-lutherischen Kirche in Russland, der Ukraine, in Kasachstan und Mittelasien. Informationen zur Gemeinde: www.petrikirche.ru/home-de/ Foto: Dezidor / wikimedia.commons

St. Petersburg ist mit fünf Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Russlands. Über 200 Jahre lang trug sie den heutigen Namen, von 1914 bis 1924 hieß sie Petrograd, von 1924 bis 1991 zu Ehren von Lenin, dem Gründer der Sowjetunion, Leningrad.

Das Krestowskij-Stadion in St. Petersburg wurde extra für die WM neu errichtet. Mit 930 Millionen Euro ist es das teuerste Stadion, es bietet Platz für 68.000 Besucher.

Foto: Kroshanosha / shutterstock.com

Die evangelische Kirche heute Auch in den Kirchengemeinden, die Pfarrer Schwarzkopf betreut, bilden meist Nachfahren von Russlanddeutschen, die kein Deutsch mehr sprechen, den Kern der Gemeinden. Es komme aber auch vor, dass Orthodoxe zur evangelischen Kirche übertreten, berichtet er.

Im Jahr 1999 wurde die Zahl der Gemeinden der Regionalkirche Europäisches Russland mit etwa 150 beziffert, von denen sich die größten Gemeinden in Sankt Petersburg, Kaliningrad und Wolgograd befinden. Organsiert sind die Evangelischen in Russland in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, der Uk-

raine, in Kasachstan und Mittelasien (ELKRAS). Sie zählte 2010 76.000 Mitglieder. Über evangelisch-reformierte Christen gibt es keine Angaben, zur Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen gehört keine russische Mitgliedskirche.


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Mehr als 1000 Jahre Staatskirche Gospodij pomilui (Herr erbarme dich!): Aus tausend Stimmen wogt der Gesang vor und zurück durch die Kirche. Die Schönheit der Liturgie war im Jahr 988 für Großfürst Wladimir I. entscheidend, auf griechische (orthodoxe) und nicht auf lateinische Art Christ zu werden. Gospodij pomilui 2018: Großmütterchen, aber auch junge Frauen, gleichermaßen mit Kopftuch, Männer mit kräftigen Arbeitshänden, bekreuzigen sich. Dicht gedrängt stehen sie, der Gesang wogt, die Kirche ist voll. Kerzen flackern vor goldenen Ikonen, die Priester hüllen alles in Weihrauchschwaden, stundenlang dauert die Liturgie. Dazwischen wuseln Kinder herum. Das Dreifaltigkeitskloster Sergiew Possad: 70 km vor Moskau, geistliches Zentrum der Russischen Orthodoxen Kirche. Selbst zu Sowjetzeiten pilgerten die Moskauer hierher. Jedenfalls, seitdem das Kloster 1946 wieder geöffnet wurde, als Stalin den Würgegriff sowjetischer Religionspolitik etwas lockerte.

1919 hatten die „Roten“ das Kloster geplündert und geschlossen, die Mönche vertrieben oder ermordet. Im ganzen Land zerstörte man die 1000jährige Staatskirche des Zarenreiches mit ungeheurer Wucht: 1936 waren in der UdSSR von mehr als 54.000 Kirchen noch etwa 100 in Betrieb, darunter kein einziges Kloster. Am Ende der Sowjetzeit „arbeiteten“ in der 10-Millionenstadt Moskau ganze 50 Kirchen, von den mehr als 1.000 Klöstern Russlands waren zwei in Betrieb. Was die Kommunisten vergaßen: Den Glauben geben in Russland meist die Großmütter weiter und sie halten daheim Andacht. Mit den Enkeln in der schönen Ecke der Wohnung, wo sich hinter einem Vorhang Ikonen und Kerzen verbergen. Wohl deswegen zünden heute dieselben Politiker, die früher als KP- oder KGB-Kader die Kirche verfolgten, Kerzen vor Fernsehkameras an. 70% der Russen bekennen sich heute als orthodox. Auch wenn sie nicht sonntags in die Kirche gehen. Von Steffen Tuschling

10 3 reformiert 2018 Foto: Marina Grigorivna / shutterstock.com Foto: Gansstock / shutterstock.com

Patriarch Kyrill I.

Partriarch Kyrill I. Kyrill I. ist seit dem 1. Februar 2009 Patriarch von Moskau und damit der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche. Zuvor war der 72-Jährige Erzbischof und Metropolit der Diözesen von Smolensk und Kaliningrad. Er wuchs in einer Leningrader Priesterfamilie auf. Sein Vater musste nach

Orthodoxer Gottesdienst in Rostov am Don

seinem Theologiestudium ab 1934 drei Jahre in einem Arbeitslager verbringen. Kyrill gilt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Vladimir Putin. Die Wiederwahl Putins im März nannte er einen „überzeugenden Sieg“. In einem Gratulationsschreiben

lobte Kyrill Putins „Zukunftsvision für Russland“, die einen friedlichen, souveränen Staat anstrebe und die Rechte und Freiheiten der Menschen garantiere.


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„In Russland eröffnen Registrierungsverfahren staatlichen Institutionen viele Eingriffsmöglichkeiten. Bereits im Bericht 2013 wurde darauf hingewiesen, dass eine Anti-Terror-Gesetzgebung zur Einschränkung der Religionsund Bekenntnisfreiheit genutzt wird.“ Ökumenischer Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit, EKD und Deutsche Bischofskonferenz, 2017

„Russland liegt in der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 148 von 180.“ Reporter ohne Grenzen, 2018

„Auch im Jahr 2016 führte die exzessive Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen zur Bekämpfung von Extremismus zu Verstößen gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung.“ Amnesty International, Jahresbericht 2017 über Russland

„Patriarch Kyrill bekräftigt die ‚heilige‘ Gemeinschaft mit den orthodoxen Geschwistern in der Ukraine, segnet aber Putins Ukrainepolitik ab. Die Russische Kirche ist wieder da. Die alte Symbiose zwischen Kirche und Staat wohl auch.“ Steffen Tuschling, Pastor der Evangelischreformierten Gemeinde Osnabrück und Beauftragter für den Dialog mit der orthodoxen Kirche

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Foto: Robert Kneschke / fotolia.com

Verteilung der 2,3 Milliarden Christen weltweit auf die Haupt-Konfessionen Quelle: epd, Schätzung; Atlas of Global Christianity 2010

86 Mill. Anglikaner

369 Mill. in unabhängigen Kirchen

1.155 Mill. Römisch-Katholische

274 Mill. Orthodoxe 419 Mill. Evangelische


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Orthodoxe Kirche und Bilder In jeder orthodoxen Kirche fällt die mächtige Ikonostase sofort auf: Eine Bilderwand mit einer mittleren, der königlichen Tür und zwei Seitentüren verschließt den Blick zum Altar, denn der Einzug Gottes ist unbegreiflich und mit den Augen nicht wahrnehmbar. Die Ikonostase und ebenso die Ikonen, das charakteristische Kennzeichen der orthodoxen Kirche, sind Ausdruck der Ehrfurcht vor der Gegenwart Gottes. Beide stehen nicht im Widerspruch zum Bilderverbot. Dies bezieht sich auf den unsichtbaren Vater. Da aber der Gottessohn Mensch geworden und sichtbar vor menschliche Augen und anfassbar für menschliche Hände getreten war, dürfen ihn auch menschliche Hände malen.

Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. Jürgen Wegmann

Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag. Ernst Happel

Es ist zwar Gequatsche, aber es bewahrheitet sich immer wieder: Es gibt einen Gott im Fußball.

Foto: BestPhotoPlus / shutterstock.com

Ikonostase in der Auferstehungskirche in St. Petersburg

Wir haben im richtigen Moment das Falsche gemacht.

Winfried Schäfer, Trainer

Ralf Rangnick als Trainer von Schalke 04

Diese Ruuudi-RuuudiRufe hat es früher nur für Uwe Seeler gegeben.

Foto: Ekaterina Bykova / shutterstock.com

Ikonenmalerei im Kloster Sergiew Possad

Gerd Rubenbauer, Moderator

14 Tage vor der WM - Interview mit Joachim Löw Welche Chancen rechnen Sie sich für unser Team in Russland aus? Rein rechnerisch nehmen 32 Mannschaften teil. Das bedeutet für jede Mannschaft im Durchschnitt eine Chance von 3,125 Prozent. Da aber aus geheimen Quellen zu erfahren war, dass die Mannschaft aus Marokko Probleme mit der russischen

Foto: irinK / shutterstock.com

Gastronomie hat und Costa Rica sowie Mexiko Probleme mit der Zeitverschiebung haben, würde ich durchaus mit über 3,5 Prozent rechnen.

Unparteiischen gerecht bleiben und unsere Jungs das machen, was ich für richtig halte, bin ich nur schwer aus der Ruhe zu bringen.

Bei welcher Aktion auf dem Rasen könnten Sie vor Wut explodieren? Ich bin von Haus aus ein ruhiger, ausgeglichener Mensch. So lange die

Und was katapultiert Sie vor Freude in die Höhe? Tore. Bevorzugt von der eigenen Mannschaft.


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Die Spaltung im 11. Jahrhundert Die orthodoxen Kirchen sind jene Kirchen, die in der östlichen Hälfte des Römischen Reiches entstanden sind oder von dort aus durch Mission gegründet wurden. Aufgrund des Entstehungsgebietes werden sie auch „Ostkirchen“ genannt. Nach jahrhundertelangem Streit um theologische, politische und kulturelle Fragen spaltete sich das Christentum im elften Jahrhundert endgültig in einen östlichen und einen westlichen Zweig. Die orthodoxe sowie die römisch-katholische Kirche entwickelten sich danach weitgehend unabhängig voneinander.

Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank!

Reformation 1517 Großes Schisma 1054

Anglikanische Tradition Römisch-katholisch Griechisch-Katholisch

Andreas Brehme

Östlich-orthodoxe Kirche

Das Geheimnis des Fußballs ist ja der Ball. Uwe Seeler

Evangelische Tradition

Die Wahrheit liegt auf dem Platz.

orthodox: aus dem Altgriechischen „orthos“ und „doxa“ – „aufrecht, richtig“ und „Verehrung, Glaube“ - also „die rechte Lehre Gottes“

Otto Rehhagel

Trainer reden zu viel über Taktik. Das beste System nützt nichts, wenn der Ball der größte Feind des Spielers ist.

Ikone: aus dem Altgriechischen „eikón“ - „das Bild“ oder „das Abbild“ 13

Hannes Löhr

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Joachim Löw, 53 Jahre, ist Mitglied der Kirchengemeinde in Hildesheim. Beruflich ist er mit der Planung und Realisierung von Prozessanlagen zur Herstellung von Käse beschäftigt. Gibt es einen Spieler, den Sie besonders bewundern? Hier muss ich passen: Ich bewundere alle Spieler gleichermaßen. Eine besondere Bewunderung empfinde ich aber denen gegenüber, die auf der Ersatzbank bleiben, nicht im Rampenlicht stehen, aber trotzdem Teil der Mannschaft sind.

Glauben Sie, ein Gebet vor dem Spiel hilft, und wie halten Sie es damit? Ein klares: Ja! Denn ich glaube grundsätzlich an Gebete! Sie bieten einen direkten Kontakt mit unserem Herrn. Sie können vieles bewirken: Liebe, Trost, Hoffnung und Erlösung. Ob das Gebet vor dem Spiel mehr hilft als das Gebet nach dem Spiel,

weiß ich allerdings nicht. Man soll die Kraft des Gebetes nicht unterschätzen! Und glücklich sein, wenn der Spielgegner auch betet! Werden Sie eigentlich auch Jogi genannt? Nur die, die mich nicht wirklich kennen, nennen mich Jogi.


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Der weite Weg zum Nelly und Eduard Heilmann

Foto: Maria Berentzen

Nelly und Eduard Heilmann in der Ausstellung im Kulturzentrum Alte Molkerei

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Wen feuert man eigentlich an, wenn man sein halbes Leben in einem anderen Land verbracht hat? Wenn Familie Heilmann Fußball schaut, ist klar: „Wir sind für Deutschland“, sagt Eduard Heilmann. Er und seine Frau Nelly, 62 und 60 Jahre alt, wohnen seit gut 30 Jahren in Freren. Bis 1989 haben sie mit ihren Söhnen in der ehemaligen Sowjetunion gelebt. „Ich war immer schon für Deutschland“, sagt Eduard Heilmann. „Schon als Kind habe ich versucht, die deutschen Spiele zu schauen.“ Er spielte selbst Fußball, erst auf der Straße, später dann beim Militär. „Ich wollte immer sehen, wenn Gerd Müller spielt“, sagt er. Doch das war in der Sowjetunion gar nicht so einfach: „Wir haben die Spiele heimlich geschaut und mit niemandem darüber gesprochen“, sagt er. „Niemand durfte wissen, dass wir für die Deutschen sind.“ Die sowjetische Propaganda ärgerte ihn. „Wenn die Sowjetunion einmal gut gespielt hat, dann war das tagelang in der Presse. Ansonsten wurde geschwiegen.“ So zum Beispiel beim EM-Finale 1972, als Deutschland gegen Russland siegte. „Als es 3:0 für Deutschland stand, fiel auf einmal die Übertragung aus. Angeblich wegen eines technischen Fehlers“, erinnert sich der 62-Jährige. „Es wurde danach nie über das Spiel berichtet. Es war, als hätte es niemals stattgefunden“, sagt er. „Das hat mich wirklich geärgert.“ Doch nicht nur seine Liebe für den deutschen Fußball musste Eduard Heilmann in der Sowjetunion geheim halten, um Repressionen zu entgehen. „Auch unsere Religion mussten wir im

Verborgenen ausüben“, sagt Nelly Heilmann, geborene Weiß. Beide Familien waren damals evangelisch-lutherisch, die Mutter von Eduard Heilmann Mennonitin. Doch wie kamen die Heilmanns als Deutsche überhaupt nach Russland? Ihre Vorfahren waren im 18. und 19. Jahrhundert aus Deutschland ausgewandert. Katharina die Große hatte 1763 in einem Manifest Ausländer angeworben und ihnen Land und Privilegien versprochen. „Unsere Vorfahren sind mit großer Hoffnung und einer Bibel im Gepäck ausgewandert“, sagt Nelly Heilmann. Im Lauf der Zeit schlug die Stimmung gegen die deutschen Siedler aber um. Sie verloren nach und nach ihre Privilegien. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, lebten rund 1,7 Millionen Deutsche in Russland. Ab 1915 wurden viele von ihnen enteignet und in Zwangsarbeitslager deportiert. Als Deutschland 1941 Russland angriff, verschlechterte sich die Lage weiter. Die verbliebenen Deutschen wurden zwangsumgesiedelt und oft ebenfalls in Straflager deportiert. Erst mit dem Tod Stalins 1953 und dem Besuch Adenauers 1955 verbesserte sich die Lage der Deutschen wieder etwas: Ab 1956 durften sie die Lager verlassen, aber nicht in ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete zurückkehren. Viele wanderten daraufhin in Gebiete wie das heutige Usbekistan oder Kasachstan aus. Dies ist auch die Geschichte der Familien Weiß und Heilmann. Nelly Heilmann hat sie in einer Ausstellung im Kulturzentrum Alte Molkerei in Freren öffentlich gemacht und zeigt dort Fotos, Karten und Stammbäume. Zuletzt lebte Familie Heilmann im heutigen Usbekistan. „Dort hatten wir etwas mehr Freiheiten“, sagt Nelly Heilmann. Die Familie stellte mehr als 20 Ausreiseanträge, 1989 schließlich durfte sie nach Deutschland ausreisen. „Es ist mir nicht leichtgefallen, die Geschichte meiner Familie so öffentlich zu zeigen“, sagt Nelly Heilmann, die als Musiklehrerin arbeitet. „Aber es war wichtig – auch für mich selbst.“ Als sie nach Deutschland kam, wusste Nelly Heilmann nicht so recht, wohin sie gehörte. „In Russland waren wir die Deutschen – und in Deutschland wurden wir plötzlich als Russen bezeichnet“, sagt Nelly Heilmann. Sie begann, ihre Familiengeschichte zu rekonstruieren, die sie bis dahin nicht kannte.


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deutschen Fußball kamen aus Usbekistan nach Freren Damals trat sie auch in die reformierte Kirche über. Im Ursprung war das ein Versehen. „Wir sind damals, als wir nach Deutschland gekommen sind, in Freren in die Kirche gegangen“, sagt Nelly Heilmann. „Dort haben wir uns sofort angenommen gefühlt.“ Erst später fand sie heraus, dass es sich dabei nicht um eine lutherische, sondern um eine reformierte Gemeinde handelt. „Wir haben uns lange damit beschäftigt, was evangelisch-reformiert eigentlich bedeutet“, sagt die 60-Jährige. Schließlich traten sie und ihr Mann über. „Dieser Schritt ist uns nicht leicht gefallen“, sagt Nelly Heilmann. „Aber wir haben uns in der reformierten Gemeinde einfach wohler gefühlt.“ Familie Heilmann ist angekommen in Deutschland. Davon zeugen nicht nur Diplome, Arbeitsstellen und Fotos von ihrem Haus und ihren erwachsenen Söhnen in der Ausstellung, sondern auch die Menschen, die Nelly Heilmann zuhören, wenn sie bei Führungen durch die Ausstellung ihre Geschichte erzählt.

Foto: privat

Familie Heilmann im Jahr 1982, damals lebte sie in Usbekistan

Die Karte zeigt die Lebenstationen der Familie Heilmann

Von Maria Berentzen

Archangelsk

Russland 1945 1948

Freren (Emsland)

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1943 Kiew

Deutschland

15

Kasachstan 1988/89

Taschkent Usbekistan


Wo winzige Kügelchen zum Aha Die Glaubenskurse „Stufen des Lebens“ sind in Schüttorf aus dem Dienstag, 18.30 Uhr, Gemeindehaus der Evangelisch-reformierten Gemeinde Schüttorf. Im Saal machen sich Gesine Groothues und Gisela Kalverkamp an die Arbeit. Eine Stunde Vorlauf gestehen sie sich zu, dann werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum vierten und letzten Abend des Glaubenskurses „Stufen des Lebens“ eintreffen.

Intensive Gespräche in kleinen Gruppen lassen auch Verschüttetes und Verdrängtes aufsteigen.

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Die beiden Kursleiterinnen haben eine Decke auf den Boden gelegt und verteilen darauf eine Schicht Mutterboden. Zum Schluss arrangieren sie auf diesem Beet etliche bunte Tütchen mit Sämereien. Ein Bodenbild – sichtbares und mit Händen zu greifendes Zentrum eines solchen Glaubenskurses – entsteht und wird sich im Laufe des Abends noch deutlich verändern. Stühle werden im Kreis aufgestellt, Textblätter und Liederhefte verteilt. Aus der Küche werden Gebäck und Thermoskannen mit Tee geholt. Eine kleine Gaumenfreude für die Pause – später. Und dann trudeln die Teilnehmer ein. 16 sollten es sein, nicht alle können heute kommen. So nimmt ein gutes Dutzend Personen auf den Stühlen Platz. Es ist eine typische Gruppe: weit überwiegend Frauen, aber immerhin auch zwei Männer. Alle „Ü30“. Die Begrüßung fällt herzlichfamiliär aus. Die schönen Blumen und die bunten Tütchen ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Die zertifizierten Kursleiterinnen Gesine Groothues (pensionierte Lehrerin) und Gisela Kal-

verkamp (Familienfrau und Erzieherin) geleiten gemeinsam durch den Abend. Innerhalb des Gesamtthemas „Dem Leben auf der Spur“ steht diese Einheit unter der Überschrift „Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn“. Das Gleichnis aus Matthäus 13 bildet den Keim für alles, was in der Runde gelesen, gesungen, gesprochen, gebetet und bedacht wird. In immer wieder neuer Perspektive wird das Bibelwort befragt. Die Teilnehmer setzen ihr eigenes Leben in Bezug zum Keimen, Wachsen und Großwerden: aus der Finsternis ans Licht, aus der Tiefe in die Höhe, aus der Kälte in die Wärme. Lebenserfahrung begegnet Glaubensinhalten. Das Wort nimmt Gestalt an, die man sehen und berühren kann. Gesine Groothues hat winzige schwarze Kügelchen mitgebracht – die Samenkörner des schwarzen Senfs, wie er den Menschen im Nahen Osten vertraut ist. Ein Aha-Erlebnis. Jetzt verstehen die Menschen aus der Grafschaft Bentheim, die die viel größeren Samen des gelben Senfs kennen, warum im Gleichnis vom „kleinsten aller Samenkörner“ die Rede ist. Aus ihnen wachsen stattliche Pflanzen, zwei bis drei Meter hoch, bei denen man sich sehr wohl vorstellen kann, dass die Vögel in ihren Zweigen wohnen. Etwas später werden die Teilnehmer die schwarzen Kügelchen auf einer „Ackerboden“-Karte an die Stelle „aussäen“, an der sie zuvor geschrieben haben, wo sie sich Wachstum in ihrem eigenen Leben wünschen. In der Zwischenzeit durfte


- Erlebnis werden Gemeindeaufbau nicht wegzudenken sich jede(r) ein Samentütchen aussuchen und sagen, warum sie (er) sich gerade für das Hornveilchen oder für die Schwarzwurzel entschieden hat. Auf dem dunklen Mutterboden hat eine grün und gelb leuchtende Pflanze ihre großen Papierblätter entfaltet. Einer nach der anderen wendet ein Blatt um und liest den Spruch auf dessen Unterseite vor. So entsteht ein dichtes Geflecht von Wünschen, Zusagen und Segensworten. Schon zum 18. Mal fand der Kurs in Schüttorf statt. Und es gibt Teilnehmer, die wie „StufenJunkie“ Hans-Ludwig Weusman keinen ausgelassen haben. Die Treue erklärt sich daraus, dass es 17 unterschiedliche Themenstellungen, also immer wieder neue Erlebnisse gibt. Vor allem aber finden sich hier Menschen zusammen, die die offene, persönliche Atmosphäre dieses absolut kostenfreien und undogmatischen Angebots zu schätzen wissen. Hier passiert keine Fortbildung, muss kein Lernpensum bewältigt werden. „Dass man mit so viel Kreativität die Bibeltexte für alle Sinne erfahrbar macht“, findet Elke Hüseman beglückend. „Lebensnah“ lautet das Stichwort, das immer wieder zu hören ist. „Ich schätze an dem Kurs, dass ich offen und in einer Atmosphäre der Geborgenheit auch über Dinge sprechen kann, die mich bedrücken“, resümiert Hannelore Langner ihre Erfahrungen. Von Andreas Krzok Gisela Kalverkamp fügt der Pflanze im Bodenbild neue Blätter hinzu.

Fotos: Andreas Krzok

An den Schüttorfer Kursleiterinnen Gisela Kalverkamp und Gesine Groothues (rechts) schätzen die Teilnehmer Feingefühl und einen großen Erfahrungsschatz.

INFO „Stufen des Lebens“-Kurse werden an vielen Orten, in vielen Gemeinden angeboten. Vom baden-württembergischen Willsbach aus hat sich diese Einstiegshilfe in den christlichen Glauben schneeballartig verbreitet. Die Stiftung „Pflanzschule Willsbach“ sorgt für Koordination, Kursmaterialien, Ausbildung und Zertifizierung der Kursleiter(innen). Informationen: www.stufendeslebens.de. Dort sind auch alle Termine aufgeführt.

Im Zentrum jeder Kurseinheit steht ein Bodenbild. Wenn es ums Gleichnis vom Senfkorn geht, stellt sich die Frage: Wer entscheidet sich für welches Samentütchen?


PERSONEN

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Gerhard Wilmink aus Brandlecht (Grafschaft Bentheim) spielt seit 70 Jahren im Posaunenchor seiner Gemeinde. Vor kurzem feierte sie dieses seltene Jubiläum im Gottesdienst. Landesposaunenwartin Helga Hoogland übergab dem 83-Jährigen eine Urkunde. Wilminks älterer Bruder spielte schon im Posaunenchor, als sein Vater sagte: „Ich wünsche mir, dass meine beiden Jungs hier in der Kirche blasen.“ Daraufhin bekam Wilmink 1948 als 14-Jähriger ein Flügelhorn zum Geburtstag. [2]

Günter Baum, Pastor der Kirchengemeinde Osnabrück, geht Ende Juni in den Ruhestand. Seine Gemeinde hat den 65-Jährigen bereits im Mai verabschiedet. Kurz darauf machte sich Baum zu einer viermonatigen Solowanderung auf. Der gebürtige Coburger war 32 Jahre Pastor in Osnabrück. Sein besonderes Interesse galt der ökumenischen Zusammenarbeit auf lokaler und internationaler Ebene. So war Baum einige Jahre Vorsitzender der Norddeutschen Mission (Bremen) und viele Jahre Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Osnabrück.

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Klaus Bröhenhorst, Pastor der Kirchengemeinde Hildesheim, ist Ende April in den Ruhestand gegangen. Der 66-Jährige war dann fast 38 Jahre Pastor der Gemeinde. Auch sein Vikariat absolvierte er schon dort. Bis 2015 war Bröhenhorst viele Jahre Präses des Synodalverbands X, bis zuletzt prüfte er angehende Pastorinnen und Pastoren im theologischen Examen. An der Universität Hildesheim war er viele Jahre als Lehrbeauftragter tätig. Christoph Fechner, Pastor der Kirchengemeinde Ihrenerfeld (Ostfriesland), ist seit Ende April im Ruhestand. Der 65-jährige Theologe war 38 Jahre in seiner Gemeinde tätig. Der gebürtige Bückeburger studierte Theologie in Bethel, Münster und Göttingen. 1980 wählte ihn die Gemeinde Ihrenerfeld zu ihrem Pastor. [4] Marius Lange van Ravenswaay, Pastor der Kirchengemeinde Neermoorpolder (Ostfriesland), ist zum Ende des Monats März in den Ruhestand gegangen. Er war 31 Jahre in seiner Gemeinde tätig. In den letzten acht Jahren war er zugleich mit halber Stelle wissenschaftlicher Leiter der Johannes a Lasco Bibliothek in Emden, sein Vertrag dort endete im Oktober 2017. [3]

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Foto: Stefan Konjer

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Foto: privat

Foto: privat

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Foto: Ulf Preuß

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Neues Liederbuch für Bläser Die Bläserarbeit der Evangelisch-reformierten Kirche hat das Liederbuch „Die Standmusiken“ veröffentlicht. Sie sind ein „Bläserheft für jeden Posaunenchor und viele Anlässe“, so Landesposaunenwartin Helga Hoogland. Posaunenchöre trügen nachhaltig zur Lebendigkeit der Kirche nach innen und außen bei. Sie transportierten Glaube, Liebe und Hoffnung, wo immer sie spielen, betont Hoogland. Sie wünsche sich, dass das neue Liederbuch die Herzen der Zuhörenden ebenso wie das der Musizierenden berühre und sie so in ihrer Motivation bestärke. In der musikalischen Sammlung sind mehr als sechzig Komponisten und Arrangeure in 18 Rubriken vertreten. Die Titel lüden auch besonders zum Musizieren außerhalb der Kirchenmauern ein. Das Heft kostet 14,90 Euro. Bestellungen: www.reformiert.de/materialversand.html [2]

Beschäftigung von Nicht-Christen In der Evangelisch-reformierten Kirche können zukünftig auch Angehörige anderer Religionen oder Konfessionslose beschäftigt werden. Ende April verabschiedete die Gesamtsynode ein entsprechendes Gesetz. Damit schaffe die Reformierte Kirche die Voraussetzungen, dass die Auflagen des Europäischen Gerichtshofes zum kirchlichen Arbeitsrecht erfüllt werden können, sagte der leitende Jurist, Vizepräsident Helge Johr. Der EuGH hatte kurz zuvor entschieden, dass „objektiv“ ein direkter Zusammenhang zwischen der Konfession und der Tätigkeit bestehen müsse, wenn die Kirchenmitgliedschaft als Voraussetzung für die Arbeit in einer kirchlichen Einrichtung gefordert werde. Dies müsse im Einzelfall zudem gerichtlich überprüfbar sein, urteilten die Richter in Luxemburg. Bereits vor zwei Jahren hatte die Gesamtsynode über das kirchliche Arbeitsrecht beraten und sich damals für eine Öffnung ausgesprochen, die die Beschäftigung von nicht-christlichen Mitarbeitern ermögliche. Insbesondere von Seiten der Diakonie war dies gefordert worden. Im neuen Gesetz gelte weiterhin der Grundsatz, dass Stellen in der Verkündigung, der Seelsorge und der Bildung nur mit evangelisch-reformierten oder anderen evangelischen Bewerbern besetzt werden können, sagte Johr. Neu sei, dass in anderen Arbeitsfeldern nun auch Kandidaten anderer Glaubensrichtung oder Konfessionslose angestellt werden könnten. Die Entscheidung liege im Ermessen der Einrichtungen. 40 Jahre psychologische Beratung Die Evangelische Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen Leer hat ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert. Durch das Jubiläumsprogramm zog sich der Arbeitsschwerpunkt der Beratungsstelle: Paare: Liebe - Krise - Partnerschaft. „Wir wollten mit dem Programm deutlich machen, dass Krisen in den Beziehungen zwischen Men-


A ktuelles

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Foto: privat

Sie waren die ersten, die das neue Liederbuch einsetzten.

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Foto: Ulf Preuß

Vizepräsident Helge Johr

KONFI KONFICAMP CAMP MÖLLENBECK

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Foto: Ulf Preuß

Stimmabgabe in der Gemeinde Leer-Loga

MÖLLENBECK 2019 DA GEHÖR ICH HIN

schen zum Leben dazugehören“, betonte Ute Schulewski, Leiterin der Beratungsstelle. So nahm auch der Prediger im Festgottesdienst, Arend de Vries, Geistlicher Vizepräsident der Evangelisch-lutherischen Kirche Hannovers, das Thema auf. Die Evangelische Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen wird getragen von den evangelisch-lutherischen Kirchenkreisen Emden-Leer und Rhauderfehn, dem evangelisch-reformierten Synodalverband Südliches Ostfriesland und den Kirchengemeinden der Region. [3]

Wahlbeteiligung steigt An den Wahlen in den Kirchengemeinden der Evangelisch-reformierten Kirche im März haben etwas mehr Menschen teilgenommen als bei der letzten Wahl. Nach Auszählung aller Ergebnisse aus den 145 Kirchengemeinden stieg die Wahlbeteiligung auf 14,9 Prozent. Das ist ein leicht höherer Wert als 2012 und 2015. Erwartungsgemäß lag die Wahlbeteiligung in den Städten deutlich niedriger als in den Kirchengemeinden auf dem Land. So konnte die Kirchengemeinde in Laar in der Grafschaft Bentheim ihr schon beeindruckendes Ergebnis von 2012 noch einmal verbessern. Die Wahlbeteiligung stieg von 55,6 auf 58,7 Prozent. In der Kirchengemeinde in Nordhorn wählten 8,9 Prozent der Wahlberechtigten, in Hamburg sieben und in Emden 5,2 Prozent. In Pilsum in Ostfriesland gaben 33,2 Prozent ihre Stimme ab. Erstmals wählten bei dieser Kirchenwahl alle evangelischen Kirchengemeinden in Niedersachsen ihre Leitungsgremien an einem gemeinsamen Termin neu. Dabei mussten die evangelisch-lutherischen Landeskirchen Hannover, Brauschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe einen Rückgang der Beteiligung um rund drei Prozent hinnehmen.

Korrektur: Termin KonfiCamp In der letzten Ausgabe von „reformiert“ wurde das KonfiCamp mit einem falschen Datum angekündigt. Richtiges Datum für das KonfiCamp im Sommer 2019: 9. bis 13. August Entscheidung über Feiertag im Juni Im Juni wird der niedersächsische Landtag entscheiden, ob der Reformationstag am 31. Oktober zum allgemeinen Feiertag wird. Mitte Mai hatte das Landeskabinett entschieden, einen entsprechenden Gesetzentwurf einzubringen. Im Diskussionsprozess über die Pläne der Landesregierung hatten sich besonders katholische und jüdische Vertreter kritisch geäußert. Eine Entscheidung des Landes für den 31. Oktober wäre „eine Belastung und ein Affront“ für das christlich-jüdische Verhältnis, sagte der Präsident des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden, Michael Fürst. Er wies mehrfach auf die judenfeindlichen Ausfälle des Reformators Martin Luther (1483-1546) hin. Vertreter der evangelischen Kirchen hatten sich überwiegend für den Feiertag ausgesprochen, so auch Kirchenpräsident Martin Heimbucher. „Das Reformationsjubiläum 2017 hat auch im Verhältnis der evangelischen Kirche zum Judentum eine neue Qualität möglich gemacht“, sagte er. Er hob den Anspruch der Reformation hervor, dass Kirche sich beständig weiterentwickeln müsse. Dazu gehöre eine beständige Bekämpfung und Überwindung des Antisemitismus. Der Reformationstag solle Heimbucher zufolge die ökumenische Verbundenheit zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche und zu den orthodoxen Kirchen und den Freikirchen befördern. Keinesfalls dürfe der Feiertag zu einer Selbstfeier des Protestantismus oder gar eine „Lutherfeier“ werden.

Zurzeit spricht alles dafür, dass der Vorschlag für den 31. Oktober im Landtag eine Mehrheit findet. Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein haben den Reformationstag bereits zum gesetzlichen Feiertag erklärt, auch in Bremen steht eine solche Entscheidung bevor.

IMPRESSUM Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Redaktion: Ulf Preuß (verantwortlich), Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Mitarbeit an dieser Ausgabe: Klaus Bröhenhorst Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Herbert Sperber, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: dpp - Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.dpp-leer.de Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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„Um Gottes Willen“ Eine Schrift für den Frieden

Evangelisch-reformierte Kirche

„Wir brauchen heute eine neue Diskussion zum kirchlichen Engagement für den Frieden“, sagte Kirchenpräsident Martin Heimbucher vor der Gesamtsynode der Evangelisch-reformierten Kirche im April.

Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

„Das scheinbar unaufhaltsam weitergehende Morden in Syrien raubt uns den Atem. Auch in Europa haben sich in den letzten Jahren Tendenzen der Friedlosigkeit verstärkt. Das Zusammenleben von Gruppen, Staaten und Völkern ist in vielfältiger Weise gestört und bedroht.“

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Die Evangelisch-reformierte Kirche wolle darum eine Diskussion im öffentlichen Raum führen. Dazu sei das Diskussionspapier im Ausschuss für Friedensarbeit entstanden. Es rege an zum politisch-theologischen Nachdenken. „Wie können wir in unserer Kirche und unseren Gemeinden den Frieden Gottes bezeugen und den Frieden unter den Menschen fördern?“

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Um Gottes Willen

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? Nach den Sommerferien wird die Evangelisch-reformierte Kirche am Sonntag, 9. September in der Friedensstadt Osnabrück einen Friedensgottesdienst feiern. Dazu gibt es einen Gottesdienstentwurf, der in allen Kirchengemeinden verwendet werden kann.

Ein Diskussionspapier April 2018

Das Diskussionspapier „Um Gottes Willen“ kann auch online bestellt werden: www.reformiert.de/materialversand.html

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