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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

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Neue Rubrik „Mein Bibelvers“: Achim van Remmerden stellt seine liebste Bibelstelle vor

Das Theater Osnabrück spielt in der Jugendkirche Osnabrück „Alles was wir glauben mussten“

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Frei-Zeiten Seite 4 Mein Bibelvers Seite 6 Anpfiff für Fairplay Anja Klimm ist Frauenfußball-Schiedsrichterin und Teamerin beim KonfiCup

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Foto: Reinhold Meppelink

Seite 18 Personen / Aktuelles / Impressum Seite 20 Position Kirchenasyl aus dem Wahlkampf halten

Seite 10 Die Weserpiraten Rintelner Schlauchbootfreizeit mit großer Tradition und dem Koch Max Seite 12 Was glaubt ihr denn? Jugendkirche, Moschee und Synagoge werden zur Theaterbühne Seite 14 Leipzig empfängt die Welt Stadt und Kirchengemeinde als Gastgeber der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen

Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Evangelisch-reformierte Kirche Stichwort: reformiert Sparkasse LeerWittmund IBAN: DE94 2855 0000 0000 9060 08 SWIFT-BIC: BRLADE21LER Spendenquittung wird zugesandt Foto Titelseite: Die Sommerfreizeit „Weserpiraten“/Gemeinde Rinteln

Foto: Uwe Lewandowski


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Foto: Gemeinde Leipzig

Liebe Leserin, lieber Leser, Freizeit, freie Zeit, ich bin frei und habe Zeit – ganz unterschiedlich lassen sich diese beiden Wörter kombinieren. Immer transportieren sie ein positives Lebensgefühl. Viele Geschichten in dieser Ausgabe drehen sich um diese Begriffe: • Anja Klimm ist in ihrer Freizeit erfolgreiche Fußballschiedsrichterin, sie spielt in ihrer Freizeit Orgel, und sie begleitet junge Menschen im Sommer beim KonfiCamp in Wittenberg. • Wenn Sie den Bericht über die „Weserpiraten“, die Sommerfreizeit der Gemeinde Rinteln, lesen, möchten Sie sicher gern im nächsten Jahr mit dabei sein.

• Das Theater in Osnabrück hat junge Menschen gewinnen können, drei Weltreligionen auf einer Theaterbühne sich begegnen zu lassen – in ihrer Freizeit.

Foto: Ulf Preuß

Die Weltversammlung der Reformierten trifft sich ab dem 29. Juni in Leipzig Im Emder Hafen eröffnet im Juni die Ausstellung „Ich bin fremd gewesen. 500 Jahre Reformation – 500 Jahre Migration“

• In der Gemeinde Leipzig steht ein großes Ereignis bevor: Viele Gemeindeglieder verplanen ihre freie Zeit im Sommer für die Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen. Ich wünsche Ihnen für diesen Sommer, dass Sie Ihre Freizeit genießen können und freie Zeit für eine interessante Lektüre finden.

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Ihr Ulf Preuß

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche


Mein Bibelvers Achim van Remmerden, Kriminalhauptkommissar

„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6,2)

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Achim van Remmerden ist 61 Jahre alt und wohnt in Nordhorn. Er ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Seit 45 Jahren ist er im Polizeidienst, seit 2004 Pressesprecher der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim in Lingen.


„Seit 1977 begleitet mich dieser Vers durch mein Leben. Im Traugespräch erzählte Pastor Ako Haarbeck mir und meiner Frau, wie das Motto des 17. Evangelischen Kirchentages in Berlin ‚Einer trage des andern Last‘ dargestellt wurde. Am Kurfürstendamm hielten zwei große Baukräne rechts und links der Fahrbahn ein Banner mit dem Bibelspruch und ließen ihn beeindruckend plastisch werden. Wir haben uns dann für diesen Bibelspruch als Trauspruch entschieden. In seiner Predigt am 13. August 1977 legte Ako Haarbeck ihn aus: ‚Ich habe euch zu dieser Trauung ein kleines Tier mitgebracht - es krabbelt noch in meiner Tasche - ein Wappentier sozusagen. Und das wird euch an diese Stunde erinnern und an diesen Satz: Einer trage des andern Last‘, so Haarbeck. Es war kein Adler, kein Stier, auch kein Löwe - es waren zwei kleine Esel, die er uns schenkte und die uns seit dieser Zeit an unseren Bibelspruch erinnern. ‚Die Esel werden euch daran erinnern: Einer trage des andern Last. Verheiratet sein heißt nebenbei nicht nur, dass man immerzu tragen und ertragen muss. Denn das Glück in der Ehe ist, dass man weiß, da ist ein Mensch, der nimmt mich wie ich bin; der liebt mich wie ich bin; der trägt mich wie ich bin und erträgt mich wie ich bin. Und dass ihr das voneinander wisst, dass ihr eben nicht nur in den fröhlichen Stunden - wo alles sehr leicht und heiter scheint - sondern auch in der Mühsal des Tages, in den Belastungen, zueinandersteht‘, führte Pastor Haarbeck weiter aus. Die Esel stehen übrigens noch immer bei uns in einem Regal in der Küche. Bis heute haben wir uns an diesen Bibelspruch gehalten. Deshalb ist er mein Lieblingsvers in der Bibel.“

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Foto: Gerold Meppelink


Foto: Karlheinz Krämer

Anja Klimm auf dem Fußballplatz in Jemgum

KonfiCamp in Wittenberg

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on: Daniel Leyv

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Rund 325 Jugendliche aus den evangelischreformierten Gemeinden fahren im Sommer nach Wittenberg. Unter dem Motto „trust and try“ nehmen sie am KonfiCamp zum Reformationsjubiläum teil. Das KonfiCamp ist neben der Weltausstellung der Reformation und dem Festwochenende vom 28. Mai eins der großen Projekte in der Lutherstadt im Jahr 2017. Vom 14. Juni bis zum 18. Juni sind 275 Reformierte zusammen mit Jugendlichen aus der Bremischen und Oldenburgischen Kirche dabei, noch einmal 50 reisen vom 19. bis 23. Juli nach Wittenberg.

In dem von de m Künstler Yad egar Asisi ges „LUTHER 1517 talteten 360°“ wird Wittenb Riesenrundbild erg zur Zeit de r Reformation lebendig. Luther und

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Anpfiff für Fairplay Anja Klimm ist Frauenfußball-Schiedsrichterin und Teamerin beim Konfi-Cup Das Hobby zum Beruf zu machen – das gelingt nur in Ausnahmefällen. Und noch seltener gleich im Doppelpack wie bei Anja Klimm. Sie hatte schon als Kind erkannt, wofür ihr Herz schlägt: Als Zehnjährige begann sie, Orgelunterricht zu nehmen, etwa zur gleichen Zeit entdeckte sie ihre Leidenschaft für den Fußballsport. Seit vielen Jahren ist sie nicht nur als Organistin, sondern auch als Jugendbetreuerin ihrer Kirchengemeinde eng verbunden. Im Moment schreibt die Lehramtsstudentin ihre Masterarbeit und wird danach – natürlich – Religion und Sport unterrichten. Ein dicker Ordner liegt auf dem Esstisch in der hellen Wohnung im Stadtzentrum von Leer. Nein, kein Lernstoff für die Masterarbeit. Lachend schüttelt Anja Klimm den Kopf. „Das sind die Unterlagen für das Konfi-Camp. Da ist noch reichlich zu tun.“ Das Konfi-Camp in Wittenberg, das im Rahmen des Reformationsjubiläums stattfindet, ist eine bundesweite Aktion. Als Teamerin wird Anja Klimm in diesem Sommer Jugendliche aus

Das Thema

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ihrer Gemeinde dorthin begleiten. Die Masterarbeit komme da im Moment ein bisschen kurz. „Aber ich bin gut in der Zeit, das klappt auf jeden Fall“, versichert die 25-Jährige. Wer sie erlebt, hat daran keinen Zweifel. Anja Klimm wirkt zielstrebig, ohne verbissen zu sein, energisch, aber mit Charme. Gute Voraussetzungen für den Job als Lehrerin, aber auch für ihr Ehrenamt als Schiedsrichterin. Da mischt sie mittlerweile ganz oben mit: Sie pfeift bei den Spielen der 2. Frauenbundesliga, steht als Assistentin auch in der 1. Bundesliga der Frauen am Spielfeldrand, ebenso bei Spielen der Herren-Oberliga. „Ich bin in einer fußballbegeisterten Familie aufgewachsen, da war es selbstverständlich, auf dem Rasen zu stehen“, erzählt sie. Vier ihrer Geschwister und der Vater sind im Fußball als Spieler oder Schiri aktiv. Dass viele ihrer Kolleginnen und Kollegen das Handtuch – respektive die Pfeife – werfen, kann sie allerdings nachvollziehen. „Es ist schon hart, was wir uns manchmal anhören müssen. Auch Attacken gegen die Schiedsrichter sind

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„trust and try“ – Vertrauen und Mut sind theologische Herzstücke der Reformation. Auch in der Gegenwart spielen diese Stichworte eine Rolle im alltäglichen Leben. Das KonfiCamp soll den Konfirmandinnen und Konfirmanden die Gelegenheit bieten, sich mit diesen Stichworten auseinanderzusetzen. Die Jugendlichen erhalten die Chance, sich neuen Herausforderungen zu stellen und diese gemeinschaftlich zu lösen, um so das Leben vielfältig kennenzulernen und zu prüfen. Die Tage sind geprägt von Workshops in Gruppen, aber auch von Tagesausflügen, wie etwa einer Tour zur Weltausstellung Reformation.

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mittlerweile normal. Es scheint überhaupt nicht mehr selbstverständlich zu sein, Entscheidungen einfach anzuerkennen.“ Die Arbeit im Team und der Anspruch, Fairness in einem Spiel zu gewährleisten, sind der Anreiz für Anja Klimm, dennoch dabei zu bleiben. Fairness, Teamwork – das sind auch die Stichworte für ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in ihrer Kirchengemeinde in Ditzum in Ostfriesland, der sie trotz ihres Umzugs nach Leer und dem Studium in Hannover treu geblieben ist. Regelmäßig begleitet sie die jährliche Konfirmanden-Freizeit auf Borkum. „Ich arbeite gern mit Kindern und Jugendlichen, und ich finde es toll, wenn ich sie motivieren kann, später selbst als Betreuer mitzumachen“, sagt sie. Als Teamerin beim Konfi-Camp in Wittenberg dabei zu sein, ist für Anja Klimm ein besonderes Highlight. Vom 19. bis 23. Juli fährt sie mit weiteren Betreuern und acht Konfirmanden aus Ditzum in die Lutherstadt, wo den ganzen Sommer über mehrtägige Camps für Konfirmanden und ältere Jugendliche stattfinden. Vorab werden die Begleiter in mehreren Fortbildungen und Workshops fit gemacht für die Veranstaltung im Rahmen des Reformationsjah-

res. „Es gibt ein fest umrissenes Programm für die Konfis“, erklärt Anja Klimm. „In Form eines Camps kann man Themen ganz spannend und intensiv rüberbringen – das ist für mich auch im Hinblick auf den Lehrerberuf natürlich interessant.“ Nicht nur als Begleiterin auf Freizeiten, auch als Organistin ist sie ihrer Gemeinde nach wie vor verbunden. „Den Gottesdienst am Sonntag schaffe ich allerdings nur selten – da stehe ich meistens auf dem Fußballplatz. Aber Hochzeiten und Beerdigungen beispielsweise begleite ich noch oft auf der Orgel.“ Und wenn sie ihre Eltern in Ditzum besucht, ist ein Abstecher zur bald 900 Jahre alten Dorfkirche fast immer eingeplant. „Ich liebe die Ruhe dort außerhalb des Gottesdienstes. Und gerade im Sommer sind oft Besucher da, die Urlaub in Ostfriesland machen und es genießen, dem Orgelspiel zuzuhören.“ Die Chancen, dass Anja Klimm ihrer Gemeinde erhalten bleibt, stehen gut: Im Februar 2018 will sie ihr Referendariat beginnen – wenn es klappt, gern in Ostfriesland.

Warum eigentlich in Wittenberg?

Das KonfiCamp in Zahlen

Von Anke Brockmeyer

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In der Lutherstadt Wittenberg soll der Reformator am 31. Oktober 1517 seine Thesen an die Tür der Schlosskirche genagelt haben. Das Ereignis ist zwar umstritten, dennoch gilt Wittenberg als jener Ort, von dem aus die Reformation ins ganze Land getragen wurde. Zum 500. Reformationsjubiläum steht Wittenberg somit im Zentrum der Feierlichkeiten.

Vom 31. Mai bis 10. September werden insgesamt elf KonfiCamps ausgerichtet. Die Veranstalter planen mit bis zu 1.500 Jugendlichen pro Woche – das wären 16.500 junge Menschen, die sich in der Zeltstadt in Wittenberg begegnen, miteinander Neues kennenlernen und feiern. Jede Gruppe bringt eigene Teamerinnen und Teamer mit, weitere Ehrenamtliche sind mit der Gesamtorganisation betraut. Zu jedem Dorf gehören zehn Zelte: Neun von ihnen sind fest installierte und voll ausgestattete Schlafzelte für bis zu zwölf Personen, eines dient als Treffpunkt zum gemeinsamen Arbeiten und Essen. Die Zeltdörfer verfügen auch über Sanitär- und Versorgungsbereiche.


Foto: Karlheinz Krämer

Was findet hier noch statt? Bereits ab dem 20. Mai ist in Wittenberg die „Weltausstellung Reformation“ geöffnet. Kirchen aus aller Welt, internationale Organisationen, Initiativen und viele Kulturschaffende präsentieren bis zum 10. September ihre aktuelle Sicht auf die Reformation. Ein umfangreiches Programm wird auf großen und kleinen Bühnen in der Stadt geboten; auf Podien und in Veranstaltungszelten wird zu Diskussionen, Debatten, Sessions und vielem anderen eingeladen. Das Lutherhaus, der Luthergarten, das Melanchthonhaus, das Panorama LUTHER 1517 von Yadegar Asisi, die Schlosskirche und noch mehr laden ein, die Spuren der Reformationszeit zu verfolgen.

Mit „denkbar. Der Laden“ ist die Evangelisch-reformierte Kirche gemeinsam mit der Bremischen Evangelischen Kirche und der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg direkt in Wittenberg vertreten. Der ehemalige Friseursalon im Zentrum der Stadt lade ein zum Nachdenken über Reformation gestern und heute, zu Fragen über Gott und die Welt und zur Diskussion über Kirche und Glauben, so der evangelischreformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher. Alle Informationen zum Reformationssommer: www.r2017.org

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Foto: Jens Schulze


Fotos: Gemeinde Rinteln

Mit den Weserpiraten unterwegs Rintelner Schlauchbootfreizeit mit großer Tradition und dem Koch Max Die Weserpiraten auf der Weser kurz vor dem Anlegen in Rinteln.

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Was ist entscheidend, damit die Schlauchbootfahrt gelingen kann? Das Wetter – natürlich. Die Gemeinschaft an Bord – selbstverständlich. Doch wenn das Essen nicht schmeckt, schlägt das kolossal auf die Stimmung. Damit hat der Koch eine große Verantwortung für das Gelingen der Weserfahrt. Und seit 49 Jahren heißt der Koch der Weserpiraten Michael Wethmüller. Max, wie ihn seine Freunde nennen. Auch bei seiner 50. Fahrt in diesem Jahr wird er als Smutje an Bord gehen. Er hat viele Kommandanten erlebt, die Pastoren der reformierten Gemeinde Carl Herlyn, Hartmut Gabriel, Martin Hausmann, Karl Friedrich Ulrichs und aktuell Heiko Buitkamp. Angefangen hat Wethmüller als ganz normaler Schlauchbootfahrer, als Konfirmand mit zwölf Jahren. Für Nachkriegskinder war die Schlauchbootfahrt fast so etwas wie eine Therapie, die Chance mal etwas anderes zu erleben als den tristen Alltag. „Mir hat es von Anfang an Spaß gemacht“, sagt er. „Bis auf das Essen.“ Das Essen bei seiner ersten Fahrt war so schlecht, dass er sich entschloss, entweder nicht mehr mitzufahren, oder künftig selber zu kochen. Wethmüller sagt heute, dass

die Erfahrungen auf der Schlauchbootfahrt entscheidend dafür waren, dass er Koch geworden ist. 1969 begann er seine Kochausbildung. Seine Eltern hatten ein Hotel, in dem er mitarbeitete und das er später übernahm. Wenn man Wethmüller heute fragt, warum er später als Heranwachsender bei den Weserfahrten dabei geblieben ist, sagt er kurz und pointiert: „Die Mädels.“ Auf der Schlauchbootfahrt hat er auch seine künftige Frau Heike kennengelernt. Und nicht nur er. Zahlreiche Ehen in Rinteln sind auf der Weser angebahnt worden. Auf den Schlauchbooten sind Freundschaften fürs Leben geschlossen worden. Kochen auf einer Schlauchbootfahrt ist aus mehreren Gründen eine Herausforderung: Die Kochutensilien müssen in Kisten passen. „Ganz am Anfang“, erzählt Wethmüller, „haben wir Holz gesammelt, Feuer gemacht, ein Dreibein aufgestellt und einen Topf drangehängt.“ Ab den 70er Jahren wurde es dann moderner. Doch auch heute hat er nicht mehr als zwei Gasflammen, wenn auch auf einem Profi-Herd für zwei 40-Liter-Töpfe. Sein Konzept ist: Die Schlauchbootfahrer müssen satt werden und das Essen muss schmecken.


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Mittellandkanal

Die Fahrt in diesem Jahr beginnt am 25. Juni mit dem Klarmachen der Boote. Nach dem Gottesdienst am Sonntag, 26. Juni treffen sich die Weserpiraten zum gemeinsamen Essen und reisen dann mit der Bahn zum Start in Hann. Münden. Die Boote und das Material fahren mit dem Lkw. Nach der Ankunft am 6. Juli steht noch das Reinigen der Boote am 7. Juli auf dem Programm. An Bord der Boote sind 30 Teilnehmer, darunter sieben Teamer. Für die Planung für 2018: Die Schlauchbootfreizeit beginnt immer am ersten Sonntag in den Ferien.

Minden

Weser

ANKUNFT Rinteln Mi. 5.7.

Hameln Mi. 5.7.

www.rinteln.reformiert.de

Bodenwerder Di. 4.7.

Der Smutje Max, Michael Wethmüller

Mittags gibt es nur Brote und abends, nach einem Tag auf dem Wasser, haben die Piraten einen Mordshunger. Wethmüller hat längst ein Repertoire möglicher Rezepte, die man unter diesen Umständen zaubern kann, wie Pasta in jeder Form, Linsensuppe, Königsberger Klopse und verschiedene Salate. Zum Frühstück schwört er auf einen großen Topf Haferschleim, Porridge nennen es die Engländer. Etwa zehn Liter Milch braucht er dazu jeden Morgen. Am ersten Tag schauen die meisten noch ziemlich skeptisch auf ihren Haferbrei, am zweiten holen viele einen zweiten Teller und am dritten Tag ist der Topf immer leer. Am Ende der Fahrt fragen die Teilnehmer nach dem Rezept: Wie macht man das? Doch zu Hause wird es nie so schmecken wie auf der Fahrt. Wethmüller ist inzwischen 64 Jahre alt. Aufhören? „Kann ich mir nicht vorstellen, da würde mir was fehlen.“

Polle So. 2.7.

Höxter Sa. 1.7.

Bad Karlshafen 29.6.

11 Weißehütten Di. 27.6.

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START Hann. Münden So. 25.6.

Von Heiko Buitkamp

Kassel


Was glaubt ihr denn? Jugendkirche, Moschee und Synagoge werden zur Theaterbühne Religionen geben Antworten auf Fragen nach dem Lebenssinn. Doch wie viele Religionen gibt es? Wie viele Konfessionen und individuelle Glaubenssätze? Und wie lebt es sich mit solcher Vielfalt? In einem Theaterprojekt in Osnabrück suchten Jugendliche nach Antworten. Aufführungsorte waren im Mai eine Synagoge, eine Moschee und die evangelisch-reformierte Jugendkirche.

Szenen aus dem Stück „Doorways“ in der türkischen Moschee

Die Bühne in der evangelisch-reformierten Jugendkirche in Osnabrück gehört zehn jungen Menschen. Mit dabei sind Christen und Atheisten, Zweifler, Juden und Unentschlossene, Esoteriker und Muslime. Die Darsteller des Jugendclubs Mania des Osnabrücker Theaters haben unsortiert dort Aufstellung genommen, wo früher einmal Kirchenbänke in Reih und Glied standen. Sie werfen Sätze in den Raum. Es geht um Glauben, den einen Gott, jüdische Erziehung und Moral, um Träume, Gebete fünf Mal am Tag, Meditation und Macht. Alle gemeinsam sollen sich auf die Suche machen nach einem Plan für das friedliche Zusammenleben der drei großen Weltreligionen. Das Stück „Alles was wir glauben mussten“ ist Teil des Projektes „Urban Prayers“, zu dem noch zwei weitere Stücke gehören, alle gespielt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das Osnabrücker Theater ist damit bewusst an Orte

Fotos: Uwe Lewandowski/Theater Osnabrück

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gegangen, an denen Menschen beten und ihren Glauben praktizieren: eine Kirche, eine Moschee, eine Synagoge. „Wir wollen einen Beitrag zum friedlichen Miteinander der Religionen leisten“, betont Spielleiter Dietz-Ulrich von Czettritz. Gerade die Städte seien in den vergangenen Jahren immer mehr zu Orten religiöser Vielfalt geworden. Da sei es wichtig, dass jeder lerne, den Glauben des anderen zu akzeptieren, ohne von seinen eigenen Überzeugungen Abstand nehmen zu müssen. „Wir möchten Begegnungen und Diskussionen über alle scheinbaren Grenzen und Unterschiede hinweg anregen.“ Grundlage der Osnabrücker Stücke ist der Text „Was glaubt ihr denn - Urban Prayers“ des freien Autors und Regisseurs Björn Bicker. Er hat deutschlandweit Menschen über ihren Glauben und ihr religiöses Leben befragt. Die Antworten hat Bicker zu einem sehr dichten Text zusammengefasst, der bereits in München und bei der RuhrTriennale aufgeführt wurde. Die jungen Osnabrücker Schauspieler haben zusätzlich ihre eigenen Erfahrungen und Ergebnisse aus Gesprächen in die Arbeit eingebracht, betont von Czettritz. „Das Interesse und die Offenheit gegenüber dem Projekt war in allen drei Gemeinden sehr groß.“ Philipp Eifler, Jugendreferent der reformierten Gemeinde, will das Thema


in seine Arbeit mit einbeziehen. „Es ist gut, wenn wir Fragen nach dem, was jeder glaubt, offen zulassen.“ Auch Hüseyin Celik, Gemeindevorstand der Yeni-Camii-Gemeinde, sieht das Projekt positiv. Die türkische Moschee ist ein altes Lagerhaus in der Nähe des Bahnhofs. Er hat dem Theater gerne den Gemeindesaal zur Verfügung gestellt. Mehrere Monate haben die Mitglieder des Studentenclubs für ihr Stück „Doorways“ geprobt. „Kein Problem“, sagt Celik. „Wir haben viel Platz.“ Zum Freitagsgebet gehen die Männer ohnehin in den Gebetsraum ein Stockwerk höher. Die Gemeinde präsentiert sich gerne offen: „Gerade in einer Zeit, in der man uns mit viel Unverständnis und auch Vorurteilen begegnet, gibt uns das die Chance, endlich mal positive Werbung zu machen“, sagt der Inhaber einer Fahrschule mit Blick auf die Konflikte um das Referendum in der Türkei. Auf der Bühne verhandelt unterdessen ein Dutzend junger Menschen darüber, ob es sich lohnt, Türen zu öffnen, Perspektiven zu wechseln und den wahren Glauben, die echte Freiheit zu suchen. Osman Aktintürk ist einer der wenigen Muslime unter den Zuschauern: „Es ist das erste Mal, dass ich für ein Theaterstück eine Moschee besuche“, räumt der islamische Theologe lachend ein und fügt hinzu: „Aber es ist eine Bereicherung

für eine Stadt, wenn durch ein solches Projekt Begegnungen und Diskussionen über Religionen ermöglicht werden.“ Regisseur Simon Klösener und die Darsteller haben die Unentschiedenheit bewusst gewählt. „Es gibt so wahnsinnig viele Sichtweisen auch innerhalb einer Religion oder Konfession“, sagt Klösener und fügt hinzu: „Jeder soll selbst entscheiden, welche Tür er öffnen möchte.“ In der Synagoge hat der Jugendclub Amigos Bandidos mit „Nach Babel - und noch weiter“ eben diese Frage aufgegriffen und weitergeführt. Teilnehmer einer fiktiven Glaubenskonferenz streiten darüber, ob unterschiedliche Glaubensrichtungen sich gegenseitig ausschließen oder ob es Spuren von Gemeinsamkeiten gibt. Auch hier bleibt es dem Publikum am Ende nicht erspart, sich selbst eine Meinung zu bilden. Für die Laien-Schauspielerin Antonia Großmann ist das Projekt ein besonderes Experiment. Die Tochter einer Pastorin ist in der Jugendkirche konfirmiert worden. Jetzt ist die 18-Jährige in die Rolle der Atheistin geschlüpft. „Ja, das habe sie sich ganz bewusst so ausgesucht“, sagt sie: „Ich wollte mal erleben, wie es ist, den eigenen Glauben in Frage zu stellen.“ Von Martina Schwager

Szenen aus dem Stück „Alles was wir glauben mussten“ in der Jugendkirche

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Leipzig Stadt und Kirchengemeinde „Lebendiger Gott, erneuere und verwandle uns“ - unter diesem Motto kommt vom 29. Juni bis 7. Juli in Leipzig die Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) zusammen. Die rund 800 Delegierten aus mehr als 200 Kirchen in aller Welt tagen im Kongresszentrum am Stadtrand – doch auch in der Stadt soll das Treffen sichtbar werden, besonders in der Evangelisch Reformierten Kirche zu Leipzig. Die Gemeinde bereitet sich auf einen großen Willkommensabend vor, auf Gottesdienste, Andachten, ein Psalmenkonzert mit alter und neuer Musik und ein Besucherprogramm, bei dem die Gäste die Stadt Leipzig und ihre Geschichte kennenlernen. Im Jahr des Reformationsjubiläums haben der Reformierte Bund, die Evangelisch-reformierte Kirche und die Lippische Landeskirche die Generalversammlung nach Deutschland eingeladen. Alle sieben Jahre kommt das höchste beschlussfassende Organ der Gemeinschaft zusammen.

Foto: Gemeinde Leipzig

Banner an der Wand der reformierten Kirche am Tröndlinring in Leipzig

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Nicole Sieck ist als Gemeindeglied engagiert im Besucherprogramm. „Dass mit der Generalversammlung etwas ganz Besonderes kommt, spürt man in der Gemeinde. Auch Außenstehende finden es spannend, wenn ich davon erzähle. Zunächst hatte ich nicht geplant, eine ganze Woche Urlaub dafür zu nehmen, aber letztlich möchte ich dann doch so viel wie möglich dabei sein - vor allem mit dem Geist, ohne ständiges Umschalten im Kopf, um alles auch in Ruhe wirken lassen und aufnehmen zu können.“

Thomas Borst gehört zum Konsistorium (Presbyterium) der Gemeinde und hält als Lektor auch Predigten. Beruflich managt er ein Hotel, in dem ein Teil der Konferenzteilnehmer untergebracht sein wird. „Es ist für uns als Leipziger Gemeinde – und auch für die Stadt Leipzig – ja nichts Neues, dass man Gäste aus der ganzen Welt beherbergt; aber aus 100 verschieden Nationen und dann auch alles Christen - in einem Land, wo nur noch 15 Prozent der Menschen einer christlichen Konfession angehören – ist eine große Chance, eine Herausforderung, und auch eine große Freude.“


empfängt die Welt als Gastgeber der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen 2010 tagte es in Grand Rapids in den USA, damals schlossen sich der Reformierte Weltbund und der kleinere Reformierte Ökumenische Rat zusammen. 2013 verlegte die Weltgemeinschaft aus finanziellen Gründen ihren Sitz von Genf nach Hannover. Zum Schluss der letzten Generalversammlung benannte der damals frisch gewählte Präsident, der Südafrikaner Jerry Pillay, drei Aufgaben: Die Gemeinschaft solle die reformierten Kirchen untereinander stärken und Einigkeit im Glauben finden, wo die Kirchen sich noch unterscheiden. Außerdem gehöre es zum Verständnis der Reformierten, sich für eine bessere Welt einzusetzen. Auch auf der Tagesordnung der Leipziger Weltversammlung finden sich diese Themen wieder und werden sicher in die zu erwartende Abschlusserklärung einfließen. Spannung verspricht die Teilnahme von Delegierten der Reformierten Kirche in Nordkorea. Vorgesehen ist, dass sich die Generalversammlung zum Thema Frieden in der Region Korea äußert.

Kantorin Christiane Bräutigam gehört zum internationalen Gottesdienstausschuss, der die zahlreichen Gottesdienste für die Versammlung plant. Zwei gemeinsame Konferenzen in Leipzig und Michigan (USA) gehörten zur Vorbereitung, dazu viele Skype-Besprechungen. „Ich habe mich mit Pfarrern und Kirchenmusikern aus allen Ländern und Kontinenten ausgetauscht und dabei mit verschiedenen Traditionen von Kirchenmusik und gelebtem Glauben beschäftigt. Unser Kirchenchor hat die Ehre, dass er das große Festkonzert gestalten kann. Dafür beschäftigen wir uns mit moderner Musik – für uns ist es ganz spannend, dass wir eine Uraufführung singen, in der neuvertonte Psalmen interpretiert werden. Eine ganz einmalige Sache!“

Zur Eröffnung am 29. Juni in der Leipziger Nikolaikirche kommt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Haupttagungsort für die Versammlung ist das Messegelände, wo jeder Tag mit einem gemeinsamen Gottesdienst oder einer Bibelarbeit eröffnet wird. Vorgesehen sind zwei Exkursionen: Am Sonntag, 2. Juli nehmen die Delegierten in Berlin an einem ZDF-Fernsehgottesdienst im Dom zum Thema der Tagung teil und treffen später im Außenministerium Außenminister Sigmar Gabriel und Botschafter aus den Teilnehmerländern. Die Weltausstellung Reformation in Wittenberg steht am 5. Juli auf dem Programm, dort feiert die Weltgemeinschaft zusammen mit dem Lutherischen Weltbund einen Gottesdienst mit einem Bekenntnis zur Einheit der Christen. Von Friederike Ursprung und Ulf Preuß

Christoph Nuck ist neben seinem Theologiestudium als Hausmeister und Küster tätig: „Ich freue ich mich auf die vielen Begegnungen und Themen, bin gespannt auf die verschiedenen Ausprägungen der reformierten Kirchen in der ganzen Welt. So sind die Reformierten in Deutschland eine Minderheit, aber weltweit gibt es viel mehr als zum Beispiel Lutheraner. Ich frage mich: Warum nehmen viele Delegierte einen so weiten Weg auf sich? Was erwarten sie hier? Außerdem wäre es schön, wenn wir in der Gemeinschaft ein wenig Gott begegnen könnten.“

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Zahlen zur Weltgemeinschaft:

Staat: Anzahl Reformierte (Anzahl Bevölkerung) Indonesien: 7,6 Mio (257,6 Mio) Indien: 6,4 Mio (1,311 Mrd) USA: 3,8 Mio (321,4 Mio) Südafrika: 3,7 Mio (54,9 Mio) Süd-Korea: 3,4 Mio (51,5 Mio) Nigeria: 3,2 Mio (182,2 Mio) Kenia: 3,1 Mio (46,8 Mio) Kamerun: 3 Mio (24,4 Mio) Äthiopien: 2,8 Mio (99,4 Mio) Madagaskar: 2,5 Mio (24,3 Mio) ...

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Uta-Beate Mutz, Mitarbeiterin für Diakonie und Öffentlichkeitsarbeit in der Gemeinde. „Die Weltkonferenz wird auf der Messe stattfinden. Aber sie kommen auch in unsere Kirche. Sich darauf vorzubereiten ist eine spannende Angelegenheit. Auf die Leute zuzugehen, wird nicht einfach werden, aber wir wollen gastfreundlich sein und den Gästen etwas zeigen, von unserer Geschichte erzählen. Ich hoffe, dass sich das an dem Willkommensabend ergibt.“

Diakoniehelferin Helga Tilitzki überlegt, ob sich genug Helfer finden. Gute Erinnerungen hat sie noch an eine Gemeindefahrt zur WGRK, damals noch nach Genf. Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihr, dass bei Andachten viele Menschen aus vielen Ländern jeweils in ihrer Sprache die Lieder gesungen haben.


80 Millionen reformierte Christen aus 225 Mitgliedskirchen in 105 Ländern

Legende: Länder mit Mitgliedskirchen der WGRK sind gelb eingefärbt. Die statistischen Angaben geben die Anzahl der Kirchenmitglieder aus den Mitgliedskirchen der WGRK an, daneben kann es weitere reformierte und presbyterianische Christen geben. China ist hellgelb eingefärbt, da die Reformierte Kirche Chinas nur Gastmitglied in der WGRK ist. Zu ihr gehören 16 Millionen Reformierte bei einer Gesamtbevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen. (Quelle: WGKR und Wikipedia)

Reunion: 650 (835.000) Algerien: 500 (40,4 Mio) Senegal: 250 (14,3 Mio) Slowenien: 200 (2 Mio) Lettland: 40 (2 Mio)

Schweiz: 2,3 Mio (8,3 Mio) Sambia: 2,1 Mio (14,5 Mio) Niederlande 1,9 Mio (17 Mio) Deutschland: 361.000 (82,2 Mio) …

I N fo Theologiestudentin Lisa Jacobs wird als Steward beim General Council mitwirken. „Bereits bei der Anmeldung zum Helfen war alles größer, digitaler, weiter und formaler: Formulare auf Englisch, Delegierte von überall her, Vorbereitungen, die nicht erst seit gestern laufen! Die Vorfreude auf das, was für mich die Evangelisch-reformierte Kirche immer wieder ausmacht: Der Blick über den eigenen Tellerrand des Süppchens, das zu Hause gekocht wird.“

Für Interessierte ist es möglich, an der Weltversammlung teilzunehmen. Die Leipziger Gemeinde und die Weltgemeinschaft haben dazu ein Besucherprogramm entwickelt, das den Besuch einzelner Tage, die Teilnahme an den Exkursionen oder am Gesamtprogramm möglich macht. Die Kosten liegen zwischen 15 Euro für eine Tageskarte (50 Euro mit Verpflegung) und 155 Euro für das Gesamtprogramm (470 Euro mit Verpflegung). Informationen zum Besucherprogramm und zur Generalversammlung: www.wcrc.ch/de/gc2017


PERSONEN

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Steffen Tuschling, Pastor der Gemeinde Osnabrück, ist zukünftig bei der Evangelisch-reformierten Kirche für die Kontakte zu den orthodoxen Kirchen zuständig. Der 47-Jährige lernte bei mehreren Studienaufenthalten und Gemeindereisen nach Rumänien den orthodoxen Glauben kennen und schätzen. Über die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Osnabrück gibt es intensiven Kontakt zu Orthodoxen. „Es ist faszinierend, Fremdheit und Nähe zu entdecken“, sagt er. Tuschling steht auch anderen Gemeinden als Gesprächspartner zur Verfügung. [2]

Sabine Dreßler wird neue Referentin für Menschenrechte, Migration und Integration bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die 54-jährige Theologin wechselt am 1. August vom Reformierten Bund in das Kirchenamt der EKD. Ihr neues Aufgabengebiet dort ist in den Hauptabteilungen Öffentliche Verantwortung sowie Ökumene und Auslandsarbeit angesiedelt. Zur Zeit ist Sabine Dreßler noch beim Reformierten Bund für die Ökumenearbeit zuständig und wird von dieser Stelle aus noch die Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen vom 29. Juni bis 7. Juli 2017 begleiten.

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promovierte und habilitierte Theologe leitete von 1988 bis 1999 das reformierte Predigerseminar in Wuppertal-Elberfeld. Viele heute noch aktive Pastorinnen und Pastoren der Evangelisch-reformierten Kirche wurden von ihm ausgebildet. Nach seiner Pensionierung 1999 zog Mechels nach Westoverledingen-Ihrhove. In seiner neuen Heimat Ostfriesland übernahm er zahlreiche Predigtvertretungen, gern gehört waren auch seine Predigten auf Platt. Helmut Bruns ist Ende April in der Evangelisch-reformierten Gemeinde Wolfsburg als Ältestenprediger ordiniert worden. Damit hat die Gemeinde nun wieder einen eigenen Seelsorger, der alle Amtshandlungen durchführen kann. Der 58-jährige Sozialpädagoge ist bereits seit 15. Januar mit einer halben Stelle als Diakon mit pastoralen Aufgaben in der Gemeinde beschäftigt. Mit einer zweiten halben Stelle bleibt Bruns Jugendreferent im Synodalverband X. [4]

Eberhard Mechels, ehemaliger Leiter des Predigerseminars in Wuppertal, ist tot. Mechels starb am 18. April im Alter von 80 Jahren in einem Krankenhaus in Bremen. Der [1]

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Foto: privat

Foto: Karlheinz Krämer

Die Seetjalk Anne, das „Schepken Christi“ wird zum Ausstellungsschiff

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Brigitte Schroven, evangelisch-reformierte Krankenhausseelsorgerin in Nordhorn, ist Ende März in den Ruhestand gegangen. Die 62-jährige promovierte Theologin war 20 Jahre lang zuerst am Kreiskrankenhaus und dann an der Euregio-Klinik für die Seelsorge der Patienten und Beschäftigten zuständig. Kirchenpräsident Martin Heimbucher sagte zu ihrer Verabschiedung, Brigitte Schroven habe das diakonische Christsein gelebt.

Foto: Bärbel Recker-Peuin

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Foto: Heiko Buitkamp

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Foto: Andre Berends

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Reformationsschiff öffnet Im Rahmen des Reformationjubiläums öffnet im Sommer die Ausstellung „Ich bin fremd gewesen. 500 Jahre Reformation – 500 Jahre Migration“ auf einem historischen Segelschiff im Emder Hafen. Die Seetjalk Anne war bereits im März beim Europäischen Stationenweg zum Reformationsjubiläum als „Schepken Christi“ das zentrale Motiv der Evangelisch-reformierten Kirche. Die Ausstellung auf dem Schiff wird Geschichten von Flucht und Integration aus fünf Jahrhunderten zeigen. „Wir wollen damit deutlich machen, wie eng die Zeit der Reformation mit Flucht verbunden ist und die Aufgabe der Integration bis in die Gegenwart weist“, sagt der Beauftragte für das Reformationsjubiläum Sven Kramer. Sechs Filmporträts würden zeigen, wie sich Menschen auf die Flucht begeben haben und in ihrer neuen Heimat angekommen sind. Das Reformationsschiff „Schepken Christi“ liegt am Hafentor im Ratsdelft und sei ein idealer Standort, die weiteren Orte des Reformationssommers in Emden zu erkunden. Die Ausstellung eröffnet am 22. Juni und endet am letzten Sonntag im August. Reformierte unterstützen Trauma-Hilfe Der evangelisch-reformierte Synodalverband Bayern will mit kirchlichen Geldern die Arbeit des Netzwerks medizinischer Flüchtlingshilfe in Erlangen unterstützen und hat dazu mit dem TraumaHilfeZentrum Nürnberg (THZN) eine Vereinbarung geschlossen. Flüchtlinge, die in ihrem Herkunftsland oder auf der Flucht Gewalt, Ängste und Bedrohungen erlebt haben, die sie bisher nicht verarbeiten konnten, sollen therapeutische Unterstützung bekommen. Der Synodalverband stellt dafür 29.000 Euro aus einem vor zwei Jahren gegründeten Fonds zur Verfügung. 6.000 Euro gehen an ein Projekt, das Sprachvermittler für therapeutische Maßnahmen ausbildet.


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Foto: Karlheinz Krämer

In einer Abstimmung mit Ampelkarten legten die 120 Synodenmitglieder und Vertreter der Jugend fest, welche Impulse der Synodentagung in den kommenden Monaten weiter verfolgt werden sollen.

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Diskussion über Zukunft der Kirche Erstmals hat die Gesamtsynode der Evangelisch-reformierten Kirche zusammen mit Vertretern der Jugend getagt. Die rund 60 Synodalen berieten Ende April zusammen mit 60 Delegierten der reformierten Jugendkonferenz und des theologischen Nachwuchses über Fragen zur Zukunft der Kirche. Die gemeinsame Beratung sei Teil des vor zwei Jahren begonnenen Zukunftsprozesses der Reformierten Kirche, erläuterte Kirchenpräsident Martin Heimbucher. In den Gemeinden werde intensiv anhand eines Impulspapiers diskutiert. Mehr als 100 der bundesweit insgesamt 145 reformierten Gemeinden hätten sich bereits mit Stellungnahmen geäußert. In sechs Arbeitsgruppen debattierten junge und ältere Reformierte über das Profil der Kirche, die Aufgaben und Chancen des Ehrenamtes oder die Rolle künftiger Pastoren. Dabei wurde eine Stärkung des Ehrenamtes gefordert. Großen Wert legten die Arbeitsgruppen darauf, dass sich die Reformierte Kirche weiter aktiv in die Gesellschaft einmische. Vertreter der Jugend wünschten sich mehr Einfluss auf kirchenpolitische Entscheidungen. Bis zur Herbstsynode 2017 will das kirchenleitende Moderamen die Ergebnisse der Beratungen zusammenfassen und der Synode erste Beschlussvorlagen präsentieren. Zeichen der Ermutigung Die Evangelische Kirche in Syrien und dem Libanon (NESSL) hat vor kurzem entschieden, dass auch Frauen das Pfarramt übernehmen können. Im Februar und im März wurden bereits zwei Theologinnen ordiniert und in ihr Amt eingeführt. Kirchenpräsident Martin Heimbucher gratulierte dazu. Er schrieb an den Generalsekretär der Synode der Evangelischen Kirche in Syrien und dem Libanon, Joeseph Kassab, dass die Kirche beispielhaft in der gesellschaftlichen Entwicklung ihrer Region vorangegangen sei. Die Entscheidung der Synode verdiene besonderen

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Grafik: Folkert Groeneveld

Ausstellung „Durchblick Reformation“

Respekt, „weil sie in einem gesellschaftlichen und religiösen Umfeld getroffen wurde, in dem Gleichberechtigung, insbesondere in theologischen Ämtern, vielfach noch auf Unverständnis stößt.“ Seit 2015 hat die Evangelisch-reformierte Kirche Verbindungen zur Evangelischen Kirche in Syrien und dem Libanon, sie unterstützt dort finanziell eine evangelische Schule in Aleppo. Im Sommer 2016 traf Generalsekretär Kassab Kirchenpräsident Heimbucher in Leer und bot den Aufbau einer Kirchenpartnerschaft an. [3]

Die Reformation und ihre Wirkungen In Hildesheim ist im April die Wanderausstellung „Durchblick Reformation“ eröffnet worden. Nach dem Sonntagsgottesdienst sahen mehr als 60 Besucher erstmals die eigens für das Reformationsjubiläumsjahr konzipierte Schau. Sie erklärt auf 20 Schautafeln, wie die vor 500 Jahren eingeläutete Reformation erfolgreich sein konnte, und zeigt ihre Wirkungen bis in die heutige Zeit. Entwickelt hat die Ausstellung der Hildesheimer Pastor Klaus Bröhenhorst. „Wir wollen mit der Ausstellung zeigen, dass Reformation mehr ist, als nur die Erinnerung an Martin Luther“, sagte Klaus Bröhenhorst. Dies werde deutlich an den dargestellten Lebensgeschichten der Reformatoren Martin Luther, Johannes Calvin und Huldrych Zwingli. Außerdem präsentiere die Schau „Erfindungen“ der Reformation, die heute alltäglich erscheinen: Dazu gehöre die Konfirmation, der Abendmahlskelch für alle Christen, das evangelische Pfarrhaus und die evangelische Kirchenmusik. Von der Wanderausstellung „Durchblick Reformation“ existieren mehrere Exemplare, die von Kirchengemeinden und Schulen im Landeskirchenamt in Leer ausgeliehen werden können.

[4] Logo zur Gemeindewahl 2018

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Gemeindewahl 2018: Kirche mit mir Die kommenden Wahlen in den 145 Kirchengemeinden der Evangelisch-reformierten Kirche stehen unter dem Motto „Kirche mit mir“. Am 11. März 2018 wählen die evangelisch-reformierten Gemeinden erstmals zusammen mit den anderen evangelischen Kirchen in Niedersachsen ihre Leitungsgremien. Dafür wurde die aktuelle Amtszeit extra auf fünfeinhalb Jahre reduziert. Bislang wählten die Reformierten immer im Herbst. Zur Wahl aufgerufen sind etwa 150.000 Menschen aus allen Kirchengemeinden. Zu wählen sind rund 520 Personen für die Kirchenräte oder Presbyterien sowie rund 640 für die Gemeindevertretungen.

IMPRESSUM Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Redaktion: Ulf Preuß (verantwortlich), Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Herbert Sperber, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: dpp - Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.dpp-leer.de Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Kirchenasyl aus dem Wahlkampf halten Gesamtsynode verabschiedet Resolution zum Kirchenasyl Die Evangelisch-reformierte Kirche hat in einer Resolution das Kirchenasyl gestärkt. Die 60 Synodenmitglieder warnten Ende April bei der in Emden tagenden Gesamtsynode davor, das Kirchenasyl und den christlichen Beistand für Flüchtlinge zu Themen des Bundestagswahlkampfes zu machen. Ein verantwortlich durchgeführtes Kirchenasyl erwachse aus der Pflicht zur christlichen Nächstenliebe, so die Resolution. In der einstimmig beschlossenen Synodenerklärung heißt es, dass Kirchengemeinden mit der Gewährung eines Kirchenasyls in Ausnahmesituationen und besonderen Härtefällen eine besondere Verantwortung für Flüchtlinge übernähmen. Es gehe darum, eine drohende Abschiebung zu verhindern, um die Asylgründe rechtlich neu prüfen zu lassen. Ein Kirchenasyl diene dabei weder einer politischen Positionierung und sei auch kein Versuch, geltendes Recht zu beugen.

Die Synodalen fordern in der Resolution die Kirchenleitung auf, Gemeinden mit einem Kirchenasyl juristisch, fachlich und seelsorgerlich zu beraten, insbesondere dann, wenn gegen Hauptoder Ehrenamtliche wegen des Kirchenasyls strafrechtlich ermittelt werde. Kritik gab es von einem Synodalen an der politischen Ausgewogenheit der Resolution, sie hätte seiner Auffassung nach politische Fehler stärker benennen können.

POSITION

Die Synodenerklärung reagiert damit auch auf zahlreiche Ermittlungsverfahren gegen bayerische Pastoren, deren Gemeinden Flüchtlinge in einem

Kirchenasyl untergebracht haben. Betroffen war auch der Pastor der evangelisch-reformierten Gemeinde Bayreuth. Die meisten Kirchenasyle in Deutschland werden Flüchtlingen gewährt, die über ein anderes EU-Land nach Deutschland kamen und nun auf Grundlage der sogenannten Dublin-III-Regelung dorthin abgeschoben werden dürfen. Nach EU-Recht muss ein Asylantrag in dem Land gestellt werden, in dem der Flüchtling zuerst europäischen Boden betritt. Besonders die Rückführung nach Griechenland und Italien wird von vielen Asylkritikern wegen der dortigen Unterbringung kritisch betrachtet.

Foto: Volonoff/shutterstock.com

3 reformiert 2017  

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