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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

n o i t a m r i f n o K

2 reformiert 2018 201620März April Mai


Seite Seite 6: Konfirmanden des Jahrgangs 2017 und ihre Teamer aus der Gemeinde Göttingen. Seite 11: Mehr als 15.000 junge Menschen haben im Sommer 2017 am KonfiCamp in Wittenberg teilgenommen. Darunter waren etwa 400 Konfirmanden aus evangelisch-reformierten Gemeinden.

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Foto: privat

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Foto: Helmut Bruns

Thema Konfirmation: Ein Fest

Seite 6 Konfirmation, ja ich will ... Seite 8 Eine Feier, zwei Familien Konfirmation nach einer Trennung

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Seite 4 Mein Bibelvers Seite 16 Unser täglich Brot Kirche und Landwirtschaft im Dialog

Seite 6-13 Service Konfirmation

Seite 18 Personen / Aktuelles / Impressum

Seite 14 Fliegeralarm statt Familienfeier Konfirmation während des Zweiten Weltkriegs

Seite 20 Gemeindewahl am 11. März 2018 Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Evangelisch-reformierte Kirche Stichwort: reformiert Sparkasse LeerWittmund IBAN: DE94 2855 0000 0000 9060 08 SWIFT-BIC: BRLADE21LER Spendenquittung wird zugesandt Titelbild: Konfirmandenfreizeit der Gemeinde Göttingen auf Sylt Foto: Michael Ebener


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Foto: Philipp Reiss

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Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark! Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen! 1. Kor. 16,13-14

Foto: Günter Plawer

Seite 14: Sigrid von Bergen erinnert sich an ihre Konfirmation im April 1943. Seite 16: In der Grafschaft Bentheim sucht das Projekt Land_Gut den Dialog zwischen Landwirtschaft, Kirche und Verbrauchern.

Liebe Leserin, lieber Leser, erinnern Sie sich noch an Ihren Konfirmationsspruch? In den kommenden Wochen werden wieder viele junge Menschen in ihre Kirchengemeinde eingeführt und bestätigen, dass sie dabei sein wollen. Ein großes Familienfest. Mein Konfirmationsspruch steht oben, aber ich bin ehrlich: Ich wusste ihn nicht mehr. Schauen Sie doch mal nach – und erinnern Sie sich an Ihre Konfirmation: Was hatten Sie an? Wer war zur Feier eingeladen? Wo haben Sie gefeiert?

Dass die Organisation eines Familienfestes gar nicht so einfach ist, wenn die Familie auseinandergebrochen ist, lesen Sie auf den Seiten 8 und 9. Und auf den Seiten 14 und 15 erinnern sich zwei alte Hamburger an ihre Konfirmation im Zweiten Weltkrieg. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

3 Ihr

Ulf Preuß

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

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Mein Bibelvers Anette Benelli, Sonderschullehrerin

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Anette Benelli (49) lebt in dem kleinen Dorf Obernschreez in der Nähe von Bayreuth. Die Sonderschullehrerin “mit Leib und Seele“ kam erst als Erwachsene zu den Reformierten. Sie stammt aus einem katholisch-lutherischen Haushalt, wurde katholisch getauft, lutherisch konfirmiert und katholisch getraut. Als sie nach einem längeren Aufenthalt in Italien, wo ihre drei Kinder katholisch getauft wurden, 1998 nach Bayreuth zurückkehrte, entschied sie sich für die evangelisch-reformierte Gemeinde. Aus den Jahren, bevor sie nach Italien ging, hatte sie noch einen persönlichen Bezug zu den Menschen der Gemeinde und das Gefühl, hier in eine gute Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Seit zweieinhalb Jahren ist sie als Presbyterin im Kirchenrat tätig.


Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft. (Mein Konfirmationsspruch, Psalm 138,3)

Woher wusste der Pfarrer, dass dieser Vers mich sehr anspricht? Er kannte mich doch eigentlich gar nicht. Ich war eine von vielen, nur bei den Pflichtgottesdiensten anwesend und auch familiär in keinster Weise an die Gemeinde gebunden. Und warum sprach mich das Bibelwort überhaupt so sehr an, dass ich es vom Konfirmationsgottesdienst an auswendig wusste? Als Vierzehnjährige brauchte ich nicht „anzurufen“ und „erhört“ zu werden“. Da lebte ich noch in meiner heilen Welt der Kindheit. Meist lief auch danach noch im Leben alles gut. Außerdem ließ der Alltag wenig Zeit zum Nachdenken. Manche Jahre vergingen schnell und geradezu ereignislos. Doch plötzlich passierte etwas Unvorhergesehenes, ein Schicksalsschlag, der Tod einer nahestehenden Person. Und der Bibelvers fiel mir ein. Ich brauchte keine Telefonnummer zu suchen, keine alten Kontakte aufzugreifen, entschuldigend über versäumte Freundschaftspflege nachzudenken. Ich wusste mit großer Gewissheit, Gott ist für mich da und mit seiner Hilfe werde ich gut weitermachen können. Und ich „rief“ und er „hörte mich“ und „gab mir Kraft“. Inzwischen wende ich mich fast täglich im Gebet an ihn und teile auch die Freuden meines Lebens mit und spüre im Alltäglichen seine Gegenwart. Aber in den dunklen Stunden, da brauche ich die besondere Kraft, da muss ich „rufen“!

Foto: Anna-Lena Straßer

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Konfirmation, Mit der Konfirmation beginnt ein erster Schritt Richtung Erwachsensein

Für mehr als 1.500 Jungen und Mädchen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren geht im März und April ein gemeinsamer Weg zu Ende: Sie werden nach rund zwei gemeinsamen Jahren in ihrer Kirchengemeinde konfirmiert. Sie erklären damit: Ja, ich will zu meiner Kirchengemeinde gehören. Ja, ich bestätige, was meine Eltern mit der Taufe begonnen haben. Und in der Regel findet in den Familien ein großes Fest statt, ein erster Schritt Richtung Erwachsensein ist getan.

Der Konfirmandenjahrgang von 1928 aus Georgsdorf (Grafschaft Bentheim) mit Pastor Erich Stuntz. Die Konfirmation war am Palmsonntag, das war der 1. April.

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Archivfoto: Gemeinde Georgsdorf

Sechs Fragen zur Konfirmation

Was ist die Konfirmation? Die Konfirmation ist eine Handlung, die die Zugehörigkeit zur Kirche bestätigt und befestigt (Konfirmation von lateinisch: confirmare – befestigen). Sie nimmt Bezug auf die Sakramente Taufe und Abendmahl. „Erfunden“ hat die Konfirmation der Straßburger Reformator Martin Bucer.

Er reagierte mit ihr auf Anfragen aus Kreisen der Täufer. Ein Leben als Christ ohne ein eigenes Ja dazu – geht das? Bucer meinte: Nein, das geht nicht. Die Kindertaufe ist zwar weiterhin zulässig als Aufnahme in die Gemeinde; Menschen sollten aber, wenn sie es mit dem Glauben ernst meinen, auch selber Ja sagen, sobald


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ja ich will ... ... ein eGemeind s e ig d n ä vollst in. glied se heim lich , 14, Em

mkers Gina Ke

... ein verantwort li ches Mitgli christliche ed d freue ich m n Gemeinschaft sein er ich, dass m . Außerdem eine ganze um diesen Familie k Tag mit m ir zu feiern ommt, Enno Schrö . der, 14, Lüneb urg

... richtig zur Gemeinde dazugehören und mich dan n noch mehr m it Gott verbunden füh len. Lenja Corleis, 14, Lüneburg

Konfirmation im Trend

1.624

2016 wurden 1.624 14-Jährigen Jungen und Mädchen in der Evangelisch-reformierten Kirche konfirmiert. 177 ließen sich 177 nicht konfirmieren.

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Fotos: Martin Hinrichs, Gerold Meppelink

sie alt genug dazu sind. In einer hessischen Kirchenordnung ist die Konfirmation bereits 1539 erwähnt. Aber erst im 18. Jahrhundert ist sie in ganz Deutschland verbreitet. Dazu hat besonders Philipp Jakob Spener, einer der Väter des Pietismus, beigetragen. Speners Motto war: Der Glaube muss vom Kopf ins Herz.

Lebensgeschichtlich markiert die Konfirmation die Schwelle zwischen Jugend- und Erwachsenenzeit, auch wenn mit der Konfirmation fast niemand mehr die Schule verlässt. Ein Zeichen für den Übergang ist der erste Anzug oder das erste elegante Kleid. Lange Zeit war die Konfirmation auch die Voraussetzung, zum

Abendmahl zugelassen zu werden. Mit der Konfirmation erwerben die jungen Menschen ebenfalls die Berechtigung, sich an den Kirchenwahlen zu beteiligen und Taufpate zu werden.


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Eine Feier, Konfirmation nach einer Trennung Eine Konfirmation in einer Patchworkfamilie bringt besondere Herausforderungen mit sich – so zum Beispiel bei Heidrun Dirksen. Die 48-Jährige aus Leer hatte Sorge, sich bei der Feier für ihre Tochter alleine zu fühlen: Ihr Mann und sie waren getrennt, die Planung überforderte sie. Ein paar Ideen wendeten die Situation dann aber ins Positive.

8 2 reformiert 2018 Die Konfirmandin Caroline Dirksen mit ihrer Mutter Heidrun. Foto: privat

Gilt das noch? Die Konfirmation ist Voraussetzung, um am Abendmahl teilzunehmen? Wer konfirmiert ist, darf am Abendmahl teilnehmen. Allerdings gibt es keine feste Regel, wann Kinder oder Jugendliche ihr erstes Abendmahl feiern. Das kann im Kindergottesdienst, im Konfirman-

Am meisten Sorge hatte Heidrun Dirksen davor, sich bei der Konfirmation ihrer Tochter Caroline alleine zu fühlen. „Ich habe wochenlang gegen diesen Tag angesehen“, sagt die 48-Jährige aus Leer. Sie und ihr Mann Sven Dirksen hatten sich nach zehnjähriger Ehe getrennt. Die Trennung lag bei der Konfirmation zwar schon fünf Jahre zurück. „Wir sind emotional sehr klar damit umgegangen und haben uns in Frieden getrennt“, sagt Heidrun Dirksen. „Aber trotzdem gab es in der Familie natürlich manchmal Spannungen.“ Die Leeranerin wollte vor allem Streit und schlechte Stimmung vermeiden. Daraus entstand die Idee, an einem neutralen Ort zu feiern. „Wir haben schnell ausgemacht, dass wir weder bei mir noch bei ihm zu Hause feiern, damit niemand einen Heimvorteil hat“, sagt sie. Plötzlich ergab sich die Möglichkeit, das Parteibüro ihres Mannes zu mieten. „Dort hatten wir ausreichend Platz für 50 Leute“, sagt Heidrun Dirksen. „Das war für uns alle eine gute Lösung.“ Die 48-Jährige organisierte die Feier und besorgte alles, was dafür notwendig war. „Die Kosten haben wir uns dann geteilt.“ Gut fühlte sich die Leeranerin aber trotzdem nicht. „Ich habe mir große Sorgen gemacht“, sagt sie. „Ich habe immer wieder über verschiedene Dinge nachgedacht – aber eigentlich gar nicht über das, worum es mir eigentlich ging.“ Heidrun Dirksen fragte sich zum Beispiel immer wieder, ob

denunterricht, auf einer Freizeit, in einem extra Gottesdienst oder auch im Konfirmationsgottesdienst geschehen. Bis ins 11. Jahrhundert hinein durften Kinder am Abendmahl teilnehmen. Später wurde ein Mindestalter festgesetzt. Die Reformatoren kritisierten das Abendmahlsver-

ständnis, das zum Ausschluss der Kinder vom Abendmahl geführt hatte, hielten aber an einer Altersgrenze fest. Und sie legten großen Wert auf die kirchliche Unterrichtung der Gemeinde, aus der sich der Konfirmandenunterricht entwickelte. Dieser wurde bald zur Vorbedingung für eine mündige


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zwei Familien

Bedeutung der Konfirmation

die Getränke wohl für alle Gäste reichen würden. „Letztlich habe ich dabei gegen Fantasiedrachen gekämpft“, sagt sie. „Ich hatte eigentlich vor ganz anderen Dingen Angst – aber habe diese Gefühle mit solchen Gedanken von mir weggeschoben.“ Sie habe sich vor allem alleine und überfordert gefühlt, erinnert sich Heidrun Dirksen. „Alles lief für mich auf diesen Tag hinaus, den ich irgendwie überstehen musste. Irgendwann wurde mir dann aber klar, dass mein Leben weitergeht – egal, wie die Feier nun verlaufen würde.“ Das war ein Wendepunkt für die 48-Jährige. „In den Momenten, in denen mir alles zu viel wurde, habe ich mich ab da innerlich auf die Zeit nach der Konfirmation konzentriert.“ So plante sie beispielsweise ihren Abend nach der Feier: „Ich habe mir eine Packung Schokocrossies und den Film ‚Eat Pray Love‘ gekauft“, sagt sie. „Wenn ich mich überfordert gefühlt habe, habe ich mir immer vorgestellt, wie ich am Abend nach der Konfirmation entspannt damit auf dem Sofa sitze.“ Schließlich kam der Tag der Konfirmation. „In der Kirche hatte ich meine jüngste Tochter auf dem Schoß“, erinnert sich die 48-Jährige. „Ich habe mich regelrecht wie eine Klette an ihr festgekrallt, um das durchzustehen.“ Die Feier danach lief sehr entspannt ab: „Meine Befürchtungen sind gar nicht eingetroffen“, sagt die Leeranerin. „Wir hatten nicht nur unsere Familien eingeladen, sondern auch einige Freunde und ehemalige Nachbarn.“ Vor allem durch diese habe sie sich sehr getragen gefühlt – und gar nicht alleine. „Letztlich war es auch ein großes Glück, dass mein Exmann und ich so entspannt miteinander umgehen können – auch wenn er damals eine neue Freundin hatte“, sagt Heidrun Dirksen. „Wäre emotional nicht alles zwischen uns geklärt gewesen, dann hätten wir auf keinen Fall auf diese Weise feiern können.“

Teilnahme am Gemeindeleben, also auch für das Abendmahl. Ein Argument gegen das Kinderabendmahl war stets: Kinder begreifen die Bedeutung des Abendmahls nicht. Erst mit der Konfirmation seien sie hinreichend informiert. Dagegen spricht: Das Abendmahl kann niemals vollstän-

Während der Konfirmandenzeit ...

Wie wird das Fest in der Familie gefeiert?

11 13

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im kleinen Kreis

... habe ich gute Gemeinschaft in der Gruppe erlebt

... habe ich mehr über Gott und den Glauben erfahren

... wurde ich im Glauben an Gott gestärkt

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wie andere Familienfeiern

als eines der wichtigsten Feste im Leben

Quelle: Bundesweite Studie zur Konfirmandenarbeit

Und wie erging es Tochter Caroline mit ihrer Patchwork-Konfirmation? „Ich habe von den emotionalen Unruhen rund um diesen Tag gar nicht viel mitbekommen“, sagt die heute 17-Jährige. „Wir haben uns auch vorher immer gut mit meinem Vater verstanden – und ich war natürlich vor allem mit meiner eigenen Konfirmation beschäftigt.“ Die Trennung ihrer Eltern sei auch in ihrer Konfirmationsgruppe kein Thema gewesen, erinnert sie sich. „Es spielte keine Rolle. Ich weiß nicht einmal, ob es bei der Konfirmation noch eine weitere Patchwork-Familie gab. Es war einfach nicht wichtig.“ Sie habe einen schönen Tag verbracht und auch die Feier als sehr angenehm empfunden, sagt die 17-Jährige. Und Heidrun Dirksen? Die verbrachte ihren Abend am Ende dann doch ganz anders. „Ich hatte plötzlich gar keine Lust mehr auf Sofa, Film und Schokolade“, sagt sie und lacht. „Stattdessen bin ich noch mit ein paar Freundinnen ausgegangen. Das war genau passend.“

Alle Angaben in Prozent

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Von Maria Berentzen

dig mit dem Verstand begriffen werden. Auch Kinder können erkennen, dass das Abendmahl sich von einer gewöhnlichen Mahlzeit unterscheidet. Die Gesamtsynode der Evangelischreformierten Kirche hat beschlossen, dass die einzelnen Kirchengemeinden darüber entscheiden, ob

und wann Kinder zum Abendmahl zugelassen werden. Grundsätzlich gilt, dass eine Vorbereitung der Kinder und Jugendlichen stattfinden soll.


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Ich freue mich auf meine Konfirmation, ... ... weil ich dann ein Teil der Gemeinde werde und Ge schenke beko mm Matthis Schulze Tammena, 14, Leer-Loga

e.

... weil dann die ganz Familie zusam men kommt und w ir nach der Ko nfirmation zusammen wa s machen. Ella Read-Linto n, 13, Leer-Log a

... weil ilie ganze Fam e in e m Geld n dan ich etwas d n u t m m ko . zu Besuch bekomme n re a p S zum hheim

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g, 14, Emlic Alex Medin

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Fotos: Gerold Meppelink, Ulf Preuß

Was passiert, wenn ein Jugendlicher konfirmiert werden möchte, aber nicht getauft ist? Man kann ungetauft am Konfirmandenunterricht teilnehmen. Die Konfirmandenzeit ist eine gute Gelegenheit, den christlichen Glauben (noch mehr) kennen zu lernen. Wenn ein Kind nicht getauft ist, kann es am

Ende der Konfirmandenzeit getauft werden. Eine Bestätigung der Taufe, also die Konfirmation, ist dann nicht mehr notwendig. Das Kind hat ja selber „Ja“ zur Taufe gesagt. Und zur Kirchenmitgliedschaft reicht die Taufe. In der Praxis wird das Kind dennoch oft mit den anderen aus der Konfirmandengruppe konfirmiert.

Was wird heute im Konfirmandenunterricht gelernt? Die Kirchengemeinde hat den Auftrag, das Evangelium zu verkündigen und zu lehren. Dafür gibt es aber keinen einheitlichen Lernplan. Der Kirchenrat vor Ort entscheidet, welche Schwerpunkte im Konfirmandenunterricht gesetzt werden.


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Konfirmation: Auch eine Frage der Kleidung Für viele Jugendliche ist die Konfirmation ein bedeutender Tag – und das zeigt sich auch bei der Kleidung. „Vor allem die Mädchen putzen sich richtig heraus“, sagt Helma Leising, Mitarbeiterin im Modehaus Leffers in Leer: „Sie suchen oft gemeinsam mit ihren Müttern, Großeltern oder Paten ein Kleid aus. Das ist immer ein richtiges Event.“ Im Trend sind elegante Cocktailkleider in Schwarz oder Blau, die das Knie umspielen. „Die Farben werden dem Anlass entsprechend eher dezent gewählt“, sagt Leising. Beliebt seien transparente Einsätze in den Oberteilen und Verzierungen mit Spitze sowie Taillengürtel. Viele Kleider sind aus leichtem Chiffon, aus Taft oder aus glänzenden Stoffen hergestellt. „Auch das Jäckchen über dem Kleid ist eher dezent gehalten“, sagt die Mode-Expertin. Die Konfirmationskleider gibt es ab Größe 30 – und in der Regel zudem auch in Kindergrößen bis 176. „Die meisten Mädchen tragen dazu dann Pumps mit einem leichten Absatz.“ Für Jungen lässt sich die Bekleidungsfrage recht leicht lösen: „Viele Jungen tragen bei ihrer Konfirmation einen

Foto: Maria Berentzen

Anzug“, sagt die Expertin. „Diesen Anzug kombinieren sie dann mit einem weißen oder einem farbigen Hemd.“ Manche wählten stattdessen auch einfach eine dunkle Jeans samt Sakko und Hemd. Ein Outfit für die Konfirmation kostet im Schnitt rund 150 Euro. Gut erhaltene Kleidung gibt es an manchen Orten bei Konfirmationsbörsen oder in Online-Portalen.

KonfiCamp 2017 findet Fortsetzung

Foto: Michael Ebener

Ruhepause für die Teamer

Foto: C. Kirsch

Besuch des Kirchenpräsidenten im Camp

Aber die grundsätzlichen Themen ähneln sich und werden folgende Lernfelder berücksichtigen: Kirche und Gemeinde, Bibel und Glaube, Glaube und Leben, Glaube und Welt. In vielen Gemeinden gibt es folgenden Lernstoff, der bis zur Konfirmation auswendig gelernt werden soll: Unser Vater, Glaubensbekenntnis, 10

Im vergangenen Sommer haben rund 400 Jugendliche am KonfiCamp in Wittenberg teilgenommen. Unter dem Motto „trust and try“ haben sie eine Woche in einer Zeltstadt am Rande der Lutherstadt gewohnt und mit Workshops, Gottesdiensten und Ausflügen die Tage verbracht. „Die fünf Tage in Wittenberg haben wir sehr genossen. Es wurde unter blauem Himmel getanzt und in den Workshops über Gott und die Welt gesprochen“, schreibt eine Teilnehmerin in einem Rückblick. Da das KonfiCamp auf so gute Resonanz bei Teilnehmern, Teamern und Organisatoren in den Kirchengemeinden stieß, findet es eine Fortsetzung. Für die Sommer 2019 bis 2021 planen die Jugendreferenten zusammen mit Landesjugendpastor Bernhard Schmeing KonfiCamps im Kloster Möllenbeck im Weserbergland. 2019 ist dort vom 19. bis 23. August Platz für rund 300 Konfirmanden und 120 Teamer, die das Camp begleiten und vor Ort organisieren. „Wir wollen dort an die Erfahrungen von Wittenberg anknüpfen“, sagt Susanne Stamer, Jugendreferentin in Braunschweig.

Gebote, Psalm 23 und Frage 1 des Heidelberger Katechismus. Außerdem lernen die Jugendlichen das Leben in einer konkreten Kirchengemeinde kennen. Sie setzen sich mit ihren eigenen Anschauungen und den Vorstellungen eines christlichen Lebens auseinander. In Gemeinschaft gehen sie den Fra-

gen nach, was im Leben trägt und Orientierung gibt, welche Rolle Gott und Glaube in ihrem Leben spielen können und was die Kirche damit zu tun hat.


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Heidelberger Katechismus Frage 1

Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.

Die Frage 1 aus dem Heidelberger Katechismus gehört in vielen Gemeinden zum Lernstoff des Konfirmandenunterrichts.

Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst; und er bewahrt mich so, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen, ja, dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiss und von Herzen willig und bereit, ihm forthin zu leben.

Während ihrer Konfirmandenzeit erleben Jugendliche

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1 Ausflug oder Reise

Wie wird der Konfirmationsspruch ausgewählt? Der Konfirmationsspruch ist ein Satz oder ein kurzer Text aus der Bibel. Er wird meist bei der Übergabe der Konfirmationsurkunde vorgelesen. Die Auswahl der Konfirmationssprüche wird unterschiedlich gehandhabt. Der Konfirmations-

2 Freizeiten oder Camps

spruch kann vom Pfarrer oder von der Pfarrerin für die Jugendlichen bestimmt werden. Früher wurde der Spruch von den Eltern oder den Paten ausgewählt. Heute wählen die Konfirmandinnen und Konfirmanden ihren Spruch meistens selber aus. Wünsche für das Leben, die Stärkung für bestimmte Lebensbereiche

3 Projekttage

45

Std.

Konfirmandenunterricht

oder ein Spruch, der der Persönlichkeit entspricht, können Kriterien bei der Auswahl eines Konfirmationsspruchs sein. Eine gute Hilfe bei der Suche ist die Webseite www. konfispruch.de. Hier können Sprüche unter anderem nach Themen gesucht werden.


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Foto: epd / Gütersloher Verlagshaus

Foto: epd / Friedrich Stark

Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945). Bonhoeffer wurde 1945 von den Nazis hingerichtet.

Helmut Schmidt (1918 - 2015)

Dietrich Bonhoeffer

Helmut Schmidt

Sein Konfirmationsspruch war: „Ich schäme mich des Evangeliums nicht“ (Römer 1,16). Dietrich Bonhoeffer besucht zeitgleich, aber in getrennten Gruppen, wie das damals üblich ist, mit seiner Zwillingsschwester Sabine den Konfirmandenunterricht. Seine Mutter schenkt ihm zur Konfirmation die Bibel des 1918 im Ersten Weltkrieg gefallenen Bruders Walter. Diese Bibel benutzt er lebenslang zur persönlichen Meditation und zu den Gottesdiensten. Mit seiner Konfirmation steht Bonhoeffers Berufswunsch fest. Er will Pastor und Theologe werden. 1936 legt er im Predigerseminar Finkenwalde einen Unterrichtsplan für den Konfirmandenunterricht vor. Dort heißt es unter anderem: Worin unterscheidet sich das Leben in der Gemeinde vom Leben in der Welt? Antwort: Die Gemeinde folgt dem Gebot Jesu. Die Welt folgt ihrem eigenen Gesetz.

In einem Interview erzählte der frühere Bundeskanzler, dass er mit 15 mit dem Rauchen angefangen habe. Ein Onkel habe ihm zur Konfirmation eine Packung Zigaretten geschenkt. Außerdem erinnerte er sich, dass seine Verehrung für den römischen Kaiser Mark Aurel (121 - 180) auf seine Konfirmation zurückgehe. Er bekam dessen Werk der Weltliteratur „Selbstbetrachtungen“ geschenkt. „Ich habe noch am selben Abend angefangen, darin zu lesen, und was ich las, hat mir gewaltig imponiert“, so Schmidt in dem Interview. Das kirchliche Ritual selber habe er nicht so ernst genommen. Gefallen habe ihm, dass er im Unterricht das Harmonium spielen durfte.

Konfirmanden und ihre Teamer

Konfirmandenzeit im Süd-Westen und Nord-Osten

18 - 24 Monate

195.000

60.000

Konfirmanden in Deutschland 2016

Ehrenamtliche Teamer

Was benötigen die Jugendlichen für den Unterricht? In der Regel benötigen alle Jugendlichen für den Konfirmandenunterricht eine eigene Bibel. Viele Gemeinden schenken den neuen Konfirmanden am Anfang der gemeinsamen Zeit eine Bibel. So arbeiten alle mit der gleichen

9 - 10 Monate

Übersetzung. Wünschenswert ist auch der Besitz eines Evangelischen Gesangbuches. Meist werden jedoch die gemeindeeigenen Bücher verwendet. Manche Gemeinden machen zu Beginn der Unterrichtszeit gegen Kostenerstattung eine Sammelbestellung. Verwenden Gemeinden besondere Arbeitsmaterialien

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Quellen: Statistische Daten der Evangelischreformierten Kirche. Bundesweite Studie zur Konfirmandenarbeit, 2009. EKD-Statistik

wie bestimmte Konfirmandenmappen, erbitten sie dafür manchmal einen Kostenbeitrag.


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Fliegeralarm statt Familienfeier Zwei Hamburger erinnern sich an ihre Konfirmation während des Zweiten Weltkriegs Schicke Kleider, perfekt passende Anzüge, Geldgeschenke und eine große Familienfeier – all das gab es bei Konfirmationen im Zweiten Weltkrieg nicht. Zwei damalige Konfirmanden aus Hamburg erinnern sich.

Innenraum der 1943 zerstörten evangelisch-reformierten Kirche in Hamburg

Erinnerungstafel am Gemeindezentrum in der Ferdinandstraße

Sigrid von Bergen gehört zum letzten Jahrgang, der noch in der ursprünglichen reformierten Kirche an der Ferdinandstraße in Hamburg konfirmiert worden ist. 1943 wurde die knapp hundert Jahre zuvor erbaute Kirche bei einem Bombenangriff zerstört, und auch die Konfirmation der jungen Menschen war schon vom Krieg überschattet. Dennoch sagt Sigrid von Bergen: „Es war ein schöner Tag.“ Ganz genau erinnert sie sich noch an den Konfirmandenunterricht beim damaligen Pastor Nagel. „Er hat viel zum historischen Hintergrund der biblischen Geschichten erzählt. Das hat mich sehr interessiert – mehr als das Biblische selbst“, gibt Archivfoto die mittlerweile 91-Jährige unumwunden zu und lacht. Es muss ein recht offener Unterricht gewesen sein, den der reformierte Pastor damals gemacht hat. „Eine regelrechte Prüfung hat es nicht gegeben“, erklärt Sigrid von Bergen. „Es ging mehr darum, dass wir inspiriert werden und langfristig etwas aus dem Unterricht mitnehmen.“ Diesen Eindruck bestätigt auch Reiner Kuhn, der heutige Pastor der reformierten Gemeinde in der Ferdinandstraße: „Pastor Nagel hat durchaus polarisiert, aber die jungen Leute waren von ihm fasziniert.“ Überhaupt sei es Hamburger

Tradition gewesen, sich durch eine relativ große Liberalität auszuzeichnen. „Der reformierten Gemeinde ging es bei der Auswahl ihrer Pastoren weniger um die Konfession – es waren sowohl Lutheraner als auch ein katholischer Theologe darunter – als vielmehr darum, gebildete und großherzige Menschen als Pastoren für diese Gemeinde zu gewinnen.“ In den letzten Kriegstagen ist Franz Meyer konfirmiert worden „Es muss im März oder April 1945 gewesen sein. Die reformierte Kirche war schon zerstört, Pastor Nagel hat damals den Konfirmandenunterricht bei sich zu Hause abgehalten“, blickt er zurück. Die Konfirmation selbst fand in der Johanniskirche statt – zum Glück fuhren S- und U-Bahnen noch, denn von Groß Flottbek im Westen der Stadt bis hierher waren es knapp zehn Kilometer. „Wir sind bis zur Kellinghusenstraße gefahren und von dort zu Fuß gegangen“, weiß Franz Meyer noch. Zu Hause war alles für die Familienfeier vorbereitet. „Damals gab es ja eigentlich noch genug Lebensmittel – die Hungerzeit fing erst nach dem Krieg an“, erinnert er sich. Seine Eltern hatten Zigarettenmarken gegen Zuckermarken eingetauscht, um die Gäste bewirten zu können. Doch die Kaffeetafel konnte nicht mehr stattfinden: Es gab Fliegeralarm. Auch im Hause von Bergen im Hamburger Stadtteil Hamm wurde in den Tagen vor der Konfirmation gebacken. „Außer Butter gab es damals ja noch alles. Die Ernährungslage war noch nicht so schlimm wie in späteren Jahren“, erinnert sich Sigrid von Bergen. Ob sie ein besonderes Kleid hatte zu ihrem großen Tag, weiß die alte Dame allerdings nicht mehr. „Nur eins ist sicher: Eine Hose habe ich nicht getragen“, lacht sie. Auch damals gab es Geschenke für die Konfirmanden. Sigrid von Bergens größter Schatz: Die Sagen des griechischen Altertums. Das Buch konnte sie trotz der immensen Bombardierungen Hamburgs, insbesondere kurz nach ihrer Konfirmation im Juli 1943, retten. „Ich hatte eine Tasche mit meinen Lieblingsbüchern – die habe ich bei den Bombenangriffen immer mitgenommen in den Luftschutzbunker.“ Eine besondere Bedeutung habe die Konfirmation für ihn damals nicht gehabt, sagt Franz Meyer. „Meine Eltern waren die typischen Weih-


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Foto: Phillip Reiss

Sigrid von Bergen im Kirchraum des Gemeindezentrums

INFO nachtskirchgänger. Aber die Konfirmation gehörte einfach zum guten Ton.“ Erst seit er im Kirchenrat mitwirke, sei er der Kirche intensiver verbunden, erzählt der 88-Jährige. Auch Sigrid von Bergen hat den Segen zur Konfirmation in der Kriegszeit nicht als besonderen Schutz empfunden. „Meine Religionslehrerin hat bei jedem Bombenangriff vor sich hin gesagt ‚Ich bin getauft, ich bin getauft‘. Das fand ich albern“, sagt sie. „Ich fühlte mich beschützt von Gott – aber für mich stand immer fest, dass Gott das nicht davon abhängig macht, ob jemand getauft oder konfirmiert ist.“ Hätte sie ihre Konfirmation gern so erlebt wie die jungen Menschen heute? Sigrid von Bergens „Nein“ kommt schnell und überzeugend. „Wir sind satt geworden, wir hatten was Vernünftiges anzuziehen – das hat völlig genügt. Ich empfinde keinen Neid der heutigen Generation gegenüber.“ Von Anke Brockmeyer

Die evangelisch-reformierte Gemeinde in Hamburg Während die evangelisch-reformierte Gemeinde im damals von Hamburg getrennten Altona schon Anfang des 17. Jahrhunderts ein eigenes Gotteshaus hatte errichten dürfen, blieb dies den Reformierten in Hamburg lange verwehrt. Erst 1857 konnten sie ihre Kirche in der Ferdinandstraße bauen. Die zentrale Lage in der Innenstadt ergab sich erst durch den Bau des Hauptbahnhofs 1906. Heute ist dieser Standort ein enormer Vorteil, denn die Gemeindemitglieder kommen nicht nur aus ganz Hamburg, sondern weit darüber hinaus. Noch bis vor wenigen Jahren war die Gemeinde in Hamburg unabhängig, erst 2012 schloss sie sich der Landeskirche mit Sitz in Leer an. Schon lange gehören die Altonaer und Hamburger zu einer Kirchengemeinde.

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Unser täglich Brot Kirche und Landwirtschaft im Dialog Seit 2015 ist das Verhältnis von Kirche und Landwirtschaft ein Schwerpunktthema der Reformierten in der Grafschaft Bentheim. Mit dem Projekt Land_Gut will der Synodalverband Themen wie Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung in einer von der Landwirtschaft geprägten Region öffentlich diskutieren. „Muss alles öko sein oder geht es auch anders?“ Dieser Frage geht Günter Plawer nach. Samstagmorgen, die Turmuhr der Alten Kirche am Markt schlägt neunmal. Ich stehe mit meinen beiden Einkaufstaschen und einem Einkaufszettel auf dem Nordhorner Wochenmarkt. Meine Frau hat mir aufgeschrieben, was ich alles besorgen soll: Brot, Gemüse, Obst und ein paar Eier. „Aber diesmal kein Fleisch“, sagt sie an der Tür, „das habe ich gestern schon im Supermarkt gekauft.“ Die Marktstände stehen dicht gedrängt in langen Reihen und sind mit durchsichtigen Planen gegen die Kälte abgeschirmt. Es gibt alles. Jedes Obst, jedes Fleisch, jedes Gemüse und jedes Brot, mehr als genug. Mangel sieht anders aus. Und ich kann wählen. Will ich Bio oder nicht, soll es von hier oder aus fernen Ländern sein. Aber was sagte meine Frau noch: „Gib nicht so viel Geld aus.“ Auch das noch. Bio ist doch teurer. Es ist nicht einfach! Wie soll ich mich entscheiden? Ich weiß es nicht.

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Auf dem Nordhorner Wochenmarkt

Am Abend mache ich auf den Weg nach Wilsum zu Henni Emme. Sie betreibt gemeinsam mit ihrer Familie eine Landwirtschaft mit Rinderhaltung und ist die Projektkoordinatorin beim Projekt Land_Gut im reformierten Synodalverband in der Grafschaft. Ich gebe die Frage an sie weiter: „Wie soll ich denn entscheiden?“ „Die Entscheidung beim Kauf eines Lebensmittels hängt von vielen Faktoren ab. Und dabei ist keine Entscheidung für oder gegen das eine besser oder schlechter“, erklärt sie mir. „Wir haben als Kirche eine Verantwortung für Menschen, Tiere und für die Umwelt, aber wir müssen auch hinschauen, wie unsere Lebensmittel erzeugt werden.“ Beim Hinschauen will das Projekt Land_Gut helfen und die Beteiligten, also die Erzeuger und die Verbraucher, zusammenbringen, damit sie nicht nur übereinander, sondern miteinander reden. Eine Möglichkeit dafür sind die vom Projekt initiierten Hofgespräche. Die Landwirte öffnen ihren landwirtschaftlichen Betrieb und zeigen den Gästen ihre Produktionsmethoden. Viele dieser Landwirte sind selbst in der Kirche engagiert, wissen also um die Verantwortung für Gottes Schöpfung und haben Verständnis für mögliche kritische Fragen der Verbraucher. Für viele Gäste ist so ein Hofgespräch eine Erfahrung mit allen Sinnen. Sie riechen oft zum ers-


ten Mal einen Stall oder dürfen auch mal ein Ferkel oder ein Kalb streicheln. „Im anschließenden Gespräch“, so erklärt Henni Emme, „wird dann schnell klar, dass das alles wenig mit Romantik zu tun hat.“ Denn die heutige Landwirtschaft funktioniere nur mit Wirtschaftlichkeit. Bei den zu erzielenden Preisen gehe es um hohe Tierzahlen und optimalen Einsatz von Futtermitteln. Nur so könne heute ein Betrieb noch bestehen. „Die Besucher“, so erzählt Henni Emme, „sind immer wieder sehr beeindruckt, wenn sie das hören.“ Auch dass es für die Landwirte gar nicht so einfach sei, ihre Produkte direkt zu vermarkten. Dabei sei es nicht nur der Mehraufwand, sondern auch das Käuferverhalten: „Denn die wollen immer nur die edelsten Stücke eines Tiers.“ Es geht bei Land_Gut auch um den Blick über den Tellerrand hinaus. „Wir haben es leicht zu sagen, wir wollen keine Gentechnik oder wir wollen alles in Bioqualität“, sagt die Projektkoordinatorin Henni Emme. „Wir leben so im Überfluss, dass wir Mangel gar nicht kennen. Fällt bei uns eine Ernte wegen schlechter Witterungsbedingungen schlechter aus, kann sofort Ersatz beschafft werden.“ Bei dem größten Teil der Weltbevölkerung sei das aber nicht so. Da entschieden der chemische Pflanzenschutz und die Gentechnik über einen guten oder schlechten Ertrag und damit über das Überleben von Millionen Menschen. Und weltweit würden jedes Jahr über eine Milliarde Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Ohne dass sie verdorben und ungenießbar sind. Gleichzeitig aber verhungert nach Angaben von UNICEF alle zehn Sekunden ein Kind. Wie passt das zusammen? Was kann man dagegen tun? Auch diesen Fragen geht das Projekt Land_Gut nach und will mit Informationen zeigen, dass es auch anders geht. Nachdenklich gehe ich nach Hause, aber ich bin mir sicher: Nächsten Samstag geh ich wieder zum Wochenmarkt. Ob ich mich dann einfacher zwischen Bio und konventionell, regional oder international entscheiden kann? Ich weiß es nicht, Aber vielleicht geht auch ein guter Kompromiss. Mal davon und mal davon und wenn es geht regional. Das wäre doch immerhin ein erster Schritt. Von Günter Plawer

Fotos: Günter Plawer

Foto: Manfred Münchow

Henni Emme im Stall ihres Hofes in Wilsum. Hofbesuch bei Familie Brink in Nordhorn.

INFO Im Herbst 2017 verabschiedete die evangelisch-reformierte Synode der Grafschaft Bentheim eine Erklärung zum Thema Lebensmittel und Landwirtschaft. Darin heißt es, dass die Kirche nicht nur eine Verantwortung als Verpächter von Acker- und Weideflächen habe, sondern auch als Verbraucher. Darum sollen zukünftig bei kirchlichen Veranstaltungen möglichst Lebensmittel gekauft werden, die regional, ökologisch und fair erzeugt wurden. Die Erklärung hebt die Unterstützung der Landwirtschaft in der Grafschaft hervor. Ebenso betont sie, dass Lebensmittel einen besonderen Wert haben und nicht verschleudert werden dürfen. „Wir laden alle Menschen dazu ein, der Kultur des Übermaßes zu widerstehen“, heißt es in dem Synodenwort.

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PERSONEN

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Wilhelm Garen spielt seit 70 Jahren in der Evangelisch-reformierten Gemeinde Holthusen (Rheiderland) die Orgel. Sehr wahrscheinlich gibt es in der Landeskirche keinen Organisten, der so lange schon dabei ist. Der 84-Jährige lernte das Orgelspiel in seiner Familie. Er begann als Zehnjähriger mit dem Klavierunterricht und spielte zu Hause zunächst am Harmonium. Als 14-Jähriger begleitete er seinen ersten kompletten Gottesdienst. [2]

Gebhard Vischer, Pastor in Greetsiel, ist zum 14. Februar in den Ruhestand getreten. Vischer (63) war 33 Jahre in der Gemeinde nordwestlich von Emden tätig. Der Kontakt zu den vielen Urlaubern im Ort prägte seine Arbeit besonders. Vischer war auch viele Jahre Mitglied der Gesamtsynode.

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Detlef Sprick ist neuer Pastor der Gemeinde Lütetsburg-Norden. Die Gemeinde wählte den 55-jährigen Theologen im November, am 1. Februar trat er seinen Dienst in Norden an. Zuvor war er fast 25 Jahre im Bezirk Bookholt der Gemeinde Nordhorn tätig. Zu Spricks Arbeitsbereich in Norden gehört auch die kleine Nachbargemeinde Leybuchtpolder. Aleida Siller ist mit der Vorbereitung des 450-Jahr-Feier der Emder Synode im Jahr 2021 beauftragt. Die Nationalsynode der niederländischen Reformierten im Jahr 1571 in Emden prägte maßgeblich das Selbstverständnis und die Kirchenordnung der reformierten Kirche bis heute. Zusammen mit der Johannes a Lasco Bibliothek und der Stadt Emden wird die 55-jährige Theologin ein Jubiläumsprogramm entwickeln.

Ergänzung „Reformierter Reisetipp“ In der letzten Ausgabe fehlten beim „Reformierten Reisetipp“ die Öffnungszeiten der Wallonerkirche Magdeburg: In der Regel ist die Kirche wochentags zwischen 10 und 12 Uhr geöffnet. Zwischen Ostern und Erntedank ermöglichen Ehrenamtliche unregelmäßige Nachmittagsöffnungszeiten. Sonntags feiert die Gemeinde um 9.30 Uhr Gottesdienst. www.ekmd-reformiert.de Reformationstag soll Feiertag werden In der Debatte um einen weiteren Feiertag in Norddeutschland hat sich auch Kirchenpräsident Martin Heimbucher für den Reformationstag (31. Oktober) ausgesprochen. „Der Feiertag ist eine hervorragende Gelegenheit zur Besinnung auf Reformation als eine Aufgabe für Kirche und Gesellschaft“, sagte er.

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Foto: Ulf Preuß

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Leipziger Filme im Museum zu sehen Im Bonner Museum für deutsche Geschichte sind seit kurzem die Filmaufnahmen der Leipziger Montagsdemos zu sehen, die vom Turm der reformierten Kirche Leipzig gedreht wurden. Sie stammen vom DDR-Bürgerrechtler Siegbert Schefke. Der damalige Pastor Hans-Jürgen Sievers erlaubte ihm, die Montagsdemonstration des 9. Oktober 1989 aufzuzeichnen. 70.000 Menschen demonstrierten an diesem Abend gegen das DDR-Regime. Später schmuggelte Schefke die Filmkassette in der Unterhose in ein Hotel und übergab sie einem „Spiegel“-Reporter. Am nächsten Tag waren die Aufnahmen vom Anfang des Endes des DDR-Regimes in der „Tagesschau“ zu sehen.

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Heimbucher betonte, nicht allein die evangelische Kirche, sondern jede Religion und jede Weltanschauung brauche Reformation und „die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Schattenseiten“. Die Anliegen der Reformation würden durch den Antijudaismus vieler Reformatoren nicht entwertet. „Der für die Reformationszeit typische Antijudaismus, verbunden mit der zuweilen maßlosen Hetze Luthers, ist von der evangelischen Kirche als theologischer, politischer und menschlicher Irrweg mit schrecklichen Folgen erkannt und deutlich benannt.“ Der Kirchenpräsident sagte, er respektiere, dass für viele jüdische Bürger ein Feiertag am 31. Oktober nur schwer erträglich sei. Die Auseinandersetzung vieler christlicher Konfessionen mit dem Antijudaismus und Antisemitismus in ihrer eigenen Geschichte zeige aber, dass Reformation zu Veränderungen in den Einstellungen beitragen könne.

Foto: Evangelisch-reformierte Kirche

Foto: Michael Hillebrand

In der Diskussion über die Einführung des Reformationstags als neuen gesetzlichen Feiertags in Norddeutschland hatten sich besonders Vertreter der katholischen Kirche und von jüdischen Organisationen ablehnend geäußert. Auch in den evangelischen Kirchen gibt es Kritik. (epd)


A ktuelles

Freizeiten und Seminare der Jugendarbe it der Evangelisch -reformierten Kirche

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Foto: Gemeinde Bremerhaven

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Foto: Uwe Lewandowski / Theater Osnabrück

Der Freizeit- und Seminarplan für das Jahr 2018 der Evangelisch-reformierten Kirche

Am 25. Januar fand der erste Gottesdienst in der Woche im Gemeindehaus Lehe statt. Theaterprojekt „Urban Prayer“ im Jahr 2017 in der Jugendkirche.

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2018

Fenster zur Welt Die Evangelisch-reformierte Kirche hat ihr Freizeitprogramm für das Jahr 2018 veröffentlicht. „Reisen öffnet ein Fenster zur Welt“, so Landesjugendpastor Bernhard Schmeing. Im Jahr 2017 seien rund 4000 Kinder und Jugendliche bei den Freizeiten der Evangelisch-reformierten Kirche mitgefahren. Im Jahresprogramm 2018 finden sich mehr als 50 Angebote, darunter Sommerfreizeiten für ältere Jugendliche etwa in Kroatien, Frankreich oder Schweden, aber auch Reisen in die nähere Umgebung für Kinder und jüngere Jugendliche. Eine internationale Jugendbegegnung führt in die osteuropäischen Länder Tschechien und Rumänien. Außerdem enthält das Heft alle Schulungen, die absolviert werden sollten, um als Teamer in der Jugendarbeit aktiv zu werden. Der Freizeit- und Seminarplan ist bei evangelisch-reformierten Gemeinden erhältlich oder im Landesjugendpfarramt kostenlos zu bestellen. Mail: jugend@reformiert.de [2]

Den Sonntag in die Woche bringen Die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde in Bremerhaven feiert seit Januar regelmäßig Gottesdienste in der Woche. Unter dem Motto „Den Sonntag in die Woche bringen“ lädt die Gemeinde einmal pro Monat Menschen dazu ein, „den Gottesdienst als Segensort für das eigene Leben zu erfahren“, so Gemeindepastor Werner Keil. Die Form der Gottesdienste unterscheide sich von der traditionellen, kündigte er an. Der Entscheidung ging eine Befragung unter den Gemeindegliedern voraus, welcher Termin für einen Gottesdienstbesuch günstig sei. www.bremerhaven.reformiert.de

10 Jahre Jugendkirche Osnabrück Vor zehn Jahren wurde die Jugendkirche in Osnabrück gegründet. Mit einem Gottesdienst in besonderer Form feierte die Gemeinde am 11. Februar das Jubiläum. Die Jugendkirche entstand im Zuge einer Neukonzeption der Osnabrücker Gemeindearbeit in den Jahren 2007 und 2008. Die Gemeinde konzentrierte ihre Arbeit auf die Bergkirche in der Innenstadt und das dortige Gemeindezentrum. Drei Kirchen wurden verkauft und die Friedenskirche zur Jugendkirche umgewandelt. Seitdem dient die Kirche als Treffpunkt für junge Menschen, Ort für Jugendgottesdienste, Jugendprojekte und Musik. Regelmäßig finden in Osnabrück auch Veranstaltungen der landeskirchlichen Jugendarbeit statt. Trauung für gleichgeschlechtliche Paare Die Gesamtsynode hat im November Gottesdiensten für gleichgeschlechtliche Paare zugestimmt. Sie billigte einstimmig eine Liturgie für „Gottesdienste anlässlich einer Eheschließung“. Diese neue Ordnung gelte ausdrücklich für die traditionelle Ehe zwischen Männern und Frauen sowie für die gleichgeschlechtlicher Paare, sagte der Theologieprofessor und Synodale Georg Plasger. Inzwischen lege die gesellschaftliche Entwicklung nahe, eine Gleichbehandlung auch bei der Trauung festzulegen. Gleichwohl sei diese Ordnung keine Vorschrift. „Wir können und wollen unseren Gemeinden und Pastoren nicht vorschreiben, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen“, unterstrich Plasger. Wenn eine Gemeinde diese Trauung nicht vornehmen wolle, könne dies in der Nachbarschaft geschehen.

Noch vor 14 Jahren hatte die Segnung homosexueller Paare zu heftigen Diskussionen bei der Gesamtsynode geführt. Damals konnte sich die Synode nicht zu Segnungen homosexueller Partnerschaften durchringen. Die Entscheidung wurde damals vertagt.

IMPRESSUM Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Redaktion: Ulf Preuß (verantwortlich), Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Herbert Sperber, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: dpp - Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.dpp-leer.de Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer

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2 reformiert 2018  

Erinnern Sie sich noch an Ihren Konfirmationsspruch? In den kommenden Wochen werden wieder viele junge Menschen in ihre Kirchengemeinde eing...

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Erinnern Sie sich noch an Ihren Konfirmationsspruch? In den kommenden Wochen werden wieder viele junge Menschen in ihre Kirchengemeinde eing...

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