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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

2 reformiert 2017 201620März April Mai


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Reformation und ihre Folgen: Wie leben eine Katholikin und ein Evangelischer heute ihre Ehe? Wo sich Kirche reformiert: Die Gemeinde Bützow engagiert sich und zeigt Gesicht.

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Foto: Eva Leonenkov

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Foto: Monika Finck

Zum Reformations Seite 4 Christliche Werte sind entscheidend Besuch bei zwei evangelisch-katholischen Paaren Seite 6 Boxenstopp für die Seele Ökumenisches Projekt zum Reformationsjubiläum in Nordhorn

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Seite 8 Die Lust zur Weltgestaltung Fünf Beispiele, wo Reformierte sich gesellschaftlich engagieren Seite 10 Eine Blume für Bützow Bündnis für Flüchtlinge und gegen Rechte in Mecklenburg-Vorpommern Seite 12 Nicht evangelisch oder katholisch im Kopf Junge Reformatoren der Jugendkirche Osnabrück im Gespräch

Seite 14 Reformierter Reisetipp Die Europäische Reformationsstadt Emden Seite 16 Kirchen dienen der Ehre Gottes Berthold Groenewold verabschiedet sich aus der Bauabteilung Seite 18 Personen / Aktuelles / Impressum Seite 20 Position Offener Brief der US Kirchen an Präsident Trump Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Evangelisch-reformierte Kirche Stichwort: reformiert Sparkasse LeerWittmund IBAN: DE94 2855 0000 0000 9060 08 SWIFT-BIC: BRLADE21LER Spendenquittung wird zugesandt Titelgrafik: Designagentur projektpartner


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Foto: Phillip Eifler

jubiläum 2017 Liebe Leserin, lieber Leser, „Die christlichen Werte sind entscheisich unsere Kirche von Gottes Wort dend“, sagt Daniel Kalis im Artiständig erneuern - reformieren kel auf Seite 4. Die Ju- lässt? gendlichen der 500 Jahre Diese Ausgabe von „reJugendkirche formiert“ blickt einReformation Osnabrück meimal mehr auf das Die Kirche im 16. Jahrhundert nen im Gespräch J u b i l ä u m s j a h r, war erneuerungsbedürftig. Die christliüber Reformation das an den leche Botschaft war in den Hintergrund ge(Seite 12), dass gendenhaften sie den UnterAnschlag der treten. An vielen Orten in Europa entstand schied zwischen 95 Thesen Mareine Bewegung, die die Botschaft der Bibel evangelisch tin Luthers an wieder in den Vordergrund rücken wollte. und katholisch die WittenberDie Folge war die Spaltung der Kirche: nicht „im Kopf“ ger Schlosskirin die alte, die katholische Kirche und haben. Ist das tyche vor 500 Jahviele neue, protestantische oder pisch? Wie viel Abren erinnert, und evangelische Kirchen. grenzung brauchen spürt auf, wo dessen wir als Evangelisch-reFolgen heute erlebbar formierte, wenn wir selbstsind. bewusst unseren eigenen Weg Was ist in Ihrem Kopf von der gehen? Und wo zeigt sich heute, dass Reformation geblieben?

Ihr Ulf Preuß

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

Foto: Ulf Preuß

Wo sich Kirche reformiert: Jugendliche aus der Jugendkirche Osnabrück organisieren ihre religiöses Lebensgestaltung. Reisetipp: Emden ist Europäische Reformationsstadt. Am Hafentor hält das Geschichtenmobil des Europäischen Stationenwegs.

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Christliche Werte sind Besuch bei zwei evangelisch-katholischen Paaren gewesen. Getauft, konfirmiert, mit christlichen Evangelisch? Katholisch? „Das spielt heute Werten aufgewachsen, aber ohne enge Bindung im Alltag gar keine Rolle mehr“, ist Daniel Kalis zur Kirche. „Ziemlich typisch evangelisch eben“, überzeugt. „Entscheidend ist, welche Werte man meint er und lacht. „Für Magdalena hat die Kirlebt und dass ein Paar sich darin einig ist“, erche einen weitaus höheren Stellenwert klärt er, und seine Frau Magdalena nickt als für mich.“ Daher ist es für zustimmend. Vor zwei Jahren ihn in Ordnung, dass sein haben sie sich in Folgen Sohn im katholischen einer ökumeder Reformation Glauben aufwachsen nischen Trausoll. „Wenn dir deiung das Ja-Wort Ein evangelisch-katholisches ne evangelische gegeben. Denn Ehepaar? Viele Jahrhunderte nach der Tradition wichtiMagdalena Kalis Reformation und der damit verbundenen ger wäre, hätten hat ihre Wurzeln Kirchenspaltung war das undenkbar. Unwir da sicher in im katholischen versöhnlich lebten die Konfessionen nebeneinigen Punkten Polen und ist ein Problem“, im überwiegend einander, in getrennten Stadtvierteln, in vermutet Magkatholischen getrennten Schulen – oft bis in das 20. dalena Kalis. War Emsland aufgeJahrhundert hinein. Anke Brockmeyer es für die Familien wachsen. Daniel hat zwei katholisch-evangelische schwierig, dass sie Kalis stammt aus Paare getroffen. verschiedenen Konder Nähe von Leer, fessionen angehören? hier ist man reformiert. „Überhaupt nicht“, sagt Gemeinsam mit ihrem kleiMagdalena Kalis. „Unsere Eltern nen Sohn leben sie mittlerweile haben sich gefreut, dass wir kirchlich in Papenburg – einer Stadt mit fast 60 heiraten. Das war ihnen wichtig.“ Prozent Katholiken, aber nicht einmal drei Pro„Schon von weitem kann man Baccum an den zent reformierten Christen. beiden Kirchturmspitzen erkennen. „Die Türme „Wir hatten den Eindruck, dass eine ökumenispannen einen Bogen über der Silhouette Bacsche Trauung mittlerweile Routine ist“, zieht das cums“, heißt es auf der Internetseite des kleinen Paar Bilanz. Die Trauzeremonie wird in diesem Fall Vorortes von Lingen im Emsland. Und tatsächlich von einem evangelischen und einem kathowird Ökumene hier großgeschrieben. Auf dem lischen Pfarrer gehalten. Magdalena und Platz zwischen den Kirchen, der „ökumenischen Daniel Kalis haben in der katholischen Mitte“, finden seit gut 15 Jahren gemeinsame FesKirche geheiratet. „Es war schon eher te statt. Vor diesem Hintergrund ist die Geschichein katholischer Gottesdienst“, erzählt te der konfessionsverschiedenen Ehe von Andrea Daniel Kalis. „Auf keinen Fall“, widerund Horst Wemker eine ganz andere als die des spricht seine Frau. „Zu einer kathoEhepaars Kalis. lischen Trauung gehört immer Nachdem sie sich Jahre zuvor in der katholieine Kommunion, darauf ist schen Kolping-Gemeinschaft kennengelernt hatkomplett verzichtet worden.“ ten, traten Andrea und Horst Wemker 1993 vor Da habe er keine Vergleichsden – evangelisch-reformierten – Traualtar. „Horst möglichkeiten, räumt Daniel war sehr viel stärker in seiner Gemeinde verwurKalis ein, denn bisher sei er zelt als ich in meiner. Ihm war es wichtig, in der „kein großer Kirchgänger“

Andrea und Horst Wemker. Die Katholikin und der Evangelisch-Reformierte heirateten 1993

Foto: Anke Brockmeyer


entscheidend

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evangelischen Kirche getraut zu werden“, blickt Andrea Wemker zurück. Ihrem katholischen Glauben allerdings wollte sie treu bleiben. „Aber uns war klar, dass unsere Kinder selbst entscheiden sollten, welchen Glauben sie annehmen wollen. Deshalb haben wir den Passus, dass Kinder, die aus dieser Ehe entstehen, im katholischen Glauben erzogen werden, nicht unterschrieben“, erklärt ihr Mann und freut sich ganz offensichtlich noch heute darüber, dass seine Frau und er dieser Regel so selbstbewusst entgegengetreten sind. Horst Wemker spielt im Posaunenchor der Kirche, ist Mitglied der Gemeindevertretung, und nach und nach lernte auch Andrea Wemker das Leben in der kleinen reformierten Gemeinde kennen und schätzen. Seit vielen Jahren engagiert sie sich hier im KindergottesdienstTeam. „Es macht mir Spaß, Kindern von Gott zu erzählen und sie für den Glauben zu begeistern. Und das Team hat es als Bereicherung empfunden, dass ich auch was zur katholischen Seite sagen kann“, erklärt sie. Der gute Kindergottesdienst der reformierten Gemeinde sei für sie ein Grund gewesen, ihre Kinder evangelisch taufen zu lassen. Ihren Eltern diese Entscheidung beizubringen, sei allerdings im ersten Moment schwierig gewesen. „Aber sie haben toll reagiert. Mein Vater hat nur gesagt: ‚Deshalb bleiben sie aber doch meine Enkel‘“, erzählt sie gerührt. In Andrea Wemker reifte der Entschluss, ganz zur reformierten Gemeinde gehören zu wollen. 2010 machte sie den letzten Schritt und konvertierte. Und wieder war es ihr Vater, der die richtigen Worte fand, um seine Tochter zu bestärken: „Du bist viel öfter in der Kirche als wir anderen – du tust so viel für Gott.“ Er habe sich gefreut, als seine Frau konvertiert sei, räumt Horst Wemker ein. „Aber ich hätte sie nie dazu gedrängt.“ An einer katholischen Tradition aber hält die 48-Jährige bis heute fest: Wenn große Entscheidungen anstehen, ein nahestehender Mensch krank ist oder Sorgen hat, zündet Andrea Wemker eine Kerze an. „Das ist etwas, das ich von meiner Mutter übernommen habe. Diese Geste gibt mir Kraft, und ich hoffe, jenen, für die sie gedacht ist, auch.“ Von Anke Brockmeyer

Magdalena und Daniel Kalis bei ihrer Hochzeit 2015

Foto: Eva Leonekev

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Boxenstopp für Ökumenisches Projekt zum Reformations chen Beitrag wollen wir zum Reformationsjahr Kein Autorennen wird ohne einen Boxenstopp 2017 leisten“, sagt Pastor Dieter Wiggers von der gefahren. Boxenstopp bedeutet, in einem extra Altreformierten Kirche in Nordhorn. „Zum einen dafür freigehaltenen Platz anzuhalten, prüfen, wollten wir einen Ruhepol schaffen, aber auch ob noch alles in Ordnung ist, und vor allem aufneue Impulse für den Alltag geben. Da kam uns tanken. Trotz aller Schnelligkeit eine kurze Verdie Idee mit einer Glaubensbox mitten in der schnaufpause. Dann kann es weitergehen. Stadt.“ Natürlich stand am Anfang die Frage, wer Einen Boxenstopp für die Seele gibt es demkonstruiert und baut uns so etwas. Aber es fand nächst in Nordhorn. Mitten im öffentlichen Raum sich schnell ein Bauingenieur, der die Pläne erstehen drei kleine Container, die zu einer kleinen stellte. Auch eine Werkstatt wurde gefunden. Eine Pause einladen. Glaube, Liebe, Hoffnung – jeder Schülergruppe der Gewerblichen Berufsschulen in Container hat ein Thema. Er ist fünf Meter lang, Nordhorn baut die drei Boxen im Rahmen einer 2,40 Meter breit und 2,50 Meter hoch. Der Eintritt Schülerfirma. So müssen nur ist wirklich frei, denn es muss keine Tür geöffdie Materialkosten net werden. Man tritt an der einen Seite hinbezahlt werein, und wie in einer richtigen Boxengasse den. gibt es auf der anderen Seite einen Folgen Ausgang. Wer hineingeht, der Reformation ist sofort von der Hektik des Alltags abgeschirmt, Mit der Reformation bekam der denn der Lärm der Straßen christliche Glaube neue Attraktivität. Das dringt nur noch gedämpft Leben der Menschen des ausgehenden Mittelalin diesen Raum. In der ters war von der Angst geprägt, vor Gott nicht beBox gibt es mehrere stehen zu können. Die Erkenntnis der Reformatoren, Wände, an denen sich dass sich kein Mensch vor Gott etwas verdienen müsgrafisch gestaltete Texte und Bilder befinden, die se, sondern Gott sich dem Menschen zuwende, hatte zum Lesen und Betrachetwas Entlastendes. Auch darum waren die Ideen der ten einladen. Die Idee Reformatoren erfolgreich. Heute steht der christliche zu diesen Boxenstopps Glaube erneut vor großen Herausforderungen und kommt aus der Arbeitsmuss um die Aufmerksamkeit der Menschen gemeinschaft christlicher kämpfen. Sind die Themen die gleichen? Kirchen (ACK) Nordhorn. Glaube, Liebe, Hoffnung? „Wir haben uns überlegt, wel-

rrrrrrrrrrrrRRRr RRRRRRRRRRRRRRRr RRRRRRRRRRRRRRRr RRRRRRRRRRRRRRRr rrrrrrrrrrrrRRRr RRRRRRRRRRRRRRRr RRRRRRRRRRRRRRRr RRRRRRRRRRRRRRRr RRRRRRRRRRRRRRRr So könnte die Glaubensbox „Liebe“ am Nordhorner Bahnhof aussehen

Fotomontage: Jörg Richter


die Seele jubiläum in Nordhorn Die Bilder und Texte haben Schülerinnen und Schüler einer zwölften Klasse eines Fachgymnasiums ausgesucht. Dafür haben sie eine Art Hitparade erstellt und besonders darauf geachtet, dass Bilder und Texte nicht nur alle Altersgruppen, sondern auch alle Gesellschaftskreise ansprechen. Für die Gestaltung haben dann Graphiker gesorgt. Nur eine Seite bleibt in dem Boxenstopp frei. Hier können die Besucher eigene Gedanken und Ideen niederschreiben. „Diese wollen wir dann in regelmäßigen Abständen fotografieren und im Internet präsentieren“, erklärt Wiggers. „Das wird dann jeweils die Gemeinde machen, die für die Box die Patenschaft übernommen hat.“ „Die Boxen werden von März bis zum Beginn der Sommerferien an markanten Orten in der Innenstadt von Nordhorn stehen“, sagt Wiggers. „Danach können auch andere Gemeinden die Boxenstopps kostenlos ausleihen. Sie müssen nur für den Transport sorgen.“ Und da die Maße der Glaubensboxen Lkw-gerecht sind, dürfte das kein Problem sein. Für den Bau der Boxen haben Absolventen eines Berufsvorbereitungsjahrs an der Gewerblichen Berufsschule eigens eine Schülerfirma gegründet. Ludger Kwade, Lehrer für Fachpraxis im Bereich Bautechnik, betreut die Gruppe. „Für die Schüler ist es immer besser, wenn sie etwas bauen können, das dann auch Verwendung findet.

Wenn die frisch gemauerte Wand wieder eingerissen wird, damit die Steine wieder verwendet werden können, motiviert das nicht. Hier sehen sie ein richtiges Ergebnis, das sie nachher auch noch in der Stadt stolz zeigen können.“ In der Regel arbeiten fünf bis sechs Schüler an diesem Projekt. Darunter ist auch einer, der nach Deutschland geflohen ist. „Wir sind hier bunt gemischt, und es gibt keine Probleme,“ sagt Kwade. „Denn die größte Herausforderung ist nicht die Herkunft der Menschen, sondern der rechte Winkel.“ Der muss natürlich beachtet werden, sollen die Boxen nicht schief und krumm werden. „Für die Arbeitsvorbereitung müssen wir Fachlehrer sorgen. Das bedeutet Stücklisten schreiben und Arbeitsabläufe erstellen. Dafür muss viel gerechnet werden, da sind unsere Schüler nicht so stark. Aber das müssen die Schüler im späteren Leben ja auch nicht, dafür gibt es ja den Meister und den Vorarbeiter“, meint Kwade. Von Günter Plawer

rrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrr Ein Text für die Box „Glauben“ Gib mir‘n kleines bisschen Sicherheit In einer Welt in der nichts sicher scheint Und gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas das bleibt

Die Schülergruppe der Berufsbildenden Schulen Nordhorn mit ihrem Lehrer Ludger Kwade (ganz links)

(Silbermond)

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Foto: Günter Plawer


rrrrrrrrrrrrRRR Lust zur Wel RRRRRRRRRRRRRRR RRRRRRRRRRRRRRR RRRRRRRRRRRRRRR rrrrrrrrrrrrRRR RRRRRRRRRRRRRRR RRRRRRRRRRRRRRR RRRRRRRRRRRRRRR RRRRRRRRRRRRRRR RRRRRRRRRRRRRRR RRRRRRRRRRRRRRR RRRRRRRRRRRRRRR RRRRRRRRRRRRRRR RRRRRRRRRRRRRRR RRRRRRRRRRRRRRR RRRRRRRRRRRRRRR RRRRRRRRRRRRRRR RRRRRRRRRRRRRRR

Fünf Beispiele, wo Reformierte s

1553

Der Emder Superintendent Johannes a Lasco gründet in seiner Stadt mit Billigung der ostfriesischen Gräfin Anna die „Diaconie der Fremdlingen Armen“. Die Diaconie unterstützte die Mittellosen unter den vielen tausend Glaubensflüchtlingen, die im 16. Jahrhundert aus den Niederlanden nach Emden kamen. Bis heute ist die Diaconie der Fremdlingen Armen in der Stadt aktiv und kümmert sich vor allem um die sogenannten verschämten Armen. Mit ihrer Erlaubnis setzte sich Gräfin Anna gewiss nicht nur für gelebte Nächstenliebe ein, sondern verfolgte auch machtpolitische Erwägungen. Die Diaconie war auch ein geeignetes Mittel, die vielen Fremden zu integrieren.

Folgen der Refo

Diaconenportrait von 1659, Gemälde von Alexander Sanders, Leihgabe der Stadt Emden an die Johannes a Lasco Bibliothek

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Aus dem Glaub Welt gestalten. Sch ger Katechismus, die Bekenntnisschrift von „Wir sollen gute Wer Frage 86. „Wir überne und beziehen Stell schaft“, sagt das Im kunft der Evangel Kirche vo

Mit Frank-Walter Steinmeier ist ein Politiker Bundespräsident, der auch seinen christlichen Glauben als Motiv für sein politisches Handeln anführt. Steinmeier stammt aus dem kleinen Ort Brakelsiek im Lipper Land am östlichen Rand Nordrhein-Westfalens. Dort ist man evangelisch-reformiert. Mit der Gründung eines Jugendzentrums erlebt er erstmals, wie politisches Engagement etwas bewirken kann. In seiner Zeit als Außenminister betonte er mehrfach, dass eine Botschaft der Reformation sei: Mischt euch ein, nehmt eure Verantwortung vor Gott und der Welt wahr. 2015 sagte er in Nürnberg, die Bibel sei für ihn ein Kompass zur Selbstüberprüfung: „Habe ich das Richtige getan? Habe ich genug getan?“ Steinmeier gehört seit vielen Jahren dem Präsidium des Kirchentags an und ist auch Mitglied im Reformierten Bund, dem Dachverband der Evangelisch-Reformierten in Deutschland.

Foto: Photothek/ Thomas Köhler

1982

In der Hochzeit des K West mischt sich der Re Der neu gewählte Bundespräsident Frank-Walter denspolitik ein. 1979 hatte Steinmeier nisierung der Atomwaffen d Atomwaffen zu reagieren und zu anzustreben. 1983 wurden in Europ Mitten in die Zeit der großen Friedensd formulieren die Reformierten: „Die Fr Bekenntnisfrage.“ Der Einsatz von Massenve verleugne die Botschaft des Evangeliums, he klärung „Das Bekenntnis zu Jesus Christus und d antwortung der Kirche“. Der Reformierte Bund ford Schritte der Abrüstung ebenso wie eine Verpflicht ohne Anwendung oder Androhung von Gewalt lö

Friedensdemonstration auf dem Kirchentag


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sich gesellschaftlich engagieren

1848

Der Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen (18181888) gründet mit dem „Flammersfelder Hilfsverein zur Unterstützung unbemittelter Landwirte“ die erste landwirtschaftliche Genossenschaft. Später kommen der Heddesdorfer Darlehnskassenverein (1864) und die Rheinische Landwirtschaftliche Genossenschaftsbank (1872) dazu. Foto: wikimedia Günstiger gemeinsamer Einkauf von Produktionsgütern sowie die gemeinsame Erntevermarktung wurden entsprechend Raiffeisens Modell in vielen Dörfern eingeführt. Der Leitspruch „Einer für alle, alle für einen“ wurde für die landwirtschaftlichen Genossenschaften die Basis des Handels. Der Name ihres Gründers ist eine Marke, die heute noch mit den Genossenschaftsläden und Genossenschaftsbanken existiert.

lgen ormation

Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Gemälde um 1870

1864

ben heraus die hon der Heidelbere zentrale reformierte n 1563, legt dies nah. rke tun“, heißt es in ehmen Verantwortung lung in der Gesellmpulspapier zur Zulisch-reformierten on 2016.

Der Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant (1828 bis 1910) beschreibt in seinem Buch „Eine Erinnerung an Solferino“, wie furchtbar Verwundete nach einer Militär-Schlacht leiden mussten. Er schlägt vor, freiwillige Hilfsgesellschaften zum Schutz und zur Versorgung von Verwundeten und Kranken im Krieg zu gründen. 1863 bildet sich daraufhin in Genf das Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege, seit 1876 heißt es Internationales Komitee des Roten Kreuzes. 1864 unterzeichnen zwölf europäische Staaten die Genfer Konvention, die erste Vereinbarung über den Umgang mit Kriegsopfern. Das Kalten Krieges zwischen Ost und heute gültige Genfer Abkommen wird von 192 Staaten eformierte Bund in die aktuelle Frieanerkannt. die NATO beschlossen, auf die Moderdes Warschauer Paktes mit neuen eigenen Henry Dunant, Gemälde von ugleich Gespräche über Abrüstung 1901, pa neue Waffen aufgestellt. demonstrationen hinein riedensfrage ist eine ernichtungswaffen eißt es in der Erdie Friedensverderte einseitige tung, Konflikte ösen zu wollen.

g in Hannover 1983

Foto: Norbert Neetz/epd

Foto: wikimedia commons


rrrrrrrrrrrrRRRr RRRRRRRRRRRRRRRr RRRRRRRRRRRRRRRr RRRRRRRRRRRRRRRr rrrrrrrrrrrrRRRr Eine Blume für Bützow RRRRRRRRRRRRRRRr RRRRRRRRRRRRRRRr Foto: Ralf Badenschier

Bündnis für Flüchtlinge und gegen Rechte in Mecklenburg-Vorpommern

Protest gegen einen Naziaufmarsch im Oktober 2015

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und Zauberei wird es ein Nachmittag ganz nach Sonntagnachmittag im Januar im Pfarrhaus dem Wunsch der Mitstreiter aus dem Bündnis der katholischen Kirche in Bützow: Zögernd füllt „Eine Blume für Bützow“. sich der kleine Saal. „Eigenartig, heuEs war im Mai 2014, als te sind die Deutschen in der Bützows Bürgermeister Überzahl, sonst ist es Christian Grüschow immer umgekehrt“, wo sich und Gottfried Härätselt kirche reformiert gele vom Verein Mo n i k a Reformation ist ein Prozess, der „PferdemarktFinck, nicht abgeschlossen ist. Er begann vor quartier“ die zu dieser mehr als 500 Jahren – immer wieder muss sich engagierte VeranstalMänner tung des die Botschaft von Jesus Christus neu ausrichten. und FrauBündnisDiese Überzeugung prägte besonders den reforen der ses „Eine mierten Zweig der Reformation; „ecclesia reformata Stadt aus Blume für – semper reformanda“ lautet die lateinische Formel. Vereinen Bützow“ Wie kann und muss sich Kirche heute reformieren? Ist und Inseingeladie große Welle der Hilfsbereitschaft gegenüber den titutionen den hat. Flüchtlingen, wie sie auch die Kirchengemeinden einluden. Während Grund war die Neugezeigt haben, so etwas wie Reformation? die AnkündiankömmlinUnd wenn das engagierte Eintreten gegen gung, dass ab ge Bekannte Rechte noch dazu kommt? Juli Flüchtlinge begrüßen und auch nach Bützow Neuigkeiten austaukommen sollten – und schen, beaufsichtigen der Bürgermeister befürchdrei Mütter im Spielzimmer tete Proteste dagegen aus rechihre Kinder. Die Kleinen sind auch ten Gruppierungen. Als Bündnis für eine offeThema des Gesprächs, das die Frauen aus ne und tolerante Gesellschaft in Bützow gründete der Ukraine, Ägypten und Deutschland mit vielen sich „Eine Blume für Bützow“ dann im Juni. „Mich Gesten führen. Dann kann der „zauberhaft muhat die reine Neugier zur Mitarbeit hier bewegt“, sikalische Nachmittag“ eröffnet werden. „Auf all erklärt Monika Finck. Die 55-Jährige ist Erziehemeinen Wegen hast du mich beschützt“ wird gerin von Beruf. Aufgrund ihrer vier Kinder sei sie sungen. Danach zieht Zauberer Domix aus Klein selbst nicht so viel in der Welt herum gekommen. Raden die Besucher in seinen Bann. Mit Musik


rrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrr Foto: Monika Finck

Als nun „die Welt“ nach Bützow kam, wollte sie gern Kontakte knüpfen. „Ich habe das immer als Chance gesehen und bin bis heute interessiert an dem, was andere aus ihrer Heimat berichten“, sagt sie. Zu Beginn war die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung groß, viele beteiligten sich an Spendenaktionen. Um sich als Organisation vernünftig aufzustellen und sich auch gegen Rechte behaupten zu können, holte sich das Bündnis 2015 Unterstützung bei der Evangelischen Akademie der Nordkirche aus Rostock. Erste Leiterin wurde Britta Schacht, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Ebenfalls von Beginn an dabei war Christine Oberlin, Pastorin der reformierten Kirchengemeinde. Im dortigen Gemeindehaus trafen sich die Mitstreiter, um ihr Vorgehen und Aktionen zu planen. „Für mich gab es gar nichts anderes, als Interesse zu zeigen und dabei zu sein“, so die 55-Jährige. Es reiche nicht, den Flüchtlingen Teddys zuzustecken. Man müsse auch Taten folgen lassen und ihnen in vielen praktischen Dingen helfen. So entstanden gemeinsame Kaffeenachmittage ebenso wie Aktionen auf dem Markt oder individuelle Hilfe. Patenschaften wurden übernommen und Sprachkurse angeboten. Zweimal rief das Bündnis vor Naziaufmärschen in der Stadt zu Gegendemonstrationen auf. Solche Nachmittage wie im Januar können die Brücke zwischen den Einheimischen und den Zugereisten bauen, sie dienen dem Kennenlernen und der Kontaktaufnahme. Hier könne man voneinander hören und lerne Sorgen und Nöte kennen, meint Ulf Schmidt (46) aus Bützow. Auch

für ihn stand schnell fest, dass er sich in dem Bündnis engagieren will. „Ich bin als 18-Jähriger in der Prager Botschaft gewesen und als Flüchtling in den Westen gekommen. Damals habe ich eine große Hilfsbereitschaft gerade von den Kirchen erlebt und wollte nun ebenso helfen“, erklärt er. In der Steuergruppe, in der neue Vorhaben festgezurrt werden, arbeitet er noch immer mit und ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Er würde eine enge Zusammenarbeit mit anderen Vereinen begrüßen. Auch Monika Finck hat Wünsche für die Zukunft. „Wir sollten vor allem breiter aufgestellt sein.“ Denn die Länge trage auch hier die Last. 2016 sei zu merken gewesen, dass so manche der Mitstreiter ihre Bemühungen eingeschränkt hätten. Hoffnung setzen die aktiven Bündnismitglieder derzeit auf ein Interaktionszentrum, das in der Stadt entstehen soll. Dort könnten sich dann neben den ehrenamtlichen Mitstreitern auch hauptamtliche um die Belange der Menschen kümmern, die in Bützow und Umgebung Hilfe und ein neues Zuhause gesucht haben. Eines ist der Gruppe auch wichtig: Eher leise zu organisieren, um der sogenannten rechten Klientel keine Handhabe zu geben, ihre Veranstaltungen zu stören. Verbale Angriffe auf seiner Facebook-Seite musste das Bündnis schon häufiger hinnehmen. Doch auf keinen Fall wollen sie Angst zulassen. „Denn die würde unser Engagement und uns letztlich lähmen“, sagen sie. Von Sieglinde Seidel

Aktion der „Blume für Bützow“ zum Nikolausfest

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Nicht evangelisch oder katholisch Junge Reformatoren der Friedenskirche im Gespräch

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An diesem Mittwoch sind einige Teilnehmer früSechs junge Menschen machen es sich gemüther gekommen als üblich. Der nächste Jugendgotlich. Lockere Sprüche kreisen durch die Runde, tesdienst steht an und die Planung der zweiten genauso wie Teekanne und Chips. Treffpunkt ist Jahreshälfte. Und das nächste gemeinsame Kodie reformierte Friedenskirche in Osnabrück, der chen – das geht immer mal zwischendurch. Nach Anlass heißt Ten Sing - ein Projekt zum Ausproden Sommerferien dürfte dann die Reformation bieren und Dabeibleiben. An diesem Mittwoch thematisiert werden, schlägt Philipp Eifler vor. kommt ein weiteres Thema auf den Tisch: die Selbstverständlich wissen alle in der FriedensReformation und wie es sich anfühlt, selbst Rekirche, was es mit diesem Jahr, dem Lutherjahr, formator zu sein. auf sich hat. „Ehrlich gesagt: Die Reformation ist Ten Sing ist das Mittwochsprogramm für etwa in unserem Kreis kein großes Thema“, wirft Nils 35 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen Unterderweide (20) ein. „Damit werden wir in der 13 und 30. Ten Sing ist für sie Bühne für Chor, Schule reichlich bombardiert“, ergänzt Band, Tanz, Theater und Technik. Jeder die 14-jährige Wiebke Schröder. und jede probiert aus, was am Nichtsdestotrotz: Man unmeisten Spaß macht und WO SICH terhält sich, über das, worin die größwas vor 500 Jahren te FreizeitKirche Reformiert begann und noch erfüllung Das Priestertum aller Gläubigen ist immer nicht abliegt. Und alle ein zentraler Begriff der Reformationszeit. geschlossen, sind fündig geEs meint, dass alle Christen das göttliche ja nötiger worden. „Wir denn je ist sind eine Heil erlangen, ohne dass dafür die Vermittlung – die Erneugroße Geeines Priesters nötig ist. Und damit kann auch erung der meinschaft jeder Aufgaben übernehmen, die sonst den PriesKirche. mit gleichem tern vorbehalten waren. Ob die Reformatoren „ W e n n Interesse dabei auch an junge Menschen gedacht haes die Refor- eben Ten ben, wie sie etwa in der Jugendkirche Osnamation nicht Sing“, sagt brück aktiv sind und dort Gottesdienste gegeben hätte, Jenna Shreyner. säßen wir alle In der Jugendkirgestalten, wie sie ihnen gefallen? nicht hier in einer che wird auch deutreformierten Kirche“, lich, dass Ten Sing inbemerkt Josy Landgraf. Die zwischen mehr ist, nämlich 23-Jährige ist Chorleiterin bei Freundschaft und GlaubensleTen Sing und erst seit zwei Jahren evanben. „Hier haben wir das Familiengegelisch-reformiert. „Hier habe ich meine religiöse fühl“, versichert Jenna, seit fünf Jahren dabei und Heimat gefunden. Reformiert sein ist besser als Ten Sing-Sängerin. Die „Dienstälteste“, wennalles andere“, versichert die Osnabrückerin. „Wir gleich keine Ten Singerin, ist Nicole Matheus. sind Glaubensschwestern und eng verbunden“, Die 29-Jährige kam vor sechs Jahren durch einen meint Jenna, die der russisch-orthodoxen Kirche Jugendgottesdienst in die Gruppe und blieb hänangehört. gen. Heute gehört sie zum Organisationsteam Im Grunde ist die Frage nach der Konfessiund ist Ansprechpartnerin für alle und alles. Der on in der Jugendkirche gar keine. Hier ist jeder einzige Hauptamtliche ist Jugendreferent Philipp willkommen. „Wir haben weder evangelisch, Eifler. Er übernahm vor gut einem Jahr die Leitung katholisch oder sonst eine Konfession im Kopf, der Jugendkirche. „Ten Sing läuft hervorragend, wir sind Christen“, so die übereinstimmende das Konzept passt“, so sein Fazit.


im Kopf

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Meinung in der Runde. Dann berichten die Jugendlichen, was ihnen an Kirche, an ihrer Friedenskirche, so wichtig ist: Sie ist der Zugang zu Gott, Glauben ohne Zwang, Selbstständigkeit, Entscheidungsfreiheit, Beten mit Musik und Kreativität, Offenheit, gelebte Vielseitigkeit. So ähnlich wie es sich die Reformatoren Luther und Calvin wünschten. Überhaupt sei die Reformation eine Sache der spirituellen Bewegung, heute nötiger denn je und niemals abgeschlossen. Und was würden die Ten Singer machen, wenn sie reformieren wollten? „Wir müssen eine lückenlose Kirche haben. Das Geld der Konfirmation absahnen, dann sich bis zur Rente nicht mehr sehen lassen – das geht gar nicht.“ Vehement vertritt Josy ihre Meinung. Starre Klischees müssen verschwinden, auch konfessionelle Barrieren, die junge Leute ohnehin nicht interessieren. Leider schreckt Kirche eher ab, als dass sie offen auf die Menschen zugeht, bedauern Nils und Valerie. Die Jugendkirche in Osnabrück sei da ganz anders. Und deshalb der beste Beweis, dass Erneuerung funktionieren kann. Von Bärbel Recker-Preuin

Foto: Bärbel Recker-Preuin

Teambesprechung mit Nicole Matheus und Philipp Eifler (oben)

Fotos: Philipp Eifler


REFORMIERTES REISEZIEL

Die Reformationsstadt Emden Das Reformationsjubiläumsjahr 2017 steht in Emden im Zeichen des Themas Reformation und Migration und ist mehrere Reisen in diesem Jahr wert. Den Auftakt bildet Ende März der Europäische Stationenweg, der 67 Orte der Reformation in 19 Ländern miteinander verbindet. Im Mai widmen sich dann die Emder Museen dem Thema: das Ostfriesische Landesmuseum und die Johannes a Lasco Bibliothek mit einer historischen Ausstellung, die Kunsthalle Emden aus Sicht der modernen und zeitgenössischen Kunst.

S t a t i o nenweg

K u ns t h alle E mden

Europäischer Stationenweg zum Reformationsjubiläum 29. bis 31. März in Emden

Your Story! Geschichten von Flucht und Migration 13. Mai bis 5. November

Zentrale Orte sind der Platz am Hafentor am Ratsdelft und die Johannes a Lasco Bibliothek. Am Hafentor treffen das Geschichtenmobil, das die 67 Orte in Europa miteinander verbindet, und die historische Seetjalk Anne aufeinander. Sie ist als „Schepken Christi“ das zentrale Motiv für das Motto: „Ich bin fremd gewesen. 500 Jahre Reformation - 500 Jahre Migration.“ Die heutige Bibliothek und ehemalige Große Kirche Emden ist der Ort für die Hauptveranstaltung. Die Evangelisch-reformierte Kirche und die Reformationsstadt Emden laden ein.

Die Kunsthalle Emden nähert sich dem Thema aus Sicht der modernen und zeitgenössischen Kunst. Gezeigt werden dabei individuelle Geschichten der Flucht und Migration. Video und Fotografie spielen eine wichtige Rolle. Gezeigt werden u.a. Werke von Basel Abbas und Ruanne Abou-Rahme, Etel Adnan, Kader Attia, Ergin Cavusoglu, Felix Gonzales-Torres, Jonas Mekas, Antonio Paucar, Anny und Sibel Öztürk, Mika Sperling und Hamid Suleiman.

Mittwoch, 29. März 18 Uhr - Begrüßung des Geschichtenmobils des Europäischen Stationenwegs am Hafentor in Emden

Ort: Kunsthalle Emden, Hinter dem Rahmen 13, 26721 Emden www.kunsthalle-emden.de

Donnerstag, 30. März Das Geschichtenmobil ist am 30. März den ganzen Tag für Besucher geöffnet. 16 Uhr - Ankunft und Begrüßung des „Schepken Christi“ am Hafentor

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17 Uhr - Ich bin fremd gewesen. 500 Jahre Reformation – 500 Jahre Migration: Film, Gespräch, Musik, Theater in der Johannes a Lasco Bibliothek. Ein Programm der Evangelisch-reformierten Kirche über Migrationsgeschichten aus fünf Jahrhunderten mit vielen Gruppen und Initiativen 20 Uhr - Rock-Oratorium „Luther! – Rebell wider Willen“ Neue Kirche Emden (Vorverkauf: Landesbühne Niedersachsen) Freitag, 31. März 10 Uhr - Verabschiedung des Geschichtenmobils des Europäischen Stationenwegs am Hafentor in Emden

Seetjalk Anne, Schepken Christi 2017

Foto: Ulf Preuß

Kunsthalle Emden: Fotografien - Ergin Cavusoglu


u ehst mich

Os t f riesisc h es L andesm u se u m

reformHaus Begegnungsort für Reformierte und K3 Französische Friedrichstadtkirche Gendarmenmarkt 5

J o h annes a L asc o B ibli o t h ek

Mose 16,13) Reformation und Flucht. Emden und die

Mose 16,13)

Ort: Landesmuseum Emden, Brückstr. 1, 26721 Emden www.landesmuseum-emden.de

u ehst mich

Ort: Johannes a Lasco Bibliothek, Kirchstr. 22, 26721 Emden www.jalb.de

Ostfriesisches Landesmuseum Emden: Johann Mencke, Blick auf Emden von der Insel Nesserland, 1616, Öl auf Leinwand.

Mose 16,13)

Tagzeitengebete Do/Fr/Sa 8.30, 13, 18 und 22 Uhr Global Prayer – internationales Friedensgebet Fr/Sa 22 Uhr Offenes Psalmensingen Do/Fr/Sa 13.30 Uhr Feierabendmahl – Culte avec Sainte-Cène Fr 19 Uhr – Deutsch-französischer Gottesdienst „Deutschland trifft Frankreich“ Do 19.30 Uhr – Orgelkonzert mit KMD Kilian Neuhaus Reformed worship service international on church and exile Fr 15 Uhr François Couperin: „Messe für die Gemeinden“ Sa 20 Uhr – Konzert für Orgel und gregor. Gesang, KMD Kilian Neuhaus

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Im Hugenottencafé kirchentag.de | Servicenummer: 030 400 339-100 Do 15 Uhr – from … - App für reformierte Frömmigkeit Fr 15 Uhr – Die Reformierte Welt kommt nach Leipzig Sa 15 Uhr – Église unie de France Do 20 Uhr – Podiumsdiskussion „Mediterranean Hope“ Sa 20 Uhr – „Faithful for centuries“. Die Geschichte d. Waldenser reformierBar Do/Fr/Sa 10.30 - 21 Uhr – Interviews, Information, Kaltgetränke. Ein Open-Air-Angebot der Reformierten Kirchen in der Schweiz

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Die Ausstellung stellt den Wandel der Stadt Emden und ihrer Bevölkerung in sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht dar und beleuchtet ebenso die rechtlich-politischen Veränderungen im Reformationsjahrhundert. Wichtiger Teil der Ausstellung im Landesmuseum ist die Darstellung des Zusammenlebens der einheimischen und der zugezogenen Bevölkerung. Am Beispiel von mehr als 30 Lebensgeschichten von Männern und Frauen, Erwachsenen und Kindern, Zugezogenen und Einheimischen werden die Umbrüche der Epoche veranschaulicht.

Waldenserrestaurant – Pasta und mehr Do/Sa ab 18, Fr ab 20 Uhr

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Do 14.30 Uhr – Eröffnung mit Bischof Jan Janssen, Schriftführer Renke Brahms und Kirchenpräsident Martin Heimbucher kirchentag.de | Servicenummer: 030 400 339-100

(1. Mose 16,13)

Als Reformationsstadt veränderte sich Emden zu jener Zeit grundlegend, sowohl in religiöser als auch weltlicher Hinsicht. Emden war ein Fluchtpunkt und Schmelztiegel für Glaubensflüchtlinge aus vielen Regionen und Territorien des Reiches und Europas. Mitte des 16. Jahrhunderts lebten mehrere Tausend von ihnen in der Stadt. Die Glaubensflüchtlinge verhalfen der bürgerlich geprägten Reformation zum Durchbruch.

Hugenottencafé – Treffpunkt mit Kaffee & Kuchen Do/Fr/Sa 14 - 18 Uhr

kirchentag.de | Servicenummer: 030 400 339-100

Glaubensflüchtlinge im 16. Jahrhundert 14. Mai bis 5. November


Kirchen dienen der Berthold Groenewold verabschiedet sich Berthold Groenewold, Leiter der Bauabteilung der Evangelisch-reformierten Kirche, ist Ende Februar in den Ruhestand gegangen. 32 Jahre lang leitete der 65-jährige Architekt die Geschicke rund um alle Gebäude in der Evangelisch-reformierten Kirche. In seiner Zeit gab es nur einen Kirchenneubau: in Hildesheim. Und in Meppen den Neubau eines Glockenturms. Aber: viele Neuerrichtungen von Pfarrhäusern – und unzählige Sanierungen und Restaurierungen. Da diese Baumaßnahmen immer teuer sind, gehörte es auch zu seinen Aufgaben, zusammen mit den Kirchengemeinden hierfür Geld einzusammeln: bei der Denkmalpflege, bei Stiftungen, in der Politik. Ein Rückblick und Ausblick. Herr Groenewold, 32 Jahre in der Bauabteilung sind mit Blick auf mehr als 500 Jahre, die so manche Kirche alt ist, nichts. Dennoch: Hat sich Ihrer Meinung nach in dieser Zeit das Verhältnis der Menschen zur Kirche, die ja oft im Mittelpunkt des Dorfes steht, etwas geändert? Die Organisation Kirche hat sich in dieser Zeit mehrfach mit den Veränderungen auseinandergesetzt, jüngstes Beispiel ist der 2015 gestartete Zukunftsprozess. Er sollte die Möglichkeit schaffen, mit den Menschen über das Verhältnis zur Kirche neu ins Gespräch zu kommen, um zu erklären, warum sich in den Gemeinden etwas verändert, etwa warum es weniger Pfarrerinnen und Pfarrer gibt. Wie die Menschen zu ihrer Gemeinde stehen, hängt von Tradition ab. Für die Menschen, die traditionell in der Gemeinde ihren Glauben leben,

braucht es Orte für die Versammlung, braucht es die Gottesdienste an den Sonntagen und kirchlichen Feiertagen, für andere Menschen braucht es auch besondere Aktionen. Das Verhältnis der Menschen zum Kirchengebäude, insbesondere auf dem Dorf und besonders bei einer sehr alten Kirche, hat sich wohl kaum verändert. Ich gehe davon aus, dass es großen Protest gäbe, wenn man die Kirche verkaufen oder abbrechen wollte. Welche Baumaßnahme, die Sie in Ihrer Zeit begleitet haben, wird Ihnen besonders in Erinnerung bleiben? Die größte und wohl bedeutendste Maßnahme war der Wiederaufbau der im zweiten Weltkrieg zerstörten Großen Kirche zu Emden in den Jahren 1992 bis 1995, mit dem sie eine neue Funktion als wissenschaftliche Bibliothek und Studienzentrum erhielt. Am Standort der heutigen Johannes a Lasco Bibliothek wurde durch den Neubau der Schweizer Kirche auf einem Teil des Grundrisses der Großen Kirche 1948, den Wiederaufbau des oberen Teils des Kirchturmes 1955 und den Wiederaufbau 1995 Architekturgeschichte der Nachkriegszeit geschrieben. Noch wichtiger waren aber die vielen großen und kleineren Restaurierungen an den Kirchen in allen Regionen unserer Landeskirche. Ich erinnere mich an alle. Viele Kirchengebäude sind Baudenkmale und viele vorreformatorischen Ursprungs. Sie konnten in ihrem Bestand gesichert werden, in ihrer Funktion nutzbar bleiben und geänderten Bedingungen angepasst werden. An diesen Kirchen lassen sich Baugeschichte und Kirchengeschichte deutlich ablesen. Mir war es wichtig, dass diese Spuren sichtbar bleiben, auch wenn es ästhetisch zu Störungen kommt. So sollen die Predigträume ihren Wandel durch die Reformation erkennen lassen, wobei eine Freilegung von Wandmalereien heute zugelassen werden soll.

Die Johannes a Lasco Bibliothek heute: links vorn der Bibliotheksanbau, rechts die wiederaufgebauten Ruinen der Großen Kirche, links im Hintergrund der wieder errichtete Glockenturm


Ehre Gottes aus der Bauabteilung Gibt es ein biblisches Motto, das Sie in den Jahren Ihrer Arbeit in der Bauabteilung begleitet hat? Mir ist es wichtig, dass die Kirchen das erfüllen, wofür sie gebaut wurden. Sie dienen der Ehre Gottes und sind Orte, in denen sich die Gemeinde zum Gottesdienst versammelt. Zusätzlich können sie noch Konzert- oder Kunstraum sein, aber nur im Einklang mit den Zielen der Kirche. Folglich begleitete mich aus Psalm 26, 8: „HERR, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“ Welche Aufgaben sehen Sie, was die Gebäude anbelangt, in den kommenden Jahren auf die Gemeinden zukommen? Die notwendigen Gebäude müssen natürlich angemessen unterhalten und gepflegt werden und, wie an vielen Stellen bereits geschehen, dem Bedarf angepasst werden. Das bedeutet auch mal ein Gebäude aufzugeben. Dabei sollten die Kirchen, insbesondere die historischen Dorfkirchen, nicht angetastet werden. Ihr Erhalt ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe, die deutlich gemacht werden muss. Wenn Sie heute einen Kirchenneubau durchführen dürften, worauf würden Sie dabei besonderen Wert legen? Mit der Gemeinde wäre der Bedarf hinsichtlich der Raumgröße für die dort Handelnden, also Prediger, Musiker und Vortragende, und für die Besucher zu klären, um die Planungsaufgabe klar zu beschreiben. Zur Klärung der Gestaltung sollte ein Architektenwettbewerb durchgeführt werden. Es ist bei der Auswahl der Materialien auf Nachhaltigkeit zu achten, ohne dabei die künstlerische Freiheit zu sehr einzuschränken. Für die Identifikation braucht diese Kirche einen Glockenturm und Glocken. Bei der Entscheidung über Auswahl eines Entwurfes ist eine hohe fachliche Kompetenz erforderlich im Dialog mit den Nutzern.

Und was macht Berthold Groenewold im Ruhestand? Zunächst einmal bin ich dankbar, dass ich über diesen langen Zeitraum den Dienst für unsere Kirche tun durfte und dass ich gesund geblieben bin. Ich danke Gott, dass er seine schützende Hand über mich gehalten und mich bewahrt hat, besonders auch auf den vielen Dienstreisen mit dem Auto. Für die kommende Zeit, so sie mir geschenkt wird, habe ich ausreichend Ideen. Wenn man auf dem Lande wohnt, Familie, Haus und Garten hat, dann gibt es immer was zu tun, wofür sonst die Zeit fehlte. Meiner Kirche bleibe ich weiterhin verbunden und möchte gerne meine ehrenamtlichen Tätigkeiten in der Gemeinde fortsetzen. Interview: Ulf Preuß

Berthold Groenewold im Landeskirchenamt in Leer

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PERSONEN

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Matthias Peterhoff hat als Jugendreferent den Synodalverband Bayern verlassen. Der 39-jährige Diakon verantwortete neun Jahre die Jugendarbeit der EvangelischReformierten im Süden. In einem Jugendgottesdienst in Bayreuth dankte Präses Simon Froben Peterhoff und seiner Familie für das Engagement und das „Tragen dieser schönen, aber auch nicht immer familienfreundlichen Aufgabe“. Peterhoff hat im Januar bei der lutherischen Landeskirche in München eine neue Aufgabe im Arbeitsfeld internationale Jugendarbeit angetreten. [2]

Traute Schilling ist die neue Leiterin der Bauabteilung im Landeskirchenamt in Leer. Die 49-jährige Architektin arbeitet schon seit 24 Jahren für die Evangelisch-reformierte Kirche und tritt am 1. März die Nachfolge von Berthold Groenewold an (s. Seiten 16/17). Zukünftig ist sie für die Begleitung der Baumaßnahmen und Restaurierungen der mehr als 500 kirchlichen Gebäude zuständig. Nachfolger auf ihrer Stelle in der Bauabteilung wird der 34-jährige Steinmetz und Architekt Sebastian Giesner. [3]

Ahlerich Ostendorp, Schulpastor aus Nordhorn, ist am 1. Dezember in seinen Ruhestand gegangen. Er erteilte 27 Jahre lang Religionsunterricht am Nordhorner Gymnasium. In den letzten Monaten war er im Rahmen einer Eltern-

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[1]

Ard Nap, Pastor in Wymeer, ist neuer Präses des Synodalverbands Rheiderland. Die Synode dort wählte den 44-Jährigen zu ihrem Vorsitzenden als Nachfolger von Manfred Gerke, Pastor in Stapelmoor. Gerke gab sein Amt vorzeitig ab, da er in diesem Jahr in den Ruhestand tritt. Naps Amtszeit dauert jetzt bis zu den Gemeindewahlen 2018, in deren Folge auch die Synoden der Synodalverbände neu bestimmt werden. [4]

Reiner Rohloff, evangelisch-reformierter Moderator im Kloster Frenswegen, ist neuer Beauftragter der Evangelisch-reformierten Kirche für das christlich-islamische Gespräch. Kirchenpräsident Martin Heimbucher gab die Berufung des 53-jährigen Theologen vor der Gesamtsynode bekannt. Rohloff hat in den vergangenen zwei Jahren im Kloster Frenswegen das „Forum Christen und Muslime“ aufgebaut und will dessen Aktivitäten nun ausweiten.

[3]

Foto: privat

der Jugendarb eit der Evangelisc h-reformierten Kirche

2017 [1] Freizeiten und Seminare der Jugenarbeit der Evangelisch-reformierten Kirche

[1] Christliche Gemeinde auf Zeit Die Evangelisch-reformierte Kirche hat ihr Freizeitprogramm für das Jahr 2017 veröffentlicht. In dem Programmheft finden sich mehr als 50 Freizeiten und Seminare für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Landesjugendpastor Bernhard Schmeing bezeichnete die Freizeitangebote als „christliche Gemeinde auf Zeit“. Wer sich zu einer Jugendfreizeit anmelde, erhalte die Gelegenheit, eine christliche Gemeinschaft zu erleben und sich mit Fragen des Glaubens auseinanderzusetzen. Alle Ferienangebote seien sehr sorgfältig geplant und würden nur möglich, weil jedes Jahr viele ehrenamtliche Helfer als Teamer und Freizeitbegleiter die Reisen mitgestalten. Im Jahresprogramm 2017 finden sich Sommerfreizeiten für ältere Jugendliche etwa in Kroatien, Spanien oder Schweden, aber auch Reisen in die nähere Umgebung für Kinder und Jugendliche. Eine internationale Jugendbegegnung führt in die osteuropäischen Länder Tschechien und Rumänien. Die Gemeinde Hannover bietet eine Wanderreise nach Israel und Palästina an. Die Programmübersicht enthält auch alle Schulungen, die absolviert werden sollten, um als Teamer oder Teamerin in der Jugendarbeit aktiv zu werden. Der Freizeit- und Seminarplan ist in allen evangelisch-reformierten Gemeinden erhältlich oder im Landesjugendpfarramt kostenlos zu bestellen: Mail: jugend@reformiert.de

Foto: Ulf Preuß

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Freizeiten und Seminare

zeitvertretung in der Schüttorfer Gemeinde tätig. Der 65-Jährige war besonders engagiert in der ökumenischen Zusammenarbeit, so war er von 2007 bis 2010 Inhaber der Projektpfarrstelle für Fragen der Globalisierung, die maßgeblich das deutsch-südafrikanische Positionspapier „Gemeinsam für eine andere Welt“ zu Fragen der Globalisierung begleitete.

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[2] Diskussion zwischen Generationen Die Gesamtsynode der Evangelisch-reformierten Kirche tagt im April erstmals zusammen mit Vertretern aus der Jugendarbeit. „Wir wollen uns im Gespräch zwischen unterschiedlichen Generationen mit Zukunftsfragen der Kirche auseinanFoto: Ulf Preuß

Foto: privat


Siegfried Macht

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Foto: Jens Schulze

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Kirchenpräsident Martin Heimbucher

dersetzen“, so Kirchenpräsident Martin Heimbucher. Die 61 Synodalen, Vertreter aus der Jugendkonferenz und Studierende der Theologie werden sich in Arbeitsgruppen mit Reaktionen auf den 2015 begonnenen Zukunftsprozess beschäftigen. Bis Ende Januar sind 105 schriftliche Stellungnahmen aus Kirchengemeinden und anderen Einrichtungen auf ein 2016 verschicktes Impulspapier eingegangen. Die Synodenmitglieder und Vertreter aus der Jugendarbeit wollen gemeinsame Merksätze für den weiteren Diskussionsprozess formulieren. Geplant ist, dass die Gesamtsynode im Herbst 2017 erste Beschlüsse zu dem Zukunftsprozess fassen wird. Ziel des Zukunftsprozesses ist es, auf den Relevanzverlust und Schrumpfungsprozess der Kirchen zu reagieren. [3] Gemeinden wählen ihre Leitung neu In den 145 Kirchengemeinden der Evangelisch-reformierten Kirche werden am 11. März 2018 neue Kirchenräte oder Presbyterien gewählt. Erstmals wählen die Reformierten damit zusammen mit den anderen evangelischen Kirchen in Niedersachsen ihre Leitungsgremien. Dafür wurde die aktuelle Amtszeit extra auf fünfeinhalb Jahre reduziert. Bislang wählten die Reformierten immer im Herbst. Der Kirchenrat oder das Presbyterium ist das Leitungsorgan einer Kirchengemeinde, hier werden alle wesentlichen Entscheidungen über die Gestaltung des kirchlichen Lebens getroffen. Insgesamt sind etwa 150.000 Menschen aus allen Kirchengemeinden zur Wahl aufgerufen. Zu wählen sind rund 520 Personen für die Kirchenräte oder Presbyterien sowie rund 640 für die Gemeindevertretungen. Im Anschluss an diese Gemeindewahlen werden auch die Synodalverbandssynoden und die Gesamtsynode neu gewählt. Die Amtszeit der neu Gewählten dauert dann bis 2024.

[4]

1

Auszählung der Gemeindewahl 2015 in Ringstedt

[4] Psalmen als Tanz und Kanon Die Evangelisch-reformierte Kirche bietet ein Tanz- und Musikprojekt zum Genfer Psalter an. In zwei Workshops unter dem Titel „Schlagt die Pauke, führt den Reigen“ leitet der Kirchenmusikpädagoge Siegfried Macht an, wie die Musik der Reformationszeit mit Tänzen und Kanons neu entdeckt werden kann. „Wir bieten kreative Zugänge zum Psalter ganz im Sinne Jesu, der sich im Gleichnis vom verlorenen Sohn kein echtes Fest ohne Singen und Tanzen vorstellen konnte“, so Macht. Im Auftrag des Kirchenmusikausschusses der Evangelisch-reformierten Kirche hat er ein Werkbuch zur Arbeit mit dem Genfer Psalter erarbeitet. Die zwei Workshops in Nordhorn (10.-12. März) und Hannover (13.-14. März) bauen auf diesem Werkbuch auf. Die musikalische Umsetzung der Psalmen aus dem Alten Testament war ein besonderes Anliegen des Genfer Reformators Johannes Calvin. Bis heute spielt der Psalmengesang im evangelisch-reformierten Gottesdienst eine besondere Rolle. www.reformiert.de/termine_reformiert.html

Staffel der Gastfreundschaft Das Bremer Kirchenprojekt „Staffel der Gastfreundschaft“ hat den Ökumenepreis 2017 der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland erhalten. Die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde der Initiative zuerkannt, weil sie nach Auffassung der Jury Selbstgenügsamkeit überwunden, Vorurteile beseitigt und ungezwungene Begegnungen ermöglicht hat. Für den Preis, der alle zwei Jahre verliehen wird, waren 47 Bewerbungen eingereicht worden. Von Januar bis September des vergangenen Jahres hatten sich in Bremen Vertreter aus 42 evangelischen, katholischen, freikirchlichen, afrikanischen, arabischen

Schlagt die Pauke, führt den Reigen

und syrisch-orthodoxen Gemeinden gegenseitig besucht. „Wer wen besucht hat, wurde im Losverfahren entschieden und dann kurzfristig umgesetzt. Ein derart reges Besuchsprogramm christlicher Gemeinden, über konfessionelle Grenzen hinweg, hat es zuvor noch nirgends in Deutschland gegeben“, sagte Mitorganisator Ottmar Hinz von der Bremischen Evangelischen Kirche. An der Aktion beteiligten sich rund 1.300 Menschen - mal als Gastgeber, mal als Gäste. So sei eine „Welle der Gastfreundschaft“ durch Bremen gegangen, hieß es. (epd)

IMPRESSUM Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Redaktion: Ulf Preuß (verantwortlich), Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Herbert Sperber, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: dpp - Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.dpp-leer.de Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Diesen offenen Brief haben bislang 3500 kirchenleitende Persönlichkeiten der USA unterzeichnet. Darunter Vertreter der Evangelical Lutheran Church in America, Presbyterian Church (U.S.A.), United Church of Christ, United Methodist Church, African Methodist Episcopal Church, Alliance of Baptists, Christian Reformed Church in North America.

Offener Brief der US-Kirchen an Präsident Trump Unser Glaube lehrt uns, den Fremden willkommen zu heißen Sehr geehrter Herr Präsident Trump, sehr geehrte Damen und Herren Kongressmitglieder, (…) Mit der ganzen Welt suchen auch die Vereinigten Staaten von Amerika nach einer sinnvollen Lösung für die weltweite Flüchtlingskrise. Es ist von höchster Bedeutung, dass das U.S. Refugee Admissions Program seinem Auftrag treu bleibt, besonders schutzbedürftige Menschen wiederanzusiedeln. Schutzbedürftige verschiedener Religionen und Hintergründe und unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit konnten in der Vergangenheit sich in den USA ansiedeln; das soll auch so bleiben.

Unser Glaube lehrt uns, den Fremden willkommen zu heißen, den Nächsten zu lieben und sich für den Hilfsbedürftigen einzusetzen – unabhängig von dessen Religion. Wir beten dafür, dass die Not der Geflüchteten Ihre Herzen berührt. Wir fordern Sie auf, Mut zu beweisen, indem Sie moralische, gerechte politische Entscheidungen treffen, die schutzbedürftigen Menschen einen Zufluchtsort bieten. Mit freundlichen Grüßen www.interfaithimmigration.org/3500religiousleaderletter/

POSITION

Vor dem Hintergrund unserer verschiedenen Religionen prangern wir heute die abwertende Sprache an, die sowohl im Zusammenhang mit Geflüchteten aus dem Nahen Osten als auch in Bezug auf unsere muslimischen Freunde und Nachbarn verwendet wurde. Agitatorische Rhetorik darf nicht Teil unserer Reaktion auf diese humanitäre Krise sein. Wir fordern unsere gewähl-

ten Vertreter und Kandidaten auf, anzuerkennen, dass Neu-Amerikaner verschiedener Religionen und Hintergründe eine Bereicherung für unsere Wirtschaft, unsere Gemeinschaft und unsere Gemeinden sind. Geflüchtete sind ein Gewinn für dieses Land. Sie sind starke Botschafter des American Dream und der Gründungsprinzipien: Chancengleichheit, Religionsfreiheit, Freiheit und Gerechtigkeit für jeden Bürger.

Foto: Josef Hanus / shutterstock.com

2 reformiert 2017  

Diese Ausgabe von „reformiert“ blickt einmal mehr auf das Jubiläumsjahr "500 Jahre Reformation", das an den legendenhaften Anschlag der 95 T...

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