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Reformierte in Deutschland.

reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

500 Jahre Reformation - EinBlick in 2017

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Grafik: Daniel Leyva/r2017

v.l.: Stationenweg zum Reformationsjubiläum Das Ladenlokal in Wittenberg (zweites von rechts)

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Foto: Bremische Ev. Kirche

Seite 4 Reformierter Glaube Reformation und Migration

Seite 8 Reformationsjubiläum 2017 Ein Überblick über das Jahr

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500 Jahre Reformation Seite 6 Ein ungewöhnlicher Weg! Daniela Golz ist aus der refomierten Kirche zum katholischen Glauben übergetreten

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Seite 16 Bleiben mit Mut und Hoffnung Warum manche Christen in Syrien trotz Bomben und Terror ausharren Seite 18 Personen / Aktuelles / Impressum Seite 20 Das Logo 500 Jahre Reformation

Seite 10 Vier Konfessionen - Vier Kirchen Überraschende Einblicke Seite 12 Die Auflösung des R-Quiz Seite 14 Reformation – eine europäische Epoche 113 Reformatoren in 57 Städten

Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Evangelisch-reformierte Kirche Stichwort: reformiert Sparkasse LeerWittmund IBAN: DE94 2855 0000 0000 9060 08 SWIFT-BIC: BRLADE21LER Spendenquittung wird zugesandt Titelbild: Johan Swanepoel / shutterstock.com


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Foto: Schlossverwaltung Bückeburg

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Foto: Jens Schulze

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v.l.: Schlosskapelle des Schlosses Bückeburg

- EinBlick in 2017

Startschuss zum Zukunftsprozess der Evangelisch-reformierten Kirche

Liebe Leserin, lieber Leser, durch ein R blicken wir auf Europa, durch ein R blicken wir auf 500 Jahre Reformation, durch ein R blicken wir auf Geschichte und Gegenwart.

Wunsch nach Veränderung der Glaubenspraxis und Erneuerung der Kirche eine ganze Epoche prägte und die Welt veränderte.

Im kommenden Jahr feiern die evangelischen Kirchen in Europa und auch manche evangelische Kirchen weltweit das Reformationsjubiläum. Vor 500 Jahren, am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg genagelt haben. Ob das wirklich geschah ist historisch umstritten – klar ist aber, dass der

Schon jetzt wollen wir in dieser Zeitschrift durch das R blicken und Ihnen dabei Geschichten erzählen, die ohne die Reformation nicht möglich wären, einen reformierten Blick auf die Geschichte werfen und Sie informieren, an welchen Stellen Sie im Jahr 2017 durch ein R blicken können. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre.

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Ulf Preuß

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche


Die Lösungen des R-Quiz finden Sie auf den Seiten 12-13 Scan: Andreas Flick

Notgeldschein der Stadt Karlshafen, 1924 mit dem Motiv „Einzug der Hugenotten im Jahre 1699“

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Die Reformation und ihre politischen Folgen lösten in Europa Fluchtbewegungen aus. 4

Wie viele Hugenotten

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flüchteten im 17. Jahrhundert wegen ihres Glaubens aus Frankreich?

A: 10.000

B: 50.000

C: Mehr als 200.000

Empfang der Refugiés durch den großen Kurfürsten, Ernst Albrecht Fischer-Cörlin, 1878

Einer unserer Reformatoren ist ein Migrant. Johannes Calvin (1509–1564) erlitt selbst das Schicksal eines Flüchtlings – und kümmerte sich um Flüchtlinge. Als sogenannter Ketzer musste er zuerst aus Paris und kurze Zeit später aus seinem Heimatland Frankreich fliehen. Vorübergehend konnte er in Basel unterkommen. Weitere Stationen waren Genf und Straßburg. Von dort kehrte er auf Bitten des Rates nach Genf zurück. Aber es dauerte noch 18 Jahre bis er dort das Bürgerrecht erhielt. Aus Glaubensgründen hatte Calvin alles verlassen müssen. Er wusste, was es heißt, bedroht und schutzlos zu sein. Er hatte lernen müssen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Was ist unentbehrlich für den Glauben, was ist lebensnotwendig? Die Stadt Genf wurde mit Calvin zu einem Vorbild für die Integration von Fremden. Allerdings zog sich der Reformator mit seiner Flüchtlingspolitik auch die Feindschaft vieler Bürger zu. Calvin sah die Glaubenden dem biblischen Auftrag verpflichtet, füreinander Verantwortung zu tragen, insbesondere gegenüber den Schwachen in der Gesellschaft. Dazu gehören auch Flüchtlinge und Migranten. Er sah ein friedliches Zusammenleben in Gefahr, wenn die Kluft zwischen arm und reich zu groß wird, und wenn das Verhältnis der einheimischen Bevölkerung zur Zahl von Flüchtlingen sich dramatisch verändert. Er befürwortete die Einführung einer Abgabe, um auch Flüchtlingen zu einem Startkapital zu verhelfen, mit dem sie sich eine Existenz aufbauen können.


Foto: Christina Griffith

Auf dem Kirchplatz von Otterberg/ Pfalz steht ein 14 Tonnen schwerer Findling, auf dem die beiden bedeutendsten Ereignisse der Ortsgeschichte dargestellt sind, darunter der Einzug der reformierten Wallonen (1579).

Eine Konfession mit Migrationshintergrund Stadt zu integrieren. Die neue wirtschaftliche und Was für Calvin ein Gebot Gottes kulturelle Blüte zog wiederum Gelehrte aus Eurowar, erwies sich für Genf als Vorteil. pa an. Das Reformiertentum wurde durch seine Denn die Politik, Glaubensflüchtgrenzüberschreitenden Verbindungen internatiolinge anzusiedeln, führte zu wirtnal. Calvin wurde die schaftliprägende Kraft in diecher Blüte. ser Phase der ReforNeuer Wohnmation, die man auch raum musste als die „Reformation gebaut werden. Zuder Flüchtlinge“ bewanderer brachten zeichnet hat. Der interihre Fähigkeiten und nationale Calvinismus Kenntnisse ein, HandIm Frühjahr 2014 – mehr als ein wirkte sich vom 16. werk und Handel erlebJahr bevor das Thema Flüchtlinge den bis ins 18. Jahrhundert ten einen Aufschwung. Eine Entwicklung, die Alltag in Deutschland bestimmte – hat auf das Migrationsgeschehen in Europa auch für Leer und Emsich die Evangelisch-reformierte Kirche aus. Denn keine andeden und die vielen Hure Konfession war von genottenstädte gilt. In entschieden, Migration zu einem Verfolgung und Flucht Emden stifteten 1660 Schwerpunktthema im Reformationsjubiso stark betroffen. Diedankbare Nachkomläumsjahr zu machen. Sven Kramer über se existentielle Gefährmen der Flüchtlingsdung und die damit familien ein Relief mit den Zusammenhang von reformierter verbundene Minderdem „Schepken ChriReformation und Migration. heitserfahrung bestimsty“ und der Inschrift: men das Lebensgefühl „Godts kerck, vervolgt, und das Denken vieler verdreven, heft Godt Reformierter bis heute. Calvin sah Flüchtlinge hyr trost gegeven“. Es ist heute am Ostportal der nicht in erster Linie als Last und SicherheitsrisiJohannes a Lasco Bibliothek zu sehen – und ist ko, sondern als Kinder Gottes, in denen uns Gott zugleich Siegel und Signet der Evangelisch-reforselber begegnet. Und in denen uns Gott einen mierten Kirche. Spiegel vorhält, wie im Matthäus-Evangelium: Ich Calvin setzte sich dafür ein, dass Fremde einwar fremd und ihr habt mich aufgenommen, oder gebürgert wurden und das Wahlrecht erhielten. ihr habt mich eben nicht aufgenommen. Es gelang, eine große Zahl an Fremden in die

Reformierter Glaube

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Sven Kramer ist Beauftragter der Evangelisch-reformierten Kirche für das Reformationsjubiläum.


In der katholischen Kirche gibt es sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie (Abendmahl), Bußsakrament, Krankensalbung, Priesterweihe, Ehe.

Ein ungewöhnlicher Weg! Daniela Golz ist aus der reformierten Kirche zum katholischen Glauben übergetreten Der katholischen Kirche haben im vergangenen Jahr 217.716 Menschen den Rücken gekehrt. 9.100 sind neu eingetreten. Darunter auch Daniela Golz. Eine junge, hübsche, lebenslustige Frau, die eher wirkt, als würde sie die Samstagnacht durchtanzen, statt am Sonntagmorgen in der Messe zu sitzen. „Es gibt auch abends Gottesdienste“, sagt sie schlagfertig und lacht. Aber im Ernst: Was bringt eine 27-jährige Norddeutsche dazu, sich ganz bewusst für den Katholizismus zu entscheiden?

Foto: Karlheinz Krämer

„Der Glaube und der Gottesdienst in der katholischen Kirche haben sehr viel Struktur. Ich fühle mich hier einfach aufgehoben“, sagt Daniela Golz. Bis vor einem Jahr gehörte sie der reformierten Kirche an, in dieser Tradition ist sie aufgewachsen, in der reformierten Gemeinde ist sie getauft und konfirmiert worden – und zwar ganz bewusst. „Es war mir damals wichtig klarzustellen, dass ich nicht nur wegen der Geschenke konfirmiert werden wollte, sondern um mich zu meinem Glauben zu bekennen.“ In jener Zeit habe sie angefangen, sich auch mit anderen Glaubensrichtungen auseinanderzusetzen, erzählt die Bankkauffrau. „Ich wollte wissen, was dahintersteckt, habe den Koran gelesen, mich mit Hinduismus beschäftigt.“ Im Rahmen des Konfirmanden-Unterrichts hat sie damals mit ihrer Konfi-Gruppe auch eine katholische Kirche besucht. „Das fand ich ganz faszinierend“, erinnert sie sich. Der Gedanke zu konvertieren aber sei ihr damals nicht gekommen. Erst als sie ihren Mann kennenlernte, der katholisch ist, kam Daniela Golz diese Konfession näher. „Aber auch da ist der Funke noch nicht wirklich übergesprungen – mir war es ganz wichtig, dass wir ökumenisch getraut werden.“ In den Traugesprächen lernte sie nach und nach mehr über den katholischen Glauben, auch die Hochzeit wurde in der katholischen


Die Lösungen des R-Quiz finden Sie auf den Seiten 12-13

Welche von den sieben Sakramenten gelten nach der Reformation in der evangelischen Kirche?

A: keins

B: zwei

C: alle

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Kirche a u s gerichtet, und Daniela Golz spürte: Das spricht mich an. Die festen Rituale im Gottesdienst und die farbenprächtige Ausstattung der Kirche berühren sie. „Sich zum Gebet hinzuknien zum Beispiel gefällt mir – nicht nur die äußere, auch die innere Haltung wird dadurch eine andere, das Zwiegespräch mit Gott wird intensiver“, erklärt sie. Die Konfessionszugehörigkeit ihres Mannes habe dabei keinen Ausschlag gegeben, betont sie: „Für ihn war es nie ein Thema, ob ich katholisch oder evangelisch bin.“ Nach der Hochzeit kristallisierte sich immer mehr heraus, dass sie sich vorstellen könnte zu konvertieren. Daniela Golz suchte im Internet Informationen zum katholischen Glauben, nahm irgendwann Kontakt auf mit dem Diakon der Gemeinde und absolvierte einen Glaubenskurs. Einiges in der katholischen Kirche ist ihr bis heute

nicht wirklich vertraut, die Dogmen etwa oder die Beichte. „Bisher bin ich noch nicht zur Beichte gegangen. Aber der Beichtspiegel, der die Haltung zu Gott und den Umgang mit anderen hinterfragt, ist ein ganz wertvolles Instrument zur Selbstreflexion“, findet sie. Dass das Frauenbild der katholischen Kirche längst nicht immer mit dem Gedanken von Gleichberechtigung und Selbstbestimmung übereinstimmt, fällt für sie nicht ins Gewicht: „Das betrifft nicht mich persönlich, und es schmälert meine positive Einstellung zur katholischen Kirche nicht. Glauben – das ist etwas, was man im Herzen trägt.“ Manchmal aber steckt Daniela Golz das Ostfriesisch-Nüchterne, das ReformiertSachliche doch im Blut. „Natürlich kann man auch ganz anders argumentieren“, räumt sie ein. „Dass die katholische Kirche mit ihren Ritualen, mit Weihrauch und strengen Strukturen ablenke vom eigentlichen Glauben. Dass das Knien vor Gott eine Demutsgeste sei – all das habe ich auch kritisch hinterfragt. Aber für mich ist entscheidend, was diese Atmosphäre in mir auslöst: ein ganz positives, gutes Gefühl. Ich kann meinen Glauben hier besser ausdrücken und leben als in der reformierten Kirche.“ Auch wenn sie sich heute für den Katholizismus entschieden hat, ist sie dennoch froh, in der Tradition der reformierten Kirche aufgewachsen zu sein. „Die Freiheit, die dort herrscht, war mir als Jugendliche ganz wichtig, um den Glauben überhaupt anzunehmen. Damals wäre mir der Katholizismus wahrscheinlich zu eng gewesen. Ob mein Glaubensweg dann der gleiche gewesen wäre wie jetzt, weiß ich nicht.“ Von Anke Brockmeyer

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Reformationsjubiläum 2017 Ein Überblick über das Jahr 31. Oktober 2016 – Reformationstag Eröffnung des Themenjahrs „Worum es geht“ Das letzte der zehn Themenjahre zum Reformationsjubiläum wird am 31. Oktober 2016 eröffnet. Mit „Worum es geht“ ist das Jahr 2017 überschrieben. Den Anfang der sogenannten Reformationsdekade machte 2009 das Themenjahr „Bekenntnis“. Es stand ganz im Zeichen des 500. Geburtstags Johannes Calvins und bleibt besonders für die Reformierten als Calvinjahr in Erinnerung.

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30. März 2017 – „Europäischer Stationenweg“ in Emden Geschichte auf Reisen - Reformation und Migration Am 30. März 2017 macht der „Europäische Stationenweg“ Halt in Emden. An 67 Orten in 19 Ländern spürt er von November 2016 bis Mai 2017 Geschichten und Orten der Reformation nach. Er beginnt in Genf (Schweiz) und endet in Wittenberg. In Emden geht es um Geschichten von Migration und Reformation, ist die Geschichte der Stadt doch eng mit Glaubensflüchtlingen verbunden, die nicht nur im 16. und 17. Jahrhundert kamen. Emden wird an diesem Tag zur Bühne für Geschichten und Erinnerungsstücke um Migration und Reformation. Erzählt und gesammelt werden diese auf einem Schiff am Ratsdelft und im Geschichtenmobil der EKD am Emder Hafentor. Das Schiff reist anschließend mit den Geschichten und Erinnerungsstücken Richtung Wittenberg. Zuvor macht das Geschichtenmobil in Bremen und Wilhelmshaven Station und bringt von dort ebenfalls Migrationsgeschichten mit.

24. - 28. Mai 2017 – Kirchentag in Berlin und Wittenberg Kirchentage auf dem Weg vom 25. - 27. Mai Neben dem großen Kirchentag in Berlin laden kleinere „Kirchentage auf dem Weg“ in die Städte Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Jena/Weimar, DessauRoßlau und Halle/Eisleben ein. Von Donnerstag bis Samstag feiert jede Stadt 500 Jahre Refor-

mation mit ihrem eigenen Programm und ihren eigenen thematischen Schwerpunkten. Alle Orte werden an Christi Himmelfahrt, dem 25. Mai, mit einem zeitgleichen, ökumenischen Gottesdienst verbunden. Den gemeinsamen Schlusspunkt bildet ein Festgottesdienst auf den Elbwiesen vor den Toren Wittenbergs am Sonntag, dem 28. Mai.

14. - 18. Juni 2017 – “KonfiCamps” in Wittenberg trust and try – Vertrauen und Mut Konfirmandinnen und Konfirmanden sind eingeladen, im Reformationssommer 2017 in die Lutherstadt Wittenberg zu kommen. Zehn fünftägige KonfiCamps zwischen Juni und September eröffnen 12.000 Jugendlichen die Möglichkeit, die Gemeinschaft Gleichgesinnter zu erleben. Sie leben in einer voll ausgestatteten Zeltstadt nordöstlich von Wittenberg in Dorfverbänden mit etwa 100 Personen. Die Evangelisch-reformierte Kirche hat zusammen mit der Bremischen und Oldenburgischen Kirche die Woche vor den niedersächsischen Sommerferien für 1000 Konfirmanden reserviert. Alle Plätze sind ausgebucht. Vom 19. bis 23. Juli gibt es einige weitere Plätze.

20. Mai – 10. September 2017 „Reformationssommer in Wittenberg - Tore der Freiheit“ Im Reformationssommer 2017 präsentieren Kirchen aus aller Welt, internationale Institutionen, Initiativen und viele Kulturschaffende ihre aktuelle Sicht auf die Reformation: an dem Ort, der als eine der Geburtsstätten der Reformation gilt, die die Welt veränderte. Sieben sogenannte Tore der Freiheit an den Wallanlagen um die Wittenberger Altstadt und damit verbundene Themenbereiche öffnen den Blick für die Zukunft: Spiritualität, Jugend, Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, Globalisierung, Eine Welt, Kultur sowie Ökumene und Religion.


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In welcher Stadt fand die ZusammenMartin Luther und Huldrych Zwingli trafen sich in ihrem Leben einmal.

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31. Oktober 2017 – 500 Jahre Reformation Gesetzlicher Feiertag in Deutschland Ein zentraler Gottesdienst mit Festakt in Wittenberg und viele dezentrale Festgottesdienste bilden den Abschluss des Jubiläumsjahrs 500 Jahre Reformation. Alle Bundesländer haben den 31. Oktober 2017 einmalig zu einem gesetzlichen Feiertag erklärt. Neben diesem Abschluss der EKD-Aktivitäten bildet der Tag auch den Auftakt zu weiteren Jubiläumsjahren: 2019 feiert Zürich 500 Jahre Reformation, 2021 Emden 450 Jahre Emder Synode.

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20. Mai – 10. September 2017 - denkbar - Der Laden Kommunikation in der Collegienstraße 30 Ein Ladenlokal in der Wittenberger Innenstadt ist der Beitrag der Evangelisch-reformierten Kirche zusammen mit der Oldenburgischen und Bremischen Kirche zum Reformationssommer in Wittenberg. Ein Ort, der offen ist und einlädt: zum Nachdenken über Reformation gestern und heute, zu Fragen über Gott und die Welt, zur Diskussion über Kirche und Glauben - untergebracht in einem ehemaligen Friseursalon. Drei Kirchen laden dorthin ein: Besucher der Weltausstellung, Wittenberger Bürger, zufällige Gäste, ihre Mitglieder.

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A: Wittenberg Foto: Daniela Frank

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Die Lösungen des R-Quiz finden Sie auf den Seiten 12-13


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Die Reformation hat auch den Kirchbau beeinflusst, innen wie außen. Wir zeigen Ihnen vier Kirchen, aus vier Konfessionen und aus unterschiedlichen Zeiten. Und überraschende Einblicke? Die Auflösung, welche Kirche welcher Konfession zugehört, finden Sie in der über Kopf stehenden Bildunterschrift.

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In der Evangelischreformierten Kirche gibt es 160 Kirchen in den 145 Gemeinden.

Schätzen Sie, wie viele von den 160 Kirchen nach der Reformation erbaut worden sind?

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B: Zwischen 30 und 90

C: Mehr als 90 Die Lösungen des R-Quiz finden Sie auf den Seiten 12-13

Foto: Gerold Meppelink


1. Die Katholische St. Marien Kirche am Meer in Schillig (bei Wilhelms-haven) wurde 2012 eingeweiht

2. Kirche der Evangelischaltreformierten Gemeinde Emlichheim

3. In der Schlosskapelle des Schlosses Bückeburg feiert die Evangelisch-Reformierte Kirche BückeburgStadthagen Gottesdienst

4. Lutherkirche der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Leer

Foto: Gerold Meppelink

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11 [4] Foto: SchlossverwaltungBückeburg

[3] Foto: Gerold Meppelink

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Überraschende Einblicke

Vier Konfessionen - Vier Kirchen


Die Auflösung Seite 4-5 Wie viele Hugenotten flüchteten im 17. Jahrhundert wegen ihres Glaubens aus Frankreich? A: 10.000, B: 50.000 C: Mehr als 200.000 Antwort C ist richtig: Mehr als 200.000

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Schon im 16. Jahrhundert wurde die Glaubensausübung von Protestanten in Frankreich behindert. Herabsetzend wurden sie Hugenotten genannt. Eine wahre Fluchtwelle begann Ende des 17. Jahrhunderts, als der französische König 1685 mit dem Edikt von Fontainebleau die Rechte der protestantischen Minderheit aufhob. Zwischen Foto: Ulf Preuß Foto: Ulf Preuß 200.000 und 250.000 Hugenotten verließen Frankreich. Etwa 40.000 kamen in die deutschen Länder. Die Gründungen der evangelisch-reformierten Ge2016 meinden unter anderem in Erlangen, Celle und Schwabach gehen direkt darauf zurück.

Seite 6-7 Welche von den sieben Sakramenten gelten nach der Reformation in der evangelischen Kirche? A: keins, B: zwei, C: alle Antwort B ist richtig: zwei Die evangelischen Kirchen sprechen nur bei Taufe und Abendmahl von Sakramenten, also Zeichen, bei denen Gott in Verbindung mit den Menschen tritt. Bei der Taufe geschieht dies durch Wasser, beim Abendmahl durch Brot und Wein. So ist die Taufe der Akt der Aufnahme in die Gemeinde Jesu Christi, das Abendmahl die Feier, für Jesu Tod und Auferweckung zu danken.

Das „Schepken Christi“ bildet seit 1951 das Siegel der Evangelisch-reformierten Kirche und gehört heute auch zum Logo. Das Original befindet sich am Ostportal der Großen Kirche in Emden und wurde dort von aus den Niederlanden vertriebenen reformierten Glaubensflüchtlingen 1660 angebracht – auch als Dank für die Aufnahme in Emden. Es trägt als umlaufende Schrift: „Godts Kerck Vervolgt Verdreven. Heft Godt hyrTrost gegeven” (Gottes Kirche verfolgt, vertrieben. Gott hat ihr Trost gegeben). Foto: Matthias Wulff

Abendmahlskelch der Gemeinde Holßel


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Seite 8-9 In welcher Stadt fand die Zusammenkunft von Luther und Zwingli statt? A: Marburg, B: Heidelberg, C: Wittenberg Antwort A ist richtig: Marburg Luther und Zwingli trafen sich 1529 auf Einladung des Landgrafen Philipp zum Marburger Religionsgespräch. Das Gespräch sollte auch den Streit um das Abendmahl schlichten. Trotz kleinerer Annäherungen gelang es nicht, die schon zuvor unversöhnlichen Positionen aufeinander zu zubewegen. Erst die Leuenberger Konkordie von 1973 erreichte eine Abendmahlsgemeinschaft unter Lutheranern und Reformierten.

Foto: M. J. At de.wikepedia

Relief zu den Religionsgesprächen 1529 im Marburger Schloss

Seite 10-11 Schätzen Sie, wie viele von den 160 Kirchen nach der Reformation erbaut worden sind? A: Weniger als 30, B: Zwischen 30 und 90,C: Mehr als 90 Antwort C ist richtig: Mehr als 90 Es sind mehr als 90. Von den 160 Kirchen oder Kirchengebäuden sind 94 in der Zeit nach der Reformation entstanden, 66 sind älter. Vor allem in Ostfriesland Foto: Gemeinde Emden und in der Grafschaft Bentheim gibt es heute viele reformierte Kirchen, die bereits vor der Reformation erbaut wurden. Die neueste Kirche ist das Gemeindezentrum Gröne Stee in Emden, 2001 errichtet.

Die Neue Kirche in Emden ist der erste Kirchbau in Nordwestdeutschland, der die Vorstellungen des reformierten Kirchbaus umsetzte, mit der Kanzel im Zentrum und den Stühlen/ Sitzen im Halbkreis.

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Reformation – eine europäische

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Vor rund 500 Jahren beginnt in Europa mit der Reformation eine kirchliche Erneuerungsbewegung. Ihr Beginn wird allgemein auf 1517 datiert, als Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll, Reformation ist aber deutlich mehr als Martin Luther, Johannes Calvin und Huldrych Zwingli. Die Reformation war eine Epoche an vielen Orten und getragen von vielen Männern und Frauen. In einer kleinen Reihe stellen wir Ihnen Reformatoren des reformierten Zweigs vor. Den Anfang macht der Schotte John Knox.

11 John Knox – Reformator von Schottland „Der erste Trompetenstoß gegen eine entsetzliche Weiberherrschaft“ – so lautet der Titel der 1558 verfassten berühmtesten Schrift des schottischen Reformators John Knox. Ein deutliches Wort, gerichtet gegen die drei Marias, die Großbritannien rekatholisieren wollten: Maria de Guise war stellvertretend für die noch minderjährige Maria Stuart Regentin Kim Traynor / wikipedia Schottlands und Maria Tudor hatte 1553 den englischen Thron bestiegen. John Knox wird um 1514 geboren. Über seine 14 Jugendzeit wissen wir nichts, nur dass er 1536 2 reformiert 2016 oder 1539 zum Priester ordiniert wird. Auch sein Weg zum Evangelisch-Sein ist unbekannt. 1546 sehen wir seine Spuren zum ersten Mal: George Wishart wird 1538 wegen seiner evangelischen Auffassungen der Ketzerei angeklagt und flieht auf den Kontinent. John Knox begleitet ihn, als er 1546 in der Hoffnung auf Reformen nach Schottland zurückkehrt – doch Wishart wird verhaftet und in St. Andrews verbrannt. Kurz danach kommt es in dort zum Aufstand, in dem auch der Erzbischof und Kardinal David Beaton umkommt, der als Urheber der Gewalt gegen die Evangelischen gilt. Daraufhin wird John Knox, wohl etwas widerwillig, zum Prediger in St. Andrews berufen. Wenig später wird der Aufstand niedergeschla-

gen, Knox wird 1547 gefangengenommen und zu 19 Monaten Haft als Galeerensklave verurteilt – er bleibt dabei seiner evangelischen Überzeugung treu. Anfang 1549 kommt Knox frei und wird Prediger im englischen Berwick-upon-Tweed. 1551 wechselt er nach Newcastle. Er arbeitet mit am „Book of Common Prayer“ und gilt als einer der wichtigen evangelischen Theologen. Als aber Maria Tudor den englischen Thron besteigt und das evangelisch gewordene England wieder römisch-katholisch machen will, flieht Knox. Er kommt 1555 nach Genf und wirkt dort als Pastor der englischen Flüchtlingsgemeinde, studiert bei Calvin und ist Mitarbeiter einer neuen englischen Bibelübersetzung. Nachdem die evangelische Bewegung in Schottland zunehmend Rückhalt bekam, wird Knox von führenden Adligen nach Schottland gerufen, um dort die Reformation zu stärken. Von 1559 bis zu seinem Tod 1572 ist Knox dann in Schottland als streitbarer Kämpfer für die evangelische Kirche tätig. Maria Stuart wird 1559/60 gestürzt, die Franzosen werden aus Schottland vertrieben und ein Parlament wird eingerichtet. Knox wird Pfarrer in Edinburgh. Er ist maßgeblich am Schottischen Bekenntnis von 1560 beteiligt – und gerät immer wieder in Konflikte mit der Königin: Er setzt sich vehement dafür ein, dass die Kirche eine staatsunabhängige und selbstständige Organisation wird – und ist in seinem Tonfall nicht selten drastisch. In seinem anfangs genannten „Trompetenstoß“ rechtfertigt er die Rebellion gegen die politische Herrschaft. Taktisch war das vermutlich eher unklug, weil er damit auch die künftige evangelische Königin Elisabeth zu seiner Feindin machte. Aber John Knox war eben kein Taktiker. Von Georg Plasger

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1. Alsfeld Johannes Pistorius der Ältere 2. Amsterdam Jacobus Arminius 3. Augsburg Bonifacius Wolfhart Wolfgang Musculus Michael Cellarius 4. Baden-Baden Matthias Erb 5. Basel Simon Sulzer Johannes Oekolampad Oswald Myconius Simon Grynaeus Thomas Erastus Johann Buxtorf der Ältere Andreas Bodenstein von Karlstadt 6. Bern Erasmus Ritter Sebastian Meyer Franz Kolb Berchtold Haller Benedictus Aretius 7. Biel Jakob Funkelin 8. Bremen Christoph Pezel Albert Hardenberg 9. Cambridge Thomas Cartwright 10. Chur Philipp Gallicius Johannes Fabricius Montanus Johannes Comander Ulrich Campell 11. Edinburgh John Knox 12. Emden Johannes Zuidlareus Georg Aportanus Menso Alting Johannes a Lasco 13. Esslingen am Neckar Jakob Otter 14. Franeker Sibrand Lubbert 15. Frankenthal Petrus Dathenus 16. Frankfurt am Main Valérand Poullain Johann Bernhard 17. Genf Marie Dentière Johannes Calvin Théodore de Bèze 18. Gien Lambertus Danaeus 19. Gloucester John Hooper 20. Groningen Ubbo Emmius Johannes Acronius 21 Habrovany (nicht auf der Karte) Jan Dubcansky von Zdenín 22. Heidelberg Girolamo Zanchi Zacharias Ursinus Immanuel Tremellius Bartholomäus Pitiscus David Pareus Caspar Olevian Bartholomäus Keckermann 23. Heppenheim Johannes Adam 24. Herborn Wilhelm Zepper Bernhard Textor Johannes Piscator Johannes Gottsleben 25. Isny Paul Fagius 26. Jena Johann Stössel 27. Kalabrien (nicht auf der Karte) Luigi Pasquali

28. Kassel Johannes Kymaeus 29. Konstanz Ambrosius Blarer 30. Küsnacht Konrad Schmid 31. Laudenbach an der Bergstraße Anton Praetorius 32. Lausanne Pierre Viret 33. Leiden Franciscus Gomarus 34. Lindau Thomas Gassner 35. London Jan Utenhove 36. Marburg Franz Lambert von Avignon Adam Krafft Andreas Hyperius 37. Memmingen Gervasius Schuler Christoph Schappeler 38. Metz Jean Taffin 39. Montbéliard Peter Tossanus 40. Neuchatel Pierre-Robert Olivétan Guillaume Farel 41. Neustadt a. W. Franz Junius der Ältere 42. Norden Micronius (Marten de Cleyne) 43. Norwich Robert Browne 44. Oppenheim Albert Molnár 45. Paris Hubert Languet 46. Saumur Philippe Duplessis-Mornay 47. Schaffhausen Sebastian Hofmeister 48. St. Andrews Andrew Melville 49. St. Gallen Joachim von Watt 50. Straßburg Katharina Zell Petrus Martyr Vermigli Johannes Sturm Konrad Hubert Kaspar •21 Hedio Francisco de Enzinas (Dryander) Wolfgang Capito Martin Bucer 51. Tournai Guido von Bray 52. Tübingen Paul Phrygio 53. Ulm 2 reformiert 2016 Konrad Sam 54. Vilnius (nicht auf der Karte) Andreas Volanus 55. Wesel François Peruçel de la Rivière 56. Zürich Johann Wolf Johann Jakob Wick Johannes Stumpf Josias Simler Konrad Pelikan Kaspar Megander Leo Jud Rudolf Gwalther Johannes Frisius Rudolf Collinus Theodor Bibliander Huldrych Zwingli Heinrich Bullinger 57. Zweibrücken Kunemann Flinsbach Pantaleon Candidus

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Zusammenstellung: Achim Detmers


Foto: popartic / shutterstock.com

Bleiben mit Mut und Hoffnung Warum manche Christen in Syrien trotz Bomben und Terror ausharren Wer als westlicher Kirchenvertreter in den Nahen Osten reist, begibt sich auf schwieriges Terrain. Gewalt und Terror zwingen Millionen Menschen zur Flucht. Mehr denn je fürchten die dortigen Christen um ihre Heimat und werfen ihren westlichen Geschwistern Gleichgültigkeit und Ignoranz vor. Ökumenepastor Thomas Fender war Mitte Januar in Beirut und hat dort evangelische Christen aus der Krisenregion getroffen.

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„Die Umbrüche im Nahen Osten sind für uns Christen eine existenzielle Bedrohung“, sagt Paul Haidostian, Präsident der Evangelisch-Armenischen Haigazian-Universität in Beirut. „Der Massenexodus der Christen aus dem Irak und Syrien ist unumkehrbar.“ Die einen verließen ihre Heimat, weil sie keine Zukunft mehr für sich und ihre Kinder sähen, die anderen würden von Terrorgruppen oder von Bomben gezwungen zu gehen. „Diejenigen, die aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen nicht gehen können, haben zunehmend das Gefühl, auf der Verliererseite zu stehen“, sagt Haidostian. Beim Flüchtlingsthema wird auch Rima Nasrallah, Dozentin an der Near East School of Theology in Beirut, bitter. Sie erhebt schwere Vorwürfe gegenüber Europa. „Mit eurer Flüchtlingspolitik habt ihr den Nahen Osten aufgegeben und die

Region den Armen, Kranken und den Kriegstreibern überlassen“, sagt die junge Theologin. „Wer jung und qualifiziert ist, überlegt sich nicht mehr lange, ob er noch bleiben soll.“ Natürlich könne sie denjenigen, die gehen, keinen Vorwurf machen. „Für uns, die wir bleiben, wird es aber immer schwieriger. Mit wem sollen wir noch an einer Zukunft bauen?“ Diese Frage treibt auch Najla Kassab um, die in der Nationalen Evangelischen Synode für Syrien und den Libanon für Jugendarbeit und Religionsunterricht zuständig ist. „Es tut uns weh, dass wir alle unsere jungen Leute verlieren, weil sie hier keine Hoffnung mehr haben und sich nun bei euch eine neue Zukunft aufbauen.“ Sie frage sich, ob es nicht möglich wäre, mit den westlichen Kirchen gemeinsam daran zu arbeiten, dass diese jungen Leute den Gedanken an eine mögliche Rückkehr nicht ganz aufgeben und sich ihrer Heimatkirche weiterhin verbunden fühlen. „Wir wollen nicht erleben müssen, dass es in Syrien irgendwann mal keine Christen mehr gibt.“ Wenn es darum gehe, das Land wieder aufzubauen, würden diese jungen Leute gebraucht. Kritische Töne gegenüber den westlichen Kirchen bekommt derzeit jeder zu hören, der in den Nahen Osten reist. „Für uns hat der Westen seine Glaubwürdigkeit verloren“, sagt Michel Jalakh, der


Generalsekretär des Mittelöstlichen Kirchenrats. „Seit Beginn des Arabischen Frühlings versuchen wir zu erklären, was für uns Christen auf dem Spiel steht. Aber ihr habt nie zuhören wollen.“ Zu verstehen ist diese Aussage vor dem Hintergrund, dass die Kirchen in Syrien seit Ausbruch des Bürgerkriegs immer wieder den Vorwurf zu hören bekamen, sich zu sehr mit dem Assad-Regime zu arrangieren. Thomas Fender und der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, der auch zu der Reisegruppe gehörte, bekamen unverblümt gesagt: „Bei euch sollte weniger die Frage im Vordergrund stehen, auf welcher Seite die Christen in Syrien stehen.“ Wichtiger sei, wie diese gemeinsam mit anderen bedrängten Menschen durch diese schweren Zeiten hindurchkommen. Fender hörte die klare Botschaft, das Augenmerk auf diejenigen zu richten, die bleiben und sich weiter in den Dienst für die Menschen vor Ort stellen. Ein Beispiel dafür ist in Aleppo: Der Bürgerkrieg hat das Leben in der einstigen Wirtschaftsund Kulturmetropole in Syriens Norden radikal verändert. Die gesamte Infrastruktur ist mittlerweile zerstört. Im November 2012 wurde die Evangelisch-Arabische Kirche von Mörsergranaten getroffen. Nicht ein einziges Schriftstück konnte gerettet werden. Von den 250 Familien, die vor fünf Jahren zur Arabisch-Evangelischen Kirche gehörten, leben heute noch 70 Familien in Aleppo. „Das Leben ist so schlimm geworden, dass sich die verbliebenen Gemeindeglieder die Frage ge-

stellt haben, ob es nicht besser sei, dass alle gemeinsam die Stadt verlassen“, erzählt Hala Bitar, die aus der Evangelisch-Arabischen Kirche in Aleppo stammt, seit ihrer Heirat mit einem Libanesen aber in Beirut lebt. „Doch anstatt die Koffer zu packen, hat die Gemeinde eine neue Kirche gebaut. Viele haben das erst für eine verrückte Idee gehalten. An Weihnachten konnte dort aber der erste Gottesdienst gefeiert werden“, erzählt Bitar. „Der Mut derjenigen, die weiterhin in Aleppo ausharren, ist für uns eine Quelle der Hoffnung, dass das Christentum dort nach wie vor existiert.“ Das Gleiche gilt für die Al Nash‘ Al Jadeed-Schule, die von der Kirchengemeinde seit vielen Jahren betrieben wird. Seit 2015 wird die Schule von der Evangelisch-reformierten Kirche unterstützt. Lange Zeit wurde auf ihrem Gelände gekämpft. Jetzt ist sie wieder in Betrieb. 700 Kinder werden derzeit dort unterrichtet. Alle kommen aus muslimischen Familien und auch die meisten Lehrer sind Muslime. „Wenn wir Weihnachten feiern, dann feiern wir das für und mit den Muslimen“, erzählt Bitar. Sie schätzten es sehr, wenn wir für die Sicherheit und die Zukunft aller Menschen in Aleppo und in Syrien beten. „Die Schule ist für uns Christen eine Möglichkeit, die Liebe Gottes zu bezeugen und der Zukunft unseres Landes zu dienen. Wenn wir unseren Dienst aufgeben, dann geben wir auch diese Kinder auf.“ Von Katja Buck

Der Bericht entstand Anfang Februar. Die aktuelle Lage in Aleppo hat sich seitdem deutlich verschlechtert.

Foto: Katja Buck

v.l.: Owe Boersma (Evangelisches Missionswerk), Habib Badr (Leitender Pfarrer der Nationalen Evangelischen Kirche im Libanon), Thomas Fender (Ökumenepastor der Evangelisch-reformierten Kirche), Salim Sahiouny (Präsident des Höchsten Rates der Evangelischen Kirchen in Syrien und Libanon), Ralf Meister (Landesbischof der Hannoverschen Landeskirche), Rosangela Jarjour (Generalsekretärin der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen des Mittleren Ostens).

Die Kirche der evangelischen Gemeinde Aleppo nach ihrer zweiten Zerstörung.

Katja Dorothea Buck hat Thomas Fender auf seiner Reise in den Libanon begleitet. Die Religionswissenschaftlerin und Politologin arbeitet und veröffentlicht seit vielen Jahren zum Thema Christen im Nahen Osten.


PERSONEN

Thomas Fender Diakoniepastor der Evangelisch-reformierten Kirche, ist in die niedersächsische Härtefallkommission für Flüchtlinge berufen worden. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) bestimmte jetzt die Zusammensetzung des Gremiums neu. Fender ist dort für die niedersächsischen Wohlfahrtsverbände stellvertretendes Mitglied. Erster Vertreter der Verbände ist Bernd Tobiassen vom DRK-Kreisverband Aurich. Insgesamt berief das Ministerium zehn reguläre und 22 stellvertretende Mitglieder in die Härtefallkommission. Außerdem gehört die Migrationsbeauftragte des Landes, Doris Schröder-Köpf, dem Gremium als beratendes Mitglied an. Die Kommission prüft, ob abgelehnte Asylbewerber aus besonderen humanitären und persönlichen Härten in Deutschland bleiben können. Bislang war der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes der Evangelisch-reformierten Kirche, Wolfgang Wagenfeld, reguläres Mitglied der Kommission. Er schied mit Ablauf der Amtszeit am Jahresende aus.

Foto: privat

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Andreas Lindemann, Hanns-Christof Brennecke und Rüdiger Liwak sind als Prüfer der Evangelisch-reformierten Kirche für das theologische Examen ausgeschieden. Kirchenpräsident Martin Heimbucher verabschiedete jetzt die drei emeritierten Universitätsprofessoren. Sie nahmen im vergangenen Herbst ihre letzte Prüfung ab. Der Neutestamentler Andreas Lindemann war von 1978 bis 2009 an der Kirchlichen Hochschule in Bethel tätig, seit 1988 prüfte er Theologiestudenten der Evangelisch-reformierten Kirche. Ab 1991 nahm Hanns Brennecke das Examen ab. Er war von 1989 bis 2013 Professor für Kirchengeschichte in Heidelberg. Seit 2001 prüfte Rüdiger Liwak, Professor für Altes Testament an der Humboldt-Uni in Berlin bis 2008. Niemals sei eine Prüfung ausgefallen, berichteten die drei bei ihrer Verabschiedung.

Foto: Ulf Preuß

Mitling Mark: Orgelrestaurierung im Blick Die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Mitling Mark will ihre Orgel restaurieren. Von außen sehe die Orgel aus dem Jahr 1860 noch gut aus, sie leide jedoch unter dem Befall von Holzwürmern und unter einem undichten Windsystem, heißt es in einem Gutachten von Landeskirchenmusikdirektor Winfried Dahlke. Das Konzept zur Finanzierung der Orgelsanierung steht unter dem Motto „Geschichte bewahren, um Zukunft zu gestalten“. Die restaurierte Orgel solle stärker in die Gemeindearbeit einbezogen werden, kündigt Kirchenmusiker Gabor Klink-Spekker an. Geplant sei auch eine Zusammenarbeit mit dem Organeum in Weener und den Gemeinden in Driever, Esklum und Grotegaste an der romantischen Europäischen Orgelstraße Ostfrieslands. Die Gemeinde will jetzt mit verschiedenen Aktionen die Finanzierung starten. www.kirche-mitling-mark.de Weg frei für Haus von Diakonie und Caritas Noch hat das gemeinsame Projekt den etwas sperrigen Namen „Haus kirchlicher Beratungsdienste“. Doch das soll sich bis 2017 ändern. Dann wollen die evangelisch-reformierten und evangelisch-lutherischen Diakonischen Werke sowie die Caritas in der Grafschaft Bentheim ein gemeinsames Haus in Nordhorn beziehen. Ende Dezember unterzeichneten Vertreter aller Organisationen einen Mietvertrag. Nach Ostern 2016 soll der Spatenstich für einen 3,1 Millionen Euro teuren Neubau erfolgen, in dem alle Beratungsangebote der drei Kirchen untergebracht werden. Dazu gehören die Freiwilligendienste, die Schuldner- und Insolvenzberatung, Suchtberatung und Schwangeren- sowie Schwangerschaftskonfliktberatung und Unterstützung von Migranten. Die beiden Diakonischen Werke und die Caritas ziehen als Mieter ein und refinanzieren die Investition auf diesem Weg. „Wir rechnen damit, dass wir im Frühjahr 2017 mit dem Neubau fertig sind und im Jahr des Reformationsjubiläums das Haus eröffnen können“, meinte Heinz-Hermann Nordholt, Präses des evangelisch-reformierten Synodalverbands Grafschaft Bentheim. Noch gebe es kein Vorbild für ein solches gemeinsames Beratungszentrum, betonte der evangelisch-lutherische Superintendent Bernd Brauer. Keimzelle der neuen ökumenischen Zusammenarbeit ist die 25 Jahre alte Kooperation der drei Kirchen in der Beratung von Suchtkranken in Nordhorn. Alle Beteiligten sind sich sicher, dass das Zusammengehen in einem Haus viele Synergien schafft. Arbeitsplätze seien nicht gefährdet, betonen alle deutlich. Für den Neubau haben die drei Kirchen 750.000 Euro an Zuschüssen einwerben können, unter anderem 300.000 Euro von der Fernsehlotterie. 2,2 Millionen steuert das Geistliche Rentamt des Synodalverbands als Darlehn bei. Leerstehendes Pfarrhaus für Flüchtlinge Die Kirchengemeinde Schwabach in Mittelfranken öffnet ihr leerstehendes Pfarrhaus für Flüchtlinge. Zurzeit wird das seit 2013 leerstehende Haus instandgesetzt und renoviert, ab April oder Mai können dort bis zu 15 Flüchtlinge einziehen. Die Kirchengemeinde unterzeichnete dazu mit der Stadt Schwabach für die nächsten fünf Jahre einen Mietvertrag, dessen Einnahmen dienen nun dazu die Umbaukosten zu refinanzieren. Die Gemeinde baut jetzt, so Pfarrer Guy Clicqué, einen Unterstützerkreis auf, der die neuen Bewohner des Pfarrhauses in ihrem Alltag begleiten soll. „Eine solche Hilfe, ein diakonisches Handeln, stellt für mich eine der Kernaufgaben einer christlichen Gemeinde dar“, betont Clicqué.


AKTUELLES / IMPRESSUM

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Freizeiten für 2016 im Überblick Die Evangelisch-reformierte Kirche hat ihr Freizeitprogramm für das Jahr 2016 veröffentlicht. In dem Programmheft finden sich 50 Freizeiten und Seminare für Jugendliche und junge Erwachsene. Dazu gehören klassische Ferienfreizeitangebote sowie Bildungsseminare und internationale Begegnungen. Landesjugendpastor Bernhard Schmeing bezeichnet in seinem Vorwort Jugendfreizeiten als „Trainingslager für gelingendes Miteinander“. Wer an kirchlichen Freizeiten teilnehme, lerne in einem geschützten und vertrauten Umfeld, offen miteinander umzugehen. Zu Freizeiten gehöre auch, neue Orte und Länder zu entdecken und einen Einblick in andere Kulturen zu gewinnen. Der Freizeitplan ist bei allen Pastorinnen und Pastoren in den evangelischreformierten Gemeinden erhältlich oder im Landesjugendpfarramt kostenlos zu bestellen: Tel.: 0491 – 9198210, Mail: jugend@reformiert.de [2] Begegnung in Südafrika Auch im Jahr 2016 beteiligt sich die Evangelisch-reformierte Kirche an der internationalen christlichen Jugendbegegnung CAP. Dabei treffen sich im Juli 40 junge Erwachsene aus Südafrika, Ruanda, Belgien und Deutschland in Südafrika in der Nähe von Johannesburg. Das CAP-Programm wurde 1983 als Begegnung zwischen Belgien und Südafrika unter dem Namen KAP - „Kameraden - Arbeiders - Partners“ gegründet, heute stehen die Buchstaben für Comrades - Artisans - Partners. Inzwischen ist die Jugendbegegnung ein gemeinsames Projekt reformierter Kirchen in den vier Ländern. Vor zwei Jahren fand die Begegnung in Deutschland statt. Zum Programm der Jugendbegegnung gehören verschiedene Workshops, die Mitarbeit in sozialen Projekten und Gespräch über kulturelle Grenzen und Gemeinsamkeiten. www.reformiert.de/internationale-jugendbegegnung.html

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Zukunftsprozess eröffnet Die Evangelisch-reformierte Kirche hat am 13. Februar in Emden einen Diskussionsprozess über ihre Zukunft eröffnet. Mehr als 200 Delegierte aus den Gemeinden und Synodalverbänden nahmen in der Johannes a Lasco Bibliothek ein vom Moderamen der Gesamtsynode verfasstes Impulspapier entgegen. Kirchenpräsident Martin Heimbucher bezeichnete den erkennbaren Relevanzverlust von Kirche in der Gesellschaft, sinkende Mitgliederzahlen und absehbar rückläufige Einnahmen als Herausforderungen, denen die Kirchengemeinden begegnen müssten. „Jetzt haben wir noch die Möglichkeit zu gestalten“, sagte er. Das Papier stellt auf 50 Seiten mögliche Strategien für eine kleiner werdende Kirche vor. Dazu gehören Kooperationen zwischen Kirchengemeinden ebenso wie die Bereitschaft, auf bestimmte Angebote zu verzichten. „Eine Gemeinde spezialisiert sich auf den Kindergottesdienst, die zweite auf die Jugendarbeit und die dritte auf die Kirchenmusik - das sind Modelle, die ich mir wünsche“, sagte Heimbucher. Auch eine stärkere Vernetzung mit lutherischen, katholischen und freikirchlichen Nachbarn sei denkbar. Das Impulspapier solle nun auf allen kirchlichen Ebenen diskutiert werden. Im Herbst 2017 werde sich die Gesamtsynode erneut mit den aufgeworfenen Fragen und den Antworten dazu aus den Gemeinden beschäftigen.

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IMPRESSUM Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche.

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Sprach-App für Flüchtlinge Mit einer neuen Sprachlern-App will die Diakonie in Niedersachsen Flüchtlingen den Weg in den deutschen Alltag erleichtern. Die App kann bis zu 800 häufig benutzte Vokabeln in 50 Sprachen übersetzen. Die Diakonie in Niedersachsen hat die Anwendung für Smartphones gemeinsam mit dem Starnberger Goethe-Verlag herausgebracht. Die App mit den bis zu 800 am häufigsten benutzten deutschen Vokabeln baut auf ein üblicherweise kostenpflichtiges Sprachlernprogramm auf, das der Verlag für die Flüchtlinge gespendet und die Diakonie noch erweitert habe. Die App kann über einen QR-Code heruntergeladen werden.

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Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de

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Redaktion: Ulf Preuß (verantwortlich), Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Herbert Sperber, Burkhart Vietzke

Foto: Jens Schulze

Kirchenpräsident Martin Heimbucher mit der Moderatorin Carola Schede

Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.projektpartner.info Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Ab sofort steht das Logo zum Download bereit: www.reformiert.de/ reformationsjubi laeum-2017.html

Reformierte in Deutschland.

Das Logo „500 Jahre Reformation“

DAS LOGO

Bei der Gesamtsynode am 26. und 27. November 2015 wurde das Logo „R - 500 Jahre Reformation. Reformierte in Deutschland.“ vorgestellt. Mit diesem Logo wollen die Evangelisch-reformierte Kirche und der Reformierte Bund ihre Aktivitäten unter ein gemeinsames Zeichen stellen. Seinen Ausgangspunkt hat das R beim Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK): Er hat für seine Veranstaltungen und Feierlichkeiten ein grünes R - 500 Jahre Reformation als Dachmarke entwerfen lassen. Jede Region der Schweiz hat ihr eigenes R. Die Evangelisch-reformierte Kirche und der Reformierte Bund haben in Absprache mit dem SEK das R für die Reformierten in Deutschland weiterentwickelt:

• Unser R steht für bunte Vielfalt, aufeinander bezogen, dynamisch und zentriert. • Das R steht für Feierlichkeiten in der Vielfalt der Kirchen und doch einheitlich im Zeichen eines gemeinsamen Jubiläums. • Das R verbindet mit allen Orten der Reformation. • Das R ist ein Zeichen für eine Gemeinschaft. • Das R geht über 2017 hinaus: in der Schweiz bis zum Jahr 2036, in Emden bis zum Jahr 2021. • Das R holt unsere Kirche in eine weltweite Bewegung. • Mit dem R sind wir ein Teil von „500 JAHRE REFORMATION“.

2 reformiert 2016  

Durch ein R blicken wir auf Europa, durch ein R blicken wir auf 500 Jahre Reformation, durch ein R blicken wir auf Geschichte und Gegenwart....

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