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zum Themenjahr Reformation + Politik

reformiert

Macht Macht Politik Kirche Kirche? Politik?

Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

Kirche Politik macht macht Politik Kirche

2 reformiert 2014 2013M채rz April Mai


Macht Macht Politik Kirche? Kirche Politik? Macht Politik Kirche macht Politik? Kirche 8 Seite

Zweites Bild rechts: Friedensdemonstration in London gegen den drohenden Irakkrieg 2003 mit mehr als einer Million Teilnehmern.

Seite 4 Der politische Prediger Karl-Heinz ter Horst in Schüttorf

Seite 8 Überzeugungsarbeit bei Politikern Ann-Kathrin Peters engagiert sich im Bundesvorstand der aej

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Zum Themenjahr Seite 6 Ohne Gerüst an Werten wird es beliebig Fragen an Garrelt Duin, Wirtschaftsminister in NRW

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Foto: Günter Saalfrank /epd)

Seite 10 Die politische Predigt Selig sind die Friedensstifter

Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Reformiert, Konto-Nr. 90 60 08 Sparkasse LeerWittmund, BLZ 285 500 00 Spendenquittung wird zugesandt. Titelgrafik: Designagentur projektpartner

Seite 12 Keine neue Steuer Seite 13 Beratung unter einem Dach Seite 14 Über die christliche Seefahrt Seite 15 Seit 1989 gemeinsam Seite 16 Reformierter Reisetipp Wanderer, kommst du nach Möllenbeck Seite 17 Personen Seite 18 Aktuelles Seite 19 Impressum Seite 20 Position: Alle Religionen haben Freiraum zur Entfaltung


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Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Reformation und Politik

Foto: Kloster Möllenbeck

Kloster Möllenbeck im Weserbergland

„Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen.“

aus Barmer Theologische Erklärung, These 5 *

Liebe Leserin, lieber Leser, irgendwie lande ich bei der Beschäftigung mit dem Themenfeld Kirche und Politik immer beim Frieden. Und wenn Sie die nächsten Seiten lesen, werden Sie feststellen, dass alle drei Personen, die unsere Autoren besucht haben, im Spannungsfeld zwischen Kirche und Politik eben auch die Friedensfrage umtreibt. Weil der Wunsch nach Frieden und einer friedlichen Welt ein Urbedürfnis des Menschen ist – und weil der Kirche in dieser Frage eine besondere Kompetenz zugeschrieben wird? So kann es doch fast kein Zufall sein, dass im Themenjahr „Reformation und Politik“, mit dem sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in diesem Jahr auf das Reformationsjubiläum 2017 vorbereitet, die Friedensfrage – und was die Kirche dazu beitragen kann – wieder in den Vordergrund rückt. So hat die EKD im Januar das Papier „Selig sind die Friedfertigen. Der Einsatz in Afghanistan: Aufgaben evangelischer Friedensethik“ veröffentlicht und unser Kirchenpräsident,

Martin Heimbucher, hat angekündigt, dass in der Evangelisch-reformierten Kirche das Thema Frieden in der nächsten Zeit an Bedeutung gewinnen soll. Wie in der Vergangenheit auch, widmet sich eine Ausgabe im Jahr von „reformiert“ dem Jahresthema der EKD: diesmal Reformation und Politik. Aus dem Jahresthema ist dann bei uns das – wie ich finde – sehr spannende Wort-Trio „KIRCHE MACHT POLITIK“ geworden. Und alle Wortspiele, die Sie mit diesen Begriffen machen können, finden sich auf den folgenden Seiten. Ich wünsche Ihnen eine interessante und zur Diskussion anregende Lektüre.

Ihr Ulf Preuß

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

* In der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Diktatur wurde die Barmer Theologische Erklärung vor 80 Jahren im Mai 1934 auf der Bekenntnissynode der Bekennenden Kirche verabschiedet.


zum Themenjahr Reformation + Politik

Mehr als „Ja und Amen“ Der politische Prediger: Karl-Wilhelm ter Horst aus Schüttorf Karl-Wilhelm ter Horst ist Pastor der evange-

an zwischen Uni und Grafschaft. Sein Theologie-

lisch-reformierten Kirchengemeinde in Schüttorf.

Studium brach er allerdings schon nach kurzer

Seit fast 20 Jahren versieht er dort seinen Dienst.

Zeit enttäuscht ab und widmete sich den Erzie-

Er fühlt sich in der ältesten Stadt der Grafschaft

hungswissenschaften. Damals kehrte er auch der

sehr wohl und möchte auch nach dem Eintritt

Kirche den Rücken und trat aus.

in den Ruhestand im kommenden Jahr gelegent-

Stattdessen nahm die Politik im Leben von

lich auf der Kanzel stehen, dann als ehrenamtli-

Karl-Wilhelm ter Horst immer mehr Raum ein. „Ich

cher Prediger. Aufgewachsen ist Karl-Wilhelm ter

hatte eine große Sympathie mit den Arbeitern in

Horst, den viele Menschen schlicht Kalle nennen,

Nordhorns Textilfabriken. Es war für mich immer

in Bad Bentheim, der Nachbarstadt von Schüttorf.

klar, wo ich hingehöre“, sagt er. In Nordhorn traf

Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und ein Pfle-

er auch den Kommunisten Heinz Deymann und

gekind, gerade ein Haus gebaut. Das alles klingt nicht ungewöhnlich. Dabei spiegeln diese knappen biographischen Angaben nicht einmal ansatzweise wider, welche

Kirche macht

Wendungen das Leben von Karl-Wilhelm ter Horst

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genommen hat. Denn für den heute 64-Jährigen

half mit, die DKP als drittstärkste Kraft in der

ging es wahrlich nicht auf direktem Weg von Bad

Stadtpolitik zu etablieren – bundesweit einmalig.

Bentheim nach Schüttorf.

Im Keller von Karl-Wilhelm ter Horsts Wohnung

Wo fangen wir an? Es dauert einen Moment,

am Stadtring wurde zwischen 1970 und 1977 das

bis das Gespräch in Gang kommt. Karl-Wilhelm

Parteiblatt „Die rote Spindel“ gedruckt. Er enga-

ter Horst beginnt mit einem Ausflug in die Wis-

gierte sich außerdem im DKP-Landesvorstand.

senschaft, hat ein Manuskript wiedergefunden,

Der Student aus Bad Bentheim mischte or-

das aus den frühen 70er-Jahren stammt. Er hat

dentlich mit. Er stand an der Spitze der Protest-

damals ein Schema entworfen, das die Gegen-

bewegung gegen den Luft-Boden-Schießplatz

sätze sozialer Handlungsnormen aufzeigt. „Damit

„Nordhorn-Range“ und kämpfte mit vielen jungen

befasse ich mich seit mehr als 40 Jahren – und

Nordhornern für den Bau eines Jugendzentrums.

bin immer noch nicht fertig damit“, sagt er. Karl-

„Die Stadt lag uns zu Füßen“, erinnert er sich.

Wilhelm ter Horst ist nicht nur Theologe, das kam

1977 folgte dann plötzlich der Bruch mit der DKP.

erst spät. Er ist auch Soziologe, Pädagoge, Psy-

Weil er intern Kritik an der DDR-Ausbürgerung

chologe. Er hat eine Doktorarbeit geschrieben,

von Wolf Biermann geäußert hatte, setzte ihn die

außerdem mehrere Bücher. Und er war viele Jahre

Partei – auf Druck aus der DDR – vor die Tür. „Da-

lang ein leidenschaftlicher Politiker. Kommunist.

mit hatte ich nicht gerechnet, das war eine bittere

Karl-Wilhelm ter Horst war zur Zeit der Stu-

Enttäuschung“, erzählt Karl-Wilhelm ter Horst.

dentenbewegungen Gymnasiast in Nordhorn. Die

Fortan widmete er sich mehr seiner inzwischen

68er waren auch unter den Schülern und Lehrlin-

aufgenommenen Lehrtätigkeit an der Uni Müns-

gen in der Kreisstadt ein großes Thema und der

ter und war ab 1980 an der Fachhochschule Em-

junge Abiturient aus Bad Bentheim mittendrin.

den angestellt. Damals verstärkte Karl-Wilhelm

Getrieben vom Gedanken an Veränderung sam-

ter Horst sein sozialpolitisches Engagement. Er

melte er erste politische Erfahrungen, scheute

machte sich für benachteiligte Kinder und Ju-

keine Auseinandersetzung. 1969 ging Karl-Wil-

gendliche stark – und wurde Mitte der 80er-Jahre

helm ter Horst nach Münster und pendelte fort-

ein zweites Mal tief enttäuscht, dieses Mal von


Kirche Kollegen. In dieser Phase fand Karl-Wilhelm ter Horst, der seit 1970 keinen Fuß mehr in eine Kirche gesetzt hatte, auf einmal zu seinem Glauben zurück. „Ich bin dann auch wieder in die Kirche eingetreten. Dann kam der Gedanke, wieder neu Theologie zu studieren und Pastor zu werden – so wie ich es ursprünglich auch einmal vorgehabt hatte“, berichtet er. Nach erfolgreichem Studium nahmen die Reformierten Karl-Wilhelm ter Horst als „verlorenen Bruder“ mit offenen Armen wieder auf. Und

Politik

die

Ge-

meinde in Schüttorf? Hat die 1995 einen

politischen

Prediger

bekom-

men? Karl-Wilhelm ter Horst räumt ein, dass einige Menschen in ihm schon noch einen alten Kommunisten, sozusagen den „Rudi Dutschke der Grafschaft“ sähen. Aber die Gemeinde habe ihn damals trotzdem zu ihrem Seelsorger gewählt. „Manche sehen meine politische Tätigkeit von damals als Jugendsünde. Es gibt aber auch welche, die offen solidarisch sind – halbe Genos-

Foto: Grafschafter Nachrichten

Im August 1973 ergriff Karl-Wilhelm ter Horst vor dem Kasernentor der Royal Air Force in Nordhorn das Wort, um gegen Nordhorn-Range zu protestieren. Der 23-Jährige war damals auch Sprecher der Initiative für ein Jugendzentrum.

sen“, erzählt er. Karl-Wilhelm ter Horst legt Wert darauf, dass er Parteipolitik und Arbeit nie miteinander vermischt habe. Weder während seiner Lehrtätigkeit an den Hochschulen, noch von der Kanzel in der Kirche aus. Gleichwohl habe die Theologie für ihn einen starken politischen Charakter: „Man muss

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sich klar positionieren, auch wenn man damit aneckt.“ Ein Beispiel: Seit 2003 hilft der Schüttorfer mit einem geheimen Netzwerk, desertierten USSoldaten Unterschlupf zu verschaffen. Ein – verhältnismäßig – kleiner Beitrag für den Frieden, das große Thema von Karl-Wilhelm ter Horst: „Politische Theologie heißt immer auch, gewaltlos zu sein. Gewalt ist nie eine Alternative.“ von Andre Berends

Foto: Grafschafter Nachrichten

Karl-Wilhelm ter Horst (mit Nordhorns DKP-Urgestein Heinz Deymann, links) versuchte im Jahr 1976, die DKP auf einen eurokommunistischen Kurs zu bringen.


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Ohne Gerüst an Werten wird es Fragen an Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Herr Duin, würden Sie sich selber als christlichen Politiker bezeichnen? Christsein beschreibt mich als Menschen, unabhängig vom jeweiligen Beruf oder Amt - es beschreibt mich nicht in meiner Arbeit als Politiker. Ich bin sozialdemokratischer Politiker - und Christ. Wie wird das in Ihrem politischen Handeln deutlich? Fragen der Gerechtigkeit spielen in Politik und Kirche eine große Rolle. Dadurch gibt es immer wieder Berührungspunkte. Ein Beispiel: Wir haben in NRW ein Vergabegesetz. Es sorgt dafür, dass wir als Staat nichts kaufen, was mit Kinderarbeit produziert wurde. Die Diskussionen während des Gesetzgebungsverfahrens waren sehr intensiv, jetzt wird die Evangelische Kirche im Rheinland etwas sehr ähnliches, nach unserem Vorbild, beschließen. Impulse werden also gegenseitig gesetzt. Wo haben Sie Ihre christliche Prägung erhalten? In meinem Elternhaus, wo Christsein vor allem durch die Tätigkeiten meines Vaters als Ehrenamtlicher in verschiedenen Gremien der Kirche ein Thema war. Außerdem gingen der örtliche Pastor und seine Familie bei uns ein und aus. Ich durfte den Pastor als einziger im Konfirmandenunterricht duzen. Diese Nähe hat schon früh immer wieder zur Beschäftigung mit Glaubensfragen geführt.

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Können Sie sich an eine politische Entscheidung oder ein Gesetzgebungsverfahren erinnern, bei dem bei Ihnen der christliche Hintergrund ausdrücklich eine gewichtige Rolle spielte? Ich habe sogar schon Rat bei Theologen eingeholt. Es ging um die Stammzellenforschung, ich war Mitglied im Europaparlament. Die Frage, ob und wann ein Eingriff in das Erbgut erlaubt sein soll, um Forschung im Kampf gegen viele Krankheiten zu ermöglichen, reicht sehr weit. Dazu muss man das eigene Gewissen schon sehr genau befragen - und das fällt leichter, wenn man ein Bild vom Menschen hat, das auf einem festen Glauben fußt. Ich bin dadurch in diesen Fragen sehr viel konservativer als viele meiner Parteifreunde.

Sie haben sich für die Sozialdemokratie als politische Heimat entschieden, bei Ihrem politischen Gegner, der CDU, gibt es ebenso Politikerinnen und Politiker, die ihren christlichen Hintergrund betonen. Was hat in Ihren Augen in der Prägung eines Menschen den Vorrang: das Politische oder das Religiöse? Ich ziehe diese scharfe Grenze nicht. Die ganze Friedensbewegung hätte nicht den Erfolg gehabt, wenn sie sich nicht auch auf die Bergpredigt hätte beziehen können. In der Umweltpolitik, also der Bewahrung der Schöpfung, ist es ähnlich. Wo beginnt da das Politische, wo endet das Religiöse? Entscheidend ist, ob jemand mit einem Gerüst an Werten in die Politik geht. Wenn es daran fehlt, wird es gefährlich, weil beliebig. Gibt es ein biblisches Wort oder eine theologische Formel, die Sie für sich als prägend bezeichnen würden?

Politik macht Auch da sind die Grenzen fließend. Kernüberzeugung meiner Partei ist die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs durch eigene Leistung. Diese Chance hat der Staat zu garantieren. Mein Glaube, meine reformierte Prägung, sagen mir, dass ich durch Arbeit meiner Aufgabe als Christ nachkomme. Also der eigene Werdegang, die eigene Leistung, das eigene Tun werden nicht durch Glaube, Vorsehung oder ähnliches ersetzt. Aber unterm Strich gilt: Gott kennt die, die auf ihn trauen. Welche Rolle spielen Glaubensüberzeugungen in der politischen Debatte? Eine ganz entscheidende bei den wirklichen Gewissensfragen, wenn es also um Leben und oder Tod geht. Ist das ausreichend? Es könnte sich in der Zukunft verstärken. Der Grund: Jahrzehntelang gab es in der Politik nur Christen oder Atheisten. Der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten spielte kaum eine Rolle. Künftig werden immer häufiger Anhänger anderer Glaubensgemeinschaften im Bundestag und an anderer Stelle


beliebig

Politik

Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen

dabei sein, weil sich unser Land verändert. Das verändert auch die Debatte zwischen den Religionen. Ich hoffe aber, dass es kein Ersatz für die Politik wird.

Sie stammen aus dem kleinen Ort Hinte in Ostfriesland mit etwa 3000 Einwohnern und waren dort viele Jahre im Gemeinderat politisch aktiv. Spielen in dieser dörflichen Struktur Kirche und Religion eine andere Rolle als in der großen Politik, wie jetzt in Ihrem Amt als Wirtschaftsminister in NRW? Nein. Ein Gespräch mit dem Pastor im Dorf und eines mit dem Präses der EKD unterscheiden sich nicht. Es geht doch immer um Geborgenheit. Die ist im Dorf nicht anders zu finden als in der Stadt oder mit einem wichtigen Amt im Rücken. Interview: Ulf Preuß

INFO

Foto: Wirtschaftsministerium NRW

Der gebürtige Ostfriese Garrelt Duin ist im Ort Hinte (nördlich von Emden) groß geworden. Hier begann er seine politische Karriere in der SPD. 2000 rückte er in das Europaparlament nach, wo er bis 2005 blieb. Von 2005 bis 2012 war Duin Bundestagsabgeordneter, in dieser Zeit Beauftragter seiner Fraktion für Industriepolitik und von 2009 bis 2012 wirtschaftspolitischer Sprecher. In dieser Zeit war er auch fünf Jahre lang Vorsitzender der SPD in Niedersachsen. 2012 wechselte er von Berlin nach Düsseldorf und wurde Wirtschaftsminister im Kabinett von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Garrelt Duin studierte Jura und Evangelische Theologie in Bielefeld und Göttingen, er ist verheiratet und hat ein Kind. Er lebt inzwischen in Nordrhein-Westfalen. Sein Vater war viele Jahre Präses der Gesamtsynode.

Macht

Kirche Z I TAT E

Pascal Kober bis 2013 für die FDP im Bundestag, Pfarrer „Nehmen wir die Sorge um unseren Nächsten ernst, so sind wir als Christen alle zur Politik berufen.“ Josef Philip Winkler bis 2013 stellvertretender Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen „Glauben ist überhaupt nicht ‚unzeitgemäß‘ oder ‚überholt‘, denn ich empfinde ihn als Kraftquelle und Ruhepol zugleich.“

Manuela Schwesig SPD-Bundesfamilienministerin „Christin sein bedeutet für mich, bewusst ‚Ja‘ zum Leben zu sagen. Nicht alles hinzunehmen und geschehen lassen, sondern Verantwortung übernehmen.“ Bodo Ramelow Fraktionsvorsitzender DIE LINKE in Thüringen „Ziel muss eine Gesellschaft sein, in der alle Menschen ihren Glauben oder Nichtglauben in größtmöglicher Freiheit ausleben können.“

Günther Beckstein CSU-Politiker und Vize-Präses der EKD-Synode „Ich selbst bin als junger Mann einer Partei beigetreten, da ich christliche Grundwerte dem politischen Handeln zugrunde gelegt sehen wollte.“


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Überzeugungsarbeit bei Ann-Kathrin Peters engagiert sich im Bundesvorstand der aej Wenn es nach ihren Eltern gegangen wäre, würde Ann-Kathrin Peters beruflich wohl „etwas mit Kindern“ machen. Ein Theologiestudium war aus Sicht ihrer Mutter, die als Kinderpflegerin arbeitet, und ihres Vaters, der Lokführer ist, weniger vorstellbar. „Bei ihnen gab es auch die Angst, dass ich am Theologiestudium scheitern könnte“, erzählt Peters. Die 27-jährige Frau, die in der Evangelisch-reformierten Kirche in Niedersachsen aufwuchs und sich aktiv im Kindergottesdienst, in Konfirmationsgruppen und Vertretungsgremien engagierte, hat dann doch Theologie studiert: zunächst an ihrem Geburtsort Göttingen, dann auch in Basel und an der Berliner Humboldt-Universität. Im September 2013 schloss sie das Hochschulstudium ab und beginnt im Frühjahr 2014 ihr Vikariat in einer Gemeinde in Karlsruhe. Schon lange engagiert Peters sich in der evangelischen Jugendarbeit. Seit November 2011 ist sie stellvertretende Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej). Dort hat sie nach eigenen Angaben vor allem an der Erneuerung der Friedensrichtlinien gearbeitet. „Ein Kerngeschäft eines evangelischen Jugendverbands ist es, hier einen biblischen Bezug und eine theologische Begründung vorzulegen.“ Bei den aktuellen Auslandseinsätzen der Bundeswehr sieht Peters die von der Kirche formulierten Kriterien letztlich „nicht erfüllt“. Bei den Einsätzen werde zu wenig Wert auf zivile Maßnahmen ge-

legt. Die aej hat sich in der friedenspolitischen Diskussion mit einem Positionspapier zur Bildungsarbeit zu Wort gemeldet. Darin fordert sie eine Friedensbildung an den Schulen, die sich an einer auf dem Evangelium beruhenden Friedensethik orientieren soll. Ann-Kathrin Peters sagt: „Man muss vor Ort mehr miteinander reden.“ Das sieht die künftige Vikarin auch beim Reizthema Homosexualität so. Sie selbst, die homosexuelle Menschen in ihrer Bekanntschaft hat, habe zwar eine eher liberale Position. Als Funktionärin der kirchlichen Jugendarbeit geht es ihr jedoch darum, zwischen den Polen zu vermitteln: „Die Debatte darf nicht nur von denen geführt werden, die entweder homosexuell oder sehr konservativ im Glauben sind“, betont sie.

Macht Kirche Mike Corsa ist seit 2001 Generalsekretär der aej und kennt Peters seit Jahren. Sie setze sich auch dafür ein, die Bibel in einer jugendgemäßen Sprache zu betrachten - gerade mit Blick auf „500 Jahre Reformation“ im Jahr 2017. Peters könne sich sehr gut artikulieren und Menschen überzeugen. „Sie kann aber auch hart Konflikte fahren“, weiß der Generalsekretär. Diese Konfliktfähigkeit sei aber wichtig, um in dem Leitungsgremium erfolgreich arbeiten zu können.

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Der Bundesvorstand der aej nach der Wahl 2011, Ann-Kathrin Peters, dritte von rechts

Foto: aej

Foto: ?????


Ministern

Politik

Peters selbst hat allerdings in ihrer Zeit auf Bundesebene die Erfahrung gemacht, dass die Überzeugungsarbeit bei Ministern weniger ihre Sache ist - auch wenn ihr zuweilen etwas schablonenhaftes Funktionärsdeutsch über die Lippen kommt. „Mein Herz schlägt doch mehr dafür, zu Kindern und Jugendlichen zu gehen, um zu sehen, wie die denken. Das Reden mit Politikern überlasse ich gerne lieber anderen“. Sie betont, die Kirche dürfe sich nicht aus der Gesellschaft zurückziehen und müsse gerade für Benachteiligte da sein. „Ich kann nicht für mich allein, quasi im stillen Kämmerlein, Christ sein das geht nicht.“ Peters hat vor und teilweise während des Theologiestudiums auf 400-Euro-Basis in einem Ledergeschäft in Göttingen als Verkäuferin gearbeitet. Sie ist auch überzeugt: Nicht nur studierte Theologen sollten das Evangelium weitergeben. „Wir brauchen in Kirchenräten und auf der Kanzel auch Bäcker, Hausfrauen oder Hartz-IV-Empfänger.“ Kirche müsse zwar im Inland missionarischer werden. Für sie bedeute dies aber eher, „privat glaubwürdig und ganzheitlich zu leben“, als wildfremden Menschen etwas von Gott zu erzählen. Sie wolle versuchen, im Alltag mit anderen ganz zwanglos ins Gespräch zu kommen - etwa beim gemeinsamen Joggen. Und da könne dann plötzlich die Frage auftauchen, wie man eigentlich über ein Leben nach dem Tod oder den Glauben an Gott denke. „Ich will nicht so auftreten, dass ich sage: ‚Übrigens, ich bin die Frau Pastorin‘“, sagt Peters. „Ich will Teil einer Gruppe sein, bei der sich dann irgendwann herausstellt: ‚Ach, die ist ja Pastorin!‘“

Politik?

von Norbert Demuth

INFO Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von rund 1,35 Millionen jungen Menschen. Die Dachorganisation gilt als Zusammenschluss der evangelischen Jugend. Die aej will die Anliegen der evangelischen Jugendlichen auf Bundesebene zu Gehör bringen, vor allem gegenüber Bundesministerien, Fachorganisationen, internationalen Partnern und gesamtkirchlichen Zusammenschlüssen. In der aej-Geschäftsstelle in Hannover sind insgesamt mehr als 30 Mitarbeiter und Fachreferenten tätig. Zuletzt forderte die aej etwa von der Bundesregierung, mehr Verantwortung für Flüchtlinge zu übernehmen, die in Europa Schutz suchen. Im November 2013 veranstaltete die aej zusammen mit der „Aktion Mensch“ und der Diakonie eine große Fachtagung in Berlin zum Thema Inklusion. Die derzeit 33 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft sind bundesweite evangelische Jugendverbände und Jugendwerke wie CVJM-Gesamtverband, der Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC) oder die Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands (CPD). Auch Jugendwerke evangelischer Freikirchen und die Kinder- und Jugendarbeit der Mitglieds2 reformiert kirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gehören zur aej. www.evangelische-jugend.de

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zum Themenjahr Reformation + Politik

Macht Politik Die politische Predigt Selig sind die Friedensstifter Es gibt Texte, die die Menschheit über Jahrhunderte begleiten und bewegen. Die Bergpredigt mit ihren Seligpreisungen gehört dazu. Sie stellt die Welt, wie wir sie vorfinden, auf den Kopf. Sie zeichnet eine Kontrastgesellschaft. Sie gibt Hoffnung für eine veränderbare Welt hier und heute. Die Seligpreisungen speisen sich aus der Hoffnung auf Gottes Zukunft, die über unsere Zeit und Welt hinausgeht. Aber: Die Worte der Bergpredigt wurden immer wieder belächelt, verachtet und für den politischen Alltag als unbrauchbar bezeichnet. Die Bergpredigt: Ein Text, der zur Diskussion anregt.

Mac 10 2 reformiert 2014

Foto: Bundesarchiv Foto: Bundesarchiv

Foto: Peter Lorenz

Foto: Engelbert Reineke / Bundesregierung

Otto von Bismarck

Thomas de Maizière

Richard von Weizsäcker

„Mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen!“

„Die Bergpredigt wird oft so übersetzt: ‚Selig sind die Friedfertigen’. Die Übersetzung ‚Selig sind die Friedensstiftenden’ gefällt mir besser ... Dazu müssen manchmal auch Soldaten ihren Beitrag leisten.“

„Die großen Konflikte der Zeit wären lösbar, wenn wir Menschen die Kraft fänden, persönlich und politisch gemäß der Bergpredigt zu handeln.“


Kirche?

Kirche

„Als Jesus die Scharen des Volkes sah, stieg er auf den Berg. Und er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Und er öffnete seinen Mund und lehrte sie und sprach:

Selig sind die Armen im Geist, denn ihrer ist das Himmelreich! Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden! Selig sind die Demütigen, denn sie werden das Erdreich erben! Selig sind die, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.

cht

Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind die, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig sind die, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und gegen euch lügnerisch alles Böse sagen um meinetwillen. Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß im Himmel! Denn so haben sie die Propheten vor euch verfolgt.“

Matthäus 5, 1-12

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Foto: Ulrich Wienke / Bundesregierung

Foto: www.thierse.de

Foto: Matthias Rietschel/epd

Helmut Schmidt

Wolfgang Thierse

Margot Käßmann

„Glaubt ihr etwa auch, dass die Bergpredigt geeignet ist, die Politik der Sowjetunion zu korrigieren?“

„Die Bergpredigt muss immer ‚übersetzt’ werden. Sie kann … nie unmittelbar als Handlungsanweisung für soziales Verhalten dienen. ... Als prägende ‚Übersetzung’ der Bergpredigt sehe ich die Ostpolitik der SPD unter Willy Brandt.“

„In den Seligpreisungen entwirft Jesus eine Kontrastgesellschaft, die für uns Provokation und Leitfaden sein kann, auch im politischen Handeln.“


Keine neue Steuer Kirchensteuer auf Kapitalerträge wird jetzt automatisch abgeführt Zurzeit informieren die Banken ihre Kunden, dass sich bei der Zahlung der Kirchensteuer auf Kapitalerträge etwas ändert. Was ändert sich? Fragen zum neuen Verfahren an Gerhard Plenter, Abteilungsleiter für Finanzen im Landeskirchenamt der Evangelisch-reformierten Kirche. tenschutzbeauftragten umgesetzt. Die Verarbeitung der Daten erfolgt zudem in einer technisch geschlossenen Umgebung. Der Kundenbetreuer erhält von einer Religionszugehörigkeit keine Kenntnis.

Foto: Claudia Hautumm/pixelio.de

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Herr Plenter, die Bankkunden werden derzeit von ihren Banken und Sparkassen informiert, dass eine Änderung bei der Zahlung der Kirchensteuer auf Kapitalerträge ansteht. In der Regel erfolgt dies durch einen Informationstext auf dem Kontoauszug. Was ändert sich konkret? Die Erhebung der Kirchensteuer auf Kapitalerträge erfolgt ab 2015 automatisiert. Das heißt, die zum Abzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge verpflichteten Banken erhalten vom Bundeszentralamt für Steuern die Religionszugehörigkeit der Steuerpflichtigen - ähnlich wie schon jetzt der Arbeitgeber - auf elektronischem Wege und verschlüsselt mitgeteilt. So können sie direkt die Kirchensteuer an die Steuerbehörde abführen, die sie dann an die Kirchen weiterleitet. Dieses neue automatisierte Verfahren vereinfacht die Steuererhebung wesentlich. Vorher musste man selbst die Konfessionszugehörigkeit gegenüber der Bank erklären oder die Kirchensteuer in der Steuererklärung angeben. Wenn den Banken nun die Religionszugehörigkeit vom Bundeszentralamt für Steuern mitgeteilt wird, ist dann auch der Datenschutz garantiert? Oder erfahren Bankmitarbeiter auf diesem Weg, welcher Kirche oder Religionsgemeinschaft ihre Kunden angehören? Nein, denn das Konfessionsmerkmal wird an die Banken verschlüsselt weitergegeben. Damit hat der Gesetzgeber eine Forderung des Bundesda-

Ist mit der Neuregelung bei der Erhebung des Kirchensteuerzuschlags zur Kapitalertragssteuer eine Steuererhöhung verbunden? Natürlich nicht. Die Höhe der Steuer beträgt nach wie vor neun Prozent (in Bayern und Baden-Württemberg acht Prozent) der Kapitalertragsteuer, es ändert sich nur das Erhebungsverfahren. Auch handelt es sich bei der Kirchensteuer auf Kapitalertragsteuer um keine neue Steuer. Einkünfte aus Kapitalvermögen, in der Regel Zinseinnahmen, gelten seit jeher als einkommensteuerpflichtig und dann fällt natürlich auch die Kirchensteuer an. Kapitalerträge werden allerdings nur oberhalb des Sparerfreibetrags von 801 Euro für Ledige beziehungsweise 1.602 Euro für Verheiratete zur Steuer mit dem vereinfachten Steuersatz von 25 Prozent herangezogen. Eine Musterrechnung 200.000 Euro Vermögen erwirtschaften bei 1% Zinsen 2000 Euro pro Jahr. Davon sind nach Abzug des Sparerfreibetrags 398 Euro steuerpflichtig, bei einem Steuersatz von 25% ergibt dies 99,50 Euro Kapitalertragssteuer, die Kirchensteuer beträgt somit 8,96 Euro (7,96 Euro in Bayern und BadenWürttemberg) pro Jahr.

Gerhard Plenter, Abteilungsleiter für Finanzen im Landeskirchenamt, sieht in dem neuen Verfahren Vorteile für alle Beteiligten.


Beratung unter einem Dach Reformierte, Lutheraner und Katholiken errichten in Nordhorn Beratungszentrum Ab 2015 wollen das evangelisch-reformierte und das evangelisch-lutherische Diakonische Werk sowie die Caritas in der Grafschaft Bentheim unter dem Dach eines „Zentrums kirchlicher Beratungsdienste“ ihre Angebote bündeln. In dem neuen „Haus kirchlicher Beratungsdienste“ sollen, so kündigte der evangelisch-reformierte Präses Heinz-Hermann Nordholt an, 13 verschiedene Beratungsdienste angesiedelt werden, darunter Freiwilligendienste, die Schuldner- und Insolvenzberatung, Suchtberatung und Schwangeren- sowie Schwangerschaftskonfliktberatung. Dabei sei es geplant, konfessionsübergreifend in Fachbereichen zusammenzuarbeiten, so Günther Sandfort, stellvertretender Caritasdirektor der Diözese Osnabrück. Er betont die Synergieeffekte sowohl für Klienten als auch für die drei Träger: „Eine Verbesserung der Struktur bedeutet auch eine Verbesserung der Beratungsqualität, denn nun können die Beratungsdienste unter einem Dach angeboten werden, anstatt die Klienten kreuz und quer durch Nordhorn fahren zu lassen.“ Bei dem neuen Haus handele es sich nicht um eine Rationalisierungsmaßnahme, betonten alle Kirchenvertreter. Alle sozialen Werke seien gut aufgestellt und nicht in finanzieller Not. Der zunächst geplante Neubau der reformierten Diakonie in Nordhorn habe die Idee entstehen lassen, durch Zusammenlegung der Fachbereiche aller drei konfessionellen sozialen Werke Beratungen kompetent und zeitgemäß anbieten zu können, so Nordholt. Ihren Ausgangspunkt habe die Idee in Zusammenarbeit der drei Kirchen in der Beratung von Suchtkranken, die bereits vor 25 Jahren

Foto: Rido/shutterstock.com

in Nordhorn gemeinsam aufgenommen wurde. Im Sommer 2015 wollen die drei Träger einen Neubau beziehen, den der Synodalverband Grafschaft Bentheim als Bauherr errichtet. Die Kosten von etwa zwei Millionen Euro werden anschließend durch Mieteinnahmen refinanziert, außerdem hätten die die drei Konfessionen bereits zusätzlich 200.000 Euro zur Verfügung gestellt. Weitere Förderanträge sollen gestellt werden. „Uns ist bislang nicht bekannt, dass es woanders in Deutschland eine so umfassende ökumenische Zusammenarbeit in der Sozialberatung gibt“, meint Heinz-Hermann Nordholt.

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von Ulf Preuß

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Sie werden in dem gemeinsamen Beratungszentrum für den Landkreis Grafschaft Bentheim zusammenarbeiten: Volker Hans, Geschäftsführer des evangelischreformierten Diakonischen Werkes Grafschaft Bentheim; Hermann Josef Quaing, Geschäftsführer des Caritasverbands; Dorothea Währisch-Purz, Geschäftsführerin des evangelisch-lutherischen Diakonischen Werkes Emsland-Bentheim.

Angebote im neuen Zentrum • Freiwilligendienste • Integrationsfachdienst • Schuldner- und Insolvenz beratung • Suchtberatung • Schwangeren- und Schwanger- schaftskonfliktberatung • Wohnungslosenhilfe • Migrationsarbeit • Erholungsangebote • Allgemeine soziale Hilfen


Über die christliche Seefahrt Kirchenschiff auf der Landesgartenschau Papenburg

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„Die Kirche gehört unbedingt auf die Landesgartenschau“, findet Ulrich Hirndorf. „Die Natur, die Bewahrung der Schöpfung sind schließlich eines unserer Hauptanliegen.“ Der evangelisch-lutherische Theologe ist Gartenschau-Pastor in Papenburg, sein „Amtssitz“ für die nächsten Monate ist das Kirchenschiff, das auf dem Stadtparksee vor Anker liegt. Mit an Bord sind seine reformierte Kollegin Bianca Spekker aus Papenburg und der katholische Diakon Heinrich Diedrichs. Gemeinsam bieten sie ein abwechslungsreiches Programm, das von den Gemeinden vor Ort gestaltet wird und entsprechend bunt und vielseitig zu werden verspricht. Eine halbe Million Besucher werden auf dem Gelände in Papenburg erwartet. „Für uns als Vertreter der christlichen Kirchen war schnell klar: Wenn die Region sich hier präsentiert, muss die Kirche als Teil des täglichen Lebens dabei sein. Wir haben eine gute Botschaft, und wenn wir die Chance bekommen, sie weiterzusagen, sollten wir es tun“, meint Bianca Spekker. Seit Oktober 2012 organisiert der ökumenische Arbeitskreis die Veranstaltungen, die vom 27. April an auf dem Wasser und am Ufer stattfinden werden. In den kommenden Wochen wird das Kirchenschiff, ein schlichter Ponton mit Altar, aufgebaut. „Unsere Crew ist eine große Mannschaft aus ehren-

amtlichen Kräften aller Gemeinden aus Papenburg“, sagt Hirndorf. Der Rahmen spiegle wider, wie Kirche wahrgenommen werden wolle, ergänzt Bianca Spekker: „Sie macht einen geschützten Raum möglich und ist offen für Begegnungen mit Neuem. Das Areal des Kirchenschiffs ist durchlässig, man kann einfach hindurchgehen oder aber stehenbleiben und verweilen, hat dann einen offenen Blick über das Wasser und im Rücken einen schützenden Deich. Genau so möchte ich Glauben erleben.“ Das Thema „Christliche Seefahrt“ zieht sich als rotes Tau durch das Programm: Die Gäste können lernen, Kreuzknoten zu binden, kleine Holzsegelschiffchen mit Segenssprüchen auf die Reise schicken oder in den eigens angefertigten Holzsesseln – stilecht alten Stückgutkisten für Frachtschiffe nachempfunden – die Stimmung genießen. Für mehr als hundert der 180 Veranstaltungstage steht das Programm bereits, Konstante an jedem Tag sind drei Andachten. Sonnabends richten die Gemeinden regelmäßig Konzerte aus, der Sonntag gehört einem ökumenischen Gottesdienst. „Jeder Christ soll sich hier angesprochen und willkommen fühlen. Unsere Präsenz hier ist ein ganz niedrigschwelliges, handfestes Angebot“, betont der Gartenschau-Pastor. Das gilt auch für die niederländischen Nachbarn, mit denen die Theologen aus dem Emsland kooperieren: Ein Tag in der Woche wird von ihnen gestaltet – immerhin rechne man mit rund 40 Prozent niederländischen Besuchern auf der Gartenschau, so Hirndorf. von Anke Brockmeyer

INFO Ulrich Hirndorf, luth. Gartenschaupastor; Merle Gust, Projektleiterin der Landesgartenschau; Ralf Schlüter, Diözesanbaumeister des Bistums; Berthold Groenewold, Architekt im Landeskirchenamt der Ev.-ref. Kirche; Detlef Abel, Amt für Bau- und Kunstpflege der hannoverschen Landeskirche; Bianca Spekker, ref. Pastorin in Papenburg

Sonntag, 27. April um 14 Uhr: Gottesdienst „Wind – Wasser – Weite“ täglich um 12 Uhr: Mittagsandacht „Kompass“ täglich um 15 Uhr: Themenandacht „Vor Anker“ täglich um 18 Uhr: Reisesegen „Leuchtfeuer“ www.kirche-auf-der-landesgartenschau.de Foto: Imma Schmidt


Seit 1989 gemeinsam Reformierte im Nordwesten und Bayern gehen zusammen Es waren etwa 12.000 Reformierte in Bayern und 200.000 Reformierte in Niedersachsen, für die sich 1989 viel änderte - oder auch wenig. Im Jahr 1989 wurde gültig, woran die Leitungsgremien der Evangelisch-reformierten Kirche in Nordwestdeutschland und der Evangelisch-reformierten Kirche in Bayern fast zehn Jahre lang gearbeitet hatten. Am 1. Februar 1989 bekamen beide Kirchen eine neue Verfassung, die aus beiden eigenständigen, ganz unterschiedlich großen Kirchen die Evangelisch-reformierte Kirche machte. Die erhielt dann in einer Klammer den Zusatz: „Synode evangelischreformierter Kirchen in Nordwestdeutschland und Bayern“. Auch dieser Zusatz dokumentiert, dass es, wie die Beteiligten damals betonten, ein Fusionsprozess auf Augenhöhe war und nicht ein Anschluss einer kleinen Kirche an eine große. Wenig änderte sich für die Gemeindeglieder in den Kirchengemeinden im Norden und im Süden. Sie lebten weiter ihre reformierte Tradition und Frömmigkeit: in Bayern mit hugenottischen Wurzeln und in den Gemeinden im Allgäu auf die Schweizer Reformation zurückgehend. Im Nordwesten mit ostfriesischer und Grafschafter Tradition, aber auch mit so manchem hugenottischen Hintergrund. Gleichwohl gab es nach dem Zusammenschluss manche Gemeindebegegnung, erinnert sich der ehemalige Landessuperintendent Walter Herrenbrück, der sein Amt kurz vor dem Zusammenschluss antrat. So waren Bad Grönenbacher in Greetsiel und erlebten das Gemeindeleben einer ostfriesischen Dorfgemeinde. Die Gemeinschaft zwischen den verschiedenen Regionen ist in den 25 Jahren enger und in vielem selbstverständlich geworden, meint Hinnerk Schröder aus Nordhorn heute, der als Präses (Vorsitzender) der nordwestdeutschen Synode den Zusammenschluss damals mit begleitete. Dazu hätten auch Pastorenwechsel zwischen den Regionen beigetragen. Neben Schröder war auf nordwestdeutscher Seite der Chefjurist der Landeskirche, Winfried

Stolz, wesentlicher Träger des Fusionsprozesses. Die bayrische Seite vertrat deren Präses Hartmut Wenzel, Pastor in Nürnberg. Endgültig entschieden wurde über die neue Verfassung auf zwei Synoden, im November 1987 in Hannover und im Juni 1988 in Erlangen. Zwei Aspekte der neuen Verfassung streicht Schröder im Rückblick heute heraus. So bezieht

sich die Verfassung mit der Grundlegung „Keine Gemeinde darf über eine andere, kein Gemeindeglied über ein anderes Vorrang oder Herrschaft beanspruchen“ auf reformierte Prinzipien der Emder Synode von 1571. Außerdem beschreibt sie die besondere Beziehung zum Volk Israel und fordert eine Achtung der Würde jedes einzelnen Menschen in Kirche und Gesellschaft. Auch der aktuelle Präses des heutigen Synodalverbands XI, wie die Evangelisch-reformierte Kirche in Bayern jetzt auch heißt, Pastor Simon Froben aus Bayreuth, sieht in der damals beschlossenen Fusion Vorteile. So sei es gut, Mitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu sein, ebenso wie es stärke, zu einer größeren Gemeinschaft zu gehören. Erst vor einigen Jahren wurde der Zusatz in der Klammer aufgegeben, offizieller Name ist nun „Evangelisch-reformierte Kirche“. Und was der Zusammenschluss 1989 auch war, nämlich eine Art Sammlungsbewegung unter den Reformierten in Deutschland, die immer eine Minderheit im deutschen Protestantismus bildeten, setzte sich mit dem Beitritt der drei Gemeinden Braunschweig, Göttingen und Hamburg fort. von Ulf Preuß

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REFORMIERTES REISEZIEL

Wanderer, kommst Du nach ... ... Möllenbeck? Auf Neudeutsch heißt Wandern heute Pilgern. Und so liegt denn seit einigen Jahren das Kloster Möllenbeck auf dem offiziellen Nebenweg des Pilgerwegs Loccum-Volkenroda. Aber auch für zwei- und vierrädrige Menschen ist Möllenbeck im Weserbergland ein beliebtes Ziel. Umgeben von Wald und Feldern sind die beiden markanten Türme des Klosters schon von weitem zu sehen und wecken Neugier, denn das Kloster gilt als eine der besterhaltenen spätmittelalterlichen Klosteranlagen in Deutschland. Dass sich hinter den dicken Klostermauern auch eine Jugendherberge mit über 100 Betten verbirgt, mag man nur erkennen, wenn sich Jugendliche auf dem Außengelände tummeln, die aus ganz Deutschland hierher kommen. Im Jahr 896 wird das Kloster von der Gräfin Hildburg als freiadliges Damenstift gegründet. Eine wechselvolle Geschichte mit viel Brand und Zerstörung, Blüte und Niedergang klösterlichen Lebens folgt. Herausragend darunter – wie in Frenswegen – die Augustiner-Chorherren der Windesheimer Kongregation, die von 1441 bis zur Reformation 1559 hier leben.

Fotos: (1) Kloster Möllenbeck, (2) Sommerrefektorium, (3) Orgel in der Klosterkirche

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird das Kloster in Folge des Loccumer Vertrages an die reformierte Landeskirche zurückgegeben. Seit 1980 sind umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt worden, deren Früchte man heute besichtigen und sogar hören kann. Über zehn Jahre hat es gedauert, bis die Möhling-Orgel von 1842 in der großen Kirche endlich restauriert werden konnte und nun nach vier Jahren Bauzeit am 24. Mai im Anschluss an die Tagung der Gesamtsynode in Möllenbeck feierlich erklingen wird. Der Landeskirchenmusikdirektor Winfried Dahlke wird an diesem Tag eine Orgelexkursion von Ostfriesland bis nach Möllenbeck führen, der man sich gern anschließen kann. Aber auch darüber hinaus ist Möllenbeck ein lohnendes Ziel: Ob als Konzertsaal oder Ort des Irish-Folk-Festivals, ob als Jugendherberge oder Raum der Stille und der klösterlichen Abgeschiedenheit – das Erbe vergangener Jahrhunderte wird hier angemessen bewahrt – und Sie sind herzlich willkommen. von Roland Trompeter

INFO Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Möllenbeck Pastorin Ute Schulz Tel.: 05751 / 959457 schulz@moellenbeck.de Gottesdienst: sonntags 9.30 Uhr Besichtigungen und Führungen: Pastor Roland Trompeter Tel.: 05751 / 2992 trompeter@moellenbeck.de

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Fotos: Kloster Möllenbeck

Von April bis Oktober am zweiten Sonntag im Monat öffentliche Klosterführung um 11.00 Uhr, sonst nach Vereinbarung Jugendfreizeitheim: www.gruppenhaus.de/KlosterMoellenbeck Tel.: 05751 / 2992 Orgelexkursion: winfried.dahlke@reformiert.de Organeum Weener Tel.: 04951 / 912203


PERSONEN

[1] Marius Lange van Ravenswaay, Wissenschaftlicher Leiter der Johannes a Lasco Bibliothek Emden, ist als stellvertretender Vorsitzender in den wissenschaftlichen Beirat der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek Wittenberg gewählt worden. Die neu gegründete Forschungsbibliothek wird unter anderem die bedeutenden Bücher- und Archivbestände des Evangelischen Predigerseminars und der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt zusammenführen. [2] Christina Aus der Au Heymann, reformierte Theologin aus der Schweiz, wird Präsidentin des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages. Er ist im Jahr des Reformationsjubiläums vom 25. bis 28. Mai 2017 in Berlin und Wittenberg geplant. Die 47-Jährige ist Geschäftsführerin am Zentrum für Kirchenentwicklung an der Universität Zürich. Hans Eyermann, langjähriger Presbyteriumsvorsitzender der Kirchengemeinde Bützow (Mecklenburg), ist tot. Er starb unerwartet am 25. November im Alter von 76 Jahren. Im Nachruf der Gemeinde heißt es, der Tiermediziner habe sich Anfang der 1990er Jahre sehr darum verdient gemacht, dass die Evangelisch-reformierte Kirche in MecklenburgBützow nach dem Fall der Mauer eine neue geistliche Heimat in der Evangelischreformierten Kirche und im Synodalverband VIII finden konnte. Tim Bürger ist neuer Theologischer Mitarbeiter und Jugendseelsorger in der Jugendkirche Osnabrück. Am zweiten Advent wurde der 43-Jährige in sein Amt eingeführt. Gemeinsam mit Jugendreferentin Petra Kohrs ist er nun für die Jugendkirche zuständig. Bürger war zuvor drei Jahre lang Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau in Darmstadt.

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Foto: Ulf Preuß

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Foto: Thomas Köhler/photothek/AA

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Foto: privat

[6] Sabine Dreßler, ehemalige Pastorin der Evangelisch-reformierten Gemeinde Braunschweig, hat den neuen Arbeitsbereich „Reformierte Ökumene“ beim Reformierten Bund in Hannover übernommen. Die 51-Jährige wird dort die theologische Zusammenarbeit der Weltgemeinschaft Reformierter Kirche mit der Union Evangelischer Kirchen (UEK) koordinieren.

Foto: Ulf Preuß

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Foto: DEKT / Jens Schulze

5] Dietmar Arends, bis zum 28. Februar Pastor für Diakonie und Ökumene der Evangelisch-reformierten Kirche, ist neuer Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche. Er trat seinen Dienst im Landeskirchenamt in Detmold am 1. März an. Die lippische Landessynode hatte den 51-Jährigen im November 2013 zum Nachfolger von Martin Dutzmann gewählt, der im Oktober als Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nach Berlin gewechselt war. Dietmar Arends war sechs Jahre lang in seinem Amt tätig, zuvor war er Gemeindepastor in Leer. In einer Verabschiedungsfeier würdigte Kirchenpräsident Martin Heimbucher Arends Verdienste. Die ökumenischen Verbindungen seien in seiner Zeit gewachsen. Ebenso habe er wesentlich an der Gründung des gemeinsamen Diakonischen Werkes in Niedersachsen mitgewirkt.

Foto: Ulf Preuß

Johannes de Vries, zur Zeit noch Pastor in Esch bei der Protestantisch-reformierten Kirche in Luxemburg, wird neuer Pastor der Gemeinde Schüttorf. Die Gemeinde wählte ihn am 2. Februar als Nachfolger für Frauke Laaser, die im vergangenen Jahr in die Evangelische Kirche im Rheinland gewechselt war. Der 33-Jährige stammt aus Emden, nach seinem Theologiestudium absolvierte er sein Vikariat in einer Gemeinde in Wuppertal und an der Kirchlichen Hochschule.

Foto: privat

[3] Frank-Walter Steinmeier wird Präsident des Kirchentages 2019. Der 57-jährige Bundesaußenminister (SPD) ist seit 2011 im Präsidium des Kirchentages. Steinmeier stammt aus der Lippischen Landeskirche. [4] Friedrich Knoop, Pastor der Kirchengemeinde Lage (Grafschaft Bentheim), ist Kandidat der SPD für den Posten des Samtgemeindebürgermeisters in Neuenhaus. Die Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister findet in Neuenhaus am 25. Mai dieses Jahres statt, am Tag der Europawahl.

[7] Esther Pheiffer, südafrikanische Diakonin im Synodalverband Grafschaft Bentheim, hat den Synodalverband verlassen. Pheiffer war in den Kindergärten, in der Jugend- und Konfirmandenarbeit tätig und begleitete zahlreiche internationale Begegnungen. Nach ihrer Heirat im vergangenen Jahr erwartet sie ein Kind und ist zu ihrer Familie nach Clausthal-Zellerfeld gezogen.

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AKTUELLES

Diakonie spricht mit einer Stimme Seit Jahresanfang spricht die Diakonie in Niedersachsen mit einer Stimme. Die Diakonischen Werke aus Braunschweig, Hannover, Schaumburg-Lippe und aus der Reformierten Kirche arbeiten seitdem im Diakonischen Werk in Niedersachsen zusammen. Ende Januar fand im Brauschweiger Dom das offizielle Gründungsfest statt. In seiner Predigt nannte der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Landesbischof Ralf Meister, das neue Werk eine Initiative für die Zukunft, damit die Menschen, die in Not geraten, nicht alleine bleiben müssen. Der Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, Stephan Weil, betonte beim anschließenden Festakt, die Diakonie sei aufgrund des Subsidiaritätsprinzips ein wichtiger gesellschaftlicher Akteur, der sich durch die Kombination von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitenden stark aufstelle. Der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, Caritas-Direktor Hans-Jürgen Marcus, kritisierte den enormen Wettbewerb in der sozialen Arbeit, der besonders in Niedersachsen seit den 90er Jahren forciert wurde und zugleich stark staatlich reglementiert werde.

Foto: Diakonisches Werk Niedersachsen

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Der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes der Evangelisch-reformierten Kirche, Wolfgang Wagenfeld, sieht zwei wesentliche Vorzüge des neuen Werkes: „Die Interessen der Diakonie in Niedersachsen sind jetzt gebündelt. So können wir deutlicher die Interessen von benachteiligten Menschen wahrnehmen.“ Für die diakonischen Einrichtungen bedeute das neue Werk eine hohe fachliche Sozial- und Rechtsberatung, die bislang von Leer aus nicht erbracht werden konnte. Aus der Evangelisch-reformierten Kirche sind 50 diakonische Einrichtungen Mitglied in dem neuen Werk geworden: Pflegedienste, Altenheime, Sozialdienste und Jugendhilfeeinrichtungen. Außerdem sind die in Niedersachsen gelegenen Synodalverbände Mitglied. Das neu gegründete Diakonische Werk in Niedersachsen vertritt mehr als 3.800 Einrichtungen mit etwa 65.000 Mitarbeitenden. Das evangelisch-reformierte Diakonische Werk mit Sitz in Leer bleibt weiterhin bestehen und ist zukünftig im Wesentlichen für die diakonischen Aufgaben der Kirchengemeinden sowie für die Kindertagesstättenarbeit zuständig. Wolfgang Wagenfeld, Geschäftsführer des evangelisch-reformierten Diakonischen Werkes

Foto: Ulf Preuß

Fast 585.000 Euro für „Brot für die Welt“ In der Evangelisch-reformierten Kirche ist das Spendenergebnis für „Brot für die Welt“ deutlich angestiegen. Im Jahr 2012 kamen durch Spenden und Kollekten in den Kirchengemeinden 584.500 Euro für die evangelische Hilfsaktion zusammen. Das sind über 120.000 Euro mehr als im Jahr 2011. Kirchenpräsident Martin Heimbucher bedankte sich bei allen Spendern. „Sie haben damit ein Zeichen für christliche Nächstenliebe und aktive Solidarität gesetzt.“ Gleichzeitig ruft er zu weiteren Spenden in diesem und im nächsten Jahr auf. „Mit einer Spende für ‚Brot für die Welt‘ zeigen Sie, dass Ihnen die Lebenssituation anderer Menschen nicht gleichgültig ist.“ [1] Friedhof in Nüttermoor ausgezeichnet Der Friedhof der Kirchengemeinde Nüttermoor bei Leer hat bei einem bundesweiten Wettbewerb um den schönsten Friedhof den sechsten Platz belegt. Zum dritten Mal vergab das Internetportal bestattungen.de den Preis in diesem Jahr. Neben Friedhöfen wurden auch Grabsteine, Gräber, Urnen und Särge ausgezeichnet. Der Friedhof in Nüttermoor stammt aus dem 12. Jahrhundert und liegt zusammen mit der Kirche auf einer Warft. Dem Kirchenrat der Gemeinde sei es sehr wichtig, einen eigenen Friedhof zu unterhalten, so Pastorin Ingrid Keßler-Wortel. “Mit dem Friedhof zeigen wir, woher kommen wir und wohin gehen wir.“ Der schönste Friedhof Deutschlands ist der im Jahr 1395 gegründete St. Johannisfriedhof in Nürnberg. Am Wettbewerb nahmen mehr als 50 Friedhofbetreiber teil. Reformierte Weltgemeinschaft begrüßt Die Weltgemeinschaft reformierter Kirchen (WGRK) hat seit Anfang Januar ihren Sitz in Hannover. Am 12. Januar wurde der internationale Dachverband von reformierten und unierten Kirchen mit einem Gottesdienst in der niedersächsischen Landeshauptstadt begrüßt. Ihr Präsident, Jerry Pillay aus Südafrika, sagte, von Hannover aus werde die Weltgemeinschaft „neue Kapitel des Lebens, der Arbeit und des Zeugnisses reformierter Kirchen schreiben“. Im Jahr 2012 entschied die Weltgemeinschaft, ihren Sitz aus finanziellen Gründen von Genf nach Hannover zu verlegen. Sie hat jetzt ihren Sitz im Calvin-Zentrum in der Knochenhauerstraße in der hannoverschen Innenstadt, wo bereits seit einigen Jahren der Reformierte Bund untergebracht ist. Zur WGRK (engl.: World Communion of Reformed Churches) gehören weltweit 80 Millionen Christen aus 227 reformierten, presbyterianischen und unierten Kirchen in 108 Staaten.


AKTUELLES / IMPRESSUM

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Foto: Gemeinde Nüttermoor

Emden ist erste Reformationsstadt Europas Als erste Stadt darf sich Emden künftig „Reformationsstadt Europas“ nennen. Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) mit Sitz in Wien habe der Stadt die Auszeichnung bereits im Dezember zuerkannt, sagte Emdens Oberbürgermeister Bernd Bornemann auf dem Neujahrsempfang der Stadt. Mit dem Titel wolle Emden für das Reformationsjubiläum 2017 werben, so Bornemann. Emden gehörte im 16. Jahrhundert zu den einflussreichen Stätten der Reformation mit den Reformatoren Johannes a Lasco (1499-1560) und Menso Alting (15411612). [2] Mehr Freizeit- und Bildungsangebote für Jugendliche Die Evangelisch-reformierte Kirche hat jetzt ihr Freizeit- und Seminarprogramm für das Jahr 2014 veröffentlicht. Mit mehr als 70 Angeboten finden sich im aktuellen Freizeitplaner mehr Freizeiten und Seminare als im vergangenen Jahr. „Dieser positive Trend zeigt, wie groß die Nachfrage bei Kindern und Jugendlichen nach nichtkommerziellen Reiseangeboten ist“, so Landesjugendpastor Bernhard Schmeing. Kirchliche Freizeiten böten dabei ein besonderes Gemeinschaftserlebnis. Viele Freizeiten fänden in der näheren Umgebung statt und seien daher auch für den schmalen Geldbeutel geeignet. Schmeing hob besonders die hohe Anzahl von Seminaren hervor, dazu gehörten besonders Musikseminare und Kurse zur Gruppenpädagogik.

Freizeiten und Seminare der Jugendarb eit der Evangelisc h-reformierten Kirche

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Der Freizeit- und Seminarplan ist bei allen Pastorinnen und Pastoren in den evangelisch-reformierten Gemeinden erhältlich oder im Landesjugendpfarramt kostenlos zu bestellen: Sabrina Mammen, Tel.: 0491-9198210, jugend@reformiert.de

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Foto: Jens Schulze

Foto: privat

Austragungsland vor zwei Jahren war Ruanda

[3] Frieden als wichtiges Zukunftsthema In einer 100-Tage-Bilanz hat Kirchenpräsident Martin Heimbucher Ende Januar in einem Pressegespräch zukünftige Aufgaben benannt. Er kündigte an, dass die Auseinandersetzung mit der Friedensfrage ein wichtiges Thema der nächsten Zeit werde. Der Friedensausschuss solle sich mit dem neuen EKD-Papier zum Afghanistan-Einsatz beschäftigen und dazu eine Stellungnahme für die Gesamtsynode erarbeiten. Heimbucher sagte, dass der Militäreinsatz, auch im Blick auf weitere mögliche Auslandseinsätze Deutschlands, kritisch evaluiert werden müsse. Politik und Gesellschaft erwarteten in dieser Frage eine kritische Beteiligung der Kirchen. Mit Blick auf die Kirchengemeinden sagte Heimbucher, dass diese weiterhin einem Veränderungsdruck ausgesetzt seien. Demografischer Wandel und Landflucht forderten gerade kleine Kirchenge-

meinden heraus. Im Zuge des Wandels sei es auch notwendig, Aufgaben abzugeben und nicht immer neue immer weniger Menschen aufzubürden. Dies gelte für Haupt- wie Ehrenamtliche. Die Aufgabe der Kirchenleitung sieht er darin, diese Prozesse der Erneuerung und Veränderung zu ermöglichen und zu fördern. [4] Große internationale Jugendbegegnung Die Internationale Jugendbegegnung CAP findet in diesem Sommer auf Einladung der Evangelisch-reformierten Kirche in Deutschland statt. Dabei verbringen 40 junge Erwachsene aus Südafrika, Ruanda, Belgien und Deutschland gemeinsam drei Wochen. Zum Programm gehören verschiedene Workshops, die Mitarbeit in sozialen Projekten, das Gespräch über kulturelle Grenzen und Gemeinsamkeiten sowie die gemeinsame Tagesgestaltung. Tagungsorte sind in der Zeit vom 25. Juli bis 15. August Kloster Möllenbeck bei Rinteln und Kloster Frenswegen bei Nordhorn. Das CAP-Programm wurde 1983 als Begegnung zwischen Belgien und Südafrika unter dem Namen KAP - „Kameraden – Arbeiders – Partners“ gegründet. Interessierte junge Erwachsene (18-26 Jahre) können sich noch anmelden. Die Teilnahme kostet 150 Euro. Während der Jugendbegegnung besteht die Möglichkeit, mit Teilnehmern aus anderen Ländern ein Wochenende zu Hause zu verbringen. Informationen bei: Evangelisch-reformierte Kirche, Sabrina Mammen, Tel.: 0491-9198 210 www.reformiert.de/internationale-jugendbegegnung.html

IMPRESSUM Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Redaktion: Ulf Preuß (verantwortlich), Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Mitarbeit an dieser Ausgabe: Sven Kramer Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.projektpartner.info Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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Politik Macht Evangelisch-reformierte Kirche

Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Kirche

Kirche und Religion im Koalitionsvertrag der Bundesregierung

Alle Religionen haben Freiraum zur Entfaltung

POSITION

Ende Dezember einigten sich CDU, CSU und SPD auf die Bildung einer neuen Bundesregierung. Der von den Parteien ausgehandelte Koalitionsvertrag „Deutschlands Zukunft gestalten“ enthält auch Passagen zu dem Themenfeld Kirchen und Religionsgemeinschaften. Wir dokumentieren hier ausgewählte Passagen zusammengestellt von Sven Kramer.

Allgemein „Wir werden den Dialog mit den christlichen Kirchen, Religionsgemeinschaften und religiösen Vereinigungen sowie den freien Weltanschauungsgemeinschaften intensiv pflegen. Sie bereichern das gesellschaftliche Leben und vermitteln Werte, die zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft beitragen. Wir bekennen uns zum Respekt vor jeder Glaubensüberzeugung. Auf der Basis der christlichen Prägung unseres Landes setzen wir uns für ein gleichberechtigtes gesellschaftliches Miteinander in Vielfalt ein…“ „Dankbar stellen wir das Erstarken des jüdischen Lebens in unserem Land fest…“ „Den vielfältigen Beiträgen muslimischer Vereine und Verbände zu unserem Gemeinwesen – etwa … zum Dialog zwischen den Kulturen und Religionen – gilt unsere Wertschätzung und Unterstützung.“ „Eine offene Gesellschaft bietet im Rahmen der Verfassungsordnung allen Religionen den Freiraum zur Entfaltung ihres Glaubens.“ (alles S. 113) Antisemitismus „Das entschiedene Eintreten gegen jede Form von Antisemitismus ist auch ein Kennzeichen unserer Außenpolitik.“ (S. 174 f.) Islamkonferenz „Den vielfältigen Beiträgen muslimischer Vereine und Verbände zu unserem Gemeinwesen … gilt unsere Wertschätzung und Unterstützung. In diesem Sinne wollen wir die Deutsche Islam Konferenz fortsetzen.“ (S. 113) Kirchensteuer „Wir halten … am System der Kirchensteuern fest, damit die Kirchen Planungssicherheit haben. Nur so können sie die eigenfinanzierten Leistungen zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes weiter sicherstellen.“ (S. 113)

Reformation „Zum Gedenken an den weit über die Grenzen Deutschlands und Europas hinaus bedeutenden 500. Jahrestag der Reformation 2017 wird auch der Bund einen angemessenen Beitrag leisten.“ (S. 113) Soziale Dienstleistungen „Die christlichen Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände sind in vielen Bereichen unserer Gesellschaft unverzichtbar, nicht zuletzt im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, bei der Betreuung, Pflege und Beratung von Menschen sowie in der Kultur. Zahlreiche Leistungen kirchlicher Einrichtungen für die Bürgerinnen und Bürger sind nur möglich, weil die Kirchen im erheblichen Umfang eigene Mittel beisteuern und Kirchenmitglieder sich ehrenamtlich engagieren. Wir halten daher auch am System der Kirchensteuern fest, damit die Kirchen Planungssicherheit haben. Nur so können sie die eigenfinanzierten Leistungen zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes weiter sicherstellen. Zugleich wollen wir die kirchlichen Dienste weiter unterstützen. Dabei achten wir die kirchliche Prägung der entsprechenden Einrichtungen…“ „Wir unterstützen die jüdischen Gemeinden und die jüdische Wohlfahrtspflege, zum Beispiel bei der Integration von Zuwanderern und dem Aufund Ausbau von Bildungs- und Kultureinrichtungen.“ (S. 113) Staatskirchenrecht „Das bewährte Staatskirchenrecht in unserem Land ist eine geeignete Grundlage für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften.“ (S. 113)

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Die zweite Ausgabe von "reformiert" im Jahr 2014 widmet sich dem Jahresthema der EKD: Reformation und Politik.

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